1900 / 41 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

A Er R gas he a E E D pigu tis Lz Ir M

Bevölkerung und des ftädtischen Charakters zulassen wird, steht dahin ; aber dem Kreis eine gewisse Schonzeit zu gewähren, halte ih mi Herrn Abg. Ring allerdings für geboten. (Bravo!) : Abg. Dr. Lotz (b. k. P.) tritt dafür ein, daß das Hauptgewicht bei der Harbildung der Verwaltungsbeamten auf die praktishe Aus- bildung im Verwaltungsdienst gelegt werde. Gerade diese Thätigkeit bei den lokalen Behörden und den Landrathsämtern wirke segensreih. Die Vorbereitung8zeit von zwet Jahren sei durhaus nicht ausreichend. Bezüglich der Dezentralisation der Verwaltung und besonders der Entlastung der Regierungs- Pcäsidenten stimmt der Redner dem Abg. von Zedlitz bei. Den Landrathtämtern sollten allerdings keine neuen Geschäfte übertragen werden, wie der Minister annehme, fondern sie sollten E die s as E e sie jetzt lediglih Durch- angsstation seien, selbständig entscheiden. G ea Vorster (fr. kons.): Die im Erwerbsleben stehenden Kreise wünschen eine technische Ausbildung der Verwaltuangsbeamten ; die lehne R Ausbildung in den technischen Wissenschaften enügt n : i G O Gtebocki (Pole): Der Minister hat auf die ruhigen Ausführungen meines Fraktionsgenofsen in fehr erregtem Tone ge- antwortet. Für das Gedeihen der polnishen Bevölkerung zu sorgen, ift einfa Pflicht und Shuldigkeit der Regierung gewesen. Der preußische Bauer vor hundert Jahren stand viel shlechtzr da als der volnishe. Der Redner führt einige Beispiele an zum Beweise deffen, daf: die Polen von der Ver valtung mit anderem Maße gemessen würden, als andere Staatsbürger, und fährt dann fort: Die willkürliche Aende- rung von Octsnamen is eine Maßnahme, die die Bevölkerung aufs tiefste verlczt. Die Bevölkerung bleibt nun erst recht polnisch, der Zweck der Aenderung is überhaupt nicht zu erkennen. Für die einzelnen Prefseäußerungen kann man nicht die gesammte Nation verantwo' tlih machen, wie auch der Minister anerkennen muß und dur seine Nede anerkannt hat. Solange wir behandelt werden als ein Volk, welches auf dera Aussterbe-Etat steht, müssen wir uns ab- und zusammen- ließen. Der Minister beklagt ih über den Boypkott bei den Polen, er hat do lange selbft an der Spitze der größten Boykottkommission gestanden. Der Minister hat ein demagogishes Polenthum ausfiadig gemaht; das war mir bisher unbekannt.

Minister des Jnnern Freiherr von Rheinbaben:

Meine Herren! Ich béabsihhtige nicht, die von mir nicht inscenterte Polendebatte fortzuführen und hoffe, damit auÿ dem Wunsche des boben Hauses zu entspreWen. Nur zwei Worte. Erstens habe ich den Ausdruck Bcykott, über den der Herr Vorredner sid fo echauffierte, garniht gebrauht, und zweitens werde ih die speziellen Fälle, die er mitgetheilt hat, eingehend prüfen und die Berichte von den nachgeordneten Behörden einfordern.

Abg. Kreitling (fr. Volksp.) spricht si gegen die von der Regierung geplante Regelung der Polizeiverbältnisse in und um Berlin aus, insbesondere gegen das neue Ober-Präsidium für Berlin, welches sh als „Präfektur“ im s{önsten Sinne des Wortes dai stelle. Der Verkchr der Polizei mit dem Publikum sei in Berlin befser, die Beshwerten seien seltener geworden. Hoffentlich halte diese Besserung «an.

Minister des Jnnern Freiherr von Nheinbaben:

Meine Hzrrea! Ich bin in der Lage, die Antwort, die der Herr Norredner wünscht, zu geben, und zwar positiv dahin, daß, glaube ih, von keiner Seite die Absicht besteht, etwa den Polizei-Präsidenten mit den Funktionen der kommunalen Aufsihtsbehörde von Berlin und den drei in Rede ftehenden Vororten zu betrauen, das würde auch ganz undurchführ- bar sein, denn das Polizei-Präsidium ist jegt hon eine Behörde von einem Umfang geworden, daß der Leiter kaum noch die einzelnen Theile übersehen kann. Ihm nun noch die kommunale Aufsicht über Berlin und die Nahhbarorte zu übertragen, würde {chlechterdings unmöglich fein. Aber der Gedanke ist der wie gesagt, die Sache ist noch nicht völlig ausgereift, sie befindet sich im Stadium der näheren Prüfung —, einen besonderen Ober-Präsidenten für Berlin und die drei in Rede stehenden Vororte zu etablieren, der die kom- munale Aufsicht gleihmäßig für diese vier in Rede stehenden Stadtgemeinden handhabt, und ich gebe mich mit Herrn Abg. Kreitling der Hoffnung hin, daß diese gemeinsame Thätigkeit zum Segen beider Theile ausfallen wird. Die Erfahrung haben wir oft gemacht, daß die gemeinsame Arbeit auch sonstige Gegensäße überbrückt und zum gz?genseitigen Verständniß und zum Zusammenarbeiten führt, und ih hoffe, diese Erfahrung wird auch bier bei der Neuorganisation, wenn sie hoffentlih einmal ins Leben treten wird, gemacht werden. (Rufe: Vertagen!)

Um 43/, Uhr wird die weitere Berathung auf Mittwoch 11 Uhr vertagt.

Höhe der Schneedecke in Zentimetern am Montag, den 12. Februar 1909, um 7 Uhr Morgens.

Mitgetheilt vom Königlich preußishen Meteorologishen J nftitut. (Stationen naŸ Flußg2bieten geordnzt )

Destliche Küstenflüsse.

Memel (Dange) 22, Tilsit (M'm2l) 15, JFasterburg (Pregel) 14, Heilsberg (Prcegel) 5, Königsberg i. Pr. (Pceegel) 9.

Weiwsel.

Czerwouken (Bobr, Narew) 24, Marggrabowa (Bobr, Narew) 20, Klausszn (Pisa) 2, Neideabarg (Wîca) 18, Osterode (Dcew:nz) 6, Altstadt ( Ocewenz) 10, Koniy (Brahe) 11, Bromberg (Brahe) 9, Graudenz 5, Bereat (Ferse) 15, Marienburg (Nogat) 7, Hoppendocf (Mottlau) 16.

Kleine Flüsse zwisch-n Weichsel und Oder. Lauenburg i. P. (Leba) 6, Köslin (Mühlenbah) 11, Shivelbein (Rega) 8. Ob er.

Swillersdorf 8, Leobs{üy (Zinna) 18, Ratibor 8, Beuthen (Klodnitz) 6, Opp In 17, Habelst,wrdt 20, Wölfelsdorf (Glayer Neifse) —, Brand (Glayer Ne fe) 70, Rtinerz (Glaßer Ntifse) 46, Gláy (G ayter Neisse) 23, Görbersdorf (Glagzer Ne }-:) 45, Frieo- land (Glayer Neisse) 32, Weigelodorf (Glayec Neisse) 23, Nosen- berg (Stober) 8, Breslau 20, Liegniß (Kaybach) 11, Fraustadt (Landgraben) 9, Schœwarmiy 8, Grünberg —, Krummhübel (Bober) 16, Wang (Bober) 60, Eichberg (Bober) 18, Schreiberhau (Bover) 22, Warmbrunn (Bober) 11, Bmz- lau (Bober) 15, Görliß (Laußfiger Neiss-) 10, Franffuct 14, Ostrowo (Warth?) 14, Posen (Warth?) 6, Tcemessen (Wirthe) 9, Samter (Wirthe) 6, Papro!sh (Warthe) 6, Neastettin (Wacthe) 10, Deutsch- Kcoae (Wiurtne! 9, Landöberg (Wirthe) 13 Siettiin 11, Pammin (Ihna) 12, Prenzlau (Ueck2zr) 9, Demmin (Peene) 3.

Kleine Flüsse zwishen Oder und Elbe.

Greifswald —, Putbus 5, Güstrow (Wiurnow) 3, Noftock (Warnow) —, Kirhdorf auf Poel 4, Segeberg (T'ave) 3, Lübeck (Taro) —, Gutin (Schwentine) 7, Plôn (Schwentine) 8, Schleswig Súwlei) 6, Flensburg 7, Gramm (Fladsau) 10, Westerland auf Sylt 6, Wyk auf Föhr 10, Husum 10, Melderf 7.

Elbe.

Torgau 8, Dessau (Mulde) 4, Scheibe (Saale) 27, Neuhausa: R. (Saale) 38, Jena (Saale) 7, Stadtilm (Saale) 9, Dingel- ädt (Saale) 9, Erfurt (Saale) 9, Sondershausen (Saale) 6, tordhausen (Saale) 1, Greiz (Saale) 1, Aitenburg (Saale) 6, alle (Saale) 8, Klostermansfeld (Saale) 13. Bernburg (Saale) 8, lauzig (Saale) 11, Brocken (Saale) 42, Quedlinburg (Saale) 8, arzgerode (Saale) 21, Magdeburg 8, Neustrel18 ( Havel) 11, Koitbus Havel) 12, Dahme (Havel) 16, B (Havel) 10, Blankenburg bei Berlin (Havel) 10, Spandau (Havck) 10, Heinersdorf, Kr. Teltow (Havel) 16, Potsdam (Havel) 19, Brandenburg (Havel) 7, Kyriß Havel) 5, Gardelegen (Aland) 12, Waren (Elde) 11, Marnitz (Elde) 9, Sh vecin (Elde) 1, Dömitz (Elde) 6, Uelzen (Ilmenau) 6, Lüneburg (Lan 6, Neumünster (Stör) 7, Bremervörde (Oste) 5, Helgos

and —. Weser.

Meiningen (Werra) 4, Liebenstein (Werra) 7, Swnepfen- thal (Werra) 22, Wigenhausen (Werra) —, Fulda (Fulda) —-, Schwarzenborn (Fulda) 14, Cassel (Fulda) 6, Uslar 3, Dri- burg (Nethe) 4, Herford (Werre) 5, Nienburg 6, Sharfenstein (Aller) 48, Brocken (Aller) 42, Ilsenburg (Aller) —, Wasserleben (Aller) 11, Braunschweig (Aller) 9, Helmstedt St. Andreasberg (Aller) 10, Celle (Aller) 6, Göttingen (Aller) 3, Oderberg b. St. Andreasberg (Aller) 28, H:rzberg (Aller) —, Clausthal (Aller) 32, Seesen (Aller) 12, Hannover (Aller) 8, Bremen —, Oldenburg (Hunte) 5, Eléfleth 1.

Kleine Flüsse zwishen Weser und Ems. Jever 4, Norderney —. Yiîsel.

Ellewieck —. Ems.

Gütersloh (Dalke) 5, Münster i. W. 10, Lingen 2, Osnabrück (Haase) —, Löningen (Haase) 3, Aurich 5, Emden 4.

Rhein.

Darmstadt 2, Coburg (Main) 1, Frankenheim (Main) 18, Gelnhausen (Main) —, Frankfurt (Main) 2, Wiesbaden 2, Geisen- beim 2, Büúkenfeld (Nahe) 5, Marburg (Lahn) 4, Weilburg (Lahn) 1, Sthneifel - Forsthaus (Mosel) —, Bitburg (Mosel) 4, von der Heydt-Grube (Mosel) 2, Trier (Mosel) 3, Neuwied 0, Hawenburg (Sieg) 6, Sieaen (Sieg) 10, Müllenbah (Sieg) 14, Köln 3, Krefeld 2, Arnsberg (Ruhr) 8, Brilon (Ruhr) 14, Alt-Astenberg (Nuhr) 17, Dortmund 9, Kleve 5, Aachen (Maaß) 8.

Der Höbe von 1 cm Schneedeckte entspracen:

11. Febr. 1900 in Czerwonken 1.1 mm Schmelz- 107 u Marggrabowa 4% wafser. Neidenburg (Weichsel) 9, Altstadt « Bromberg Sgivelbein (Rega) Leobschüß J t e Schwarmitz Iu (Oder)

O'trowo Samter “eb

N ocdüaular « Nor Pot3dam (Elbe) Uelzen Liebenstein Swhnepfenthal Fulda j warzenborn (Weser

Uslar Celle Clausthal Schneifelforfths. v.d H:ydt-Grube (Rbein) Brilon

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Literatur.

F F. Sieben Tage am Hofe Friedrih Wilhelms T. Tagebuch te) Professors J. A. Freylinghausen über seinen Aufent- halt in Wusterhausen vom 4. bis 10, September 1727. Mit Einleitung und Erklärungen, herausg-geben von Dr. Bogdan Krieger, Bibliothekar der Königlichen Hausbibliothek (ad int). Berlin. Veilag von Alxander Durcker, 1900. 117 S, Pr. geh. 3 M, geb. 4 M. Gelegentlich einer wissenshaitliGen Bearbeitung der Biblicthk Friedri Wilhelm's [111. im Charlottenburger Schlosse fand Dr. Krieger ein Manusfript, worin der P: ofessor Freylinghau)en, der Schwieger- fohn und Nachfolger von Aug" Hermann Francke, d-m Stiftec des Halleshen Waisenhauses, in Taxgebuchform seine Unterredungen mit dem König über die ihm anvertrauten Anstalten ausführlih wieder- erzählt. Dieser Fand bildet zu dem bereits b:fannten Tagebuch des jüngeren Francke, der nah Fceylinghaufen bet dem König eintraf, eine willkommene Ergänzung. Wenn sich das Gepräh auch zunähst nur um die Einrihtang und die Auéfivbten der Franckc’\hen Stirtungen drehte, so hat der König von seinem Gast doch auch ein Uctbeil über allgemeine Frazen religiö!er A t verlangt und seine eigene Stellung daz1 in unzwetdeutigen Worten kundgegeben. Der König erweist sih in den Fragen, die er dem Geistlich:a vor- lezt, als ein nahdenkliher, Gew ßheit such?:nder Chriit, und Fceylinghausen bewährt sich in seinen Antworten als ein bibebester, seiner Sache sicherer Theologe; dies giebt den Unterhaliungen zwischen ihnen einen bzdeutsamza Jnhbalt; da aver die Aufzeinungen unmittelbar n2ch dea G sprähen Tag für Tag mit gewissenhafter Beschiänk 1ng auf das deutih Ecinnerliche erfolgt sind, jo ift die Darstellung von einer ungemein anziehenden Frische und Lebendi keit. Die Haupttiäzer des Dialog-s, aber au tie Personen, di: g-legentlih ein Wort dazwishen werfen, wie bei der Lafel die K3nizin und die Generale, nehmen gleidksam eine greifbare Gestait an, und es entsteht vor den Augen des L-sers ein kleines Geschichts- bild. Im Folgenden sfseiea kurz die religiölen Anschauungen des Königs wiedergegeben, foweit sie sich im Gespräh mit Freylia, h usen äußern. Der König sagt zum A schied: „Zch bin in der reformierten R ligion geboren und erzozen, ih werde wohl auch darinnen leben und sterben, aber die Latheraner liebe ich auch und gehe lieber in ihre als in unsere Kirche. Sie werden aub nit fagen tôanen, daß ich ihnen was zu Led? thäle; aber sie müssea sich nit unter einander verfetzern und dispuiieren, sondern eintg leben, und wollte ich viel darum geben, daß sie recht föant-n vereintiget werden, aber das will nun noch nit sein, sie müss-n sich aber vei tragen.“ Der König gehörte, gleich seinen Burfabr n von Johann Sigiêmund ab, dec reformierten K rche an; doß er aber den Katholifen gegenüber die Lutheraver als scine Konfeisionsgenofsen anfah, bat er funf Jahre rah dem in Rede stehenden Gespräch dadurch bewi sn, daß er ohne Furcht vor dem habtburaishen Kuser die voa dem Erj- bischof Firmian veitiiebenen lutherisch-n Salzburger in Preußeza auf- nahm. Insofern der König eine Vereinigung der beiden evanyelish-n Bekenntnisse herbeiwün'chte, fann man ibn als ein'n Vorläuser der von Friedrich Wilh-lm Ill. ge{ch.ff nen Union beze.chnen. Er für seine Peison haite die Vereiniguny bereits vo1zogen, denn in einem Punkt 1heilte er e: ts&i:den Latheu?s Glauben, in der Letre von der Gnade. Den Sah dec Reformierten von der Prâd-ftination und der besonderen Gaadenwahl hielt er für irtesübrend und nahm dasür mit Luhecr eine allzgeméäine Gaadenwazhl aa, In der Auffassing des Abendmahls dageen verblieb er auf dem Standpunkt Calvin's. Fr ylinghausen berichtet über beides: „Rex fing an darauf weitläufiz zu perorieren von der

Swhädlichkeit des particularismi, und wie er entweder die 9, zweifelung oder große Sicherheit nah ih zôze, und kam S pes Lehre vom Abendmahl, darinnen er unserer Meinung nicht y, pfl:hten könnte.“ Freylinghausen erwiderte fie bätten flare Worie für sich und führen dabei am sichersten. Die Möglichkeit lasse sh mit der Vernun\t nicht begreifen. Gleich feinem Tau, dem Großen Karsürsten, fühlte si der König berufen, die Protestanten gegen ibre fatholischen Bedränger zu beshüßen. Als es drei Jahre vorber in Thorn zu einem Sturm auf das Jesuitenklester gekommen war, hatten es die Jesuiten bei der polnischen Regierung durhzeseßt, daß der Stadt. Präsident Kößner nebst neun Bürgern enthauptet, Protestanten die Marienkirhe genommen und in der überwiegend protestantishen Stadt der Magistrat von da ab zur Hälfte au Katholiken zusammengesezt wurde. Damals hatte der König den Protestanten zu ihrem Rechte verhelfen wollen, aber ohne den Bej stand Englands nichts ausrihten können. Auch in Kurland suchte er den U?bergriffen der Katholiken entgegenzutreten. Von beiden \trebungen des Königs ist im Folgenden hie Rede, wo es heißt: Aug ward von Kurländiscen Affären und dem Grafen Moriß ge}prochen und daß es über die Protestanten in Kurland wieder heraehen würde, Worauf Rex sagte: „Wenn der König von Engelland hätte mit an. spannen wollen, sollten sie in Thorn alles wieder bekommen haben; aber,“ spra Er, „er wollte niht.“ Zum SYluß sei darauf aufmerksam gemackt, eine wie hohe Meinung der König von den Pflichten eines Hospredigers hatte. Freylinghausen schreibt: Ich erinnere mich ¿weietlei, fo der König damals redete. Das eine war eine Anrede, die Er, Rcx, an den Könta von Polen halten wollte, wenn er ein Prediger wäre, um ihn zur Buße zu bringen, die sih aber besser mündlich wird erzählen, als \riftlich repitieren lassen. Das andere war, daß Rex von sih selber felber sagte: „Jh kann noch eine Weile leben und ih werde in meinem Christenthum besser, welches Gott gebe, oder s{limmer; wenn ih aber {limmer werden follte, so holte ih alle die Priester, die es sehen und mic nit sagen, für Erzshelme“ (N.B. Rex meinte, die Prediger müßten ihr Amt bei dem König von Polen nicht in It genommen ‘haben). Es könnte noch mancher ansprechende Zug des Köatgs mitzetheilt werden, soweit er in der Unterhaltung mit seinem G2, mit seinen Familiengliedern und feinen Generalen Hervortrat, do es mag genügen, die leitenden Gesichiépunkte in seinen religiösen Vorstellungen betont zu haken. :

Meyer's Reisebücher: Jtalien ‘in sechzig Tagen von Dr. Th. Gsell Fels. Zwei Theile in einem Bande. Mit 22 Karten, 38 Plänen und Grundrissen. Leipzig und Wien, Verlag des Bibliograpbischen Instituts. Pr. geb. 9 4 Dieser vortreffliche Führer liegt hiermit in einer völligen Neubearbeitung vor, welche jzdoch die Art und die Ausdehnung der Shilderung der Kunftshäge owie die Verwerthung der kunstgeshichtlihen Forshung für eine lehr- und genufreiche Betrachtung beibebalten hat. Dem entfprechend behandelt Giell Fels! „Jtalien in sehzig Tagen“ nur so viel, wie bei glei mäßiger Vertbeilung des gegebenen Zeitraums (der längsten Dauer der italtienishen Rundreisebilleis) wirklich gesehen werden kann. Deshalb ist auch bei der Führung das Hauptgewiht auf diejenigen Städte und Geaenden gelegt, welhe von allen Touristen besucht zu werden pflegen, und hier g:langt vor allem wiederum daëtjenige cin- 1äßliher, zur Darstellung, was Italien Eigen:!hümliches und in besonderer Vorzüglithkeit bietet. Ausführlicer als in andecn Reise- büchern sind indessen die Baulichkeiten, Skulpturen und Bilder ge- schildert, die den Höhepunkt der italienischen Kunst repräfentieren, und die darum jeder Îtalienreisende sehen will. Die Verlagsbuchhandlung hat auf die fkartographische Autstattung des neuen Italien-Führers besonders große Sorgfalt verwandt und is auch dem praktischen Bedürfniß des Reisenden dadurch entgegenzgekommen, daß \i: das Buch in zwei Theile zerlegbar hat herstellen lass:n. Zum Beginn der Reisesaison für den Süden wird der altbewährte Führer vielen Touristen willkommen sein.

Land- und Forstwirthschaft.

A. F. Dle „Deutsche Landwirthschafts-Gesellschaft“ hai ibre Winter-Versamm!ungen am Montag, den 12. Februar, eröffnet; allein erst heute, am dritten Tage, beginnen die Versammlungen der Ab- theilungen, denen ih am Freitag, den 16., die Hauptversammlung anschließt, Für die vocher stat'findenden Sißzurngen ber Nusschüsse und Sonderaut\{chü}- is die Ocffentlichkeit ausge'chlossen. Solcher Sizungen von wesentlich geschäftlihem Charakter fanden am Montag zwei ftatt. Es tagten der Sonderautsbuß für die Kultur des Marschboders und der zur Bekämpfung der Thierkrankheiten. Jn einer dritten Sizung machte si% das Direktorium über den am Donnerstag in öffentliher Ge\ammtauss{chuß- Versammlung zu er- stattenden Jahresbericht \{chlüssig. Auch der Dienttag war nickt weniger als 12 Sonderausshüffen zur Eclediaung ihrer Spejzial- angelegenheiten vorbehalten, deren Namen Z?ugniß von der V:elseitigs keit der arbcitsreihen Bestrebungen der Deutschen Landwirthschaftls- gesellihaft ablegen. Es tagten Sonderausshüsse für Pferdezubt, Rinderzucht, Thierabbildungen, Merinozucht, Ziegenzuht, Shweinezuht, Fleish\chafzucht, ferner die Ausschüsse der Dünger-(Kainit-) Abtheilung, der Uckerbauabtheilung, der Thierzuchtab!heilung und die Richteraus{chüse für Bindemäher und für Flachsentkaotungsmashinen. Doch wär dieser Tag auhh nicht ohne anregende öffentlihe Versammlungen im Rahmen der „landwirthschafilihen Woche“; denn es hielten Generalversamm- lungen der „Deuts? milhwirthschaftlihe Verein“, die. Vereinigung der „Steuer- und Wirthshafts:eformer“, der „Verein zur Förd-rung der Moorkultur im Deutsh-n Reiche“ und der „Ausschuß für Wohl- fahrt8pflege auf dem Lande“, denen sich am Abend noch der Klub der Landwirthe mit einem Vortrage des Herrn Regierungsraths Dr. Frei herrn von Tubeu*-Berlin über wihtige Baumkiankheiten und ihre Bekämpfung ansch{lo#,

In der Ber'ammlung des „Deutschen milchwirthschaft- lihen Vereins* bildete die Gefahr der Uebertragung der Tuberkulose durch die Kuhmilh und die Maßiahmen zur Hzrabminderung oder Beseitigung der Gefahr dea Haupt.„ezenstand der Verhandlungen. knüpfte sich daran ein Refzrat von Professor Dr. V.eth-Hameln über periodishe Butter prüfungen und Mittheilungen über neue Grscheinungen auf dem G?bret dis Molkereiwesens.

Sehr zahlreih besucht roar die Generalversammlung des „Ver- eins ¡vr Förderung der Moorkultur im Deutschen Reiche“; sie wurde wegen Erkrankung des E.sten Vo sigzenden, Ritterg :tsbesitzers Pozge, vom Zweiten Vorsitzenden, Freibercn von Wangenh-im geleitet. Es waren u. a. vertreten das Minifterium für Laidwirthscaît durch die Herren Unter - Staatssekretär Sterneberg, Ministerial - Direktor Dr. Thiel, Land - Forst meister Waechter, das Minifterium des Innern du! den Gehzimon Ober - Regierungsrath Dr. Krohne. i Vorlegung und Genchmigung des Kassenberihts, aus dem hervoring, daß der Verein 647 Mitglieder besißt und von ihm 46 Zweizvereine rcssortieren, gelazgten zwei Anträge zur einstimmigen Annahme. Dzr eine bittet den Minister für Landwirthschast 1 um Herbei!ührung einer zuverlä!figen Moorfstatistik und, zur ECcm0z/ lihung einer folch-n, um Festst.llung des Begriffs „Moor“. Der ancere nimmt für das Jahr 1903, das 20, Jiuhr des Best: hens tes V reins, eine zweite Ausstellung füc Moorkultur und Toi industrie, und zwar in Berlin wähcend der „großen land- wirth:chaftliden Woche“ in Au siht. Unter d n Vorträgen erregten die Mittoeilungen des Kurators der Moor, Veriuchzstation Bremen, Geheimen Re,„ierungsraths, Professors Dr. Fle!sher über „Dies und J°?nes von der Moordammiuitur“ u d des Prof. ssors Dr. Tade- Bremen über „neueie Ecfahrungen auf tem Gektiete der Moo fultur das lebhafteste Jnt-ress: der Versam olung. An dieselben |ch!lob fi eine alle Seiten dieser widtigen Kultar behandelnde Diskussion. Ein dritier Vortraz betraf die T-chnik ter Wasserhebung bei künst l'cher Entwässerung der Moore und die von dem vortragende! R-gierun, s und Baurath Danck[weits-Köntgéberg i. Pe. bei dec Gat w'sseruag d.s Memel-Delta1s angewa-dten Methoden, wobei i elektrishe Krastubertragurg auf im Gelänte verthti.te Bentrifugn pumpen als besopdérs emv!ehlenswerth herauegefellt bat. Windräd! find wegen ihrer Unstetigkeit ganz außer Gebrau gekommen, dagege®

«

ift an einer anderen Stelle ein großes Wassershöpfrad, das bei 8 m efser und 1,7 m Breite 11 ebm in der Sekunde hebt, mit guten Erfolge in Anwendung. Aus den vorgedahten Mittheilungen von autoritativer Seite ging hervor, daß die Moorkultur langsame, aber ere Fortschritte mat, daß Ende 1898 41 Q 1adratmeilen deutschen gorlandes theils entwäfsert, theils in der Entwässerung begriffen waren und daß man immer mehr gelernt bat, die Methoden den einzelnen llen anzupafsen, sodaß Feblschläge selten find. Besonters eherrsGt man die Verwendung künstliher Düngemittel in der Mozdammkultur, wie bei der Umwandlung des Torf- moors zu_Wiesen- und Weideland, mit zunehmender Sicherheit, wun es sih au als sehr {wer herauszestelt hat, den hohen Stickitoffgehalt dez Torfmoores in löslihe Formen und die Nachbebaidlung des entwässerten Bodens in ein allen Fällen an- gepaßtes Schema zun biingen. Geheimer Regierungsrath Fleischer spra cs aus, daß die Frage, ob Aussiht vorhanden sei, daß die

deutsche Landwirthschaft auf absehbare Zeit das uns nöthige

Brotkorn felbst erzeugen könnte, getrof bej1ht werden dürfe, wznn auch unter Vorbebalt folcher Preise des Brotforns, daß die Eczeugung h lohne. Die Fortschritte der Wissenschaft und Technik? verbürgen uns Erträge von ungeahnter Höhe und selbs von verkümmerten Böden, die wir in hohen Kulturzuftand zu bringen immer siczerer lernen. Der Vorsitzende, Freiherr von Wangenheim konnte aus seiner eigenen Ecfabrung und aus den Beobachtungen am Leba-Bruch in Pommern nur die außerordentlich: Grtragsfteigerung der in Kultur genommenen Moorböden bestätig-n. Im Leba-Bru® sei der Wiesenectrzg in wenigen Jahren von 6 bis 8 Zentnern auf 39, ja 50 Zentner pro Morgen gestiegen, Diese Ergebnisse seien dort,

‘wie anderwärts, z. B. zwishen Hamburg und Bremen, derartig in

die Augen faliend, daß au die im Fortschreiten zu besseren Kulturen etwas schwerfälligen Kleinbesigerc sich herbeidrängten, um das Verfahren fennen und auf ihre Böden anwenden zu lernen. Auch in der sich anschließenden Diskusion kamen sehr interessante Dinge zur Sprache, ¿. B. die merkwürdig günstige Erfahrung, die mit fehr frühe zeitigem Säen gemacht worden is. Hafer, schon am 25. Fe- bruar auszesät, ertcägt den Frost viel besser als später ausgesäeter und giebt größere Erträge. Achnli® verhält sich Winter- gerste, die auf Moordämmen eine 2 bis 3 Wochen frühere Mähezeit als der Nozggen erreiht hat und welche man dur besonders starke Kainitdüngung in ihrem Stärkegehalt jo anreihen kann, daß sie als te Brauergerfte v-rwendbar wird, was bei Winte-gerste wegen thres hohen Stickstoffgehalts son gewöhnlih niht der Fall ist. Immer wichtiger und bedeutungsveller erscheint die Auëwahl des Saatguts für die Erträge. Es kommt nicht sowobl auf große, als auf schwere Körner dabei an, die feimsiherer, von schnellerem Wachethum und wieder- ftandéfähiger gegen Feinde sind und zuweilen bis 70% hbhößere Er- träge bringen als minder sorgfältig gewäbltes Saatgut. Auch für Rankeln und Kartoffeln zeigt die Véoordammkultar unerwartet hohe Erträge. Jn Klein-Spiegel wurden vom Morgen im vortgen Jahr 12% Zinlnes Chawpion- Kartoffeln von über 19% Stäikemehblgehalt geerniet. In ter Bersammlung des „Aus\chusses für Wohlfahrts- pflege auf dem Lande“, welhe der Ministerial-Dicektor im Ministerium für Landwirthscaft2c., Wirkliche Geheime Ober-Negierungs8- rath Dr. Thiel leitete, waren Seine Hoheit der Herzog Ernsi Günther zu Schleswig-Holstein, Berireter des Neichs-Versicherungsamts, des Buntes8amts für das Heimathwesen, des Kaltjerlihen Gesundheitsamnts, der p-eußisch:n Ministerien, der Zentralbehörden anderer Bundeéstaatcen, der preußischen General-Kommissionen, der Lardwirthschaftsfammern, Delegirte land- wirthschastliher Vereine und Genossenschaften u. A. zugegen. Nach einleitenden Worten bes Vorsitzenden erstattete det Geschästs- führer Heinrich Sohnrey in Berlin den Jahresberiht, welcher von den Zoecken und dem stetioen Fortschreiten des Vereins bei wahseader Theilnahme in „allen Kreisen das Günstigste zu sagen wußte und in den Worten gipfelte, die angestrebte Wohkfahrtérflege solle sich zu echter und reGter Heimaths- pflege entwicken. Im Anschluf bieran trug Negterungtrath von Behr-Frankfurt a. O. zahlreicze Beispiele aus der Pcaxis vor über Linderung dezr Leutenoth auf dem Lande mit Hilfe der tnneren Kolo- nisation, die allen Bemängelungen zum Troß sih als ein wirksames Mittel zur Seßhaftmahung dzr ländlichen Arbeiter, zur Hebung und Mehrung des Bauernstandes und zur Beseitigung der Kluft zwischen Großgrur dvesitzer und Besißlosen auf dem Lande erweist. Die Errich- tungvon ca 8000 Rentengütern bisEnde 1893 wird dur den fozialen Erfolg sh immer mehr als eine Großthat auf dem Gebiet der Volkswohl- fahrt herausftellen und der frische Optimismus, mit dem die Ge!eye vom 27. Jaui 1890 und 7. Juli 1891 \. Z. durchgeseßt wurden, gegen den zweifelnden Pessimism1s Recht behalten. Als zweiter Be- rihterstatter |prah Landesrath Dr. Liebreht-Haxnnover über das Thema: Woher kommen die Mittel zum Bau ländlicher Arbeiterwohnungen? Die Antwort laut: te, daß zu die’em guten Zwek ret wohl die 740 Millionen Mark helfen könnten, welche die Landesversiherungeanstalten für die Alters: und Invaliditätévzsicherung bereits angesamm-lt hätten, und daß hierfür, da jeßt die geseßlihe Möalichkeit bestehe, in ber Provinz Hannover ein vielversprechender Anfang dur Beleihung von Arbeiter- wohnungen in Höhe von aht Millionen Mark gemacht worden fet. In der sih anshließ-ndena Debatte gingen die Ansichten sehr weit aus- einander. Aus Swhleswig- Holstein wurde lebhaft fekundiert und dafür Meinung ¿u mah.n ge]uht, daß die Sparkassen die Vermittelung übernehmen follten. In der Provinz Sachsen will \sih die in Halle neu begründete ländlice Baugenossensh.ft der Aufgabe der Ver- mittelung unterziehen, in Merseburg fiad bereits 63 Arbe terhäuser aus den Mitteln der Landesveisiherungsanstalt beliehen worden. Große Bedenken erregte allerseits die Frage: wie find die beiden Zwecke: bessere Wohnstätten für die ländlichen Arbeiter und Sicherung der ländlihen Arbeitskcäfte zu vercinigen? Da man dem Miether folcher Wohnung kaum die Pfl cht auf- erlegen fann, ein beftimmtes Arbeitsve: hältniß dauernd fortzusctzen, zumal ihm auch die Msö,„lichkeit gewäbit werden fol, B-figer der Wohnstätte zu werden, so könnte der Fall eintreten, daß der den Land- wiitheu besonders am Herzen liegende Zw.ck, stßhafte Arbeiter für fh zu gewinnen, gänzlich vercitelt würde. Mindistens müßte dem zum Besißer gewordenen Arbeiter tie Beschcänkurg eines dem Arbitigeber zu cewäzrenden Voikaufsrehts auferlegt werden. In diesem Stadiuum der Erörterung regte Seine Hoheit der Herzog Ernst Güntder zu Schletwig - Holstein die Vor- frage an, ob denn eizentlich eine ländlihe Wohnungk- noth bestehe, er meine, es best-he nur eine Leut-noth, aber niht des- halb, weil es an Wohnungen mangele. Ja, die ländlichen Wohnungen seien hävfiz besser und größer als die engen G-lafse, mit denen der großstädtiihe Arbeiter viel'ah v-rlieb nehmen müsse und die er zugleich theurer bezahlen müsse als die läadlichen. Er fenne die ländliden Arbeitsverbältnisse in den beiden Provinzen Shlefi-en und Sgledwig - Holstein. Da seien die Ansprüche sehr verschieden, denn in Schleswig - Holsfein sei die Lebens- haltung der Aibeiter eine ungleich b sere. Af diese roßen provtnzi:llen Verschiedenheiten müsse bei Beurth.ilung der rage gehörige RNücksicht ger ommen werten Im übrigen "ei es frag- lih, ob durh Gewährung hüb!\ch:.r Woh stätten die Arbeiter auf dem Lande zurückzuhalten sein winden, die älteren vielleiwt, aber die jüngeren würden immer zur Stadt gehen, deren Vcrgnügunzen sie an- zôgen. Die ganze Frage fei äißerst {wierig, aber er freue sich ftets, sie unentmuthi,t immer von neuem behandelt und threr Lösung näyer ge- führt zu seh:n. Eia schlesischer Rittergutebesitß r aus Kolzig, Kreis Grünberg, bekannte sih als eifriger Förderer der Ängelezenh it, er babe selbs 19 Kolonialstellen erribtet, obne erheblihe per)önliche Opfer bringen zu wüssen, und der E:fola sei, daß er feine Arbeiter- noth kenne. Die etwa veimißten Verzrügungen der Stadt erseye er dadurch, er in sechs von ihm gegründeten Vereinen Wiater- verg:-ügungeu veranftalte und Ynregungen v rshiedener Art geb:. Er [ege nicht einmal großen Wth darauf, daß alle Janhaber einer Kolonialstellen ausschließlih bi ihm arbeiteten; daß sie bei ibm {haft seien, genüge ihm. Diese An‘chauunz erfreute ch indefsen der Zustimmung der Versammlung niht. Es

wurde immer wieder zu äußerster Vorsiht bei Behandlung der ganzen Frage ermahnt. Einige fürzere Vort1äge beschlossen die bis nah 0 Ühr Abents dauernde Versammlung u. a. der Bericht über den „Eutiner Hausfleiß“, eine von der Frau Oekonomierath Ptersen- Eutin ins Leben gerufene menshenfreundlihe Einrichtung. Mit der Versammlung war eine Ausftellung dieses „Eutiner Haut fleißes“ ver- bunden, der man noch einiges andere Lehr- und Anschauungsmaterial zur Pflege der beimathlihen Vorgeschichte hinzugefügt hatte.

Olivenernte Italiens.

Der KaiferliYe General-Konful in Genua berichtet unter dem 5. d. M. Folgendes:

Genuefer Z-itungsnahrihten zufolge find in den legten 8 Tagen ungefähr 300 Fässer Olivenöl au3gesuhter Qualität aus Spanien und andere Mengen von Bart, Sizilien und Sardinien eingeführt worden. Die Preise bleiben für alle Qualitäten fest, speziell für die Ligurischen aus Bordighera, Oneglia und Porto Maurizio. Für die reinsten, wohls{chmeckendsten und zum Export am meisten geeizneten werden für 100 kg im Depot gezablt

für ausgesuchtes Bari- uno Sardinenösl 140—160 Lire, A E e L 129-130 ; Bordighera-DA . ....., 1395—200 , Oneglia- und Porto Maurizio.O?l 135—160 , ausgesuchte spanishe Dele 100—130 ,

Antwerpener Getreidemarkt im Januar 1900.

Der Kaiserlihe General-Konsul in Antwerpen berihtet unter dem 7. d. M. Folgendes:

Nah längerer Stille entwickelte sich im leßten Drittel des Monats ein lebhaftes Geschäft in vorräthiger Waare, infolge dessen die Weizen3orräthe erheblih abnahmen. Die Preise stiegen um 25 bis 50 Cts, für den Doppelzentner und stellten sich am Monats- {luß ungefähr, wie folgt :

Weizen : O E N e e SL 16S

C L 16+{—16

kalifornisher . R E

Walla Walla . .

Calcutta Club IT :

Plata, je nach Güte .

Donau, , , A

Kurrachee, Beer } nicht vorräthig

E e 15{—164

E N a 167— 16} Noggen : Donau und Nordamerika . 14{—14}3

inländischer. . . f 137 Gerste: zu Futterzwecken . 13{—132

t 14—16} Hafer: russischer und nordamerikanischer 15t—16} Mais : Odessa und Donau . . S 10Ï—154

Plata und Nordamerika é 10—104 Weizenmehl: inländishes : ; 2 U

Die Vorräthe wurden Ende Januar 1900 geschägzt auf: Weizen: 609 000 dz Gerste : 70 000 , Mais: 30000 ,„

Soggen | nit nennen8werth in erfter Hand.

Im Laufe des Monats Januar 1900 wurden eingeführt in Antwerpen :

Noggen: aus den Vereinigten Staaten von Amerika 11520 dz Britis@-IJndien . S 780; E R O E as 750 de Nea 10

13060 dz.

Weizen: aus Deutsland E R 1080 dz E 183 670 E aaen e 101 769 den Vereinigten Staaten von Amerika 76 950 Brasilien . A E S 69 350 E e i N 5 000 L E 1 683

459 490 dz.

aus Deutschland S 510 dz den Vereinigten Staaten von Amerika 77 400 Nußland A 20 070

A 8 950 E 7940

C 3340 Ee S e 3 050

a e eie 1 630 A n 1130 E e 1120

E 980 E e ae E E s 710

126 860 dz.

S R S 22690 dz den Vereinigten Staaten von Amerika 4 960

E C e S 40

A Ee s pie 40 ,

2730 dz. Mais: aus den Vereinigten Staaten von Amerika 196530 dz Argentinien E E S 95160 ,„ ai 23890 ,„ E Us O 316 940 dz. Kartofféln: aus Deutschland 3500 az. den Niéderländ@t «ch6 2120. 5 620 dz. Ausgeführt aus Antwerpen : Nota: S Nd e ia 1650 dz. Weizens nach: den Niederland «e o oe 10 dz. Gerste: Hafer: nih:3, Maié: Kartoffeln: nach England Norwegen . Brofililen e der Tüikei « dem Congo

Handel und Gewerbe.

(Aus den im Reichsamt des Innern zusammengestellten „Nachrichten für Handel und Industrie“.)

Thätigkeit der russishen Eisenhütten im Jahre 1898.

N 1h den ftatistishen Au3weiscn des ständigen Auskunftèbureaus der ru'sishen Eisenindustriellen ftellt sih tie Produktioa sämmtlicher russishen Eisenhütten füc das Jahr 1898 wie folgt. An Roheisen wurden im Ganzen erschmolzzn 135 635513 Pud, was gegenübec dem vcrhergehenden Jahre mit 113982000 Pud einen Zuwachs von 21 765 000 Pud ergiebt. Die Produktion von Schmiedeeisen betruz 30457353 Pud und bielt sih somit auf der Höhe des Vo!jazhres. An Stahl wurden erzeugt 69 9:6 325 Pud geaen 2 964 000 Pud im Jahre 1897; der Zuwachs beträgt somit 16 £64000 Pud. Diese

Gesammtproduktion vertheilt fich auf die einzelnen Rayons fn nah=

stehender Weise (in Pubdgewicht): d Roheisen Schmiedeeisen Stahl 13 Kabriken des Nordens . 161166 3663674 7903653 106 Uraler Fabriken . . . , 43539106 154329995 7997 709 46 zentralru|siiche Fabriken. . 11016032 3910194 6951917 15 Fabriken des Südens . . 61188495 2589627 35574152 H Fabriken des Südwestens . 186238 105 790 m 36 Fabriken des Königreichs Polen 16 069931 83934 157 11 460 201 3 Fabriken Sibiriens (priv). 538 840 121310 297 Kabinet Seiner Majestät. . 91 825 58 206 1 006 Finland . E E 1 393 380 641 469 39 390 Zusammen 135 635 913 30457 353 69928 329 Importiert wurden im Jahre 1898 an Noheisen 6 094 000 Pud, unverarbeitetem Stahl und Eisen 22870070 Pud und an St1ahl- und Eisfenerzeugnissen, Maschinen und Apparaten 11 325 000 Pud, zusammen demnach an Stahl und Eisen 34195 000 Pud, was, auf Nobeisen umgerechnet (15 Pud auf 1 Pud Eitfen), 51212 000 Pud desselben entspricht und zusamrney mit den 6 094 000 Pud importierten Noheiseas die Summe von 57 386 000 Pud ergiebt; gegenüber 1897 ist dies eine Vermehrung des Imports um 5133000 Pud. Der Gefammätbedarf des inneren Markies Rußlands an NRoßbeijen betrug demnach für as Jahr 1898 193 021 900 Pud, was bei einer Etn- wohnerzahl von 126 Millionen 1,53 Pud pro Kopf der Bevölkerung ausmacht. | Zur Vervollständigung diefes Bildes is in der nachfolgenden Tabelle eine U-cbersiht der P-odukcion, der Einfuhr und des Ver- braus an Roheisen in Rußland für die fünf vorhergehenden Jahre

mitgetheilt. In Tausenden Pud i Is ldi I 18066 1897 Produktion an Roh-

Se 70863 80144 88785 98414 113982 Gnu 9 799 9 441 8106 4 592 6 238 Zufsamm:-n 80662 59955 96891 lu3 006 120 220 Zusammen mit dem auf Roheisen um- gerechneten impor- tierten Eisen und Stahl und aus diesen hergestellten Erzeugnissen . . 102449 127655 136281 149540 166229 pro Kopf der Be- völkerung N 0/80/P. 1,06 P: 113 P. 116-P: 131 P: Wie ersihtlih, steigt der Verbrau Rußlands an Roheisen une unterbrohen und überwiegt die Produktion desselben. (Rigasche Industrie-Zeitung.)

Maschinen-Ausfuhr der Schweiz.

Die Ausfuhr aus der Schweiz hat während der ersten drei Vierteljahre 1899 im Vergleich zum Vorjahre ganz bedeutend zuge- nommen, allein die Maschinen-Industrie hatte für die erwähnte Periode eine Mehr-Ausfuhr von 4,6 Millionen Franken aufzuweijen. Bei der Bedeutung diefes {wet erichen Industrie;weiges gerade auch für Deutschland mögen hier einige Einzelheiten über die Steigerung des Exportes folgen. :

B. sonders erheblich war der Fortschritt in der Ausfubr von dynamo-elektrishen Maschinen, von denen während des in R: de stehenden Zeitraumes für 840. 310 Franken (gegen 6 181 717 Franken während der entsprehenden vorjährigen Periode) ausgeführt worden sind. Davon kommen auf Deutschland und Frankreich je eine Million Franken, auf Italien 1,1 Million Fcanken und auf Rußlaad 2} Millionen Franken.

An zweiter Stelle sehen Müllerei-Maschinen mit 3 166 722 Franken, bezw. einer Mi hrausfuhr von 451 880 Franken. Von dem erst-rwähnten Betrage kommen 271 925 Franken auf Deutschland, 481 480 Fcanken auf Frankreich, 441 211 Franken auf Großbritannien und 880 830 Franken auf Rußland.

Stickmaschinen erzielten 903 282 Franken, bezw. ein Mehr von 368 405 Franken, an denen vornehmlich Oesterreich (mit 465 757 Franken), Fraukreih (100 000 Franfen) und Italien (182 183 Fcanken) betheiligt waren, indessen uf Deutschland der beshz¿idene Betrag von“57 067 Fcaänfkfen kam. :

Der G-f\ammtwerth ausgeführter Webstühle und Weberei» Maschinen betrug während der erwähnten drei Vierte! jz1hre 3 674 357 Franken (574541 Franken mehr als in der vorigjährigen

eriode). Davon kamen auf Deutschland 12832664 Franken, talien 1 Million Franken, Oesterreich 451 446 Franken, Frankreich 389 096 Franfen uno Rußland 242 861 Franken.

An anderen Maschinen wurden für 11559 492 Franken aus- geführt (1 219 048 Franken mehr als in der voijährigen Periode), von denen 34 Millionen Franken auf Deutschland, 14 Millionen Men auf Frankreih und 3,2 Millionen Franken auf Rußland amen.

Zum theil dürfte allerdings dieser AufsGwung auf die fort- dauernde Ueberhäufung der deut|chen Maschinenfabriken zurückzuführen sein, welhe wohl dem Auf|hwung der \{chweizerischen Maschinen- íöIndustrie wesentlich zu gute gekommen is. Immerhin verdient der vermehrte Absay s{chweizerisher Erzeugnisse, insbesondere derjenige nah Rußland, die Aufmerksamkeit der deutshen Industrie. (Nach einem Bericht des Kaiserlien Konsuls in Bas.l.)

Dänemark.

Zolltarifentsheidungen. Weißes Kartonpapier, auf das îin der Masse gefärbtes und mit unregelmäßigen Einpressungen versehenes Papier aufgeklebt ift, welches der Waare vermuthlih das Aussehen von gepreßtem Leder geben soll, und weiße Karton- pappe, auf die ungefärbtes, mit unregelmäßigen Einpréss1ngen ver- sehenes Papier au!geklett ift, das der Waare ein eleganteres Aus- sehen zu geben bestimmt s{chezint, sind nah Pos. 194 mit 8 Sfilling = 16# Oere sür das Pfund zu verzollen.

Sogenannte „Ruberoidpavpe“, die zur Jsolierung von Eifen- babnwagen verwentet wird, bestehend aus Robpappe, die mit Theer oder ciner ähnlihen Substarz getränkt und fodann mit irgend einer Grapkit enthaltenden Fettm.}* überstrihen ift, fällt unter Pos. 190 und ist mit 05 Sk. = 11/24 Dere für das Pfund zu verzollen.

Eine Firma hatte ein Kinderspielzeug, ein fogenanntes „Post spiel“ einführen wollen, das u. a. aus Postumschlägen, Post- anweisungen und Postkarten bestand, die den rihtigen dänishen Post- werthzeihen zwar nachgebildet, aber bedeutend kleiner waien und auf welhe Mi: iaturmaiken getlebt oder eingedruckt waren. Auf Grund einer En!scheidung des Ministeriums des Jnnern vom 4. Oktober 1899, die sih auf die testehenden Vorschriften über Nahabmung von Poft- weribzeihen gründet, ist das fraglihe Spiel zx Einfuhr nicht zuge- lassen worden.

Sozenannter „Fmitierter Normalstoff“, der zwar aushließ- li aus ung:färbiem Baumwollengarn hergestellt ist, dessen Ein)chlag- garn aker aus zusammengekardeter funstgefärbter Baumwolle und aus ungefärbter Baumwoüe gesponnen ist, gerört unter Pos. 149 als ein- farbige Baumwollenwaare, weil das Rohmaterial, woraus das Ein- \{lazgarn besteht, zum !he l einen Färbeprozeß durhgemacht hat, und ift mit 20 Sk. = 41F Oere für das Pfund zu verzollen.

Löschvapier, das in der Masse mit Ultramarin oder Pariser- blau gefärbt ist, eine Behandlung, bet der in der Regel die Farbe aufen sid) stärker zeigt als iznen, ift nach Pos. 191 mit 2,5 Sk. = 55/94 Oere für das Pfund zu verzollen.

Nohe Aluminium-Barren, die keiner weiteren Bearbeitun als einer Aueshmelzung in der Form unterzogen wo:den, sind Su Pos. 163 zollfrei, dayegen bewiikt jede äußerlihe Bea beitung, z. B. ein Abschleifen, daß dieselben nah Pos. 168 mit 16 Sk. = 334 Oere für das Pfvnd zu verzollen find. (Entscheidungen des General- Direktorats für das Steuerwesen.)

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