1834 / 190 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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In der Gazette des Tribunaux liest man Folgendes: „Die Einberufung der Kammern auf den 31. Juli wird sich, dem Vernehmen nach, auf folgendes Ceremoniell beschränken. Es wird eine Königl. Sizung in Gegenwart beider Kammern und zwar im Lokale der Deputirten-Kammer stattfinden. Nach der Rede des Königs wird der Großsiegelbewahrer anzeigen, dap die Session von 1834 erdffnet sey, und daß beide Kammern sich an einem der ersten Tage des November in ihren gewöhnlichen Siz- zungslofalen zu versammeln hätten,um ihreGeschäfte zu beginnen.‘‘— Dem Journal des Débats zufolge, würde nicht einmal eine Thron-Rede stattfinden, so daß man sih mit Recht fragen müßte, was denn die Zusammenberufung der Kammern auf einen be- stimmten Tag eigentlih bedeuten solle, wenn die Kam- mern nicht wirklich auch zusammentreten. „Eine Thron - Rede‘ sagt dieses Blatt, „würde in unseren Augen nichts als eine über- flússige Ceremonie sein, wenn sofort eine Prorogation der Kam- mer darauf folgte. Die Kammer und der Thron treten aber nicht zusammen, um sich gegenseitige Komplimente zu sagen, son- dern um die Angelegenheiten des Landes zu verhandeln. Erst in 3 Monaten, wenn die Geschäfte der Session wirklich begin- nen, hat die Thron-Rede eine Bedeutung. ‘/ i

Dem Minister des dffentlichen Unterrichts waren im v. S 120,000 Fr. ausgeseßt worden, um die der Kdnigl. Bibliothek entwandten Medaillen allmählig zu erseßen. Von dieser Summe sind jedoch nur 93,319 Fr. wirklich verausgabt worden, so daß der Ref von 26,681 Fr. jebt auf das diesjährige Budget über- Mit dem Ankaufe neuer Medaillen an die Stelle der entwandten wird übrigens fortgefahren. i

Der General Bustamente is gestern aus Madrid mit De- peschen für die Spanische Gesandschaft hier eingetrossen.

Herr Arnold Scheffer, einer der Herausgeber des National, ist wegen eines in der Nummer dieses Blattes vom 95, Juni erschienenen Artikels über die in Rouen erfolgte Wahl des Hrn. Laffitte, worin der General - Prokurator eine Beleidigung der Person des Königs erkannt hat, auf den 2sten d. M. vor den hlesigen Assisenhof geladen worden. ,

Die Corvette „„Caravane‘‘, die am 25sten v. M. auf der Rhede von Toulon vor Anker gegangen is, bringt Nachrichten aus Bona vom 10ten Juni. Um diese Zeit herrschte in der Kolonie die größte Ruhe, und der Gesundheitszustand war, un- geachtet der Hiße, befriedigend. Im Lazarethe befanden sich nur noch 250 Kranke.

Großbritanien und Jrland.

Londvn, 4. Juli. Bei dem vorgestrigen Lever überreichte Lord Rolle dem Könige zwölf Adressen von Städten und Kirch- spielen der Grafschaft Devon zu Gunsten der herrschenden Kirche.

Ueber die gestrige Si6ung des Unterhauses ist noch zu be- merken, daß nicht Herr Littleton die Veranlassung zu dem Wort- wechsel mit Herrn O’Connell gab, indem Ersterer den Antrag auf Erneuerung der Jrländischen Zwangs - Bill im Unterhause noch nit gestellt hat, sondern daß Herr I’ Connell aus freien Stücken zuerst die Frage an ihn richtete, ob es wahr sey, was niehreve T llüngen meldeten, daß die Jrländische Regierung das “Ministerium aufgefordert habe, die Zwangs- Bill zu erneuern, worauf der Secretair fúr Jrland erwiederte, * daß er dem Red- ner auf diese Frage gar nicht zu antworten brauche, weil die genannte Bill dem Unterhause noch nicht vorliege.

Am Mittwoch wurde Herrn Spring Rice von seinen Wäh- lern in Cambridge ein großes Diner gegeben, bei welcher Gele- genheit der neue Staats - Secretair für die Kolonieen es als ei- nen großen Triumph für die Sache der Freiheit darstellte, daß er troß aller Gegen-Bemühungen der Tories, welche die Worte: „Staat und Kirche‘/ zu ihrem Motto nähmen, von der Univer- sität Cambridge wieder zu ihrem Vertreter gewählt worden sey.

Die große protestantische Versammlung, welche in Jrland gehalten werden sollte," ift abgesagt worden, man glaubt deshalb, weil es jeßt den sicheren Änschein hat, daß die „Jrländische Zwangs-Bill erneuert werden wird. / Nach der úber den Leichnam des Noon, der im FaustLampf geb(ieben ist, gehaltenen Todtenschau hat die Jury den Owen Switfc (genannt der Holländer Sam), der aber nun auch todt seyn soll, und drei andere Individuen für Todtschläger erklärt.

Nach Briefen aus Lima vom 18. April hatte der Konvent die vollziehende Gewalt mit außerordentlichen Vollmachten zur Herstellung der Ordnung bekleidet, jedo seine eigenen Mitglie- der und die des Staats-Raths von dieser Autorität ausgenom- men. Die Departements Puno, Cuzco und Ayacucho nebst ei- nem großen Theile von Junin, wo sich die großen Silber- Gruben des Cerro Pasco befinden, waren in der Gewalt des Gamarra und des Bermudez, die der Stadt Pasco eine Brandschazung von 20,000 Dollars auferlegt, und fünf Personen, die sich ihrem Einzuge widerseßten - hatten ev- \chießen lassen. :

Nachrichten aus Montevideo zufolge, war der Gouver- neur der Missionen, Felix Aguirre, weil er sih mit vielen An- hängern dem Lavalleja angeschlossen hatte, am 24. März auf Befehl des Präsidenten vor der Front des Heeres erschossen ivorden.

London, 3. Juli. Vorgestern Abend {lug Graf Grey die Erneuerung der Jrländischen Zwangs - Bill vor, und zwar mit Ausnahme der Kriegs-Gerichte, welche durch das Ge- je vom vorigen Jahre eingeführt wurden, indem man glaubt, daß dié gewöhnlichen Gerichts - Stellen hinlänglich seyn werden, Sicherheit und Ordnung zu erzwingen. Da O'Connells Öppo- sition vorzüglich gegen jene außerordentlichen Gerichte ging, so

_ \chmeichelt sich die Regierung, daß es niht noch einmal 2 Mo-

nate bedúrfen wird, um die unerläßliche Maßregel durchzusebzen. Zwar wurde das Geses bisher nur in vier Bezirken überhaupt eingeführt; aber schon die Furcht, daß.es eingeführt werden möchte, hien anderwärts heilsam gewirkt zu haben und in den beiden Bezirken, wo es gleich im Anfange in Wirksamkeit gebracht wurde, daß, wo im Jahre vorher über 300 Ge- waltthätigkeiten verübt worden, Alles jeßt in Ruhe und Frieden Daß die Erneuerung des Geseßes aber unerläßlich ist, eigt sich darin, daß im vorigen Mai wieder in zwei andern das wangs-Gese6 proklamirt werden mußte. Ueberhaupt sind dieBauern

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"im Süden des Landes gar keines vernünftigen Freiheitsgenusses

fábig, wie sch noch vor wenig Tagen zeigte, wo in eînem Kampf zwischen zwei feindlichen Stämmen, obgleich weder Re- ligion noch Politik etwas damit zu schaffen hätten (denn beide Parteien sind katholisch und Alt: Jrländer), etne Menge Men- \chen beiderlei Geschlechts getödtet und verwundet wurde. Ja, das Gefecht war so wüthend, daß weder Militair noch Polizei die Kämpfenden zu trennen vermochte, und es geschehen lassen mußte, daß eine Partei die andere in den Fluß trieb, in wel- cem Viele ertranken. Weiber trugen den Kämpfenden auf bei- den Seiten Steine in den Schürzen zu. Obige Bill wurde vorgestern im Oberhause zum erstenmale verlesen und wird mor-

776 gen zum ztiveitenmale verlesen werden. Gestern geschah dies auch mit der Armengese -Verbesserungs-Bill, welche endlich vom Unterhause gegen eine Minorität von nicht mehr als 51 Stim- men angenommen wurde. Einige Pairs wünschten die Maß- regel bis zur nôchsten Session zu verschieben, weil es jeßt zu spät sey, eine wichtige Bill von 90 Klauseln gehörig zu er- wägen; aber es zeigte sich weder Parteigeist , noch irgend etwas von der Heftigkeit, welche einige Zeitungen gern der Nation da- gegen eingeflößt hätten; und da die Minister auf die Nothwen- digkeit bestanden, einen so wichtigen Gegenstand nicht länger zu verschieben, so wurde das zweite Verlesen auf heute über acht Tage festgesest. Morgen Abend werden die Portugiesischen Angelegenheiten in diesem Hause zur Sprache kommen. Sie werden aus den Zeitungen sehen, daß der Redacteur der Mor- ning Post, wegen eines Pasquills auf Lord Brougham in seiner richterlichen Eigenschaft, vors Oberhaus zur Rechenschaft gezogen worden, aber großmüthiger Weise nah einer zweitägigen Haft, nach Entrichtung der freilich nicht geringen Sporteln, mit einem gelinden Verweise und einer Verwarnung ‘entlassen worden. Die Sache war freilih so, daß einer, der mit den gerichtlichen Formen des Hauses nicht vertraut war, leicht in den Irrthum verfallen konnte, daß die Registrirung eines Urtheils verfälscht worden. Lord Brougham reinigte aber seinen Ruf #o voll- fommen, daß auch nicht ein Schatten von Verdacht gegen ihn bleibt, und benahm sich überhaupt sehr gut bei der Sache. Im Unterhause ist das Wichtigste, daß der Prásident des Handelswesens im Namen der Regierung eine bedeutende Ver- minderung in deñ Eingangs - Gebühren von getrockneten Früch- ten, von Öelen und Büchern (leßtere sind von 5 Pfd. Sterl. pr. Ctr. auf 22 Pfd. herabgesetzt), so wie in der Auflage auf auszufüh- rende Steinkohlen vorgeschlagen hat. Merkwürdig ist es, daß die Regierung sich genöthigt gesehen hat, die Untersuchung der Jrländischen Zehnten-Bill im Ausschusse zu verschieben, weil Herr Stanley (!) drohte, im Weigerungsfalle mit O Connell fr die Verwerfung derselben zu immen, da einige Niaujeln hin- zugefügr worden, die er erst durhstudiren müßte. Vies war um jo merkwürdiger, als gewiß einige Tage hätten darüber vergehen müssen, ehe man an diese neuen Klauseln gekommen wäre, und die früheren ja von der Regierung vorgeschlagen worden waren, als Herr St. noch Mitglied des Kabinets war. Die Wahl eines Vertreters für den Bezirk Finsbury ist, mit Ausschließung beider Extreme, für den ministeriellen Kandidaten ausgefallen, und zwar durch eine Mehrheit von mehr alé 650 úber den Tory, zwischen welchem und dem Erwählten eigentlich der Kampf statt- fand, da fúr den Radikalen gar keine Möglichkeit der Erwählung da war. Doch harten aus etwa 9300 Wählern an 4000 gar nicht gestimmt, was für einen Beweis gelten kann, daß, so schr es auch hier und da auf der Oberfläche gähren mag, die Masse doch ruhig ihrem Tagewerk obliegt, und dem politischen Streit unbekúmmert zusieht, wo, ihrer Menge wegen, es den Pater Mánnern nicht gelingt, sie durch persönlichen Einfluß einen Augenblick lang aufzuregen. Zu Cork in Jrland hat eine anti-uzinisterielle Versammlung der dovtigen- Protestan- ten stattgefunden, was jedoch, da solche Mitglieder der Staats- kirche zu seyn scheinen, dort zu erwarten stand. Aber zu Dublin fand eine Versammlung der Abgeordneten vieler Nonkonfor- misten-Gemeinden statt, welche zu dem Beschlusse kamen, gegen die beabsichtigte eform der Kirche zu protestiren, weil solches nur dem Katholiziómus Vorschub thun würde. Dies macht dem frommen Eifer dieser Leute Ehre, dürfte aber nicht leicht bei den Englischen Nonkonformisten viele Nachahmung finden. So eben is hier ein Werk erschienen, welches nicht nur die Länder- und Völkerkunde des inneren Astens bedeutend erweitert, sondern auch auf den politischen Zustand, wie auf den Handel der zwischen Ostindien und Rußland gelegenen Länder ein helles Licht wirft. Es ist von einem geistreichen, wohlun- terrichteten, vorurtheilsfreien Manne, dem Lieutenant Alexan- der Burnes, welcher in den Jahren 1831, 1832 und 183d, zuerst als Abgeordneter des Königs von Großbritanien, den Fn- dus hinauf, an den Hof von Lahere gesandt war, und nachher ohne ein eigentliches Amt, aber im Auftrage der Ostindischen Regierung, von Delhi durch das Pendschab, Kabul „nah Buchara, und längs dem Kaspischen Meere über Teheran, Ispa-

an und Buschier zurúck nah Bombay und Kalkutta reiste. Bui seiner Rückkehr nach England fand er, daß feine andere Karte vorhanden sey, nah der er jetne Reise erklären fönne, als die, welche Hr. J. Arrowsmith eben, als Theil seines großen allgemeinen Atlasses von Mittel-Asien, vollendet hatte. Diese be- gleitet demnach mit den von unserem Reisenden mitgetheilten Verbesserungen und Zusäßen das Werk, welches den Haupttitel fúhrt: Burnes Travels into Bokhara de 3 B. gr. 8. London, Murray. Dem Herrn A. von Humboldt ist, dem Vernehmen

4ten Juli. Gestern Nacht kam es îim Unter- Kaufe zu M S Biiriw ischen O'’Connell und dem Secretair fúr Jrland, Herrn Littleton, welche zwar Ersterem wenig Ehre macht, aber ‘der Regierung nachtheilig werden muß, weil es sich zeigt, daß Herr Littleton in einer Unterredung, die er mit O'Con- nell unter dem Siegel der Verschwiegenheit gehabt, sei- nen Widerwillen gegen denjenigen Theil des Zwangsgeseßes augs- gedrückt hat, welcher es dem Lord - Lieutenant anheimstellt, alle Versammlungen und Pereine, welche ihm für die dffentliche Ruhe gefährlich scheinen, zu verbieten, und seine Hoffnung, daß derselbe nicht erneuert werden würde. Jet, da nun quch die Erneuérung dieses Theils des Gesetzes vorgeschlagen ise, sagt O'’Connell, man habe ihn getäuscht, und Herr Littleton wird sich wohl gendthigt sehen, seine Stelle niederzulegen.

Niederlande,

Aus dem Haag, 5. Juli. Der Baron Verstolk van Soelen is gestern früh zu Sr. Majestät dem Könige nach dem Loo abgegangen. )

Se. Königl, Hoheit der Prinz Friedri nehmen nach, die Königin von Großbritanien, welche Sich nach Meiningen begiebt, in Helvoetsluis bei Jhrer Landung begrüßen.

Das Dampfschiff „Ludwig“ ist bereits gemiethet, um Ihre

dajestät die Königin von Bayern, welche in Scheveningen er- wartet wird, von Mainz abzuholen.

Der Prinz von Oranien hat / i der Nähe von Tilburg (wo sich das Hauptquartier befindet) an- gekaufr, Es soll dort unter Anderem ein Stall für 50 Pferde gebaut werden.

_— Amsterdam, ò. Juli. Die heute eudigende Woche hat wegen der mit dem 1slen dieses erfolgten Abld ungen von Obligatio- nen und Zinsen-Zahlungen einen günstigen Einfluß auf die hiesige Börse gehabt, indem fas alle Holländische wie auch dic Russischen Staats - Papiere dadurch einen besseren Stand angenommen haben.

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*) Das „Magazin für die Literatur des Auslandes“/ wird näch-

stens einige Auszüge aus diesem interessanten Reiseherichte liefern.

nach, ein Pracht - Exemplar zugeschickt worden. “) Nachschrift

Friedrich wird, dem Ver-

fürzlih zwei Grundstücke in

Auf Oesterreichische Fonds wirkte dieser Umstand iwenigek, da die

neuen Loose, welche bis zu 720 Fl. hingufgetrieben waren, glei

wieder auf den erniedrigsten Preis fielen. Den größten Umsaß ge: | nossen wieder die Spanischen Effekten vei bedeutenden Schwankun- | gen, wofür sih kein anderer Grund angeben läßt, als die abwech- |

selnd höher und niedriger eingegangenen Notirungen derienigen Märkte, welche auf dieses Papier einen besonderen Ein; fluß haben; doch zeigte sich zum Schlusse noch eine kleine Prets - Verbesserung, O in den Cortes - Obligationen, Súd-Amerikanische Fonds stehen etwas höher, als vorige Woche, ohne daß eben viel darin umgeht. Geld war etwas mehr gesuh? und wurde kurze Zeit zu 4 pCt. abgenommen; später war es wieder zu 32 pCt. zu haben. Vom gestrigen Getraide - Markt läßt si nichts Erhebliches sagen, weil kein anderer Umsaß als zum Ve; brauch stattfand; dic dabei angelegten Preise sind: für 126pfünd, alten weißbunten Polnischen Weizen 220 Fl., für 128pfünd. buntey dito 196 Fl., für 124pfünd. dito 185 Fl., für 128pfünd. Schlesischen Weizen 165 ql: für 119pfünd. Preußischen Roggen 135 Fl /- für 22pfünd. inländischen dito 122 Fl.; für 109. 110pfünd. Libaue Gerste 130 Fl., für 110pfünd. Holfteinsche dito 84 Fl. Hafer blieh ohne Handel. Belgien.

Brüssel, 4. Juli. Die Sectionen der Kammer der N prásentanten beschäftigten sich gestern mit der Untersuchung dez Geses-Entwurses über die Entschädigung derjenigen, die durch di:

Invasion der Holländer im Aug. 1831 Verluste erlitten haßt, F Gestern kamen hier in Brüssel sieben Ueberläufer von d F Holländischen Armee an, unter denen sich ein völlig equipirte F

Wachtmeister vom 4ten Dragoner - Regiment und ein Solda desselben Regiments befanden. lahnen - Regiment, der Zweite zu dem zweiten Regiment de Aâger zu Pferde und die übrigen 5, worunter 3 Deutsche, sind an die Franzdsishe Gränze geschickt worden.

In der lelzten Nacht versammelte sih eine beträchtlihe F Volksmenge vor der Wehnung des Abbé Helsen, der hier be F

kanntlich einen Gottesdienst nah Art des Abbé Duchatel ein führen wollte, und {lug die Fensterscheibenvein merie, die Linientruppen und die Polizeibeamten begaben sich so: gleich dorthin und zerstreuten den Volksk, aufen. Während der Nacht wurden verschiedene Piquets in der Umgegend und zwi Wachen vor das Haus des Abbé Helsen aufgestellt.

Sw eden Und Norwegen. Stockholm, 4. Juli. JIJ. KK. HH. der Kronprinz und die Kronprinzessin sind am Z0sten v. M. mit dem Dampfschiss „„Föreningen““ nah dem Lustschlosse Tullgarn abgegangen. Es ist hier ein neues literarisches Oppositions-Blatt unter

dem Namen „Arlekin// angekündigt worden, als dessen Heraui

geber der bereits durch mehrere Schriften bekannte Literat

Sturbenbecher genannt wird.

Die C a O Múnchen, 2. Juli. Der Rhein-Bayerische Cassationéhos hier bildet bekanntlich auch ein Revisions - Gericht, gegen wel ches eine Berufung an den Cassationshof stattfindet, Dieses Revisions - Gericht verurtheilte ani 23sten April 1834 den Rhein Bayerischen Unterthan Johann Fit (ehemaligen Polizei - Com

missair in Dürkheim, nunmehrigen Weinhändler und Guté:

besißer in Pfeffingen) 1) in contumaciam zu einer Gefängniß strafe von 3 Monaten wegen Mitunterzeichnung der Protestation

gegen die bekannten Bundes - Beschlüsse, von welcher Verhandlung Þ wir bereits früher das Nähere mitgetheilt haben, und dann 2k

zu einer Gesängnißstrafe von 6 Monaten, wegen Beleidigung

des Gesammt - Ministcriums dyrh Veranlassung und erster Un-F

terzeihnung einer im Ganzen von mehr als 200 Namen unter- zeichneten Eingabe an dasselbe, betreffend eine Beschwerde, worin in heftigen Ausdrücken gegen die angeblich ungeseßlichen Maß! regeln der Staats-Regierung zu Erhastung der Ruhe im Rhein: kreise protestirt wird.

die Bank der Angeklagten seßte und seine Vertheidigung ohne Beiziehung eines Advokaten mit vieler Gewandtheit führte, und worin er sich unter Anderem auf die Motionen von

Rotte, Pfizer, Welker 2c. und auf ähnliche Fälle in andern

Deutschen Staaten berief, und beweisen wollte, daß ev eine Be leidigung der Bayerischen Minister weder beabsichtigt, noch ver údt, sondern nur von einem guten Rechte Gebrauch gemacht habe.

hen bei dem Cassations-Gexrichte an, welches zuleßt die Verkün dung der Entscheidung (die übrigens kaum zweifelhaft seyn dürfte) auf den 9. Juní vertagte. f

Mänchen, 4. Juli. F Finanz-Ministers Frhrn. v. Lerchenfeld, der sich nah dem Bad begiebt, ist dem Geheimen Rath Ritter von Wirschinger desset Portefeuille übertragen worden. j

Karlsruhe, 30. Juni, Die Zahl der Kurgäste und an

derer Fremden în Baden war am 26. Juni 3635. Unter den

neu Angekommenen bemerkt man den Herzog von Leuchtenber mit Gefolge. Die Frau Großherzogin Stephanie nebst dem Prinzen Wasa und dessen Gemahlin, sür welche Wohnzimme im Schlosse eingerichtet sind, werden erwartet. Noch mahet Engländex und Franzosen (besonders Elsasser) den größern Thei der Gâste aus. Troß der ungünstigen Verhältnisse mit de Schweiz finden sih do auch Gäste aus diesem Lande in Ba den ein. / S ch weiz.

Zär ich, 28. Juni. Folgendes is der vollständige FJuhal a Antwort des Vorortes auf die lebten Noten der fremde

tächte :

Vlketrata und Regierungs-Rath des Kantons Zürich, al eidgendssischer Vorort, bescheinigen Sr. Excellenz dem Herrn . den Empfang der ihnen zu Händen der Eidgenossenschaft übe! gebenen, vom 20. Juni datirten Mittheilung und haben si angelegen seyn lassen , dieselbe ungesäumt sämmtlichen Kanton: Regierungen zur Kenntniß zu bringen, welche ordentlichen Tagsaßung des

Tagen zusammentretenden

1834 über den

gen Sinn entnommen babe, welcher vou ihm beabsichtigt wal Denn geslüßt auf die Übercinstimmenden Erwiederungen dex Kantons Regierungen, auf seine unterm 2W. Februar denselben gemacht! Erdffnung, diè Wegweisung derjenigen Flüchtlinge angeordneck welche im Monat - Februar lehthin an dem Attentat auf S voyen Theil genommen hatten, und gleichzeitig gegen Se. Excell. seine Ansicht dahin ausgesprochen, daß dem einem jeden selbststà gen Staat unzweifelhaft zustehenden Recht, fremde Flüchtlinge, d

Der Erste is zu dem ersten Uh, F

Die Gend,

r In der heutigen öffentlichen Sibung dei Cassations - Hofes erschien nun Hr. Fiß selbst, welcher sich aus

selbs M

Der Staats - Prokurator, welcher den Opponenten gegenß die beiden obigen Revisionsgerichtlichen Urtheile zu widerlegen} suchte, trug für den Beschuldigten auf 6 monatliche Gefängniß strafe für das erste, und auf eben so viel für das zweite Verge

Für die Dauer der Abwesenheit dei

: bereits früh eingeladen wordén waren, ihre Gesandtschaften zu der in ven Srahre Gegenstand, den jene: Mittheilung- berührt, mil den geeignet erachteteten Fnstructionen zu verschen. Mit Bedauern hat der eidgendssische Vorort seinerseits aus der erwähnten Mitthei lung ersehen, daß der Kaiserlich Königlich Oesterreichische Hof (di Königlich Bayerische Staäts-Regierung 2c.) aus der vom 18. Ml} des laufenden Fahres datirten Note des Vororts uicht deniem}

bereits unterm 18. März hatte der eidgendssishe Vorol!

adi

rubig verhalten, bei sich aufzuttehmeit, die Pflicht zur Seite N Sihe Flüchtlinge, welche das ihnen gewährte Asyl mifbrau- chen, um die Ruhe anderer Staaten zu stren, in die Unmöglichkeit zu verseßen, künftig ähnliche Stdrungen zu verursathen. Nach diesem vdlkerrechtlichen Grundsaß wird die Schweiz, nach der Ueberzeugung des eidgendssischen Vororts, auch in der Zukunft solche Flüchtlinge, welche das thnen Ee Asyl mißbrauchen , indem sie die Ruhe anderer Staaten zu dren suchen, von ihrem Gebiete wegweisen, und ihnen die Rückkehr nicht mehr gestatten. Der Vorort hat bereits eher die Kantons-Regierungen eingeladen und wird, Überzeugt noch durch ein ganz neues bedauerliches Ereigniß von der Dringlichkeit des Gegenstandes, die Einladung an dieselben wiederholen, dem ausgesprochenen vôlkerrechtlihen Grundsaße gemäß in Bezug auf die gegenwärtig oder künftig in der Schweiz befindlichen Ne u verfahren. Jn diesem Sinne wird er auch die Aufmerksamkeit der Tagsaßung auf diesen Gegenstand lenken, und exrzweifelt nicht, daß es die- ser obersten Bundes-Behörde beim Entgegenkommen der Nachbarstaaten leicht gelingen werde, das alte Vertrauen und das gute Wohlver- nehmen zwischen diesen und der Schweiz, gestüßt auf gegenseitige alhtung der allgemeinen völkerrechtlichen Verpflichtungen , herzu- stellen und zu befestigen. Schließlich spricht der eidgenössische Vor- ort gegen Se. Excellenz . . . die Erwartung aus, daß der zwischen der Schweiz und den ste begränzenden Staaten bestehende, den ge- I qenseitizen Jnteressen gleichmäßig zusagende Verkehr auf keine Weise T gehemmt, vielmehr die außerordentlichen Anordnungen wteder zu- T rádgenommen werden, welche in der leßten Zeit getroffen worden ind. Bürgermeister und Regierungs-Rath des eidgendssischen Vor- orts benußen diesen Anlaß 2c. Zürtch, 24. Juni 1834.// H Zürich, 2. Juli. Die Verfasser der Proclamationen an * as Deutsche Volk sind mit Landjägern nah Frankreich transpor- | tirt worden, und befinden sih vermuthlich jest in England. -— j Gern hat die Theilnehmer am Savoyerzuge ohne Pässe fortge- Ï shickt, von Rauschenplatt und Andern sogar Signalements an verschiedene Kantons-Polizeien gesandt. Der große Rath von E Zürich hat beschlossen, nur nach Belieben Flüchtlinge aufzuneh- men oder abzuweisen.

Et Bc

Spanien.

Das Journal de la Guienne enthält folgendes Privat: Schreiben aus Madrid vom 18. Juni: „Unser Gold und unsere Versprehungen brachten im entscheidendsken Augenblick die Treue und Beständigkeit cines großen Theils der Migueli- fischen Armee zum Wanken und verleiteten sie, die Waffen nie- derzulegen , nachdem einige ihrer Generale sogar eingewilligt hatten, Don Carlos den Christinos auszuliefern. Es han- delte sich zu Evora Monte am 26. Mai um nichts Ge- ringeres, als um diesen gehässigen Verraih. Herr Grant de- E nachrichtigte den Don Carlos aber davon und bot ihm für seine und der Seinigen Person den Schuß feiner Regierung an. Jn einer solchen Verlegenheit, in einem Augenbli, wo Rodils Avant- Garde nur noch viertehalb Meilen von Evora stand, sahen sich Don Carlos und seine Anhänger genöthigt, den Englischen Schuß anzunehmen. Deéhalb begab sih dieser Prinz mit seiner Facnilie, seinem Gefoige, seinen Generalen, seinem Stabe und cinige. anderen Personen nah Aldea Gallega, um sich auf dem Englischen Schif} „, Donegal‘/ einzuschisfen. Wir warcn über N das Schickzal der übrizen Anhänger des Don Carlos, die nah Ï seiner Abreise noch in Portugal blieben, in Zweifel, glücklicher Ï Meise aber haben wir mit der gestrigen Post von einigen Offi- zieren, die sich unter jener Zahl befinden, Briefe erhalten , wel- Ï che diese unterm 5ten und 7ten d. am Bord: Englischer Fahrzeuge Î geschrieben haben, und worin ste melden, daß sie mit der thnen Î zu. Theil gewordenen Behandlung zufrieden seyen, daß sich alle 7 Truppen des Don Carlos eingeschist hätren, und daß man sie ins Ausland transportiren werde. Dies ist. wahrscheinlich einer von den Gründen, weshalb unsere Regierung gegen England Stillschweigen beobachtet und sich sehr gektänkt zeigt. Des- halb sagte auch wohl neulih eine hochstehende Person zu | einem ihrer Freunde: „, Martinez de la Rosa ist schreck-

lich aufgebracht gegen die Engländer. Als wir nach gr0o- ßen Öpfern endlich die Gewißheit hatten, daß Don Car- M los, seine Familie und seine Anhänger am 27. Mai in un- sere Hände fallen würden, empfing der General Rodil in dem N Augenblick, wo er sih, um dies zu bewerkstelligen , in Marsch | geselzt hatte, eine Mittheilung von dem Großbritanischen Ge- (häscsträger, worin dieser von ihm verlangte, nicht weiter zu gehen und die Sicherheit des Don Carlos und der Seinigen | nicht zu gefährden, da diese sih unter Englands Schuß begeben hätten. Rodil schrieb sogleih an den Englischen Geschäftsträger und an Dom Pedro; Leßterer antwortete, „daß er sich in diese Sache nicht mischen könne; der Andere, daß er unwiderruflich auf seiner Forderung bestehen müsse.“ Die gedachte Person fügte hinzu: „Dies möchte wohl eine Englische Tarquinade seyn, und der Himmel weiß, welche Folgen sie haben wird, denn man Î hatvon Don Carlos nicht einmal die Verpflichtungs-Forniel verlangt, daß er nicht wieder nah Spanien zurückkehren wolle; man hat Î also dem Jnhalt des Traktats im Augendlic? seiner Ratifizirung Ï entgegengehandelt. “Die Franzosen hatten sich doch wenigstens Ì auf feine bestimmte Weise zu etwas verpflichtet, und wenn die Engländer eben so gehandelt hätten, würden wir andere Maßre- geln ergriffen haben.“ Diese Thatsachen und einige andere, die ih hier úbergehe, um nicht zu weitläufig zu werden, lassen mich glauben, daß die Engländer in die Pläne von Christinens Re- gierung nur eingegangen sind, um dadurch Dom Miguels Sturz herbeizuführen ,' welches das Hauptziel ihrer Bestrebungen war, und daß sie, nachdem dies erreicht war, sih damit begnú- gen zu müssen glaubten , Don Carlos aus der Halb- insel fortzuschaffen, um wenigstens das Gehässige in ih- en Benehmen gegen unsere Unabhängigkeit einigermaßen "zu neildern, oder vielleicht auch, um sonstige Zwecke, die sie da- Ï hei noc) haben , zu befördern. Seit gestern geht hier das Ge- rücht, daß die Engländer sich Dom Pedro'’s bemächtigk, ihn auf in Schiff gebracht und eine Regentschaft an seiner Stelle er- Ï nannt hätten. Wenn sie dies auch) noch nicht ausgeführt haben, N \0 fehlt’ es ihnen doch gewiß nicht an Lust, dazu, und sie werden l sich sicherlich früher oder später auf irgend eine Weise dex Per- son Dom Pedros entledigen; das Betragen dieses Fürsten seßt das Britische Kabinet in große Verlegenheit. Die leßten Ereignisse Ï in Portuzal haben auy die Anhäuger des Don Carlos im Jn- nern von Spanien nicht den. geringsten Eindruck gemacht, und man bemerkt unter ihnen noch . mehr Kühnheit, noch größere Hoffnungen, eine glühendere Kampflust und einen be- deutenden Zuwachs an Streitkräften. Was die Baskischen Provinzen und Navavra anbetrifsr, so haben sich die Vertheidi- ger der Legitimität durch diese anscheinende Lösung des Knotens keinesweges elnschüchtern lassen, sondern zeigen sich vielmehr ent- s{lossener als „jemsls, und nach gestern hier eingegangenen Brie- fen schließen sich die Konsfribirten in großer Anzahl ihnen an. Eben diese Briefe berichten, daß die Truppen Quesada's von

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villas in der Rioja úber Manso bedeutende Vortheile davonge- tragen hat, so daß Leßterer sich genöthigt sah, in größter Verwirrung seinen Rückzug nach St. Domingo anzutre-

denen Zumalacarreguy's geschlagen wprden sind, und daß Que- -

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ten. Gestern trafen die ersten von Rodil's Truppen, de- ren Zahl man auf 6000 angiebt, in der Hauptstadt ein. Sie befinden sich in eem beklagenswerthen Zustande. Es heißt, sie sollen ihre Richtung nah Navarra und nah den Bas- kischen Provinzen nehmen. Dort werden wir andere Sachen zu sehen bekommen, denn in jenen Gegenden gewinnt man Siege niht mit Gold, sondern mit Pulver. Unsere Regierung ver- folgt ihr Reform-System aufs rüksichtsloseste, indem sie die Am- nestirten anstellt und die Royalisten ohne Brod läßt. Jm Schloß hat man alle alte Beamte fortgejagt, ohne ihnen die ge- ringste Unterhaltsquelle úbrig zu lassen, und in den lezten Ta- gen wurden über hundert Personen von der Königlichen Kapelle verabschiedet. So wird man fortfahren, bis die Mine springt; dies Alles aber facht die Feuersbrunst , die sle. endlich verschlin- gen wird, nur noch mehr an. Der Russische Botschafter ist vorgestern abgereist. Die hiesigen Zeitungen melden heute, sein Freund, Herr Zea, habe ebenfalls Pässe verlangt, um Jenem zu folgen, man habe sie ihm aber verweigert.“

_— Jn Französischen Blättern liest man auch folgende Privat - Nachrichten aus Madrid vom 21. Juni: „Das Spa- nische Ministerium will den Cortes große Ersparungs-Pläne vor- legen. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten gedenkt seinerseits den Botschafter - Posten, zu Paris auf eine bloße Ge- sandtschaft mit 15,000, statt mit 38,000 Piastern zu reduziren. Alle General-Konsulate sollen abgeschafft und die Gesandkschafts- Secretaire, wie in Rußland, mit den Geschäften derselben be- auftragt worden. Dann will man die Zahl der Stellen in dem Personal des obersten Ministeriums dezimiren ; es sollen nur 7 Bureau-Chefs in demselben bleiben, während ihrer jeßt 15 an-

gestellt sind. Alle Gesandten, die s{ch gegenwärtig an Höfen befinden, von denen Isabella 1. nicht anerkannt worden ist, sollen abberufen werden und einstweilen die

Legations-Secretaire als offizióse Geschäftsträger daselbst verblei- ben, bis es entweder zu einem vollständigen Bruch, oder zur förmlichen Anerkennung kommt. Auf diese Weise wird dies Ministerium auf sein jeßiges Budget von 9 Millionen Realen eine Reduction von beinahe 3,400,000 Realen vorzuschlagen im Stande seyn. Man will auch die Civil-Liste der Königin, das Eigenthum der Krone nicht mit einbegriffen, auf 24 Millionen Realen herabseßen, so daß die-Jntendanz Jhrer Majestät monat- lich 2 Millionen Realen aus dem Spaniscen Schaß beziehen wird, während man die Zahlungen, welche jeßt in die Schatulle Ihrer Majestät fließen, auf jährlich 50 Millionen Realen s{ä6t. Ju dem Kriegs-Budzget beabsichtigt man, dem Vernehmen nach, ser bedeutende Reductionen, nicht sowohl im eigentlichen Personal der Armee, sondern in den Mißbräuchen der Chefs und der Verwaltung. Dies Alles wird unfehlbar eine gute Wirkung thun, besonders wenn dadutch die Steuern vermindert werden, die sehr drückend sind, und kaum erschwungen tver- den können, namentlih unter den s{chwierigen Verhältnissen, in denen wir uns befinden. Auch das Justiz-Budget wird gro- ßen Reductionen unterworfen werden; die Richter sollen ihr Gehalt direét von den Kommunen selbst empfangen, und die Municipalitäten sollen ihre Obrigkeiten aus eigens zu bildenden Hülfsquellen besolden. Dies. wird bei dem größten Theil der Bevölkerung cine gute Aufnahme finden. Die dem Don Carlos und dem Dom Miguel bewilligten Pensionen sind solhen Be- dingungen unterworfen, daß es bald an Vorwänden nicht fehlen wird, um die Zahlung derselben einzustellen. Es heißt, die Re- gierung Dom Pedro’'s werde nächstens eine Anleihe negoziiren, die ihr theilweise dazu dienen soll, ugs einige ziemlich beträcht- lie Summen, die ihr Spanien jeit „der Entlassung des Hexrn Zea vorgestreckt haben soll, abzuzahlen ‘und uns selbst die Kosten unserer Expedition zu vergütigen. Von ‘einigen Staaten un- serer ehemaligen Amerikanischen Kolonieen finden sich abgeord- nete Bevollmächtigte in Europa ein, um mit uns über ihre An- erkennung zu unterhandeln. Unser Kabinet hat Depeschen er-

halten, aus denen hervorgehen soll, daß jene Staaten geneigt sind,

uns für den durch ihre Losreißzung erlittenen Verlust eine billige Entschädigung zu gewähren ; es isi kein Zweifel, daß diese Angele- genheit die Aufmerksamkeit der Cortes ganz besonders in An- spruch nehmen wird, und daß sich das Ministerium schon eifrig damit beschäftigt. Man sagt, es sey die Uebereinkunft ge- troffen, daß, wenn die nächsten Cortes sich gelehrig zeigen und das System der Regierung unterstüßen, der Herzog von Mont- pensier hierher kommen solle, um die Spanischen Sitten anzu- nehmen und die junge Jsabella U., sobald sie ihr zwölftes Jahr erreiche, zu ehelichen. Die fremden Mächte scheinen es bei unserem Kabinet durchgesebßt zu haben, daß es die Cortès nicht um Ausschließung des Don Carlos und seiner Familie von der . Thronfolge angehen solle, wenn diese Prinzen sih aus der Halbinsel entfernten. Man fürchtet, diese Frage möchte den Gedanken auftommen lassen, später auch Andere, zu Gunsten des Prinzips der Volks - Souverainetät, vom Thron auszuschließen. Der Finanz - Minister, Herr Jmaz, stimmte in Hinsicht auf die Anleihe-Projekte nicht sehr mit Herrn Martinez de la Rosa; er“ bekannte sich fast zu den Gründsäßzen des Herrn Gargollo; der Graf von Ofalia, Seccretair des Regentschastsraths, geht noch weiter; er stimmt für die völlige Bankerott-Erklärung. Bei Hofe soll die Rede davon seyn, die Kammern in Segovia zu eröffnen, wo sie im dortigen Schloß ihre Si6gungen halten sollten. Diese Absicht soll ihren Grund darin haben, daß der Hof sich wegen der Be- sorgniß, welche die Ausbreitung der Cholera in Andalusten erregt, nach La Granja begeben will, und daß dann die Mittheilungen zwischen der Regierung und den Kammern während der Disfkus- sionen zu schwierig und fast unmöglich seyn würden, weil La Granja zu weit von Madrid entfernt ist. Einige Personen glauben, die Furcht vor der - Cholera sey nur ein Vorwand, und man benußte diesen Umstand, um die Kammern aus der Haupt- stadt zu entfernen, aus Besorgniß vor republikanischen Unterneh- mungen während der Session, um so mehr, da man noch nicht weiß, aus was für Elementen die Prokuradoren-Kammer beste- hen wird, und da die Wahlen vielleicht Hißköpfe hineinbringen fönnten, die man {wer würde im Zaum halten können, wenn sie sich mit der Partei, die nah einem Umsturz strebt, um zu Aemtern zu gelangen, in Verbindung seßten. Jn den, leßten Tagen wütheten hier furchtbare Stürme, mit Hagelwetter vermischt, dessen Körner mitunter 19 Unzen wogen; die ganze Ebene von Toledo is verwüstet und der Landmann all seiner Hoffnungen beraubt. Die Königin hat 12 in ihren Diensten siechenden Kammerherren den goldenen Schlüssel abneh- men lassen. Auf dem Skt. Katharinen- Plat vor ‘dem Lokal, in dem die Prokuradoren ihre Sißungen halten sollen, hat mán einen Obelisk epxrichtet. Unter den Depots, die tnan zu Elvas in Portugal angetroffen hat, befindet sich auch eines, in welchem fúr 4 Millionen Franken Militair - Equipirungen vorgefunden wurden. Der General Rodil hat auf seinem Feldzuge in Por- tugal nur drei Kranke. gehabt. Heute Abend um 6 Uhr mu- sterte die Königin die aug Portugal zurückgekehrten Truppen.

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Ganz Madrid war hinausgestrômt, um dieser Revue beizuwoh- nen. Es zeigte sich bei dieser Gelegenheit der größte Enthusias- mus unter der Bevölkerung; man hörte nichts als den Ruf : ¡Es lebe die Freiheit! Es lebe die Königin!‘ Diese Truppen werden sich morgen nach den insurgirten Provinzen in Bewe- gung sesen.“

_— Nachskehendes ist die (gestern erwähnte) Korrespondenz zwischen dem Gesandten der Vereinigten Staaten von Nord- Amerika und dem Präsidenten des Minister-Rathes:

¿Gesandtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. _ Madrid, 12. Februar 1834.

Zufolge der Fnsiructionen von dem Präsidenten der Vereinigteit Staaten hatte ih am 6. Mat 1831 die Ehre, Sr. Exzellenz Dot Manuel Gonzalez Salmon, damatigem Staats-Secretair Sr. Mai.- eine Note zu Überreichen , welche darthat, daß der eifrige Wunsch, den die Regierung der Vereinigten Staaten lange empfunden und der Regierung Sr. Mai. mitgetheilt hatte, daß ein freundschaftli- cher und befriedigender Vergleich zwischen Spanien und seinen frú- heren Kolonien, den nenen Amerikanischen Staaten, stattfinden möchte, sowohlaus Rücksicht auf die Grundsäßeder Humanität und die Jnteressen der betroffenen Parteien, besonders Spaniens, als auch aus der Er= wartung von Nußen für die Vereinigten Staaten entsprungen ist. Ich fügte hinzu, daß die Regierung der Vereinigten Staaten, ohne von der angenommenen Politik der Nicht - Einmischung in die An- gelegenheiten anderer Nationen, mit Ausnahme solcher Fälle, wo es N Weise angeméssen gehalten wird, abweichen zu wollen, durch die freundschaftlichen Verhältnisse zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien, so wie durch die Umstände des vorliegenden galles sich ermächtigt glaubt, eine abermalige Aufforderung an Se. Majestät über eine Frage von so hohem und allgemeinem Fnteresse zu erlassen, und daß man die feste Hoffnung hege, Se. Maj. würden nit länger anstehen, mit den neuen Staaten in Unterhandlung zu treten, sondern nach genauer und úberlegter Untersuchung des Gegenstan - des sich Überzeugen würden, daß, abgesehen von der Befriedigung, welche dies Ereigniß den meisten, wenn nicht allen Nationen, mit denen Spanien in freundschaftlichen Beziehungen stehe, gewähre müsse, die Anerkennung der Unabhängigkeit dieser Staaten durch Se. Majestät, unter billigen und angemessenen Bedingungen, sowohl ehrenvoll als auch -von großem Nußen für Spanien seyn würd: Jch {loß mit einigen Betrachtungen in Bezug auf dié Besißun= gen, welche Spanien in Amerika noch geblieben sind, und war der Hoffnung, daß man sie nicht unbeachtet lassen würde. Herr Salmott beehrte mich am 11. Jani desselben Fahres mit einer Antwort auf die erwähnte Note, worin ich benachrichtigt wurde, daß der König die von mir gemachte Mittheilung als einen Beweis der lebhaften Theilnahme meiner Regierung für Se. Majesiät, empfangen habe, daß er den für die Fnteressen seiner Krone angemessensien Zeitpunkt in Betrach- tung ziehen und dann die von mir gemachten freundschaftlichen Mittheilungen nicht vergessen werde. Der Präsident der Vereintg- ten Staaten hielt die Thron - Befteigung von Donna Fsabella Ii, unter der Regentschaft ihrer erhabenen Mutter für eine günstige Gelegenheit zur Erneuerung dieser Bestrebungen, und befahl mir, mich deshalb unverzüglich an dic Regierung Fhrer Maiestät zu wenden. Ohne von Neuem in Beweise sch{ch einzulassen, ist der Prä- sident der Meinung, daß Alles, was früher über die Nothwendigkeit, die Unabhängigkeit der oben erwähnten Staaten anzuerkennen, ge= sagt wurde, nicht nur noch gültig is, sondern durch Zeit und Uim- stände noch bedeutend verstärkt worden ist, und er hält sich vollkom- men Überzeugt, daß der vorliegende Fall durch die liberale und auf- geflärte Regierung der Donna Fsabella 11. im rechten Lichte wird vorgelegt werden, und daß eine ihrer erften großen Handlungeir die schnelle und gerechte Erledigung der Amcrifanischen Frage sey? wird. Fch habe nur noch hinzuzufügen, daß die Regierung der Ver- einigten Staaten, wie immer, bereit is, Alles, was in ihrer Moe, ht steht, für die gegenseitige Versöhnung der Parteien zu thun, und die endliche Beilegung thres Zwistes unter gleih ehrenvoll ¿n und vortheilhaften Bedingungen für alle zu erleichtern.

Fch habe“ die Ehren. f. w: —F- P. van Nef: --

Herr Martinez de la Rosa erwiederte hierauf unterm 12ten Dun E es Z

„Die Menge der Ge te im auswärtigch-n Departeme it- dem Jhre Majestät, die Königin - Regentin, mich mie E zu bekleiden geruht, hat mich verhindert , früher auf die verschiede- nen Zuschriften zu antworten, welche Ew. Excellenz, in Folge der von Jhrer Regierung erhaltenen Jnsiructionen, an mich gerichtet haben über ,,/„die Wichtigkeit und Zweckmäßigkeit/ ‘/, um mich der eigenen Worte Ew. Excellenz zu bedienen, „einer s{chnellen und billigen Erledigung der Amerikanischen Angelegenheiten. ‘/ Fhrer Majestät können in Jhrer Weisheit die Vortheile dicht entgehen, welche aus der Befreinng aus einer ungewissen Lage und aus der Annahme einer definitiven Entscheidung in Bezug auf die in Rede stehenden ungeheuren Länder - Gebiete entspringen würden: und was mich betrift, wenn anders meine geringe Meinung bet der Entscheidung Jhrer Majestät von einigem Gewichte seyn sollte, so kann ih Ew. Excellenz versichern, daß ih, sobald mich der verstorbene König Ferdinand für dieses Departement zu ernen- nen geruhte, seit zehn Fahren die Aufmerksamkeit der Regierung auf diese interessante Frage lenkte, indem ich überzeugt war votr dem Nachtbeil, welcher aus der verzdgerten Feststellung derselbe entstehen müsse, und weil ich es für völlig ausführbar hielt (we- nigstens war es damals wie noch. jeßt meine Meinung), die Jnter essen unserer Brüder in Süd-Amerika mit den Juterejsen der Halb- insel durch Annahme einer von beiden Seiten großartigen und vor- theilhajten Grundlage zu verschmelzen. Um diesen Zweck zu er- reichen, fertigte die Regierung Sr. Majestät damals besondere Kom- missarien ab, denen die udthigen Junstructionen ertheilt wurden, und die den Auftrag hatten, eine Einstellung der Feindselig- keiten anzukündigen und als einen vorläufigen Schritt zur Be- seitigung der politischen Schwierigkeiten die Wiederherftellung der Handels- Verhäitnissc zwischen den beiden Ländern vorzuschla- gen. Die großen Ereignisse, welche bald darauf folgten, und die zu allgemein bekannt sind, um einer Erwähnung zu bedürfen, ver- hinderten die Erfüllung des damals von der Spanischen Regierung gehegten Wunsches, und diese große und interessante Frage blieb von da bis jeßt suspendirt. Die Königin Regentin aber, die sich bei der Regierung dieser Monarchie von Grundsäßen einer liberale: und aufgetlärten Politik leiten läßt, wünscht eine Entscheidung, und Jhre Maiestät hat mih demgemäß autorisirt, den diplomati- schen Agenten Syaniens im Auslande, besonders denen zu Paris und London, die nôthigen Fnstructionen zu ertheilen, damit sîe, wenn sich Kommissarien mit Befugnissen und Fustructionen cinfän- den und Spanien ein billiges und ehrenvolles Arrangement darbd- ten, diesen Kommissarien alle nur mögliche Erleichterungen und Bürgschaften gewähren könnten, mit Hinzufügung der Versicherung, daß sic Jhre Majestät von den günfstigfen Gesinnungen beseelt fin- den würden. Fhre Majestät hat mich zugleich ermächtigt, Ew Excellenz diese freimüthige Erklärung zukommen zu lassen, damit Sie dieselbe Fhrer Regterung, als Erwiederung auf den von ihr ausgesprochenen Wunsch, daß diese wichtige Frage sobald als mdög- lich erledigt werden mdchte, mittheilen können; und Jhre Majestät fühlt sich , nachdem ste ihre persönlichen Gefühle befragt und dabet auch die Eingebungen einer vernünftigen Politik nicht außer Acht gelassen hat, fest überzeugt, daß nichts leichter seyn wird, als ¡wi- chen Parteien, die sich in ieder Hinsicht als Kinder einer und der selben Familie betrachten kdnnen, eine Versöhnung zu Stande zu bringen,