1875 / 308 p. 13 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Das begonnene Werk förderte besonders König Friedrich Vilhelm I. von Preußen, der u. A. dur Einführung des Kanton- systems die Rekrutirung regelte; es wurde das Bewußtsein wach, daß der Bürger zur Wehr und zum Schuß des Vaterlandes be- rufen sei. Jn dem dur<hweg aus dem Adel des Landes zu- sammengeseßten Offiziercorps entwi>elte si ein lebhaftes Ge- fühl der Standesehre und bei aller Dinftigkeit sonstiger Bildung erkannte daffelbe, daß dem König seite Dienste gehören. Diese Hin- gabe des Offiziers, wie später au<h des einfachen Soldaten, an die Person des Königs führte Preußen zu den Siegen, die seinen Fahnen folgten. Auch Friedrih der Große war mit Leib und Seele Soldat; seine hohe Bildung aber, seine Be- geisterung für Kunst und Wissenschaft und alles Schöne und Edle war von der segensreihsten Wirksamkeit auf den bisher naturwüchsigen, strengen und einseitig militärish ausgebildeten Offizierstand. König Friedrich 11. bestrafte hart jede rohe und niedrige Denkungsart, so daß auch feine Naturen, die sich bisher heu vom Waffendieust fern gehalten hatten, die hohe Aus- zeichnung erkannten, des Königs Degen zu tragen.

Die reichli<ste Nahrung fand dieser geistige Umshwnng dur die Waffenthaten des preußischen Heeres im siebenjährigen Kriege, und so kam es, daß die ideale Auffassung, die der Krieger von seinem Beruf zu gewinnen anfing, au<h in die Literatur überging; die \{<önsten Eigenschaften des Mannes, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung wurden auf den Offizier Übertragen. Die begeisterte Hingabe an König Friedrich undsein Heer bildet meist den einzig werthvollen Gehalt der in poetischer Hin- sicht ziemlich unbedeutenden Dichtungen jener Zeit, z¿. B. der Karschin, Ramlers, Gleims. Hoch über ihnen steht Ewald Christian v. Kleist, der mit Begeisterung die preußische Armee nah den erften Waffenthaten des siebenjährigen Krieges besang; in det Schlacht bei Kunersdorf besiegelte er seine Liebe zu König und Vaterland, die sein ganzes Leben er- füllte; dur< den Heldentod; mit den Worten: „Kinder, verlaßt euren König nicht!“ sank er vom Pferde. - j

Seinem Namen ein Denkmal zu seten, unternahm Lessing, dessen Hochachtung für Kleist fich schon in den „Literaturbriefen“ bezeugt hatte. Dieselben sind an einen verdienten Offizier ge- richtet, einen Mann von Geschma> und Gelehrsamkeit, der, in der Schlacht bei Zorndorf verwundet und nach Fr. (offenbar Frauffurt) gebracht, dur< Beschäftigung mit der neuesten deutschen Literatur die Zeit, die er im Lazareth zubringen muß, am besten ausfüllen zu können glaubte. Die öffentliche Stimme bezeichnete {hon damals Kleist als den Adressaten. Im Todesjahr desselben (1759) erschien das einaktige Trauer- spiel Lessings, „Philotas“, dem Andenken Kleists gewidmet, 1767 „Minna von Barnhelm“, aus lebendiger Anschauung des Soldatenlebens hervorgegangen; der Major von Tellheim ift das Abbild Kleists, überhaupt das Jdeal eines preußischen Offiziers, der Soldat geworden i}, niht aus Neigung zum Waffenwerk, sondern aus Liebe zu der Sache, für die gefochten wird, erfüllt von ritterlihem Sinn, ftrenger Pflichttreue und lebhaftem Gefühl für die Standesehre.

Unter den späteren Dichtern, dié den Offiziersstand in den Kreis ihrer Darstellung zogen, ist vor Allem Goethe zu nennen. In den „Wahlverwandtschaften“ (1809), schreibt Ottilie : „Die

rößten Vortheile im Leben überhaupt, wie in der Gesellschaft, jat ein gebildeter Soldat. Rohe Kriegsleute gehen wenigstens niht aus ihrem Charakter, und weil do< meist hinter der Stärke eine gewisse Gutmüthigkeit verborgen liegt, so ist im Nothfall auhmit ihnen auszukommen. Niemand ist lästiger, als ein täppischer Mann vom Civilftande; von ihm könnte man die Feinheit for- dern, da er sich mit nihts Rohem zu beschäftigen hat.“ Zum Vertreter ruhiger Selbstbeherrshung im Kampf gegen die Leiden- schaft und treuer Hingabe an die Pflicht hat Goethe in dem an- geführten Roman einen Offizier gewählt, der einen wohlthuen-

den Gegensaß zu dem s{wankenden, unzuverlässigen Charakter Eduards bilden soll, zuverlässigen Ch

In Shhillers „Kabale und Liebe“ (1782), is es allein der jugendlih feurige Major Ferdinand von Walter, der Sohn des Präsidenten, der inmitten der sittlichen Verderbniß den Muth

at, sich von dem äußeren Glanze abzuwenden und fein höchstes lud in der Zufriedenheit des Herzens zu suhen. Aber er fällt im Kampf für die Gleichberechtigung der Stände.

__ FIffland erkannte mit rihtigem Bli> die große An- zichungskraft dieses bürgerlichen Trauerspiels auf das Theater- publikum; in seinen eigenen zahlreihen Dramen kehren die- selben Charaktere in mannigfachen Abstufungen wieder, doch in karrikirten Darstellungen des inneren Lebens; ‘er ver- liert sich zu sehr ins Einzelne und wird dadur<h platt,

gewöhnlih und unwahr; alle Stü>e sehen si< zum Verwechseln ähnlih, großer Edelmuth und große Niederträchtigkeit, sonnenhelle Unschuld und \{warze Verbrechen stehen immer neben einander. Die edlen Charaktere sind gcwöhnlih aus dem Kriegérstand genommen, wodur< Iffland, wie es \ceint, zu erkennen geben wollte, daß er ihn einer sittlichen Korruption weniger zugänglih hielt; so in dem Schauspiel „Der Spreler“ (Iffl, Werke, 1798—1802, Leipzig.). Doch au diese Charaktere tragen zu wenig Lebenswahrheit in fi, als daß sie ungemischte Freude auffommen ließen; z. B. bringt der vier und \sehzig- jährige no< im aktiven Dienst befindlihe Lieutenant Stern, der, troy seiner „guten Attestate* wiederholt in der Beförderung übergangen, endli die Geduld verliert, als er \i< einen „jungen Burschen“ von 22 Iahren vorgezogen sieht, {<werli< einen ernst- haften Eindru> hervor, wie ihn der Dichter beabsichtigte.

Mitten in die militäris<he Umgebung des Großen Kurfür- ften führt uns Heinrih von Kleist's Schauspiel „Prinz Friedri<h von Homburg“ („Hinterlassene Werke“, Berlin 1821). Bis tritt uns in den Siege”. 29n Fehrbellin ein wa>eres Ge- <le<t von Männern entgegen, alle, vom Kurfürsten bis zum Wachtmeister herab, voll begeisterter Hingabe an das Vaterland und voll Achtung vor dem für Alle ohne Ausnahme verbindlihen Gesez. Nur der Held des Stückes is no< ein unfertiger Charakter; mehr aus Zerstreutheit greifi er wider den Befehl mit seiner Reiterei in die Schlacht ein, führt zwar den Sieg herbei, verwirkt aber zugleih na<h dem Kriegs- geseÿ sein Leben. Doch indem er ih willig, freilich nach s{<we- rem Kampf, vor dem verleßten Geseß beugt und, da der Kur- fürst die Entscheidung in seine Hand gelegt, den Tod wählt, stellt der Dichter die sfittlihe Integrität des Helden wieder her und berehtigt ihn dadur<h, die ihm von der Hand des Kur- fürsten dargebotene Gnade in Ehren anzunehmen.

Nach längerem Zwischenraum, der durch die Ausläufer der Romantik ausgefüllt wird, erscheint wieder in Gustav Fre ytags Lustspiel „die Journalisten“ (1854) die interessant gezeichnete Figur eines Offiziers, ein allgemein geachteter Oberst, der bei der Abgeordnetenwahl, die den Hintergrund des Stückes bildet, von der konservativen Partei als Kandidat aufgestellt ist, aber unter- liegt und sih dadurch tief gekränkt fühlt. Unter Anführung des ehrlichen Piepenbrink tritt darauf eine Deputation aus dem Lager des Siegers auf, um dem im ehrenvollen Kampf ges{<lagenen Feinde ihre Huldigung darzubringen; der Sprecher sagt nach den einleitenden Worten: „Sie sind ein Ehrenmann dur< und durh und es maht uns Freude, Ihnen das zu sagen. Bei jeder Gelegenheit, wo uns Bürgern ein guter und wohl- wollender Mann Freude machte oder nüßlih war, da find Sie vorangewesen, immer {li<t und treuherzig, ohne \{<nurrbärtiges Wesen und Hohmuth; daher kommt es denn, daß wir Sie all- gau lieben und verehren. . . . . Und wir wünschen Alle, daß

ie noh lange Ihre männliche Gefinnung und Ihr freundschaft- lihes Herz uns erhalten mögen, aïs ein verehrter und äußerst respeltabler- Herr und Mitbürger.“

Auch der verstorbene Fri Reuter hat in seinem Buch „Ut mine Festungstid“ zwei würdigen Offizieren ein bleibendes Denkmal gesezt, den Kommandanten der Festungen Glogau und Graudenz. Der erstere besuhte ihn bald nah seiner Ankunft in Glogau, sorgte für cine seinem Geist angemessene Behand- lung und erleichterte ihm überhaupt sein Loos auf jede mög- lihe Weise. Bei Schilderung seiner Abreise von Glogau sagt der Dichter tiefbewegt: „De Mann wüßt Bescheid ; hei wüßt, wat en Gefangen gaud ded. I> he- dankt mi bi em, un worüm füll i> dat nich ingestahn de hellen Thranen lepen mi äwer de Batten, as wenn ik von minen besten Fründ up immer Abschid nem. Un hei was en Fründ, un ik heww em meindag nih wedder seihn.“ Aehnlich verhielt sih Reuter gegenüber der General v. T., Kom- mandant von Graudenz, und ähnli spricht der Dichter fih über ihn aus; bezeihnend fügt er in der Erinnerung an ihn hinzu: „Un no< hüt un desen Dag freut sik min Hart, wenn't so’'n ollen witten Snurrbort tau s\eihn kriggt, dur< den de Wind von Anno drütteihn mal weiht is mag't nu General oder Kapperal wesen.“

Das Allemannishe Haus.

Der durch seine kulturgeshihtlihen Arbeiten bekannte Prof. E. L. Rochholz hat über das „allemannische Haus“ eine Reihe von Untersuhungen veröffentlicht, deren Resultate wir im Nachstehenden wiedergeben.

Der erste Aufsaÿ lehrt den innigen Zusammenhang von „Haus und Kleid“ und läßt aus der Sprache ersehen, daß der nationale, eigenartige Mensch fih sein Haus und sein Kleid auf den Leib gemacht hat. „Heim, s{weiz. Ham, die Wohn- stätte, stammt aus altdeuts<hem hamo, der Mantel, und führt auf Hemde. Das Haus führt auf Häs, Gchäs (Kleidung) und auf Hose; gleihwie die Casa>e und Husegge aus romani\< casa (Sennhaus) stammen, jene die Mannsjate, diese das Weiberleibchen bezeihend. Ebenso stehen Kammer und Kamerad zu camisia, chemise und Kamisol. Nicht anders verhält fich Wand zu Gewand, Dach zu De>e, Hütte zu Hut und Haut.“

Die älteste Benennung fü: Haus i} in den indogerm. Sprachen gart, vedis<h garta, es bedeutet Wagen und Haus, weil der Nomade auf dem Fuhrwerk wohnt. Jünger if {on der ahd. Namen garto, nordis< gards, auf Garten und Gut führend und ein zum Son umzäuntes Stü>k Land bezeich- nend, gleihwie angels. feald beides is, sowohl Falte, ein Strei- fen Gewand, als au< Feld, ein Streifen Landes. Nach frem- der Art sih zu kleiden wie zu bauen wac ehedem etwas Nie- derträchtiges, anfängli<h mit gerihtliher Buße, \päter mit Schimpf und Hohn bestraft.

Wie \o mancher Wandspruch an fteinernen Bauernhäusern sih trozig gegen die Sichelreden der Nachbarschaft wendet, be- weist der folgende:

„Wer thut bauen an die Straßen Muß die Leute reden Und die Kühe tragen lassen. Ich Affe steh und gaff ; Und derweil ih muß flehn, Könnt' ih weiter gehn.“

Nach der zweiten Studie: „Wagen, Schiff und Ge- \{<irr“ umfaßt der Ausdru „Schiff und Geschirr“ nit blos das ausgerüstete Fahrzeug und Fuhrwerk, sondern die gesammte Fahrhabe eines bäuerlichen Gemeinwesens überhaupt. „Die Lebensweise des reitenden und fteuern- den Waidmannes, des Jägers, Fischers und Hirten, \{himmert no< wie ein Lichtstrahl dur die Rißen dieses fix und dunkel- gewordenen Ausdru>s,

Was die Fuhrwerke betrifft, so wird unterschieden: der Rüst- wagen (gard), der leihte Wagen (ahd. wakan), die Bennen, d. h. der aus Ruthen geflohtene und auf das Wagengestell ge- seßte Korbwagen, der Zeiselwagen der Landfahrer und der Stromer. Es wird nachgewiesen, wie in der Diebs- und Gau- nersprache daher Benne Einkehr und Untershlauf heiße, ben- nen fih einquartieren, was an den in Berlin wie Paris üb- lihen Gaunerausdru>: Penne für Diebsherberge erinnert.

Die Reite is die rheda der Römer, der Wagen zur Fortführung des Kriegsgepä>ks, der ähnlih wie der „Wagen“ und Wuotans Wagen zum „großen Bären“ mit seinem Namen unter die Gestirne versegzt wurde, da er gleihfalls ein Göttersiß war, wenn der wandernde Germane seine Göôtter- bilder mit in die Fremde nahm. Daher wird in Kirhenhymnen dem Morgenstern „der Reitwagen“ beigelegt. Der Verfasser macht au darauf aufmerksam, wie man im oberdeutshen Jdiom niht blos zu Roß reitet , sondern au< zu Schiff, zu Schlitten und Wagen, wie selbst des neugewählten Pfarrers Einzug sein „Aufritt“ sei.“

Um Gotthard, Grimsel und Monterosa legen nah der Ver- muthung des Verfassers die hölzernen Hütten das leßte Zeugniß dafür ab, daß hier die Allemannen mit ihrer nomadischen Lebensweise gewohnt haven. „Die Haustreppe is sicht: bar, die Nahfolgerin jener bloßen Leiter, auf welcher der Allemanne in den bede>ten Wagen stieg. Wo damals zwischen den Wagenrädern das Vieh gelagert war, dient jeßt das hohe Erdgeshoß zum Nothstall für das Vieh; und wie meist unter der beweglichen Leiter, \o lagert jegt der Haushund unter der festen Treppe.

Da die Grabstätten der Urvölker zugleich ein A b- bild ihrer Wohnfstätten darstellen, so vermuthet der Ylter- thumsforscher, welcher die verschiedenen Hausurnen harakte- rifirt, daß in der Steinperiode wohl au die Wohnung &F-c- e>ig gewesen sei, wie das Grab. Hierauf folge die Bronzezeit mit den Kegelgräbern, vertreten- dur< Kelten und Germanen. Daß diese Völker in Rundhäusern wohnten, ergebe si<h aus der Rundgestalt ihrer Gräber, und besonders der darin gefun- denen „Urnen“, Durch die alten und neuen Sprachen geht dieselbe Sinnbildlichkeit, Bei den Hebräern ist der Menschen- körper ein Topf, den sein Töpfer wieder zerbriht; beim Römer ist der Leib das Wohnhaus der Seele, wie ihn Cicero nennt.

Die dritte Abhandlung: „Die Holzbauten und das Heidenhaus“ su<ht na<zuweisen, daß in der deutshen Vor- geit der Holzbau derartig vorherrshend gewesen sei, daß der . Steinbau in der Reihe der urkundlichen Ortsnamen nur die Besonderheit ausmache, jener aber allgemein namengebend sei, wie z. B. in Ne>arzimmern, Kirhzimmern u. \. w. Frauenzimmer bezeichnet das einzelne Wohngemach und zugleih dessen Bewohnerin; in ähnlicher Weise gehören Zimmermann und ‘Schmidt zu den geläufigsten Ge- \{<le<tsnamen, weil sie die zwei einzigen Handwerke aus- drüden, die es in Deutshland ursprünglih gab, jenes für den Hausbau, dieses für Waffen und Atergeräthe. Die Ausdrüke Mannsbild, Weibsbild führen auf gezimmerte aus einem Baumstamm geshnißzte Menschen. Selbst die Kirchen großer Städte find ursprünglih hölzern.

“Rochholz macht dann au darauf aufmerkam, daß ni<ht Noth

und Kunstlosigkeit dem Gebirgsbewohner den Holzbau empfiehlt, sondern daß mehr als alles andere der andauernde Hai n- fultus und die Baumverehrung ein bindendes Motiv war. Er beleuchtet darauf die Worte Staminbaum, Abstammung, Volksstamm, Fortpflanzung, Zweig, welche zugleih den Baum und das Menschengeschleht betreffen und weist nah, wie aus den Zügen zu den Hain- und Waldtempeln die Wallfahrten zu Kirchlinden, zu Weihenlinden, Gnadenwvalde , Heiligenbuh und Maria Waldrast wurden.

„Erle und Esche find die Namen der beiden erstgeschaffenen Menschen, denen wie der Pflanze das Wasser und die Lebens- kraft, so das Blut und die Seele von der Gottheit gegeben wird,

Der Verfasser erzählt dann von den uralten \oge- nannten „Heidenhäusern“, deren Giebel einen getro>neten Stierkopf oder Roßschädel trägt, der ers dann hinweggenommen wird, wenn die Familie ausgestorben. /

Die vierte Studie führt die Ueberschrift: „Die Aufrichte.“ Sie beschäftigt sih mit einer Fülle früherer Sitten und Gebräuche. Gelegentlih des „Schnürens und Abschnürens“ auf dem Bau- plage wird z. B. der früher allgemein üblichen Sitte gedacht, der gemäß man ih die Bindebriefe , an- die Kleider hing

‘und um den Hals warf. Auf solhen Glückwunschzetteln

stand z. B.: „Ih binde Dich .niht mit Seil und Bast, Sondern mit diesem Brieflein fast (fest).

Auuc unser Ausdru> Angebinde gehört sicherlih dieser fast vershollenen Sitte an. Originell is der in diesem Abschnitt mitgetheilte Aberglauben, beim ersten Uebernachten im Neubau alle Balken der Diele abzuzählen; darauf wird dem Betreffenden im Traume die Zukunft des Hauses enthüllt, denn die Bäume find das älteste Orakel gewesen.

Soll der Neubau haltbar sein, so mußte er nah heid- nisher Anschauung, deni ihre Götter waren begehrlih, sein Opfer haben. „Wer am frishgesezten Grundstein eines Neu- baues zuerst vorüberkommt, muß binnen Jahresfrist sterben, wie man im „Freienamt“ glaubt, daher das Sprihwort:

„Es neus Hus, 's muß bald eis druß.“

Es läßt daher die Hausfrau ihre Stubenkaye oder ihr Huhn aus der Schürze über die Schwelle vorausspringen (Oberaargau). Dies hängt Alles mit der religiösen Ver- pflihtung zusammen, wona alle Erstlinge, sofern sie als das Heilbringende gedaht wurden, dankbar dem bescherenden Gotte geweiht, geopfert wurden.“ :

Auf den Strohbau übergehend, wird die Bedeutung des Strohhalms in anziehenderer Weise erklärt und dur zahlreihe Beispiele erläutert, wie Strohhalm und Aehre als Rechts\ymbol seit uralter Zeit bei den verschiedensten Völkern Gültigkeit hatten, und dabei an die Stipulatio (Stoppel) des Eheabs{<lu}ses bei den Römern erinnert.

Die fünfte Abtheilung betitelt fh: „Da<h und Fach. Die Scheune.“ Rochholz geht von der Bauernhütte aus, um in ihren wenigen Einrichtungen \{<hon jene ersten Spuren von Bräuchen und Rechtssazungen herauszufinden, unter deren Fortdauer au< das Bauernhaus Form und Stil, Wohnlichkeit und Anmuth gewonnen hat. „Wie der Nomade den höchsten Werth auf den Viehstand legt, mit seinen Thieren sein Obdach theilt, so ist au< hier Haus, Scheune und Stall no< unter demselben Dache; erft der A>erbau sondert es für Wohnung, Viehzucht und eingeheimste Frucht in drei Theile.“

In der \se< sten Abhandlung werden „Küche, Keller und Wohn ftube“ besprochen. Erftere find ein unzertrennliches Paar. Hänschen im Keller ist der no< ungeborene Sohn, Gretel in der Kühe die no< ungeborene Tochter. Die Theile des Hauses

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