1900 / 20 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

a aller - Kräfte zum Gedeihen- des besonders aber durch ihre er politischer e au auf verrichten follen,

Mission in der Zusammenfafsun Staats. Die nationalen Käwpfe, hon an si, lange Dauer fo beklagen8werth, baben die Geister Leidenschastlihkeit gedrängt, die Enerzie des Volk zahlreichen Gebieten positive \ unterbunden, den sozialen Ver

egenétreihe Arbeit bätte kehr geshädigt und selbst Jateressen in nd gedrängt, die allen Volfkestämmen gemeinsam sind. ß dieser shweren Schäden bat in allen ernsten Kreisen gebroen, daß es unerläßlich is, den nationalen Kampf zu beendigen oder doh wesentlich zu mildern und unsere ôffentlihen Eiarihtungen v währen. Die Erfahrungen der le nationalen Fragen nur das sich zu be einstimmenden Willen der Betheiligten heroorgeht. Allseitige und eine durch die Existenzbedingungen Opferwilligkeit können einen redliche nalen Streitpunkte ermöglichen. Die j werde zur Aufhellung und Entwirrung der Verhältnisse vie wenn die ftrittigen Fragen sofort auf das Gebiet praktischer

Die Regierung wird daher {hon in de eiligten Parteien einladen, Vertrauensmänner zu einer ch Wien zu entsenden, denen sie unter ei Theilnabme an der Berathung eine Reibe von konkreten Vor zur Beilegung dec bestehenden Gegensäße unit der ersten Aufgaben des dann einzuberufenden j innerbalb seines Wirkungskreises auf Gr dieser Verhandlungen über die hie Beschluß zu fassen. foll eine rege Initiative auf allen andere gehen. Der nachdrüdlihsten Fürsorge be aftlichen Verhältnisse. Troß aller in so en ift die Entwidckelung unserer pro und leidet {wer unter den Augenblick, wo die industrielle W und zur, Vereinigung aller Kräfte und gebunden dur den natio in den Dienft der Wohlfahrt ist ein Gedanke, muß. Es gilt für tm \chaffen, der, von den Parteien m Uebergang zu befferen Tagen vorbereiten kann. ehrlihe Politik de rascheren Pulse der ebung und G das sind die Zielpunkte der neuen Regierung, f trauensvoll die Unterftüßung aller Klassen der Bevölkerung.

Wie dem „W. T. B.“ aus Wien berichtet wird, haben welhe gestern versammelt den Dr. Funke zum Minister-Präsidenten Dr. von um über mehrere aktuelle Fragen Auf- klärung zu verlangen. Die Berathungen der Obmänner werden fortgeseßt werden.

ch einer Meldung aus

den Hintergru! Die Erkenntni der Ueberzeugung

or weiteren Erschütterungen zu be- ten Jahre haben gezeigt, daß in aupten vermag, was aus dem üder-

Staates gebotene n Vergleich über die natio- Regierung is der AnsiŸt, .es l beitragen, Vorschläge geleitet werden. Tagen die b

Konferenz na gener aktiver

erbreiten wird. Reichôrath3 wird es und des Grgebnisses r in Betracht kommenden Fragen litisGen Aktion des Ministeriums n Gebieten Hand in Haad dürfen besonders die wirth- hem Maße gegebenen Voraus- duktiven Thätigkeit arg gehemmt Folzen des nationalen Zwistes. eltkonjunktur zu gesteigerter Arbeit drängt, sind diese bei uns gelähmt frei zu machen und

Mit der po

nalen Kampf. Sie und des foztalen Fortschritts zu stellen erz jedes Vaterlandsfreundes erwärmen sern Staat, cinen Zeitraum der Erholung zu it kluger Mäßigung ausgenüßt, den Eine aufrichtige und artetishe, vom

der das H

r Verständigung, eine feste unp

eit belebte Verwaltung und die Förderung «ller auf rweiterung der Produktion gerihteten Bestrebungen, und bierfür erbofft sie ver-

die deutshen Obmänner,

Koerber entsandt,

rag wird das Exekutiv- comité des Kubs der deutsch-böhmischen Abgeord- dtage am 2. d. M. zur Berathung über

neten zum Lan : hickung der Ausgleichskonferenz zusammen-

die Frage der Bes

Großbritannien und Frland.

nz von Teck, geboren am 27. August B.“ meldet, in der vergangenen Nacht öchstderselbe war ktober 1897 ver- Cambridge vermählt gewesen, Hoheit die Herzogin

Der Herz 1837, ist, wie in White Lodge bei Richmond gestorben. mit Jhrer Königlichen Hoheit, storbenen Prinzessin Mary von vier Kinder, Jhre Königliche d die Fürsten Adolf, Franz und Alexander von

der am 27. welcher Che

Teck entsprossen sind.

Rußland.

g von Sachsen-Coburg und Gotha empfing, wie dem „W. T. B.“ aus St. wird, am Sonnabend den Minister des Murawjew in längerer Audienz.

Der Herzo Petersburg gemeldet Aeußern Grafen

Spanien.

Villaverde brachte, dem ,„W. T. B.“ Deputirtenkammer eine Vorlage ierung zur Konvertierung der 4 proz. en Hypothekenscheine, Emission von Obligationen der Philip-

# 7 3 Fh Z Î a: Lz ¿F I 3 J F de | z E 1TE08 | L A E F j R a! S i 2E, 7 }

Der Finanz-Minister zufolge, vorgestern in der ein, durch welche die Re amortisierbaren kubanif 1886 und 1890, sowie der Hypotheken- pinen ermächtigt wird. Dieselben sollen in eine unkündbare 4 proz. innere Schuld umgewandelt werden.

Rumänien.

Der neu ernannte deutshe Gesandte von Kiderlen- ._ B.“ meldet, gestern zur Ueber-

Wächter wurde, wie „W. T l vom- König

seines Beglaubigungsschreibens : feierliher Audienz und später auch von der Königin em- Genehmigung eines Gesuches des Minister-Präsidenten und Ministers des Jnnern Kantakuzene, von der leßteren hat der König gestern im Kabinet genehmigt : -Präsident ohne Portefeuille, der General Maro übernimmt das

der bisherige Kultus - Minister onesco dasjenige der Finanzen. An Stelle des leßteren der Minister der öffentlihen Arbeiten Jstrati, welcher durch den Deputirten Jean Gradischtiano erseßt wird. Die übrigen Minister behalten ihre Portefeuilles.

Amerika.

Die großbritannishe Regierung hat, einer Mel- W. T. B.“ aus Washington zufolge, zu der t Nahrungsmittel als Kriegskontre- bande gelten, folgende Erklärung ab

„Unjere Ansicht gebt dahin, daß Nahrung3mittel, die nah einem feindlichen Lande verfrachtet find, nur dann als Kriegskontrebande an- seben werden können, wenn sie für die Streitkräfte des Feindes be- immt sind. Die bloße Vermuthung, daß dies ihre Bestimmung sein Es muß vielmehr erwiesen werden, daß gal zur Zeit, wo ihre Beschlagnahme erfolgte, thatsählih der

all war.“

enthoben zu werden, folgende Veränderungen kuzene verbleibt Minister bisherige Finanz-Minister, Ministerium des Innern,

dung des „W. | Frage, inwiewei

könnte, ist niht genügend.

Regierung der Vereinigten Staaten hat gegen diese Erklärung bisher keinen Protest erhoben.

Wie dem „Reuter’shen Bureau“ aus Kairo gemeldet wird, hat das 1. Bataillon der Cameron-Hochländer den Befehl erhalten, nah dem Kap abzugehen, und wird in Egypten durh ein Miliz-Régiment erseßt werden.

Aus Lourenço Marques berihtet dasselbe Bureau, daß der Hilfssekretär des Departements des Innern der Vereinigten Staaten Webster Davis dort eingetro derselbe habe den General-Gouverneur besucht und

freundlih empfangen worden. Der General-Gouverneur habe ihn gebeten, dem Präsidenten McKinley den Ausdru seiner freundlichen Gesinnung zu übermitteln. Die Regierung der Südafrikanischen Republik habe Davis mitgetheilt, ste werde den Salonwagen des Präsidenten Krüger senden, um ihn nah Pretoria zu bringen.

ah einer Meldung aus Pretoria vom 18. d. M. sind daselbst zwei britische Baiupileate und 135 andere Gefangene angekommen, welche die Besaßung von Kuruman bildeten. Einer der Offiziere richtete an die Behörde ein Schreiben, in welchem er für die Behandlung auf der Reise, welche 14 Tage dauerte, seinen Dank aussprach. :

Das „Reuter'she Bureau“ meldet aus Mochudi vom 12. Januar über Beira: Eine Patrouille der Buren habe versuht, an Gaberones Station P und dieselbe in Brand zu seyen, was jedoch durch Panzer- züge verhindert worden sei. Der Fèind sei entkommen. Aus Gaberones meldet dasselbe Bureau vom 14. Januar: Der Oberst Plumer habe die Stellungen der Buren an den Krokodilsfällen erkundet. Die Engländer hätten die Eisenbahn- brüce südlich von Gaberones wiederhergestellt.

Eine Depesche des Feldmarschalls Lord Roberts an das britishe Kriegsamt vom 20. d. M. besagt, der General French habe seine Linien in östlicher Richtung noch weiter ausgedehnt und bedrohe die Verbindungslinie des Feindes. Sonst habe sih die Lage nicht geändert.

Ein in Pretoria eingetroffenes Telegramm aus Coles- berg vom 17. Januar besagt, der Kommandant Delarey habe die Mittheilung erhalten, daß sich auf einer 6 Meilen entfernten Farm eine britishe Patrouille befinde. Er habe hierauf drei Patrouillen ausgesandt, um dieselbe abzu- schneiden. Es habe sich herausgestellt, daß die britische Patrouille hundert Mann stark sei und drei Kanonen mit sich führe. Die A:tillerie der Buren sei zu spät angekommen, um die britischen Geshüße ins Gefecht zu ziehen. Eine der Buren- Patrouillen habe eine Anzahl australischer Reiter abgeschnitten, von denen fünf getödtet, drei verwundet und elf L RUR Gt ge- nommen arden Telen. Die Buren hätten keine Verluste gehabt.

Aus Ladysmith vom 20. d. M. meldet das „Reuter'sche Bureau“, der a habe neue, wie man annehme, ach!zöllige Geschüße aufgefahren ; das Bombardement sei in den leßten Tagen heftiger, der angerihtete Schaden aber nur gering ge- wesen. Drei Mann seien verwundet worden.

Dem „Reuter'’shen Bureau“ wird aus Spearmans Camp von gestern Abend gemeldet: Die Generale Clery und Hart rückcen am 20. d. M. nach anhaltendem Gefecht 1000 Yards vor und bezogen ein Bivouac. Während der Nacht unterhielten die Buren ein unregelmäßiges Gewehrfeuer; die britishen Vorposten erwiderten niht. Bei Tagesanbruh eröffaete der Feind ein heftiges Feuer; die britishen Geschüße, in deren Nähe die Truppen während der Nacht gelagert hatten, erwiderten dasselbe, und der Kampf war alsbald wieder in vollem Gange. Die britische M warf massenhaft Shrapnels in die feindlihen Vershanzungen. Das erste Kopje wurde mit gefälltem Bajonett genommen; der Feind ging auf das nächste Kopze zurück. Das Artilleriefeuer der Buren ließ dann etwas nah, augenscheinlich infolge Mangels an Munition, aber das Rollen des Gewehrfeuers ertönte den ganzen Tag über. Die Engländer nahmen drei Positionen des Feindes.

Der General Sir Redvers Buller hat an den Staats- sekretär des Kriegsamts von Spearmans Camp am 20. d. M., Abends 9/ Uhr, telegraphiert: Der General Clery ist mit einem Theile der Truppen des Generals Warren heute von 6 Uhr früh bis 7 Uhr Abends im Kampf gewesen. Durch wohlbecechnete Verwendung seiner Yritillerie gelang es ihm, auf eine Entfernung von etwa drei Meilen hin einen Bergrücken nah dem andern zu nehmen. Jeßt bivouacieren seine Truppen auf dem eroberten Terrain. Die wichtigste Position liegt indessen noch vor ihnen. Unsere Verluste sind niht schwer. Bis 61/2 Uhr Abends waren etwa hundert Verwundete eingebracht worden. Die Zahl der Todten steht noh nicht fest.

Das „Reuter she Bureau“ berichtet, bie Schanzwerke des eindes wurden am 20. d. M. den ganzen Tag mit Granaten be- ossen. Die Brigade des Generals Lyttleton ging vor und besegte einen 2000 Yards vor der Position der Buren gelegenen Hügel bei Brafkfontein, während eine Kompagnie Schüßen, welhe mit dec Luftschiffer - Abtheilung vorge- gangen war, ein heftiges Feuer aus den Verschanzungen des Feindes auszuhalten hatte. Das Geschüß- und erveefeuts der Truppen des Generals Warren hielt ständig an, Der Feind war jedoch bis zu diesem Augenblick, wo das T.le- gramm abgeht, nicht aus seiner Stellung gedrängt. Das Granatfeuer war so heftig, daß das den Erdboden bedeckende Gras Feuer fing. Die Truppen Lord Dundonald’s überraschten am Donnerstag 350 Mann des Feindes. Die Engländer, welche auf einem Hügel standen, ließen den Feind ruhig herankommen. Als sie dann das Feuer eröffneten, machte der Feind keinen Versuch, dasselbe zu erwidern. Der größere Theil ergriff die Flucht.

Eine Depesche des Generals Sir Redvers Buller aus Spearmans Camp vom gestrigen Tage, 10 Uhr Morgens besagt : Jn einem Kampfe, der vorgestern am Venters Spruit, einem von Acton Homes südlih “in den Tugela fließenden Wasserlauf, stattfand, wurden elf Offiziere, von denen einer starb, und 279 Soldaten verwundet.

Der „Times“ wird aus Spearmans Camp vom 21. Januar gemeldet: Die Stellung der Buren befindet si vier Meilen nordwestlich von Trichards Drift. Die Ver- theidigungswerke des Feindes bestehen aus mit Steinen hergestellten Verschanzungen, die sich rechts längs eines Gevbirgsvorsprunges nah vorn ausdehnen, sodaß die Stellung halbkreisförmig is. Jn der legten Nacht hat der rechte Flügel des Feindes seine Stellung geräumt.

Das Kriegsamt hat von dem General Sir Redvers Buller aus Spearmans Camp vom gestrigen Tage folgende Depesche erhalten: Um den General Warren zu unterstüßen und die Burentruppen in den Verschanzungen vor Potgieters Drift festzuhalten, mate der General yttleton mit seinen Druppen eine gewaltsame Rekognoscierung und zwang die Buren, den ganzen Tag in ihren Verschanzungen zu bleiben. Die Verluste auf Seiten der Engländer betragen zwei Todte, zwölf Verwundete und zwei Vermißte.

Cine weitere Depesche des Generals Sir Redvers Buller aus Spearmans Camp vom gestrigen Tage, 9 Uhr Abends, besagt : Der General Warren ist den ganzen Tag über in ein Gefecht verwickelt gewesen, insbesondere auf seinem linken

ügel, den er 2 Meilen nah vorwärts geworfen hatte. Das elände ist sehr schwierig, und da das Gefecht sih die ganze

Beit über bergan entwickelt, so ist es {chwer, genau zu sagen wie viel wir an Boden gewinnen werden, do glaube ich, dak wir thatsächlihe Fortschrilte machen werden. :

Parlamentarische Nachrichten.

Der Bericht über die vorgestrige Sißung des Reichsta befindet sich in der E: sten Beilage. Ÿstages

Jn der heutigen (132.) Sißung des Reichstages welcher der Staatssekretär des Jnnern, Staats - Minister Dr. Graf von Posadowsky beiwohnte, stand auf der Tagesordnung die erste Berathung des Geseßentwurfs, betreffend die Abänderung der Unfallversiche- run age fehe für das Gewerbe, für Land- und Forst- wirthschaft, für Bauarbeiter und Seeleute, in Verbindung mit dem Gesetzentwurf, betreffend die Unfallfürsorge für Gefangene.

Jn der Debatte nahm LSE der Abg. Trimborn (Zentr.) das Wort. - Bei Schluß des Blattes sprach der Abg. Freiherr von Richthofen-Damsdorf (d. kons.).

—- Jn der heutigen (7.) Sigung des Hauses der Ab- eordneten, welcher der Minister des Jnnern Freiherr von heinbaben beiwohnte, erbat und erhielt zunächst der

Präsident die Ermächtigung, Seiner Majestät dem Kaiser und König die Glückwünshe des Hauses zum Geburtstage auszusprechen. :

Alsdann wurden die allgemeine Rechnung über den Staats- haushalt für 1896/97, die Rechnung über die Fonds des ehe- maligen Staats\chaßes für 1896/97, die Rehnung der Ver- waltungsausgaben der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse für 1896/97, die Uebersicht der Staatseinnahmen und -Ausgaben des Jahres 1898/99 und die Uebersicht der Verwaltungsaus- gra der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse für 1898/99

er Rehnungskommission überwiesen, worauf das Haus zur Berathung des folgenden Antrags der Abgg. Dr. Barth (fr. Bag.) und Dr. Wiemer (fr. Vp.) überging:

„Die Königliche Staa1sregierung zu ersuen, eine Abände- rung des Geseßzes vom 27. Juni 1860, betreffend die Feststc7ung der ahlbezirke für das Haus der Abgeordneten, und des Geseßzes vom 17. Mai 1867 entsprehend den in den leßten 40 Jahren eingetretenen Verschiebungen der Bevölkerung in die Wege zu leiten.“

__ Den Antrag begründete der Abg. Dr. Barth. Bis zum Schluß des Blattes D sih an der Debatte noch die Abgg. Lewald r und Dr. Wiemer, sowie der Minister des Junern Freiherr von Rheinbaben.

Statistik und Volkswirthschaft.

Das Unterrichts- und Bildung3wesen im Deutschen Reich am Ende des 19. Jahrhunderts.

(Stat. Korr) Das 19. Jahrhundert hat den Landen des Deutschen Reichs cine ungeahnte Entwickelung des Unterrits- und Bildungswesens gebraht. Nicht nur, daß das aus der Vergangenkheit Ueberkommene und das war namentlih auf dem Gebiet der Uni- versitäten und der Gelehrtenshulen, selbst auf dem der Volkéschulen nicht wenig iu dem heutigen reihen Leben umgebildet ward, es ist au fo viel Neues geshaffen und in den Organismus des Staats und der Gesellschaft eingefügt worden, daß man für Deutschland wenigstens das abgelaufene Jahrhundert ebenso gut das Jahrhundert der Schule unxd des Unterrichts nennen könnte, wie es wohl das Set 2e Dampfes, der Elektrizität und der Technik genannt worden t.

Will man freilich ftatistishe Thatsa@cen zur Schilderung des gegenvärbaen Unterrichts- und Bildungswesens im Deutschen Yieiche

eibringen, so sieht man sih dem tit Umstande gegenüber, daß

es weder eine gemeinsame Unterrihts tatistik für das gesammte Reich giebt, noch auch in den. Eivzelstaaten überall zu gleihen Zeitpunkten und für alle Zweige dss Schulwesens statistis@e Erhebungen veranstaltet werden. Es 1st daher ungemein \&wierig, ein lüdenlojes Zahlenbild von dem Unterrichts- und Bildungswesen für das ganze Reich zu geben, und das, was geboten wird, kann mangels vollständiger Angaben und wegen der an manchen Stellen unvermeidlichen Schäßungen nit einmal als zweifellos sicher angesehen werden. Immerhin werden die thatsählihen Verbältnisse in nachstehenden Zahlen hinreihend genau wiedergegeben. Die Angaben beziehen sich im allgemeinen auf das Fahr 1898. -

An öffentlihen Volksschulen giebt es im Deutschen Reiche rund 59 300; in ihnen werden 8 660 000 Kinder von 137 500 Lehrern und Lehrerinnen unterrihtet. Unter den Kindern befinden sih etwas mehr Mädchen als Knaben, wil Knaben des \{ulpflihtigen Alters, obwohl diese in der Bevölkerung etwas zahlreicher And, in größerer Zahl auf höheren und mittleren Lehranftalten unterrichtet werden als Mädchen auf entsprehenden Anstalten. Der Religion nah vertheilen f{ch Schulkinder und Lehrer ähnlich wie die gesammte Reich3bevölkerung, da die Sqhulpfliht allgemzin besteht und die Volksschulen ganz überwiegend konfessionellen Gharakter haben; von der Géammitbeoölkerung des Reichs (rund 54 283 000 im Jahre 1898) find 62 8 % evangelish , 35,8 9/6 katholis, 0,3 9/o sonst christlih und 1,1 9/0 jüdisch. Die Muttersprache der Schul- kinder ift ganz überwiegend die deutshe; nur in eizigen öftlihen Pro- vinzen Preußens ist sie theilweise die polniihe, im nördlichen Theile Scle3wigs die dänische und in einem Theile des Reich3landes die französishe; mit geringfügigen Bruchtheilen findet sh in Preußen und Sachsen noch das Wendishe und das Czechische, an Preußens Westgrenze das Wallonishe, in Ostpreußen auch das vitthauische vertreten. In Preuß:n sprehen von den Schülern aller niederen Sulen in ihrer Familie 87%/% nur deutsch, 10% nur polnisch, 0,21 9% nur litthauisch, 0,17 ®/% nur wendisch, 0,41 % nur dänisch und 0,31% nur eine andere niht deutsh2 Sprache. Die Volksschulen im Reiche verursachen einen Jahresaufwand von etwa 341700009 ÆA, von welhem aus Srt:aatsmitteln rund 98 390 000 A aufgebraht werden und der größere Theil des Restes den Gemeinden zur Last fällt. Auf j- 915 Einwohner trifft man eine offentlihe Volkeshule an; auf je 100 Einwohner kommen rund 16 Volks\chüler, auf je 1000 Einwohner 2,5 Volksshul-Lehrkräste. Fede Lehrkraft hat durchshnittilich 63 Schüler zu versorgen, und jeder Bolks\hüler verursacht rund 394 Æ# Kosten. In den einzelnen Staaten des Reiches stellen sich diese Verbhältnißzahlen etwas ver- schieden hiervon. Es ift aber nicht zweckmäßig, alle die Verschieden- heiten hervorzuheben, da sich unmöglich an dieser Stelle die Eiklärung für sie geben läßt.

Die Lehrerbildungs-Anstalten sind ganz Üüderwiegend Staatsanstalt:zn: nur die Lehrerinnen werden theilweise in Seminar- flafsen vershiedener höherer Mädchenschulen vorgebildet. Zahlenmäßige Angaben über diese können nur bezüglich der staatlichen Lehrer bildungsanftalten (Seminare) beigebraht werden. Im ganzen Reiche bestehen 188 Lehrer- und 31 Lebrerinnea-Seminare mit 2000 Lehr- fräften und 18 900 männlichen, 2100 weiblihen Zöglingen. Für die Lehrerbildung werden jährlih etwa 11 bis 12 Millionen Mark aufgewendet. Im Durchschnitte des Reichs kostet jeder Seminar- zögling in den ftaatlih-n Anstalten jäbrlich etwa 540 «A Je ein Seminarzdaling kommt auf etwa 2580 Einwohner, und auf etwa j? 19 bis 20 Lehrer wird jährlih ein neuer ausgebildet. Die Vor- bildung zu den Lehrerseminaren erfolgt der Regel nah in

wegen unterstüßt werden,

- das katholische

¿. B. in Preußen, staatliche Anstalten sind, oder in éparandenkursen bei geeigneten Lehrern, die vielfa von Staats» fowte auch auf anderen Schulen oder wie

in Sachsen in den Lehrerbildung3-Anftalten selb. Ja Preußen giebt eg i. D: 36 ftaatlihe Präparandenanstalten mit 2500 Schülern und werden rund 862 000 4 für das Präparandenwesen aufgewendet; in Bayern sind 50 Präparandenanstalten vorhanden, welhe 2200 Sgüler

ble höheren Lehranstalten für allgemeine Dildung (Gym- nasien, Progymnasien, Ee en, Prorealgymnasiea, Ober-Real- shulen, Realschulen, auch Mittelschulen u. |. w. benannt) zählt das Deutsche Reich 1108 mit 16 830 Lehrern und 288 000 Schülern. Die Anstalten habea meistens nit konfessionellen Charakter. Das religiöse Bekenntniß der Lehrer und Schüler entspricht niht genau dem Verhältnisse der bekenntnißmäßizen Zusammensetzung der Ge- samutbevölkerung; das evangeli}|che Bekenatniß ist im Ganzen stärker,

\hwächer vertreten, als es nach dem Verhältnisse der Bevölkerung sein sollte, und die jüdische Religon hat an der Shülerzabl dec höheren Lehranstalten einen viel größeren Antbeil, als ihr na der Zahl der jüdisYen Einwohner zukommen würde. Dec stärkere Antheil der Evangelischen und der Jaden an der Zaßl der Sqhüler höherer Lehranstalten erklärt fi dadur, daß die evangelische und die jüdishe Bevölkerung im Gunien wohlhabender ist und etnen ftärkeren Ant eil an der fstäotishen Einwohnerschaft, also au in den fast durhweg in Städten liegenden höheren Schulen die bequemere Unterrichtsgelegenheit besigt als. die mtuder wohlhabende und überwiegend auf dem Lande wohnende fatholishe Bevölkerung. Die höheren Lehranstalten verursachen einen jährlichen Kostenaufwand von ungefähr 70 Millionen Mark, der zum kleineren Theile aus Staatömitteln, zum größeren aus den eigenen Einnahmen der Anstalten aus Stiftunggeinkünften) und aus Gemecindemitteln gedeck: wird. ie höheren Lehranftalten erheben durchweg Schulgeld von ihren Schîlern, von denen etwa 80/9 Freishule haben mögen. Das Sulgeld is in Norddeutsch- land böber als in Süddeutschland. Die Anstalten siad nur in kleiner Anzahl mit Internaten verbunden. Preußen bat 578 höhere Lehr- anstalten mit 169 200 Schülern (einschl. Vorshülern) und 9210 Lehrern (ein\{l. Vorschullehrern), und die Untechaltungskosten der Anstalten Oas 43400000 A Das übrige Reich ählt 530 derartige Anstalten mit 118 800 Schülern und 7629 Lehrern und wendet für sie jährli etwa 26 600 (000 „46 auf. Auf 1 Arstalt fommen durhschnittlich 260 Schüler, in Preußen 292, im übrigen Reiche 224. Auf 1 Lehrkraft find durhschnittlih 17,1 Swhüler, in

J griparandznanftalies, gewöhnli mit dreijäbrigem Lehrgange, die in M Et a

rende 18,3, im übrigen Reiche 15,6 zu rehnen. Die Unterhaltungs- 16

sten béicagen auf 1 Anstalt

in Preußen . . ._. rund #4 75 100 im übrigen Reihe , 50109 224 | 3 480 im ganzen Reiche , 63 100 242 4 150.

Das böbere Mädhenschulwesen im Deutschen Reih kann leider nur unvollständig und zwar bloß durch eintge Angabzn über die dfentlihen böheren Mädchenschulen gefkennzeihaet werden. Ueber die privaten Anstalten dieser Art giebt es keine näheren Nx1YŸrichten ; es muß aber hervorgehoben werden, daß diese Privatanstalten niht obne erbeblihe Bedeutung für die Frauenbildung sind und theilweise Ausgezeichnetes leisten. Oeffentliche höhere ädchenshulen giebt es im Deutschen Reihe 306 mit 75 100 Schülerinnen, welche voa 9100 Lehrern und 1925 Lehrerinnen unterrihtet werden. Die Unter- haltungskosten dieser Anstalten sind auf 11 bis 12 Millionen Mark anjunehmen. Gs is zur Zeit eine ziemli breite Bewegung im Gange, dem vorhandenen Bedürfniß nah höherer Bildung des weiblichen Geschlehts in weiteftem Umfang durch gymnasiale Kurfe und gymnasiale * Einrichtungen entgegenzukommen. Die wenigen bereits bestehenden Mädchengymnasien haben bisher {on gute Erfolge zu verzeihnen. In München hai im Herbst 1893 zum erften Mal eine Dame die ordentliche Prüfung für das böbere Lehr- amt in der klassischen Philologie bestanden. Zu gleicher Zeit waren in Berlin hon rund 490 Frauen bei der Universität als Hörerinnen zugelassen. f

Die Hochschulen, d. h. die Universitäten und die fahlihen Hohschulen, erfreuen sich einer sehr wirksamen Pflege im Deuts©en Reiche; sie ‘genießen auch im Ausland einen hohen Ruf. Noch im vonges &Fahrhundert und zu Anfang des 19. Jahr- hunderts gingen jabllose junge Deutse in das Ausland, um ih dort eine höhere akademische Bildung zu erwerben Jeßt ift es umgekehrt, und etwa 1009/9 und mehr von den Besuchern deutscher Howhschulen sind nett Ausländer. Die 22 Universitäcen im Deutschen R*iche e

auf 1 Sghüler auf 1 Lehrer 257 4710

inschließlih zweier nicht vollständiger), denen man auch die katholisden

riester- Seminare und die bayerishen Lyceen zurehnen könnte, zählen rund 2500 Professoren und Dozenten und werden von 32 000 Stu- dierenden besuckt; sie verursahen einen jährlihen Kostenaufwand von rund 22500000 4A Die 9 T-chnischen Hochschulen (eine 10. ist noch in Begründung begriffen, eine 11. geplant) haben einen Studenten- bezw. Dörerbestand von 11000 und find mit 850 Professoren und Dojenten besetzt; sie verursachen ungefähr 6 000 000 A Kosten. Die übrigen 15 fahlihe: Hochschulen zählen 3500 Studirende und 350 Lehrkräfte und kosten ungefähr 4000 £00 M Darnach empfangen im Deutschen Reih (ohne die Akademien für Armee und Marine) etwa 46 000 bis 47 000 junge Männer Hoch- schulunterriht, denen, wie hon gesagt, eine kleine Anzahl von jungen Mädchen hinzutritt, die neuerdiags zum Besuche der Universi'äts- vorlesungen bier und da zugelassen werten, Die Gesammtkosten der Hobschulen übersteigen jährli 32 000 009 4 Die neueste ‘Art von fahlihen Hochschulen sind die im Werden begriffenen Handel 8h o ch- \hulen, welche in allerjüngster Zeit in Leipzig, Aachen und Freiburg im Anschlusse an die dortigen Hohschulen ins Leben gerufen find und ebenso wie die auch anderwärts, z. B. in Frankfurt a. M., ein- gerihtzten akademishen Kurse für Kaufleute die akademishe Durch- bildung von Kaufleuten für leitende Stellungen im Handel und in der Industrie bezwecken. Es besteht in neuester Zeit etne Bewegung, die eine Angliederung der handel8wissenschaftlihen Lehrfäher auch bei den übrigen Hochschulen oder mchreren von ihnen erstrebt. Der besonderen wissenshaftlihen Institute, Kunst-Akademien u. dgl., die nit eigentlihe Lehranftalten sind, aber auf die Pflege der

ildang einen unberehenbaren Einfl1ß ausüben, foll nur nebenher gedaht werden.

Veber das niedere und mittlere Fachschulwesen lassen fih wegen seiner Vielgestaltigkeit ausazumensalseade \tatiftishe Thatsachen kaum beibringen. Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Anstalten in zahlreihen Fällen eine shematische Ordnung garnicht vertragen, da sie ganz den örtlihen Bedürfnissen angepaßt werden müssen. In den niederen Graden verfolgen fie überall das Ziel, die Kenntnisse, welhe die Volksschule vermittelt hat, zu befestigen und im Hinblick auf die gewerblihe Berufsthätigkeit zu erweitern. Dies e, nothwendig von Ort zu Ot und von Beruf zu Beruf in vershiedener Weise geshehen. Ganz allgemein verbreitet find die gewerblihen Fortbildungsshulen, für welhe beispielsweise Bayern rund 625 000 e aus Staats-, Bezirks- und Kreismitteln, Württem- berg 210 000 A aufwendet. Ebenso verbreitet find die land- wirths{haftlihen Fortbildungs\{Gulen (Wintershulen , Abendschulen u, dergl.). Die mittleren Fahshulen sind in den einzelnen Ge- bieten größtentheils gleihmäßiger geordnet und vermitteln neben der

achbildung in der Regel - au eine gehobene allgemeine Bildung.

och fehlt es an einer alle Zweige umfassenden Statistik. Man darf sagen, daß heute fast kein bedeutenderes Gewerbe ohne eigen- artige gewerblihe Fachshulen besteht. In zahlreihen Fällen find diese von den Gewerbetreibenden bezw. deren Vereinigungen ¿Mnngen 2A.) und von T A en Vereinen errichtet und unterhalten. Die Ge- meinden pflegen an der Begründung und Unterhaltung folcer

achshulen zu betheiligen, indem fie meistens die Unterrichtsräume und Zuschüsse in Baarmitteln hergeben ; au die höheren Kommunal- cxvbnde pflegen - unterstüßend einzutreten, was mehrfach der Staat ebenfalls als seine Pflicht erachtet.

Sließlih sei noch einer dem Ende des 19, Jahrhunderts

eigentbümlihen esGehwug auf dem Gebiet des Bildungswesen3 gedaht, nämlich der Volks-Hochschulkurse, welhe in ver- schiedenen Städten Eingang unden haben und dazu beftimmt sind, die Ergebnisse der Wissenschaft den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. Jas Leben gerufen sind sie dur Hochschullehrer uad sonstige Gelehrte sowie gemeinnügig denkende Männer, zum theil unter staatliher oder gemeindliher bezw. stiftisher Unterstügung. Solche Volks-Hochshulkurse bestehen in größerem Stil in Hamburg, Berlin, Dresden, München u. a. O. Ja Hamburg wurden im Winterhalbjahre 1898/99 85 Vorlesungen dieser Art von 64 Dozenten gehalten; die Zahl der Besucher der Vorlesungen betrug 7882, wovon 4178 Männer und 3704 Frauen waren. Diese Volks-Hochschulkurse im Verein mit den zahlreihzn öffentlihen Vorträgen vieler Gelehrten sind eine Quelle reiher und vielseitiger Volksbildung bei uns, und gerade in Deutschlaad wird der Say lebensyoll bethätizt: „Mittheilen joll mit Fleiß, wer etwas Rechtes wziß!“

Zur Arbeiterbewegung.

Der -Ausftand der Kohlenarbeiter in Böhmen hat, der „Dt. * Warte“ zufolge, auch auf preußisches Gebiet übergegriffen. Ja Beuthen feiert auf der dortigen Hohenzollerngrube die ganze Belegschaft von 700 Maun. Die Föcderung tot völlig.

Ferner berichtet die „Volks-Ztg." aus Weißenfels, daß 5000 Bergleute des \sähsisch-thüringishen Braunkohlenreviers in eine Lohnbewegung eingetreten sind. Sie verlangen eine Lohnerhöhung um 10 9/6, Verkürzung der Arbeitszeit auf täglich neun Stunden und Einschräakun1x der Frauenarbeit.

Aus Teplitz meldet „W. T! B.“ unterm 21. d. M., der Gewerketag habe beschlossen, die Forderungen der Bergarbeiter niSt anzunehmen und dieselben als entlassen zu betrahtea, wenn sie nit binnea drei Tagen die Arbeit wieder aufnähmen. Der weît- böhmishe Bergbau-Aktienverein zu Mies gestand dea Berg- arbeitern eine 9 9% ige Lohnerhöhung unter der Bedingung zu, baß fie sih nicht am Ausstande betheiligen. Die Arbeiter zweier Schähte lehnten das Angebot mit der Er- klärung ab, fie würden heute nit einfahren ; dielénigeu zweier anderer Sätze nahmen das Angebot stillschweigend zur Kenntniß. In mehreren zu Chotieshau und Nürschau abzehaltenen Versamm- lungen beshlossen 2000 Bergarbeiter, heute die Arbeit einzustellen, (Vergl. die Nru. 4, 13, 15, 16 d. Bl.)

Kunst und Wissenschaft.

4+ Die Ausstellung des Künstler - West - Klubs in Schulte's Kunstsalon (Unter den Linden 1) enthält eine Reihe beahten9werthzr Arbeiten von mehr oder minder bekannten Berliner Maîte:n. Philipp Frank hat sih dem heroishen Stil der Land- haft zugewandt und erzielt mit seinen kraftvoll gefäröten Kompositionen eine bedeutende Wirkung. Auch A. Norman, der trefflihe, in Berlin ansässize Marinemaler, überrasckcht ‘durch einen neuen, Segantiniiss Manier angenäherten Pointillöftil, während Ludwig eitmann die treue Naturnachahmung neuerdings einer freieren phantastishen Auffassung geopfert hat. Max Uth ist seinem bekannten kräftigen Vortrag treu geblieben, ebenso greift Hermann Hendrich in seiner „shlafenden Grda*“ auf seine oft erprobte Fähigkeit, die nocdische Natur im Sinne des Edda-Mythus zu personifizieren, zurück. Langhammer, von dem erst unlängst im Salon von Keller und Reiner eine Reibe individuell gesehener Land- schaften ausgestelt war, ist auch hier mit ähnlihen Bildern vertreten, denen man eine lihtere und weniger s{chwerfälligz Farben- gebung wünschen möchte. Hans Völcker. der nah München über- gesiedelt is, aber dennoch sein:n Berliner Klubze»ossen sh anschließt, hat in dem leider ungünstig beleuhteten Vorr2um des Oberlichtsaals eine Anzahl zarter Pleinairstudien ausgestellt. Bedeutender noŸ als diese Veduten ersheinen zwei größere Marinen seiner Hand, von denen namentli die Morzgenstimmung mit dem untergebenden Mond ernste Größe athmet. : Ó

In dem elektris erleuHtetea Vordersaal findet man zahlreihe effeftvolle Landschaften von Gugen Bracht; ein Wintertag im Oberspreegebiet fesselt besonders durch originele und über- jeugende Farben stimmung. Auch eine Auslese von zart ab- getönten Hohl andbildern des Schotten Austen Brown verdient Beachtung. Mit einigen kleinen Arbeiten if der bisher noch wentg bekannte Münchner K. Herrmann Müller vertreten, defsen gesunde und männliche Auffassung bei der heute herrshenden Neigung, die Natur dur willkürlih gefärbte Brillengläser zu sehen, besonders wohlthuend auffällt.

Bauwesen.

Einen Fdeen-Wettbewerb zu einem Bebauungsplan für Manz, und zwar für einen in der Umgebung des ehemals Kurfürstlihen Schlosses anzulegenden neuen Stadttheil, \{re.bt die Stadt Mainz mit Frist bis zum 15. Mai 1900 aus, wobei drei Preise von 3000, 2000 und 1000 A ausgeseßt find und der Ankauf weiterer Pläne zu je 1000 #4 vorbehalten wird. Zu den Pes gehôren als Sachverständige die Herren Dr. Durm-

arlsruhe, Professor Henrici-Aachen, Professor Hofmann-Darmstadt, Profesor Raschdorf - Berlin, Professor Gabriel S-idl - Müachen, egierungsrath Sitte- Wien, ferner Dr. Sneider, Baurath Kuhn und Baumeister Usfinger in Mainz. Die Unterlagen sind gegen Ein- sendung von 5 & vom Sektetariat der Bürgermeisterei zv. beziehen.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten uud Absperrungs- Maßregeln.

Das Erlöschen der Maul- und Klauenseuche ift dem Kaiserlihen Gesundheitsamt gemeldet worden vom Shlacht-Viehhofe zu Dresden am 20. Januar.

Spanien.

Dur Grlaß vom 15. d. M. ist wegen Auftretens der Beulen- pest in Rio de Janeiro gegen Schiffe, die von dort nah dem 9. Dezember v. J. abgefahren sind, in Spanien strenge Quaran- täne verhängt worden. Zugleich gelten die in gerader Linie weniger als 165 km voa jener Stadt entfernten Häfen als verdächtig.

Schweiz.

Der Schweizerishe Bundesrath hat unter dem 30. De- zember v. F. eine Verordnung über „die Maßnahmen ¿um Schutze gegen die Cholera und die Pest, soweit sie die Verkehrsanstalten, den Personen-, den Gepädck- und Waarenverkehr betreffen,“ erlassen. Danach sollen Reisende, welche aus verseuhten Bezirken kommen, am Ankunsfttorte einer ärzt- lihen Ueberwahung unterstellt werden, und zwar bei Cholera: Age bei Pest: zehn Tage, vom Datum der Abreise an gerechnet.

Der mit dieser Ueberwahung betraute Arzt soll sich während der genannten Zeit täglih wenigstens einmal in diskreter Weise von dem Befiaden der zu Ueberwachenden- überzeugen und, sobald er verdächtige Zeichen bei einem derselben konstatiert, die zuständige Gesundheits- polizcibehörde benachrihtigen, worauf leßtere ohne Verzug die noth- wendigen Maßregeln ergreifen wird. |

Bei Anlaß der iten ärztlihen Besichtigung ift zugleih eine fanitäre Revision und eventuell eine Desinfektion des Gepädcks der betreffenden Personen vorzunehmen, sofern eine folche nicht bereits auf einer Krankenübergabe- oder einer Revisionsftation stattgefunden hat.

Die der U-berwachung uxterstellten Personen sollen, so lange sie und ihre Angehörigen gesund und unverdähtig sind, in ihrer freten Bewegung nicht gehindert werden. Wenn dieselben aber vor Ablauf der Ueberwachungsdauer weiterreisen, so ist die Gesundheitspolizei- behörde des näbsten Aufenthaltsorts zu benachrichtigen.

Die Besißer von Gasthöfen, Pensionen, Logier- häusern und Herbergen, sowie alle diejenigen Personen, welche Fremde bei sih aufaehmen, sino verhalten, die bei ihnen logierenden Personen, welhe vor weniger als fünf Tagen an einem oleraverseuhten oder vor weniger als zehn Lagen an einem pestver-

seuWten Ort gewesen sind, unvtrzliglih der Gese ets oder einer von der leßteren bezeihneten Meldestelle zu Händen des mit der Ueberwachung betrauten Arztes anzuzeizen. Sie haben zu diesem Zw-cke jeden aufgenommenen Fremden nach seinem Aufent- halt3ort während der leßten fünf bezw. zehn Tage zu befragen.

Familien, bei denen Angehörige oder Besuche aus verseuchten Orten angekommen sind, haben die Gesundheitspolizeibehörde eben- falls ohne Zögern hiervon in Kenntniß zu fegen.

Personen, welche vor weniger als fünf Tagen einen ‘cholera-

verseuchten oder voc weniger als zehn Tagen einen pestverseuhten Ort veclassen haben, siad verpflichtet, sofoct nah ihrer Ankunft an einem Aufenthaltsorte dem Lozisgeber hiervon Mittheilung zu machen und, wenn sie vor Ablauf der fünf- bezw. zehntägigen Ueberwachungs- Dauer weiterreisen, dem überwachenden Arzt das nächste Reiseziel an- zugeben. Auf den Bahnhöfen und Stationen, sowie in den Gasthaus- zimmern sollen Plakate angebraht werden, welhe neben der be- treffenden Vorschcift mit der Strafandrohung au die VersiHerung enthalten, daß dem aus einem tnfizierten Orte kommenden gefunden Reisenden aus seinen wahrheitsgetieuen Angaben keinerlei Beshränkung der freien Bewegung erwachse.

Von der Einfuhr- aus einem verseuhten Bezirk sind ausges{lossen folgende Waaren und Gegenstände:

1) Gebrauhte Leib B E tiacen Kleidungsstücke (pers

ebrauhte Leibwäshe und getragene Kleidungsstücke (persön- lie Effekten); benußztes Bettzeug.

Wenn diese Gegénstände indefsen als Reisegepäck oder infolge eines Wohnungswechsels - als Uebersiedelungsefffekten (Umzugsgut) be- fördert werden, so unterliegen fie der Revision bezw. Desinfektion.

2) Hadern und Lampen.

Hiervon sind aber ausgenommen:

a. Lumpen, welche, durh hydraulishe Kraft komprimiert, in mit Eifenbändern umshnücten Ballen als Waare für den Großhandel zur Beförderung gelangen, wenn die betreff:nden Ballen Ursprungsmarken und -Nummern tragen, die von der Bundesbehörde anerkannt worden sind ;

_b. neue Abfälle, welche direkt aus Spinnereien, Webereien, Kon- fektionswerkstätten oder Bleichereien fommen, ebenso Kunstwolle (Shoddy) und neue Papierschnitzel.

2) Bei Peft.

1) Gleih Ziff. 1 bei Cholera;

2) Hadern und Lumpen ohne irgend einz Ausnahme ;

3) benußte Säde, alte Teppiche und gebrauchte Stickereien;

4) rohe Häute und Felle, mit Ausnahme der vollständig ge- trockneten ;

5) frische thierishe Abfälle, Blasen und Gedärme, Klauen, Hufe, rohe Hörner, Thierhaare, Borsten und rohe Wolle;

6) Menschenhaare. Ö

Der Bundesrath behält sich vor, die vorstehend: Liste abzuändern, wenn die Umstände es erfordern.

Das eidgenössishe Departement des Innern kann ausnahmsweise die Einfuhr verbotener Waaren und Gegenstände gestatten, unter An- ordnung der nothwendigen Desinfektionsmaßnahmen.

Auch die Durchfuhr der vorstehend genannten, aus einem ver- seuhten Bezirk stammenden Waarea und Gzgenstände durch die Schweiz ist vervoten, mit Ausnahme der Fälle, wo diese Objekte der- art verpackdt und einzehült sind, daß sie unterwegs nicht angefaßt oder berührt werden können, und wenn außerdem dec Nachweis vorliegt, daß die frazlihen Sendungen voa dem betrefznden Nachbarstaat niht zurücktgewiesen werden.

Das Gin- und Durchfuhrverbot bezieht sih niht auf Sendungen, welche nahweislih fünf Tage vor Beginn dec Cholera-Epidemie oder dem Auftreten des ersten Pestfalls den infiziecten Bezirk verlafsen oder welhe, aus einem nicht verseuhten Gebiet stammend, den ver- seuchten Bezirk so transitiert haben, daß unterwegs eine Berührung mit Cholera- oder Pestkranken, mit Entleerungen und Absonderungen folher oder mit infizierten Gegenständen niht hat stattfinden können (Transport in plombierten Wagen, in zugelötheten Blechkasten, in gut vershlofsenen, foliden Kiften 2c.).

__ Wenn überseeishe Länder oder Theile solcher als verseucht er- klärt sind, so tst der Zollbehörde füc sämmtliche überseeishen Sen- dungen, welchz Gegenstände der bezeihneten Art enthalten, die Pro- venienz durch ein auf Grund dec Swhiffspapiere von der zuständigen europäischen Hafenbehörde ausgestelltes Ursprung8zeuzniß nahzuweifen.

Alle überseeishen Sendungen der genannten Art, für welche dieses -Ursprungszeugniß niht beigebraht wird, unterliegen den für infektionsverdähtige Waaren vorgeschriebenen Maßnahmen, mit Aus- nahme der jenigen Fälle, wo aus den Begleitpapieren, aus der Natur der Verpackung oder aus besonderen Zeichen mit Sicherheit geschlossen Deren fann, daß es sih um Sendungen aus seuchefreien Bezirken

andelt.

Giner sanitären Revision sind zu unterwerfen:

a. das Reisezepäck, welh2s die aus einem verseuhten Orte kfommendea Reisenden mit sh führen (Handgepäck und Passagiergut) ;

_b. die als Eil- odec Frachtgut oder als Fahrpost#ück spedierten persönlihen Effekten oder Uebersiedelungsgegenstände (Umzugsgut), welhe aus einem für verseuht erklärten Bezick stammen.

Die vorgefundenen Gegenstände (schmußige Wäsche, getragene Kleidungsstück-, benußztes Bettzeug u. dul.), welhe nah Ansicht des mit der Revision betrauten Arztes oder Sanitätsbeamten infektions- verdächtig sind, müssen desinfiziert werden.

Ueber die ftattgefundene Reoision und Desinfektion is eine Be- scheinigung auszust-llen, w:lch2 dem Eigenthümer des Reisegepäcks übergeben oder den Begleitpapieren der betreffenden Sendung bei- geheftet wird.

Die vorstebend unter Litt. b aufgeführten Sendungen von per- sönlichen oder Uebersiedlungseffekten dürfen nur über die vom Bundes- rath bezeichneten Grenzzollämter eingehen. Wenn indefsen am Bestimmungsort eine Zollabfertigungsstele und die nöthigen Des- infektionseinrihtungen vorhanden sind. so können solche Sendungen von jedem Grenzzollamt aus unter Zollverschluß dahin instradiert werden.

Der Bundesrath wird die Octschaften, welche diesen Anforderungen entsprehen, namhaft machen.

Die sanitäre Revision und die eventuell als nöthig erachtete Desinfektion hat der zollamtlihen Behandlung dieser Sendungen voranzugehen und wird von der Gesundheitspolizeibehörde des Ortes, wo sich die betreffznde Grenz- oder interne Zollabfertigungsftelle be- findet, angeordnet. Die Zollbebörde is verpflichtet, der Gesundheits- polizzibehörde unverzüglich die Ankunft von Sendungen der genannten Act anzuzeigen.

Das Gepäck von holera- oder pestkranken Reisenden i unter allen Umständen zu desinfizieren. Auf der näm- lichen Kranken-Uebergabestation, wo der betreffende Passagier angehalten wird, soll auch sein Gepäck ausgeladen und der zuständigen Gesundheits« polizeibehörde zur Desinfektion übergeben werden.

Wenn in Grfahrung gebracht wird, daß der Kranke irgend wohin Gepäck vorausgesandt hat, so ist die Gesundheitspoltzeibehörde des betreffenden Ortes davon zu benachrichtigen, damit dieselbe au hin- ihtlih dieses Gepäcks die nöthigen Vorkehrungen treffen kann.

Im Fernerea sollen alle von der Ein- und Durchfuhr aus- geshlossenen Waaren und Gegenstände, fails fie entgegen dem Verbot eingeführt worden sind, auf Kosten des Eigenthümers desinfiziert oder, wenn dies niht mögli oder nicht thunlic ist, verbrannt, werden.

Eine Entschädigung wird in diesem Falle nicht geleistet.

Sendungen von anderen Waaren und Gegenständen als den ge- nannten dürfen und follen der Desinfektion nur unterworfen werden, wenn dieselben infektionsverdächtig find.

Niederlande.

Der Königlih niederländische Vinister des Innern hat in An- betraht des Auftretens der Les in Rio Janeiro mittels Ver- ordnung vom 16. d. M. verfügt : j 1) Rio de Janeiro wird als von ‘der Pest verseucht irklärt;

N die Beobachtungsfrist für verdächtige Schiffe wird auf zehn,

Tage festgeseßt.