1900 / 71 p. 7 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Deutscher Reichstag. 172. Sigung vom 20. März 1900, 1 Uhr.

Die zweite Lesung des Reichshausha lts-Etats für 1900 wird bei dem Etat für die Einführung des Sche >- verkehrs im Reichs-Postgebiet fortgeseßt.

Berichterstatter Abg. Büsing (nl.): Die Budgetkommisfion hat zur genauen Erörterung der Frage eine Unterkommission eingesetzt, welche über alle ftreitigen Punkte unter ih eine Einigung erzielte, welche au< mit großer Mehrheit die Zustimmung der Budgetkommission efunden hat. Darnah empfiehlt es si< nit, den Scheckverkehr im

ege der Verordnung einzuführen und die geseßliche Regelung

kunft vorzubehalten. Die Kommission verkannte aber auh n es zu einem Sche>geseß für Deutschland noh an allen Erfahrungen feblt, und fo hat man sich dahin geeinigt, die geseßlihe Grundlage dafür im Etat zu shaffen. Die Bedingungen sind folgende: Zunächst soll jede Verziniung wegfallen, damit wird den wesentlihsten Bedenken, welche im Plenum gegen die Vorlage vorgebra<t wurden, entgegen- etreten, es Tann dann au<h das Postsche>wesen fich niht zu einem Postsparkafsenwesen auswachsen, wenn auch der Wegfall jeder Zins- vergütuna die Ausbreitung des Sche>verkehrs fürs erste beeinträhtigen dürfte. Die vielen Gebühren, welche die Vorlage vorshlug, waren der zweite Stein, an wel<hem si<h das Plenum ftieß. Gegenüber dem Fortfall der Verzinsung hat die Kommission die völlige Gebührenfreiheit für nothwendig erachtet.

Reichs - Postverwaltung zeigte anfangs wenig Geneigt-

< auf die völlige Gebührenfreiheit einzulassen. Da aber die wesentlihe Vereinfahung des ganzen Verfahrens Voraussetzung einer gedeihlihen Entwickelung dieses Verkehrs ist, und h au der Staatssekretär dem nicht vershloß, so hat er gegen die Gebühcenfreiheit prinzipiellen Einspruh nicht erhoben, dagegen an- geregt, daß von den Kontoinhabern, deren Kontoverkebr jährlih mehr als 500 Buchungen erheischt, eine entsprechende Erhöhung der Stamm- einlage von 100 4 in Anspru< genommen werden könnte. Die Kommission ist dem entgegengekommen. Die auf Namen lautenden Zahlkarten für Einzablungen sind beseitigt; für die Abhebung fl ein einheitlihes Formular vorzuschreiben. Der Preis der Sche>hefte darf für 50 Exemplare höchstens 50 S betragen. Die aus dem She>verkehr in die Postkasse fließenden Gelder sind gegen täglihe Kündigung an die Reichsbank abzuführen. Die Reichs- bank soll das Kapital mit 39% na< ihrem jemaligen Wechseldiskont, mindestens jevo< mit 13 9/0 und bhôcsters mit 3 9/06 verzinsen ; ferner soll die Verzinsung mit dem auf die Einzahlung folgenden Tage be- ginnen und wit dem Tage der Abhebung wieder aufhören. Diese Bedingungen sind wesentlich günstiger für die Postverwaltuna, als die Vorlage sie enthielt; ein Mehreres ist au< von der Reichsbank nit zu verlangen. Bis zum 1. April 1905 soll spätestens das Fe \he>wesen auf dem Wege der Gesetzgebung geregelt werden. ah diesem Beschlusse erfährt die Einnahme eine Berminderung von 323 000 auf 80 000 Æ, die Ausgaben ermäßigen fich um rund 170 000 auf 214 809 M i | Abg. von Bro>khausen (d. konfs.): Durch die Kommissions- bes<hlüsse find die wesentlichsten Bedenken gegen die Vorlage beseitigt ; insbesondere if für das landwirthschaftliche Genossenshafstswesen der Wegfall der Verzinsung von der größten Bedeutung, um die Besorg- nisse dieser Kreise zu zerstreuen. Die Erfahrungen, die man mit dem Sche>verkehr in Oesterreich gemacht hat, mußten diese Besorgnisse als gerehtfertigt ersheinen lassen. Nach den Modifikationen, welche die Kommission vorgenommen hat, können diese Bedenken wohl als er- ledigt gelten, zumal au der Verband landwirth\haftlicher Genofsen- schaften zu Offenbach si in demselben Sinne \{lüssig gemacht hat. Später werden wohl au< an die Postbehörde Wünsche aus diesen Kreisen um Hergabe der im Beharrungszustand liegenden Gelder an- ebraht werden können. i j E Aba Singer (Soz): Wir werden den Kommissionsbeshlüfsen zustimmen, obglei wir in der Gewähr der zinélofen Einnahme einen nicht ganz unbedenklihen Schritt sehen. Die Befürchtungen der Ge- nossenshaften habe ih von allem Anfang an nicht getheilt ; ih befürchte au nicht, daß si der Postshe>verkehr zu Postsparkassen ausbilden wird, was übrigens na unserer Ansicht an si auch noi kein U glüd wäre. Die Nichtverzinsung wird allerdings ein wesentlihes Hemmniß für die Entwi>elung des Postshe>verkehrs sein ; die Entwickelung dieses Verkehrs kann nur auf dem Boden der Bedingungen für den Sche>verkehr überhaupt erfolgen; dieser aber beruht auf allgemeiner Gebührenfreiheit und auf einer mäßigen Verzinsung. Geht die Entwi>elung niht in der erwarteten Weise vor sich, so wird die Schuld an jeaen Kreisen liegen, welhe hier immer mit folem Nachdru> die Interessen des Mittelstandes zu vertreten vorgeben, und welhen die Poftverwaltung nachgegeben hat; in einigea Jahren wird man dann vielleiht do zur Gewährung einer Verzinsung zurü>kehren. Wunderbar ift, daß man überhaupt fofort na< Mitteln zur Verhütung des Mißbrau<s eines folchen Verkehrs suht in dem Augenbli>, wo man ihn eben erst einführt. Fedenfalls ift die Zinslosigkeit ein seltsames Mittel zur Veredelung des Geldverkehrs Was unter den 500 Buhhungen zu verstehen ift, darüber ift man in der Kommission nit ganz klar geworden, und der Staatssekretär wird gut thun, sih dazu vor dem Hause zu äußern. Mit der geseßlihen Festlegung ift ja dur< die Kommission ein Anfang gemacht : E

Abg. Gamp (Rp.): Au< wir halten den geseßlihen Weg für nothwendig, sind aber au<h mit dem Vorschlag der Kommission ein- verstanden, wie die letztere der Vorlage überhaupt eine fehr dankens- werthe Umgestaltung gegeben hat. Die Vereinfachung des Verfahrens ift mit besonderer Freude zu begrüßen ; die Verzinsung, wie sie die Reichsbank gewähren foll, ersGeint uns angemessen. Nicht allein die Zahl der Buchungen aber, sondern auch die Höhe des Kontos follte den Anspru< auf Erhöhung des Stammkapitals begründen. Durch die Beseitigung der Verzinsung wird freilih dem Handwerkerstand und dem kleinen Beamten die Benußung dieser wobltkätigen Einrichtung fast unmöglih gemacht werden ; der Fortfall der Gebühren bietct dafür nit das genügende Aequivalent. Die Besorgniß der Genoffenschaften habe au< i< nit für begründet ansehen können.

Aba. Dr. Müller-Sagan (fr. Volkép.): Den Kommissions- beshlüfsen stehen wir turhaus sympatbis< gegenüber; wir legen auch besonderes Gewicht darauf, daß die Verzinsung, zunähst wenigstens, in Wegfall kommt. Wir können nur wünschen, daß diese neue Gin- ri<tung in mögli kurzer Zeit zu möglichst hoher Blüthe gedeihe, und wir seben gerade in dem Fortfall der Zinsvergütung eine Vor- bedingung dafür. Will der Kleinverkehr feine Betheiligung an diesem Verkehr von der Verzinsung abhängig machen, so beweist das nur, daß in diejen Kreisen kein Bedürfniß für den Postshe>oerkehr vor- barden ift, daß mae vielmehr bloß auf diesem Umwege zu Postspar- fassen gelangen möchte. l

N Aba. Dr. Roes i>e- Kaiserslautern (b. k. F.): Ih bin sehr dafür, dur den Sche>oerkebr den Geldverkehr als solhen zu er- [eihtern; aber der Reichsbank sollten diese Gelder nicht zugeführt werden ; denn dann sind sie niht mehr brauhbar, niht mehr fruchtkar zu machen. Eine solde Einrichtung ift kein Sche>verkehr mehr, fon- dern eine Zentralisierung des Depositenverkehrs. Die Reichöbank ist die Versorzerin der haute financo. Geshädigt werden die kleinen Banken in den Mittelstädten; diesen Banken zu schaden, haben wir aber kein Interesse, weil sie gerade die Beratherinnen des kleinen und mittleren Gewerbestandes in diesen Orten sind. Die Genossenshasten sehen in dem Postse>verkehr au< eine Annebmlichkeit; aber der Zufluß derjenigen Gelder, welche sie sonst aus den Kreisen des Mittelstandes erhalten, die ibre disponiblen Uebersüsse bei diesen Genossenschaften anzulegen pflegten, wird auf- bören, weil diesen Kceisen die Post mit ihrem umfangreihen Apparat die ungleih größere Sicherheit und Bequemlichkeit bietet. Die Post hat 20 000 Amtéstellen, wovon 13 000 dem Sdwe>verkehr dienen werden; damit können die Genossenschaften nit in Konkurrenz treten, wie au aus demselben Grunde der Vergleich mit Oesterreich dur{- aus binkt, weil dort die Entwictelung des Postwesens viel weiter zurü> ift als im Deutschen Reiche.

waltungen

Staatssekretär des Reichs-Postamts von Podbielski: Meine Herren! Ich freue mi, daß dur< die Verhandlungen in der Subkommission, als au< in der Budgetkommission klargelegt worden ist: die Befürhtungen, die von mancher Seite in diesem Hause gehegt wurden, daß die Verwaltung beabsichtige, auf vershleiertem Wege die Postsparkafsen einzuführen, find zerstreut, der Verwaltung hat derartiges ganz fern gelegen. Andrerseits freue ih mi, namentli aus der Rede des Herrn von Bro>hausen entnehmen zu können, daß sih jeßt bestätigt, was ih mir früher dem hohen Hause zu unterbreiten er- laubte, daß in Oesterreih nach den dort gemachten Erfahrungen das Genofsenschaftswesen dur< die Einführung des Sche>verfahrens keine Schädigung erlitten hat. Meine Herren, die Auskunft, die Sie heute hier erhalten haben, die au< i< zum ersten Male höre, ist für mich insofern sehr erfreuli<, als das Studium, das i< persönlih vor 2 Jahren vornahm, \sih mit der Auskunft der betreffenden Stellen thatsähli< de>t.

Wenn der Herr Abg. Dr. Roesike das Bedenken äußerte, daß dur< das Sche>kverfahren der Geschäftsbetrieb der Genofsen- schaften beeinträ<htigt werden könnte, fo hat er auf der anderen Seite doh zugeben müssen, daß dur die Einführung dieses Verfahrens wesentlihe Vereinfahungen im Geldverkehr eintreten werden.

Ih muß nun heute hier und da befinde ih mi in Ueber- einstimmuvg mit einzelnen Herren, die bisher gesprohen haben hervorheben, persönli glaube i< no< immer, daß es richtiger wäre, eine kleine Verzinsung derjenigen Beträge, die auf den einzelnen Konten gut stehen, eintreten zu lassen. Ich kann aber au nicht ver- hehlen und habe das auch in der Budgetkommission ausgesprochen, daß gewihtige Stimmen, denen ih ein Urtheil in diesen Dingen zu- gestehe, zum Beispiel die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft #si< gegen jede Verzinsung erklärt haben ; während, wte ih andererseits {hon in der Budgetkommission mitgetheilt habe, zum Beispiel der Deutsche Landwirthschaftsrath si für eine b ohe Verzinsung ausge- \prochen, ein Theil der Genossenschaft wieder gesagt hat: keine Ver- zinsung. Ich wiederhole, persönli glaube ih auch heute no<h, es wäre besser gewesen, die Budgetkommission hätte ih mit ihren Vor- lägen auf den Boden der Postverwaltung gestellt und eine geringe

Verzinsung eingeführt.

Meine Herren, die Verzinsung, die wir damals vorgeschlagen haben, betrug 0,6, also nur eine Kleinigkeit über # 9/0, wodur son erwiesen ist, daß eine Konkurrenz gegen Sparkassen- und genofsen- \haftlihz Anlagen keinesfalls eintreten könnte. Ich glaube, diese von der Verwaltung in Vorschlag gebrachte Verzinsung hätte nah vielen Richtungen hin rih<tig und gut gewirkt. Indessen anerkenne ich, meine Herren, auf diesem Gebiete muß erft die Erfahrung uns lehren, welhes der rihtige Weg ist. Ih kann heute hierzu nur no< erklären, daß au<h die Vertreter der Ver- von Bayern und Württemberg in Anbetraht der Beschlüsse der Budgetkommission sih veranlaßt gesehen haben, in erneute Verhandlungen mit der Reichs-Postverwaltung zu treten und au< in Bayern und Württemberg das Eigenthümlihe war, daß man dort meine Vorschläge zunächst angenommen hatte auf dem gleihen neu aufgestellten Prinzip vorzugehen.

Aber, meine Herren, i< will nit verhehlen, daß doch erhebliche Bedenken vorliegen, daß wir keinerlei Gebühren bis zu den Buhungen von 500 A bekommen follen. Denn außer der Kosten, die jeßt in dem Anschlage ungefähr mit 430 000 #4 berechnet sind, werden wir weiter damit re<hnen müfsen, daß wir einen Ausfall bei den Postanweisungen erfahren. Es ift ganz klar, daß viele Leute, die ein Konto haben, in Zukunst ihr Geld dur< Zahlkarte, die ni<ts kostet, einfah einzablen werden, sodaß die Einnahmebeträge für die Vebersendung von Geld, die wir bei den Postanweisungen jeßt haben, künftig fortfallen werden. Ich bin daher verpflichtet, das hohe Haus darauf aufmerksam zu machen, daß wir hier mit dem Moment eines Ausfalles zu re<nen haben werden, wenn Sie die Beschlüsse der Budgetkommission einführen, ein Ausfall, der niht ganz ohne Einfluß auf die Gestaltung des Budgets bleiben kann, und ih kann au<h heute no< ni<t sagen, welhe Stellung die verbündeten Ne- gierungen zu Ihren Bes{lüfsen nehmen werden. Bekanntermaßen tritt der Bundesrath später zusammen, um zu beschließen, wie weit dem Folge gegeben werden kann, was das hohe Haus na< der Richtung abgeändert hat. Ich persönlich ftehe auf dem Standpunkt, man soll im Interesse des Landes, der Wohlfahrt und der wirthschaft- lihen Entwi>telung einen Versu<h machen, und was an mir liegt, fo kann ih den Hzrren nur sagen: wir wollen wirkli< hineintreten und versuchen, die Sache so zu gestalten, daß fie wirkli< nußt und nicht etwa von bureaufkratisher Gestaltung hon im Keime ersti>t wird.

Ich muß nun, meine Herren, noh auf einzelne Punkte e¿ngehen. Zunächst richtete H2rr Abg. Singer an mi die Frage, ob jede einzelne Postanweisung eine Buchung wäre. Ich habe darauf zu erklären, wie ih das auh son in der Subkommission ausgespro Hen habe, daß niht jede einzelne Postanweisung eine Buchung bedeute, sondern daß die Ueberweisungen eines Tages in der Regel wird es eine Tagesüber- weisung sein, was aber nicht auss<ließt, daß einmal bei einem großen Amt ein Abschluß zu Mittag und ein Abshluß zu Abend gemaht wird daß also die eingehenden Postanweisungen eines Tages eine Buchung bilden. Ich kann den Herrn Abg. Singer nur darauf hinweisen, was das Haus auch interessierea wird, daß es in der Dienstanweisung der Herr Präsident gestattet wohl, daß ih diesen Passus verlese folgendermaßen heißt: :

Bei der Ueberweisung der dem Kontoinhaber gutzuschreibenden Postanweisungsbeträge an das Sche>kamt wird nicht über den Be- trag jeder einzelnen Postanweisung eine besondere Zahlkarte aus- gefertigt, sondera es wird der Gesammtbetrag aller seit der leßten Ueberweisung vom Kontoinhaber angenommenen Postanweisungen in eine Zablkarte aufgenommen.

Der Herr Abg. Gamp meinte, es wäre doh für die kleineren Leute sehr \{<limm, wenn sie mehr als 500 Buchungen hätten, daß dann eine erhöhte Einlage von ihnen gefordert würde. Zunä@st steht in den Bestimmungen „nah einheitlihen Grundsäßen“, d. b. also der Reichskanzler ist niht berehtigt, dem Ginen die Buchung für 5 4 zu machen und dem andern für 10 4, aber es ist die Fakultät gegeben. Es dreht si< immer darum: hat der betreffende Kontoinhaber fein Geld längere Zeit stehen lassen, sodaß dur die Zinsen der Betrieb gede>t ist, dann wird man von ihm keine höhere Stammeinlage verlangen ; zieht er aber sein Geld jeden Tag zurü>, dann muß man höhere Beträge fordern. Man muß also immer das Konto als solches beurtheilen, ob es nöthig ift, eine höhere Einzahlung zu verlangen.

Was nun die Einwirkung des Sche>verkehrs auf die Genofsen-

schaften anlangt, so habe ih bereits in der Budgeikommission d

\{lofsen ift : Die Einführung des Schhe>verkehrs if nur da zuzulassen zu empfehlen, wo ein besonderes Bedürfniß vorliegt, und die Statistik über das Genossenschaftswesen Deutschlands weist na, daß nur ein geringer Theil der Genossenschaften ih dem Stet,

diesem Verkehr angepaßt hätten, würden fie doch immer nur für dey Kreis ihrer Mitglieder den Verkehr vermitteln, aber niht für die Allgemeinheit. Das iff gerade das Wesentliche, daß die Poß,

alle sole allgemeinen wirthshaftlihen Fragen viel ruhiger, vie unabhängiger und viel sicherer dur< die Reich8-Postverwaltung gelöst werden können als durh eine solhe einseitige Organisation, Fh selbst stehe, wie ih {hon einmal erklärte, mitten in der Ert, wi>elung des Genofsenshaftswesens, bin an so und foviel Genossen, schaften betheiligt; aver trogdem kann ih die Genoffenschaften nigt in dem Maße dafür geeignet halten. Wenn der Herr Borredner nun ferner sagte, die Reihs-Postverwaltung wolle jeßt die Aus, bildung des Depositenwesens in die Hand nehmen, so meine it, Depositenwesen und keine Verzinsung, das sind niht Säße, die jy sammengehen, sondern das sind Gegensäge. Wenn dann der Herr Vorredner fortfuhr: wir draußen brauchen die kleinen Banquiers, und die werden dur< die Einführung des Sche>verkehrs zu fehr be einträhtigt, so wurde genau dasselbe Argument angeführt, als es fiß um die Einführung des Postauftragswesens handelte. Da hieß es: dadur werden die fleinen Banken und Banquiers, die Berather in den fleinen Städten, ges<hädigt. Diese Befürchtungen sind aber niht eingetreten. Außerdem meine ih, es würde besser berathen dur< die Genossenschaften als dur< die kleinen Banquiers, ohne den Herren persönli nahetreten zu wollen. Jeder, der mit Geld zu thun hat, wird im Postshe>verfahren, wie überhaupt im Sche>kverfahren, eine Vervollkommnung gegen das bisherige System bald erkennen. Ich hoffe, daß das hohe Haus den Postsche>verkehr als einen Versuch ansieht; sollte er sih hier oder da nit ganz be- währen, so rehne i< auh ferner auf die Unterstüßung des hohen Hauses, das Sche>verfahren so auszugestalten, daß es wirkli< zum Segen für die wirthshaftlihen Einrichtungen unseres Vaterlandes

werde. (Bravo !)

Abg. Raab (Reformp.) äußert sich über die Vorlage und über die Kommi1sionsbeschlüsse wie der Abg. Dr. Roesike. Jn den Kreisen des Kleingewerbestandes könne man fi auch jeßt no nicht von der segensreiwen Wirksamkeit der neuen Einrichtung Überzeugen. Die größten Bedenken müsse die beabsihtigte Ueberweisung der der Post zufließenden Gelder an die Reichsbank hervorrufen. Vortheile von der Einrichtung hätten nur diz neun Städte, in denen Sche>ämter errihtet werden sollen. : / O

Abg. Dr. Arendt (Rp.): Nachdem die Verzinsung beseitigt ift, bin ih in der Lage, der Vorlage zuzustimmen. Die Einrichtung wird allerdings nit in der Hauptsahe dem Großverkehr zu gute fommen; aber eine Ausdehnung derselben, die au< weiteren Kreisen die Vortheile ciner folhen Vertheilung des Geldverkehrs zuwendet, ist später keineswegs ausgeschlossen. Eine Zentralisation, wie sie der Vorredner befürchtet, wird niht eintreten, Zu Angriffen auf die Reichsbank ist diese Angelegenheit in der That nit geeignet ; für das Reich ist im Gegentheil gerade die Reichsbank die einzig richtige Stelle für die Unterbringung der der Post zugeflossenen Kapitalien.

Abg. Dasbach (Zentr.) erklärt sh mit den Kommissions bes<lüfsen, insbesondere mit der Zinslosigkeit, einverstanden. Jeden falls könne man den Versuch wagen und sehen, ob nah den vier Fahren die Sache geändert, ausgedehnt oder aufgehoben werden müsse

Abg. von Staudy (d. kons.) spricht sich au dahin aus, daß seine Partei den Kommissionsvorschlägen nur zustimme, weil es sih um einen Versuch handle.

Damit schließt die Diskussion. Die Vorschläge der Kom- mission werden angenommen.

Es folgt die Berathung des Etats des Reich s -Jn validen- fonds. Die Budgetkommission hat den Etat unverändert

angenommen. i j

Abg. Gamp dankt der Verwaltung des Reichs - Invalidenfends für die ErfüQung seiner früher auszesprohenen Bitte, bei der Be- leguna disponibler Gelder au<h die Zentcal - Genofsenschaftskasse zu berüksichtigen. S

Abg. Dr. Bachem (Zentr.): Die Reformen der Militär: pensionsgeseße haben, wie wir shon gestern gehört haben, inzwischen bedeutende Fortschritte gemaht, und eine erjprießlihe Lösung steht in Aussicht. Diese Löfung möglichst bald herbeizuführen, ist ein drin» gender Wunsch des Reichstags. Es sind geradezu herzzerreißende Fd bekannt geworden, daß deutshe Militärpersonen. welche uns die Blüthe des Deutschen Reiches wit ihren Wunden ecfochten haben, j ht darven müssen. Ein s{ônes Schauspiel ift es nicht, daß die Militärverwaltung nicht aus eigcrer Jnitiative an uns herantritt.

Abg. Dr. Arendt schließt si< dem Wunsch des Vorredners an; meint aver, daß man zwar bei der Militärverwaltung auf das gró s Entgegenkommen re<hnen könne, daß es aber nothwendig sei, an da Reichs-Sch2amt einen eindringlichen Appell zu richten.

Der Etat wird bewilligt. Z j J

Vom Etat der Verwaltung der Reics-Eisenbahne sind noch die Forderungen von 500 000 und 800 000 d zweite Rate zur Erweiterung des Personenbahnhof hausen bezw. erste Rate zur Erweiterung des Dan ; Colmar im außerordentlihen Etat des Extraordinar L rüständig. Die Budgetkommission hat die Position S Mülhausen dergl in der Forderung für Colmar 0 150 000 M gekürzt. ;

Abg. Hauß (b. k. F.) will die Forderung für Mülhausen S Zeit abgelchnt wissen, da das auszuführende Projekt ken, Inter der Stadt niht völlig gere<ht werde. Die Budgetkommission s zur näheren Prüfung der Frage, ob Unter- oder Ueberführung, u Subkommission eingeseßt; dieselbe habe aber ihre Aufgabe e ledigt, und trogdem habe di: Budgetkommission Beschluß gefaß itang

Geheimer Ober-Regierungsrath im Reichsamt für die Vans der Reiché-Gisenbabnen Gl ö>ner tritt für die Etatsposition Z ‘da

Abg. Hauß bemängelt, daß die Eisenbahnverwaltang Scültige Stadt nicht voc der Feststellung des Bauprojekts eine uet 0g Verständigung herbeigeführt habe, und daß jeßt die Cisenbahnver p tros des Einspruhs der Stadt mit den Bauten weiter eniber wolle, ohne daß die bekannten Schwierigkeiten wegen der 2 gänge beseitigt seien. Ganz ebenso liege die Sache in Golme, Kom

Geheimer Over-Regierungsrath Glö>ner stellt fest, daß der Su mifsare der reihsländishen Bahnverwaltung zu den Sigzungen kommission niht eingeladen worden seien. nidt p

Abg. von Kardorff: Die Subkommission konnte eil fein sammengerufen werden aus dem sehr eiafohen Grunde, terló aus elsässisher Abgeordneter hier anwesend war, und Herr ==* willigen mitgetheilt hatie, daß wir ganz ruhig die Positionen erzielt sei fönnten, Res eine Einigung mit der Stadt Mülhausen Z oder bevorsleye. gr

y ee L (A. F.) verwahrt sih gegen den von dem A redner erhobenen Vorwurf. ( i wer

Abg. Hav ß: Die Subkommission hätte jederzeit herufen

können, und wir wäxen darn erschienen.

hingewiesen, daß auf dem legten deutshen Sparkafsenverbandstag by ;

verkehr angepaßt hat. Aber selb wenn alle Genoffenschaften sd |

verwaltung für jedermann da ift, und daß infolge des

a Carle Moterer Debatle wird die Position na< dem Etatsanschlag bewilligt. betreffend den Colmarer Bahnhof, legt

Jn der Position, aud zee Preiß (b. k. F.) Verwahrung gegen den Vorwurf ein, daß i elsássischen Abgeordneten keine weiteren Schritte gethan hätten. e Referent, Abg. Dr. Paasche, habe die Subkommission nicht ein- Tafna weil die Regierung die von ihr übernommenen Ver- flihtungen, die Gegenvorshläge der Stadt Colmar zu prüfen und drrüber Mittheilung zu machen, nit erfüllt habe. Die Eisenbahn- : ltung sei bei der Ausarbeitung des Projekts weder den ete no<h den moralis<en Verpflichtungen, welhe sie Colmar gegenüber eingegangen sei, nachgekommen. Aufstellung des Bahnprojekts habe die Eisenbahn- auédrü>li< versprohen, niht ohne Vereinbarung Stadtverwaltung vorzugehen; in Wirklichkeit aber dt erst im leßten Augenbli>, als die Forderung an den Reichstag erhoben werden sollte, Kenntniß von dem Projekte gegeben worden. Am liebsten würde er (Redner) {on heute die ganze orderung bewilligt sehen, sodaß 150 000 M als erste Baurate zur erwendung kommen könnten und man fi ni<t nur auf den Grund- erwerb zu beshränken brauhte; wenigstens aber hoffe er auf Er- flärungen der Regierung, welche den berehtigten Wünschen der Colmarer städtischen Verwaltung entgegenkomwen. Redner tritt hierauf in eine ausführlihe Erörterung der Colmarer Bahnhofsverhältnifse ein.

Nachdem der Geheime Ober - Regierungsrath Glö>ner rwidert, wird nah dem Kommissionsvorschlage beschlossen. furz e / E, y bez Der Budgetkommission waren auch die beiden Forde- rungen für isenbahnbauten im Extraordinarium für Ost- Afrika überwiesen worden. Die 72 000 M für die Fort- führung der Usambara-Bahn Tanga—Muheja über Korogwe hinaus nah Mombo sind von der Kommission zur Bewilligung empfohlen; die Forderung für die ostafrikanische Zentralbahn ist dagegen abgelehnt. i i Reterent ‘Abg. Prinz von Arenberg (Zentr.): Die Kommission hat auf die ihr überwiesenen Titel der einmaligen Autgaben für Ost-Afrika zwei Sißungen verwendet, und zwar wurden die Titel in der Diskussion getrennt. Es berrshte bei der großen Majorität der Kommission Einverständniß darüber, daß die Forderung für den Bahn- hau Muhesa—Koroawe als zweite Rate zu bewilligen sei. Es wurden dabei die Verhältnisse und Aussichten des Kaffeebaues in Usambara eingehend erörtert und besonders von dem in die Kommission einge- führten Pflanzer B. Vèismahl sehr gründlich beleuchtet. Die Aufzeich- nung seines Vortrags liegt Ihnen vor. Auch von Mitgliedern der Kommission wurde ausgeführt, daß die Behauptung, die Kaffee- pflanzungen seien durch die zweijährige Dürre vernichtet worden, durchaus irrig sei. Es seien von den ganz jungen Pflanzen no< nit 90% zu Grunde gegangen ganz ebenso wie au<h bei uns in einzelnen ungünstigen Jahren selbst die widerstandsfäbigsten Wald- pflanzen stellenweise litten. Die Kaffeepflanzungen befänden sih im Gegentheil in der besten Verfassung und bere<tigten zu guten Hoffnungen, sofern sie die von ihnen sehnli<hst erwünshte Erleichterung für die Beförderung ihrer Produkte, Arbeiter und Lebensmittel erbielten. Betreffs der Fortführung der Bahn über Korogwe hinaus wurde hervorgehoben, daß es sih do< nur um Bewilligung der Vorarbeitenkosten obne Obligo handle. Wenn be- hauptet werde, au< West-Usambara eigne sih vortrefflih für den Kaffeebau, insbesondere für die Kleinansiedlung, da das Klima fieber- frei sei, so läge do< aller Anlaß vor, der Frage näher zu treten und sie au betreffs der Kosten zu beleuhten. Dem Vorschlag, auch hier wie in Deutschland, speziell Preußen, die Interessenten zu Beiträgen heranzuziehen, wurde entgegengehalten, daß bei uns alle Parteien diese Praxis der preußishen Regierung energis< verurtheilten, sie, si< daher wobl kaum zur Nachahmung empfehle in einem gänzli<h unzivilisierten Lande, gegenüber Leuten, die {on so wie so kein geringes Risiko auf sih genommen hatten. Das Beispiel des Herrn Miémahl beweise, daß auch kleine Leute mit Fleiß und Energie durh den Kaffeebau etwas vor \i< bringen könnten; wolle man Eisenbahnbaubeiträge fordern, ma<e man ibnen von vorn- berein das Unternehmen unmözlih. Nachdem noch der Herr Kelonial- Direktor erklä:t batte, rebus sic stantibus läge es überhaupt nicht in der Absicht der Kolonial-Verwaltung, über Vèombo hinaus nah dem Kilimandscharo weiterzubauen, weil das dortige Gelände Steppen- boden sei, wurde die Gesammtpcosition von der Majorität der Kom- mission angenommen. / s Arie Forderung für die Usambara-Bahn wird ohne Debatte ewilligt. Zu Vorarbeiten für die Bahn von Dar-es-Salâm ins Jnnere werden 120 000 4 verlangt. Die Kommission will nur 20 000 M bewilligen zu Vorarbeiten für eine tele- graphishe Verbindung zwischen Dar-es-Saläâm ünd Kilossa. Referent Abg. Prinz von Arenberg: Hier klärte zunächst der er Kolonial-Direktor den Widerspruch auf, der zwischen seinen Aus- ührungen in pleno und der der Kommission mitgetheilten Denk- rift gefunden werden könne. Das Projekt einer Zentralbahn habe zur Zeit nur eine theoretishe Bedeutung, aber der ganze Zusammen- hang und Hintergrund müßten doh aufceklärt werden. Man könne die Stihbahn bis Mrogoro bewilligen und do< die Zentral- bahn verwerfen. Die Kommission solle eben entscheiden, ob sie die bier verlangte Summe für die Aufklärung der ganzen Frage be- willigen wolle. Unter sonstiger Bejugname auf die uns mit- getheilte Denks<rift hob der Ministerial-Direktor hervor, tie Uganda- bahn sei unter viel ungünstigeren wirthshaftili<hen Bedingungen und Verhältnissen gebaut worden als diese und rentiere sih do<. Ein langsameres Tempo hätten wir bei unserem Eisenbahnbau nicht gut ns{<lagen können. Im Jahre 1892 wurde vom Kolonialrath der Bau der Zentralbabn empfohlen, 1894 ließ der Gouverneur von Scheele die ersten Vorstudien im Terrain machen und heute wird nicht ein- mal eine erste Rate verlangt, sondern nur eine ganz geringe umme zu Vorarbeiten für eine Stihbahn. Alle Kolonial- Eeunde interessierten sh für die Sache, au< die Majorität des leihtages hege keine prinzipielle Abneigung; fo sei denn nicht zu Ee Zeit zu verlieren, wollen wir nicht die englishe Konkurrenz be- lestigen, Ein Mitglied der Kommission äußerte si dahin, die in der ruhten Denkschrift aufgestellte Behauptnng, unser oftafrikanisches ebiet werde dur< die Uganda-Bahn, die Bemühungen des Kongo- goates und den Verkehr auf dem Tangany.ka, erdlih dur die ¿cd-Südafrika-Babn geradezu drainiert und der Handel an der L è vernichtet werden, diese Behauptung sei wohl unanfetbar, Nen wohl niht zu beweisen, daß periculum in mora, die Seite {on in diesem Jahre zu machen sei. Von anderer dost è? wurde ausgeführt, daß die Bahn zum mindesten 150 Millionen warn und, um überhaupt rentabel zu sein, möglihst {nell gebaut ia müsse. Dazu seien die Anschläge des Geheimen Raths Dechel- reh E offenbar zu niedrig gegriffen, wie dies aus den von ihm be- N ing Lokomotiv- und Schienenpreisen hervorgehe. Wir durften an diesem Maße die kolonialen Interessen vor den einheimischen Interessen bevorzugen,- denn dur solhe großen Proj:kte würde fee Snlande immer mehr Geld entzogen und die Geld- vitieneit vermehrt. Die von Finanzgruppen gestellten Bedingungen dem Mandainia das man S Sie e Vertrauen zu von den Vert a Zu diesem lehteren Punkte wurde uns theiluna ee retern des Reihs-Schaÿamts und der kolonialen Ab- tien B folgende Mittheilung gemacht: Die günstigsten Bedingungen Jon der Deutschen Bak geboten worden : 3 9/6 Zinsgarantie arantie men, nit präzisierten Baukosten der Stichbahn, außerdem rgvkg für die Betriebékosten, Amortisation dur ratenweisen An- weisur 8hares seitens des Reichs und außerdem no< Landüber- Es best Daraufhin seien die Verhandlungen abgebrohen worden, gebaut e keine Aussicht tafür, daß die Bahn durh Privatkapital ao en würde, ebensowenig würde aber au< der Nachtrags- Forderung für diesen Bahnbau enthalten, da doch

erft die te<nishen Unterlagen beshafft werden müßten. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, daß der Bahnbau in der ganzen Kolonialverwaltung die wihtigfte und nothwendigste Maßregel sei, wie dies das Beispiel Englands beweise. Wenn au< mit Bedauern anzuerkennen sei, daß der Bahnbau in diesem Jahre wohl kaum zur Ausführung kommen werde, möge man doch wenigstens die geforderten 120 000 bewilligen : 1) für die Vorarbeiten der Telegraphenleitun

bis Kilossa, 2) um dur< die Kolonialverwaltung auf Wuns der Chemnißer Baumwollenfabriken die Baumwollenkultur in Ost-Afrika \tudieren zu lassen und zu verbreiten. Gegen diese AOderent des Dispositivs wurde aus dem Schoße der Kommission fofort Widerspruch erhobev. 1) aus formellen Gründen, weil \olhes den Gepflogenheiten der Kommission zuwider laufe, 2) weil es do< Sache der Chemnitzer Industriellen sei, solhe Versuhe auf eigene Kosten anzustellen. Ein anderer Antrag: Die Summe von 120 000 4 für die Telegraphenanlage allein zu bewilligen, wurde abgelehnt, ebenso die 100 000 A für den Bahnbau, dagegen 20009 # für die an- zulegende Telegraphenleitung bewilligt.

Abg. Da3bach (Zentr.): Es handelt si< ¿war nur um Vor- arbeiten, au< will die Kolonialyerwaltung den Namen „Zentralbahn“ niht hôren; aber wenn wir diese Bahn nicht bis an die Seen fort- seßen würden, hätte sie keinen Werth. Wir können indefsen nicht Alles auf einmal machen; die Unternehmung eines Zentralbahnbaues würde uns in endlose finanzielle S&wierigkeiten stürzen. Die Fort- seßung der Kaffeebahn if bewilligt; da handelt es sich do< wenigftens um Aufs<hließung eines Gebietes für neue Plantagen. Aber wir haben für die Kolonien {on sehr viel gethan, der Nachtrag fordert dafür au< eine Million, in dem Etat für 1900 i von der Flotten- vorlage überhaupt no< garnicht die Rede; wo soll es da mit dem Engagement für eine oftafrikanishe Zentralbahn hinaus ?

Abg. Dr. Hasse (nl.) bittet, niht von vornherein den Gedanken einer Zentralbabn in Osft-Afrika zu begraben. In dem Schußzgebiet Ost-Afrika habe man zu spät mit den are für wirtf\{aftlihe Zwe>ke angefangen. Die geplanten Eisenbahnen hätten eine große kulturelle Devere, Man müsse endli<h mit dem Anbau von Baumwolle in Ost-Afrika beginnen; an der Küste habe man si< lange genug aufgehalten. Auch könne si< der Güterverkehr nit länger auf den Köpfen der Neger allein vollziehen.

Direktor der Kolonial - Abtheilung im Autwärtigen Amt Dr. von Buchka: Ich bedauere lebhaft, daß der Abg. Dasbach auf seinem ablehnenden Standpunkt \teben geblieben ist. Wenn man in jedem Konkurren;kampf die Waffen stre>t, so kann man nichts er- reihen. Wenn der Abg. Richter und die Sozialdemsokraten si gegen Eijenbahnen in den Kolonien aussprechen, so ift das allerdings konsequent, aber i< denke, das Zentrum ftellt si< auf den Boden der gegebenen Thatsache, daß wir nun einmal Kolonien haben und ße entwi>eln müssen. Die Herren verfahren nah dem Say: Wasch mir den Pelz, aber mah? ihn ni<t naß. Die Kolonien müssen stagnieren, wenn nihts für sie geschieht, und andere Nationen können uns den Wind aus den Segeln nehmen. Es handelt sih hier do nur um die Vorarbeiten, und der Reichstag verpflichtet sh für keine weiteren Forderungen für den späteren Ausbau der Bahn. Jeyt bleibt uns ni<ts übrig, als im nächsten Jahre die gleiche Forderung zu stellen. Die 120 000 #4 können do< niht mit Rücksicht auf die Finanzlage abgelehnt werden. Wenn die Sa(hlage auch nit die gleiche ist wie vor zwanzig Jahren bei Samoa, so wäre die Ablehnung do< niht unbedenkli<. Wir wollen uns ni<ht dem Vorwurfe auéseßen: die Deutshen wissen wohl Kolonien zu bauen, aber sie wifsen nihts daraus zu machen.

Abg. Richter: Diese Auseinanderseßungen find uns nicht unbe- fannt. Der Hinweis auf Samoa hinkt. Es handelte sih damals um eine Reichsgarantie. Diese wurde abgelehnt, und die Planiage be- stand weiter. Bei einer Stihbahn kommt do< keine Konkurrenz einer anderen Macht in Betracht. Wir haben au< in Deuts(land einen Verkehr, den wir entwi>eln wollen. Daraus folgt aber nicht, doß wir jede Forderung für den deutshen Verkehr bewilligen. Niemals würde bei uns eine Bahn bewilligt werden unter so vagen Vorausseßungen, wie für diese Bahn. Gewisse Dinge müfsen wir bewilligen, weil die Konsequenz des Besitzes uns dazu drängt. Hier aber liegt die Sache anders. In der Kommission war eine Mehrheit, welhe n!<t nur diese Forderung, sondern auch die weitere Bewilligung für die nächsten Jahre ablehnen wollte. Der Hinweis auf die Uganda-, auf die Congo- Bahn ist für diese Zentral- babn nit im geringsten entscheidend, wie fogar in der fTolonials politischen Zeitschrift von Professor Hans Mey?er ausgeführt wird. Wir erfahren da au die interessante Thatsache, daß die Uganda- Bahn nicht nur ni<t für die verans{lagten 45 Millionen gebaut werden kann, sondern daß sogar 120 Millionen niht ausreihen würden. Einstweilen ist auf der ganzen hier in Frage kommenden Stre>e no< nit eine einzige Plantage vorhanden. Der Reichstag r: für so unbestimmte Zukunstsaussichten Neichsmittel nicht her- geben.

Abg. Dr. Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode (d. kons.) erklärt, er halte zwar das“ Zentralbahnproj-kt für fehr wihtig, aber freilid au für niht leiht zu entsheiden. Komme die große englische Süd-Nordkahn zur Ausführung, so würde deutshes Schußzgebiet in fremde Wirthschaftsgebiete völlig eingekeilt werden, Da für die Zentralbabn beute keine Mehrheit vorhanden sei, \priht Redner dem Kolonial: Direktor den Wunsch aus, bis zum nächsten Jahre eine erweiterte Vorlage auszuarbeiten, welche nicht von dieser kleinen Stich- bahn, fondern von der Zentralbabn ausgehe.

Abg. Gröber (Zentr.): Die Mehrheit meiner Freunde hat sih mit der negativen Entscheidung in der Kommission keineswegs gebunden, sondern bebält fi<h für die Zukunft volle Freiheit vor. pn uns in der Mehrzahl ift bei diesen Bahnbauten die Frage des

empos entscheidend; wir wollen abwarten, wie die weitere Ent- wi>elung in den Kolonien überhaupt ih gestaltet; wir wollen bei den großen finanziellen Engagements des Deutschen Reichs nichts überhasten.

_ Abg Graf von Arnim (Rv.): Da wir die Elephanten nicht zähmen fönnen, fo sind wir für den Transport von 16 Millionen an Gütern bis jeyt lediglih auf die Köpfe der Neger angewiesen. Da kann do der Vorzug einer Bahnanlage ni<ht zweifelhaft sein. Das Baukonfortium hat fih von dem Bahnbau zurü>gezogen, und Herr Richter hat diese Thatsahe wieder gegen das Projekt ver- werthet. Die Interessen einer Bank aa einer solhen Bahn sind aber au ganz und garnicht dieselben wie die einer Regierung. Wenn man die grofken Ziele der Kolonien im Auge behalten will, kann man tolhe Kleinigkeitskrämerei niht treiben. Man sehe sich nur den Auf\hwung der Ausfuhr in Mombassa seit dem Bau der englishen Bahn an! Eine Rentabilitätsberehnung nah dem Schema läßt sich freilih für die Bahn nicht aufstellen; aber die Grundlagen füc ein gedeihlihes Unternehmen sind unleugbar vor- handen, dafür liegen durhaus vertrauens8würdige Zeugnifse vor. Redner polemisiert dann gegen einige weitere Ausführungen, welche der Abg. Richter bei der ersten Besprehung des Zentralbahn- projekts im Reichstage gemacht hat.

Nachdem der Abg. Dasbach auf die Ausführungen der Redner von der Rechten kurz erwidert hat, wird dem Kom- missionsantrag gemä beschlossen.

Gegen 7 Uhr wird die Fortseßung der Etatsberathung auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. (Außerdem zweite Lesung des Geseßentwurfs, betreffend die Patentanwälte.)

Höhe der Schneedecke in Zeutimeteru am Montag, den 19. März 1900, um 7 Uhr Morgens.

Mitgetheilt vom Königlich preußishen Meteorologishen Institut.

(Stationen nah Flußgebieten geordnet.)

Oesiliche Küstenflüsse. Memel (Dange) 0, Tilsit (Memel) 0, Infterburg (Pregel) —, Heilsberg (Pregel) —, Königsberg i. Pr. (Pregel) —.

WeiwGsel.

Groß-Blandau (Bobr, Narew) —, Czerwonken (Bobr, Narew) 12, Marggrabowa (Bobr, Narew) 10, Klaufsen (Piffa) —, Neidenburg (Wkra) 0, Osterode (Drewenz) 0, Altstadt (Drewenz) 0, Konißz e 0, Bromberg (Brahe) 0, Graudenz 0, Berent (Ferse) 0,

arienburg (Nogat) 0, Hoppendorf (Mottlau) —.

Kleine Flüsse zwishen Weichsel und Oder.

Lauenburg i. P. (Leba) —, Köslin (Mühlenba<h) —, Schivelbein (Rega) 0. Bs er.

Sgillersdorf 0, Leobshüß (Zinna) —, Ratibor 0, Beuthen (Klodnitz) 0, Oppeln 0, Habelshwerdt (Glater Neisse) 0, Brand (Glaßer Neisse) 49, Reinerz (Glazer Neifse) 15, Glaß (Glaßer Neisse) 0, Görbers- dorf (Glager Neisse) 24, Friedland (Glager Neisse) 0, Weigelsdorf (Glager Neisse) 0, Rosenberg (Stober) 0, Breslau 0, Liegnitz (Kaßbah) —, Fraustadt (Landgraben) —, Schwarmiy 0, Grünberg 0, Krummhübel (Bober) 1, Wang (Bober) 44, Eichberg (Bober) 1, Screiberhau (Bober) 4, Warmbrunn (Bober) 0, _Bunz- lau (Bober) 0, Görliß (Lausißer Neisse) 1, Frankfurt 0, Oftrowo (Warthe) 0, Posen (Warthe) 0, a (Warthe) —, Samter (Warthe) 0, Paprots< (Warthe) —, Neustettin arive) 0, Deutsch- Krone (Warthe) 0, Landsberg (Warthe) 0, Stettin 0, Pammin (Ihna) 0, Prenzlau (Ue>er) 0, Demmin (Peene) —.

Kleine Flüsse zwishen Oder und Elbe.

Greifswald —, Putbus —, Güstrow (Warnow) 0, Rosto>k (Warnow) —, Kirhdorf auf Poel 0, Segeberg (Trave) 0, Lübe> (Trave) —, Eutin (Schwentine) 0, Plôn (Schwentine) —, Schleswig (Shleî) —, Flensburg —, Gramm (Fladsau) —, Westerland auf Sylt —, Wyk auf Föhr 0, Husum 0, Melderf 0.

Elbe.

Torgau 0, Dessau (Mulde) 0, Scheibe (Saale) 13, Neu- haus a. R. (Saale) 22, Jena (Saale) 0, Stadtilm (Saale) 8, Dingelstädt (Saale) 9, Erfurt (Saale) —, Sondershausen (Saale) 7, Nordhausen (Saale) 2, Greiz (Saale) 9, Altenburg (Saale) 3,

alle (Saale) 1, Klostermansféld (Saale) 4, Bernburg (Saale) 0, lauzig (Saale) 1, Bro>en (Saale) —, Quedlinburg (Saale) 2, Harz- erode (Saale) 5, Magdeburg —, Neustreliy (Havel) 0, Kottbus vel) 0, Dahme (Havel) 1, Berlin (Havel) 0, Blankenburg bet Berlin (Havel) —, Spandau (Havel) 0, Heinersdorf, Kr. Teltow (Havel) 0, Potsdam (Havel) —, Brandenburg (Havel) 0, Kyriß (Havel) 0, Gardelegen (Aland) 0, Waren (Elde) 0, Marniß (Elde) 3, Schwerin A 0, Dömitz (Clde) —, Uelzen (Ilmenau) 0, Lüneburg T OEO 0, Neumünster (Stör) —, Bremervörde (Ofte) —, Helgo-

and —. We fer.

Meiningen (Werra) 0, Liebenstein (Werra) 8, thal (Werra) 12, L (Werra) —, Fulda (Fulda) —, Sc<hwarzenborn (Fulda) 14, Cafsel (Fulda) 4, Uslar 0, Dri- burg (Newe) —, Herford (Werre) 0, Nienburg 0, Scharfenfstein (Aller) 25, Bro>ken (Aller) —, Ilsenburg (Aller) 5, Wasfserleben (Aller) 4, Braunschweig (Aller) 0, Helmstedt (Aller) 0, Celle (Aller) 0, Göttingen (Aller) 0, Odecberg b. St. Andreasberg (Aller) 20, Herzberg (Aller) —, Clausthal (Aller) 24, Seesen (Aller) 4, Hannover (Aller) 0, Bremen —, Oldenburg (Hunte) 0, Elsfleth 0.

Kleine Flüsse zwishen Weser und Ems. Jever 0, Norderney —.

S(wnepfen-

Ems

Gütersloh (Dalke) 0, Münfter i. W. —, Lingen 0, O3nabrük (Haase) —, Löningen (Haase) 0.

Yssel. Ellewi> —, Aurih —, Emden 0.

Rhein.

Darmstadt 0, Coburg (Main) 2, Fxankenheim (Main) 18, Gelnhausen (Main) —, Frankfurt (Main) 0, Wiesbaden —, Geisen- heim 0, Birkenfeld (Nahe) 0, Marburg (Lahn) 3, Weilburg (Lahn) 1, Schneifel - Forsthaus (Mosel) 0, Bitburg O 0, von der Heydt-Grube (Mosel) 0, Trier (Mosel) 0, Neuwied 0, Hachenburg (Sieg) 2, Siegen (Sieg) —, Müllenbah (Sieg) 0, Köln 0, Krefeld 0, Arnsberg (Ruhr) 0, Brilon (Ruhr) 7, Alt-Astenberg (Ruhr) 25, Dortmund —, Kleve 0, Aachen (Maaß) 0.

Der Höhe von 1 cm Schneede>e entsprachen:

am 18. März 1900 in Czerroonken 3,1 mm Schmeljz- 16. Marggrabowa 2.1 wasser.

(Weichsel)

Neidenburg Altstadt

« Bromberg Schivelbein Leobs{<üßz

i Habelshwerdt Schwarmitz « Wang

Oftrowo

Samter

Plôn

Jena Nordhausen

(Rega)

(Oder)

E L

Potsdam (Elbe)

Uelzen « Liebenstein Schnepfenthal

e. Fulda

Schwarzenborn (Weser) Uslar Celle

E S L L S E

Clausthal Schneifelforfths.

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f dd-Pevdt-Grube (Rhein) e Brilon

Land- und Forstwirthschaft.

Der Fischerei-Verein für die Provinz Brandenburg hielt gestern unter dem Vorsige des Vize-Präsidenten des Deutschen Fischereivereins, Kammergerichtöraths Uhles, im Bürgersaale des Rath- hauses seine diesjährige Hauptversammlung ab, die gut besucht war. Nach Festseßung des Etats für das Jahr 1900, der' in Einnahme und Auzsgabe mit 15 009 Æ& balanciert, und Rechnungslegung für 1899 dur den Schaymeister, Hofkammerrath Dr. Jäger, erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, dem zufolge der Verein mit Stolz auf seine ers zielten Erfolge zurü>bli>en darf. Die Zahl der Mitglieder be- trägt 460, gegen 120 im Jahre 1896. 13 Abtheilungen bearbeiten die Angelegenheiten des Vereins. Die Einnahmen betrugen im

abgelaufenen Geschäftsjahre 12881 #, die Ausgaben 12 610 M,