1875 / 276 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

von nationalem Gesichtspunkte aus der in Rede st2henden Pofition zustinmen würde. Der Titel 5 wurde hierauf fast einstimmig angenommen, ebenso die Titel 6 bis 8 inkl. Auch Titel 9 (Vergütungen an Preußen) wurde na einer Bemerkung des Abg. Ri>ert, auf welWe der Bundes- tommissar, Geheimer Ober-Regierungs-Rath Dr. Michaelis, er- widerte, genehmigt. "Beim Schlusse des Blatts trat das Haus in die Berathung des Kap. 11. ein.

Der Gottesdienst bei Eröffnung der außer- ordentlihen Generalsynode findet im hiefigen Dom am 25. d. M., Vormittags 10 Uhr, statt. Die Predigt wird der General-Superintendent Dr. Brü>ner halten.

Der Grundsaß, wonach bei der Neuveranlagung der rômish-katholishen Geistlihen zur Klassen- steuer die auf Grund des Geseßés vom 22. April cr. ein- gestellten Staatsleistungen außer Ansaß bleiben sollen, wird, wie der Finanz-Minister, nah vorherigem Einvernehmen mit dem Minister der geistlihen 2. Angelegenheiten, 1n einem Spezialfall entschieden hat, bei der Ausführung des Einshäzungsgeshäfts nur insoweit zur Anwendung gelangen können, als den Ver-

nlagurgsbehörden die Ueberzeugung beiwohnt, daß eine Wieder- aufnahme der Leistungen dem betreffenden Empfangsberechtigten gegenüber no<h niht erfolgt ist. In Ermangelung amtlicher Auskunft hierüber würde es zunächst Sache der in Rede stehen- den Geistlichen selbst sein, den Veranlagungsorganen jene Ueber- zeugung zu vershaffen. Insoweit aber au< von dieser Seite eine bezüglihe Mittheilung niht erfolgt und niht dur<h Notorietät des obwaltenden Verhältnisses crsezt wird, bleibt den Veran- lagungsbehörden überlassen, bei der Einshäßung von der bereits erfolgten Wiedergewinnung der fraglihen Bezüge auszugehen, da den betreffenden Geistlichen die Herbeiführung einex Berichti- gung im Reklamationsverfahren unbenommen ift.

Die inländishe Produktion an Gerberlohe reiht \{<on seit längerer Zeit für den Bedarf der einheimishen Leder-In- dustrie niht aus und ist hinter demselben besonders in den lezten Jahren zurü>geblieben. Für das Jahr 1873 weist die Handels- Statistik eine Einfuhr an Holzborke oder Gerberlohe von 1,760,000 Ctr. im Werthe von 2,640,000 Thlr., dagegen eine Ausfuhr von nur 108,000 Ctr. nah. Im Jahre 1874 betrug die Einfuhr 1,100,000 Ctr., die Ausfuhr 213,000 Ctr. Der bedeutenden Mehreinfuhr von Gerbermaterial ist neuerdings ein starker Import von nordamerikanishem Sohlleder hinzugetxreten, welches dur< seinen billigen Preis troß geringerer Qualität dem inländishen Produkt eine empfindlihe Konkurrenz macht. Diese Verhältnisse haben den betheiligten Kreisen zu vielen Kla- gen und Anträgen Anlaß gegeben, in welchen au<h der Wunsch na< thunlihster Förderung der Lohekultur, insbesondere der Eichens<hälwaldungen, wiederholt und lebhaft zum Ausdru> gekommen if. Diesem Wunsche da, wo die örtlihen Vorbedingun- gen vorhanden sind, entgegen zu fommen, liegt ni<ht nur im Interesse der Lederindustrie, sondern au<h der Landeskultur, da Schälwaldungen auf passendem Boden und bei zwe>kmäßiger Behandlung in verhältnißmäßig kurzer Zeit einen fiheren und lohnenden Ertrag gewähren. Der Minister für die landwirth- \chaftlihen Angelegenheiten hat deshalb die Vorstände der land- wirthschaftlihen Central-Vereiñe dur<h die Cirkularshrift vom 11. d. M. aufgefordert, die Angelegenheit zah WMaß- örtlihen Verhältnisse einer Prüfung zu unter- zichen; und, sofern die Anlage von Eichenshälwaldungen an- gezeigt ist und no< nicht in dem wünshenswerthen Umfange stattgefunden hat, dur< Verhandlung in den Lokalvereinen, Ver- öffentlihung belehrender Aufsäße und sonstige geeigne!e Mittel zu derartigen Anlagen anzuregen, au< auf etwaige Mängel in der Behandlung derselben aufmerksam zu machen. Unter den Schriften, aus welchen über den Gegenstand Belehrung zu \{<öpfen ist, hat der Minister hervorgehoben:

1) von Hagen „über die Anlage und Bewirthshaftung von Eichenschälwaldungen mit besonderer Rücksicht auf die mitt- leren Provinzen des Staats“, herausgegeben vom Landes-Oeko- nomie-Kollegium. Berlin, Wiegandt 1854.

2) „Die Gerberrinde mit besonderer Beziehung auf die Eichenschälwirthshaft“, von der Akademie Hohenheim gekrönte Preis\schrift von I. G. Neubrandt, zweite Auflage 1869 bei Sauerländer in Frankfurt a. M.

3) „Prafklische Anleitung zur Anlage und Behandlung der Eichenschälwaldungen“, verfaßt 1851 im Bayerischen Ministerial- Forstbüreau, zunächst abgedru>t in der Zeitschrift „Forfiwirth- \<aftlihe Mittheilungen“, München 1852. Palnshe Buchhaud- lung, demnächst als besondere Broschüre im Buchhandel erschienen.

Der General-Major Wiebe, Commandeur der 4. Fuß- Artillerie-Brigade is zur Abstattung persönlicher Meldungen aus Anlaß feiner“ Beförderung zum General-Major von Mét hier eingetroffen.

Nachdem der zum Sekretär des ar<häologis<hen Instituts in Athen ernannte Professor Dr. Köhler Anfangs d. Mis. dort’ eingetroffen ist, hat sein Vorgänger Dr. Lüders ihm die Geschäfte übergeben und demnächst die Rückreise in die Heimath angetreten.

S, M. S, „Hertha“ hat. am 8, August cox. den Hafen von Wladiwosto> verlassen, ankerte am 13. de}. Mts. im Hafen von Hakodate, nahm am 20. Abends unter Segel die Fahrt na< Yokohama auf, langte am 21. in der Bucht von Yeddo an, und ankerte am 26. August cr. Mittags auf der Rhede von Yokohama. An Bord Alles wohl.

Danzig, 22. November. (Westpr. Ztg.) Die Panzer- fregatte „Preußen“ wird binnen Kurzem von Bredow nah Swinemünde befördert werden, woselbst die Panzerung und innere Ausstattung des Schiffes bewirkt werden soll.

Kiel, 18. November. (Kiel. Ztg.) Das Kanoaanboot „Delphin“ ist hier gestern außer Dienf: gestellt. Bei der Bewaffnung der Besazungen der deutshen Kriegsschiffe kommen die Entermesser in Fortfall.

Sachsen. Dresden, 22. Novembcr. Der König hat aus Anlaß seines Namens festes gestern Mittag im hie- figen Residenzscylosse die Glückwünsche des Ministers des König- lien Hauses, sowie der Ober-Hof- und Hofchargen entgegen

enommen. Nachmittags fand Familientafel bei der Königin

utter statt. Die am Namenstage Sr. Majestät übliche Reveille der Militärmusik if gestern Morgen in Rü>ksicht auf das Todten- fest unterblieben. /

Waden. Karlsruhe, 22. November. (W. T. B.) Der Landtag ist heute vom Großherzog mit einer Thronrede eröffnet worden. Jn derselben wird zunächst die Befriedigung des Großherzogs darüber ausgedrüd>t, daß unter den zum Land- tag versammelten Volksvertretern zum ersten Male au< der

gabe der

volljährig gewordene Erbgroßherzog erschienen sei; es wird so- dann hervorgehoben, daß der Ausbau der Reichsinstitutionen stetigen Fortgang nehme, und die Hoffnung ausgesprochen, daß die auf dem religiösen Gebiete hervorgetretenen Beun- ruhigungen fi< wieder in Vertrauen verwandeln würden. Als Berathungsgegenstände für den Landtag werden auf- geführt Gesegentwürfe über Aufbesserung des Einkommens der Geistlichen beider <ristlihen Konfessionen, über die Vereinigung der konfesfionell getrennten Volksschulen, über die Benußung der Gewässer und Vorlagen über die Steuerreform, die Ober- Rechnung®kammer, die Versorgung der Beamtenwittwen und über die Sicherung der dienstlihen Stellung der niederen Be- amten. In der Thronrede wird au<h die wirth\s<haftlihe Lage und deren Einfluß auf das Staatsbudget herührt und die Hoff- nung auf baldige Besserung der Verhältnisse ausgesprochen.

Meeklenburg. Schwerin, 22. November. Dur Ver- ordnung vom 6. d. M. hat der Großherzog von Me>lenburg- Streliß ein neues „Gesangbuch für die evangelis<- lutherishe Kirche in Me>lenburg-Strelißz“ eingeführt, welch:s vom 1. Advent 1876 an in allen Kirhen und Schulen des Landes, mit Ausnahme des Fürstenthums Ragzeburg, in Gebrauch genommen werden soll, aber au<h \{<hon von Neujahr 1576 ohne besondere landesherrlihe Genehmigung gebraut werden kann. Veranlassung zu diesem Akte kirhliher Geseß- gebung des Großherzogs war der Umstand, daß das dem früheren Hofbuchdru>er im Jahre 1832 ertheilte und \päter ver- längerte Privilegium längst abgelaufen und sämmtlihe Exem- plare des von demselben herausgegebenen Gesangbuchs vergriffen waren. Das neue Gefangbu<h if vom Konsistorium mit Bei- hülfe der Predigersynoden ausgearbeitet, darauf der Landes- regierung zur Prüfung vorgelegt und demnächst auch mit den Ständen des Stargardischen Kreises berathen worden.

Sachsen-Weimar-Eisenach. Weimar, 22. November. Der Re<hnungsaus\<uß des Landtags if heute zusam- mengetreten.

Sachsen-Coburg-Gotha. Gotha, 22. November. Der gothaishe Landtag hat heute einstimmig die Summe von 3600 F zur Erhöhung des diesseitigen Jahresbeitrags für die Landesuniversität Jena und gegen 2 Stimmen , die gleiche Summe zur Erhöhung der Lehrerbesoldungen am hiesigen Gym- nasiuni vom neuen Jahr ab verwilligt. Vom Ministertishe aus wurde hierbei mitgetheilt, daß au< das gegenwärtiae Finanzjahr voraussfihtli<h mit einem Etatsübershuß von über 100,000 M4 abschließen werde. Einstimmig wurde hierauf no<h für die hiesige Seminarkasse die Erhöhung des Staatszushusses von 14,250 4 um weitere 540 4 genehmigt. Zuletzt beshloß der Landtag, die Nahweisungen der Herzoglichen Generalkasse zu Coburg über die Verwendung der Aversa nah genommener Kenntnißnahme an Herzoglihes Staats-Ministerium wieder zurü>zugeben und 2. das mit 9000 Thlr. oder 27,000 M etatisirte Aversum für die Unterhaltung der dem Herzoge reservirten Gebäulichkeiten inkl. der Baufuhren um 541 s, sowie b. das mit 6700 Thlr. oder 20,100 M etatifirte Aversum für die Unterhaltung der dem Herzoge reservirten Gärten und Anlagen um 1693 A für die Dauer der gegenwärtigen Finanzperiode vom 1. Juli d. I. an zu erhöhen.

Anhalt. Dessæ@u, 20. November, Nach einer Bekannt- machung des- „Staatsanzeigers“ ift vom Herzoge die Einbe- rufung des Landtags auf den 29, November d. I. befohlen worden. Derselbe wird zum ersten Male in seinem neuen Sigzungsfaale tagen, mit dessen Herstellung der Bau des groß- artigen Behördenhauses vollendet ist. Geftern waren die sämmtlihen Kreisdirektoren des Landes hier versammelt Auch hier ift jeßt eine Freimaurerloge begründet wor- den, Sie führt den Namen „Esiko zum aufgehenden Licht“ und hat dur< landesherrlihen Erlaß die Rehte einer moralischen Person mit der Bestimmung erhalten, daß dieselbe in recht- lichen Angelegenheiten dur< mindestens drei ihrer Vorsteher \ich vertreten zu lassen hat.

Lippe. Detmold, 22. November. Das neueste B ül- letin über das Befinden des Fürsten lautet: Nach einer ruhigeren Naht ift das Befinden Sr. Durchlaucht des Fürsten wenig verändert. Detmold, 22, November 1875. Hofrath Dr, Es<henburg.

Großbritannien und Jrland. London, 20. No- vember. (A. A. C.) Aus Sandringham \{<hreibt das „Hof- journal“: „Man glaubt hier, daß die Gerüchte, der Prinz von Wales werde wahrscheinlih eher, alsbeabfihtigt war, aus Indien zurü>fehren, ni<ht gut begründet find, und daß Se. Königlihe Hoheit ni<ht vor dem Frühjahr in England zurückerwartet werden dürfte. Auf alle Fälle ist keine Veränderung in den Reisedispositionen der Prinzessin von Wales für nothwendig erahtet worden. Nach einem Besuche bei der Königin in Windsor wird sie sh auf einen Monat oder sechs Wochen nah Dänemark begeben. Der König von Däne- mark verläßt heute London und kehrt na<h Kopenhagen zurü. Die Königin sowie die Prinzessin Thyra folgen ihm am 5,, die Prinzessin von Wales und deren Familie am 16. nächsten Monats. Der Herzog von Edinburgh hat Gunton Hall, den Landsiß von Lord Suffield (welcher den Prinzen von Wales nach Indien begleitete) in Norfolk, gemiethet und wird dort mit seiner Gemahlin und Familie während der Iagdsaison residiren.

_— Ueber den Aufenthalt des Prinzen von Wales in Indien liegen folgende Mittheilungen vor: Aus Bombay meldet der Telegraph, daß der Prinz von Wales am Donnerstag, den 18, d. M., mehrere Besuche abstattete und am Abend die Reise nah Baroda antrat. Ueber seinen Empfang da- selbst wird unter dem 19. ds. berihtet: „Der Prinz von Wales kam heute früh in Begleitung seines Gefol- ges hier unter Salutschüssen aus den Geshühen der eng- lischen Garnison und des Guikwars an. Der jugendliche Guikwar, in dessen Begleitung si< Sir Madhava Rao und der britishe diplomatishe Agent befanden, empfing Se. Königlihe Hoheit auf dem Bahnhofe, wo eine starke Abtheilung britister Truppen aufgestellt war. Als der Prinz und der Guikwar den Bahnhof verließen und-in den Straßen erschienen, spielten die Musikbanden, und es wurden Salutshüsse abgefeuert. Sie stiegen in ein goldenes, mit gold- gesti>tem Tuche behangenes Howdah auf dem Rüten eines Elephanten. Der Guikwar saß zur Rechten des Prinzen, Madhava Rao hinten. Vor ihnen knieten 12 grell bemalte und pomp- haft ausgepugßte Elephanten von riesiger Größe. Das Gefolgenahm ebenfalls auf Elephanten Plaß und es wurde ein Zug gebildet. Die Seiten des nach dem englischen Gesandshaftsgebäude führenden 14 Meilen langen Weges waren mit Guirlanden ges<hmü>t, und man bemerkte zahlreihe Triumphbogen mit den Inschriften

eWillkommen, Prinz!“ und „Gott segne den Prinzen!“ Zuerst

famen Diener in Weiß und Scharlah, welhe bunte Banner und Speere trugen; demnächst folgten Männer in Scharl4<h und Weiß mit Banderolen, dann Marschälle zu Pferde. Ueber dem Haupt des Prinzen wurde ein Gala-Regenschirm getragen, und auf jeder Seite \{<wenkten Männer Tücher aus Gold, Yaks\chweife und Fächer aus Pfauenfedern, Die Vor- stadt war ni<t sehr mit Menschen gefüllt, aber die Be- völkerung war ahtungsvoll in ihrem Benehmen. Auf dem

Kavaliere zu Pferde, Flintenträger, berittene indishe Musik- banden und eingeborene Truppen vollendeten das Bild eines Triumphzuges. Die Parsen verkündigten dur barbarische Musik das Nahen des Prinzen. Am Eingange zu dem Kantonnemènt standen dier goldene und silberne Eingeborenen- Wagen, die von Ochsen mit vergoldeten und verfilberten Hörnern gezogen wurden. Auf der linken Seite des Weges “waren Abtheilungen des 9. und 22. eingeborenen Infanterie- Regiments aufgestellt. Bei der Ankunft des Prinzen in dem Garten des Gesandishaftsgebäudes stieg er an der Terrafe ab, wo der Chef, das Personal und die Domestiken der Gesandt- haft versammelt waren, und geleitete den Guikwar nah dem Empfangssaale. Der Prinz trug eine \<li<hte Sol- datenjade nebst Beinkleidern und feinen Degen. Madhavo stellte die Sirdars und Minister vor, welche Nuzzurs darbrachten. Der Guikwar verabschied-te si<h hierauf von dem Prinzen und kehrte na< Baroda zurü>, Nach dem Frühstü>k inspizirte der Prinz die Gala-Elephanten vor dem Gesandschafts- gebäude und erledigte einige Geschäfte. Um 3 Uhr fuhr er mit seinem Gefolge nah Mohtibagh, besuhte den Guikwar und späte! die, Maharani, welhe große Freude über den Besuch des Prinzen und die Baroda erwiesene Ehre ausdrütte. Dann begab \i< der Prinz dur<h das mahomedanishe Viertel na<h der Arena. Auf den Straßen bildeten Soldaten ohne Waffen und Polizisten Spalier, In der Arena produzirten \si< in Gegenwart von Tausenden von Zuschauern Ringkämpfer, und es wurden aufregende Elephanten-, Rhinozeros-, Buffalo- und Stierkämpfe aufgeführt. Am Abend illuminirte die Stadt, und der Prinz \peiste mit den Offizieren der eingeborenen Infanterie- Regimenter. Für morgen steht eine Wildjagd mit einem Chitah auf dem Programm.

22. November. (W. T. B.) Nath hier eingegangenen amtlihen Nachrihten aus Singapore vom 21. d. Mts. war General Golbione am Donnerstag vor 8 Tagen mit 300 Mann und mit den Kriegsschiffen „Ringdove“ und „Egeria“ nah Peraë abgegangen und hatte sich am Montag nah voraus- gegangenem Bombardement des Dorfes bemächtigt, wo der Agent Birch ermordet worden war. Verschiedene dem Ermordeten ge- hörige Gegenstände würden in der Wohnung des Maharadja Lela aufgefunden. Die Truppen sollten demnächst nah der Residenz zurü>kchren.

Frankreich. Paris, 21, November. Der Kapitän der in Flammen aufgegangenen Panzerfregatte „Magenta“, Ga- [ibert, wird dem Geseze vom 4. Juni 1858 gemäß vor einem Kriegsgericht ersheinen, welches wie fo"gt zusammengeseßt ist: Präsident: Vize-Admiral Bourgois; Richter: die Contre- Admirale: Thomasset, Buret, de Fayolles und Amet, und die Fregattenkapitäne Vicary und Lacoux - Marivaux. - Als Regierungskommissar wird der Fregattenkapitän Le Blanc fungiren. In der Nationalversammlung gelangte ein Bericht des General Appert über die Operationen der Militärgerichee im Anshluß an den Kommune- aufstand von 1871 zur Vertheilung. Das Alktenstü>k enthält folgende Daten: Nah der Einnahme von Paris be-

hen Armee. Man war allgemein der Ansicht, daß es nicht ge- nügte, den Aufstand dur<h Waffengewalt bezwungen zu haben, und daß Sicherheitsmaßregeln gleih denen, welhe na< den Vorgängen vom Juni 1848 getroffen worden waren, am Plage sein dürften. Damals hatte die Nationalversammlung verfügt, daß alle Diejenigen, die geständig waren, an der Insurrektion vom 23., 24. und 25. Juni theilgenommen zu haben, in die überseeischen französishen Kolonien gebra<ht werden sollten. Demgemäß waren vier Militärkommissionen ernannt wor- den, mit deren Hülfe binnen drei Monaten über. das Schi>ksal von 11,000 Individuen entshieden wurde. Von diesen hatte man 261 den Kriegsgerihten überantwortet, 4330 zur Deportation verurtheilt, die übrigen auf freien Fuß gefeßt. An dieses Ausnahmeverfahren erinnert der General Appert in seinem Bericht, indem er hinzufügt, daß es im Jahre 1871 der Nachahmung um \#o würdiger scheinen mußte, als die Ahndung auf dem gesezlihen Wege ungeheure Schwierigkeiten bot. Allein Hr. Thiers theilte diese Auffassung keineswegs, und die Kriegs- gerihte traten in volle Thätigkeit. Am 1. März 1872 waren von 30,000 in Untersuhung gezogenen Personen 18,930 in Folge von Ablaßverordnungen auf freien Fuß geseßt, 11,170 den Kriegs- gerihten überantwortet worden. Unter den der Theilnahme an dem Aufstande Beschuldigten zählte man 7460 rü>fällige Verbrecher und 850 Frauensépersonen. Von diesen leßteren waren 492 verheirathet, die meisten Anderen jedes Gefühls für Familie und Sittlichkeit bar; nur 200 wurden vor ein Kriegsgericht ge- stellt. Auch 651 Kinder, darunter 38 sieben- bis dreizehnjährige, waren gefängli<h eingezogen, 460 dann wieder auf freien Fuß geseßt und 80 den Kriegsgrichten überliefert worden. Nah dem Aufstande hatte man - in Paris 5000 Militärs - vorgefunden. 1401 verfielen den Kriegsgerihten, 2266 wurden zu ihren Corps und 1167 in die Strafcompagnie nah Algerien geshi>t. Durh- \s<nittli< haben die zwishen dem 3. April und 31. Iuli 1873 verhafteten und nach einer erften Untersuhung freigesprohenen Personen eine Haft von 5 Monaten, die rü>fälligen Verbrecher, Kinder, Militärs, die aus verschiedenen Gründen einer Spezial- untersuhung unterzogen worden sind, eine Haft von 8 bis 9 Monaten bestanden.’

Vet: sailles, 22. November. (W. T. B.) Die National= versammlung begann in ihrer heutigen Sißung die dritte Berathung des Wahlgeseßes und „nahm den ersten Artikel desselben ohne erheblihe Debatte an. Jn. der heutigen Sizung der Kommission zur Vorberathung des P ekget eyn entwurfes waren die Minister Buffet und Dufaure erschienen. Leßterer vertheidigte den Gesehentwurf im Ganzen; Buffet führte aus, der Belagerungszustand mü}se in den- großen Centten Frankreihs aufre<t erhalten bleiben, um jede Unregelmäßigkeit. bei den bevorstehenden Wahlen zu verhindern. Es herrs{ten noch viele gestige Leidenschaften in Frankreih, und gegen - diese müßte die Regierung bewaffnet sein. Sie würde si<h übrigens des Belagerungszusiandes nur im äußersten Nathfalle be= dienen. Die Organisation radikaler Comités bilde eine ernst- hafte «soziale Gefahr.

Spanien. Madrid, 22. November. (W. T. B.) General Martinez Campos is hier eingetroffen, um an

Wege nah den Kantonnements bildete indische Kavallerie Spalier.

fanden fi circa 38,000 Personen in den Händen der französi-

den Berathungen über den weiteren Operationsplan für den Feldzug der Nordarmee theilzunehmen.

Nufßland und Polen. (Monatsübersicht für Ok- tober.) Der Kaiser verweilt noh im Süden, wiz gewöhnli

N während des Oktober und während eines Theils des November.

Um die Zeit, wo der Kaiser sh im Süden aufhält, werden in der Regel die Inspektionen über die in den mittäglihen Pro- pinzen des Reichs stationirten Truppen abgehalten, und so war es auch in diesem Jahre. Am 22. Oktober traf auch der Ge- neral-Adjutant Ignatjew, der diesseitige Botschafter in Konstan- tinopel, auf des Kaisers Landsig in der Krym, Livadia, ein, um Sr. Majestät übcr die Lage der Dinge im Orient persönlich zu referiren. Am 19, Oktober hatten der Thronfolger und seine Gemahlin Kopenhagen verlassen und trafen am 22. in Kronstadt ein, worauf fie si< nah Zarskoje Sselo begaben. Pon St. Petersburg reiste inzwishen der Großfürst Nikolai Nifolajewits<h (Bruder des Kaisers) nah Livadia. Von der Kaiserin heißt es, fie werde au für diefen Winter nah San Remo gehen.

Während des Oktober traf die Mehrzahl der auf Urlaub hefindlichen Minister in St. Petersburg wieder ein.

Es wurde dem Slavischen Wohlthätigkeits-Comité zu St. Petersburg gestattet, in ganz Rußland Sammlungen zu Gunsten der nothleidenden Herzegowiner zu veranstalten, mit der Klausel jedoch, daß diese Gelder niht den kämpfenden Insurgenten, son- dern nur den obda<hlosen Flüchtlingen, die an Allem Mangel leiden, zukämen.

Die Verhältnisse mit Kokand sind no< immer nieht ge- ordnet. Nach dcm Siege bei Machram, der Hauptfestung des Khanats, erklärte der neue Khan Nasr-Eddin (Chudojars Sohn) sowie das Volk von Kokand ihre unbedingte Unterwerfung. Nasr-Eddin wurde von Rußland ohne Weiteres anerkannt, wenn er nur Schadensersaß leisten und die Verträge halten wollte. Am 15. September zog der General-Adjutant v. Kauffmann in Ko- fand ein, aber der Awtobadshi Abderrahman hatte in Margilan eine neue Erhebung bewerkstelligt. Nah dem neuen Siege vom 91. September \<hien Kokand pacifizirt, bis im Oktober plôblih wieder ein allgemeiner Aufstand losbra<h, der die Ver- treibung des Khan Nasr-Eddin zur Folge hatte und zeitweilig ale Erfolge über die Kokandzen “in Frage stellte. Der General - Adjutant von Kauffmann hält zur Sicherung der Grenzert vor neuen Anfällen und namentli<h zur De>kung dèr exponirten Städte Chodschend und Ura-Tjube und selbst Tasch- tends die Annexion des ‘re<ten Naryn- und Syr-Darja-Ufers (des Gebiets von Namangan) für unumgänglih nothwendig.

Im Oktober wurde im Finanz-Ministerium eine Kommission gebildet zu Regelung der Betheiligung Rußlands bei der Welt- Auéstellung zu Philadelphia. Für die rusfishen Aussteller haben

die Amerikaner einen Raum von 10,000 Quadrat-Yards ein- gemessen.

Im August 1876 versammelt si<h in St. Petersburg der dritte internationale Orientalisten-Kongreß. Zu diesem Kongreß ind \<on mancherlei Vorarbeiten gemacht worden, zunächft wird, m die im Auslande bisher wenig bekannten Arbeiten russischer Reisenden und Forscher der Versammlung möglichst vollständig porzuführen, den Gliedern des Kongresses eine umfassende Bibliographie von russis<hen Gelehrten, kartographishen und Reisewerken über Sibirien, - Mittelasien, die Kaukasuéländer

And andere Gebiete Asiens vorzeführt werden. Gleich- jeitia wird während des Kongresses eine Ausstellung von allen Arten von arhäologishen, ar<häographishen, ethnographischen, umismatischen, künftlerishen und literaris<hen Denkwürdigkeiten jrientalischen Ursprungs veranstaltet. Die zablreihen Museen in Rußland liefern für die Ausftellungszeit ihre besten Schäße nah St, Petersburg; der Gehcime Rath Grigorjew präsidirt im be- refenden Comité und der Hofrath Lerch hat speziell die Aus- ellungsgeschäfte zu besorgen. S

Das IJustiz-Minifierium hat im Reichsrath Vorschläge ein- ebracht zur Einführung der friedensrihterlihen Institutionen n folgenden Gouvernements: Astrachan, Ufa und Orenburg.

Aus dem Vortrage, welchen der Finanz-Minister am 28. Oîkto- jer in der Reihs-Kreditkommission gehalten, ist Folgendes zuersehen : Rußland hatte am 1. Januar 1874 an Staats\chulden, a. im A u s- ande: zu 5 Proz. : 95,182,000 holländishe Gulden, 19,868,000 Pfd. Sterl, 57,869,030 Rubel inKreditbillets, 83,014,670 Rubel in klingender Münze; zu 47 Proz. : 8,300,000 Pfd. Sterl;

4 Proz.: 20,275,000 Rubel tin Kreditbillets; zu 5 Proz. : 963,000 Pfd. Sterl; b. im Inlande: zu 6 Proz. : 47,489,357 ubel in Kreditbillets; zu 5 Proz.: 217,131,957 Rubel in reditbillets; zu 4 Proz.: 153,865,225 Rubel in Kreditbillets, 1,354,600 Rubel in flingender Münze. Die Totalsumme der ver- nslihen Staats\{hulden Rußlands am 1. Januar 1874 belief fich mit auf 95,182,000 holl. Gulden; 33,531,100 Pfd. Sterl. ; 94,369,270 Rubel in klingender Münze; 496,630,589 Rubel

Kreditbillets. Davon wurde im Laufe des Jahres 1874 ab- ezahlt: a. im Auslande: von der 5proz. Schuld: 1,629,000 oll, Gulden; 73,400 Pfd. Sterl.; 2,136,750 Rubel in Kredit- illets, 2,214,660 Rubel in klingender Münzez von der 4¿proz. huld: 200,000 Pfd. Sterl. ; von der 4proz. Schuld 1,675,000 ubel in Kreditbillets ; von der 3proz. Schuld: 214,300 Pfd. Sterl. ;

im Inlande: von der 6proz. Schuld: 365,985 Rubel in

reditbillets, von der 5proz. Schul 1,289,850 Rubel in Kredit- llets, von der 4proz. Schuid: 945,600 Rubel in klingender Nünze. Außerdem blieben unverändert im Umlauf 72 Serien on Rentenscheinen im Gesammtbetrage von 216 Millionen ubel, polnishe Rentenscheine im Betrage von 100,000 Rubel;

ner polnische 4proz. Obligationen im Betrage von 23,052,900 ubel; fonsolidirte Eisenbahn - Obligationen im Betrage von 3,882,200 Pfd. Sterl.

Es geht hervor, daß von der verzinslihen Staats\{huld im ahre 1874 etwa 17 Millionen Rubel abgezahlt wurden.

Die unverzinslihe Staats\<huld Rußlands, die Kredit- illets, beliefen fich 1874 auf 566 Millionen Rubel.

Die Eisenbahn\<huld Rußlands verlangte im Jahre B74 an Sinszahlungen und Amortisationen 24% Millionen ubel, - Die Garantiezahlungen für die Eisenbahnen und e Emissionen von neuen bezüglihen Obligationen ‘belaufen si hrlih durhscnittli<h auf 134 Millionen Rubel, repräsentiren so ein Kapital von 265 Millioen Rubel.

Darnah entnimmt die „Börsen - Zeitung“ der Rede des inanz - Ministers folgende Totalsumme aller Schulden des (sischen Reiches, indem fie sie sämmtlih auf Rubel in Kredit-

ets reduzirt: L

j Totalbetrág der verzinslihen Staats\{huld 1250 Millionen senbahnshuld (Garantiegelder) 265 Millionen, unverzinsliche taats\{uld (Kreditbillets) 566 Millionen, Eisenbahn - Anleihen d nominelle Eisenbahnshuld 795 Millionen, Hypothekar- und quidations\<hulden 582 Millionen ; Totalsumme aller Schulden,

ohne Unterschied des Charakters und der Produktivität: 3458 Millionen Rubel in Kreditbillets.

Nach einem Berichte, welcher in der statistishen Abtheilung der russischen geographischen Gesellschaft erstattet wurde, giebt es in Rußland circa 757 Banken und Kreditanstalten. Von diesen sind 643 Hauptanstalten und 114 Filialen. Unter jenen 757 find 231 Hülfs- und Darlehnsgenossenschaften (meistens von Bauern begründet und unterhalten und ‘in beständiger und rapider Zunahme begriffen), 73 Darlehnskassen, 234 ftädtische “Banken, 88 Aktienbanken für kommerziellen Kredit (mit Filialen), 951 Anstalten begreifen die Reichsbank und ihre Filialen, 46 find gegenseitige Kreditanstalten, 8 begreifen die polnishe Bank und ihre Filialen, 5 gehören der Gesellshaft für gegenseitigen Bodenkredit, 7 sind ftädtische Kreditanstalten, 11 Aktienbanken für Hypothekar-Kredit, 2 Leihbanken rür Loskaufsachen. Von diefen 757 Kreditanstalten find 483 auf s\olidarishe Haft der Betyei- ligten gegründet, 135 gehören der Regierung. Herr I. Kauf- mann, der Berichterstatter der Geographischen Gesellschaft, giebt dabei die Zahl der Kreditanstalten, welhe in dem unge: euren Reiche der Kontrole der Gesellschaft entgangen sein könnten, auf _hôchstens 20 bis 30 an. Ferner berichtete Herr I. Kaufmann: alle hypothekarishen Papiere in Rußland baben einen Werth von 1030 Millionen Rubel, wovon 559 Millionen von der Re- gierung, 204 Millionen von Landgemeinden unter gegenseitiger Haftpflicht, 159 Millionen von ftädtishen Kreditgesellschaften und 108 Millionen von Aktiengesellschaften für Hypothekarkredit emittirt sind. Mit allen fonstigen Einlagen belaufen \i<h die Umsätze der Banken auf 2880 Millionen Rubel im Jahr.

Die Totalsumme aller Schuldbeträge, welhe auf Immo- bilien corroborirt sind, beläuft sih bis 656 Millionen Rubel auf bâuerlihem, 372 Millionen Rubel auf gutsherrlichem, 199 Millionen Rubel auf städtishem Grundbesig. Von den 372 Millionen gutsherrlicher Hypothekarshulden kommen 98 Millionen Rubel auf Polen und auf die dbaltishen Provinzen, die ein mehr ausgebildetes Hypothekensystem besißen, als das übrige Rußland.

Bei den Banken wurden im Jahre 1873 203,000 Wesel diskfontirt im Betrage von 904 Millionen Rubel, wovon 548 Millionen Rubel auf Wechsel von 1000 Rubel und darunter, und 356 Millionen auf Wechsel über 1000 Rubel kommen.

Die Insolvenz-Erklärung der Moskauer Kommerz- Und Leihbank, welhe in Folge des bekannten Fallissements des Dr. Strousberg erfolgte, bedrohte die Moskauer kommerziellen Kreise mit einer gewaltigen Börsenkrise: dur<h die umsichtigen Maßnahmen des Iustiz- und des Finanz-Ministeriums ward die Krise jedo<h nur auf ileinen Umfang beschränkt. Dazu ift Aus- \fiht vorhanden, daß selbst die Katastrophe der erwähnten Kom- merz- und Leihbank no< beträhtli<h gemildert wird. Auf Befehl des Kaisers vom 11. November wird tine Liquidationskommission von 6 Gliedern, deren 4 vom Finanz- und Iustiz-Ministerium und 2 vom Moskauer Börfencomité erwählt werden, eingeseßt.

Nach waehreren hiesigen Zeitungsnotizen beträgt die Zahl der Offiziere in Rußland jeßt 26,273: von diesen sind 704 Ge- nerale (vom General-Major aufwärts), 4806 Stabsoffiziere, 20,763 Ober-Dffiziere. Die Zahl der Civilbeamten beim Militär- ressort beträgt 7780. Die Zahl der Untermilitärs beträgt 779,437; davon find 84,071 Nichtkombattauten und 48,940 Unteroffiziere. Die Zahl der Pferde beträgt über 72,000, wovon 46,900 für die Kavallerie und 11,080 für die Artillerie zu re<nen find. Die Zahl der Ausgehobenen vom vorigen Jahre betrug 150,000, in diesem Jahre werden 180,000 ausgehoben, do<h ohne Vermehrung des aktiven Truppenbestandes, indem ein -entspre<hender Theil der Mannschaften beurlaubt wird. Diese ausgedehnten Beurlaubungen finden fowohl in der Armee, wie in der Marine statt.

Aus dem Journal des Minifteriums für das Verkchrswesen entnehmen wir Folgendes: In dem Quinquennium 1870—1874 vermehrte sih die Gesammtausdehnung der im Betrieb befind- lihen Eisenbahnen Rußlands von 10,831 Wersi auf 17,459 Werst. Auf diesen Bahnen wurden beschädigt:

im Jahre: verwundet: getödtet: macht zus. Verungl. 1870 370 208 578 1871 485 253 738 1872 490 261 751 1873 481 300 781 1874 637 391 1028 Macht in 5 Jahren 2463 Verw., 1413Getödtete 3876 Verungl.; von diesen Verunglücftten gehörten 1942 dem Dienstpersonal der Eisenbahnen an. :

Die Zahl der Schiffe, welhe auf den russis<hen Gewässern Havarie oder Schiffbruch gelitten oder sonst verunglüëXten, betrug nah demselben Journal :

im Jahre: Segelschiffe: Dampfschiffe : 1869 218 9 1870 189 15 417 14

1871 1872 930 26

Dänemark. Kopenhagen, 20. November. Der König wird zum 24. d. von London in Kopenhagen zurü>erwartet, um bei der Wiedereröffnung des vertagten Reichstages anwesend zu sein. Am 17. d. hat in Kolding (JIütkand) eine Volks- versammlung stattgefunden, in welher der Abg. Berg vor etwa 15,000 Personen über das Grundgesez nah der Auffassung der Linken, ohne Widerspruh zu finden, eine lange Rede hielt. Am 17. d. ftarb zu Kopenhagen der Commandeur ù. A. Meyer im 77. Lebersjahre. Er war es, der am 5. April 1849 im Gefechte von Eckernförde als Kapitän die Fregatte „Gefion“ kommandirte.

Amerika. New-York, 22. November. (W. T. B.) Der Vize-Präsident der Regierung, Henry Wilson (gewählt den 4. März 1873); is gestorben.

23. November. (W. T. B.) Der Senator Thomas Ferry (Michigan) ist zum Vize - Präsidenten der Vereinigten Staatén ernannt worden.

Afrika. An der Westküste Afrikas drohen neue Feind- seligkeiten auszubrehen. ÿBeim Abgange der leßten Post von dort herrschte, wie der „Globe“ erfährt, einige Aufregung in Quittah, weil die A fflowhos das Polizeilager in Addafio angegriffen und gedroht hatten, den Ort zu zerstören und die Einwohner zu bekriegen.

Nr. 34 des „Amtsblatts dez: Deutschen Reichs« Telegraphen-Verwaltung“ hat folgenden Inhalt: Bescheidung: vom 12. November 1875. Verfügung der Kaiserlichen _Genecal- Direktion der Telegraphen vom 12. November 1875 an sämnutliche

Vereinstvesen.

Die Baruch Auerbahs<en Waisen - Erziehungs- Anstalten in Berlin begingen am 21. d. Mts. den Gebu-tstag Höchstihrer Protektorin, Jhrer Kaiserlihen und Königlichen Hoheit der Kronprinzessin, in gewohnter festlicher Weise, Vormittags versammelten sih alle Zöglinge m Betsaale der Anstalten zu einer Festfeier, bei welher ihnen der Direktor Dr. Auerbach in einer Rede die Bedeutung des Tages vorführte und sie zu trexer Hin- gebuna an das Herrscherhaus und das Vaterland ermahnte. Gebet und Gesang bes{lossen die Feier. Mittags wurden alle Kinder fest- lih gespeist. Abends war die ganze Front des mit Fahnen ges<hmü>- ten Hauses erleuhtet. Dem, wie alliährli, zu Ehren des Tages ausgegebenen (nunmehr 32.) Jahresberihte entnehmen wir, daf das Waisenhaus aub in dem abgelaufenen Jahre wieder nah allen ' Seiten hin erfreulibe Fortschritte çemæbt hat: Zahlreihe Zuwendungen, neue jährlihe Beiträge und Geschenke beweisen die unveränderte Theilnahme der weitesten Kreise: Das Mädchen-Waisenhaus, welches am 13. November 1843 mit der Auf- nahme von 2 Zöglingen eröffnet wurde, zählte am Sc{kusse des abgelau- fenen Jahres deren 20, das Knaben-Waisenhaus 50, Von den: weib-- lichen Waisen haben 5 die Anstalt verlafsen, eine als Lehrerin, zwei als Zuschneiderinnen, eine zur Führung des Hauswesens der Mutter, und eine, da die Verhältnisse der Angehörigen sich gebessert; in ihre Stellen sind 5 neue Zöglinge getreten. Gegenwärtig besucht ein Mädchen die Königin-Uugusta-Schale, um si< zur Lehrerin auszu- bilden, 19 die höhere Töchterschule des Dr Möbus, von leßteren auch eins das Korservatocrium des Professor Kulla>. Ebenso erhaltea 4 besonders befähigte Zöglinge von dem Gesanglehrer der Anstalt, Musikdirektor Rosenfeld, Klavierunterricht. Unter- riht in der Religion und im Hebräischen ertheilt Prediger Dr, Apolant. Die Erziehung und wissenschaftliche Ausbildung im Hause, fowie die wirth\{<aftli<he Heranbildung wurde von „Zwei Er- zieherinnen Frl. Therese Lévinsohn und Frl. Josephine Nieß geleitet ; an Stelle der Leßteren ist am 1. Oktober Frl. Malwine Wolff ge- treten. Die Bibliothek der Anstalt zählt 1520 Bände. Bon den ausgeschiedenen Zöglingen, welhe die Fürsorge der Anstalt bis zu erlangtec Selbständigkeit begleitet, find bereits 25 glü>li<h ver- heirathet. An bedentendéren Schenkungen und Legaten sind folgende im abgelaufenen Jahre der Anstalt zuagefallen: Fr. Sara Wulff (84,000 6), Fr. Emilie Beshüß (6000 4), Hr. Eduard Levin (6000: .), Hr. Louis Philippi (900 4), Fr. Helene Czani>kow (1000 #), Fr. Friederike Lehmann und Fr. Theophilie Lazarus je 600 4, Hr. Louis Hirsch und Wilhelm Kopéßky jährüich je 60 #. Bisher be- irugen bereits die Gelder und Fonds der in der Anftalt zu bestimmten Zwée>ten und für die Zöglinge gegründeten Stiftungen 72,509 6, das Eigenthum der gegenwärtigen und früheren 37 Zöglinge 18,079 #4; leßteres s{<wankt zwischen 120 und 1114 6 Seit den 32 Jahreæ ihres Bestehens hat die Anstalt für die Erziehung, Ausbildung und Erhaltung ihrer Waijenmädchen 252,665 4 verausgabt, cin unan- tastbares Vermögen von 260,073 #4 erspart und für ihre Waisen außer den jedem Kinde gehörigen Sparkassenbüchern die Summe von 87,676 M. niedergelegt. Die Einnahmen an bestimmten jährlichen Beiträgen, wie Geschenken und Legaten in baarem Gelde, einschließli<h der Gaben Jhrer Majestät der Kaiserin - Königin, Ihrer Kaiserlihen und Königlichen Hoheit der Kronprinze|isin, Sr. Königlichen Hoheit des* Prinzen Carl, 8660 A. Die Gesatmurmnt- ausgaben stellten fih auf 23,779 4, Ehcenmütter sind gegenwärtig sr. Emma Auerbach, geb. Heller (seit 1838), Fr. Jda Auerbach, geb. Dalheim (1870), Fr. UAlerandrine Beer, geb.- Rosen (1862), ör. Emma von Bieichröder, geb. Guttentag, Geheime Kommerzien- Näthin (feit 1863), Fr. Philippine Liebermann, geb. Haller (1861), und Fr. Recha Mar>Fwald, geb. Kohn-Speyer (1866). Das Bureau der Anstalt befindet sid Oranienburgerstraße 33.

Die hiesige Wadze>-Anstalt beging am Sonntag den Geburtstag Jhrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Kronprinzessin, Höchstihcer Protektorin, in üblicher Weise durch eine Festandat und si< daran anschließende Festspeisung der Zöglinge. Zur Erhöhung der Freude trug wesentli<h ein eigens zu diesem Tage von cinem Vorstandsmitgliede, dem Kaufmann. Oppen und dem Historienmalcr G. K. Bolte geschenktec werthvoller Bilder- \{<mu> bei, der zum erften Male den Speisesaal und die Wohnsäle zierte und in den {ön eingeralmten Kartons aus den neuesten Schöpfungen des genannten Meisters, Darstellungen aus der heiligen Ge|\czichte, besteht.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Ein von dem Oberrathe der s{öunen Künste ernannter Aus- \<huß hatte den Antrag gestellt, daß die Kunstausstellungen in Paris nicht mehr jedes Jahr, sondern nur alle drei Jahre statt- finden follen. Der Oberrath verwarf jedo< in feiner Sizung vom 19. November diesen Antrag urd fayzte folgende Be'chlüfse: Die jährlichen Ausstellungen werden mit der von den Künstlern. gewählten: Jury aufre{<t erhalten. Jeder Aussteller kann nur zwei Werke cins- fenden. Davon sind nur die Künstler ausgenommen, welche drei Be- lohnungen erhalten Eine „Exposition de récapitulation“ findet alle fünf Jahre statt.

Gewerbe und Sandel.

In einer kürzliÞh abgehaltenen Sihung des Aufsichtsraths der Deutschen Handelsbank wurde ein Status für die Zeit vom 1, Januar bis ultimo September c. vorgelegt. Hiernach bestehen, von dem Aktienkapital abge\ehez, d'e Passiven nur gus folgenden P. sten: das Accepten-Conto 235,000 (4, die Depositen und Spar- gelder 100,000 6 und die Kreditoren 160,900 4 Demgeaecnübver stehen an Aktiven ein Cassabestand von 50,000 4, das Wechsel- Portefeuille mit 1,000,000 M. die Debitoren mit 950000 Æ und der Effektenbestand zu den Coursen vom 30. September 42,000 6 Es ergiebt sich aus den angeführten Zahlen, daß für die Passiva eine mehr als ausreihende De>ung vorhanden ijt. Die Nettoprovenue des laufenden Jahres wird ohne das Conto-Curraat- und fremde Baluten-Geschäft, welche beiden Conten nicht in Berehuung gezogen werden fonnten, auf über 5% zes<häßt. O

Hamburg, 22. November. (W. T. B.) Jn der Zeutigen außerordentlichen Generalversammlung der Kommerzbank wucde der von Arnold und Genoffen gestellte Antcag, betreffend die Reduzirung des Aktienkapitals dur<h Rüd>kauf auf die Summe von 16,500,000 &, mit 1542 gegen 21 Stimmen anges nommen.

Bradford, 22. November. (W. T. B.) Wolle und Wol». lenwaaren. Wolle tos Us WaLienn Ras für den Export:

au, hiesige besser, wollene Stoffe unverändert, A N Bis. 1 November. (W. T. B.) Das Comité zum. Schuße französisher Jnhaber von Obligationen der türkischen Staatssc{<uld hat sich nunmehr konstituirb und Bovzse zum Vor- iß?nden gewählt.

Ns Fn Hythe, unweit Southamptou, starb am 17. d. der Civil-Ingenieur Mr. Charles B. Vignuoles nach. uur dreitägiger Krankheit in seinem 84. Lebensjahre. Er baute die Midland- Counties Eisenbahu, die Dublin- und Kingstown-Eifenbahn und die Hängebrücke über den Dunieper in Kiew. Er ist auch auf dam Fest» lande als der Erfinder einer eigenthümlihen Gifenbahnschiene, die nach ihm die „Vignoles-Sthiene“ heißt, bekannt. :

Sto>kholm, 22. November. (W. T. B.) Die Kreditoren der Basukfirma C. G. Cervin haben heute die Reichsbanb- Direktoren Aruberg ‘und Dufva und den Advokat-Fiskal Themptander zu Admis nistratoren gewählt.

Verkehrs-Anstalten.

Saarburg, 22. November. (W. T. B.) Der Schnellzug von Osteude nah Basel ift heute Morgen in Folge des Bruches einer Bremsstange bei Oberstinzel (Kanton Fistingen) entglei s. Personen sind bei dem Unfall. nicht verunglüd>t.

New-York, 22. November. (W. T. B.) Der Dampfer der Hamburger Adlerlinie „Ge llert* und dex Dampfer des No:ds

Kaiserliche Telegraphen-Direktionen, betreffend Tagegelder.

deutschen Llceyd „Ne>agr find gestern hier eingetroffen,