1899 / 295 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

ne die konservative |

uns diesem Mißtrauensvotum niht anschließen. seinen Eintritt ins Amt begrüßt, und wir sind in unserem n ge ust worden. Die Konservativen loben gi die e Politik, {einen aber dafür Sap dem Grafen Bülow lnertennung zuwenden zu wollen und übersehen, daß der Reichs- anz n ae intritt des Grafen Bülow diese Politik getrieben a so find wir der Meinung, daß der Kanzler dur die Auf- ebung des Verbindungsverbots ‘für Vereine si einen freten Bli> be- wahrt hat für die Anforderungen unserer Zeit Auch die Konservativen baben ja anerkannt, daß sie auf die Aufrechterhaltung des Verbots kein Gewiqt. legen; also war dieses Verbot von allen Seiten als unnüß und seine ufre<terhaltunz als s{<ädli< fawenes Eine NRe- plerung handelt nur weise, wenn sie solche allseitig verurtheilten Vor- riften beseitigt. Herr Lieber hat gemeint, daß das katholishe Volk _\i< in Deutschland niht wohl iûhle JI< kann das nicht ganz zu- seben; er fühlt fi< do< gewiß wohl, und is es niht der Fall, dann ee es lediglih an seiner nafsauishen Heimath. Seine rheinischen Kollegen fühlen si< so wohl in Preußen, daß einer ihrer Wortführer auf dem leuten Katholikentage in Neisse die Versammlung aufforderte: servite domino in laetitia! Graf Limburg will an der alten Uebun festhalten, Kaiserreden nit in die Verhandlungen zu ziehen; au der Bundesrath hat \ih gestern und heute ähnli geäußert. Diesmal ‘ift es aber do< ganz unumgänglih. Die amtlihe Veröffentlihung ‘der beiden Reden in Dortmund und Hamburg eine davon erschien in etner Extraausgabe erfolgte do< in der Absicht, daß das deutsche Volk fie sih zu Herzen nehmen soll. Darum kann der Reichstag nicht an diesen beiden Reden vorbei. Wir sind Seiner Majestät dem Kaifer dankbar für Seine Stellungnahme, für die Andeutung der Wege, die nah Seiner Auffassung die Politik tes Deutshen Reiches ein- [Magen muß. Den s{weren, sharfen Tadel, den Herr Lieber in der Hamburger Rede sicht, sehe i< darin nit; ih sehe in der Rede , eine Mahnung. Ich glaube au nicht, daß der Reichstag mit dieser e getroffen werden sollte; mit Seinen Aeußerungen hat der Kaiser nur tadelad zurü>gebli>t auf die aht Jahre bis zum Flottengeseßy. Wenn der Kaiser von Parteiungen im Volke |pricht, hat Er da niht Ret? Das Zentrum versteht, seine Reihen zusammenzuhalten, weil die Mea niaHen der Geistlichkeit das Jhrige thut; aber sehen Sie sh die übrigen Parteien an. Auf der Rechten fünf oder no<h mehr konservative, ebenso viel auf der linken Seite [liberale Parteien, abgesehen von den niht zu den bürgerlihen Parteien zählenden Sozialdemokraten. Warum soll man ta nicht dem Kaiser ein warnendes Wort gestatten? Es war die Mahnung, die nationalen Fragen aus dem Parteistreit auszusheiden. Darauf kann man das deutsche Volk garniht oft genug hinweisen. Auh das Zentrum hat si< ja auf den nationalen Boden gestellt. Aber ift das im ganzen Reichstage der Fall? Herr Bebel hat nnover erklärt: Wir sind für das Milizsyftem aus Klasseninteresse; er sheidet also die nationalen Fragen niht aus dem Parteigetriebe aus, sondern zieht fie gerade hinein. NVebrigens8 hat sich Herr Bebel nah eigenem Zeugniß wieder mehrfah gemausert ; er ist vom Föderalisten zum Zentralisten geworden und hat ein Kultur- programm aufgestellt, welhes er s< aus Reden nationalliberaler Landtagsmitglieder zusammengestellt haben muß, soweit es die Sqhul- frage, die Fortbildungsshulen u st. w. betraf. Was den Etat betrifft, fo fennen wir diesmal das Arbeitäprogramm der Regierung nicht, weil wir infolge der beshlossenen Vertagung keine Thronrede erhalten haben. Das erschwert einigermaßen auch die Kritik der Gesammt- lage, wie sie bei der Generaldebatte des Etats heckömmlih ist. Was uns fehlt, i vor allem ein E S tgcies: das Reich hat ein solches viel nothwendiger als Beru, wo es in der Eten Session endlich zu stande gekommen is. Mit dem formellen Vorschlage der Schaffung eines Betriebsfonds der Reichs- kassen können wir uns einverstanden erklären. Hingewicsen werden muß aber darauf, daß hierbei Bay:rn nicht herangezogen wérden fol ; wir verftehen ni<t, warum Bayern allein der aus dem bisherigen Verfahren resultierende pekuniäre Vortheil erhalten bleiben soll. Die Verayshlazung der Einnahmen aus den Zöllen erscheint uns als zutr.ffffend und die Bemängelung derselben nicht ge- reWtfertigt. Schwierig war diesmal die Veranschlagung der Eíin- nahmen aus dem Etat der Post- und Telegraphenverwaltüung, do<h gehen au< hier die Bedenken des Herrn Dr. Lieber wohl zu weit. Der Betriebskoeffizient der Neichseisenbahneu is auf eine ganz außerordentlihe Höhe gestiegen. Im allgemeinen bleibt ja erfreulicher Weise die Regierung der Ansicht, daß die wirthschaftlihe Prosperität no niht nachgelassen hat, ja im Wachsen begriffen ift, daß die wirths{aftlihen Verhältnifse no< ausgezeichnete sind. Wir theilen diese Auffassung, wenn wir au<h nit verkennen, daß diesen Lichtseiten starke Schattenseiten gegenüberstehen; wir nehmen auch an, daß die Wendung, wenn sie einmal eintreten wird, nicht eine fo stark abfallende Konjunktur über Deutschland bringen wird, wie das früher überwiegend der Fall war. Im Ganzen haben wir gegründete Aus- ficht, daß die veranschlagten Einnahmen auch einkommen werden. Der Kolonial-Gtat ift wieder weiter anges<wollen. Wir finden das nicht wunderbar; wenn man überhaupt Kolonien haben will, dann muß man auh Geld hineinste>en, um fie zu entwi>eln. Wir werden uns diesen Anforderungen gegenüber niht ablehnend verhalten. Nur in einem Punkte haben wir Bedenken. Es soll eine ostafrikanische Zentra!- bahn gebaut werden, wel<he 11 Millionen kosten soll, und es werden ganze 100000 A zu Vorarbeiten gefordert. Wird die Bahn bewilligt, dann muß man do mehr auf den Bau im kommenden Jahre verwenden als. diese läherlih geringe Summe. Nun ift vns ja eine Nachforderung 0 in Aussicht gestellt. p Militär-Etat übergehend, möchte ih die Aufmerksamkeit darauf lenken, daß der „Harmlosen“-Prozeß wieder mit ershre>ender Deutlichkeit gezeigt hat, wie ia den Kreisen der Osfiziere viel und hoh gespielt wird, wie s< dort eine betrübende - Verachtung, des väterlichen Vermögens breit maht. Ein solches Treiben ist für die Moral des Volkes hö<f \<ädli< und erwe>t au< sozialpolitis< die allers<limmsten Besorgnisse. Die Ver- waltung muß hier, wenn sie au<h den Spieltrieb natürli nicht wegdekretieren kann, mit allen zulässigen Maßnahmen eingreifen. Der Chef des Reichs - Militärgerihts if in dem Etat mit 6 Rationen bedaht; ih weiß garniht, was der mit 6 Nationen foll, wenn ni<t das Mteilitärgeriht etwa. zu Pferde abgehalten werden soll. Daß die Lecle für Materialien, insbesondere im Marine- Etat sich um Millionen erhöht haben, ist ja hon bekannt. Im Etat des Reichsamts des Innern begrüßen wir besonders die Forderung für die Ausftellung für Arbeiterwohlfahrt; wir bedauern, daß nicht auch ür die Umgestaltung und Ausbauung der Reichskommission für rbeiterftatistik neue Mittel ausgeworfen sind. Wir haben diese Forderung seit Jahren erhoben, damit endli einmal das Reich in den Besiy eines arbeitsstatistishen Amts kommt. Namens meiner Partei habe ih mi s<ließli< no< über die politishe Lage und die auswärtige Politik zu äußern; wir sind nah den Ausführungen des Grafen Bülow wie die andern Parteien dazu genöthigt Wir erkennen an, daß die auswärtige Politik in den von Fürst Bismar> vorgezeichneten ahnen sh jt bewegt, wir haben urs au darüber gefreut, daß unser auswärtiger Minister ih diplomatish aus- rüdt und niht so undiplomatis< wie Ministec anderer Staaten. ir freuen uns, daß wir in ein gutes Verhältniß zu England ekommen sind, verhehlen aber nit, daß unsere Sympathien auf Seiten der Buren stehen, welhe ih in einem Existenzkampf gegen die Uebermacht der Engländer befinden. Die Beziehungen der Staaten “zu einander aber haben si< nit von ethis<hen Gesihtepankten, jondern : lediglich von der gesunden Selbstsucht beeirflussen zu lassen, und des- 4 nd wir mit der ftrikten Neutralität gegenüber England und mit der Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zu England einverstanden. Wenn der Werth der Erwerbung Samoas auch absolut nicht groß ist, so hat Samoa doch Affektionswerth für uns, weil Fürst Biema1>

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Snteresse, des Friedens von der Ds Gebraud riht die Geschichte. Wir era<hten die Vermehrung der Flotte für ALAG E Selbstverständlih gehen wir nit leichten zens an die Lösung dieser Frage: es handelt s< um olofsale Summen, um fast eine illiarde. Mit der einfachen Anweisuag dieser Summe auf Anleihen wird es nicht gethan fein, Das Wasen unseres Exports und Jmports if ein ganz ungeheures; die Zunahme der Bevölkerung, worauf wir \tolz sein können, erfordert gebieteris< die Schaffung von Arbeitsgelegenheit. Darum if unsere neue Rüftung von der größten Bedeutung, weil nur dadurch l unsere Jndustrie die genligenden Absatzgebiete geshafen und gesichert werden können. Die Flottenfrage ift deshalb durchaus populär. Um so wichtiger ift dann au, daß die Frage vorsichtig be- handelt wird. Der Kaiser hat die N SIDiGt einer ftarken Flotte betont, das ift Sein Recht; aber Seine Rathgeber haben nunmehr die richtigen Wege für die Erreihung dieses Zieles ausfindig zu machen. Da muß vor allem vor Uebertreibungen und Maßlosigkeiten in der Agitation gewarnt werden. Wenn täglihe Korrespondenzen tägli Flottenartikel bringen, so ift das für das deutsche Volk zu viel. Und dann hüte man ih, no< die unrichtige Person an die Splte des Flottenvereins zu stellen. Gegen .nihts is das deutsche Volk empfindlicher als dagegen, daß an die Spiße folher Agita- tionen Geschäftsleute gestellt werden Sonst könnten die Sym- pathien - des Volkes für die Flottenvermehrung tief ges<hädigt werden. Herr Bebel hat sich gestern nicht Céfdeut, zu“ sagen, Deutschland sei ein Reih der Reichen. Welches andere Land hat soviel gethan für die Arbeiter als Deutschland? Ih wüßite keines. Es giebt aber au< kein Land, wo die innere Wobhlfahrt so abhängig iff von der Entwi>kelung der äußeren Macht. Zwischen dem Weftfälishen und dem Pariser Frieden ist in Deutschland kein einziges Rathhaus gebaut worden. Das deutsche Tus in Stadt und Land hat allen Grund, auf die heutigen Zuftände \tolz zu sein und brauht fih ni<ht immer von den Sozial- demokraten, den Kommunisten, sagen zu lassen, es seten unerträgliche Zuftände. Die Lebenshaltung des Volks is ganz außerordentli ge- steigert, und zwar niht nur bei den Reihen und Wohlhabenden. Wir haben gute Finanzen und ein tühtiges Beamtenthum. Wir bewilligen, was nôöthia ist zur Aufrehterhaltung der deutshen Machtstellung und zur Schaffung' von S enes gegenüber den Anderen, mögen diese Anderen noch so mächtig sein. Wir fordern andererseits, daß alle Klassen der Bevölkerung in ihren Interessen von der Regierung gleihmäßig ge- fördert werden. Landwirthschast, Industrie und Handel müssen zu ihrem Rechte kommen in aeleat eung und Verwaltung. Dazu muß die Regierung des Deutschen Reichs einheitlid und stark sein; es muß av< der Schein vermieden werden, als herrshe im Reiche und in Preußen ein Gegensaß. Nicht in einer Partei allein ijt die Regierungs- fähigkeit zu suhen; mit allen Parteien muß die Regierung s<htedlih friedli< zu leben bemüht sein. Die Freude am Deutschen Reiche wollen wir uns dur niemanden verkümmern lassen.

Abg. von Kardorff (Rp.): Die Fülle der. Themata, welche der Vorredner berührte, hätte für zwanzig Reden Stoff geaeben. Das Thema der ostafrikanishen Eisenbahn und das des Che>oerkehrs sollte man aus dem Etat herausnehmen und für {ih behandeln. Bei Durchsicht der einzelnen Etats habe ih niht gefunden, daß der Etat zu optimistish aufgestellt ist; es ist dur<weg nah altbewährten Grundsätzen verfahren worden. Herr Lieber sieht {hon einen Nü>- gang der wirthshaftlihen Entwickelung eintreten. Es if s{<wer, etwas darüber zu sagen; eins aber betrübt mi< immer wieder, die Höhe der Einnahmen aus den Getreidezöllen, welhe beweist, daß die Noth der Landwirthshaft immer no< in unvermindeiter Höhe besteht. Daß es den verbündeten Regierungen nicht gelungen ift, in allen diesen Jahren ein Mittel zu finden, wel<hes der Landwirthschaft definitiv helfen kann, bedauere ih sehr; es hätte sich do< ermöglichen lassen, „Oesterrei<h und Rußland dazu zu veranlassen, uns gegen Ge enkonzessionen höhere Getreidezölle zu bewilligen. te verbündeten Regierungen haben aber f\tets auf die Selbsthilfe ver- wiesen. Gewiß hat das Genofsenschaftswesen außerordentlihe Ver- breitung gefunden, und s{ließli< haben wir den Bund der Landwirthe gegründet, um der Landwirthschaft die Vertretung zu s{haf-n, welche vothwendig ist, wenn sie ni<t über den Hausen gerannt werden soll. Aber der Bund der Landwirthe gilt ja heute {hon als etwas Verbrecherishes. Mein verewigter Freund Schulhz - Lupit hat ftets die Auffafsuog verfochten, daß Deutschland sein Getreide und fein Fleis selbständig produzieren kann, sobald die Preise darnach \ind; aber beute de>en die Preise niht die Herstellungtkoften. Herr Bebel hat immer wieder von den Avsbeutern der Arbeiter gesprochen. Wenn man die Betriebe der Großindujtrie, wie den meines Freundes Stumm, mit sol<hen Bezeichnungen belegt, bitte ih, mir fozial- demokratis<he Betriebe anzuführen, wo so viel für Arbeiter geschieht, wie auf den Werken des Herrn von Stumm. Auf die auswärtige Politik sid einzulassen, ist niht ohne Schwierigkeit, da wir das diplomatische Schachbrctt nit so gut überbli>ken. Daß etwa nah einem unglü>lichen Ausgange des Burenkrieges England aufgetheilt werden möchte, wie Herr Bebel für möglich hält, ift do< wohl etne Utopie. England ift gerade na< dem Verluste der amerikanis<hen Union Weltmacht und oberste Seemacht geworden. In Süd-Afrika wird der englishe Einfluß stets entscheidend bleiben. Wir können nur sehr bedauern, daß der Reichskanzler in der Sozialpolitik diejenige Wandlung durhgemacht hat, die einer der Borredner als Zi>kza>kurs bezeihnet hat. Es3 wird das Verbindungév-rbot der Vereine aufgehoben, ohne daß gleih- zeitig in. den Einzelstaaten Kompensationen eintreten. Es ‘werden ab- we<selnd Bü>linge vor der Sozialdemokratie und vor dem Groß- kapital gema<t. Soll die nationalliberale Partei an die Stelle der Konservativen in der Regierung treten, wie Herr Sattler andeutete, so wird der Bund der Landwirthe darin eine Kriegserklärung zu sehen haben, Jedenfalls bin ib neugierig, wie die nationalliberalen Minister mit den heutigen Schwierigkeiten fertig werden. Man hat gesagt, der Kanal solle vor den Reichstag gebraht werden, dort würde er glatt durhgehen. Ja, für Kanäle mit Wasser interessiert sich jeder, aber Kanäle ohne Wasser, wie der Mittelland- Kanal, würden auch im Reichstage auf Bedenken stoßen. Cinftweilen haben wir in den Eisenbahnen ein weit billigeres Beförde ungsmittel. Das „Berliner Tageblatt" is doch so ein gewisser offizieller Moniteur der Regierung; dieses Blatt schrieb zuerst: wenn die Beamten nicht ein- s{hwenkten, müßten sie weggcejagt wérden - das hat sich alles so programmmäßig abgewi>elt. Die linke Seite des Hauses hat das ja sehnlichst gewünsht. Ja, lesen Sie doch das „Berliner Tageblatt"! Es wäre sehr interessant, wenn die Verhandlungen über die Disziplinierung der Beamten gleichzeitig im preußischen Landtage und hier statifänden Ich habe es immer für eine gute Gerflogenheit des Parlaments gehalten, Reden des Staatsoberhaupts, überhaupt das Staatsoberhaupt, niŸt in die Debatte zu ziehen, wenn es auch in der Verfassung und in der Geschäftsordnung nicht vorgeschrieben is. Es widersp:iht dem monarchishen Gefühl, die Person des Monarchen in die Debatte zu ziehen, und i< würde es nur für zulässig halten, Reden des Kaisers in die Debatte zu ziehen, wenn sie kontrasigniert sind von verantwortlihen Ministern. Dieser Standpunkt wird in England ausgedrü>t mit den Worten: der König kann kein Unrecht thun. Ich glaube, die ganze Ministerverantwortlichkeit verflüchtigt sich. wenn wir diesen Standpunkt aufgeben. Esz ift ja mit der Ministerverantwortlichkeit eine eigene gt 1 und es ershre>t mi<h< immer, wenn ih in den Blättern lese, unser gegenwärtiger Zustand wäre so, daß eigentlih ein absolutes Regiment besser wäre. Wenn es so wâre, wie es in diesen Blättern geschildert ist, daß die Befehle nur aus dem Kabinet an die Vinifter kommen und von diesen un- weigerlih ausgeführt. werden müssen, dann würde auch ih theoretis< zu dem Satze kommen, ein abjolutes Regiment wäre besser. Jch glaube, au Hochkonservative im Lande wünschen nicht, daß die preußishe oder die Reichsverfassung aufgegeben wird. Ob die Ministerverantwortlihkeit wirklih aufrehterhalten wird, is mir aller-

ite an als im uh macht, dafür

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<merzt m en weil ih m E ase von Miquel \e vielen Jahren persönlich befreundet bin, und wel i<_ ihn für ein außergewöhnlich weitsihtigen Politiker halte, den weitsichtigsten, dem ih jemals im Parlament begegnet bin. Es thut mir außerordeutli leid, daß er diese Dane gerung un getheilt hat, obwohl es heißt, da er persönlih dagegen wäre. Wir werden ja im Landtage der Sache wieder nähertreten. Es giebt ‘in Deutschland keine Partei, wel niht Sympathie für die Buren hätte; damit hat Herr Sattler nihts der nationalliberalen artei jpesifisch Eigeuthümliches ausgesprohen. Die Londoner Börsenspekulanten find es, welche diesen Krieg gegen Transvaál insceniert haben, um sib in den Besiy der dortigen Goldfelder zu seßen. Die Londoner City is doch die Weltwvährung ; 8 hat allein gegenüber dem Beschluß sämmtlicher Staaten behufs internationaler Vereinbarung über die Remonetisierun des Silbers sih für das Gold Engeteat und jeden Zusammenschlu u nihte gema<ht. Wie gerade die angeblichen Vertreter der

rbeiterpartei für die Goldwährung sind, if mir überhaupt nie ganz klar geworden; die Arbeiter anderer Staaten \ind darin weitsihtiger. Der Burenkrieg is au< nur eine Konsequenz der Goldwährung. Für die Flottenvermehrung bin ih {hon zu

Wunderbar ift allerdings, daß wir uns hier über eine Vorlage unter- halten müssen, von der wir weiter ni<ts wissen, als daß sie 800 Millionen kosten sol. Man kann daher über dies Thema nur die allgemeinen Redensarten wiederholen von der weltges<i<tlihen Be- deutung der Seemacht, von der Nothwendigkeit, den Handel zu stüßen, u. st. w. Meine Freunde werden gern bereit sein, alles zu thun, was in ihren Kräften steht, um das Flottengeseß zu stande zu bringen. Aber die Art der Agitation für die Flottenvorlage hat niht den günftigen Erfolg gehabt, den eine ruhige Behandlung der Sache gebabt habèn würde. Schmerzlih berührt mi<h die Klage in süddeutshen Blättern, daß hter solhe Fragen als selbftber- ftändlih behandelt würden, ohne daß die einzelnen Regiecungen davon etwas zu wissen bekommen hätten. Es wäre ein großer Fehler, zu versäumen, die nöthige Rücksicht gegen die verbündeten Regierungen zu üben. Die einzelnen Etatspositionen werden wir, wie bisher, in der Budgetkommission zu prüfen haben.

Vize-Präsident Dr. von Frege: Der Herr Abg. von Kardorff hat eine ganze Beamtenkategorie als unfähig und unzuverlässig be- leine, Ich nehme an, daß er das nur in objektiver Weise thun wollte.

Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner:

Meine Herren! Der verehrte Herr Vorredner hat geglaubt, heute wieder auf den Beschluß der verbündeten Regierungen zurü>- kommen zu müssen (Zurufe: lauter !), nah welhem das Verbindungs- verbot der Vereine aufgehoben ift. Er hat es hierbei so dargestellt, als ob die Politik der jeßigen Regierung einen Zi>za>kurs darstellte, der darin beftände, daß man theils Komplimente vor der Sojzial- demokratie, theils Komplimente vor dem Großkapital mae. Jh könnte mir denken, daß konservative Parteien Anstoß daran fänden, daß dieses Verbiñdungsverbot aufgehoben is, wenn sie selbst der Anficht wären, daß dieses Verbot noh irgend welhe praktische oder politishe Bedeutung gehabt hätte. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Nachdem aber die konservative Presse überein- stimmend erklärt hat, und es auh in diesem hohen Hause erklärt if, fahlih habe das Verbindungsverbot eigentlih gar keine Bedeutung mehr, dann, glaube ih, hat man mit einer solzen Erklärung den Atout bereits aus der Hand gegeben, mit dem man jeßt noch spielen will. (Sehr richtig ! bei den Nationalliberalen.) Denn das kann man von keiner Regierung verlangen, die eine ehrlihe Regierung ist, daß si: etwas aufre<t erhält, was sie innerlih - bereits als hinfällig erkannt hat. (Sehr richtig! links.) Deshalb, meine Herren, kann die Aufrecht- erhaltung eines fol<en Verbots. mehr darstellen (sehr rihtig! links), denn eine Kompensation muß dem gegenüber, mit dem man kompensieren will, no< einen sachlichen Werth haben. (Sehr gut! in der Mitte und links.) Was aber keinen sahlihen Werth mehr hat, if keine Kompensation mehr, son? dern nur no< ein ausgepustetes Ei. (Sehr rihtig!) Das nennt aber kein Mensch Kompensation. Meine Herren, ih stehe innerlih den konservativen Parteien nahe, i< möchte aber dringend bitten, diese Frage doch begraben sein zu lassen; daraus lassen si< meines Erachtens irgend welhe Angriffe gegen die Regierung niht mehr herleiten.

“_ Ich komme weiter zurü> auf die Bemerkung : die Politik der Regierung besteht darin, Bü>klinge gegen die Sozialdemokratie und vor dem Großkapital zu ma<hen. Jh habe bisher, obgleih ih ja für einen Theil diesèr Geseye ni®t mit verantwortlih bin, nicht den Eindru> gehabt, daß der Versuh des Umfturzgescßes im Reichstage, daß der Versu eines Vereinsgeseßes im preußischen Landtage, daß die Vorlage des Arbeitswilligengeseßes in diesem hohen Hause Bülk- linge vor der Sozialdemokratie gewesen wären, So lange wir aber eine konstitutionelle Regierung haben, können wir Gescßz2 nur mit Majoritäten machen (sehr richtig !); und wenn man Majoritäten nicht findet, thun Regterungen unter Umständen sehr klug und weise, die Dinge einmal eine Zeitlang gehen zu lassen, bis der na< Auffassung der verbündeten Regierungea unzutreffend informierte Reichstag besser informiert sein wird.

Nun, meine Herren, die Komplimente-. vor dem Großkapital ! Wir hören hier fortgeseßt, welhen ungeheuren Aufshwung unsere Industrie genommen hat. Es ift von den verschiedensten Parteien gesagt worden, daß wir dieser Industrie, unserem ganzen gewaltigen Außenhandel s{<uldig sind, unsere Flotte“ zu stärken. Kann man denn aber einen wirthshaftlihen Aufshwung in einem Lande hervor- bringen ohne eine gleichzeitige Thätigkeit des Großkapitals in “unserem ganzen wirthschaftlihen Leben? Jh kann mir wenigstens keine große wirthschaftlihe Entwi>kelung denken ohne Einfluß des Großkapitals, ohne wirkungsvolle Arbeit des Großkapitals in unserer ganzen wirthshaftli<hen Bewegung, im Austausch unserer Güter. Ich glaube, diese Feindschaft gegen das Großkapital beruht vielleicht darin, daß man die Rolle, die das Großk ¿pital in unserem wirthschaftlihen Leben einnimmt und’ zu erfüllen hat, nit erkannt hat. Und was speziell das Kompliment vor dem Großkazpital betrifft, so glaube ih, ift das Börsengeseß weder von der reten Seite des Hauses, no< vom Großkapital selber ‘als ein derartiges Kompliment aufgefaßt worden. (Zuruf re<ts.) Ueber die Durchführung des Börsengesezes werden wir uns später sprehen; Sie werden nit verlangen, daß ih heute auf die sogenannte ,Zellenbörse* eingehe, denn das würde kaum in den Rahmen der Generaldebatte zum Etat gehören. Aber ih bin gern bereit, bei der Generaldebatte über den Gtat des Reichs- amts des Innern selbst oder dur< Aadere mi< darüber zu unter- halten.

(Schluß in der Zweiten Beilage.)

an d ft den Versuch t deutshe Ueber see- Interessen von Reichs wegen zu üben, Aber unsere Politik maß

dings nicht klar. Jeßt bei der Maßregelung der Verwaltungsbeamten im Landtage (Rufe: Wo ist der Finanz-Minister?) . .. ih sehe ihn

einer Zeit eingetreten, wo no<h keine Mehrheit dafür zu finden war. -

au< kein Kompensationsobjekt -

L PECTI Lins E Viet

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M 295.

(Schluß aus der Ersten Beilage.)

Oder, frage ih mich: soll der Vorwurf, daß wir na<giebig gegen die Sozialdemokratie sind, etwa barin beruhen, daß wir eine Reihe von sozialpolitis<en Gesegen gemaht ‘haben und hoffentliß noh machen werden unter Zustimmung auch ter Partei, für welche der Herr Abg. von Kardorff gespro<hen hat? Im Gegentheil, meine Herren, wie ih kürzlich im Reichstage erklärte, dur< keine Verhand- lungen des Reichstages, dur leine Agitation der Sozialdemokratie würden wir uns abkalten lafsen, auf dem Gebtete des sozialen Fort- ritts langsam, besonnen, aber siher und mit warmem Herzen l'ocan- ¡ushreiten; als ih diefe Ec?lärung abgab, habe ih au< den Beifall der Rechten des Haufes gefunden. (Sehr richtig!)

Nun i} der Herr Abg. von Kardorff auf die Kanalfrage ein- gegangen. Jh muß sagen, diese Aussührungen haben mi<h etwas überras<. Ich kaun do< nicht annehmen, daß der Herr Abg. von Kardorff damit etwa ernstlih beabsichtigt hat, daß der Kanal zu einer Reihhssache gemaht werden sol? (Heiterkeit links3.) Wenn der Herr Abg. von Kardorff glaubt, in irgend einem öffentlihen Blait ein solhes Sentiment der Regierung gefunden zu haben, und wenn er dieses Blatt als einen offiziösen oder offiziellen Moniteur der Re- gierung bezeihnet hat, so ift mir von diesem offiziellen Charakter jenes Blattes absolut nihts bekannt. J< würde aber dem Herrn Abg. von Kardorff sehr dankbar sein, wenn er dafür die positiven Beweise beigebracht hätte.

Der Herr Abg. von Kardorff hat au< geglaubt, hier auf die Behandlung der Landwirthschaft und der wirthshaftlihen Verhältnisse östlih der Elbe zurü>fommen ¿u müssen. Meine Herren, in aller- nächster Zeit wird ein wesentliher Theil des Zolltarifs dem wirth- \<aftli<hen Ausshuß vorgelegt werden. Ich für meine Person habe den dringenden Wunsch, daß |@on im Laufe des nähsten Winters der neue Zolltarif Gegenstand der Erörterung in diesem Hanse sein möge, und dann, glaube ih, werden wir reihlih Gelegenheit haben, au< die Verhältnisse östli<h der Elbe einér eingehenden Erörterung zu unterziehen, und ih glaube, Herr von Kardo: und seine Freunde werden hierbei ersehen, daß wir sowohl Verständniß wie Wohlwollen au<h für die östlihen Theile Deutshlands haben.

Die Aeußerungen, die während der Generaldebatte gegen die ver- bündeten Regierungen gefallen sind, rufen in mein Gedächtniß lebhaft einen Artikel zurü>, den i vor einiger Zeit in einem politischen Journal gefunden habe. Dort wurde ausgeführt: wir müssen etnen starken Mann haben! Der fehlt uns, und dieser starke Mann hat die Aufgake, die Sozialdemokratie an der Gurgel zu fassen Und zu erwürgen. Das war ungefähr der kurze Sinn dieses längeren Auf- saßes. Wenn ein solcher starker Mann in Deutschland existierte, fo wünschte ih, daß er in diesem heben Hause re<t bald zum Vor- \hein käme (große Heiterkeit), oder was mir no< erwünschtier er- schiene, däß er hier an diesem Play sih gütigst einfinden wollte. Dieser starke Mann wlirde nämlih sehr bald die Erfahrung machen, daß man eine Partei, wenn sie einer Regierung auh no< fo unsympathish ist, in einem Rechtsstaat nur behandeln kann auf Grund

der bestehenden Gesetze (sehr richtig !), und daß man Gesetze in einem konstitutionellen Staate nur machen kann mit der Volksvertretung (sehr richtig), und ob es diesem starken Manne gelirgen wird, bet der gegenwärtigen Stimmung des hohen Hauses, Gesete zu stande zu bringen, auf Grund teren er die Sozialdemokratie an der Gurgel fassen, und erwürgen kann, das ist mir sehr zweifelhaft. (Sehr rihtig l)

Meine Herren, i< würde auf sol<he Preßäußerungen, die ic für re<t unverantwazlih halte, hier im hohen Hause nit zurü>kommen, wenn sie niht geeignet wären, in weiten Kreisen WaEnvorstellungen von der Macht der Regie:u»"g und von staatsrehtli<hen Möglich*?eiten zu erwe>en, die meines E:achtens äußerst bedenklich und verhängniZvoll wirken können. (Schr gut! in der Mitte und links.) Wer sih voll- ständig bewußt is der ungeheuren Verantwortlichkeit, die eine Regie- rung trägt, bei unserem komplizierten wirthshaftlien 1nd politischen Leben gegenüber einer Volksvertretung, die. so viele Parteien und so viele politishe Rihtungen aufzuweisen hat, der follte nicht dazu bei- tragen, Phantasien auszumalen, die meines Erachtens in dieser Form nie realisierbar sind, es mögen die Männer sein und heißen, wie sie wollen, die einmal an diesem Playe stehen werden. (Sehr gui!)

Und nun gestatten Sie mir no< eine kurze Bemerkung. Es ist in den leyten Sessionen des hohen Hauses“ wiederholt vorgekommen, daß Allerhöchste persönlihe Meinungsäußerungen einer Erörterung in dem hohen Hause unterzogen sind. Soweit meine Kenntniß reicht von den Verhältnissen in konstitutionellen Staaten, if es und darin stimme i< mit Herrn von Kardorff durhaus überein überall ftillf<weigendes oder ausdrüd>lihes Herkommen, bei der Erörterung derartiger Allerhöchster Meinungéäußerungen an den verfassungsmäßig verantwortlihen Stellen Halt zu machen. Solche Erörterungen können do< meines Erachtens einen praktishen Werth nur haben, wenn sich an derartige Allerhö&hste persönliche Meinungsäußerungen staatsrehtli<he Folgerungen knüpfen. Für alle staatsre<tlihen Folgerungen Knd aber in allen konstitutionellen Staaten die Rathgeber der Krone ohne Zweifel verantwortli<h. Alle Einzelstaaten in Deutschland sind konstitutionelle Staaten, und au< das Deutsche Reih is ein kon-

stitutionelles Staatéwesen. Ih meine deshalb: wenn man an Aller- böhste persönliche Aeußerungen ftaatsre<htlihe Deduktionen knüpfen will, so sollte man das in einer Form thun, die lediglich die Verantwortlichkeit der verfassungsmäßig verantwortli@en Stellen in Anspruch nimmt (sehr richtig! re<ts), aber nicht weiter gehen und die Allerhöchste Perjon unter allen Umständen aus der Debatte lassen. (Bravo! re<hts. Bewegung links.) Jch meine, es kann dur< solhe Erörterungen, wenn sie s< auch in einer äußerlih vorsihtigen, korrekten Form halten, ein Gefühl. der Miß- stimmung zwischen den verbündeten Regierungen und der Volksver- tretung si einshleihen, was niht geeignet ift, die Geschäfte zu

Zweite Beilage

Abg Motty (Pole) verbreitet si< unter groß:r Unruhe und Unraufmerksamkeit des Hauses über die Darlegungen des Staats- sekretärs Grafen von Bülow, Nichts nöthige zu einer so plößlichen lottenverstärkurig. Die Stimmung sei allgemein durchaus sür den rieden; în den Delegationen der österreihih-ungarishen Monarchie ei eben no<h das Friedentbedürfniß in einer besonders starken Weise zum Ausdru> gekommen. Wozu habe denn die Friedenskonferenz in diesem Jahre getagt? Gerade die Transvaalwirren wären so ret für ein Schiedsgericht. geeignet gewesen. Aber wer das glaube, habe leider die Rechnung ohne den Wirth gemaht. Die Idee der Tripel- alliance zwishen Deutschland, England und Nord-Amerika, wenn sie av< von gewisser Seite zurü>kgewiesen worden sei, stelle eine ganz besondere Friedénsbürgschaft dar; und hätten denn der Dreibund und der Zweibund einen anderen Zwe>, als den Frieden zu verbürgen? Eine Art Friedensbünduisse stellten au<h die Handelsyerträge dar. Der deutschen Einheit ständen die Polen mit Wohlwollen gegenüber. Leider hätten aber die Begründer des Reichs nah dem falschen, zu unmoralishen Konsequenzen führenden Grundsage gehandelt, daß jeder Bürger des Deutschen Reihs au< ein Deutscher sein müsse. Jn Oesterrei seien die Nationalitäten getrennt, und gerade die Polen seien die (rößte Stüße der Monarchie, Die nationalen Rechte der Polen. seien dur< völkerre<htlicde Verträge für die Ewigkeit begründet. Daneben ständen Versprehungen der preußischen Könige, der Vorfahren des jeßigen Herrschers, Versprehungen mit gesetzlicher Kraft. Ihre -berehtigten Klagen und ihre bere<tigte Ent- rüstung über ungerehte Behandlung wüiden die Polen hier und im preußischen Landtage immer wieder zum Ausdru> bringen. Für die Nothwendigkeit der Flottenvermehrung sei der Staatssekretär Graf von Bülow den Beweis schuldig geblieben; denu er habe nit gesagt, gegen wen diese verstärkte Defensive gerichtet sei. Auch die Polen wollten si< nit auf die Füße treten lassen und nit Kne@te der Menschheit sein; sie würden keiner fremden Nationalität das Recht zugestehen, sich für besser zu halten. Gott habe ihnen die eigene Na- tionalität gegeben und werde sie thnen erhalten. Darauf vertagt sih das Haus.

Persönlich bemerkt der

Aba. Dr. Sattler: Herr von Kardorff hat gefragt, wie die nationalliberalen Minister aussehen. (Präsident Graf von Ballestrem: Das ist keine persônlihe Bemerkung.) Ich kenne nur einen, und das ift der von ihm wie von mir gleih verehrte Minifter Dr. von Mique!.

Präsident Graf von Ballestrem: Das i} au< keine persön- liche p A wäre eine sol<e nur gewesen, wenn Ste si elbst genannt hätten. | Ife Dr. Lieber: Der Finanz-Minister von Miquel meint, ih hätte meine Vorwürfe aus alter Zeit hervorgeholt. Er muß überhört haben, daß i< Dinge aus diesem Frühjahr und aus diesem Spät-

bracht habe. E Bi Uhr. Nächste Sizung Donnerstag 12 Uhr.

(Fortseßung der ersten Lesung des Etats.)

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten uud Absperrungs- Maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den „Veröffentlihungen des Kaiserlicen Gesunbheitsamts*“, Nr. 50 vom 13. Dezember 1899.) P eft. British - Ostindien. In der Woche vom 4. bis zum Il No bemben sind in ganz Indien 2943 Sterbefälle an der Pest, gegen 3971 in der Wobe vom 28. Oktober bis 4, November, zur Kenntniß der Behörden gekommen. Die Seuche sheint also nah einem Ansteigen in den leßten Tagen des Oktober nunmehr erheblih nahgelassen zu haben. In der Stadt Bombay wurden 74 (in der Vorwohe 98) und in der R migen Prä- sidentshast 2664 (3087) derartige Todesfälle estgestellt. Die Besserung wird auf eine Abnahme der Krankheit in verschiedenen Bezirken der südlichen Marhaitastaaten zurü>geführt. Aus Kalkutta kamen 30 (39) Peststerbefälle zur Meldung, in der Stadt Nagpuc ist im Stande der Seuche keine Aenderung ein- getreten, dagegen ift dieselbe in dem, wie Nagpur, zu den Zentral- provinzen gehörigen Wardhabezirk von neuem ausgebrochen, Die Nachrichten aus dem Staate Mysore wiesen keinen merklichen Wechsel im Strinde der Krankheit auf. Aus dem in der Provinz Bengalen gelegenen Saranbezirk kamen bis zum 9." November 2 weitere Pestfälle zur Meldung. Aus dem Staate Hyderabad wurden in der Woche vom 28. Oktober bis 4. November annähernd 600 tödt- lihe Fälle, welche aber in früheren Wochen vorgekommen sein follen, gemeldet. Madagaskar, In Tamatave sind vom 12. bis 20. No- vember 5 Stéeaubünges und 5 Todesfälle an der Pest festgestellt; seit dem 17. November ist cin neuer Fall niht gemeldet worten. Paraguay. In Asuncion sind vom 27. Oktober bis 2. No- vember 6 erwiesene Erkrankungen und 8 Todesfälle an der Pest, 5 pestverdächtige Fälle und 1 verdächtiger Todesfall Pu Von dén Pesttotesfällen kamen 2 auf Itanguá, T auf Luque. bi U nileulec-in K stantinopel Türkei. ‘Aus den bis zum 21. November in Konstantino eingetroffenen Depeschen geht hervor, daß die Stadt Bassora seit mehreren Tagen <holerafret ist, daß aber die Bezirke von Amara und Schatra verseucht sind, und daß auch in dem Bezirk von Hai, sowie in Fas und Umgegend die Cholera aufgetreten ift. British-Ostindien. Kalkutta. Jn der Zeit vom 5. bis 11. November sind 13 Personen Oa gestorben. e eber. elangten zur Anzeige in der Zeit vom 26. August bis 6. Ok- ibe in Rio be N aneibo 16 Todesfälle, vom 22. Oktober bis 4. No- vember in Havanna 8 desgl, vom 10. bis 16. November in Key West ÿ Erkrankungen (und 1 Todesfall), vom 7. bis 15. November in Miami 35 (4), vom 11. September bis 16. November in Port Tampa City 9 (0), am 10. November in New Orleans 1 (1), vom 97. Oktober bis 2. November tin Vera Gru, 7 (2), vom 11. Df- tober bis $. November in O rizaba 20 Todesfälle, vom 17. Oktober bis 6. November in Tuxpan 8; ferner wurden auf Schiffen gemeldet vom 29. Oktober bis 4. November auf Tortugas-Quarantaine, Key West, 1 Todeéfall (Verdacht auf Gelbfieber), vom 22. bis 98. Oktober in Santiago de Cuba und vom 5. bis 11. November

in Tampya Bay. je 1 Fall.

uhr.

. Während der Herbstmonate ist im Lande die Ruhr

sehr Teig aufgettetn und ret verbreitet gewesen. Nach einem Be-

riht der „Government Gazette“ rey in der Zeit vom 26. September

bis 10. E d. F X 80 Erkrankungen und 4609 Todesfälle an e gekommen.

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“zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeig

Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember

s arre: New York 6 Todesfälle; Reg.-Bez. Schleswig 2 Er- krankungen; Tollwuth: ‘Moskau 1 Todeefall; Mi rand E 1 Erkrankung; Roß: St. Petersburg 1 Erkrankuig; Vartzellen: Budapest 89, Prag 27, Wien 124 Frk:ankungen; Keuchhusten: London 15 Todedfälle; Reg.-Bez. Schicöwig 56, Hamburg 39, Kopen-e bagen %, St. Petersburg 21, Wien 35 Erkrankungen; Influenza: Berlin 11, London 17, Moskau 8, St. Petersburg 2 Todes fälle; Kopenhagen 63, St. Petersburg 34 Erkrankungen ; Lungen- en tzündung: Reg. - Bez. Schleswig 48, München 35 Er- krankungen. Mehr als ein Zehntel aller - ESestorbenen starb an Masern (Durchschnitt aller deutshen Berichtsórte 1886/95 : 1,15 0%): in Bamberg, Essen, Fürth, Nürnberg, Plaucn, -Würz- burg Erkrankungen kamen zur Meldung in Berlin 46, Breslau 175, in den Reg. - Bezirken Düsseldorf 153, Königsberg 106, Stettin 475, Wiesbaden 236, in München 71, Nürnberg 180, Hamburg 36, Budapest 120, New York 180, St. Peterg9- burg 127, Wien 320 desgl. an SKarlah (1886/95: 0,91 9%): in Altendorf, Duisburg, Gleiwiß, Halle Erkrankungen wurden angezeigt in Berlin 55, in den Reg.-Bezicken Arnsberg 119, Düsseldorf 117, in Hamburg 40, Budapest 77, Christiania 22, Edinburg 26, Kopenhagen 64, London (Nan nun 294, New York 108, Paris 77, St, Petersburg 81, Wien 595 desgl. an Diphtherie und Croup (1836/95: 4,27 9%): in Flensburg, Gn Caffel, Krefeld Erkrankungen wurden ge- meldet in Berlin 86, in den Reg.-Bezirken Arnsberg 99, Düsseldorf 141, in München 27, Kopenhagen 55, London (Krankenhäuser) 212, New York 227, Paris 64, St. Petersburg 169, Sto>kholm 124, Wien 52; ferner wurden Erkrankungen an Unterleibstyp bus gemeldet in London (Krankenhäuser) 69, New York 75, Paris 54, St. Petersburg 96.

Der Ausbrvu< und das Erlöschen der Maul- und K lauenseuche ist dem Kaiserlichen Gesundheitsamt gemeldet worden vom S{hlacht-Viehhose zu Essen a. Ruhr am 13. Dezember.

dessa, 13. Dezember. (W. T. B.) Die Sanitäts- teitlos zur Bekämpfung der Pest ist hier eingetroffen und geht demnächst nah der Man dshurei.

Handel und Gewerbe.

im Reichsamt des Innern zusammengestellten Vei A für Handel und Industrte *.)

Ergebnisse der diesjährigen Weinernte.

Frankreich. Der Ertrag der di:sjährigen Weinernte übersteigt allgemein die gehegten Erwartungen; stellenweise herrschte sogar Mangel an Gebinden. Einige Gutsbesißer mußten deshalb direkt von der Kelter weg verkaufen. Die Weinproduktion für ganz Frankreich wird von sahkundiger Seite auf etwa 40 bis 44 000 000 þ1 und für Algerien auf 4500 000 h1 geshägt gegenüber 32283 359 hl und 5 221 700 111 im Vorjahre. Ü

Ftalien. Die Weinernte is in Italien im allgemeinen gut ausgefallen, nur in den Provinzen Piemont, der Lombardei, Venetten und Latium haben die Trauben stark gelitten.

Sizilien. Die E klagen über den geringeren Ertrag der dietjährigen Ernte, loben indessen allgemein die Qualität des Weines. /

Portugal. Die Weinlese war durhaus befriedigend; man \<äußt den Ertrag auf 50—75 9% höher als im Vorjahre. Auch die Qualität des Weines verspriht gut zu werden. Die Preise sind aber um etwa 40 9/9 gefallen. D

Serbien. Gin beredtes Zeugniß für den Wiederaufs<wung, den der serbishe Weinbau gewonnen hat, legte die in den lehten Tagen des September in Semendria abgehaltene eivan L ung ab. Es zeigte si<, daß Serbien ein niht zu unters{häßender Konkurrent auf dem Gebiet des Weinbaus zu werden verspricht. Die Weinlese ist nah vielen s{le{<ten Jahren wieder einmal ziemli gut ausgefallen und trug wesentlih zur allgemeinen Kauflust bei. Der Tarif für die Transporte von frishen Trauben wurde auf den serbishen Staaisbahnen um 5009/0 erhöht. Zwe> dieser Maßnahme ist, die Auéfubr von Trauben zu ershweren, um die Weinbereitung im Lande selbst zu stärken; gleichzeitig con1 man hierdur<, die Eins fuhr ausländisher Weine nah Möglichkeit einzushränken.

Rumänien. Aus Giurgewo wird berichtet, s die Wein- lese durh heftige Niedershläge stark gelitten habe und hinter den ge- hegten Erwartungen zurü>stehe; die Qualität des Gewächses sei eine mittlere. Dageaen wird aus Galaß gers Infelge der günstigen Witterung zeigt der Weinsto> einen Reichthum an Trauben, wie er seit Jahren nidt mehr gesehen wurde; na< den erften Proben zu \hließen, ist die Qualität des Met rtges Es eine vorzügliche. Nuch aus Jassy lauten die Nachrihten günstiger. Die Weinernte versprehe in der QUIREN eine gute, in der Qualität eine ret

digende zu werden. vel Türkei. Adrianopel. Während in den leßten drei Jahren beinahe kein Wein gewachsen war, isi das dietjährige Ergebniß der Ernte ein gutes. An eine Ausfuhr des Produkts ist aber wohl kaum zu denken, da die gewonnene Menge vollauf nöthig sein wird, um die gänzlih ers<höpften Vorräthe aus den Vorjahren zu erseßen. Fanina. Die Weinlese hat qualitativ ein wvorzügliches Resultat ergeben; ganze Landstriche haben aber von Hagel den und sonstigem Unwetter stark zu ¡leiden gehabt. Uegküb. Die Weinernts is den Vorjahren gegenüber quantitav gut ausgefallen, dagegen läßt die Qualität der Trauben zu wünschen übrig. Infolge der guten diesjährigen Ernte in Serbien unterblieb die Traubenaus- fuhr nah dort fast ganz; die Preise sanken deshalb au< ee für 100 Oka me L 3. A 30 Kurantpiaster gegenüber 80 bis 90

iaster im Vorjahre gezahlt. i P E Le iieA und a D ey Sofia. Der Stand der

Weinberge berehtigte zu Hoffnungen auf eine gute Weinernte. Ein Weingärten hatten allerdings unter dem Unwetter im Monat Augul| zu leiden, au is in einigen Bezirken die Peronospera auf n. Im allgemeinen find aber die Ernteaussichten re<t günstig und in- folge dessen haben die Weinprcise cine fallende denz. Rustshuk. Die Weinernte i} sowohl qualitativ wie quanti- tativ niht befriedigend ausgefallen, und demgemäß sind j lipp

die Weinpreise ungemein gestiegen. Die Vedra (10 1) Most | j iGwather Nad age mit 4 bis 7 Fr. gehandelt. Phi alex: : Die Weinernte verspriht in jeder ntt. günstig E Gleihwohl sind die Preise für Weintrauben verhältnißmäßig hoh; 1000 kg Trauben, welhe etwa 55—60 9% Most ergeben, kosten dur sittlich 88 Goldfranken, (Nah öôsterreichishen K berichten, veröffentlicht in der „Austria".) s

: ¿ Ausfubr des österreichi aaa ise | Zollgebiets, in L C Maaatai Januar bis. fob | Der eee eee Ds U während

Monate des Jahres 1899

krankungen ; e>t E Reg.-Béz. Trier rkrankungen ;

fördern, die wir gemeinsam im Juteresse des Reichs zu fördern haben,

Rüd>fallfieber: Petersburg Erkrankungen; Geni>-

in uhr eir 46,5 Millionen, i der Ausfuhr d ein Mehr von 89,6 gegen den gleichen Zeitraum s Vorjahres auf

wird bei