1834 / 114 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

viel größer, dern imJahre 1518 betrug die Zahl derSchüler in beiden 4738,

Und jeßt beträgt fie 15,234, also eine Vermehrung von 1 zu 3 und dar- ver. Run auf Manchester zu kommen. Ohne Hinzurehnung von Salford und den anderen Fle>en befanden sich im Jahre 1818 in Manchester nur 15 Wochen- Schulen, die von 2628 Kindern besucht waren; jeßt sind daselbsi 216 Schulen, von 10,090 Kindern und darúber besucht. Die Sonntags-Schulen haben sich in Manchester Und Bedfordshire in gleichem Verhältniß vermehrt, denn im Jahr 1818 belief sich die Zahl der Zöglinge in beiden Arten von Schulen nur auf 8000, wogegen sie im Jahre 1833 auf 24,400 gestiegen war. Es scheint mir also bedeutende Gefahr dabei zu seyn, wenn" man die freiwillige Unterstüßung dieser Schulen in eine gezwungene Unterhaltung derselben verwandeln wollte, s0o- bald man bedenft, welche große Wirkung die freiwilligen BemüÜ- hungen schon auf die Zunahme der Unterrichts-Mittel ausgeübt ha- ben. Man kann wohl Schulen anpflanzen, man kann die Pflan- zungen durch erzwungene Abgaben bewässern, aber daraus folgt noch nicht, daß diese Pflänzlinge auch Wurzel schlagen werden, ich nieine, daß die Aeltern thre Kinder in die Schulen schi>en werden, um sie dort unterrichten zu lassen, wenn die Schulen guf solche Weise ge- Üifiet und erhalten werden. Da aher freiwillige Bemühungen nicht Álies vermögen, so scheint es mir angemessen, daß man zu Hülfe fonimt, damit fie die ersen Hindernisse überwinden können. Dieser Plan wurde befolgt, indem dem Unterhause anenfohlen ward, cine Summe von 20,000 Pfund zur Unterstüßung von Schulbagüten zu bewilligen, jedoch unter der Bedingung, daß dies Geld nur solchen Personen gegeben werden follte, die schon selb| Sarimen zu Schul- zwecen verwendet hätten und für die Rückzahlung der ihnen vorge- ic osscnen Gelder Bürgschaft leisten können. Das Unterhaus bewil- ligte diese Summe und fügte vor Kurzem nocù eine gleiche hinzu, und gewiß if niemals Geld besser angewandt worden, als dieses.‘

London, 18. April, Die Königin hielt gestern Cercle im St. James - Palast, bei welcher Gelegenheit der neue Spanische

Gesandte, Marquis von Miraflores, Graf von Florida Blanca, | DEIRNDLC, C ¡Us D iores, Was von Fiorida Quan(ía, | D ; 1 z A e s | auf Vorurtheile, theils aber auf die Ueberzeugung arundet, daß

hrer Majestät vorgestellt wurde.

Ueber die Vorfälle in Oldham theilt die gestrige Morning- |

Chronicle Folgendes mit: „Zu unserem Leidwesen müsse wir erfahren, daß in Oldham eine Rußestôrung staitgesunden hat, bei der ein Mensch ums Leben gekommen ijt. Wir geden unjeren Lesern einen Bericht, der an Ort und Stelle geschrie- ben is. Arbeiter-Verein eingedrungen war und zwei Jndividuen verhaf- tet hatte, die Veranlassung, daß ein Theil. des Volks den Ént- {luß faßte, die beiden Gefangen-:n am nächsten Tage zu befreien, und als man an einer Fabrik in der Náhe von Oldham vorbei fam, wurde aus der Loge des Portiers ein Schuß abgefeuert, worauf ein Angriff gegen die Fabrik erfolgte, bei welczem ein eann getddtet wurde. Bei der jesigen Stimmung des Volks ist es sehr zu bedauern, daß man sih unnöthiger Weise ein- mischte. Obgleich wir nicht glauben, daß unser Korrespondent uns absichtlich falsch berichten würde, so hat er doch gewiß seine Nachricht aus keiner lauteren Quelle ges<dpst; denn es scheint faum möglih, daß Jemand muthwillig aus einer Portier - Loge auf eine vorüberziehende Menge feuern sollte, und es ist zu vermuthen, daß die Bewohner der Fabrik zuerst dur<h Bedrohung ihrer Sicherheit von Seiten der Menge gereizt worden sind. Es wird eine Todtenschau gehalten werden, und dann muß Alles aus Licht kommen. Vorweg über die Sache abzuurtheilen, wäre vorschnell, da wir nicht wissen, auf welche Autorität gestüßt die Konstabler oder deren Diener handelten. Soviel ist jedo unbestreitbar, daß der Versuch, die Gefangenen u befreien, eine Verlebung der Geseßze war.“ Heute fúgt das genannte Blatt hinzu: „Wir haben von Oldham Nachricht über die gerichtliche Untersuchung, welche am Mittwoch eingeleitet wurde. Man nahm zwei der Rädelsführer ins Verhör. Die Untersuchung bezog sich aber nur auf die gegen die Fabrik des Herrn Thompson verübten Gewaltthzätigkeiten und warf kein neues Licht auf die vorhergegangenen Vorfälle. Jndeß {cheint unsere Vermuthung über den Anlaß zu dem Ueberfall der Thompsonschen Fabrik richtig gewesen zu seyn.“

An einem - von der United Service Gazette mitge- theilten Schreiben aus Malta heißt es: ¿Dem Vernehmen nach sollen nächstens 400 Marine- Soldaten von Oberft Par- fer’'s Artillerie auf dem „„Thunderer“/ von England hier eiatref- fen. Man flüstert sich zu, daß diese Truppen zu einem Angriff auf Tripolis bestimmt seyen, und in der That könnte sich Eng- sand cben so gut dieses Landes bemächtigen, wie Frankreich Algier in Besiß genommen hat.“/

London, 18. April. Nach dem, was unsere Zei- tungen hinsichtlih der Vorfälle in Oldham (bei Manchester) be- richten, köônute ein Ausländer leicht glauben, daß wir auch un- sere Emeute, obgleih nur im Kleinen, gehabt haben. Indessen, so wenig erfreulih unsere Trades - Unions seyn mögen, s#o ist doh jener Vorfall eher beunruhigend, als das Gegentheil; denn wenn die Unionen so fest verschworen und so verzweifelt wären, als ihre Organe uns glauben machen wollen, und es auch oft den Anschein hat, so würde der Aufstand nicht dur ein Häuflein Dragoner, und zwar ohne Schwerdtstreich beige- legt worden seyn, die Gewerke des nahen Manchester und der vielen andern Fabrikstädte, welche in jener Gegend so dicht bei einander liegen, würden ihnen vieimehr zu Hülfe gekommen seyn, und es wäre wohl auch ein Lyoner Aufstand versucht wor: den. Wie sih die Sache aber verhält, ist das einzige Neue vnd Auffallende an derselben, ihr Ursprung, insofern nämlich der Aufstand dadurch entstanden, daß zwei Polizei-Diener eine Unions - Vérsammlung üúberfallen und si<h ihrer Bücher und anderer Papiere nebst zweier Mitglieder bemächtigt hatten. Denn so sehr au< im Ganzen das Britische Volk an hohe Ach- tung vor dem Geselze gétodhat ist, und nicht selten ein großer Haufen sich durch ein Paar Polizei-Diener mit ihren Stäben zer- streuen und seine Rädelsführer verhaftet wegführen läßt, so sind doch auch die Versuche, Gefangene gewaltsam den Händen der Polizei zu entreißen, nichts gar Seltenes, eben jo wenig als die Erstürmung und Zerstörung einer Fabrik durch aufgebrachte und mifleitete Arbeiter. Jndessen müssen doch dergleichen Ausbrüche in Zeiten, wie die gegenwärtige, mehr als gewöhnlich erschrecken, und denjenigen, welche zur Ergreifung, sirenger Maßregeln gegen die Vereine rathen, Gründe an die Hand geben, ihre Vorstel- lungen zu bestärken. Freilih giebt es au<h noch immer sehr viele, die da meinen, die bestehenden Geseße seyen hinreichend, alle gewaltthätigen Ausbrüche zu verhindern oder doch zu bestra- fen, daß man hôchstens strengere Vorkehrungen treffen und auf die Bewegungen der Vereine aufmerksamer seyn, aber die Krankheit in diesem Kreis gebannt austoben lassen solle. Selbst die Regierung berechtigt dur<h ihr Stillschweigen zu der Ver- muthung, daß sie auch dieser Meinung sey. Inzwischen aber läßt sich nicht leugnen, daß die häusigen stets zahlreicher toer- denden Versammlungen der Arbeiter, bei welchen sie die toll- füßnsten Reden vernehmen, die immer zunehmende Organisation, in welcher sie zusammen wirken lernen, und die Menge aufrüh- rerisher Flugschriften und Zeitungen, welche allen Geseßen zum

AGÁ nem, anderthalb oder 2 Penning unter ihnen circuliren, die ar- beitenden Klassen für die Ruhe des Staates immer gefährlicher machen. Dabei ist auch nit zu überschen, daß fast diese ganze Zlasse, entweder gegen alle Religion gleichgültig, oder als Iúnger Thomas Paines, Taylors und Carliles, jede positive Religion sogar verachten, oder endlich Nonkonformisten sind, und folglich einen starken Beweggrund mehr haben, eine Verfassung anzufein- den, die eine ihuen verhaßte Kirche in sich s{ließt, zu der sich der größte Theil ihrer ihnen als Tyrannen dargestellten Brod- herren bekennen. Uever die Deportation der sechs in Dorsetshire verurtheilten Taglöhner toben sie fürchterlich, haben aber bis jeßt ihre Wuth nur ausgesprochen und ausgeschrieben. Vielleicht um diese Wuth nicht zu erhöhen, hat die Regierung es veranstaltet, daß der Prozeß einiger Andern zu Exeter, welche eines ähnli- <en Vergehens angeklagt sind, um eine Session verschoben wor- den ist. Vorgestern empfing der König eine Adresse von dem Londoner Stadtrath, worin dieser Se. Maj. bat, der Londoner Uni- versität das verlangte. Privilegium zu gestatten; zu gleicher Zeit wurde dein Monarchen eine Bittschrist von der Universität Ox- ford úberreicht, und zwar gegen eine solche Gestattung, wenig- stens gegen das Recht, gleichnamige Ehrengrade mir den alten Universitäten gewähren zu dürfen. Der König empfing beide sehr gnädig, verwies sie aber an den Geheimen- Rath, von wel- <em die Sache nah rechtlichen Grundsäßen entschieden wer- den soll. Der Einspru<h der Oxforder Universität scheint jedoch mehr selbstsüchtig, als billig, da sie zu fürch- ten scheint, daß manche ihre hohe Schule nicht besuchen dúrften, wenn sie die gewöhnlichen akademischen Grade in Lon- don erlangen könnten. Sie sollte aber bedenken, daß mit höchst

Diesem zufolge war der Umstand, daß man in einen |

wenigen Ausnahmen diese Grade keinen andern Werth haben, als den die fentliche Meinung damit verbindet, die sich theils

solche ein Zeugniß von dem Talente der Besilzer sind; und wenn demnach die hiesige Universität sich den Ruf erwerben sollte, daß

| sle mit der Ertheilung ihrer Diplome eben jo sorgfältig, oder

wohl noch sorgfältiger zu Werke geht, als Oxford und Cam- V} 5 E

| bridge, ihre Titel, gleichviel, ob gleichlautend oder nicht, eben \o

sehr werden geachtet werden, als jene. Jndessen wenn die Londo- ner Universicät das Recht erhält, Diplome zu ertheilen, so muß unser Kings-College, welches ohne den Namen einer solchen doch eben so gut cine Universitár it, als die andere, ebenfalls die- ses Recht empfangen. Daun wäre aber gewiß wünschenswer- ther, was die Professoren dieses Collèges wünschen, daß Lon- don zu einer Universität erhoben, und die Diplome weder von dem einen noch von dem andern Jnstitut, soudern von eigends hierzu bestellten FSollegien ertheilt werden möchten. Dieses würde zu einem edlen Wetteifer zwischen beiden führen, und den Ver- dacht entfernen, daß man die Erlangung der Diplome zu leicht mache, um die größte Anzahl der Studirenden anzulo>en. Auch giebt es hier bereits seit vielen Jahren andere vortressliche me- dizinische Schulen, welche durch diese Einrichtung ibr Recht mit erhielten. Am Dienstag Abend machte Lord Althorp die Vor- schláge, daß die Entrichtung der Zehnten in Engiand und Wa- les aufhôren, und dagegen ein gewisser Zins an die Eigenthü- mer entrichtet werden solle, welchen der Besißer des Landes nach gewissen Regeln an sich zu kaufen, berechtigt seyn soll. Diese Vorschläge wurden einstimmig angenommen , wobei jedoch jedem Mitglied das Recht bleibt, gegen die einzelnen Bestimmungen, wodurch dieses große Werk ausgeführt werden soil, zu stimmen. Auch wird die Bill zu großen und langen Debatten Anlaß ge- n Nacht Gestern Abend [gte Lovd V dem Hause die auf den Zehnten Bezug habende Bill vor. Seine Vorschläge hinsichtlich der Kirchen -Steuer ver- {ob er; dagegen entwicelte er den Plan - der Regierung in Bezug auf die jezt so verderblich wirkenden Armen - Geseke, welcher fast cin{timmig mit Beifall aufgenommen ward. Er gründet sich gänzlich auf die Vorschläge der desfalls ernannten Kommission, und wird wahrscheinlich init wenig Veränderungen durchgeführt werden. Oberst Wiiliamé machte seinen Vor- schlag zu einer Adresse an den Kdnig, worin die Zulassung der Nonkonformisten zu den Studien und Diplomen der Landes- Universitäten erbeten werden sollte, nahm aber seinen Vorschlag zu Gunsten des von Herrn Wood gemachten zurÜ>, welcher den- selben Zweck unmittelbar durch das Parlament erlangt wissen will. Auch erhielt derselbe durch eine Mehrheit von 185 gegen 44 Stimmen die Erlaubniß, eine Bill zu diesem Ende ins Haus bringen zu dürfen. Die Frage ist nun wieder eiumal: ,, Was werden die Lords thun? Noch im vorigen Jahre verwarfen sie die Bill zur Emancipation der Juden, obgleich oas Unterhaus dieselbe durch wenigstens eine eben so große Mehrheit angenom- men hatte; werden sie es au<h mit dieser Bill so machen ? Zu Oldham, wie zu Manchester herrscht große Gährung unter den Arbeitern ; aber da die Beamten wach sind und eine bedeutende Militair Macht an der Hand haben, so ist man über den Erfolg ruhig. Die Untersuchungen über die neulichen Vorfälle haben bereits angefangen.

Niederlande

Aus dem Haag, 19. April. Jhre Maiestäten, so wie JI. KK. HH. der Prinz von Oranien und Prinz Friedrich der Niederlande nebst Höchstihren Gemahlinnen, sind von Am- sterdam wieder hier eingetroffen.

Schon seit einiger Zeit beschäftigt sih die zweite Kammer der Generalstaaten fast aus\c<ließli< mit der Berathung über eine von der Regieruug beantragte Reoision der Artikel 7 und 8 des Handels-Gesezbuches und über die Finanz-Verhältnisse des Landes. Jn der Sigung vom 1sten d, M. wurden in Bezug auf die leztere Angelegenheit drei (bereits erwähnte) Geseß-Ent- würfe vorgelegt, einer über Ablôsung der noch restirenden bproc. Obligationen zum: Belaufe von 5,900,000 Gulden aus der An- leiße des Jahres 1831, ein anderer wegen Einlösung der gleich- falls 6 pCt. tragenden Schabkist - Billette zum Belaufe von 9,800,000 Gulden gegen Ausgabe von Schuldscheinen für glei- hes Kapital mit 4 pCt. Zinsen, und ein dritter Geseß-Entwurf wegen Fürsorge für die volle Zinszahlung der National-Schuld, welche fúr das mit dem leßten Juni d. J. zu Ende gehende Halbjahr geleistet werden muß. Dieser leßte Geseß-Entwurf is dur<h den Umstand hervorgerufen, daß bei dem am 22sen Dezember vorigen Jahres den Generalstaaten vorgelegten und von denselben gebilligten Voranschlage dex Staats- Ausgaben für das Jahr 1834, die Summe der Renten zum Belaufe von 8,400,000 Gulden, welche dem bekannten, bis jeßt von Holland noch ni<ht angenommenen, Traktate vom 15. M oimbet 1831 zufolge, Belgien von der Holländischen alten Staatsschuld zu übernehmen hat, nicht mit in Betracht gezogen ist. Jn den beiden vorhergehenden Jahren ist diese Summe von Holland bezahlt worden, und der jegt eingebrachte Gesetz -Entrourf mo- tivirt die Zahlung für das mit dem Juni endende Halbjahr da- durch, daß, da die Angelegenheit noch nicht geordnet sey, das

‘06 ungecsiett nd daher um den geringen Preis von ei-

Reich aber eventuell dêx bisher übernommenen Last enthoben

werden könne, die Uebernahme der Zahlung nur als eine vor, läufige zu betrachten, jedenfalls aber zur Sicherung deg Staats - Kredits unerläßlich sey. Die Berichte der Kom- missionen der zweiten Kammer, welche mit der Untersuchung der drei Gesetz - Entwurfe beauftragt waren, sind gedrut und unter die Mitglieder der Kammer vertheilt worden Jn Bezug auf die volle Zins - Zahlung der Staatsschuld wird in den Berichten die Núslichkeit dieser Maßregel anerkannt, zy, gleih aber darauf aufmerksam gemacht, daß durch die Ueber nahme dieser Zahlung bereits in den beiden leßten Jahren die Finanzen sehr gelitten und daß für die Zukunft eine Fortdauer derselben ganz unmöglich sey. Man könne sich also war wohl bewogen finden, noch die am lcbten Juni d. J. fälligen halh, jährigen Renten der Staatsshuld zum Vollen zu bewilligen, halte sich aber verpflichtet, die Nothwendigkeit dringend vorz stellen, welche ein Aufhören der bis jeßt getragenen Belastung erheische. Zugleich wurde bei dieser Gelegenheit der allgemein Zustand des Landes in Anregung gebracht, und besonders eine Vermin derung der Armee durch Entlassung der Schuttereien in ihre Heimath als wünschenswerth dargestellt, da man nach der Uebereinkunft von 11ten Mai nicht einsehe, wie die Gefahr für das Land #0 drin gender Art seyn könne, daß so große Opfer zum gänzlichen Ruin der Finanzen erfordert werden. Die Erwiederung d

- Regierung auf die Kommisssons-Berichte der Kammer is in

Laufe dieser Woche in einer Druckschrift unter die Kamme Mitglieder vertheilt worden. Für den Anfang der nächst Woche erwartet man den Bericht der Central - Kommisston übt diese Finanz - Angelegenheiten, warauf dann die Berathung darüber in der zweiten Kammer gleich folgen werden. An de Annahme des Gese(z-Entwurfs wegen der vollen Zinszahluy wird nicht gezweifelt, dagegen erwartet man langwierige Vey handlungen über die Geseb-Entwürfe in Betreff der Umwante lung der 6pCtigen Obligationen.

Amsterdam, 419. April. Die politischen Ereigtis, welche in leßter Woche in Frankreich stattzefünden baben, hattn zwar einigen Einfluß auf den hiesigen Fonds- Markt, doch bei n: tem nicht so fark, wie dergleichen beunruhigende Volks - Bewegun: gen erwarten ließen. Dex geringe Geschäft: - Umfang kann jedoeh als ein Grund betrachtet werden, weshalb die Schwankungen nit ardßer waren, indem solche von 27 und 5proc. Holländischer wirk: licher Schuld kaum 2 pCt. betrugen: und nur verhältnißmäßig uf die Syndikat - Obligationen und Russische Rubel - Anleihen getwkit haben. Die Course der Spanischen Fonds wichen etwas mehr, dh erholten fie sich wieder auf die júngsten Nachrichten, welche Anl zu der Aussicht einer Regulirung der Finanzen dieses Reiches gebt, Griechische, Brasilianische und Súd-Amerifkanische Effekten sind hi unbedeutendem Handel preishaltend geblieben. Der Geld- Cour scht jeßt wieder auf 23 pCt. bei Leihungs- und Prolongationi Geschäften. Am Getraide-Markt beschränkte sich gesiern der i: saß von Polnischem und rothem Weizen wieder nur auf die Ct sumtion; Preußischer und getro>neter Roggen blieben ote Handt neuer brauner Roggen wurde mit etner geringen Preis - Erhdhuy bei kleinen Partieen abgenommen. Mit Gerste war es fill, eben wie mit schwerem Hafer; Futter-Hafer wurde hoch gehalten. Fol: gende Preise sind angelegt: für i25pfünd. schönen alten bunten Pol: nischen Weizen 240 Fl., für 131pfünd. neuen Pommerschen 180 Fl,

für 131psünd. neuen Rheinischen 180 Fl., für 122pfünd. neuen hol: F

steinischen Roggen 122 Fl., für 122. 123pfünd. Münsterschen dit 126. 128 Fl., fúc 119. 123. 124pfünd. inländischen Roggen 116.15. 139 Fl. , fúr 113pfünd. neue Holsteinische Gerste 108 Fl - für V: pfünd. neue Friesisthe Winter-Gerste 76 Fl., für 85. 3üpfünd. fein Friesischen Hafer 75.80 Fl.

Belgi es.

Brüssel, 19. April. Der Beschluß des Minister-Constil vom Gten d. ist, in Erwägung, daß die Umstände, welche den selben veranlaßten, aufgehört haben, zurückgenommen worden.

Die Gräfin von Latour-Maubourg, Gemahlin des Frank sischen Gesandien, is gestern Morgen an den Folgen der Ernt bindung geKForben.

Die Gendarmerie schritt gestern, im Beiseyn eines Friedens Fichters und eines Polizei-Kommissarius, zu einer Haussuchuyz bei allen den Personen, welche aus Belgien verwiesen worden sind, um diejenigen zu verhaften, welche dem gegen sie erlassenen Beschlusse nicht Folge geleistet hätten. Sie fanden, mit Auw nahme des Herrn Barril, dem der Minister no< eine furze Frist gestattet hat, keinen einzigen. Der gegen Herrn Lelewt erlassene Verweisungs-Befechl ist zurückgenommen worden.

Die Zahl der bis heute verhafteten Personen, die der Theil: nahme an den Plünderungen beschuldigt sind, beträgt schon 130,

Schweden und Norwegen. f

Stockholm, 19. April. Jn hiesigen Blättern liest mat: „„Das Gerücht von der Resignation des Justiz-Ministers Grafen Rosenblad erhält sich, doch wird nicht mehr der Graf Hamilton sondern der Staatsrath ‘Poppius als sein wahrscheinlicher Nech folger bezeichnet. Hiermit wird die Ernennung des Hof-Katy lers Baron Schulzenheim zum Staatsrath und die des Staal Secretairs für die geistlichen Angelegenheiten, Hrn. von Hatt mansdorff, zum Hof-Kanzler kombinirt.“/

Das große Zoll-Comité seßt seine Arbeiten fort. Der wichtige Grundsaß eines festen Zolles auf Getraide hat del Sicg davon getragen, wiewohl die Zoll - Abgabe für jeßt nw ziemlich hoch verbleibt.

Polen.

Warschau, 20. April. Am Donnerstag empfing der Feld marschall Fürs Paskewitsch nah seiner Rückkehr von St: P“ tersburg die Glückwünsche der Regierungs-Miktglieder, Generalt, Beamten und Offiziere.

Im Dziennik Powszechny liest man: „Unsere Gt rihts-Ordnung wurde im Jahre 1808 eingeführt und hat seitde verschiedene Veränderungen erfahren. Eine systematische Dat stellung der Geschichte unseres Gerichtswesens, die erste Einfüh! rung desselben, seine Entwickelung und allmälige Umgestaltuns umfassend, war daher, sowohl um des praktischen Nukens Wf len, als im Jnteresse der Jurisprudenz, sehr zu wünschen. M sofern ist es eine äußerst erfreuliche Nachricht, daß der Unte? Prokurator am Apellationshofe des Königreichs Pole Herr August Heilmann, si< dieser Arbeit unterzogen ha und daß sein Werk unter dem Titel: „Ueber das E rihtswesen im Königreih Polen ‘/, das sih son unte der Presse befindet, in der ersten Hälfte des Juni in. der Dru“

‘ferei der Regierungs - Kommission der Justiz erscheinen wird.

Diese Schrift enthält die nähere Geschichte der Einführung, R ersten Anfangs und der Veränderungen des gewöhnlichen U" des administrativen Gerichtswesens, nach den drei Epochen L dem Grund-Geseßz des Ns b Warschau bis zum G Geselz des Königreichs Polen und den Reichstags-Geseßen,/ h : da bis zu dem diesem Königreich verliehenen organischen S0 tut und von diesern bis auf die Gegenwart. Außerdem t man darin ein allgemeines Bild von den gewöhnlichen und

ministrativ-Gerichten, ein Kapitel über die Institution der K

niglichen Prokuratoren und der General - Prokuratur, eine Dar- stellung der inneren Verhältnisse aller Gerichte und eine Abhand- sung Über die Oeffentlichkeit der gewöhnlichen Gerichts-Verhand- sungen. Diese Arbeit is großentheils das Resultat vieljähriger

raxis in der Civil-, Administrativ- und Kriminal-Rechtépflege uind wird von großem Nußen für das Land seyn.“

D T Ua nd.

Karlsruhe, 19. April. Das Großherzogl. Staats- und Regierungs - Blatt vom 17ten enthält folgende landesherrliche Perordnuna, welche mit dem 1. Mai d. J. in Vollzug tritt :

„Leopold, von Gottes Gnaden Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen. Jn Erwägung der durch Geseß vom 11. Juli v. 20 ángetretenen Zoll-Erhdhung und der Unverträglichieit der Fortdauer einiger Bestimmungen der in Zoll - und Handelssachen im Jahr 1826 mit der Schweizerischen Eidgenossenschaft abgeschlossenen provisori- hen O mit dieser Zoll-Crhdhung; nachdem Wir der

<hweizerischen Eidgenossenschaft anheim gestellt haben, die erwähnte Uebereinkunft unter den von Uns nothwendig erachteten Modifica- tionen im Uchbrigen fortdauern zu lassen oder unter Beobachtung der yertragsmäßigen Auffkündigungsfrist davon abzugehen , haben Wir be- \losscn und verordnen hier, wie folgt: „Art. 1. Kaffee / Zucker und Gewürze, unverarheitetes Leder, Corduan, Saffian und

| Sohlleder; sodann Feobrikate aus Seide, Floretseide, Baumwolle, | Bolle, Leinen, vermengt, oder aus mehreren dieser Stoffen beste- I hend, neue Kleidungsstücke, fo wie Leder-Fabrikate, unterliegen beim Eingang aus der Schweiz dem geseßlichen Zoll, ohne Rü>si<t guf } die Quantität, in der sie eingebracht werden. Art. 2. Die Schwei- N -Weine dürfen nach dem ersten Ablaß nur in den Haupt- Zoll- Î Stationen Waldshut , Zolihaus am Randen und Konsianz/, gegen Ï den durch die Uebereinkunft vom Fahr 1826 ermäßigten Zoll, zuge- Y lasen werden. Art. 3. Alle durch vorstehende Artifel nicht abge- " nderte Bestimmungen der provisorischen Uebereinkunft sind, wte Ï bisber, zu beobachten. Unser Finanz-Ministerium ist mit dem Vol- zug dieser Unserer Verordnung beauftragt und hat den Anfangs- Termin derselben zu bestimmen. Gegeben in Karlsruhe, in Unserm Großherzogl. Staats-Ministerium, dei 12. April 1531. Leopold.‘

Qs erte d.

: Wien, 16. April. (Schlesische Zeitung.) Wie man Ï drt, wird hier demnächst eine Militair-Kommission, zu deren Y Mitglieder mehrere ausgezeichnete Generale einberufen wurden, Ÿ zusammentreten, um die von dem General Rade6ky zur CEinsüh- Ÿ eung bei der Armee vorgejchlagenen Neuerungen zu prüfen und I ber ihre Zweckmäßigkeit zu berathen.

| Die MNinister-Konferenzen werden nach einer kurzen Unter- Ÿ hrehung nun wieder eifrigst fortgeseßt. Vorgestern war in der N Wohnung des Großherzogl. Badischen Ministers Herrn von Ï Reienstein eine Konferenz, der dur eine Unpäßlichkeit verhin- D dert ist, das Zimmer zu verlassen.

E Ueber Triest haben wir Nachrichten aus Nauplia bis zum Ÿ 15. März. Außer der Meldung, daß König Otto eine Reise * nah Athen unternommen, aber schon in * seyn werde, enthalten sie jedo<h nichts von besonderem Interesse. Allenthalben herrschte die vollflommenste Ruhe.

Ita ten

Die Allgemeine Zeitung enthält nachstehende Privat- Mittheilungen : i „Rom, 8. April. Die ganze Unterhaltung in unseren Ge- ) sellschaften dreht sh jest um den Aufenthalt und die Abceise | des Königs und der Königin von Neapel. Man behauptet, die | Kóniain werde von Neapel aus nach Genua die Reise auf ei- | ner Fregatte machen, um ihre Familie in Turin zu besuchen. ) Vor ¿ehrer Abreise haben Jhre Majestäten noch Balle bei dem Ÿ Franzdsischen Minister, Marquis Latour- Maubourg, und bei dem Y Desterreichischen Botschafter, Freiherrn v. Lücow, mit ihrer Ge- Ÿ genwart beehrt. Der König hat sich während seiner Anwesenheit N sehr mit dem Päpstlichen Militair beschäftigt; er besuchte die Ÿ Kasernen und ertheilte manchen Nath hinsichtlich auf dessen Or- N ganisation und Verpflegung. Der Baron Rothschild ist aus l Neapel hier angekommen, und seine Gegenwart giebt nun N sogleich zu Vermuthungen Anlaß, die aber wohl ohne Grund sind. Jndessen wurde er hier von d:n Personen des F Ministeruums mit vieler Auszeichnung empfanzen, und wird Î im Laufe dieser Woche nach Neapel zurückkehren, wohin auch * Don Alexander Torlonia aeht, der dort den Pacht des Taback- F Verkaufs für das ganze Königreth Übernommen hat. Der F Marschall Bourmont will sich im Päpstlichen Staate ankaufen, * und hat angefragt, ob man ihm die ehemaligen Farnesischen Be- ' slbungen an der Gränze von Toscana úberlassen wolle. Diese Besi6ungen wurden früher von der Päpstlichen Regierung dem / lezten Besitzer Fürsten Chigi abgekauft, um den Schleichhandel, Ï der von dort aus getrieben wurde, zu verhindern. Der Rusß- E sische General v. Merder, Erzieher des Großfürsten, welcher seci- © ner Gesundheit wegen nach Jtalien gekommen war, ift hier ge: © storben. Seiner Beerdigung wohnten alle hier befindlichen Rus- | sen und ein Bataillon Päpstlicher Truppen bei. i „Neapel, 5. April. Gestern wurde die Ruhe der Haupt- stadt durch ein ungewöhnliches, betrübendes Ereigniß gestört. Von einem einfachen Wortwechsel zwischen einem Gendarmen und einem Soldaten der hier in Garnison liegenden Sicilischen Regimenter kam ces zu Thâätlichkeiten, an welchen sodann mch- rere Kameraden der beiden Parteien Theil nahmen. Zulekßt entbrannte ein hißiger Kampf zwischen den WMarine-Soldaten, den Gendarmen und den Sicilianern, und ohne die kräftigen Maßregeln der Polizei und des Plaßkommando’s hâtte dieses teigniß das gerade in einem der bevölkertsten Theile Nea- pels, im Hafen-Quartiere, stattfand, die traurigsten Folgen ha- ben fônnen. Alle Läden in jener Straße wurden gesczloßen, | Und erst nach zwei Stunden gelang es den Behörden, die Wü- thenden aus-inander zu bringen und die Schuldigen zu verhaf- ten. Von beiden Seiten wurden einige und zwanzig Soldaten mehr oder weniger gefährlih verwundet, und dret blieben auf der Stelle todt. Die Energie und der gute Geist der übrigen esakung von Neapel bei dieser Gelegenheit können nicht ge- nug gerühmt werden; ihr hat man es hauptsächlih zu danken, daß die Scenen der Unordnung sich nur auf eine Straße be- | hränften, und jeder Versuch zu einer Erneuerung derselben er- folglos seyn würde.“

f

SUL ben

Konstantinopel, 29. März. Folgendes ‘is der (gestern erwähnte) amtliche Bericht úber die Dämpfung des Aufjtandes in Bagdad: „Jn ‘einem unserer früheren Berichte machten wir bereits die Mittheilung, daß der Scheik des Stammes Dscherba in der Umgegend yon Bagdad cinen Volkshaufen aus den Stäm- men Aschire und Kabile an sih gezogen und durch seine feindli- hen Streifereien| die Verbindung zwischen Bagdad und der

auptstadt des Reiches unsicher gemacht und aufgehoben hatte. Zul Asis Aguiah Efendi, zweiter Defterdar und Muhasje- edschisi von Anatolien, sollte, einem vom Großherrn erhaltenen

14 Tagen wieder zurück |

6D

Auftrage gemäß, sich nach jener Gegend hin verfügen, um den j Grund der Beschwerden, welche jene Stämme als die Ursache ihres Aufstandes angaben, zu untersuchen und dur<h Forträumung jedes Vorwandes zu Unruhen die Ordnung wiederherzustellen. Der Gouverneur von Bagdad, Ali Riza Pascha, stattete jedoch der Regierung inzwischen einen Bericht ab, nach welchem die Beilegung der Zwistigkeiten bereits erfolgt war. Aus diesen Depeschen, die zugleich die Beweggründe und den Ursprung des

Aufstandes mittheilten, ging Folgendes hervor: Der Scheik des |

Stammes Dscherba hatte zur Zeit einer früheren Jnsurrection in Bagdad, dte ün Jahre 1831 stattfand, unter der gegenwärti- gen Regierung gedient und war von derselben mit Wohlthaten überhäuft worden. Jn der Meinung, seine früher geleisteten Dienste könnten ißm das Recht geben, sich Alles zu erlauben, und ihm das Privilegium, ungestraft zu bleiben, zusichern, vergaß er die Pflichten der Erkenntlichkeit und der Unterwerfung unter die Autorität, welcher er so viele Gnadenbezeigungen zu- danken hatte. Er nahm an einer Art Verschwörung Theil, zu welcher Zehir Oglu, einer der Häuptlinge in Bassora, Asis Agha, Mussellim in derselben Stadt, Masraf Mehmed Effendi, der furz zuvor aus Bagdad entsiohen war, Halid Pascha, Oglu Mehmed Pascha und einige Andere weniger bedeutende Män-

hungen dahin brachten, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen. Áuch Yahia Pascha, der Gouverneur von Mosul, hatte ihm allem Anschein nach versprochen, die 2lusführung seiner verräthe- rischen Plane zu befördern, und hierauf gestükt, rückte er mit einem zahlreichen Heere, das er mit Hülfe seiner Genossen zu- sammengebracht hatte, gegen Bagdad vor. “Der Wesir Ali Pa-

scha, ein Mann, der bei jeder Gelegenheit eine seltene -Thätig- |

keir und Treue bewiesen hat, handelre mit eben so vieler Ener- gie, als Klugheit. Fast zu gleicher Zeit bemächtigte er sich des Zehir Oglu und des Halid Pascha Oglu, beorderte den Asis Agha nach Bagdad, wohin sich dieser, der dem Befehle sich zu widerseben nicht wagte, sofort begab; er ließ nun Masraf Meh- med, Effendi dcs Stammes Benilam, in dessen Mitte derselbe sich zurückgezogen hatte, verjagen und nöthigte ihn, sich nach Kur- Dia U uten Der S O L O von den gegen ihn abgeschickten Truppen Überall bedrängt, geschla- aen Un von Den Seintoen veran a Ute lte: hend die Wüste zu erreichen. Yahia Pascha, der, in der Furcht, entdeckt und entlarvt zu werden, seinen Posten in Mo- sul länger zu behaupten nicht für rathsam hielt, sah ebenfalls in einer s{leunigen Flucht sein lelztes Heil und {loß sich mit vier oder fünf Begleitern an den Scheik. Sogleich bestimmte Ali Pascha den vormaligen Begler-Beg von Mosul, Said Pascha, vorläufig zum Nachfolger des Yahia Pascha und betrieb die Be- stätigung desselben bei der Regierung. Durch eine Großherr- liche Verordnung wurde Said zuin Gouverneur von Mosul er- nannt und sein Stellvertreter mit der Jnvestitur beehrt. So wurde die Umgegend von Bagdad von den Aufrührern schnell gesäubert und die Ruhe wieder hergestellt. Man hofft, daß es den Truppen, die Ali Pascha zur Verfolgung des Scheiks ab- sandte, gelingen werde, sich seiner Person zu bemächtigen.“/

Im Moniteur Ottoman liest man: „Ueber die Ankunft des Aegyptischen Obersten Fdris Bey zu Konstantinopel, so wie Úber die gúnstige Aufnahme und die Gnadenbezeigungen, deren sich derselbe am Hofe Sr. Hoheit zu erfreuen gehabt, haben wir bereits früher eine Mittheilung gemacht. Kurze Zeit nach ihm famen der Arabische Oberst Hussein Bey und der Brigade:-Ge- neral Selim Bey aus Aegypten nach einander in unserer Haupt- Fadr an, die endlich auch noch den Ober:Befeh!shaber der Aegyp- tischen Flotte, Ocman Bey, in ihren Mauern sah. Jeder von ihnen erhielt cine Audienz bei dein Sultan und wurde in dem in Aegypten erlangten Grade bestätigt. Selim und Osman wurden zu Paschas ernannt und außerdem jener zum Brigade- General der- regulairen Trupoen, dieser zum Divisions:-General erhoben. Se Hoheit beehrte sie selbs mit den Jnsignien ihrer neuen Würden und ließ ihnen eine Summe Geldes an- weisen. Aegyptische Offiziere verschiedenen Ranges, Ba- taillon: Chefs, Majore, Capitaine, Lieutenants, haben sih einzeln und ohne mit den obgedachten Commandeuren in Verbindung z!! stehen, in unserer Hauptsiadt zahlreich eingestellt, alle von dem Wunsche beseelt, in der Armee Sr. Hoheit zu dienen, einein Wunsche, den man ihnen gewährt hat. Jdris und Huf sein waren in ihrer Jugend von dem Statthalter von Aegypten als Sklaven angekaust, wurden wie scine eigenen Kinder gcehal- ten und erfreuten sich seiner besonderen Gunst. - Selim, der von Mehmed Ali ganz vorzüglich begünstigt wurde, war durch cine glänzende Heirath ein Mitglied seiner Familie geworden und besaß sein unbedingtes Vertrauen. Osinan war ebenfalls durch verwandtschaftliche Bande an das Jnteresse Mehmed Ali's ge- knüpft; er war nach Jbrahim die mächtigste Person im ganzen Lande. Es ist ecklärlich, daß der Schritt dieser Vertrauten des Aegyptischen Paschas die Gemüther sehr beschäfkigt; ihre Unter- werfung unter die Ober - Hoheit des Sultans giebt zu den ver- schiedensten Vermuthungen Anlaß. Der gute Ruf, der Osman und Selim voraufging, hat sich während ihrer Anwesenheit in Konstantinopel durchaus nicht geschwächt. Sie haben ihren Uebertritt im geschmäßigstenSinne und völlig befriedigend erklärt und gelten für fiuge, fähige und treueUnterthanen. Der Statthalter von Aegypten, áußern dieselben, hat uns lange Zeit in dem Glauben gehalten, daß er nie den Wunsch und den Plan hege, das Band der Un- terthänigkeit, das ihn an den Großherrn knüpft, zu zerreißen. Wir haben immer gecwähnt, wir dienten mittelbar dem Sultan, wenn wir unter des Statthalters Befehlen ständen; deéhalb er- füllten wir mit aslein Eifer unsere Psiücht, da wir einmal vom Schicksal, dem alle Sterblichen unterthan sind und dessen Wechsel zu den Geheimnissen des ewigen Regierers der Welt gehdren, in jenes Land und in die Dienste Mehmed Ali's gefährt waren. Die verdrúßlichen Ereignisse des vorigen Jahres unterlagen nicht unserer freien Prüfung; vielmehr waren ne für uns in ein Duns- fel gehüllt, dessen Schleier zu lúften die Subordination nicht erlaubte. Furcht vor der Strafe, die dereinst das Schicksal über ihn verhängen möchte, und Besorgniß für sein zukünftiges Leben hicnieden und jenseits, haben dem Statthalter jedo< die Nothwendigkeit vorgestellt, zur Pflicht der treuen Unterthä- nigkeit zurückzukchren, und er hat seitdem von Seiner Hoheit eine Amnestie erhalten. Séine Verwandten und viele seiner Offiziere fühlten dasselbe Bedürfniß, sich unmittelbar die Gnade des Großherrn , die ‘sie unwissender Weise verscherzt ha- ben, zu erfiehen, und hegten den festen Glauben, der Ruhe des Gewissens und der Glücksgüter eines ewigen Lebens nicht cher theilhaftig werden zu können, als bis sie die sichersten Beweise einer vollständigen Verzeihung von Sr. Hoheit erhaiten hätten. Deshalb gaben sie Alles in Aegypten auf, Rang und Chre, Hab und Gurt: deshalb warfen sie sih in die Arme ihres Souve- rains und haben scine Gnade uud scinen Schus erhalten. Der größte Theil der Aegyptischen Beamten bekennt sich zu denselben Gefühlen und nährt dieselbe Hofsnung. Die erste Belohnuna

| gleichem Metall, das der Sieger (außer den

fúr das von ihnen abgelegte Glaubens -Bekenntniß wird zwei- felsohne von andern bald begleitet werden, die sie ihren Taleu- ten zu verdanken haben, und welche die Regierung des Groß- herrn Männern von solchem Charakter reichlich und freudig zu: fommen läßt.“

A A6. d,

Berlin, 24. April. Das Direktorium des Schlesischen Vereins für Pferderennen und Thierschau zu Breslau macht in den dortigen dentlichen Blättern bekannt, daß Se. Königl. Hoheit der Prinz Karl Höchstihre Entschließung zu erkennen gegeben haben, einen Preis für das jedesmalige Rennen bet Breslau auf der Bahn auszusezen. Derselbe besteht, wie hier in Berlin, in einem silbernen Pferde auf einem Fußgesteil voa

t Ein\äßen zu 15

Fr.d’or) fr ein Jahr erhält. Sein Name wird auf dem Fuß-

, ( e , a 405 13 4. Not N "ot2 gestell eingegraben. Jm nächsten Jahre muß er den W LeIs vertheidigen, oder Reugeld zahlen. Um aber, dei etwantger ab-

o

| gabe des Kleinods im nächsten Rennen, dem vorige | ein Andenken an dessen Besiß zu gewähre!

1, C

el

| eine Medaille mit einer bezüglichen Inschrist zum Eigenthume: ner sich vereinigt hatten, welche ihn durch glänzende Verspre- |

Literarishe Nachrichten.

La Russie et la Polozne. Esquisse

K, Berlin chez Nauck, libraire, Vis consilii expers mole ruit sua. Vill u. 3390 C. 8. Der Verfasser dieser historischen Skizze hat zweieriei zu! beweije unternommen. Erflich die Thorheit der sogenannten L unserer Zeit, insofern sie Polens häufige Anstrengunges Unabhängigkeit mit einem Kampfe für bürgerliche Fr cem Sinne zu’ verwechseln und eine Ausdehnung der liberaler Jdeen und Fnstitutionen davon zu €cwarten Zweitens, daß Nußland seinen Theil von Polen n ungs-Necht besie, und dieses ein volllommenes 2 jedes andere; besondes wenn, wie im vorliegenden Falle

rung keineëweges aus selbfsüchtiger Vergrößerungs- Begieröt/

willkürlichem Mißbrauch der Stärke gegen die Schu äche bervorge- gangen sey, sondern vielmehr aus wohlbefugter Selbvsivertheldigutig und als \c<ließliches Resultat eines langen, nicht vom Eroberer gontienen lso alcichjam etn

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für die

gegenseitigen Vernichtungskampses/, aljo | Gottesurthel, welches zum moralischen Rechte endlich auci die phy- sische Ulebermazt gefügt. Es ist begreiflich , daß zur Fuhrung die ses doppelten Beweises der Verfasser sich veraniaßt finden mußke- auf die ältere Geschichte beider Välker zurückzugehen, und in die- ser vorzugsweise scine Argumente aufzusuchen. Sr verhehlt über- haupt nicht seine Vorliebe fúr altgeschichtliche Begrundung oder Bestreitung moderner Thatsachen; er svottet über jene Néueren, „welche die Weltgeschichte, fiatt mit der dpfung nach 1. B. Mo- sis, mit Zersidrung der Bastille beginnen laßen!“ Wir könncn diese Ansicht nur billigen ; versteht sich mit Verwahrung gegen ihre Aus- shweifung in ein entgegengeschtes Extrem. : ; E

Der Verfasser theilt seine Unterzuchungen in zwet Abschnitte. Der erste behandelt Polens innere und aufiere Geschtcten vom 10ten Jahrhundert bis zum Ende des 17ten. Jn einem kurzen An- hange werden dann noch einige Hauptmomente threr ferneren Sn wid>elung bis zum lehten Fahrzeynt des 18ten Jahrhunderts mehr angedeutet als érdrtert. Der zweite beschäftigt sich mit etnem Abriß Russischer Geschichten von Rurifk bis aus Peter den Gro- ßen; das Neuere wird auch hier auf wenigen Seiten, mehr reflek- tivend als erzählend, nachträglich abgefertigt. Der Ersie Abschnitt „L Pologne““ ist dem Beweise gewtdmet, daß Polen von jeher cin dutt- fies Chaos arijtofratischer Feudal-Anarchie gewesen sey, unfähig einer ihm selbs oder dem Übrigen Europa zum Heile gereichenden politti- schen Selbständigkeit, der zweite Abschnitt „11 Uussie* sucht vor= nehmlich festzustellen, daß Rußland gegen Polen von icher im Stande gerechter Rothwehr sich befunden, in solchem Kampfe aber die nachherige Suprematie ehrlich gewonnen, und fe als vollkom- men rechtsbegründet betrachtet zu sehen billigen Anspruch hade. Wir wollen unseren Lesern von des Verfassers Art und Weise dieser dop- pelten Bewei-:führung eine konzentrirte Uebersicht geben.

La Pologne, Rach flúchtigem Hinbli>k auf den dichten Nebel, welcher die âltee- Slaven - Zeit bede>t, finden wir (S. 1 - 12) eine kurze aber geistreiche Erdrterung der Uriachen, welche, nacdem endlich Zèdmisches und Byzantènisches Chrifienthum, in Poien untcr Miecczyslas, in Rußland unter Wladimir, durch sene Zevel ich den Weg gebahnt hatte, eine ganz eigenthümlich verschiedene umere und äußere Ausbildung beider Länder vorbereiteten und degunsitg- ten. Es woird gezeigt, wie-in Polen die Lateinische Kirche- f U her Zusammenhang mit dem Deutschen Kaiserthum, fa mit dem ganzen Römisch-christilichen Europa, und gleichzcttige Schet- dung von Rußland durch das zwischenliegende bis zum 1e J: hr- hundert heidnisch verdbliebene Litthauen, die Feudal-Motarc vorriefen, während in Rußland patriarchaliscze Herrschartsformen die Oberhand gewannen ; wie aber jene Feudal-Monagrchie,/ uns ter ganz andern Zeit-Einflüssen, als dicienigen, welche ste in Encland zur constitutionnellen Nepräsentativ-Form, in Frantrelh zum Äbs0- lutismus, in Deutschland gleichsam zur Fôddevrativ- Monarchie mit Ständischem Terrirorialismus allmälig ausvildeten, in Poien zur aristokratischen Anarchie ausactete, zÜgellos nach oden, bedrüfz fend nach unten, gefährlich nach außen. Dies ist gleichsam der Text des ganzen Abschnitts, und dieser in seiner ganzen Nusdehnung nur cin fortlgufender Kommentar desselben, aus den zur ugen Auswahl für solchen Zwe> nur allzureichlich vorhandeüen h ftori schen Thatsachen nicht ohne plastische Kunst gebildet. Schon im 11ten Fahrhundert wird der Anfang folcher Entwickelung nachge wiesen an dem stürmischen, und selbs die gewonnene Kultur des Chri- stenthums wieder in Frage stellenden Funterregnum von Vertretbung

des unmündigen Kasimir bis zu seiner Restauration; an der Niederlage des zweiten Boleslas unter Roms Bannjfirahl; an der seinem Nachfolger Wladislas durch Klerus und Adel abgedruttge nen Nachsicht gegen den rebellischen Basard Zbigtilev; an den nachheriaen Kämpfen zwischen diesem und seinem Stieforuder B 0=- leslas ll., zur Ungcbühr verlängert durch Partcinahßme aufcühre- rischer Großen. Noch schlimmer waren die fast zwethun! ertjià hri- en inneren Zerwürfnisse, welche nach dieses Boleslas Tode, und seiner Theilung des Neichs unter 4 Söbne, mit Ausschuß des fünf- ten, über Polen hereinbrachen. Gleich Anfangs modtfi Wladislas 11, dem ältesten Sohn, berufene Adel die Theilung d hinzugefügtes Föderativ Band, durch etne dera ältesten Bruder zugestg dene Suprematie und Wiederherstellung ves iüngßen in seinen ci | ten Theilnghme-Rechten. Fn den darauf foigende Unru Wladislas Vertreibungund Boleslas i V. Oberherrschaft h führten, fanden die mächtigen Vasaüen vielfach Gelegenheit, si entbehrlich zu machen, und lhre Dienste für Koncesiionen zu verkaus- fen, und, als Boleslas siarb (1173), fand si der Grundsaß niglichen Erbfolge-Recizts schon ohne alle Kraft. Denn nid Sohn, dem der Thron danach gebührte, sondern, sein Bruder M czyslas lil, ward durch Vasallen-Willkür hinaufgeseßt; und die T sache der Einmischung des hohen Adels bei Wiederverlethung ein erledigten Krone wiederholte sich von ict an, bis sie zum geveg ten Wahlrechte wacd. M ieczyslas regierte nur kurz, dern e suchte des Adels wachsende Macht zu brechen, ward aber durch dessen Empdrung zur Flucht nah Schlesien genöthigt; sein Brader simixel1l. an scine Stelle geseßt. Bald nach seiner Thron-Beftei= gung finden wir den ersten regelmäßigen Reichstag zu Lanreczyog versammelt (1150), aus den Bischdfen, dem vohen Adci uud Lem Ritterssande zusammengeseßt; zahlreiche zuni Theil nüßliche Gelebe wurden bter von den drei Stäuzden und dem Kdnige gemeins aftlich

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unterzeichnet: nan diesem Augenhlice andes GAniailiuuma €aftiche

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