1834 / 355 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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allerdings bemüht, allein dieses sind keinesweges Kriegs-Rústun- gen, sondern vielmehr durch die gemachte Erfahrung nothwendig gewordene Anordnungen. An eine gänzliche Umgestaltung Un- serer inneren Verhältnisse is vor der Hand, bevor unsere Strei- tiofciten mit Belgien nicht beendet sind, nicht zu denken. Doch finn man es unserer für das Wohl ihres Voikes stets besorgten Regierung nur Dank wissen, daß sle das Mögliche hierin leisiet. Nur blindes Vorurtheil kann hier anders rihten. Die Ver- handlungen in der zweiten. Kammer der Generalfkgaten und de- ren Beschlußnahme geben wiederholt das Zeugniß, welches Ver- trauen unsere Regierung von Seiten des Volkes genießt. Wich tige Gese - Entwürfe, namentli<h der in Betreff der Zahlung des Belgischen Renten - Antheils, so höchst wichtig für un- seren National - Kredit, sind durchgegangen und das Land zout diesem Beschlusse seinen Beifall. Es zahít in dem DBowußtseyn, daß es eine ewige Gerechtigkeit giebt, Wenn nun aber auch der ursprüngliche Geses- Entwurf in Betreff der Vertheilung der Grund - Steuer für 1835 verworfen wurde, so ift dieses ein Fall, für den die Regierung {hon Fürsorge trug. Sie weiß, daß seit 28 Jahren dieses Gesetz der beständige Streit vuntt (f, worúber nie eine Vereinigung der kleineren und grd- fiercn Grund-Eiaenthümer in den verschiedenen Provinzen statt- finden wird. Darum bemerkte auch der Finanz - Minister in der Sikung, daß er vom Köntge bevollmächtigt sey, zu erflà- ren, wenn die Kammer das Geselz verwerfe, die Regierung dein Antrage der Stände - Kommission beitreten wolle, nämlich

die Hauptsumme der Grundsteuer um 400,000 Fl. zu verrin-

gern, daß aber dann das Gese auf längere Zeit als auf 1 Jahr in Kraft bleiben solle. Man sieht nun it bieser Beziehung neuen Berathungen entgegen. Un- {ere Volks - Biidung und unsere wissenschafilichen Anstal- ren bedürften allerdings einer zeitgemäßen R-form. Aber

daran is auch erst dann zu denken, wenn die wichtigen materiei- len Fragen entschieden sind, und bis dahin leben wir immerhin in feinem verwahrloseten geistigen Zustande. Seit der Auf- hebung des so widerce<tli<h angeordneten Embargo haben sich unser Handel und Schifffahrt auch wieder erholt, und wir leben der gewissen Ueberzeugung, daß bei unserm angebornen Handels- eifer und wenn wir uns ein wenig den Zeitumständen anzuschlie- zen nit verschmäßen, demselben weder die Belgische Eisenbahn noc Schifffahrr irgend einen Verlust droht; im Gegentheil wer- den sie sár uns ein Sporn zu neuen Anstrengungen seyn.

Belgien.

Brâssel, 17. Dez. Jn der Sikung der Repräsentantet- Fainimer am 15. Dez. ward die Erörterung über den Geseb- (¿ntwurf erôffnet, wodurch alle Auflagen um 10 pCt. erhöhet werde, um einen Reserve - Fonds für einen eventuellen Krieg ait Holland zu bilden. E von Pollenus war der Mei- vung, daß es nicht statthaft sey, den Geselz - Entwurf anzuneh- men. Es ift, sagte er, kein Anschein eines Krieges vorhanden, und sollte ein Krieg ausbrechen, so könnte man sich an die Kam- mern wenden, die bereit seyn würden, die nöthigen Fonds zu bewilligen. Herr von Brouckère behauptete ebenfalls, daß tine Dringlichkeit da sey. „Etwas, was man mit Gewißheit 21 Nathe ziehen kann‘/, sagte er, „ist der Cours der Staats- Zonds, und man wird sehen, daß die Ersezung des Whig - Mi- rvisteréums durch die Tories nur einen augenbli>klichen und fast unmerklichen Einfluß auf die Fonds gehabt hat. Man wird mir vielleicht antworten, daß ih Recht habe, daß zwar keine Wahr- cheinlichfeit, aber doch die Möglichkeit einer Wiedereröffnung der ‘Fecndseligkeiten vorhanden sep, und daß man Fonds haben müsse, um ¿ie Kriegs - Bedürfnisse zu bestreiten. Diese Möglichkeit war auch x3 den Jahren 1832 und 1833 vorhanden, allein wir ha- ben deszalb niht die Nation mit unnüßen Auflagen überlastet. Man hat gesagt, die Kammer könne, wenn man die Fonds, welche die neu? Auflage aufbringe, nicht nöthig habe, über de- ren Verwendung entscheiden. Bewilligen Sie nur die Millio- nen, welche die Minister verlangen, so werden Sie am Ende des Jahres mit irgend einem Deficit heranfommen, und man wird einen Theil dieser Fonds zur De>ung desselben fordern.“ Herr A. Rodenbach bemerkte, daß vor dem Monat August 1831, als die Holländische Armee die Gränzen Überschritt, die Staats-Fonds ebenfalls nicht gesunken seyen. Er glaubte, daß man fúr die Zukunft klug seyn, und den Entwurf annehmen müsse, der ihm bei den Wohlthaten, womit das Land seit der Revolution dotirt worden, nichr so lustig scheine, als man vor- gegeben habe. Hr. Jullien erklärte, gegen den Entwurf zu stimmen, weil er die Ueberlastung als eine Verleumdung gegen die Thron-Rede und gegen die Erwartung des Landes be- crachte. Jn der Thron - Rede sey gesagt worden, daß Vermin- derungen der Steuern möglich seyen, und einige Wochen später fomme matt, die Thron-Rede und die Worte der Kammer Lú: gen zu sirtafen. „Man behaupte nicht‘/, sagte er „daß secit jener Zeit sh die Lage des Landes durch den Eintritt bes Herzogs von Wellington in das Ministerium bedeutend geändert habe. Der Minister des Auswärtigen hat uns gesagt, daß kein Er- cianiß, fein Wort, kein Beschluß, welche eine Abänderung des Systems des neuen Ministeriums in Bezug auf uns andeute- ten, zu seiner Kenntniß gekommen seyen. Ich weiß also nicht, wo man cine Gefahr gesehen hat. Uebrigens könnte man im Falle cines plô6lichen Krieges zu den Schab-Bons seine Zuslucht nehmen, die man nah Maßgabe der Bedürfnisse ausgeben oder von den fúr die Ecsenbahn bestimmten 35 Millio nen erheben könnte. Uebrigens glaube ih, daß man, um zu Frieden zu gelangen, wird vorab Krieg haben müssen; aber bis ¿c6t sche ih in dieser Hinsicht noch keine große Gefahr.“ Herr Desmet stimmte für die außerordentliche Subsidie, Der

Sinanz-Minister behauptete, es würde unkiug seyn, zu war- en, bis der Krieg ausbreche, um die nöthigen Vertheidigungs- di! Er bemerkte, daß man in Kriegszeiten

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‘¡ittel vorzubereiten. anmöglich seine Zusluht zu den Schaß -Bons nehmen könne. ijebrigens, sagte er, verspricht die Regierung, die durch den Ent- wurf vorgeschlagenen zusäßzlichen Centimes nicht iehr zu erhe: ben, sobald sie nicht mehr nüßlich seyn werden. Er ging sodann ¡x Berechnungen ein, um zu zeigen, daß der Entwurf die Mauth- ; Accise: Abgaben nur sehr mäßig erhöhe. Schließlich sagte daß er mit mehreren ehrenwerthen Repräsentanten hosse, : Oer Friede nicht gestôrt werden würde. Herr Meeus bekámpre den Entwurf, den er schr s{hle<t findet, und fär 1; 5<sst verderblich für die arbeitende, industrielle und Zandelnde Kuisse hält. Herr von Robaulx stellte die Zrage auf, ob die Zriegs- Subsidie nöthig sey oder nit? „Jch alaube/’, sagte er, „daß es nôthig sep, Vorsichts - Maßregeln zu nehmen , denn na< dem Stand der politischen Angelegenheiten scheint es mir klar, dap man um uns und ohne uns unterhan- deltz Herr von Meulenaerc hat seit seinem Eintritt in das Mi- nisterium keine einzige Note izehr erhalten. Jch würde daher dem Entwurf mein Votum nicht verweigern, wenn er eine al dere Basis hätte, Jch tadele den Entwurf, weil er die Existenz

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der ärmeren Klasse gefährdet, und finde ihn sehr unpolitisch, in so weit er die Mauth-Abgaben erhöht.“

In der Sißung vom 16. Dezember seßte die Kammer die obige Debatte fort. Herr Deómanet de Biesme machte das Amendement, daß die Minister úber die außerordentlichen Kriegs- Bedürfnisse einen von dem vorliegenden ganz getrennten Geseß- Entwurf einreichen soliten, und diefer Antrag fand von mehre- ren Seiten Unterstükung. Brel 10 Di Uq Ztg) Unsere Blatter wer: den Jhnen die Interpeclilationen überbracht haben, die vorgestern an-das Ministerium in Betreff der auswärtigen Angelegenheiten gerichtet worden. Auch diesesmal waren es wieder nur ein Paar Glieder der Kammer, die der Neigung, èas Ministerium zu be- unruhigen, nicht widerstehen konnten. Die Antwort des Herrn v. Meulengete war, wie sie nicht anders seyn konnte, Ueber cine veränderte Politik des Englischen Kabinets weiß man um so weniger etwas Bestimmtes, als man übec das Kabinet selbst noch nihts Gervisses weiß; und jedenfalls glaubt man, keine Ver- lezung der von dem vorigen Englischen Kabinette eingegangenen Verpflichtungen besorgen zu dürfen. Aus derselben Sigzung kdnnen Sie den sonderbaren Brief des Herrn Gendebien an ei- nen der Secretaire der Kammer kennen lernen. Dieser belei- digende Ton gegen Andersdenkende, diese Bitterkeit über die Minister, dieser Kommentar über den National-Konvent bei Ge- legenheit des Wortes „„Flontagne““, dessen sich der Justiz-Mini- ster vor einigen Tagen, allerdings in mehr als E:nem Sinne unpassend, bediente, dieses höhnische und schneidende Absprechen, sind Dinge, welche die Kammer dem Herrn Gendebien cher als einem andern Mitgliede nachsiecht, weil sie das Jadividuum be- rúcésihtigt, zu denen se aber au<h nur die Achseln zucke, denn Hr. Gendebien hat si< in scinem Oppositionsgeisie so gegen alle vernünftige Vorstellungen verschanzt, ist so sehr der Monoman seiner Jdeen geworden, singt so sehr nur immer das alte Lied, Belgien sey von den Mächten verrathen, und gquält sich dabei so unaufhörlich mit angeblichen Verlegungen der Verfassung, die gerade nur er überall aufzuspüren weiß, daß die Kammer ißm nur noch die Aufmerksamkeit des Mitleidens schenkt, wel- <es man einer innerli<h guten, aber verirrten Natur nicht ver- sazen kann. Daher läßt man ihm auch die größte Schonung toi- derfahren. So beschuldigte er in eben jener Diskussion, auf die sein Brief zurückkommt, den Minister des Junern der „Lüge,“ und doch war alles Unrecht auf seiner Seite; der Minister wies es thm unwiderleglich nach, sandte ihm aber nur das gelinde Wort „Jrrthum“ zurück. So ist es bekannt, daß Herr Gende- bien beim Anfange der Revolution gar nicht an die Möglichkeit eines unabhängigen Belgiens glaubte, und scinem damaligen Freunde de Potter nah Paris s<rieb, es sey unvernünstig, at etwas Anderes, als eine Vereinigung mit Frankreich zu den- fen, er strebe daher auch nur darnah (als Glied der Sicher- heits-Kommission), den Lauf der Ereignisse aufzuhaiten, um Frankreich Zeit zu verschaffen, Belgien einzunehmen. Und do< giebt sich jest Hr. Gendebicn für den besten, ja für den einzigen Patrioten aus, und hâle sich wirklich dafür, und diejenigen, die er so bitter angreift, sind nachsichtig genug, ihn nicht an jenen Mangel aller vaterländischer Gesinnung zu erinnern. ind er ist nicht das einzige Glied der Opposition, dem man Vieles, zu Vieles nac<seht. Ein paar Andere halten sich jede Unanständigkeit wider ihre Gegner für erlaubt, wobei Herr Jullien, von Brügge, nie verfehlt, seine platten Späße über Klerus und Kirche anzubringen. Jene Sißung lieferte dazu neue Belege. Während der Diskussion über das Kom- munal:Seseß s<hlug, wie Sie wissen, der Minister des Jnnern vor, dem Bürgermeister und den Schöffen die Polizci des Thea- ters zuzuweisen, mit der Befugniß, Vorstellungen, die den guten Sitten oder der dffentlichen Ordnung zuwider seyen (couträires aux bonnes moeurs ou à lPordre public), nôthigenfalls zu un- tersagen. Konnte man diesem Vorschlage einen Vorwurf ma- chen, so war es das unnüge desselben, da die Handhabung der Kommunal-Polizei schon an sich die des Theaters und zwar um so mehr in si begreift, als die Theater überall Kommunal- Gebäude sind und die Schauspieler durchgehends au von der Gemeinde - Kasse einen Zuschuß erhalten. Eine Verordnung der provisorischen Regierung hatte die Theater frei gegeben, in dem Sinne nämlich, daß es Jedem frei stehe, ein Theater zu er- dfs\nen. Dies hatte offenbar nichts mit jener Frage gemeinz in- dessen hielt der Minister eine neue Disposition im Komtnunal- Geseze für zwelmäßig, machte dieselbe jedoch gelinder, als alle disher bestandenen Dispositionen dieser Art der Französischen Gesehgebung, und blieb besonders, indem er die Regierung von der Theater: Polizei entfernt hielt, und sie dem Gemeinde-Rathe anvertraute, dem Grundsatze bürgerlicher Jnstitutionen treu. Weil aber die Intention eine sittliche war, die man wohl aus den Beschwerden herleiten durfte, welche seit einiger Zeit Über die einreißende Jiumoralität der Bühne geführt worden, so sah die Meinoritäc hierin nur die Katholiken und den Klerus, erhob hestigen Widerspruch wegen Verlezung der Verfassung: „Es sey di s eine Rückkehr zur Censur, eine Beeinträchtigung des Eigenthums-NRechts, eine Usurpation der Geistlichkeit u. st. w.‘“, und verwirrte dabei alle Begrisse. Am folgenden Tage war es, wo der Justiz-Minister sich des Ausdrucks „„Noniagne** bediente, den er wohl um fo mehr hätte unterlassen soilen, als er selbst früher mit den meisten Opponenten befreundet war. Jn diesem Sinne wurde ihm dann auch scharf geantwortet, übrigens blie- ben seine Gründe unwäiderlegt, und das Amendement ging mit 45 Stimmen gegen 15 dur<h. Jn der Kammer geschlagen, suchte sich die Opposition im Theater und auf der Straße zu entschä- digen und rekrutirte Knaben und Gassenbuben zum Lärmen und Pfeifen. Erst wurde „, Tartusse“ gefordert, denn „La lour de Nesle“ und einige andere Stúcke, in denen die moderne Fran- zéfische Literatur die Unsittlichkeit mit den rohefien Farben auf: actragen hat. Der „Liberai‘/, der sich bei diesem Anlasse selbst überbot, versprach, jede Anspielung, jede Unsittlichkeit werde dop- pelt und dreifach beklatscht werden; der Courrier belge wüthete gegen den Justiz-Minister, gab Über die Vorstellungen im Theater die übertriebensten Berichte, und scheute sich nicht der Unwahr- heit, der bekannte Vers Molière's, in dem das Lob des Kdnigs gesprochen wird, sey mit zweimaligem allgemeinem Pfeifen em- pfangen werden. Als aber die Helden der Theater-Freiheit und Unsittlichkeit geschen, daß es der Regierung mit Handhabung der Ruhe Ernst ist, haben sie ihr Unwesen eingestellt. Recht eigentlich hat sich bei dieser Gelegenheit der Charakter derjeni- gen, die fich in Belgien mit dem Namen Liberale brüsten, an den Tag gelegt. Jn der Religion sind sie niht über Voltaire's Gespdtte und Seichtigkeit hinaus; in der Philosophie ste>Æen sie noch im materialistischen Sumpfe des 18ten Jahrhunderts; in der Politik verwechseln sie Freiheit mit Zügellosigkeit und Un- sittlichkeit. Nur zum Zerfidren haben sie Geschi>k, denn jedes

sen. Davon aber haben sie keinen Begriff, dazu sind hig, und gefallen sich daher nur im R s unf;

Antwerpen, 16, Dez. Gestern hat s< hier ei unbedeutender Vorfall ercignet, der jedoch A Ou von besonderer Vorbedeutung erscheint, Es wurde nämli 3sten Feier des Gehurtótages des Königs ein Feuerwerk abgeh : und bei dieser Gelegenheit stürzte das Fronton, auf welche tannt die Worte: „Es lebe Leopold 1.// befanden, plöglich Aus sh und zwar fiel die Krone zuerst auf den Boden nieder. U 9 Orangisten vergleichen diesen Zufall mit der bekannten Seen R a Kammern von 1830, wo Kar| seine Sut fallen ließ, den ihm der damalige Herzog von : / O h ge Herzog von Orleans wi,

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Kassel, 13. Dez. (Schw. Merk.) Mit dem F von Hohenlohe-Schillingsfurst, Vater der beiden Haupt C des Landgrafen von Hessen-Rotenburg, ist der Fürst von Hohe lehe - Langenburg hier eingetroffen. Beide Fürsten wurden 4 wec<selud bei Jhrer Königl. Hoheit der Kurfürstin und bei C Königl. Hohcii dem Kurprinzen-Regenten zur Tafel geladen uy) sind von hier nah Rotenburg abgereist. Im Testamente N verstorbenen Landgrafen ist der Prinz Viktor von Hohenloh, Waldenburg-Schillingssär{t, Pathe des Landgrafen Viktor n deus, zum Majoratsherrn des Herzogthums Ratibor erklärt ih dessen Druder, der ‘Prinz Klodewig, Pathe der Schwester N Landgrafen, der Prinzessin Klotilde von Hessen-Rotenburg i Majoratéherrn der anderen Allodial: Besizung des Landgraf, des Fürstenthums Corvey in der Preußischen Provinz Westyba: len besteüt. Man rechnet, daß das erstere Majorat ein Einton, men von jährlich zwischen 59 bis 60,000 Rehlr. , das ande mehr als 26,000 Rthlr. abwirft. i

i In allen Städten und Gemeinden Kurhessens is man j diesem Augenblicke mit den Vorbereitungen zur Vollziehung de vor kurzem verkündeten neuen Srädte- und Gemeinde-Otdyy beschäftigt, indem das neue Gese schon mit dem nächsten Zohte in das Leben treten sol. /

Stuttgart, 17. Dez. - Unsere diesjährige Weihn Messe ist von Verkäufern jehr besucht, so e n Rati Marktplanzes nicht zureichte, und auf dem benachbarten D, theen - Pla (Dôren - Plaß) no<h Buden aufgeschlagen wetden mußten. Die Zoll - Vereinigung mit Preußen und Sachsen hq manche neue Verkäufer aus diesen Ländern herbeigeführt, Ye, sonders aber sind viele Preußische und Bayerische Jsraeliten hier, Db sie alle ihre Rechnung finden werden, ist eine andere Frage, Indeß wird der reiche Ertrag der Weinlese allerdings vortheil haft einwirken;

Frankfurt a. M., 17. Dez. Jn der bten Sigung w serer diesjährigen gesetzgebenden Versammlung stellte Herr N, Seufferheld eiten Antrag auf Errichtung einer Schule n dg Vell-Lancasterschen Methode, lautend wie folat :

,¡Vielen unter den hier Anwesenden is gewiß noch cin Mitgli) unseres Gemeinwesens in gutem Andenken, welches nicht nur int Zeiten der Noth, des Kricgs-Getümmels und mancher inneren zj: stigkeiten sich wesentliche Verdienste um Frankfurt erworben hi, sondern welches auch in dieser Versammlung kräftig durch Rede) That bet vielen Gelegenheiten auftrat. Es ist der selige Staatsruh Moriß von Bethmann, den ich hier im Auge habe. Zwar hat ijm in einem Zeitalter, wo man weit unbedeutenderen Menschenkinden nach threm Tode Denkmäler seßt, seine Vaterstadt kein Monment noch errichtet; aber Er, der großsinnige und edle Menfche- und Vaterlands-Freund, wollte sich selb ein Denkmal stiften, dw nw dem thm eigenen praftischen Takt an der großen Strafe des L bens stehen und nüben solite, wo denn immer Wanderer vorbe: gehen, die mit danëbarer Anerkennung. den Namen des Geschiedenn lesen. - Er vermachte nämlich in seiner leßten Wiülens-Meinunzg s ner lieben Vaterstadt (wie er félbs| dort Frankfurt nennt) ein pital von Vierzigtausend Gulden, das auf städtische Obligationen angelegt, und dessen Zinsen zur Unterhaltung. einer Fresschule wt ivandt werden sollen. Doch ih bin so frei, Fhnen den hierher gt hdrigen Abschnitt seines Testaments nach einer von hocbldblichen Stadtgerichte beglaubigten Abschrift hier mitzutheilen. Daß unst felige Mitoürger die Bell- Lancastersche Methode zur Grundla der von thm zu sliftenden Unterrichts - Anstalt wählt, ging au seiner initigsten Ueberzeugung hervor. Moriß von Bethmann hatt die Vorzuge dieser Lehrart, bei sciner bfteren Anwesenheit in Frank: rei und England, kennen und würdigen gelernt. Er stand selbf mit dem Direktor des ensticuement muluel in Paris in näht Verbindung, und alle Schriften, die über dkesen, für das Gemei: wohl so wichtigen Gegenstand in Französischer oder Englischt Sprache erschienen, wurden ihm zugeschi>kt, und sind noch in seint Bibliothek vorzufinden. Auch hat sich das Vertrauen , welches dit Selige auf diese Lehrmethode seßte, bis jeßt vielfach gerechtfertigt. Nicht nur, daß die geroiß religdsen Engländer diese Methode, 0s wohl in dem gewbhulichen Kirchsviel, als auch in den Sonntags Schulen, mit großem Erfolg anwenden, nicht nur, daß in den sireng monarchischen Rußland und Oesterreich diese Lehrmethode Beifall gewonnen; nicht nur, daß in Frankreich seit 1830 das en- seignement mne úber die sogenannten l'eères ianorantins den ett- schiedensten Sieg davongetragen, selbsi in Spanien und Portugal find Lancaster-Schulen in Thätigkeit. Fndessen sind nun bald ach! Jahre seit Bethmanns Tod verslossen, und no< hat man kei Kunde darüber erhalten, ob seine leßte Willensmeinung in_ di ser Hinsicht von jenen obrigkeitlichen Behdrden, welche die Salt näher angeht, in Vollzug geseßt werden will, oder nid! Da nun diese hochverehrte Versammlung neuerdings wieder 10 Zulage für mehrere hiesige Schullehrer angegangen worden : da ilt Zahl der Freischüler in den hiesigen Volksschulen sich in einem del fieigenden Nahrungémangel entsprechenden Verhältniß täglich mehtt und die gewiß nicht ungerechte Klage, daß nach dem gegenwärtige Stand der Dinge dic noch zahlungsfähigen Aeltern blestger Schul- kinder für den mittellosen mitbezahlen müssen, schon dfters in diet hochverehrten Versammlung erschollen ist, so wünschte ih, ths! aus Verehrung gegen den Verstorbenen, theils aus reinem Gemeil- sînn veranlaßt, zu erfahren, warum man von der großmüthigen D! position des seligen Moriß von Bethmann bis jeßt keinen (Gebrau) gemacht hat. Da in jener Disposition von keinem Konfessions-Ul- terschiede die Rede ist, es auch niemals in der Gesinnung des Vet? storbenen lag, seine Brüder nach ihren Glaubens-Artikeln zu {el den und zu zählen, so gehdrt gewiß nach der Constitutions-Ergll' zungs-Afte diese Angelegenheit vor keine andere Behbrde, als 0 die hochldbliche gemischte Kirchen- und Schul-Kommission. Es tf gcht daher an diese hochverehrte Versammlung meine Billt: a) Diesen Antrag als zulässig zu erklären, þ) und denselben alt hohen Senat zur geneigten Berücksichtigung und Rükäußerung langen zu lassen.//

Nach einer kurzen Diskussion beschloß die Versammlung ohne Umsrage: den Antrag für zulässig zu erklären und hohem Senat zur Rückäußerung mitzutheilen.

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Wien, 16. Dez. Aus Siebenbürgen is die Nachrid!t eingegangen, daß, Graf Nemes, Präsident der dortigen Ständt, mit Tode abgegangen is. Er wird allgemein bedauert, da f

Aufbauen se6t ein bestimmtes Ziel voraus, ein Ziel aber erfor- dert Maaß und Schranken, die den Wirkenden heilig sepn müs: il

sich in gleichem Maße die Achtung des Landes wie das L trauen der Regierung zu erwerben gewußt hatte, Dieser 99

_> vielleicht einige Sto>ung in die Verhandlungen des Land- ne E da 5 zwar nicht gegen die Verfassung, jedoch un- M zhnlich ist, daß der Gouverneur oder ein großfürstlicher Com- ge ir bei dem Landtage, wenn er einmal eröffnet ist, den E führe, vielmehr der Präsident, der au deshalb in be- diger Rúcksprache mit dem Gubernium steht, die Gegenstände yortrágt und die Verhandlungen leitet.

Italien:

Rom, 6. Dez. (Allg. Zeit.) Obgleich immer Reisende

n allen Nationen sich hier auf alten, welche ganz verschiedene litische Ansichten und Interessen haben, so werden dieselben M wenig geäußert, selbs wenn sie sich in den ersten Häusern unserer Stadt sehen. Aber seit der Nachricht von Wellington's Ernennung bemerkt man, daß die Engländer sich einander <{rof- fer entgegenstellen. Als vor einigen Jahren die Nachricht von der Annahme der Reform-Bill hier eintraf, so vertheilten die igs Geld an die Armen, oder vielmehr, sie warfen es zum Fenster hinaus; dagegen feiern gegenwärtig die Tories dur S hmaus und Tanz die Nükkehr ihrer Partei zur Macht. De veutende Wetten sind geschlossen worden, ob das neue Ministe- rium sich so lange im Amte halten werde, als das abgetretene. Mehrere Engländer sind von hier abgereist, um Anstellungen unter der neuen Verwaltung zu suchen. _ Andere ossen, 9erusen erden, um ihre früher bekleideten Stellen wieder einizuneh-

w ; O Da Dom Miguel hat heute dem Papi einen 8 esuch abge- Er wird hier mit vieler Auszeichnung behandelt, und

stattet.

man sieht ihn in den ersten Zirkeln. Seine Anhänger ver-

sichern, man bereite für ihn, so wie für Don Carlos bedeu- tende Expeditionen in einem „nordischen Hafen, um vereint | cinen Cinfall in die Pyrenäische Halbinsel zu unternehmen. Dasselbe Gerücht wurde aber auch hon hier verbreitet, ehe die Nachricht von dem Wechsel des Englischen Ministeriums Lin- traf, und findet daher wenig Glauben, Man sagte, der Rit- ter Sebregondi sey abgerusen , um eine andere Mission für sei- nen Hof zu übernchmen. Jndessen scheint sich dieses Gerücht nicht u bestätigen, und seine Entfernung wäre in der That ein wal;- rer Verlust für unsere Verwaltung, da so manches Gute bei der Administration auf seinen Rath geschieht, und noch Vieles er- wartet wird. Wie man nun üinmer mer daxauf dringt, un- seren Finanzen einen geregelten Gang zu geden , 10 till gegen- wártig die Regierung verschtedene Stadtzölle und Lokal:Ubgaben in Pacht geben, wozu die Einladungen durch elnschlage / Zettel | hefannt gemacht sind. Auf diese Art hofft man eine feste Sum- ' mezu seiner Verfügung zu erhaiten. Einige ältere Pacht- Kon- | trafte sind, da ihre Zeit noch nic;t abgelaufen ist, und die Cin- Ï nahme sih während einiger Jahre chr vermehrt hatte, durch | fontraftmäßige Vergütung aufgehoben worten, und sollen nun | zu hôheren Preisen auégeboten werden. -— Das neue Gesebbuch 'ist erschienen, enthält aber wenig Neues; es ist mehr eine Samm- lung aller nah und nach erschienenen, {on lebt geltenden Ges | seße, Bei einigen Gerichten ist hinsichtlich des Personais vors | geschrieben, daß die eine Hälfce der Richter aus Zuristeik, die } andere aus Geistlichen als Beisizern bestehen soll, JZH sah die Wagen, welche der Post beigegeben tourden, um diese Ge- | sehbücher in die Provinzen zu bringen ; möchten sie nur jèreng | befolgt und dadur den Willkürlichkeiten ein Ende gemacht wer- } den, die so viele Klagen veranlassen. Bie Prozeß - Kosten, {o wie die Gebühren der Advokaten, sollen bedeutend vermindert werden, worüber man die Verordnung in nächster Woche erroagr- tet. Der Fürst von Montfort ist aus Florenz hier ange- | kommen.

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Spanien.

Ueber die (hon erwähnten) Unruhen in Cadix meldet ein im Messager enthaltenes Schreiben aus diesem Orte von | 20. November yoch Folgendes: zern Abend fand in dem Jtaliáni Ti ine Darítellung der Oper „la Straniera‘/

| Jtaliänischen Theater eine Darstellung der Oper „a Stra! } jfatt und wegen der Feier des Jahreétages Isabella's Il, war Ÿ das Haus außerordentlich erleuchtet und zahlreich besucht. Nach Ï dem ersten Aft sollte die Hymne Jsabella's ti. gesungen werden, Ÿ aber das Publikum verlangte mit großem Geschrei die Hymne N Riego’'s. Da der Lärm fortdauerte, so redete der Subdelegat Ÿ des Civil-Gouverneurs, Domingo Vidart, der wegen setner zwet- ) felhaften Gesinnungen bci dem Volke verhaßt tf, das Publi: h fum mit folgenden Worten an: /- „Jch will, daz die Hymne, Ÿ welche ich anbefohlen habe, gesungen werde, und ich gebiete Y Stillschweigen und Mäßigung! ‘‘‘/ Diese Worie, so wie ) seine drohende Miene reizten die Zuschauer so sehr, } daß sie anfingen, die Bänke zu zerbreczen und die StücLe unter Y dem Ruf: „„Stirb, Schurke, Verräther!“ nach der Loge des } Subdelegaten zu wersen. Herr Vidarc verließ jeine Loge nicht, | sondern sandte zum Misitair-Gouverneur, um sich Truppen zu erbitten, Dieser schickte ihm ein Detaschement, gad jedoch den Befehl, ‘das Volt, welches den Subdelegaten hase, nicht zu f reizen, Das Volk sang dic Hymne Riego’s. Der zweite Ak E wurde in einer Viertelstunde beendigt, oder er wurde vielmehr Ÿ nicht ganz gesungen, weil der Lärm und das Geschrei fortdauerten. [Nach dem Schauspiele bildeten sich mehrere Gruppen guf dem Plaße, um den Gouverneur zu erwarten und sich an ihm zu Irchen, aber Herr Vidart blieb im Theater, bis Alle slch zer- Y freut hatten. Heute begab sich das Volk in Masse nach dem Theater j del Valone und verlangte vor der Darsteilung die Hymne Riego's. i Obgleich zwei Bataillone Linien-Truppen dahin gesandt worden f waren, um das Volk im Zaum zu halten, so hatten sie dem Pus- | blifum nachgeben müssen und janzen zulezt mit demselben ge- } meinschaftlich) die Hymne Riego's. Während der Vorftellung } wollten die Zuschauer die Rolle des Schauspielers, welcher den Tyrannen darstellte, nicht hôren; so oft er ecschien , riefen ste: | ¡Tod den Verräthern und Tyrannen!“ Hiektauf verließen Alle } das Theater und zogen in Masse nach der Wohnung des Sub- | delegaten Vidart. Auf die Aussage der Dienerschaft desseiben, | daß er von Cadix abgereit?? sey, begnügte sich das Volk damit, die Fenster seines Hauses mit Steinen einzuwerfen. Dann gina der Zug nach dem Jtaliänischen Theater, um zu sehen, ob

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Herr Vidart nicht dort c). Allein dex Militair - Gou: j °erneur hatte hon die Garnison und die Stadt - Miliz

I dem San-Antonio-Plaßze aufgestellt, um das Volk von dem | Cintritt ins Theater abzuhalten und es aufzufordern, auseinan- } der zu gehen. Wirklich begannen auch die jungen Leute sich in | fleinen Gruppen in die verschiedenen Straßen der Stadt zu ver- | theilen, während sie die Hymne Riego’s sangen und die Later- } nen zerträümmerten. Der Mislitgir-Gouverneux redete die Grup- Ï pen an und sagte, daß diese Unordnungen von den Karlisten er- j regt worden wären; er entließ dann die Linientruppen in ihre h Quartiere und blieb mit einigen Compagnieen Urbanos auf dem I Plabe, bis die Ruhe wieder vollkommen hergestellt war. Man

fürchtet da L E ¿ : Y Rol) Alg | BIAL L ß die Theat-r his auf weiteren Befeh{ geschlossen

? au< die Entwürfe Santana’'s seyn mögen, so kann man doch

per E

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- wäre er der wahre Wiederhersteller seines Landes geworden. Er

| rissen darstellen, um sih der Provinz Texas zu bemächtigen !““

i schehenen Einrichtung eines neuen Begräbniß- Plaßes, von dem

j Dank für seine Geschichte der Entstehung desselben a priori *), doch

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Mert fo.

Der Courrier des Etats-unis vom 22. Oktober stellt folgende Betrachtungen an über den Stand der Angelegenheiten in Mexiko: „Die hier eingehenden Nachrichten aus Mexiko lassen keinen Zweifel über den Zweck der von Santana bewirk- ten Contre-Revolution. Nachdem er die militairishe Opposition, welche die National - Partei nicht verlassen und der Aristokratie und der Geistlichkeit sich nicht anschließen wollte, vernichtet hatte, erklärte er, daß er einem allgemeinen Kongreß die Wahl des zu befolgenden politischen Systems überlasse, und des ganzen Ein- flusses, welchen er der Geistlichkeit und Aristokratie zu verschaffen wußte, versichert, beruft er ohne Furcht eine neue National-Ver- sammlung auf den 1. Januar 1835. So hat der Bürgerkrieg, für jeßt, seine Verwüstungen in diesem Lande eingestellt, das so reíi<h und glüklih seyn fönnte, das aber, Dank dem Ehrgeiz feiner Militair - Chefs, alle Civilisation von sich |dßt. Welches

unmöglich an die Fortdauer der Ruhe in einem Lande glauben, wo der Bürger für nichts gilt, keinen Einfluß ausábt, jedem von einem unternehmenden Öffizier kommandirten Haufen Sol- daten weichen muß, und wo die Macht immer in der Hand des Stärkeren ist. Santana wird gestürzt werden, wie er selbst seine Vorgänger gestürzt hat. Dies wird um so mehr gesche- hen, da eine zahlreiche, unnúße, schle<ht disciplinirte und s{lec<t besoldete Armee kein Gegengewicht im Volke und in der Na- tional - Miliz findet. Angeführt von einem Manne von Geist, wird sle cin sicheres Mittel zur Unterdrückung, und mehreren Anführern übergeben, die eben so ehrgeizig sind, als es ihnen gänzlich an Palr:otismus und Fähigkeiten Kehle, wird sie ein Wert: zeug beständiger Revolutionen. Mexiko wird noch lange Zeit hin- durch eine Beute militairischer Factionen seyn; ein Generaiftab von 830 Generalen und eine Armee von 20,000 Mann, die dem Staat eine ungeheure Summe kostet, müssen jedes Element der öôffent- lichen Wohifahrt zerstören. Santana konnte, nachdem er zur Macht gelangt war, eine Rolle spielen, die scine Vorgänger, welche keinesweges constitutionnel waren, in Vergessenheit ge- bracht hâtte. Er mußte den größten Theil dieser unnüßen Armee entlassen, die Macht in den Händen des Volks befestigen und sich mit den wahren Repräsentanten desselben umgeben, dann

thut von Allem gerade das Gegentdeil; er verbindet sih mit den Klassen von Leuten, die sl< jeder Jdee von Emanci- paticsa, Freiheit und Volks - Aufklärung widerseßen, um eine Macht zu erlangen, von der er schon lange träumte. Er wird fallen, wie die, welche vor ihm waren und wir werden ihn zuleßt an der gastlihen Küste der Vereinigten Staaten lan- den schen, um von denen erseßt zu werden, die er jest verstôßt. Eine Zeitung der Regierung, el Procurador del Pueblo, enthält eine vier Spalten einnehmende vorgebliche Antwort auf einen unserer früheren Artikel gegen Santana. Sie besteht aus unendlichen Lobeserhebungen dieses Befreiungs - Generals und aus den besimmtesten Versicherungen von seiner Liebe für die Freiheit und Unabhängigkeit Mexiko's, enthält aber keine That- sache, um dies zu beweisen. Dieser offizielle Vertheidiger des Präsidenten scheut sich nicht zu sagen, daß die religidfe To- leranz die Hauptquelle alles Uebels sey und erklärt die Mißbilligung, welche die lesten Handlungen Santana's hier er- fahren, dadurch, daß die Vereinizten Staaten die Glückseligkeit Mexiko’s beneiden und es nur deshalb als durch Factionen zer-

Anland.

Berlin, In Bezug auf die in der Nr. 349 d. St. Zeit. enthaltene Anzeige von dem in Wesel beabsichtigten Bau eines Leichenhauses, wird uns aus Nauen (Reg. Bez. Notsdam) gemeldet, daß auch dort, bei der im Mai d. F. ge-

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Magistrate und dem Kirchen-Vorstande ein Gebäude aufgeführt worden ist, in dessen über 7 Fuß hohem Souterrain sich eine heizbare geräumige Leichenstube befindet. Hier können die bei- geselzten etwanigen Scheintodten den oben im Hause selbst wohnenden beiden Todtengräbern dur< Hbesondere Vorrich- tungen soforè die ndôthige Nachricht von ihrer Wiederbelebung ertheilen. Auch zur Aufnahme solcher Leichen, deren Hinterblie- benen der erforderliche Raum mangelt, um sle ohne Nachtheil fár die Gesundheit während der geseslichen Zeit bei sich behal- ten zu können, ist dieses Lokal bestimmt.

In Koblenz will man am 17. d. M. Morgens vor 6 Uhr eine kleine Erderschütterung, die jedo<h nur wenige Sekun- den dauerte, verspürt haben. Ueber die Richtung, die dieselbe genommen, wird nichts Genaueres angegeben.

Die Stadt-Verordneten zu Birnbaum im Reg. Bez. Besen haben, um den Tag der Einführung der Städte-Ordnung durch ein bleibendes Denktnal zu feiern, dem Waisenhause zu Großdorf einen angemessenen Zuschuß zugewiesen, um diese An- stalt in den Stand zu seßen, die Zahl der dort aufgenommenen Waisenkinder zu vermehren.

Unter den aus Posen eingehenden Meldungen über die

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Unglücksfälle, die sich im vorigen Monate in dem dortigen Re- ;

gierungs-Bezirk ereignet haben, befindet sich eine so drollige, daß wir uns nicht enthalten können, sie hier mitzutheilen. „Eine Frau‘, so lautet dieselbe, „fand ihren Tod in Folge unmäßigen Branntwein-Genusses, und ein Bauerwirth, der auf einer Hoch- zeit zu emsig Über einen großen Kalbsbraten hergefallen war, er- stickte, nachdem er denselben bereits zur Hälfte verzehrt hatte, an einem 21 Zoll langen und eben so di>ken Stücke Fleisch, wel- ches ihm im Halse ste>en blieb, “/

Geistliche Musik der Sing-Akademie. Sweiter Artikel, (Vergl. Nr. 352 der Staats-Zeitung.) Fun dem dritten Theile des Briefwechsels zwischen Gdthe und Zelter äußert dexr Leßte: er halte den Messtas Händels, als Ganzes betrachtet, für zufällig entsianden; der gute Rochliß verdiene zwar

sey sie tadelnswerth wie alle Geschichten dieser Art: die Nothwen=- digkeit selbs könne nicht bestehen ohne Zufall u. \. 1.

Diese Behanytungen bedürfen und verdienen eine nähere Prü- fung. Ein jedes echtes Kunsiwerk muß hervorgehen aus freier Bes- geisterung, unterliegt also keiner äußerlich unbedingten, mathema- tischen Regel. Diese Begeistcrung ist aver andererscits nicht etwas egelloses, oder gar allen Regeln Widersprechendes, oder bloßer Zufail und Willkür; sondern ste bezieht fich innerlichst auf ein hd- heres Geseh. Wer die Willkür mit Begeisierung verwechselt, oder in der Geseßmäßigkeit nur Zwang erblickt , ist ohne Zweifel in der JFrre. Ferner tritt die Selbsibeftimmung von innen, mit Veranlas= fungen, Ereignissen und Bedingungen von außen, in die mannig- fachen Wechsel - Bestimmungen; daher kann die Geschichte cines

Kunftwerks so wenig ganz a priori, als ganz a posteriori geliefert werden, und Rochliß hat den ihm von Zelter zugeschriebenex Plan- unseres Erachtens, nie gehabt. Fede Construction eines Kunsiwerks a priori (wie man si< wohl ausgedrü>t hat) ertddtet nicht allein alle die verschiedenen Möglichkeiten, welche vor desen Ershafung zur Hand waren, sondern verwandelt auch die eine hervorgttretene lebendige Wirklichkeit in eine todte Abstraction. Nicht weniger tas delnswerth aber wäre es, wenn jemand aus Vorliebe für seine Ar- rangements a posteriori nun glaubte: man dúrfe ein gegebenes Kunstwerk nach Belieben umgestalten, weil sih nirgends cin ewiger, nothwendiger , unantasibarer Kern auffinden lasse. A priori kann man nicht erweisen, welche und wieviel Philosophen Raphael in sei- ner Schule von Athen malen, wie er sie stellen, klciden , anordnen sollte: sind se nun aber einmal gemalt und hingestellt, dann kanm man nicht hintennach kommen, umstellen, verrenfen, auswischen oder zuseven. Die frühere schdpferische Freiheit stellt si<h beim echten Kunstwerke nunmehr als eine gegebene Nothwendigkeit dar und wer dies, anmaßend oder leichtsinnig , nicht anerkennt , geräth hierdurch ehen selbsi in die todten Abstractionen, welche er bekämpfen wollte. Ihm fehlt die Ehrfurcht vor dem Vollendeten, und indem er die durch dasselbe neu erschaffene feste Regel verwirst, und willkürlich eine andere aufsucht, ergiebt er sich cinem Spiele mit Möglichkeiten- welche tief unter dem bereits Vorhandenen stehen. Gern würden wir annehmen, Zelter habe mit seinen oben angeführten Worten nur in der Kürze das bezeichnen wollen, was wir hier entwickelten; alleitr seine weitere Betrachtung und Behandlung des Messias scheint das Gegentheil zu erweisen. j

Wir räumen willig eit, daß Händel nicht mit einem Male zur Auffassung und Begränzung des großen Ganzen kam, daß manche mustkalische Motive früher entstanden, und daß vielleicht das Amen eher als die Ouverture geseßt ward; daß er versuchte, hinzufügte und hinwegnahm, bis er endlich sagen konnte: exegi monumentum. Die Gründe dieser leßten Entscheidung des Meisters, wodurch das, an- fangs in gewissem Sinne Zufällige, Haltung und Festigkeit erhielt, haben Rochliß und Braniß in ihren Aufsäßen über den Messtas auf ldbliche Weise zu entde>en, und die Uebereinstimmung dichteri- scher Begeisterung und kritischer Ueberlegung zu erweisen gesucht. Daß man dessenungeachtet einzelne Stücke weglassen könne oder müsse, wird nicht bestritten: diese Maßregel beruht aber auf uße=- ren Gründen und ist durchaus von einem Umstellen und Umgestal- ten verschieden, welche den Sinn und die Bedeutung des Wesentit- chen verändert.

Wenn also Zelter (im Gegensaß zu obigen Bemühungen des Rochliß und Braniß) den Messtas, welchen der Komponist aus schr überwiegenden Gründen in drei Theile theilte, in vier oder fünf Theile zerfällen will, so spricht sich schon in dem oder eine Unbe- stimmtheit und Unsicherheit der Kunst - Kritif aus, wie sie Händel gegenüber keineswegs zu dulden if.

Nicht minder halten wir den Versuch, einzelne wichtige Stü>ks auf andere Stellen hinzubringen, und die aus dem ersten Händel- schen Theile gemachten zwei Abtheilungen cigenthümlich zu schlie- fen, für völlig mißlungen. Zelter nämlich beendet seinen ersten Theil mit der Arie: „Das Volk, das im Dunkeln wandelt , sieht nun ein grofies Licht‘/, und schiebt den folgenden Chor: „Denn es ift uns ein Kind geboren“, hinter die Worte des Evangelisten Lu- fas cin, „denn cuch ist heute der Heiland geboren u. \. w./ Dies Verfahren trennt zuvörderst die Worte des Propheten Jesatas (1X. 1— 6), roelche so wesentlich zu einander gehdren, daß der Nachsatz die nothwendige und unerläfliche Erklärung enthält: worin denn das neue Licht bestehe. Des Propheten Weissagung hinter die Erzählung der nacmals eingetretenen Thatsache einschieben, be= ruht auf einem völligen Verkennen des tiefsinnigen Zusammenhans ges. Aber selbs abgesehen hiervon , is es thôricht zu sagen: „Du steh ein großes Licht‘/; nach diesen Worten aber das Licht auszu= blascn und den Vorhang herunter zu lassen, so daß man eben nichts sicht und hört. :

Ferner werden durch das Einschiehen jenes Chors, die Worte und der Sinn der Stelle aus dem Evangelisien Luïfas (Il, 16 13) ungebührlich auseinandergerissen; denn das „Und alsobald war da bei den Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren u. s. w./“ bildet hier eben so den untrennlichen Nachsaß zum Vordersate, wie dort das: „Denn es is uns ein Kind geboren. ‘/ :

Eben so wenig kdnnen wir billigen, daß der angebliche zweite Theil des Messias, gleichwie der neuerfundene crse Theil, mit einer Arie „er weidet seine Heerde// endigt. Händel hat die großen Ab= theilungen seiner Oratorien aus überwiegenden Gründen immer mit Chdren geschlossen. Ueberdies wird durch diese Neuerung zum drit- tenmale der biblishe Text zerrissen; denn na<h den Worten (Mat- thäus XI., 28 —- 20): „so werdet. ihr Ruhe finden für eure Seelen“/ e nothwendig folgen, „denn sein Joch is sanft und seine Last ift leicht./

So hat Zelter’s (na< Grundsäßen 2 priori, oder uttgenügendett Abstractionen) versuchte wichtige Veränderung des Messias nur voir neuem erwiesen, wie besonnen und tiefsinnig derselbe aufer baut is. Gleichwie das ganze System des Christenthums, welhes man an unzähligen Orten zu beschneiden und umzugestalten versuchte, sich immer wieder in allen seinen Hauypttheilen bewährt hat, so auch Händel’s darauf gegrünetes und damit übereinstimmendes Werk. Die Sing- Akademie soilte deshalb nicht durch cine falsche Pietät abgehalten werden, dem großen Mei= ster Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und cinsirotilige Frethumer aufzugeben. Diese Forderung ist keinesweges attmaßend, denn nicht allein Händel sieht uns Aa Seite, sondern (sehr unerwartet) sogar Zelter selbst! Er \agt nämlich in einer Recension: *) „Die Musik hat, so weit ihre Geschichte bekannt if, in dieser Art kein Muster von Vollkommenheit und Rundung aufzuwcisen, das diesem Messias an Allgemeinheit für die ganze chrisiliche Kirche, an poetischer Er= hebung und Begeisterung und kunsimäßiger Zusammensetzung zur verglcichen wäre; und man könnte dieses Werë als einen Canon vort Geist und innerer Wahrheit ansehen, der dur<h Wort und Ausdruck ein vollfommen kla“es Licht über das Wesen des gesammten Chris stenthums gewährte.‘ / 0 0

*) Reichardts musikalishe Zeitung, Izhrgang 195, S. 42.

Literarishe Nachrichten.

Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Beríin und dessen nächste Umgebungen 11it Einschuß von Charlottenburg, auf das Jahr 1835, herausgegeben von J. W. Boike. Vier- zehnter Jahrgang. Berlin, Veit und Comp.

Wenn wir uns veranlaßt finden, in diesen Blättern von den so eben erschienenen Wohnungs - Anzeiger {Uv 1835 zu svrechen, so thun wir dies in der Ueberzeugung, daß ein #o beharrlich fortge- seßtes gemeinnübiges Bestreben eine deutliche Anerkennung ver= diene. Schon scit dreizehn Fahren sind wir der Verfahrungsweise des Herrn Boike aufmerksam gefolgt, dessen Umsicht in jedem Fahre neue Hülfsmittel zu ersinden wußte, um sich 1dglihf richtige und umfassende Materialien zu verschaffen. Die eigenhändige Unters- schrift eines jeden hiesigen Einwohners würde gewiß die zuverläs- sige Grundlage eines folchen Unternchmens seyn, wenn wir nicht aus Erfahrung wüßten, daß die Haus - Listen in manchen Hâäusermæ nicht in angemessener Weise zirkuliren. Wir glauben, unsere Mit=- blirger auf diesen Uebelstand aufmerksam machen zu müssen , well es gewiß nur diescs Winkes bedarf, um einen Feden, dem es um eine genaue Angabe seiner Adresse zu thun ifi, zu veraulaßen, die Liste von seinem Hauswirth zu verlangen. Da jedoch, wie in dex Yorvede versichert wird, „durch fortgeseßte Vergleichung der An- zeigen in dentlichen Blättern, so wie durch authentische Nachrich= ten bewährter Männer und Privat « Mittheilungen aller Art eine Kontrolle der aus den Haus-Listen eingetragenen Notizen gewonnem wird //, so dúrfen wir uns versichert halten, daß uns von dem Herrn Herausgeber eine Arheit dargeboten wird, die unter den gegebenen

*) Rochlit, füv Freunde der Tonfunst, Th. 1.

Umständen der Volisländigkeit möglich nahe kommt, Denn freis