1900 / 47 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Kiel, 20. F.bruar. Zu Ehren Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich fand, wie „W. T. B.“ meldet, heute Abend im Offizierskasino ein Festmahl der Stabsoffiziere der Ostseestation statt, welhem der Admiral von Koester prä- sidierte. Der Prinz Heinrih nahm an der Tafel und dem sich daran schließenden geselligen Beisammensein theil.

Hannover, 20. Februar. Der Provinzial-Landtag erledigte in seiner gestrigen und heutigen Sißung die Berathung des Antrags, betreffend den Neubau der Hebammen-Lehr- anstalt in Hannover. Der Antrag wurde mit der Bí- [as angenommen, daß die Anstalt statt für 1500 nur für 1 Wöchnerinnen mit gynäkologisher Station und Polyfklinik eingerichtet werden soll. Einstimmig wurde ferner der atrag. des Abg. von Frese - Loggersum angenommen, die Beschickung der diesjährioen Pariser Welt- ausstellung mit osifriesishen Pferden mit 5000 #4 zu Händen der A Landwirthschaftskammer zu subventionieren, unter der Voraussezung, daß von seiten der Reichs-, be- ziehungsweise der preußischen Staatsregierung für den gleichen Zweck entsprehende Mittel bewilligt würden.

Cassel, 19. Februar. Der 25. Kommunal-Landtag des Regierungsbezirks Cassel wurde heute durch den Ober- D Staats-Minister Dr. Grafen von Zedliß und

rüßschler mit nachstehender Rede eröffnet: Geehrte Herren!

Im Namen der Königlichen Staatsregierung begrüße ih Sie bei

SJhrem Wiedereintritt in Ihre regelmäßige Tagung und heiße Sie

willkommen. Von der erfreulihen Gntwicklung der Angelegenheiten des Be-

irksverbandes und den Fortschritten, welhe auf allen Gebieten der Thätigkeit desselben zu verzeihnen sind, giebt Ihneu der vorlieg+nde Verwaltungsberiht für die vergangene fünfjährige Beriht“periode ein umfafsendes Bild. / :

Die Gegenstände, deren Grl-edizung Ibnen diesmal obliegt, werden reiche Gelegenheit bieten, Ihre Fürsorge für die Pflege und Förderung der Interessen des Bezirks erneut zu betbätigen. Hierzu wird Ihnen sowobl die Feststellung des diesjährigen Kommunalßaus- kaltsplanes, als ramertlih au die Wiederbcsegung der leitenden Stelle an der Spiße Ihrer Verwaltung befonderen Anlaß geben.

Soweit die Königliche Staatsregierung berufe: ist, bei Ibren Arbeiten mitzuwirken, wird dies in dem vollen Bewußtsein der Be- deutung derselben und mit größter Bereitwilligkeit geschehzn.

Fh erkläre den auf Befehl Seiner Maj-ftät des Kaisers und Königs auf heate zusammenberufenen 25. Kommunal-Landtag für eröffnet.

Der Alterspräsident, Bürgermeister Hol d von Overmeiser gab in seiner Erwiderung den ehrfurhtsvollen Gesinnungen des Kommunal- Landtages gegenüber Seiner Majestät dem Kaiser und König Ausdruck, und die -Versammlung {loß sich dieser Kundgebung in einem auf Seine Majestät ausge- brachten Hoch lebhaft an.

Nachdem hierauf der Kammerherr Rabe von Pappen- heim zum Vorsizenden und der Justizrath Rieß zum stell- vertretenden Vorsißzenden durch Zuruf gewählt und die erforderlihen Ausshüsse gebildet waren, wurde die Sißung

geschlossen.

Köln, 20. Februar. Der Erzbishof Dr. Simar empfing heute, wie „W. T. B.“ meldet, Vertreter der Be- hörden und Korporationen, darunter Vertreter des rheinishen Adels und der fkatholishen Fakultät der Universität Bonn. Nachmittags fand ein von dem Erzbischof geaebenes Festmahl statt, an welhem der Ober-Präsident Nasse, die Regierungs-Präsidenten von Holleuffer und von Hartmann, der General-Oberst Freiherr von Loë, der Gouverneur, General der Jnfanterie tee von Wilczek und die Spitzen der Behörden sowie hohe Geistliche theilnahmen. Bei dem Fest- mahl hielt der Erzbischof eine Rede, in welcher er seinen Dank für die ihm erwiesenen Ehrungen aussprah und das Versprechen abgab, der Erzdiözese allezeit ein wahsamer, treuer und opferfreudiger Hirte zu sein. Nach der „Kölnischen Volks- zeitung“ fuhr der Erzbischof dann fort:

„Wie bisher soll au in alle Zukunft mein einziger Ehrgeiz sein, den Ruf eines treu katholishen Bi|hofs mir zu wahren, und damit zugleih den eines treu patriotishen Bischofs. Der eine kann ja vom anderen nimwer getrennt werden, folange mit dem hehren Namen des Patriotismus eine der edelsten Tugenden bezeichnet wird, jene Liebe zu Fürst und Vaterland, deren höchste Ziele, deren Grenze dur die göttlihe Weltordnung bestimmt find. Indem die Bischöfe durch die Pflege christlih-n Glaubens und christliher Sitte diesem ewigen göttlihen Gese di: Geltung zu Prteen sih bemühen, die im privaten wie öffentliGen Leben ihm ge-

ührt, {üen - fie de Ünentbehrlihe Grundlage aller gesellshafts- lichen und ffaatlihen Ordnung und fördern sie eine der vornehmsten Bedingungen dauernder Größe und Woblfahrt der Völker. Ich bitte Sie, bohgeehrte Herren, es als Bekräftigung meines foeben auszesprobenen Gelöbnisses betrahten zu wollen, wenn ich Sie nunmebr einlade, vnserem geliebten Kaiser, dem treuen, starken Schirmberrn des Völkerfriedens, und dem weisen, unermüdlichen Lehrer und Vertbeidiger göttliher Weltordnung und ibrer sozialen Geseßze auf St. Petci Stuhl den Ausdruck unserer dankbaren Verehrung dar- zubieten in dem Rufe: „Seine Majestät unser Allergnädigfster Kaiser und König Wilhelm und Seine Heiligkeit Papst Leo leben hoh!“

Abends fand eine glänzende Jlumination der Stadt und ein Fackelzug ftatt. Auch der Dom, die Gereons3- und die Apostelkirhe waren illuminiert. Als der Sale gus vor dem erzbishöflihen Palais ankam, erschien der Erzbischof auf dem Balkon und nahm die Huldigungs3ansprache des Abg. Fuchs entgegen. Dr. Simar erwiderte herzlich und {loß mit einem Hoh auf den Papst. Jm Laufe des späteren Abends wurden noch verschiedene Festversammlungen und Kommerse abgehalten.

Oesterreich-Ungarn.

Die Wiener Blätter melden, daß der Kaiser von einem [leichten Unwohlsein befallen sei. Dasselbe sei jedoh vollkommen bedeutungslos. Der Kaiser habe allerdings gestern das Zimm:r hüten müfsen, jedoch Audienzen ertheilt.

Der gestern zusammengetretene niederösterrei ise Landtag überwies die Gemeindewahlordnung für Wien einem aus 13 Mitgliedern bestehenden Ausschusse.

Jn Wien fanden gestern in verschiedenen Bezirken fünf von der sozialdemokratischen Partei einberufene Volks - versammlungen stait, welhe vollkommen ruhig verliefen. Es wurden Resolutionen zu Gunsten der Einführung der

esezlihen Achtstundenshiht im Bergbau angenommen. ehrere Versammlungen protestierten gegen die neue Wiener Gemeindewahlordnung.

Großbritannien und Jrland.

Die Königin besichtigte, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Vormittag in Cowes ein Miliz-Regiment, wobei Allerhöchst- dieselbe sichtlich ea die Mittheilung machte, es seien am Morgen gute Nachrichten voin Kriegsschauplaß eingegangen.

4 einem Schreiben, welhes die Königin an den Ober-Befehlshaber der Armee Viscount Wolsel ey gerichtet hat, heißt es: da jet ein großer Theil des Heeres in Süd-Afrika stehe, sei sie sich vollkommen darüber klar, daß für die L der Landesvertheidigung die nothwendigen Maßregeln getroffen werden müßten. Jhr sei mitgetheilt worden, daß es möglich sei, für ein Jahr eine ausreichende Streitmacht an Offizieren und Mann- schaften aus den altged enten Soldaten aufzustellen. Sie vertraue auf deren Hingabe an das Vaterland und den Thron und appelliere an sie, ihr noch einmal zu dienen zum Ersaß derjenigen, welche Schulter an Schulter mit den Mannschaften aus den Kolonien so wacker der Javasion in ihre südafrikanischen Besißungen entgegenträten. Diese neu zu shaffenden Bataillone sollten „Königliche Reserve-Bataillone“ g-nannt werden.

Ueber die gestrigen Sißungen beider E des Parlaments liegt nachstehender Bericht des „W. T. B.“ vor: Das Oberhaus berieth gestern den von der Ses bekämpften Antrag des Lord Wemy f, we!he-r lautete: „Nah Anhörung der Vor- \chläze der Regierung zur Verstärkung der militärishen Streitkräfte und Rüstungen i das Ha2us der Meinung, daß es, da das britische Heersystem auf der Miliz-Avsloo\ung beruhe, von wesentlicher Bedeutung fei, daß das alie konstitutionelle Gesey- des zwangs- weisen Heere8dienstes für die Bertheidigung des Muiterland:s allein sofort dahin abgeändert werde, daß cs möglich sei, dasselbe in einer so veränderten Gestalt in Kraft zu sez-n, welhe dessen Zw-ck erreichen lasse, ohne das Volk ungewöhalih zu belasten.“ Nachdem Lord Northbrook sich zu Gunsten des Antrazs ausgesprochen hatte, erklärte der Staatssekretär des Krieges Marquis of Landsdowne, daß die Re,izrung. obgleich sie die Milizausìoosung als bhôchs werth- volle Kraftreserve betrachte, es niht für geeignet halte, si: gegenwärtig vorzunehmen, auch sie niht für ge:ectfertigt halte, außer wenn die auf dem freiwilligen Heeresdienst beruhenden Svsteme sich als Cg Fehlshlag herausstellen sollten. Obwohi die Miltj nicht auf ihrer normalen Höhe stehe, fo glaube er doc, daß sie demaächst auf einem bederei Lune! der Schlagfertigkeit angelangt sein werde als gegenwärtig. elbst nach dem Abgang von Munn}caften na Süd-Afrika seien noch 77 009 Milizmann|\chaften in Gagland vorhanden. Lo:d Kimberley bemerkte, die gegznwärtize Zeit sei siher niht die richtige ¡ur Gch-bung der vo2 Lor» Wemyz aufgeworf:nen Frage. Der Herzog von Devon'hir- führte aus, es würde uxnklug sein, die Befugniß zur Wiedereinführung der Miltzausloosung aufzugeben, doch sei di:8 ein Prinzip, das dem ganzen britischen ‘ereswesen durchaus fremd sei. Er erfeane an, day eine s{wierige age best:he, doh erfordere diese weder die jüngst von Lord Rosebery erhobenen Mabnrufe, noch die Mobilisi:rung der Flotte. Die Flotte sei reihlich genüzend für jede Anforderung, die an si: gestellt werden könne. Lord Rosevery |prahd sich zu Gunsten der Gin- bringung einer Vo-lage, betreff:nd Cinführung der Ausloosung, aus. Gegen ihu wandte sib aisdann der Premier-Minifter Lord Salisbury, indem er auétfü:rte, eine sol: Vorlage würde nicht die geringste Aussiht auf Annabme haben oyne eine heftige und er- bitterte Debatte. Das Haus müßte in diesem Falle berathen, ob die Gefahren wirklib vorhanden jeen, und müßte in der Oeffentlichkeit j-ne Gefahren erörtern, denen tas Lad nah Lord Rosebery's Meinung ausgeseßt ei. Lo-d Saliskury fragte, ob dies von ortheil jein we:de uod, gefeßt, daß eine solche Vorlage durhgebe, welch2: Wirkung werde si- haben? In anderen Ländern würde sie, wenn der Ertoig ausbleib-, den Eindruck der Wehr- losigkeit hervorrufen und so die vielen von Lord Rofebery auf- gezählten Gefahren vermehres. Nach Ein{ükrung der Ausioojung werde es unmö.lih sein, vor der Annabme des Konskription2systems inne zu halten. Ansch-inend habe niemand di: Frage aufgeworfen, wie das Land die Sade aufiehmen werde. Er wolle niht die Gefahr auf si nehmen, Leidenschaften und E-reguzgen h-rvorzurufen, welhe im gegenwärtigen Augenblick eine ernste Gefahr sein würden. Man habe den Gedanken geäußert, wenn das Volk zu sehr ¡um Eintritt in die Miliz gedrängt werde, werde es sih zu den Fceiwilligen-Korps melden. Ec vermutbhe aber, daß die Leute nah transzatlantischen Ländern auéwandern würden. wo ihr Glaube, ihre Sprache und ihre Einrichtungen noch herrichten und fie keine Milizausloosung zurückihreckzn werde. Er ziebe einen vorsihtigeren Plan eines aus Freiwilligkeit beruhenden Systzms vor; er wünsche nit, außer- gewöhnlihe Erregung zu einer Zeit wachzurufen, in der es nöthig jet, daß die Nation in Eintracht zusammenwirke. Schließlih wurde der Antrag des Lord Wemyß mit 69 gegen 42 Stimmen abaelehnt.

Im Unterhause rihtetz Patrick O’'Brien (Ire) die An- frage an dic Regierung, ob die BezeiHnung „Eingeborenen-Distcikt“ alle Distrikte umfasse, in denen die Eingebocenen tin Afrika die Mehrbeit dec Bewohner bildeten, ob ferner von den britishea Sireit- kcâften ebenso wie von den Buren erwart-t wecde, daß sie diese Gebiete nit beträten uad si- für ibre Zweck? ausnaßten, und ob die Engländer eb:nso wie die Buren angewiesen seien, sih aus folhen Gebieten zurüdckzuzieben. Der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain beantwoctete die erste Frage mit: nein. Wezen der zweiten Frage kônne er in einer Sache, die militärischen Rüdksichten untergeordnet fei, keine Regeln aufstellen, es sci aber Pcinzip, die Eingeborenen womögliH gän¡;lich vom Kampfe jecn- zuhalten, sie aber nit daran zu verhindern, Leben und Eigenthum zu vertheidigen, wenn si? angegriffen würden. Die Buren, bemerkte Chamberlain tann weiter, hätten einen Einfall in Zululand gemadt. Es scheine vor etwa 5 Wothen allerdings eine kleine fliegende Kolonne der Engländer aus Natal nach Zululand gesandt worden zu sen. Aber die Truppea der Buren hätten son vorher eine Greniverlezung begangen und gegen Ende Oktober den Magistratädistrikt Ingwawuma angegriffen und den Oct in Brand gesetzt. Auf eine weitere Anfrage O'Brien'3, ob die Re- gierung den Präsidenten Krüger davon benachrihtigen wolle, a die buitisœen Iruppen zurückgaezogen werden würden, falls dies au mit den Truppen der Bur-n der Fall sein werde, entgegnete der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain: nein. Mac Kenna (Liberal) fragte, ob Chamberlain auf die Nachricht des „Siècle* aufmerksam gemacht sei, L Franzosen und Deutsche über die Hälfte aller Akti-n der Goldminen in Transvaal besäßen, während die Engländer weniger als die Hälfte in ihrem Besiy hätten, und ob der Minister Informationen habe, welche diese Nachricht bestätigten oder widerlegten. Der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain entgegnete, er habe die Meldung nicht gesehen und habe auch keine Informationen, welche dieselbe bestätigten oder widerlegten. Thomas (Liberal) beantragte sodann eine Re}olution, welhe eine vollstäntige Untersuchung des Ursprungs und der näheren Umstände der Ver- \{chwörung gegen die Regierung Transvaals und des Einbruchs in Transvaal mit bewaffneter Hand im Jahre 1895 für zweckmäßig erflärt. Der Redner legte dar, daß ihn keine persönliche Feindseligkeit gegen Chamberlain leite, aber dur die schwahe und zu keinem Abshluß gelangte Unterjuhung sei ein Gefühl der Unzu- friedenbeit erregt worden. Das Land sei von dem Bericht des Süd- Afrika-Aus\chusses enttäusht. Die dadurch hervorgerufene Unzufrieden- heit habe ih zur höchsten Entrüftung verschärft, als später jene Gnt- büllungen in einer feftländishen Zeitung erschienen feien, welche die Únparteilichkeit des Autschusses und dadur die Ehre des Unterhaufes und des Landes angefochten hätten. , Indem ih dieseResolution beantrage“, {loß der Redner, „stelle ih mich einzig und allein auf den Boden, daß es ih bei jenen Enthüllungen um die Ehre und den Ruf des Hauses und des Landes handele. Es sei daher in tem Interesse der Nation, des Hauses und Chamberlain's selbft eine volle gründ- lie: Untersuhung durch ein unparteiishes, unabhängiges Tribunal geboten, um für immer dem Argwohn, den Verdächtigungen und den

Behauptungen, die ‘gegen Chamberlain und sein Departement er würden, eine Énde zu machen.“ Nachdem \ich Gavans (ieb in demselben Sinne geäußert hatte, unterstüßte auch Samuel Evang atel den Antrag Thomas. Die legte Untersuchung sei unyvoll, tändig und unbefriedigend gewesen. Gs sei ieg, die Frage, ob die Urheber des Jameson - Zuges genügend caht und Einfluß hätten, um die Majorität des Dauses zu hindern, eine neue Untecsuhung eröffnen zu lassen. Der Staatssekretär für die Kolo. nien Chamberlain unterbrah den Redner: Jch verftehe nit, was Evans mit seinen lezten Worten meint. Evans fuhr fort, erx laube, mit Ausnahme Chamberlain’'s werde wobl jeder fonst im Hause Anwesende ihn verstanden haben. Es befteke die Annahme daß es Einflü)je gebe, welche geltend gemaht werden fönnten, um zu verhindern, nes e Manns der Wiedereinfezung des Untersuchungs. Ausschusses zustimme. Die Üntersuhungen des Ausschusses von 1897 seien niht ershöpfend gewesen. Wenn eine weitere Untersuchung ftattcefunden hätte, würde der Aus\{chuß vielleicht ¿zu einem anderen Schlusse gekommen fein, Chamberlain's Ruf sei angetastet, es sei so. mit seine Pfliht gewesen, dem Aus\{hufse alles ihm im Kolonial. Amte zur Verfügung stehende Material vorzulegen. Chamberlain's Verhalten habe shweren Verdacht erregt. Er habe seine weitere Korrespondenz wit Hawkéley über die Frage der Vorlegung der Telegramme Hawksley's niht vorgelegt. Chamberlain habe sich, indem er die Vorlegung der Telegramme unterlafsen, {weren Ungeborsams schuldig gema@t und hätte vor das Haus als Gerihtshef gestelt und im Glockenthurm eirgekerkert werden müssen. Die Üntecdrückung dieser Telegramme, die zweifellos kom- promitierend gewesen seien, involviere die Mitshuld des Kolonial- amts. Das Land und das Publikum verlangten eine neue Unter- suchung. Chamberlain müsse auch über seine nah dem Schluß der Untersuchung gehaltene ungewöhnlihe Rede Auskunft geben,. in der er erklärt babe; Cecil Rhodes habe nihts gethan, was persönlich unehrenhaft wäre. Das Verhalten der Untersuhungskommission und das daran anshließende Verhalten der Regierung machten eine neue Untersuchung nöthig. Hierauf erwiderte der Staatssekretär für die Kolonien Chamverlain, er empfiade es sehr {hmerzlich, daß solche Anklagen ‘gen ihn erboben würden, nahdem er 24 Jahre dem Hauje angedöre. s seien aber feine Anklagen, sondern auf Argwohn und verhüllte Be- zihtigungen gegründete Unterstellungen. Diejenigen, welche dieselben wiederholten, wagten nicht zu sagen, daß sie daran glaubten. Man habe gesagt, daß eine weitere Untersuhung nöthig sei, um die Kiitik im Ausland zu beruhigen. Ec theile die A nicht, daß irgend etwas, w13 das Haus thun könne, seine (Ghamberlain's) auewärtigen Kritiker zum Schweigen bringen werde. Gs sei ferner gesagt worden, daß die gegen ihn erhobenen Angriffe auch bei vielen Landéleuten Warjzeln ge|hlagen hätten; es sei jedoch durch dieselben niemand beeinflußt worden, auf dessen gute Meinung er Gewicht lege. Was die Umstände bei der Ginsegzung des Untrersuhungtausshufses betreffe, so habe er, ehe irgend ein Wort über seine Mitwissen]haft geäußert worden sei, eine vollständige Untersuchung versprochen; män habe ihm dagegen ein- ewandt, daß dies gegen das öffentlihe Interesse sei, jedo ohne Erfolg. Bei den Berathungen des Comités sei er auf alle Anträge Sir William Harcourt's eingegangen, auf desen Vorschlag die Verhandlungen geschlossen worden seien. Die heute aufgeworfene Frage wegen der Telegramme sei von dem Aus|chuß erörtert worden. Ec wtederhole mit Nachdruck, was er früher darüber erflärt habe. Die Telegramme, welhe fehlten, seten niht auf Veranlaffung ‘eines der Betheiligten bei Seite gekommen, fondern lediglih in Verfolg des gewöhnlichen Gel Gas der Telegraphen- Gesellschaft. Wie festgeitelt worden sei, wären die fehlenden De- peschen von ähnlicher Art gewesen wie die dem Ausschuß vorgelegten. Dieser habe die letzteren sorgfältig geprüft und gefunden, daß nihts darin enthalten sei, was irgend eine Beschuldigung gegen das Kolonial- amt rehtfertige. Seither habe sich nichts ereignet, was eine neue Untersuchung rechtfertigen würde. Chamberlain be- sprah fodaan die Rede, welhe_ er fsciner Zeit über Cecil Rhodes gehalten habe; der Sinn dersclben sei folgen- der gewesen: Rhodes sei der Theilnahme an der Vershwörung, welche zu dem Jameson-Zug geführt habe, für {huldig befunden worden; neben diejer Anshuldicung babe aber noch eine andere gegen Rhodes bestanden, nämli, daß er aus dem s{mußigen Beweggrunde, Geld in seine Tasve zu schaffen, cin politiies Verbrechen begangen habe. Was diese Anklage betreffe, so sei Rhodes durhaus unschuldig. Er verurtheile Rhodes? Verhalten bezüglih des Vergehens, dessen er \{uldig erklärt worden sei, entlafte ihn aber durhaus von dem Ver- geben, dessen er nit schuldig sei und das seine persönliche Ehre beflecken würde. Chamberlain fuhr Laden fort: Jett werde eine neue Ünter- suhung gefordert aus Anlaß der in der „Indépendance Belge veröffentlihten Sammlung von Sthriftstücken, die von einem entlassenen Bureauangestellten Hawkslcy's gestohlen worden seien. Mit diesen Sbriftstücken sei man in London haufieren gegangen und habe sie radikalen Zeitungen angeboten, welhe sie nicht hätten nehmen wollen. Schließlich hätten sie einen Kunden in einem bekannten Burerfreunde gesunden; dieser habe sie an Dr. Leyds geschickt, der dafür 100 Pfd. Sterl. gezahlt oder zu zahlen versprochen habe. _Leyds babe nie ein \{chlechteres Geshäft gemaht. In den Schriftstücken sei nidts enthalten, was niht dem Parlaments-Ausfchufse und jeder- mann schon vollkommen bekannt gewesen fei. Eine neue Untersuchung verlange man jeßt nicht im öffentlihen Interesse, sondern um ¡u versuchen, das Kolonialamt tes Meineids zu überfübren. Wenn dies nun ein gewöhnlicher, niht dur politische Beweggründe und ersônlice Feindshaften ve1wickelter gemachter Fall wäre, so würde ec liin îm Hause gesagt haben, daß nicht der Schatten einer eine neue Untersuchung vorhanden sei. Was sei das Vertrauen zu dem Minister zu ershüttern, den fie im gegenwärtigen Augenblicke ungereter- weise bcshuldige, daß er in ganz besonderem Sinne für den Krieg verantwortlih sei. Van möge sie thun laffen, was sie wolle. Diese Angriffe würden auf dicjenigen zurüksallen, von denen siz ausgegangen seien. Im weiteren Verlaufe der Sißung er- griff Sir William Harcourt das Wort und führte auë, eine neue Untersuchung sei nöthig, weil der Verdaht gegen das Kolonial- amt nit das Werk politisher Gegner, fondern das dec Agenten Rhotes? sei, die sih bemühten, ihre eigene Schuld dur die Angabe von der Mitwissenshaft des Kelonialamts zu decken. Die Machen- schaften dieser Leute müßten in ihrem wahren Licht gezeigt wecden. Sir Henry Campbeil-Bannerman sprach die Befürchtung aus, daß Chamberlain's Rede schwerlich den bei der: öffentlichen Meinung des Auslands bestehenden Verdaht verringern werde, und daß England von den Machenschaften, die mit dem Jamefon-Zug zusammenhingen, sih niht reinwaschen könne. Welch eine Befreiung würde es sein, der Welt zu zeigen, daß EURIOns an der ungerechten Thorheit von 1895 keinen Theil gehabt habe! Er fordere die Re- gierung auf, die Untersuhung zuzugeben. Der Erfte Lord des Schaß- amts Balfour kennzeihnete den Antrag Thomas als einen persönlichen Angriff auf Chamberlain, der auf dessen Gegner zurückfallen werde. Nach weiterer Debatte erfolgte die Ablehnung des Antrags Thomas mit 286 gegen 152 Stimmen.

Frankreich.

In der Deputirtenkammer beantragte gestern der Finanz-Minister Caillaux die Bewilligung eines dritten provisorishen Zwölftels. Jm Verlaufe der weiteren Be- rathung des Armee-Budgets erklärte der Kriegs-Minister, General de Gal liffet: „Jh möchte Jhnen eine Ueberrashung bereiten. Der General Deloye, der auch unsere ganz Artillerie neugestaltet hat, hat uns soeben dur eine gan eringfügige Abänderung ein Gewehr verschafft, welches in ses Monaten im Gebrauch scin wird und alles übertrifft, was gegenwärtig existiert.“ : s

Jn der gestrigen Sihung des Staatsgerichtshofe begann der Präsident mit dem Verhör Marcel Habert Z Dieser protestierte dagegen, daß man es abgelehnt habe, Déroulè

Begründung für die Opposition wolle,

ner Zeugenaussage freies Ge'eit zu bewilligen. Habert aat Nin, daß er vom Schwurgeriht von der An- flage wegen der Vorgänge in der Reuilly - Kaserne frei-

esprochen sei, und fügte hinzu, die Kundgebungen im leßten

hre seien keineswegs vorbereitet gewesen. Es habe Siema!s ein Einvernehmen zwischen Déroulède und den Royalisten bestanden; die Mitglieder der Patrioten-Liga seien Republikaner. Habert legte sodann in längerer Ausführun seine Ansichten über Republik und Plebiscit dar und spra von der Aufgabe Faschodas, oer Eroderung Cudas und der Philippinen sowie über den Krieg Groß- hritanniens mit Transvaal. Nach einer Pause verhörte der räsident mehrere Z-ugen, welche über die Anwesenheit Marcel abert’s bei den vershiedenen Kundgebungen aussagten. Die weitere Verhandlung wurde sodann auf heute vertagt.

Der Kultus-Minister Waldeck-Rousseau hat über at Pfarrer, welche ihrer Sympathie für die Assumptionisten Aus- druck gaben, die Strafe der G. haltssperre verhängt.

Die Wittwe des Marschalls Mac Mahon ist gestern Abend gestorben.

Ftalien.

Jn der gestrigen Sißung der Deputirtenkammer stand, wie „W. T. B.“ meldet, znnächst der Antrag zur Berathung, den von den Deputirtea Caldesi und Giovanelli ein- gebrachten Gesezentwurf, Ma, Pensionszahlunzen an die Veteranen, in Erwägung zu ziehen. Der Unter-Staatsfekretär des Schaßes Baron Saporito bat, den Antrag abzulehnen, Die Kammer beschloß die Ablehnung mit 105 gegen 104 Stmmen uad ging zur Berathung des Ein- nahme - Budgets über. Auf ein- Anfcage des Deputirten

' Branca erwiderte der Schaß-Minister Boselli, die Ein-

nahmen der ersten sieben Monate des laufenden Etatsjahres ergäben eine Steigerung von 24 Millionen gegenüber dem entsprehenden Zeitraum des vorhergehenden Budgctjahres. Aber auch wenn man die Berehnungen der Budgeikommission acceptiere und die Zunahme der Einnahmen der criten si-ben Monate auf 18 oder 19 Millionen annehme und danach für die Übrigen fünf Monate we:itere 10 Millionen ansetze, so ergebe das rund 30 Millionen mehr, als man veranschlagt habe. Diese würden zur Deckung des angenommen ge- wesenen Defizits hinreihen, ohne daß weitere Maß- nahmen nöthig seien. Der Minister machte darauf aufmerksam, daß er für di» nothwendigen Ausgaben behufs neuer maritimec und militärisher Bauten keinerlei besondere Operation vorgeschlagen habe, weder durch eine vor- zeitige Jnanspruhnahm? des Staatsschaßes noch auf irgend einem aúideren Wege. Was die außerordentlihen Ausgaben für Qreitgnen betreffe, so brächten dieselben keinerlei erneute Belastung mit sih, da si2 bereits im Budget des Kriegs- Ministeriums aufgeführt seien. Jn finanzieller Hinsicht stehe © der Beschleuniaung der Neubildung der Artillerie, namentlih im Hinblick auf Eventualitäten der Zukunft, kein Hinderniß entgegen. Land und Heer wüßten, daß es an den Mitteln für die Vertheidigung und das politische Ansehen des Vaterlandes nicht fehlen werde. Auf das Gleichgewicht des Budgets zurücckommend, erklärte der Minister, dasselbe müsse konsolidiert werden, man dürfe des- halb die Voranschläge der Ausgaben niht erheblich ändern, da dieselben den Anstrengungen entsprächen, * welhe für die anen in dem gegenwärtigen Augenblick möglich seien. uf eine Anfrage des Deputirten Luzzatti hob der Minister die günstige Lage des Schaßes hervor und erklärte, er habe niemals Gold oder Silberstücke verkauft. Heute nah Leistung aller Zahlungen seien noch 20 Millionen Gold im Auslande disponibel ; die Zahlungen an das Ausland für die italienische Rente seien in beständiger Abnahme begriffen. Jm leßten Jahre seien fast drei Millionen Lire Rente von Jtalien absorbiert worden, ohne daß dadur eine Verringerung der gewöhnlichen Ersparnisse hervorgerufen worden wäre. Er werde die lateinishe Münzunion niht aufkündigen und werde nie im Auslande Gold oder Silber A um Bankbillets zur Ausgabe ki bringen, die durch die Metallreserve vollständig gedeckt eien. Das Schaßamt habe niemals Silber von der Bank von grauxrely gekauft, weder unter seiner Verwaltung noch früher. er Minister sprah darauf von dem Finanz-Programm und erklärte, die Regierung wolle die Steuerlasten nicht ver- mehren, sondern ste geringer machen, soweit die Jntegrität und die Elastizität des Budgets dies gestatteten. „Jndem wir die Ausgaben abwägen“, {loß der Minister, „ist das Gleich va des laufenden Rechnungsjahres gesichert. Die Lage es Schayes hat sih gebcssert, die Regierung trachtet auf- rihtig und energisch, die Emissionsinstitute zu stärken und den Notenumlauf zu sanieren. Die Regierung ist darüber einig, das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und den Ausgaben aufrechtzuerhalten, Ein Schaß-Minister, welcher gestattcte, daß die Staatsfinanzen aufs neue in Unordnung geriethen, würde die Interessen des Landes verrathen.“ Die Sigung wurde sodann aufgehoben.

_Wie die in Rom erscheinenden Blätter melden, be- shäftigte sich gestern der Kassationshof als Berufungs- instanz mit der Frage des Dekretirens von Gesegzen. Der Kassationshof fällte ein Urtheil, welches dahin geht, das

ekreticren eincs Gesetzes dürfe künftig hin nicht mehr stattfinden, da ein Gesey, welhes in der Kammer nur eingebräht worden, lediglich ein Ti sei. Der „Popolo romano“ stellt fest, daß dieses seitens der Ersten Kammer des Kassationshofes ergangene Urtheil in direktem Gegensa e zu dem von der weiten Kammer desselben Gerichtshofs gefällten.

Dänemark,

Nachdem die Reformpartei der Linken beschlossen hat, die Vorlage, betreffendErhöhung der Branntweinsteuer, zu derwerfen, aber mit der Partei der Rechten einen Kompromiß bezüglich der Zollreformvorlage zu suchen, hat, wie „W. T. B.“ be- ¡tet der Präsidentdes Zollaus usses des Folkethings und Führer er E Koedt sein Mandat als Präsident des Zoll- aus|husses niedergelegt und ist aus der Reformpartei der Linken Ausgetreten. Der Zollausshuß hat gestern Jensen zum Präsidenten gewählt und Christoffer Hage zum Bericht- erstatter über die Verwerfung der Branntweinvorlage bestimmt.

Amerika.

di Aus Valparaiso meldet das „Reuter’she Bureau“, daß ? hilenishen Gesandten in Peru und Bolivien mit der tgierung in Santiago wegen des angeblichen, gegen Chile

daeMteten Dreibunds im Verkehr ständen. Eine aus dem

DE La Paz (Bolivien) eingegangene Depesche melde, daß

Geschüße und Gewehre angelangt seien.

Asien.

Aus Peking meldet das „Reuter'she Bureau“, daß der Kaiser am Montag das diplomatishe Korps empfangen habe. Derselbe habe sehr s{hlecht und angegriffen ausgesehen. Die Kaiserin sei bei dem Empfang nicht zugegen gewesen.

Afrika.

Der „Times“ wird aus Bulawayo vom 12. d. M. ge- meldet: Eine 200 Mann starke britishe Streitmacht aus Rhodesien griff Heute ein von Buren beseßtes Kopj? bei Krokodill-Pools an; die Stellung war tas zu stark, und die britishen Truppen zogen sich mit einem Verlust von 2 Offizieren und 19 Mann zurück; ein Offizier und 9 Mann werden vermißt.

Das „Reuter'sche Bureau“ veröffentliht folgende Einzel- heiten über den Entsaß von Kimberley : Als die Truppen unter dem General French aht englische Meilen von Kimberley entfernt standen, empfingen sie von den Belagerten die heliographishe Mittheilung, daß die Buren die Stadt beshössen. Darauf wurde zurüsignalisiert: Hier stcht die Kolonne des Generals French, welche zu eurem Entsayg vorrückt. Die Belagerten antworteten, da sie wohl fürchteten, die Depeshe könne von seiten der Buren heliographiert sein, mit der Frage: Was für ein Regi- ment seid ihr? Die Antwort überzeugte fie dann, daß der Ent- saß in der That nahe sei. Schließlih zogen die Eagländer, ohne Widerstand zu finden, in Kimberley ein, dess:n Be- wohner unter lauten Ausbrüchen Truppen umringten und sih unter sie mishten. Die Truppen rasteten die Nacht über und verfolgten am andern Tage den Find nah Drontveld, indem sie ihn durch Artilleriefeuer von den Kopjes vertrieben. Nah dem Dunkelwerden flohen die Buren unter Zurücklassung vieler Todten. Die Besaßung und die Einwohnerschaft von Kimberley hatten von Pferde- fleish gelebt; die Rationen wurden täglich auf dem Markt- piag vertheilt. Der General Cronje hat in Magersfontein cin Geschüß nebst Zelten, Nahrungsmitteln und Kleidungs- stücken zurückgelassen.

Dasselbe Bureau berichtet weiter, daß auf dem Gebiete um Kimberley keine Buren mehr ständen. Dieselben hätten Dronfield, Saltpan, Scholynek und Spytfontein geräumt. " Ein Zwölfpfünder der Buren mit Munition sei erbeutet worden, ebenso das Lager bei Dronfield, welches in der Naht vom 16. Februar verlassen worden sei. Jn der Dunkelheit seien mehrere Viehherden erbeutet worden. Bei den Kämpfen zum e, von Kimberley vom 14. bis zum 16. Februar sei ein britisher Offizier getödtet, und sechs Offiziere seien verwundet worden.

Ein Telegramm des „Standard“ aus Modder River vom 18. d. M. meldet über die Verfolgung des Generals Cronje: Am Freitag Morgen begann die 13. Brigade den Angriff auf den Nachtrab des Feindes. Ungefähr 2000 Buren hielt2n einige Kopjes nordöstlich von Klipdrift beseßt, von wo aus sie den Rückzug des Haupttrupps deten. Zwei Kopjes wurden erstürmt, doch die Buren verthetdigten das dritte mit der äußersten Hartnäckigkeit durch ein furhtbares Feuer. Es wurde dann auf jede Weise versucht, den Hügel zu stürmen. Unsere Truppen hielten si glänzend; die Buren behaupteten jedoch ihre Stellungen bis zum Dunkelwerden; dann wurden fie durch das Feucr der 84. Batterie vertrieben. Jnzwischen gelang es der Haupt- macht der Buren, die Klipkaaldrift zu erreichen, wo sie den Fluß nach Süden zu überschritten. Eine kleine Abtheilung berittener Jnfanterie und eine Batterie waren über die Klipdrift zurück- gezogen und nach dem Südufer des Klip River gesandt worden, um d:n Uebergang unmöglih zu machen, sie jahen aber, an Ort und Stelle angelangt, daß bereits so viele Buren üver den Fluß gegangen waren, daß sie ihre Stellung dort vertheidigen konnten. Die britishen Geschüße feuerten bis zum Dunkelwerden weiter. Gestern früh befanden sih die Buren unter General Cronje in vollem Rückzuge süd- lih des Modder River. Die Generale Lord Kitchener und Kelley-Kenney folgten ihnen diht auf den Fersen. Jn der lezten Nacht machte der Genera! Macdonald mit der Hoch- länderbrigade einen Gewaltmarsch von 20 Meilen, um die Koodoos- und Randdrift so rechtzeitig zu erreichen, daß der Feind dort abgeschnitten werden könne.

Der Feldmarschall Lord Roberts hat, wie „W. T. B.“ aus London meldet, am Montag früh aus Paardeberg, 30 englishe Meilen östlih von Jacobsdal, telegraphiert, daß der General Lord Methuen mit Verstärkungen und Vor- räthen sofort mit der Eisenbahn nah Kimberley gehen werde.

Die britischen Verluste in dem Kampfe an der Waterva l- Drift am 15. d. M. waren: 2 Offiziere verwundet, 20 Mann verwundet und 6 vermißt.

In Cradock sind, wie das „Reuter’she Bureau“ berichtet, folgende S über die Wegnahme des britischen Convoys am Riet River eingegangen. Die Wagen waren an einer Drift zu einem Lager geordnet worden, als sie von 1800 Buren mit 4 Geschüßen angegriffen wurden. Das Schießen währte den ganzen Tag über. Es wurden 180 Wagen mit Lebens- mitteln für Mensch:n und Vieh von den Buren erbeutet. Die Hälfte der Treiber und Führer wurden getödtet oder werden vermißt. n

Der General Sir Nedvers Buller meldet aus Chie- velcy vom gestrigen Tage: Die Füsilier-Brigade nahm am Montag den Hlangwane-Berg, welcher Colenso beherrscht. Der Seind hatte alle seine Truppen nordwärts des Tugela zurückgaezogen. Der General Hart beseßte heute Colenjo nach geringem Widerstande . des s{wach:n Nachtrabs der Buren. Die Engländer halten jeßt das Südufer des Tugela von Colenso bis Eaglesnest be- seßt. Der Feind scheint in vollem Rückzug zu sein und nur die Position an der Bahnlinie Colenso— Ladysmith mit s{hwahen Nachtrabsmannschaften zu halten. Der Vortrab des Generals Hart überschreitet zur Zeit den Fluß bei Colenso. Jch hoffe, daß meine Verluste gestern und heute nur gering gewesen sind.

Nach einer Mittheilung des britishen Krieg3amts be- trugen die Verluste des Generals Sir Redvers Buller in den Tagen vom 15. bis 18. d. M.: 1 Offizier todt, 6 ver- wundet, 13 Mann todt, 154 verwundet.

Parlamentarische Nachrichten.

In der heutigen (151.) Sißung des Reichstages, welcher der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe und der Staats- sekretär des Innern, Staats-Minister Dr. Graf von Posa-

dowsky beiwohnten, stand zur ersten Berathung der von den

der Begeisterung dies

elsässishen Abgg. Winterer und Genossen (b. k. F. “nabe Gesehentwurf wegen Abänderung des F des Geseßes, betreffend die Verfassung und Ver- - waltung Elsaß-Lothringens, von 1879. Dieser § 2 soll folgende Fassung erhalten : „Auf den Statthalter geben zugleih die durch Sefeye und

Verordnungen dem Reichskanzler in elsaß-lothringishen Landes- angelegenbeiten überwiesenen Befugnisse über.

Die durch § 10 des Gesetzes, betreffend die Einrichtung der Verwaltung, vom 30. Dezember 1871 dem Ober-Präsidenten über- tragenen außerordentliden Gewalten sind aufgehoben.“

Die Debatte eröffnete der Abg. Winterer. Nach ihm nahmen bis zum Schluß des Blattes das Wort der Ne:ichs- kanzler Fürst zu Hohenlohe und der Abg. Riff (fr. Vgg.).

Der Schlußbericht über die gestrige Sigung des Baues der Abgeordneten befindet fleb ‘in b Kiveiten Beilage.

Das Haus der Abgeordneten seßte in der heutigen (29.) Sigung, welcher der Minister der öffentlichen Arbeiten von Thielen und der Minister für L 2c. Frei- herr von Hammerstein beiwohnten, die erjte Berathung des Geseßentwurfs, betreffend die Erweiterung des Staatseisenbahnneßes und die Betheiligung des Staats an dem Bau einer Eisenbahn von Treuen- briegen nach Neustadt a. D. sowie von Klein- bahnen, fort.

_ Die Vorlage wurde nah kurzer Debatte, an welcher sih die Abgg. von Blankenburg (kons.), Reinecke (fr. kons.), Jorns (nl.), Kittler (fr. Volksp.), P oid (nl.), von Eynern (nl.) und der Minifter der öffentlihen Arbeiten von Thielen betheiligten, der Budgetkommission überwiesen.

Darauf wurde die zweite Berathung des Staatshaus- halts-Etats für 1900 und zwar der Etats der Domänen- und der Forstverwaltung sortgefett.

(Schluß des Blattes.)

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Ein allgemeiner Ausstand der Berliner Tischler hat, wie hiesige Blätter berihten, am Montag seinen Anfang genommen. Bis jeßt find gegen 7009 Gesellen aus den Möbeltishlereien aus\ständig. Daneben treten au die verwandten Berufe: Mödelpolierer, Holzbild- haver in den Ausstand ein. Die Forderungen sind folgende: 1) wöchent- lie Abschlag8zablung von mindeftens 24 4 für Accordarbeiten ; 2) in den Werkstätten, in denen der Lohnsaß nicht erreiht wird, sind die Accord- preise dementsprehend zu erhöhen; 3) gleichmäßige Festsezung der Accordpreise für die gleihen Artikel in allen Werkstätten; 4) die Maschinenarbeit ift vom Unternehmer zu liefern; 5) das Holzabtragen fommt in Fortfall. Die Arbeitgeber haben zum größten Theile die Erfüllung der Forderungen abgelehnt. In einer geftecn abgehaltenen Versammlung der Aut ständigen wurde mitgetheilt, daß etwa 60 Meister die Forderungen der Ausftändigen anerkanni haben und 1000 Gesellen weiterarbeiten. Die Gesammtzahl der Ausständigen soll ih auf rund 7500 Mann belaufen.

Im Halleschen Bergrevier ist, der „Rh.-Weftf. Ztg." zu- folge, vorgestern auch in_Nietleben der Ausstand ausgebrochen. Im gesammten Bezirk sind über 1000 Mann ausftändig (vergl. Nr. 45 d. Bl.).

__ Zum Kürschncraus3stand in Leipzig und Umgegend theilt die „Lpz. Zt.“ mit, daß sich die Zahl der aus\tändigen Gebilfen gegen- wärtig auf 616 beläuft, von denen 260 auf Markranstädt, 131 auf Lindenau, 115 auf Rötha und 110 auf Shkeudit entfallen. Bis jeßt haben die Gehilfenforderungen neun Firmen bewilligt, bet denen 86 Gehilfen weiter arbeiten. In Markranftädt, dem Haupt- „oxte, find au 60 Hilfsarbeiter am Ausstande betheiligt. Die weiteren Verhandlungen zwishen Gebilfenkommission und Prinzipalsvertretung haben zu einer Ginigung nit geführt. (Vergl. Nr. 44 d. Bl.)

Im Zwickauer Kohlenrevier waren, dem . W. T. B.“ zufolge, gestern Abend 34,5 9/4, heute früh 31,9% der Bergarbeiter, im Ganzen 3799 Mann, ausftändig.

Aus Dux berictet dasselbe Bureau, daß vonx 107 größéren Schächten des Braunkohlenbeckens Ausstig-Komotau gestern 70 im Betriebe gewesen sind. Vorgestern wurden 782 Waggons Kohle ge- fördert. Die Zahl der Häuer betrug 1260 (vergl. Nr. 46 d. Bl.).

Knuft und Wissenschaft.

A.F. Aus der leyten Sißung der Berliner Gefell- \chaft für B R top oroute ist ein Vertrag von Interesse, den Dr. Thilenius über die Besiedelung der nordwestpolynesi- \chen Inseln, Neue Hebriden, Fidshi- Inseln, Samoa x, hielt. Es erscheint nämlih vom ethnologi)chen Standpunkt aus recht merkwürdig, daz diese Inseln eine polynesishe Bevölkerung haben, da sie doch in der nächsten Nähe der großen melanesischen Inseln, Neu - Guineas und der JInselin des Bismarck- Archipels, liegen. An ihrem polyaesishen Ursprung ifft nach der vorliegenden Kulturentwickelung der Bevölkerung, der Ge- räthe und Waffen, des Kultus und der Spracben indessen kein Zweifel. Der Vortragende, der sich lange in diesem Theil der Südsee auf ver- schiedenen Inseln aufgehalten hat, will nun. Vorgänge beobachtet haben, die ein bezeihnendes Licht auf die Befiedelung werfen. Er sah nämli zu wiederholten Malen Kanoes an den genannten Insel- gruppen anlegen und deren öfters aus ganzen Familien bestehende Insassen dauernden Wohnsiy am Zielpunkt ihrer Fahrt nehmen. Sie kamen von weither über den Ozean, von Inseln, die sowohl nördli und nocdöftlih als südöftlich lagen ; aber keine dieser kleinen Einwanderungen stammte aus dem Westen oder dem nahen Nordwesten der melanesishen Inselwelt Der BVor- tragende glaubt deshalb und findet für seine Ansicht in den Traditionen der Bevölkerung einen Anhalt, daß die Besiedelung dieses Theils der Südsee nicmals im Wege einer großen Wanderung, fondern immer nur in der beobadteten kleinen Ginwanderung auf einzelnen Kanoes erfolgt is. Daß sie nur in den bezeichneten Richtungen erfolgt ist, erklärt sh einfach durch die in der guten Jahres- zeit nôrdlich und füdlich des Aequators wehenden NO.- bezw. SO. - Paffate, während W.- und NW.-Winde, die eine melanesish: Einwanderung begünstigen würden, in der s{lechten, der Schiffahrt gefährlihen Jahreszeit weben. Die Eigenart der Melanesier ist ein zweiter Grund, weshalb sie si{ch wohl der Besiedelung ver- hältnißmäßig naher Inselgruppen enthalten haben. Sie sind zwar ge/hickte Bootsbauer und erreichen auf thren Ruderbooten 6 bis 8 See- meilen in der Stunde; aber sie sind nur Küstenfahrer. Dagegen wifsen die Polynefier und Mikronesi-r mit dem Segeln gut Be)cheid und wagen sih weit in die See hinaus Ihren darch die Gunst des NO.- oder SO.-Paffats angestellten (Entdeckungsfahrten ftellten sich zu allen Zeiten die oben bezeihaeten JInselgruppen gleihsam als ein Gitter entgegen, das einen großen Theil ihrer Boote auffing;- aber sie lamen felten auch weiter. Man findet auf diesea Inseln wohl Spuren früherer melanesi/her Bevölkerung, und wahrschein- lich ‘ist in der gegenwärtigen Bevölkerung auch ein Tropfen eaen hen Blutes; aber man begegnet auf den Jnseln des melanesishen Archipels keinen Spuren, die auf j:zmals vorhanden. ge- wesene polynesische Einwanderung deuten. Der Vortragende erkennt an, daß seine Anshauungen in einem gewissen Gegensatz zu den bisher von den Ethnographen festgehaltenen Meinungen ftehen, aber der Gegensaß sei nur ein schein-

barer. Auh ihn dünkt es in hohem Grade wahrscheinli,