1876 / 32 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

cs Paissanecs solent à méme d'êr, appeler à des actes clairs, in- discutables, pratiques, et spéciaPement propres à améliorer la situation de l'Herzégovine et de la Basnie; en un mot, que leur action paisse s'appuyer sur des faits et non sur des programmes. Ce n'’est qu'’ainsi que les Cabizets se trouveront en mesure de faire valoir avec Vigueur leurs conseils pacifiques, e

Il est une autre difficulté et c’est la plus grande qu'il faat surmonter à tout prix, si lon veut pouvoir compter sur un résultat tant soìt peu favorable. Cette difficulté c’est la défiance profondement enracinée que toute promesse de la Porte rencontre auprès des Chrétiens. Une des causes principales de ceite méfiance doit être recherchée dans le fait que plus d’une mesure 2vancée dans les derniers rescrits du Sultan, a déjà été proclamé dans les Hattis Chérifs antérieurs, sans que le sort des Chrétiens en ait éprouvé une amélioration appréciable. y é

Aussì les cabinets croient-ils absolument nécessaire d'obtenir que le Gouvernement du Sultan confirme, au moyen d’une commission officielle, ses intentions consignées par rapport à l'ensemble de l'Em- Pire dans l’Iradé du 2 octobre et dans le Firman du 12 décembre, et qu'il notifie en même temps aux Paissances son acceptation des points ci-dessus mentionnés qui ont pour objet spécial la pacification des provinces insurgées. 2 S S

Sans doute par ces moyens les C hrétiens n'’obtiendraient pas la forme de garantie, qu'ils semblent réclamer en ce moment, mais ils trouveraient une sécurité relative dans le fait même que les réfor- mes octroyées seraient reconnues indispensables par les Puissances et que la Porte aurait pris envers lEurope l’engagement de les mettre à exécution.

Telle est la ferme conyiction sortie d’un échange d'idées préa- lable entre les Cabinects d'Autriche-Hongrie, de Russie et d’Allemagne.

Votre Excellence est chargé de porter ce point de vue à con- naissance de . . . , et d’obtenir son concours à l’oeuvre de paix dont tous nos effffeorts tendent à assurer le succès.

Si, comme je lespère, les vues du Gouvernement , se rencon- trent avec les nôtres, nous lui proposerions par égard pour la dignité et l'indépendance de la Porte, de ne psint adresser à celle-ci nos conseils dans une note collective, mais de nous borner à inviter nos représentants à Constantin-ple à agir conjointement et d'une ma- nière identique auprès da Gouvernement du Sultan dans le sens que nous venonus de déyelopper.

Vons voudrez bien, Monsieur le Comte, donner lecture de la pré- sente dépêche à Monsieur le Ministre des Affaires Etrangères, et lui en laisser copie; et je vous serais reconnaissant de me faire con- naître aussìitôt que possible l'impressíion qu’elle aura faite sur Son Excellence. Recevez etc.

Uebersetzung. Buda-Pest, 30. Dezember 1875.

Von Anbezinn der Unruhen in der Herzegowina haben die euro- päischen Kabinette, in ihrem Interesse an dem allgemeinen Frieden, ihre Bli>e auf die Ereignisse richten müssen, wel<he denselven zu gefährden drohten. : 2 :

Die drei Höfe von Oesterreih-Ungarn, Rußland und Deutsch- land haben si<, na< einem Austausch ihrer dieëbezüglichen An- sichten, zu gemeinsamen Bemühungen behufs Friedensstiftung ver- einigt. *Dieter Zwe>k schien dem allgemeinen Wunsche zu schr zu ent- sprechen, als daß die audern Kabinette auf die Einladung, \si< dur ihre Vertreter in Konstantinopel demselben anzuschließzn, si< nitt beeilt hätten, ihre Anstrengungen mit den unsrigen zu verbinden.

Die Mächte haben fi in Einvernehmen gefeßt, um allen ihnen zu Gebote stehenden Einfluß zu dem Zwe> aufzubieten, den Kampf zu lofalisiren sowie die Gefahren und das Elend desselben zu ver- mindern, indem sie Serbien und Montenegro verhinderten, sich an der Bewegung zu betheiligen. e!

Ihre Sprache war um so wirksamer, als sie identis< war und daher den festen Willen Europas bekundete, keine Gefährdung des allgemeinen Friedens durch unbesonnene Ueberstürzungen zu g-stattea.

Die Kabinette haben überdies der türkischen Regierung die guten Dienste ihrer Konsular - Agenten angeboten, um zu der Beschwichti- gung des Aufstandes mitzuwirken. In dem Verfolg dieser Aufgabe haben sie Sorge getragen, gleihermaßen jede Einmishung zu ver- meiden und die Würde, die Rechte und die Autorität des Souveräns zu schonen.

Die Delegirten durften fi<h niht als Enquête-Kommission ge- berden, no< si< als Advokaten der Wünsche der aufständischen Be- völkerung aufwerfen. Jhre Aufgabe war, der leßtern alle SelLst- täuschungen über eine Unterstüßung von auswärts zu benehmen und fie zu ermahnen, na Darlegung ihrer Wünsche und Klagen fich zu zerstreuen. Die Mächte behielten sich nur vor, bei der türkischen Regierung diejenigen Forderungen der Aufständischen zu unterstüßen, die berechtigt befunden würden. Dieses zuvorkommendz Verfahren der Kabinette bezeugte in genügender Weise die freundschaftliche Ab- ficht, welche sie bei Anbietung ihrer guten Dienste geleitet hatte; es bekundete, daß in ihren Äugen eine vollständige Solidarität in den Interessen Europas, der Pforte und der aufständischen Bevölkerungen vorhanden war, um einem verderbli<hen und blutigen Kampf ein Ziel zu seßen und durch ernste Reformen und wüksame Verbesserungen, welche die wahren Bedürfnisse des Landes mit den berechtigten For- derungen der Autorität versöhnen würden, eine Wiederkehr desselben zu verhüten. i

Dies ist in wenigen Worten der geschihtli<e Verlauf des seit e Ausbruche des Aufstandes von den Mächten einges<lagenea Vere-

ahrens.

Die Kabinette haben si< bis zum heutigen Tage vorr. ehmlich von dem Wunsche leiten lasen, Alles zu vermeiden, was als eine ver- frühte Einmischung Europas angesehen werden könnte.

_In diesem Gedankengange haben si alle Kabinette darauf bes {<ränkt, der Regierung des Sultans den Rath zu geben, si niht an bloße militärishe Maßregeln zu halten, sondern darauf aus:ugehen, das Uebel durch moralische Mittel zu bekämpfen, welche zukünftigen Ruhestörungen vorzubeugen bestimmt sind.

Die Kabinette hatten, indem sie so handelten, die Absicht, der hohen Pforte die moralische Unterstüßung, deren sie bedurfte, zu leisten und außerdem die Zeit zur Beruhigung der Gemüther in den auf- ftändishen Provinzen zu gewähren, weil sie fi<h der Hoffnung hin- A en jede Gefahr einer weiteren Verwi>elung in dieser Weise Lé'eitigt sei.

Leider sind ihre Hoffnungen getäus{t worden. Einerseits \{ei- nen die von der Pforte veröffentlichten Neformen nicht die Beschwich- tiguug des Volkes in den aufständischez Provinzen ins Auge gefaßt zu heben und au<h ni<ht zur Erreihung des wesentlichen Zwe>es zu genügen. Andererseits ist es den türkitchen Waffen nicht geglü>t, dem Rufftcrnde ein Ziel zu seßea.

Unter diesen Umständen glauben wir, baß der Augenbli> für die Mähte gekommen ist, sih über einen gemeinsam zu beschreitenden Weg zu <inigen, auf welchem sie uerhindern können, daß die Bewegung dur< längere Fortdauer ließli den Frieden Europas gefährde.

Ebenso wie die anderen Mächte haben wir den wohlwollenden Ebsichten, welche den jüngsten Manifesten des Sultans zu Grunde liegen, Beifall gewollt. Der JIrade voin 2. Oktober und der Ferman voi 12. Dezember enthalten eine Reihe von Grundsätzen, wel<e be- stimant sind, in die Organifalion des ottomanisher Reiches Reformen

inzu{ähren. :

_ Man darf azmehmen, daß, wenn diese Grundsäße in weise ge- lone Gesetzesbeftimznungen übertragen worden sind und wenn vor Allen: ihre praktis<e Handhabung vollkommen den hellen Gesichts- puukten ihces Ursprungs entspricht, wirkliche Verbesserungen in der türkischen Staatsverwaltung werden erzielt werden.

Gleihwsohl können wir uns nicht verhehlen, daß die angekündig- ten Reformen nicht aus fi allein die Wirkung haben können, dem Blutvergießen in dcr Herzegowina und in Bosnien au< nur für eßen Augeabli> Einhalt ¿zu th2mn, und daß fie eben so wenig dazu angethan sind, die künftige Ruhe diefer Theile des ottomanischen G festen Unterlagen zu begründen.

In der That, prüft man den Inhalt der Jrade voin 2. Oktober und des Fermans vom 12. Dezember, so kann man nicht umhin an- zuerkennen, daß die bobe Pforte si<h mehr mit allgemeinen Grund- säßen, welche in bestimmter Fafsung der Reihsverwaltung zur Grund- lage werden dienen fönnen, als mit der Herftellung des Friedens in den beute im Aufstande befindlichen Provinzen beschäftigt hat.

Es liegt ganz besonders im Interesse der ottomanischen Regierung, daß vor Allem die Herstellung des Friedens gesichert werde; denn bevo diese crreiht is, wird es unmögli sein, die Reformen ins Leben treten zu lassen, welche die hohe Pforte selbst proklamirt hat.

Andererseits Haben die anarhi|en Zustände, wel<h? die nord- westlichen Provinzen der Türkei verwüsten, niht nur Schwierigkeiten für die hohe Pforte im Gefolge, es liegt in ihnea auc eine große Gefahr für den allgemeinen Fcieden, und die verschiedenen Staaten Europas können nicht mit Gleichgültigkeit einen Zustaud sih stets wiederholen und vershlimmern schen, der chon jeßt {wer auf Handel und Industrie lastet und der, mit jedem Tage wehr das Vertrauen des Publikums in die Erhaltung des Friedens ershütternd, stets höhere und wichtigere I-teressen in Fiage stelit. E ;

Auch glauben wir cine gebieterishe Pflicht zu erfüll-n, indem wir der erystli<h2zn Ecwägung der Garantiemächte die Nothwendigkeit anheimst-llen, dec hohen Pforte amuempfehlen, ihr Programm durch \solhe Maßregeln zu vervoll tändigen, die unabwendbar erscheinen, um in den auzenbli>li< dur die Geißel des Bürgerkrieges verwüsteten Provinzen Friede und Ordnung wieder herzustellen. S

Als Ergebniß eines vertraulihen Jdeenaustausbe2, der zwichen uns und den Kabineten von St. Petersburg und Berlin stattgefunden hat, gelang‘en wir zu dem Schlusse, daß diese Maßregeln in einer zwiefachen Richtung gesuht werden müssen, erstens auf moralishem und zweitens auf materiellem Gebiete N L

In der That ist die materielle Lage der christlichen Bevöikerung Boaniens und der Herzegowina in leßter Instanz nur von ihrer sozialen und moraliscen Stellung abhängig. / :

Wenn man die Ursachen der eigenthümlichen Lage, in der sich die Herzegowina und Bosnien seit so vielen Jahren befinden, einer ein- gehenden Untersuchung unterwirft, fo fällt gleih von vornherein die besonders feindselige und argwöhnuishe Gefinnung auf, von der Christen und Mohamedaner gegen einander beseelt sind. Dieses all- gemeine Mißtrauen war der hauptiächlihste Grund, der es unferen Abgesandten unmöglich machte, den aufständishen Christen die Ueber- zeugung beizubringen, daß die türkischen Behörden den aufrich‘igen Willen hätten, ihren Beschwerden Abhülfe zu schaffen. Es giebt vielleicht keine Gegend der europäischen Türkei, in wel<her der Gegen- saß zwischen Kreuz und Halbmond fo \<{roffe Formen angenommen hat. Dieser fanatis<he Haß und diesez Mißtrauen müssen zum größ- ten Theile der Nachbarschaft anderer Vö'ker desselben Stammes zu-

eschrieben werden, wel<he den vollen Genuß jener Religionsfreiheit

esißen, deren sich die Christen der Herzegowina und Bosniens beraubt

sehen. Die unablässige Vergleichung bewirkt, daß fie den Eindru> bekommen, unter dem Joche einer wahrhaften Knechtschaft zu stehen, daß der Name Rajah sogar sie in eine moralis< niedrigere Stellung zu ihren Nachbarn zu bringen scheint, daß sie sih mit einem Worte als Sklaven fühlen. 5

Mehr als ein Mal hat Europa fi< mit ihren Klagen zu bes<äf- tigen gehabt, sowie mit den Mitteln, denselben Abhülfe zu schaffen. Der Hatti Humayum von 1856 gehört zu den Früchten dieser Thä- tigkeit der Mächte In den Festsetzungen dieses Aktes selbst aber wird die Religionsfreibeit no< dur< Klauseln einges<ränkt, welche zumal in der Herzegowina und Bosnien mit einer Härte zur An- wendung gebra<t wurden, die jedes Jahr neue Konflikte hervor- rief. Der Bau der dem öffentlichen Gottesdienst so wie dem Unterricht geweihten Gebäude, der Gebrauch der Glo>en, die Bil- dung relizióöser Genossenschaften finden sih in diesen Provinzen no< immer Hindernissen unterworfen, welche den Christen als eben o viele Ecinnerungézeichen an den Eroberungéskcieg erscheinen, welche sie in den Muselmänxnern nur die Feinde ihres Glaubens erblicken lassen und den Eindru> verewigen, daß sie unter einem Joche leben, welches abzuschütieln man nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht habe. :

Der leßte Ferman berührt wohl diesen Punkt der religiösen Frei- heit ebenso, wie es übrigens {on der Hatti Scherif vox 1839, der Hatti Humayum von 1556 und andere Erlasse d-r hohen Pforte ge- than haiten. Er bestätigt die Gewalten, mit denen die Patciarchen und andere geistlichen Oberhäupter für die Angelegenheiten ihrer Sprengel und füc die freie Autübung ihre: Religionsdienste aus- gerüstet sind; aber er seßt ihnen die ihnen verliehenen Rechte und Ermächtigungen zuglei<h als Grenzen, Er verspriht auch E-leich- terungen für den Bau von Kirchen und Schulen, ein Versprechen, das ôfter als einmal in amtili<hen Urkunden niedergelegt worden ist, aber das nicht zur Beruhigung beitragen kann, weil seine Erfüllung von den Provinzialbehörden abhängt, welche unter dem QDru>e der Stimmung der Ortsbevölkerungen dasselbe nicht ins Werk seßen können, wenn niht der Grundsaß ausdrü>lih und laut ausgesprochen wird. Der so eben erlassene Ferman geht also keineswees über das Maß der Zugeständnisse des Hatti Humoyum hinaus, welcher, wie i< es oben hervorgehoben habe, die religiöse Freiheit mit Einschränkungen umgiebt, die im Laufe der leßten Jahre zahlreiche Streitigkeiten hervorgerufen hahen. Beschränkt, wie fie sind, haben die Zugeständnisse, um die es \si<h handelt, niemals genügt, um die Christen zu befriedigen, Um so weniger wird dics heute der Fall sein nah den Greignissen, welche das Land mit Blut beneßt und den Widerstreit, der die beiden Glaubensformen trennt, nur no< vergiftet haben. Wenn der Aufstand erft ersti>t sein wird, so wird das mohamedanis<he Gle- ment, fi< als Sieger betrahtend, ohne Zweifel darauf ausgehen, sich an den Chrifien für die Verluste zu rächen, die ein fo heftiger Kampf ihnen auferlegt hat. Ein Zustand der Dinge, der das Neben- einanderwohnen von Theilen der Bevölkerung, die si<h eben no< mit so viel Erbitterung bekämpft haben, ermöglicht, kann also nur dadurh gesichert werden, daß die cristlihe Religion von Rechts wegen und thatsächli<h auf den Fuß vollkommenster Gleichheit mit dem Jslam gestellt wird, daß sie sffentli<h anerkannt und geaŸÿhtet und ni<t nur, wie no<G heute, blos gedul- det it. Aus diejem Grunde müssen unserer Ansicht nach die Ga- rantiemächte die volle und ganze religiöse Freiheit ni<ht nur fordern, sondern au, als das erste und wesentlihste Zugeständniß, erlangen. Die Gleichheit vor dem Gesetz ist ein ausdcü>lih in dem Hatti

umayum verkündeter und dur< die Geseßgebung bestätigter Grund- aß. Es ist dies ohne Zweifel die Ursache, weshalb die jüngsten Erlasse des Sultans es unterlass:n haben, seiner zu erwähnen.

__ Aber dieser Grundsaß, obglei<h rechtlih gültig, wird de< ne< nicht allgemein im ganzen Reiche angewandt. That'ächlich wird das Zeugniß von Christen gegen Muselmänner an den Gerichtshöfen von Konstantinopel und den meisten anderen großen Städten zugelassen, aber in einigen entfernten Provinzen, wie die Herzegowina und Bos- nien, weigern sih die Nichter, seine Gültigkeit anzuerkennen. Es würde also. darauf ankommen, praktische Maßregeln dafür zu er- greifen, daß die Christen in der Zukunft niht Justizverweigerungen zu befür<ten hätten. :

Ein anderer Vunkt, welcher dringend zer Abhülfe bedarf, ift die Verpachtung der Steuern. Schon der Hatti Scherif von 1839 hat Über dieses System das Folgende gesagt: „Ein s{limmer Gebrauch besteht noch, obglei<h derselbe nur verderblihe Folgen haben kann, nämlich die fäuflihen Konzessionen, die mit dem Namen JIltizam bezeichnet werden. Nach diesem System ift die bürgerlihe und finanzielle Verwaltung eines Ortes der Willkür eines einzelnen Men- schen überliefert, d. h., manchmal der eisernen Hand der gewaltsamsten und habgierigsten Leidenschaften.“

_ Und der Hatti Humayum von 1856 besagt das Felgende : „Man wird auf die rashesten und kräftigsten Mittel bedacht ein, um die Mißbräuche bei der Erhebung der Steuern, namentlih der Zehnten, abzuftell.en. Das System der direkten Erhebung soll na<h und nach, und sobald als thunli<h, an die Stelle der Verpachtung in allen

ebiets auf } weigen der Staatseinnahmen gesezt werden.“ |

Troß dieser bündigen Erklärungen besteht das Verpachtungssystem

no< in seinem ganzen Umfange. Heute stellt die hohe Pforte Reformen in dieser Richtung in Ausficht, ohne jedo< näher darauf einzugehen. Der Ferman vom 12. Dezember bezeichnet von Neuen das j-t in Au€übung ftehende System der Steuereintreibung als ni<t in der Ordnung. Er ertheilt Weisung, einen Modus der Gleichmäßigkeit der Auflagen zu suchen. Er befiehlt au<, Maßregeln zu ergreifen, „um der Willfür bei der Eintreibung des Zehnten dur< Vermitte- lang der Pächter zu steuern“, aber er hebt die Verpachtungswirth- schaft ni<t auf. W.ll man daher dem Aufstande einen wesentlichen und nie ausgehenden Nahrungssteff entziehen, so ift einer der Punkte, die man ven der Pforte verlangen muß, der, daß sie die flare und bestimmte Ecklärung gebe, daß das System der Verpachtung der Steuern nicht bloß dem Rechte nah, sondern au thatsähli< für Bosnien und die Herzegowina abgeschafft ist, und es ist uöthig, daß dies2 Maßregel unverzügli<h in Ausführung gebracht werde.

Eine der U: sachen, wel<he die materiell {hon so s<were Last der Steuern in Bosnien und der Herzegowina ne< \{werer macben, is die, daß die Bled fi< finanziell zum Vortheil des C»ntrums ausgebeutet glauben. Sie haben die Ueberzeugung, daß diz Leiftung der Abgaben keinesw-g3 zur Be- streitung der Bedürfnisse der Provinz selbst verwandt wird, sondern daß die Gesammtheit der erhobenen Summen unverzüglih nah Konstantinopel geschi>t wird, um dort zum Gebrau der Central- regierung verwandt zu werden. :

Es wäre daher nöthig, die Last der Auflagen, wel<he die Pco- vinz zu tragen hat, moralis{< zu erleihtern, wenn dieselbe eclangte, daß unbeschadet dessen, was die Unkosten des Reiches erfordern, ein Theil des Ertrages der von der Provinz gezahlten Abgaben zu Verwendungen, die ihren eigenen Intz?resscn vortheilhzft wären, vor- behalten würde. :

Zu diesem Zwe>e müßte die Pforte erklären, daß der Ertrag der indirekten Steuern, wie bisher, zu den Bedürfnissen des ganzen Neiches vzrwendet, daß dagegen die aus den direkten Steuern fließen- den Gelder in der Provinz bleiben und aus\<hließli< zu ihrem Besten verwendet werden würden, um deren Hülfsquellen zu heben und ihre Wohifah:t zu vermehren. Die Ausführung dieser Bestimmung müßte untec die Ueberwachung des gewähltea Auss{usses, von dem im Ver- laufe dieser Arbeit sogleih die Rede sein wird, geftellt werden.

Die traurige Lage der Christen Bosniens und der Herzegowina beruht zum großen Theil auf dec Art des Verhältnisses, das zwischen der Landbevölkerung und den Grandbesißern besteht. Die wirthschaft- lien Streitigkeit-n haben auh stets einen besonders erbitterten Charakter in dem Lande, wo die Klasse der Grundbesitzer entweder der Religion oder der Nationalität nah von der Masje der A>-r- bauer verschieden ist; es liegen nur zu viele Fälle von leidensHaft- lichen Kämpfen vor, welche Folge einer solchen Lage waren.

In den Provinzen, von denen hier die Rede ist, befindet sich fast die Gesammtheit der Grundbesiße, die ni<t dem Staate oder den Moscheen angehören, in den Händen von Muselmännern, während die Akerbaubevöikerung aus Christen dec beiden Riten besteht. Die Ale wird daher no< dur< den religiösen Gegensaßz ver- wi>elt.

Nach der Unterdrü>ung des ersten Aufstandes der Begs von Bosnien im Jahre 1851 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, aber diese Maßregel hat, wie es in solchen Fällen häufig vorkommt, die Lage der Bauern nicht gebefsect, sondein nur no< vers<hlimmert. Sie werden von jenen aid,t mehr so shonend behandelt, wie vordem. Heute hat man ni<ts mehr vor Augen, als zwei mit einonder im Kampfe liegende Interessen und Religionen, Î

Von dem Augenbli>ke an, wo die Abschaffung des feudalen Ne- giments die vormaligen Leibeigenen in Pächter oder Meier nm- gewandelt hatte, haben die Uebergriffe der Eigenthümer zahlreiche theilweise oder allgemeine Aufstände hervorgerufen. Al3 eine Bes wegung dieser Art 1858 im Norden Bosniens autbrah, hat die Pforte si<h veranlaßt gesehen, si< um die Zwistigkeiten zu bekümmern, die dazu Anlaß gegeben hatten, Abgeordnete von beiden Parteien wurden nah Konstantinopel berufen, und nah langen Ver- handlungen, an welchen eine offizióse Dazwish?-nkunft des Internun- tius Sr. Majestät des Kaisers und Königs Antheil haite, ward ein Ferman des Sultans erlangt, dessen Anordnungen damals die Inter- essen der ländlichen Besißer hinreichend zu befriedigen s{ienen. Dieser Ferman ist indessen niemals in Wirksamkeit gesetzt worden.

Es würde zu prüfen sein, ob einige Bestimmungen dieses Doku- ments niht no< heute zum Ausgangépunkt für einen billigen Ver- gleich di: nen Tönnten, der geeignet wäre, die Lage der ländlichen Be- völkerung zu verbessern, oder ob es fi< empfehlen möchte, den Staat®- {<3 eintreten zu lassen zur Erleichtecuug der Ausführung der Maß- nahmen, welche zu diesem Behuf zu treffen wären, ganz so, wie dies vor etwa 23 Jahren in Bulgariea geschehen ist, wo die Grundlasten mittels Auëgabe vou Rentenbriefen, sogenannteu Sehims, abgelöst worden sind. Wir fühlen, daß die Aufgabe schwierig ist und daß ihre Lösung niht das W-rk Eines Tages sein kann, aber wir glauben, day es von Wichtigkeit ist, daran zu arbeiten, um das Loos der ländlichen Bevölkerung in Bosnien und in der Herzegowina zu vervessern und fo eine der offenen Wunden der gesellschaftlichen Zustände dieser Pro- vinzen zu s<hließen. Es würde uns nicht unmögli<h scheinen, eine Kombination zu finden, welche den Bauern gestattet, stufenweise und unter wenig lästigen Bedingungen unbebaute Landesparzellen zu erwerben, die der Staat zum Verkauf stellen müßte. Wenn sie daan weiter den Wunsch haben, als PäHter den Grunv- besiy ihrer muselmännishen Landsleute zu bebauen, so würden fie nah und nach dazu kemmen, selter ein kleines Grundstück zu besißen, das ihnen eine gewisse Unabhängigkeit sichern und sie gegen Er- pressungen {üßen würde.

Wenn man daran denkt, wie wenig Glauben bei ter <ristli<hen Bevölkerung die Verheißungen der hohen Pforte finden, so kann man sih nicht verhehlen, daß die bekanntgemachten Reformpläne das erfordercliclze Vertrauen nur dann würden einflößen können, wenn man gleichzeitig eine Institution s{<üfe, welche eine sihere Bürgschaft für die e:nstliGe Dur<hführung dieser Reformen bôte. Begnügt man sich, die Ausführung den Provinzialregierungen anheimzugeben, so würde man nicht dazu gelangen, das Mißtrauen, von derm ih spreche, zu überwinden. Es würde also eine Kommission vou Notabeln des Landes einzuseßen sein, bestehend zur Hälfte aus Muselmännern und zur Hälfte aus Christen, gewählt von den Ein- O der Provinz nach einem von der hohen Pforte bestimmten

odus.

Ich habe hiermit die Punkte dargelegt, deren Anwendung in den aufständischen Provinzen erlangt werden müßte, um sih der gegrün- deten Hoffnung auf Friedensstistung hingeben zu können. Diese Punkte find: Die volle und unverkürzte Religionsfreiheit; die Abschaffung der Verpachtung der Steuern; ein Geseß, welches verbürgt, daß der Ertrag der direkten Steuern von Bosnien und der Herzegowina zum Besten der Provinz selbst, unter Aufsicht der in dem Geiste des Fer- mans vom 12. Dezember eingeseßten Org1ne verwendet werden; die Einseßung eines besonderen Ausschusses, der in gleicher Anzahi aus Muselmännern und Christen besteht, um die Ausführung der von den Mächten vorgeschlagenea so wie der in dem Jrade vom 2. Ok- tober und im Ferman vom 12. Dezzmber verkündigten Reformen zu überwachen; endli die Verbesserung der wirthschaftlicen Lage der Landbevölkerung. Die ersten Punkte könnten und müßten unverzüg- lih durch die bohe Pforte eingeführt werden, der fünfte stufenweije und fo bald wie irgeud mögli.

Wenn, unabhängig von den Bedingungen, wel<e uns als die wesentlichsten erscheinen, Bosnien und die Herzego- wina no< die folgenden Reformen erhalten, die in dem jüngsten Ferman angedeutet sind: einen Provinzialrath und Gerichtshöfe, frei gewählt dur< die Einwohner; die Un- abseßbarkeit der Richter; die Laien-Justiz; die persöulihe Freiheit; die Bürgschaft gegen Mißhandlungen; die Umgestaltung der Polizei, deren Verfahren so viele Klagen hervorgerufen hat; das Aufhören der Mißbräuche, zu welhen die Leistungen von Arbeiten zum öffentlichen e UEE Anlaß geben; eine gere<hte Herabseßung der Geböhren für Befreiung vom Militärdienste; die dem Eigenthums- re<te zu gebenden Bürgschaften; wenn alle diese Reformen, in Betreff

deren wir uns von der Pforte Mitibeilung erbitten, um davon feier- li< Aft zu nehmen, Anwendung gefunden Haben in den aufständischen Provinzen, welche, nah dem Texte des Fermans zu urtheilen, scheinen no< nit soglei mit densclten bedacht. werden zu sollen, so würde man hoffen können, den Frieden in diese verwüsteten Gegenden zurüd>- fehren zu sehen.

Ich komme zum Schluß. Die unbestimmten Verh :ißungen des Jrade vom 2. Oftober und des Fermans vom 12. Dezember konnten die Hoff- nungen nur exaltiren, anftatt sie zu beruhigen. Anderer feits ist festzustellen, daß es den türfishen Waffen nicht gelungen ist, den Aufstand zu be- endigen. Der Winter hat dem Aufstand einen theilweisen Stisll- ftand geboten. Der Frühling wird ihn wieder aufleben sehen, Die Ueberzeugung, daß mit dem Kommen des Früßjahrs neue Elemente den Aufstand verstärken, daß die Bulgarei und KFieta die Bewegung vergrößern werden, ift unter den Christen der Türkei eine allgemeine. Wie dem auch sein mag, jedenfalls is veraus- zuschen, daß die Regierungen von Serbien und Monteaegro, welche fich bis zu diescm Augeabli>e niht ohne Mühe außerhal% der Bewe- gung hi-lten, alsdann ni<t mehr im Stande sein werden, der herr- {henden Strömung Widerstand zu leisten, und {cen jißt seinen sie si unter dem Eind'u> der Ereignisse uud der öffentlihen Meinung in ihren Ländern mit dem Gedanken vertraut gemalt zu ba ca, beim Schmelzen des Schnces in den Kampf einzutreten.

nit sofert auf die aufftändishen Landestheile angewandt werden dürften, man alsdann eíîn ganz anderes Resultat als das | erwartete erzielen werde, daß vielmehr der Konflikt gegen Ende des Winters eine bedeutend größ:re Ausdehnung anrehmen würde. Die drei Kabinette glauben daher, daß die einzige Maßregel, neue Ver- widelungen zu vermeiden, weile Aussicht auf Erfolg hat, in ciner von den Mächten ausgehenden Kundgebung bestchen müßte, welce | deren ausdrü>lihen Willen klarlegt, der Bewegung, welche den gan- | zen Orient zu überfluthen droht, Einhalt zu thun.

Dieser Zwe> könnte indessen nit allein durch eine an die Fürstlichen Re- | g:cruugen und die <ristli<en Unterthanen des Sultans gerichtete Aufforderung erreicht werden. Damit diese in si< \<on äußerst schwierige Maßregel Ausficht auf Erfolg habe, ist es unumgänglich | nothwendig, daß dic Mäckte sich auf klare, unanfe>tkare und prak- | tische Reformen berufen können, welche besondcrs geeignet siad, die | Lage der Herzegowina und Voëniens zu verbessern, mit Einem Worte, | daß ihre B-1mittlung si< auf Thatjaczen und ni<t nur auf Pre- | gramme stüßen kênne. Nur auf diesem Wege werden die Mächte im | Sbaude lein, ihren friedlihen Nathschlägen den nöthigen Nachdru> zu geben.

Es giebt noch eire andere Schwierigk-it, und es ist die größte, | wel<he man um jeden Preis überwinden muß. Diese Schwierigkeit ilt das gründlich ciagewurzelte Mißtrauen, wel<hem all? Verspreczun-

Reich, wie sie in dem Irade vom 2. Oktober und im Ferman vom 12. Dezember dargelcet sind, bestätigt und daß fie zuglei den Maäcßten ihre Aufnahme der oben erwähnten Punfte notifizire, wel<e die Beruhigung der aufständishen Provinzen zum besonderen Zwe> aben.

Ohne Zweifel würden die Christen dur< diese Mittel nicht die Form der Garantie erhalten, weiche sie augenbli>li< zu verlangen scheinen, aber sie würden (ine verhältnißmäßize Sicherheit in dec

| Thatsache selbft finden, daß die octroyirten Reformen von den Mäch-

ten als unerläßli< anerkannt werden und daß die Pforte Eurcya gegenüber die Verpflihtung übernimmt, sie zur Ausführung zu bringen. ¿

Dieses ist die aus einem vorherigen Ideen-Auëtzush zwis{en den Kabinetten von Oesterreich-Ungarn, Rußland und Deutschland he: vorgegangene feste Ueberzeugung.

Sw. Excellenz ist beauftragt, dicse Ansicht zur Kenntniß des . zu bringen und desscn Mitwirkung zu dem Friedenswerke zu erlangen, dissen Gelingen alle unsere Bemühungen anstreben.

. Wenx, wie ih hoffe, die Ansichten der . . . Regierung si<h mit den unsrigen begegnen, würden wir derselben aus Rü>'icht für die Würde und Unabhängigkeit der Pforte vorschlagen, unsere Rathschläge an diese ni<t in ciner Kolleftivnote zu rihten, fondern nur uns dar-

Bei dieser Sa&lage gestaltet sich der Versu<h der Mächte, im Interesse des allgemeinen Friedens die äußersten Verwi>lungen zu vermeiden, schr \{<hwierig. Desterreih-Ungarn und die leiden andern im Verlauf eincs vertraulich:n l vercinigt, taß, wenn mon si<h darauf bes<ränkez wollte, dcn Erfolg der dur ten

Kaiferlihen Höfe haben fich JFdeen-Au?taushes in der Ueberzeugnng

jüngsten Feiman veröffentlichten Reformversätze

leßten Erlassen des Sultans ver

abzuwarten

gen der Pforte bei den Christen begegnen. Ein Hauptgrund dieses Mißtrauens ist in der Thatsache zu finden, daß mehr als eine in ten i - \prowene Maßregel bereits in den früheren Hatti-Scberifs proklamirt war, ohne daß die Lage der Christen eine merfli<e Besserung erfahren hätte.

Auch halten die Kabiaette es füc durchaus nothwendig, zu er- lang-n, daß die Regierung des Sultans dur die Einsetzung einer

g?meinshaftlich

auf zu bes<hräuken, unsere Vertreter in Constantinopel aufzuforde: 1,

und in identischer Weise bei der Regierung des Sul-

tans in dein von uns entwi>elten Sinne zu wirken.

Sie wcllen gefälligst, Herr Graf, die gegenwärtige Depesche dem Herru Minister der Auswärtigen Angelegenheiten vorlesen und dezi- jelben eine Abschrift davon zurü>lassen, uud ih wücde es Jhnen Dank wissen, wenn Sie mir jo bald als möglich mittheilen wollten, welchen Eindru> dieselbe auf Seine Excellenz gemacht hat. Eeaehmigen

Vorsäß-, welche außerdem na<h den Absichten der Pforte * offiziellen Kommission ihre Absi(hten in Beziehung auf das gesammie * Sie u. s. w. A E A EEKEAT E E EE A E E fi

K 2A Inferate für den Deutschen Reichs- u. Kgl, Preuß. Staats-Anzeiger, das Central-Handelsregister und das

Postblatt rimmt ant: die Inseraten-Expedition 1. Steckbriefe und Unterenchungs-Sachen,

des Deutschen Reichs-Anzeigers und fiöniglih Preußischen Staats-Anzeigers: Berin, 3. 7, Wilhelm-Straße Nr. 32,

2, Subhastationen, Aufgebote, Vorladurgen u. dergl,

3, Vorkäiufe, Verpachtungen, Submissionen ete,

4. Verloosnng, Amortization, Zinsezahlong n, 8, w. von öffentlichen Papieren.

Beffentlicher Anzeiger.

9. Industriclle Etablissomecnts, Fabriken uud Grosshandel,

6, Verschiedene Bekanntmachungen,

7, Literarisch» Anzeigen, :

8. Toeater-Anzeigen. In âer Eörsen-

9, Faæilien-Nachrichten, j beilags. >—

Inserate nehmen an: die auterifirie Annoucen-Fxped?- tion von Ruvolf Mosse in Verlin, Breslau, Chemnit, Cöln, Dresden, Dortmund, Frankfurt a.M., Halle a.S.,

Hamburg, Leipzig, München, Nürnberg, Prag, Straß

kurg i. E., Stuttgart, Wien, Zürich und deren Agenten,

sowie aïle übrigen größeren Aunsneeu-Burcau2,

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SteXbriefe und Untersuchungs-Sachen.

Ste>brief, Die unten näher bezeichneten Gyut- nastifer Dermaun und Rudolf Lanßtzky sind wegen vor!äßlicher Körperverlcßung j: zu einem Jahre Gefängniß re<tsfräftig verurtheilt worden. Es wird ersucht, dieselben im Betretungefalle zu verhaften, dies umgehend hierher anzuzeigen und die Strafe an ihren zu vollstre>en, oder na< Bewandtniß der Umsiände, sie hierher tranéportiren und an die Ks- niglihe Direktioa des Strafgefängnisses am Plößen- see zur Strafvollstre>ung abliefern zu lassen. Die- selben sollen si< vor Kurzem no< in der Lausiß auf- gehalten haken. Berliu, den 22. Januar 1876. Königliches Stadtgericht. Abtheilung für Unter- sucungésachen. Deputation 6 für Vergehen. Sig- na!cment. 1) Der Gywo nastiker Hermaun Lanßhzky ist 25 Jahre alt, am 30. November 1850 in Ber- lin gehoren, evangelisccer Neligion, 5 Fuß 4 Zoll groß, hat blonde Haare, blonden Shnurtrbart, rundes Kirn, längliche Gesichtëbildung, gesunde Gesichts- farbe, voUständige Zähne, ift s{lanker Gestalt und fipriht die deutsche und die französishe Sprache. 2) Der Gymnastiker Nudolf Lantzky ist 22 Jahre alt, am 22, März 1853 in Berlin geboren, evange- lisher Rclizion, 5 Fuß 6 Zoll groß, hat brünette Haare, blaue Augen, braune Augenbrauen, Bart im Entftchen, länglihes Kinn und längliche Gesichts- bildung, gesunde Gesichitfarbe, vollständig? Zähne, ist {lanker Gestalt und spricht die deuisce Sprache.

Stectbriefs-Erueuerung, Der unterm 22. Juli 1875 Erste Beilage zum Deutschen Neichs- und Königl Preuß. Staats-Anzeiger Ar. 176 pro 1875 vom 29. Juli 1875 hirter dex Schneidergese!len Carl Lüdemann erlassene Ste>brief wird hiermit erncuert Potsdaur, den 3, Februar 1876.

Königliches Krei8geriht. Abthcilung I,

Der unterm 17. Dezember v. J, wider Paul Ruppel von Hünfeld erlassene Ste>brief wird als erledigt zurü>kgezogen. Cassel, den 1. Februar 1876.

Staats-Anwalt.

[10337] Prociama.

Gegen den Käthner Heinrich Mense aus Ter- reszewo ist na< Jnhalt des Beschlusses des König- lichen Kreisgerichts zu Locbau vom 23. August 1875 auf Grund der Anklageschrift vom 18. Juli 1875 die Untersuchung wegen falscher Anschuldigung er- ffnet worden.

Zur öffentlichen Verhandlung der Sache ift ein Termin auf den 12. April 1876, Bormittags nm 12 Uhr, im Verbhandlungszimmer Nr. 22 des Kreiszerichts- gebäudes hierselbst angeseßt worden.

Der Angeklagte wird aufgefordert, in diesem Ter-

mine zur sestgesezten Stunde zu erscheinen urxd die |

zu seiner Vertheidigung dienenden Beweismittel mit zur Stelle zu bringen, oder solche unter bestimmter Angabe der dadurh zu beweisezden Thatsachen dem Richter fo zeitig zum Termine anzuzeigen, daß sie noch zu demselben herbeigcholt werden können.

Im Falle des Ausbleibens wird mit der Unter- suchung und Enlscheidung über die Anklage in con- tumaciam verfahren werden.

Loebau, den 16. Dezember 1875.

Königliches Kreisgericht. Erste Abtheilung.

Subhastationen, Zufgebote, Vor- Tadungeun u. dergl.

[1%] Subhastations-Patent.

Das dem Kaufmann August Heirri<h Geißler ge- hörige, in Stegliß an der Ahornstraße belegene, im Grundbu<h von Stegliß Band XVIII. Bl. Nr. 576 verzeichnete Grundstü> nebst Zubehör foll

den 25. März 1876, Bormittags 11 Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle, Zimmerstraße Nr. 25, Zimmer Nr. 16, im Wege der nothwendigen Sub- haftation ôffentlih an den Meistbietenden verstei- gert, und demnächst das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags Z

den 30, März 1876, Nachmittags 1 Uhr, ebendort verkündet werden.

Das zu versteigernde Grundstü>k is zur Grund- steuer, bei einem derselben unterliegenden Gesammt- Slächenmaß von 14 Ar 40 Qu.-M, mit einem Rein- ertrag von 6,78 f. veranlagt. Auf dem Grundstü>ke

befindet s< ein Rehtau. Die vom Bieter zu lei- stende Sicherheit wird auf 30C0 A festgeseßt.

Auszug aus der Steuerrolle und beglaubigte Ab- {rift des GrundbuZblatta, ingleichen etwaige Ab- \<äßungen, andere das Grundftü>k betresfznde Nach- w:isungen und besondere Kaufbedingungen sind in unserm Burcau V. einzusehen

Alle Diejenigen, welche Eigenthum oder ander- weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Hypothckenbuch bedüifende, aber nit einge- tragene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Prä- dat pätestens im Versteigecrungsterininz anzu- melden.

Berlin, den 17, Januar 1876.

Königliches Kreisgericht. Der Subhastations-Richter,

[1014] Ediktalladung.

Laut notariellen Vertrags vom 10. Januar 1876 faufte Direktor Ferdinand Bram mer in Wals-

|

rode vcm dortigen Bürgermeister a. D. Frit

Grütter als Inhaber der väterlichen Gewalt über

seine erst- und zweitchelihen Kinder

die vor Walsrode in der EFernworth [belegene

cinst Köbler'sche, „das Neue Haus* genannte Be-

sißbung, Haus-Nr. 243, mit Zubel,ör, Gebäuden und

Grundstücken in der Feldmark Walsrode, als:

1) das Ncue Haus Nr, 243 mit Ncbengebäuden, deren Areal und umliegenden Hofraum von etwa 15 Morgen;

2) etwa 1x Morgen Garten dahb!n!er, laufende A 2 pag. 155 bisheriger Grunditeuermutter- rolle;

3) etwa 13} Morzen Garten zwis<hen dem Fulder- wege und Schmieds Freudenthal Garten ;

4) daran «&wa 2x Morgen Garten Nr 8 und 4 als „Thieserwerth“ laufende Nr. 3 Seite 155 der Grundsteuermutterrolle bezeichnet.

Von cinem dieser Gatenftü>ke (2—4) find jedo< na< Kontrakt vom 23. Auguït 1875 147 Qu.-Ruthen dem Schmied Freudenthal hier Überwiesen.

9) die tiefe Wiese an berrshaftlicher ti-fer Wiese und H. Behrmanns Wiese, etwa 2 Morgen 41 Qu.-Ruthen, Nr. 1 Seite 6 dcrx Grundîteuer- mutterrc|lle.

Auf Antrag des Käufers und Verkäufers werden

Alle, welche an genannten Grundstü>ken Eigen-

thums-, Nâäber-, lehnrechtliche, fideikommissarische

Pfand- und andere dingliche Rechte, inébesondere

Seirvituten uz.d Nealbere<htigunzen zu haben ver-

meinen, aufgefordert, diese Nechie in dem

Montan, den 27. Mürz d, I,

11 Uhr Morgens, : auf hiesigem Gerichte anstekenden Termine anzumel- den, widrigenfalls für den si ni{t Meldenden im Verhältnisse zum neuen Exwerber das Recht ver- loren geht.

Der Auss{lußbescheid wird nur dur<h Aushang an hicsiger Gerichtstafel veröffentlicht.

An folgende Juhaber von alten ungelöschten Hy- potheken bezw. deren Rechtsnachfolger ergeht die}e Ladurg insbesondere :

1) Einwohner Christoph Seemann in Siever-

dingen,

2) Vormundschaft für Kinder weil. Hans Heinrich Hüner daselbst,

3) Einwohner Friedri Ahrens in Kirchboiten,

4) Oberst-Lieutenant-Wittwe Frau Sualland, geb. Ludwig, cinst in Walsrode.

Wals3rode, den 28. Januar 1876.

Königliches Amtsgericht IL, Münchmeyer.

Verkäufe, Verpachtuagen, Submisfionen ¿c

[1011] Unterbietung.

Die Ausführung von Erd- uud Pflastier- arbeiten, welche bei der Verlegung von Tele- graphen-Kabeln im biesigen Ober-Postdirektione- bezinfe in diesem Jahre in einer Gesammtlänge

von ungefähr 2700 Metern nothwendig werden, | fowie die Lieferung der zum Vede>en der Kabel | Baumeisters Mehrtens, Tiegelstr. 5 11, hierselbst erforderlihen Mauerziegel in einer Anzahl von | zur Einsicht aus und können mit Ausnahme der ungefähr 10,000 Stü>, soll im Wege der Unter- ¡ Zeichnungen gegen Erstattung von cines Mak für | die Bedingungen und von einer Mark pro Stü>

bietung vergeben werden. Die näheren Bedingungen sind im Bureau der Ober-Postdirektion (Registratur der Abtheilung E.),

t

| i

Königstraße 60 hierselbst, täzli< von 8 Uhr frül bis 7 Ußr Abends auëgelegt und können 5

gebühren, au<h s<rifili< mitgetheilt werden. Unternehmungélustige wcllen ihre Anbiectungen portofrei, versiegelt und mit der Aufschrift: „Unterbietung auf Erd- arveiien“ b:zw.:

_zicgelu“ versehen, bis zum 15. Februar d. Is... Vormittags 11 Uhr, an den Unterzeichneten ein- senden. Die Preisforderung für die Pflaster- und Erd- arbeiten müssen für den laufenden Meter gestellt

Arbeiten auf gepflasterten odec ungepflasterten Stre>en, bei Tage oder bei Naht, zur Autführung gelangen.

Die Eröffnung der cingegangeren Anbietungen erfolgt zu der angegebencn Zeit, in Gegenmpvart der eiwa persönli< ers{ienenen Änbteter.

Später eingehende, sowie den Bedingunzen nicht entsprechende Aubietungeu bleiben unbcrü>sichtigt.

Die Au?wahl unter den Anbictern, welche

gebunden bleiben, wird vorbchalien. Berkin C., den 31. Januar 1878s. Der Kaiserliche Ober-Vosidireftor. [615] _ Bekauntmachung, Das unlierzeichnete Artillerie-Depot beabsichtigt

stark, 970 Bettungêrippen 4,5 M. lang, 16 Qu.-Cm.,

ark, 950 Bettungsbohlen 8 Cm. stark, 3 M. lang, 0,3 M. breit,

209 Halbhölzer 6 M. lang, 30 Cm. breit, 16 : Cm. stark, im Submissionswege zu b¿schafeu,

Hierzu ift ein Terinin auf Monutag, den 21, Februar cr,,

: Bormiitags 9 Uhr, im Bureau des Artillerie-Depots Breitestraße 68 anberaunit.

lich, versiegelt und mit der Aufschuift: „Submission auf Bettuugsmaterigl“

Die Bedinçungen sind entweder im diesseitigen Bureau einzusehen oder gegen Eistattuzg der Ko- pialien vou hier abschriftli< zu beziehen.

Spandau, den 20, Januar 1876.

Artillerie-Depot,

[$95]

L ; C ad

H F

Cottbus-Großenhainer Eisenbahn, Neubau Cottbus - Frankfurt a. O,

Die Ausführung der Maurer-, Zimmer-, Staaker-, Dachde>er-, Klempner-, Schlosser-, Tischler-, Glaser-, Anstreicher- und Töpferarbeiten incl, Lieferung der dazu erforderlichen Materialien für die Empfangs- gebäude der Stationen Peitz, Weichensdorf, Jamlitz und Müllrose soll im Wege der öffentlihen Sub- mission entweder im Ganzen oder na einzelnen Arbeiten getheilt an einen oder mehrere Unterneh- mer vergeben werden.

Die Arbeiten sind verans;lagt im Ganzen

für Bahnhof Peitz . . 29,500 Unis . 29,000 Weichensdorf 23,500 , Müllrose. . 29,400 ,

Zei nungen, ‘Bedingungen, Massen- und Kosten- bere<nungen liegen im Bureau des Abtheilung€-

portofreien Antrag, gegen (Erstattung der Abschreibe- i

und Pflaster- :

„Unterbietung auf Lieferung vou Maner- ;

und gesondert angeg:ben sein, je nahdem die !

14 Taze nach jenem Tecmine an ihre Anbictungen

330 Bettungsrippen 6 M. lang, 16 Qu.-Cm. :

Hierauf Reflektirende wollen ihre Offerten scrifts /

verschen, bis zu diefem Zeitpankte hierher einreichen, :

A , ferten vorschriftsmäßig, portofrei und versiegelt mit ; der Aufschrift

j „Offerte auf Dochbauten der NeubaustreFe ¿ Cottbus3-Fraufkfurt a, O,“

: einzureichen sind, ist auf

Montag, deu 21. Feöruar 187s, Vormittags 1 Uhr,

im obengenannten Abtheilungs-Bureau angeseßt. Cottbus, den 2. Februar 1876, Cto. 3/2. [V,) j Die Direfkticun i der Cotibus-Großenhaginer Eisenbaßn- | Gesellschaft, è ———————

eo Bekanntmachuug.

j Auf der Königlichen Steinkohiengrube Kronprinz ; Fried ich Wilhelm bei Schwalbach (Kreis Saarlouis) joll cine Wasserleitung von ungefähr 1000 Meter i Länge hergestellt und die bierzu ecforderli@en Rohre : und sonstigen Stücke im Wege der offentlichen Su5- - mission vergeben werden.

¿ Die Lieferungsbedingungen fön eu auf dem Burcau der Inipeftion eingesehen, auf Verlangen au< von : derselben übersandt werden.

j Die betreffenden Offerten sind bis

Freitag. den 18, Februar d, Is,

j Vormittags {0 Uhx,

| hierher, versiegelt und mit entspre<euder Aufscbr ift ¡ versehen, einzureichen, wo dieselben in Gegenwa:ct ¡ der etwa erschienenen Submittenten geöffnet werden. ¿ Causdorf bei Saarlouis, ten 3. Februar 1876. ; Königliche Verg-Iuspektiori L.

s | [744] Submission. j Das unterzeichnete Regiment bcdarf zur Ve- * laffung von Beklcidungsstücken pro 1876 nacz- : steheude Materialien und zwar:

ca. 1500 Meter graue Futterleinwand,

j «, 2000 Segelleinwand, : « 3500 Futter-Kallikot, j «„ 0 , Dl un j 6000 „, Hemden-Kallikot,

sowie an. fertigen Stü>en: j L 180 Helme mit Beschlag, 168 Säbeitreddeln für

i Unteroffiziere, 514 Säbeltroddeln für Gemeine,

300 Kochgeschirre , 90 Kochgeschicrriemen, 99 j Paar weifze Tornisterriemen, Paar s{<war:e ; Tornisfierriemen, 100 weiße und 50 s{warze

Leibricmen, 45 Paar Patrontaschen. ¡ Offerten von zuverlässigen Lieferanten mit Preken und Preisangaben sowie Licferungsfrist siud dcr uzxterzeichneten Kommission verfiegelt und portofrei j bis zum 16, Februar cr.

: cinzusenden.

| Pose, den 24. Januar 1876. (Ag. P. 25/1. 70.) ; Die Bekleidungs - Kommisssou des 1. Weik-

| preußisGen Grenadier-Negimeuts Nr, 6,

[996]

Berlin-Coblenzer Eisenbahn. Stre>e Nordhausen-Wehlar.

Die Lieferung von ca. 45 Kbm. Tannen-Rund- holz und ca, 1400 Qu.-M. Tannen-Bohlen für die Ausführung des Sohlstollens des Mühlenberg Tun- nels I. soll im Wege der öffentlihen Submission vergeben werden. Offerten mit der Aufschrift :

eSubmissionsoiferte auf Holzliefernng für

den Mühlenberg Tunnel x3.

sind bis zum Submissionstermin am Sounabe::d, deut 19. Februar cr., Vormittags 10 Uhr, ve:- fiegelt und frankirt an den Unterzeichnetcn einzti- reichen, in dessen Büreau zur angegebenen Stunde die eingegangenen Offerten im Beisein etwa erschic- nener Submittenten eröffnet werden. Später cin- gehende Offerten bleiben unberüd>sihtigt. Bedin- gungen und Holzverzeihniß können im hiefigen Büreau eingeschen, au<h gegen Erstattung der Se!bstkofteu von da bezogen werden.

Küllstedt, am 3. Februar 1876.

Anschlagsformular voa dort bezogen werden, Der Submissionstermin, bis zu wel<hem die Of-

Der Abtheilungs-Baumeister. Kiene,