1900 / 78 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

wurde von der Bevölkerung lebhaft begrüßt; es fand keinerlei Gegenkundgebung statt.

Im Unterhause verlautete gestern, der Herzog von Norfolk habe sein Amt als General-Postmeifter niedergelegt, weil seine Abreise nah dem Kap unmittelbar bevo: stehe. Die übrigen Minister versuchten indessen, ihn zu bestimmen, seinen s rüdckgängiq zu machen.

er Ober - Befehlshaber der Armee, Feldmarschall Lord Wolseley hielt gestern in einer Versammlung der „Ver- einigung der Miliz-Schüßen“, in welcher er den Vorsig fügrte, eine Lobrede auf das von Lord Cardwell eingeführte miliiäcische System, ohne welches es unmöglih gewesen sein würde, den Krieg fortzuführen. Lord Wolseley betonte. die Bedeutung der Miliz, welche allein die Bildung des Pn in Süd- Afrika kämpfenden Heeres ermögliht habe. Die Miliz habe seit Beginn des Krieges den regulären Truppen 900 Offiziere eliefert; dreißig Miliz-Bataillone ständen zur Zeit in Süd- frifa unter der Fahne. Ec wisse sehr wohl, daß man im Auslande glaube, England sei von Truppen entblößt. Niemals seien jedo die Kasernen so voll. besezt gewesen wie augen- blicklih. Für Einberufung zu den Fahnen seien noch 50 Bataillone Junfanterie-Miliz verfügbar, man habe aber für so viele Mannschaften keinen B Diese Bataillone würden einberufen werden, sobald die Witterung die Anlage von Feld- lagern gestatte. Lord Wolseley \{chloß seine Rede mit den Worten: Jn Zukunft müssen die Soldaten vor allem gute Schüßen sein.

Bei der in Nottingham abgehaltenen Versammlung der „Liberalen Vereinigung“ (\._ d. gestr. Nr. d. Bl.) sprach Sir Edward Grey, welher Sir Henry Campbell Bannerman, der erkrankt is, als Hauptredner vertrat, die Ansicht aus, daß weder der Sinn noch die Worte der letzthin von dem Präsidenten Krüger eingeleiteten Friedens- präliminarien derart gewesen seien, daß die Regierung habe darauf eingehen können. Das Unterhaus werde fort- fahren, die Regierung zu unterstüßen; er glaube nit, daß die Auflösung des Unterhauses als wahrscheinlich anzusehen sei, ehe niht die beiden südafrikanishen Republiken unter- worfen oder - besiegt seien. Auch sprah sich Sir Edward Grey für eine südafrikanishe Vereinigung unter der britischen Flagge aus.

Frankreih. Der ehemalige französishe Botschafter am preußischen ofe Graf Benedetti ist, wie „W. T. B.“ aus Paris er- ährt, gestern gestorben.

Rußland.

Der Erbprinz von Siam ist, wie dem „W. T. B.“ gemeldet wird, gestern Nachmittag in St. Petersburg ein- getroffen.

Ftalien.

Die Deputirtenkammer nahm, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern die Berathung des Antrages Cambray- Digny wieder auf. Der Präsident ertheilte dem De- putirten Venturi das Wort. Der Deputirte Ferri rief: Nein, nein. Der Deputirte Pantano blieb dabei, das N-cht zu haben, seine Tagesordnung, betreffend Einbe- rufung der Constituante, zu begründen. Der Präsident erklärte, er könne seine vorgestrigen Erklärungen, in denen er seine Ohnmacht zum Ausdruck gebracht habe, nur wieder- holen, und fügte die Aufforderung an die Kammer hinzu, ihre und des Präsidenten Autorität zu wahren. Die äußerste Linke rief: „Es lebe die Constituante!“ Hierauf hob der Präsident die Sizung auf.

Spanien,

Aus Madrid wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß der Finanz-Minisier in dem gestrigen Ministerrath erklärt habe, er werde den Geseßentwurf, betreffend die Alkohol- steuer, abändern, um die Annahme desselben zu erleichtern.

Türkei.

Nach ein:r Meldung dcs Wiener „Telear. Korresp.- Bureaus“ aus Konstantinopel vom gestrigen Tage, werden die Botschafter heute der Pforte eine Kollektivnote überreichen, in welcher gegen die Zollerhöhung und die An- wendung der Konventionaltarife ohne vorherige Verständigung der Mächte eindcinglichst protestiert wird.

Rumänien.

Wie dem „W. T. B.“ aus Bukarest gemeldet wird, ist die außerordentliche Session der Kammern bis zum 14. April verlängert worden. Die Verhandlungen vor dem Schiedsgericht in der Angelegenheit des Ecbauers des Hafens von Constanza Hallier sind geschlossen worden. S E: hat sih b:hufs Lokalbesihtigung nah Constanza egeben.

Amerika.

Die Kommission des Nepräsentantenhauses für

die auswärtigen Angelegenheiten vernahm, wie dem „W. T. B.“ aus Washingten berichtet wird, gestern den ehemaligen amerikanischen Konsul in Pretoria Macrum über die Oeffnung seiner Briefe durch britishe Zensur- behörden. Der Staatssekretär Hay ließ der Kommission ein Schreiben zugehen, in welchem er erklärt, daß Macrum niemals bei dem Amte wegen Oeffnung seiner Briefe Beschwerde ge- führt habe. Die britishe Regierung habe erklärt, wenn Briefe geöffnet worden seien, so sei dies im Widerspruch mit den er- theilten Jnstruktionen geshehen. Hay fügt hinzu, der ameri- kanische General-Konsul in Kapstadt Stowe habe ihm berichtet, daß, nahdem zwei seiner nah Pretoria und Lourenço Marques erichteten Briefe von der Zensur in Durban geófinet worden seien der Gouverneur Sir Alfred Milner sich in be- iedigender Weise bei ihm entschuldigt habe. Hay erwähnt ferner ein vom 3. Oktober datieries Schreiben Stowe's, aus welchem hervorgeht, daß der Präsident Steijn am 26. September durch Vermittelung des amcrikanishen Konsular-Agenten in Bloemfontein Stowe habe ersuchen lassen, sih darüber zu ver- cwissern, ob die Vereinigten Staaten bereit sein würden, das mt des Schiedsrichters zu übernehmen, falls Sir Alfred Milner damit einverstanden sei. Stowe habe geantwortet, daß der Gouverneur, welhen er befragt habe, persönlich geneigt sei, solche Verhandlungen einzuleiten, daß er aber nicht glaube, in dem vorgeshlagenen Sinne thätig sein zu

fönnen. Afrika.

Die „Times“ meldet aus Lourenço Marques vom 26. d. M.: Jn einem als Antwort auf die Proklamation des

Felde rtene Lord Roberts erlassenen Rundschreiben - er- äre der Präsident Steijn, die Politik Großbritanniens in Afrika habe gegenüber denen, welche sih ihr widerseßten, stets den Grundsaß „divide et impera“ befolgt. Vor Bezinn der Feind- seligkeiten habe man versucht, den Oranje-Freistaat für fich zu ge- winnen, um ihn von Transvaal zu trennen undso die Annektierung beider Republiken zu erleichtern. Die Burgher seien niemals von ihren Führern irregefühtkt worden. Nunmehr suche der Feind sie abermals zu entzweien, indem er eine Belohnung für Verräther ausseßze. Die shmachvolle Verwüstung von Eigenthum in Jakobsdaal und die Verhaftung von Burghern in Bloemfontein zeige, welhes Maß von Vertrauen man den britishen Versprehungen entgegenbrinigen E Die stadi sei zwar vom Feinde beseßt, die Schlacht aber nicht verloren, man mü}ssz im Gegentheil in diesem Augenblick den größten Kampfesmuth beweisen.

Der General Joubert iît, wie das „Reuter'she Bureau“ aus Pretoria erfährt, am Dienstag Abend 111/4 Uhr in- folge eines Magenleidens gestorben. Pretoria sei von tiefster Trauer über den Verlust eines wahren Patrioten, eines tapferen Generals und Ehrenmannes erfüllt.

Die heute erschienenen Pariser Blätter widmen dem General Joubert warme Nachrufe und sagen, die gesammte ivilisierte W-lt stehe tiefbewegt und achtungsvoll an der Lerblichen Hülle des ehrwürdigen Greises, der als Führer eines kleinen Heeres vier Monate lang das mächtige Eagland in Schach gehalten habe.

Michael Davitt ist in Pretoria eingetroffen und A Unter-Staatssckretär des Auswärtigen empfangen worden.

Aus Lourenço Marques vom 26. d. M. erfährt das „Neuter’she Bureau“, daß das Kciegsamt in Pretoria, den „Diggers News“ zufolge, Nachrichten vom 21. d. M. erhalten habe, wonach die Generale Grobler und Olivier, welche fürzlih von Norwalspont uid Stormberg in der N von Thabanchu angekommen seien, genügend nah dem Norden vorgerückt seien, um der Sorge, daß ste abgeschnitten werden könnten, enthoben zu sein. Man erwarte, daß die Truppen, welche alle den südlichen Theil des Freistaats verlassen hätten, demnächst in Winburg ankommen würden.

Dems-lben Bureau wird aus Kroonstad vom 26. d. M. berichtet, daß der General Olivier sih mit den Streitkräften der Generale Grobler und Lemmer vereinigt habe und daß die britishen Truppen sih vom Leeuw-River in der Rich- tung auf Thabanchu zurückzögen.

Aus Kroonstad vom 27. d. M. wird gemeldet, der General Delarey sei an Jafluenza erkrankt. Das Kommando über die Transvaaltruppen führe zur Zeit General S muts. Der Kommandant Crowther berichte, er habe Ladybrand wieder genommen, nachdem die Engländer sich eine Stunde dort aufgehalten und den Landdrost van Gorkum und den Feldkornet Smith gefangen genommen hätten. Die Engländer hätten einen Verwundeten und drei Gefangene verioren und seien nah Maseru hin geflüchtet. Bei Brandfort habe ein kleines Gefecht stattgefunden, bei welchem vier britishe Ulanen ge- tödtet und sechs verwundet worden seien.

Eine in Pretoria eingetroffene Depesche von der Front in Natal meldet, daß die N LLSEUKA der Kohlenberg- werke, welhe den Engländern von Nugen fein könnten, fort- dauere. Sämmtliche drei Schächte der Grube bei Dundee seien gesprengt, die Maschinen vernichtet und die Vorbereitungen zur Berstötung der übrigen Kohlenwerke beendet worden.

Dem „Reuter'shen Bureau“ wird aus Bloemfontein vom 27. März gemeldet, daß der Gouverneur der Kapkolonie Sir Alfred Milner dort angekommen sei:

Demselben Bureau wird aus Van Wyks Vlei L Nordwesten der Kapkolonie) vom 27. März berichtet, der General ar sei am 26. d. M. von der Avantgarde zurückgekehrt, welche die Aufständischen bekämpfte. Er habe der Haupítkolonne den Befehl gegeben, am folgenden Tage aufzubrechen. Der Vormarsch sei durch heftige Regengüsse verzögert worden, welche die Wege ungangbar gemacht hätten. Nah Meldungen aus Upington befinde sih der Führer der Aufständischen Steenkamp mit reihlich 800 bewaffneten Männern in Upington. Die Aufständischen seien zum großen Theil mit Martini-Gewehren bewaffnet und hätten genügend Munition. Die Wege seien {wer passierbar, und man glaube, daß auch das Ueberschreiten der Flüsse mit großen Schwierigkeiten ver- knüpft scin werde. :

Der „Standard“ berichtet aus Ladysmith vom gestrigen Tage, dort sei alles ruhig, der Feind halte noch die Biggars- berglinte inne, wo das Vorrücken des Generals Sir Redvers Buller erwartet werde.

Jn dem Lager der Buren bei Glencoe is, dem „Reuter’shen Bureau“ zufolge, ein Schreiben des Generals Sir Nedvers Buller eingetroff:n, worin die bevorstehende Freilassung des deutshen Arztes Dr. Albrecht angekündigt wird, welher bei Ladysmith gefangen genommen worden sei, weil er zwei seiner Patienten, Burenoffiziere, habe ent- kommen lassen, obwohl sie ihr Ehrenwort gegeben hätten, niht flüchten zu wollen. Ferner sollten den Buren die zur hollän- dischen Ämbulanz gehörenden Gegenstände, die elf Waggons füllten, wieder zugestellt werden.

Nach einer Meldung aus Simonstown sind am 27. d. M. zwei gefangene Buren aus dem Nordlager ent- fommen. Jn der Nacht zu gestera ist im Hospital noch ein Bur gestorben. Das sei seit Sonntag der siebente Todesfall. Im Hospital würden dreißig an Masern und fünfzehn am Typhus erkrankte Gefangene behandelt, während auch auf den Transportschiffen eine große Anzahl von Kranken liege. Es heiße, daß Ende dieser Woche Transportschiffe mit den ge- fangenen Buren nah St. Helena in See gehen würden.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichte über die gestrigen Sizungen des Reichs - tages, des Herrenhauses und des Hauses der Ab- geordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

Das Herrenhaus begann in der heutigen (6.) Sißung, welcher der Vize-Präsident des Staats-Ministeriums, Finanz- Minister Dr. von Miquel, der Minister für Landwirth- schaft 2c. Freiherr von Dammer Les und der Justiz-Minister Schönstedt beiwohnten, die Berathung des Staats- haushalts-Etats für das Etatsjahr 1900.

General-Berichterstatter ist Graf von Königsmarck.

Die Etats- und Finanzkommission hat den Etat genehmigt und folgende Nesolution beantragt:

Haupts

a. die Staatsrezierung aufzufordern, baldigst auf eine nz |

. Yöôhte - Dotation. der Provinzialverbände Bedacht zu nehmen, j

_wel{er den den einzelnen Verbänden dur die Gefeßgebung der leg, M

Jahrzehnte auferlegten neuen Laften und der Lei di:-ser Verbände Rechnung getragen wird; þ. die Staatsregiery zu ersuchen, sie wolle darauf Bedacht nehmen, daß Neuanlage, für welche erheblihe Aufwendungen in mehrfahen Jahresbeträy erforderlich werden, nicht nur durch Einstellung in den Etzs sondern durch besoadere Gefegentwürfe dem Landtage der Monar vorgelegt werden.

Herr von Leveßow beantragt:

in der Resolution b binter „Staatsregierung" einzuschaltey „in Wahrung der Etatsrechte des Sectenbazise L Der Resolution a will Graf von Mirbach folgend Fassung geben : die Staatsregierung aufzufordern, in der nächsten Sessi dem Landtage einen Gesctzentwurf vorzulegen, betreffend eine hôöhte Dotation der Provinzialverdände, bei welhem den den ej zelnen Berbänden durch die Gesetzgebung u. |. w. (wie in de, Text des Kommissionsvorschlaas). ;

Eine Generaldiskussion findet nicht statt.

Die Spezialdebatte beginnt mit dem Etat der land wirthschaftlihen Verwaltung.

Graf von Mirbach: Wir haven keine Generaldiskussion g, wünscht, weil unsere Anliegen ebenso gut im Laufe der Spezia], disfussion vorgetragen werden können. Wenn ih jeßt als erfter Redner zum Etat über die Bahn gehe, so möHte ih den N Landwitthschafts, Minister ersu&en, im nächsten Jahre einen Betrag von 300 000 für Tiefbohrungen in Ostpreußen in den Etat einzustellen. Es lagen zweifellos noch ungeheure Bodenshäße in den östliten Provinz Welche Bedeutung die Gntd-ckang großer Salz- und Kalilager die Landwirthschaft haben würde, brauche ih nur anzudeuten.

Nach weiteren Ausführungen des Ministers für Land. wirthschaft 2c. Freiherrn von Hammerstein, des Viz Präsidenten des Staats-Ministeriums, Finanz-Ministers D; von Miquel, der Herren von Below-Saleske und Frei herr von Durant wird der Etat der landwirthschaftlihean Verwaltung angenommen. :

(Schluß des Blattes.)

Auf der Tagesordnung der heutigen (57.) Sigßun des Hauses der Abgeordneten, in welher der Ministe der geistlihen, Unterrihts- und Mediztnal-Angelegenheit« Dr. Studt zugegen war, stand zunächst die Verlesung de JFnterpellation der Abgg. Bacnsh-Scchmidtlein (fr. konf.), Dr. Friedberg (nl.) und Genossen:

Welche Maßregeln gedenkt die Köntgliche Staatsregierung ¡u Beseitigung der immer \chwerer empfundenen Mißstände u) Ungerechtigkeiten in Bezug auf die Unterhaltung der Volks schulen zu ergreifen ? :

Der Minister der geistlihen 2c. Angelegenheiten D Studt erklärte sih bereit, namens der Königlichen Staatz regierung die Jnterpellation sofort zu beantworten.

Nachdem der Abg. Baensh-Schmidtlein die Jnt pellation begründet hatle, nahm der Minister der geistliche an Angelegenheiten Dr. Studt zur Beantwortung derselbe

as Worît.

Auf Antrag des Abg. Grafen zu Limburg-Stirun kons.) trat das Haus alsdann in eine_ Besprehung de Interpellation ein, an welcher sih bis zum Schluß des Blatt die Abgg. Dr. von Heydebrand und der Lasa Con Seydel-Hirschberg (nl.), Dr. Porsch (Zentr.), Graf vo1 Kaniß (kons.) und Dr. Friedberg (nl.) betheiligten.

eiftungsfähigke;

Deutscher Forstwirthschaftsrath.

Erste Tagung. IL

Zweite Sißung vom 28. März 1900.

Der Vorsitzende, Landforstmeister Dr. Danckelmann- Eberswalde, begrüßt nah Eröffnung der Sigung den vom Reichsamt des Innen entsandten Kommissar Dr. Völker und ertheilt dann dem Forstmeistt Riebel-Muskau das Wort zur Erstattung des Kommisfionsberidt über das Thema: „Begutachtung des Entrourfs einer neuen Anord nung des Zolltarifs“.

Zunächst bedauert der Berichterstatter, daß die Rob produkte der Forstwirthschaft, die Halbfabrikate aus ihnen und di Holzwaaren an ganz verschiedenen Stellen des Entwurfs verstreut sind

Hieran knüpft sh eine lebhafte Debatte, an der sich der Vor sitende, der Berichterstatter, der Rommifsar des Reichsamts des Inner, Landes-Forstrath Quaet-Faslem- Hannover und Professor Dr. Endre#- München betheiligen. Das Ergebniß ift folgender, einstimmig angt nommener Antrag: /

«Es wird beantragt, daß in dem Entwurf des Zolltarif-Schemis die Forstwirtbshaft in einem besonderen Abschnitt behandelt wird, und alle Erzeugnisse der Forstwirthshaft sowie die daraus gefertigten Waaren zusammengefaßt werden.“

Der Entwurf trennt das Bau- und Nutholz in hartes un weihes Holz. Demgegenüber wird ein Antrag der Kommission ar

enommen, wona folgende Sonderung eintreten foll : Laubholz hart, aubbolz weich, Nadelholz.

Als weiche Laubbölzer sollen gelten: Birken, Erlen, Pavpelr, Weiden, Linden, Noßkastanien. :

Ferner soll nicht, wie bisher, für alle Holjarten das Gewid! eines Festmeters gleihmößig mit 600 kg angenommen sondern! das Verhältniß von Masse zu Gewicht sol in folgender Weise g regelt werden :

A. Rundholz.

Laubholz hart, 1 fm = 1000 kg,

Laubholj weih, 1 , = 600 „,

Nadelholz, l, = 600 „,

B. Beschlagenes Holz und Schnittholz.

Laubholz hart, 1 fm 800 kg,

Laubholz weich, 1 , 500 „,

Nadelholz, L 00 j

Die Berathung wendet \fiŸ nun zu den einzelnen Positionen, dk für die Forstwirthshaft von Bedeutung sind.

Bei Pof. *110/111 ist im Eatwucf auch das bewaldrehtete Bw und Nutholz aufgeführt. Nun enthält Pos. *112/113 das in det Richtung der Längsachse beshlagene Holz. Weil au das Bewaldre(tt! ein Beschlagen in der Längsachse ist, muß eine Aenderung eintretts Sie wird in folgender Weise beschlossen :

‘Pos. * 110/111: „Ründholz, roh oder ledigli in der Quel rihtung mit der Art oder Säze bearbeitet (Rundholz in Stämmt® Blôcken, Klößen, Nußholzrollen, Gruben- und Stempelholz, Stange" holz oder dergleihen), unentrindet, ganz oder theilweise entrindet- Anmerkung: „Als nic Bearbeitung - aufzufassen, die nicht zum Zwecke des Einbind in Flöße erforderlih ift, oder die bloße Beseitigung des Wur

aufs. L Pos. * 112/113: „Bau- und Nutzholz, in der Rihtung der Läns* ase beschlages oder anderweitig mit der Axt vorgearbeitet od zerkleinert; auch gerissene: Späne aus H3lz.“ Zu Pos. 116, die im Entwurf heißt: „Holz zur Herstellung n Holzmasse (geshlifenem Holistoff) und von Zellstoff (Cellulose), 1 über 1 m lang und nicht über 18 cm am s{chwächeren Ende

earbeitung in der n ete b ist nicht jen!

unter Ueberwachung der Verwendung,® wird nah. längerer Debatte, an vec sh der Berichterstatter, der. Vorsizende, Ober-Forstmeister S(ulze- Oresden, Profefor Dr. Endres-Münchén und der Kommissar des Neichsamts ‘des Innern betheiligen, Feigendir Antrag beschlossen :

„Für Papierhölzer wird die zulässige Länge von 1 m auf 1,10 m erhöht. Auf die Ueberwachung der Verwendung wird für alle Sor:timente, die unter Pos. 116 fallen, von der Forstwirthschaft kein Wertb gelegt.“ Bei Pos. 117 des Entwurfs „Brennholz u. #. w.* wird be- \hlossen, die Holikohle auszuscbeiden, unter besonderer Pos. 117 a auf- zutühren und dieser die unter Pos. 436 aufgeführte, gepulverte Holz- Foble u-d die im Entwurf niht besonders genannten Holzkohlen» briquetts anzugliedern. i

Sließlih soll Pos. 919 des Gatwurfs in folgender Weise ge- trennt werden: i

a. hemisch bereiteter Holzstoff (ZelUstoff, Cellulose) ;

b. chemisch bereiteter Strohstoff, Esparto, andere Faserstoffe.

Den Schluß der Sihung bildeten geshäftiliße Berathungen, vor allem die Feststellung der Geshäfisordnung für die Haupiver- ammlung des Deutschen Forstvereins, weihe nah dem Entwurf des

bereForstmeisters Ney-Met mit wenigen Aenderungen angenommen

wurde.

Sghluß der Sitzung gegen 5 Uhr.

Nächste Sizung: Donnerstag, den 29. d. M., Vormittags 10 Uhr.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung,

In Mörs (Reg. Bez. Düsseldorf) sind, wie die „Rh.-Westf. Ztg.“ mittheilt, die Seidenweber der Firma Schroeter mit der Forderung böberer Löhne, auh für die Tagelöhner, Schererinnen, Winderinnen, Säubertnnen, an den Arbeitgeber herangetceten. Letzterer hat die gestellten Anträge abgelehnt. Gestern beshloß infolgedefsen eine von 200 Arbeitern besuhte Versamm!ung, die Anträge auf Erhöhung der Löhre in geltnderer Form nochmals der Firma vorzulegen, um dann über die weiter zu 1huenden Schritte berathen zu können (vergl. Nr. 67 d. Bl.)

Auch in Hochneukirhch haben die Weber und Weberinnen der Firma H. I. Brunner die Kündigung eingereiht. Sie forderten eine Lohnerhöhung, welhe mit der Begründung abgelehnt wurde, daß an izn vorigen Jahre eine Erhöhung der Löhne vorgenommen worden sei.

In Striegau sind, der „Voss. Ztg.“ zufolge, sämmtliche fünf- hundert Arbeiter und Arbeiterinnen der Afktiengesellshaft für Bürstenindustrie vorm. Regner in den Ausstand getreten. Sie verlangen eine Lohnerhöhung um 100/96 und zehnftündige Arbeit2zeit,

Zum Ausstand der Leipziger Tapezierergehilfen berichtet die „pz. Ztg.“ vom gestrigen Tage, daß die Zahl der Ausständigen noÿ 60 beträgt und bie Forderungen der Sehilfen von 30 Arbeit- gebecn mit 85 Gehilfen bewilligt worden sind (vergl. Ne. 76 d. Bl.). Die Holzbildhauer Leipzigs taben am 26. d. M. in einer Versammlung beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten und den Arbeitgebern folgende Forderungen zu unterbreiten: Einführung eines Mindeststundenlohnes von 45 S, der für die Gehilfen im ersten Jahre nah Beendigung der Lehrzeit auf 40 festgeseßt werden kann; Erböhung der bisher gezahlten Lohnsäße um 109/60; Auszahlung des vollen Wotenloh»s8 an Stelle der bisher üblih gewesenen wöcenilihen Abshlag8szahlungen und der viertel- jährlichen Lohnabrehnungea; 334 °/0 Zuschlag für die ersten beiden UVebecstunden, 5009%/ Zuschlag für alle weiteren Ueberstunden und für Sonntagzkarbeit; strenge Durchführung der im Jahre 1890 mit den Prinzipalen getroffenen, inzwischen vielfah durchbrohenen Verein- barungen, insbesondere Beseitigung der Accordarbeit, Einführung der Zei.- Tlohnarbeit, 9stündige Arbeitszeit einshließlih je einer viertelstündigen Frühstücks- und Nespérpause, die mitbezahlt werden müssen. Falls

bis heute Abend keine oder eine ablehnende Antwort eingegangen sein -

sollte, fol die Arbeit morgen überall niedergelegt werden. In der Lohnbewegung der dortigen Malergehilfen hat die Maler- und Lackierer-Innung in einer an demselben Tage abgehaltenen Versamm- lung besHlofsen, in Zukunft einen Mindestitundenlohn von 48 „4 zu zablen, der von Oftern 1901 ab bei 9 stündigec Arbeitszeit auf 50 S erhöht werden foll (vergl. Nr. 70 d. BL.).

Kunst und Wissenschaft.

Die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft hält ihre dies- jährige Generalversammlung am Montag, den 23. April, Vor- mittags 11 Uhr, im Saal der „Armbvrusts{chüßen-Gesellshaft" zu Weimar ab. Den Festvortrag hat Professor Bulthaupt übernommen ; sein Thema lautet: „Ueber Raum uad Zeit bei Shakespeare und Stiller“. Die Vorftandssißung findet am Sonntag, den 22. April, im Schillerhause statt und zwar, da wichtige Berathungsgegenstände vorliegen, Vormittags 11 Uhr. Zu Ebren der Shakespeare-Gefell- \{chaft wird das Großherzogliche Hoftheater am 23. April zum ersten Mal tas Trauerspiel „Timon von Athen“ in der Bearbeitung von H. Bulthaupt zur Aufführung bringen.

Im neu eröffneten Saale der Kunsthandlung von Ernst gas (Potsdamerstraße 129 und 130, Ecke der S idhgentirage) nd seit einigen Tagen neu zur Ausftellung gelangt: Arnold Böllin : es (cine Komposition mit 15 halblebensgroßen Figuren), Land- schaft und Sfizze; Franz Stuck: neun Arbeiten, darunter die soeben vollendete Bildersetie „Die vier Jahreszeiten“ ; ferner Werke von ranz von Lenbach, Gabriel Max, Max Liebermann, Loeffz, Munthe, idy Zaeslein-Benda u. A.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Gesundheitsftand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheitsamt3*“, Nr. 13 vom 28. März 1900.)

Pe f.

Aden. Die am 22. Februar d. J. in Aden festgestellten 6 Pestfälle sind in einem vollständig ifolierten Viertel des Ortes vor- gekommen. Die erkrankten Personen sind alsbald abgesondert worden ; auch el sonst alle Maßnahmen zur Verhütung einer Weiter- verbreitung der Krankheit am Orte angeblih getroffen, einshließlih einer Zerstörung der betroffenen Häuser durch Feuer,

Argentinien. Vom 8. bis 15. Februar sind in Rosario angeblich 2 Fälle von Pest und ein verdächtiger Erkrankungsfall beobachtet worden. (Val. a. nachstehende Mittheilung über die Erkrankungen an Hißschlag in Buenos Aires.)

Paraguay. Vom 24. Januar bis zum 2. Februar wurden in As uncion nah Angabe des dortigen Nationalgesundheitsraths noh 5 Erkrankungen (die leßte am 1. Februar) und 4 Todesfälle an der Pest (der letzte am 30. Januar) beobahtet. Das ganze Stadtgebiet ist in 10 Sektionen, deren {ede einem besonderen Arzte zugewiesen wurde, eingetheilt worden. Den Aerzten is zur Pflicht gemacht, die Pfuler ihres Distrikts nah Kranken zu durdbfuhen und nöthigenfalls ofort Maßregeln zur JIsolierung zu veranlassen.

Neu-Caledonien. Vom 22. Februar bis zum 4. März sind in Numea 22 Erkrankungen und 12 Todesfälle an der Pest gemeldet.

Cholera.

British-Ostindien., Kalkutta. In der Zeit vom 18. bis

24. Februar sind 65 Personen an der Cholera gestorben.

Gelbfieber.

Es gelandten zur Anzeige in der Zeit vom 16. bis 24. Ja- nuar d. F. in Sant os 10 Erkrankungen und 2 Todesfälle, vom 11. bis 17, Februar in Vera Cruz 2 Todesfälle, vom 4. bis 10. Februar auf Curaçao 1 Erkrankung, vom 31, Dezember v. J. bis 6. Ja-

nuar. d. J. în_ Singapore 1 Todesfall; ferner wurden .in Cienfuegos auf einem arm 17. Februar angekommenen Stiffe 7 Fälle ermittelt.

ißschlag.

Argentinien, Der E L A in Buenos Aires war dur die seit Anfang Januar daselbst herrschende, ganz unge- wöhnliche Hitze bis in die erften Tage des Februar wenig beeirflußt, troßdem das Thermometer bei anhaltend hbeißem, feuGtem Nord- winde am Tage selten unter 329 C. gesunken war und auch die Nächte nur wentg Abküblung gebra®t hatten.

Am 3. und 4. Februar erkrankten 363 Personen am Hißschlaa, von denen 189 verftarben; da die Gesihter der Verstorbenen vielfach dunkel gefärbt ershienen, verbreitete ich in der Stadt das Gerücht, daß der \chwarze Tod seinen Einzug gehalten hätte. Die sofort vor- genommenen Obduktionen zahlreiher Leichen ergaben ohne Ausnahme als Todesursache Hißschlag, und vorgenommene Kulturversuche von Bacillen verliefen rejultatlos.

Am 4. Februar Abends entlud fh ein heftiges Gewtiter mit starkem Regen über die Stadt, dur welches die Temperatur ein wenig abgekühlt wurde; am 5. Februar wurden darauf 100 Personen, am 6. Februar 189 vom Hißschlag betroffen, von denen jedoch nur 27 und 6 riv! kgb: verschieden.

Noch mehr als die Menshen wurden die Thiere, namentli Pferde, vom Hibschlage getroffen. Viele Hunderte von Pferden brachen auf der Straße zusammen; von 125 zum Verkauf gebrahten Pferden verstarben z. B. 75 Stü.

Welche Umstände außer der Hiße diese ganz ungewöhnlichen Er- kranfungen herbeigeführt haben, war zufolge einer Mittheilung vom 7. Februar damals noch nit festgestellt; die Befürchtung, daß es fich um eine ansteckende Krankheit gehandelt habe, konnte zurüdckgewiesen

werden. Verschiedene Krankheiten.

Podcken: Krakau 3, Madrid 10, Moskau 2, St. Petersburg 3, Kalkutta 16 Todesfälle; Antwerpen (Krankenhäuser) 3, Londoa (Krankenhäuser) 2, Paris 7, St. Petersburg 47, Warschau (Kranken- häuser) 3 Erkrankungen; Flecktyph us: Warschau 3 Todesfälle; Edin- burg 5, St. Petersburg 9, Warschau (Krankenhäuser) 4 Erkrankungen ; RNüdckfallfieber: St. Petersburg 16 Erkrankungen; Gentckstarre: Reg.-Bez. Wiesbaden 3, New York 10 Todesfälle; Meg.-Bez, Wiesbaden 3 Erkrankungen; Varizellen: Budapest 37, Wien 72 Erkrankungen; Nothlauf: Wien 24 Erkrankungen; epidemifsch e Ohrspeicheldrüsen-Gntzündung: Wien 48 Erkrankungen ; Funfluenza: Berlin 36, Magdeburg 11, Frankfurt a. M. 10, Ham- burg 9, Köln 8, Barmen, Elberfeld, Mainz je 7, Lübeck 6, Breslau, Danzig, Freiburg, Hannover je 5, Altona, Braunschweig, Darm- stadt, Potsdam, Stettin je 4, Bremen, Charlottenburg, Elbing, A a. O.,, Remscheid, Solingen je 3, Krefeld, Zwickau, Amsterdam, Budapest je 2, Kopenhagen 34, London 26, Moskau 3, New York 17, Paris 24, St. Petertburg 11, Rom 14, Wien 3 Todesfälle ; Neg.-Bez. Düsseldorf 122, Nürnberg 639, Hamburg 54, Kopenhagen 1452, St. Petersburg 36, Prag 16, Stockholm 15, Wien 54 Erkrankungen; Keuchhusten: London 35 Todesfälle; Bu- dapest 40, Wien 42 Erkrankungen; Lungenentzündung: Reg.- Bez. Schleswig 98, Trier 34 Erkrankungen. Mehr als ein Zehntel aller Gestorbenen starb an Diphtherie und Croup (Durwschnitt aller deutshen Berichtsorte 1886/95: 4,27 9/0): in Königshütte Erkrankungen kamèén zur Meldung in Berlin 56, im Reg.-Bez, Düsseldorf 93, in Budapest 24, Kopenhagen 31, London (Kranken- bäuser) 154, New York 339, Paris 59, St. Petersburg 110, Stockholm 63, Wien 60; ferner kamen Erkrankungen an Masern zur Anzeige: in Breslau 26, in den Reg.-Bezirken Stettin 126, Wiesbaden 102, in München 257, Hamburg 64, Budapest 87, Edinburg 70, New Vork 891, St. Petersburg 113, Wien 207 desgl. an Scharlach in Berlin 32, im Neg.e-Bez. Düffeldorf 108, in Hamburg 35, Budapest 34, Christiania 24, Kopen- hagen 58, London (Krankenhäuser) 181, New York 212, Paris 63, St. Petersburg 91, Wien 45 desgl. an Unterleibstyphus L Ron (Krankenhäuser) 34, Paris 162, St. Petersburg 61,

en 25.

Argentinien.

Durch Dekret vom 24. Februar d. I. ist der Hafen vonPorto nebst den übrigen portugiesishen Häfen mit Ausnahme desjenigen von Lourenço Marquez fürpestfreti erklärt worden. (Veral. ,R.-Anz.“ Nr. 65 v. 14. d. M.)

Durch ein weiteres Dekret vom 28. Februar d. J. werden auch die brasilianischen Häfen für pestfrei erklärt.

Herkünfte von dort werden in Argentinien frei zugelassen mit Ausnahme der Herkünfte von Santos und Nio de Janeiro wegen des dort herrshenden gelben Fiebers. Herkünfte aus Santos unterliegen etner Beobachtung von 5, solche aus Rio einer Beobachtung von 2 Tagen, die Frist gerehnet von dem Zeitpunkt der Beendigung der Desinfektion an. (Vergl. „R.-Anz,“ Ne. 278 v. 24, No- vember v. J., Nr. 65 vom 14. d. M.)

Konstantinopel, 28. März. (W. T. B.) Die Sanitäts- behörde von Suleimanije im Vilajet Bagdad the;lt mit, daß im Gebiete Dschevanru in Persien, in der Nähe des Distrikts Gulambar, die Beulenpeft GugebreGen ist, daß mehrere Dörfer von der Seuche ergriffen und bereits mehrere Todesfälle vor- gekommen sind.

Buenos Aires, 28. März. (W. T. B.) Die Mauls- und Klauenseuche, die unter dem Vieh in der Provinz Buenos Aires ausgebrochen ift (\. Nr. 72 d. Bl.), ift in s{hneller Abnahme begriffen. Die Sterblichkeit unter dem Vieh ist unbedeutend,

Verdingungen im Auslande.

Portugal (Insel Madeira).

Die Frist zur Einreihung von Angeboten für die in Nr. 42 und Nr. 64 des „Reichs-Anzeigers“ angekündigte Vergebung der Arbeiten für Wasserversorgung und Kanalisation der Stadt Funchal (Madeira) läuft bis zum 20. Mai d. I.

Bulgarien. 9. April, 10 Uhr. Kreiefinanzpräfektur von Sofiz: Lieferung von Lad, Farben und sonstigen Politurmitteln für die bulgarischen Staatseisenbahnen. Kostenanslaz 21 097,25 Fr., Kaution 1054,90 Fr. Lastenheft und Verzeichniß der zu liefernden Artikel im Bureau der

obengenannten Stelle.

Verkehrs-Anstalten.

Laut Telegramm aus Köln hat die zweite englische Post über Ostende vom 28. März in Köln den Anschluß an Bug 31 nach Berlin über Hildesheim wegen Zugverspätung in Belgien nicht erreicht.

Im Sqhußgebiete von Deutsh-Südwestafzgika gal in Grootfontein (Damaraland) und in Otavi stanstalten eingerichtet worden,

Bremen, 28. März. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. „Kaiserin Maria Theresia“ 27. März v. New York n. Bremen abgeg. «Friedris der Große“ 27, März v. Bremen in New Vork angek. „Aller“ 27. März v. Genua in New York angek. „Crefeld“ 27, März v. Coruña n. d. La Plata abgeg. „Bremen“ 28, März v. New Vork in Bremerhaven angekommen.

29. März. (W. T. B.) Dampfer „Köln“ 28, März in Baltimore- angek. „Kaiser Wilhelm der Große“ 28. März Reise v. Southampton n. Cherbourg fortges. „Lahn“, v. New York lommend, 28, März in Southampton angek. und Neise n. Bremen TotIgei, Der Dampfer überbringt 561 Passagiere und volle Ladung. „Heim- burg* 27. März v. Pernambuco über Leixoes und Antwerpen und

_Voxtrag kamen.

Bluecroßÿ* 27. März v. Antwerpen n. b. Weser abgeg. „König

Albert“ 28. März Reise v. Nagasaki n. Shanghai und „Stuttgart“

28. März v. Penang n. Colomko fortgeseßt.

Hamburg, 28. März. (W. T. B.) Hamborg-Améerika- Linie. Dawpfer „Pennsylrania“, v. Hamburg n. New York, 27. März v. Plymouth abgeg. „Nubia“, v. New York über Kopen- hagen n. Stettin, 27. März Donnet Head pass. „Canadia“, v. Men n. Westindien, 27, März in Havre angek. „Flandria“, v.

mburg n. Westindien, 27. März v. Havre abgeg. „Bengalia“, v. Baltimore n. Hamburg, 27. März und „Boënia“, v. Hamburg n. Baltimore, 28. März Curhaven paf}. „Athesia“ 27. März in Philadelphia angek. „Alesia“ 26. März v. Singapore n. Suez abgeg. „Suevia* 28. März in Mens angek.

London, 28 März. (W. T. B.) Castle-Linie. «Noxrham Caftle“ heute auf Heimreise Madeira passiert.

Union-Linie. Dampfer „Briton“ auf Ausreise v. Madeira abgegangen.

Rotterdam, 23. März. (W. T. B.) Holland-Amerika- Linie, Dampfer „Staatendam“ y. New York heute in Rotterdam, eSpaarndam“ v. Rotterdam gestern in New York angekommen.

Dampfer

Theater und Musik.

u Mtalie fink ti der Bhils

_Am Montag fand in der ilharmonie das übliche, die Saifon abscließende Orchesterkonzert zum Beste des Pensionsfonds des Berliner Philharmonishen Orchesters, diesmal unter der Leitung von Dr. Hans Richter ftatt. Dieses Konzert dürfte ein wohl immer denkwürdiges Nuhmesblatt innerhalb des Berliner Musiklebens bleiben. Nach der vollendeten Wiedergabe des Vorspiels zu „Parsifal“ und des ershütternden Tecauermarshes aus der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner folgte als Hauptwerk des Abends Becthoven's Neunte Symphonie. Die in dieser si in so überwältigender Weise widerspiegelnde Lebens- tragik wußte der Dirigent in so rein mens{licher, einfacher Gestaltung vorzuführen, baß es allgemeine Bewunderung erregte. Nah dem Scherzo des zweiten Saßes erhob sich ein solch elementarer Beifall, daß der be- seidene, selbstlose Dirigent seine ausfübrenden Kräfte nöthigte, für die von ihnen so wohlverdiente Ovation in corpore zu danken. Jn der wie von Engelechören getragenen Sphärenmusik des folgenden Adagios glaubte man fast fiatt der einzelnen Inftrumente menschliGe Stimmen zu vernehmen. Das Werk hat mit diesem unermeßlich s{chönen Cantus symphonisch seinen Höhe- punkt erreiht und hätte hier naturgemäß in verföhnendem Wesltenfrieden ausklingen müssen. Der sih als höchste Steigerung der Ausdrucksmittel anshließende Chor „An die Freude“ fälit fo gänzlich aus dem Rahmen des Ganzen, daß man Gier ecichrickt, wenn nun plöglich wirklich die menshliche Stimme einseßt. Soli und Chor bewältigten indessen ihren gesanglih fast unmözlih wieder- zugebenden Part in glänzender Weise. Herr von Milde sang sein Baritonsolo mit großer, \{chöner, ausèruckévoller Stimme, ihnt zur S:ite standen im Sologuartett Frau Fleisher-Edel (Sopran), Frau Goetze (Alt) und Herr Dr. Briesemeister (Tenor). Der Beifall hien zum Schluß gar kein Ende nehmen zu wollen.

Am Sonntag, den 18. d. M. gab im Beethoven-Saal die Opernsängerin Fräulein Gertrud Corti, in Gemeinschaft mit dem Mohr’shen Männerchor ein Konzert. Fräulein Corti’'s Stimme machte einen nit mehr ganz frishen Eindruck, au wirkte die fehler- hafte Vokalisation bisweilen störend. Die Lebhaftigkeit des Vortrags vecmotte leider nicht vôllig diese Mängel auszugleichen, Bei Wieder- gabe . einer Rossini’shen Arie zeigte die Dame jedo, daß fie eine gute Vorbildung genossen hat. Am Klavier wirkte Herr Walter Meyrowiß, der auch als Komponist mit zwei Liedern auf dem Programm vertreten war. Wenn diese auch nicht gerade originell zu nennen sind, fo hinterließen fie doch einen guten Eindruck; eines derselben „Laß doch das Fragen“ mußte - fogar roiederßolt werden. Per Moh:u'she Männerwor trug kleinere recht ansprechende Gesänge vor, mit deuen er reihen Beifall erntete. Am besten gelang ihm das „Ave Maria“ von Blümel. Im Beethoven-Saal veranstaltete an demselben Tage Herr Victor von Woikows8ky-Biedau Naqhmittags ein Konzert, in welchem ledigliÞ von ihm fomponierte Lieder und Gesänge zum Es wurden neben manchem Mittelmäßigen einige ret añnehmbare Leistungen geboten. Besonders bei kleineren [lyrishen Liedern wie „Goldene Naht“ (von Herrn Heinemann recht wirksom vorgetragen), „Der erste Kuß“, (von Fräulein Destinn gesungen) und „Maiglöckchen“ (womit Gmeiner großen Beifall erntete), gelingt es dem Kom- ponisten ansprechende, zu Herzen gehende Weisen zu erfinden, deren Wirkung noch intensiver wäre, wenn der Tonseßzer die Be- gleitung carafkteristischer gestaltete. Weniger gut find dagegen längere, durhkomponierte Liedertexte gelungen, wie „Die Lieb? ist erstanden“, wo fi ein empfindliher Mangel an tieferen musikalisWen Gedanken bemerkbar machte. Die zablreih anwesenden Zuhörer \pendeten dem in feiofinniger Weise am Flügel begleitenden Komponisten und den ausführenden Künstlern, unter denen noch der Königliche Sänger Herr Julius Lieban zu nennen ift, lebhaften Beifall.

Herr Raimund von Zux Mühlen, der am Montag im Beethoven-Saal setnen vierten und legten Lieder-Abend gab, er- freute das ¡zahlreih erschienene Publikum wiederum durch die interessante Art seines Gesanges. Der Künstler war sehr gut dispontert und der nale Beifall veranlaßte ihn zu mehrfachen Wiederholungen und

ugaben.

Fräulein Gertrude Popper, eine noch recht junge Geigerin, ließ sih am Dienstag im Saal Bechstein hôren. Der Vortra sowobl, wie die Sicherheit der Technik lassen noch zu wünschen, do verspricht die musikalische Beanlagung der Dame, bei weiteremFortschreiten gute künftige Grfolge. Die Tag in Mendelsfohn?’s E - moll Biolin-Konzert führte Herr V. Bos ge|\hickt aus. Fräulein Popper, sowie die mitwirkende Sängerin Fräulein Käte Ravoth wurden durch lebhaften Beifall ausgezeichnet; letztere erfreute besonders mit dem Liede „Vom lustigen Grasmücklein* von Taubert, welchem fie, als Zugabe „Frühling“ von Hildach folgen ließ.

Am Mittwoh gab im Saal Bechstein der Tenocist Leo Castel Fidárdo ein Konzert, bei welhem Herr Konzertmeister A. Witek und Frau Vita Gerhardt mitwirkten. Die Vorträge des Sängers waren wenig erfreulih; es fehlt ihm vor allem an stimmliher Beanlagung. Aber auch die künstlerishe Durchbildung des Gesungenen ließ zu wünschen. Frau V. Gerhardt führte die zum Theil sehr {chwierigen Klavierpartien von Schubert?s Phantasie und Franck's Sonate für Violine und Klavier, welche sie in Gemeinschaft mit Herrn Witek zu Gehör brate, sehr gut durch. Die Klavierbegleitung zu den Gesängen hatte Herr Kapellmeister R. Erben übernommen. Die hier s{chon bekannte junge Pianistin Fräulein Bertha Visanska gab gleichzeitiz in der Sing-Akademie einen Klavier- Avend, der ihr wohlvyerdienten Beifall eintrug, Ihr Spiel zeigt eine b-deutende musikalishe Begabung und eine fast vollendete Technik. Sie trägt sicher und mit Verständniß vor; nur fehlt, was bei ihrer Jugend nicht zu verwundern ist, bei manchen Stücken bisweilen noch die tiefere Empfindung und die rechte Innerlichkeit des Ausdruck3s fowie bet den mächtigeren Stellen die Kraft. Man gewann aber bo von neuem die Ueberzeugung, daß die junge Dame ein musikalisches Talent besitzt, das weit über dem Dur(hschnitt fteht.

Die Königliche Kayelle veranstaltete am Donnerstag unter der Leitun von Felix Weingartner ihren neunten Sumub ole MbinC Das Programm brachte zu Anfang Brahms? C-moll-Symphonie, deren vorzüglihe Wiedergabe dem Dirigenten und dem Orchester alle Ehre machte. Herr Weingartner wußte auf alle Feinheiten des Werkes einzugehen und sein cigened Temperament auch auf die Ausführenden zu Meriragen, Des Hauptinteressz des Abends nahm R ichard Mrrara bekannte sinnlich-leidenshaftiiize Tondichtung „Don Juan“ für sich in Anspru, welche das gleiche namige Lenau’she Werk zur Unterlage hat und vom Kom- vonisten selbst vorgeführt wurde. Ein Zug wilder Leiden- haft hält den Zuhörer bis zum Schluß gefangen. Die vielen

Fräulein