1834 / 191 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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daher die schnelle Zurückkunft um so erfreulicher, als es uns zu der Hoffnung eines guten Erfolgs des für unsere Stadt so äu- ßerst nüßlichen Erwerbszweigs berechtigt.

Kiel, 4. Juli. Es ist hier vor Kurzem eine „Königlich Schleswig-Holstein-Lauenburgische Gesellschaft für die Samm- lung und Erhaltung vaterländischer Alterthümer‘/ zusammenge- treten, deren Statuten von Sr. Majestät dem Könige bestätigt worden sind. Die Sammlung von Alterthümern , welche diese Gesellschaft herbeizuschaffen gedenkt, soll dfentliches Eigenthuin werden und als eine Pertinenz der Kieler Universitäts - Biblio- thek angesehen werden; die Direction des Fonds ad usus pu- blicos hat der Gesellschaft eine Summe von 500 Rthlrn. zur ersien Einrichtung angewiesen, die Kdnigl. General-Post-Direc- tion hat ihr für Portokosten bei dem hiesigen Post - Comtoir ei- nen Kredit bis zum Belauf von 200 Rbthlrn. bewilligt, und die Direction der Sammlung Nordischer Alterthümer in Kopen- hagen hat ihr eine bedeutende Anzahl von Doubletten als Grund- lage der Sammlung geschenkt. er Vorstand dieser Gesellschaft besteht aus 9 Mitgliedern und hat in Kiel seinen Sis. Eine hierauf bezügliche „Einladung‘/ haben unterzeichnet die Herren Pr an Professoren Fal>, Flor, Ratjen, Twesten und

af.

Gestern hielt die Gesellschaft für Schleswig-Holstein-Lauen- burgische Geschichte ihre diesjährige Haupt- Versammlung im größeren akademischen Hdrsaale. Es wurde vom Präsidenten, Etatsrath Fal>, der Jahres- Bericht des Vorstandes verlesen, woraus hervorging, daß die Societät in dem verwichenen Jahre sowohl an Personal - als an literarisher Ausrüstung erfreulich zugenommen hat. Von dem ant Geschichte des Landes Dith- marschen herauszugebenden Diplomatar ist schon der größte Theil gedru>t, so daß das Werk im bevorstehenden Herbste erwartet werden kann.

München, 6. Juli. Se. Majestät der König wohnte am 3. Juli zu Würzburg einem ‘in dem Musik - Institute des Pro- fessors Fröhlich veranstalteten Konzerte bei, empfing die Aufwar- tung der Behörden und des Landwehr-Offizier-Corps, und seste am 4ten Morgens die Reise nah Brúckenau fort.

Jhre Majestät die verwittwete Königin Karoline traf am 5. Juli Abends von Regensburg in Nürnberg ein, nahm am andern Morgen die Aufwartung der Königl. Generalität und er Memptden an, und reiste um 11 Uhr Vormittags nah Würz- urg ab.

Der Herzog August von Leuchtenberg ist aus Jtalien hier eitlgerroffen.

Der Königl. Bayerische Bundestags - Gesandte, Herr von es, ist am 4. Juli auf seinen Posten nach Frankfurt zurück geveist.

Der Ober-Ceremonienmcister, Graf von Sandizell Excellenz, und der Geheime Rath und Leibarzt, Dr. von Walther, werden Jhre Majestät die regierende Königin nah dem Seebade Sche- veningen begleiten.

Der Landtags-Abschied für die eben beendigte Stände-Ver- sammlung enthält die Allerhöchste Genehmigung für die Be- \{lüä}se der Kammern über folgende Gesez-Entwürfe : Festsezung einer permanenten Civil-Liste; die Behandlung neuer oder revi- dirter Gesegbücher; die Vindication der Gerichtsbarkeiten ; die bürgerlichen und politischen Rechte der Griechischen Glaubens- Genossen; die Vervollständigung der im Rhein-Kreise geltenden geseßlichen Bestimmungen in Bezug auf Brandstiftungen; die Steuer-Nachlässe; die Wiederherstellung der Festung Jngolstadt; Abänderung des $. 114 im Grundsteuer- Geses; Maximum der Kreis - Umlagen; Errichtung einer Bayerischen Hypotheken - und Wechselbank ; allgemeine Brand-Versicherungs-Ordnung ; Erbauung eines Kanals zur Verbindung der Donau mit dem Rheine ; Bi- bliothekbau;, einige Abänderungen der Verordnung vom 17. Mai 1818 úber die Verfassung und Verwaltung der Ge-

meinden; Geseg über die Ansässigkeit und Verehelichung; Zollwesen. Der Abschied schließt mit den Worten: „Indem

Wir Unsern Ständen diesen Abschied ertheilen, und das, was sie mir unermüdeter Anstrengung in einer verhältnißmäßig kur- zen Zeit geleistet haben, dann den zwe>>förderlihen Gang und die würdige Haltung der Verhandlungen im Allgemeinen über- blicken, finden Wir mit der vollsten Zufriedenheit die am Schlusse Unserer Thron-Rede ausgesprochene Erwartung, daß dieser Land- tag sih unter allen rühmlich auszeichnen werde, auf das schönste erfüllt, Derselbe hat, an dem geheiligten Bande zwischen König und Volk unverrückt festhaltend, die seit so vielen Jahrhunder- ten bewährte, für Unsre Krone und Unser Herz unschäßbare ächt Bayerische Denkart und Sitte neucrlih beurkf!tndet, und mit Erwiederung gleicher, dem wahren Wohle aller Unjrer Un- terthanen gewidmeten Gesinnung und dankender Anerkennung der Uns und Unsre Königlichen Hause bewiesenen Treue, Er- gebenheit und Anhänglichkeit versichern Wir wiederholt Unsere Liebea und Getreuen die Stände des Reichs Unserer Königlichen Huld und Gnade, womit Wir denselben stets gewogen verbleiben.‘

Der Nürnberger Magistrat hat auch die Thiere unter sei- nen Schuß genommen; in einer Bekanntmachung erklärt er: die {wcten und empdrenden Mißhandlungen, welche sih Viele gegen Thiere, besonders ihre Hausthiere erlauben , übersteigen die Gränzen des Eigenthumsrechts, entwürdigen die Menschheit und gehören deshalb zu denjenigen. Handlungen, welche die Po- lizei- Behörde zu verbieten und zu bestrafen hat. Wer von nun an einer Mißbandlung oder Quälung seiner Thiere sich \{ul- dig macht, soll mit einer Strafe von 1 bis 3 Thalern, na) Um- ständen mit Arrest von 1 bis 3 Tagen, belegt werden.

Stuttgart, 4. Juli. Der Kronprinz von Württemberg ist von seiner Reise wieder glü>lih zurü>gekehrt. Jn. Reut- lingen, wo er zulest übernachtete, wurde er festlich begrüßt. Der Prinz besuchte auch die neuentde>te Erpfinger Höhle , die künf- tig nach ihm „„Karlshöhle‘“/ genannt werden wird.

Frankfurt a. M., 6. Julé. An der Ober-Post-Amts- Zeitung liest man: „Ueber die Deutsche Politik herrschen zu Paris fast eben so verwirrte und unrichtige Ansichten, als ber die Deutsche Literatur. Die Stimmführer des Publikums, die Journalisten, hollten sich bemühen, Vorurtheile zu verdrängen und irrige Meinungen zu widerlegen. Aber sie sind blinde Blin- denleiter, und wer ihnen glaubt, ist betrogen. Allerdings ist das Deutschland, wie es nach dem Untergang der alten Reichsverfas- sung den herbeigeführt zu haben die publicistis< gebildeten Franzosen gewiß reut aus den Bestimmungen der Bundes- afte ven 1815 und der “Schlußakte von 1820, so wie aus dem nun achtzehnjährigen Wirken der Bundesversammlung hervorge- gangen ist, ein viel zu fomplicirtes Staatsgebäude, als daß fremden Tagblattschreibern, wie entschieden auh ihre Einsicht in

Beurtheilung innerer Angelegenheiten, ein verständiges, aus kla- | sada’'s Abwesenheit im Norden,

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rem Erkennen hervorgegangenes Urtheil au<h nur angemuthet werden könnte. Die Deutsche Bundesverfassung, deten etwaige Incohärenzen in dem gesunden Sinne des Volks und dem klu- gen Einverständnisse der Regierungen ihr Korrektiv finden, muß der Ausländer, will er sie anders verstehen, ernstlih studiren. Und wie viele Franzosen giebt es wohl, die das Bedürfniß gefühlt, sich über die Natur der Deutschen Staats - Einrichtungen aufzuklären, und an die rechte Quelle gegangen sind, um sich zu belehren. Gewiß ist, daß von solchem Streben in den Pariser Blättern keine Spur zu finden ist. Vielmehr verräth sich in denselben die tiefste Befangenheit. Zwei Dinge kann man an der Seine nicht vergessen: daß seit Richelieu die Fran- zösische Politik an den kleineren Deutschen Fürsten Stübpunkte gefunden, und daß seit Napoleon die Rheingränze gesichert schien. Wie mit dem Jahr 1815 eine neue Aera begonnen und Französischer Einfluß an Deutschen Höfen nicht länger an der Tagesordnung; wie es seitdem ein Rheinpreußen giebt ; wie ein Eroberungs - Krieg nicht in dem Geiste der Zeit, und darum vorerst, und wer weiß wie lange noch, die Diplomatie die Hauptrolle spielt, die Feder das Schwerdt in der Scheide hält; wie unter solcher Konjunktur leidenschaftli<he Ausfälle auf fremde Regierungen keinen Eindru> mehr machen; das Al- les übersehen die Pariser Journalisten entweder unbewußt, oder aus dem zureichenden Grunde, daß sie doch den Zweifel an der Fortdauer des Europäischen Friedens nicht ganz dürfen einschla- fen lassen, weil sie sonst bald aufhôren würden, Leser zu finden. An Belegen zu der vorstehenden Behauptung von der Jgnoranz der Pariser Publizisten, wenn sie von Deutschen Angelegenhei- ten sprechen, fehlt es nicht, und wir werden es uns zur Pflicht machen, von Zeit zu Zeit damit aufzuwarten.“/

Schweiz.

Neuchatel, 1. Juli. Die Bürgerschaft von Valangin hielt heute ihre dreijährige, periodische Versammlung. Es fand ein ungeheurer Zusammenfluß von Bürgern zu diesem sc{dnen Feste statt, das von dem heitersten Himmel begünstigt wurde. Ueber 6000 Personen drängten sih um die Tribúne, wo die vom Volke erwählten Magistratspersonen erschienen, um Rechenschaft abzulegen über den Antheil, welchen die Bürgerschaft an den wichtigen Ereignissen der drei lebten Jahre genommen. Ein- stimmiges Beifallrufen empfing sie, so wie den Bericht des Schaßmeisters und die Rede des Ober-Bürgermei sters. Der Ruf : „Es lebe der König! es lebe die Bürgerschaft!“ ertönte jeden Augenbli>k aus den dichtgedrängten Reihen eines Volkes, das glücklich ist, dur< seinen Muth und seine Biederkeit sich den Schuß eines Königs, der es liebt, und freier Jnstitutionen, auf die es mit Recht vertraut, erhalten zu haben. Die Versammlung war noch nie so zahlreich; 601 junge Leute kamen, um den Bür- gereid zu s{<wören. Und unter diesem ungeheuren Zusammen- fluß von Bürgern aus allen Theilen des Landes nicht ein Ver- such, die Ordnung zu stôren; der vollkommenste Einklang herrschte überall. Alle hatten nur ein Gefühl, die Liebe zu dem Könige N den National-Jnstitutionen und das Gefühl der wahren

reiheit.

. Zürich, 1. Juli. Die (bereits mitgetheilte) Antworts- Note des Vororts ist gleichlautend an sämmtliche Gesandten, so- wohl an die der Deutschen Staaten, als an den Gesandten von Sardinien. Durch dieselbe wurde den Wünschen dieser Mächte entsprochen, so daß auch sofort alle hemmenden Paß - Verfügun- gen zurückgezogen werden. Man hat nun Grund, zu hoffen, daß auch die freundschaftlichen Verhältnisse derselben mit der Schweiz völlig wiederkehren. Sehr merkwürdig war die Sisung unsers großen Raths, in welchem die gemäßigte freisin- nige Partei einen vollkommenen Sieg über die Radikalen er- fochten hat, die jebt freilich, thätig wie sie sind, wieder alle Mit- tel in Bewegung je6en, den sehr gefährdeten Einfluß wieder zu gewinnen. Nicht, daß nun Alles mit einem Male entschieden wäre. Es wird der gegenseitigen Siege noch mehrere geben. Aber wichtig ist diese bedeutende Niederlage der Radikalen wäh- rend des ganzen großen Rathes bei allen Haupt - Abstimmungen darum, weil sie als Wendepunkt des bereits über den Gipfel „hinaus vorgeschrittenen radikalen Systems anzusehen is. Auf der Tagsaßung wird diese Ansicht no<h viel mehr vorherrschen, und Bern wohl mit Basel - Landschaft und theilweise Luzern in der Minderheit bleiben.

Italien;

Rom, 26. Juni. (Allg. Ztg.) Nachrichten aus Nea - pel besagen, daß der Vermählung des Prinzen Leopold mit der Tochter des Königs der Franzosen no<h große Hindernisse ent- gegenstehen. Man behauptete sogar schon, diese Verbindung sey ganz rúcégängig geworden, was jedoch der Fall nicht ist.

In dem Konsistorium vom 2lsten d. sind außer vier Kar- dinâlen no<h 19 Bischöfe in verschiedene Theile der katholischen Christenheit ernannt worden. Auch mehrere Ernennungen von Staats-Beamten wurden bekannt gemaht Der Papst hat er- klärt, sehs Kardinäle in Petto zu behalten. Jn dem heutigen Konsistorium erhielten die Eminenzen Canali, Bottiglia und Po- lidori ‘den Kardinalshut aus den Händen des Papstes.

Schon seit mehreren Tagen geht die Sage, daß ver Papst gesonnen sey , eine allgemeine Amnestie zu erlassen, welche eine große befreundete Macht anempfohlen habe. Manche Familien würden sih hierdurch glücklich fühlen, die Jhrigen wieder in ih- rer Mitte zu sehen, und mancher junge Mann, der eine etwa- nige jugendliche Uebereilung dur<h alle Leiden der Verbannung auf fremdem Boden lange und theuer gehüßt hat, würde seinem Vaterlande wiedergegeben werden.

Die Rômer glauben, Dom Miguel werde zu ihnen kom- men, ohne daß man jedoch andere bestimmte Nachricht hätte, daß er Rom zu seinem Aufenthalte gewählt habe. Als sicher hatte man die Ankunft von Don Carlos angesagt, was aber durch die Nachrichten aus England vorerst widerlegt wird.

Spanien.

Die Tímes enthält Folgendes aus Madrid vom 21. Juni: „Quesada erreichte, ungeachtet seines zurückstoßenden We- sens Und seiner daraus folgenden Unpopularität bei der Armee, den Gegenstand seines Chrgeizes durch seine Ernennung zum Ober-Kommando der Garde zu Fuß, wodurch er ohne Zweifel einen größeren Einfluß auf die Königin - Regentin zu haben glaubt. Hierin findet er sich wahrscheinlih getäuscht, da neue Interessen bei Hofe entstanden sind, seitdem erx ihn verlassen hat, und. die er nicht so leicht überwinden wird. Das Amt eines General - Capitains von Alt- Castilien, welches Quesada, zugleich mit tem Kommando der Operations- Armee, verwaltete, ist dem Don Jose Manso, welcher provisorisch, während Que- den Geschäften vorstand,

verliehen worden. Die Wärde eines Vice - Königs yg

Navarra ist dem General Sarsfield ohne Ersaß dafür abgenom: men und, nebst dem Kommando der Armee, dem General Rodi{| Übertragen, der, wie man hofft, in der Unterdrückung der An surgenten bessere Fortschritte machen wird, als seine zahlreigen Vorgänger. Die Truppen, welche er mit sih führt, sind ohte L Zweifel in vortrefflichem Zustande; aber unglücklicherweise sin Þ die Ursachen der Unzufriedenheit noch so stark, wie jemals, und E es ist kein leichtes Geschäft, ein ganzes Volk zu bezwingen, d, | man die Bewohner dieser nördlihen Provinzen als in einen E Zustande unfreiwilliger Unterwerfung betrachten kann. Wir di, | fen uns nicht schmeicheln, daß die Vertreibung des Don Carl; | von der Halbinsel irgend eine große oder unmittelbare Wirkun E auf die Beruhigung dieser zerrütteten Provinzen üben werd, E Man sagt, daß den Naflbvern der Insurgenten Bedin, | gungen angeboten seyen, und daß eine oder mehrere A sonen den General Rodil begleiten würden, die ermig, F tigt seyen, mit ihnen auf die Grundlage der Annerkennung N rer alten Vorrechte zu unterhandeln. És ist auch vorgeschlagen, F daß der Oberst Caradoc, der sich no<h in Madrid aufhält, uy F sih von Seiten der Englischen Regierung in dem Hauptqua; F tiere des Generals Rodil in Portugal befand, von unserer R, gierung aufgefordert sey, als Vermittler bei den Jnsurgent, E aufzutreten, und es ist nicht zu bezweifeln, daß dies versöhnen, E Verfahren, verbunden mit dem negativen Vortheil, daß er, für einen Feind gehalten zu werden, si<h in das Lager des Zu malacarreguy begeben kann, den Weg zu einer allgemeinen Au sôhnung bahnen wird. Die Regierung ist jedoh no< ni<t Vi, F lens, mit den Rebellen unter anderen Bedingungen, als der unbeding F ten Unterwerfung, zu unterhandeln; indeß hat Gen. Rodil einen seh} fähigen Rathgeber bei sich in der Person des General Cordova, der ihn als Chef seines Stabes begleitet. Dieser Cordova wq | befanntlih während des Zea’shen Ministeriums Gesandter h Dom Miguel und kehrte, nah dem Tode Ferdinand's VIl.,, F geblich, weil er nicht mit den ndôthigen Jnstructionen versehq sey , von Coimbra nah Madrid zurück. Die Straße nach C4 F rabanchel war heut Nachmittag schr lebendig. Das Terrain E in der Nähe der Königl. Residenz zu Vista- alegre eignet s F ungemein gut zu einer Musterung, die wegen der außerorden: E lichen Hiße ert spät abgehalten wurde. Um 6 Uhr trafen di, F Königin und die Königin-Mutter in einem offenen von aht F Maulthieren gezogenen Wagen ein, nur von der Wärterin de jungen Königin begleitet. Die Königin -Regentin war, wie im E mer, auf die möglich einfachste Weise gekleidet, aber die kleine E Jsabella trug cine Tiara von Brillanten und schien die Begrüßungen F und Vivas, welche sie empfing, als der Hof längs der Front hinab F

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fuhr, mit großer Lebhaftigkeit anzuerkennen. Der Ruf: „Es lebedi F Königin - Regentin !‘“/ wurde indeß weit häufiger gehört, als ir F gend ein anderer, sowohl von den Vornehmen, als von de Menge, so daß den Nachrichten, als sey die Königin - Regentin F in der Popularität gesunken, kein Glaube zu schenken ist. Den Wagen der beiden Königinnen folgte der des Infanten Dn Francisco , der seine Gemahlin und seine beiden ältesten Söhne bei sih hatte, aber der Jnfant Don Sebastian, Sohn der Prin zessin von Beira, erschièn nicht. Die Sönne war untergegan gen, ehe sich die Linie in Compagnieen aufgestellt, um vor der Königin und dem glänzenden Gefolge, das, mit Rodil an de Spibe;/ den Königlihen Wagen umgab, vorbeizumarschiren, F und lange, ehe das Geschäft des Tages vollendet war, zeigten die Feuer auf den Höhen von Carabanchel, daß Vorbereitungen getroffen waren, die Nacht im Freien zuzubringen. Früh am Morgen wird die Armee ihren Marsch nordwärts beginnen, und nach dem Ansehen der Leute auf dem Felde zu urtheilen, kann man erwarten, daß sie den Ruf, welchen sie wegen schneller Märsche und strenger Mannszucht während des kurzen, abe glänzenden und erfolgreichen Feldzuges in Portugal erworben haben, sich erhalten werden. Der Eintritt Toreno's in das Ka binet ist, wie zu erwarten stand, durch so häufige Sitzungen der Minisker bezeichnet, wie bisher ohne Beispiel war. Noch is E der Gegensiand dieser täglichen und nächtlichen Berathungen F nicht bekannt, aber es ist kein Zweisel, daß es Toreno gelin F gen wird, seinen Kollegen einen Theil seiner Energie mitzuthei len, deren Mangel vielleicht der größte Fehler des ‘Premier-Mi F nisters, Martinez de la Rosa, ist. Die erwartete Ernennunz f Carnero’s zum Unter-Secretair für die auswärtigen Angelegen F heiten und Yriarte's zu demselben Amte im Finanz-Departement| trägt bedeutend bei zu dem Vertrauen auf die Stärke der Re gierung.

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E Yriarte is so eben in der Würde cines Jutendanten von Havanna zurückgekehrt, wo er Alles gethan hat, was in seiner Macht stand, um die Handels-Verbindungen zwischen den Spanischen Juseln Cuba und Portorico und den Vereinigten H Staaten zu erleichtern, woraus man schließen kann, daß er, un:

Ober - Aufsicht Toreno’'s, ein besseres und freie} res System in Bezug auf die Handels - Verhältniss Spaniens „zu anderen Nationen Europa's aufstellen wird, Der Wahlbezirk von Madrid hat bereits die ihm durch das Kd nigliche Statut und das reglementarische Supplement übertrage F nen Pflichten erfüllt und 12 Wähler ernannt, die mit ihren Kol F legen aus den anderen Bezirken gemeinschaftlich die 5 ‘Prokura f doren zu wählen haben, durch welche die Provinz Madrid in den | Cortes vertreten werden soll. Die Proceres- Liste hat einige f Murren erregt, besonders unter dem Handelsstande und unte F den geborenen Granden, unter dem Ersteren, weil Keiner von dieser Körperschaft zu jener beneideten Würde erhoben worden ist, und unter den Lelzteren, weil sie sich unter emporgekommen?

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Soldaten und andere Männer von gestern mischen und von ih bere E geichlossen haben, der

nen überstimmen lassen follen. Die Cholera is leider in de Festung Gibraltar zum Ausbruch gekommen,“

Jn einem von Französischen Blättern mitgetheilten Schreiben aus Madrid vom 23. Juni heißt es: „Der Ge neral-Major Don Louis Fernandez de Cordova, früher Spani scher Gesandter in Portugal, ist zum Commandeur einer Divi sion der Armee des General Nodil ernannt worden und soll au: | genbli>lih aufbrechen, um seiner Bestimmung entgegenzueilen. Der große Gegenstand des allgemeinen Interesses sind jest die f nahe bevorstehenden Wahlen. Hier, so wie in Barcellona, schmeichelt sich die Regierung, und das nicht ohne Grund, daß nur auf solche Personen die Wahl fallen wird, die durch ihre Einsicht und Vaterlandsliebe bekannt sind. Man glaubt, daß in | Madrid einige unserer bedeutendsten Kaufleute, darunter dit Herren Juan Domingo Valmaceda und Joseph Gargollo, bei weitem die Stimmen- Mehrheit davontragen werden ; diese bei den Genannten zeichnen sich aus dur< Beweise der Anhänglich/ feit, die sie der Königin gegeben haben, und durch den Edel muth, womit sie die Regierung in Geld - Verlegenheiten unte'- stúßkten. Der Leßtere, ein erklärter Freund eines wohlorga"1sir ten öffentlichen Kredit-Systems, zeigte einen streng re<ztlichen | Charakter in seinen Bemühungen, die Intriguen zu enthúällen, F

Und verdienen Meine ganze Erkenntlichkeit.

Ordnung und Ruhe an,

die man na< dem Tode Ferdinands VIl. anwandte, um von der Verlegenheit des Schaßes Nutzen zu ziehen und die Köni- gin Mutter in lästige und drückende Verbindlichkeiten zu ver-

wickeln.‘

Das Journal des Débats meldet unter Madrid vom 23. Juni: Das Rodilsche Armee-Corps hat seine Bewe- gung gegen die .insurgirten Provinzen begonnen. Es wúrde shwer seyn, den Enthufiasmus zu schildern, den die Ankunft dieses Generals und eines Theils der Truppen, die ihn begleite- ten, in der Hauptstadt erregte. Seit langer Zeit hatte sich kein ähnlicher Ausbruch der allgemeinen Freude in unseren Mauern gezeigt, und was wir für unmöglich halten würden, wären wir ni<ht Augenzeugen davon gewesen, es schien sogar, als würde diese Begeisterung selbst von den Karlisten getheilt, Mitten un- ter den öffentlichen Freudenbezeigungen, zu denen die Gegen- wart Rodils in unseren Mauern Anlaß gab, sah man Urbanos und Königliche Freiwillige, Cristinos und Karlisten auf einen Augenbli vereinigt, und man hätte in diesem Moment verge- bens nach den Spuren der uns noch zerfleischenden Bürgerzwi- stigkciten suchen können. Die Truppen fanden sich durch den ihnen zu Theil gewordenen Empfang äußerst geschmeichelt, und nah ihrer Haltung, nach dem Eifer, den sie für die Vertheidi- gung ihrer jungen Königin zeigen, so wie nah dem Vertrauen, das ihnen der erfolgreiche Feldzug in Portugal eingeflößt hat, zu urtheilen, können die undisziplinirten Schaaren Zumalgcarre- guy's den von Rodil geführten Truppen unmöglich Widerstand leisten. Die Ernennung des Grafen von Toreno hat einen gün- stigen Einfluß auf unsere Börse gehabt, und Alles läßt glauben, daz es seinen Talenten und seiner Geschicklichkeit gelingen wird, Spaniens Kredit wiederherzustellen, den die frühere Regierung dadurch zum Wanken gebracht hatte, daß sie sich hartnäkig wei- gerte, allen Verbindlichkeiten Genüge zu leisten; auch ist der Vertrag, den die Regierung so eben mit den Herren von Roth- schild abgeschlossen hat, hier um so günstiger aufgenommen wor- den, als man darin son einen ersten Schritt auf dem neu betretenen. Wege gethan sehen will.“

Unter den Nachrichten, welche das Journal de Paris aus Madrid vom 23. Juni enthält, befinden sich folgende Neu-

igfeiten: „Ungeachtet der guten Folgen, welche der freie Verkehr

in allen von der Cholera heimgesuchten Ländern Europas gehabt hat, ist von Seiten unerer RNegietung doch der Befehl ‘erlassen worden, um alle Städte Andalusiens, wo diese Krankheit herrscht, Sanitäts --Kordons zu ziehen. Zu Sevilla und Badajoz hat diese Maßregel weit mehr Unheil angerichtet, als die Krankheit

© selbst. Jn Timblegua hat man für die aus Cordova und Andu-

jar fommenden Reisenden eine Quarantaine errichtet. Im Theater zu Barcelona soll es bei Gelegenheit eines Gesanges,

| der von dem ‘Parterre gefordert wurde, zu einigen Unruhen ge- fommen seyn. —— Die Regierung is Über das Auftreten eines

Vereins, der sich den Namen Jsabelinos beilegt, nichr ganz ohne Besorgnisse. Das Ministerium - hat“ anbe- sohlen, daß eine Kommission mit der Anfertigung cines Gesehß- Entwurss über die Verantwortlichkeit der Richter beauftragt werden soll. Präsident dieser Kommission ist Herr Garcia Her- reros, ein allgemein geachteter Mann. Es geht das Gerücht, daz der Graf von Toreno ein Manifest erlassen werde, worin er die Nation von den guten Absähten der Regierung, die Jn- teressen aller Bürger mit einander in Einklang zu bringen, be- nachrichtigen wolle. Man seßt große Hoffnungen auf den Pa- triociómvs dieses Ministers. Gebe der Himmel, daß man sich nicht täusche. Es is jet gewiß, daß die Cholera in Murcia ausgebrochen ist. Für die Division des General Rodil, die 8000 Mann und zwei Batterieen umfaßt, und übermorgen nach Navarra abgeht, sind 400 Wagen in Requisition genommen worden.“

Die Sentinelle des Pyrenées giebt folgende Nachricht von der Spanischen Gränze vom 1. Juli: „Fünf- hundert Jusurgenten haben si<h mit ihren Waffen dem General gJriarte zu Corranza ergeben und um die Amnestie nachgesucht. Die Behörden von Murcia haben am 17. Juni einen Befehl erlassen, wonach alle übelgesinnte Personen, welche beunruhigende Nachrichten ber den Gesundheits-Zustand der Bevölkerung ver- breiten, als faktische Stôrer der öffentlichen Ruhe betrachtet wer- den sollen. Zumalacarreguy hat, in seiner Eigenschaft als Ober- Befehlshaber, die Stadt Bergara zur Ucbergabe auffordern las: sen, Vor Kurzem näherten sich zehn Französische Ueberläufer den Vorposten der Königlichen Truppen zu Jrun und wurden zweimal auf die übliche Weise angerufen ; da aber nur die Ant- wort „.France“* erfolgte, so wurde Feuer gegeben, und zwei der Ueberläufer erhielten Wunden. Das Haus des General Mina zu Coruña wird zu seiner Aufnahme im Stande gesest. /

P ortugal.

Bei seiner Entfernung aus Portugal hat Dom Miguel fol- gende Proclamation an seine Armee erlassen: „Soldaten! Die Tapferkeit, die Jhr immer gezeigt habt, so oft Jhr aufgefordert wurdet, für Meine Krone zu fechten, die Treue, die Jhr mitten in dem schwierigen Kampf, in den wir verwickelt waren, für Meine Person bewieset, machen Euch des größten Lobes wúrdig Seitdem jedoch die

* drei großen Mächte, England, Frankreich und Spanien, in Ue-

bereinstimmung mit der Lissaboner Regierung, einen Traktat ab- dahin abzielt, Mich zur Entfernung

aus diesem Königreich zu nöthigen, würde die Fortdauer | des Krieges nur zu unnúükbem Vergießen des Mir so } theuren Portugiesischen Blutes führen. Diese Rücksicht allein bewegt Mich, Euch zu verlassen. Die Verträge Und - Anordnungen, die aus diesem Beschluß hervor-

gehen, sind abgeschlossen und werden Euch baldigst mitgetheilt Werden; Jhr werdet dann erfahren, was für Eure Sicherheit ausgemacht worden is, Nicht der Mangel an Vertrauen zu Euch hat Mich zu diesem Verfahren veranlaßt, sondern die Ueber- ötUgung von der Unmöglichkeit, den Entschluß der uns entge- getistrebenden Mächte zu besiegen, und der Wunsch, unserem

Y theuren Vaterlande das Unheil zu ersparen, dem es durch die

egenwart fremder Waffen ausgeseßt seyn würde. Jch habe Ursache, von Eurer Mannszucht und von Eurem Gehorsam ge-

j gen Meine Person, so wie von der Liebe, die Jhr Mir stets | bewiesen habt, zu hoffen, daß sich die Truppen in dieser Krisis ¡wie Portugiesen benehmen

werden, die es werth sind, ihrem deshalb empfehle Jch Euch nochmals wofür Jch die Commandeurs und Ofpnziere aller Grade verantwortlich mache. Jhr wer- det eingedenk seyn, daß Jh von Euch keine Handlung der Schwäche verlange, sondern ‘nur Resignation, indem Ihr

Könige zu gehorchen;

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der Uebermacht weicht, die sich in Folge des obenerwähnten Traktates anschi>t, dieses Land zu überschwemmen. Jhr werdet diese Grunde, welche die Klugheit an die Hand giebt, um Un- glücksfällen vorzubeugen, welche die Leiden dieses Landes aufs Höchste steigern würden, nah Gebühr zu würdigen wissen. Noch einmal empfehle Jh Euch Ordnung und Resignation an. Seyd versichert, daß Jch Eure Tapferkeit, Eure Ausdauer und Eure Treue niemals vergessen werde. Traget also dur< Euer Benehmen zum Wohl unseres geliebten Vaterlandes bei. Jm Palast von Evora, 27. Mai 1834. (gez.) Miguel.“

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__, In einer Privat-Korrespondenz der Times aus Konstan- tinopel vom 8. Juni heißt es: „Die Krisis in der Türkei ist sehr nahe und verdient die ernstlihste Aufmerksamkeit. Herr Rückmann, der frühere Russische Agent zu Nauplia, der jeßt als Geschäftsträger in Konstantinopel fungirt, erhielt in voriger Woche noch einen Agenten zu seinem Beistande, der mit einer besonderen Mission hier ankam, und Herr Butenieff soll noch vor Ende dieses Monats als Botschafter hierher zurückkehren. Was die Zukunft des Türkischen Reichs anbetrifft, für den Fall, daß es zu keiner Jnvasion käme, so herrschen darüber zwei sehr von einander abweichende Ansichten, Die Einen behaupten, daß eine Regenerirung der Türkei nöglich sey, und daß sich durch die Einführung von Schulen und durch die Wiedereinrich- tung von Munizipial - Behörden die Civilisation würde ver- breiten lassen, während Andere, die ihre Meinung auf lange Erfahrung und Bekanntschaft mit dem Charaf- ter der Tärken stúßen , eine Verbesserung des jebigen Zustandes für unmöglich halten, wenn nicht das ganze gesell- schaftliche Gebäude bis in seine Grundvesten ershüttert würde. Nach ihrer Ansicht wÜrde der von der Regierung jeßt angenom- mene Plan nur dazu dienen, einen Militair-Despotisrnus in den Provinzen zu begründen, vermöge dessen jeder Pascha in Friedens- zeiten eine noch tyrannischere Herrschaft ausüben würde, als früher. Die Aussichten für die diesjährige Aerndte in der Türkei kann man gut nennen, namentlich in Macedonien, wo die Aussaat in die- sem Jahre bedeutender war, als jemals, weil der Pascha im vorigen Jahre das Getraide gut bezahlt hatte, Der Sultan hat eine große Truppen - Macht bei Sivas in Klein - Asten zu- sammengezogen und sie unter das Kommandos des ehemaligen Groß- Wesirs, Redschid Pascha, gestellt, der von Jbrahim Pascha in der Schlacht bei Koniah gefangen genommen wurde und vor Begierde brennt, diese Schmach zu rächen. Einige glauben, diese Streitmacht solle dem Pascha von Bagdad zu Hülfe cilen, dessen Unwissenheit und Ohnmacht so groß sind, daß sogar die halbe’ Stadt von Arabern regiert wird und alle umwohnende Stämme ganz unabhängig sind; Andere aber behaupten, und nicht ohne Wahrscheinlichteit, daß man sie gebrauchen wolle, um von den beiden festen Pläßen Orfa und Ratta Besis zu nehmen, die den Euphrat beherrschen, und die der Aegyptischen Regie- rung sehr in die Augen stechen. Die Bezirke um diese Pläße waren die ersten, welche Jbrahim Pascha vor zwei Jahren im Norden von Syrien eroberte; es hieß, sie gehörten zum Pascha- lik Diarbekir, und so wurden sie zurückbehalten. Nach dem Ra- mazan im Februar dieses Jahres publizirte die Pforte ein Ver- zeichniß der Paschaliks, in deren Besis sie Mehmed Ali und Ibrahim Pascha bestätigte; Diarbekir aber verlieh sie einem An- deren. Orfa und Rakka sollen für Jbrahim Pascha von großem Nusen seyn, weil sie ihn in den Stand seben, die Einfälle der Arabischen Stämme abzuhalten, und statt“ sie nach zweijähriger Occupation wieder abzugeben, verlangte er, als dies neulih von ihm gefordert wurde, daß ißn die Pforte förmlich damit belehnen sollte. Darauf erfolgte ohne Weiteres eine abschlägige Antwort, und jet behauptet man nun, daß diese beiden Pläße ein Zank- apfel werden könnten. Gutunterrichtete Personen, welche versi- chern, daß im Anfange dieses Jahres Agenten von Mehmed Ali im Persischen Meerbusen angekommen seyen und behauptet hätten, die Pforte sey mit Mehmed Ali dahin übereingekommen, daß er im Laufe dieses Jahres Bagdad und dessen Dependen- zien in Besilz nehmen solle, scheinen zu glauben, daß ihm Orfa und Rakka unentbehrlich seyen, um úber den Euphrat zu gebie- ten und die Karavanen zu beshÜßen, vielleiht au<, um Bag: dad Unter dem Aegyptischen Joch zu erhalten; sie halten daher einen Bruch zwischen Redschid Pascha und Ibrahim Pascha, in den au<h Rußland, England und Frankrei<h verwickelt werden könnten, für unvermeidlich. Unter den jeßigen Um- ständen würde, so weit die Reisenden dabei betheiligt sind, die gute Politik der Aegyptischen Regierung den Handeltreibenden am Euphrat, wo die Bôte gewöhnlich ohne Gnade von den Ara- bern geplündert werden, zu großem Vortheil gereichen, denn un- ter Ibrahim Pascha’'s Regierung wagt es kein Araber, auf der Landstraße zu rauben. Jm Paschalik Skodra hat sich eine Association gebildet, um si< der neuen Truppen - Aushe- bungen, die jeßt auf Befehl des Sultans vorgenommen wer- den, zu widersezen. Für die außerordentlichen Festlichkeiten, welche der Sultan bei Gelegenheit der Vermählung seiner Toch- ter veranstaltete, giebt man zwei Gründe an: erstens, weil es ihm dadurch möglich gêworden sey, für sich und seine Tochter unge- heure Geschenke aufzubringen, für die sich nachher freilih die Paschas durch Erpressungen an den Rajahs entschädigen werden, und dann, weil es ihn in Stand se6te, eine Anzahl von Großen des Reichs um sich zu versammeln, und fie úber cinige wichtige poli- tische Gegenstände um Rath zu fragen. Mehmed Ali's Agent, Habib Efendi, ritt nicht in dem feierlichen Zuge mit, weil er“ sich ge- weigert hatte, seinen Bart na<h der vom Sultan cingefüßrten Mode zustußen zu lassen und die neue Uniform zu tragen. Ehe ich diesen Brief schließe, muß ih noch erwähnen, daß in den leßten vierzehn Tagen über 120 Schiffe von allen Nationen im

hiesigen Hafen anlangten, ein Zeichen, daß es mit dem Handel

sehr gut |teht; da der Wind sich nah Süden gewendet hat, so konnten viele derselben, die“ bis dahin vor den Dardanellen lagen, hierher gelangen. Das Gerücht von bedeutenden Un- ruhen, die in Erzerum ausgebrochen seyn sollten, möchte wohl Li A Bean beruhen O noch daher schreiben, daß

rzlich in jener Gegend einige Ruhestörungen i aber bald unterdrückt wurden.“ M R

Griechenland.

Das Münchener Tagblatt vom 5. Juli meldet: Ein Schreiben aus Nauplia vom 1. Juni, welches vorgestern hier ankam, berichtet, daß der Prozeß des Kolokotroni am folgenden Tage beendet werden sollte; das Tribunal schien sih auf Seite der Angeklagten zu neigen. Jn der Maina ist schon ein Tref-

fen vorgefallen, und zwar zum Nachtheil der Bayern; bis jest haben wir erfahren, daß von Lebteren sehr viele verwundet und 14 Gemeine getödtet wurden; Öberlieutenant Mann wurde ge-

fangen. Die Mainotten sind ein wildes, fanatishes Volk, Weis ber und Kinder fohten. Jm Peloponnes und in Rumelien scheint es unruhig zu werden. (Briefe von neuerm Datum er- wähnen dieses lesteren Umstandes nicht, sie berihten vielmehr, daß bereits ein großer Theil der Maina unterworfen worden e E nah allen Aeußerungen, nicht ohne vieles Blutver-

A R E

_ Berlin, 11. Juli, Nachdem Se. Königl. Hoheit der Kron- prinz von Seiten des Direktoriums des Hülfs - Vereins für Pferde- Zucht und Pferde-Dressur zu A nkíam um die Ueber- nahme des Proteftorats dieses Vereins unterthänigst ersucht worden, haben Hochdieselben an den Vorsißenden das nachfolgende huldreihe Schreiben zu erlassen die Gnade gehabt :

„Indem Jch Jhnen für die Uebersendung des dritten Jahres-Berichts des Húülfs-Vereins für Pferde-Zucht und Pferde-Dressur aufrichtig danke, benachrichtige Jh Sie gleich- zeitig, daß Jch die Mir angetragene Stelle als Protektor des gedachten Vereins mit Vergnügen annehme.

Colberg, 10. un 1834. gez.) Friedrih Wilhelm, Kronprinz. An den Grafen, Hrn. v. Schwerin - Pu6ar N Pusar.‘/ e

Nach einer hier eingegangenen telegraphischen Nachrichr aus Koblenz ist Jhre Majestät die Königin von Großbritanien gestern Nachmittag um 3 Uhr im besten Wohlseyn dort einge- trossen, und wollte heute Jhre Reise über Rheinstein und Wies- baden fortse6en.

Wissenschaftliche Nachrichten.

Zur Berichtigung des Friedland - Wallensteinschen Prozesses.

Unter der Ueberschrift: „Wallenstein, wenn auch kein Hochverräther, dennoch ein Verräther“, ist aus einem, zu Weißensee erscheinenden Blatte in mehrere andere öfentliche Blät- ter ein Aufsaß Übergegangen, in welchem, mit Berufung auf ein handschriftliches Tagebuch eines Adjutanten des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar, welches si<h auf den Bibliotheken zu Gotha und Meiningen befindet, die in F. Fdrster's Biographie Wallenstcins versuchte Freisprechung des Herzogs von Friedland in Zweifel gezogen wird. Seit mehreren Fahren bemüht, die Ge- schichte Wallensieins aufzuklären, versäumte der Unterzeichnete nichr, die genannte Handschrift an Ort und Stelle einzusehen. Jenes Ta- gebuch führt folgenden Titel:

„Des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Bern- harden des Großen, Herzogen zu Sachsen, Fülich, Kleve und Berak 2c. Höchst - Preiswürdigste Heldenthaten, welche derselve

- nach tbdtlichem Aogana des Glorwürdigsten Königs der Schwe- den, Gustavi Adolphi, bis an Sein Seel. Ende von ao. 1632 bis

1639 verübet, wie solche von Herrn Johann Christophen von der

Grün Seel. bei Hdchstgedacht Sr. Fürstl. Durchlaucht gewesenen

General-Adjutanten mit -allem Fleiß aufgezeichnet und aus dessen

dtudium (?) verfaßt worden.

Da bereits der fleißige und gewissenhafte Rh ese in seinex Bio= graphie des Herzogs Bernhard diese Handschrift - benußt hat, durfte ih nicht erwarten, besonders neue Aufklärungen zu fin- den, auch versicherte mir Herr Professor U>kert in Gotha, daß er in dem genannten Tagebuche nichts bemerkt habe, wodurch ein Vec- dacht gegen Wallensteins Treue begründet werde; dieselbe Ansicht theilte Herr Bibliothekar Bech stein in Meiningen, dessen Gefäl= ligkeit ih die Mittheilung der Handschrift selbs verdankte. Dieses Tagebuch enthält nicht, wie ih vermuthete, irgend eine Korrespon- Gri iden Wallenstein und Bernhard,’ sondern nur allgemeine Gerüchte in derselben Weise, wie sie das Theatrum Europäum mit- theilt. Die einzige bezügliche Stelle. in jenem Tagebuche heißt:

, Unterdessen verhängte der liebe Gott, daß der Herzog votr Friedland, welcher eine lauge Zeit im Reiche tyrannisirt und gewüthet, Sich seiner wohlverdienten Strafe näherte, denn Geiz und Ehr- geiz/ fremdes Gut und Blut zwang JFhn, daß er sein z¿ornig ftolzes Gemüth nicht mehr verbergen konnte, sondern trachtete dem Rd- mischen Kaiser nach der Cron des Königreichs Böhmen und weil- len er darúber degradirt und entseßet worden (also erst nachdem er für vogelfrei erklärt worden war), wollte er mit etli- chen Jhm beipflihtenden Officieren und Regimentern zu den Evan- gelischen stoßen, suchte und begehrte derowegen nicht nur allein bei Chursachsen, sondern au< bei Jhro Fürstl. Gnaden Herzogen Bernharden eine Conjunction. Dieser aber als cin hochverftändiger Fürst wollte dem Handel nicht trauen 2c.//

Ausführlicher und mit Aktenstücken belegt, wurde bereits in der Biographie Wallensteins (S. 276 U. f.) diese Verbindung Wallen- steins mit Herzog Bernhard erörtert, und hat jenes Tagebuch die dort ausgesprochene Ansicht in keiner Weise zu widerlegen oder auch nur zu berichtigen vermocht.

F: Fdbrfter.

Meteorologische Beobachtung.

1834. Morgens Nachmitt. | Abends | Nah einmaliger 10. Fult. | 6 Uhr. 2 lhr. | 10 Uhr. Beobachtung.

| ér Luftdru>>.. (336,8 a"Par.|337, 0 3 "’Par./337, 2 2 Par fQuellwärme 8,0 ° R.

Luftwärme | 18,5 °R. | 19,0 ®R. | 14,8 °R. ;

Thaupunkt 10,0°R. | 10,5 °R. | 9/9 R. s5lufwärme 19/7 °R.

Dunstsättg.| 57 pCt. 52 pCt. | 68 pCt. [Bodenwärme 14,3 ° R.

Wetter... trübe. halbheiter. | heiter. biuédüna 6 :

Wind... RW. NW. | WNW. i, 0,1 9 1“ Rh,

Wolkenzug | _— NW. | 24 iedershlag 0. i C

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 6. Jali. Niederl. wirkl. Schuld 514. 53 do. 973. Kanz-Bil!. 23,1, Span. dg 667. 39 474. Zinsl, 18,

Antwerpen, 5. Juli, Span, 55 64x. 35 4645. Zins]. 17}. Neap. 90. Belg. 981.

G v C Ann Et a. M, 8. Juli, y

esterr. 575 Metall. 100,7. 100,5. 48 91%. 91. 212 542, Br. 18 232. Br. Bank - Actien 1543. 1542. Part. T Br. Loose zu 100 FI. 2094. Br. Holl. 5g Obl, v. 1832 952, 956, Poln. Loose 66. 655. Preuss. Präm.-Scheine 572,571. do. 45 Anl 945, Br. 5 Span. Rente 71, 703. 38 do, perp. 475. 471. j