1875 / 274 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

In den deutshen Münzstätten find bis zum 6. November 1875 geprägt: an Goldmünzen: 941,656,740 H Doppelkronen?, 276,605,640 Kronen; hiervou auf Privat- re<nung : 49,660,860 4/6; an Silbermünzen : 23,143,270 6 5-Mark stücke, 97,865,200 /4 1-Markstü>ke, 4,097,717 4 50 50- Vfennigstü>ke, 19,211,675 A 8 S 20- Pfennigstüde; an Nickelmünzen : 10,674,781 #6 19? 10-Pfennigstü>e, 5,639,416 M4 05 S 5-Pfennigstüke; an Kupfermünzen: 4,376,648 86 S 2-Pfennigstüke; 2,285,539 4 46 -H 1-Pfennigstücke. Gesammtausprägung: an GVBoldmünzen : 1,218,262,380 6; an Silbermünzen: 144,317,863 6 930 &HZ; an Nickelmünzen : 16,314,197 4 15 ; an Kupfermünzen: 6,662,188 M 32 S.

Das Reichs-Strafgesezbuch- enthält über das Verhältniß des Gesindes zu der Vienstherrschaft keine Vorschriften. Die preußische Gesinde-Ordnung vom 8. November 1810 wird daher von dem $. 2 des Einführungsgeseßes zum Strafgesezbuche („Mit diesem Tage tritt das Reichs- und Landesftrafreht , in- soweit dasselbe Materien betrifft , welche Gegenstand des Straf- geseßbuhs für das Deutsche Reih [den Norddeutschen Bund] sind, außer Kraft.) in keiner Weise berührt. (Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 22. Oktober d. I.)

Ein Geistlicher, welcher mit Genehmigung der kirhlichen Behörde auf eigene Kosten einen Vikar zur Unterstüßung in seinem Amte ohne Zeitbestimmung annimmt, if, nah einem Erkenntniß des Ober-Tribunals, IV. Senat, vom 19. Okto- ber d. J., berehtigt, den Vikar ohne Einholung der Einwilli- gung der kirhlichen Behörde wieder zu entlassen. Der katho- lische Geistlihe G. nahm mit Genehmigung des erzbishöflichen Konsistoriums, do aus eigenem Antriebe und auf seine Kosten, dur< Vertrag den Vikar S. zur Unterstüßung in seinem Amte ohne Zeitbestimmung an. Als nun zwei Jahre später der Pfarrer seinem Vikar das zwischen ihnen bestehende Vertragsverhältniß Fündigte, erklärte diéser, niht anders als auf eine bezüglihe Er- klärung des erzbis<höflihen Konsistoriums aus seiner Stellung \ceiden zu wollen. In dem hieraus hervorgegangenen Rechts- streit erkannte sowohl das Appellationsgeriht zu Posen als auh< das Ober-Tribunal das Recht des Pfarrers zur selbständigen Entlassung des Vikars an. „Nah dem Allgemeinen Landrecht, Theil Il, Tit. 9. $$. 510, 513“, führt das Erkenntniß des Ober-Tribunals aus, „war S. nur ein von dem Pfarrer abhänaiger Amtsgehülfe, und sein Verhältniß zu diesem in Bezug auf Rechte und Verbindlichkeiten ist ledigli<h durh den zwischen ihnen abgeschlossenen Vertrag bestimmt. Der Appellationsrichter nimmt mit Recht an, daß die privatre<tlihe Natur dieses Vertrages nah dem Allgemeinen LandreŸht Theil 1. Tit. 11 $. 869 ff. zu beurtheilen sei, und insbesondere ni<ht dur die jeinem Abschlusse zugetretene Geneh- migung des erzbishöflihen Konsistoriums berührt werde, da die- selbe nah dem Allgemeinen Landreht, Theil 11, Tit. 11 $. 513 keineswegs als wesentlih zur Gültigkeit des Verirages selbs erfor- dert, sondern nur zur Wahrnehmung der kirhlichen Interessen ertheilt würde. Ebenso rihtig erachtet der Appellationsrihter für ‘die Auflösung des zwishen den Parteien bisher bestandenen „Vertrags eine besondere Einwilligung des gedachten Konsisto- riums als unerhebli<; denn eine solhe if weder in dem Ver- trage vorgesehen no<< geseßli<h vorgeshrieben und au<h aus der früheren Bestätigung des Vertrags niht zu folgern.“

Die seit einigen Jahren in erheblicher Weise gesteigerten Aufwendungen für den Unterhalt der Gefangenen in

den gerihtlihen Gefängnissen haben eine entsprehende ‘Erhöhung der in dem Tarif vom 30. November 1858 für den An- sat der Haft- und Verpflegungskosten bestimmten Paus <quanta

nothwendig gemaht. Der in Rü>ksiht hierauf umgearbeitete Tarif wird statt des Tarifs vom 30. November 1858 bei Be- xre<nung derjenigen Haft- und Verpflegungskosten angewendet, welche für die Zeit nah dem 1. Januar k. I. zur Festsezung gelangen. Der Tarif ist in der neuesten Nummer des „Iustiz- Ministerial-Blatts“ veröffentlicht.

Am 15. d. M. trat der neue Provinzial-Landtag der Kurmark im Ständehause zu Berlin zusammen. Der ftellvertretende Vorfißende, Major und Landrath a. D. v. d. Knese- be> gedachte der Verluste, welhe der Landtag dur<h den Tod \eines Vorsißenden, des Vize-Ober-Schloßhauptmanns Grafen v. Königsmar>, sowie seiner Mitglieder, des Stadtraths William und des Schulzen Schinke, erlitten. Die Versammlung ehrte das Andenken derselben dur<h Erheben von den Sißten.

Zum Vorsißenden für die mit dem 3. Oktober d. I. an- hebende 3 jährige Periode wurde Major a. D. v. Rohow auf Plessow als Vorsigender und Landrath v. Winterfeld zu Prenzlau als dessen Stellvertreter gewählt.

Den hierauf gebildeten Ausshüssen wurden die einge- gangenen Geschäftssahen, die Feuer - Sozietäts - Angelegen- heiten, die Landarmensahen und ‘die Provinzial - Hülfska\se, das Kriegs\shuldenwesen und die Revision der ständischen Kassen betreffenden Angelegenheiten, sowie verschiedene Gesuhe um Unterstüßungen zur Berichterstattung überwiesen. Zugleich ver- längerte der Landtag das Mandat der Kommission, welche von dem 47. Kommunal-Landtage ernannt worden behufs Erledi- gung der Vorlage der Staatsregierung wegen Durchführung der neuen Provinzial-Ordnung in Bezug auf die Kommunal- Verbände der Provinz und deren Vertretungen und ihre Arbei: vor dem Zusammentritt des Landtages bis auf einen neuerdings erforderlih gewordenen Nachtrag beendet hatte.

Der Prinz Carl zu Solms-Braunfels is am

13. November auf Schloß Rheingrafenstein nah längerer Krank-

Gri verstorben. Derselbe war am 27. Juli 1812 als Sohn des

rinzen Friedrih Wilhelm von Solms - Braunfels und der Prinzessin Friederike von Me>lenburg-Streliy geboren.

Der Bundesraths - Bevollmächtigte, Großherzoglich badishe Ministerial-Präfident, Wirkliche Geheime Rath von Frey dorf ift na<h Karlsruhe abgereist.

Der General der Infanterie von Bo yen, bisher Gou- verneur von Mainz, is unter Belassung in seinem Verhältniß ‘als General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs zum Gouverneur von Berlin ernannt worden.

Der General-Major von Necumann,- Kommandant

von Berlin is Allerhöhsten Orts mit der Wahrnehmuñg der Geschäfte des Chefs der Land-Gensdarmerie beauftragt worden.

Breslau, 19. November. (W. T. B.) In der dem ‘Ober-Präsidenten geftern zugegangenen Antwort des hiesigen Domkapitels wird die Wahl eines Bisthumsverwesers abgelehnt, weil nah Anficht des Kapitels eine Sedisvakanz im Sinne des kanonischen Rechts nit eingetreten sei.

Fähnrihe zu Seconde-Lieutenants, hievon 17 außer- etatsmäßig, befördert. Dur Königliche Entschließung wurden mehrfahe Abänderungen des Exerzier-Reglements für die Infanterie, der Vorschriften über den -Garnisönswachtdienft und der Vorschriften über die Ehrenbezeugungen genehmigt, und wird dies vom Königlichen Kriegs-Ministerium mit dem aus- drü>lihen Hinweis bekannt gegeben, daß es verboten ist, den im Reglement gelassenen Spielraum zu beshränken, und daher \chriftlihe Befehle und Erläuterungen zum Reglement von fei- nem Vorgeseßten erlassen werden dürfen. Auch ein „Reglement über das Marketenderwesen“ hat die Allerhöchste Geneh- migung erhalten. Während von den Bezirksgerihten Aichach und Weiden in den gegen einige katholische Geistlihe wegen Uebertretung des Art. 4 des Vereinsgeseßes dur<h Veranstaltung öffentliher Prozessionen erhobenen Anklagen freisprehende Erkenntnisse erlassen wurden, haben die beiden Bezirksgerichte Regensburg und Amberg etlihe katholisce Pfarrer wegen Abhaltung öffentlicher Prozessionen zu Geldstrafen verurtheilt.

Württemberg. Stuttgart, 18. November. Die Her- zogin Eugen Erdmann von Württemberg is gestern in Begleitung ihrer Tochter, der Herzogin Pauline, zum Besuche hier angekommen und in der Wohnung ihres Sohnes, des Herzogs Wilhelm Eugen von Württemberg, abgestiegen. Der hiesige Gemeinderath war von der Stadt-Direktion zu einem Gutachten über ein Gesu< der Kongregation der barmherzigen Schwestern in Gmünd aufgefordert wor- den, welhes von dem Superior und einer Schwester unterzeiŸhnet war, und die Bitte um Ertheilung der Erlaubniß zur Errich- tung einer Prioatkrankenanstalt in einem hiesigen Privathause enthielt. Die Polizeiabtheilung des Gemeinderaths hatte nun den Antrag gestellt, der Stadt-Direktion die Erklärung abzugeben, daß 1) die Zuverlässigkeit der Unternehmer der Anstalt, als welche ohne Zweifel die Kongregation erscheine, die der Gemeinderath aber nit kenne, nah Maßgabe des $. 30 der Reihs-Gewerbe-Ord- nung nicht beurtheilt werden könne; daß deshalb 2) zunächst eine einzelne Persönlichkeit bezeichnet werden solle, welche als Unternehmer im Sinne des Gesetzes erscheine, da eine Korpora- tion ni<ht wohl als Unternehmer werde zugelassen werden können; daß es endli 3) nothwendig erscheine, vor Ertheilung. der Kon» zession einen detaillirten Plan über die Einrihtung und den Betrieb des Krankenhauses in bindender statutarisher Form vor- gelegt zu erhalten. Der Gemeinderath hat nun Ziffer 1 und 3 des Antrages angenomm:u und bei Ziffer 1 noch beigefügt, es möchte bezeichnet werden, wer der Träger der Konzesfion sein solle.

Me>&lenburg. Neu-Streliß, 19. November. Der Erbgroß herzog wurde am 12. November Abends unmeit des Forsthauses Drôgen bei Fürstenberg von einem Unfall betrof- fen, der leiht s{<limme Folgen hätte nah sih ziehen können. Auf der Rü>kehr von einer na<h Ringsleben gemachten Be- \sulsreise bra<h nämlih die Achse des Wagens, und bei der {nellen Fahrt wurde lehterer so heftig zur Seite geschleudert, daß die Insassen in weitem Bogen hinausgeworfen wurden. Glüfliherweise hat eine weitere Beschädiguung nicht fstatt- gefunden. :

Sachsen-Coburg-Gotha. Coburg, 17. November. Der Herzog hat heute eine Verordnung über den Kon- firmandenunterri<ht erlassen. Nah derselben findet die Konfirmation an dem Sonntag nah Ostern, „Quasimodogeniti“, ftatt, und hat der Konfirmanden-Unterricht am ersten Advent zu beginnen, derselbe dauert alss 20 Wochen mit je vier Stunden. In Orten, woselb alle Konfirmanden dieselbe Schule besuchen, ist der Konfirmañdenunterriht zur Zeit des Religiongunter- rihts der Schule zu ertheilen, in anderen Orten haben Shul- Inspektor und Pfarrer über die Zeit sich zu vereinbaren.

Lippe. Detmold, 19. Nevember. Nah dem heut veröffentlichten Bulletin ist keine Besserung im Befinden des Fürsten eingetreten.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 19. November, Der Kaiser fand si< vorgestern im Wiener Arsenale ein, um die neuen Einrichtungen und Werkstätten in Augen- hein zu nehmen, welhe aus\{ließli<h zur Herstellung der neuen Stahlbronze-Kanonen dienen, und um die Fabrikation dieser Geschüße zu besichtigen. Heut früh begab \si< der Kaiser mit den Erzherzogen Albre<t, Wilhelm, Leopold und Rainer sowie ciner Suite von mehr als 150 Generalen, Stabs- und Ober-Offizieren nah dem Steinfelde bei Felixdorf, um daselbst den Schießübungen aus den Stahlbronzegeshüßen beizuwohnen. Se. Majestät kehrte Nachmittags 3 Uhr nah Wien zurü>. Der Kaiser is gestern nah Gödöllö abgereist.

Der Kaiser hat dem Reichs-Kriegsminister v. Koller für seine Verdienste um Einführung ddes neuen vorzüglichen Artillerie- Materials seinen Dank in einem Handschreiben ausgedrü>t und dem General-Major Uchatius in Anerkennung seiner großen Verdienste um Staat und Heer bei Beschaffung des neuen Feldartilleriematerials das Commandeurkreuz des Stephansordens verliehen. Bei dem an Lungenentzündung erkrankten Kardi- nal Rauscher find die Athembeshwerden heftiger geworden, au<h macht \ih ein leichter Verfall der Kräfte bemerkbar.

Wie die „Politische Korrespondenz“;meldet, sind der Oberst- Kämmerer Feldzeugmeister Graf Folliot de Crenneville, der Abt Helferstorfer vom hiesigen Benediktinerstift, der Abt Liebsh vom Prämonstratenserstift Tepl in Böhmen und Baron Franz Schar- \{<mid vom Kaiser zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt worden.

Das Herrenhaus nahm gestern das Gensd'armeriegeseh in zweiter und dritter Lesung an, ebenso das Geseh, betreffend die Abänderung des H. 4 des Gesezes über die Regelung der Grundsteuer.

__ In der vorgestrigen Sißung des Budgetaus\<usses des Abgeordnetenhauses wurde der Voranschlag des Landesver- theidiguntgs-Ministeriums vollständig durhberathen. Der Be- rihterstatter Dr. Groß beantragte folgende Resolution: „Die Regierung möge neuerli<h und dringend aufgefordert werden, no in dieser Session ein die Militärbequartierungslast gleich- mäßig und gereht regelndes Gesez zur verfassungsmäßigen Be- handlung einzubringen.“ Der Landesvertheidigungs - Mi- nister bemerkte, daß dieser Gesezentwurf bis auf einige gering- fügige Details fertig sei und zur Shlußäußerung beim unga- rischen Landesvertheidigungs-Ministerium fi<h befinde; er hoffe in der Lage zu sein, diesen Gesehentwurf no< vor Weihnachten einzubringen. Hierauf wurde die vom Referenten beantragte

Resolution angenommen. j Pest, 19. November. (W. T. B.) Das geo rdneten- atte das vor-

haus hat heute na< Beendigung der Generalde gelegte Budget in namentliher Abstimmung mit 265 gegen 60 Stimmen angenommen. Von den Abgeordneten waren 111 in

Bayern. München, 18. November. Dur<h heute publizirte Allerhöhste Entshließung werden 79 Portepée-

der Sitzung nicht anwesend.

Schweiz. Bern, 17. November. Der Regierungs- rath des Kantons Bern hat an die Regierungsftatthalter im Jura soeben folgendes Kreis\{hreiben erlafsen:

Nachdem wir unterm 6. d. M. den Beschluß vom 30. Januar 1874, dur< welchen einec Anzahl katholisher Geistlihen der Auf- enthalt in den jfurassishen Amtsbezirken bis auf Weiteres untersagt wurde, als aufgehoben erklärt und in Folge dessen diese Geistlichen in nächster Zeit in den Jura zurü>kehren werden, halten wir es für angezeigt, Ihuen folgende Weisungen zugehen zu lassen: 1) Es ist uns mge worden, daß in einigen Orten beabsichtigt werde, bei der Rückkehr der Geistlichen Kundgebungen zu veraustalten. Solchen Kundgebungen ift in keiner Weise entgegenzutreten, fofern dadurch die öffentlihe Ruhe und Ordnung nicht gestört wird. Andern- falls ist na< Maßgabe der allgemeinen Polizeivorschriften dagegen einzuschreiten. 2) Nach Art. 3 des in Rechtskcaft erwachsenen Ge- set2s, betreffend /Stôrung des religiösen Friedens, ift sowohl den durch gerihtli<hes Urtheil abberufenen Pfarrern als denjenigen Geist- lichen, welche den Proteft vom Februar 1873 unterzeichnet haben, die Ansübung geistliher Verrichtungen bei einer Religionsgenossenschaft (Privatkultus) und jede Wirksamkeit an ffentlichen und privaten Schulen auf jo lange untersagt, als ihre Widerseßlichkeit fortdauert, d. h. bis fie eine Erklärung abgegeben haben, daß fie sih den Staats- einrihtungen und den Erlassen der Staatsbehörden unterziehen wollen. Den genannten Geistlichen find alle und jede gottes- dienstlichen Funktionen fscwohl in öoffentliher Kirche ais in Privatlokalen untersagt, so lange sie ni<ht eine entsprechende Erklärung in obigem Sinne abgegeben ‘haben. Auf diese Vor- rift wollen Sie geuau Acht geben und Widerhandlungen da- gegen, sobald sie zu Ihrer Kenntniß gelangen, unnachsichtli<h und ungesäumt dem Polizeirihter zur Beurtheilung überweisen. 3) Da & möglicherweise vorkommen kann, daß. einzelne der zurü>kehrenden Geistlihen den Versu<h machen werden, ihren Wohnsiß in den no< leer stehenden t Ar a1 aufzuschlagen, fo ertheilen wir Jhnen die Weisung, solhe etwaige Versuche sofort zu vereiteln, da die Pfarrhäuser als öffentlihe Gebäude nur den vom Staate anerkannten Geistlichen zur Verfügung stehen. Jm Uebrigen verweisen wir Sie auf die Vor|chriften des Kirchengeseßes und der ausführenden Dekrete zu demselben, sowie auf das Gese, betreffend Störung des religiösen Friedens, und erwarten von Ihnen, daß Sie um so energisher auf genaue Handhabung dieser Vorschriften dringen werden, als die Lage der Dinge im Jura in Folge der Rückkehr der renitenten Geistlihea shwieriger werden wird,“

Niederlande. Luxemburg, 19. November. (W. T. B.) Die Kammer desGroßherzogthums hat heuteeinstimmig eine Resolution des Inhalts angenommen, daß sich die Großherzogliche Regierung bei der Kaiserlih Deutschen Regierung dahin ver- wenden wolle, daß günstigere Gisenbahntarife und Trans- portbedingungen eingeführt werden; daß fernec das Prinzip des Freihandels für Eisenfabrikate und Roheisen, so- bald von den benachbarten Staaten die Gegenseitigkeit zuge- sichert sei, verwirkliht werde, und -daß bis dahin die bestehenden Eisenzölle beibehalten bleiben möchten.

Großbritannien und Jrland. London, 18. No- vember. (A. A. C.) Der Besuch der dänischen Königs- familie in England geht seinem Ende entgegen. Vor der Abreise des Königs na<h Kopenhagen werden Shre Majeftäten eine Woche in London zubringen, und während dieser Zeit der Königin Viktoria, welhe nächste Woche von Schottland nah Windsor zurü>kehrt, einen Besuch abstatten. Der Kriegs- Minister Gathorne Hardy ist von seiner jüngsten {weren Unpäßlichkeit wieder soweit hergestellt, daß er im Stande war, der gestrigen Kabinetsberathung in Downingstreet anzuwohnen. Aus Bombay meldet der Telegraph, daß der Prinz von Wales gestern die Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augen- \chein nahm. Er besuchte die. Thürme des Schweigens, wo die Parsen ihre Todten den Geiern zum Fraße überlassen, ferner den Hindutempel, den 500 Iahre alten heiligen Schrein in Walkeshwar, das Gouvernementsgebäude in Malabar Peint, den Hindu-Verbrennungsplaÿ in Sonapore, den Crawfordmarkt und das europäische Hospital. In lehterem unterhielt er \< freundlih mit den Patienten. Am Abend gab er am Bord der „Serapis“ den Spitzen der Regierungsbehörden ein Diner. Heute Abend begiebt sih der Prinz auf einige Tage nah Baroda zur Jagd. Die Berichte über die Cholera in Madras lauten ungünstig.

Frankreich. Paris, 18. November. Der dänische Ge- \sandie Graf Moltke hat vorgestern dem Präsidenten der Republik ein eigenhändiges Schreiben des Königs Christian 1X. überreiht, in welhem der dänishe Sou- verän die Gründe auseinandersezt, warum er und seine Gemahlin zu ihrem lebhaften Bedauern weder auf ihrer Reise na< England , noch ' auf ihrer Rückehr von dort den Weg über Paris genommen hätten resp. nehmen würden. Der König deutet indeß die Möglichkeit an, daß wenigstens die Königin und die Prinzessin Thyra An- fang Dezember für einige Tage in Paris eintreffen werden. Der Sekretär des Präsidenten der Republik, Vis- comte d'Harcourt, is zum Oberst - Lieutenant des 40. Infanterie-Regiments, das seinen Sig in Orleans hat, er- nannt woxden. Gestern fand das Begräbniß des russischen General-Konsuls, des Staatsraths Zachar Donurow, ftatt. Fürst Otlow, die übrigen Mitglieder der rufsishen Botschaft und die Spigzen der russishen Kolonie waren zugegen.

Spanien. Madrid, 20. November. (W. T. B.) Wie der „Imparcial“ meldet, ist Don Carlos auf dem Wege zwischen Valmaseda und Durango mit dem Pferde gestürzt und muß in Folge dessen das Bett hüten. Nach hier einge- troffenen Nachrichten aus Bourg-Madame hätte der Carlisten - führer Miret den Wunsh ausgesprochen, mit dem General Martinez Campos behufs einer Unterwerfung in Verhand- lung zu treten.

Ftalien. Rom, 15. November. Heute hat die Depu- tirtenkammer ihre Sizungen wieder eröffnet. Der Präsident gedachte der seit dem Schlusse der lezten Sißung mit Tod ab- gegangenen Deputirten Francesco de Luca und Alessandro Bianchi. Der Minister-Präsident legte den Rechenschaftsbericht über das Jahr 1874 nebst der betressenden Relation der Rechnungskammer vor und verlangte, daß die Berathung des Voranschlages für das Jahr 1876 vor der Behandlung aller anderen Vorlagen vorgenommen werde. Die Kammer s{ritt darauf zur Bildung der Kommisfionen. DerMarin e-Minister beabsihtigtnochim Laufe der gegenwärtigen Sizungsperiode den Plan zu einer neuen Organisation der italienis<hen Kriegsflotte vorzulegen. Das Budget des Marine-Minifteriums für 1876 beläuft sich auf 37,045,263 Lire, darunter 1,045,000 Lire für außerordentlihe Ausgaben. Im Unterrihts-Ministerium wird der den Kammern versprochene Gesehentwurf über die Seminarien vorbereitet, während die Untersuhung über den gegenwärtigen Zustand dieser Anstalten ihren Fortgang nimmt. Der vierte Kongreß der Handelskammerdelegirten beschäftigte sich gestern mit Verhandlungen über Generalmagazine

und „punti sranchi“, eine Art Freihäfen, die anstatt der ab-

geschaffien wieder cingerihtet werdên \ollen. Hierauf hielt der Handels-Minister eine kurze Ansprache an den S Lr: be- lobte ihn wegen seiner Thätigkeit. Der Präsident desselben danke den Mitgliedern für die Ordnung und Ausdauer, womit sie sich den Verhandlungen hingegeben haben,“ und der Abg. Cacace \prah der Stadt Rom den Dank des Kongresses für die ihm bereitete glänzende Aufnahme aus. Nachdem die Versammlung Venedig zum Siz des fünften Kongresses bestimmt hatte, trennte fie sich unter begeisterten Rufen: „Es lebe der König!“ Die „Gazetta“ von Mantua meldet: „Unser Bischof begab {ih gestern in das Kapitel der Kirhe S. Barbara, um die dur<h den Tod des Mons. Corridori erledigte Direktion der Abtei temporâr in seine Hand zu nehmen. Das Kapitel wider- setzte sih diesem Vorhaben des Bischofs und verweigerte dem Alte der Besigergreifung seine Unterschrift, weil nach den Statuten im Falle der Vakanz die Befugnisse des Abtes dem Erzpriester zustehen. Wie wir hören, hat der Minister-Siegelbewahrer, dem der Fall berihtet worden ist, den Widerstand des Kapitels gegen die Eingriffe des Bischofs in seine und Sr. Majestät Rechte gebilligt, zumal die Ernennung des Abtes und des ganzen Kapitels von Santa Barbara dem Könige vorbehalten ist. Die am 16. d, M. eröffnete Eisenbahnstre>e Cotrone- Catanzaro ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil dadurh die ununterbrochene Eisenbahnverbindung der äußersten Nord- und Südpunkte der Halbinsel vollendet wird, so daß man nunmehr in 48 Stunden von Turin nah Reggio in Calabrien gelangen kann.

__— 19. November. (W. T. B.) Die „Opinione“ bespricht die wegen des Abschlusses der neuen Handelsverträge #\{<hwebenden Unterhandlungen und bemerkt, die französische Re- gierung zeige sih durchaus bereit, Italien bei diesen Unterhand- lungen zu unterstüßen. Frankreich heine selbst niht abgeneigt, nöthigenfalls seinerseits auf diplomaiüshem Wege mit den übri- gen Mächten zu verhandeln, mit denen zunächst die italienischen Handelsverträge und alsdann die französishen erneuert werden müßten. Der Kardinal Silvestri ist gestorben.“

Griechenland. Athen, 19. November. (W. T. B.) Der Justiz-Minister Papazafiropulos hat um seine Entlassung gebeten, weil die Deputirienkammer die Be- rathung der von ihm als dringlih bezei<hneten Vorlage, betref- fend die Reform des Kassationshofs, vertagt hatte. Das Ministerium hat indeß auf der Annahme der Dringlichkeit für diese Vorlage mit solcher Bestimmtheit bestanden, daß die Kammer die Dringlichkeit fast einstimmig beshloß und der Justiz-Minister hierauf sein Entlassungsgesu< zurü>zog. Das Geseß wegen An - nullirung der von der früheren niht vollzähligen Deputirten- e beshlossenen Ges-he is vom Könige sanktionirt

orden.

Türkei. Nach über Wien, 19. November, Nachmittags, von der Herzegowina eingelangten Nachrihten haben die Türken zwar, wie bereits gemeldet, än 14. d. M. erfolgreih gegen die Insurgenten gekämpft, find aber am 15. d. von ihnen zurü>- geschlagen worden.

Nah einer aus \üdslavisher Quelle stammenden Mel- dung der „Agence Havas“ aus Ragusa wird Garansko von den Insurgenten blokirt, Leßtere hätten sehr beträhtlihen Zuzug erhalten. Der Valy Reouf Pascha habe si<h mit dem größten Theil der in der Herzegowina stehenden türkischen S gegen die Insurgentenführer Succih und Paulovich gewendet.

Nußfßland und Polen. St. Petersbur g, 20. November. (W. T. B.) Der Reichskanzler Fürst Gortschakoff wird am 20. d, M. hier zurü>kerwartet. Die hiesige Presse fährt fort, ihre Zuversicht über die friedliche politische Lage zu äußern. Der Kriegs-Minifter verweilt no< auf Urlaub, und fin- det man allerseits hierin die beste Widerlegung der vor kurzem in der auswärtigen Presse umlaufenden Gerüchte über Rüstungen Rußlands. General Potapow is aus Livadia hier einge- troffen. Die Mitglieder der \{<wedis<hen Nordpol- expedition haben hier eine glänzende Aufnahme gefunden. Besonders find fie in der geographischen Gesellschaft gefeiert worden. Aus Moskau wird gemeldet, daß auf den Cisen- BaE e A dieselben Jaroslaw Brände stattgefunden aben. Der durch dieselben verursahte Schaden beträgt cir 100,000 Rubel. A y A

Amerika. (A. A. C) Brigham Young hat \i< geweigert, seiner fiebenzehnten Frau, Anna Elisubeth Young, die ihr zugesprohenen 9500 Doll. Alimente zu zahlen, Das Bundesbezirksgeriht in Salt - Lake - City hat deshalb am 29. v. M. defretirt, daß Brigham Young gefangen zu halten sei, bis er die verfallenen Alimente nebst den Prozeßkosten bezahlt habe. Dieser Entscheidung gemäß wurde der Mormonen-Pro- phet in seiner Behausung arretirt, doh wurde ihm, da er Krank- heit vorshügte, gestaftet, einstweilen in seinem Hause unter Aufsicht eines Gerihtsbeamten zu bleiben. :

__ Montevideo, 18. November. (W. T. B.) In Folge einer hier entde>ten kommunistishen Verschwörung haben zahl- La I IN inge stattgefunden. Die Ruhe wurde nirgends gestört.

_— 19. Oftober. In der Stadt Montevideo hat eine Störung der Ruhe nicht stattgefunden. Die Regierung hat' den Belagerungszustand crklärt. Der Artikel 4 des betref- fenden Dekretes vom 18. d. M. lautet:

„Die Versammlungen innerhalb der Häuser, gleihviel zu welchem Zwet, sei derjelbe kaufmännischer oder literaris{er Art, dürfen ohne vorhérg:hende Erlaubniß der Behörde nicht statifinden. Hierin ein- begriffen sind die Vereine, welchen Namen fie au< führen mögen, die offexntlih bestehen, ohne die Genehmigung ihrer Statuten echal- ten zu haben,“

Asien. Aus Calcutta wird der „Times“ unterm 18. d. telegraphirt: „Die 3. Buffs marschiren morgen na< Perak ab. Das 1, Goorkha-Regiment wird am Sonnabend aus. der Punjab erwartet und soll mit Artillerie in Kurzem folgen. Das 21. Fü- silier-Regiment aus Madras und vier Ingenieur-Offiziere haben en oa Ordre erhalten, nah den Straits-Settlements ab-

ugeben.

Nr. 44 des Justiz-Ministerialblattes enthält: LAlige- meine Verfügung vom 16, Ncevember 1875, betreffend das Ver- fahren bei Requisitionen an Kaiserlich russis<he Behörden. Allge- meine Verfügung vom 15. November: Tarif für den Anjaß der Ge- fangenen-Verpflegungskoften.

Kunst, Wissenschaft und Literatur. Der Umzug des Märkischen Provinzial - Museums aus dem Rathhause na< dem ehemals Gräflich Podewilsschen Pálais, Klosterstraße Nr. 68, ist jeßt vollendet. Es wird nun \ofort die Auf-

stellung în den neuen Räumen erfolgen, damit die Eröffnung des Museums für das Publikum woms lich n Neuj E - Cs 9 glich no< vor Neujahr stattfin Fi _— On hat der Ae irmeni ein neues ild, „Alte Wassermühle i Walde* (Motiv: Quißowmühle, Spreewald), lake : Das befaunte Talent Firmeni<hs, Baumgruppen mit Naturwahr- heit und Frishe und zuglei<h in den edelsten Formen dar- zustellen, fällt in diesem Bilde wieder in die Augen, es 1tellt die eigeuartige Natur des Spreewaldes in voller Majestät dar. Rechts sieht man eine kräftig gehaltene, von der Morgensonne durstrahlte Baumgruppe, bestehend aus knorrigen Eichen, Buchen und Weiden zwischen denen romontish die alte zerfalleae Wassermühle liegt. Dieser hzchaufstrebenden Partie, dem eigentlihen Glanzpunkt des Bildes gegenüber steht eine große Lindengruppe, neben der fich ein Waidweg am Abhange über eine Brücke hinzieht, unter ihr s<himmern thaufrish die Gräâjer, wie denn die Thauwolke, welhe über der Land- schaft hängt, ihr au< im fernsten Hintergrunde Morgenfrische ver- leiht. Auf der andern Seite bli>t man über das Wasser hinaus auf einen Wiesengrund, der in der Ferne von hchen Baumzügen, über denen noch der Kir<thurm von Lübben hervorragt, begrenzt ‘wird Firmenich ist eine dichterishe Natur, fteis geneigt, aus der so reichen Waldnatur dos Schönste und Stattlichste, was sie bieten kann, zu wählen ; bekannt ist auch die gewissenhafte Sorgfalt, mit welcher er Alles behandelt und ausführt, von der tausendjährigen Eiche bis zum fleinsten Graëhalm. Daraus entsprießt vor Allem auf den wild wuchernden Gewächsen des Vordergrundes eine Wahrheit, die der Beschauer zu bewundern gezwungen ist. Den Freunden der Kunst sowohl, wie den Freunden der Nark empfehlen wir, den Besuch des Ateliers Dorotheenstraße 62 nicht zu versäumen, woselbst das Werk auf das Bereitwilligste bis: 1. Dezember gezeigt wird.

In Wien ist der Geburtstag Schillers in den weite- sten Kreisen besonders feierlich Gedange worden. Die Bolboscbalen feierten den Dichter in Gesang, “Deklamation und Reden. Gesellige Vereine veranstalteten besondere Zusammenkünfte, und in dem {önen Saale des Gartenbauvereins fand ein großes Fest-Concert mit aus- gewähltem Programm statt. Im Burgtheater wurde „Wallenstein“ im Stadttheater Laube's „Karlschüler“ iu neuer Besetzung gegeben, welche leßtere am Sonntag, den 14. d.,, als volksthümliche Vorstel- lung bei übervollem Hause wiederholt wurden.

"_— Von „Carl Heymanns Literaturblatt für Rects- und Staatswissenschaft" ist die Nr. 18 Ja soeben ausgegeben worden. | n E

Am 17. d. M. e:ishienen bei Michel Levy aus dem Nach- lasse Micelets die leßten zwei Bände der „G eshi<t F AAL H : d E ex und arie Band der „Geschichte des 19. Jahrhunderts," Der erste der beiden Bände reiht bis zu: Brumaire, der andere bis Waterloo. S ea Ea

Land- uud Forstwirthschaft.

Für die im nächsten Monat in Autesiht genommene“ Plenarversammlung der technischen D ad für n Beterinärwesen ist folgende Tagesordnung festgestellt worden: 1) Berathung der Justruktionen zur Ausführung des Seuchengeseßes. (8. 28.) Bisherige Referenten: Departements- Thierarzt Dr. Pauli, Geh. Medizinal-)ath Dr, Gerlach. Die Ent- würfe ¿u den Justruktionen werden in einzelnen Abschniiten den Mit- gliedern der Deputation vor der Plenarversammlung übersandt wer- den.» Auch wird für jeden Abschnitt je ein außerordentliches Mitglied der Deputation um die Uebernahme des Referats ersu<ht werden. Bei dem auf die Maul- und Klauenseuche bezüglichen Abschnitt der Instruktion wird in Erwägung zu ziehen sein, od bei der groß:n Ver- breitung, welche die Seuche gegenwärtig gewonnen hat, etwa vorüber- gehende Maßregeln angezeigt scheinen. 2 Berathung über den Erlaß eines Verbots der Einfuhr von Rindvieh aus dem Königreih der Niederlande nach Preußen. Referenten: Rittergutsbesizer Graf von Zedlitz - Trütsc;ler Gemeindevorstéher Groeneveld, Professor Dr. M-ller. 3) Bera- thung über eine neue Regelung des Prüfungswesens für beamtete Thierärzte. Referenten: Geh. Medizinal-Rath Dr. Gerla, Professor Dr. Skzreczka, Dr. med. Loewe. 4) Bera- thung Über Vorschläge wegenGewährleistung beimVieh- handel. Refecrenten: Lehrer au der Köaiglichen Thierarzneisule Die>erhoff, Geh. Medizinal-Rath De. Gerlach, Rittergutsbesißer Graf von Zieten-Schwerin. 5) Berathung über den Eintritt in internationale Verhandlungen behufs gemeinschaft- liher Maßregeln zur Unterdrü>ung der Lungenseuche. Referenten: Prefessor Dr. ‘Skzreczka, Professor Dr. Müller, Ritter- gutsbefißer Gerposf. 6) Berathung über die Vorbereitung einer Viehseuhen-Statiftik in Preußen. Referenten: Pro- fessor Dr. Müller, Gutsbesißer vom Hof, Gutsbesißer Plehu.

Im Regierungsbezirk Potsdam is man mit der Ernte am meisten in den Kreisen Ostpriegniß und Neu-Ruppin, am wenigsten im Kreise Zauh-Belzig zufrieden. Die Winterung hat dur<schynittli< im Kocn einen etwas besseren, in Stroh einen noch geringeren Ertrag als im Vorjahr ergeben. Das Sommetgetreide dagegen ist in Folge der Ungunst der Frühjahrswitterung dur<hweg nur dürftig, an einigen Stellen fogar fast ganz ausgefallen. Der Weizen in einzelnen Strichen des Kreises Angermünde hat dur Rost gelitten, in den Kreisen Prenzlou und Jüter- bogk - Luckenwalde ist er niht . unerheblich hinter dem Ertrage des Roggen zurü>geblieben; cin gutes Ergebniß is haupt- sächlih auf einigen Gütern des Kreises Niederbarnim erzielt worden, welche auf fünstli<he Düngung große Mittel verwenden. Hafer und Gerste haben mit sehr wenigen Ausnahmen nicht befriedigt, im Kreise Zauch-Belzig haben hohe Lagen sogar eine gänzlihe Mißernte ge- liefert. Diesem im Ganzen unerfreulichen Resultat gegen- über muß indeß hervorgehoben werden, daß die Qualität der Körner durhweg als gut, in manchen Gegenden fogar als vorzügli bezeichnet wird. Von Hülsenfrüchten haben die Erbsen stellenweise durch Mekblthau gelitten; Wi>en und Lupinen béfriedigen mehr. Kleeheu ist mit geringen Ausnahmen fehr dürftig gerathen und vielfa< ganz ausgefallen. Was an Heu geerntet worden, ift hauptsächli<h dem zweiten Schnitt und den einshäligen Wiesen zu verdanken, auh die Quolität ist meistens gut. Die Obsternte ist durhgängig reichlich ausgefallen, jedo<h wird mehrfa<h über Früh- reife und dadurh verminderte Qualität geklagt. Verzüglih haben die Pflaumen, ausgenommen im Kreise Prenzlau, ge- lohnt, au< Birnen sind üúberall in Fülle geerntet worden, Aepfel dagegen weniger. Ueber die Kartoffelernte herrscht vollste Be- friedigung, namentli über die Qualität der Frucht, die einzig im Kreise Angermünde nicht genügt; die Kartoffelkrankheit hat si<h nur schr vereinzelt gezeigt. Die Zuckerrüben versprechen guten Ertrag ; dagegen ift dér Tabak nur im Bezirke der Haupt-Steuerämter Prenzlau und Neu-Ruppin gerathen, in den übrigen Theilen des Regierungs- bezirkes haben die Pflanzen dur< Hagelwetter bedeutende Be- \<ädigungen erlitten. Uebrigens hat der Tabaksbau, troßdem die Preise gesunken, namentli< im Bezirke der Haupt- Steuerämter Prenzlau und Neustadt - Eberswalde ni<t un- erhebli< zugenommen. Unter dem Rindvieh hat fast allge- mein, nes gutartig, die Maul- und Klauenseuche geberrs<t, auch Lungenseuche und Milzbrand sind aufgetreten; au< unter den Pferden hat fich die Roskrankheit im 3. Quartal d. J. fast in «llen Kreisen, aber nur vereinzelt, gezeigt. Auch die Schafe haben vielfa unter Po>en und Klauenfenche gelitten, leßtere Krankheit ist stellenweise evenfalls unter den Schweinen aufgetreten, Bemerkenswerth ist no<, daß tie land- wirthschaftlichen Vereine zu Prizwalk / und Kyriß neuer- dings 24 Zuchtsticere aus den vorzüglichsten Heerden Ostfries- lands zur Förderung der Rindviehzuht angekauft haben.

Am 17. November starb in S<hwerin der Ober-Forstmei- ster a. D. Friedri<h Grohmann im 89. Lebensjahre.

—— Das Königliche bayerische Forstamt Kronach theilt Fol- gendes mit; Nach den offiziellen Berichten der einschlägigen König-

Landschaftsmaler Joseph

(

lihen Forstreviere betragen die jünásten Windbruchauüfälle in den Staatswaldungen des Frankenwaldves ca. 38,000 Ae, aa S e Tee mit der Wurzel aus Boden gerissen, und es find diese Windbruchbeschädigungen i Reviere Steinwieszu am beträchtli{flen, E VINIERIOEE E

Getverbe und Handel.

Im Anschluß an die bevorstehende ordentliche eneralver- sammlung der Chemischen Fabrik Shönebe> E ordentliche stattfinden, in welcher Aufsichtsrath und Direktion die Li- quidation und Auflösung .der Gef-llschaft mit der Ermächtigung zum freihändigen Verkauf der Gesellshaftsobjekte beantragen werden.

Eine Anleihe der Stadt Frankfurt a. M. in Gestalt 4vrozentiger Obligationen gelangt vom 1—3 Dezember zur öffentlichen Subskription. Der Emissionscours ist auf 95% - festge- seßt. Die Subskription wird geschlossen, sobald der aufgelegte Be- trag von 5 Millionen Mark voll gezeichnet ist. /

E Die Direktion der Danziger Privatbank erläßt wieder- holt die Bekanntmachung, daß die in Thalerwährung lautenden Noten des Instituts mit dem 1, Januar tut. ungültig werden; zugleich ver- öffenlicht sie eixe Liste von Bankfirmen, die außerhalb Danzigs di Einlösung der Noten übernommen haben. (S. Jns.) :

Dresden, 19, November. (W. T. B.) In der heute hier stattgehabten Generalversammlung der Aktionäre der sächsischen A L les der sächsischen Bank unter das Reichs-

geteß nag aßgabe der vorge f g einfstunmi genehmigt. g rgelegten Tagefordnung einstunmig

Wien, 19. November. (W. T. B.) Der Verwaltunasrc

Lemberg-Czernowißer Bahn hat, wie die Bene Me eute das Uebereinkommen mit der Regierung genehmigt, wonach die Czernowißer Bahn die Albre<htsbahn zu den zwischen der Ne- gierung und der Albrehtsbahn vereinbarten Bedingungen übernimmt und wonach ferner die Stre>e der Staatsbahn Tarnow Leludbow gegen eincn in Aftien der Czernowiß:.r Bahn al pari an die Re- giecung zu bezahlenden Kaufpreis von 16 Millionen Gulden an die Czernowißer Bahn übergeht. Die gedachten Aktien zum Betrage von 16 Millionen Gulden, sowie die für die Albrehtébahn zu begeben- den Titres werden staatli<h garantirt, die Czeraowißer Bahn verpflichtet si< zuin Busbau der Stre>-n Sty-Beékid und Lemberg-Nowosielika und crhält für den Fall der Konzessionirung der Linien Lemberg-Tomaëzow und Giybow-Zagarcz das Vorrecht. Die Meldung der „Opinione'' von dem erfolgten Abschluß des Ver- trages über Rü>kauf der oberitalienis{hen Bahnen durch die italienische Regierung wird in hiesigen Börsen- und Finanzkreisen vollinhaltlih bestätigt. Zur Perfeftmahung des Uebereinkommens trifft, gutem Vernehmen nah, in den nachsten Tagen ein Vertxeter der italienishen Regierung hier ein. __ Wien, 20. November. (W. T. B.) Die Morgenblätter demet- tiren die Gerüchte über Nichtzahlung des Januar-Coupons der Kreditaktien. Die Direktion der Kreditanstalt werde erft in dcr Weihnachtswoche über die Couponzahlung beschließen, Die Blätter konstatiren, däß die Situation der Kreditanstalt unverändert sei.

Die „Neue freie Presse“ erklärt, daß zwar die Höhe der in der Baseler Konvention von der italienishen Regierung behufs Rü>kaufes der oberitalienishenEisenbahnen bewilligten Abiösungssumme nicht bekaunt sei, jedoch köune versichert werden, daß die italienische: Regierung we- sentlih über das ursprüngliche Angebot hinausgegangen sei, und daß der gezer.wIrtige Preis mit den Betriebsergebnissen der italienischen Eisen- bahnlinien in besserem Einklange stehe. Dem „Tageblatt“ zufolge soll die Kaufsumme in italienischen Rententitiln au“gefolgt, diese vin- fulirt und aus deren Erträgnissen die theilweise Verzinsung der Prio- ritäten und Aktien der Südbahn nah vorgenommener RNeduzirung der- selben sichergestellt werden. Auch foll der Personalstand der Südbahn, der verrinzgerten Ausdehnung der Bahu entsprechend, reduzirt werden.

__— Auf den S<hiffsbauwerften am Clyde soll, wie es

heißt, wegen der großen Geschäftslosigkeit vom 29. d. Mts. ab eine aemeine Herabseßung der Arbeitslöhne von 5 bis 10% in Kraft reten. __— Die „New-Yorker Handels-Zeitung" {reibt i ihrem vom 5. November cr. datirten E. ai an während einer Wahlwoche, nahm das Geschäft auch dieses Mal einen sehr stillen Verlauf. Jn sehr wenigen Exportartikeln waren Umsäße belangreich, und au<h in Importen konnte das Geschäft nicht befrie- digen. Die Tendenz am dieswöchentlihen Geldmarkt zeigte etwas größere Festigkeit. Der Abfluß na< dem Westen und Süden hielt an, und auh Seitens des Platzgeschäftes machte sih eine etwas lebhaftere Frage geltend. Während die Banken und meisten inanz- institute on call nit unter 5 % ausliehen, war au< an der Börje nur in wenigen Fällen unter 4—5 % anzukomm-n. Ein gestern er- folgtes Anziehen bis 7 % war durch künstii<he Manipulation einer Spekulantengruppe hervorgerufen worden und nur von kurzer Dauer. In den angeführten Raten zeigte si< Geld im Allgemeinen abundant. In Diskonten überwog das Angebot die Nachfrage; kurze Sicht-Plaßwechsel konnten nit unter 6 -7% p. a. begeben werden. Das Geschäft im dieswöchentlihen Goldmarkt nahm einen unregelmäßigen Verlauf. Am vergangenen Sonnabend à 164 eröff- nend, - fiel das Agio während der ersten zwei Tage graduell bis 153; spâter verseßten politishe Momente den Goldstrom in eine jo enthusiastishe Stimmung, daß eine weitere Baisse bis 145 Platz griff, worauf nah eincr Reafttion bis 153 das Agio heute à 154 \<loß. Am Waaren-: und Produktenmarkt wurde das Ge- \häâft durch die am Dienstag abgehaltenen Wahlen wesentli<h hbeein- trähtigt. Für Brodstoffe riefen die minder günstig lautenden Kabeldepeschen eine mattere Stimmung hervor, und konnten sich bei gesteigertem Angebot höchste Preise der Woche mit wenigen Aus- nahmen nit behaupten, zumal Frachtraten bei der gerinzen Auswahl der im Lauf der Woche angekommenen Schiffe sehr fest blieben. Baumwolle verfolgte ununterbrochen weichende Tendenz, die in einem Rüd>gang von 11/16ec zum Ausdru> gelangte; zu den reduzirten No- tirungen belebte sih jedo< der Exportbegebr eiwas, und {ließt der Markt in fester Haltung sowohl für effffektive Waare als auch sür Termine. Der Gesammtwerth des leßtwöcentlihen Waaren - und Produkten-Imports war um 1,254 832 Doll. größer, als in der Vorwoche. Der Import fremder Webstoffe partizipixt an dem Ge- sammtwerth mit 1,349,011 Doll. und hat fih um 69,399 Doll. ver- mindert, während von diversen Produkten und Waaren von 1,324,231 Doll. mehr importirt wurden. Am leßtwöchentlihen Waaren- und Produkten-Erport, dessen Gesammtwerth um 1,910,381 Doll. größer ist, als in der Vorwoche und den Wohen-Import von 763,030 Doll. übersteigt, partizipirt Baumwolle mit 13,023 Ballen im flarirten Werth von 882,685 Doll. j

Verkehrs-Anstalten.

Breslau, 20, November. (W. T. B) Der Couriìîerzu von Berlin- ist heute in Folge einer Entgleisung bei Sou: merfeld mit zwei Stunden Verspätung hier eingetroffen. Nähere Mittheilungen ‘über den Unfall liegen augenbli>li< no<h ni<t vor.

Wien, 20. November. (W. T. B.) Ueber den Präliminar- vertrag der Regierung mit dem Verwaltungsrath der Lemberg- Czernowißer Bahn wegen der Fusion mit der Albre><ts- Bahn und der - Uebernahme der Staatsbahn Tarnow- Lelu<how durh die Czernowißzer Bahn wird no< Folgendes bekannt. Der Kaufpreis für die Bahnlinie Lemberg-Stry und Stry-Stanislav beträgt 19,179,400 Fl. einshließli<h der von der Lemberg: Czernowißer Bahn an die Albre<tsbahn zu vergütenden 4 Millionen Fl, Prioritäten, wel<he zur Liquidation no< vorhan- dener Forderungen und zur Entschädigung der Aktionäre bestimmt find. Die Staatégarantie bei der Albre<tsbahn beträgt O 978,149 Fl. und bei der Tarnow-Leluhower Bahn 816,000 Fl. Für das ganze neu: Neß wird eine neue Kvnzessionsurkunde ausgestellt, und die neue Gesellschaft bis zum Jahre 1881 von allen Steuern und Stempelgebübhren befreit werden. Außerdem wird sowohl für die alte als au< für die neue Linie die Bildung eines Reservefonds von 2 Millionen bestimmt.