1900 / 80 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Es handelt si bier um eine Sande, der entgegengetreten werden muß. Für die Erkläruna des Kultus- Ministers im Abgeordnetenhanse Wir werden ihm ehrli< und tavfer beistehen.

fiad wir ibm dankbar Profesor Dr. ör fter» Breslau: Wenn man öffentli<h sa Neisser hätte Syphilisgift eingesprißt, so ist das sehr unvorsicht

So etwas kommt in die Presse, und so glaubt es das t L r ha

10 Jahre mit dieser Frage beschäftigt, er ift Ly UnE L vor- N Win S rae Die Kommisfion hat dem Geseßentwurf folgenden neuen Geißel aus der Welt zu hafen, so müßte man ni<ht vorschnell urtheilen und die Sache nit verwirren, namentli% nit die Richter.

Dr. Freiherr Lucius von Ballhausen: Es ift eine bere tigte Forderung, daß die That niht zu einer Thierquälerei werde. Die Verhandlungen über den Fall Neiffer in der Kommission haben \ Der Fall Neifser mußte die größte Indignation bervorrufen und erheis<t vollständige Aufklärung. Der

Neifser hat kein Gift eingefpritt, sondern Gegengift.

gegangen, sondern langsam und vorsichtig.

urtbeilen. Aber wenn jemand den Muth hat, eine so furhtiba

fh sehr natürlih abgespielt. Fall if leider verjährt. Ein abschließendes Urtheil konnte d

Kommission ohne Kenntniß der einzelnen Fälle niht abgeben. Kühl und woblwollend kann man den Fall denn do< nicht beurtheilen. Ohne Wissen und Willen des Patienten darf man keine Versucbe an ibm anstellen. Ih habe auch Medizin studiert und weiß, daß die Aerzte an si selbst und ibren Assistenten Versuche anstellten. Ver- suche an vierzehn- bis se<zehnjährigen Mädchen sind kciminell zu bes handeln, wenn die Fälle fo liegen, wie behauptet wird. Das werden. Daß ein Parlament fih ein Urtheil über diese Dinge ver- fagen foll, sehe ih nit cin. Die Diskussion führt gerade dazu, daß allen Theilen Gerechtigkeit widerfährt. Es ift konstatiert

Meitere muß der gerihtlih-n Prüfung überlassen

worden, daß die Staatsanwaltschaft niYHts versäumt hat. Befremde

bat erreat, doß solhe Versuhe 5—b6 Jahre fortaeset werden konnten, obne daß es zur Kenntniß der vorgesezten Behörde gekommen ift. Gs muß doch darüber ia medizinishen Kreisen ditputiert worden sein, und die medizinishe Bek öcde bâtte die Pflicht gehabt, Die Kommission und der Referent L o01Men (r r | Zentrum hätte bei dieser Eingemeindungsangelegenbeit nicht mit einem solchen Antrag kommen sollen, der damit an si garnihts zu thun Ober-Bürgermeister Dr. Bender: Ih habe nur über den Fall habe. Die Fassung des $ 3 sei nicht klar, es set nt ge]aat, von wem die Schulen als konfessionelle anerfannt werden follen, fe hab f nur die Bedeutung einer Resolution. Ja der Ausführung werde der

dazu Stellung wu nehmen. haben ibre Befugnisse niht überschritten, als si2 diese Sache zu Sprache bra<hten.

Neisser gesprochen, nicht über die Vivisektion. Neisser kann verlangen,

daß mit der größten Objektivität und mit Wohlwollen über ihn ge \prohen wird. Welche Perspektive würde sih eröffnen, wenn di

Haus der Abgeordneten.

58. Sigßung vom 30. März 1900, 11 Uhr. t, Ueber den Beginn der Sigzung g. | Nummer d. Bl. berichtet worden.

betreffend die Erweiterung des Stadtkreijes Fran furt a. M.

S 3 hinzugefügt:

fionelle anzuerkennen und als folche zu erbalten.

rehtlihe Bedenken gegen eine solche geseglih?: Vorschrift.

Verwaltungs8geriht werde H ] müsse dur< das Gesetz eine Sicherheit geschaffen werden. Den Volksschule binauslicfen, müsse entzegengetreten werden. Wrerde $

dem au die Stadt zufcieden fein werde.

evangelishzn wie der fkatholishzn, erhalten bleibe. Abg. Dr. Göschen (nl.) stimmt diefen Ausführungen zu. Da

- | $ 3 Shwierigkeiten verursahzn, denn er greife in die Rechtsfrag

Assistenten 2c. ihre Meinungen dem Kurator mittheilen müßten ? | ein. Und ein fol<:r Beschluß solle gefaßt werden, ohne daß di

Dazu liegt kein Grcund vor, am wenigsten in dem Falle Neiffer.

Stadt Frankfurt gehört sei.

Meoralisch liegt die Sache gerade so wie bei etner Imvfung. Die Sache lichsten Folgen führen. Die Simultanschulen hätten in Frankfur

wäre ja garnicht befannt geworden, wenn Neisser nit darüber | und au< in Naffau geschrieben hätte. H1ndelte es sib bier um ein Kapitalverbre<{en, fo

hâtte gar keine Verjährung eintreten können. Am besten wäre es wir sprächen garniht über die Sache.

belehren. Ein Vertagungsantrag wird gegen 8/6 Uhr abgelehnt.

Prof:fsor Dr. Slakby bringt das Berechtigung8wesen der böôkeren Schulen zur Sprae und führt aus: Die Schulkonferenz hat den Strom der Techniker in ihrer Vorbildung auf die Realschulen lenken

wollen, aber o{n?: Erfolg. Der größere Theil der Hörer der t:-hnishen

Sculen rekrutiert fi aus den Gymnasien. Der Prozentsay derer, welde mit dem Reifezeugniß eines Eymnasiums die Technische

Holhschule besuben, if böber als der Projentsay der Hörer der phbilecsophishen Fakultät an der Berliner Universität. Wir wollen notionale junge Deutshe, niht junge Römer und Grie(en erziehen, wurde vor zehn Jahren gerufen. Ich cebôre zu denen, die auf Grund ihrer Lebensgerfahrungzn in religiöser, fitt!iher und moralischer Beziehung eine b öhste Geistesbildung für möalid balten ohne eine bumanistis%e Bildung. Schiller vzrstand kein Wort griehis{<, und do bat er < am meisten die Säge des Alterthums zu eigen gemadt. Ih bin kein einscitiger Shwärmer für die Industrie. Gine sihere Vermehrung unserer Einnahmen haben wir in einer lobnenden Bewirthshaftung unseres Grundes und Bodens zu suchen. Mit Ret sind die L1ndwirthe bei den Chemikern in die L-hre gegangen. Geben Sie auch bi den Technikern ia die Lehre und benußen Sie mebr Maschinen zur Verwertbung der elektrischen Kraft. Ich habe mi immer gefreut, unter meinen Zukörern intelligente Landwirthe als Hörer zu haben. Die landwirtbshaftlihen Akademien sollten den Technischen HoWhsdulen angegliedert werden. Wir würden fi: mit offenen Armen aufnehmen. Das humaniftische Gu nrasium kann ten Landwirthen niht die geeignete Vor- bildung geben. Das Haus sollte den Minifter bitt:n, alles zu thun, um die vorhandene Notblage der Landwirthschaft zu beben. Der Deutshe ifl ni<t bloß Dichter und Denker, sondern ebenso wie der Engländer und Amerikaner ein erfindung8reih:r In- genieur und Kaufmann. Dafür sind die Technischen Hochschulen ein treibendes Glement Diesem wichtigen Fakior muß Luft und Licht gegönnt werden. Unsere Technischen Hochschulen laufen Gefahr, Ein- buße an ihrem wiss:nschaftlihen Werthe zu erleiden. Gegenüber der Ueberfülle der neuen Disziplinen haben wic eigentli nur ein Studium von drei Jahren. Das erfte L-hrjxhr wird absor- biert dur Vorstudien in der Maibematik, weil die Mehrzahl unserer Schüler von den bumanistischen Gymnasi:n ftammt. Das N v:a1 der Gymnasien will- i< fk-ineswegs herunterdrü>en binsih:l!{< der bumaniftishen Verbildung. Aber ih muß daëselbe Recht füc unser Wissensgebiet verlangen. Die Vorftudien gehören nicht in die Hot&schulen. Für viele Studenten bleiben im Grunde nur zwei Jahre übriz. Das bumanistisde Gymnasium bietet nicht die richtige Vor- \<ule für die T-Énisbe H:chschule. Eine Verlängerung der Studien- zeit wird von feiner Seite gewünsht. Die Obe-:-Realshulen würden bei g böcig.r Organisation alles leisten, was wir wür.s>cen. Aber diesem Wunscbe ftebt das Berecbtigungéunwesen entgegen Man könnte ohne große Umwälzung und Erregurg im Lande Abbilfe hafen, wenn man emfa< die Vorrechte der Gymnafien beseitigte und allen drei böberen Schulen die Befugniß ertbeiite, ibren Abiturienten die Be- re<tigung des Studiums an allen H:cschulen zu gewährleisten. Die BVerwaltungébeamten haben wenig mit Juriéprudenz zu thun, aber sebr viel mit tehnisden Fragen. Jeßt müssen sie blindlings einem tehnisben Sachverständigen folgen. Wir brauchen juristis< gebildete Nerwaltungs- Ingenieure. Durch die Gntlastungwürten die Gymnasien nur gewinnen. Der Dünkel, der die bumanistisWen Symrnasßien beute zu vornebmeren Anstalten f.mpelt, würde dann vers xinden. Thatsêchlih hat die Unterribiéverwaltung shon einen besseren Weg beschritten. Es handelt sih jeßt zur noÿ um ein shnell:res Tempo. Der gemeinfame Unterbau der Shulen müßte bis Unte-- sefunda geführt werden. W-nf wir niht vom Auslande überflügelt wecden sollen, so it eine Abhilfe dringend nothwendiz. Kleinlich: Giferiüchtelei liegt mir fera. Gewifse Universitätekceise rüsteten fih dazu, unter Führung von Professor Klein in Göttingen, der Regierung zu emvfeblen, die Techniker zu veranlassen, ihre Qualifi!ation als General- ftavéoffiziere der Industrie im Gegensaß zu den Fronioffizierea und den Titel Dr phil. an der Universität zu ecwerben. Dieser Vor- schlag würde zur Degradation der T-chnischen Hochschulen führen. Man hat nun in Göttingen thatsählih ¡wzi große Laboratorizn, ein: elektrotechnische nnd ein2 mascinentehnis<e Anftalt gegründet, an denen vollständig vo-gz?ildete Studenten der T-hnischen Hochichulen arbeiten sollen. Jh bitte den Minister dringend, dafür zu sorgen, daß dieser verderbliche Weg nicht weiter beshhrittea werde. Hierauf nimmt der Minister der geistlihen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten Dr. Studt das Wort, dessen Red: am Montag im Wortlaut nahgetragen werden wird.

i Kurz vor 7 Uhr wird die weitere B:rathung des Etats bis Sonnabend 10 Uhr vertagt.

i y Sat Wir kennen alle die Akten ni<t. Wir dürfen doh nitt die Richter in einer shwebenden Sache

so dürfe do< kein Beshluß gefaßt werden, welcher der Gerechtigkzi widerspre<e. :

Abg. Cabensly (Zentr) spricht ih mit Entschiedenheit die Annahme des $ 3 aus, da fonst die evangelis<he fkonfessionell

,

einer Simultanshule gemaht werden würde.

Abg. Saenger (fr. Volksp.) bittet um Ablehnung des $ 3

werden, in Niederrad cine besondere errihten. Durch eine folhe Betimmung würde der Franffurt eine Auffaffung über das Schalwesen aufgezwungen

Stadt Frankfurt die konfe|sionellea SHulen erhalten werde. Minister des Jnnern Freiherr von Rheinbaben:

biete bewzat, das niht meines Ressorts ift.

babe, das ist, um dem Bedenken Ausdru> zu geben, diefe auf einem ganz anderen Gebiet liegende Materie ia den Gingemeindungs- gesegentwurf hineinzuarbeiten. (Sebr rihtig! rechts.) Gesezentwurf betrifft ledizlih die Regelung der Eingemeindunge- frage, und es scheint mir prinzipiell do< in hohem Maßz2z be- denklih, Dinge hier mit hineinzuziehen, die an sih garnihts mit der Fraze zu thun haben. Mit demselben Ret könnte man andere Fragen auf dem Gebiet der Schal- und Kirchenverwaltung, überhaupt aus jedem beliebigen Gebiet in einen derartigen Geseßentwurf binein- arbeiten, also eine solche rein zufällige G:legenheit benußen, um Fragen der größtea Tragweite zur Geledizung zu bringen. Ich karn mib deshalb rur gegen den Antrag ausspre<h-n, nit matzriel, sondern aus diescm von mic angeführten, wie ih glaube, sebr {wer wiegenden forwalen Grunde. Es kommt hinzu, daß man toch kaum diese wihtige Frage hier so leihterdings rezeln kann, obne den \tädtisGen Kollegien in Frankfurt Gelegenbeit gegzben zu haben, sib ihrerseits zu dieser Sache zu äußern. (Sebr ri<tig!) Ih glaube, es ist ein tilliger Stzndpunkt, taß man mit deu städtischen Kollezien in Frankfurt, eventuell mit der Gzmeinde Niederrad verhandelt, ob fe nicht freiwillig bereit sind, den Wünschen der Herrea, mit denen wir in der Sache selbft sym- pathisieren, Rehnung zu tragén. , E92 man eine solche giseßliche Rege- lung trifft, ift s geboten, den Betbeiligtea Gelegenheit zu einer solen Stellungnahme zu geben. Es ift eine Depesche des Magistrats der Stadt Frankfurt an mih gekommen, in der die Bitte aus- gesprochen wird, erst die flädtishen Kollegien zu bören. Ich glaube, das ift cin durh2us billiger Wu1sh, und ih möchte mir die Bitte gestatten, daß die Beschlußfassung ausgeseßt wird, um tem Magistrat in Franffuart und eventuell der Gemeinde Niederrad Gelegenheit zu geben, zu dieser Sache ihrerseits Stellung zu nehmen.

Berichterstatter Abg. Metger (nl.) theilt mit, daß auch an das Haus einz Dep-sche gelangt sei, worin der Magistcat oon Frankfurt bittet, den Ant1raz abzulehnen, odr diz weitere Bzrathang bis nah Anhörung des Magistrats ¡u verschieben.

Abg. von Papvenheim (konf) beantragt, mit Rü>Ÿt auf diese D vesbe und diz Ausführungen des Ministers den Gegenstand pon der heutigen TageSordnung abzusegzen.

bg. Dr. Sattler (nl.) ift damit einverstanden, will j-do<h erst die Generaldi¿fussion beendet wissen, damit die verkehrten An- sichten des Abg Kirsch nicht unwidersprohen ins Land gingen.

Abg. Kir]< meint, es ensprehe dec Gepflog2aheit des Hauses,

wenn jegt abz-brohen werde, und verwahrt fich gegen den Austru> „verkehrte Ansichten“.

Abg. Dr. Pors< (Zentr.) bemerkt, man köôane jeßt niŸt zum Sáluß kommen; der Abg. Sattier wolle roohl auf die Tribüne steigen, den Abg. Kirsch tootshlagen und dann schließen.

ist in der gestrigen Es folgt die zweite Berathung des Geseßentwurfs,

In den bisherigen Landgemeinden Oberrad, Niederrad und Sedbach find die bestehenden öfentlihen Volksschulen als konfef-

Abg. Freibe:r von Zedliß und Neukirch (fr. kof) erhebt

Abg. von Pappenheim (konf.) er ärt, daß seine Freunde der ¡e | Vorlage niht zustimmen könnten, wenn nicht die Koafessioaalität der Schulen gesihert werde. Der Prooinzialrath sei in dieser An- gzlegenhzit von einer irrigen Auffaffung ausgegangen, und das Ober- siherlih anders entscheiden. N

tes ftrebungen der Stadt Frankfurt, welhe auf Simultazisi-rung der

abgelehnt, fo werde der ganze G -setentwurf gefährdet, und das wácde die Stadt Frankfurt mehc s<hädigen als die Aanahm: des $ 3, mit

Geheimer Ober-Regierungsraih vou Chappuis bittet dringend, von dem Kommissionsbeshluß abzusehen, dezn Faffung nicht zvzifels- n | frei sei. Ein Schuß gegen die Simultanisfierung der ShHule bestehe so wie so. Gs szien in dieser Beziehung \<oa Verhandlungen mit dec Stadt gevflogen worden, und der Minister werde dafür sorgen, daß der konfessionelle Charakter der dortigen SYulen, sowohl der

Dieser Vorgaag könne zu den bedenkf-

' zur Zufriedenheit der Bevökerung ge- wirkt. Wenn au die Eingememndung hinausgeshoben werden solle,

Schule in Niederrad zum Shaden dec fatholis<:n Minderheit zu

sonst werde die Stadt Frankfurt nah der Gingemeindung gezwungen fatholish2 Shule ju Stadt

welhe ihren ganzen Ansichten durhaus widerspräße, und zwar dur eine Partei, welhe im Landtage die Machi habe. Dazu solle man die Geseßzebunz niht benußen. Die Stadt Frank- furt erblide in der Simultanschule einz vorzüzlihe Schalzinrichtung und meine, daß auch in eiaer so!<hzn Shule die religiösen Bedürfnisse befriedigt werden könnten. Die Fiankfurtezr Bürgershaft wzrde sich bhoffenilih nie zu der Auffassung der fonfessionslosen Sthulen bekennen. Abg. Kirsch (Zeatr.) meint, d1ß daz Zentrum den Herren Göshen und Saenger nur dankbar dafür scin föônne, daß fie ihre Ueberzeugung für tie Simultmschule ofe au3gespro$en habzn. Der geseulihe Zastand für Franffurt sei nicht die konfessionelle Schule. Gerade na diesen Verhandlungen sei kerne Garantie gegeb2n, daß die

Meine Herren! Mein unschuldiger Gesezentwurf ift zum Gegen- stande einer eingehenden Erörterung geworden, die sib auf einem Ge- Ih möchte deshalb davon absehen, mich über die Frage der Konfessionalität der Schule an si zu äußern, eben weil das Saz der Kultusverwaltung und nit Sache meines Ressorts ift, Jh kann nur das autsprehen, daß ih persönlih dur<aus auf dem Boden der konfessionellen Schule stebe. Aber, mzine Herren, weswegen ih mi<h zum Worte gemeldet

Dieser

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Abg. Dr. Sattler entgegnet, man möge do< die Minorität nit dadur vergewaltigen, daß die geei igten Me tei g rate bag 7 r Q d E M BE

Darauf wird gegen die Stimmen der Linken und einiger Freikonservativen beschlossen, den Gegenstand von der Tages- ordnung abzuseßen.

Persönlich erklärt _ Abs. von Pappenheim auf eine Bemerkung des Abg. Göschen daß er niht die Absicht babe, die Laft der katholischen Schule auf die Gemeinde abzuwälzen, sondern daß er nur die Konfessionalität der evangelis@en Schule aufre<t erhalten wolle.

E3 folgt die Verlesung der Jnterpellation der Abgg. von Sanden (nl ) und Genossen:

Welche Maßregeln beabsichtigt die Königliche Staatsregierung zu ergreifen, um den durch die anhaltenden Winterftürme s{<wer geshädzigten und in ihrer Existenz gefährdeten Bewohnern am Kuriscen Haff zu Hilfe zu kommen.

Nachdem si<h dcr Minister für Landwirthschaft 2c. Frei- herr von Hammerstein zur sofortigen B:antwortung bereit erkiärt hat, begründet

—_

Abg. von Sanden die Interpellation unter eingehender S Hil, derung der Säden.

Abg. von Pappenheim beantragt die BespreHun Interpellation. sprebung der

Abg. Arendt - Labiau (konf.) bittet dringend die Staatsregierung um Hilfe für die geshädizten Bewohner. Minister für Landwirthschaft 2c. Freiherr von Hammer- Itein:

Meine Herren! Wenn ih die Interpellation beantworte, so habe ih zunächst darauf hinzuweisen, daß i< nicht allein in den hier in Betra$ht ko:nmenden Fragen der Ressort -Chef bin, daß vielmehr auh andere R-fsort-Chefs mitbetheiligt find. Soweit es sih um die Gr- haltung im Nahrungsstande handelt, wücde der Herr Minister des Innern die Jaterpellation zu beantworte1 hab2n; soweit es ih um Herstellung bezw. Gcböhunz öffentlicher Wege handelt, bin ich zuständig, bez. öfentliher Wege in den Königlichen Forften übrigens der Herr Arbeits- Minister. Au ift wesentlich der Herr Finanz-Ministzr betbeiligt, wenn es si um Gewährunz von außerordentlichen Staat3mitteln, sei cs für die erwähnten Zvede oder sei es für Eindeihangen, Bauprämien u. f. w. handelt, und dafür ordentlihe Mittel im Etat üb:rall nicht oder nicht ausreihend zar Verfügung stehen. Ih erahte mih aber befugt und bin dazu auch von einzelnen meiner Herren Kollegen ermächtigt, obne bindende Erkläcungen namens der Staatsrezierung abzugeben, auf diej-znizen Punkte zu antworten, welhe die Herren Inter- pzllanten berührt haben. Meine Herren, die Ucfahezn der reg-lmäßig wiederkehrenden Nothstände in dea Kceisen Niederung, Labiau u. st. w. ligen in elementaren Verbältniffen, die niht z!: beherrshen sind, Bei an- haltenden Winden aus nordwestliher Richtung wird das Wasser in das Kurishe Haff hineinzetrieben, dort anzestzut und führt daan bei [änger andauecnden ungünstigen Umständen zu mehr oder minder hohen Ueberschwemmungen. Solhe U-?bershwemmungen traten ein im Fahre 1838/89 und in den 8er Jahren wiederholt. Diese Uebzr- \hwemmungea sind, weil fi: dur< elementare Urfah?n ent- stehen, niht za hindern, andererseits ift es aber auh eine unrihtige Aanahme, die au< heut: ia den Vorträgen berührt wurde, wenn behauptet wird, daß durh Maßnahmeu - der Staats- regierung, namentli< dur< die Herftellung des Haffdeihs diese U?bershwemmunzsgefahr gesteigert sei. Herr von Sanden hat hon darauf bingewiesen, daß bei der leßten Hocfluth die Ueber- \<wemrmung an der ganzen Küste der Ostsee, am Kuriichen Haff, am Frischen Haff u. . w. die gleih?: Höh: er:reiht hat. Daraus folgere ih mit Herrn von Sanden mit Recht, daß die Haffeindeichung einen wesentlichen Einfluß auf die Fluthhöhe ni<ht ausübt. Diese Frage dürfte damit wohl ausscheiden. Meine Herren, betreffs der vorgetragenen Wünsche fragt sh zu- nächst, ob es nothwendig ist, sofort und ¡war mit Staatsmitteln ein- zugreifen, bezw. um die Fcaze, od bereits ein Notb- fiand eingetreten is. NaŸÿ den bisherigen Mitthe lungen der zuständigen Lokalbehörden, der Landräthe, der Regierung und der Ober-Präsideaten, liegt ein Nothftand no< niht vor, da mit den Mitteln der freiwilligen Nothbilfe bis jeßt gereicht ift. Ab- g?sh!ofsen sind die Untersuhungen darüber indessen no<h nit. Sollte ein Nothstand festgestellt werden, werden Staatsmitiel zur Abhilfe in An’pruh zu nehmen sein, wiz diés stets, und zwar regelmäßig mit Zustimmung des Lar dtages geschehen ift. Verschiedene Maßnahmen find schon ergriffen, um 1as< die nöthige Hilfe zu gerzähren. Ein großer Theil der B:wohner dieser Haffdörfer das hat Herr von Sanden bereits vorgetragen bezieht einzn wescntlihen Ecwerb aus der Benußung der Stilf- anlagen, aus der Fällung von Holz und der Graënußung in den Forsten. Meine Herrep, die landwirtb baftlihe Verwaltung hat sofort, nahdem fi: Kenntniß davon erlangte, daß die Swvilfbrücher ftark beshädigt seien, sodaß die Haffbewobner nicht in der Lage seien, nennen8wertbe Erträge aus dem Schilf zu erzielen, an Seine Majestät den Kaiser ber <tet und 1a diz Ermächtigung gebeten, die bestehenden Pagtverträge aufzuheben, die bisher aufgelaufene Pacht zu erlassen beiw. zurüdzuerstatten, falls sie schon eingezahlt war. Die Allerb3&ste GrmäHhtigung if ertheilt und etæa 3000 M Patht ift erlafsen unb eine Neuverpachtung zu ermäßigtem Pachtpreis her: beigefährt, bei welher die Beschädigung der Schilförücher b:rüd- sihtigt ist. Es ift ferner angeordnet, daß, weil nahzeviesen wurdé, daß vielen Haffbewohnern ihr Brennholz fortgeshwemmi war, sofort gefälltes Holz ihnen,zur Verfügung gestellt werde, damit ibrem Notb- stande abgeholfen werde. ° Ein Theil von Abhilfzmaßnahmen ift also bereits ergriffen, ander steben war nc< aus, werden aber sofort zur Ausführung gelange, sobald von den zuständigen Lokalbehörden die nöthigen Unterlagen t bra$t find. Im Eingange seines Vortrages wies Herr von Sanden auf den Nothstand im Oftsecbhad Cranz hin. Für df Wiederherstellung von Cranz sixad aus Mitteln des Staats bereits 930 000 46, aus Mitteln des Kreises und der Provinz 560) d und von der Gemeinde Granz 30 000 Æ gewährt, um sofort d Schäden, welize in erheblihem Umfange dort eingetreten waren, ¡s beseitigen. IY führe diese Thatsache an, weil sie beweist, daf die Königliche Staatsregierung bereit ist, sofort energis< zu helfen. Die Herren Jaterpellantea haben als Mittel zur NAbæehr künftiett Notbftände vershiedere Maßnahmen empfohlen. Zunächst wurd? der Herstellung eines Winterdeihes gedaßt. Mit den Herren Inttt- pellanten bin i< der Ansicht, daß die Herstellung cines vollständig

shügzenden Winterdeihes so außerordentlich hohe Kosten beanspruŸes

würde, daß vie wirthshaftlih sib niht rehtfertigen läßt. Die Kosten der. Unterhaltung folien Winterdeihes würden deshalb außerordentli hohe sein, weil der Deich nur dur eine Stein- dosfierung geshügt werden könnte. Das erforderliche Besteinungs- matzrial ift an Oct und Stelle niht vorhanden, würde aus Norwegen und Schweden oder aus weiter Ferne herbeigeschafft werden müssen. Die dadur entstehenden großen Kost?n würden zu dem erzielten Nutzen nicht im Verhältniß stehen.

Eine andere Frage is es, ob es si< empfiehlt, dur<h Sommer- eindeihung einen wenigsien8 gegen Sommerfluthen ausreihenden Swhußt zu gähren. In dieser Beziehung find Untersuhungen und Ermitteluxgen angeordnet. Auch die Kosten der Sommerbedeihung ünd &hr erheblih; i< will nur hervorheben, daß die Eindeichung der Fadmark JInze und des Dorfes Inze, wofür ein Koftenanshlag bereits vorliegt, ergeben hat, daß sie jährlih pro Hektar 45 4 betragen würden. Eine so hohe Belastung einer verhältnißmäßig armen Gemeinde ift \hwer ausführbar. Nichtsdestoweniger sind bereits Anordnungen ergangen, um zu prüfen, mit wel<hen Kosten und mit welhezm Unterhaltung8aufwand Sommereindeihungen herzustellen sind. Dazu ift allerdings erforderlih und dieser Gesichtspunkt is au bereits von dem Herrn Inter- pellanten hervorgehoben —, daß zwischen dem Forfifi?kus und den be- theiligten Grundbcsizern ein angemesseaer Austaus< von Grundftü>ken eintritt. um das einzudeihende Terrain gehörig abzugrenzen. Auch in der Beziehung sind bereits Anocdnungen ergangen. Die General- Kommission hat in Verbindung mit den Negierungs - Präsidenten die Anweisung erhalten, die nöthigen Verhandlungen einzuleiten. Ich bezweifl2 ni<t, daß die Betheiligten ih willfährig zeigen und wünschen?werthe Ergebnifsz erzielt werden. Wenn die Kostenansläge vorliegen, wird zu prüfen sein, o die Kosten zum größeren Theil aus öffentlichen Mitteln zu bestreiten sein werden. Ich bezweifl? nicht, daß Staat, Provinz und Kreife bereitwillig die nöthige Unterftüßung gewähren werden.

Ferner ist angeregt, es sei nothwendig, neue fluthfreie öffent- liche Wege berzustellen, welche gleichzeitig vielfach als Fluthverwallung dienen werden, die zur Zeit der U:bershwemmung regelmäßigen Verkehr der Dörfer untereinander und der Dörfer nah dem Hinter- land berftellen. Au<h wird für nothwendig erachtet, vorhandene öffentliche Wege zu erbôhen, um als Schhußwehr gegen Ueber- s{<wemmungen zu dienen bezw. den öffentlihen Verkehr zu Fluißbzeiten zu sichern. Meine H:rren, die Königliche Staatsregierung erkennt die Zwelkmäßigkeit solchen Vorgehens in vollftem Maße an. Die noth- wendigen Anordnungen sind bereits ertbeilt, um diejenigen Wege, die neu anzulegen bezw. zu erhöhen sind, festzustellen und um au zu er- mitteln, wel<e Kosten angewandt werden müssen. Icy fürchte, daß die Koften erhebliche sein werden, weil der Boden für die Auf- \{üttung von Dämmen und Deichen fehlt. Es ift {hon in Frage gekommen, einen Dampfbagger zur Autshz<tung der Tiefe an- zushaffen zur Verbesserung der Schiffahrt, auh zu Zwe>ken der Ent- wässerung, andererseits zur Gewinnung von Boden, um damit die Wege, Sommerdeiche u. st. w. aufzuschütten.

Gndlich ist in Frage gekommen, auf baupolizeilihem Wege dafür Sorge zu tragen, daß und zwar möglihst bald, wenn i< den Herrn JIxterpellanten rihtig verstanden babe, weil eine große Zahl von Ge- bäuden sh jeßt im Reparaturzustande befinden daß die Worthen, auf denen die Gebäude stehen, erhöht werden, und daß die Gebäude auf fest fundamentierten Mauern aufgebaut werden, so ho, daß die MWobhnräume auh beim hödsten Wasserftande ni<ht der U-?ber- \{<wemmungsgefahr ausgeseßt scien. Meine Herren, au< in der Be» ziehung siand Anordnungen bereits ergangen. Es \oll festgestellt werden, um welche Kosten es sih dabei handelt, und es wird dann erwogen werden müssen, woher die Mittel zur Gewährung folher Baup:ämiten, so will i< mi mal auedrüd>en, zu entnehmen sind. Ob das gelingen wird, darüber sind bestimmte Zusicherungen noÞ ni<t zu ertheilen. Die Staatsregierung wird auch diefen Gesichtspunkt in sorgsame Er- wägung nehmen.

Endli würde ja no< in Frage kommen, ob es i< empfiehlt, nicht ganze Feldmarken mit einem Somm:rdeiche zu umdeich?zn, sondern allein die Dörfer einzudeihen. Auch in dieser Rihtung find Unter- su<ungen und Prüfungen angeordnet, Die Regierungsbehörden werden alle diese Maßnahmen auf Rothwendigkeit und Zwe>kmäßigkeit bezw. auf die Kostenfrage mögli<hst s<leunig prüfen; wenn das ge- sammte Material vorliegt, wird zu erwägen sein, ob und wie die nöthigen Mittel zu beschaffea sind. Das sind im wesent- lihen die in BetraŸht kommenden Fragen. Die ftaatlihen Behörden sind gewillt, der treuen, loyal gesinnten Bevölke- rung der Haffdöifer, soweit mögli<h und nothwendig, zu helfen, ihnen in dem {weren Kampf um3 Dasein belfend beizustehen. Daß der Landtag bereit sein wird, soweit erforderlich, die nöthigen Staats- mittel zue Verfügung zu stellen, unterliegt wohl keinem Zweifel. Jh hoffe, damit dem Wunsch der Herren Interpellanten volle Genüge geleiftet zu haben, der darauf gerichtet war, €s möge eine wohlwollende Grflärung seitens der Staatsregierung abgegeben werden. Jch glaube, diesen Wunsch habe ih im vollsten Maße erfüllt. (Bravo!)

Abz. Dr. Krieger - Königsberg (fr. Volksp.) dankt dem Minister für seine Gcklärung und maHt darauf aufmerksam, daß auch im Frishen Haff ein ähnlicher Nothst1d besteht, wenn au<h ni<ht in demselben Umfange. Die s{limmften Zustände würden ich erst nah dem Gisgange zeigen.

Mit einigen weiteren Bemerkungen des Abg. Butikereit (kons.) schließt die Besprechung der Interpellation.

És folgt die Berathung von Petitionen.

Die Petition des Pfarrers Wieser müller und Genossen (Haus- väter der katbolishen Schulsozietät) in Kl.-Wanzleben um gesetz- lihe Regelung der Volksschulunterhaltung wird auf An-

trag der Unterrichtskommiision nah einigen Bemerkungen der Abgg. Dr Dittrich (Zentr.) und Dasbach (Z-ntr.) der ‘Regierung 7 Material überwiesen.

Die Petitionen des Provinzialverbandes der Haus- und Grund- besigervereine der Provinz Sachsen und der Handwerksmeifter von Halle, betreffend Grleihterung des Grundbesißes und des Gewerbebetriebes in der Kommunalbesteuerung, beantragt der Berichterstatter der Gemeindekommission, Abg. von Ke}sel, dur Uektergang zur Tagesordnung zu erledigen.

Abg. Mies (Zentr.) beantragt Ueberweisung der Petitionen an die Regierung zur Berüksichtignng im Sinne tec im vorigen Jahre beim Antrage Weyerbush vom Hause beschlossenen Re'olution.

Geheimer Ober-Finanzrath Dr. Strußyß weist darauf hin, daß die Regierung infolge dieser Resolution die Gemeinden in einem Grlaß aufgefordert habe, behufs Catlaftung des verschuldeten [leinen Haubtbesizes die Gebäudefteuer niht in Form von Zuschlägen, fondern als Gemeindesteuer nah dem gemeinen Werth zu erheben. Die ae k habe also den Wünschen des Hauses Rechnuag getragen, obwohl fie eine Vorbelastung mit Realsteuern damals niht an-

erkannt habe. Seit diesem Grlaß sei no< nit genügend Zeit ver- floffen, um jeine Wirkun beurtheilen zu können. Die Ueberweisung zur Berü>sihtigung empfeble sih {on aus dem Grunde nicht, weil die Es die Grundlagen des ganzen Kommunalsfteuergeseßes negierten. G Abg. Dr. Bachem (Zentr.) tritt dafür ein, daß die Petitionen der Regierung wenigitens als Material überwiesen werden. Nur die großen Städte könnten die Mustersteuerordnung des Ministers be- nußen, die große Masse der kleinen Gemeinden sei garnict in der Lage, die Gebäudesteuer selbst zu reformieren, und der Erlaß des Ministers werde daher ziemli wirkungslos bleiben. Geheimer Ober-Finanzrath Dr. Struß bestreitet, daß die Mustersteuerordnung des Ministers nur für große Städte brauh- bar sei. lSba Freiherr von Zedlitz und Neukirch empfizblt Yeber- gang zur Tagesordnung, da mit der Ueberweisung zur Bexücksichtigung das Kommunalabgabengesez geändert werden müsse. Gegen eine Ueberweisung zur Kenntnißnahme hat der Hedner nichts zu erinnern. . Dr. Bachem meint, daß das H1us do bere<tigt sei, Aenderungen eines Gesehes anzuregen. : i ‘5 Abg. Hausmann (ul.)/ bemerkt, daß die Gemeindekommission na< dem Inhalt der Petitionen nur zum Uebergang zur Tages- ordnung habe kommen können, daß er aber gegen eine Ueberweisung als Material nihts einzuwenden babe. i e Be Das Haus beschließt, na<hdem Abg. Mies seinen Antrag ent- \sprehend geändert hat, die Ueberweisung als Material in dem Sinne, daß einer zu weitgehenden einfeitizen Heranziehung der Realsteuezrn entgegengewirkt werde. i /

Die Petition der Landgemeinde Schoppinißt, Kreis Kattowiß, betreffend Erweiterung der Zushußpfliht der Betriebs- gemeinde zu den Kommunallasten der Arbeiterwohnsiß- gemeinde wird dur< Uebergang zur Tageß8ordnung erledigt, eine ähnliche Petition der Landgemeinde Mo>ker bei Thorn dagegen der Regierung als Material überwiesen. i : 4

Schluß gegen 83/4 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag, den 94. April, 11 Uhr. (Anträge.)

Statiftik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Die Berliner Böttcher sind, der „Voss. Ztg.“ zufolge, in eine Lohnbewegung eingetreten und verlangen einen Mindestwochen- lobn von 31 M und die Regelung der Arbeitäzeit. Die Forderungen follen au den Berliner Brauereien unterbreitet werden.

Die hiesigen Möbeltapezierer haben, wie dasselbe Blatt berihtet, gestern den Vergleich3vorshlag des Einigung8amts ange- nommen. Die Arbeit soll am 2. April d. I. wieder aufgenominen werden. (Vergl. Nr. 69 d. Bl.)

Fn Bramsche bei Osnabrü>k haben, wie die „Rh.-Weftf. Zta.“ mittbeilt, am 29. d. M. die Weber und Spinner ihren Arbeit- gebern Forderungen unterbreitet. Sie verlangen eine Lohnerhöhung von 20 9/9 und zehnstündige Arbeitszeit.

Aus dem böhmisch - mährishen Ausftand2gebiet_ meldet .W. T. B.“ vom gestrigen Tage, daß der Ausstand im Ostrau- Karw iner Revier beendet ist und in allen Schähten normal ge- arbeitet wird, während im Kladnoer Bezirk no< ungefähr 65 °/o der Arbeiter auzständig sind. Auf dem Johaanes\<aÿht in Bruch verlangten die Bergarbeiter die Zurü>nahme der Kündigung zweiec Bergarbeiter, welche Strikebreher mißhandelt batien, sowie die Entfernung sämmtliher Strikebreher und des Aufsihtspersonals, welches während des Auéstands Hauerarbeiten verrichtet hatte. Die Bergwerksverwaltung lehnte diese Forderungen ab, stellte den Arbeitern jedo< eine Lohnerhöhung in Aussicht, Da die Arbeiter bei ihren Forderungen verharrten, wurden se für entlaffen erklärt. (Vergl. Nr. 79 d. Bl.)

Literatur.

F.F. Russish-preußishe Politik unter Alexander I. und Friedrih Wilhelm IIl. bis 1806. Urkundlich dargestellt von Or. H. Ullmann, Professor der Geschichte an der Universität in Greifswald. 318 S. Leipzig, Verlag voa Dun>er u. Humblot, 1899. Pr. 7 M f

Das vorliegende Bu ift die Fortseßung zu der Untersuchung desselben Verfafsecs über Pceußen, die bewaffnete Meeresneutralität und die Besiznahme Hannovers im Jahre 1801. Diese Neutralität, zu deren Aufre{terhaitung Prceuß:n Hannover besetzte, war gegen England gerichtet: sie war das Ergebniß der Einwirkung Napoleoa?s auf den über Gngland erbitterten Zaren Paul. Aver dieser Zar, der in seinem Jähzora zum äußersten bereit gewesen wäre, wenn ih

reußen seinem Ansinnen, England in Hannover anzugreifen, wider- egt hätte, wurde im März 1801 infolge einer Pala cevolution er- mordet, und die Frage war, wessen ih Breiten Frankrei gegenüber von dem neuen Herrscher, dem jugendlthen Alexander, und dec Politik seiner Staat8männer zu versehen hatte. Die'e Fraze wird hier füc die fünf Jahre von 1801 bis 1806, bis zur Niederw?rfung Preußens, auf Grund arch valisher Studien eingehend erörtert; das Wesentliche sei daraus kurz mitgetheilt :

Zunächst {ied Rußland aus dem Seebund ggen England aus, daun {loß es mit Frankceih Frieden. Den auf dem Lunóviller Frieden berußenden Ansprüchen Preußens auf eine Gntshädizung im Reiche trat der leiteade russishe Minister, Fürst Kotschubei, feindlich entgegen: in der deu.s{h-n Frage sah die russishe Staatskunst ihre Pap anidone in d:r Niederdrü>ung Preußens dur<h Oesterreich.

aher wendete man si< in Berlin von dem St. Petersbucger Hose ab und erwartete alles von dem gutea Willen des Ersten Konsuls: mit diesem {loß der König im Mai 1802 einen Geheimyvectrag. 11s dessen Inhalt im Rahmen eines allgemeinen Säkularisatio18plans von Talleyrand dem russishen Gesandten ia Paris, dem preußenfeind- lichen Grafen Markow, mitgetheilt wurde, mate dieser einen Vor behalt, der die preußischen Entschädigungen in Fcage stellte. So lagen die Verhältnisse, die Kabinette von St. Petersbucg und Berlin arbeiteten einander entgegen, da traf, von dem Erbprinzen von Me>lenburg-Schwerin, seinem Schwager, eingeholt, der Zar am 10. Juni zum Besu< der Königlichen Familie in Memel ein. Von Bewunderung für den Staat Friedrih'3 des Großen erfüDt, war er von einem s{<wärmeris<zn Verlangen ergriffen, König Friedrich Wilbelm kennen zu lernen. „Er hoffte in ibm einen wahren Freund, einen Menschen unterm Purpuc zu finden.“ n der That begegneten ih beide Herrscher mit großer Herzlichkeit; „man glaube“, schreibt dec Erbprinz voa Melenburg, „eine re<t cinige Familie zu seben“. Auf Bittea der Königin Luise verlängerte der hohe Gast seinen Aufenthalt bis zum 16. Juni. Von Geschäften hatte nicht ge)prohen werden follen, Alexander selbst hatte es fo gewünscht; troydem hatte er seinen leitenden Minister, der die amen von vornherein nahdrü>li<h bekämpft hatte, no<h im eßten Augenbli> mitgenommen. Dieser kam denn au< mit der For- derung eines Gebietsumtaushes zwishen Preußen und Gngland her- vor. Nun hatte aber der König seinen eigenen Minister, den Grafen Haugwiß, zu Hause gelassen, daher mußte der Kabinetsrath Lombard mit dem Fürsten Kotschubet unterhandeln. Al3 dieser zu einer Erfklä- rung drängte, fol Lombard fo freundli<h gewesen sein, in einer ¡weiten Unterredung im Namen des Königs eine Zusage zu machen. Jedenfalls berief sh England später agratl und wenn auch Alexander s{hließli< dem Drängen seines inisteriums Einhalt ge- bot, fo blieb do< ein Stachel in sciner Seele zurü>, um fo m:hr, als er hon vorher, einen Monat nah der Zasammenkunft in Memel, den Ginspru<h seiner Diplomaten gegen den preußish-fcanzösishen Geheimrertrag nur dur persönlihes Gingreifen zum Schweigen hatte bringen können. Dieser Zwischenfall hatte einen Ministerwehsel na.) fih gezogen: an die Stelle des Fürsten Kotshubei war Graf

Alexander Woronzow getreten, Bei dessen Kränklichkeit wurde der

wirklihe Leiter der russisen Politik Fürft Atam Cazartorysfi, ein - Pole. Diesec hoffte im Stillen auf eine Befreiung seines Vater-

landes auf Kosten des ihm verhaßten Pceußzns und trieb zum An-

{luß an Oesterreih. Im Suni 1804, als der von neuem aus-

gebro<hene Krieg zwischen Frankrei<h und England den Frieden3-

zustand in Europa erschüttert hatte, urthzilte Alexander dem dster-

reihis<hzn Obersten Baron Stutterheim gegenüber folgendermaßen

über den Memeler Aufenthalt: „Die Reife hat mir gut getan, id

bin von ihr wenigstens gzhe!lt wtedergekommen von der Meinung,

die i< von den preußishen Truppen hatte.“ Ec behauptete, Swer-

fälligkeit (lenteur) in den Bewegungen, Unsicherheit und für Leute,

die nichts thäten als mandvcieren, zu wenig Präzision bemerkt zu

haben. „Diese Armee hat im allgemeinen an Stärke verloren.“

A1s Alexander diese Aeußerung that, hatie er bercits mit Na1-

poleon gebroheu und im Mai 1804 den König von Preußen zu einer

allgemeinen Grklärung für ein Zusammengehen mit Rußland vermoŸt.

Dieser engere Ans<luß Preußens an Rußland war das Werk des Grafen

Hardcnbero, den der Köniz zum Nachfolger des Grafen Haugwiy

ernannt hatte. Nach der Gefangennahme des english2:n Seshäfts8-

trägers beim ni.dersähsishen Kreise, M. Rumbold, die nur durch

einen eigenhändigen Brief de3 Königs an Napoleon wieder rü>zängig

gemaht wurde, versuŸhte Rußland weitere Werbungen um die Mit-

wirkung Preußens im Jahre 1805, aber Friedri< Wilhelm erkannte

sehr wohl die Unulänglichkeit der militärischen Rüstungen diesec

Macht sowie di? Unzuverläisizkeit dec damaligen russishen Politik.

Ec erklärte \piter einmal: „eine Allianz mit Rußland wäre eine heikle

Sache, weil es sh unter tem leichiestea Vorwand zurüdziehen könnte,

selbst ohne Frieden zu schließen, wie es schon gethan hätte (1739), indem es dann den U:brigen übzrließe, fh, fo gut sie könnten, aus der

Súlinge zu ziehen“. Die na<folgenden Grcfahrungen vom Dezember

1895 und von 1807 haben dem König Recht gegeben. Als die Vezc-

handlungen zu feinem Ergebniß führten, suhte Al-xander auf andere Meise zum Ziel zu gelangen. Mit England, dem siH SHweden anugesŸhlossen hatte, und O fterreiß zu der sogenannten

Dritten Koalition vereinigt, bielt sich Alexander für den berufenen Befreier Europas und glaubte sich als solG:r berechtigt, einen Staat, der ihm widerstrebe, mit Gawwalt auf seine Seite hinüberzuziehen. Ddne Berständaiß für die Grozm1t- Stellung Preuß:ns, ohne Achtung für seia Selbfitbestimmungsre{ht aab er seinen zum Kriege gzgen Napsoleon v2sammelten Trupven den Befehl, am 28. September 1895 die preußisch? Grenze zu übrschreiten. Eine englisch? Zeitung, die „Morning Poft“, hatte {hon am 11. Gep- tember Einzelheiten über den Zw:> der russish2n Truppendew?zungen zur Hineinzwingunz Preußens in die Koalition gebracht, die Gers! heit von der geplanten Umgarnung Preußens erhielt Hardenberg am 18. September. Am Abend des folgenden Tages ecließ der König nah vorangegangener Berathung in Potódam den Befehl, die ganze Arme- mobil zu machen: mit dem 1. Oktover, so war anzenomm:K, könne alles auf den Feldetat treten.

Mit dem Einmarsch seiner Truppen hätt? also Alexander gerade das Gegentheil von dem bewirkt, was er be,(we>te, Am 28, Sep- tember sollten die Nussen über die preußish2 Grenze gehen: einea Tag vorher, am 27., traf in Berlin die Nahricht ein, daß der Zar den verbänantßvollen Befehl am 18. September zurü>kz:nomm?n have. Das Verdienst, diz entscheidende Wendung herbeigeführt zu haben, gebührt dem russischen G:sandten am Becliner Hofe, dem Herren voa Ylo zeus, einem Finländer und Protestanten, der im Gegensaß zu den Kern- russen unter den B:rathern des Zaren sowie dem Polen Giartorysfi ein aufrihtiges Einvernehmen mit Pceußen wüaschte. Ér hatte den Kaise: Alexander in einem Schreiben vom 28. August gebeten, fh aus den Irrgängen seiner Politik dur eine Z1samm?nkunft mit dem ibm befreandetea Könige zu retten, und mit diesem Voischla] einen tiefen Gindru> auf seinen Hera gemaht. „Der anerkenn?nswerthe Muth dieses Mannes hat, man mag über den Augendli> denken, wie man will, einer fernen Zukanft Europas geradezu unshäßgbare Dienste geleistet Die Mahnungen des vesonnenen Diplomaten waren nicht

umsonst, wenngleich si? niht mehr rechtzeitig ibm Voll naht ver-

-

schaffen konnten füc seine Unterlafjungea und Maßnahmen.“ Am 18. September hatte dann, wiz ge}agt, der Zar den Ginmarsh ver- boten, und am 20. Alozgeus, no< ohne Kenntaiß von diesem Fat- {luß des Kaisers, auf eigene Verantwortung den russish2a Generalen in einem Syreibea Halt geboten und einen Bericht an den Kaiser abgesandt, von dem Hardenberg äußert: „Jh habe dea Berit selbst gelesen und muß bezeugen, daß alle für Preuzzn in dieser SaŸ? so laut \prehenden Gründe nit bess-r und einleuhtender hätten dar- gestellt werden können.“ Am 19. Oftob:r meldete sih der Zar ais Gast an, am 25. Oftober traf er in Berlin ein. E Was Alexander nur angedroht hatte, hatte Napoleon inzwischen ausgeführt. Auf seinen Befehl hatte Marschall Bernadotte am 3. Oktober allen Protesten zum Troy das neutrale preußis<h? Aans- bah mit seinem Armee-Korps gewaltsam durchzogen, um den Dester- reichera bei Ulm rechtzeitig in den Nü>ken zu kommen. Diese Ver- legung preußishec Ehre mußte auÿh den friedliebenden König mit dem Gedanken eines Krieges gegen Napoleon vertraut machen. „J18- besondere scheint die Königin Luise, die bisher unzweifelhaft für Gr- haltung der Neutralität gestimmt war, seit dec Ansbachzc Gewalstthat mit dem Scharfbli>- einer hohheriigen Frau die Unhaltbarkeit der zwzideutig gewordenen Politik des Staats mehr und mehr durhs<haut zu haften. Als am 15. Oktober 1805 ihr Sohn, der Kronprinz, na Hohenzollerashem Brauch mit Vollendunz seines zehntea Lebensjahres in die Armee eintrat, hat si: ihm, mit Beziehung auf das frische Mißg:\<hi> O sterrzihs, ans Per gelegt, am Tage, wo er werde von Waffenkleid G2v5rau<h machen, allein zu denken an Rathe für seine unglü>lichen Brüder.“ Mit Alexander, dem Oesterreich zur Seite trat, wurde am 3. November in Pot3- dam ein Vertrag g-\<lossen, kraft dessen der König pn Preußen eine bewaffnete Vermittelung zwischen den kciegführenden Mächten versuhz:n und im Fall ihres Steiterns der Koalitioa gegen Napoleon beitreten solle. Bekaant ist der Vorgang vor der Abreise des Zaren. „Alexander, dem zu Ghren der König den Plat in der Königstadt Alexaaderplaß getauft hatte, hat es verstanden, si in das dem Auffallenden ets zugeroandte Bewußtscin der Berliner einzu- araben. Bei dem in seinen Gemähzcn stattfiadenden Mahl des lezten T1ge3 (4. November) äußerte der Zar den Wuasch, das Grab des großen Friedrich zu besuchen. Sofort licß der Königlich? Gastzeber in der Garnifon-Kirhe die zur Beleahtung nöthigen Vorkezrungen treffen. Nah Mitternach: begaben sih der Kaiser, der König und die Königia in die Gcabeskirh2. Hier näh:rte h der Zuc der Gcabs stätte, und überwältigt, wie es heißt, von seiaen Gefühlen, küßte er den Sarg des großen Verschiedenen. Shwzigend und ergriffen s 1nden die Anderen. Uamittelbar nachher nahm der B-herccsch2c Rußlands, wie dec Bericht lautet, nah einem ernsten Bli>k auf dea Altar von dem König und dec Königin auf höchst einfa<e Weise Abschied." Wiührend der Zar, aus dec Kirche ia den Wagen gestiegen, nah Mittel deutsh- land weiter reiste, blieb Friedrich Wilhelm sorgenvoll zurü. Fn dec That machte Alexander?s Voreiligkeit die in Potsdam ge- faßten Beschlüsse bald zu SHandei. Statt zu warten, bis Pceußen nach der zu erwartenden Ablehnung der V'rmittlung in der Mitte des Dezember in den Krieg eintrat, rüd>te Alexindec nah dem Ein- treffen seiner Garden in Olmüß am 26 November in der RiŸHtung auf Brüan vor und wurde shoa am 2. Dezember bei Austerliy ent- \heidend g-shlagen. Vier Tage danach, als Oesterrei h mit Napoleon einen Waffenstillstand {loß, trat der Zar den Rückzug an: an dem- selben Tage, dem 6. Dezember, \hcieb er an dzn König, an Seele und Leiv wie zersh netiert: „Ih hoffe, Sire, daß Sie durch die Weisheit Jhrer Bestimmunzen dahin kommen werden, si mit Fcankreih zu arrangieren, und daß die Schritte, welch: E. W. nur aus Freundschaft für mih gethan hat, E. M. niht bloßst-llen werden.“ Seiner Vertragspflicht gegen Rußland war der Kônig damit enthoben, abz um seiner selbst willen, zur Wieder- herstellung seiaec dar< die Ansbahec Gewaltthat verleßyten Ehre, hatte Preußen mit dem Keiege gegen Napoleon Gcenst machen müssen. Doch di- Mahnung Alex 1nder's, ih mit Napoleon za arrangieren, war der Hofpartei nur zu willlommen. Am 12. De-

zember erging an die preußi]<:n Truppea, die zur Unterstüßung der,

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