1834 / 113 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

tes zu Offizieren befördert, selbst wenn in den Regimentern, bei welchen sie dienen, keine Vakanzen vorhanden sind. Die den gelehrten Würden in den gedachten drei Fakultäten überwiesenen Vorrechte und Nangklassen bei Eintritt in den Staatsdienst wer- den nur folchen Jndividuen verliehen, die ihren Kursus auf den

höheren wissenschaftlichen Lehr - Anstalten Rußlands ab- jolvirten; Personen dagegen, welche sch auf den Schulen

und Universitäten, des Auslandes bildeten, haben auf sie

keine Ausprôche. Die vorleßtern dort acquirirten gelehr- ten Würdên "befreien sle nur, wenn sle in Russische

Staats ¿ Dienste treten, von der Verbindlichkeit des Cxamens, dem Fh nach der Vorschrift des höchsten Ufases vom 6. (18.) August 1809 alle nichtstudirende Russische Civil-Beamte , welche zum Range des Titular- oder Staats-Raths befördert werden wollen, zu unterwerfen haben. Die Ertheilung gelehrter Wür den im Medizinal-Fache und die damit verknüpften Vorrechte bleiben auch für die medizinische Fakultät der Dorpatschen Uni- versität in dem Bestande, wie sie das am lten (27ften) Juni 1810 beseêtigte Reglement festseßzte. Die in den neuern Zeiten bei dieser Universität begründeten wissenschaftli- chen Institzite bleiben in ihrer bisherigen Verfaßung be- slehn : das theologische Seminarium zählt zwölf Studirende, deren Ausbildung unter der besondern Leitung der theologischen Fakuls- tat stehe. Jedes Jahr wird ein Drittheil derselben erneuert. Jed“r von den zwölf Seminaristen erhält zu seinem jährlichen U»rterhalt 200 Rubel Silber, wofür er sich verpflichtet, nach vollendetem Kursus vier Jahre hindurch als Prediger bei einer der im Russischen Reiche bestehenden protestantischen Gemeinden zu dienen. Nach seinem Abgang von der Universität steht ihm vorzugsweise das Anstellungs-Recht in einer der Pfarren inner- halb des Dorpatschen Lehr-Bezirks zu. Das medizinische Jnsti- tut für 40 Studirende steht unter der speziellen Leitung der medizinischen "Fakuität, jährlih wird ein Viertheil von ihnen erneuert. Jedér Zögling erhält hier - zu seinem jährlichen Unterhalte 750 Rubel Banko, wobei er sich verpflich- tet, nach vollendetem Kursus sechs Jahre als Kron- Arzt im Ci- vil: oder Militairfache»zu dienen. Jn beiden Instituten wer- den die Studirenden nach jedem zurückgelegten halbjährigen Kursus in den Lehr ¿Wegenständen, wie auch in der Russischen Sprache geprüft. Das philologisch - pädagogische Seminarium für zehn Studirende steht unter der Leitung eines besondern Di- reÉtors. Jeder Studirende erhält hier zu seinem jährlichen Un- terhalte 400 Rubel Banco, und verpflichtet sich dabei, nach Be- endizgung seines vollen Lehr - Kursus sechs Jahre als Lehrer in einer der ôffentlichen Schulen des Dorpat’schen Lehr-Bezirks zu dienen. Das vor wenigen Jahren auf Kosten der Regierung begründete Professor-Jnstitut zählte im vergangenen Jahre sie- ben Studirende. Ihre Bestimmung ist eine gründliche wissen- \chaftlihe Ausbildung, um als künftige Professoren an den Rus- sischen Universitäten angestellt zu werden. Nach vollendetem Kursus ‘in Dorpat werden sie gewöhnlich noch zu ihrer voller wissenschaftlichen Reife auf Regierungs - Kosten zu Reisen ins Auslond gesandt.

Fran ret G,

Paris, 16. April. Gestevn führte der König in einem zweistündigen Minister-Rathe den Vorsiß.

Nachstehendes ist die Nede, mit welcher der Großstegelbe- wahrer in der Sibung der Deputirten-Kammer vom löten den (gestern erwähnten) Gese6-Entwurf vorlegte :

„Große Unfälle, große Verbrechen haben so eben das Land in die tiefe Betrübniß verseßt. Französisches Blut ist gleichzeitig in Lyon, St. Etienne, Paris und an anderen Orten geflossen, und Französische Hände haben es versprüßt. Der Bürgerkrieg hat sich pldblich in seiner sheußlichsten Gestalt gezeigt. Es sind nicht bloß Aufrührer gewesen, die uns den Kampf angeboten haben; bewaffnete Meuchelimdrder haben die Straßen durchstreift und unschuldigen Bürgern den Tod gegeben. Fndessen hat zuleßt doch der Muth und der gute Geist der National-Garde und der Armee, wenngleich nicht ohne schmerzliche Verluste, die Oberhand behalten. Nach diesem traurigen Siegelag der Regierung die gebieterische Psicht ob, die Haupt- râdelsrührer den Händen der Gerechtigkeit zu üverliefern; dies ift bereits geschehen, indem die Pairs-Kammer als Juslizhof zusammen berufen worden ist, um die Ursachen jcner sirafbaren Unternehmungen zu ermitteln, und die Theilnehmer an denselben zu bestrafen. Gleich- zeitig haben wir uns aber auch noch mit der Zukunft beschäftigt, um der Erneuerung solcher Unternehmungen vorzubeugen. Vor Allem haben uns hierzu militgirische Maßregeln unerläßlich geschie- nen; der Herr Conseils-Präsident wird ste Jhnen mittheilen. Dies reicht aber nicht aus; wie würden durch solche Maßregeln die U r - sachen des Uebels nicht zerstdren, und nur dic materielle Kraft er- langen , deren wir bedúrfen , um den Wirkungen desselben zuvor- zufomnren. Die Klugheit und Gerechtigkeit erheischen daher , daß wir weitergehen. Durch das Geseß gegen die dentlichen Ausrufer haben Sie bereits den Herausforderungen auf offener Straße ge- feuert und durch das Geseß gegen die Vereine sind den Anarchisten die Mittel benommen worden, eine der bestehenden Regierung feind- lich gesinnte Macht zu bilden. Daß dieses Geseß seinen Zweck nicht verfehlt hat, beweist uns der unverhaltene Zorn der Ruhestdrer und die Uehbereilung, womit sie jeßt, noch nicht gehbrig vorbereitet, die d fentliche Ordnung angegriffen haben. Ohne das Geseh gegen die Bereine würde die Regierung zwar ebenso wenig zu Grunde gegan- geit seyn, da sie bereits zu tiefe Wurzeln im Lande geschlagen hat ; aber- der Kampf wäre blutiger gewesen. Nichtsdestoweniger ninß das gedachte Geseh noch ergänzt werden. Die Fhnen schon früher ge- machte Anzeige, daß die Anarchisten im Besse von Waffen und Kriegs - Munition wodren,- hat sich bei den Unruhen in Lyon und Paris vollkommen bestätigt. Die Vorsicht hätte {hon früher die Entwaffnung jener schlechten Bürger, so wie etne exemplarische Besira- fung für dea unrechtmäßigen Besiß von Waffen und Munition erfordert; das Geseß reicht aber hierzu niht aus. Wir schlagen Fhnen daher vor, diese Lücke auszufülien, und geseßlich festzustellen, duß Feder, der ohne hesondere Autorisation, over vhne einen erlaubten Z3weck, afen und Kricas-Munitton bet sich bewahrt, etne einmonatliche bis zweijährige Haft und eine Geldbuße von 16 bis 1000 Fr. erlei- den foll, Nach der gegenwartigen Geseßgebung ist der bloße Bestß von Waffen, selbft bet einem Aufstande, kein Vergehen; er wird ecst ¡u einem solchen, wenn die Theilnahme des Jnhaders an dem Kom- vlotte nachgewiesen werden kant. Wir proponiren Fhnen also, chon die bloße Waffen - Ergreifung zu ghnden und demnach jedes Individuum, das bei cinem Aufstande mit den Waffen in der Hand derhaftet wird, zu 5 bis 10jähriger Zwangs - Arheit zu kondemni- ven; hat der Fnkulpat vollends von sein Wasen Gebrauch ge- macht, \o0 muß exr, schon nach dem aemeinen Rechte, mit dem Tode bestraft werden. Nach diesen Bestimmungen bliebe uns noch cine Frage , die wichtigsie von allen, zu lbsen, nämlich die Frage ber die Gerichtsbarkeit. Einige sind der Meinung, daß das Fak- tum der bewaffneten Theilnahme an einem Aufstande allein schon als ein militairisches Verbrechen zu betrachten und mithin vor die @ricgs-Gerichte zu bringen sey, indem Riemand etwas dagegen etn- wenden könne, wenn man solche Jndividuen, die sich unter der Fahne der Empbrung haben anwerben lassen, um in Reihe 1nd Glied gegen die Truppen zu feciten, hinsichtlich der Gerichtsbarkeit mit den Militairs auf gleiche Stufe stellt. Andere dagegen wol- len sich an den ursprünglichen Charaïter der Empörer alten und in ihnen bloße Uber schen ; sie meinen, daß das Faktum der Waf- fen-Ergreifung wohl ein Berhrechen sey, daß dieses aber die Qualis

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tät des Verbrechers nicht ändere; bevor die Unthat begangen woov- den, scy das betressende Fudividuum kcin Militair gewesen, und eben so wenig kdnne es durch das Begehen der Unthat ein Militair werden; das Verbrechen sey rein politischer Natur, und gehôre als solches vor die Geschwornen-Gerichte. Was mich persönlich betrisst, {o erfläre ih, ohne mich weiter in eine Controverse über diesen schwierigen Gegenstand einzulassen, daß ich die Militair - Gerichts= barkeit nicht für so vortheilhaft halte, als man es gemeiuhin glaubt. (Große Sensation.) Einerseits wúrde ste nicht rascher seyn, als das Verfahren vor den Assisenhdfen; andererseits aver würde, wenn bei einem Aufruhr das Kriegs- Gericht über alle Gefangene erkennen wollte, das moralische Aschen desselben bald vernichtet seyn. Wir schlagen JFhuen daher vor, es bet der jeßigen Gerichtsbarkeit zu [las- sen und von der Fury das gute Recht zu erwalten, das die Regterung wie alle Bürger von ihr zu verlangen befugt sind. Man hat zuweilen den Verdacht hegen können, daß das Gesfchwornenz= Gericht sich zu einer Nachsicht hiuneige, die an Furcht und S chiwdäche gränze. Fn dem Maße, aber, als das dfentliche Vertrauen zunimmt (und nichts ist hierzu geeigneter, als der leßte Sieg der Ordnung Aber die Anarchie), roerden auch die Geschwornen mit iener Enev- gie auftreten, dite den rechtlichen und gewisseuhaften Mann charak- kerisicen muß. Noch hat ein Gegenüand die Aufmertsamkeit Der Regierung gefesselt. Neben den eigentlichen Aufrührern, die mit bewaffneter Hand an dexr Empdrung Theil nehmen ,* siéht man in der Negel Leute, die jenen geschäftig zur Hand gehen, und ihnen auf die eine oder andere Wetse Vorschub leisten. Auch dies is cine )

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d “heilnahme an dem Aufstande, die jedoch bei unserer gegenwärti- enr Geseßgebung fa immer unbestraft bleibt. Unser Antrag geht sonach dahin, daß Sie auf die Errichtung . von Barrikaden, Verschanzungen u. dergl. m. eine Gefängniß- Strafe von 5 bis 10 Fahren seßen mdgen. Dies, m. H. sind die Bestimmungen des Geseßes, das wir Fhnen hiermit vorlegen. Wir haben alle Ur- sache, zu glauben, daß dasselbe, in Vereinigung mit den bereits von Fhnen votirten Gesehen, #0 wie mit demjenigen, wodurch die Armee verstärkt werden soli, alle Hoffnungen der Anarchisten vernichten und ¿ur Befestigung der öffentlichen Ordnung und der Fnstitutionen, unter denen wir zu leben das Glück haben, wesentlich beitragen werde.

Nach dieser Rede, die großen Beifall in der Versammlung fand, verlas der Minister noch den Geseß-Entwurf selbst, wdr- auf der Marschall Soult seinerseits die Rednerbühne bestieg, um die von Herrn Persil angetündigten militairischen Maß- regeln in Antrag zu bringen.

„Die flattgehabten Ereignisse‘, so hob er an, „erheischen au- genscheinlich, daß wir hinreichende Kräfte beibehalten, um der Wie- derfehr ähnlicher Auftritte vorzubeugen, und dics werden wir un- fehlbar erlangen, wenu wir unsere Militgir - Organisation wieder auf den Fuß fellen, der seit den traurigen Tagen des Monats Juni 1832 die Factionen, deren verbrechertsche Pläne wir noch einmal unterdrückt haben, zur Ruhe und Ohnmacht verurtheilte“ Sie wis- sen es, m. H, die Armee, welche, als der auswärtige Friede gest- chert war, allmälig von 419,000 auf 360,000 Mann reducirt wurde, schien uns anfänglich auf diesem Fuße erhalten werden zu müssen, besonders um den moralischen Einfluß auszuüben, der die Factionen im Voraus entmuthigt und thren verbrecherischen Versuchen vor- beugt. Fndessen war die Regierung Wie Sie, N N vol De Wunsche durchdrungen, dem Schaße Erlcichterung zu verschaffen, und entschloß sich daher, vom 1. April 1834 au den Effeftiv - Be- sand von 360,000 auf 336,400 Mann herabzuseßen, auch mit dieser Verminderung in der Art fortzufahren, daß in dem leßten Quartal d. J- die Acmee auf 313,000 Mann reducirt sey. Aber die Aufrührer, m. H. sind immer rasch bereit, thre strafbaren Hoffnungen wieder gufzuneh- men. Sie haben die Factionen auf mehreren Punkten zu gleicher Zeit ihr Haupt erheben, und die Regierung, die Geseße und die gesell- schaftliche Ordnung mit Wuth angreifen schen. Der Versuch, den fe gemacht haben , wird thnen allerditigs beweisen, was die Armee durch ihren Muth und durch ihre Hingebung vermag. Aber dieser Versuch lehrt uns auch, daß man sich in dew Stand zu seßen wissen muß, Krisen dieser Art durch eine Entwickelung von Kräften vor- zubeugen, welche die Pläne der Factionen im Keime ersticken; und daß es cine wirkliche Ersparniß für den Handel und Gewerbfleiß, und also auch súr den Schaß, zu gleicher Zeit aber etne noch weit fosibarere für das Französtsche Blut i|, wenn man der dentlichen Gewalt elne so mächtige Grundlage giebt, daß sclbil der (Gedanke an Empdrung vor ihr verschwindet. Um dieses Resultat zu er- langen, {lagen wir Jhnen ießt vor, auf das Budget von 1534 einen außerordentlichen Kredit von 14,014,000 Fr. zu hewilligen, wovon 13,211,000 Fr. besonders dazu bestimmt seyn worden, den Effekftiv-Besiand der Armee auf 360,000 Mann und 65,000 Pferde {u bringeu8, die brigen 303,000 Fr. aber, um die außerordentltchen Kosten für die Uebuitgs- Läger zu decken, welche der König quch in diesem Jahre zusammenziehen lassen will. Die Vortheile solcher großen Truppen-Versammlungen sind gegenwärtig allgemein aner- fannt, und in der That findet der Soldat in den Lägern jenen mt- litairischen Geist und jene Subordination in ihrer ganzet Energie wieder, welche die grdßtc Stärke stehender Heere ausmachen. Wir chlagen Jhnên zu gleicher Zeit und aus denselben Gründen vor, uns auf das Budget für 1835 einen zweiten Zuschuß von 22,442,000 Franken zu bewilligen , der ‘ebenfalls, theils zur Erhdhuug des Effektiv- Bestandes, theils zu Bildung von Uebungs - Lägern dienen soll. Die beiden Geseh - Entwürfe, m. H. die wir Fhnen zu diesem Behufe hiermit vorlegen, sind uns von dem tiefen Gefühle unserer Verantwortlichkeit zur Beschußung der uns anvertrauten Fnteressen cingegeben worden. Mit diesen Mitteln \chmeichely wir uns, Allem zu genügen. Die Armee wird immer ihre Pflicht gegen den König und das Vaterland erfüllen. Die Kam- mern rechneten auf sie; ste hat dies Vertrauen auf eine edle Weise gerechtfertigt; das Vertrauen der Armee in die Gerechtigkeit des Landes is nicht minder groß. Was wir für sie verlangen, m. H./ verlangen wir für den dentlichen Frieden/ für unsere Fnstitutionen, welche sle mit \y vieler Tapferkeit und Hingebung vertheidigt; wir verlangen es mit Zuversicht von dem Patriotismus und der Vor- aussicht der Kammer.‘

Gestern verbreitete sich in der Deputirten-Kammer das Ge-

rúcht, daß zwischen dem General Bugeaud und Herrn Laribois- sière ein Duell stattfinden werde. Lesterer soll, als er während der Unruhen durch die Straßen ging, von dem General auf eine ziemlich unangemessen Weise behandelt worden jeyn. j Durch Beschluß vom 15ten d. hat der Königl. Gerichtshof zu Paris bei sômmtlichen versammelten Kammern die Înstruc- tion in Betreff der Attentate vom 13ten und 1áten d. M. und des Komplottes, das diesen Attentaten vorherging, anhängig ge- macht. Man versichert, diejer Beschluß sey einstimmig gefaßt worden. Durch einen andern Beschluß hat die Anklage-Kammer den Präsidenten Miller und die Räthe Moreau, Lassis, Poul- tier und Vanin mit dieser Justruction beauftragt. Jn dem Augenblicke, wo der Königl. Gerichtshof jenen Beschluß faßte, ward die Sache durch eine Königl. Verordnung bei dem Pairs- hofe anhängig gemacht. Um der Form zu genügen, muß nun der Cassationshof den Beschluß des Königl. Gerichtshofes für ungültig erklären.

Der bei den lesten Unruhen in Paris angerichtete Schade ist so unbedeutend gewesen, daß in einem Tage Alles wieder hergestellt werden konnte. Acht Öffiziere der Pariser Garni- son sind bei den Unruhen getödtet worden. Den Verlust der Aufrührer wird man nicht genau ermitteln können, da viele Ver- wundete in den Häusern verborgen gehalten werden. :

Einer (hoffentlich úbertriebenen ) Angabe zufolge, wären in Lyon ber 4009 Arbeiter theils getödtet, theils verwundet worden.

Die von den Ministern gestern den beiden Kammern vor- gelegten Geselz -Entwúrfe liefern heute den Journalen Stoff zu

mancherlei Betrachtungen. Die Verwandlung der Pairs-Kam- mer in einen Gerichtshof findet wenig oder gar keine Anfech- tung. Der von Herrn Persil in der Deputirten-Kammer vorge; legte Geseg-Entwurf aber giebt zu der jeltsamen Erscheinung At laß, daß die gemäßigte Opposition heftiger dagegen auftritt, als die republifanishe. Der National bekennt, daß er auf stren gere Maßregeln gefaßt gewesen se», und scheint diese Mäßigung die er eine „armselige Willkür“ nennt, gleichsam zu be dauern. Dagegen äußert sich das sonst ziemlich besonnene Journal du- Commerce folgendermapen: mit Ungeduld die gestern den Karamern verkändeten Maßregeln. sie sind der Art, daß die grausamsten Feinde des Ministe; riums nicht gewagt haben würden, sie ihm an die Hand zu geben Herr Persil hat sich der Mission, welche ihm die öffentliche Meinung gleich bei seinem Eintritte in's Kabinet zuschrieb, würdig aezeigt." Der Courrier francais will wissen, daß in dern Minister; Conseil úber weit energischere Maßregeln berathschlagt worden sey, Und daß man es nur Herrn Guizot, der lange Zeit gegen die Hartnäckigkeit seiner Kollegen gekämpft, zu danken habe, daß dieselben aufgegeben worden wären. Der Temps, nachdem ex ebenfalls seine Zufriedenheit darüber geäußert, daß Herr Persi feine Ausnahme-Geseße vorgelegt habe, bemerkt in Bezug auf die Forderungen des Kriegs-Ministers Folgendes: „Der Marschall Soult verlangt einen außerordentlichen Kredit von 36 Millionen um den Effektiv-Bestand der Armee wieder auf 360,000 Mam zu bringen. Diese Forderung selbst, und die Beweggründe, dur die sie unterstüßt worden, beruhen auf den beklagenswerthesten Grundsäßen. Im Namen der Ruhe und Ordnung im Innern und weil in Paris, Lyon und St. Etienne Blut geflossen i, nicht aber um den äußeren Frieden aufrecht zu erhalten, nit um sich dem Auslande furchtbar zu zeigen, nicht um irgend ej ner Möglichkeit des Krieges vorzubeugen, verlangt man die Ver: mehrung unserer militäirischen Streitkräfte. Die Armee if als für das Ministerium eine Gendar1aerie, die sich mit den Aus: fichten auf Mordthaten und Aufruhr - Versuche vermehrt oder vermindert; also gegen Frankreich rekrutirt man; mq scheint eine Conscription für den Bürgerkrieg auszuschreiben; die Nation wird in einen Zustand des Verdachtes v seht, und unsere Soldaten dienen Europa zur Bürgschaft. Das ist noh niht Alles. Man behauptet im Angesichte des Landes, daß 313,000 Mann fúr die dfentliche Sicherheit nit genúgten, daß man dazu gerade 360,000 Mann bedürfe. Jst man denn noch nicht zufrieden damit, daß man zur Niederlage von 2 bis 300 Rasenden vier Generale in Thätigkeit geseßt hat? Und wird denn übrigens, wenn es sich um den innern Frieda und um die Vertheidigung der Geseßze handelt, die National Garde für nichts gerehnet? Hat sie nicht auch an ju nen beiden Tagen ihr Blut muthig mit vergossen? Welchen vernúnftigen Menschen will man überreden, daß man (i ner Million bewaffneter Bürger und 313,000 Mann gelmäßiger Truppen nothwendig noch 47,090 Mann hinzu fügen müsse, wenn nicht die Ordnung und die Verfassung in Gefahr s{hweben sollen? Es is wahr, daß der Marschal diese Vermehrung auch als eine Art von Belohnung für die Tapferkeit und Hingebung, welche die Truppen bei den leßten Ereignissen an den Tag gelegt haben, dargestellt hat. Dies is aber noch seltsamer. Wenn auf diese Weise die Armee aus Dankbarkeit vermehrt werden soll, so ist, da die Truppen si unbezweifelt bei jeder Gelegenheit patriotisch und treu bezeiget werden, kein Grund vorhanden, warum der Effektiv Bestand nicht jährlih um 40,000 Mann vermehren follte. Will man di Abgeschmacêtheit auf diesen Punkt treiben? Man vergißt, daß die Armee sih nicht um ihrer selbst willen, sondern nach den wirklichen Bedürfnisse des Landes vermehrt oder vermindert. Die Geseke der Strenge sind diesesmal gegen das Budget gu richtet; es ist das Budget, welches man in den Belagerungs Zustand versezt. Wir hoffen, daß die Kammer die ihr vorge legten Gesez-Entwürfe, die der vorliegenden Frage in der That durchaus fremd sind, reiflih prúfen werde, bevor sie sich ent schließt, das Unglück, welches Frankreich getrosfen hat, mit i Millionen zu bezahlen.“

Tro6 der Versicherung des Journal des Débats will man hier an der Nachricht von einer theilweisen Veränderung dis Spanischen Ministeriums zweifeln.

J Uy p) j z C Mgr ‘1 JILA Li Vartete

Großbritanien Und Ivland,

Parlaments-Verhandlungen. Oberhaus. Siz zung vom 15. April. Die Ueberreichung einer Bittschrist worin um Veränderung der jeßigen Geseße in Bezug auf die Bierhäuser nachgesucht wird, gab dem Lord-Kanzler zu de Bemerkung Anlaß, daß es, als er zuerst eine Bill úber die Bie häuser eingebracht, seine Absicht gewesen sey, das Biertrinken offenen Läden zu verhindern, aber eine von dem Ausschusse hin eingebrachte Klausel habe die ganze Bill verdorben; im gan zen Königreih höre man laute Klagen Über das je(igt System führen, doh müsse man dasselbe erst erprobe!. in den Städten habe es keine nachtheilige Wirkung, sondern nur in den Dörfern ; vielleicht könnte man daher die Bill dahin abändera, daß man die Erlaubniß zur Etablirung von Bit häusern nur auf zahlreich bevölkerte Orte beschränke, um dit Polizci eine umfassendere Jurisdiction zu verleihen. Am Schluß der Sikung, die nur sehr kurze Zeit dauerte, erhielt die von Lord - Kanzler eingebrachte Bill ber die Verbesserung der É rehtigfecitspflege von London und Middlesex die zweite Lesung.

Sißung vom 16. April. Diese Sißung wurde fast ganz von einer Auseinandersezung über den Zustand des denb lichen Unterrichts in England ausgefüllt, die der Lord- Kan} ler gab, indem er auf vie Vorlegung von Nachweisen úber dit durch freiwillige Beiträge erhaltenen Schulen antrug. Er spra bei dieser Gelegenheit seine Änsichten über die Volfks-Bildung und die Mittel zur Beförderung derielben aus, und behauptete, der Unterricht sich seit einiger Zeit zuschends in England v breite, daß die Bevölkerung groze Fortschritte in ihrer Bildun mache, und daß bereits bedeutende Summen zur Beförderung dieses heilsamen Zweckes verwendet wrden; den Plan, dié Aeltern zu nöthigen, daß sie ihre Kinder in die Schule schicke müßten, wollte er jedoch nicht billigen. i

Sigung vom 17. April. Jun dieser Sizung wurde! nur Bittschriften überreicht, worunter eine, in der über die schlechte Verwaltung der Armen - Gesege Klage geführt wurde. Auf die Frage des Marquis von Salisbury, ob die Min ster eine auf die Vorschläge der Kommission gegründete Maßlé gel in Bezug auf die Armen-Geseßze einzubringen gedächten/ el wiederte Lord Melbourre, daß der Gegenstand so eben im Unterhause verhandelt werde; daß jedoch wegen der großen Wicdch- tigkeit desselben noch eine geraume Zeit erforderlich seyn dúrfte, ehe es zu einem definitiven Arrangement käme. /

Unterhaus. Sißzung vom 15. April. Hr. Roebuck trug auf Ernennung eines besonderen Ausschusses an, der úber die Mittel berathschlagen sollte, wie den Uebelständen in der jeß"

geit Regierungs - Form vön Ober- und Unter - Kanada am besten abzuhelfen sey; er seite die Beschwerden der Einwohner von anada auseinander, unterwarf das Verfahren der Regierung mit Hinsicht auf jene Kolonie einer weitläufigen Prüfung uind sprach dle Besorgniß aus, daß daselbst eine Revo- sution gegen die Englische Herrschaft ausbrechen möchte, wenn die Minister nicht schleunig auf Abhülfe bedacht wären. Herr Stanley vertheidigte die Regierung gegen die Vorwürfe des vorigen Redners und schloß damit, daß er als Amende- ment zu dem Antrag desseiben zwar die Ernennung eines Aus- usses, jedoch nur zur Prüfung der von den Einwohnern Un- ter- Kanda?s erhobenen Klage, in Vorschlag brachte. Dieses Amendement ward auch genehmigt. Hierauf trat Lord Alt- orp mit den längst erwarteten Vorschlägen, in Bezug auf die, Abschassung der Zehnten hervor, die im. Wesentlichen darin hestanden, daß alle Zehnten in England und Wales von «inem noch zu bezeihnenden Termin an aufhören sollten, daß atles Land, welches bisher der Zehnten - Abgabe unter- (ag, iB Zukunft einen nah dem Werthe des Grund und Bo- dens in jeder Grafschaft berechneten durchschnittlichen Zins entrichten solle und daß alles zehntpfüchtige Land die Zehnten durch Bezahlung des fúnfundzwanzigjährigen Betra- ges derselben ablôjen könne. Nach einigen Gegen - Bemerkun- gen Sir Rob. Peel’s und einiger anderer Mitglieder, die sich jedoch nicht cher über den Vorschlag auslassen wollten, als bis ex detaillirt und gedruckt dem Hause vorgelegt seyn würde, ward die Resolution angenommen, daß es zweckmäßig sey, das jebige Zehnten-Systein abzuändern und die Entrichtung der Zehnten in Ì cpecie abzuschassen.

/ Sizung vom 16. April. Heute fand nur frúh eine Î Sigung des Unterhauses statt, in der mehrere Bittschriften ein- Ï gereicht wurden ; Abends hatten sich nur 12 Miktglieder einge- Î funden, und der Sprecher mußte daher die Sikung auf morgen Ï vertagen. i Y Unterhaus. Sißbung vom 17ten. Herr Stanley | legte eine Königliche Botschaft vor, worin Se. Majestät dem | Hause mittheilen, daß Sie es für zwecmäßig erachten, die Zahl | der Mitglieder des Bath-Ordens zu beschränken und die Ritter Ï von den jeßt bei der Aufnahme in das Ordens-Kapitel zu zah- Ï senden Gebühren zu befreien; das Unterhaus wird demnächst } aufgefordert, dem Könige die Mittel ju bewilligen, um diejeni- gen Beamten, welche durch die Aufhebung dieser Gebühren Ver- } luste erleiden mdôchten, auf angemessene Weise dafür entschädigen | zu können. Diese Botschaft sollte in der folgenden Sißung in | cinem Ausschusse in Erwägung gezogen werden. Herr Ewart erhielt Erlaubniß zur Einbringung einer Bill, wodurch Ì das Gese, welches nur religidse Privat - Versammlungen

E von 20 Personen gestattet, abgeändert und erweitert wer- N den soll. Lovd Althorp hielt es für sehr zweifelhaft, N ob cine Veränderung dieses Gesekzes zweckmäßig seyn

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Ï möchte, wollte sich jedoch der Motion nicht widerseßen. Er brachte sodann seinen Vorschlag in Bezug auf die Armen-Geseße } zur Sprache und erhielt die Erlaubniß eine auf die Verbesse- | rung dieser Gesetze berechnete Bill einbringen zu dúrfen. Seine

Ÿ Vorschläge wurden von dem Hause mit vielem Beifall angenom-

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N Wales eingeführt werden sollte. | ; i Ï Planes befinden sich dieBestimmungen,daß wieder einUnterschied zwi-

Ï men. Sie gingen dahin, daß ein Central - Armen - Departement

| errichtet und ein gleichförmiges System in ganz England und Unter den Details des neuen

} schen Tagelöhner und Armen gemacht, daß"das Gesel Úber die Ansie- Ì delung wesentlich verändert werden, daß die Mutter eines unehelichen Kindes vermöge dieses Kindes keinen Anspruch auf eine Unter- súkung von Seiten des Kirchspiels haben und daß den Frie- dens: Richtern die Befugniß, den Armen in ihrer Wohnung Un- terstúüßzung angedeihen zu lassen, genommen werden o S. ) Herrlichkeit meinte, das jebige System der Armen - Gesebe sey | hlimmer als ein Agrarishes Geseß, denn dieses habe nur eine | Vertheilung des Eigenthums bezweckt, jenes aber drohe, alles Ì Eigenthum zu Grunde zu richten. Mehrere Redner, die nach

N Lord Althorp das Wort nahmen, lobten alle seinen Plan und

Ÿ die Klarheit seiner Auseinandersezung; nur } Burrell ließ fich dagegen vernehmen. M

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Sir Charles : Nachdem sodann Herr Lennard die Erlaubniß erhalten hatte, eine Bill zur Verbesse-

ŸÏ rung der jeßigen Jagd - Geselze einbringen zu dúrfen, erhob sich

der Oberst Williams, um seine schon früher erwähnte Mo- tion, Vehufs einer Zulassung der Dissenters zu akademischen Würden, dem Hause vorzulesen. Jm Wesentlichen ging jein

Antrag dahin, dem König eine Adresse mit der Bitte um seine

Ÿ Cambóridge bei der Ertheilung ciner akademischen Würde auf die

: Verwendung vorzulegen, daß die Universitäten zu Oxford und B

H Edikte oder Briefe Jakobs 1. vom Jahre 1616, wonach jeder

zu Graduirende die drei Artikel des 36sten Kanons zu unter- | schreiben hat, mit Ausnahme derer, die in der theologischen Fa- kultäc einen Grad erstreben, nicht ferner reflektiren, noch auch

| dem Examinirten die Erklärung, daß er bona fide ein Mitglied

der Englischen Kirche sey, abfordern sollten. Durch die frúhere } Debatte über diesen Gegenstand, fuhr der Redner fort, sey

| derselbe in mancher Beziehung verwickelt worden, indem Ï man ungehörige Interessen mit hinein verwebt habe; er wünsche, 5 man möchte den Gesichtskreis sich nicht allzu weit ausdehnen, so daß das eigentliche Thema vor den Augen vershwinde, und viel- mehr ganz einfach die Frage aufstellen, ob dann unsere Vorfah- ten, welche vor anderthalb Jahrhunderten dies Gese erlassen, in Betreff solcher religiösen Angelegenheiten wirklih weiser ge- wesen wären, als das jeßige Zeitalter. (Gelächter) Sodann er- innerte Herr Williams daran, daß Jakob 1., der Autor jener in Rede stehenden Edikte und Briefe, auch der Autor cines Werkes über Geister-Beschwdrung war. Unter viclen anderen-Zügen, welche

die Barbarei jener Zeit in Betreff religidser Dogmen bezeugen jollten,

N wies der Redner auf den großen Philosophen Bacon hin, der

} Unter Elisabeths Regierung der „,Weiseste aller Sterblichen““ | hieß und bei alle dem wirklich der Meinung war, daß die Hexen sich von Menschenfleisch nährten. Ein Zeitalter, sagte schließ- | lih der Redner, dem solche Monstrositäten der Gesinnung angchôren, kann uns nicht als Richtschnur dienen, um über Fra- gen, wie die vorliegende, zu entscheiden. Jede Frage, die eine | Feit aufwvirst, muß nach den Bedürfnissen derselben erledigt wer- den. Und wenn Jakob l. das Recht hatte, ein beschränkendes Geseß dieser Arc zu erlassen, so steht unserem Souverain dasselbe in gleicher Macht - Vollkommenheit zu, jene Be- shränkung mindestens zu mildern. Auch kann überhaupt von Jemand, der nicht Theolog ist, keinesweges mit Fug und Billigkeit verlangt werden, die Ärtikel des 26 Kanons zu unter- chreiben. Um nur einen derselben anzuführen, so fordert der zweite, man solle {chwdren, daß das allgemeine Gebet - Buch sammt allen Verordnungen der Bischöfe, Diakonen und Predi- ger mit dem Worte Gottes nicht im Widerspruch stände. Ge- hôrt nicht förmlich ein theologisches Studium dazu, um hierüber zu entscheiden? Und wenn ein Gutachten der im J. 1782 ver- lammelten Geistlichkeit in der That dahin lautet, daß die 39 Ar-

4539 tikel in mancher Hinsicht nicht Úbereinstimmend seyen mit dem Worte Gottes: wie kann man sich dann wundern, daß die Dissenters jenen im 36 Kanon enthaltenen Ausspruch zu beschwören sih weigern, da selbst die Geistlichkeit der Englischen Kirche seine Vollgültig- keit in Zweifel zog? Heißt es nicht ohnedies eine Gewilssenlo- sigkeit voraussezen, wenn man von Jemand, dessen religiöse Meinung sich nicht auf die Specialitäten der Dogmen erstreckt, und der nicht Theolog ist, eine Eid-Ablegung auf jene Sa6ung verlangt? Man hat den Vorschlag gemacht, in Form einer Bill, statt einer Adresse, die Motion abzufassen. Meiner Ansicht nach, würde dies zur Förderung der Sache weiter nicht zweckdien- licher seyn.“ Herr Buckingham unterstüßte die Mo- tion, und Herr Wood erhob sich ebenfalls zu Gunsten des in Rede stehenden Gegenstandes, brachte jedoh ein Amende- ment in Vorschlag, wonach er um die Erlaubniß bat, förmlich eine Bill einbringen zu dürfen, um sämmtlichen Unterthanen des Königs, alle Fakultäten der Universitäten, mit Ausnahme der theologischen zu eröffnen, und sie ohne Ablegung eines Eides und ohme Rücksicht auf ihr religidses Bekenntniß zu den akademischen Graden zuzulassen. Herr Eskcourt warf dagegen die Frage auf, wie die Lehren der Englischen Kirche noch dann aufrecht er- halten werden könnten, und eine religidse Erziehung der jungen Mit-

glieder der Colleges nach indglich sey, wenn man Dissenters von jedwe- dem Glaubens-Bekenntnisse unter die Zahl derselben aufgenommen habe. Es handele sich hier nicht bloß um Toleranz der Gesinnung; mit der Zulassung der Nicht-Orthodoxen zur Erlangungaller akademischen Privilegien gebe man das Signal zur Trennung zwischen Kirche und Staat, und die Folgen davon seyen für England unberechenbar. Der Redner las sodann ‘ein Schreiben vor, dessen anonymen Verfasser er einen der achtungswerthesten Dissenters nannte, und aus dessen Inhalt ungefähr hervorgehen sollte, daß man selbst nach den Ansichten der betheiligten Religions: Sekten viel zu úbereilt die frúßere Beschwerde eingereicht habe und das Be- dúrfniß nah Aufhebung der Beschränkungen keinesweges #0 allgemein fühlbar sey. Die erhovenen Klagen, seßte der Redner ferner auseinander, beträfen nur einige Uebelstände, welche die Erlangung der zur Ausübung der juristischen und medizinischen Praxis nöthigen MWúrden -behinderten; eine Abänderung oder gar Umgestaltung der ganzen Verfassung des Universitätswesens könne daraus nicht als nothwendig gefol- gert werden. „Die ehrenwerthen Herren“, fügte der Redner \chließlih hinzu, „die in Betreff der beiden Hochschulen zu Ox:- ford und Cambridge auf das Beispiel der Jrländischen und Schottischen Universitäten verwiesen haben, scheinen nicht zu wissen, daß auf diesen leßtgenannten Anstalten eine religidse Er- ziehung, wie auf den Englischen, gar nicht stattfindet. Wer aber an der Form der Erziehung eine Aenderung bezweckt, kann nur von einer der herrschenden Kirche feindseligen Gesinnung erfüllt seyn. (Hört!) Jch appellire nicht allein an die Mit- glieder dieser Kirche, weiche hier anwesend sind, sondern an die hier gegenwärtigen Dissenters, ob sie nicht mit mir der Ansicht sind, daß nur dadurch, indem es eine herrschende, privilegirte Kirche giebt, überhaupt cine Religions-Freiheit in diesem Lande mögli seyn und garantirt werden könne. ‘/ (Hört, hört!) Nachdem sich noch einige Nedner gegen das Amendement des Herrn Wood hatten vernehmen lassen, wurde dasselbe leichwohl von 185 gegen 44, also mit einer Majorität von 141 Stitkintk, angenommen, und demselben somit die Erlaubniß ertheilt, seine Bill einzubringen.

London, 18. April. Jhre Maj, kamen vorgestern Mit- tags im St. James- Palast an, wo der König ein Kapitel des Distel-Ordens hielt und den Grafen von Erroll mit den Jnsig- nien dieses Ordens bekleidete. Der Herzog v. Wellington und die angesehensten Mirglieder der Untversität Oxford nebst den Parlaments - Repräsentanten dieser Universität, Herrn Estcourt und Sir Robert Junglis, Üßberreichten darauf dem Könige eine Adresse der genannten Universität gegen die Verleihung von afa- demischen Graden an Mitglieder der Londoner Universität. So- dann hielt der König ein Leoer, bei welchem der Ritter Vial sein Abberufungs-Schreiben und der an“ seine Stelle ernannte Spanische Gesandte, Graf v. Florida-Blanca, sein Kreditiv über- reichte; auch, wurde der Sardinische Gesandte, Graf v. Aglie, der vor Kurzem von seinem Urlaub zurückgekehrt ist, und der zum Belgischen Geschäftsträgec in Lissabon ernannte Hr. See- ruys Sr. Majestät vorgestellt. Abends gab der König den Rit- tern des Bath-Ordens ein großes Diner.

Der Herzog und die Herzogin von Northumberland sind vorgestern von ihrem Landsitz hier eingetroffen; gleich nach ihrer Ankunft stattete die Herzogin der Prinzessin Victoria einen Be- such ab, die sie scit dem legten August nicht gesehen hatte.

Die Hof-Zeitung vom Dienstag enthält die Ernennung des Sir G. Martin zum Vice-Admiral und des Sir R. Sto- pford zum Contre - Admiral des Vereinigten Königreichs.

Dem Hampshire Telegraph zufolge, sind, seit der Thronbesteigung Sr. jeßt regierenden Majestät 65 Englische Admirale, die sich noch im Dienst befanden, 7 im Retraite-Zu- stande befindliche Admirale und 63 Generale mit Tode abge- gangen.

In der heutigen Sißungck des Unterhauses versprach Lord Althorp, daß er nächstens noch cine Finanz - Darstellung vorlegen wolle, aus welcher erhellen werde, welche Erleichterung man der ackerbautreibenden Klasse noch gewähren könne. Auf eine an Herrn Lictleton gerichtete Frage, ob die Jrländische Zwangs-Bill erneuert werden solle, erklärte derselbe, daß noch Zeit genug úbrig sey, um dies gehörig in Erwägung zu ziehen.

Der Lord-Mayor und die Sheriffs von London haben vor- gestern dem Könige eine Adresse der hiesigen Bürgerschaft über- reiht, worin darum nachgesucht wird, daß den Mitgliedern der Londoner Universität das Recht, akademische Grade zu erlangen, bewilligt werden möchte. Se. Majestät erwiederten der Depu- tation Folgendes: „Jch danke Jhnen für den Ausdruck Jhrer Ergebenheit und Anhänglichkeit an meine Person und Regierung. Fch bin eifrig bemüht, die Verbreitung ‘der Wohlthaten des Un- terrichts durch meine ganzen Reiche zu befördern, weil ih die Ueberzeugung hege, daß gesunde Lehren und Kenntnisse die besten Grundlagen sowohl für die Achtung vor den Geseben als für die Ehrfurcht vor der Religion sind. Jch werde Jhre Pescition einem Ausschuß Meines Geheimen Raths überweisen lassen, wie Jch es hon mit anderen Mir überreichten Bittschriften ge- than habe, damit Jch nach einer reiflichen Untersuchung und Er- wägung des Gegenstandes, wie es dessen Wichtigkeit erheischt, die Rathschläge desselben empfangen kann.“

Der Standard enthält nachstehendes Schreiben des Sir Rob. Adair, Englischen Gesandten in Belgien: „Brüssel, 18. April. Jn Jhrem Blatte vom 9ten d. M. habe ih über mein Benehmen während des schreckenvollen Tages vom 6. April, welchex Brüssel bedrohete, eine Aeußerung lesen müssen, die ich unmöglich mit Stillschweigen übergehen kann. ‘Unter der Auto-

rität des Correspondenten im Morning Herold wird in dem an-

geführten Artikel versichert, daß ih „ein gelassener und láchelit- der Zuschauer“ jener Excesse gewesen sey, welche an dem genann- ten Tage hier verübt wurden. Da Sie mich auffordern , dieje Behauptung zu widerlegen, so will ich Jhren Wunsch mit dem Einen Worte erfüllen: Sie is falsch. Nur meinem Souve- rán und dem Parlamente für die Art und Weise der Erfällung meiner Pflicht verantwortlich, habe ih es bisher für unnöthig erachtet, auf Beschuldigungen und Verleumdungen eine Erwie- derung erfolgen zu lassen; allein bei einer Anklage, die, wenn sie gegründet wäre, meine Würde als Mensch tief erniedrigen müßte, fühle ich, daß Das, gegen den Ankläger nicht die einzige Antwort is, welche mein Vaterland von mir erwartet. Jch habe oft wahrgenommen, daß Sie Behauptungen, die Zhnen bald der Eifer, bald die Böswilligkeit der Parteien in den Mund geiegt, mit Offenheit widerrufen haben; ich erwarte jelzt dasselbe von Jhnen. JZhr gehorsamster Diener, Robert Adair

Am Montag versammelten sich in Newcastle an 8— 12,000 Arbeiter, die den Beschluß faßten, auf die Entlassung der jeßigen Minister anzutragen.

In Oldham hat eine der aufrührerischsten Volks - Ver- sammlungen stattgefunden; es waren nämlich 2 Mitglieder der Arbeiter - Vereine wegen gesebwidrigen Benehmens von der Po- lizei verhaftet worden, und am Mittwoch frúh versammelten sich nun sämmtliche Arbeiter auf einem freien Plaß und be- lossen einstimmig, nicht eher wieder eine Hand zu rühren, bis ihre beiden Kameraden befreit wären. Die Baummwollen-Spinne- reien stehen daher in Oldham und in„der Umgegend still, und die Arbeiter rreiben sich múßig umher. Viele Läden sind ge- {chlo}en. Es kam so weit, daß die Behörden es für nöthig hielten, die Aufruhr-Akte verlesen zu lassen, 14 Personen wur- den verhaftet, und die gerichtliche Untersuchung hat ihren An- fang genommen.

n Jrland sind wieder mehrere Baronieen der Königin- Grafschaft von dem Lord-Lieutenant als im Aufruhr. Zustande bes findlich erklärt und den Bestimmungen der Zwangs- Bill unter- worfen worden.

Die Bank von England hat gestern eine Notification erlas- sen, des Junhalts, daß sie von diesem Tage an Geld gegen Sicher- heit auf einen Monat zu 3 pCt. Zinsen jährlich ausleihen werde. Üeber den Grund dieser Maßregel herrscht an der Börse keine bestimmte Kunde.

Einige Bewegung brachte auf die Londoner Fonds - Börse die Nachrichr hervor, daß die auf nächsten Montag angeseßte General- Versammlung der Handwerks - Vereine, 60,000 Mann stark, in Procession sich zum Lord Melburne verfügen, ihm eine Petition zu Gunsten der in Dorchester für schuldig erfannten Handwerker uberreichen und dann seine Antwort abwarten wolle.

Der Globe meint, daß durch die neue Ministerial-Verän- derung in Spanien das liberale System daselbst an Konsistenz gewinnen werde; daß General Llauder bloß deshalb zum Kriegs- Minister ernannt worden seyn sollte, weil man ihn gern von Katalonien hätte entfernen wollen, indem man seine Gegenwart daselbst gefürchtet, will dem genannten Blatte nicht glaublich scheinen.

General Mina liegt seit einigen Tagen schr krank danieder.

Aus Lissabon sind seit der leßten Post zwei Paket - Schiffe eingetroffen; die lezten Nachrichten sind vom 10ten d. M. und lauten im höchsten Grade günstig für die Sache der Constitutionnellen ; das Miguelistische Hauptquartier wird jeßt von allen vier Seiten angegriffen werden, denn von Westen rückten nun auch die Spanier heran. (Vergl. den Art. Portugal.)

Ein frúher verbreitetes Gerücht, als sey Bernardo de Sa geschlagen und zur Flucht an die Spanische Gränze genöthigt worden, hat si als völlig unbegründet erwiesen. Derselbe war vielmehr auf der Verfolgung der Miguelisten nah Moura be- griffen gewesen und nach Beja nur zurückgekehrt, um die Ver- stärkungen an sich zu ziehen, welche ihm von Lissabon aus zuge- sandt werden sollen. Die Nachricht von dieser Niederlage, wel- he Bernardo de Sa bei Moura durch den Sohn des Marschall Bourmont erlitten haben sollte, war übrigens bereits in der Chronica von Lissabon angegeben gewesen. Außer diesen mit dem Schiffe „County of Pembroke‘ von Lissabon angekommenen Nachrichten hacder am 14. in Falmouth angelangte „„Pike// Nachrich- ten aus jener Stadt vom 5. mitgebracht. Das bedeutendste Ereigniß ist eine Zusammenkunft, welche die Ober-Befehlshaber der bei- den feindlichen Armeen mit einander gehabt haven. Lord Hos- ward de Walden nämlich, welcher den Vermittler bei dieser Ge- legenheit machte, begab sich am Z3lsten v. M. mit dem Admiral Parker in’'s Hauptquartier der constitutionnellen Armee nach Cars- taxo. Am Tage darauf fand im Beiseyn dieser Beiden die Zu- sammenkunft zwischen den Generalen Saldanha und Bacon ei- nerseits und dem Miguelistischen General Lemos andererseits Statt. Doch mußten die Heerführer sich trennen, ohne daß sie zu einem Resultate ihrer Verhandlungen gekommen wären, da General Lemos auf teine andere Bedingungen eingehen wollte, als auf die Anerkennung Dom Miguels als rechtmäßigen Thronfolgers, nah dem Tode Donva Maria’s. Zu derselben Zeit, als diese Zusammenkunft gehalten wurde, soll ein Secretair der Englischen Gesandtschaft zu Dom Miguel selbst tnit Ver- gleichs- Vorschlägen gesandt worden seyn, welche dahin gingen, daß der Prinz sicheres Geleit aus Portugal und eine von Eng- land garantirte bedeutende Apanage erhalten sollte; zugleich soll ihm die Erhaltung seiner Güter und Rechte als Jnfant, eine Amnestie für seine Anhänger, und sogar das Successions-Recht auf den Portugiesischen Thron, jedoch nur für den Fall, daß die Königin ohne Leibeserben sterben sollte, versprochen worden seyn. Dom Miguel, heißt es, habe auch diese Vorschläge ver- worfen.

Der zum Gouverneur von Porto ernannte Herzog von Terceira hat Lissabon in dem Dampfboot -,„City of Edinburgh“ verlassen,