1876 / 72 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Rektor und Prorektor der Universität, der Kanzler und Vize- Kanzler des Ordens pour le mérite, der Ober-Bürgermeister und der Stadtoerordneten - Vorsteher, Vertreter von Kunst und Wissenschaft und \onftige Personen von Distinktion Einladungen erhalten hatten.

Um 95; Uhr erschienen Beide Kaiserlihe Majestäten, unter Vorantritt der Obersten Hof-, Dber-Hof- und Hofchargen und gefolgt von Ihren Kaiserlihen und Königlichen Hoheiten dem Kronprinzen und der Kronprinzessin, Ihren Königlichen mag den Prinzen und Prinzesfinner: des Königlichen Hauses,

hrer Königlichen Hoheit der Großherzogin Mutter von Melen- burg-Schwerin, Ihren Königlichen Hoheiten dem Großherzoge und der Großherzogin von Baden, dem Großherzog und der Großherzogin von Sachsen, den Grof;,herzögen von Me>len- burg-Shwerin und Oldenburg, Ihren Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Prinzesfin Georg von Sahfen, Ihren Königlichen Hoheiten den Erbgroßherzögen von Sachsen, Me>lenburg-Shwerin und Oldenburg, dem Prinzen August von Württemberg, und dem Landgrafea Friedri<h von Heffen, Sr. Großherzogliche Hozeit dem Prinzen Ludwig von Hessen Sr. Hoheit dem Herzog von Sachsen-Meiningen, Sr. Hoheit dem Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar, Ihrer Ho- heit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen - Weimar, Sr. Hoheit dem Erbprinzen von Sachsen - Meiningen, Ihrer Hoheit der Prinzesfin Marie von Sachsen-Meiningen, Sr. Hoheit und Ihrer Königlihen Hoheit dem Erbprinzen und der Erbprinzessin von Hohenzollern, Sr. Dur<hlau<ht und Ihrer Großherzoglihen Hoheit dem Fürsten und der Fürstin zur Lippe, Sr, Durchlauht dem Fürsten zu Walde> und Pyrmont, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Reuß ä. L.,, Sr. Durhlaucht dem Erbprinzen zu Schaumburg-Lippe, Ihren Durchlauchten dem Erbprinzen und der Erbprinzessin von Shwaorzburg-Sonders- hausen und Sr. Dur<laucht dem Prinzen Friedrih von Hohen- ollern. G Die Allerhöchsten Herrschaften geruhten zunächst Cercle zu machen, wobei zahlreihen Herren und Damen Gelegenheit ge- boten wurde, Sr. Majestät dem Kaiser und Könige ihre Glü>wünsche zu übermitteln.

Der Ball begann um 10 Uhr im runden Saale; am Contretanz betheiligten Sih unter anderen Höchsten Herrschaften Se. Kaiserlihe und Königliche Hoheit der Kronprinz, Ihre Kö- niglihen Hoheiten der Prinz Albreht und der Großherzog von Sagsen; an den Rundtänzen nahmen au<h Ihre Königlichen Hoheiten die Prinzessinnen Marie und Elisabeth Theil.

Auf einem Hautpas wohnten Ihre Majestät die Kaiserin, die Königlichen Prinzessinnen und die Fürstlihen Damen dem Balle bei, wähend Se. Mujestät der Kaiser und König, Allerhöchftwelche die Uniform des Regimentes dec Garde du Corps rugen, Sich in der Gesellschaft bewegten und an viele Personen das Wort richteten.

Nachdem um 12 Uhr das Souper an Büffets im Adler- \saale eingenommen war, verabschiedeten Sich die Allerhöchsien Herrschaften nah 1 Uhr.

Die Musik hatte das Kaiser Alexander Garde-Grenadier- Regiment Nr. 1 gestellt.

Im Königlihen Opernhause wurde die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs durcÿ einen von Fr. Adami gedihteten, von « Hrn. Berndal gesprochenen Prolog eingeleitet, der in finniger Weise auch der Hochseligen Königin Luise gedachte. Bei dem Hoh auf Se. Majestät, mit wel<hem der Prolog \{loß, intonirte die Königlihe Kapelle die Volkshymne, wel<he das Publikum stehend anhörte, Die Feier endigte mit cinem Hoh auf Se. Majestät den Kaiser und König, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Die Festoper „Jessonda“ bot viele Momente, bei welchen die Verehrung gegen Se. Majestät den Kaiser und König in der festlihen Versamm- lung wiederholt zum lauten Ausdru> gelangte. Im König- lihen Schauspielhause wurde der Festprolog von Herrn Kahle gesprochen, worauf das Orchester cinen Triumphmars<h< von Anton Wallerstein ausführte. Zur Aufführung kam das hiftorishe Schauspiel „Colberg“ von Paul Heyse. Auch in sämmtlichen übrigen hiesigen Theatern wurden die Vorstellungen dur< Festprologe eingeleitet.

Ueberhaupt hat \si<h die Feier des Allerhöchsten Geburtstages na<h den vorliegenden Berichten zu einer all- gemeinen Landesfeier gestaltet. Namentlih die größeren Städte thaten si< ihrer Stellung gemäß, sowie in Folge der in ihnen möglihen ausgedehnten militäris<hen Feier besonders hervor. So bringen die in Danzig, Stettin, Posen, Breslau, Magdeburg, Hannover, Cöln, Cassel und Wiesbaden erscheinenden Blätter ausführliche Festberihte und feiern den Tag in {wungvollen Leitartikeln.

In Hannover fand in herkömmliher festl:<er Weise die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs statt. Gleichzeitig wurde an dem neu- erbauten Hause an der Ecke der Gocthe- und Lüßowstraße, wo früher das Prinzenhaus stand, in dem die Hochselige Königin Luise viele glü>lihe Tage der Kindheit verlebte, eine von dem Bildhauer Osw. Rommel ges{<ma>voll ausgeführte, etwa 6 Fuß hohe Gedächtnißtafel mit dem Bildniß der Königin nah Rauch errichtet, feierlih enthüllt.

Aus- Côln wurde folgendes, von dem Ober-Bürgermeister, den Beigeordneten und Stadtverordneten unterzeihnete Glü >- wunsh-Telegramm an Se. Majestät den Kaiser abgesandt:

Allerdur<lauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König, Yller- gnädigster Kaiser, König und Herr! Unter dem Nachhalle der dur ganz Preußen von dem patriotischen Bewußtsein des Volkes getragenen Feicr der Erinnerung an die hochselige Königin Luise erneuert sich mit des Frühlings Wiederkehr für das gesammte Vaterland der Festtag des 22. März. Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät Geburts- tag ist der Stadt Cöln freadiger Anlaß, Gott zu tanken, daß Ew, Majestät gesegnete Regierung dem preußischen und veuts<hen Volke in ungeshwächter Kraft erhalten worden ist, und zu dem Allmächtigen zu flehen, daß zu des Vaterlandes Heile fie no<h re<t lange so möge erhalten bleiben. Mit dem aufrictigften Segenswunshe für Ew. Majestät und das ganze Kaiserliche und Königliche Haus verharren Ew. Kaiserlichen und Königlicen Majestät treu gehorsamste. (Folgen die Unterschriften.)

Auch für Cassel hatte der Tag noch eine besondere Bedeu- tung. Gelegentlih der Rückkehr der hessishen Truppen cus Frank- reich wurde der Gedanke angeregt, ein Denkmal aufzustellen, welches die ruhmreihe Betheiligung der Hessen an dem letzten Kriege

- verherrlihen und das Andenken an die e das Vaterland

Gefallenen von Geshleht zu Geshleht vererben sollte. Der in Folge dessen von dem damaligen Obec- Präsidenten von Möller und dem inzwishen verstorbenen Ober - Bürger- meister Nebelthau erlassene Aufruf fand allgemeirien An- klang. Mit enehmigung Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde weiterhin beshlossen, daß das Denkmal in Gestalt eines auf Trophäen thronenden Siegesadlers auf der Plattform des Auethors aufgestellt werde.

Vormittag 11 Uhr fand die Uebergabe des Denkmals ftatt. Die Regimenter der Garnison hatten auf dem Friedrihsplaßz Stellung genommen und nah einem -von dem kommandirenden General v. Bose auf den Allerhöchsten Kriegsherrn ausgebrahten Hoch fiel die Hülle, unter dem Dröhnen der Kanonen, von dem Bildwerk. Hierauf fand die Kaiser-Parade ftatt; die Uebergabe des Denkmals vollzog der Ober-Präfident v. Ende mit einer kurzen Ansprache.

Von aufßerpreußishen Städten liegen weitere Nachrichten über eine Feier in München, Dresden, Leipzig, Schwerin, Darmstadt, Braunschweig, Bremen, Lübe> 2c. vor.

Das „Braunschweigische Tageblatt“ widmet dem Allerhöchsten Geburtstage einen gehobenen Festartifkel, das „Lippishe Regierungs- und Anzeigebtlatt“ ein Festgedicht

Ans München berihtet „W. T. B.“: Zur Feier des Ge- burtstages des Kaisers war hier im ,„Bayerschen Hof“ ein Fest- diner veranstaltet, welhes einen glänzenden Verlanf nahm. Demselben wohnten viele Landtagsabgeordnete, Vertreter der Kunst und Wissenschaft, Mitglieder des Magistrats, sowie viele angesehene Bürger bei, Prof. Klu>khohn brachte einen Toast auf den König von Bayern, è er Reichstags- und Landtagsabgeord- nete Stenglin einen Toaft auf den Kaiser aus. Die Versam- melten nahmen beide Toafte mit begeisterten Zurufen auf

Stuttgart, 23. März. (W.T. B) Zu Ehren des Geburts- tags Sr. Majestät des Kaisers fand gestern Abend bei Hofe ein Festkonzert statt, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen waren. Die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser waren zur Feier«des Tages beflagot. Bei dem im Saale des Museums stattgehabten Banket der Bürgerschaft brahte der Reihstags- Abgeordnete Frish das Hoch auf den Kaiser aus.

Schwerin, 22. März. Gestern Abend fand, wie {hon gestern angekündigt wurde, zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein großer Zapfenstrei<h statt. Derselbe wurde von sämmtlichen Militär-Musikfcorps ausgeführt, Heute Morgen 6 Uhr zog eine von \sämmtlihen Militär-Musikcorps ausgeführte Reveille dur<h die Hauptstraßen der Stadt. Die Häuser und öffentlihen Gebäude Schwerins find dur<h Fahnen und Wimpeln rei<h geshmü>t. In den Schulen, mit Aus- nahme der städtis<hen, ist der Unterricht für heute ausgeseßt. In den einzelnen Klassen der lezteren wurden die Schüler dur die Lehrer auf die Bedeutung des Tages hingewiesen. An dem gegen 11 Uhr in der Garnisontirhe beginnenden Militärgottes- dienste, bei welhem der Divisionsprediger Pastor Flörke die Rede halten wird, nimmt von jeder Compagnie ein Zug Theil.

Bremen, 22. März. Des Kaisers Geburtstag wurde, wie üblih, gestern Abend dur< Zapfe:streih eingeleitet. Oeffentliche und viele Privatgebäude haben heute geslaggt. Der wFest- gottesdiensst am Geburtstage selbt fand in der Kirche zu U. L. Fr. ftatt. Es nahmen daran Theil, außer dem aftiven Bataillon, die hier anwesenden Reserve- und Land- wehr-Offiziere, Mitglieder des hiesigen Kriegervercins, Beamte des Reichs, der Präsident des Senats Dr. Pfeiffer und Bürger- meister Grave nebst einer Reihe von Senatoren, endli< eine große Zahl von Männern und Frauen aus verschiedenen Ge- meinden der Stadt. Die .Kirhe war ganz gefüllt, Die Fest- predigt hielt Garnisonpfarrer Thikötter über Jgcob. 4, 8. Um 11 Uhr endete die erhebende, patricrtische Feier.

Lübe>, 22. März. Die“ Feier des Gebur:stags deé Kaisers, der zu Ehren die Stadt in allen Theilen ebenso rei beflaggt ist, wie die im Hafen liegenden Schiffe, begann gestern Abend mit dem Zapfenstreih, der, von der Holstenbrüke aus beginnend, na< einem Rundgang dur<h die Stadt auf dem Klingenberg endigte; vor dem Hause des dirigirenden Bürger- meisters Senators Dr. Behn wurde eine Serenade gebracht. Der heutige nationale Festtag wurde mit der militärishen Re- veille eingeleitet, der Marienkirche, wobei Pastor Holm Die Festpredigt \prach; sodann zog das Bataillon, von einer sehr großen Menschenmafsse begleitet, nah dem Burgfelde, wo von dem Bataillons-Com- mandeur und Major Melms in Vegenwart der Senatoren Dr Kulenkamp und Harms als Militärkommissaren des Senats d!e Parade abgenommen wurde.

Paris, 23. März. (W. T. B.) Zur Feier des Gebur*s- tags Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm fand gestery guf der hiesigen deuts<hen Botschaft ein großes Diner ftatt, zu wel<hem aus\<ließli<h Mitglieder der deutshen Kolonie geladen waren. Der: Botschafter Fürst v. Hohenlohe brachte den Toaft auf Se. Majestät den Kaiser, dcn glorreihen Wiederhersteller der Einheit Deutschlands, aus, welher von den Theilnehmern mit enthusiastishem Beifall aufgenommen wurde.

St. Petersburg, 23. März, (W.T. B.) Gestern Abend fan) im Hotel Demouth anläßlih des Geburtstags Sr. Majestät des Deutschen Kaisers ein sehr zahlrei<h besuchtes Festmahl der deuts<hen Kolonie statt. Unter den Anwesenden befanden \ih der deutsche Botschafter von Schweiniß, der Militärbevollmächtigte General von Werder, sowie der bay?erishe und der württem- becgishe Gesch ftsträger. Den erften Toast brachte der deutsche Botschafter auf den Kaiser Alexander aus; alsdann folgte ein mit großer Begeisterung aufgenommene! Toast auf den Deutschen Kaiser, an wel<hen ein Glü>kwunschtelegramm abgesandt wurde.

Se. Königlihe Hoheit der Erbgroßherzog von Oldenburg ist heute Mittag, nah Oldenburg und Se. Durchlauht der Fürst Reuß ä. L. Heinrih XXI[I]I. nah Greiz zurü>gekehrt.

—— Der Reichskanzler hat dem Bundesrath den Ent- wurf eines Gesetzes, die Anstellung von Militäranw är- tern im Privat-Eisenbahndienste betreffend, zur Besczluß- nahme vorgelegt.

In der heutigen (4.) Sißung des Herrenhauses, welhe der Präsident Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode um 115 Uhr eröffnete und welcher der Minister für die landwirth- \chaftlihen Angelegenheiten Dr. Friedenthal mit mehreren Regierungs-Kommissaren beiwohnte, gelangte zunächst der Bericht der Agrar-Kommission über den Gesezentwurf, be- treffend die Ablösung der Servitutea, die Theilung der Gemeinshaften und die Zusammenlegung der Grundstücke für die Provinz Schleswig-Holstein, zur Erledigung. Ia der Generaldiskusfion empfahl der Referent Herr von Thaden die Annahme des Gesetzes in der von der Kom- mission vorgeshlagenen Fassung. Bei der Spezialdisfkussion wurden die S8. 1 und 2 ohne Diskussion angenommen. Zu 8.-3, welher nah den Beschlüssen der Kommission folgender- maßen lautet:

Die wirthschaftliße Zusammenlegung der in vermengtec Lage befindlihen Grundstü>e ver)hiedener Eigenthümer einer Feldmark findet statt, wenn dieselbe von den Eigenthümern von mehr als der Hälfte der nah dem Grundfsteuerkataster berechneten Fläche der einem Umlegungsyerfahren za unterwerfenden Greundstü>e,

Um 10 Uhr begann der Fesigottesdienst in |

welche glei<zeitig mzhr als die Hälfte des Katastral-Reinertrage& repräsentiren, beantragt wird. Ja der Regel sind sämmtliche, der Um- legung unierliegenden Grundstü>e der nämlichen Feldmark in einem Zu- sammenlegungsverfahren zu vereinigen. Dasselbe fann jedo< auh auf einen dur< natürlihe Begrenzung odec besoudere Bewirth- schaftung als Feldabschnitt fennflich werdenden Theil der Feldmark beschränkt werden, wenn dies mit den Interessen der Landeskultur verträgli<h oder von denselben geboten ist. Grundftü>ke einer ans deren Feldmark dürfen in das Umlegungsverfahren gezogen werden, wenn dieselben in unwirthschaftli<her Weise in die umzulegende Fläche einspringen.

Die Fefistellung des Umlegungsbezirks geschieht dur< die Auseinandersetzungëbebörde.

Werden von folchec Zusammenlegung Grunditücke betroffen, wel<e einer gemeins{aftlicea Benußung unterliegen , die nach die- sem Geseße aufgehoben werden kann, so muß die Servitutabiösung oder Theilung gleichzeitig mit der Zusammenlegung bewirkt werden.

beantragte Dr. Beseler, hinter dem Worte „beantragt“ in Al. 1 folgenden Ban Puzuzusügen:

„und durch Beschluß der Kreisversammlung des Kreises, in wel- chem die betheiligten Grundstücke liegen, mit Rü>sicht auf die davon ju erwartenden erhebli<hen Verbesserungen der Landeskultur für zu- ässig erflärt wird.“

Bei der Diskussion erklärten sh die Herren Graf Brüßl, v. Kleist-Rezow, v. Senfft-Pilsa<h, Graf v. d. Schulenburg- Beeßendorf und v. Knebel-Döberiz für, die Herren Elwanger, v. Rath, Wever, Shuhmann und der Regierungs-Kommissar, Regierungs- Rath Fastenau gegen diesen Antrag, der hierauf mit 36 gegen 26 Stimmen abgelehnt wurde.

Die ührigen Paragraphen des Geseßes wurden ohne Dis= fusfion nah den Vorschlägen der Kommission angenommen.

Es folgte als zweiter Gegenstand der Tagesordnung der Bericht der Justizkommisfion über den Geseßentwurf, be- treffend die Auflösung des Lehnverbandes in der Provinz Westfalen und in den Kreisen Rees, Essen und Duisburg. Nach einigen einleitenden Worten des Referenten Dr. Dernburg beschloß das Haus auf Antrag des Heren von Kleist-Rezow, das Geseg in der von der Justizkom- mission bes<h! offenen Fassung en bloc anzunehmen.

Als dritter Gegenstand der Tagesordnung folgte der münd- lihe Bericht der Kommission für Eisenbahnangelegenheiten über die Uebersicht, betreffend den Fortgang und Stand der Eisenbahnbauten im Iahre 1875, für welhe besondere Kredite bewilligt worden sind. Nachdem der Referent Graf Rittberg einen kurzen Ueberbli> über den Stand der Eisenbahnbauten gegeben und den Antrag geftellt hatte, durh die Uebersiht der Staatsregierung sh für befrie- digt zu erklären, ri<htete Herr Hammann an den Regierungs=- Kommissar wegen des Baues der Berliner Stadtbahn und der hierzu erforderlihen Mittel eine Anfrage, welche der Ministerial-Direktor Weißhaupt niht b2antworten zu können erklärte, weil man noh< niht die Grundstü>kserwerbungen vollzogen habe. Das Haus genehmigte hierauf den Antrag des Referenten. Schluß der Sizung 14 Uhr, nächste morgen 11 Uhr. (Tagesordnung: Das Geseg über die Verrvendung der disponiblen Bankfouds, das Etatgeseß pro 1876 und der Bericht über die Bestände des Dotationsfonds.)

In der heutigen (33.) Sißung des Hauses der Ab=- geordneten, welcher am Ministertische der Ministec des Jnnern Graf zu Eulenburg mit mehreren Kommissarien beiwoßnte, theilte der Präsident dem Hause die crfolgte Wahl und Kon- stituirung der Kommission für die Städteordnung mit. (S. Nr. 71 d. Bl.) Ohne Debatte passirten hierauf in dritter Berathung die Geseßentwürfe, beireffend die Gebührenerhöhung der Nota- rien im Appellationsgerihtsbezirk Cöln, die Aufhebung der Parochialexemtionen und die Einführung der Kreisordnung in die Grafshaften Wernigerode und Stolberg. Es folgte die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ver- fassung und Verwaltung der Provinz Berlin. Der Abg. Zelle erklärte sich zwar mit dem Prinzip der Vorlage im Ganzen einverstandeu, hielt aber doch viele Details für amendirungs-

bedürftig. Der Abg. Richter (Hagen) erörterte das Verhältniß der verschiedenen dur<h das neue Gefeß zur Regierung in Berlin berufenen Behörden und trat dem Antrage des Abg. Richter (Sangerhausen) bei, die Vorlage einer Koinmission von 14 Mit-

gliedern zu überweisen. Beim Schlusse des Blaites hatte der Abg. Frhr. von Manteuffel das Wort.

Der Minister der geistlihen 2c. Angelegenheiten Dr. Falk hat den Regierungen empfohlen, die Aufmerksamkeit der Leh- rer auf die Wichtigkeit der Lebensversiherungen hinzu- lenken und die Möglichkei: von Erleichterungen heim Abschluß der Versicherungsverträge für den Fall in Aussicht zu stellen, daß die von dem Betheiligten ausgewählte GeseUschaft, ihre Solidität als bekannt vorausgeseßt, si<h den einzuleitenden Vereinbarungen für den gedahten Zwek zugänglich erweist.

Nachdem von verschiedenen Seiten, au<h von dem Verein gegen das Moorödrennen in Bremzn, die Errichtung einer Ver- su<sstation für Moorkultur und Moorwesen bei dem Minister für die landwirths<haftlihen Angelegenheiten Dr. Friede n- thal in Anreguna gebracht ist, hat derselbe beschlossen, die Angelegen- heit zum Gegenstande einer mündlihen Berathung mit geeigne- ten Sachverständigen zu machen. Zu diesem Zwe>e is auf den 9. April eine Konferenz im Ministerium für die landwirth= \<aftli<hen Angelegenheiten anberaumt, in welcher berathen wer- den soll, welhe Aufgaben der Versuchsstation zu stellen sind und welhe Organisation der Versuchsanftalt gegeben werden soll.

Aus Konstantinopel wird berichtet, daß der dortige internationale Gesundheitsrath mit Rücksicht auf das Auftreten der Pest in Hillah und Umgegend, sowie in Bagdad eine fünfzehntägige Quarantäne gegen alle Provenienzen aus dem persishen Meerbusen für sämmtliche tür= kishe Häfen beschlossen hat.

Der General der Jufanterie von Stosch, à la suite des See-Bataillons und Chef der Admiralität, hat si zur dies= jährigen Frühjahrs-Jnspizirung nah Wilhelmshaven und Kiel begeben.

Der General-Lieutenant von Voigts-Rheß, àla suite des Königs - Grenadier - Regiments (2. Westpreußisches) Nr. 7 und Commandeur der 20. Division, ift hier eingetroffen.

Der General-Lieutenant z. D. von Twardows ki, zuleßt Kommandant von Stettin, ist in der vergangenen Nacht: verstorben.

Merseburg, 20. März. Während der T1ge vom 13.—17.. d. M. tagte hier der Provinzialaus\<uß der Prov:nz Sachsen. Als Vertreter der Königlichen Staatsregierung wohnte an den erfien drei Tagen der Ober-Präsident und außerdem bis zum Schluß der Ober - Präsidial - Rath Steinmann den Ver=- handlungen bei. Den Vorfig führte Graf zu Stolberg- Wernigerode, Die Mitglieder waren vollzählig erschienen,

Na theilweiser Erledigung der zur Berathung und Beschluß- ! fassung vorberciteten Geger. stände wurde die Wahl der Mit- glieder und Stellvertreter für den Provinzialrath und die Bezirk sräthe vollzogen.

Vayera. München, 21. März. (Allg. 3tg.) Nach dem gestern der Abgeordnetenkammer vorgelegten Hauptetat der Militärverwaltung Bayerns für 1876 sind, entsprehend den Ansägzen für das übrige Reichsheer, für die bayerische Armee bewilligt : für die Ausgaben des Heeres 38,498,972 44 und für die Mi- litärpensionen 2,947,250 # = 41,446,222 M, um 934,563 M mehr als im Vorjahre. Von der Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres im laufenden Jahre mit 401,659 Mann treffen auf Bayern na<h Verhältniß der Bevölkerung 38,244 Maun, und zwar 2108 Offiziere, 6121 Unteroffiziere, 88 Zahlmeister- Aspiranten, 642 Unteroffiziere und 803 Gemeine als Spielleute, 38,891 Gefreite und Gemeine, 576 Lazarethgehülfen resp. Sa- nitätstruppen und 1123 Oekonomie-Handwerker. Hierzu kommen: 197 Aerzte, 92 Zahlmeister, 1 Stallmeister, 53 Veterinäre, 74 Büchsenmacher und 10 Sattler; tann 8776 Dicnftpferde.

21. März. Bezüglih des Budgets des Ministeriums des Innern im Gesammtbetrage von 18,127,276 A, für ein Jahr der laufenden Finanzperiode wird von: Finanzaus\chusse der Kammer der Abgeordneten zur Zustimmung mit nur weni- gen, ni<t sehr wesentlihen, Abminderungen beantragt. Der Bericht hierüber in der Kammer wird nächste Woche stattfinden können.

In den lezten Tagen beschäftigte die Frage der Iuhi- läumsprozessionen den obersten Gerihtsbhof. Be-

kanntlih hatte Papst Pius IX. im Dezember 1874 ein Jubiläum mit vollftändigem Ablaß unter Anordnung einer gewissen An- zahl von Gebeten in bestimmten Kirchen ausgeschrieben. Das Ordinariat Regensburg gab in Vollzug dieses Aus\chreibens Weisungen wegen etwa damit zu verbindender Prozessionen und \prah dabei aus, daß cine sol<he Prozession an Stelle von fünf- maligem . Kirhenbesuche gelten folle, Der Pfarrer Hobmaier in Alltersberg veranstaltete nun eine f\ol<he Prozession, unterließ es jedo<h, vorher Anzeige bei d.x Giumeinde- behörde zu machen und die Zustinmung der TDistrikts- polizeibehörde einzuholen. Das Bezirksgeriht Amberg verur- theilte nun den Hobmaier wegen Verleßung des Vereinsgesehes zu einer Geldstrafe von 2 Thlrn. In den Entsczeidungsgründen wurde ausgeführt, daß diese Iubiläumsprozessionen \sih nicht jährli<h wiederholen, wie andere kirhlihe Nrozessionen, daher niht zu den herfömmlihen gezählt werden; die Jubiläums- prozessionen seien au<h niht der Ausfluß eines Volksbewußt- seins, fondern sie würden nur jeveëmal auf besondere kirch- lie Anordnung abgehalten und seien als außerordentliche kirhlihe Feier zu betrahten, zu wel<her die Bewilligung der polizeilizen Behörde erforderlih is. Das Appel- lationsgeri<ct Nürnberg \pra<h den Angeklagten in der Berufungsinstanz frei, indem es \si<h dafür entschied, daß diese Jubiläumsprozessionen als herkömmlihe kir<lihe Feier zu be- trahten seien. Gegen dieses Urtheil legte der Staatsanwalt die NichtigkeitsbesWwerde wegen unrihtiger Anwendung des Eesetes cin und führte namentli<h aus, wenn das Jubiläum eine außerordentliche fkirh<lihe Feier gewesen, so könne es bei demselben auch keine herkömmliche Prozesfionen geben, sondern leßtere seien eben au<) außerordentlihe, weil fie ni<ht an Ort und Zeit gebunden sind. Ferner feien die Prozessionen kein wesentlicher Vestandtheil des Jubiläums, wie au<h ein Erlaß des Ordinariats München ausspre<he, wonah in Folge des staat- lien Verbotes die Prozessionen zu unterbleiben Haben follen. Der Oberste Gerichtshof {loß \s< den Ausführungen des Staatéanwaltes an, vernichtete das Urtheil des Königlichen Appellationsgerihts Nürnberg und verwies die Sache an cinen andern Senat desselben Gerichts.

283. März. (W. T. B.) In der heutigen Sizung der Abgeordnetenkammer verlas der Abg. Dr. S<hüttinger die bereits angekündigte Interpellation, betreffend die Ver- bindung eines Reichsamtes mit einem bayerishen Staatsamte. Die Interpellation ist veranlaßt dur< die Ernennung dreier bayerischer Beamten zu Bankkommissären bei den Reichsbank- hauptstellen in München, “Augsburg und Nürnberg. Der Justiz-Minister Dr, v. Fäuftle erklärte, er werde die Interpella- tion in einer der nähften Sizungen beantworten.

Württemberg. Aus Stuttgart, den 16. März, \hreibt man den „H. N.“ Folgendes: Die Entivi>klung und das Ge- deihen der hiesigen altkatholishen Gemeinde if unseren Klerikalen ein Dorn im Auge; sie suhen in jeder möglichen und unmöglihen Weise die Bewegung ais lächerlich hinzuftellen und gegen die hervorragenden Mitglieder der altkatholischen Gemeinde, wel<en es gelungen ift, einen Friedri*Þ und Michelis für die aitkatholishe Bewegung in Württemberg zu interessireu und dieselben zu bewegen, in hiesiger Stadt Vorträge zu halten, alle möglihen Verdäcztigungen zu \{<leudern. In erster Linie stand hier der von dem Kaplan Denzert in Dirzenheim redigirte „Anzeiger von Ip“, Gegen diesen Kaplan ging nun der Borstand der alikatholishen Gemeinde zunächst mit einem in einem hiesigen Lokalblatte ershienenen offenen Briefe vor. In demselben wird dem Kaplan-Redacteur nachgewiesen, daß die altfatholishe Bewegung in Württemberg und speziell in Stutt- gart durchaus niŸt, wie es der „Anzeiger von Jpf“ wünsche und demgemäß auch behaupte, im Sand verlaufen und „wie das Hornberger Schießen“ aufhören werde, und daß dazu auch die absihtlihen Entstellungen des „Fpf“/ nichts beitragen werden. Der Vorstand der Altkatholiken tritt namentli<h au<h der von dem klerifalen Blatte aufgestellten Behauptung entgeaen, daß die Vorträge der Herren Friedri<h und Michelis nur von 250 Personen besucht gewesen seien; der Hausmeister des Bürger- museums, in dessen großem Saale die beiden genannten Pro- fessoren sprachen, konftatirt, daß jedem Vortrag 700 Personen anwohnten. Der Vorstand wird feine Gegenerklärung dur eine Separatausgabe in ganz Obershwaben verbreiten.

Baden. Karlsruhe, 19. Wärz. (Shwäb. Merkur.) Nach einer Bestimmung des Schulgesezes können außer den Ober-Schulräthen und Kreis-Schulräthen no< andere Fahmänner mit Volks\chulprüfungen beauftragt werden. Diese Bestimmung tritt jegt in Kraft, indem die Vorstände der Lehrer-Seminarien aigewiesen worden find, zunächst in Gemeinschaft mit den Kreis- Squlcäthen, folche Prüfungen vorzunehmen. Dadurch werden eineîseits die mit Geschäften überbürdeten Kreis-Schulräthe er- leihtert werden, auf der anderen Seite wird eine Verbindung der Seminarien mit der Volks\hule hergestellt.

21, März. Zum erften Male nah Weihnachten war heute die Erste Kammer wieder versammelt. Von Seiten des Präsidenten und des Sekretariats wurden zunächst ver- schiedene Mittheilungen gemaht, Ueber das dem Budget vor-

Rg alie Regulativ in Betreff der Bezüge der Beamten Und über das Gesey, die Besoldungen dex Richter be-

treffend, lagen gedru>te Berichte vor. Nach längerer Debatte wurde das Regulativ einstimmig angenommen. Darauf folgte

die spezielle Berathung des Gesehes über die Besoldungen |

der Richter, wobei nur zwei Punkte eine längere Besprehung hervorriefen. Da hierbei au< die Aufhebung der Handels - gerihte durh die Reichsgeseßgebung als wmöglih in Betracht gezogen wurde, wies der Abg. Hummel darauf hin, daß diese Möglichkeit jeyt ferner gerü>t fei. Au<h Minister Sreydorf \prah die Hoffnung aus, daß die Reichsgeseßgebung den Cinzelregierungen die Befugniß gewähren werde, ihre Han- delsgerihte zu erhalten oder folhe einzuführen, wo es dzs Be- dürfniß erfordert; sollie si< jedo< eine Beschränkung der Kom- petenz nicht erreihen lassen, sollte das Handelsgeriht au< für die geringfügigsten Sachen für kompetent erklärt werden, \o daß man die Beisißer dafür kaum mehr gewinuen könne, dann müsse eventuell der Zweifel auftauchen, ob es nit besser sei, die Han- delsgerihte ganz fallen zu lassen. Die übrigen Paragraphen und das ganze Gesey wurden hierauf ohne weitere Debatte ein- stimmig angenommen.

Sessen. Darmstadt, 21. März. Die Erste Kammer der Stände hielt heute ihre 4. Sizung. Die Kammer nahm, wie bereits telegraphis<h gemeldet, zuerst die Vorlage des Ge- sammt-Ministeriums, die Uebertragung des Eigenthums der Oberhessischen Bahnen an den Staat betr., konform den Beschlüssen der Zweiten Kammer, r.a< kurzer Debatte gegen 2 Stimmen an. Auch die weiteren Gegenstände der Tagesordnung wurden einstimmig ohne Debatte, konform den Beschlüssen der Zweiten Kammer, angenommen. Sodann vertagte fi<h die Kammer auf unbestimmte Zeit.

Meelenburg-Schwerin. Schwerin, 21. März. Nach dcm Ablauf der se<hsjährigen Wahlperiode für die Vertreter des Fürstenthums Ratzeburg hatte die me>leuburg- strelitzische Landesregierung Neuwahlen angeordnet und dadurch ihrer- seits erklärt, daß sie die von der ragteburgishen Bevölkerung bisher ni<ht augenommene und daher noch nicht in Wirklichkeit getretene Verfassung fortwährend als in Geltung befindlich an- sehe. Das Ergebniß der Neuwahlen hat jedoch der Erwartung, daß es jeßt gelingen werde, eine beshlußsähige Vertretung zu- sammenzubringen, nicht entsprochen. Denn auf die an die Ver- treter ergangene Zusemmenberufung zum 27. d. M. haben 11 von den 21 Vertretern, welhe nach- der Verfassung den Landtag

bilden, darunter die sämmtlichen 9 Vertreter der Bauerschaften, | | begleitet fein.

der Großherzoglichen Landvogtei zu Schönberg die Anzeige ge- macht, daß sie der Berufung nicht Folge leisten würden, wo- durch die Nichtbeschlußsähigkeit der Versammlung schon feststeht.

Lübe>, 22. März. (Lüb. Ztg.) Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Dänemark trafen heute Vor- mittag um 97 Uhr von Corsör auf dem Dampfer „Freya* hier ein und wurden von den Herren Charles Petit und Horenung Petit, Königlich dänischen Konsuln, begrüßt. Nachdem der Kron- prinz in Begleitung des Konsuls Ch. Petit cine Promenade dur die Stadt und über den Wall gemacht, traten die hohen Herrschaften über Hamburg die Reise nah dem Süden anz der Aufenthalt foll hauptsächlih Italien gelten.

Desterreich-Ungarn. Wien, 21, März. Dem Böhmis- schen Landtag ist vom Landesaus\husse ein Geseßentwurf, betreffend die Landtagswahlordnung für Vöhmen, vorgelegt worden. Derselbe enthält jedo< keine prinzipielle Acnderung der Wahlordnung, sondern ¿umeist nur cine Kodifikation der verschiedenen bereits früher bes<lossenen Wahlgeschnovellen. Die beantragten Aenderungen zielen dahin, die Wahlbezirke fo viel als möglih national gleihartig zu gestalten, ebenso die Land- tagswahlordnung mi: der Reichsrathswahlordnung in Ueberein- stimmung zu bringen.

Die „N. Fr. Pr. verbleibt in ihrem heutigen Leit- artikel bei ihrer Ansicht, daß die wirthschaftlihe Regeneration Oesterreichs mit der Herstellung der Valuta beginnen müsse und daß beim Uebergange von der Papierwährung zum Metallgelde nur das Gold allein als zukünftiger Werthmesser gewählt wer- den dürfe. Das Blatt konstatirt die Thatsache, daß alle civilisirten europäis<hen Staaten entweder zur Goldwährung be- reits übergegangen sind, oder do<h ganz offenbar die Tendenz verfolgen, dics in nähster Zit zu thun. England, Deutschland, die Niederlande, die \kandinavishen Länder und Portugal haben bereits das Gold als alleiniges Taushmittel ge- wählt und das Silber gescßlih zur Funktion der Scheidemünze degradirt. Spanien und die Länder der lateinishen Münz- tonvention, nämlih Frankreih, Itolien, Belgien, Griechenland und die Schweiz besitzen zwar gesezli<h no<h die Doppe!wäh- rung, prägen aber thatsähli<h in größerem Umfange nur mehr Goldstüke, während fie die Ausprägung von Silber- münzen auf ein von Jahr zu Jahr si< verringerndes, Höchst bescheidenes Ausmaß eingeschränkt haben. Doch gleich- viel, ob fie den leßten Schritt, nämli<h den des geseßlichen UVeberganges zur reinen Goldwährung, in der nächsten Zukunft schon unternehmen oder no< länger hinaus\fchiebeu werden die Silberwährung besaßen oder besißen sie nit und werden fie au< niemals annehmen. Es bleiben also auf unserem ganzen Erdtheile nur no<h die Türkei, Rußland und Oesterreich als Silberländer. In den beiden leßteren besteht zwar geseßlich die Silberwährung, faktis<h aber die Papierwährung, fo daß in Wahrheit das Silber in ganz Europa, mit Ausnahme der tür- kfishen Länder, demonetisirt, überall entweder dur<h Gold oder Papier verdrängt ist.

Wenn ODesterreih unter so bewandten Umständen zur faktishen Slberwährung zurü&kehren wollte, so müßte es \si<h von vornherein darüber klar fein, daß si<h an dem Zu- ftande der Isfolirung seines Geldmarktes von dem des übri- gen“ Europa durchaus nichts ändern kann. Während die anderen europäis<hen Staaten eine große bilden, ihre Münzen na<h Abzug der Prägekosten gegenseitig zum vollen Werthe annehmen und damit einen siheren, un- veränderlihen Maßftab für alle internationalen Transaktionen besißen, müßte Oesterreih nah wie vor abseits und abgeschlossen von dieser Gemeinschaft stehen, sein Geld wäre Waare auf den fremden Märkten, das Geld aller. anderen Staaten Waare auf seinen Märkten; seine auswärtigen Handelsbeziehungen blieben abhängig von allen Schwankungen des Werthverhältnisses zwischen Gold und Silber, es würde ihm nah wie vor die un- verrücfbare feste Basis niht nur für den internationalen Handel, sondern au<h für den größten Theil des Verkehrs im eigenen Lande fehlen. *

Pest, 21. März Das Abgeordnetenhaus erledigte heute den Gesehentwurf betreffs der Volks\hulbehörden, mit Ausnahme des $. 13, welher an den Centralauss<huß behufs neuer Textirung desselben zurü>kgewiesen ward.

Sodann beantwortete der Handels-Minister Simonyi die

¡ Interpellation Maskhots wegen der Forstdevastationen dahin, | daß er na< Einvernehmung des land- und forstwirih\chaftlihen

Vereins eine Gesehvorlage einbringen werde.

Auf die Interpellation Karl Raths wegen Abänderung des Gewerbegeseßes antworteie der Handels-Minister, daß er zu die=- sem Zwede eine Enquête einberufen und gemäß des Gutachtens derselben vorgehen werde.

Die Kongregation des Pester Komitates heute anläßliß der Aufforderung anderer über die Zoll- und Bankfrage und beshloß, an den Reichstag eine Petition zu rihten, in weicher derselbe ersu<ht wird, Tisza's Programm zu verwirklichen, eine felbsiän=- dige Bank zu errichten und die Zollfrage, wr möglih, auf ein=- heitlihem Gebiete zu lösen. Bleiben aber Ungarns Interessen unberüsihtigt, dann soll ein separates Zollgebiet errihtet wer= den. Die gemäßigtere Resolution, welche die bloße Kenntniß= nahme der Zuschriften der Munizipien empfahl, blieb in der Minorität.

Schweiz. Ber, 21, März. Der Nationalrath hat heute die frühec zurü>gelegten Artikel des Forstgesehes er- ledigt und dann das ganze Geseß mit 68 gegen 1 Stimme an= genommen. Auch die Schweizer im Auslande haben ein Manifest gegen das neue Militärsteuergeseß er=- lassen. Unterzeihnet von den Schweizer Gesellshaften in Augsburg, Berkin, Bremen, Chemnitz, Cöln, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Livorno, Mailand, Mannheim, München, Nimes, Straßburg, Stuttgart und Worms, rihtet daselbe an die Mitbürger daheim die dringende Bitte, das Referendums- begehren mit ihrer Unterschrist zu unterstüßen und bei der Volksabstimmung selbsi für Verwerfung des Gesetzes zu stimmen.

Belgien. Brüssel, 22. März. (V. T. B) : In i heutigen Sitzung der Repräsentantenkammer wurde der gestern von dem Finanz-Minister Malou eingebrachte, zur Unter = stüßung der Banque de Belgique bestimmte Gesezentwurf mit 83 gegen 4 Stimmen angenommen.

Großbritannien und Jrland. London, 20. März. Ueber die am nächsten Montag, den 27. d,, vor fi<h gehende Reise der Königin nah dem Festlande liegt jeßt folgendes Programm vor: Die Königin wird von ihrer jüngsten Tochter, der Prinzessin Beatrice, der Marquise von Ely, Lady Churchill, ihrem Privatsekretär General-Major Ponsonby, ihrem Flügel- Adjutanten Colonell Byng, und ihrem Leibarzte Sir W. JIenner In Portsmouth erfolgt die Einschiffung an Dampfyacht „Victoria and Albert“ Von da wird die Reise per Eisenbahn in zwei Salonwagen, via Paris und Straßburg nah Baden-Baden fortgesczt. In lezterem Orte wird die Königin 8 oder 10 Tage verweiien und s{< dann nah Coburg zu einem Besuche des dortigen Hofes begeben. Gegen Ende April tritt die Königin die Rüreise nah England an, um in Windfor rechtzeitig zur Bewillkommnung des aus Indien zurücfkehrenden Prinzen von Wales einzutreffen Ad= miral Joseph Gape, einer der wenigen no< übrigen Kämpfer von Trafalgar, is dieser Tage im 83. Lebens= jahre Verstorben. Cr trat im August 1803 n L Flotte - und machte die denkwürdige Seeshlaht auf dem Linienschiffe „Ajax“ mit, Seit feiner Ernennung zum Contre-Admiral ftand er auf der Liste der

verhandelte Munizipien

Bord der Königlichen en route na<h Cherbourg.

| zeugniß der geistlihen Lehranstalten genügte. Den

Geldgemeinschaft |

Pensionirten. Die Untersuhung gegen den Kapitän des Dampfers „Franconia“ wegen Tödtung wird, der „E. C.“ zufolge, in der nächsten Sizung des Central Criminal Court, die am 3. April beginnt, geführt werden. Der Attorney-General und ein anderer Anwalt des Shazamtes wird die Anklage füh- ren, für die Vertheidigung sind Serjeant Parry und die Anwälte Cohen und Montagu Williams engagirt.

22. Mârz. (Köln. Ztg.) Das Kolonialamt erhielt amtlich die telegraphische Nachricht, daß der Prätendent Is mail, der Anzettler der Unruhen in Perak, fi<h zu Penang ergeben hat; feine Abführung nah Singapore is angeordnet.

Franfkrei<. Paris, 21. März. Das „Iournal officiel“ meldet die Wahl des Herrn Desmazes zum Senator von Martinique und des Generals de la JIailke zum Senator von Guadeloupe. Der Abg. Paul Bert, Pro- fessor der Physiologie und Mitglied der äußersten Linken, hat gestern zwei das Unterrichtswesen betreffende Geseßentwür fe cin- gebracht, die zu lebhaften Debatten Anlaß geben dürften. Nah der erfien diefer Vorlagen müssen künftig alle Elementarlehrer und Lehrerinnen mit dem staatlichen Fähigkeitszeugniß versehen sein, während bisher befanntliÞh das sogenannte Obedienz- Gemeinde=- räthen foll die Wahl zwischen konfessionslosem und geist- licem Unterriht zustezen: wo sie den ersteren wählen, dürfen sie diesen Entschluß nur im Fall einer Vakanz voidertufen; wo sie si< für die geistlihen Kongregationen entscheiden, gilt der Beshluß zunähst nur für fünf Jahre, Die Direktoren urd Professoren der Shullehrerseminarien müssen ausnahmsklos Laien sein. Der zweite Entwurf zielt auf eine Reform dex verschiedenen Unterrichtsräthe, der Departe- ments\<{hulräihe, der akademische: Räthe, endli<h des Obec- Unterrichtsraihs ab; aus dem leg eren wll Hr. Paul Bert die vier Erzbishöfe oder Bischöfe, die beiden Vertreter der pro- testantishen Bekenntnisse, den Vertreter des israelitishen Kon- sistoriums, sowie die Repräsentanten der Armee, Marine, des obersten Gerichtshofs und andere Körperschaften, deren Stimme und namentli<h deren Einfluß jenen der Fahmännex erdrüt, entfernt wissen.

Spanien. Madrid, 23, März. (W. T. B.) Der Papst hat ein Breve hierher gelangen lassen, in welheu er gegen den Artikel 11 des Verfassungsentwurfs, welcher der Toleranz in Religionssachen die Form des öffent- lihen Rechts verlciht, protestirt und behauptet, derselbe verlege die Rechte der katholischen Kirhe und annullire das Konkordat.

Italien, Rom, 17. März. Der „Alg. Ztg.“ wird geschrieben: Die administrativen Wahlen beschäfrigen den Klerikaliémus immer mehr. Heute wird von seinen Organen den Katholiken Italiens kund getZan: „daß die Theilnchme an diesen Wahlen ni<t nur erlaubt und wünschenswerth, fondern au< durhaus nothwendig sci, und das Alles im Hinbli> auf die Zukunft. „Es ist-die Ueberzeugung der Verständigsten un- ter denen, die sih um die politshe Entwickelung unserer Häld- insel interessiren: daß die italienishe Revolution, wann immer es fi, aus der gegenwärtigen Phase machig- vellistisher Heuchelei zur härtesten Verfolgung üÜber- gehen wird. ... Welch unberehhenbare Wohlthat wäre es da für unser Vaterland, wenn in allen Munizipien lauter ehren- werthe, weise, konservative Männer säßen! Welcher Vortheil würde daraus der Kirche, den Katholiken, dem Volksgewissen,

dem Privateigenthum erwachsen u. \. 1.