1876 / 30 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Konto incl. des auf Gewinn und Tantième pro 1875 reservirten 1,814,598, Reserve-Konto 650,000 4, Zinsenreste aus 1875: 84,966 M

Ueber den Stand der Herzoglich anhaltis<hen Lan d- rentenbank am S<lusse des Jahres 1875 geht uns folgender Be- richt zu: Es waren der Landrentenbank bis zum Schlusse des Jahres 1875 überwicsen und vou derselben übernommen 652,206 Æ jährliche Renten, und dafür den Berechtigten zu ihrer Eatschädigung und Ab- findung an Rentenbriefen im ÆWfachen Betrage dieser Renten ausze- fertigt vnd übcreignet 13,044,120 „6 Landrentenbriefe. Ven diefen Nentea sind dur< Kapitaleinzahluugen abgelöst urd getilat 23,843 Æ, und dafür eingezogen und vernichtet 532,290 M Landrentenbricfe, wona< an jährliden Renten verblie- ben 623362 ( Von den na< Verni>ktung der dur< diese Kavital-Einzablung verbleibenden 12,511,230 M Landrentenbriefen find dur die alljährlih zweimal stattfindenden Ausloosungen behufs dern Einzichurg und Amortisation an Rentenbriefen bereits eingelöst und fasfut für 1,885,830 4, so daß vom Anfange des Jahres 1876 ab ohne Rüdsicht auf die im Laufe dieses Jahrcs zu- und abgehenden

Zerlin, den 3. Februar 1876.

Die Feier der silbernen Hochzeit des Kultus- Ministers Dr. Falk und seiner Gemahlin hat fi<h zu einem für das Jubelpaar und alle dabei Betheiligten erhebenden Familienfeste gestaltet.

Die Vcerfeier am Abende des verwichenen Sonntags (30. Sanuar), zu welcher si< außer den hiesigen und den zu dem Feste eingetrossenen auswärtigen Familiengliedern ein großer Kreis von Freunden und Verehrern des Iubelpaars ein- acfunden hatte, bot in einem größeren, mit frishem Grün geshmü>ten Raume der Ministerwohnung ‘eine Reihe anmuthiger Darstellungen. Zuerst we<selten mehrstimmige Gesänge mit dem Vortrage von dem JIubelpaare gewidineten Gedichten. Dann folgte eine Reihe dur<h einen befreundeten Künfiler vorbereiteter, lebender Bilder, erklärt dur \innige, für den Zwe> gedichtete Verse.

Wie die Vorfeier, \o zeigte die Feier selbst, am 1. d. M, das Bild einer dur< innige Liebe aller ihrer Glieder und dur die treue Anhänglichkeit ihrer Freunde von nah und fern beglü>- ten Familie. Schon am Morgen des Festtages wurde das Jubel- paar dur vierstimmigen Gesang ernster Weisen begrüßt. Mehrere Deputationen, unter anderen solche der Räthe und der Bureaubeamten des Ministeriums, sprachen später ihre herzlihen Glükwünsche aus. Briefe und Telegramme trafen von allen Seiten ein, vor und an dem Festtage und no< während des Festmahls, zu wel- <em das Iubelpaar die Verwandten und nächsten Freunde um sich versammelt hatte.

Zurgrößten Freude des Iubelpaars wurden ihm die huldvollfien Glü>wünsche Sr. Majestät des Kaisers, Ihrer Majestät der Kaiserin und Ihrer Kaiserlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Kronprinzessin zu Theil,

In Folge der einheiilichen Legiélation für tas deutshe Militär- wesen haven auch die geseßlichen Bestimmungen über den Eins jähri g-Freiwilligendienst im Heere und in der Marine jeßi für das Gesammtgebiet des Deutschen Reichs Geltung erlangt. Die Kenntniß dieser Bestimmungen ist daher für weitere Kreise, als bisßer zu einem Bedürfniß geworden.

Eire vollständige und übersihtliche Zusammenstellung des wesent- licen Inhalts aller auf den Gegenstand bezüglichen Gescße und Ver- ordnungen liegt in einer Schrift vor, die urter dem Titel: „Be- stimmungen über den Einjährig-Freiwilligendienst im stehenden Heere und in der Marine“, auf Beranlassung des Kriegs-Ministeriums bearkeitet worden und soeben hier im Ver- lage der Königlichen Hofbuchhandlung von Ernst Sieg- fried Mittler und Sohn erschicnen ist, Jn erster Linie sind alle Vorschriften mitgetheilt, welche über die wissenschaftlihen Anfor- derungen, den Nachweis der Befähigung und die sonstigen Bedingungen für die Beree&tigung zum einfährigen Dienst in Kraft sind, und. es werden dadur< die Betheiligten in den Stand geseßt, durch recht- zeitige Kenntnißnahme aller vor dem Diensteintritt zu erfüllenden Erfordernisse sich vor den Nachtheilen etwaiger Versäumnisse zu wahren.

An die Uebersicht der Vorbedingungen {ließen sich die besonderen |

Bestimmungen über die Atlcifsung des Einjährig-Freiwi:ligendienstes im stehenden Heere und in der Marine und zwar nicht blos des Dienstes mit der Waffe, sondern au< als Med:ziner, Pharmazeuten uUld Unter-Roßärzte. Im zweiten Abschnitt des Bucces find die Be- stimmungen über die Dienstverhäitnisse im Beurlgubtenstande z¿u- jammengestellt, Eine rüßliwe Beigabe bilden das Verzeichniß aller Lehranstalten, welche gültige Zeugnisse Übec die wissensthaftlih2 Be- fähigung für den Einjährig - Freiwilligendienft ausstellen dürfen, und ein alphabetisch geordnetes, vollständiges Sachregister.

Das Buch ift na< den Absichten der Militä.behörde so einge- richtet, daß daraus das betheiligte Publikum über alle Verhältnisse des einjährigen freiwilligen Militärdienstes leicht und zuverlässiz Aus- kunft erlangen kann.

Herr Professor Dr. Hirsch &asu<t uns, behufs Vermeidung etwaigec Mißverständnisse, zu weilen der Bericht über den von ihm js Vortrag, die orientalishe Pest betreffend, Veran- assung geben könnte, um die Aufnahme folgender Ergänzungen, resp. Berichtigungen: :

Die Veranlassung zu meinen Mittheilungen fand ih in der etwas alarmairenden Zeitungsnachricht, daß der englische Gesundheitsrath die F:age über die Möglichkeit eincr Invasion der Pefi nah Europa und über die eventuell zu ergreifendea Maßregeln diskutirte, vorzugé- weise aber in den daraus erflärlihen zahlreihen, ven verschiedenen Sejten an mich gerichteten Fragen, ob und in wie weit eine solche Besorgniß vor dem Ausbruche der Pest in Europa überhaupt be- gründet sei, Ih hob in meiren Mittl;cilungen den Umstand als einen besonders eigenthümlichen und auffälligen hervor, daß die Pest, nachdem fie nahe 20 Jahre von dem Erdboden vollkommen ver- \<wunden war, mit dem Jahre 1858 an verschiedenen Orten des Orients, und zwar in Gegenden, in welchen fie früher überhaupt sehr selten und immer nur eingeshleppt geherrscht hatte, originär, d. h, selbständig sich entwickelt und bei ihrem jedesmaligen Auftreten in immer größerem Umfange sich verbreitet hat. Jch wies ferner, wie der Referent rich- tig bemerkt, darauf hin, daß diese neuerlich#t von der Pest heimge- suchten Gegenden die Centren oder Ausgangspunkie der großen, den Orient mit dem Occidert verbindenven Verk-hrsftraßen sind, und daß, wenn au vorläufig kein bestimmter Grund zur Besorgniß einer Infektion Europas durch die Pest vorliegt, die Mögl ichke it einer solchen allgemeinen Verbreitung der Krankheit, zunächst nach dem Südosten Europas, nicht geleugnet werden könne, daß man si die- ser Pest gegenüber viellei<t in derselben Lage befinde, in welcher s< Europa in den Jahren 1817—1829 der in Asten wüthenden Cholera gegenüber befunden hat, und daß man, meiner Ansicht nah, daher klüger handle, die Möglichkeit eines solchen Ereignisses ins Auge zu fassen und nicht ganz außer Frage zu stellen, wie es eben damals in Bezug auf die Cholera geschehen ist.

Ich wies ferner na, daß die Immunität ven der Pest, deren sih der größte Theil Europas seit dem 18. Jahrhundert erfreut hat, niht eiwa ausschließli< oder vorzugêweise in dem Schuge zu suchen \ci, den Quarantänen und Sperren gewährt haben, sondern in der Umgestaltung der öffentlichen Gesundheitépflege, mit deren Verbesserung die Abnahme s{hwerer Voikskrankheiten Hand in Hand gegangen ift, Wenn es sich nun um die Frage handelt, ob Europa si< heute einer Jnvasion der Pest gegenüber anders verhält, als im 18. und im Anfange dieses Jahrhunderts, so kommt dabei einerseits zu Gunsten der euro- päischen Bevsülkerung der große Fortschritt in der öffentlichen Hyziene, andererseits aber zu deren Ungunsten der Umstand in Betracht, daß

Renten und na< Abrechnung dieser eingezogeren Rentenbriefe im Be- trage von 1,885,830 M in den nacyerzeichneten Appoints 10,625,400 6 Landrentenbriefe in Umlauf verblieben und mit 4°/9, also mit 425,016 M. alljährlih zu verzinsen waren: 2912 Stü> Lit. A. à 590 Thlr. = 1500 Æ. 4,368,000 A, 18,626 Stü> Lit. B. à 100 Thlr. = 300 M. 5,587,800 6, 3066 Stü> Lit. C. à 50 Thlr. = 150 459,900 M, 2294 Stüd> Lit. D. à 20 Tblr. = 60 A. 137,640 M, 2402 Stüd Lit. E. à 10 Thlr. = 30 Æ 72,060 #; 29,300 Stü> im Gesammtbetrage von 10,625,400 #. Die Summe der in den Katastern der Landrentenbank eingetragenen, zur Zahlung von Renten verpflichteten Grundstü>e belief sich am Schlusse des Jahres 1875 auf 31,774 rentenpflihtige Besißungen und hat si< in diesem Jahre um 2786 vermehrt. Behufs der Eiyziehung und Amortisation find für voriges Jahr 451 Rentenbriefe im Betrage von 160,930 ä ver- locst und, soweit sie eingegangen, fassirt und vernichtet worden. Wien, 3. Februar. (W. T. B.) Die Kreditansialt ließ an der Vorbör)s- mittheilen, daß am letzten Freitag an die Direftion anonym eine Anzeige über große Unzukömmlichkeiten bei der Filiale

mit der enormen Vervielfältigung der Verkehrsmittel und Werkehrs- wege zwischen dem Oriente und Verova p Gefahr der Einschlep- pung einer überlragbaren Krankheit in hohem Grade gefteigert wor- den, daß also, wenn das Unglü> es fügen sollte, daß von Persien, Arabien ode: Mescpotamien her die Pest in größerem Umfange sich verbrcitete, Europa von der Einschleppung der Krankheit weit mehr bedroht sei, als es früher der Fall war.

__So wenig, meiner Ueberzeugung nah, das Erlöschen der Pest auf europäishem Boden im vergangenen Jahrhundert auf den Sctuß, den Quarantänen und Sperren gewähren, zurü>geführt werden darf, so wenig und no< weniger kann ih mir unter den gegenwärtigen Verhältnissen von ciner Pestquarantäne für Europa etwas Enscheidendes versprechen; findet man daher überhaupt Grund zur Besorgniß eines neuen Auftretens der Pest in Europa, \o wird man, mziner Ueberzeuaung nach, den besten Schuß in der möglihst weiten Vervollkommnung der öffentlichen Hygiene zu fuhen haben, und fo wenig meine Mit- theilungen dahin tendiren tollten, zu alacmiren, fo sehr lag es in meinem Wunsche, die mir gebotene Gelegenheit dazu zu benußen, auf die na- turgemäß durchgeführten Grundsäß?e der öffentlichen Gesundheits- pflege als das beste Mittel zur Vechütung s{werer Volkekrankheiten hinzuweijen,

Die geehrten Redaktionen, welche das Referat über meinen Vor- trag aus dem „Deutschen Reichs-Anzeiger“ in die Spalten ihrer resp. Zeitungen aufgenommen haben, werden um Abdru> dieser berihti- genden Ergänzungen ersucht. Prof. Aug. Hirsch.

| Wir berichteten bereits, daß die Betheiligung an dem an Stelle des amtlihen Unterrichts im stenographischen Bureau des Abgeord- netenhauses in der Gewerbe-Akademtie am 17. d. M. eröffneten Unter- ri<téfkursus in der Stolze'schen Stenographie eine so zahl- reiche ist, daß nicht alle eingegangenen Meldungen berü>sihtigt wer- den konnten. (Es wird daher ein zweiter Kurfus eingerichtet, der am 9. Februar d. JI., Abends 83 Uhr, im Hörsaal Nr. 1 der Gewerbe- Akademie, eröffnet und mit wöchertlih einer Unterrichtsstunde jedes Mal Mitiwe<hs von 8{—9$ Uhr Abends weiter geführt und noch vor Ostern beendet werden wird. Herren und Damen, welche sich am Unterrisä t zu betheiligen wünschen, können die Eintrittskarten beim Beginn des Kursus im Unterrichtslokale oder vorher bei nachstehenden Meldestellen in Empfang nehmen: Jin stenographischen Bureau des Hauses der Abgeordueten am Sonntag, den 6. Februar, Vormittags von 10—12 Uhr; außerdem tägli bei dem Lehrer der Stenographie Hrn. Kaeding, NO0, Büschingsstr. 30 T, (au< schriftlich), in der Pa- pierhandlung des Hrn. Honrath, Charlottenstr. 62, bei Hrn. H. Kae- ding, Mêcernstr. 137, sowie bei dem Kastellan der Gewerbe-Akademie.

Die dur< hiesige Zeitungen verbreitete Nachricht, daß Hans Makarts Gemälde: „Kleopatra" in Hamburg verkauft sei und der Oeffentlichkei entzogen werden würde, entbehit, wie uns aus Sachse's Internationalem Kunstsalon mitgetheilt wird, der Begründung. Das Gemälde ist ni<t in Hamburg, sondern in Berlin dur den genannten Kunsisalon verkauft und wird in wenigen Tagen zu ferncren öffentlichen Ausstellungen hier erwartet.

Wie die „Boßener Ztg." mittheilt, blühten bereits vor einigen Tagen die ersten Veilchen im Freien, in diesem Jahre bei Boßen auf den Höhen von Glaning und Guntschna.

Ein Telegramm aus New-York vom 2. Februar, Abends meldet: An dec atlantishen Küste hat cin fur<tbarer Sturm gewüthet, durch den die Verbindung zwischen New-York und Washington zeit- willig unterbrohen war. Die angerihtete Verwüstung ist außer- ordentlich bedeutend,

ZDheater. _ Jür das Königliche Schauspielhaus ist, der „N. A. Z," zufolgz, zur Aufführung angeuommen: „Maiden-Speech“, Plau- derei in 1 Ukt von Grünstein. „Rose und Röschen“ von Charlotte Bir<h-Pfeiffer wird neu einstudirt; die Titelpartien werden von den Damen Reichardt und Hofrkeister gespielt werden. Jm Mai wird Hr. Max Christoph vom Deutschen Theater in Pest auf Engagement cin Gastspiel veranstalten.

Eine Wohlthätigkeitsvorstellung für die städtischen

Armen findet am Freitag im Vifktoriatheater statt; esz kommt „Der Seelenretter“ von Hedwig Dohm unter Mitwirkung der Damen Keßler und Reichardt, sowie der HH. Liedtke und Vollmer zux Darstellung. _—_ Die Hauptpartien des im Friedrich - Wilhelmstädti" shen Theater tägzlih vor ausverkauftem Auditorium zur Auffüh* rung kommenden Zugstü>kes: Die Reise dur<h Berlin in 80 Stunden find, um eine Unterbrehung der Vorstellungen ZUaguer- hüten, durhweg doppelt vertheilt. So hat z. B. Frl. v. Csepcsa. t, alternirend mit Frl. Meinhardt, die Partie der „Helene M6wes* ra iee ge und wird bereits am Freitag zum exsten Male darin auftreteu.

Am Dienstag waren es fünfundzwanzig Jahre, seit der Komiker des Krolljchen Theaters Hr. Eduard Weiß die Künsftlerlaufbahn betreten hat. ZuderJubiläumsfeier v:rsammelte si< früh zehn Uhr das ganze Theaterperfonal auf der festlich ge- s{hmüd>ten Bühne, um dem Künstler seine Glüäwünsche darzubringen. Mit einem Festtush empfangen, wurde er auf die Bühne geleitet und von dem Dramaturgen des Theaters, Hrn. Rosen, in einer er- hebenden Ansprache begrüßt, welcher si<h sodann ein von einem Müäunerquartett vorgetragencs Lied anschloß. Hr. Weiß nahm hierauf sihtli< gerührt das Wort, um seinen Kunstgenossen für die erwiesenen Ehren und Auszeichnungen zu danken. Von seiner Kollegen und Kolleginnen erhielt der Künstler zur Ecinnerung an diesen Tag einen silbernen Lorbeerkranz, na<hdem Hr. Dircktor Engel ihm {on vorher eigenhändig einen ‘sol<hen überreiht hatte, während der Possendichter Hr. Dr. Jacobsohn den Jubilar mit einem fil- bernen Pokal beschenkte. Die Hauptfeierlihk:it fand jedo erst Abends statt. Das Publikum füllte erwaitungsvoll den großen Saal, überschüttete den Jubilar bi feinem Auftreten mit Krävzen, und be- zeuzte ihm mit nicht enden wollendem Applaus seine Anhänglic{keit, Unter den Blumenspenden befanden si< au<h mebrere von Kollegen anderer Theater. Am Ende der Vorftellung abermals hervorgerufen, ershien Hr We1ß mit Hrn. Direktor Engel, und nachdem sich der Beifall etwas gelegt hatte, dankte der Gefeierte in gerühbr- ten Worten für die zahlrei<hen Beweise der Anerkennung. Die Räume hatten sich bereits geleert, als Hr. Direktor Neumann vom Friedri - Wilhelmstädtishen Theater im Namen seiner Mitglieder einen prachtvollen Lorbeerkranz überreichte. Se. Majestät der Kaiser hatten dem Künstler einen kostbaren Brillantring übersendct. Es liefen au< von Fceunden und Gönnern von Nah und Fern noch zahlreihe Geschenke und Beglükwünschungen ein. Den Schluß der Feier bildete ein Souper, das Hr. Direktor Engel seinen Mit-

in Prag einlief. Die Kreditanstalt sandte hierauf sofort den Direktor Pußker zur Uatersubung na< Prag, welcher dir Direktion bereits telegraphis< angezeigt hat, daß bis jeßt no< Nichts vorgefunden sei.

Verkehrs-Anstalten.

Der Central - Verein für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt hält seine Generalversammlung Montag, 14. Februar, Abcnds 7 Uhr, im Bürgersaale des Rath- hauses. Auf der Tagesorduuüg stehen u. A.: Die Lage der deutschen Schiffahrts- und Kanalverhältnisse (Referent Reichstagsabgeordneter Moriß Wiggers); der Emscher-Kanal (Referent General-Sekretär Bue>); der Beclix-Kieniß-Kanal (Referent Heinri<h Kochhann, Aelte- ster der Kaufmannschaft).

New-York, 2. Februar. (W. T. B.) Der Dampfer „Egypt“ der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Meisingsche Linie) ijt hier ingetroffen,

gliedern gab, weiches no< manchen Toajt, manchen heezlicheu Slud- wunsch, hervorrief und die Gesellschaft kis gegen Morgen vereinigte.

DerHofcathDr.v. Di ngelstedt in Wien feierte am 1. Februar das fünfundzwanzigjährigeJubiläum seiner Wirksamkeit als Bühnenl-iter. Der Jubilar empfing zahlreihe Beweise der Anerkennung. Um 12 Uhr crschien eine Deputation der darstellenden Mitglie- der des K. K. Hofbargtheaters. Hr. Laroche hielt eine kurze, herz- liche Anrede an den Jubilar, worauf Hr. Lewinsky folgende Adresse

verlaë: „Hotverehrter Herr Hofrath!

Seit Wochen sind wir unter Jhrer Führung mit den Zurüstun- gen für das hohe Fest beschäftigt, mit wel<hem wir das Gedächtniß jenes denkwürdigen Tages feiern werden, an wel<hem vor einem Jahr- hundert ein edler Fürst des bhaksburgishen Kaise: hauses unserer no<G im Kindesalter ftehenden Kunst eine bleibende Stätte {uf, an der sie wachsen, gedeihen und zu {öner Blüthe sich entfalten solUte.

Oefterer als font getenken wir in diesen Tagen der geschichtlichen Entwi>elung der deutschen Schauspielkunst und ihres wechselnden Schi>sales.

Zu den freudvollsten Eindrü>en, welche bei fol<her Rü>kschau in unserer Seele wah werden, gehört die Ecinnerung an jene Phase in der Entwi>elung unserer nationalen Kunst, in welcher sich an einigen der wichtigsten Kunststätten des Vaterlandes die That- sahe vollzog, daß die Führung der dramatishen Kunsft- genossenschafter, welche bis dahin kunstfremden Beamten anvertraut gew-fen war, in die Hände sachverständiger Männer des künstlerischen Berufes gelegt wurde.

na< fol Tkünfst-

_Schwer und tief war lerisher Führung allüberall empfunden worden. Der Kunst- betrieb der deutschen Theater drohte in -geistloser Routine zu verflachen. Edle Bestrebungen tüchtiger Männer, die dem Verfalle hatten Einhalt thun wollen, waren gescheitert, ja, sie hatten, wie in Düsseldorf, mit einem traurigen Kunst märtyrerthum geendigt.

Da brach endlich ein besserer Tag für die deutshe Bühnenkunft an. Mehrere kunstsinnige Fürsten stellten an die Sp .te ihrer Hof- theater künstlerische Leiter. ;

Unter diesen künstlerischen Leitern waren au<h Sie, hochverehrter Herr! Wir feiern heute mit freudig bewegten Herzen die Wiederkehr des Tages, an wel$em Sie vor fünfundzwanzig Jahren zum Chef des’ Königlichen Theaters in München ernannt wurden. S'e s{losfen damals einen Ehebund mit der deutschen Bühnenkuanst, welcher zum Heil und Segen für diese ausgeschlagen ist, und wel<her auch Sie innig beglü>t hat. In München, Weimar und Wien haben Sie unserer Kunst unvergeßliche Dienste geleistet.

Wir sehen Sie die hervorragendsten Vertreter deutscher Büh- nenkunst zu: gemeinfsamem Wetispiele vereinigen; Sie begehen die dritte Säkular-Geburtéfeier des „Schwans von Avon“ mit dex Bor- führung seinec Heptalogie englischer Historien und Sie erhöhen die- sen an der Ilm errungenen Erfolg, indem Sie ihn an der Donau wiederholen, Außer der Mehrzahl der Königsdramen erobern Sie der modernen Bühue noh andre verloren geglaubte Perlen Shake- speare’s<er Kunst. Das klassishe Drama Fraukceihs wird in ein- zelnen Mustern wieder hzeimis<h auf unserer Scene; Molière und Beaumarchais schreiten über die Bretter, und die Nib-lungen-Trilogie unsercs dithmarsischen Dichters gewinnt das BVürgerreht auf dem modernen Theater.

So waltet allüberall in Ihrec Führung ein höherer Geist und stellt der Knnft des Schauspielers erhabene Ziele. Daneben vollzieht sich, von Gesbma> und reicher Kenniniß getragen, cine Reformation im Comparsenwesen und in der Stellung des Bühnenb.ldes. Die Massen werden maleris< bewegt und {ön gruppirt, und die tehni- schen Hülfsmittel der Bühneakunst, Kostüme, Dekoration mit allem Beiwerk, erheben sih über die theatralishe Konvention und bilden sich aus za historischer Treue und stytvoller Schönheit.

Empfangen Sie, hochverehrter Herr, am heutigen Tage, an wel- <em Sie das {ünfte Lustrum Ihrer Bühuculeitung heschließen, un- seren Dank für die segensreiche Thätigkeit, welhe Sie unserer Kunst gewidmet.

Msge ein gütiges Geshi> Sie no<h lange in Gesundheit und Kraft erhalten und Ihnen die rüstige Freudigkeit des Schaffens ke- wahren, mit wel<er Sie Unvergeßliches für unsere Kunst geleistet haben und, so Gott will, no< lange leisten werden.

Wir grüßen Sie in herzlicher Verehrung.

Die darstellenden Mitgliedec des K. K. Hofburgthcaters,“

Hofrath v. Dingelsiedt dankte in warmen Worten.

das Bedürfniß

Konzerte.

_ Am Mittwoch veranstaltete der Pianist Hr. Max Pinner im Saale der Sing-Akademie ein Konzert, welches wohl dazu be- stimmt war, ihn, der hier no< ni<t bekannt war, bei dem Berliner Publikum einzuführen, und dieser Zwe>k ist denn auch aufs Beste erreiht worden. Hr. Pinner erwies fi<h als einen Virtuosen, der den \{<wersten Aufgaben gerecht zu werden vermag; seine Technik ift brillant, feine Kraft und Ausdauer bedeutend, sein Vortrag elegant und zart. Am meisten gefielen die moderaen Kompositionen Chopins, Liszts, Tausig3 Werke, da des Konzertgebers ganze JIntividua- lität sich besonders dieser Nichturg zuzuwenden scheint. Indessen fonnte man mit der ersten Nummer des Programms nicht so einverstanden sein; es war Beethovens herrlihes B - dar- Trio op. 97. Die HH. Konzertmeister de Ahna und W. Müller, welche mitzuwirken versprochen hatten, waren verhindert, Ersterer dienstlih, Letzterer dur< Unwohlsein, und dafür die HH. Kammermusiker Strush und Jacobowsky eingetreten. Wahr- scheinlich infolge nicht geaügender Probe aus Mangel an Zeit, schien die Ausführung dieses Trios nicht klar, durchsihtig und präzis genug, auh von Seit-n des Pianisten, und erst im leßten Saß, der in seiner ne>ish-capriziósen Form ihm mehr zuzusagen schien, erhob si< Hr. Pinner zur sicheren Führung des Ganzen. Unter- stüßt wurde derselbe no< durch Frl. Amalie Kling, deren s{hône Altstimme, edel und gleihmäßig durchgebildet in j-der Lage, deren seelenvoller Vortrag und, was besonders hervorzuheben ist, dercn klare Aussprace zu allgemeinem Beifall hinriß, dem folgend sie no< das „Haideröslein“ zugab. Die Dame sang Beethovens „Kennst du das Land?“ und Lieder von Schubert, Schumann und Brahms; nur Eines wäre zu erinnern, das fortwährende Tremoliren. Jm höchsten Affekt des Schmerzes oder der Freude ist wohl ein Zittern der Stimme erklärlich und erlaubt; in die Ruhe gehört es ni<ht. Zit- ternd erregt darf Mignon rufen: Dahin! Dahin! aber nicht auch so fragen: Kennst du das Land?

Redacteur: F. Prehm. Verlag der Expedition (Kessel). Dru>k W, Elsner. Drei Beilagen (eins{ließli< BörsenB-eilage).

Berlin:

Wommissionévorschläge kaun ih mich nicht in denselben Maße ein-

Z0

Reichstags - Angelegenheiten.

Zerlin, 3. Februar. In der Sihung dcs Deutschen i stages am 1. d. M. richtete in der Diskussion über den entwurf, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung 2c., bg. Ricert die Anfrage an den Könizlich bayerishen Bundes- mächtigten, Ministerial-Rath von Riedel, ob na<h An- der bayerishen Regierung die in Art. 11 des Armengeseßes 99, Mai 1869 aufgeführten Pasonen inter den vorgeschla- “141a. fallen oder ni<ht? Der genannte Bundesbevoll-

tigte erwiderte hierauf:

Meine Herren! Ich erlaube mir auf diese Frage zu erwidern,

na< meiner Ausicht allerdings diejenigen Fabrikarbeiter, welche

Grund des Artikels 21 des bayerishen Armengeseßes an die

‘fassen Beiträge entrichten, unter das Amendemnt Dr. Völk

Genossen fallen, und daß sohin diese au< nicht ge:wungen wer-

fönnen, einer anderen Kasse beizutreten, odec Beiträge au irgend

andere Kasse zu zahlen. :

< darf vielleicht, na<hdem i< das Wort habe, und nachdem

Herr Berichterstatter zur, Begründung dcs $. 141 aa. einfa< auf

Kommissionsbericht verwiesen hat, zugleich einige Bedenken gegen

Antrag Ihrer verehrten Kommission vorbringen, J< bin dazu

nlaßt cinmal, weil der Kommissionévorschlag möglicherweise in

(Gesezgebungen einiger süddeutscher Staaten, nämli Bayern,

ttembcrg und Baden, soweit die öffentlihe_ Krankeufürsorge in

je ift, erheblich eingreift, und daun weil in Süddeutschland unter n Betheiligten eine ernste Besorc,niß in dieser Hinsicht obwaltel.

Meine Herren! Sowohl in dem Kommissionsberichte als auch in

Diskussion ist darauf aufmerksam gemacht, daß sich die Sffentlid;e

rfentürsorge für die arbeitenden Klassen in den genannten Staaten

cs entwi>elt hat, als in Preußen und in einigen nord» hen Staaten. Der systematische Unterschied wilde diesen Ge- eburgen besteht darin, daß nah den süddeuts<hen Geseßen

t blos die gewerblichen Arbeiter, sondern alle jene Kate-orien,

n ôfouomische Existenz im Erkrankungsfalle besonde:s gefährdet

ven der öffentlichen Krankenpflege umfaßt werden, wogegen sich

norddeuts> e Geseßgebung nur auf die gewerblichen Arbeiter jebt; der Kreis der Betheiligten ist also dort ein größerer und rer, als hier, O

"Der weite systematische Unterschied besteht darin, daß in jenen naten fein Zwang existict zur Bildung von Kassenvereinen, dern daß den Gemeinden nur das Recht eingeräumt ist, Beiträge erheben, wofür die Pflichtigen das Recht erlangen, auf eine be- nte Zeit, in Bayern z. B. auf 90 Tage, die volle Kranken- pflegung von der Gemeinde zu verlangen. Ih hebe her Day DICIE Krankenverpflegung feine YErmenunterstüßzung sondern daß sie jedem Berechtigten zu Theil werden muß, ohne >siht darauf, ov die betreffende Person arm oder reich, \<le<t r gut besoldet ist, Der praktische Unterschied dieser beiden Systeme fat darin, daß da, wo Kassenvereine bestehen, außerordentliche ¿gaben, Verwaltungékosten, Defizits 2c. natürli<h den Vereins- itgliedern zur Last fallen, während dort, wo die Gemeinde gewissermaßen Versicherungsanstalt felbst ist, alle derartigen außerordentlicen Aut- ben lediglich von der Gemeinde zu tragen sind, ohne daß eine Exböhung

Beiträge statthaben kann. Es handelt sih also bei der süddeut- en Gesetzgebung zunächst nur um Gemeindeabgaben, wäh

d es si in Norddeutschland um Kassenvereine handelt, mögen nun freiwillige sein oder dur< Statut angeordnete. Es bedarf iner weiteren Ausführung, daß der $. 141 der Gewerbeordnung chst nur diejenigen Kassenvereine 1m Auge hat, die fi in orddeutshland unter dem Schuße der dortigen Gesetzgebung gebildet aben. Die verbündeten Regierungen waren daher au<h der Ansicht, g der vorliegende Geseßentwu|, wcel<her den Ausbau er Kassenvereine, und intbesondere das Verbâlt- ß der sogenannten freien Kassen zu den Zwangskassen im Auge it, auf jene Entwi>elung, die fih in den süddeutschen Staaten voll- q, keine Anwendung findet. Einen etwas anderen Jdeengang ver- lgte Ihre verehrte Kommission, indem sie den S. 141aa. vorschlägt. ie besorgte zunächst, daß, wenn der Entwurf, wie er liegt, einfach Süddeutschland eingeführt würde, für die Gemeinden die Möglich- it bestände, einen doppelten Zwang auszuüben, d. h. einerseits die rankenhauébeiträge zu erheben, und andererseits die GewerbsgehÜüle n no<mals zur Errichtung von Kassen zu zwingen.

Meine Herren! Auch die verbündeten Regierungen haben sich ese Frage vorgelegt, und es wurde im Schceoße des Bundesraths uédrü>li< konstatirt, daß ein solcher doppelter Zwang unstatthaft i, Man hat aber géglaubt, von einer befonderen Besftim- ung absehen zu dürfen, einerseits, weil man dachte, der Fall bürde sich außerordentlich selten ereignen, und dann, weil man laubte, es fônne ein derartiger Versuh im Verwaltun gê- ege ferne gehalten werden. Ih hate aber anzuerfenuen, der Gedanke Ihrer verehrten Kommisfion ein, vollständig ere<tigter ist ; ih habe anzuerkennen, daß es zwe>mäßig ist, jeder u< nur entfernt möglichen Ausbeutung der arbeitenden Klassen ur< die Gemeinden sofort eine positive Bestimmung entgegenzuseßen ; nd ih bin dahex mit diescm Theil des von Ihrer Kommission vor- jeshlagenen Paragraphen vollständig einverstanden. Dieser Theil“ bird getroffen dur< das Amendement der HH. Dr. Völk und Ge- ossen, und i< glaube, so weit ih dies aus den bisherigen Berhand- ungen tes Bundesraths entaehmen kann, daß die verbündeten Regierungen gegen den Antrag der HH. Dr, Völk und Genossen cinerlei Erinnerung zu machen hätten. Mit dem anderen Theile der

verstanden exflären. Derselbe ist theilweise ersezt durh die Bestim- mungen der betreffenden süddeutschen Gesetgcbungen selbst. Hicr ist nämli sowohl im bayeris<en Gesebe, als noch etwas weiter gehend m badishen Ge'eße son vorgesehen, daß einzelne Kategorien, deren Rranfkenverpflegung gesichert ift, z. B. diejenigen Fabrikarbeiter, die eine eigene Kasse gründen und für deren Verpflegung der Fabrikant gewisse Garantien leistet, frei sein sollen von den Krankenhguébeiträgen. Der regelmäßige Fall, in dem also eine dop- pelte Zahlung stattfinden könnte, der Fall einer Konkurrenz der Fabrik- fassen, ist durch die süddeutschen Geseßgebungen bereits vorgesehen.

eiter zu gehen, aber erscheint kaum räthlih.

Die Bestimmung in der Allgemeinheit, wie sie in 8. 141 aa. ver- geschlagen ift, geht zunächst hinaus über den Rahmen des Geseßes. Ic habe mir bereits anzudeuten erlaubt, daß es fih in Süddeutsch- land ni<t um Kassenvereine, welche mit freien Kassen konkurriren, handelt, sondern nux um Gemeindeabgaben, welche von der Gewerbe- ordnung prinzipiell unberührt gelassen find. Es besteht also hier niht diejenige Rü>sicht, die sih aus der Fortentwi>elung des 8 141 Abs. 2 der Gewerbeordnung ergiebt, nämlich die Rüdsicht, die freien Kassen vor der Konkurrenz der Zwangskassen sicher zu stellen. Wenn auch außerdem der Gedanke, der diesem Theil des Kommissionsvorschlages zu Grunde liegt, immerhin eine bcstimmte Berechtigung hat, so kann ih do nicht verhehlen, daß er möglicherweise zu etwaë Anderem führt, als was in wohlwollender Weise von der Kommisfion beabsich» tigt wurde, und gerade das ist es, was die Befürchtungen in Süd- Deutschland herbeigeführt hat. Diese Befürchtungen gipfeln in zwei Dingen. Ich habe vorhin erwähnt, daß der Kreis der Verpflichteten ein anderer, ein gzößerer ift. Wenn man nun zu Gunsten einer Ka- tegorie, die diesem Kreise angehört, eine Ausnahme macht, so liegt

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Donnerstag, den 3. Februar

(p E S A T L L L A D E o

nahmen kommen. Schon hieraus ergiebt si<h die Gefahr einer Er- | \hütterung des ganzen Systems. Sodann aber befür<tet man, daß | die Beitragspfli&t außerordentlich leiht umgangen werden fônne. Die | Gemeinde kat, wenn i< mi eines Beispiels bedienen darf, z. B. einen na< ihrer Meinung Verpfl:chteten herangezogen. Derselbe weist nach, daß er Angehöriger einer Kasse ist, und wird nun freigelassen; er iritt aber den rächsten Tag aus der Kasse aus, und entzieht fih dann ; fo lange der Beitragepflicht, bis etwa neue Recherchen gepflogen fiud. | Kurz und gut, man befürchtet namenili<h in großeren Städten, daß | den Gemeinden eine Menge Schreiberei und grcße Einbußen erwah- sen, die tem ganzen Inst tute s<hädli< werden dürften. Die Folge davon ift entweder, daß die Gemeinden in ihrem Eifer erlahmen, oder daß sie überhaupt von der Last, die fie jeßt gerne tragen, los- zukommen suchen. Beides ist gewiß im Interesse der arbeitenden Klassen nicht erwünscht, Sie gestatten mir vielleicht, daß ih Ihnen in R cinige Ziffern vorführe, wie si< das System in Bayern thatsächlich gestaltet hat. : S

Nach dea vom fstatistishen Vureau in München gemah- ten HZusammenstellungen hat die Zahl dec Gemeinden, welche Krankenhausbeitcäge erhoben haben, in Bayern im Durcßschnitt der Jahre 1871—73 3209 betragen. Es haben aso von den 80:0 bayerishen Gemeinden des Königreichs nit einmal die Halfte von ihrem Rehte Gebrauch gemacht. Ich \chließe daraus, und dieser Schluß ist bestätigt durch anderweitige Erfahrungen, daß die Gemeinden eben nur da, wo ein Bedürfniß vorliegt, von ihrem Rechte Gebran< macbcen, die ©umme der in ganz Bayern erhobeaen Krankenhauébeiträge hat im Durchschnitt der gedachten Jahre 449,000 Gulden betragen, die Summe der Sahreäautgaben der Krankenanfstalten dagegen 1,330,000 Gulden, also ungefähr das Dreifache. Ich bemerke zur Aufklärung, daß hier die einzelnen Kategorien nicht auëge schieden sind, daß jene Beiträge vielmehr von allen Pflichtigen geleistet werden. Ich bemei fe ferner bezügli der Jahresausgaben, daß unter diesen natürlich auch Aus- gaben für andere Kranke sih befinden, und daß die leßteren Auégaben bei einer Vergleichung in Abzug zu bringen wä:en. Dagegen find in diesea Ausgaben nicht enthalten die Kapitalzinsen für die stehenden Anlagen der Krankenanstalten, die sehr bedeutend find und dem Betrage der Ausgaben für audere Kranke fast gleich kommen dürften. Die Zahl der Krankenhäuser, welche zur Erfüllung der in Rede stehenden Pflichten in Bayern bestehen, ist 410. Da Bayern ungefähr 1952 Distrikts-Verwaltunsvezirke hat und ca. 30 un- mittelbare Städte, so ergiebt sich, daß in jedem Verwaltungsdistrikte 9 bis 3 für jene Zwe>e eingerichtete Krankenhäuser _ bestehen. Ein äbnliches Bild giebt der Ausweis pro 1574 bezüglich der 3 größten bayerischen Städte. In München betrug_ 1874 die Summe der Krankenhausbeiträge 68,755 Guiden, die Suwme der Ausgabcn der Krankenanstalten 255,604 Gulden, 44,860, die Summe der Auêëgaben 87,000 Gulden, burg 831,000 gegenüber von 84,000; es beträgt Summe der Krankenhauzaus8gaben immer ungefähr fache von dem, was an Krankenhausbeiträgen eingeht. Anders gestaltet si< die Sache freilich, weun eine Epidemie eintritt. In München haben z. B. im Jahre 1873 die Kiankenhausteiträge 69,000 Gulden betragen und die Ausgaben 330,000 Guldes, also mit den Z:usen der stehenden Anlagen nahezu das Sechsfache der Ersteren. Meine Herren! Die Schlüsse, die ih aus diesen Ziffern ziehe, sind sehr einfah. Der eine geht dahin, daß die Gemeinden kein pekuniäres Geschäft mit diesen Beiträgen machen können, habe das hervo:zubeben, m As wenigstens ein hierher be- üglicher Verdacht laut geworden 1k. S e | 8 Der zweite Schluß, den ih ziehe, geht dahin, daß mit dem Bei- irage von 1 Groschen dem zulässigen Maximum der Wochen- beiträge die volle Verpflegung, wie fie nah dem in Bayern be- stehenden Systeme geleistet wird nicht geleistet werden kann. will mi<h über den wirklichen Bedarf nicht in Konjekturen ergehen, ih glaube aber, daß mindestens der doppelie Betrag von dem er- hoben werden müßte, was jeßt bezahlt wird, wenn die Betheiligten die gegenwärtig von den süddeutschen Gemeinden geschéhenden Lei- stungen selbst machen wollten. Ist das richtig, dann entsteht für die betheili;ten Klassen dur< die süddeuisc;en Systeme offenbar eine er- beblice Ersparung. Nehmen wir 3. B. das Verhältniß in München an. Wenn jeßt die Betheiligten ca. 70,000 Gulden zahlen, so muß- ten sie bei eigenem Betriebe 140,000 Gulden zahlen, fie er}paren also eine beträchtlihe Summe, welche sie fehr wohl zur Dotirung und Beg: ündung einer freien Kasse für verwandte Zwecke verwenden könnten. Die Entwi>klung der freien Kassen wird also dur das System der Krankenhausbeiträge ni<t nur nicht gehemmt, sondern gcförderk. Meine Herren, dieser Schluß ist nicht zu gewagt; denn die Sache verbält fich thatsächlih bereits so. Es sind in Bayern eine Reihe freier Kassen gegründet worden, und in Blütle, welche verwandte Zwe>ke verfolgen: Unterstüßurg von Me fonvaleszenten, Unterstüßung dex Familien Crfraufkter u. f. w. Wenn hiernach die Befürchtung, als ob durch die Forterhebung der Kranken- bausbeilräge die Entwi>kelung der freien Kassen gehindert werde, that- sächlih nit wohl richtig ist, jo fällt der Hauptgrund, der für den ja sonst anerkenncnswerthen Vorschlag der Kommission besteht, hinweg.

Wenn ih den Versuch gemacht habe, dem hohen Hause darzu- legen, daß die Institution der Krankenhausleitung einerseits nüßlich ist und andererseits den Zwe> des Geseßentwurfs, die Entwickelung der freien Kassen zu fördern, nicht gefährdet, so möchte ih zum Schluß nur no<h cin einziges Moment heworheben. Y

Die Haupttendenz des vorliegenden Gesetzentwurfs gebt dahin, Einrichtungen einer möchlihst guten Krankenfürsorge für diejenigen Klassen ins Leben zu rufen, deren ökonomische Existenz im Erkran- fungéfalle besonders gefährdet ist. In der wirklichen Erfüllung dieses Zwe>es konzentrirt sich das Interesse des Reiches, dagegen ist die Form der Erfüllung Nebensache und auch im Entwurfe gewisser- utaßen freigegeben. Wenn nun, wie Ihre verehrte Kommission selbst anerkannt hat, jener Hauptzwe> im Wesentlichen auch durch die in den süddeutschen bestehenden Einrichtungen ezfüllt wird, dann s<eint es mir dem Grundgedanken des Geseßentwurfs wohl entsprechend, diese Einrichtungen ganz unangetastet zu lassen, und von diejem Ge? fichtspunkte aus möchte ih das hohe Haus bitten, etwa den Antrag des Hrn. Abgeordneten Dr. Nölf en die Stelle des Kommissions-

vorschlags zu seßen.

in Nürnberg in Aug®s- alio die das Drei-

Amtlicher Bericht, betreffend die Dynamitexplosion in Bremerhaven. I

Die wegen der bremerhavener Dynamitexplosion vom 11. De- zember 1875 eingeleitete NELTENAI hat bis jeßt die nachstehend mitgetheilten Nesultate ergeben. :

Es L e Lletetben veröffentliht, einestheils, um den falschen Gerüchten entgegenzutreten, die in Betreff der ermittelten Thatsachen neben vielen der Wahrheit entsprechenden Angaben in der Presse Ein- gang gefunden haben und durch welche eine Reihe unbegründeter De- nunziationen veranlaßt sind, anderentheils aber, weil es die Auf- flärung namentli<h der in früheren Jahren von dem Urheber der Explosion geplanten oder ausgeführten Verbrechen nur fördern kann,

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scheinenden Na&bforshungen au obne spezielle Aufforderung anstellen und das Resultat derselben unverzügiih der unterzeichneten Behörde

zugehen lassen.

1876.

- < 1A A S O

Sobald si< dazu Veranlassung bietet, werden die amtlichen Mit-

theilungen fortlaufend ergänzt werden.

Bremerhaven, am 28. Januar 1876.

Das Hansestadt Bremische Amt. Schult.

Unmiitelbar na< der Kata‘trophe vom 11. Dezember v. I. wurde

festgestelit, daß dieselbe durch Exrplofion einer Kiste oder eines Fasses veranlaßt war, welches mit anderen Pafsagiergütern

zusammen dur< von Bremen herfüh-

den die Passagiere für den Dampfer „Mosel“ ) renden Extrazuz in Brewerhaven angebracht war und welches man im Begriffe gewesen war, an Bord der „Mosel“ zu schaffen. Augen- zeugen sahen, wie einige Arbeiter das Faß, das durch seine Form und Schwere bereits beim Ausladen aus dem E senbahawagen aufgefallen war, von einem der Wagen hoben, der die Güter an die „Mosel führte, wie das Faß ihnen vom Wagen glitt und wte darauf die Explosion erfolgte, der mehr als hundert Personen zum sosortigen Opfer fielen. - ; D Die Art und Weise, in welc:er die explodirte Masse namentlich anf das Bodenterrain der Unglücksstätte felbst gewirkt, licß sofort darauf \<licßen, daß Nitroglycerin oder Dynamit explodirt sei.

* Daz zersprengte Faß war, wie in den näch'2en Tagen ermittelt wurde, in Bremen von einem W. K. Thomas zur Beförderung nah Itew-York aufgegeben, war

T u 12. Charles J, Harvey in bonded 86, Georges.

adréssirt, und wog 450 Kilo ; sein als Kaviar deklarirter íöInhalt war zu 3000 M. bei n Norddcutschen Lloyd versichert. e Am Nachmittage des 11. Dezember zeigte der Kajütsfteward der „Mosel“ an, daß einer der Kajütspassagiere, ein Amerikaner Tho- mas, der die Passage bis Southampton belegt gehabt, sich in einer Kabine zu erschießen versucht habe, und s<wer verwundet zum Hospital transportirt sei. “Da Maun war mit dem Extrazuge gekommen, der au<h das explodirte Faß gebracht hatte, hatte sich mit jeinen Effekten in die ihm angewiesene Kabine begeben und war dann an Deck gegangen, wo er während der Explosion gestanden hatte. Bei der Explosion blieb er unverleßt. Bald nach derselbea fiel er dem Zeugen durch fein aufgereates, unrahiges Wesen auf. Nachmittags {loß er fich in seiner Kabine ein, unb als diese, weil man ihn darin laut stöhnen hörte, gewaltsam erbrochen wurde, lag er am Beden derselben im Blute. Der Inhalt seines Koffers lag umher geftreut neben ihm. Unter dem Divan fand man einen kleinen Revolver, aus dem, wte sih ergab, zwei Schüsse abgefeuert waren. Setn Koffer, die Tasche und eine kleine eisenbes<lagene Kiste, die er bei sich fühute, ent- hielten uvr Kleidung, Wäsche und Reise-Effekten. Aus den in seiner Ro>tasche gefundenen Briefen seiner Frau ergab si, daß ieine Familie in Strehlen beï Dresden wohnte daß die Frau wegen der ihr unerwarteten längeren Abwesenheit ihres Mannes und wegen der ihn fern von Haus zurü>haltenden Geschäfte in großer Sorge war —, und daß fie sich, von allea Geldmitteln entblößt, unter dem Drue eingehender Re<hnungen unbebaglich fühlte. Weitere bei ihm gefundene Briefschaften ergaben, daß er mit Baring BrotherS in London in einer Geschäftéverbindung stand, die, in früheren Iah- ren mit größeren Beträgen zu Thomas Gunsteu abschliezend, der Art abgewi>el! war, daß Thomas ün Juli 1875 80 L sculdete, und daß aus diesem Grunde ein im September 1875 von Linz aus auf Baring Brothers von ihm gezogener Wechsel von 110 £ nicht accep- tirt wurde. Ferner fand sih bei ihm eine Quittung der Güter- Expedition Bremen, nach welcher Thomas am 29. November 1875 ein vom Dampfer „Rhein“ angebrachtes 500 Kilo s<hweres Faß em- fangen haben mußte. i: a "Uk L aaren Gelde hatte der Verwundete 20 £ und 80 M het fich. Neben dem Gelde fand sih außer wenigen Zeilen, in denen er von seiner Familie Abschied nahm, das folgende, an den Kapitän der „Mosel® gerichtete Schreiben: .

Please send this money you will find in my pocket

90 Pounds Sterling 80 Marks German Money my wise resides at 14 Residenz Street 5 Strehlen by Me «e geen to day I cannot Stand.

What I bave see y V E Sens,

Der Verwundete lebte bis zum 16 Dezember Nachmittags. Die S&Gußwunde, der er erlag, verlief, wie sich bei der Sektion ergab, vom rechten Scheitelb.in dur<h die ganze re<hte Hemisphäre, welche der Schußkanal von oben re<ts nach unten links dur<drangz die Kugel lag in der Nähe des gro)zen Keilbeinhügels, welcher mehrfache Risse und Absplitterungen zeigte. Eine zweite Schußwunde in der Brust, in welzer keine Kuzel, sondern nur ein zersprungenes Zünd- hüten gefunden wurde, hatte edlere Theile nicht per

Der Verwundete lag, an der linken Seite gelähmt, fast fork- wäbrend in einer bis zum seßten Tage wesentlich unverändert bleibenden Betäubung. Aus dieser aufgerüttelt, war er bei flarer Besinnung. Bei seinen Vernehmungen zeigte er si< als verschlossen und üÜberlegend. Nur na< und „nah fonnten ihm die Aussagen entrissen oder abgefragt werden, zu denen er si<h im Laufe einer Reihe von polizeilichen und gerichtlichen Ver- bóren herteiließ. Manches an einem Tage Zugestandene nahm er am folgenden Tage unter dem Vorwande, nicht recht verstanden zu seia, wieder zurü>. Das Sprechen war durch seine theilweise Läh- mung zuweilen ers<wert ; er blieb aber bis zuletzt verständlich, wenn- gleich er immer nur in ganz furzen Säßen oder einzelnen Worten si< aussprah. Bei den späteren Vernchmungen konnten ihm ver- schiedene, auf die Bearbeitung und Einrichtung des explodirten Fasses bezügliche Vorhalte hema! O zu denen die inzwischen fork-

esetzten Ermittlungen Anhalt boten. A S Ln a EnS nad von ibm gemachten Geständnisse resp. Aus- sagen lassen si<h zu folgenden Schlußresultaten zusammenfassen: a6

Er habe fi< William King Thomas genannt, N aber 2 il- liam King Thomson, sei 1830 in Brooklya geboren, fei der Sohn deutscher Eltern, die von Hamburg ausgewandert seien und jet im Staate Virginia lebten; er habe mehrere Brüder, sei Protestant, verheirathet, Vater von fünf Kindern, von denen eins gestorben sei.

Er sei früher Schiffskapitän gewesen, habe als solcher das ibm gehörende Schiff „Old Dominion* geführt, habe während des Secef- fionskrieges die Blokade der Nordstaaten gebrochen, sei gefangen wor= den und nah dem Süden entflohen, wo er fih Thomas genannt habe.

Er habe fi< in Su E ELYE und sei mit der Frau

1 ahren na< Europa gekommen. - 5 M Er babe fih L A versucht, weil er sein Vermögen dur

S tonen verloren habe. S ï

Be Es Love mit dem Dampfer „Rhein" ein Faß von Amerika bes fommen, dessen Inhalt er in Bremen im Stalle des Dr. Flörke, hinter vershlossener Thür, in ein anderes Faß umgepa>t habe, weil das alte Faß Mere gewesen sei. In dem asse sei „Wichse“, in Blechbüch ien verpa>t, gewesen, die er in New-York persönlich bei George Moore, Broadway 72, gekauft habe; es sei ihm das Faß durch den Makler

wenn Behörden, Versicherungsgesell\<aften und Privatpersonen alle

nahe, daß auch die anderen Kategorien mit der Forderung von Aus-

ihnen nah Maßgabe der vorliegenden Ermittelungen zwe>mäßig er-

Skidmore, dessen Person er genau beschrieb, herge\hi>t, während er mit