1875 / 286 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

während “des hiesigen Aufenthalts Sr. Königlihen Hoheit des Prinzen Carl von Preußen der Person Sr. Königlichen Hoheit attachirt werden, -find die General-Adjutanten Tschertkow und Graf Lambsdorff. Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Erzherzog Albrecht von Oefterreih werden die General-Adjutanten Graf Ssumarokow-Elstow und Fürst Meschtschersky attachirt.

Dänemark. Kopenhagen, 1. Dezember. Der König empfing heute in besonderer Audienz den zum Königlich belgi- schen Ministerresidenten am hiefigen Hofe ernannten Hrn. de Bounder de Melsbrook, welcher bei dieser Gelegenheit dem Könige seine Kreditive überreichte.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 1. Dezember. Der Namenstag des Königs wurde heute in hergebrahter Weise gefeiert. Die von der verwittweten Königin zum Andenken an König Oscar I. gegründete Stiftung für unbe- mittelte Frauen wurde heute, dem Oscarstage, von der hohen Stifterin in Gegenwart einer zahlreihen Versammlung feierlih eröffnet. Den Verzeichnissen der Gothenburger Polizei- kammer zufolge betrug die Anzahl der von Anfang bis Ende November dieses Jahres Ausgewanderten 3970, im gleihen Zeitraum vorigen Jahres 3292 und in 1873 10,657.

Amerika. Postnachrihten der „A. A. C.“ aus Süd- amerika zufolge kehrte Señor Avellaneda, der Präâsi- dent der argentinis<hen Republik, am 30. ODftober nah Buenos Ayres zurü. In Rio ‘de Janeiro einge- troffene Briefe \fprehen von dem Nothstande, welcher unter den niederen Klassen von Buenos Ayres herrs<hi. Ueber die Revolution in Uruguay enthalten die neuesten Journale Monte- videos feine Nachrichten.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Ueber die Auss{<hmü>ung der Junnenräume der National- galerie wird mitgetheilt, daß in der Vorhalle des Erdgeschofses Pro- fessor E. Ewald in sieben halbrunden Wandfeldern unterhalb der De>engewölbe farbig auf dunkelm Grunde Scenen aus dem Nibelungen- liede, an den breiten Bogengurten zu Anfang und Ende der Halle vier Bilder von Einzelgestalten und Gruppen aus dieser Dichtung, und in den Wölbungen selbit siebzehn kleinere farblo3 grau in ‘grau gehaltene Darstellungen daraus gemalt hat. Um die Wände des Treppenhauses zieht si ein Relieffries, von Otto Geyer modellirt, welcher die Entwi>lung der geistigen Kultur in Deutschland mit besonderer Betonung der lite- rarishen und fünstleris<hen von der germarischen Urzeit bis 1870—71 in bedeutsamen, dur< eine Menge von Porträtfiguren höht lebendig gemachten Gruppen s{<ildert. Oben in die Kuppel des runden Saa- les malte A. v, Heyden auf Goldçgruid den Thierkreis- als einen

Berlin, den 4. Dezember.

Die Sen>enbergishe naturforshende Gesellscaf t in Frankf urt a. M. hat von dem kürzlich verstorbenen Handels- mann Hrn. Laurin 200 Fl. und die Rüppellstiftung für wissen- \chaftlihe Reisen dieselbe Summe als Vermächtniß erhaltea. Jn der am 27. November gehaltenen wissenschaftlihen Sißung der Send>enberg1schen naturforschenden Gesellschaft berichtete Hr. Ver- Früzen Über die zweite für die Rüppellstiftung un- ternommeue Reise. Dieselbe ging zur Förderung der Kenunt- niß arktisher Secthiere nma< Finn-Marken und war die dritte Reise, welhe Hr. Verkrüzen überhaupt \{<hon nah dem wnördli<hen Norwegen gemacht hat; die früheren fielen in - die Jahre 1871 und 1874. Am 22. Juni 1875 erfolgte die Abreife von Schwanheim bei Frankfurt, am 25. die Ein- \chiffung in Hamburg, am 27. wurde Chriftiansand, am 29. Bergen erreiht; der Aufenthalt in Drontheim dauerte bis zum 6. Juli. Am 10. wurde Tromscë, am 11. Hammerfest, am 14. Wadsoë erreicht. Dort verweilte .Hr. Verkrüzen drei Wocben, um den Parsäangerfjord und das wenig erforshte Meer um die Insel Mageroë, auf welcher das Nordkap liegt, zu - untersu<hen. Troß des wenig günstigen Wetters, wel<hes so roe<hselnd i, daß mit einer Drehung des Windes der Wärmemesser rash um 12 bis mehr Grade C. fällt und eifige Kälte mit s{werem Regen dus warme flare Wetter verdrängt, war die Ausbeute an seltenen und neuen Sceethieren, zumal Molluéken, do< sehr bedeutend. Es bestätigte sih au hier die Erfabrurg, daß, im Gegenjaß zu der nah dem Pol hin verkümmernden Flora, die Fauna si< rei<h entwi>elt; es wurden Schalthiere gefunden, welhe die sfiebenfawe Größe der im Mittelmeer gefangenen Exemplare erreihten. In Ham- merfest dauerte der - Aufenthalt von Ende August bis Mitte September bei bereits sehr winterli<hem Wetter. Am 26. September erreihte Hr. Verkrüzex wieder Christiansand, am 1. Oktober Ham- barg, am 4. Oktober Franukfuct. Als Resultat der sona< drei und einhalbmonatlicen Reise waren außer den zoologis<en Gegenftänden auch Winterkleider und Rennthierge!<irre der Finnea und Samosjeden ausgestellt, wel<he si< dur< Feinheit und Eleganz der Arbeit auszeichnen.

Als Beiheft des „Marine-Verordnungs-Blattes*" erschien soeben unter dem Titel „Vermeidliche Seeunfälle* ein Heft, herausgegeben von Justiz-Rath Perels, Kaiserl. Marine-Auditeur und Vorstands- mitglied des Nautischen Vereins zu Kiel, welches gecignet ist, über viele Fragen der Seegefeßgebung willkommenes Licht zu verbreiten. Der Berfasser weist an der Hand der vom Kaiserlich statistischen Amte veröffentli&ten Erhebungen über verunglü>te deutshe Schiffe im Jahre 1873 na<, daß über die Ursachen der Unfälle nur wenige Notizen vorliegèn und auch diesen nur ein untergeordneter Werth bei- gelegt werden kann, da fie si< größtentheils nicht auf amtliche Unter- fjucungen gründen. Bei den 125 preußischen Schiffen ift nur in einem Falle die Ursache angegeben ; in auderen Fällen, wo eine Ursache an- gegeben, rührt die Angabe fast immer von dem Schiffsführer oder dcr Mannschaft ber, folgli<h ni<t von Unbetheiligten. Alle Schlüsse, die auf Grund dieser Tabelle über die wirklihen Ursachen gemacht werden, find daher unzuverlässig und lü>enhaft. Das Thema seibst: Vermeidliche Ursachen der Seeunfälle wird unter se<s Kategorien behandelt, nämli: 1) Seeuntüchtigkeit der Schiffe im weiteren Sinne, 2) Unfähigkeit oder Verschulden des im Sciffsdienste stehenden Personals, 3) Feuer und Explosionen, 4) Kollifionen, 5) mangelnde hydographis<he und meteorologis<he Nachrichten und 6) mangelnde Fürsorge für die Sicherheit der Schiffahrt in der Nähe der Küftcn. Aus dieser der Wirklichkeit entsprehenden Zerlegung des Stoffes geht hervor, daß der Verfasser mit Thatsachen rehnet. Dgs Heft, welches namentli<- für die maritime Geseßgebung eine Menge nüßlicher Winke enthält, eignet fi< besonders als Unterlage zu Verhand- lungen in naut:\{<eu Vereinen und anderen Kreisen, wo Verständniß und Interesse für das Gedeihen unserer Seeschiffahrt vorhanden sind.

Lieder der Heimath. Eine Sammlung der vorzüglichsten Dichtungen im Bildershmu>e deutsher Kunst, Herausgegeben von

Ludwig Bund, Zweite umgearbeitete und dur< fünfzig Holz- schnitte und a<t Farbendru>blätter na< Professor C. Scheuren v é r- mehrte Auflage. Düsseldorf, Verlag von Breidenbach und Co. 1876. Poesie und Kunft spenden in dem vorliegenden Prachtwerk zwei gütige Feen, wie sie Scheuren in dem Titelbilde darstellt aus ihrem reichen Füllhorn die s{höônsten Gaben. Von den fklassishen und neueren deutschen Lyrikern dürfte kaum einer vergessen sein, von dem nicht wenigstens eine seiner gelungensten lyrishen Dich- tungen in diese Sammlung Aufnahme gefunden hätte; ebensowenig fehlen die beften Namen der deutschen Künftler der Gegenwart.

ringförmigen Fries phantastisGer Thier-, Fabelwesen und Menschen- gestalten und Gruppen; in vier Lünetten darunter Bilder aus dem Geistes- und Kunstleben des deutschen Mittelalters und der Renais- fance. Jun dem ersten großen Corneliussaal sind oben an den Wsölvungen zwischen Wänden und De>e dur< Bendemann nah seines Vaters Entwürfen zahlreihe symbolishe Darstellungen theils farbig, theils grau in grau ausgeführt. Vier davon in den E>en des Raumes versinnlihen oas Erscheinen des Genius unter den Menschen, sein Martyrium und seine B-freiung. In den dazwischen !iegen- den Lünetten find (farblos) die verschiedenen Richtuugen des religiösen Bewußtseirs, die Beziehungen der Menschenseele zu den religiösen Dingen in \{ôn fkomponirten Gruppen veran- \chauliht. Die \{<önste aber zeigt das mittelste, farbig ausge- führte Lünettenbiid: Die Vermählung der Natur mit dem Genius. Im nächstangrenzenden Saal, welcher künftig die Cartons von CGor- nelius3 zur grie<ishen Heldensage aufnehmen foll, malte Jansen in den Lünetten der Wölbung die einzelnen Scenen der Prometheusfage. Das Hauptbild darunter de>t die Giebelflähe der Eingangswand unter dem gläsernen Lichtda<h und zeigt den gefesselten Prometheus von dez Okfeaniden beklagt, cine eben so großartige als s{önheitvolle Kompofition®von meisterhafter, malerisher Ausführung.®

In Paris ist am 2. d. M. ‘der Orientalist Sédillot, Professor an der Schule für lebende orientalishe Sprahen und Se- kretär des Collége de France, verstorben. Derselbe hat sih dur< zahl- reiche Arbeite», namentli<h über die Astronomie und Mathematik der Araber, einen Namen gemacht und ein Alter von 67 Jahren erreicht. Auch der greise Akademiker Patin, bekannt als Philologe und Literarhistoriker, liegt im Sterben,

Im National-Museum zu Stockholm ift gegenwärtig eine von dem Bildhauer J. Börjesson in Gips ausgeführte Sfkizze zu einem Denkmal für Sten Sture den Aelte- ren auégestellt, wozu scit längerer Zeit Beiträge gesammelt worden sind. Dieselbe stellt auf einem höhen Untersatßze Sten Sture in voller Panzerkleidung auf e‘nem ebenfalls gepanzerten Pferde sißend und in der rechten Hand die Streitfahne haltend, dar. Auf seiner re<ten Seite, etwas na< hinten, stebt, gestüßt aur ein großes Schlacht- s{wert, ein Bauer; dies ist Björn der Starke, welcher, der Sage zufolge, Steu Sture immer voran liéf. Rund um den Sc>el läuft cin Kreis von eilf freistehenden Figuren, welhe bewaffnete Bauern darstellen.

Unter den Auspizien der Pariser Luftsciffer-Gesellschaft sind am 29. November in Paris die Herren Gaston Tissandier (wie man fich er innert, der einzige Ueberlebende der denfwürdigen Auffahrt des „Zé- nith*) und Poitevin in einem Luftballon aufgestiegen, um Be- obachtungen über die Bildung des Schnees anzustellen. Diese Fahrt ift glü>li< verlaufen, wie aus*folgendem, der Gesellschaft zugegangenen Telegramm hervorgeht: „Zllièrs, 6 Uhr 20 Minuten Abends. Herrliche Fahrt oberhalb der eisführenden Wolken. Merk- würdige Beobachtungen der Bildung der Schneesplitterchen; vortre|- liche Niederfahrt und Landung in JIlliers, Arrondiss-ment Chartres, um 2 Uhr 30 Minuten; die Abfahrt hatte um 11 Uhr 40 Minuten stattgefunden."

Von den bekannteren Dichtern nennen wir nur Bodenstedt, Brach- vogel, Bube, Chamisso, Eichendorff, Freiligrath, Geibel, Goethe, Grün, Halm, Hamerliag, Hebbel, Hebel, Heine, Herder, Heyse, Hoff- mann von Fallersleben, Kerner, Körner, Kosegarten, Lenau, Lingg, Meißner, Wolfgang Müller, Platen, Putliß, Reini>, Roquitte Rü>ert, Scheffel, Schiller und Uhland; von den Künstlern : Andreas und Os- wald, Achenbach, Josef von Führi<h, Moriß von Schwind, Carl Piloty, Gustav Richter, A. von Werner, W. Camphausen, Riefstahl, Genz, Hosemann, Mintroy und Scheuren. Von dem Leßteren rühren “außer dem Titelbilde die .7 prächtigen Kunsfthlätter her, auf denen kleinere Perlen der Dichtung mit sinn- reiden Jailialien und faxbenbunten Arabeskenranken ges{müd>t wiedergegeben- sind. Sie gereihen dem Werke zur ganz besonderen Zierde. Hobe Vollendung zeigen auch die zahlreichen sfauberen Holzschnitte, welche die künstlerischen Intentionen zu wirkurgsvollem Ausdru> bringen. Das Ganze umschließt ein stattlicher Einband mit Goldpressung, welcher dem werthvollen Inhalt entspriht und das Prachtwerk zum Pfande der Zueignung für das bevorstehende Fest wohl geeignet erscheinen läßt.

An3 Lothringen schreibt man der „Carlsr. Ztg.“ Seit kältere Witterung mit ziemli< tiefem Schneefall eingetreten ift, treten die Wölfe, die immer no< zahlrei<h vorhanden find, von Hunger ge- trieben, fre<er auf und wagen sih bereits in die Nähe der einzeln stehenden Gehöfte und Dörfer. Daß das Forftpersonal in den leßten Jahren dem Raubwildfstand gegenüber nicht unthätig war, beweift die Thatsache, daß vom 1. Mai 1871 an bis zu Anfang dieses Jahres in unserm Bezuke nicht weniger als 165 Wölfe erlegt wurden. Die vollständige Ausrottung dieser Raubthiere und felbst die Reduzirung derselben auf eine sih wenig mehr fühlbar machende Zahl wird no< verschi:dene Jahre in Anspruch nehmen. Der Grund davon ift einer- seits in dem großen, vielfa< {wer zugänglichhen Waldareal zu suchen, das große Treibjagden zum Theil unmögli<h macht, andererseits aber au< in dem Umstande, daß man fi<h mit dem französischen Forft- perfenal no< ni<t Behufs gemeinschaftlicher Jagden in den Grenz- diftrikten verständigen konnte. Aus dem gleihen Grunde ift au< der Schwarzwildstand immer noch ein größerer, als im Interesse der Lazdwirtbschaft wünschenswerth erscheint.

In Manchester wurde -am 1. d. M. eine Bronzestatue Oliver Cromwells, ein Geschenk von Mrs. Heywood an die Statt, feierli enthüllt. Die Bildsäule, welche aus dem Atelier des Bildhauers Noble hervorgegangen, ift -9 Fuß hoh, wiegt über 200 Centner und hat ca. 1600 Pfd. Sterl. gekostet. Sie fteht auf einem Sod>el aus unbehauenem Granit und trägt die Jnschrift „Oliver Cromwell*, die Daten seiner Geburt und seines Todes, sowie die Worte: „Das Geschenk von Elizabeth Salisbury Hevwood an die Bürger von Manchester, 1575*. Cromwell ist in dem mili- täris<en Kostüm seiner Zeit dargestellt, und die Gesichtäzüge sind würde- und ausdru>évoll. Die Statue hat einen Plaß dicht vor der Kathedrale und der Börse gegenüber gefunden, da, wo dem Véêrnehmen nah der erste Mann in dem parlamentarischen Kriege getödtet wurde. Thomas Carlyle, welcher eingelad-n worden war, der Enthüllu- gëfeier beizuwohnen, ließ si< dur< einen Brief seiner Enkelin, Miß Aitkin, entschuldigen, in welchem es hieß, daß er zu alt und s<wa< für ein sol<es Unternehmen sei. Dem Protektor us Dees früher Standbilder in Rochdale und Manchester errichtet worden.

, Wie der „Kölnischen Zeitung" aus Kairo vom 2. d. gemeldet wird, find der ägyptischen Regierung Depeschen zugegangen, in wel- chen beri<htet wird, daß der Afrikareisende Munzinger ermor- det worden sei.

__ Einige Blätter der Insel Ceylon veröffentlihen die Kopie einer in mehrfacher Beziehung interessanten Jagdkarte der dortigen Behörde, womit dem Prinzen von Wales die Erlaubniß ertheilt wird, während seines bevorstehenden Besuches dieser Insel auf die Elephantenjagdd zu gehen. Dieselbe lautet: „Erlaubniß, Elephanten zn fangen. Krafi der Ordonnanz Nr. 13 vom Jahre 1869 wird hiermit Sr. Königlihen Hoheit Albert Eduard Prinzen von Wales, seinen Einfängern und seinem Gefolge die Erlaubniß ertheilt, binnen einer Woche vom heutigen Datum an und nicht länger in dem in der öftlichen Provinz gelegenen Bezirk von Trinkomaly einen Elephanten zu fangen und zwar unter folgenden Bedingnissen, deren Nichteinhalten jedo das Erlöschen dieser Erlaubniß mit si< bringt, eben so auch die Konfiszirung des gefangenen Elephanten und no<h andere vom Ge- seße vorges><riebene Strafen: 1. Der Elephant muß binnen der bestimmten Zeit gefangen werden und über drei Armlängen hoh scin. 11. Der zu fangeadte Elephaut darf niht getödtet wer-

Nachdem sceben das 5. und 6. Heft der „Beiträge zur Erläuterung des deutschen Recbts, in besonderer Be- ziehung auf das preußishe Recht mit Einschluß des Handels- und Wechselrehts*“, herausgegeben von Dr. J. A. Gruchot (Berlin, Verlag von FranzVahlen), erschienen, liegt der vierte Jahrgarg (der ganzen Reihe der Beiträge 19. Jahr- gang) nunmebr vollständig vor. Dem leßten Doppelheft ist ein Verzeichniß sämmtlicher Abhandlurgen, Rechtsfälle, literaris<-n Bei- ¡räge und Glofsen, sowie ein genauec alphabetischer Jnder beigegeben.

Gewerbe und Handel.

Die Generalversammlung der Aktionäre der Aktien- Brauerei Friedrichshain seßte, dem Antrace des Verwaltungs- raths enisprechend, die Dividende für das Geschäftsjahr 1874/75 auf 9% fest. Das gesammte Bruttoerträguiß ‘bezifferte fi< incl. 1192 Thlr. Uebertrag aus dem Vorjahr auf 118,028 Thlr. Nach Abzug der Handlungsunkosten, Hypothekenzinsen, der Abschreibungen in Höhe von 21,375 Thlr, der Tantièmen für den Verwaltungsrath und die Beamten u. f. w. verbleibt ein Reingewinn von 45,096 Thlr., wovon 45,000 Thir. als Divide:de à 9% auf 500,000 Thlr. Aktien vertheilt und 96 Thlr. auf laufende Rechnung vor- getragen werden. Das Aktien - Kapital der beträgt gegenwärtig na<h Ausgabe der Aktien IIT. Emission 650,000 Thir. Auf dem Unternehmen lasten Hypotheken in Höhe von 330,000 Thir. Der Reservefond beziffert sfi< auf 24,225 Thlr. Unter den Aktiven figuriren in der Jahresbilanz Kassenbeftand mit 10,112 Thlrx., diverie D:bitoren und Banquierguthaben abzüglih der Kreditoren mit 60,690 Thlr. und Bizrvorräthe mit 101,169 Thlr.

VerLehrs:Anstalten-

Auf der Judo-Europäischen Telegraphenlinie wur- den im Monat November an gebühreopflihtigen Depeschen befördert: a. aus London, dem übrigen England und Amerika na< Perfien und Indien 1943 Stü>, b. aus Perfien und Indien nah London, dem übrigen England und Amerika 1951 Stü>, c. vom euro- päischen Kontinent exkl. Rußland na< Persien uud Indien 121 Stü>, d. aus Persien und Indien na< deu europäischen Kon- tinent exfl. Rußland 313 Stü>k, Summa 4328 Stü>.

Im Laufe der leßten Novemberwoche ift der Richtstoll-n im großen St. Gotthardtunnel auf der Nordseite bei Gö|chenen nur um 8,80 und auf der Südseite bei Airolo nur um 6 Metec vor- gerü>t. Total 14,80, durhschnittli< tägli<h 2,11 Meter. Jn Folge der auf beiden Seiten si< zeigenden \{iefen Terrainlagerurg mußte die mechanische Bohrung eingestellt werden. Am 29. November hat sie jedo< bei Göschenen wieder begonnen. i

Die Nr. 95 der „Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen“, Organ des Vereins, hat folgenden Inhalt: Verein Deutscher Eisenbahn - Verwaltungen: Frunkfurt- Bebraer Eisenbahn, Station Frankfurt a. M.; Zwi>au-Lengenfeld- Falkenstein eröffnet. Der Ankauf der Eisenbahnen dur< das Reich. Bemerkurgen zum Entwurf eines Neichs-Eisenbahngesehzes.

den. 111, Vor der Eiafangung des Glephanten muß dieser Erclaubniß- schein von der unterfertigten Bzzirks-Jnspektion legalisirt werden. IV. Sechs Tage nah Einfangung des Elephanten muß einé genaue Be- schreibung von dessen Aiter, Größe u. f. w. dec genannten Bezirk s- In'pektion eingeliefert werden. V. Stirbt der gefangeue Elephant, dann erlischt diese Erlaubniß, eben so au, wenn derselbe dur< eine andere Perfon, ‘die nicht dazu bere<tigt ift, éingefangen wird. VI. Der gefangene Elephant muß der hiesigen Regierung vorgeführt wer- den, damit sie ihn protofollire, eben fo au< die Art seines Einfan- gens. Bezirks-Jnspefktion Trinkomaly, 11. November 1875. Der Regierungs-Agent.*

Theater.

Im Wallner-Theater wird am Montag das S<hwei- zersche Lu'tspiel „Großstädtish" neu einstudirt in Scene geben. Das Stü>, welches bei der ersten Aufführung troß der ungünstigen Sommersaison fo lebhaften Beifall fand, dürfte jeßt bei der Wieder- aufnahme gewiß seine alte Zugkraft bewähren, zumal die Beseßung unverändert geblieben ift. Die Hauptrollen befinden si< in den Hän- den der Damen Bredow, Löffler, Schmidt und der Herren Lebrun, Kadelburg, Kurz und Blenke.

Im Nationaltheater fiudet morgen, Sonntag Nachmittag 4 Uhr, eine Hamlet-Aufführung zu halben Preisen statt. Hr. Ernst Possart vom Königlichen Hoftheater in München wird darauf am Abend als Richard IIL. auftreten.

Dos Brandunalü> des neuen Theaters in Barmen hat die Direktion {wzr betcoffen und das gesammte Personal, größtentheils Familien, mitten im Winter brot!os gemacht. Schnelle Hülfe zu er- möglichen, hat Hr. Diréktor Moriß Krüger von Augsburg cin Cir- fular an sämmtlihe Bühnenangebörige erlassen, zum Besten der vom Unglü> betroffenen Bühnenangehörigen eine Benefizvorstellung zu vers anstalten. Hr. Direktor Hugo Müller bat si< sofort bereit er- flârt, zu diesem Zw:> eine Vorstellung zu geben, und findet als solche am Moutag, den 6. Dezember, im Stadttheater die dritte Wie- derholung des effeftvoZen Dramas „Pietro Micca, oder die Belagerung von Turin“ statt.

Virginie Déjazet, die bekannte Schauspielerin, ift am 1. Dezember in Paris im Alter von 78 Jahren gestorben. Schon im Alter von fünf Jahren spielte die Verstorbene auf einem Kinder theater, welches damals am Boulevard des Capucines stand, in einem eigens für fie geshriebenen Solostü>e: „Fanchon tonte seule“ Bald darauf trat sie in dem noch heute nicht vergessenen Stü>e „Fanchon, das Leiermädchen“ auf und feierte später, zur vollendeten Künstlerin herangereift, im Vaudeville und in dén Variérés glänzende Triumphe. Ihre Glanzzeit begann no< unter der Restaucation und überdauerte die Julimonarchie; zahlreihe Kunstreisen machten sie in ganz Europa bekannt; bis auf ihre leßien Lebensjahre zeigte sie fih den Parisern in jugendlichen Rollen, welche ihren Ruf begründet hatten, oder trug gelegentli<h eine jener Chansonetten vor, die ihr Niemand fo leiht na<hfingen wird. Im September 1859 übernahm fie die Leis tung des Theaters der Folies Nouvelles, das ihren Namen erhielt. Ihre beliebtesten (meist Männer-) Roll-n waren in den Stüd>en: eDer Pariser Taugenichts*, „Richelieu's erster Waffengang", „Vi- comte Letorière oder die Kunst zu gefallen*, „Bonaparte in É cienuns „Monsieur Garat“, „Vert-Vert*, ‘„Frétillon*, „Les Prés-Saint- Gervais* u. a. Jhre Couplets trugen viel zu ihrer Popularität bei, die, man darf wohl sagen, eine universelle wax. Jn ihren leßten Lebensjahren bezog Mlle. Dejazet eine Pension von dem Mivisteriuna der \{önen Künste, und man erinnert si< no< der glänzenden Bene- fizvorstellung' in der großen Opec, mit welcher fie im vorigen Herbste, umgeben von allen Berühmtheiten der Pariser Bühne, von dem Pu- blifum Abschied nahm, was sie niht hinderte, danu no< dur< meh- rere Monate allabendlih im Vaudeville aufzutreten.

Am Dovnerstag, den 9., Abends präzise 7 Uhr, veranstaltet der Organist Otto Dienel ein Konzert in der Lukas-Kire zum Besten der Armen dieser Gemeinde. Wir machen außer auf den guten Zwe>k, au< darauf aufmerksam, daß dasselbe, weil es ein ebenjo {önes Programm als tüchtige Künstler zur Ausführung erhälten hat, Musifliebhabern einen besonderen Genuß verschaffen wird. Die Kirche ist geheizt. Billets à 1 und 2 (reser- virte Pläße) sind bei Trautwein, Leipzigerstraße 107, E. Be>, Wil«- helmstr, 115 und beim Küster Hrn. Wünn, Bernburgerstr. 4 zu haben.

Redacteur: F. Prehm.

Verlag der Expedition (Kessel). Fünf Beilagen

(eins<licßli< Börsen-Beilage).

Berlin: Dru> W. Elsner.

Gesellschaft -

20.

Erfte Beilage

zuin Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Mi 286.

Königreich Prenten

A N agung Nah Vorfchrift des Gesetzes vom 10. Ayril 2 (Geseße Samml. S. 357) sind bekannt E H E

1) der Allerhöchste O vom 21, Mai 1875, betreffend die Genehmigung des revidirten Reglements für die Immobiliar-Feuer- sozietät der sämmtlichen Städte der Regierungsbezirke Königsberg und Gumbinnen, mit Ausnahme von Königsberg und Memel dur die S Ep 4 :

der Königlichen Regierung zu Königsber : S. is 25

ausgegeben den 30. September I O NA

der Königlichen Regiernng zu Gumbinnen Nr. 38-S. 335 bis 347

ausgegeben den 22. September 1875; i

2) der Allerhö<'te Erlaß vom 9. Juni 1875, betreffend das dem Kreise Heydekrug verliehene Enteignungsre<t für die zum Ausbau der drei Zufuhrwege von der Tilsit-Memeler Staatsftraße nach den Bahnhöfen der Tilfit-Memeler Eisenbahn zu Wießen, Heydekcug und Saugen S IRE E, durch das Amtsblatt der Köaig- ichen Regterung zu Gumbinnen Nr. 41 S. 365, gegeben de Ltbikes 1870: | ausgegeben den 13

3) das Allerhô<fte Privilegium vom 9. Juni 1875 wegen Aus- fertigung auf den Jnhaber lautender Kreisobligationen des Heydekru- ger A a von 36,600 4 Reichsmünze dur das Amts-

att der Königlichen NRegierung zu Gumbinnen Nr. 41 S. i 368, A E 13, Ag 1875; O

) das am 13, Juli 1875 Allerb8<{<#| vollzogene St Staudeichverbandes der Niederung auf der iidten E Ae E ferschen Laache im grolen Marienburger Werder dur< das Amts- blatt ‘der Königlihen Regierung ¿zu Danzig “Nr. 37 S. 191/192 ausgegeben den 11. September 1875; :

_9} die Allerhöchste Konzessions-ÜUrtunde vom 21. Juli 1875, be- treffend den Bau und Betrieb einer Eis-nbahn von Neumünster über Heide nah Tönning dur< die Westhelsteinishe Eisenbahngesellschaft in Neumünster, dur< das Amtsblatt der Königlifhen Regierung u Cas Nr. 49 S. 395 bis 397, ausgegeben den 15. Okfto-

er :

6) das Allerhöchste Privilegium vom 26. Juli 1875 wegen Emission A5 prozentiger Prior1tätsobligationen der Magdeburg - Halbe: städter Cisenbahrgesellshaft bis zum Betroge von 20,000,000 4 Reichs- münze durch die Amtsblätter s

der Königlichen Regierung zu Magdeburg Nr. 36 S 281 big 284,

__ ausgegeben den 4. Septemter 1875;

für Dans Nr. 35 S. 301 bis 304, ausgegebeu den 13. August

25 der Königlichen Regierung zu Potsdam Nr. 34 S. 263 bis 266 auêgegeben den 20. August 1875; j

7) das Allerhöcbste Privilegium vom 30. Juli 1875- wegen Emission vos Prioritätsobligationen der Münster-Enscheder Eisen- bahnuesellshaft zum Betrage von 2,1000000 4 Reichémünze durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster Nr, 37 S, 179 bis 182, auêgegeben den 11. September 1875;

3) der Allerhs<ste Erlaß vom 4. August 1875, baixeffend einige Aenderungen uud Ergänzungen dés Statuts für die Sozietät zur Re- gulirung der Unstrut von Bretleben bis Nebra vom 23. Februar 1857 (Gejeß-Samml. S. 118 ), dur< das Amtsblatt der König- lihen Regierung zu Merseburg Nr. 39 S. 231 bis 233, ausgegeben den 25. September 1875;

9) der am 6. August 1875 Allerhö<{} vollzegene Tarif, nah welhem das Brü>engeld für die Benußung der Bauernbrü>e und der Biü>ke über die Mahlarhe, die im Dorfe Pansin, Kreis Saaßig, über den Kramveblfluß führen, bis auf Weiteres zu entrich- ten ist, dur< das Amtsblatt der Köviglichen Regierung zu Stettin Nr. 40 S. 207, ausgegeben d-n 1. Oktober 1575;

i 10) der Allerhöchste Erlaß vom 11 August 1875, betreffend die Verleihung der fisfalis<hen Vouechte an den Grafen zu Stolberg- Wernigerode für die von ihm ausgebaute Chaussee von Hasserode dur< das Drängethal über das Forfthaus Drei Aunen nah Scierke, dur<h das Amlöblait der Königlichen Regierung zu Magdeburg Nr. 38 S. 295, auêgegeben den 18. Sept-mbec 18753

11) der Allerhöchste Eclaß vom 14. August 1875, betreffend das der Stadtgemeinde Duisburg ve: lichene Enteignungsrecht behufs Er- werbung des zur Offenlegung des projektizten „Dellplatzet" daselbst erforderlichen Terrains, dur< das Amtsblatt der Kömglichez Regie- zung zu Düsseldorf Nr. 41 S. 419, ausgegeben den 18. Septem- er 1875;

12) der Allerhö<ste Erlaß vom 15. August 1875, betreffend die Genebmigung der von der Landschaft der Herzogtbümer B.emen und Verden aufgestellten „Revidirten Bremen und Verdenschen Brandkafse- Ordnung“, dur< das Amtsblatt für Hannover Nr. 42 S. 369 f, auêgegeben den 1, Oktober 1875;

13) das Allerhöchste Privitegium voni 18. Auaust 1875 wegen eventueller Ausgabe auf jeden Inhaber lautender Obligationen der Stadt Tarnowiß zum Betrage von 105,000 (4 Reichémünze dur das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Oppeln. Nr. 41 S. 263 bis 265, ausgegeben den 8. Oftober 1875;

_14) das Allerbôchste Privilegium vam 18 August 1875 wegen Auégabe auf den Inhaber lautender Obligationen der Stadt Magde- burg zum Betrage von 9,000,000 „4 Reichsmünze dur< das Amts- blatt der Königlichen Regierung zu Magdeburg Nr. 41 S. 323/324,

ausgegeben den 9, Okftob-r 1875;

15) die Allerhöchste Konzessionsurkunde vom 27. August 1875, betreffend den Bau und Betrieb einer Eiscnbahn von Ruhland nach Lauchhammer dur die Oberlausißer Eisenbahngesellschaft, èur< die Amtsblätter

der Königlichen Regierung zu Merseburg Nr. 39 S. 233, aus8ge- gen den 25. S-ptember 1875;

der Königlichen Regierung zu Liegniß Nr. 39 S. 261/262, ausge- geben den 25. September 1875;

der Königlichen Regierung zu Frankfurt a. d. O. Nr. 39 S. 247, ausgegeben den 29. September 1875;

16) das Allerhô<ste Privilegium vom 27. August 1875 wegen Auëgabe auf jeden Inhaber lautender Obligationen der Stadt Franfk- furt a. M. z4m Betrage von 15,000,00 K R-iichsmünze dur< das Amtsblatt für den Stadtkreis Frankfuct a. M. Nr. 44 S. 203 bis 205, auëgegeben den 7. Oktober 1875;

17) das Allerhô<fte Privilegium vom 30 August 1875 wegen Ausgabe auf den Inbaber lautender Kreisobligationen des Kreises Westhavelland im Betrage von 345,090 # II. Emission dur< das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam Nr. 44 S. 355 bis 357, ausgegeben den 29. Oftober 1875 ;

18) das Allerhöchste Privilegium vom 17. September 1875 wegen Ausgabe von 13,500,000 Reichsmünze Prioritätsobligatioaen der Berlin-Dresdener Eisênbahngesells<haft dur< die Amtsblättér

der Königlichen Regierurg zu Potsdam Nr. 41 S. 328 bis 331, ausgegeben den 8. Oktober 1875 ;

der Aonigtithen Regierung zu Frankfurt a. d. O. Nr. 41 S. 262

bis 264, ausgegeven den 13. Oktober 1875,

der Königlichen Regierung zu Merseburg Nr. 41 S. 241 bis 244, ausgegeben den 9. Oftober 1875;

_ 19) der Allerhôhste Erlaß vom 17. September 1875, betreffend

u Verlänge: ung der, der Berlin-Stettiner Eisenbahn ésellswaît dur

ie Konzesfionsurkunde vom 11. Dezember 1872 ¿éi ten Frift zur

endung und Inbetriebuahme der Eisenbahn von Srinemünde

na< Ducherow und der Zweigbahnen von AngermÜü nde nah Freien-

Berlin, Sonnabend, den 4. Dezember

En a

walde und von Wriezen na< Frankfurt a. des Jahres 1876, dur< die Amtsblätter j der Königlichen Regierung zu Stettin Nr. 41 S. 209, ausgegeben den 8. Oktober 1875, der Königlichen Regierung zu Potsdam Nr. 41 S. 332, ben den 8. Oktober 1875, der Königlihen Regierung zu Frankfurt a. d. O. Nr. 41 S. 261/262, auêgegeben den 13. Oktober 1875;

__ 20) das am 17. September 1875 Allerhö<| vollzogene Statut für den Verband zur Einpsolderung des Auwachses vor dem Heinitz- polder, Amts Weener, dur< das Amtsblatt für Hannover Nr. 5 S. 425/426, ausgegeben den 22. Oktober 1875;

21) das A llerhö<hste Privilegium vom 17. September 1875 wegen Ausgabe auf den Junhaber lautender Obligationen der Stadt Trier zum Betrage von 1,200,000 # Reichsmünze dur< das Amts- blatt der Königlichen Regierung zu Trier Nr. 42 S. 242 bis 244, ausgegeben den 22. Oktober: 1875; das früher am 18. Juli 1865 er- theilte Privilegium über die Emisäon von 50,000 Thalern Trierer Stadtobligationen (Geseß-Samml. für 1865 S. 881 ff.) wird glei- zeitig für erloschen erklärt ;

22) das Allerhôchste Privilegium vom 17. September- 1875 wegen Ausfertiguag auf den Jnhaber lautender Kreisobligationen des Kreises Löbau im Betrage von 60,000 (A Reichsmünze V. Emissien dur< das Amtsblatt der Königlicen Regierung zu Marienwerder Nr. 43 S. 243 bis 245, ausgegeben den 28. Oktober 1875;

23) das am 17. September 1875 Allerhö<ft vellzogene Privi- legium wegen Ausgabe auf den Inhaber lautender Obligationen der Stadt Elbing zum Betrage vou 400,000 & Reichksmünze dur das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Danzig Nr. 46 S. 237 bis

auêgege-

| 239, ausgegeben den 13 November 1875;

__ 24) der Allerhöcbite Erlaß vom 22. Sepiember 1875, betreffend die Verleihung der fiskalischen Vorrechte an .den Grafen von Franken- berg auf Tillowit im Kreise Falkenberg für den Bau einer Chaufsce von Ther-sienhütte über Seiffersdorf bis zur Torfmeisterei Goldmoor, dur das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Oppeln Nr. 45 S. 293/294, ausgegeben den 5. November 1875; 29) der Allerhöchste Erlaß vom 28. September 1875, betreffend die Verlängerung der der Marienburg-Miawkaer Eisenbahngesellschaft (Danzig-Warichau, Preuß. Abtheilung) behufs Vollendung ihres Unter- nehmens in der Konzessionsurkunde vom 1. Juni 1872 geseßten drei- tährigen Bauf. ist bis zum 1. August 1877, dur< die Amtsblätter der Königlichen Regierung zu Danzig Nr. 44 S. 233, ausgegeben den 30. Oftober 1875,

der Königlichen Regierung zu-Marienwerder Nr. 42 S. 235, aus- H den 20. Oftober 1875,

der Königlichen Regierung zu Königsberg Nr. 44 S. 274, ausge- gebeu den 4. November 1875.

Nr. 49 des „Central-Blatts für das Deutsche Reich“, herausgegeben im Reichskanzler-Amt, hat folgenden Inhalt : Allge- meine Verwaltungesachen: Verweisung von Ausländern aus dem Reich2gebiet. Finanzwesen: Ankauf von Gold durch die Preußische Bauk. Zoll- und Steuerwesen: Bekanntmachung, betreffend die ueuen Schuldverschreibungen der Prämienanleibe der Stadt Lüttich vom Jahre 1853; vom 1. Dezember. 1875. Münzwesen: Uebersicht über die Ausprägung von Reichsmünzen; Uebersicht über die bis Ende Oftober 1875 für Rechnung des Deutschen Reis zur Einziehung gelangten Landes Silber- und Kupfermünzen. Handels- und Gewerbecwesen: Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Apothekergehülfen vom 13. November 1875. Eisenbahnwesen: Eröffnung der Zwid>au- Lengenfeld- Falfensteiner Eisenbahn; Neuecrri{tung von Personen- Haltestellen auf Großherzoglih badis<en Eisenbahnen.

Die Nr. 91 des „Amts-Blatts der Deutschen Reichs- Post-Verwaltung“ hat folgenden Juhalt: Verfügungen: vom 28. November 1875. Dienstanweisung für Telegraphen-Jnspektoren.

Nr. 38 des „Amtsblatts de: Deutshen Retichs- Telegraphen-Verwaltang“ hat folgenden Inhalt: Verfügungen : vom 28. November 1875: Dienstanweisung für Telegraphen-Inipek- toren; vem 29. November 1875: Beitritt der Telegraphenbeamten und Unterbeamten zu den Post-Spar- und Vorschußvereinen. Be- scheidung: vom 24. November 1875: Verfügung der Kaiserlichen Ge- neral-Diieft!on der Telegraphen vom 24. November 1875 an fämmt- liche Kaiserliche Telegraphen-Direktionen, betreffend die Telegramme der in Hamburg als Reichs-Institut errichteten deutschen Seewarte.

Die Nr. 22 des „Marine-Verordnungs-Blatts“ hat folgenden Inhalt: Kosten- und stempelfreie Bearbeitung ehrcngericht- licher Angelegenheiten. Einberufung von 400 Mann der Reserve der Matrosen-Divisionen zu einer zweiwöchentlihen Uebung. Uniformsabzeihen für Marine-Auditeure, mit dem Range eines Rathes 4. Klasse. Press für Proviant und Materialien 2c. in überseeischen Orten am *L#Juli 1875. Fortfall der Schifféver- pflegungsgelder für Passagiere an Bord S. M. Kriegs\cbiffe. Beifügung eines Protokolls zu den Berichten über diejenigen Kadetten, welche sih 1i<t zum Seedienst eignen. Beurlaubungen der Be- \1ß ingen von in Dienst g«stellien Schiffen oder Fahrzeugen an Land. Geldbeschaffung dur< S. M. Schiffe und Fah:zeuge im Auelande. Bestimmungen über die Handwaffen-Ausrüstung S. M. Schiffe uad Fahrzeuge. Ausbildung von Krankenträgern in der Marine. Schwimmunterriht der Maunschaften, Pee: sonal- veränderungen. 3

Das E Ne des Centralblatts für die ge- sammte Unterrichts-Verwaltung in Preußen hat folgenden Inhalt: Militär Pensionswesen. Beginn und S tluß der Üniver- sitäts-Vorlesungen. Reglement für das historishe Seminar der Universität zu Halle. Dsgl. für das Seminar fur deutsche Philo- logie daselbst. Dégl. für das Seminar für romanische Philologie daselbst. Dsgl. für das Seminar für englische P! ilologie daselbst.

Immatrikalation der Apothekergehülfen. Preisstiftung zum Andenken Schillers. -— Eintragungen zum Schuh der Urheberrechte auf Grund der Uebereinkunft mit Fraufkrei<h, Eintragung von Werken der Wissenschaft und Kunst gegen Nahdru> und Nachbildung. Programmenwejen der höheren Unterrichtsanstalten. Begrün- dung des Antrages auf Versegung eines Lehrers im Interesse des D'enstes. Häusliche Beschäftigung der Schüler. Frequenz der 6 ymnafial- und der Real-Lehranftalten im Wintersemester 1874/75, Verzeichniß der Seminare. Höhe des Gehalts für eine neue Seminarlehrerftelle bezügli<h der Anmeldung für den Staatshaus- halts Etat und der Ueberweisung an das Seminar bezw. den anzu- stellenden Lehrer. Erläuterung zu der Nahweisung über die Be- \eßung der Elementarlehrerstellen im Monat Juni 1873. Kreis- Lehrerbibliotbeken. Termin zur Prüfung von Turnlehrerinnen. Betheiligung der Lèhrer an der Volkszählung; Unzulässigkeit einer Betheiligung der Schüler. Verwendung der Staatsfonds zur Ver- besserung der Lehrerbesoldungen. Personalchronik.

Nr. 46 des Justiz - Ministerial - Blatts für die Preußische Geseßgebung und Recht?pflege, herausgegeben im Bureau des Justiz - Ministeriums, hat folgenden Inhalt: Ver- fügung vom 30. November 1875, betreffend den Gebrauch der Gerichtsfiegel in Normundschaftssahen. Allgemeine Verfügung vom 30. November 1875, betreffend die Ausführung der $88. 1 bis 10 des Geseßes über das Hinterlegungswesen vom 19. Juli d. J.

1875.

Allgemeine Verfügung vom 30. November 1875, betreffen j es

Porto für gerichtlihe Requisitionen an die deuishe Gesandtschaft am niederländischen Hofe.

Neichstags - Angelegenheiten.

Berlin, 4. Dezember. Jn der gestrigen Sigzung des Deutschen Reichstages leitete der Bundesbevollmähtigte Justiz-Minister Dr. Leonhardt die erste Berathung der Strafgeseznovelle wie folgt ein:

__ Meine Herren! Als die verbündeten Regierungen im Fahre 1870 den Entwurf eines Strafgeseßbuchs dem Reickstage des Nord- deutschen Bundes vorlegten, waren sie von dem Glauben weit eni- fernt, daß der Entwurf ein vollendetes Werk sei. Den verbündeten Regierungen lag der Gedanke im Vordergrund, daß es si< um einen großen politischen Akt handele, wenn es unternommen werde, für ein umfassendes wichtiges Rechtsgebiet Rechtseinheit im Norddeutschen Bunde herzustellen. Wenn die legislativen Gewalten dieser Aufgabe fich gewachsen zeigten und der Versu< gelang, o war erreiht, was in Jahrhunderten vergeblih erstrebt wurde, selbst zu den Zeiten Kai- ser t Je Fünften.

. Auf diesem politishen Standpunkte bewegten si< auch die ver- bündeten Regierungen, als sie die Srachnifle dex Be N des Reichstages zu prüfen hatten. Sie bezeichneten nur sehr wenige die- ser Beschlüsse als nit aunehmbar, obwohl sie si< das Bedenkliche und Gefährlihe einer Reihe von Beschlüssen keineswegs verhehltcn.

__ Der Geseßzgeber steht niht über der Zeit, sondern in- mitten der Zeit, welche er durhlebt. Der Geseßzebec kann sich, folgli<h au< sein Werk ni<t völlig loslösen von den Rechtêanschauungen und den Bestrebungen, welhe die Zeit beherrshen. Jn ruhigen Zeiten wird er leiter geneigt fein, neue Ansichten __ fich anzueignen und sie in“ ihren Konse- quenzen dur<zuführen, wennglei<h er si< au fagen sollte, daß die neue Ansiht wifssenschaftili<h noch niht völlig reif und im Leben no< nit genügend erprobt sei. Ec wird Bedenken und Gefahren, welche eine neue Rehtsanschauung mit si< führt, zwar erkennen, aber er wird leichter die volle Bedeutung und die ganze Tragweite dieser Rechtêanschauung verkennen, Die Schöpfung des Etrafgesezbu<s fiel in eine verhältnißmäßig günstige Zeit, wie die Schöpfung der Strafprozeßordnung in die denkbar ungünstigste.

Die Frage, ob das Strafgeseßbu< sich bewährt habe, kann in dieser Allgemeinheit uiht bejaht werden. Der Grund- saß der Milde und Humanität i im Strafceseßbu<h hin und wieder zu {arf ausgeprägt. Im guten Vertrauen auf die Rechts- fitte und das Recht8bewußtsein im Volke bat der Geseßgeber gewagt, Vorschrifien zu geben, welche die Möglichkeit {weren Mißz- brau<s mit fsi< führen, ja wit si< führen müssen. Die Möglichkeit i zur Wirklichkeit geworden. Die erste Ent- wi>lungsperiode des Strafgeseßbuches ist in eine sehr ungünstige Zeit gefallen. Zwischen dem 1. Januar 1871 und dem heutigen Tage liegt ein großer Krieg, liegen große soziale und kirchenpolitische Wirren der gefährlichsten Art. Die Rohheit ist gewachsen, physische und moralische Robheit; gesunken ift dagegen die Achtung vor der Autorität des Staates und der öffentlihen Gewalt, gesunken ebenfalls der Sinn für öffentliche Ordnung und Rechtssiite. Und das Straf- geseßbu<h hat fih nicht als ein Geseß erwiesen, welhes gegenüber den in den betreffenden Richtungen hervorgeiretenen strafbaren oder doch sirafwürdigen Handlungen die erforderliche Represfion gewährt.

Wenn Sie sagen wollten, meine Herren, es handl sich hier um vorübergehende Erscheinungen, so würde das nur theilweise und au< nur insofern richtig sein, als Sie unter vorübergehenden Erscheinungen weselnde verstehen. Das Strafgeseßbu< muß aber Rü>sicht nehmen auf den Wechsel der Zeiten; bewegte Zeiten hat ev ganz vorzugs- weise ins Auge zu fassen.

Der Gedanke einer Revifion des Strafgeseßbuhs ist nicht neu und kann Niemandem als ein unerwarteter si< darstellen. Bei den Verhandlungen im Reichêtage über das Strafgeseßbuch babe ih selbst als Vertreter der verbündeten Regierungen wiederholt und mit Nachdru> hervorgehoben, daß eine Revision des Strafgeseßbuhs nah etwa fünf Jahren dur< die Umstände und Verhältnisse angezeigt sei.

Die Revision, welche der Entwurf enthält, ist keine allgemeine, sondern eine spezielle, wel<he in zwei bestimmten Nichtungen sih bewegt. Die Re- vision läßt das Strafensystem unberührt. Wenn auch eine Revision des Strafensyftems angezeigt erscheinen mö<hte, so fehlt es doch zur Zeit für die Revision an den erforderlihen äußeren Vorausseßungen. Die Revision beschäftigt si< niht mit der Lösung von Streitfragen. Gegenüber einem neuen zu schaffeuden Gescße kommen und {winden die Streitfragen. Es ift richtiger, die Löfung derselben wenigstens einstweilen der Jurisprudenz zu überlassen; denn die Lösung dur<h geseßzlihe Normen führt nur zu leicht neue Streitfragen im Gefolge. Die Revision 1uihtet fi<h gegen Uebelstände, welche im Leben grell hervorgetreten sind. Sie will Strafvorschristen ändern und für \trafwürdige Handlungen neue Vorschriften geben, um diejenige Repression zu gewinnen, welche, als dur< dringendes praftishes Bedürfniß erfordert, sich dar- stellt, Nach der anderen Ri®tung hin beschäftigt si< die Revision mit einer Reibe von Strafvorschriften, welche inkorrekt sind. Der Mangel ift in gleicher Weise klar ersihtli<h, wie der Grund des Mangels. Erkennt man den Mangel, fo findet man au sofort die Remedur. Der Grund des Mangels liegt in dem Umstande, daß im Laufe der Zeit im Strafensystem des Geseßbuches Aenderungen beschloffen sind, währead die volle Tragweite uüd Bedeutung für die Spezialvor- \chriften ni<ht genügend gewürdigt ist. Wenn diese Vorschriften in ihrem kritischen Theile zur Anwendung kämen, so würden fie als geradezu unerträgliche si darstellen ; jedenfalls gereichen sie dem Straf- geseßbuh nicht zur Zierde, so daß deren Beseitigung bei erster Ge- legenheit geboten zu sein scheint.

Ich empfehle den Entwurf der ernftea und unbefangenen Prü- fung des hohen Hauses. ,

Nah dem Abg. Dr. Lasker ergriff der Reichskanzler Fürst von Bismar> das Wort:

Meine Herren, wenn es für weinen Gesundheitszustand {on eine Aufgabe ist, einer längeren Diskussion aufmerksam zuzuhören, so bin i< no< weniger in der Lage, eine Rede von dem Umfange, wie wir sie eben gehört haben, in ihren Einzelheiten zu beautworten.

Da der größere Theil derselben si< auf rein juriftishem Gebiete bewegt, so, glaube i, kann i< diese Aufgabe au< im Wesentlichen meinen juristishen Herren Kollegen aus dem Bundesrathe überlassen.

Jch habe wesentli<h nur das Wo.t ergriffen, um den politischen Standpunkt der verbündeten Regierungen und speziell den meinigen zu dieser Vorlage darzulegen, ih meine den Standpunkt der inneren Reichspolitik in ihren Grundzügen betrachtet. Ich glaube, daß diefe Darlegung, fo kärz fie aub sein mag, do dazu beitragen wird, die Diskussion, in der wir uns befinden, frei zu halten von jedem An- fluge von Animosität, von - sittlicher Entrüstung über das

eginnen des anderen Theiles. und von Kritiken, die eben nit ohne Bitterkeit sind oder wenigstens - in der Oeffentlichkeit den Eindru> machen werden. glaube, daß, wie i< {on neulih sagte, der Reichstag in der Geseßgebung im Allgemeinen besonders aber bezügli< der Steuerbewilligung in der Lage ist, daß es keiner gereizten Sxibing der Diskusfion, keiner Vertheidigung von Rechten bedarf ; es ist das keine Machtfrage, es steht ja fest, daß kein Geseßz chne Bewilligung des Reichstags zu Stande kommen kann. Diese Beruhigung haben Sie. Wenn Sie si<h also nicht überzeugen können,