1834 / 116 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

gelegenen C'rafschaften verursache, und er wollte es für zwe>- mäßiger hatten, daß man die Delinquenten, statt in ein einziges Gefängniß, in mehrere abgesonderte einsperre. Der Herzog von Richmond versicherte indeß, daß die Kosten nicht den am Meere gelegenen Grafschaften zur Last fallen würden, da sie, der Bill zufolge, aus der Zoll-Einnahme bestritten werden sollten. Lord Aucêland selte darauf die Vortheile aus einander, welche die vorliegende Maßregel in Vergleich mit den frúßheren Geseßzen darbiete. Lord Strangford aber bekämpfte den Grundsaß, von dem man bei dieser Bill ausgezanaen, denn es werde da- durh ein Unterschied zwischen den Reichen und Armen auf- gesellt; der Reiche, wenn. er sich dagegen veraangen, obgleich r bei weitem s{uldiger sey, weil er den Armen in Ver- suchung führe, komme mit einer Geldbuße davon, wäh- rend der Arme, der vielleicht dur<h die größte Noth zu dem Vergchen gedrängt worden, wenn er zum zweitenmal betroffen vnd verurtheilt wird, eine zwölfmonatliche Befängnißstrafe mit Zwangs- Arbeit erleide. Der Redner klagte dann über die Auf- munteruna, welche die Französische Regierung dem Schleichhan- del angedeihen lasse, der aus den acht privilegirten Häfen zwischen Boulogne und Harfleur nach England getrieben werde, und be- hauptete, daß die Britische Regierung bloß deshalb feine Vor- Tellungen dagegen gemacht habe, weil es ihr so sehr darum zu chun jey, selb| auf Kosten der Britischen Interessen, die Etn- tracht mit ihrem vertrauten Verbündeten aufrecht zu erhalten. Lord Auckland sagte, er wisse von einer solchen Aufmunterung n:<ts, und die Regierung habe also auch nicht dagecen pro- testiren fônnen; aber es sey unmöglich, dem Schleichhandel ganz ein Ende zu machen, wenn man nicht die Einfuhr - Zölle auf fremde Waaren so herabseßen wolle, daß dem Schleichhänd- ler alle Aussicht auf Gewinn benommen würde. Der Herzog von Wellington meinte, der Präsident der Handels-Kammer habe auf die Beschwerden seines edlen Freundes, des Lord Strang- ford, feine genügende Antwort ertheilt, und er (der Herzog) tónne dem Hause versichern, daß, wenn der Schleichhandel von der Französischen Regierung aufgemuntert würde, dies erst in neuerer Zeit geschehen seyn müsse, denn während seiner Amts- führung habe er davon nichts gehört; wäre ihm dergleichen zu Ohren gekommen, so würde er es fúr seine Pflicht gehalten haben, Vorstellungen dagegen zu machen ; gewiß, fügte er hinzu, würde auch die Britische Regierung gegen feine Art von Schleichhan- del, der zwischen den Englischen und Französischen Häfen ge- führt werde, die Augen zugedrükt haben. Graf Grey fühlte sich hierdur< zu folgender Erwiederung veranlaßt: „Es ist wahr‘, sagte er, „es besteht jeßt eine innige und vertraute Verbindung zwischen den Regierungen von Frankreich und England. Jch glaube, daß der Frieden Europas von der Aufrechterhaltung dieses Bandes abhängt, und ich werde da- her alles Mögliche thun, um dasselbe unverleßt zu erhalten. (Hört, hôrt!) Jch ersuche den edlen Lord, sich nicht in umbe- stimmten und vagen Anschuldigungen zu ergehen. Wenn er der Regierung etwas vorzuwerfen hat, so wolle er es deutlich aus- sprechen ; er wolle doch sagen, wodurch sie die Ehre dieses Lan- des befleckt und seine Juteressen vernachlässigt hat, und es dann, wenn er es vermag, dur<h Beweise belegen. Jch bestreite es, daß die Französische Regierung dem zwischen England und Frank- reich stattfindenden Schleichhandel irgend eine Aufmunterung hâite zu Theil werden lassen. Daß zwischen beiden Ländern Schleich- handel getrieben worden, daran ist kein Zweifel, aber ist es etwa das erste Mal, daß dies geschehen wäre, und daß die Regierun- gen von Frankreih und England dazu die Augen zugedrükt ? (Lord Strangford: Ja.) Ich sage Nein und will dem Wi- derspruch des edlen Lords auf gleiche Weise begegnen. Ist es das erste Mal, daß der -Französische Fabrikant seine Waaren zu seinem Gewinn und -Vortheil nah England hat einzu- \<hwärzen suchen? Is es niht das Streben aller Han- delsleute, so viel a!s möôglih von ihren Waaren auszu- führen? Ja, is nicht der größte Theil unseres Handels nach Canton ein Schleichhandel und wird er nicht auch unter Nach- sicht der Regierung geführt. Das Haus wird gewiß einsehen, daß nichts so schwierig ist, als deraleichen zu verhindern. Jch stim- m2 mit meinem edlen Freunde darin überein, daß es nicht klug it, Angelegenheiten der Art zu genau zu untersuchen, da es unmöglich ist, sle ganz zu verhindern. Sobald solche Fálle zur bestimmten Kenntniß der Regierung kommen, wird sie nicht un- terlassen, die nôthigen Vorstellungen dagegen zu machen. So sehr mir die Eintracht zwischen Frankreich und England am Herzen liegt, weil ich sie zur Erhaltung des Europäischen Frie- dens für wesentlih nothwendig halte, so werde ih doch diese Eintracht niemals auf Kosten eines Britischen Jnteressc's kulti- viren.“/ Nachdem Lord Strangford darauf bemerkt hatte, dag er mit deim Verfahren der Französischen Regierung, worauf er hingedeutet, die von derselben seit 1831, also während der Amtsführung des Erafen Grey, erlassenen Bestimmungen in Bezug auf die Ausfuhr des Branntweins gemeint, wogegen von Seiten dec Englischen Regierung nicht protestirt worden sey, wurde die zweite Lesung der Bill gencehmiat.

Unterhaus. Silzung vom 18ten. Jun der Morgen- Si6ung- gab eine vom Major Beauclerk überreichte Bittschrift zu Gunsten der sehs verurtheilten Arbeiter von Dorchester zu cinigen Debatten Über die Handwerker -Vereine und über die von der Regierung dagegen ergriffenen Maßregeln Anlaß. Herr Hume untecstügte die Bittschrist, die in einer zu Leeds gehal: tenen Volks-Versammlung, an der über 14,000 Jndividuen Theil acnommen hatten, angenommen worden war. Lord Howick, Unter-Staats-Secretair im Ministerium des Jnnern, vertheidigte dagegen das Verfahren der Regieruna, bemerkte jedoch zugleich, daß diese Angelegenheit binnen wenizen Tagen in Gegenwart der Minister selbst im Unterhause ordentlich zur Sprache fommen und daß das Ministerium sich dann vollständig recht- fertigen werde. Herr O’Connor klagte besonders darüber, daß man sich mit der Deportation jener 6 Unglücklichen so sehr beeilt habe, und Herr Roebu> b«auptete, daß die Verur- rheilten gal feine ungeseßliche Handlung begangen hätten. Als sich das Haus um 3 Uhr wieder versammelte, zeigte Herr O’ Connell ati, daß er am nächsten Freitag auf Vorlegung des Berichts über die lezten Verurtheilungen zu Dorchester antra- gen werdez bei dieser Gelegenheit wird..dann diese Sache naher evdrtert werden. Herr Goulburn machte eine ähnliche An- zeige, wie der Herzog von Glocester im Oberhause (s. oben). An der Tagesordnung war sodann die Erwägung der König- lichen Botschaft in Bezug auf die Statuten des Bath - Ordens. Herr Stanley erhob sih, um dem Hause eine nähere Mit- ¿heilung darúber zu machen. „Jm ahre 1814‘’, sagte er, „wurde die Zahl der Ritter des Bath- Ordens bedeutend ver- mehrt und leßterer in drei Klassen getheilt, während es früher nar cine Klasse gegeben hatte, Von da bis jezt wurden reine neue Statuten entworfen, und Se. Majestät haben cs unter solchen Umständen für angemessen gehalten, neue Statuten sür den Orden zu erlassen, damit die Zahl der Ritter auf ein ge-

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wisses Quantum beschränkt werde, weil sonst die Verleihung des Ordens keine Auszeichnung mehr scyn würde; denn wenn die Zahl der damit Belichenen sich zu sehr vermehrte, so wäre zu fürchten, daß der Orden in den Augen des Publikums allen Wert) vertieren möchte. Da nun in diesem Hause ofr Klagen darúber laut geworden sind, daß die Offiziere der Land- und Seemacht, wenn ihnen diese Auszeichnung verlichen wird, von der Entrichtung der damit verbundenen Gebühren nicht befreit scyen, so denke ih, der Vorschlag, daß dieselden in der Folge diese Gebühren niht mehr zu entrichten haben sollen, wird allgemeine Unterstüpung finden. Ein großer Theil diefer Ge- bühren wird nicht von den Ordens - Beamten bezogen, sondern von den Kammerherren, von den im Departement des Lord- Kanzlers angestellten Beamten und Anderen; 6 Pfund er- häst unter Anderen au< des Königs Barbier, wofür i<h gar feinen Grund einschen kann. (Gelächter.) Der ganze Betrag der zu zahlenden Gebühren beläuft sich auf 386 Pfund. Wäh- rend der lebten 30 Jahre hat das Publikum jährlich im Durch- schnitt an 200 Pfund für solhe Gebühren zahlen müssen, weil man es nicht für anständig hôst, sie ven Fremden, denen dieser Ordes verliehen wird, einzufordern. Es if nun im Vorschlage, die Ordens Beamten von 9 auf 4 zu reduciren, ihr Gehalt aus der Civil-Liste zu besireiten und die ihnen zukommenden Gebüh- ren abzuschaffen ; da aber mehreren dieser Beamten ihre Gehalte und Gebühren durh Patente garantirt sind, so ist es nicht mehr als billig, daß sie eine Entschädigung für den ihnen

erwachsenden Verlust erhalten. Deshalb trage ih dar- auf an, daß die Kommissarien des Schaß - Amtes er-

mächtigt werden, diejenigen Beamten des Bath - Ordens, wel- che die ihnen zugesicherten Gebühren in Folge der neuen Sta- tuten verlieren, auf eine angemessene Weise aus dem konsolidir- ten Fonds des Vereinigten Königreichs zu entschädigen,“ Herr Hume erklärte sih gegen diese Motion und s{<lug als Amende- ment vor, daß die Botschaft cinem besonderen Ausshuß zur Er- wägung und Berichterstattung überwiesen werde; er meinte, daß die Verleihung der Orden bloß ein Appendix des Königthums sey und die Nation nichts angehe, weshalb sie auch keine Gel- der für die Besoldung der dazu benöthigten Beamten bewilligen fónne, sondern den Souverain in dieser Hinsicht auf seine Civil- Liste verweisen müsse. Freilich sey eine - allgemeine Klage, daß die Gebühren, welche für die Verleihung von Würden und Chrenstellen entrichtet werden müßten, ofe so hoch

seyen, daß man sle nicht ershwingen könne, aber dics fey nicht |

ailein bei dem Bath- Orden, sondern bei allen Auszeichnungen und bei vielen Ernennungen der Fall. Sir S. Whalley un- tersiúßte das Amendement, wogegen Sir F. Codrington und Sir Robert Peel dem Antrag des Herrn Stanley beipflichte- ten, der auch schließlich genehmigt wurde, Das Haus verwan- delte sich danah in einen Subsidien - Ausschuß und bewilligte wieder mehrere von den vermischten Veranichlazungen. Am Schluß der Si6ung brachte Lord Althorp seine Bill zur Ver- besserung der Armen: Gesetze in England und Wales ein, die zum erstenmal verlesen wurde.

London, 19. April. Nachdem der König gestern no<h dem Grafen Grey cine Audienz ertheilt hatte, kehrten Jhre Majestä- ten wieder nah Windsor zurü.

Der Graf von Florida Blanca stattete gestern den verschie- denen Kabinets-Minijtern Besuche ab.

Auf den 24sten d. M. is ein Theil der Mizglieder des Geheimen Raths zusammenberufen, um die Rechtsgründe fúr das von der Londoner Universität eingereichte Gesuch um Bewilli- gung eines Freibriefs zu vernehmen und in Erwägung zu ziehen.

Sir Robert Peel äußerte in der gestrigen Parlaments-Des batte über die Statuten des Bath- Ordens, daß er für ausgezeich- nete Männer in der Wissenschaft und Literatur eine Auszeich- nung, wie die Verleihung eines Ordens sey, ganz unzweckmäßig halte. Hierauf entgegnet heute die Times: „„Mit dieser An- sicht können wir nicht übereinfimmen. Sir R. Peel hat zwar Recht, wenn er sagr, daß Sir J. Newton dadurch nichr mehr Ansehen erlangt haben würde, wenn er zum Ritter des Bath-

oder Hosenband - Ordens ernannt worden wäre; aber derselbe Grundsaß gilt überall, und wir sehen nicht ein, warum Nelson oder Wellington durh die ihnen verlie-

henen Titel größeren Rehm erlangt, haben soliten. Die Aus- zeichnung wird ja nicht verliehen, um den Mann noch berúhm- ter zu machen, sondern als ein Beweis von der Würdiguna, die der Monarch oder die Nation den Verdiensten desselben zu Theil werden läßt. Es is eine Abtragung des schuldigen Dankes, nicht ein Benefiz, und eben so, wie man dem abgeschiedenen Verdienst, sey es in den Künsten des Friedens oder des Krieges, Statuen errichtet, kann man auch dem noch lebenden Verdienste mit gleichem Fug Würden und Ehren verleihen.‘

Gestern fand hier eine General - Versammlung des Polni- schen Literatur-Vereins statt, um den Bericht über seine Wirk- samfeit zu vernehmen und Maßregcln zur Beförderung seiner Zwecke zu ergreifen; ein Theil der Fonds des Vereins is na- mentlich zur Herausgabe einer Polnischen Zeitschrift Cestimmt. Die Times macht darauf aufmerksam, daß diejer Verein rein literarische Zwecke habe, und daß der Antrag, welchen Herr Buckingham im Parlamente gemacht, daß die Regierung die Poinischen Flüchtlinge unterstüßen möge, damit in gar keiner Verbindung stehe. „„Denn“/, sagt das genannte Blatt, „„\o schr wir auch die Pelnische Tapferkeit bewundert und so s:hr wir uns auch für die Polnische Sache interessirt haben, so können wir doch nicht so weit von den allgemeinen Regen der Staats Politik abweichen, daß wir die Zulassung fremder Staats -Pen- fionairs empfehlen sollten, die unscrem National - Schaßze ohne irgend einen Grund zur Last fallen würden, da sie uns weder gedient noh für uns gelitten haben.“

Getraide-Durchschnittspreise in vergangener Woche.

Wöchentel. Sechswöchentl, Zoll Den iet 410) 20D 4/0). 0D. O D: E aps on M O A 49 Ae h eat ein 18s 29 18 O R U e S A 0X Bn v fo lo 8D Un ets 0% v 04» O O D

Belgien.

Antwerpen, 20. April. Von drei von hier verwiesenen Holländern hat Herr Cramers an den Gerichtshof erster Jnstanz appellirt; und dieser erklärte sich gejtern für kompetent, hat jedoch den Ausspruch selb{t auf heute Mittag vertagt, Der Präsident, Herr Lievts, äußerte in seinem Vortrage, daß er die- Verban- nung für eine ungeseßliche Maßregel erachte, indem die Verfas sung dem Appellanten scinen hiesigen Aufenthalt garantire und er demgemäß auch vorläufig hier verbleiben könne. -— Die Ver: bannung des genannten Kaufmannes hat Hier übrigens beim Handelsstande große Sensation erregt, indem unter solhen Um-

| Gränzen dessen vollständige Ausführung zu verhindern, erkennt St

fänden Niemand von den hler zahlreich etablirten Ausländery seincs Aufenthalts sicher ist.

Lüttich, 21. April. Dem hier seit mehreren Jahren an sässigen Herrn Dobbvelin, ehemaligen Redacteur zweier Opposi tions: Journale, ist vorgestern ein Verweisungs-Befehl zugegan gen. Er erklärt in einem, den hiesigen Zeitungen zugesandten Schreiben, daß er si<h zwar vorläufig dem Befehle fügen gleicher Zeit aber sich an das hiesige Gericht erster Jnstanz wen den werde.

Zwei von Brüssel kommende Polen sind in einem Wirths hauje zu Tournai von der Polizei verhaftet worden. ;

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Schweden und Norwegen.

Stockholm, 19. April. Se. Majestät der König erthei ten vorgestern ciner großen Deputation der vier Reichsstände Audienz und empfingen von derselben eine Dank-Adresse in Be, zuz auf die erfolgreichen Maasregeln, welche Se. Majeïät i Adwendung der Cholera von diesein Königreiche in den n Jahren angeordnet. Se. Majestät haben auf diese vom U E vorgetragene Adresse cine sehr huldreiche Ecwiederun erideilt.

Den Ständen des Reichstages ist dieser Tage der Entwinf zu einem neuen Civil-Geseßbuche vorgelegt worden.

Das Leichenbegängniß des Grafen Schwerin, welches vou gestern stattgefunden, war schr glänzend. Se. Königl. Hoheit der Kronprinz, so wie Deoutationen sämmtlicher vier Stände des Reichstages und der Kaufmannschaft, neb den Beamten der Bank, befanden sich bei dem Leichenzuge, Der Bischof Fray:

zén hielt in der St. Klara-Kirche die Leichen-Rede.

De Lan O:

Dresden, ?2. April. Die erste Kammer fuhr in ihre Si6ung vom iáten d. mit der Berathung des Gesc6es wegen der Befreiung von indirekten Abgaben und deshald zu gewäh: render Entschädigunaen fort. Es handelte sich vornehmlich um die Frage, ob die den Nittergütern zukehende Trankiteuer Besfreiun als einè Real-Befreiung oder als eine nur perjdnliche Befreiung anzusehen sey. Die Deputation entschied sich in ihrem ausführ lichen deshalb abgegebenen Gutachten dafür, dieselbe als eine Real-Befreiung zu betrachten und als solche in die Kategorie u selzen, deren $. 39. der Verfassungs-Urkunde gedenke. Oh zweite Kammer beschlo) in ihren fortgesekten Budgets Vei handlungen, die beantragte Summe von 17,548 Rthlv. fär die chirurgisch- medizinische Akademie zu Dresden zu bewilligen, mit hin dieses Jnstitut in seiner bisherigen Einrichtung fortbestehen zu lassen. (Vergl. Nr. 115 der Staats-Zeit.)

Bremen, 12. April. Ueber ein an der Weser -Müändun kürzlich stattgefundenes trauriges Ereigmß enthalten jet Deut sche Blätter nachstehenden näheren Bericht: „Eine große Anzahl hicr segelfertig liegender Schiffe, wovon viele die Ve stimmung hatten, Deutsche Auswanderer nach Amerika überzu führen, benußten den am vorgestrigen Tage eingetretenen Lst wind, um ihre Reise anzutreten. Fünf Schisfe, unter dena vier Bremer und ein Nordamerikanisches, sämmtlich mit Aus wanderern gefällt, gingen gleichzeitig unter Segel. Die vix Bremer Schiffe segelten voran und gewannen glücklich da Meer „-das fünfte aber, das Amerikanische, wurde vom Sturm ergriffen, nach der unter dem Namen Tegerplatte bekann ten Sandbank geschleudert und gerieth, da es sich nit drehen konnte, auf dieselbe, Mehr als dreißig Pas giere, die entiveder zufällig oder aus Neugierde auf dem Vi deé standen, wurden in einem Nu von einer über das Scif sich erhebend:n und über dasselbe hinbrausenden ungestumen Mee reswelie gefaßt und úber Bord geworfen, ohne daß es möglih war, ‘einen Einzigen zu reiten. Das Fahrzeug selbst borst auf der Untiefe und der Schiffbruch war unvermeidlih, Von dan 150 Passagieren, die sich auf demselben eingeschifft hatten , wur den indessen die übrigen alle dur< Bôte noch alü>lich gerett und an das nächste Ufer gelandet. Der Amerikanische Capitain war der lelzte, der das gestrandete Schiff verließ. Von den auf dem Schisse befindlichen Waaren und Habseligkeiten konnte iu desscn wenig gerettet werden, da das Schif selber, von der Gu walt der eindringenden Meercs-Wogen auvseinandergerissen, bald darauf versant. y

Schweiz.

Nachstehendes if der vollständige Jnhalt der (bereits wähnten) Note des Kaiserlich“ Russischen Geschäftsträgers in de Schweiz an den Vorort: i

¡Fa Folge der Note, die der Herr Minisier von Sardinit! unterm 27. Februar an das Bundes - Direktorium (Zürich) geri tet, und welche die Hdfe von Oesterreich und Preußen, den angrät: zenden Deutschen Staaten, der Hof von Neapel und der Deutsch Bundestag successive durch ihre Verwendung unterstüyt haben, hat de unterzeichnete wirkliche Staatsrath, Geschäftäträger Sr. Mai. des Ka- sers aller Reußen, den Befehl erhalten, Fhren Ercellenzen den H Búrgermeistern und Staats-Rath des vordrtlichen Kantons Zürich ¡l erklären, daß jene No!e/ die Grundsäye, denen sie ihre Entîchunz verdankt, die Urtheile, welche sie enthält , die Wünsche, welche si aus¡peiht, und die Maßregeln, welche sle anempfichlt, dic Bei pflichtung und ausdrú>lichste Unterstúßung des Kazjers, seines erb benen Gebieters, zu erhalten nicht verfehlen konnten, und auch wirf: lich erhalten haben. Rußland, welches von dem Augenbii>e eines ewig denkwürdigen Friedens an alle seine Sorgfalt der Aufrecthal- tung der jenen Fciedea begründenden Traktate gewidmet hat : Rußland- im Einklange mit seinen Verbündeten und dem theuersten Fnteresse det Schweiz, lag es immer am Herzen, das Prinzip der Neutralität dit- ses Lanèes, den Schwierigkeiten gegenüber, welche die legten Zelt: Ereignisse in Europa hervorgerufen haben, von Nußen wie von ihn lbs geachtet zu schen. Deswegen hat der Kaisec, nicht ohne do der Vorort selbst es wußte, dem ersten gegen jenes Prinziy vot nem Jahre durch die Erscheinung einer halb bewaffneten Bande yon Feemden auf Schweizerischem Gebiete gerichteten Attentate dit ernstha¡testc Aufmerksamke k zugewendet. Wenn die Bejo “gniß d Kaisers damals dic Ergebnisse cines solchen Einfalles für die Schw vorhersah, wie schr mußten Se. Maj. nicht die Fortsch-itte ins Komplottes bedauern, dessen cine neue Masse von Verschwornen d schuldig machte, unter dem Schutze eincr Neutralität, m elche sü? sie bloß schüßend seyn solte, während se ihnen jedoch den Angr!" auf cin benacvbartes und bcfreundetes Land, auf einer Grânze/ di selb die Borrechte ciner besonderen, ausnahmsweisen Sicherhel! mitgenießt, zu autorissren schien ‘/ i

¿Ein solches Eceigniß mußte die gere<ten Klagen Sr. Mast! siât des Königs von Sardinien erregen und, aus enem Europd!: schen Gesichtspunkte betrachtet, die Mächte úberzeugend bestimme", welche an der Wü“de sciner Krone und dem Wohle seiner Staalell das lebhafteste Juteresse nehmen.“ ¿

_ _/¡Biliig wie dieser erhabcne Souverain in seinen Urtheilen über die verschiedenen Kantons - Regierungen, deren eine bis zum leyten

- Augenbli>e das gegen Savoyen gerichtete Komplott unbeachtet lief

während die anderen fich bemüht haben, in leider zu beschränkt"

Maieskät gern den Geist, welcher die bei dieser ernsten Gelegenhei! vom Vororte: ausgegangenen Ruudschre;ben und Maßregeln helebt/

A 22 C N e E E

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R S a

«en, welches die Schweiz überrascht hat und zu Boden

iser s<meichelt sich folglich -

in dem Benchmen des Kabinets von Turin

en

Gelege s i E E a N e ten für Frieden und Glúd zu verschaffen indem sie die gürgschaf änztich 44 den Fremden befreien, welche dieselbe fom-

A i 2. 7 + S tirt haben, und durch kräftige, vorsichttge und

yerbindende Maßregeln die Rückkehr ähnlicher Trüibsale

11

drulich besteken muß, n

irachten Rechten in Europa feindlichen Zwe>e siciz in

gebi <weizerbund, ein e“erhtes Wohlwollen bewahrt hat.

vird, wen! se solche nach ihrem richtigen Werthe

e schleunige und unmittelbare Anwendung davon macht - die j besondern Lage tnnig ver- f, den Weg einer nattong-

jejenta 14824 , 1A M Masse vrerschiedenartigee mit rel hund. ie" Betrachtungen thr eingeben imt

len Cx ûens/ pr von jedem

die sich je mehr und mehr

usse 1! macbt, wieder einschlagen, indem se in jeder Bezichung

den inte

deren tue n l / S L litif zu seyn sucht, ihr in dem Europa schen Stkaaken -

‘abrt hat. Dev Unterzeichnete hat die Ehre 2c. 2c hewah (Unterz.)

Neuchatel, 16. April.

) außerten s n E i Chipeizer Journalisten, welche den vor Kurzem von dem Stande | Náuchatel seinen Mitfänden gemachten Vorschlag bekämpfen,

| (asen sich in zwei Kiassen theilen ; die einen greifen diejen Vors-

| Beleidigungen, verl-eumderischen Znzinua- wir trauen uns nicht | den Muth zu, diesen Herren auf das Gebiet zu folgen, welches

Ï lag mit gröblichen | jionen und sinnlojen Behauptungen an;

| sie einnchmen zu Va Da de Adern | Gründen dagegen, die wir

G s 92 (T5 5. | den, deren nähere Leusterung wi ?

Gallen; und es muy uns in dieser Hinsicht Wu auch in s:inen Spalten die wislkürliche Annahme Ì alle schlechten Blätter der Schweiz um die Wette wie | dag Neuchatel sich alier mit der Union verbundene | schlagen und nur die Vortheile davon behalten

} eönnen, Zu der leßteren Klasse gehört der Erzähler von St.

} mdchten wohl wissen, was er unter diejen Laïen und unter die-

sen Vortheilen versteht. Handelt es sich ctwa um | Niederlassung? Aber in diesen Beziehungen babe jest unseren Eidgenossen mehr zugettanden, als sie

willigten; wir verlangen nur Gegenseitigkeit von | delr es sich um unsere Neutralität ? Ï uns ja eben so w i | werden. Und wenn die Schweiz uns in Vel | serer Neutralität behúlflich ist, [0 gedenken wir ih

) Vertheidigung der ihrigen hbehülflich zu jeyn; unser Blut ift eben | so fo'ibar wie das unierer Miteidgenossen, und wir sehen nicht daß die Waagaschaale nicht auf beiden Se1- Oder will es der-Erzähler etwa als Ï eine Lait angesehen wissen, an der Tagsaßung Theil nehmen zu | mússen, und als einen Vortheil, davon befreit zu seyn? Zndep wir

wollen auch nicht vergessen , daß der Erzähler, als er jene Be- von der Note unjerer Regierung an den | BVorort noch keine Kenntniß hatte, ‘und daß er dieselbe erst in

Ï ein, worin es läge, | ten gleich stehen sollte.

hauptung aussprach,

| der uns vorliegenden folgenden Nummer seines

theilte. Ein zweiter Artikel enthält einen Einwurf, der uns für das

Î Blatt, in dem er sich befindet, erstaunlich. naiv z

118 S

Eidgenossenschaft losreißt, wie will man dann die

wáre also das Glück, welches die Eidgenossenschaft Mitalieder ausaießt, daß man jo zu sa)ven eine

Leute, welche gern möchten, daß chwei ropa's Troß bôte, besorgen, daß sle 19r entgegengehen möchte, wenn der kleine Sta sh von ihr trennte ? Wir können nicht glaube! Erzähler wirklich mit {inen Besorgnissen cen zu gut, daß die Jnitiative. zu diesem Vorschlage

selbe jekt verstanden wird,

unserigen ähnlichen Lage? Von welchem hat daß er seine National - Justitutionen, seine Eide, gen zum Opfer bringen foile, um in dev ben zu fônnen? Zu welchem hat man du hôrst auf, du selbst zu |:yn/- mehr ciner der Unsrigen seyn? Wir

E S 2E

sind a

0 wic dessen besten Willen atn, das Gewicht des Uebels zu vermin- daß ihrerscits die Kantons - Regie-

rungen heit finden werden, dem Geschi>ke ihres Vaterlandes neue

Unter diesen Nr ege, ist eine, auf die der Unterzeichnete aus-

mlich die Auflôsung der Comité's der re- olutionnairen Yropaganda , welche unter verschiedene? Namen und gorwänden - aker alle in dersclben, dec Ordnung und den herge-

sdet haben u d fortwährend eben so dreist als ungestraft handeln. „Dies sind die Wünsche cines Monarchen, der bisher gegen den

‘cssanten und begünstigten Plaß ausfüllt, den d Auslegerin hiernieden eine loutere und unwandelbare P9-

Severine.“/

Der hiesige Constitutionnel findet durch die von Schweizer Zeitungen über die vorgejchla- gene Trennung des Fürstenthums von der Eidgenossenschaft ge- Ansichten zu folgenden Bemerkungen veranlaßt: „Die

zwar. mit Verlaub sehr schlecht fin:

uns jedoch nichr versagen

Aber diese Neutralität wird ie der úbrigen Schweiz von Europa garantirt in der Vertheidigung un-

Renn Neuchatel‘ ‘/, heißt es darin, 71 ¡esich einmal von der

Ï tone verhindern, seinem Beispiel zu folgen? ‘//‘/ Wie? So groß

Thür stellen müßte, damit Keines entwische? Wie? Eben die die Schweiz allen Mächten Eu-

ausgegangen ist, daß es nicht Neuchatel war, welches zuerit seine besondere Verfa}ung mit der eidgendssischen Verfassung, wie die- fúr unverträglich erklärte; andere Kanton befand sich und befindet sich noch in einer. der

g 6 sa gt ° oder du

drâ>kt. Der

eine kosthare

wechselseitig verhindern.“

der Schivilz

Die Schweiz wúrdigt und

feemden Ein- ie Vorsehung,

Systeme auf-

fämpfen mit

nder nehmen, zu finden, die derholt haben, n Lasten ent- wolle. Wir

Verkchr und n wir ja bis selbst uns be- ihnen. Han-

r auch in der

Blattes mit- u seyn scheint. anderen Kan- übrr alle ihre Wache an die

er -Aufidsung nd Neuchatel 1, daß cs dem st ist; er weiß nicht von uns

welcher

man gefordert,

hat Alcacer do Sal besebt, de Sa zu stoßen, so wird Leßterer dann etwa 3000 Mann stark seyn, wodurch er mit Vortheil in Alemtejo wird operiren können. In und um Santarem wird uñterdessen mehr mit diplomatischen Noten, als mit Waffen Krieg aeführt. Bei der hiesigen ‘Pa- rade hat gestern Dom Pedro 6000 Mann Freiwillze gemustert und sie in recht gutem Zustande gefunden. Nachschrift. Die erwartete Vereinigung des Baron de Sa mit dem Obersten Pina hat nicht stattgefunden. Ersterec is nach Algarbien zurück- gedrängt worden, und da Letzterer Beja durch die Miguelisten stark besest gefunden hat, so is er, um nicht en délail geschla- aen zu werden, scheint den Befehl zum Ausrücken aus St. Ubes nicht weniger als 48 Stunden zu spät erhalten zu haben, was nur der lássigkeit des Kriegs-Ministers Freire zuzuschreiben ist.

[

scine Neigun- Union verblei- Entweder

darfit nicht lsso Überzeugt,

daß die gegründeten oder ungegründeten Besorgnisse des Erzà h- lers sich nicht verwirklichen werden ; die Verhältnisse von Neu-

<hatel zur Schweiz werden vermöge kunft und auf eine dem Jalteresse Weise modificirt werden.

Zwistigkeiten wird entferne werden,

Portugal.

_— Lissabon, 5. April. | die Offensive, welche der Gouverneur von Porto n

gemeinschaftlicher Uederein- beider Theile angemessene Neuchatel wird mit allen seinen Mit- eidgenossen in gutem Vernehmen bleiben, deun aller Anlaß zu | ) und feiner der andern Cid- genossen wird sich cintommen lassen, seinem Beispiel zu folgen.“ |

Die Landung „bei Caminha,

nit 3060 Mann

sogleich unternahm, a!s er jene Landung erfuhr, waren hin!äng- lich, um die ganze Provinz Minho, die Festung Valenca aus-

genommen, zu okfupiron, Tamega und vertheidigen Amarante.

Die Miguelisken gingen úber den In diesem Augenblick

wird der Herzog von Terceira den Ober : Befehl schon über-

nommen haben; die unter seinem Kommando

(ehende Divi-

sion wird aus 400) Mann, 500 Kavalleristen einbegrissen, be-

stehen. Der Baron von Villa Pouca - lt

ester Sohn des

Visconde von ‘Pezo da Regoa, jetzigen Chefs der Familie Sil-

veira, hat ih dort für Donna Maria erkiärt. zu verwundern, denn seit 1820 hat jene, in den

Dies is nicht Nord - Provin-

zen mächtige Familie ihr politisches Glaubens-Beckenntniß vier

Mal geändert. Die Stadt Castello Branco,

Hauptstadt der

Provinz Unter - Beira, hat ebenfalis Donna Maria proklamirt. Der Baron de Sa da Bandeira hat das Fort von Serpa, in Alemtejo, mit 1000 Mann angegrissen, if aber zurückgeschla-

gen“ worden. Er hat ih demzufolge auf Bej

a zurückgezogen

und marschirte auf Mertola, um sich mit Verstärkungen, welche

fallen zu werden befürchteten, zu vereinigen. aus ist der Oberst Pina mit ungefähr 1500 M

ihm von Algarbien zu\toßen sollten, und die von Guerilla's über- Von St. Ubes

ann agusgerü>t,

9ten v. M. die nachstehende Allerhöchste Kabinets - Ordre zu er-

AT3

und gelingt es ihm, zu dem Baron

\

wieder auf St. Ubes zurückgegangen. Pina

Nach:

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Berlin, 26. April Des Königs Majestät haben unterm assen gerußt : „„Zur Beseitigung der Zweifel, welche aus den $$. 7 und 10. Tir. 11. Theil ll. des Allgemeinen Landrechts über die Gränze e*laubter außertirc<liczer Zusammenkünfte zu Reli- gions-Uebungen und die Ahndung ihrer Uebertretung bergelei- tet worden find, erkläre Jch, daß zu dem häuslichen (Bottes- dienste nur den Mitgliedern der Familie des Hausvaters und den bei ihm wohnenden, seiner Hauszucht unterworfenen Per- sonen der Zutritt gestattet, jede dieje Gränze überschreitende Zusammenkunft zu außerkirchlichen Religions- Uebungen aber, welche ohne obrigfkeitliche, bei dem Konsistorium der Provinz nachzusuchende Genehmigung erfoigt, verboten ist und ven. den Regierungen in Gemäßheit der ihnen durch den $. 11 der Dienik-Anikruction vom 23. Oktober 18.7 beigelegten Befuag- niß, wo sie es na< vorgängiger Berathung mit dem Konsisko- rium der Provinz fúr erforderlich halten, sowohl die Strafe der Theilnahme an solchen unerlaubten Zusammenkünsften, als auch der Uebertretung der bei Ertheilung der Erlaubniß von dem Konsistorium der Provinz vorgeschriebenen Bedingungen festgeseßt und bekannt aemacht werden soilen. Diese Meine Bestimmung is durch die Amtsblätter zur fentlichen Kennt- niß zu bringen. i Berlin, den 9. März 1834. (gez) Friedrih- Wilhelm.

An den Staats-Minister Freiherrn v. Alteniein.“

Gestern vor 25 Jahren waren die Berliner Stadtver- ordneten zum erstenmale nah der Städte-Ordnung zusammen- getreten. Jn Folge eines Beschlusses der Versammlung feierten diesen Tag gegen 150 Mitalieder der jeßigen und früheren Stadtverordneten - Versammlungen in dem 1tädtischen Lokale zu Treptow durch ein festliches Mahl. Die bekräuzte Büste Sr.

neuerte. Dann brachte der Professor Klenze, als Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung, das Wohl der Stadt Berlin in einem ausführlicheren Vortrage aus. Er erinnerte daran , daß es ihm für die Anwesenden als die Repräsentanten der Stadt weniger hi>li< erschiene, desjenigen Wohles zu gedenken , das ihr von außen her kommen môge, als desjenigen, das in die Hände der Kommunal - Verwaltung selb gelegt worden, und, von dem Gemeinsinn abhängig sey,- dessen Erwekung und Erhaltung als die landesväterliche Absicht und der Zweck der Stádte-Ördnung vom 19, November 1818 ausgesprochen wor- den, dessen wahre Bedeutung aber fest zu halten in keiner Zeit wichtiger und |\<wieriger sey, als in unserer sowohl an neuen Formen ähnlichen Zweckes wie an Verirrungen des dentlichen Interesses jo reihen Zeit. Das erste, worin sich jener Gemein- sinn kund gebe, sey freilich der früher bei uns sehr erfaltet ge- wesene Eifer in der thätigen Theilnahme an dem Gemeinwesen, und in dieser Beziehung habe die Städte-Ordnung glänzende Früchte getragen, wie nicht bloß das Königliche Wort vor der revidirten Stádte-Ordnung von 1831 anerkenne, sondern auch namentlich bei uns die Art der Verwaltung zeige, in der z. B. bloß für die Armen- pflege zwischen 6 und 700 Unbesolde:e Beamten in Berlin die höchst beschwerlichen und im Einzelnen undankbaren Geschäfte aus reinem Eifer fúr das Gemeinwohl versähen. Aber dieser Eifer allein scy nicht das Wesen des wahren Gemeinsinnes, sondern nur in seiner nethwendigen Bearänzung duch eine Eintracht, die zwar nie in einer gänzlichen Auflösung aller streitenden An- îchten und Bestrebungen erscheinen kdnne und soile, die aber ge: rade in dzm entsch:idenden Augenblicke, wo es das Gemeinwohl erheische, allen Verschiedenheiten der Ansichten, ein Ende mache und nie das dôdffentliche Wohl den selbstischen Zwecken der Fac- tionen unterordne. Als eine Folge cines blinden und zerstôren- den Eifers bezeichnete er die neuesten Ereignisse in den bedeu- tenden Städten Europa's, wo die ruhige Werkstätte des Friedens in den blucigen Schauplaß des Bürgerkrieas umgeschassen worden, wie wir es nie erlebt hätten und wills Gott nie erleben wúr- den, wenn wir von unseren fremden JNètachbarn uns vielmehr, o w:nig England unserer Gewerbe Freund \ey, an so vielen Bei- spielen der Englischen Geschichte stärkten, wo zur rechten Zeit de chärfiten Gegensäße durch wahren 5cmeinsinun so oft verschnt worden seyen. Jn dem Augenblicke, wo England diesen èemeinsinn aufgebe, sey es um seinen Handel, seine Getverbe und seine po- litische Macht geschehen. Jn diejem Gemeinsinn habe sich aber die Stadtverordneten-Versammlung immer bemüht, den anderen Zweigen der Kommunal: Verwaltung mit gutem Beispiele voran- zugehen, und músse dieses auch ferierhin zum ersten Bestreben machen, wenn sle das wahre Wol der Stadt fôrdern wolle. (Er \<loß seinen Wunsch für dasselbe mit den Worten: „Sie ge- deihe dur< wahren Gemeinsinn in rechten Eifer und rechter Ein- tracht.“ Cine anhaltende Bewegung kündigte an, daß der Red- ner nur die eizene Gesinnung der ganzen Versammlung ausg?- prochen. Es wurde noch der Abgeschiedenen, besonders des Herrn von Gerlach, ehrend gedacht, ferner auf das Woh! zweier

Majestät des Königs und das geschmückte Brustbild des ersten Vorstehers der Versammlung und zugleich erften Ober - Bürger: meisters na< der Einführung der Siáâdte: Ordnung, des verstor- benen Präsidenten von Gerlach, zierten den reichlich mir Blumen versehenen Saal. Bald nach dem Deginn des Mahles gedachte der jelzige Vorsteher, Herr Desselmann, in einer furzen herzlich gesprochenen Rede der bieherigen Schicksale der Kommunal-Ver- waltung, und seine Worte wirkten um so mehr auf die Versaminlung, als er fie daran erinnerte, daß diese Feier durch die nothwendioe Absonderung aller anderen Zweige der städtiïchen Verwaltung einem Familien : Feste nicht unähnlich erscheine. Er schloß mit

Meitglieder, die seit 25 Jahren ihr ununterbrochen angehört, der Herren ‘Possin und Eyssenhakdt , so wie auf das Wohl dcs jeßigen und der frúhßeren Vorsteher, deren zwei zugegen walen, aetrunfen und eine Kollekte zum Besten eines verarmten Kom- munoal- Beamten veranstaltet. Die Versammlung trennte fich spät in der frohen Empfindung, wie auch \olche Festlichkeiten ihren Antheil an der Belebung wahren Gemeinsinnes haben könnten. :

Jn der Jrren- Heil: Anstalt zu Königsberg in Pr. brach in der Nacht voin 20. zum 21. April Feuer aus, das den zunächst dem Pregel gelegenen Flúgel dieses Gebäudcs, nebs allen darin befindlich gewesenen Vorräthen, in Asche legte; glüc>-

dem Danke gegen den erhabenen Gründer unserer städtischen Verfassung, dessen Wohl er unter solchem Juke! der Anwesenden ausbrachte, daß

Volks-Liede wieder

und immer

wieder im ganzen Saale er-

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das frohe Lebehoch sich gleich und nah dem

: licherweise hat vei diesem Brande Niemand, inébesondere auch feiner der Kranken, an seiner Person den mindejten Schaden l genommen.

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des Getraide-Ertrages_ in der Rhein-Provinz für das Jahr 1833

Flächeninhalt Ertrag der Aerndte pro 1833 an Geldwerth der gesammten in geogra- : Aerndte nach den Markt: p » r V EPER S 2E 57 P L: L « L Regierungê- ÿ yhischen | Durchschnitts - Preisen Bezirke. Pu R 515 | ol R | Gerste Hafer | Kartoffeln M 1. Oftober 1833 Quadrat- | En Pee - po DROSgEN. C. 2 | Kartoffeln. } am 1. Oftober 1833. "— A Gi: : | | j | f | Meilen. Wispel. | Wispel. | Wispel. Wispel, | Wispel Wispel. Rthtr. ! \ j j Ms E e a o L Koble 109,6 4 7,615 | S 1 J0OT LL/S6 | OOSS 94,402 3,879,185 U 0, 121,54 S706 4,427 36,8534 8268 | 33,809 “|= 156/200 3,792,120 Aan. es T5654 17,199 | 30097 «42 S 13,512. | 658840 | 119/605 5,111,839 Un. 73,0 8 17,081 | 28: 49,106- | 13/55 | 57,878 3 13/811 D, 08,94 ) Düsseldorf 100,29 31,267 1 j 92,976 r O78 f 91,422. | 202042 9,139,625 Á «L SRONL- ¡v C "M6 0% 0 6AOIS Q amis g e e u N G A e. a | Summa K 470,9 9 ß 82,328 | i6,670 | 282,182 | 68,900 | 2 2, 250) | 790,003 j 7,031, (12 s rede Ez: TIE : «Br S fia P | j | | | | l Geldwerth nach den Durchschnitts-Preisen am 1 Oktober 1833 Rthlr. | Réhtr. | Nthlr. | Rthlr. | | Rthlv | | | 3,471,775 360,273 | 9,086,756 1,819,059 | 5,496,829 | 6,807,020 i . T S E A: “E Err E E D T R A E ette S m S S E D E

Literarishe Nachrichten

Dgs Leben Wallensteins. Von Friedrich Förster, Potsdam,

Riegel. 18 14.

„Fch kann mir keine angenchmere Beschäftigung machen“, saot Lesïng in seiner Reitung des H»raz, „als die Namen Männer zu mustern, ißr Recht au! und unverdiente Fle>en ihnen abzuwischen, die

Ein solcher wird gene

dersaal anvertraut if, physisch errtchtet. j : haben, die cvx 0 vor

niglich unter der Menge einige Schildereien züglich liebt, läßt.

die allergeringste Verleumdung auf thnen haften soll.

Eben so verfährt die Geschichte; auf deu Bildern threr Lieblinge. Ermordung erscheint uns Wallensiein gereinigt von den seiner Feinde, die absichtlich verworrenen Fäden seiner Geschicht entwirrt und sein Leben, sofern es in den Begebenheiten der Zei aufgeht, klar und durchsichtig hingestellk durch die fleißigen und ein sichtsvollen Bemühungen gelchrter Geschichts-Forfcher. Die That

jestgestellt is, daß Wallenstein von dem Verrath au seinem Kaise

berühmter die Ewigkeit zu untersuchen, F falschen Verkleisie-= | rungen ihrer Schwächen aufzuldsen , kurz Alles das tim moralischen Yerstande zu thun, was deritcnige, dem die Aufscht Uber einen Bil-

daß er nicht gern ein Sonnenstäubchen darauf sigen Fch bleibe also in der Vergleichung und sage/- daß auch ich einige große Geister so verehre, daß mit meinem Willen guch nicht

sie duldet feinen Staubfleen

Zweihundert Fahre nach seiner Anfïlagen

sache, die namentlich durch dite Fdrstersche Untersuchung entschieden

1 sich frei erhalten hat, muß unsere ganze Sympakhie für den Mann aufcegen, mit dessen innerem Seeleñkampfe uns Schiller längst ver- traut gemacht hat. Denn ohne diesen Kampf mag ener hoch îre- bende Gei nicht gewesen seyn , dee sich seit seinem ersten Erschei- nen im dentlichen Leben mit weitschauendem Versiande und uncr- schügterlicher Konjequenz als der Silvysischdpfer seiner unerhdrten Laufbahn die Gründlagen. seitiex Grdße gelegt und Staffel. an Stäfcl gefügt hat. Und so wollen wir denn den prophetischen Tiefbli> des Dichters bewundern, der aus dem wüsten Zerrbilde Wallensicins, wie seine Quellen es ihm darboten, weil er in daz Fnnere menschlicher Zustände einging, den wahrhaftigen Wallenstein berauslas. Denn wenig anders brauchte der Chacaïter des Helden | gewendet zu werden, !m dem thatsächlichen Resultate zu entspre- cen, das nunmehr gewonnen isi: seine Treue war gewtß eben #o «zdgernd, wie sein Vercath uns dargestellt wird

Feagcn wir nun, was wir durch diefe Rettung Wallenfteins denit cigenilich gewinne ?, f9 il die Antwort: vor allen Dingen die Wahr- Det

Zielleicht wäre er grdßer gewesen, wenn er seine Macht und seinen Einfluß der Sache des Protestantismus, mithin dem geisligen Fortschritt, gewidmet hätte, und sein vorgeblicher Verrath ij von e | vielen Seiten her in dieser Weise gedeutet wordet; da aher seiner t | unfreien Natur diesee welthisiorische Standpunkt fremd war, auf __ | dem wir Gustav Adolph in heiterer Glorie erbli>ken, #9 beseht der Gewinn der vorliegenden Untersuchung eben in der geschichtlich ton=- statirten Ueberzeugung, daß er wirkl von jedem (Bedanken frei war, seinen Kaiser zu verlassen und sein großes Gewicht in die Waag-=

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