1876 / 80 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Berlin, 1. April. In den deutschen Münzstätten find bis zum 25. März 1876 geprägt: an Goldmünzen: 1,057,625,380 M Doppelkronen , 314,574,910 Æ Kronen; hiervon auf Privat- re<hnung: 146,652,463 H; an Silbermünzen : 33,399,875 M 5-Markftü>e, 123,472,121 1-Markftü>e, 19,907,267 H 50 -Z 50-Pfennigstü>e, 21,666,570 Á 20 S 20- Pfennigstüe; an Ni>elmünzen: 14,940,445 430 10-Pfennigstüe, 8,739,023 M 35 $ 5-Vfennigftüke; an Kupfermünzen: 5,203,111 40 S 2 -Pfennigfstü>e; 2,831,100 A 99 -S 1-Pfennigstü>e. G-sammtausprägung: an Goldmünzen: 1,372,200,290 M; an Sisbermünzen: 198,445,833 # 70 Z; an Ni>elinünzen : 23 679,468 Á 65 - ; an Kupfermünzen: 8,034,212 46 39 -Z.

Die am 30. v. M. in der württembergischen Ständekammer staitgezabten Verhandlungen über die Reihs- eisenbahnfrage werden heut bereits in mehreren Blättern b¿sprohen. Wir heben aus denselben zunächst die „N. C.“ hervor, welche aus jenen Verhandlungen konstatirt, daß die Art, wie das Reichseisenbahnprojekt, no<h ehe dasselbe irgend wie Inhalt und Form gewonnen hatte, von \ähsisher und bayerisher Seite angegriffen worden sei, auf die öffentliche Mei- nung keineswegs zu Gunsten der Mittelstaaten gewirkt habe. „Beweis dafür“, \<reibt die genannte Korrespondenz, „ist die un» g:eih ruhigere, gemäßigtere und entgegenkommendere Art, wie wan in Württemberg an die Angelegenheit herangetreten ift. Dort ist es gerate die Regierungspartei, welche sh in der Kam- mer zur Vorkämpferin einer ersprießlichen gesezlihen Regelung der Reichsaufficht über das Eisenbahnwesen, also grade desjenigen Standpunktes aufgeworfen hat, welchen Regierung und Land- tagsmajorität in Sachsen entschieden zurü>wiesen. Ein Theil der deutshen Partei in der württembergischen Kammer aber nimmt bereits eine Position ein, die, ihrer praftishen Bedeutung na< beurtheilt, als eine direkte _Gutheißung des soeben in Preußen formulirten Planes einer Ueber- tragung des gesammten preufischen Staatsbahnbesizes an das Reich aufzufassen ist“. Einen weiteren Beweis für jene Wirkung findet die „N. C.“ in der Haltung, welche mehr und mehr die hervorragenderen Organe der Presse gegenüber der Frage annehmen. Soviel sei wenigstens jeßt erreicht, daß man die Vortheile und Nachtheile des Planes mit möglichster Objek- tivitägt egen einander abwägt. Jn leßterer Beziehung macht dies Blatt au auf den Aufsatz der in Leipzig erscheinenden Zeitschrift „Im neuen Reich“ aufmerksam, der sih zwar no< nit endgültig über die Frage ausspreche, aber mit großer Un- befangenheit das Für und Wider betrahte. Die erwähnte

Aricgrift hegt die Zuversicht, daß die nationale Strô- P. Hertel. “{iFr1. Lug sei, um einen rein partikularistischen Vorletztes Awrechen. 7,Ss- wäre ein Zurücffallen in die Ver- Scauspielkerer kläglichsten Zerr{ffenheit", sagt sie, „wenn ledig- Wid/rtififiüte Sonderinteressen die Richtschnur geben sollten für ¡e Behandlung der gemeinsamsten Angelegenheiten der deutschen Kation.“ Auth die „Berliner Börsenzeitung“ betrachtet den Verlauf der Eisenbahndebatte der württembergischen Ständekammer als verhältnißmäßig günstig. „Daß die württembergishe Regierung zu denFreunden des Planes gehören werde, habe Niemand erwartet. Die Sprache des württembergischen Ministers unterscheide sich aber doch sehr wesentlich von derjenigen des bayeris<en Ministers v. Pfreyschner und mehr noh von den Anklagen, welche in Folge der Münchener Kammerdebatte in einem großen Theile der bayerishen Presse gegen Preußen und die Centralleitung des Reiches erhoben würden. Sodann konnten in Stuttgart die coalirten Gegner der Reichsbahnen wenigstens ni<ht umhin, ein Reichs-Cisenbahngesez zu verlangen und damit die Nothwendigkeit einer Regelung des Eisenbahnwesens dur<h das Reih anzuerkennen. Endlich fanden si< bereits 6 Stimmen, an ihrer Spigze der in Eisenbahnangelegenheiten wohlbewanderte Reichstagsabgeordnete Elben, welhe für den Plan eintraten. Die „Berl. B. 3.“ mat dann noch darauf aufmerïsam, daß der Minisier v. Mittnacht in seiner Antwort den prinzipiellen Say des Reichs-Eisenbahngesegentwurfs, nach wel<em dem Reicze die unmittelbare Aufficht über alle deutsche Eisen- bahnen zustehe, als eine formelle und materielle Aenderung der Reichsverfassung und deshalb als unannehmbar ansehe, während Art. 4 der Reichsverfassung laute: „Der Beaufsichtigung Seitens d2s Reichs und der Gesehgebung desselben unterliecen ....... 8) das Eisenbahnwesen“ u. \. w. ,

Das „Berl. Tagebl.“ erklärt ebenfalls, daß die Verhand- lungen in Stuttgart sich vom reihspolitishen Standpunkte aus sehr vortheilhaft abheben von denen, welhe in München und Dresden vorher über dieselbe Eisenbahnfrage gepslogen wurden. Freilih sei der von der Majorität angenommene Schmidtsche Antrag nicht befriedigend, aber derselbe halte fich do< immer no< in gewissen Schranken. „Er billigt niht die Erwerbung deutscher Eisenbahnen dur das Reih aber er wünscht nur, daß ih Württemberg gegen die Erwerbung württembergischer Bahnen itemme; während man bekanntlihin Bayern darüberhinausging und einfach dem Reiche verwehren wollte, irgend wel<he preußische, oldenburgishe oder badensishe Bahnen an fih zu bringen.“ Außerdem aber verlange dieser Antrag auch das in der Reichs- verfassung vorgesehene und versprochene Reichs: Eisenbahngeses, das aber hon zweimal gerade an dem Widerstande der Mittel- fiaaten gescheitert sei, für wel<hes also au< jez wohl wenig Aussichten vorhanden seien.

Die Engquête-Verhandlungen über die Einrichtung einer Dampfkessel-Statiftik im Deutschen Reiche find in einer Reihe von Plenarsizungen einer besonders einberufenen Kom- mission jezt zum Abschluß gebracht worden. Der Direïtor des Königlich reußischen statistischen Bureaus, Geh. Ober-Regie- rungs-Rath Dr. Engel, ift bereits mit der Abfassung des Be- richts beschäftigt, welcher später, dur< die Kommisfion festgestellt, an den Reichsfanzier und dur diesen an den Bundesrath ge- langen wird.

Gegen die vom Minister der geisilihen Angelegenheiten auf Grund des Geseges vom 22. April 1875 angeordnete Ein- stellung einer Leistung aus Staatsmitteln für die rômisch-katho- lis<hen Bisihümer und Geistlichen jt, na<h einem Erkenntniß des Königlihen Gerichtshofes zur Entscheidung der Kompetenz-Konflikte vom 8. Januar 1876 eine Besiz- fiörungsflage unzuläsfig. :

Für eine Vorspannleiftung, welhe vom Beginn der Fahrt vom Wohnorte bis zur Rü>kehr in denselben nit länger als von Mitternaht bis zu Mitternacht gedauert hat, ift, nah einem Cirkularreskript des Ministers des Innern, vorbehaltlih der etwaigen besonderen Vergütung der Fahrt vom Wohnorte na< dem Stellungsorte nur der einfache Tagesjaß zu gewähren. h

Der Gereral der Infanterie v. Stos<h<, à la suite

Frähjahrsinspizirung na< Wilhelmshaven und Kiel begeben hatte; ift von dort hierher zurü>gekehrt.

Der General-Major v. Voigts-Rheh, Direktor des Allgemeinen Kriegs-Departements, hat fi< in dienstlihen An- gelegenheiten nah Stettin begeben; der Contre-Admiral Bat\<, Chef des Stabes der Admiralität, hat eine Dienstreise nah England angetreten.

Der General-Major v. Kleist, Commandeur der 20. Kavallerie-Brigade, hat f{< nah Hannover zurü>begeben.

Der Kaiserli russische Hof-Iägermeister, Graf Koutou- \sow-Tolstoy, ist gestern Abend, aus London kommend, hier dur< und na< St. Petersburg gereift.

Die Besagzung der Brigg „Antonette“ aus Papen- burg, welche im Oktober v. I. auf der Reise von Brake nah Frederikshald in der Nordsee verunglü>te, war dur< die Hülfe des britishen Schooners „Jessie" aus Perth vom Untergange gerettet worden. Für seine menschenfreundlihe Handlungsweise ist der Führer der „Iessie“, Kapitän Nairn, von Reichswegen mit einem Ehrengeschenke bedaht worden, wel<hes in einem Marinefernrohr mit entspre{ender Inschrift besteht.

Cöln, 31. März. (Köln. Ztg.) Die Stadtverordneten- Versammlung beschloß in ihrer gestrigen Sihung, an den Reihs- kanzler Fürsten Bismar>, den Chrenbürger Cöôlns, zu sei- nem Geburtstage eine Beglü>kwünshung abzusenden.

Bayern. (Allg. Ztg.) In der Sihung der Kammer der Abgeordneten vom 29. März bei Gelegenheit der Be- rathung des mitgetheilten Grießenbe>shen Antrags versuchte es der Abg. Dr. Ragzinger, einen Angriff gegen das Ministerium zu insceniren. Das Staats-Minifterium habe mit dem Aller- höchsten Königlichen Erlaß ni<hts Besseres zu thun gewußt, als ihn dazu zu benügen, bis hinab in die legte Hütte die Zwietracht zu tragen. Man besprehe si über die wichtigsten Fragen mit Herren von der linken Seite des Hauses. Der Redner {loß mit dem Wunsch: es möchte do endli ein Minifterium geschaffen werden, das im Stande und Willens wäre, den „muthwillig gestörten Frieden“ (Oho! links, Unruße) wieder herzustellen. Der Abg. Walter erwähnte der Art und Weise, wie in manhen Ge- meinden das Allerhôöhste Handschreiben publizirt wurde. Die Art der Bekanntmachung des Königlichen Signats vom 9. Ok- tober \ci ein wahrer Faustshlag in das Gesicht des katholishen Volkes gewesen. In längerer Auséinanderseßung suchte er die Handlungsweise des Bürgermeisters und Abgeordneten Lerzer zu rechtfertigen, indem er die Kompetenz des Ministeriums zu An- ordnungen, wie sie getroffen worden seien, bestreitet. Er führte danneinige Beispiele zum Kapitel „gegen die Bezirksamtmänner® an, und {loß mit der Emphase: daß Bayern bald nicht nur kein Kultur- staat, sondern au kein Rehtsstaat sein werde, und mit der Be- lehrung: daß, wer für politische Freiheit und niht für den Absolutismus sei, der müsse gegen die _Villkürßerrschaft an- kämpfen. Der Minister v. Pfeuffer erkärte: Ihm komme es vor, als hätten die Abgeordneten Walter und Dr. Raginger klüger gethan, das Allerhöchste Handschreiben nicht in die Dis- fussion hereinzuziehen. itglieder einer konservativen Partei hätten jedes Angriffsobjekt gegen die Regierung eher benußen sollen, als das Allerhöchste“ Handschreiben. (Protest rechts.) Der Präsident unterbra% den Redner mit der Bemerkung, daß niht das Königliche Handschreiben als solches, sondern die Art der Publizirung besprochen worden sei. Es mußte so pu- blizirt werden, weil es nur fo seinem Zwe>, in allen Völker- \hihten bekannt zu werden, entsprehen Tonnte. Durch das Allerhöchste Handschreiben is in vielen Gemeinden der Sleier der Unwissenheit und Lüge gelüftet worden, Was die geheimen traulihen Unterredungen mit Parlamentariern von der linken Seite bezüglih des Wahlgeseßes beirese, #o müsse er bemerken, daß er nur mit dem Hrn. Abg. Dr. Jörg, und zwar auf der Straße, etwas in dieser Angelegenheit gesprochen habe. Aus- führlih ergeht fich nun Redner über die vom Abg. Walter an- geführten Fälle von Willkür der Bezirksbeamten. In dem Falle zu Velburg sei bereits Disziplinaruntersuhung eingeleitet, die Akten befinden si jedo<h no<h beim Strafgeriht. Es sei niht zu entschuldigen, wohl aber zu begreisen, wenn mancher Bezirksamtmann über die Schnur haue angesichts der fort- währenden Hetßereien gegen die Autorität des Staates oder Beamten zu Gunsten des Benefiziaten oder Cooperators. Gleich- falls eine gründlihe Widerlegung fanden die Behauptungen des Abg. Ratinger und die „Seeschlange“ vom „Ministerrath mit Zuziehung von Abgeordneten,“ die sih in den tiefsten !Meeres- \hlamm zurü>ziehen dürfte. Bezüglich des Antrages des Abg. Grießenbe> für Vereinfachung auf dem Verwaltungsgebiete solle man sich ja keiner Jllufion hingeben. So was nehme si<h auf dem Papier recht gut aus, dem stehe aber die Proja der Wirk- lichkeit gegenüber.

Sachsen. Dresden, 31. März. Die Erste Kammer genehmigte nah dem Vorgange der Zweiten Kammer die Re- gierungsvorlage über Raumbeschaffung für weiblihe Sträflinge und nahm sodann nah einiger Diskusfion den neuli< zurü>- gestellten zweiten Absaß des $. 3 des Gesezentwurfs über die Entschädigung der geistlihen und Kirchendiener für den Wegfall von Gebühren mit einer von der Deputation beantragten Ein- haltung an, worauf der gedachte Gesetzentwurf selbst angenom- men wurde. Hierauf trat die Kammer in die Berathung des Geseßzentwurfs über die höheren Unterrichtsanstalten ein. Der Staats-Minister Dr. v. Gerber legte in ausführlicher Rede die Gründe dar, wel<he es der Regierung wünschenswerth erscheinen ließen, einen Theil der in das Gebiet des höheren Unterrichtswesens eins<hlagenden Bestimmungen durch Gefeß zu fixiren. Die Spezialberathung wurde auf morgen verschoben. :

Die Zweite Kammer setzte in ihrer heute Vormittag abgehaltenen Sizung die S<hlußberathung fort über den Bericht der Finanzdeputation über Pos. 19 bis mit 26 der Abthei- lung D. des ordentlihen Ausgabebudgets, das Departement des “nnern betreffend, sowie über die darauf bezüglihen Königlichen Dekrete und über Pos. 6 des außerordentlihen Budgets, und bewilligte die Positionen 24 bis mit 26d. mit nur geringen Ab- fireihungen.

Oesterreih-:Ungarn. Wien, 31. März. (W. T. B.) Die ungarischen Minister find heute vom Kaiser empfangen worden. Am Nachmittag fand die erste, nur einer vorläufigen Besprehung gewidmete Konferenz fiatt. In die Detailver- handlungen dürften die Ressortébeamten erf am nächsten Dienftag eintreten. Graf Andrassy wird am Montag erwartet, die Fest- stellung des gemeinsamen Budgets kann daher nicht vor Dienftag beginnen.

Prag, 30. März. (Wien. 3.) In der heutigen Landta gs-

Hausmann an, daß sie ihre Landtagsmandate niederlegen. Der Oberst-Landmarschall theilte mit, daß 69 Abgeordnete, die auf- gefordert wurden, im Landtage F, ersheinen, dur<h die Poft eine Erklärung einsendeten, die fih in sehr selbftb-wußtem Tone auf die vorjährige Erklärung beruft. Da die heutige Erklärung die ungebührlihe Sprache der vorjährigen Erklärung reproduzirt, müsse fie demselben Schi>sale wie die vorjährige Ecklärung ver- fallen und daher niht zur Verlesung gelangen. Uebrigens habe der Oberst-Landmarschall bemerkt, daß eine große Anzahl von Unterschriften von fremder Hand herrühre, was übrigens glei- ültig sei, da die Erklärung überhaupt keine Rechtfertigung ent- alte und die 69 Abgeordneten daher wegen ungere<tfertig- ten Ausbleibens des Mandates für verlustig zu erklä- ren seien. Der Antrag des jungczehishen Abgeordneten Gregr, die Erklärung an eine Kommission zu verweisen, wurde ni<t angenommen. Der Antrag, die 69 Abgeordneten ihrer Mandate verlustig zu erklären, wurde mit großer Majorität ange- nommen.

Lemberg, 30. März. Jm Landtage wurde heute an- läßli<h Erledigung einer Petition der Bezirksvertretung von Mosciska um Auflösung der jüdishen Kultusgemein-=- den eine Resolution beschlossen, wona die Regierung zur Aufhebung no<h bestehender jüdisher Ausnahmsge- setze, Regelung der Verhältnisse der Judengemeinden und Ueber- wachung der jüdischen Matriken-Bücherführung aufgefordert wird. Laibach, 30. März. Bei den Gemeinderathswahlen im ersten Wahlkörper fiegten troß heftiger Agitation der Klerikal- Nationalen die verfassungstreuen Kandidaten.

Pest, 25. März. Die Verhandlungen des Abgeord- netenhauses zu Pest über einen Geseßentwurf, welcher für die Ausübung des staatlihen Aufsichtsre<ts

über den Volksunterriht und namentli<h über die fonfessionelen Schulen neue Norméin aufstellt, geben einen neuen Belag dafür, wie weit in Ungarn der Klerus

aller Konfessionen von den Ansprüchen entfernt if, welche in anderen Ländern von den Ultramontanen und den Orthodoxen erhoben werden. Wir lassen drei der am 18. d. Mts. gehalte-

nen Reden folgen. :

Abg. Gabriel Papp (reformirter Superintendent): ….. Ich begrüße mit Freuden den Staat auf dem Gebiete der das Aufblühen des Volksunterrichts erzielenden Thätigkeit ; eben deshalb ift es au< uit meine Absicht, dieser seiner Funktion Hindernisse in den Weg zu stellen 2c.; aber ih versichere Sie dessen, daß, wenn sich aud die Protestanien an die Autonomie halten, fie dies nur darum thun, weil fie si< dur< die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit ge- nügend davon überzeunat haben können, daß fie sich um..}sto Vertheidigung der Autonomie \caaren müssen. Tr p aber wollen fie gegen richten (Beifall), und sie . 4 Zeseefern. \{wercm Herzen zwar, aber pflihtmäßig und mit ¿eivu felbst dann beugen, wenn dadurh die Autonomie in große, Gr begrenzt würde. (Lebhafter Beifall.) Deéhalb beiße ih wobs{<

derselben au<h auf dem Gebiete des Volksunterriht: Aufwiegelungen gezielt wird. Deshalb begrüße ien für Kasernen find

endli erwachend, auc in dieser Hinficht auf das i getreten ist. L : T Bay rpflichtet.

Es ift dies ni<t nur ein Recht, sondern au eîne Put Des Staates, welcher bestehen will, weil nur diejenigen Kutkturstaaten eine Existenzbere<tigung haben, - welche, indem sie für die genügende und ri<tige Auebildung ihrer Bürger Sorge tragen, mit sicherer Hand die Fahne des Fortschritts und der Freiheit aufste>en können. i A ver der Staat, indem er seine Thätigkeit auf diesem Gebiete beginnt, darf die Riesengewalt nicht außer Acht lassen, die in der Selbst thätigkeit der einzelnen Bürger, în der Vereinigung der gesell- schaftlichen Kräfte und in der moralischen Kraft des Konfessionalis- mus ste>t. Er kann nicht außer Acht lassen, daß es konfessionelle Schulen giebt, welhe niht die Schulen einer aus dließliden Kaste, sondern die Schulen der freien Assoziation der Eltern find, ob wir deren Ursprung oder deren Verwaltung betraten, und diese als solche darf man ni<t {wätLen, sondern im Gegentheil unterstüßen.

Mein Abg. Kollege Helfy wünscht alle konfessionellen Schulen dur die Staatsomnipotenz zu verdrängen. Ib wünsche dies nicht, denn die Erreichung des dadur ausgeste>ten Zieles würde die bür- gerliche Selbstthätigkeit lahm legen; würde die in dem Koufessiona- Tismus liegende Kraft brechen, die auf dem Altar des Volksunterrichts, besonders bei den Protestanten in den Stiftungen der Reichen, in den Pfennigen der Armen solche großartigen Opfer bringt ; würde die Lebrfreiheit gefährden; würde die, mit den weselnden Regierungen ebenfalls we<selnden, oft nicht eben heilsamen Richtungen im -ganzen Lande in die Seele der jungen Generation einimpfen; würde die heîi- lige Secle der Freiheit verbannen, die nur dort weilt, wo fie die Fessein des starren Einerlei der ftrammen Centralifation nicht drücken 2. i)

Abg. Iohann Miehl (katholischer Pfarrer) : :

Geehrtes Haus! Wenn dieser Geseßentwurf nur von einer Kon- fession handelte, oder über einzelne Gebiete unjeres Landes verfügen wollte, dann würde ich die Befürchtungen verstehen, die besonders am gestrigen Tage in diefem Hause von zwet Seiten Ausdru> gefunden haben. Aber ih verstehe niht diejenigen Worte eines gechrten Abgeordneten-Kollegen, mit welchen er besonders die katholishen Schulen und den auf dieselben gefeßlih geübten Einfluß des Klerus der Auf- merksamkeit der Geseßgebung und besonders der Regierung so warm anemp fahl. Dies, sage i, verstehe ih niht, denn in Ungarn, wie dies bis jetzt die Geschichte beweist, war die Vaterlandsliebe und die daraus natürlih entspringende Geseßesahtung kein Privi- legium der cinen oder der anderen Konfession. (Beifall ) Wir alle wetteifern darin, und daß dies in Zukunft au< so sei, gebe Gott. (Beifall.) Was den Gesetzentwurf, objektiv genommen, betrifft, so fichert er der Regierung einen gewissen Einfluß auf alle Schulen, die im Lande crxistiren, aber nur innerhalb der gejeßlihen Grenzen, und dies votire ich gerne und zwar deshalb, weil ih die feste Ueberzeugung hege, daß, wer immer den Regierungssefsel inne habe, diese Nation in feiner ibrer Angelegenheiten eine ungeseßliche Einflußnahme dulden wird. (Beifall.) Deshalb, und weil ih in diesem Gesetzentwurf einen wichtigen Schritt zur Förderung und Besserung unseres Volkêunter- richts sehe, nehme ih den Geseßentwurxf zur Basis der Spezial- O Sha, Anton Poor (katholischer Pfarrer)

. Anton Poor (katholischer PsarreLr) : :

Ich kann die Besorgnisse des Vorredners Zsedényi nicht theilen, weil nit bon den unberufenen Uebergriffen des Staates, sondern vom hêéften Aufsichtsrechte desselben, von den, von Gott ihm gegebenen, Rechten die Rede ist. (Bewegung und Heiterkeit auf der Linken.) Ich glaube, daß diese Heiterkeit nicht dur< das Prinzip selbst, soudern blos durch das Ungewöhnliche einer Berufung auf dasfelbe verursaht wurde ; denn es hat niemals ein Staat existirt, in welchem diese Theorie ge- leugnet worden wäre. (Zustimmung.) Ich betrahte Staat und

5 gegenüberstehende Faktoren; ja, insofern ihre unmittelbare Auf=-

O tbe I wünsche ich, daß das Verhältniß zwischen beiden fo fordial als mögli sei. (Zustimmung.)

Schweiz. Die vorberathende Kommission von 14 Mitgliedern, welche der Bundesrath in Sachen der Gotthardbahn ernannt hat, besieht laut den „B. N.“ aus den beiden Inspektoren des Eisen= bahndepartements, dem Gotthardbahn - Inspektor, dem Ober-

des Sec-Bataillons und Chef der Admiralität, welcher fi< zur

sizung zeigten die altczehishen Abgeordneten Tomek und

Bauinspektor Salis, je einem Direktor, sowie tem Ober-Jngenieur

dem dieses Gesez Feine Hindernis); füre guf- würden fi<h vor dem S cl “mit

Maße ; fommen das Betreten des Kampfplaßzes von Seite des Staates, „éamélau unserem Staate doppelt nothwendig, wo die ungarische Staats 30, Pleß ““ den divergenten Elementen so heftig bestürmt und auf diu 19, Sulau Fung

ungarishen Staat, daß er von seinem hundéy Oels und Neisse {f h e C; Unternehmer

Kirche niht als zwei mit einander rivalisirende oder einander feind- -

und dem Maschinenmeister der Centralbahn und der Nordo|t- bahn, ferner aus dem Ober - Ingenieur Bridel, dem Kantons- Ingenieur Wetli und Bankdirektor Stoll.

Großbritannien und Jrland. Das Jahres fest des deutschen Krankenhauses zu Dalfton (Nord-London) wurde gestern in Willis' Rooms gefeiert und der deutsche Botschafter, Graf Münster, n den Vorfiz. Graf Beuft,

London, 30. März.

Baron von Bunsen, Baron olvyns, Brin>en, Baron von Schröder u. a. m. befanden fi< unter der Gesellschaft, die aus ungefähr 200 Gästen bestand. Den Toast auf die Königin brachte der Vorfizende, Graf Münster, aus und na<h diesem wurde die Gesundheit des Prinzen und der Prinzessin von Wales der Prinz führte bei dem leßten _IJahresbanket den Vorsiß und der übri- gen Mitglieder der Königlichen Familie getrunken. Graf Beust gedachte, in Erwideruug des Toastes auf die ausländishen Souve- râne, seiner persönlichen freundlichen Beziehungen zu dem deutshen Botschafter, die den Beziehungen der beiden Reiche ent- sprechend seien. In der segensreihen Wirksamkeit des deuts{<en Kran- Ffenhauses, wo auch viele Defterreicher Heilung gefunden, sehe er eine re<t deutlihe Illustration zu dem auf den Zusammenhang Deutschlands und Desterreichs passenden Motto: „In Leid und Freud find wir eins.* Graf Münster trank auf das Gedeihen der für die deuts<e Bevölkerung Londons so wohlthätigen An- stalt; der Toaft auf den Vorsizenden wurde mit großer Herz- lihkeit, der auf den Deutschen Kaiser mit Begeisterung aufge- nommen.

Es wurden 4163 Pfd. Sterl. an Beiträgen gezeihnet, 200 Pfd. Sterl. vom Deutschen Kaiser, 50 Pfd. Sterl. vom König von Belgien, 25 Pfd. Sterl. vom Herzog von Edinburgh und neue Iahresbeiträge zum Gesammtbetrag von über 400 Guineen mit eingerehnet. Ueber das Krankenhaus selbs if no< zu sagen, daß es im Iahre 1845 eröffnet wurde, unter deutscher Leitung steht und zur Aufnahme von Deutshen bestimmt ift; als Deutscher gilt aber Ieder, der fih dur< den Gebrauch der deutshen Sprache als solder ausweist. In dringenden Fällen werden auch Patienten anderer Nationalität aufgenommen. Präsident des Verwaltungsrathes ift der Herzog von Cambridge und die Anstalt steht unter dem Patronat der Königin und mehrerer ausländishen Souveräne. Die Zahl der Patienten im abgelaufenen Jahre betrug 1327 (darunter 337 Engländer). Vor dem Admiralitätsgerihr wurde gestern Namens der Eigenthümer des deutschen Dampfers „Franconia“ das An- suchen gestellt, dieses Schiff gegen eine Sicherheit von 8 Pfd. Sterl. per Tonne wieder freizugeben, wogegen jedoch die Eigenthümer- des „Strathclyde®“ durch. ihren Vertreter Einsprache erheben ließen. Eine Entscheidung is no< ni<t getroffen. ;

‘1. April. (W. T. B.) In der Sitzung des Unter- hauses zeigte der KFanzler der Schaßkammer an, der Khedive habe in einem bei dem auswärtigen Amte eingegangenen Tele- gramme den Wunsch ausgedrü>t, daß der Bericht Cave's veröffentli<ht werde. Die diesjährigen Finanzeinnahmen des Staats\<hazzes belaufen si<h auf 77,131,693 Pfd. Sterl., also 2,209,820 Pfd. Sterl. höher, als im Vorjahre, wo die- \felben nur 74,921,873 Pfd. Ster! betrugen.

Das Budget von Indien pro 1876/77 weist laut Meldung des „W. T. B.“ aus Calcutta vom 31. eine Einnahme von 50,480,090 Pfd. Stezl. auf; die ordentli<hen Ausgaben betragen 50,336,000 Pfd. Sterl., die außerordentlihen 3,759,000 Pfd. Stezl. Die Anleihe von 2,640,000 Pfd. Sterl. \oll in London, niht in Indien begeben werden, irgendwelhe Erhöhung der Kontributionen ift niht in Vorschlag gebracht.

Frankreich. Paris, 30. März. Je mehr si<h au< im Senat die Absicht kundgiebt, das Unterrichis8geseß des Mi- nister Waddington ohne Amendements anzunehmen, defto ent- \chiedener wird der Widerstand der Klerikalen; \o haben gestern und heut Sizungen der 30 Bischöfe, welche hier als Gründer der katholischen Universität versammelt sind, stattgefunden, über deren Inhalt zwar nihts Positives verlautet, die aber durh die verstärkten Angriffe gegen den Minister Waddington, sowie dur den Beschluß der Bischöfe, den Vorladungen der parlamentarischen Untersuhungskommission keine Folge zu leisten, gekennzeichnet wer- den. Die „République Française“, welcher das Verdienft gebührt, auf die Gefahren, die das Geseg über die Freiheit des höhexen Unter- rihtes birgt, am entschiedenften hingewiesen zu haben, \<reibt bezüg- lih der Absichten der Bischöfe: „Die Herren Bischöfe beschränken fich also nicht, wie die gewöhnlihen Bürger, auf Berathungen ; fie tragen vielmehr die Anmaßung zur Schau, „Maßregeln“ zu treffen. Könnte man da ni<ht von einer konftituirten Ge- walt \pre<hen? Welche Maßregeln werden fie wohl ergreifen können ? Kirchenstrafen, die Exkommunikation? Man verliert si< in Vermuthungen. Wir hoffen, daß die Ruhe des Herrn Wad- dington dadur<h nit gestört wird, und daß, wenn sein Ent- wurf bei den öffentlihen Gewalten zur Annahme gelangt, wie zum Glü> wahrsheinli<h it, die Herren Bischöfe si< wohl oder übel damit zufrieden geben werden, indem es ihnen unbenommen bleibt, das berechtigte Uebergewiht der bürgerlihen Gesellschaft, sowie die Garantien für die Wissenschaft und für die Fähig- keiten, wie fie bereits thun, als unbillig zu bezeihnen.“ Von der Nationalversammlung ist heut der Aus\<huß für die Vorlage des Unterrichts - Ministers, welhe den katho- lischen Universitäten das Recht, akademische Grade zu verleihen, wieder entziehen soll, gewählt worden, und zwar find troß des energishen Widerspru<hs mehrerer Mitglieder der Rechten nur Anhänger der Vorlage in die Kommission gesandt worden. Nach dem „Journal des Débats“ beläuft sich die Zahl der Individuen, welche sich in Folge von Verurtheilungen wegen Theilnahme an den Kommune - Ereignissen in den Landes- gefängnissen von Landernau, Thouars und Belle-Isle befinden, auf höchstens 1500, und au von diesen wird die größere Hälfte im Laufe des Jahres 1877 ihre Strafe abgebüßt haben. Die Zahl der \ nah Neu-Caledonien Deportirten beträgt in runder Zahl 4000. Zu den Zeichen friedliher Gefinnungen und Hoffnungen Frank- reihs, zu denen vor Allem der Plan einer Industrie-Aus- stellung gehört, ist au<h der Antrag Pronst in der Deputirten- kammer auf Errichtung eines Bureaus der ausländishen Pres\e zu renen, dessen Leitung einer aus Senatoren und Deputirten zusammengeseßten Kommission übertragen werden \oll. Der Antrag wurde allenthalben sehr günstig aufgenom- men, In diesem Preßbureau werden alle größeren aus- ländischen, ganz besonders aber alle deuts<hen Blätter aufliegen, und fähige Uebersezer werden die Aufgabe haben, _ Auszüge in französisher Sprache daraus zu liefern, die, sofor lithographis<h vermehrt, allen Deputirten, und Senatoren zur Verfügung stehen, Bisher hat in Frankreih no<h nie etwas Aehnliches bestanden und die Neuerung findet in politischen Kreisen allgemeine Billigung, und man \{<mei<elt si< gerne

Baron von der

| Volke mehr Energie zu verlangen. Das neue Ministerium kann

Na<hkarn unterrihtet sein werde, als bisher. Die Redaktion de E geht ey A der „Br. Eorresp.* vont Herrn Ernst

audet an Herrn Henri Aron, bisher Mitarbeiter des „I. Débats“ über. 9 9 E

__— Die Erklärungen, welche ‘die Minister Dufaure und Ricard in dem Aus\{huß des Senats für die Amnestie ab- gaben, lauten, der „Köln. Ztg.“ zufolge, in ihren Hauptpunkten, wie folgt: Die beiden Minister haben eine \ehr ernstlihe und genaue Untersuhung über alle Theilnehmer an der Insurrektion vom 18. März anstellen lassen. Dieselbe ergab, daß diejenigen, welhe si< nah London, Brüssel und der Schweiz geflüchtet haben, die Nothwendigkeit einer Vergeltung der Kommune laut predigen, feine Reue zeigen und - mehr zu fürchten find, denn je. Ueber die ‘nah Neu-Caledonien Deportir- ten stimmen die Dosfiers der Polizei Präfektur, die Aus- züge aus ihren Briefen, weldhze man auf dem Marine-Ministe- rium aus denselben machte, die Berichte der Gefängniß-Direkto- ren und des Gouverneurs von Neu-Caledonien darin überein, daß dieselben als „Märtyrer“ die Urtheile der Gerichte nit annehmen, keine Reue an den Taa legen und nur von Rache und Genugthuung träumen. Es if daher unmögli, an eine vollständige oder theilweise Amnestie zu denken. Der Präsident der Republik Zat jedo< die Minister zu der Erklärung ermä: tigt, daß er den Veri-tten, denen, die Reue an den Tag legen, gleih nah der Verwerfung aller Amnesßtieanträge Gnade ange- deihen lassen werde.

Versailles, 31. März. (W. T. B.) Die Deputirten- kammer hat mit 223 gegen 216 Stimmen die Wahl des [egitimistishen Deputirten, Marquis de La Rochejaquelin, für ungültig erklärt, die Berathung über die Wahl des bonapar- tistischen Deputirten, Duc de Feltre, auf morgen, die Ernennung der Budgetkommission auf nächsten Montag vertagt.

Spanien. Madrid, 31. März. (W. T. B.) Der Senat hat dem Könige die beshlosscne Adresse überreicht. Die Regierung hat die Bestimmung erneuert, daß alle Schiffe, die in cinem andern spanischen Hafen, als denjenigen ihres Beftimmungsorts einlaufen, einer Untersuhung unter- worfen werden sollen, es müßte denn dargethan werden, daß sie durch äußere, unabwendbare Umstände gezwungen worden find, einen anderen Hafen, als denjenigen des Bestimmunagsortes, anzulaufen. Den nah dem Auslande übergetretenen Carlisten ift die Vergünstigung ertheilt worden, ihre fahrende Habe zoll- und steuerfrei wieder nah Spanien einführen zu dürfen,

Portugal. Lissabon, 28. März. (K. Ztg.) Das Oberhaus hat der Regierung mit 45 gegen 24 Stimmen sein Vertrauen kundgegeben. Eine Anzahl von Mitgliedern der Opposition in der Deputirtenkammer trifft Vorbereitun- gen zu Volksversammlungen in den Provinzen. Die ministerielle „Revoluçao de Setembro“ érklärt, daß die Minderheit thun möge, was ihr beliebe, wenn sie nur keine Ruhestörungen veranlasse; für die öffentlihe Sicherheit werde von den Polizei- behörden \{<hon gesorgt werden.

Italien. Rom, 28. März. Der „Diritto“ \agt in einem Artikel über die auswärtige Politik des Mi- nisteriums Depretis: . . . Da Herr Depretis mit einèêm fehr liberalen Programme in der Hand zur Regierung gekommen ifi, so brauht er Europa über die Absichten der neuen Regierung niht er zu beruhigen, weil sein Programm ihr die Sympathien Europas sichert, Die liberale Politik des Ministeriums wird in Frankreih, das jeßt ganz entschieden na< einer wahren Wiedergeburt strebt, Hoh angeschlagen werden. Die Reformen, welche ein Volk bei \si<h dur<führt, fommen durh den geheimen inneren Zusammenhang der Schicsale aller Völker au< den anderen zu Gute. Wer das Programm der italienishen Linken mit dem des französischen Premier- Ministers vergleiht, wird manche gemeinsame Punkte enide>en; denn Reform der Verwaltung, Autonomie der Lokal- behörden und Verantwortlichkeit der Beamten find Verbesserun- gen, welche gleichzeitig in Jtalien wie in Frankreih angestrebt werden. Hier wie -dort verlangt man au<h größere Energie gegen die klerikalen Bestrebungen, indem man in Frankrei dem Staate die Leitung des böheren Unterrichts wiedergeben und in Itatien die Verwaltung des Kirhhenvermögens den Laien anvertrauen will, Diese Gemeinsamkeit der Ideen wird die Bande der Freundschaft mit dem liberalen Frankreih enger knüpfen, und dieses wird unseren Reformbestrebungen denselben Beifall schenken, den wir den feinigen entgegenbringen. Auch Deutschland wird das neue Ministerium mit seinem Beifall unterstüßen; denn die innere Politik desselben wird kräftig mit dazu beitragen, daß Deutschland seine Kirchenpolitik energis<h durchführen kann. Die Linke hat die aefällige Nach- giebigkeit und die ängftlihe, fast ganz passive Politik der Re- gierung den Ansprüchen des Vatikans gegenüber, welche das ganze liberale Europa zu wiederholten Malen als gemeingefähr- liG beklagt hat, nie verstehen können. Die neue Regierung wird j2ne Kirhenpolitik, zu wel<her das Ministerium Minghetti na< der Interpellation Mancini's einen \{<wa<hen Anlauf versucht hat, um den Wünschen der Kammer und des Landès nur einigermaßen (und selbst auf Koften seines Pro- gramms) zu entsprechen, ganz ofen und energish verfolgen und zwar mit der Kraft, die fie aus dem Umstande zieht, daß fie dieselbe stets verlangt und versprohen hat. Deutschland wie Frankreih werden diese Politik, aus welher auh<h fie keinen geringén Vortheil \{<öpfen, mit Sympathie und Glü>wünschen begleiten. Auch Oesterreich-Ungarn wird den eingetretenen Ministerwehsel mit Wohlgefallen betraten; denn seine inneren Zustände geben ihm nicht die gleihe Sicherheit, wie fie Deutsch- land besitzt, der ultramontanen Reaktion gegenüber, deren Macht durch jeden Triumph der liberalen Sahe mehr gebrochen wird. Und was wir von Frankreich, Deutshland und Oesterreich- Ungarn gesagt haben, das gilt au<h von England und den anderen Staaten. Die Politik des Auswärtigen Amtes wird dieselbe bleiben ; aber die Aenderung der innern Politik und der große s\o eben vollzogene konstitutionelle Aft wird zum Bor- theil aller freien Völker aus\{hlagen. Die bessere Wahrung der individuellen Freiheit im Inlande wird au<h unseren Bürgern im Auslande zu Gute kommen. Italien wird fi<h den großen Fragen gegenüber, wel<he Guropa gegenwärtig bewegen, nicht zurüziehen, \ondern den Einfluß ausüben, welher seiner von allen Natiznen anerkannten Bedeutung entspriht. Europa hat sogar das Recht, von uns als einem wieder auferstandenen

daher dem Urtheile Europas getroft entgegenschen, und die in- nere liberale Politik desselben, welhe unserem Charakter und unseren Traditionen entspricht, wird mächtig mit dazu beitragen, uns die Sympathien und die Freundschaft aller elen Völker

mit der Hoffnung, daß Frankreih bald besser über seine nächsten

31. Mârz. (V. T. B) Zu Generalsekretären find ernannt worden : Für das Janere: Lacava, für die Finanzen: Scißmitdoda, für döffe:tlihe Arbeiten: Baccarini, für die Iuftiz': Lafrancesca, für das Antwärtige: Torniekli, für die Landwirth- \caft: Branca. Die Ernennung der Generalsetretäre für die E des Krieges, der Marine und des Unterrichts steht no< aus.

__ Türkei. Nahneueren Nachrihten aus der Herzegowina hat die Verhaftung des Ljubobratic durch die öfterreihisHen Behörden in _Imoschi statigefunden. Die von ihm bisher ge- führten Aufständischen haben fih von Ljubuski nah Racitno gezogen, wo fie eine feste Pofition einnehmen. Dieser Distrikt ijt von Truppen nur \{<hwach beseßt, so daß die Insurgenten dort wenig Widerstand finden. In Ragusa find zwei monte- negrinishe Senatoren eingetroffen, um die Flüchtlinge zur Rü>kehr und die unter Peko Paolowih in Grebci fiehenden Insurgenten zur Niederlegung der Waffen zu bewegen.

(W. T. B.)Wie die ¿Politische Korrespondenz“ vom 31. März meldet, treten die Insurgentenführer Sotshiza, Zimunih und Peko Paviovits, in Folge der zwishen dem Statthalter Rodih und den türkishen Autoritäten getroffenen Abmachungen, mit den vom Fürften von Montenegro abzusendenden Sen a=- toren wegen der Verproviantirung von Niksich am nähsten Montag zu einer Konferenz in Grahowo zusammen. Die- selben begeben fih am darauf folgenden Tage über Risano nah der Suttorina unb haben dort wahrsheinlih am Mittwoch oder Donnerstag mit dem Statthalter v. Ro dich cine Zusammenkunft.

Numänien. (W.T. B.) Der „Politishen Correspondenz“ vom 31. Värz wird aus Bukarest gemeldet, daß der rumänische Minister des Auswärtigen mit dem rusfishen General-Konsul über die Grundlagen eines zwis<hen Rußland und Ru- mänien abzushließenden Handels- und Schiffahrtsver- trages übereingekommen und daß die bezüglihe Konvention von dem Minister und dem General-Konsul bereits unterzeichnet worden \ci.

_ MNußland und Polen. St. Petersburg, 31. März. (W. T. B.) Von maßgebender Seite wird mitgetheilt, daß die Korrespondenzmeldungen süddeutsher und öfsterreihisher Blätter Über angebliche Modifikationen in der Regierung des Landes vollständig aus der Luft gegriffen sind, und daß die Leichtgläubigkeit, mit welcher diese Meldungen von der deutschen und österreihishen Presse aufgenommen. und besprochen worden sind, in biesigen Kreisen Aufsehen erregt. Was die Urlaubsreise des Botschafters, Grafen Schuwalow, anbelange, \o sei die=- selbe durh Angelegenheiten von lediglih privater Natur her- beigeführt. : :

Der „Regierungs-Anzeiger* publizirt den zwishen Ruß- land und Japan über den Umtaush der Kurilen gegen Sacalin abgeshlofsenen Vertrag.

Der „Golos“ bespriht in einem längeren Artikel die Herzegowinafrage und deduzirt die Nothwendiakeit, daß die europâäishen Mächte eine friedlihe Intervention zu Gunsten der Christen ins Werk sezten, dabei aber sih jeder Maßnahmen enthielten, die zu einem Zwiespalt Anlaß geben könnten. Das Blatt \pri<ht ih für Ausübung einer c emein=- samen und heilsamen Pression in Konstantinopel aus und weist jeden Gedanken an ein einseitiges Vorgchen Rußlands ent- \chieden zurü.

_ Der „Rußkij Mir“ vom 30. März befpriht in cinem längeren Artikel die Frage, ob es wirkli<h politis<he Parteien in Rußland gebe und kommt dabei auf die von der ¡„Aôln. Ztg.“ angenommene Trennung in altrufsiscze, jung- russishe, nationale und flavophile Parteien und darauf. daß zum Programm der jungrussishen unbedingter Haß und Feind=- \chaft gegen die Deutschen gehöre. Das rusfishe Blatt nennt alle diese Angaben Aus$geburten der Einbildungskraft; die Russen würden im Allgemeinen vom Auslande viel zu gering geshägt, als ein junges, no< unentwi>eltes Volk, dessen Ge Qa O M Weile, M ee Unuetanute Us kunft stürze, die andere fie mit alten Traditionen zu zügeln uhe. Man spre<e von „nationalen“ Bestre- bungen, während fie do<h längst . eine geeinigte Nation sei, die ebensowenig Slavophilen genannt werden könnten, als die Deutschen Germanophilen. Die Russen hätten allerdings ni<ht die staatlihen Formen der Entwikelung wel<he man anderswo für unentbehrlih halte; fie hätten eben kein Verlangen na< Wiederholung jenes <ronishen Kampfes zwishen Staats- gewalt und Gejellschaft, den Europa \{<hon dur{hgemacht oder no< durhmachen werde; . darum seien au<h po- litishe Parteien in Rußland niht denkbar, wie fie im Westen fih mit der Zeit gebildet hätten; der einzige An- tagonismus könne nur zwischen der Bureaukratie und dem Volke stattfinden. Derselbe sei aber zu geringfügig und nur temporär, so daß er keinen Einfluß auf den allgemeinen, zwar langsamen, aber fiheren Gang des rusfischen politishen Lebens ausüben fönne.

Veber die griehi#< - orthodoxe Kirche in den. Vereinigten Staaten bringt dec „St. Petersb. Her.“ cinige interessante Notizen. Im Jahre 1870 wurde danach; die Eröffnung einer temporären HauskirÞhe in New- York unter Leitung des. zur rehtgläubigen Kirche übergetrete- nen amerifanishen Bürgers N. Biering von den Lokalblättern, welche von Protestanten herausgegeben wurden, mit dem Wunsch und der Hoffnung begrüßt, daß dieselbe der erste Schritt zur- Vereinigung der rehtgläubigen Kirche mit der bischöflichen sein. möge. JIezt ist, nah dem „Russkij Mir“, von Bie= ring die Nachricht eingetroffen, daß die in New-York, Chicago und anderen Städten von Nardameriïa lebenden. katholishen Slaven ofen ißre Sympathien für die reh t= gläubige Kirche äußern. Das Dogma der päpfli<hen Un- fehlbarfeit stößt fie von der lateinischen Kirche zurük und läßt fie den Gottesdienst der griechischen Kirche fleißig be= suchen. Ueberdies geben fie beim Gottesdienste deutli zu era kennen, wie sehr sie ihrer Muttersprache der lateinishen den Vorzug geben. In der Absicht, diese Sympathien für die re<tgläubige Kirhe no< mehr zu verbreiten, und in der Hoff= nung, diese zum Vereinigungspunkte des slavishen Elements zu machen, hat Biering fih der Erlernung der slavis en Sprache zugewandt und es fo weit darin gebra<ht, daß er nun einen Sonntag um den anderen den Gottesdien| in slavischer und in englisher Sprache abhält.

Schweden und Norwegen. Stolkholm, 31. März. (W. T. B.) Die französishe Regierung hat den französisch - \<wedis{h - nörwegishen Handelsvertrag zum 23. März 1877 gekündigt und die Eröffnung von Unter- handlungen behufs Abs<lu}es eines neuen Handels=

zu erhalte und zu wahren.

vertrages auf der Basis der Geltung des bestehenden, bis der