1834 / 261 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Königl. Preis von 12,090 Fr. abgehalten. Pferde dazu angemeldet worden.

Gestern fand hier ein Duell statt, das einen besonders Nachdem einer der Kämpfenden

traurigen Ausgang nahm.

Es sind bis jest 5

sein Pistol abgefeuert und anscheinend gefehlt hatte, stellte er sich hin, um auf sich schießen zu lassen, und erhielt, nachden lange auf ihn gezielt worden war, einen Schuß in den Kopf, der

ihn sogleich todt zu Boden strec>te. stúrzte auch jein Gegner zur Erde, und gab sogleich seinen Geist auf. Die zuerst abgeschossene Kugel war ihm dur< den Arm in die Brust gedrungen ; aber er hatte dessenungeachtet Kraft und Kaltblütigkeit genug gehabt, seinen Gegner rihtig ins Auge zu fassen. Man \agt, daß beide Gegner durch einen doppelten und gegenseitigen Ehebruch zu diesem Duell veranlaßt worden seyen. Jn Poitiers wurden am 7ten d. die Sibungen der dort Zet ereect a Versammlung von Gelehrten, Aerzten und aturforschern oder des sogenannten „wissenschaftlichen Kongresses““ eröffnet. Es hatten sich dazu aus allen Gegenden Frankreichs 176 Personen eingefunden. Herr von Caumont wurde zum Präsidenten und die Herren Boncenne “von Poitiers und Julien von Paris zu Vice-Präsidenten erwählt. In Badyo9”,ne wird nächstens ein neues ministerielles Blatt unter dem Titel „l’Echo de la Péninsule‘/ erscheinen.

Großbritanien und Jrland.

London, 13. Sept. Man schreibt aus Dublin vom 10. Sept. : „Die Aufregung in Jrland gewinnt ein eigenthümliches Ansehen. Während das Geseßz gegen politische Versammlungen ín Kraft war, hôrte man nichts als Klagen über den Veriust der constitutionnellen Rechte, jest, da dieser Theil der Zwangs - Bill verworfen ist, bedienen si< unsere Politiker nirgends des Rech- tes, das sie so ungestúm verlangt haben. O'’Connell begnügt sich für jeßt mit der Aufregung durch die Presse, und die Konserva- tiven folgen seinem Beispiele. Heut erschien sein zweiter Brief an Lord Duncannon, den Minister des Innern, in dem Pilo- ten. Briefes lautet folgendermaßen: „,,„„Meine Klage, so wie die des ganzen Jrländischen Volkes, ist, daß Sie noch den ersten Schritt zu thun haben, um leßterem die Gerechtigkeit und die Vortheile zu verleihen, wonach es allein strebt. Es beflagt sich, daß die Whigs vier Jahre im Amte gewesen sind, ohne diesen ersten Schritt gethan zu haben, und daß sie, statt eine radifale Ver- änderung, die zur Erreichung dieses Zwe>kes nothwendig ist, vorzunehmen, nur einen Namen geändert haben, ohne irgend einen Theil des Systems zu verändern. kennen, mein Herr. mag durch das hôfliche Betragen, welches ich beständig von Jh- nen erfahren habe, selbst während ih von mehr als einem Jh- rer Kollegen angegriffen wurde, mit bestimmt werden. Jn Ge- genwart des Jrländischen Volkes danke ih Jhnen; es kann da- her nicht meine Absicht seyn, Sie zu beleidigen, wenn ih, am Schluß dieses Schreibens, mich an Sie persönlich wende und bitte, daz die vakante Stelle in der Kings Bench nicht mit ei-

möge, beseßt werde, sondern mit einem in seinem Fache gejchi>- ten Rechtsgelehrten mit einem tüchtigen Advokaten, der von Allen wegen seiner Rechtlichkeit und Unparteilichkeit geachtet wird, mit einem Mann, der nie seine Kniee vor der Gewalt beugte oder sich selb der orangistische«s Partei durch die Gewalt oder Energie seiner Aufregung verdächtig machte, sondern der zugleih niemals die ruhige, aber feste Erklärung li- beraler und gerechter Grundsäse gescheut hat. Solche Männer

Einige Augenblicke darauf

Er fúllt zwei Spalten desselben und der Schluß dieses |

sind unter den Katholiken und Protestanten Jrlands zu finden. |

Glauben Sie mie, Sie und Jhre Kollegen stehen jeßt vor dem Richterstuhle des Jrländischen Volks; fast alle wirklichen Feinde Jrlands haben sih von ihrem Posten zurückgezogen; Sie bilden jeßt substantiell ein neues, zeigen Sie, daß es auch ein besseres Ministerium ist. Jch habe die Ehre, u. \. w. Daniel O’Connell.“

Am 3. September wurde vor den Lancaster-Assisen ein Pro- zeß entschieden, der in ganz England Aufsehen gemacht hat, Die Verhandlung vor der Jury dauerte zehn Tage (vom 23. Au- gust bis 3. September). Die Advokaten waren Sir J. Scar- lett, um 600 Guineen Honorar und 50 Pfund Diäten für den Tag zur Führung der Sache gedungen, und Herr Pollo>. Je- derx dieser Herren hatte noch drei Advokaten als Gehülfen zur Seite. Der Handel betraf die Gültigkeit eines Testaments.

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Sohn Marsden kaufte im Jahr 1785 das Landgut Hornby in |

Lancaster und bewohnte es bis an seinen Tod 1826. Er starb un- verheirathet. Admiral Tatham, jeßt der Kläger, war sein näch- ster Verwandter und geseßliher Erbe. Das Gut trägt 5000 Pfd. St. jährlich ein. Es fand sih aber ein Testament, worin Marsden seinen Vetter Tatham der mit ihm nicht gut gestanden und ihn, wie es scheint, nie auf Hornby besucht hatte und dessen. ganze Familie von der Erbschaft ausschloß, und einen entfernteren Verwandten, John Lister, nach dessen Ableben aber den John Wright, Sohn des Mars- denshen Gutsverwalters und Geschäftsführers, zum Univer- sal - Erben einseßte. Der Vater Wright selbst war zum Testa- ments - Vollzieher mit 1000 Pfund jährlichen Gehalts er- nannt. Admiral Tatham griff das Testament an, auf den Grund, daß Marsden blöôdsinnig und unfähig gewesen, seine Angelegen- heiten selbst zu ordnen, und darum auch niht im Stande, rechts- gültig zu testiren. Das Für oder Wider dieser Behauptung Éonnte nur durch Zeugen ausgemittelt werden, die den Verstor- benen oft gesehen und gesprochen hatten. Es wurden deren sehr viele vernommen; die Aussagen waren ungemein verschieden; zwar wurde allgemein zugegeben, daß Marsden ein {heuer Son- derling gewesen, dabei aber wollten manche Zeugen in ihm einen ausgemachten Narren und blödsinnigen Menschen erkannt haben, während andere, eben so ehrenwerthe, ihre Ueberzeugung dahin aus- sprachen, daß Marsden Verstand genug gehabt habe, um ein Testa- ment zu machen. Der Prozeß dauerte in verschiedenen Jnstanzen von 1827 bis 1834 und ist nun, nach zehntägiger Verhandlung von der Jury zu Gunsten des Beklagten entschieden worden. Das Testament ist für gültig erklärt. Admiral Tatham hat das Zu- sehen, Herr Scarlett aber seine 1100 Pfd. Deserviten und Diä- ten in Sicherheit. Unter den Zeugen, deren 110 abgehört wur- den, war auch Dr. Lingard, der berühmte Geschichtschreiber. Seine Aussage war: „Jch habe immer in Hrn. Marsden nur das Werkzeug des Hrn. Wright gefunden ; der Geschäftsführer fonnte mit seinem Herrn alles machen, was er wolle.‘ Hier- nach ist wohl anzunehmen, daß Wright für sich und seinen Sohn gesorgt haben wird. Allein die Nachweijung einer partiellen Verstandesschwäche, die gerade zureicht, ein Testament ungültig zu machen, ist eine so schwere Sache, daß man der Jury nicht verdenken kann, wenn sie gegen den Kläger entschied. Die Times enthält Nachstehendes: „Die von den Spa- nischen Ministern vorgeschlagenen Maßregeln, um das Land aus

| genoinmen.

ner unfähigen Person, welche politische Ansichten sie auch haben | den Dörfern Sevenum und Deurne weiden ließ, war mit sei-

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seiner gegenwärtigen Finanznoth zu befreien, haben unter den Französischen Jnhabern Spanischer Papiere große Unruhe ver- ursacht, wie unsere Leser aus der dem Könige zu St. Cloud úberreichten Petition ersehen haben werden. Die Angelegenheit droht dem guten Einverständniß zwischen dem Französischen Volke und ihren Nachbaren jenseits der Pyrenäen ernstliche Stdrung, und es muß jedem einleuchten, daß die Forderungen der Fonds- Inhaber si< auf keine Weise mit dem unredlichen und deshalb unhaltbaren Entwurf des Spanischen Ministers vereinbaren las- sen. Den in der Französischen Petitton enthalkenen Beschwerden muß abgeholfen werden. Als Ferdinand die von den Cortes in seinem Namen fkontrahirte Schuld nicht anerkennen wollte, da war nur eine Stimme des Tadelns úberall, und was er that, ist nicht er- laubt, jest zu wiederholen, Die constitutionnelle Regierung war eine Regierung de laclo. und daher mußte Ferdinand's Regie- rung nah Recht und Billigkeit die Handlungen jener in An- gelegenheiten dieser Art anerkennen und namentli, wenn, wie es hier der Fall war, Auswärtige dabei betheiligt sind. Das Sy|tem, welches der Regierung Ferdinands gestattete, so zu han- deln, ist von ganz Europa verworfen worden. Es möchte aller- dings cinem sogenannten Liberalen angenehm klingen, wenn man ihm sagte: „Bezahle die Cortes-Bons und weigere Dich, die Anleihen Ferdinands anzuerkennen““, aber jeder redliche Mann,

wie auch seine politische Meinung seyn mag, wird sagen: ¡Bes | zahle Beides.// Derselbe Schluß, der si auf die Geseke grün- det, welche die Regierungen de lacto betreffen, is auf beide an-

zuwenden und nah den durch ganz Europa anerkannten Grund- \áben der Billigkeit muß diese Frage festgestellt werden, wenn selbs der vorliegende, Frankreich betreffende Fall nicht so mächtig durch jeden Mann von billigen Grundsäßen unterstüßt würde. Aber es sey uns noch erlaubt, zu bemerten, daß ein Bankerott, wie der von dem Grafen Toreno vorgeschlagene, eine Beraubung, wie die von dem Finanz- Comité empfohlene, uns keine Alterna- tivè für die beste Beförderung des Interesses von Spanien zu gestatten scheint. Ueberdies sind die Hülfsquellen des Landes keinesweges so schlecht, um selbst nur einen Vorwand für irgend etwas dieser Art darzubieten.‘/

Vor einigen Tagen wurde auf Veranlassung der Kontra- henten der Spanischen Anleihen von 1824 und 1823 bekannt gemacht, daß Spanische Bons, im Belauf von 701,420 Pfd., die in der Bank von England deponirt waren und der Spani- schen Regierung gehören, am Dienstag den Herren Ricardo und Comp. überliefert worden seyen. Dies gab Veranlassung zu einer großen Anzahl von Muthmaßungen. Die Times sagt nun:

h | ¿Diese Bons sind den Herren Ricardo zur Sicherheit der von Jch glaube, Sie zu | Die Murinung, welche ih von Jhnen habe, |

den Herren Ardouin und Comp. zu Paris der Spanischen Regierung gemachten Vorschüsse übergeben.“

Belgien

Brúsfel, 14. Sept. Der heutige Moniteur enthält Folgendes: „Am 16. November 1833 hatten Holländische Sol- daten eine Heerde Schafe von 90 Stück, welche einem Land- manne zu Sevenum (Belgien), Johann Thyssen, gehörten, weg- Der Hirt desselben, welcher seine Schafe zwischen

ner Heerde aus Unachtsamkeit über die Gränze gegangen, und zwei in der Nähe befindliche Holländische Soldaten hatten den Hirten und seine Heerde hinweggeführt. Der Hirt is freige- lassen, aber die Heerde dffentlich zu Aster verkauft worden. Als die hiesige Regierung hiervon Kenntniß erhielt, verlangte sie, auf diplomatisczem Wege, die Ersezung dieses Verlustes, und das Kabinet im Haag hat Befehl ertheilt, dem Eigenthümer eine angemessene Entschädigung zu geben.“

Bei der am 21. Juni auf Befehl des Ministers des Jn- nern festgesezten Preisbewerbung für Flamändische Poesie er- hielt von 32 Konkurrenten die Schrift Nr. 16 den ersten und Nr. 14 den zweiten Preis Die Eröffnung der Zettel, welche die Namen und Devisen der Konkurrenten enthielten, geschah in Gegenwart des Ministers des Jnnern und ergab als Verfasser der ersteren Abhandlung Herrn Ch. Ledegank zu Eecloo, Stell- vertreter des Friedensgerichts im Kanton Capry>; die zweite war von Franz Joseph Blieck aus Wervicg Notariats- Kandidat zu Brüssel. Bei der Preis-Bewerbung für Französische Poesie er- hielt Herr Peter van Esschen, Arzt zu Brüssel, den ersten, Herr Raimand Mahaudon zu Enghien den zweiten Preis.

Daäanemare

Kopenhagen, 12. Sept. Se. Majestät der König haben den Geheimen Konferenzrath und Kanzler Cay Lorenz Freiherrn v. Brockdorff von seinen Functionen als Kurator der Universi- tát Kiel, Chef des Schleswig-Holsteinischen Sanitäts-Kollegiums und Oberaufseher des Kiele? Schullehrer-Seminars und der da- mit verbundenen Anstalten, entlassen, und dem stellvertretenden Kuraror und außerordentlichen Regierungs - Bevollmächtigten bei der Kieler Universität, J. F. Jensen, diese Functionen wiederum úÚbertragen.

Kiel, 10. Sept. Der Ausfall der gestern beendigten Ab- geordneten - Wahl fand bei der gesammten Einwohnerschaft un- serer Stadt einen jo großen und ungetheilten Beifall, daß sich eine sehr große Anzahi Bürger und Einwohner vereinigte, den gewählten Abgeordneten und Stellvertretern persönlich ihre Ge- fühle zu erkennen zu geben. Es bildete sich zu dem Ende ge- stern Abend nach 8 Uhr von einem öffentlichen Lokale am Markte aus ein feierliher Zug, dem sih über tausend Menschen an- schlossen. Unter Begleitung eines Musik - Corps begab der Zug sich zuerst zu dem nahe gelegenen Hause des Justizraths und Professor Hegewisch, welchem, nachdem er tiefbewegt die Be- glúckwünschung einer Deputation von Wählern, Nicht-Wählern und Studierenden empfangen, als „dem Mann der Wahl des Volks‘! ein dreimaliges Lebehoch gebracht wurde.

Kiel, 11. Sept. So eben verbreitet sich in der Stadt die unerwartete Kunde, daß der Justizrath Hegewisch die Wahl zum Abgeordneten nicht angenommen A

Deutschland,

Hannover, 13. Sept. (Hamb. Korr.) Aller Wahr- scheinlichkeit nah steht die Vertagung unserer Stände-Versamm- lung nahe bevor. Jn der Lage, in welcher unsere Regierung sich gegenwärtig dadurch befindet, daß der projektirte Zoll - Verband zwischen Braunschweig und Hannover in der Braunschweigischen Stände-Versammlung vor deren Vertagung nicht zur Erledigung gekommen ist, tritt auch bei ihr die Nothwendigkeit cin, diese hôchst wichtige Angelegenheit, unserer Stände-Versammlung ge- genüber, vorläufig ausgeseßt seyn zu lassen, und da die Bera- thungen Über die proponirten Veränderungen des direkten

Steuer - Systems in beiden Kammern beendigt sind, so lie- gen vor der Hand keine wichtige und eilige Sachen mehr Es wird sih jest nur ledigli<h noch darum handeln,

vor.

Oldenburg, 12. September. Die schon länger beabsich-

abweichenden Beschlüsse

daß eine Vereinigung úÚber die | | , E Nud GeuC ah : ; ete del der gammer -úber verschiedene Regierungs-Provostis | t’ Großherzgs und Gemahlin, Kdnigl Hohetten, if diesen nen in den stattfindenden Konserenzen bewirkt wird; daß Morgen 8 Uhr erfolgt. Die Reise geht über Hannover, Braun:

das durch die vorläufig in Suspenso bleibende veränderte Ein richtung des indirekten Steuer - Systems sich ergebende Defizit | durch Änleihen gedeckt werden muß, fann wohl kaum zweifelhaft Frankfurt a 15. Sept. Gestern sind hier Se. Kd seyn: ein nothwendiges Uebel, dem jedoch nicht auszuweichen is. nigliche Hoheit der Erbgroßherzog von Hessen und der Kaiser- Die beabsichtigte Einrichtung einer Wittwen - Kasse für de lih Oesterreichische Gesandte in Griechenland , Ritter Prokesch Civtl-Dienerschaft wird unter den vorhandenen Umständen eben, von Osten, eingetroffen.

falls vor der Hand ausgeseßt werden müssen. Die deshalb nie: d

dergesest gewesene Kommission hat zwar ihren Bericht erstattet, | : i s O Kammer N 8 schon einmal zur Betra-| Brünn, 11. Sept. Se. Majestät der Kaiser, Jhre Kais. thung gestellt, die zweite Kammer hat sich aber bis jelzt noch nicht dami: Hoheiten die Erzherzoge Franz Karl und Ludwig, Se. Königl. beschäftigen können. Es iskshwer, sich darüber ein Urtheilzu erlauben, Hoheit der Kronprinz von Bayern begaben sih gestern Morgens ob dieKommissions- Vorschläge vor denRegierungs-Propositionende/ " nebst dem Kais. Russischen General, Fürsten Gortschakoff, dem Vorzug verdienen: der Schein is gegen sie, weil die Beiträge] Türkis%zen Gesandten Namik Pascha und der übrigen Beglei- sich darnach sehr hoch stellen werden. Es liegt in der That fi tuy,g in das Lager bei Turas, wo der Monarch die leichte Jn- die jeßt Angestellten eine große Härte darin, wenn sie ihra]" fanterie - Brigade , die Kürassiere und Dragoner, nebst den dazu Wittwen dur< einen Gage - Abzug von 6 bis 10 pCe. dens gehörigen Batterieen ausrüken und manövriren ließ. Nach dec deren Fälle wird es viele geben eine Pension zusichertt soll} Stadt zurückgekehrt , ertheilten Se. Majestät mehrere Audienzen, Mittags war wieder große Tafel bei JI. MM., zu welcher

die sich nit höher belaufen wird, als diejenige, welche fie glei S5. ihren Vorgängern nach den bisherigen Einrichtungen tim Wel der e der hohen Pforte ebenfalls geladen zu werden die Ehre hatte.

der Gnade erwarten durften, wenn die Wittwen auch kein Reh" Wien, 8. September. Seit einigen Tagen ist der viel-

darauf hatten. Dresden, 15. September. (Leipziger-Zeitung.) Vik besprochene Dampfwagen, welchen der LNechanikus Voigtländer in London bauen ließ, im Circus gymnasticus im Prater zu

erfreueten uns während der lehten Wochen der Anwesenheit Sr, | / / : Y Königlichen Hoheit des Großherzogs von Weimar, der au sehen. Er ist der erste in Deutschland und soll einen sogenann- diesmal das Polnische Hotel zu seinem Absteige-Quartier gewäh] ten Gesellschaftswagen von Wien na<h Baden in Bewegung aber die Bedienung aus dem Königlichen Marstall angenommy sezen. Die Schwere des Wagens beträgt 60 Centner, er faßt hatte. Er fam von den Bädern aus Tepliß, machte sogleig H Personen und kann noch einen Wagen von 15—30 Personen nach seiner Ankunft eine Seitenreise in die Lausis, wo er [ins Schlepptau nehmen. Er soll den Weg von Wien nah Ba- von dem Besitzer selbst neuerli<h mit Dichtung und Wahrhei den in 4 Stunden zurücklegen, er ruht auf Federn und- läuft ganz ohne Geräusch, und das Triebwerk, welches eine Kraft von

beschriebenen Gartenanlagen von Muskau und von da d ; : ; Kloster Mariastern und Budissin besuchte, und am 7ten Sy| 12 Pferden ausúbt, entwickelt keinen Rauch, A aa «O IÎn kurzem \o

tember gerade noch zeitig genug ankam, um den Prof. Reichai shwefelten Kohlen in Thätigkeit erhalten wird. C in die Luft steigen zu sehen, und unserer Schröder - Devrient damit eine Probefahrt im Prater unternommen werden. Die- als Romeo seinen ungetheilten Beifall zu geben. Am 8. Sep ser Wagen, der dur die Expansionskraft der Wasserdämpfe wie tember wár große Familientafel in Pillnis. Abends wohnte (} © ein belebtes Geschôpf auf der Straßenfläche dahin eilen wird, der Vorstellung von der Emilia Galotti im Königlichen Thea! * vereinigt mit dem sinnreichen Mechanismus Solidität und zier ter bei und besah dann das Menagsishe Museum mit vielen liche Einfachheit in der Construction. Wohlgefallen beim Fackelscheine. So wechselten auch an da : folgenden Tagen Besuche in den reizenden Umgebungen uns Schweiz.

Basel, 13. Sept. Man lies im Courrier de Lyon:

rer Stadt mit sorgfältiger Beschauung der Museen un)| „Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten hat von

E L mit R gO s nern und Frauen, mit esichtigung der Atteliers medrere Seiten des Herrn v. Ruwign | i Künstler und wiederho!ter Theaterschau in schneller Aufeinandet der E inan E E folgen mit einander ab, wobei er überall eine seltene Gedätt halt dieser Depeschen verlautet, schien es, daß die Flüchtlinge aller niß kraft und Sach- Kenntniß bewies, auch Vergleichungen mi Nationen, weiche in jenem Lande wimmeln, durch die unter Lei- anderwärts gesehenen Kunstwerken, besonders in St. Petersbur," tung Romarinos unternommene lächerliche Balgerei nicht belehrt anstellte. Von K. Lustschlössern sah er Sedliß, wo ihn der V und gebessert worden sind, und daß sie in feindseligen Plänen ge- nig mit einem Gastmahl bewirthete, und die ganze Königl. F gen die Regierung Karl Alberts verharren. Sie haben es offenbar milie anwesend war, und das Jagdschloß Morißburg mit seinn"" darauf angelegt, die fremden Mächte zu ihrer völligen Vertreibung von Fasanerieen und reizenden Umgebungen. An einem schönen Morgen" Europäischem Boden zu nöthigen.“ Der Federal begleitet diese Zeilen mit der Bemerkung, daß wirklich die Revolution, sichern An-

fuhr er nah Weißtropp, um dort die kostbaren Marmorbilder von Thorwaldsen undCanova, so wie die großartigen Anlagen E © zeigen zufolge, in Genf ihr Leben noch friste; allein es genüge zur Entde>éung von dergleichen Klubs die Polizei. ¿Auf die

ten vom gastfreundlichen Hause des Herrn von Kraus zu schen. Auh Gewähr des Genfer - Blattes hin glauben wir (bemerkt hier-

Tharand blieb nicht unbesucht. Täglich widmete er der Ge málde-Gallerie, was er an Zeit gewinnen fonnte. Das nun in bei die Baseler Zeitung) an das Faktum, daß Revolutions- allen seinen Gallerieen vollendete historische Museum mit seinen Männer noch daselbst vegetiren und intriguiren; was die Po- Denkwürdigkeiten und Armaturen aus der Sächsischen Vorzeit lizei betrifst, so giebt es súr die Wachsamkeit derselben keine ließ er sih vom Inspektor ausführlich erklären, begleitet zug ankere Gewähr als Eingefangene und Weggewiesene.“/ von dem aus Erlangen anwesenden Professor Böttiger, erfreute __ Genf, 4. Sept. (Allg. Ztg.) Ueber die furchtbare Ueber- \<hwemmung des ganzen Rhonebeckens in Wallis in der Nacht

sich der zwe>mäßigen Einrichtung des grünen Gewdölbes unter f dem Major v. Landsberg, warf cinen Blick auf die Mus l mien und Aegyptischen Alterthümer im Antiken - Museum, vom 26ten auf den 27, August sind uns folgende Berichte von und betrachtete, nebst no<h andern Sammlungen auch dit\* Augenzeugen zugegangen. Der erste Brief ist aus Turtmann neuerrihtetz Canaletto - Gallerie auf der Brühl’schen Ter vom: 29. August: „Wir sind heute früh um 6 Uhr von St. rasse, wo er au<h wiederholt die Gemälde- und Gewerbe Maurice weggefahren, und bald darauf kamen wir zu den ersten Ausstellung in Augenschein nahm. Wenn er aus Mangel - Spuren der Ueberschwemmung. Schon 10 Minuten vor der Zeit nicht alle bedeutende Künstler in ihren Kunstwerkstätten be Pissevache stand das Thal ganz unter Wasser, ungefähr drittehalb quchen konnte, so sah er doch bei Vogel von Vogelstein seine Fuß über der Straße. Unsere vier guten Pferde zogen uns eine reicherten Portrait - Zeichnungen, und fand ihn eben mit de ser oft über die Vorderräder wegging. Glücklicherweise war da Portraitirung des Öber - Hofpredigers von Ammon beschäftigt; die Straße nicht weggerissen, es war uns aber immer bang, un- ser Wagen möchte von der Straße abweichen, und dann in den Unermeßlichen See fallen, So kamen wir denn glücklich nach

er brachte lange bei Professor Friedrih zu, dessen geniale An sichten aus Pommern und Böhmen eine kleine Gallerie bilde" i l l ten, gewann einen Ueberblick von Professor Rebsch's geistreiche Martigny. Von hier an mußten wir die große Straße verlassen, neuen Umrissen zum Faust und von dessen genialem Album, denn sie stand drei Meilen weit tief unter Wasser. Wir muß- sah Rößler und besuhte Professor Rietschel in seine ken auf dem ehemaligen Wege fahren, dessen man sih jeßt nicht Attelier auf der Terrasse, umringt von talentvollen Sch" mehr bedient, der aber an acht Fuß höher liegt. Erst bei Sion lern, wo er au<h die für das Denkmal Friedrih Au kamen wir wieder auf das Trockene, aber überall zeigten sich die gusts in Dresden bereits in Erz gegossenen Standbilder dit" Spuren von dem Wasser, das noch vor wenigen Stunden hier Gerechtigkeit und Milde mit großer Theilnahme, sowie da" Alles übershwemmt und Vieles zerstört und weggerissen hatte. Modell der sizenden Königs - Statue sah. Den 81jähriget So kamen wir glükli<h bis Turtmann, da aber wollte der Kut- Sänger der Ürania, Tiedge, besuchend, rief er viele alt cher in der Nacht nicht weiter, weil Jedermann von den gro- Erinnerungen zurü. Von dem Kaiserl. Russischen & Fen Verheerungen sprach, welche die Ueberschwemmung auf der sandten, dem Herrn v. Schrôder, und von dem Kaiserli Straße angerichtet habe. Eben so soll es auf der Simplon- Oesterreichischen Gesandten, dem Grafen Colloredo, geruhte t! Straße seyn. Diese furchtbare, schnell hereinbrehende Ueber- \{hwemmung kömmt von dem warmen Westwinde, der lange in der Hdhe der Gletscher wehte, wo dann nicht bloß viel Eis

diplomatische Diners anzunehmen, und wohnte, nachdem t!

das Mittagsmahl beim Prinzen - Mitregenten eingenomme! E

hatte, no<h am Abend vor seiner Abreise einem glänzende! shmolz, sondern au<h Eisdämme fielen, die bisher große Berg- wasser und Seen zurückgehalten hatten, weiche nun auf einmal niedergingen. Das ganze Wallisland ist gar traurig anzusehen.

Balle beim Königl. Preußischen Gesandten, Hrn. von Jordan bis nach Mitternacht bei, wohin au<h Se. Majestät der König, | Von St. Maurice bis Brieg haben alle Fruchtfelder der Ebene mehrere Tage unter Wasser gestanden, und viele Häuser sind

der Prinz Friedrich und mehrere Mitglieder der Kön. Familie gt" mit aller Habe weggerissen worden. Kaum, daß sich die Ein-

fommen waren, und dort Abschied nahmen. Den 14. Mittag"

trat der Großherzog mit seinem Gefolge die Rúckreise Über Leip"

zig an, nachdem er am frühen Morgen die immer noch zahlrei( wohner flüchten konnten. Auf der andern Bergseite, gegen

besuchte große Trink-Anstalt des D. Struve mit besonderer Auf Domo d'Ossola hin, ist es eben so gewesen, wiewohl dort das Thal

merksamkeit besucht hatte. Gestern haben au< Jhre K. H von keinem so großen Fluß durchstrômt wird. Man wird lange

heit die Prinzessin Augusta ihre Herbstreise über Prag und" Uicht auf der Simplon - Straße fahren können. ‘/ Der zweite

Linz und das Salzburgische Gebirge nah Bayern angetretet," Brief wurde. vom 30. August Abends acht Uhr im Dorfe Sim-

wo sie einige Zeit bei Jhrer Majestät der verwittweten Königin peln geschrieben: „„Wir brachen heute fcüh um fünf Uhr von

in Tegernsee zu verweilen gedenkt. A in A Chars:a-banc auf. R weiter wir ins Ober- S | amen, desto trauriger 3 i

et i Ä j s e n A den daraf n der Ueberschwemmung. Bâtte sich a ter nid S : / otenburg an der Fulda fom theils in iter-

L O G Rio i SUER g Ma ; in der Nacht verlaufen, so wäre uns heute das Weiter-

b E e ing ga aus unmöglich gewesen. An den Bäu-

N L ; ; i 0 en un usern sahen wir deutlich, wie hoh das Wasser ge- Mänchen, 14. Sept. Die Abreise Jhrer Majestät der verwitt: 7 ; ; G ; 3

weten Königin Karoline und Jhrer Königl. Hoheit der Frau Erz} O: U A aren 7 -Varte N eir en V

herzogin Sophie von Oesterreich nah Tegernsee wurde auf den"

Lu eE Fuß breiter Strom gebildet, nahdem er die Straße 26. Sept. verschoben. Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Franz L urchgerissen und si< ein Bett von großen Steinen gemacht. Karl von Oesterreih wird sonach am 20sten d. M. in Biedet #

Darin konnten unsere Wagen fahren, weil sie auf jeder Seite

stein eintreffen uk U Stan O das Andringen des Stroms

icherm , 4 rden. Dessenungeachtet ging da 0 fi j

Sicherm Vernehmen nach is der vormalige Abgeordnete" den Chars, daß wir unsere Alke ¿a Vak E i A

und Professor Seuffert, der seit einiger Zeit den Staatsdienst" um nicht dur< und dur< naß zu werden Js Bri a

verlassen hatte, dur<h Königl. Händschreiben zum Rathe am Ap!“ . rieg wollte pellations-Gericht des Unter-Main-Kreises ernannt worden. |

man uns Angst machen Über den Zustand der Straße im Ge- Der Verfasser eines Brand- und Drohbriefes soll vorge"

shweig, Leipzig nach Weimar, vielleicht au<h nah Berlin.

daran gethan, denn wir haben nun wohl das Schlimmste über-

birgz wir bestanden ober auf dem Weitergehen und haben wohl stern hier festgenommen worden seyn.

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standen. Auf unserem Wägelchen gelangten wir bis in die Nähe der gemauerten Gallerie. Da aber hatte der Kaltwasser-Gletscher die Straße überschwemmt, und mehrere Toisen mit si<h in den Ab- grund gerissen. Es war also unmöglich, mit Pferden und Wa- gen weiter zu kommen, Auf einem starken Balken gelangten wir úber den Strom. Starke Weg-Arbeiter aber trugen unsere Koffer bis an die Barrière. Von hier ließen wir sie auf einem kleinen Wagen hierherbringen , wir aber gingen die zwei Stun- den zu Fuß. Jn Simpeln fanden wir an ein Dußend Rei- sende aus allen Ländern. WMorgen früh wollen wir alle in Karavanen na<h Domo d’Ossola aufbrehen. Auf jener Seite ist die große Straße an mehreren Stellen ganz zerstört, und es werden wohl einige Wochen hingehen, bis sie wieder hergestellt ist.‘/ Aus Sion schreibt man vom 1. Sept. sehr Trauriges über die Verwüstungen der Fluth. Aerger ist es aber no< in den Piemontesischen Thälern, zumal von Gondo bis Jsella, wo der Bergstrom, der neben der großen Straße fließt, diese ganz weggerissen hat. Auch der Borthelhorn - Gletscher zwischen dem Borthelhorn und dem Monte-Leone is gegangen und hat, da er sich in zwei Thäler mündet in das Piemontesische am Fuß des Monte-Leone und in das Walliser Gunterthal beide zu glei- cher Zeit übershwemmt, und große Verwüstungen angerichtet. Jn Genf wurden folgende Beobachtungen über den WWasser- stand des Sees an der hpydraulischen Maschine gemacht. Am Z. August hatte der See seinen hôchsten Wasserstand im Jahre mit 93 Zoll erreicht, und war schon wieder auf 862// gesunken als er auf einmal in der Nacht des 27. August auf 88“, den 98. August auf 893//, den 29. August auf 93//, den 31. August auf 941‘/ und am 1. Sept. sogar auf 945‘ stieg, und auch den ganzen 2. Sept. auf diesem Stande beharrte. Die Rhone al- lein hat also den Wasserstand des ganzen Sees um 8;‘“/ erho- ben. Welche ungeheure Wassermasse gehört dazu: Save

Turin, 6. Sept. Se. Majestät der König hat zur Un- terstü6ung der durch die lezten Ueberschwemmungen Verunglück- ten die Sumine von 200,000 Lire ausgeseßt.

Türin, 6. Sept. (Allg. Ztg.) Die Nachricht von der bevorstehenden Räumung Ankona's bestätigt sich. Nach einiger Unterhandlung sind die Französische und die Oesterreichische Re- gierung úbereingekommen, es dem Papste anheimzustellen, wann er den Augenblick für zwe>mäßig erachten wird, wo die Fran- zösische Garnison Ankona zu verlassen und es den Römischen Autoritäten zu übergeben hat. Von dieser Räumung hängt dann auch jene der Legationen durch die Oesterreicher ab, und es is daher natürlich, daß man dem heiligen Vater freie Hand ließ, die Zurückziehung der fremden Truppen nach Wohlgefallen zu verlangen, da bieher durch ihre Gegenwart die Ruhe des Kirchenstaates bedingt ward. Sobald man sich also in Rom stark genug glaubt, um des fremden Beistandes überhoben zu seyn, wird eine Aufforderung wegen der Räumung Ankona's erfolgen, die nach der stattgehabten Verabredung ohne Verzug vollzogen werden und dann den Abmarsch der Oesterreichischen Truppen nach sich ziehen wird. Es lautet sonderbar, und doch ist es wahr, daß unser Hof vor längerer Zeit aufgefordert worden ist, zu Gunsten der Pforte einzuschreiten, um die Resti- tution Algiers von Frankreich zu erwirken. Jch hatte es damals erwähnt, es ward aber heftig von den Französischen Journalen bestritten, die mit vieler Bestimmtheit behaupteten, daß die Pforte gar keine Ansprüche mehr auf Algier mache, und nach erhaltener Erfahrung froh sey, diese Besißung los zu seyn, die für sie nur Verlegenheiten ohne den mindesten Vortheil hervor- gebracht habe. Nun zeigt es s{<, daß die Pforte doch daran denkt, und selbst einen Abgeordneten nah Paris sendet, um die Restitution Algiers zu betreiben. Dom Miguel wird si<h un- verzüglih nah Rom begeben und einstweilen daselbst seinen Aufenthalt fixiren. Sein zahlreiches Gefolge, bis auf zwei Jn- dividuen, welche die Verbindungen mit Spanien und ‘Portugal von Genua aus unterhalten sollen, wird ihm nah Rom folgen. (S. Rom.)

Genua, 6. Sept. Am vorigen Montage sind hier aus Marseille mit dem Dampfboote „Francesco l.‘ JJ. KK. HH. Don Sebastian Maria, Jnfant von Spanien, und seine Ge- mahlin, eine geborne Prinzessin von Neapel, eingetroffen. Nach dreitägiger Quarantaine und nach kurzem Verweilen in der Stadt bien sie ihre Reise nah Neapel fortgeseßt.

Rom, 6. Sept. Das Diario di Roma meldet die An- funft Dom Miguel's in Rom in nachstehender Weise: „Am Morgen des ten d. traf, von Mailand kommend, Se. Majestät Dom Miguel l. in Rom ein. Am folgenden Morgen begab er sich nach dem Quirinal-Palaste, um Sr. Heiligkeit einen Besuch abzustatten, von der er mit der ihm gebührenden Achtung em- pfangen wurde.“‘

Nach Jtaliänischen Blättern hat sih eine Gesellschaft mit einem Gesuche an die Regierung gewendet, ihr ein 99jähriges Privilegium zu Errichtung einer Eisenbahn von Arona (an dem südlichen Ende des Lago Maggiore) nah Genua und nach Tu- rin, neben etwanigen weiteren Ausdehnungen dieser Bahn zu ertheilen. Die Gesellschaft verpflichtet sich, diese Bahn binnen sehs Jahren zu vollenden. Die Kosten der Bahn sind auf 32 Millionen Lire, die Ausdehnung derselben auf 270,000 Metres berechnet. Das Kapital soll dur< 6400 Actien von je 5000 Fr. aufgebracht werden.

Rom, 2. Sept. (Allg. Ztg.) Am 31. August hatten wir die lang erwartete Feier der Seligsprehung des Sebastiano Valfri, geboren den 9. März 1629 zu Verduno in Piemont, wo ihn seine wenig bemittelten Aeltern für den Priesterstand wegen seines sanften Charakters bestimmten. Er trat 1651 in den ‘Pre- diger-Orden des heil. Filippo Neri, wo er durch seinen frommen Wandel aller Herzen sich gewann; der leidenden Menschheit war er ein treuer Freund, und predigte, wo es nur immer Gelegen- heit gab. Den Soldaten hielt er häufig Reden und schrieb ein Buch, wie sie den Krieg menschlich führen könnten und sollten. Der Herzog Victor Amadeus Ik. , nahmaliger König von Sardinien, wählte ihn zu seinem Beichtvater, that viel Gutes durch ihn, und schäßte ihn als seinen Freund. Durch sein Rednertalent hat er Viele überzeugt und in den Schoß der katholischen Kirche geführt. Er starb 1710 in Turin, und es werden viele Wunder aufgezählt, welche er vor und na<h seinem Tode ge- wirkt haben soll, und welche ihn würdig machten, in der Con- gregazione de” sacri riti den 6. April 1831 als Seliger erklärt zu werden. Dieses wurde bald darauf vom Papste bestätigt. Der Advokat des Teufels,.so genannt, weil er Alles bezweifelt, hat feinen Sas umstoßen können, welchen der Advokat des Seligen angeführt hatte, und er mußte bei diesem Prozesse das Feld räumen. Die Kirche des heil. Peters war reich und ge- schma>voll verziert, und Tausende von Wachslichtern brannten. Ueber dem Haupt - Eingange war ein Bild angebracht, welches

den - Seligen vorstelle, wie er drei Männer bekehrt, wovon

der eine Schriften zerreißt, und die Unterschrift sagt: B. Se- bastiano tres Lutheri et Calvini errorum magisiros pervi- caces catholicae veritatis vi aggressUS 5 vietas manus dare cogit fortiter et suaviter in Christo triumphans. Jn der Kirche selbst zwei Bilder, wo Frauen dur<h den bloßen Anblick des Bildnisses des Seligen von einer {weren Krankheit geheilt werden. Ganz im Hintergrunde des großen Geóáudes war der Selige abgebildet, wie er gen Himmel fährt. In dem Augen- blie, wo dieses Bild enthüllt wurde, erschallten die Kanonen der Engelsburg, worauf eine große feierliche Messe gehalten wurde. Auch in der Kirche des heiligen Fklippo Neri war große Feier, am Abende wurde die Facade erleuchtet, und Musik und Feuerwerk beschlossen den Tag. Daß wir bald eine neue Heis ligsprehung haben sollten, ist kaum zu erwarten, da die Kosten davon über 100,000 Scudi betragen.

Spanien.

Cortes - Verhandlungen. Sibßung der Prokura- doren-Kammer vom 5. Sept. An der Tagesordnung war die Berathung des Artikels der Petition, der von der Preßfreis heit handelt, Die Herren Toreno und Martinez de la Rosa saßen allein auf der Ministerbank. Herr Ochoa bekämpfte den Artikel. Er sey frúher, sagte er, ein großer Anhänger der Preß- freiheit gewesen, in Folge der Excesse aber , zu denen sie im Jahre 1822 und 23 Anlaß gegeben habe, sey seine Ansicht eine andere geworden. Gegen ihn trat Herr Domec auf, und schil- derte die Vortheile der Preßfreiheit, ohne ihre Nachtheile zu verhehlen. Nach dieser Rede erklärte der Prásident, daß fein Redner mehr eingeschrieben sey, und fragte, ob die Diskussion geschlossen werden sollte. Herr Martinez de la Rosa ver- (angte no< das Wort, und sagte, daß das Ministorium eigent- lih nicht die Absicht gehabt habe, an der Debatte Thec! zu neh- men ; er halte es indeß doch jebt, da sich so viele Stimnen für die Preßfreiheit hätten vernehmen lassen, für nothwendig, die Frage, ob der gegenwärtige Augenbli> geeignet sey, die ‘Preßfreiheit n Spanien einzuführen, zu erörtern. Herr Martinez wies darauj hin, daß eine so alte Monarchie, wie die Französische, eigentlich erst seit vier Jahren im Besiß der Preßfreiheit sey. ¿Und ich nehme keinen Anstand, es auszusprechen‘, fuhr der Minister fort, „daß die Presse in Frankreich eine skandalôse Presse ist. Es is unmöglich, daß in unserm Spanien, welches no< so weit. zurú> ist, eine Monarchie mit der Preßfreiheit bestehen kann. Nur fär wissenschaftliche Werke kann ohne Gefahr Preßfreiheit gestattet werden. Vor allen Dingen nuß man sh jebt damit beschäftigen, die Tribunale und die Geschwornen-Gerichte zu or- ganisiren. Hat man denn nicht schon Freihe,® genug in Spa- nien? Sind denn die Sigungen nicht öffentlich ?-“ (Bei diesen Worten erhob sih ein so lautes Murren auf den Öffentlichen Tribunen, daß der Präsident mehreremale zur Ruhe auffordern mußte ) Der Minister {loß damit, daß er die Streichung des Artikels verlangte. Herr Florez Estrada, Prásident der Fi- nanyKommission, bemühte sich, zu zeigen, daß der Conseils-Prä- sident die Uebel, welche die Preßfreiheit nach sich ziehen könnte, übertrieben habe, und stimmte für die Annahme des Artikels. Herr Riva Herrera sprach gegen den Artikel und schlug eine Veränderung desselben vor, wodur< er ganz den Wünschen der Regierung gemäß gelautet hätte. (Hier verdoppelte sich das mißbilligende Geschrei auf den öffentlichen Tribunen, so daß der Präsident sih genöthigt sah, den Artikel des Reglements zu verle- fen, welcher ihn ermächtigt, die Gallerieen räumen zu lassen.) Herr Lopez prüfte die Frage im Allgemeinen, und sprach sich kategorisch dafür aus, daß die Preßfreiheit bei jeder Regierungs- form, wenn man gut regieren wolle, ein unerláßliches Element sey. Graf Toreno suchte den vorigen Redner zu widerlegen, und erklärte, er greife hauptsächlih die Einführung der Preß- freiheit unter den gegenwärtigen Umständen an. Er führte das alte Rom und Griechenland an, und behauptete, daß in jenen Ländern keine ähnliche Freiheit bestanden habe. Nachdem der Minister freimüthig von der Zahl der Anhänger, welche Don Carlos besiße, und von dem Vortheil gesprochen hatte, welche die Gegner der bestehenden Regierung aus der Preßfreiheit ziehen könnten, {loß er mit der Bemerkung, daß unter Ferdinand VII. die Einnahmen für die Dru>- Erlaubniß 6 Millionen Realen jährlich betragen hät- ten, und daß ste sich jezt hon auf 13 Millionen Realen belie- fen. Herr Caballero, einer der Secretaire, bestritt die Ar- gumente Toreno’s. Er fragte, was die jezt in Spanien beste- hende Freiheit zu bedeuten habe, da die Regierung 4 Censoren angestellt hätte, welche jeder ein jährliches Gehalt von 20,000 Realen erhielten, und nach Gefallen des Ministers abgesezt wer- den könnten. Die Kammer schritt hierauf zur Abstimmung, welche folgendes Resultat lieferte : i

Fúr den Artikel... . 57 Stimmeiz

Gegen denselben... . 55 -

E M E G E R Majorität gegen die Minister 2 Stimmen. Als der Secretair Trueba dieses Resultat verkündete, ver- langte Herr Toreno, der kein Vertrauen in das Bureau zu seßen schien, die Liste zu schen, um si< zu überzeugen, daß fein Votum ausgelassen sey. Dies machte einen sehr úblen Eindru>; die Secretaire und der Präsident selbs schienen durch diesen Mangel an Vertrauen von Seiten der Regierung beleidigt, Und Jed@œmann tadelte das Benehmen des Ministers. Die Sibung wurde sogleih aufgehoben, und die Opposition, auf ihren Tri- umph stolz, empfing die Glückwünsche ihrer Anhänger.

Madrid, 3. Sept. Die Hof-Zeitung enthält Fol- gendes: „Da der Friede von Europa stets der rechtmäßigste Zwe> der Fürsorge, Bestrebungen und selb Aufopferungen von Seiten der Regierungen war und ist, so will, und zwar mit Recht, die Spanische sich nicht von einem so wohlthätigen Bestreben trennen, no< auf si<h die Verantwortung laden, mít- telbar oder unmittelbar die Ursache oder der Vorwand der schre>- lichen Katastrophe zu seyn, in welche ein allgemeiner Krieg die civilisirte Welt verwi>keln würde. JFhr freimüthiges und nicht weniger loyales als dem Ehrgefühl entsprechendes Betragen ge- gen die Mächte, welche die gesehmäßige und von Alters her be- stehende Ordnung, die wir neuerdings angenommen - noch nicht anerkannt haben, wird wahrscheinlich die <hwierigkeiten heben, und das gute Vernehmen und den gegenseitigen Verkehr herstel- len, welche für die Völker, wie für die Monarchen so nüßlich ind.“ Y Folgendes is der Text der bereits erwähnten Petition der zweiten Spanischen Kammer wegen Aenderung des Reglements :

„Die Kammer der Prokuradoren des Reichs hâlt es für ihre Pflicht, Ew. Ma". die Nothwendigkeit auseinander zu seßen, daß das innere Reglement der Kammer threr eigenen Berathschlagung aus folgenden Gründen unterworfen werde: 1) Es ist bei allen reprä- sentativen Versammlungen gebräuchlich, daß ste selbs das Reglement, welches sie beobachten wollen, festseßen; und so hat man auch in Spanien bei den Cortes verfahren, welche man den jeßigen als Bei-

spiel aufstellen kann. 2) Die gesunde Veruunft sagt, daß, nachdem