1876 / 52 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

schiffe „Stirathclyde“ herbeigeführt wurde, steht no<h niht fes. Während von der einen Seite gegen den Führer der „Franconia“ der Vorwurf \{<werer Verschuldung bei und na< dem Zusammenstoß erho- ben worden ist, weisen die deutshe Mannschaft und ihre Führer jede Shuld bei dem Steuern der „Franconia““ und bei Unterlassung von Rettungsversu<hen mit Ent- \hiedenheit ab. Unter diescn Umständen wird volsständi- gere Aufklärung und Fefistellung der Thatsahen abgewartet werden müssen. Wir zweifeln nit, daß dieselbe aus der dieser Tage beginnenden Untersuhung des britishen Handelsamts zu London, bei unparteisher Würdigung des Thatbestandes und gerehter Ermittelung von Schuld und unvershuldetem Unglü> fich ergeben wird.

Der Beistand der Reichsbehörden zu ihrer Vertretung vor den englishen Behörden i von den Betheiligten nicht erbeten worden, indessen hat das Auswärtige Amt verfügt, daß ein Beamter des Kaiserlihen General - Konsulats zu London den Untersuhungsverhandlungen beiwohne. Seine Anwesenheit wird, gerade bei der vorhandenen Sachlage, für unsere Landsleute ni<ht ohne Nugzen fein, da er, wenn nöthig, dieselben dur<h Kenntniß der einschlagenden Verhält- nisse und s\ahgemäßes Urtheil über Gang und Ergebniß der Verhandlungen unterstügen kann, außerdem dur seine Berichterstattung, zusammengehalten mit den Ver- handlungen vor dem kompetenten Geriht und mit dessen Urtheilsfällung, au< für Deutschland eine sichere Grundlage zur Beurtheilung der verhängnißvollen Katastrophe wird gewonnen werden.

Im Königreich der Niederlande berrs{<t seit nahezu 40 Jahren die Lungenseuche unter dem Rindvieh und troß einer guten und” energischen Gesehgebung ist es bis jezt nicht gelungen, die Seuche zu unterdrü>en oder zu lofalisiren.

Die amtlih veröffentlichten Uebersichten liefern den Nach- weis, daß au<h gegenwärtig die viehreihen holländishen Pro- vinzen Süd-Holland, Nord-Holland, Utreht und Friesland in hohem Grade von dieser gefährlichen Seuche heimgesucht find.

Preußen hat bisher aus den Niederlanden und zwar ganz vorzugsweise aus der Provinz Friesland und aus der unmittel- bar an letztere grenzenden Provinz Groningen Rindvieh in nit unerheblihen Mengen zu Zuchtzwe>en und zu Zwe>en der Milchwirthschaften bezogen, während eine Einfuhr von Schhlacht- vieh in nennenswerthem Umfange nit stattgefunden hat.

Durhh die Einfuhr holländischen Viehs ist die Lungenseuche wiederholt na< Preußen eingeshleppt, und die preußische Land- wirthschaft hat dadur sehr erheblihe Verluste erlitten.

Nachweislih hat die Lungenseuhe in Preußen seit dem Jahre 1871 ftetig zugenommen, und es sind Ausbrüche der Seuche in sol<hen Landestheilen wiederholt vorgekommen, in welchen dieselbe früher völlig unbekannt war.

Diese für die inländische Viehzuht höchst bedenkliche That- sahe. mußte zu den sorgfältigsten Nachforshungen ü-er die Gründe der wahsenden Seuchengefahr führen.

Wissenschaftlih steht außer Zweifel, daß die Lungenseuche s< in Preußen nicht spontan entwi>elt, sondern nur dur<h An-

ste>kung verbreitet. : Es ift “eine besonders gefährlihe Eigerthümlichkeit längere Zeit na< der

der Lungenseuhe, daß sie Erkrankung völlig latent i, daß das daran er- krankte Vieh aber {on in diesem ersten Stadium der Krank-

heit, in welchem keine äußeren Erscheinungen die Krankheit er- kennen lafsen, Träger des Anste>kungsstoffes ift. So sehr nun diese Eigenthümlichkeit dec Seuche die Na(-

forshungen über eine stattgehabte Vershleppung und über die ursächlihen Beziehungen festgestelter Seuchenausbrüche er- \<weren, so haben dieselben dennoch ergeben, daß die in den leßten Iahren vorgekommenen Ausbrüche der Lungenseuche in Preußen zu einem großen, wenn nicht zum größten Theile auf den Im- port holländishen Viehs zurü>geführt werden müssen.

Bei dieser Sachlage hat hon im Jahre 1874 das Landes- Oekonomie-Kollegium dur< Plenarbes<hluß an den Minister für die landwirthshaftlihen Angelegenheiten das Ersuchen gerichtet, die Rindvieheinfuhr aus dem Kön'greih der Niederlande zu verbieten.

Demnächst trat in Preußen das Geseh vom 25. Juni 1875, betreffend die Abwehr und Unterdrü>ung von Viehseuchen, in Kraft, welches die Veterinär-Polizei zur energischen Unterdrü>ung der Lungenseuche verpflichtet, die Tödtung lungenseuhekranken Rindviehs anordnet und den Besigzern der getödteten Thiere eine Entschädigung gewährt. Diese Entschädigung muß nah Vor- chrift des Gesczes von sämmtlihen Rindviehbesißzern der ein- zelnen Provinzen aufgebra<ht werden.

Es lag auf der Hand, daß, wenn man der Absicht des Ge- seßes gemäß dahin gelangen wollte, diese gefährlihe Seuche in Preußen allmählih zu tilgen, man zunächst dazu {reiten mußte, die vornehmste Quelle der Seuhenverbreitung zu verfstopfen. Der Umstand ferner, daß für die zu leistende Entshädigung alle Rindvieh- befißer dur< das Gescz in Mitleidenshaft gezogen find, mußte mit Nothwendigkeit dahin führen, daß es dem Einzelnen nit ferner geftattet bleiben fonnte, der Seuhe dur< Einführung holländishen Viehs unausgesezt neue Nahrung zu geben.

In diesem Sinne \spra< fi< au die im Ianuar d. I. versammelte Plenarversammlung der te<hnishen Deputation für das Veterinärwesen aus. Diese Versammlung, welche in ihrer Zusammenseßung aus Veterinärs und hervorragenden landwirth- schaftlihen Sachverftändigen aus allen Theilen des Landes zu einer alle betheiligten Fnterefsen ri<tig würdigenden Beurthei- lung der Sache vorzugsweise berufen {<ien, erflärte fich in dem von ihr dur< den Minifter für die landwirthschaftlihen Angelegenheiten geforderten Gutachten mit Entschiedenheit für die unabwwendli<e Nothwendigkeit eines Einfuhrverbots für hollän- dishes Vieh.

Der Mir ifter für die landwirthschaftlihen Angelegenheiten hat nunmehr diesen Verhältnissen Réhnung getragen und ver- anlaßt, . daß die Einfuhr von Rindvieh aus dem Königreich der Niederlande und dem gleihsalls voll- ständig verseu<hten Königrei<h Belgien und aus dem Großherzogthum Luxemburg /dur<h entsprehende Verordnungen der betheiligten diesseitigen Regierungen ver- boten ift.

Den eingegangenen Nathrichten zufolge ift das Verbot be- reits in Kraft getreten.

Ueber die politis<he Natur der sogenannten sozialen Fragen äußert fich das Ober-Tribunal in Be- ziehung auf mehrere Zeitungsartikel in einem Erkenntniß vom 2. Februar d. I. folgendermaßen: „Ein politisher Gegenftand ift derjenige, wel<her den Staat und seine Einrichtungen betrifft. Auch die sozialen Fragen, wenn fie gleih zunächst und an fih in der Art ihrer Besprehung und Erörterung ni<ht nothwendig

politishe zu sein brauhen, nehmen diesea Charakter sofort an, wenn fie mit dem Staate in praktis<e Beziehung treten, namentli<h zu ihrer Lösung Mittel und Wege zur Geltung gebra<ht werden sollen, welhe eine Aenderung der bestehenden Einrihtungen- des Staats und hierunter au der geltenden Staatsgeseßze zur Vorausseßung oder zur Wirkung h1iben. Nath dieser Seite hin würde mithin ni<ht abzusehen sein, was daran gehindert hätte, die Erörterung der Nachtheile der Cigarrenfabrikation in den Strafanstalten, die Verarbeitung gifthaltiger Substanzen in den Privatwohnungen oder die in dem lezten Artikel behandelte Nichtberehtigung eines Privateigen- thums des Einzelnen, mögen diese Gegenstände au< an fih ewe bliher oder sozialer Natur sein, von dem Augen- blide an als das politishe Gebiet beshreitend anzuerkennen, wo fie sh mit der Aenderung ftaatliher Geseßze oder formaler Staatseinrihtungen als Mittel zur Verwirklihung des als nügzlih oder nothwendig Erkannten befaßt.“

Eine Bürgschaft kann im Geltungsbereiche des Allge- meinen Landrehts und des gemeinen Rechts re<tsgültig au< für fünftig erft entstehende fkonkret bestimmte oder bestimmtece Forderungen übernommen werden, und der zu diesem Zwe>e ausgestellte Bürgschafts\ein is stempelpflihtig. (Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 26. Ianuar d. I.)

Für die Turnlehrerinnen-Prüfung, welhe in Ge- mäßheit des Reglements vom 21. August v. I. im nächsten Frühjahr hierselb abzuhalten i, hat der Minister der geist- lichen 2c. Angelegenheiten Termin auf Montag, den 29., und Dienstag, den 20. Mai d. I., festgeseßt.

Der Königliche Gesandte, Geheime Legations-Rath von Wenygzel, is auf seinem neuen Posten in Hamburg eingetroffen und hat dem ersten Bürgermeister der freien und Hansestadt, Dr. Pe- tersen, sein Beglaubigungss\chreibcn übergeben,

Der General-Major von Neumann 11, Kommandant von Neisse, ist mit Urlaub von Neisse hier eingetroffen.

Der Provinzialaus\<uß der Provinz Preußen, welcher vom 21. bis 23. in Königsberg tagte, hat die Errihtung der Aemter eines Landesrathes (Landessyndikus) und eines Landesbaurathes beschlossen, sowie die Wahlen der Mit- glieder des Provinzialrathes und der Bezirksräthe für die Regierungsbezirke Königéberg, Gumbinnen und Marien- werder vollzogen. Für den Regierungsbezirk Danzig stehen die Wahlen noh aus.

Lauenburg. N azeburg, 26. Februar. Der Finan z- Etat der ständischen Finanzverwaltung des Herzogthums Lauen- burg \<hließt mit 991,300 # in Einnahmen und Ausgaben. Darunter find 103,700 A enthalten, die zum Neubau von Chausseen und Landstraßen verwendet und dur eine Anleihe aufgebraht werden sollen:

Sachsen. Dresden, 28. Februar. In der heute Vor- mittag abgehaltenen Sißung der Ersten Kammer gelangte der Gesezentwurf zur Berathung, welher die Forderungen aus denjenigen Darlehen, wel<he nah Höhe von zusammen 434,232 Á( aus der auf Grund des Reichsgesezes vom 22. Juni 1871 zu Beihülfen an Angehörige der Reserve und Landwehr in Sachsen bestimmten Summe von 753,030 an einzelne Angehörige der Reserve und Landwehr gewährt worden find, auf die Bezirksverbände überträgt. Die Deputation beantragte die Ablehnung des Gesezentwurfs gewissermaßen als ein Ver- trauensvotum für das R: In in dessen Händen sie die Verwaltung ‘der Darlèhen au< ferner belassen wissen wolle, und die Kammer {loß \si<, obwoh? Staats-Minister v. Nostit-Wall- wig die Vortheile hervorhob, welhe die Verwaltung der Dar- lehen dur< die Organe der Selbstverwaltung namentli<h im Interesse der Geschäftserleihterung des Minifteriums mit \i<h bringe, mit 24 gegen 18 Stimmen dem Deputationsantrage an. Hierauf hat die Kammer die Berathung des Berichtes ihrer ersten Deputation über den Gesetzentwurf, einige Abänderun- gen der geseßlihen Bestimmungen über die Verhältnisse der Civilftaatsdiener betreffend, bis zu $. 18 bereits er- ledigt. Die heute berathenen Paragraphen find theils unverändert, theils mit Abänderungen, denen die Königlihe Staatsregierung ihre Zustimmung ertheilt hatte, von der Kammer angenommen worden.

Oldenburg. Die bereits erwähnte Auflösung des Landtages hatte darin ihren Grund, daß derselbe am 19. Februar die Regierungsvorschläge wegen neuer Regulative be- züglih der Staatsdienergehalte verworfen hat. Es hatten zuvor Konferenzvèrhandlungen zwishen den Mitgliedern der Staatsregierung und Abgeordneten stattgefunden. Hierbei hatte Erstere zwar in Betreff der einzelnen Gehaltésäße bestimmte Ermäßigungen nachgegeben, dagegen die Wiederherstellung aller vom Landtage gestrihenen Stellen verlangt. Jene Abgeord- neten aber erklärten, daß fie fich auf dieser Grundlage in weitere Vergleichverhandlungen nit einlassen könnten. Im Plenum fand darüber eine erregte Verhandlung ftatt, und es wurde mit 21 gegen 8 Stimmen beschlossen, dieser Abbru<h der Verhand- [ungen fei gere<tfertigt. Ein Antrag, die Regierung um neue Vergleichsvorshläge zu ersuchen, wurde mit 18 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Die Regierung hat darauf am 24. den Landtag auf- gelöst.

Desterreih-Ungarn. Wien, 28, Februar. In der beutigen Sißung des Abgeordnetenhauses wurde die Ge- neraldebatte über den Handelsvertrag mit Rumänien beendet. Der Antrag der Minorität des Aus\husses auf Vertagung wurde in namentliher Abstimmung mit 167 gegen 83 Stimmen abge- lehnt und der Antrag der Majorität auf Annahme des Ver- trages mit 145 gegen 73 Stimmen angenommen.

(W. T. B.) Graf Ledochewski ift heute nah Rom abgereist.

P eft, 28. Februar. (W. T. B.) Der Kaiser hat vor- läufig 15,000 Fl. für die dur<h die Uebershwemmung heimge- su<hten Bewohner Pefts und der bena<hbarten Ortschaften an- gewiesen. Die Kaiserin hat zu gleihem Zwe>ke 10,000 Fl. gespendet.

Der Ausweis der Staatskassen ergiebt für das Iahr 1875 tros der Besserung der Bilanz gegen das Iahr 1874 um 21,300,090 Fl. ein Gesammtdefizit von 34,900,000 Fl.

Schweiz. Bern, 24. Februar. Von den 28 Tra f- tanden, wel<he der Bundesrath bis jeßt zur Vorlage in der am 6. März wieder zusammentretenden eidgenösfishen Vertre- tung genehmigt hat, find als die wihtigeren hervorzuheben das Abstimmungsgese], das Kuúltussteuergesez, die Botschaft, betreffend Revifion des Gesehes über Darleihen aus eidgenössishen Fonds, das Geseg über die Arbeit in den

Fabriken und die Motion Stämpfli, betreffend den Modus der Berathung eidgenösfischer Geseze welhe Traktanden \sämmt- lih bei dem Nationalrath anhängig find. Von den beim Stände- rath anhängigen find die wichtigsten: das Forstgesetz, das Post- regalgeseß, die Verschmelzung des Poft- nd Telegraphenwesens, die Reorganisation der Postverwaltung und die bundesräthlihe Botschaft über Verbesserung der Telegcaphenlinien. Von den Trafktanden, welche no< keinem der Räthe zugetheilt find, find zu erwähnen: die Botschaft, betreffend das Begehren des Kantons St. Gallen um einen nahträglihen Bundesbeitrag von 870,000 Fr. für Vollendung der Rhein-Korrektionsarbeiten, der Auslieferungs- vertrag mit Luxemburg und die Botschaften, betreffend Besol- dung der Beamten des Militär-Departements und Verabfolgung von Pferderationen in Friedenszeiten, und betreffend Einführung abgeänderter Exerzier-Reglements der Infanterie. Eisenbahn- angelegenheiten liegen vier vor, Rekurse drei und Petitionen ebenfalls drei. Zum altkatholis<hen Pfarrer in Olten, an die Stelle des nah Bern berufenen Pfarrers Herzog, is Pfarrer Hasker von Erlangen gewählt worden.

Großbritannien und Jrland. London, 26. Februar. Das Panzershif} „Sultan“, welches der Herzog von Edin- burgh kommandiren wird, wurde geftern zu Portsmouth auf zwei Jahre wieder in Dienst gestellt. Der langjährige Hofs Ceremonienmeifter General Sir Edward Cusft hat si<h in den Ruhestand zurü>kgezogen und is zum Baronet erhoben worden. Zu seinem Nachfolger wurde General-Lieutenant Sir Francis Seymour ernannt. Die amilie Korrespondenz bezüglich einer Konferenz von - Abgeordneten der \südafrikanishen Kolo- nien und Freistaaten ist nunmehr dem Parlament vorgelegt worden.

928. Februar. (W. T. B.) Unterhaus. Der Unter-Staatssekretär im Departement des Auswärtigen, - Bourke, erklärte auf eine bezüglihe Anfrage Gordons, die englische Regierung habe in Erfahrung gebracht, daß der russishe General Fadeje} von dem Khedive aufgefordert worden sei, mit Ge- nehmigung seiner Regierung eine Reorganisation der ägyptischen Armee vorzunehmen. Zum ägyptishen Kriegs-Minister sei der- selbe indessen niht ernannt worden.

Frankrei<h. Paris, 26. Februar. Das „Journal officiel“ veröffentliht das zwishen Frankreih, Belgien, Griechen- land, Italien und der Schweiz, den Ländern der sogenannten lateinis<hen Münzunion, zu Paris, unter dem 3. Fe- bruar d. I. vereinbarte Protokoll, in welchem die genannte1 Regierungen verabreden, im Iahre 1876 Fünffrankstü>e nur im Gesammtbetrage von höchstens 120 Millionen Fr. zu prägen, wovon auf Belgien 10,800,000, auf Frankreih 54 Millionen, auf Jtalien 36 Millionen, auf die Schweiz 7,200,000 und auf Griechenland (für dieses Jahr ausnahmsweise behufs Einlösung älterer Münzen) 12 Millionen Fr. entfallen follen.

828. Februar. (W. T. B.) Der „Moniteur“ meldet, daß Don Carlos über Arneguy auf französishem Gebiete eingetroffen sei und daß er vorher den dort kommandirenden franzöfishen General benachrichtigt hatte, daß er genöthigt sei, díe Gasifreundshaft Frankreihs nahzusuhen.

Spanien. Madrid, 28, Februar. (W. T. B.) Der König hat die Entscheidung der Frage, betreffend die Rü>kehr der Königin Isabella nah Spanien, vollständig in die Hände des Ministerrathes gelegt; von dem Lettern ift indeß noch kein bezügliher Beshluß gefaßt worden. Auf Anordnung der Regierung i} die Depesche, welche die Flucht des Prätendenten Don Carlos nah Frankreih meldet, öffentlih bekannt ge- macht worden.

Numänien. Bukarest, 28. Februar. (W. T. B.) Der Finanz-Minister hat bei der Kammer die Genehmigung zur Bewilligung einer Anleihe von 30 Millionen behufs De>ung des Defizits und von 50 Millionen zu Eisenbahnbauzwe>en nahgesuht. Fürst Ghika, der Präsident der Kammer, erklärte, daß er die Regierung niht mehr unterstüßen werde und daß er sein Amt als Präsident niederlege. Die Kammer hat die De- mission des Fürsten jedo<h ni<ht angenommen.

Nußland und Polen. Aus Kokand bringt der „Ruf. Invalid:“ vom 25. Februar folgende telegraphische Nachrichten :

Telegramm des General-Majors Sr. Majestät Suite Sskobelew aus Kokand, eingetroffen in Choèshert den 9./21, Februar um 7 Uhr 40 Minuten Morgens. Den 8 /20. Februar hat si< Kokand mit 62 Geschützen, einem großen Vorrath von Pulver und Waffen ohne Kampf e'geben. Die Stadt ist von der unter meinem Kommando stehenden Truppenabtheilung beseßt. Bei dem Marsch der Abtheilung dur< Affsake, Margelan und die am Wege gelegenen Oöcfer wurden die Truppen überall von der Bevölkerung freudig begrüßt.

Telegramm des General-Lientenants Kolpakowski aus Taschkent vom 10./22. Februar: General-Msjor Sf\fovelew rü>te mit einigen Truppenkolonnen gegen Kokand vor. Im Dorfe Bualdy, welches er bei Nacht passirte, waren die Straßen durh Scheiterhaufen erleuchtet, Ueberall gab die Bevölkerung ihrer Ergebenbeit gegen den weißen Czaren freudigen Ausdru>. Am 7. ds.,, 16 Werst von der Stadt Kekand entfernt, in dem Dorfe Ak-Mullo, wurden dem General Sfkobelew 29 Geschüße übergeben, die von Kokand dahin geschi>t waren, und an demselben Tage noch beseßte die Avantgarde unsere: Truppen das Stadtthor von Rau-Buchara. Am 8s. Februar um 11 Uhr Morgens rü>te das Gros ‘der Truppen in die Stadt und besetzte die Citadelle. Die Aufführung Nassr-Eddins ist zweideutig. Er hat si mit Persönlichkeiten umgeben, die Rußland feindlich gefinnt sind und sammelt Sarbasen. Gerüchtweise verlautet, daß er der fanatischen Geistlichkeit das \criftlihé Versprehen gegeben hat, gegea uns den heiligen Kriez zu führeu.

Die Kavallerie Abtheilung des Obersten Baron Möller-Safo- melski hat fi, nahdem fiz die 140 Werst ven Andidschan aus in 31 Stunden zurü>gelegt hatte, am 7. Februar mit der Abtheilung des Generals Sskobelew vereinigt. Auf dem Marsche wurde auch diese Kavallerie-Abthcilung von dem Volk mit Jubel begrüßt. Die Ein- wohner von Margelan baten den Obersten Möller-Sakomel:ki in die Stadt zu kommen, und als die Truppen einrü>ien, waren de Straßen illuminirt. Nicht minder bemerkenswerth if auch die Be- wegung unferes Artillerie: Kommandos unter Lieutenant Schobolow, wel- <es zum Zwe> seiner Vereinigung mit der Abtheilung des Generals Sskobelew und dann mit dieser zusammen mehx als 100 -Werst in einem Tage zurü>legte. Die Jafanterie der Namanganschen Abthei- lung unter Kommando des Obersten Komarow rü>te aus Kirgis- Kurgan am 6. Februar um 9 Uhr Morgens aus. Beim Pasfiren der Flüsse Darja und Ssary-Ssu a<t Stunden lang aufgeholten, legte sie denno< 59 Werst zurü> und kam in dem Dorfe Bualdy noch an demselben Tage um 1 Uhr Nachts an. Die Abtheilung

Außerdem meldet der „Ruf. Inv.“ no<h Folgendes:

General-Lieutenant Kolpakowsfi beabsihtigte am 11./23. Februar selbst von Tashkent nah Kokand abzureisen, um die Angelegenheiten zim Chanat Kokand peisönli< zu regeln und dort Ordnung ein- zuführes. Nassr-Eddin sowohl als au<h Abdurahman-Awtobatschi find auf Befehl des Generals Ssfkobelew außer Landes verwiesen worden. Einige uns besonders feindliche Persönlichkeiten find verhaftet worden ;

von Ak-Dshar traf am 8. Februar ein.

éber die Ee des g ift frob, daß der Bürgerkrieg unter den 1 enten aufhert und erwartet in Ergebenbeit die Entscheidun seines Schi>sals von dcm weißen Czaren. x s E

Amerika. Was hington, 6. Februar. Wie bereits tele- E hat die K ommission des Repräsentanten- auses zu Washington für Auswärtige Angelegen- heiten fi gegen die in Anregung gekommene Kündigung des von den Vereinigten Staaten unterm 22. Februar 1868 mit dem Norddeutshea Bunde geschlossenen Natural isations- vertrages auëgesprochen.

In dem jeßt veröffentlihten, von dem demokratishen Ab- geordneten Faulkner verfaßten Berichte heißt es:

Die Ansicht, daß \i< unsere von Deutschland eingewan- derten Mitbürger vor dem Vertrage in einer besseren Lage be- funden hätten, kann nur als eine durchaus irrige bezeichnet werden. Der Vertrag hat im Gegentheil viele der früher leb- haft empfundenen Uebelstände beseitigt; er ift stets gewissenhaft und ehrli< Seitens der deutschen Regierung gehandhabt worden. Wo die Rechte unserer naturalisirten Mitbürger in Frage kamen, ist deutsher Seits mit der größten Behutsamkeit vor- gegangen worden; Beschwerden haben eine prompte Untersuhung und eine rasche, der “Gerechtigkeit ent- \sprehende Abhülfe gefunden. Ein Beweis dafür is der Erlaß zahlreicher gegen unsere Mitbürger festgeseßt gewesenen Strafen. Wahrscheinlih würde kein einziger Beshwerdefall vor- gekommen sein, wenn nit unsere Naturalisationsgeseßze häufig mißbraucht würden,

Es ist bekannt, daß ein sehr beträhtliher Theil unserer in Deutshland wohnenden Mitbürger nur zu dem Zwe>e das Bür- gerre<t in Amerika erwirbt, um si< der Erfüllung der ftaats- bürgerlichen Pflichten dem Heimathlande gegenüber zu entziehen, und daß diese Personen dann nah Deutschland zurü>fehren, ohne irgend die Absicht zu haben, ihren Bürgerpflichten gegen ihr Adoptivvaterland no< länger zu genügen.

Obwohl nun jährlich etwa 15,000 Amerikaner nah Deutschland ab- und zureisen und nah dem Gothaer Kalender von 1875 10,698 Amerikaner ständig in Deutshland wohnen sollen, wo- von etwa drei Viertel deutscher Abkunft sein dürften, \o sind seit dem Besteyen des Vertrages bis jezt do<h nur 35 Fälle Seitens unseres Vertreters zur Sprache gebracht worden, in denen die Rehte naturalisirter Amerikaner von den deutschen Behörden in Frage gestellt worden sind. Davon sind nur drei Fâlle zum Nachtheile der fie betreffenden Personen entschieden worden, und diese Fälle waren derart, daß Seitens unserer Vertreter ein begründeter Einwand gegen die Entscheidung nicht hat erhoben werden können. E

Der Vertrag beruht auf so gesunden und unangreifbaren

Prinzipien, daß ein Widerspruch dagegen kaum anzunehmen ist. Ein Bedenken könnte höchstens gegen Art. 4 desselben bestehen, welcher bestimmt, daß, wenn ein in Amerika naturalisitrter Deut- scher sih wieder in seiner Heimath niederläßt, ohne die Absicht, nah Amerika zurü>zufkehren, er als auf seine Naturalisation Verzicht leistend erahtet werden soll, und daß der Verzicht auf die Rückkehr als vorhanden angesehen werden kann, wenn der Naturalisirte des einen Theils sih länger als zwei Jahre in dem Gebicte des anderen Theils aufhält. Die Kommission fin- det au<h gegen diese Bestimmung nichts zu erinnern. Sie soll ein Schuß gegen mißbräuchliche und nur zum Scheine vorgenom- mene Erwerbung der amerikanishen Staatsangehörigkeit sein, während sie dem bona fide Auswandernden nicht entgegensteht. Deutscher Seits i bei Anwendung dieser Bestimmung besonders rü>fihtsvoll verfahren worden.

Die Kommission if hierna<h zu dem Schlusse gelangt, daß es niht gut sein würde, einen Vertrag zu kündigen, welcher die Rechte unserer Mitbürger auf eine feste und sichere Grundlage gestellt Hai und bisher von so günstigen Folgen gewesen ist.

Ginge der Vorschlag dahin, eine Revision des Vertrages anzuregen und zwar in dem Sinne, daß derselbe auf das ge- sammte Deutsche Reih, Elsaß-Lothringen miteinbegriffen, aus- gedehnt und gleichzeitig in Ansehung einzelner Punkte deutlicher gefaßt, resp. dur< einige Bestimmungen, welche in spätere ähn- lihe Verträge Aufnahme gefunden haben, ergänzt würde, \o würde ein fsolher Antrag Unterstüßung verdienen.

Uebrigens hat unser Gesandter in Berlin bereits Weisungen in dieser Hinsicht erhalten.

Wenn die Unklarheiten oder Lücken des gegenwärtigen Ver- trages von thatsählih üblen Folgen nicht begleitet gewesen sind, so haben wir dies ni<ht nur dem liberalen und erleuchteten Geiste zuzuschreiben, in welhem die deutshen Behörden den Vertray auslegen, sondern au<h dem aufrichtigen Wunsche der- selben, die freundschaftlihsten und einträhtigsten Beziehungen zu unserer Regierung zu pflegen.

__ Wir erachten es darum für besser, die weitere Behandlung dieses Gegenstandes dem Staatsdepartement zu überlassen; au zweifeln wir nicht, die deutsche Regierung, welche den Ver- trag bisher so weise und s\o vortheilhaft für unsere Mitbürger ausgelegt hat, etwaige Amendements zu demselben mit gleich er- leuhtetem Geiste behandeln wird.

Wenn unsere Meinung von der ferneren Haltung der deut- hen Regierung fi< als zu günstig erweisen sollte, so wird es no< s Zeit sein, von dem Mittel der Kündigung Gebrauch zu machen.“

Brasilien. Rio de Ianeiro, 23. Januar. Es verlautet, daß unlängst die no<h in Bahia befindli%en deut- hen Rückkömmlinge von den Kolonien Moni und Theodoro welche dem Glauben an die Prospekte der Firma Lobedanz u. Co. in Antwerpen das traurige Schi>ksal zu danken hatten, das fie in jenen Kolonien gefunden haben —, nah Curopa zurübefördert worden seien.*) Mögen dieselben in der Heimath dazu beitragen, die dortige ländlihe Bevölkerung darüber auf- zuklären, was von jenen und ähnlihen Prospekten in Wahrheit zu halten ist.

Die gedachte Firma fährt fort, ungeachtet der gemachten Erfahrungen, neue Opfer hierher zu leiten. * Mitte Dezember v. J. sind wiederum von Antwerpen aus mehrere hundert dur

,_ jene Firma angeworbene Deutsche hierselbst angelangt, um nah

der Provinz Paraná weiter befördert zu werden. Der großen Mehrzahl nah waren dieselben aus Westpreußen, woselbst über- haupt der Unternehmer Lobedanz neuerdings das Hauptfeld seiner Werbethätigkeit gefunden zu haben scheint.

Die im Besize dieser Ankömmlinge gefundenen Brief- haften 2x. beweisen, daß jener Agent systematisch sein Wesen in der bisherigen Weise fortbetreibt. Bei einer großen Zahl diese Auswanderer fand sh au< eine gedru>te Einladung Seitens einer bisher unbekannten Gesellschaft „Colonizador“ zur Ansiedelung auf der

*) Diese Thatsache i} inzwishen dur< die in Nr. 49 dieses Blattes abgedru>te Korrespondenz aus Bahia bestätigt worden.

Colonie „Euphrofina“ in Paraná. Diese in sehr mangelhaftem Deutsch abgefaßte, an Uebertreibungen reihe Einladung ist ein dürftiger Auszug aus dem oft genannten und seinem Werthe nah gekennzeihneten Pinto'\schen Prospekt, und erscheint au in- sofern bemerkenswerth, als darin dem Auswandererpublikum die brafilianishen Konsuln für „amtlihe Erkundigungen“ zu Dienfien gestellt werden.

Die General-Agentur der „Colonizador“ befindet fi<h eben- falls in Antwerpen, welches anscheinend jeßt den Stapelplaß für die Anwerbung Deutsher nah Brasilien bildet. Der Lobedanz scheint \fi< übrigens der Hoffnung auf reihe Ausbeute für das [laufende Jahr hinzugeben. Das gestrige „Diario official“ ent-

hâlt wenigstens eine Notiz des Jnhalts: Herr R. von Lobedanz

habe dem „Rio Grandense“ geschrieben, die Auswanderung nah Brafilien werde im Jahre 1876 außerordentli<h wachsen, da er hon jeßt (im November) niht wisse, wie er für alle Präten- denten die Ueberfahrt beshaffen solle. Es seine, daß im April Tausende von deutschen Kolonisten na< Brafilien werden beför- dert werden.

Die Zeitung für Porto Alegre vom 12. Januar berichtet Aehnliches unter Vershweigung des Namens Lobedanz und unter dem Ausdru>e des Bedauerns, daß der Vortheil der Auswanderung der deutschen Rhederei verloren gehe. Ob jenen Verheißungen wirkli<h Thatsachen zu Grunde liegen, oder ob es sh dabei um fromme Wünsche des Verheißenden handelt, dies ist fceili< eine andere Frage. Es bleibt zu hoffen, daß die warnende Stimme der aus Monig und Theodoro dezi- mirt heimgekehrten Familien wenigstens in deren Heimathsbezirken Beachtung finden wid und daß die Werbungen des Lobedanz dort keinen nennenswerthen Erfolg haben werden.

Immerhin möge man in Deutschland auf ter Hut sein. Das Bedürfniß na<h europäishen Einwanderern, welche die Sklaven ersetzen sollen, ist in Brasilien \o gebieterish, daß man stets Wege und Werkzeuge zu finden wissen wird, um unbe- unn an die Pforte der Häuser in den deutshen Dörfern zu

opfen.

Die hiesige offizielle Zeitung vom 15. d. M. veröffentlicht den Inhalt eines Reskripís des A>erbau-Ministers an den bra- filianishen General-Konsul in Hamburg, worin dieser ermächtigt wird, behufs Bezahlung der Ueberfahrt von Einwanderern au über den ihm hierfür bewilligten Kredit von 40 Con:09s*) hin- aus auf die Finanzagentur in London zu entnehmen.

Ueber die neuesten Vorgänge auf der Kolonie Dona Fran- cisca, woselbst unlängst einmal wieder ein Ueberfall Seitens der Indianer stattgefunden hat, gedenke ih Ihnen mit nächster Post eine nähere Mittheilung zu machen**); denn solhe Thatsachen sind die besten Warnungen. Wie wenig man übrigens hier zu Lande die Motive fol<her Warnungen der europäischen Regierungen versteht oder zu verstehen sich den Auschein giebt, ist in Europa längst bekannt. Als neues beredtes Zeugniß nach dieser Richtung kann ‘cine neulihe Notiz in dem offiziell subventionirten hiesigen Blatte „Anglo-Brazilian Times“ dienen, welhe \si<h auf die im Dezember angekommenen Einwanderer

bezieht und besagt, 527 derselben seien Oesterreiher und die

Übrigen seien „zum Aerger Bismar>s“ Preußen gewesen.

Asien. Japan. Hiogo-O saka, 83. Januar. Wie im vergangenen Jahre, wird au<h im Laufe dieses Jahres eine Ausstellung in Kioto stattfinden. Die hierüber kürzli er- \hienene Anzeige vom 8. November v. Is. lautet:

„Nächstes Jahr soll in Kioto in dem Gosho ***) eine Aus- stellung, ähnlih jenen der vergangenen Jahre, stattfinden und wird Dieselbe sür das Publikum 100 Tage lang, vom 15. März bis zum 22. Juni inkl, geöffnet sein. Während dieser Zeit wird es den Fremden gestattet sein, Kioto zu besuchen und ebenso dort Gegenstände jegliher Art auszustellen. Fremden, welche si<h an der Ausstellung betheiligen, wird es gestattet sein, eine Woche vox und nah den oben angegebenen Daten in Kioto zu verweilen. In allen anderen Beziehungen geiten dieselben Bestimmungen, wie bei der leßten Ausstellung. Alle Fremden sind daher freundli<st eingeladen, die Ausstellung zu besuchen, Gegenstände jegliher Art auszustellen und auf diese Weise dies Unternehmen zu unterstüßen. Ueber die ausgestellten Gegenstände wird ein Schieds\pru<h gefällt und den in den be- züglichen Abtheilungen hervorragendsten eine Preismedaille ver- liehen werden, Man hofft, daß alle gebildeten Leute ihren Rath geben und Auskunft bezüglih der ausgestellten Artikel er- theilen werden.

Das Comité der Kioto-Ausstellung. Japan.

Es verdient erwähnt zu werden, daß bei der im vergange- nen Iahre stattgehabten Ausstellung einigen deutshen Fabri- kanten, welhe sih an derselben betheiligt hatten, vom Ausstel- lungs-Comité die Verdienst-Medaille verliehen wurde. Dieselbe wird den Betreffenden jeßt zugesandt werden.

*) D, f. ctwa 100,000 Mark.

**) (Fine solche ist bercits aus Joinville eingegangen und in der heutizen Nummer (siehe die folgende Seite) mit abgedru>t.

***} der Palast des Mikado.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

Eine der beiden Bronze-Statuen, welche füc die Nischen am Hauptportal des Berliner Rathhauses bestimmt sind, die- jenige des Kurfürsten Friedrih I. von Hohenzollern, das Weck des Bildhauers En>e, ist in den leßten Tagen aufgestellt worden und wird demnächst enthüllt werden. Die Aufstellung der von Keil angefertigten Bildsäule Sr. Majestät des Kaisers und Königs wird in nächster Zeit stattfinden.

Im Museum zu South Kensington in London fand am 24. eine Sitzung des Generalaus\{usses statt, der mit den Ar- beiten zur bevorstehenden Ausstellung wissenschaftli<her In- ]strumente betraut ist, Der Herzog von Richmond führte den Vorsiß und wünschte der Versammlung Glü> zu dem guten Erfolge ihrer Bemühungen. Die Ausstellung. verspre<he die bedeutendste der Art zu werden, die je in England abgehalt:n worden sei. Die kon- tinentalen Regierungen und die Vereinigten Staaten haben der eng- lishen Regierung ihre Mitwirkung mit der größten Bereitwilligkeit zugesagt, besonders eifrig aber sei man von deutscher Seite den Wünschen Englands entgegengekommen. Der Herzog erwähnte noch die Instrumente einiger Gelehrten und Ecfinder, wel<he der Ausstel- lung Interesse verleihen werden. Es wurde der Beschluß gefaßt, einen ÜUnteraus\huß, bestehend aus dem Präsidenten und einem Vize- Präsidenten der vers{<iedenen gelehrten Gesellschaften, einzusehen, der die Vorkehrungen für den Empfang und zu den wissenschaftlichen Vor- lesungen, Konferenzen u. st. w., welche mit der Ausstellung verbunden sein werden, zu treffen haben wird.

Die Bibliothek des Orientalisten Julius v. Mohl, Mits- glied des Instituts und Professor des Persischen am Collèze de France, wird, entsprechend den leßtwilligen Anordnungen des Verstorbenen, in diesen Tagen in Paris zur Versteigerung kommen. Dieselbe ist von

der Firma Ernest Leroux, Buchhändler der Asiatischen Gesellschaft zu

aris, fatalogisirt worden, und enthält eine Sammlung der aus der tationaldru>erei hervorgegangenen Dru>e; ein? reihhaltige Samm- lung von auf Persien ‘bezüglichen Werken; eine beträchtlihe Anzahl von seltenen im Orient gedru>ten oder lithographirten Werken; zahl- reiche pecsishe Manuskripte, besonders mehrere Exemplare des Schah Nameh, des Mesnewi, des Diwan von Sadi, Hafis u. \. f.; endlich eine vollfiändige Sammlung der auf den Orient bezüglichen Zeitungen und Zeitschriften, sowie die Werke beinahe aller deutshen, franzöfischen und englishen Orientalisten, wie sie der verstorbene Besißer seit 50 Jahren gesammelt hat.

Der zweite Tbeil des Evangelischen Schulliedershaßes von Sperber (Gütersloh 1875, Verlag von C. Bertelsmann) ist erschienen. Derselbe enthält die Entwickelung des deutsh-evangelishen Kirchenliedes.

Von dem kekannten Werk des Hofraths Pcof. Dr. Brachell i, Vorstands des statistischen Departements im K. K. österreichischen Handels-Ministerium: Die Staaten Europas, ist in der dritten umgearbeiteten Auflage das II[. Heft: Gewerbliche Jndustrie, erschienen (Biünu 1876, Buschaf & Irrgang). Das Heft umfaßt zwar nur 140 Seiten, enthält aber über die Entw:>elung und den Zustand der europäisßen Industrie reiches Material, welches durch ges<i>te Anordnung und präzise Fassung auf dem verhältniß- mäßig fleinen Raum überfichtlich zusammengefaßt ist.

Getverbe und Handel.

_In der gestrigen Generalversammlunz dte- Berliner <he- mischen Produkten-Fabrik (Vilter) wurde die Liquidation des Unternehmens beschlossen, sowie Liquidatoren und cine Liquidations- Kommission ernannt.

E In der gestrigen außerordentlichen &ereralversammlung dec Rumänischen Eisenbahnen-Aktien-Gesellschaft wurde der erste der gestern erwähnten Anträge dcr Verwaltung „von der weite- ren Verfolgung des Verkaufsprejektes abzusehen 2c." durch Akklama- mation genehmigt, während der zweite nah längerer Debatte in fol- gend.r Form Annahme fand: „Auf der Grundlage des von dem ver- einigten Auffichtsrath und Auss{uß vorgeschlagenen Projekts, even!uell in einer sonst geseßli< zulässigen Focm, eine Anleihe bis zur Höhe von 45 Millionen Mark unter gden dem Auffichtêrathe und dem Vorstande mit Zustimmung des verstärkiey, Auéëschusses zwe>mäßig erscheinenden Bedingungen aufzunehmen, dur< welche während der Tilgurgszeit der temporären Anleihe die Realisation der D'videnden - Coupons dec Stammaktien ermögliht oder die Tilgung der temporären Anleihe beschleunigt werden soll, die hbier- durch etwa nôthiz werdenden Statutenändecungen wvorzanehmen und die Eintragung in das Handelsregister zu bewirken.“ _— In Königsberg war das Speditionsgeshäft nah Rußland in den leßten Monaten wieder lebhaft. Jn Memel war: Flachs ein sehr gangbarer Artikel. Die Vorräthe und die neuen Zufuhren waren bedeutend und es wurde viel davon zum Export über See nach Schottland, Belgien und Frankreich, sowie zum Verfandt per Eisen- bahn na< dem westlichheren Deutschland zu steigenden Preisen ab- geseßt. In Holz, dem Hauptartikel des Plaßes, war das Geschäft weniger lebhaft, do< haben si<h die Verhältnisse für diesen Artikel der Art gebessert, daß die Auésichten für das Frühjahrsgeshäft ziem- lich gute sind. Die unlängst eröffnete Tilsit-Memeler Eisenbahn wird s<on j-t stark benußt; wenn dieselbe troßdem auf den Memeler Handel biéher no< keinen besonders bedeutenden Einfluß übte, so glaubt man, daß sich diese Ve: hältnisse günstiger gestalten werden, e Betrieb der Bahn nah allen Seiten hin weiter geregelt ein wird.

__ Der Geschäftsbericht der Oldenburgischen Landesbank über das Jahr 1875 gedenkt Eingangs der Generalversammlungs- Beschlüsse, dur<h welche der Vercucht auf das Noten-Emissionsrecht ausgesprochen und der neue Vertrag mit der Großherzoglichen Staats- regierung genehmigt wurden; das Institut ger ‘nnt durch diese gürstige Gestaltung ihrer Beziehungen eine wohlbe: [tigte Organisation, Eine Zunahme der Geschäfte macht sih in je¿er Richtung bemerkbar ; hervorheben wollen wir nur die Zunahme der Privatdepofiten um 1,809,779 4 und des Gesammtumsaßes um 83,447,770 Æ. Nach dem Gewinn- uxd Verlust-Conto stellt si< das Brutto-Erträgniß auf 405672 M, die Unkosten und Abschceibungen auf 66,986 # u d demna< der Reingewinn auf 338635 M. Nach Zurückstellung der vertragêmäßigen Tantièmen gestattet leßterer die Vertheilung einer Dividende von 11F °/6, die Auszahlunz von 161,359 M. als Gewinnantheil der Großherzoglichen Regierung und die Aus- stattung des Reservefonds mit 26,893 A, welcher dadur die Hôhe von 202,526 A errciht. Es bleibt dann ein Ueber- {uß von 679 #4 zur Verfügung. Von dem vorstehenden Betrag? des Reservefonds erhält in Folge des neuerdings abgeschlossenen Vertrages die Regierung denjenigen Theil, um welchen dieser die Summe von 180,000 # übezschreitet, also 22,526 M. während der Stand des Reservefonds si<h dadurch auf 180,000 herabmindert. Der Gesammt-Umsaß des verflossenen Jahres erreichte die Hohe von 592,015,132 6 Von den Zehn- und Fünf-Thalernoten der Bank waren am 31. Dezember no< 108,715 Thlr, von den Hundertmark-Notcn no<h 117,109 ( in Umlauf ; ein Präflusivtermin für Einlösung dieser Noten ist nicht festgeseßt, dieselben finden bei der Bank nach wie vor Einlösung.

In der Generalversammlung der Lübe>ker Bank vom 28. d. M. wurde die vorgelegte Jahres. e<nung und Bilanz genehmigt und die Entlastung der Geschäftsverwaltung für das vergangene Jahr ausgesprochen. Zum Mitgliede des Aufsichtêöraths wurde an Stelle des f A Senator Dr, Brehmer Direktor A, Wichmann gewählt.

P aris, 28. Februar. (W. T. B.) In der heutigen auüßer- ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre der lombardi schen Eisenbahngesellschaft wurde die mit der italienischen Regierung am 17, November 1875 in Basel abgeschlossene Konvention ohne Debatte genehmigt. Die italienishe Regierung wird der lombardischen Eisenbahngesellschaft 613 Mill. Fccs. in 92 Annuitäten und 119 Millionen in Renten zahlen und am 1. Juli d. J. von dea auf dem italienischen Gebiete liegenden Linien der Gesellschaft Besiß ergreifen.

Verkehrs-Anstalten.

New“ York, 28. Februar. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer „Suevia* is gestern Morgen 3 Uhr hier einge- troffen. Der Dampfer „Greec e“ der National-Dampf- {<iffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen.

London, 29. Februar. (W. T. B.) Wie die „Times“ meldet, haben Lesseps und die Mitdirektoren der Suezkanal-Gesellschaft Sir D. Lange plößlich aus seiner Stellung als englischer Repräfen- tant der Gesellschaft enttassen.

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

London, 28. Februar, Abends. Unterhaus. Auf eine bezügliche Anfrage Adderley's erklärte der Unter-Staatssckretär Lord Hamilton, gegen den Kapitän der „Franconia“ könne wegen des Zusammenstoßes dieses Schiffes mit dem „Strathclyde eine handelsamtliche Untersuhung niht eher eingeleitet werden, als bis das gegen den Kapitän wegen fahrlässiger Tödtung eingelei- t.te Kriminalverfahren beendet sei. Was das Verhalten des Hafenmeisters in Dover anbelange, so werde dasselbe bei jedem dazu gegebenen Anlasse einer Untersuhung dur<h das Hafenamt in Dover unterzogen.