1875 / 258 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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die Post entbunden wissen wollte, um die bevarftehende Tarif-Er-

s zu vermeiden. Der Abg. Grumbre<ht vertheidigte en postfiskalishen Standpunkt, indem er niht dem Publi- kum zu Gunsten der Eisenbahnen die Lasten der Schadlos- Haltung der Postverwaltung aufbürden wollte. Der Bundes- bevollmächtigte General - Postdirektor Dr. Stephan entgegnete fodann in längerer Rede. (S. unter Reichs:agsangelegenheiten). Der Abg. Richter (Hagen) wandte sich hierauf gegen die Ausfüh- rungen des General-Postdirektors und des Abg. v. Benda mit der Behauptung, daß durch eine solhe Besteuerung der Bahnen besonders das Defizit der Staatsbahnen wa<hsen und so dem Säâdel der Steuerzahler Lasten zu Gunsten der Post aufgebürdet Nachdem no<h der Abg. Windthorft- si<h für die Vor- lage erklärt hatte, wurde die Debatte geschlossen uud die Vor- lage einer Kommisfion von 14 Mitgliedern überwiesen.

Alsdann wurde der zweite Gegenstand der Tagesordnung, das Gesetz für Elsaß-Lothringen, betreffend die Er- ri<htung von Markfteinen, in erster und zweiter Berathung ohne Debaite angenommen.

Darauf folgte die crste Berathung des Freund\chafts- Handels- und Schiffahrts-Vertrages zwischen dem Deutschen Kaiser, Könige von Preußen 2c. im Namen des Deutschen Reiches und dem Freistaate Cofsta-Rica. Die Abgg. Dr. Kapp und Dr. Oppenheim erkannten die Vorzüge des vorliegenden Vertrages an ; ersterer aber erklärte fih gegen die Ver- wendung von Wahlkonsuln beim Abshluß von Verträgen, leßterer wünschte Schuß des Privateigenthums im Seekriege dur<h künf- tige Verträge und machte auf einzelne Inkorrektheiten aufmerksam, welche cine Deutschland nachtheilige Interpretation veranlassen könn- ten. Darauf wurde die erste Berathung geschlossen, und nahdem die Verweisung der Vorlage an eine Kommisfion abgelehnt, wurden in zweiter Berathung die Art. 1—6 incl. ohne Debatte an- genommen. Der Abg. Dr. Kapp beantragte die Streihung des Art. 7, um deutschen Unterthanen in jenen unruhigen Ländern ben materiellen Schuß des Reiches bei Beschlagnahme ihrer Schiffe zu fihern. Der Präsident des Reichskanzler - Amts, Staats-Minister Dr. Delbrü> (S. unter Reichstagsangelegen- heiten), wies auf die Gleichartigkeit derartiger Bestimmun- gen in allen Verträgen europäisher Staaten hin und au<h auf die Debatte des Reichstages über eine gleiche Bestimmung in dem Vertrage mit Mexiko im Jahre 1870, welche damals zur Annahme der Bestimmung führte, um die er au heute bat. Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Dr Kapp wurde Art. 7 angenommen. Bei Art. 9 wünschte der Abg. v. Schulte, daß künftig Ausländer nur nah dem Reichsgeseß über die Civilehe sih hier verheirathen \ollten, um eine Um- gehung der Militärpfliht zu vermeiden. Der Abg. Dr, Kapp wies darauf hin, daß die Ehe von Protestanten na<h den Gesetzen des Landes in Costa-Rica nicht ges{hlossen werden könnte. Der Präsident des Reichskanzler-Amts, Staats-Minister Dr. Delbrü, zweifelte, ob man um des Vertrages willen die Landesgeseh- gebung ändern würde. Darauf wurde Art. 9 angenommen. Nach einer Anfrage des Abg. Oppenheim bei Art. 11 über die Option der Coftaricaner, welche der Staats-Minifter Dr. Del- brüd> beantwortete, wurde die Vorlage in zweiter Berathung an- genommen.

Die beiden nä<hsten Gegenstände der Tagesordnung: Ent- wurf eines für Elsaß-Lothringen zu erlassenden Geseßes zur Ausführung des Impfgeseßes vom 8. April 1874 und Entwurf eines Gesezes für Elsaß- Lothringen, betreffend die Kosten der Unterbrin- gung verurtheilter Personen in ein Arbeitshaus, wurden nur in der ersten Berathung erledigt, die zweite dagegen auf Antrag des Abg. Miquel, der für leßtere Amendements ankündigte, von der heutigen Tagesordnung abgeseßt.

Es folgte die erste und zweite Berathung des Geseÿ- entwurfs für Elsaß-Lothringen, betreffend die Ab- änderung des Dekrets vom 29. Dezember 1851 über Schankwirthschaften. Der Direktor im Reichskanzler-Amt, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rath Herzog, erklärte, der Entwurf \ei aus dem Bedürfniß hervorgegangen, die harten Strafen der französishen Gesehgebung über unbefugten Schank- betrieb mit den milderen Bestimmungen der deutshen Gewerbe- ordnung in Einklang zu bringen. Die Vorlage wurde ge- nchmigt.

; ats dec Sizung 41/5 Uhr. Nächfte Sißzung Donnerstag 1 Uhr.

Die bisher unter den Titeln „Amtsblatt der Deutschen Reichs-Postverwaltung“ und „Amtsblatt der Deutschen Reichs- Telegraphenverwaltung*“ herausgegebenen beiden Verordnungs- blätter- werden vom 1. Januar 1876 ab zu einem gemeinsamen amtlihen Organe unter dem Titel „Amtsblatt der Deut- schen Reichs - Post- und Telegraphenverwaltung“ vereinigt. Ebenso werden au. die als Beihefte zu den beiden Verordnungsblättern unter den Titeln „Deutshes Postarchiv“ und „Allgemeine Mittheilungen aus dem Gebiete des Tele- graphenwesens“ erscheinenden Zeitschriften vom Beginne des nächsten Jahres ab vereinigt und unter dem Titel „Archiv für Post und Telegraphie“ herausgegeben werden. „>#

Von der im Oktober 1871 zunächst für Deutschland behufs "Erleichterung des Geldverkehrs getroffenen Einrichtung, wonach Gelder dur< Poftaufträge eingezogen werden kön- nen, ist na<h dem Ergebniß der vorliegenden statistishen Er- mittelungen von Jahr zu Iahr ein ausgedehnterer Gebrauch ge- macht worden. Es wurden im Reihs-Postgebiete an dergleichen Auftragsbriefen aufgeliefert: im Jahre 1872 140,154 Stü, im Jahre 1873 449,766 Stü, im Jahre 1874 940,117 Stü>, im 1. Halbjahr 1875 695,968 Stü> und auf Grund derselben ein- gezogen: im Jahre 1872 3,144,647 Thlr., im Jahre 1873 13,489,074 Thlr., im Jahre 1874 33,511,003 Tsélr., im 1. Halb- jahr 1875 79,269,188 Æ = 26,423,063 Thlr. Seit 1. April 1875 ist dies Verfahren auch auf den Verkehr mit der Schweiz ausgedehnt worden.

Die internationale Ausstellung für Gesund- L e und Rettungswesen, welhe im nächsten ahre zu Brüssel stattfinden soll, und für deren Zwe> jüngst, wie wir ausführli<h gemeldet, unter dem Protektorat Sr. Kai- serlihen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen ein deutshes Comité zusammengetreten ist, wird au<h durch die Iebhafte Theilnahme der preußishen Staatsbehörden na<h Mög- lihfeit gefördert. Die betheiligten Verwaltungsrefsorts haben, der „Provinzial - Correspondenz* zufolge, beschlossen, nicht blos die Thätigkeit der Kommunen, Korporationen, Ver- eine und Privatkreise für das gemeinnüßige Unternehmen anzuregen und zu úünterstüßen, sondern au< fi< selbs unmitterl- bar an der Ausstellung zu betheiligen. Eine Beschi>ung der

biete zugewiesen und auf demselben besonders ausstellungswürdige Gegenftände zur unmittelbaren Vorführung durch den Staat geeignet find. So weit es auf die Betheiligung von Korporationen, Vereinen und Privatpersonen ankommt, ift bereits von Regierungswegen die erforderlihe Anregung ergangen und zuglei<h allen Behörden die Weisung ertheilt, den Ausftellern jede angemessene Erleichterung zu gewähren. In Betreff der unmittelbaren Beschikung der Ausftelung dur<h Gegenstände aus den Verwaltungskreisen if

des Staates ausstellen soll. Es is dabei als leitender Grund- saß in das Auge gefaßt, daß die Betheiligung ni<t sowohl auf

ftellungêprogramm bezeichneten sanitären und humanitären Ge- .

in Ausficht genommen, daß jcder der betheiligten Minister die Gegenstände, welhe von Staatsanstalten seines Dienftzweiges geliefert werden, sammeln und in Brüssel unter dem Namen

die Menge der Gegenstände, als auf die Nüglihkeit und Zwe>- mäßigkeit derselben Rü>ksiht nehmen sol.

a Die Wahlen zu den neuen Provinzial-Land- tagen werden nun bald in ihrem Gesammtausfall zur all- gemeinen Kenntniß vorliegen. Bis jetzt ift, wie die „Prov. Corr.“ meldet, das Wahlergebniß aus 193 von 228 Land- und Stadt- kreisen amtli<h angemeldet ; es fehlen mithin die Nachrichten no< aus 35 Kreisen, und zwar aus 10 von 59 Kreisen der Provinz Preußen, aus 16 von 33 Kreisen der Provinz Brandenburg, aus 2 von 30 Kreisen der Provinz Pommern, aus 6 von 64 Kreisen der Provinz Schlefien, aus 1 von 42 Kreisen der Pro- vinz Sachsen.

Die Gesammtzahl der amtli<h bekannten Wahlergebnisse be- läuft fi< auf 440, also auf etwa vier Fünftel der sämmtlichen Wahlen. '

—- Die Refsort-Minister haben in einem Spezialfall den Verhältnissen entsprehend erachtet, den in den neueren Auslie- ferungsverträgen des Deutschen Reiches mit anderen europäischen Staaten regelmäßig und ausdrü>li<h adoptirten Grundsaß, nah welchem die für Fefsthaltung und Auslieferung von ausländis<hen Verbrechern entstehenden Kosten von jedem ausliefernden Staate innerhalb seines Gebietes zu tragen sind, bei dem gleihmäßigen Zutreffen der leitenden Beweggründe au Rußland gegenüber allgemein zur Anwendung zu bringen. Demgemäß find die betreffenden Behörden angewiesen worden, die durch die Detention und den Transport der na<h Rußland Aus- zuliefernden entstandenen und no<h entstehenden Kosten sub cap. 100 Tit. 4 des Etats von der Verwaltung des Innern als Mehrausgabe (Cirkular-Erlaß vom 19. Januar 1875 11. 393) zu verrechnen und dur<h eine Bemerkung im obigen Sinne be- sonders zu justifiziren. 23

Nah einem Speéezialerlaß des Ministers des Innern vom 15. September d. I. darf aus. der Bestimmung des $. 77 der Kreisordnung, wona<h der Landrath die gesammte Polizei- verwaltung im Kreise und in dessen einzelnen Amtsbezirken, Gemeinden und Gutsbezirken zu überwachen hat, für die Land- räthe die Befugniß, die Funktionen der Amtsvorsteher, so weit und \o oft es ihnen geboten erscheint, selbst auszuüben, nicht hergeleitet werden. Jene Vorschrift, in Verbindung mit der Bestimmung im $. 67 Absaÿ 2 der Kreisordnung, giebt den Landräthen nur die Ermähtigung, die Amtsvorsteher- zur Erfüllung der ihnen in Betreff der Verwaltung der Polizei ob- liegenden Verpflihtungen event, dur<h Vermittelung des Kreis- aus\{<hufses ($. 68 der Kreisordnung) anzuhalten.

Wenn, wie in dem vorliegenkn Falle, der betreffende Amts- vorsteher wegen persönlihen Interesses zur Sache die ihm nach $. 61 der Kreisordnung in wégepolizeilihen Angelegenheiten obliegenden Funktionen nicht ausüben kann, \o ift der Landrath nicht er- mächtigt, dieselben an seiner Statt wahrzunehmen, er hat \i< vielmehr darauf zu bes<hränken, gemäß S. 57 Absaß 5 der Kreis- ordnung bei dem Kreisauss{hu}se zu beantragen, daß der Stell- vertreter oder einer der bena<hbarten Amtsvorsteher mit der Er- ledigung der Angelegenheit beauftragt werde, oder, wenn der vor- liegende Fall keinen Aufs{<hub zuläßt, gemäß $. 137 Absagz 3 der Kreisordnung bezw. $8. 7 und 8 des Geschäftsregulativs für die Kreisaus\{hü}sse vom 20. November 1873 diesen Auftrag Namens des Kreisaus\{<hu}ses selbst zu ertheilen. 4

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Bayern, München, 1. November. Der König empfing gestern Mittags den Besuch des Prinzen Luitpold, welcher vorgestern Abend von Oberstdorf (im Allgäu) hierher zurü>kge- fommen war. Der Prinz verweilte beinahe eine Stunde lang bei Sr. Majestät, und heute Nahmittag ifl bei demselben aus Anlaß der Feier seines Namensfestes Familientafel. Die An- kunft des Kronprinzen Rudolph von Oefterreih wird übermorgen erwartet. Se. Kaiserlihe Hoheit wird einige Tage hier bei seiner Schwester, der Prinzessin Gisela, verweilen, welche am 15. d. mit dem Prinzen Leopold, ihrem Gemahl, die Reise nach dem Süden antreten wird. Das Geseß- und Verordnungs- blatt publizirte am 30. Oktober das Königliche Allerhöchste offene Dekret vom 14. v. M., durh wel>&es der Gutsbesißer Max Frhr. v. Truch seß in Bundorf zum lebenslänglihen Reichs- rath der Krone Bayerns ernannt wird. Der langjährige Leibarzt Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Luitpold, Hofrath Dr. v. Zink, einer der gea<htetsten Aerzte der Stadt, ist na<h län- gerem Leiden am 30. ODftober Nachmittag gestorben.

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Hessen. Darmsiadt, 1. November. Der Großherzog

hat heute den vom König von Spanien zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am hiefigen Hofe ernannten Don Francisco Merry y Colom behufs Ueber- reihung seines Beglaubigungsschreibens in besonderer Audienz empfangen. i 6ER R

Me>lenburg. Schwerin, 2. November. Die kom- missaris<-deputatishen Verhandlungen wegen Ab-

lösung der Stolgebühren sind gestern geschloffen worden.

Oldenburg. Oldenburg, 1. November. Der dem Landtage vorgelegzee Voranschlag des Herzogthums Oldenburg ergiebt einen Uebershuß der Einnahmen um 292,000 /. Mit dem heutigen Tage - ist der langjährige Bürgermeister der Stadt Oldenburg, Johann Heinri<h Carl Wöbken in den Ruhestand getreten und der Nachfolger, Amt- mann von Schrenkh, bisher zu Vechta, von dem Ober- Regierungs-Rathe Barnstedt als Kommissar des Großherzog- lihen Staats-Ministeriums in seine neue Stellung eingeführt worden.

Lippe. Detmold, 2. November. In dem Befinden und dem Kräftezustande des Fürsten ist na<h dem im „F. L. R. u. A.-Bl.° heut veröffentlihtem Bulletin seit gestern keine Aenderung eingetreten.

Desterreich-Ungara. Wien, 2. November. (W.T. B.) In der Besprehung desArtikels des St, Petersburger

was im Gegensaße Kaisermähte und der übrigen europäishen Mächte stände, sondern sei und der Zwe>e

„Wiener Abendpost“, derselbe enthalte ni<ht nur nichts, zu der bisherigen Aktion der drei

vielmehr eine Bekräftigung der Nichtung dieser Aktion, deren friedlihe Tendenzen und Bedeutung sowohl für die wahren Interessen der Pforte, als au< für die der <riftlihen Bevölkerung der Türkei der Artikel auf das Schärfste und Unzweideutigfte hervorhebe. Der Artikel interpretire allerdings die gegenwärtigen diplomatischen Auseinandersezungen, kündige aber keineswegs eine neue Phase der politishen Situation oder eine Veränderung der Haltung Rußlands gegenüber der neuen Sahlage an.

Schweiz. Bern, 29. Oktober. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sißung, in Ausführung der Artikel 151 und 159 der neuen Militärorganisation, die Erlafsung nah- stehender Verordnung beschlossen: „1) Sämmtliche der Mann- \haft außer Dienst anvertraute Bekleidungs-, Bewaffnungs- und Ausrüstungsgegensiände find Eigenthum des Staates. Ver- äußerung über Verpfändung fsolher Gegenstände werden nah den Bestimmungen der Strafrehtspflege für die eidgenössischen Truppen, Art. 151 g. und Art. 166 Ziff. 22, bestraft. 2) Das Tragen von ordonnanzmäßigen Uniformstü>ken und Ausrüstungs- gegenständen außer Dienst ift streng untersagt. In gleicher Weise ist Jedermann das Tragen militärisher Gradauszeihnungen außer Dienst untersagt. Dawiderhandelnde sind an den betreffenden Kreis- kommandanten zu verweisen und von diesem mit einer Buße von 2—30 Fr. oder einfahem oder strengem Arrest bis auf fünf Tage zu bestrafen. Im Falle, daß eine Geldbuße ausgesprochen wird, gebührt ein Drittheil dem Verleider. Die Bußen fallen dem eidgenössishen Invalidenfonds zu. 3) In die gleiche Strafe gemäß Ziff. 2 verfällt Derjenige, welher einen Gegenstand mi- litärisher Ausrüstung oder Bekleidung käufli<h oder \{henkweife oder aus irgend wel<hem anderen Grund übernimmt. Solche Gegenstände können überdies, wo und ¡wann sie ge- troffen werden, ohne Ersay zu finden, genommen wer- den. 4) Wehrpflihtige, welhe zu Festanläfsn ihre Uniform außer Dienst tragen wollen, haben dafür die Bewilligung Ler kantonalen Militärbehörde einzuholen.“ Am 28. Oktober war der katholishe Ober-Kirchen- rath des Kantons Genf versammelt, um den Bericht über die Vorgänge bei der Einseßung der nëuen Pfarrer von Hermance und Corsier entgegenzunehmen. Derselbe bestätigte niht nur die leßten Sonntag in Corsfier ‘bei dieser Gelegenheit vorgekommenen bedauernswerthea Scenen, sondern ließ sogar außer allem Zweifel, daß, wenn die Gensd'armen die fanatisirte Menge nicht im Zaum gehalten gehabt hätten, als fi< der neue Pfarrer mit den Abgeordneten des Ober-Kirchenraths und den Gemeinderathsmitgliedern von dort na<h Anievers begaben, um ia einem befreundeten Hause ein bescheidenes Mahl ei zu- nehmen, siher Blut geflossen wäre. „Aa jenem Tage, sagte der Berichterstatter, exiftirte offenbar keine Kultusfreißeit in Corfier ; denn dieselbe darf weder von der Anwesenheit der Gensd'armerie, no< der Polizei abhängen. Gegen solhes fanatis<he Gebahren, das diese Freiheit aufhebt, muß vor der öffentlihen Meinung protestirt werden; dies muß au< gegen die Einmishung von Magistratspersonena anderer Gemeinden geschehen, welhe ihre Pflihien so weit vergessen können, um die Einwohner der Nachbargemeinden zum Widerftand gegen die Staatsbehörde und die Gesege aufzureizen. Man hat es hier mit einer wahren Vendée zu thun, wel<e in einer Eke des Kantons Genf einen Sonderbund im Kleinen \{haffen will.“ Die Berichterstattung {loß mit dem Antrage an den Staatsrath, die Schuldigen \o- fort dem Staatsanwalt zur Untersu<hung zu Übergeben. Der Grenzkonflikt zwishen der Großherzoglich badischen und der Thurgauer Regierung, betreffend gewisse Parzellen am Ufer des Sees bei Konstanz, wird dur< ein internationales

Sthied3gericht- geshlihtet werden.

Niederlande. Haag, 29, Oktober. Nach langen Ver- handlungen hat die Zweite Kammer der Generalstaaten mit 65 gegen 9 Stimmen den Gesehentwurf zur Anlegung eines zweiten T a Kae genehmigt. Die Regierungsvor- lage erfuhr einige wesentlihe Aenderungen. Dieselbe umfaßt nunmehr nachstehende Linien: 1) von Zwolle na< Almelo; 2) von Dortre<ht über Gorkum und Tiel nah Elste; 3) von Amersfoort über Rhenen na<h Nymwegèn: 4) von der Umgegend Saardams über Purmerend und Hoorn nah Enkhuizen; 5) Sta- voren über Hindeloopen und Sneek nah Leeuwearden; 6) Nym- wegen dem linken Maasufer entlang nah Venloo; 7) Rotterdam oder Schiedam über Vlaardingen und Maassluis na<h dem Hoek von Holland; 8) von Zivaluwe na<h Herzogenbush und 9) von Groningen nah Delfzyl. Nach Genehmigung dieses Gesetzes hat die Kammer fih bis zum 9. November vertagt, um als- dann in die Berathung über die “1876er Etatévorlage zu treten. Von den in den lezten Tagen bei der Zweiten Kammer ein- gelaufenen Bittschriften verdient eine \peziell hervorgehoben zu werden. Dieselbe rührt von 56 der vornehmsten Ban k-=- häuser Amsterdams her und bittet die Kammer, eine Unter- fuhung na< den Ursachen der über die amerikanishen Eisen- bahnwerthe hereingebrohenen Entwerthung zu eröffnen und, nah dem Beispiel des englishen Parlaments, nah Mitteln zu forschen, welhe der Rückkehr ähnlicher Katastrophen vorbeugen können. Die Erfte Kammer wird am 2. n. M. ihre Arbeiten von Neuem aufnehmen. Der „Phönix“ hat, nah Hinterlegung der von dem Vliessinger Gerichte festgestellten Kaution, seine Reise -fortsezen können. Wie aus Atschin mitgetheilt wird, follen dort flicgende Kolonnen zur Vertreibung des Feindes, resp. Vernichtung seiner Vertheidigungswerke in der Umgegend der diesseitigen Stellungen, eingerihtet werden. «- Es sind bereits drei Bataillone angewiesen, welche zu diesen Zwe> von Iava na< dem Kriegs1theater E werden follen. Die nieder =- ländische Geographische Gesellschaft faßte im vorigen Jahre den Beschluß, eine Expedition nah Ober-Djambi und dem Korintji-Thale (Sumatra) auszurüsten. Die Gesellschaft eröffnet nun, na<hdem dieselbe namentli<h Seitens der Regierung zur Ausführung ihres Vorhabens aufgemuntert wurde, eine öffent- lihe Subskription zur Sammlung der nöthigen Summe, welche

Kommission für die Weltausfteilung in Phila- delphia hat eine pra<tvolle Kollektivausstelung der Zeihnun- gen, Pläne u. \. w. sämmtlicher großen in den leßten Jahren in Niederland ausgeführten öôffentlißen Bauten veranstaltet. Dieselbe wurde \o eben dem hiesigen Publikum ebenfalls ge- öffnet. Au<h find die beiden Abzeordneten Jon>bloet und de Casembroot nah Philadelphia abgegangen, um die vorbereiten- den Maßregeln zur Aufstellung der diesseitigen Beiträge zu er- greifen. Vorgestern wurde in Amsterdam dem Präsidenten

nah dieser Kolonie ein Festessen gegeben, welchem u. A. der

Ausstellung von Seiten der Verwaltungsbehörden foll in so weit fiattfinden, als der Fürsorge der Letzteren einzelne der im Aus-

„Regierungs-Anzeigers“" über die Türkei bemerkt die

auf 25,000 Gulden verans<hlagt wird. Die niederländis<e

reffend die Annahme derselben, wel<hen Se. Majestät der der transvaals<hen Republik, Burgers, vor dessen Rü>kehr

dortige Bürgermeister, der Minister des Innern u. \. w, an-

dhnten. In seinem Trinkspruhe wurde von dem Gefeierten als

e Ueberzeugung hervorgehoben: daß, nah der nunmehrigen nahme der niederländishen Bevölkerung Süd- Ffritas zu urtheilen, diese Gegend binnen 50 Jahren 8 Mil- nen niederländishe Bewohner zählen werde.

Großbritannien und Jrland. London, 1. November. neuesten Bulletins zufolge, die täglih in Clarence House Sgegeven werden, ma<t das Befinden der Herzogin von dinburgh befriedigende Fortschritte au<h die neugeborene rinzessin ift wohl und munter. In der russishen Kapelle, der Walbe>-ftreet, wurde gestern dieglü>lihe Entbindung Ihrer ziserlihen und Königlichen Hoheit dur einen Dankezgottesdienf|t ciert, wel<hem Graf Shuwaloff mit dem gesammten Personal r rusfischen Botschaft anwohnte. Wie das „Hofjournal“ mel- t, empfing die in Balmoral weilente Königin am Freitag die reulihe_ Kunde von der Geburt ihres 24. Enkelkindes. Am näthsten Donnerstag findet das erste Kabinets-Con- il seit dem Súÿluß der Parlamentss\ession statt, zu welchem hufe sämmtlihe Minister nah der Hauptstadt zurü>kkehren. n soeben veröffentlichtes parlamentaris<hes Uktenftü>k enthält f{<lü}sse über die indishe Staats\{huld. Am 31. März 74 belief si< die Schuld der indishen Regierung in dien und in England , eins{hließli< der Obligationen im Be- ige von 14,649,117 Pfd. Sterl. auf 122,184,024 Pfd. Sterl. Die neuesten Nachrichten von der ostafrikanischen Küste lden die Aufbringung von se<s S klavenfahrzeugen it Sklaven an Bord. Fünf wurden von den Booten des iegs\chiffes „London“ und eines von Ihrer Majestät Schiff hetis“ gekapert. Dover, 2. November. (W. T. B.) Der König und e Königin von Dänemark sind heute Nachmittag von ilais hier eingetroffen und mit der Prinzessin von ales, die zu ihrer Begrüßung erschienen war, alsbald nach ndon weiiergereift.

«Canada. Aus Ottawa wird unterm 30. v. M. gemeldet: r Premier-Minister, Alexander Ma>enzie, machte eine Rund- se in den Provinzen, um die soeben vollendete interfoloniale senbahn zu inspiziren. Die Bürgerschaft von St. Johns gab

zu Ehren ein großes Festmahl. Der Bürgermeister von ontreal hat ein Gesuch, daß die städtishe Polizei anläßli< Beerdigung Guibords außerhalb des Weichbildes der Stadt giren möge, abs{<lägli<h beschieden.

Frankreich. Paris, 31. Oktober. Das „Journal offi- # veröffentlicht den neuen Posttarif, welher auf Grund è Berner Vertrags vom 7. Oktober 1874 für Frankreich am Januar 1876 in Kraft tritt. Nach diesem Tarif kostet der ahe Brief (von 15 Gramm) aus Frankreih nah den Ver- gsländern- 30 Cent, die Korrespondenzkarte 15 Cent, das euzband oder die Mustersendung bis zu einem Gewicht von Grammen 5 Cent, nah den Vereinigten Staaten der ein- he Brief 40 Cent, diz Korrespondenzkarte 20 Cent, das Kreuz- d oder die Mustersendung 8 Cent. Ein Cirkular dés ¡terrihts-Ministers Wallon an die Rektoren der Uni- sität klagt darüber, daß in Bezug auf den Unte rriht in n lebenden Sprachen das amtlihe Programm in vielen hranstalten niht oder nur mangelhaft beobahtet werde, und Wahl und die Korrektur der Pensa viel zu wünschen laffe; h werde Konvcrsation wenig oder garnicht gelehrt. Schließlich rft der Minister den Gymnasialvorständen dringend ein, übr e gewissenhaftere Beobahtung der Lehrprogramme zu wachen, Der O ffiziersverein hat für die Offiziere der Reserve d der Territorial-Armee Kurse für Artillerie, Militärgeo- phie, Felddienst und Verwaltung eröffnet; die Vorträge den wöchentlih zweimal Abends statt. Au<h im Deutschen d Rusfischen werden Lektionen ertheilt.

Spanien. Madrid, 2. November. (W. T. B.) Nah

eingegangenen Nachrichten haben die Carlisten das Thal n Valmaseda geräumt, um ihre Stréitkräfte in den nörd - hen Provinzen zusammenzuziehen.

Eine aus Hendaye vom 2. November in Paris einge- igene Depesche -carlistishen Ursprungs bestätigt die Nachricht, ß der Carlifsten- Chef Saballs auf Befehl des Don rlos verhaftet ist. Derselbe soll mit Dorregaray zu- men vor ein Kriegsgericht gestellt werden, weil fie die geseßte Behauptung Cataloniens dur< die Carlisten ge- rdet hätten. :

San Sebastian, 2. November. (W. T. B) Die 1tterien der Carliften haben seit leztem Freitag das Feuer

die Stadt eingestellt. Durch die Geschesse der Carliften die in dem Hafen von los Pasages liegende französis<e 19g „Archimedes“ arg bes<hädigt worden.

Türkei. Nach über Ragusa, 2. November, Nahmittags, gegangenen Nachrichten aus südslavisher Quelle fol sich am onntag der befestigte Plag Besqui an die unter dem Be- le Lazare Socitshs stehende Insurgenten-Abtheilung eben haben.

Schweden und Norwegen. Sto>holm, 30. Ok- er. Die heutige „Post- o< Inr. Tidn.“ enthält in Betreff An s<hlusses Norwegens an die \{<wedis<-dänis<e unzkfo nvecntion folgende Mittzeilung: „Wie bekannt, be- das ordentlihe Storthing dieses Jahres, zu gestatten, daß König vom 1. Januar 1876 oder einem späteren Zeitpunkte an

Norwegen der unterm 27. Mai 1873 zwishen Schweden und nèmark abges<lossenen Müuzkonvention, mit den nöthigen änderungen in den Zeitbestimmungen für den Uebergang, rate. Zur Bewerkstelligung dieses Anschlusses is jedo eine ondere Zusaßkonvention erforderlich, welche, ebenso wie die ur- Ungliche Konvention, der Prüfung des \{<wedishen Reichs- es zu unterwerfen, und außerdem ift es nöthig, um dem nor- gishen Gelde das Recht zu verschaffen, în Schweden als eglihes Bezahlungsmittel zu gelten, in dem unter Mit- kung des Reichstages gestifteten Geseß, betreffend das Geld Reiches vom 30. Mai 1873, eine Aenderung zu machen, ? in Rede stehende Angelegenheit ging indessen im vergan- en Frühjahr der \{<wedis<hen Regierung so spät zu, daß selbe damals dem Reichstage niht mehr vorgelegt werden nte, sofern dessen Abs<hluß niht no< länger verzögert wer- sollte, Die Zusaßkonvention is dessenungeachtet, nahdem Zustimmung der norwegishen und der dänischen Regierung der nöthigen Veränderung hinsichtlih der Zeit für ihr In- fitreten eingeholt worden is, práliminär abgeshlossen und 16. Oktober mit dem Vorbehalt unterzeihnet worden, daß \<wedishe Reichstag vor dem 1. April 1876 dem Antrage,

nig im Reichstage stellen lassen wird, zustimmt.* Dänemark, Kopenhagen, 2. November. (W. T. B.)

wird, is der Kronprinz mit dem Pferde gestürzt und sich hierbei eine ziemli bedeutende Verrenkung V dien Duis zugezogen, so daß er das Bett hüten muß.

_ Amerika. (W. T. B.) Das , Reutersche Bureau“ meldet:

ciner Depesche aus Philadelphia vom 1. November ift das alie Memorandum der Unionsregierung an die \panische Regierung in der kubanischen Frage bereits im Sep- tember an den -amerikanishen Gesandten Caleb Cushing in Madrid abgegangen, und hâtte die Verzögerung einer Beant- wortung desselben Seitens der spanis en Regierung Beunruhigung in Washington hervorgerufen. Man treffe Anstalten, die nord- amerikanis<e Marine ansehnlih zu verstärken, Nah Mittheilungen aus Madrid hätte die \pani\<? Regierung unter dem 25. v. M. den Befehl zur Ausrüstung von 9 Panzerschiffen und 10 Fregatten für Cuba ge- geben.

New-York, 3, November. (W. T. V i gestrigen Wahlen erlitt in der Stadt Ne: Bork E Tons many-Partei eine neue Niederlage. Bis jeßt liegen folgende Resultate der gestern stattgehabten Staats- und Gouverneurswahlen vor: In Missisippi- fiegte die demo- kratishe Partei mit einer Majorität von 10,000 Stimmen, so daß dort die Wahl JIefferson Davis's zum Se- nator gesichert scheint; ebenso ist “au< in Maryland der Sieg der demokratishen Partei wahrscheinli. Die republikanische Partei erhielt in Mafsachusets eine Majorität von 10,000, in Minnesota von 6000, im Staate New-York von 10,000 und in Pennsylvanien von 25,000 Stimmen. Wisconsin wählte ebenfalls Staatsbeamte der republikanischen Partei. Sn dr a E i E zur Legislatur die konservative

, m New-Yersey bei eben dense i ifani

Sei die Maoctt Y selben die republikanische

…_— Der „Buenos Ayres Standard * theilt Folgendes mit: Der Minister des Jnnern sowie ‘der rieas-Vinifen ‘baben dem Kongres se ihre Berichte unterbreitet. Des Ersteren Bericht empfiehlt insbesondere Reformen im Poftamte, sowie in mit aus- wärtigen Mächten geschlossenen Postverträgen. Die Provinzial- Legislatur von Buenos Ayres hat sih mit einem neuen Heim- stättengeseß beschäftigt, das auf die Parzellirung von etwa 13,000 Quadratmeilen Regierungsländereien in kleine Farmen und deren Ueberlassung an A>erbau treibende Einwanderer zu billigen Preisen auf lange Termine hinzielt. Der Gesezvorshlag hat den Senat passirt und wird auch die Zustimmung der Depu- tirtenkammer finden. Das Wetter war regneris<h. Die Schaf- {ur beginnt in etwa drei Wochen. Die Wollschur wird diese Saison, wie man erivartet, 2090 Ballen ergeben. Zwischen Buenos Ayres, Chili und Peru existirt jeßt eine telegraphische Verbindung, aber der Depeschentarif is ein sehr hoher. Eine S von Buenos Ayres na< Sizia kostet circa 7 Pfd.

erl. :

Afrika. (A. A. C:) Die neueste Cap-Post bringt fol- gende Einzelheiten Über das Resultat der neuli<h gegen die Piraten des Congoflusses auêgezogenen britischen F.lotten-Erpedition:

„Zum Beginn dieses Jahres wurde der englishe Schooner „Ge- raldine*, nachdem er im Congo gestrandet, von Piraten angegriffen und vôflia geplündert, wobei vier Matrosen sciner Mannschaft, die thr Schiff zu vertheidigen versuhten, grausam ermordet wurden. In Folge dieser Gräuelthat ordxete die britis<e Admiralität eine strenge Züchtigung der Flußpiraten scwie die Unterdrückung des Seeräuberwesens in dieser Region an. Diese Aufgabe übernahm das aus sieben Schiffen bestehende Seshwader an der Westküste von Afrika und führte sie na< den bis jeßt vorliegenden Berichten in höchst erfolzreiher Weise und ohne erheblihe Verluste aus. Am 30. August dampfte das Geschwader 17 Meci‘en den Fluß hinauf und zerstörte mehrere Dörfer, deren Einwohner wenig Widerstand leisteten. Am 2. September griffen Boote unter der De>ung von 3 Kriegsfahrzeugen 12 Dörfer an und zerstörten fie, desgleihen große Plantagen und einige Kähne. Die Eingeboreneu feuerten auf die Landungsmannschaft und Boote, und ein Plänkler wurde verwundet. Am nächsten Tage wurden einige Dörfec am nuöcdlihen Ufer des Congo angegriffen und zerstört. Jn einem dersclben entde>te man den Vordermast und einige Fässer Salz von der Ladung der „Geral- dine“. Am 6. wurden drei weitere Dörfer dem Erdbodcn gleich ge- macht. Am 7. fuhr die Expedition die Matakala-Buckt hinauf und verwüstete die daselbst befindlihen Dörfer und Plantagen nebst Kähnuexz. Eins dieser Dörfer war die „Fetishstadt" von Mata- kala, in wel<er am 31. August große Menschenopfer stattfan- den, um den Beistand der Götter in dem bevorstehen- den Kampfe gegen die Weißen anzurufen. Die Ant- wort der setishe j\heint indeß ungünfiig auégefallen zu sein; denn die Dörfer waren verödet. Währead dec nächsten drei Tage wurden 13 weitere Dörfer z+rstört. Nachdem «am 11. das Zerstörungswerk seinen Fortgang genommen, fuhr am 15, Kommodore Hew:tt, der Befehlshaber des Geschwaders, im „Merlin*, begleitet vou den Kor- vetten „Feam“ und „Ariel“, den Fluß 79 Meilen hinauf und arf auf der Höhe von Emboimna Anker, um mit den Häuptlingen des Landes Unterhandlungen bezügli einer Aufschlicßung des Flusses für Handeiszwe>e anzuknüpfen. Das Resultat war ein sehr befriedigendes, denn die Häuptlinge fahen die guten Wirkungen eines selhen Verfahrens ein und erklärte sih bereit, den Kaufleuten nah Kräften Vorschub zu leisten. Als einen Beweis ihres guten Willens erklärten drei der mächtigsten, Plemby, Medan und Antonio, dem Piratenkönig Mangeala jofort den Krieg und treffen bereits die dafür nothwendigen Vorbereitungen. So endete der Streifzng gegen die feeräubishe Bevölkerung am Congo, der wakrscheinli< für ceraume Zeit das Handwerk gelegt ift. Im Ganzen büßten die Piraten 67 Dörfer, ca 40 Kähne und enorme Getreidevorräth?- ein, während ihr Verlust an Menschen

F wahrscheinlih niemals genau bekannt werden wird.

Nr. 30 des „Amtsblatts dez Deutschen Reichs- Telegraphen-Verwalt umg“ hat folgenden Inhalt: Bescheidun- gen: vom 27. Oktober. Verfägung des Kaiserlichen General-Post- Direktors vom 27. Oktober 1875 an die Kaiserliche Telegraphen- Direkticn in N., betreffend Eingrenmung voa Störuugen; vom 21. Oktober 1875. Verfügung der Kaiserlichen General - Direktion der Telegraphen vom 21. Oktoter 1875 an sämmtliche Kaiserliche Tele- graphen-Direftionen, betreffend die versuhsweise Einführung eines eitheitlihen Aufnahme-Formulars für Lokal- und Durchgangs-Tele- gramine; vom 24. Oktober 1875, Verfügung der Kaiserlichen Tele- graphen-Direktion der Telegraphen vom 24. Oktoter 1875 an sämmt- liche Kaiserliche Telegraphcn-Direktionen, betreffend die Einschaltung künstlicher Widerstäade in Arbeitsstromleitungen; vom 27. Oktober 1875. Verfügung der Kaiserlichen General-Direktion der Telegraphen vom 27. Oktober 1875 an sämmtiliche Kaiserliche Telegraphen-Direktio- nen, betreffend die Uebtezsicht über eingetretene Betriebsftözungen.

Statistische Nachrichten.

Nah den Beobachtungen der Standesbeamten bei den eín- z’Inen Civilftandsakten ist, wie die „Nat. Ztg,“ mittheilt, die Zahl der Analphabeten in Berlin uo<h immer eine relatiy erhebliche. Dieselbe betrug im di fie Quartale 1874 unter den Eheschließenden 2 Männer und 43 Frauen, 1875 im I. Quartal 7 Männer und

* aus Shloß Charlottenlund vom heutigen Tage gemeldet

33 Frauen, im Il, Quartal 15 Männer und 74 Frauen, wähs- |

rend die Zahl der Eheschließungen in di ‘ei Vierteljahre 8063 und 1400 gewesen ift gungen in diesen drei Vierteljahren 3616, aslelbe Blatt veröffentlicht über die augenbli>li{hen Mi - verlältnisse in den cinzelnen Berliner Stadtibetten Lr Zahlen: Den höchsten Miethswerth in Thalern zeigen pro 1875 die Wohnungen und Gelasse des I. Standesamtsbezirks mit 6,829,305; es folgen Dan VI mit 6484834 L mit P AD VIL mit 3,862,000, IIT. mit 3,251,108, IX. mit 3,131,718 «mil 2,873,173, V. mit 2,557,657, XL mit 2'358'372 VIIT. mit 1,949,399, XII. mit 1,790,125, X. mit 1,788/933 unk [ließli Xl11. mit 860,930. Die höchfte Zahl an Wohnungen zeigt VI. 27,934 (dur<bs{nittli<er Miethswerth 237 Thlc.), es folgt L 22,542 (dur<s\{nitili< 171 Tblr), T, 16,404 (dur<scnittlih 416 Thlr.), IL. 16,294 (dur{s<nittli< 395 Thlr.), V. 15,845 (dur- schnittlich 161 Thlr.), XI. 15,509 (dur<s<nittli< 152 Thlr), IX. 1488 (durbschnittlih 211 Thlr), X. 12,066 (dur<scnittlih 147 Thir.), 1. L T (durs<nittli< 258 Thlr.), VIIL 10,700 (dur<s<nittli< L ble) L 00A ¡dieser Bezirk zeigt den höchsten dur<sHnitt- En Miethswerth für einen vermietheten Raum mit 430 Tblr.) XIIT. 7443 (dur{snittli< 116 Thlr.) und endli XIL. 6932 Woh: nungen ps einem durhschzittlichen Miethswerth von 257 Thlr _— Das Centralblatt für die Unterritsverwaltur 3 ffenili die Uebersicht über das Maß der S Put n u 1874/75 in Preu Ben eingestellten Mannschaften. Es ergiedt si daraus, daß von 85,779 Mann bei 82,607 Schulbildung vorhanden war, wogegen 3172 Mann, also 3,70%, ohne Schulbildung gefunden wurden. Ein näherer Bli> auf die Tabelle ergiebt wiederum, daß der größte Theil der Schulbildung ermangelnden Nekcuten den über- wiegend polnischen Landestheilen zufällt Während nämli<h Branden- burg nur 1,04, Pommern 1,08, Sachsen 0,54, Schleswig-Holstein 0,38 Hannover 1,01, Westfalen 1,01, Rheinprovinz 0,88, Hessen-Nassau 06a, Lauenburg 0,62% Mannschaften ohne Schuibildung nahweisen, hat deren Pojen 16,05, Preußen 10,11, Schlesien im Ganzen 3,34 (im Regierungsbezirk Oppeln alleîn 6,1) 4. Aus Hohenzollern ist über- haupt kein Mann ohne Schulbildung gewesen. :

s E Wissenschaft und Literatur. m Ans<{luß an sein früheres Werk: „Die preußischen Kir- cengeseßze des Jihres 1873 hat der bekannte Hrofefsor des S

Femes in Berlin De. P. Hinschius eine fommenticende Bearbef= ung der in den leßten zwei Jahren ergangenen se<s kirhenpolitishen Geselze folgen lassen, welche die nöthigen juristishen Erläuterungen zu den einzelnen Bestimmungen zu geben bezwe>t. Die Einleitung enthält einen gedrängten Abriß Über die Veranlassung zu den Ge- seßen, ihre Geschichte und ihre Bedeutung. In einem Anhang findet man die Rechtsprechung des Ober-Tribunals über die Kirchengesetze u 1873, deêgleichen die Ministerialverfügungen und Rescripte. Ds

erk ift unter dem Titel: „Die Preußischen Kirchengeseßze der Jahre 1874— 75 nebst dem Reichsgeseße vom 4. Mat

1874 im Verlage von F. Guttentag (D. Collin) in Berlin ers schienen und zum Preis von 5 M zu beziehen.

._ Nr. 15 des „Bär“, Berlinische Blätter für vaters ländische Geschichte und Alterthumskunde, Vai tea von Hiltl und Ferd. Meyer, hat folgenden Jzhalt : Charlottenburg und feine Geschichte von Ferd. Meyer. Die Entstehung und Ent- wi>elung der Berliner Kunstkammer von A. Meyen. (Schluß) Die Sage vom Schloß zu Lichterfelde in Barnim von Dr. G, Sello Mittheilungen aus der Chronik von St. Petersburg zur Zeit des Groß-n Kurfürsten von A. Höpfner. Der Goldjunge. Eczählung aus dem alten Berlin von G. Hiltl. Rathhäutliches, Literatur

Seit dem 31. v. M. erscheint hierselbst eine politische Zet. tung (Sonntagsblatti) in französischer Soxade unter E Titel: „Journal de Berlin“, welches von Hrn, Paul R. Heroid

redigirt wird. E Laud- und Forsttwirths<aft.

i achdem die Ernte nunmehr in gan rankrei einge- heimst ift, hat der französische Ackarbat-Micitter Lee va0 Of: tober von den Präfekten ziffermäßige Berichte über das Erträg- niß eingefordert. Dos betreffende Cirkular {ließt na< der Patrie“ wie folgt: «Nach dea mir éisher zugegangenen Meldungen scheint es nahezu gewiß, taß die Ernte in diejem Jahre wenig-r gut aus- gefallen sein wird, als im Jahre 1874; es ist aifo vom höchsten In- teresse, die definitiven Ergebnisse chne Verzug in Erfahrung zu brin- gen, und ih ersuhe Sie dahfr, die geeigneten Maßregeln zu treff.n, daß die ziffermäßigen Ernteäuêweise mir vor Ende Novembe1s zus- gehen können,“

Getverbe und Handel. R Der Angelegenheit, betreffend diz Uebernahme der Königlichen Leihämter zu Berlin in die Verwaltung der Stadtgemeinde, theilt Magistrat der Stadtverordnetenversamm- lung mit, daß die Verhandlungen mit dem Kommissarius der General- Direktion der Seehandlungs-Societät fortgeführt und vor Kurzem becndigt worden sind. Nach dem Resultate terselben können die drei Leihämter _mit den ihnen gehörigen Grundfstü>ken Jägerstrafze 64, Klosterstraße 39 und Linieustraße 98 bezüglich Elsasserstraße 74 und mit dem gesammten Juventarium sowie mit dem Beamtenpersonal an die Stadtgemeinde Berlin unter den Bedingungen des Vertragésentwurfs Überlassen werden, deren genauere Redaktion no< vorbehalten ist. Dieselben weihen in mehreren Punk- ten von den früher gestellten Anforderungen der Staatsb«chörde ab; es sind nämlih die vom Kommissarius des Magistrats in dessen Auftrage erhobenen Bedenken berü>sihtigt wor- den. Nach $. 2 würde die Stadt für die Ueberlassung der gedachten Grundstü>e nebst den auf denselben befindlihen Baulichkeiten 1,170,000 Æ, für das Dienstinventar 33,570 M 50 4 an die König- liche S-ehandlung 2n zahlen haben. Der Zinsfuß, welcher den Pfaad- gebern gegenüber von den Leihämtern in Anwendung gebracht wird, beträgt seit dem Anfang dieses Jahres 12% ; cine Ausnahme hiervon machen nur die Darlehen auf gewisse Werthpapiere, für wel<: der Zinsfuß auf 6% festgeseßt ist. Magistrat hat no<mals die Frage, ob auf die Erwerbung - der Leihämter dur< die Stadt- gemeinde “einzugehen is, einer sorgfältigen Erwägung unter- worsfen und dieselbe verneint, „Es ist richtig, heißt es in der Magifstratêvorlage, daß, wie in der Kommission der Stadt- verorduetenverfammlung auêgeführt worden ist, die Städte-Ordnung der Errichtung und Uebernahme von Leihämtern nicht entgegensteht, und daß in Folge dessen au<h mehrere Kommunen Leihämter besißen. Wir stimmen auch dem zu, daß bei Erörierung der Frage, ob in einer Stadtgemeinde von den Gemeindebehörden Leihämter zu errichten sind, das Gemeindebedürfniß ents<heidend einwirken muß. Wir sind aber nicht der Ansicht, daß ein fol<es Gemeindebedürfniß in Ber.in vor- handen ist. Ohne Zweifel giebt es in Berlin viele Perfonen, welche, da sie in anderer Weise die ihnen nöthigen Geldmittel si< nicht Le- schaffen können, Darlehen auf Unterpfand aufnehmen müssen. Es ist au< ni<t zu bestreiten, daß diesen Personen die Auf- nahme fol<er Darlehne erleichtert und weniger kostspielig ge- macht ift, wenn öffentlihe Leihämter bestehen, welhe einen rur mäßigen Zins fordern und deren Bedingungen für die Darlehns- nehmer mögli<st günstig sind. Wir wollen au< nicht in Abrede stellen, daß die Dariehnsuehmer, wenn sie si<h an Rü>kaufsgeschäfte wenden müssen, leiht übervortheilt werden fönnen und Verlusten aus- geseßt sind, Aus alledem folgt aber in keiner Weise, daß die Stadt öffentlihe Leihämter, wenn der Staat fie nicht herstellen oder bei- behalten will, einrihten oder erwerben muß. Daß die Gewährung von Darlehen im Allgemeinen ni<ht Sache der Gemeinde ist und sein kann, ist unbe|treitbar; Niemand wird ibnen zumuthen wollen, daß fie Banken, Darlehnskassen und andere Kredit- institute begründen. Selbst als es f< in \<wieriger Zeit darum handelte, im Juteresse des hiefigen Grundbesizes ein Pfandbriefinstitut zu s<afffen, ift von der Stadt nicht mehr gefordert worden, als n sle bei der Herstellung einer selbständigen Anstalt rathend uad fördernd einwirke. Mit Ret ift

au bei anderen Gelegenheiten stets betont worden, daß die wirkliche