1876 / 85 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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rungs-Rath v, Nathufius, der La"‘ges-Bekonomit-Rath Dr. Thiel, sodann cs Vertreter des Fin°.az-Ministers der Landforstmeister Ulri, ferner aus Preuße”, der Vertreter des \{leswig-holstein- ien Haidekultur-Verei-.s B. A. Winter aus Rendsburg, sowie Landdroft v. Quadt aus Osnabrü>, Geheimer Regierungs-Rath Roloff aus Aurih, Wafserbau-Jnspektor Oppermann und Ober- förster Claudiß zus Meppen, Senator Holtermann aus Stad-, Dr. Köpfe au“, Bremervörde, Rittergutsbefizer Rimpau nus Cunrau, Profesor Dr. Mär>er aus Halle, Professor Orth au? Ber- lin, die Abog. Dr, Hammacher, v. Schorlemer-Alft und v. Sau>en- Tarputshe‘'a, Dr. König aus Münster, Baron v. Oft-.n-Sa>en aus Pommern und Baron v. Massenbah aus Ostpreußen. Die oldenburcgishe Staatsregierung war dur<h den Ober-Kammer- Rath Rüder, Bremen dur< Hrn. A. Lammers (Verein gegen das Moorbrennen) vertreten. Die Kommission tagte am 3. und 4. April und beschloß im Wesentlichen Folgendes: Unter finanzieller Mitwirkung von Preußen, Oldenburg und Bremen vereinigen fi< zunächst der Haidekultur-Verein der Provinz Schles- wig-Holftein, die landwirths<lihen Vereine für die Landdroftei Stade, das Fürstenthum Ostfriesland, das Herzogthum Aremberg- Meppen, das Herzogthum Didenburg, das Staatsgebiet Bremen und der Verein gegen das Moorbrennen zur Gründung der erwähnten Versuchsftation. Als Sig der Anftalt wurde mit bedeutender Majorität Bremen in Vorschlag gebraht; an Gründungskosten find 10,000 #, an laufenden Unterhaltungskosten 15,000 4 in Ausficht genommen. Zur Varbereitung der Maß- regeln gegen das Witoorwesen fungirt in Berlin als Cen- tralftelle eine aus 5 ‘Mitgliedern (darunter je 1 Olden- burger und Bremer) beftehenden Kommission, die ih je na< der wehselnden Natur ihrer Aufgaben zeitweilig pafsend verstärken kann. Ihr fällt zu, nah vollendeter Einrich- tung der auf den Nordwesten bes<hränkten Versuchs ftation die Vermittelung des Verkehrs derselben mit anderen preußischen Versuchsstationen; die Herftellung von Moorkarten, die Herbei- Führung einer Statistik der Moorkultur; Vorstudien für admini- ftrative und legislative Maßregeln auf diesem Gebiete, also au für die Beshränkung des Moorbrennens.

Das Ober-Tribunal hatte in einem Plenarbes<hluß vom 16. September 1872 die Anficht ausgesprochen, daß eiue Person, welche unter der Herrschaft des preußishen Strafgesezbuhhes in Folge einer Zuchthausftrafe dauernd der bürgerlichen Ehrenrehte und der Zeugniß- resp. Eidesfähigkeit verlustig ge- gangen, dur die Einführung des Reihs-Strafgeseßbuches, na welchem in Milderung der bezüglichen früheren Strafvorschriften nur no< der Meineid mit dauernder Unfähigkeit, als Zeuge oder Sachverständiger eidlih vernommen zu werden, bedroht ift, die Zeugnißfähigkeit eo ipso ni<ht wieder erlangt hat. Dieser Ansicht des höchsten preußischen Gerichtshofes hat si<h nunmehr au das Reichs-Ober-Handelsgericht, 1. Senat, in einem Erkenntniß vom 22. Februar d. I. angeschlossen. _

E = Eine Deputation aus Hanau, bestehend aus dem Stadtschul - Jnspektor YJunghenn, dem Bijouterie- fabrikanten Carl Ba>kes, Tabaksfabrikanten Otto Hoffe, und dem Rentier Fr. Ziegler, Mitglied des Abgeordneten- hauses, ist hier eingetroffen und hat dem Reich3- kanzler Fürsten Bismar> ein CEhrengeshenk über- reicht. Die Mitglieder derselben waren von dem Fürsten gestern’ zum Diner gezogen worden, zu welhem auch die Mitglieder des Reichsbankkuratoriums und mehrere andere Herren Einladung erhalten hatten.

Der General-Lieutenant Kraft Prinz zu Hohenlohe- Ingelfingen, General-Adjutant- Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Commandeur der 12. Division, hat fh nah On Aufenthalt hierselb in seine Garnison Neiße zurü>- egeben.

S. M. Kanonenboot „Nautilus* is am 5. d. M, von Kiel nah Plymouth in See gegangen.

Insterburg, 3. April. Gestern hat der preußische Städtetag seine Verhandlungen über die neue Städte- ordnung fortgesezt. Nah Beendigung der Berathung ent- \<hied man ih dahin, die für Berlin in Ausfiht genommene Delegirtenkonferenz mit drei Abgeordneten zu beschi>en, zu denen die Bürgermeister Bollmann-Thorn, Korn-Insterburg und Koze- Dsterode gewählt wurden. Als näthster Sig des Städtetages wurde Elbing festgesetzt.

__ Sranfkfurt a. M., 5, April. Gestern fand hier eine zahl- rei besu<hte Versammlung der hiesigen Anwälte unter dem Vorsiß des Iustiz-Raths Dr. Reinganum statt. Dr. Siebert er- stattete den von dem Ehrenrathe in seiner überwiegenden Mehr- heit genehmigten Bericht über den von der Reichs-Justiz-Kom- mission vorgeschlagenen Entwurf einer deutschen Anwalts-Ord- nung. Dieser Bericht sollte nah Beshluß des Ehrenraths den hiesigen Anwälten vorgelegt und alsdann dem deuts<hen An- Waltsverein übermittelt werden. Das Referat stellte vier Punkte auf, wel<e im Prinzip die Freigebung der Advokatur bedeuten und zu deren Annahme \ih die Versammlung im Laufe der Debatte einigte.

Vayern. Münecjen, 5. April, Die gegen die Mün- <ener Landtagswahlen erhobene Reklamation veranlaßte, wie die „Allg. Ztg.“ mittheilt, gestern Abend in der Il. Abthei- lung der Kammer eine mehrstündige Berathung, die jedo<h no< zu keinem definitiven Resultat führte. Man war eben \<ließli< doh< der Ansicht, daß, bevor man auf den Antrag des Abg. Haud>, als Referenten, die Wahlen zu fassiren, eingehen könne, weitere Erhebungen, bezw. Akteneinsiht, erforderlih \eien. Dem- zufolge wurde in spä!er Abendftunde die weitere Behandlung der Frage vertagt. Das Abgeordnetenhaus setzte heute

die Berathung des Hundesteuergeseßes fort und nahm \<ließ;lih das ganze Geseß mit 126 gegen 20 Stimmen an. ¿

Sachsen. Dresden, 6. April. Die Erfte Kammer

beendete heut die Berathung des Etats des Kultus-Minifteriums und bewilligte fast sämmtlidve Poftulate in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Abge orduetenhauses. Das Leys tere beshäftigte sich mit Petitio1en.

Hessen. Darmstadt, 5. Apcil. Der Großherzo g stattete

heute Nachmittag der Königin von Großbritannien und Irland in dem Palais des Prinzen Ludwig einen halbstündigen Besuh ab, Da die Freigebung des Gewerbe-Betriebes im Umherziehen dur<h die Reihs-Gewerbe-Ordnung an manchen Orten in Hessen eine Schädig.tig der stehenden Ge- werbe dur die sog. Wanderlager ergeben Hat, so ist Seitens des Abg. Hirshhorn der nach der Reichsgeseÿgebung nicht aus- ges{lossene Antrag gestellt worden, die Regiexung, im Hinbli> auf das Vorgehen anderer deutshen Staaten, unr : s<leunigste Vorlage eines Gesezes über anderweite bößere

ejzzeuerung

Wandeclageék zu ersu<hen. Das Ober-Konfisioriui hat eine Infirukti-n für die Erhebung der allgemeinen eva ngelishen Kir enfteuer ertheilt. Hiernah erfolgt deren Berechnung in dev. Hebelisten für die Gemeinde-Umlagen, und sie wird von >,em Gemeinderehner mit den übrigen Umlagezielen erhoben und in den Central-Kirchenfonds einbezahlt.

Lippe. Detmold, 5. April. Die Wahlen zum Landtage find mit der vorigen Woche beendet, und es find gewählt worden 7 Fortshrittsmänner, 2 Nationalliberale, 3 Kon- servative und zwei, die keiner der genannten Parteien angehören.

Desterrei{-Ungara. Wien, 4. April. Der „Prag. Ztg.“ wird von hier geschrieben: Die Verhand- lungen mit den ungarishen Ministern nehmen ihren ununterbrohenen Fortgang. Obwohl über die Details der Verhandlungen ni<hts verlautet, \so is die Thatsahe do<h bemerkenswerth, daß troy der wenig

freundlihen Haltung der ungarishen Presse die hiesigen Blätter über den Verlauf der Verhandlungen nur Günftiges zu berihten wissen und \< darin durh keine Provokation eines ungarishen Blattes beirren lassen. Die Diskussion auf wirths<haftli<hem Gebiete bewegt sich gegenwärtig bereits in ruhigeren Bahnen, die auch der einen Moment lang irritirte Geldmarft einges{hlagen hat. Die Frage der Goldwährung, welhe die „N. Fr. Pr.“ aufwirft und mit allem Nachdru>e vertheidigt, findet immer entsciedenere Be- kämpfung und ift es bemerkenswerth, daß au nit ein Organ, ausgenommen das genannie, für jene Maßnahme eintritt. Die „Presse“ hält es heute sogar für angezeigt, den Gedanken, als könnte mit der Umwandlung der Silberzinsen in Goldzinsen aden eine Zinsenreduktion eintreten, mit allem Nachdru>e zurük- zuweisen.

Wien, 6. April. (W. T. B.) In dem heute Nahmittag unter Vorsiß des Kaisers stattgehabten gemeinsamen Mi- nisterrathe ist das gemeinsame Budget pro 1877 end- gültig festgestellt worden. Die Verhandlungen über Er- neuerung des Zoll- und Handelsbündnisses beginnen erst übermorgen wieder, da morgen no<h Sachverständige gehört werden sollen.

Lemberg, 5. April. Um dem Landesfonds die mit der Vertagung des Landtages bis nah Ostern verbundenen bedeu- tenden Auslagen zu ersparen, hat der Landmarschall im Einver- nehmen mit dem Statthalter beschlossen, die Erledigung der Landtagsangelegenheiten zu beschleunigen und den Schluß des Landtages vor Ostern vorzunehmen. Von heute ab werden tägli<h Doppelfizungen stattfinden. Das Präliminare für den Landes\chulfonds weist ein Erträgniß von 338,842 Gulden aus, das Defizit beträgt 251,747 Gulden.

Prag, 5. April. Die Landtagskommission zur Berathung der Universitätsfrage hat heute ihre Berathungen ges{<lo}sen. Die Kommisfion erkennt die Billigkeit des Wunsches auf Er- rihtung einer czehishen Universität an, deren Gründung sei jedo< günstigeren Zeiten vorzubehalten. Die Kommisfion er- kennt ferner das Bestreben der Regierung an, die Gleihbere<- tigung an der Universität d&r<zuführen, und beantragt, die diesbezüglihen Petitionen der' Regierung abzutreten. Die jung- czechischen Mitglieder traten diesem Antrage bei.

Pest, 5. April. Der „Pester Korrespondenz" zufolge hat s< im Verlaufe der bisherigen Konferenzen der ungarischen und der diesseitigen Minister kein Anlaß ergeben, wel<her den einen oder den anderen Theil berechtigt hätte, sh auf den Standpunkt des „Non possumus“ zu begeben, welcher in man- <en Blättern sowohl dies wie jenseits der Leitha empfohlen wurde. Die „konferirenden Minister \o fügt das genannte Blatt hinzu hegen offenbar eine an Ueberzeugung grenzende Hoffnung, das neue Zollbündniß zu Wege zu bringen, ohne daß das eine oder andere Kabinet mit der Demissioa als ul- tima ratio aufzutreten nöthig hätte.“

Großbritannien und Jrland. London, 4. Apr. (E. C.) Der Bericht über die Cave'\che Sendung nah Aegypten liegt nunmehr vor, und stellt \i<h weder so günstig dar, als die Freunde, no<h f\o un- günstig, als die Gegner des Khedive prophezeit hatten, Auf- regende Enthüllungen und Neuigkeiten enthält das lange Akten- flú> keineswegs, und was über die ägyptische Verwaltung ge- äußert wird, war jedem Beobachter der Tagesereignisse zur Genüge bekannt. Herr Cave entwi>elt zunächst die Ursachen, welchen die heutige Lage der ägyptischen Finanzen zuzuschreiben ist, dann sfegt er diese Lage selbs auseinander, und \<ließli< folgen seine Vorschläge zur Abhülfe. Es werden im E'nzelnen die Fortschritte des Landes: Zunahme in Aus- und Einfuhr, der Staatseinnahmen, allgemeine Zunahme der Bevölkerung, Gründung von Schulen und Verbesserungen des Unterrichtêwesens mit größter Genauigkeit aufgeführt, und die Verdienste des Khedive nah Gebühr gewürdigt. In Finanzsachen klingt die Sprache des Berichterstatters streng. Er zeigt, „wie Aegypten zugleih unter der Unwissenheit, Unehrlichkeit und Ver- \<wendunc des Orients und unter den gewaltigen Ausgaben gelitten habe, welche voreilige und unüberlegte Versuche zur Ein- führung westlicher Civilisation nah sich zogen.“ Er entwi>elt, wie der Khedive „mit beshränktem Einkommen in wenigen Jahren Unternehmungen zu Stande zu bringen versucht hat, welche sh über eine lange Periode vertheilen sollten“. Von der Behandlung der ländlichen Bevölkerung und der Art der Ad- ministration der Privatgüter des Khedive wird Bekanntes gemeldet. Hrn. Cave „scheint es unmögli, daß diese Privats- güter jemals einen angemessenen Ertrag des aufgewandten Kapitals einbringen sollen.* Der Bericht haraftterifirt dann die Staats- verwaltung und Bu<hführung und weist nach, daß beinahe Alles, was Aegypten eingebracht hat, an Verwaltungskosten, Tribut für die Pforte und „Arbeiten von unzweifelhaftem oder zweifell)aftem Nugzen aufgegangen und für die ganze Schuld Nichts als der Suezkanal aufzuweisen sei. Was niht auf diesen aus den An- leihen verwandt wurde, is an Zinsen und Tilgungsfonds auf- gegangen. Die Anleihe von 1873 sollte die hwebende Schuld absorbiren, allein diefe bleibt nah wie vor Aegyptens \{<werste Last , und Hr. Cave sieht nur eine Rettung in der Konsolidirung und Konvertirung der Anleihen von 1860 und 1873 und der \{<webenden Schuld: „Die unerläßlihe Bedingung des Erfolges dieser Operation wäre die Ernennung einer Vertrauensperson, wie des von der britis<hen Regierung hinausgesandten Finanz- ageiten, zum Haupt eines KFontrolldepartements für Erhebung und Einnahme der Steuern,“ Die Inspektoren dieser Behörde würden die Einnahme und die Einnehmer zu überwachen und das Volk vor Unterdrü>ung zu {<hüßen haben. „Schließlich

des Gemwezbebetriebes im Umherziehen, insbesondere der sog. *

sollte fich au< der Khedive anheishig machen, ohne Zustimmung des Kontroilldepgrtements keine neuen Anleihen aufzunehmen.“

„Die Eirizelheiten können festgestellt werden, w-nn man über

das Prinzip einig geworden ist.“

Der Herzog von Edinburgh ist gestern hier ange= kommen. Die rä<hen Geschenke indisher Fürsten und Städte, welche der Prinz von Wales aus dem Orient nah Hause bringt, werden hier in zwei Museen, dem neuen, indischen Museum zu South Kensington und dem Bethnal-Green Museum, ausgestellt werden.

5. April. Im Unterhause ift gestern festgeseßt worden, daß derFawcettshe Antrag gegen den indischen Kaisertitel, der mit dem Antrage Lord Shaftesbury's im Oberhause über- einstimmt, am 10. zur Verhandlung und zur Abstimmung ge- bracht werden soll. Eine lebhafte Diskussion fand ferner statt über den Sklavenhandel zu Lande im Gebiet des Sultans von Zanzibar; dieser Handel soll fi seit dem Vertrage von 1873 ftark entwi>elt haben und wurde die Regie- rung um Sritte dagegen gebeten, was der Unterstaats- Sefretär im Auswärtigen Amte, St. Bourke, au< in Aussicht ftellte. Uebrigens hat erst jegt ein englishes Schiff an der Küste von Mozambique ein Sklavenfloß aufgebra<ht und 103 Sklaven befreit. Auch hat der Sultan eine Proklamation gegen den Sklavenhandel erlassen.

(E. C.) Der Cave'’sche Bericht über Aegypten wird seit seinem Erscheinen in sämmtlihen Blättern aufs lebhafteste erörtert. Was zunächst die politishe Seite der Cave’schen Misfion anbelangt, fo spaltet ih die öffentliche Meinung streng nah den Linien der zwei großen Parteien. Sämmtliche liberale Blätter erklären heute die ganze Mission für eine verfehlte Speku- lation. Jnsbesondere werden der Regierung Vorwürfe gemacht, weil sie dur< \{<wankende Haltung hinfichtlich Veröffentlihung des Berichtes Anlaß zum Börsenspiel gegeben habe. Ueber den Inhalt des Berichtes sind die Stimmen ebenfalls getheilt, nur ift hier die Trennung eine andere. „Daily Telegraph“ und „Pall Mall Gazette“, die die Finanzen und die Lage Aegyptens in günstigem Lichte sehen, weisen auf den Bericht als glänzende Bestätigung ihrer Ansihten hin. Andererseits citirt die „Times“ das Aktenstü> als \{<lagende Bekräftigung ihres ftets absprehenden Uriheils über Aegypten, welhe un- günstige Ansicht ah von der Börse getheilt wird.

6. April. (W. T. B.) Im Unterhause erklärte der Unterstaats\efretär im Departement des Auswärtigen, Bourke, auf eine Anfrage Goldsmids, die Regierung habe von der \pa- nishen Regierung die Befreiung der britischen Staatsangehörigen von der Kriegs steuer verlangt, die \panischeRegierung habe zugesagt, daß sie die Sache in Erwägung zie- hen wolle. Auf eine andere Anfrage Gourleys erklärte Northcote, England habe keine Verpflihtung zu Finanzmaßregeln für Aegypten Anleitung zu geben, auch habe dér Khedive keinen darauf bezüglihen Antrag gestellt, Wilson sei, als er im Dienste des Khedive gestanden, zu Ertheilung von Aufshlüssen über die Ansichten der englishen Regierung nicht verpflichtet gewesen. Ferner erklärte Northcote auf eine Anfrage Hartingtons, die Verhandlungen mit den betheiligten Mächten über die Tonnen- gelderabgabe im Suezkanal würden fortgesegt.

Franfrei<. Paris, 5. April. Die Aufhebung des Belagerungszuftandes ift heute Morgen offiziell angezeigt worden. Die nächste Folge ist zuerst die freiere Bewegung der Presse, welche neue Blätter ins Leben rufen wird, Indessen ist die konstitutionelle Republik stark genug, die Angriffe ihrer Gegner zurü>zuweisen; das Gese, welches die Presse regelt, ift mehr als hinrei<end, um etwaige Excesse zu zügeln.

Die neuen Präfekten haben bei ihrer Ankunft in den Departements Ansprachen an die Maires gerichtet, welche, wie das „I. d. D.“ meint, die höchste Anerkennung verdienen ; sie haben zum ersten Male den Namen der Regierung auszu- \sprehen gewagt, der sie dienen und haben sich als ebenso republifkanis<h wie fkonservativ gefinnt gezeigt; fie erklären, wie der Präfekt der Oberen Garonne, die heiligen Geseze der Religion, der Sittlichkeit und der Familie als Grundlagen der civilificten Gesellshaft, nennen die Regierung keine Partei-Regie- rung, und daß ihr Prinzip die Ordnung, der Vriede, die Ein- tracht sei.

Auÿ eine andere Rede hat nah dem „I. d. D.“ einen sehr beruhigenden Eindru> gemacht, nämlich die, mit welcher Gambetta den Vorfiß in der Budgetkommission über- nommen. Das genannte Blatt nennt sie eine Rede voll-Weisg- heit und guter Vorsäße. Gambetta spricht es aus, daß die Regierung allen legitimen Interessen volle Sicherheit gewähre, und daß nur die Freunde der Unordnung letztere ungenügend finden könnten; die fkriegerishe Periode sei überftanden, die Politik eine friedlihe, ruhige, so daß \i< alle Sorge und alle Bemühungen einzig auf die Förderung der materiellen und moralis<hen Interessen wenden könnten. In die- sem Sinne nennt au<h das „J. d. D.“ die beabsichtigte Pariser Weltausstellung eine der Welt gegenüber übernommene Ver- pflihtung niht nur den Erzeugnissen aller Länder ein sicheres Asyl zu geben, sondern au<h selbft das Schauspiel einer voll- kommenen Ruhe und Friedfertigkeit zu gewähren.

Aus der Provinz lassen vielfache Mittheilungen erkennen, daß die dortizen liberalen Wähler von dem Auftreten der Kammer gegen die Ultramontanen in hohem Grade befriedigt sind.

Einer Deputation von republifanis<hen Abge - ordneten, welche dem Minister Ricar d ihre Wünsche betreffs der Präfektur- und Bürgermeifterfrage vorlegten , hat derselbe ebenso wohlwollend als liberal geantwortet und erklärt, daß wenn nah Oftern ein neues Gemeindegeseß zu Stande kommen würde, er bis Ablauf dieses Jahres alle Gemeinderäthe durh< Neuwahlen erneuern wolle. Zunähst wird ein zweiter Wechsel in den Präfekturen stattfinden und zwar soll derselbe neue Absezungen, einige Zurdispositionsstellungen und einige zwanzig Verseßungen umfassen.

Der „Temps“, eines der leitenden Organe des linken Cen- trums, knüpft an die dur die Wahl des Grafen Mun und andererseits dur< die jüngste Prälatenversammlung in Paris aufgeworfene Frage folgende Betrachtungen: „Die unter dem Pontifikate Pius IX. in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat eingetretenen Shwierigkeiten haben einen zu ernsten Charakter, sie verrathen eine zu tiefsgehende Veränderung in den Grundgesezen, auf welhe das gute Einvernehmen zwischen der Kirche und der weltlihen Macht gebaut sein soll, als daß \i< noh länger ein Verfalltag hinhalten ließe, den der Klerikalismus nur noh zu beschleunigen bemüht ist. Wir werden somit, wie zu besorgen steht, für die Unvorsichtigkeiten der früheren Regie- rungen und namentlih des Kaiserlihen Regimes büßen müssen. Die Bewegung, die uns heute einem mit Recht ge-

fürhteten Abhange zutreibt, hätte no<h gehemmt werden können, wenn man es verstanden hätte, sfi<h dur< gute Bischofswahlen, durch eine feste und regelmäßige Bekräftigung des Konkordats gegen die ras< aufeinander folgenden Üebergriffe zu wahren,

Diese Uebergriffe haben allmähl; die unumgänglihsten Grenz- linien verwisht und die ehrmürdigsten Ueberlieferungen unserer Landesgeistlichkeit einer Art von Weltbürgerthum geopfert, das beinahe unwiderstehliß den Ungehorsam gegen die Staatsgeseze nah fih ziehen mußte. Der Kultus-Minister nimmt si, wie er gesagt hat, vor, zu ermitteln, ob dieser Ungeborsam wirkli< existirt. Daß er existirt, ist leider nur zu wahr, und man darf si<h nit verhehlen, daß er {on zu lange geduldet worden ist, als daß man an eine sofortige Abhülfe, wie sie no< vor zwanzig Jahren mögli<h gewesen wäre, denken dürfte. Die gallikanishe Kirche, die Pius VII. als die gesezlihe Grund- lage des Unterrichts in den französishen Seminarien anerkannt hatte, ist nur no< eine Erinnerung; die, welche sie noch zu üben wagen, werden des liberalen Katholicismus beschuldigt, von den Bischöfen und dem Vatikan auf den Index geseht. Wozu erst eine Untersuchung, ob diese Lehre in den Seminarien vorgetragen wird? Es ist längst ausgemacht, daß man sie dort als eine Kegzerei verpönt. Und das Konkordat? Wer Hat fich daran gekehrt, als es \si< darum handelte, in Frankrci jene Doktrinen aus einer andern Welt, die im Syllabus zusazmen- gestellt sind, zu verkünden? Haben in jenem entscheidenden Augen- bli>e die Bischöfe und die Regierungen, nicht dieselbe Gleichgültigkeit für den Art. 1 des Geseßes vom Germinal des Jahres X, an den Tag gelegt, welcher verbietet, in Frankreih irgend ein Breve oder Reskript der römischen Kurie, das niht mit der Ermächtigung der Regierung versehen is, aufzunehmen, zu veröffentlichen oder zu dru>en? Der Syllabus is einfa<h über diese Vorschriften hinweggesprungen, die Regierung hat ihn gewähren laffen und die gallikanische Lehre si< eines Tages dur<h eine Lehre von jenseits der Berge erseßt gesehen, die unserer Verfassung zum Troß eingeführt worden und bestimmt ift, in die Grundlagen unseres öffentlihen Re<hts Bresche zu legen. So hat si< die ultramontane Sagung unter dem erstorbenen Auge einer dahin- siehenden Regierung der französishen Saßung gegenüber aufge- rihtet. Die Nationalversammlung von 1871 hat diefe gefährlich? Nebenbuhlershaft nur no<h begünstigt. Heute stehen uns ihre traurigen Wirkungen vor Augen. Sogar die öffentlihen Ge- walten sind davon beunruhigt. Aber vermögen fie etwas dagegen und wie? Der Kultus-Minister hat erklärt, daß die Regierung die Pflicht hat, die klerikalen Ueberschreitungen zu ahnden. Welche Mittel ftehen ihr zur Verfügung? Ein einziges, der Appell wegen Amtsmißbrauchs, d. i. ein platonischer, jeder Sanktion entbehrender Rekurs. mit männliher Entschlossenheit ins Auge! Die Mißbräuche, worüber man si<h beklagt, find sehr bedenklih und voller Ge- fahren; aber sie sind das Ergebniß einer \{<on alten Usurpation, einer ve:wegenen Besißnahme, vor der die Landesgeseße sich \o lange geneigt haben, daß sie heute niht mehr im Stande sind, sih aufzurihten. Man darf bezweifeln, ob der Kultus-Minister mit diesen abgenußten und verdorbenen Waffen noch etwas wird anfangen können. Wenn daher die Regierung den Augenblick für gekommen hält, dem Uebel abzuhelfen, so wird fie kaum umhin können, bei den Kammern die geeigneten Mittel dazu na<zusu<:n und wirksame Vorschriften an Stelle folcher zu seßen, die es längst ni<ht mehr sind.“

Die „Republique française“ charakterisirt die Stellung der Majorität der Deputirtenkammer gegenüber den Klerikalen wie folgt: „Sie tritt ebenso entshlossen dem Umfichgreifen der Klerikalen als den Verschwörungen der Bonapartisten entgegen. Sie wird weder die Herrschaft des Vatikans no< die des Appells an das Volk hinnehmen. Sie hat in ihrem Votum über gewisse Wahlen deutlih ihre Ge- sinnung augegesprohen und z. B. anläßlih derjenigen des Herrn von Mun gezeigt, daß fie gewillt ist, der Thätigkeit der allzu eifrigen Mitglieder der Kirhe ein Ziel zu schen. Nicht als ob die republikanishe Majorität der Religion auh nur im geringsten abhold wäre. Nur der böse Glaube oder die Albernheit können eine \ol<he Anklage wider sie vorbringen. Die Majorität ift im Gegentheil voll tiefer Ehrfur>&t für die Reli- gion, allerdings für die rihtig verstandene, nämlich die Retigion, welhe sih nur mit den Bedürfnissen der Seele, niht aber mit den materiellen Interessen dieser Welt beschäftigt. Uebrigens hat die republikanische Partei einen sol<hen Unterschied jederzeit fest- gehalten. Nie hat fie ¡die Religion bedrücken, nie irgendwie die freie Kultusübung hindern wollen. Die römischen Sektircr sind es, die si<h in ihrem Vergrößerungstriebe beengt fühlen, wenn ihnen re<htmäßige Schranken gezogen werden: dann klagen sie über Verfölgung und Märtyrerthum, wohl wissend, daß dies tas beste Mittel ift, eine gewisse Theilnahme zu erregen , die ihren weltlißhen Unternehmungen fiherlih verweigert würde.

Die republikanishe Majorität des Abgeordnetenhauses kann jedoh nit ernstli<h böswilliger Absichten auf die Religion ver- däutigt werden. Die Haltung, welche sie seit der Eröffnung der Session beobachtet, ist die beste Widerlegung dieser lächer- lihen Beshuldigung. Sie hat deutli erklärt, was sie will, und sie wird dieses ihr Ziel verfolgen, ohne ih von eitlem Geschrei davon abwendig machen zu lassen; fie will den Priester wieder an seinen Plaß segen, ihn auf die Kirhe beschränken, wo er frei seine Dogmen foll lehren und seinen Kultus üben können ; aber man wird ihm verbieten, \< auf den öffentlihen Plaz vorzu- drängen, um sih an den leidenshaftlihen Kämpfen der Politik zu betheiligen, um zu versuchen, bald zu Gunsten der einen, bald der anderen Partei maßgebend auf den Ausgang hinzumirken. Der Priester, der Mann des Friedens und Ia Eintracht, soll niht für die Einen gegen die Anderen Partei ergreifen, ih nicht in den Streit um perfönlihen Einfluß mischen und, wie man dies {on erlebt hat, als Wahlmakler auftreten, um im VInteresse der kirhlihen Lage in die Beschlüsse des allgeneinen Stimm- re<ts einzugreifen. Das ift es, was die republikanis<he Majorität der Kammer entschlossen ist, niht zu ertragen. Sie wird den Geiftlichen, wel<he ihrem Beruf gewissenhaft -und mit weiser Mäßigung obliegen, mit aller Ahtung und Sympathie entgegen- kommen; aber fie wird gegen offene oder heimliche Uebergriffe, wel<e darauf abzielen, die Rollen zu verwe{seln und in der Gesellschaft gefährlihe Verwirrungen hervorzubringen, mit un- erbittlicher Festigkeit vorgehen. Die wahrhaft politishen Män- ner können diese Haltung der Majorität nur gutheißen. Sie ist der Vorbote einer ruhigen und friedlihen Zeit; denn man darf niht übersehen, daß seit einigen Jahren nichts die GeseUschaft stärker aufgeregt hat, als gerade der Krieg, welchen die Führer des Ultramontanismus gegen die modernen Einrichtungen, und namentli<h gegen den Geift der franzöfishen Revolution vor aller Welt betrieben haben. Die bedauernswerthe Nahsicht der vorigen Kammer hat all das Uebel angerichtet; Dank der aus- nehmenden Schwäche, die sie der römischen Kurie gegenüber an den Tag gelegt, hat der Antagonismus Verhältnisse erreicht, zu denen man es nie hätte kommen lassen sollen. Wenn diese Kammer noch einige Iahre fortbestanden häite, so würden wir ein wahres Schisma in Frankrzih erlebt haben. - Die Ereig- risse haben uus davor bewahrt und wir sind heute im Besitze

Fassen wir also die Dinge

eines Parlaments, das die so bedenklih ershütterte Eintracht wieder [ herzustellen vermag: es wird dies nicht versäumen, die Umstände find günftig, die Herzen ershließen si< dem Vertrauen, das Land harrt freudig des Antriebs, den seine Vertreter ihm werden geben müfsen.“

Türkei. (W. T. B.) Die „Politishe Korrespondenz“ vom 6. d, M. meldet aus Ragusa, daß die Insurgentenführer Vufkalovich, Pazevic, Gjuriczic, Zimunic, Radovic, Perovic und Sotfchitsha mit 20 anderen hervorragenden Unteranführern am 9. in der Suttorina eingetroffen seien. Am Abend habe fich denselben der russishe Agent Bozedar Wesselitsky als mit Voll- machten des rusfishen Reihskanzlers, Fürsten Gortschakoff, ver- sehen vorgeftellt und den versammelten Insurgentenführern er- klärt, der Kaiser von Rußland rathe ihnen in der ernsftesten und bestimmtesten Weise, Frieden zu mahen und die von dem Sultan zugesihertezn Reformen gutwillig anzunehmen. Die In- surgentenfüßrer hätten darauf erklärt, daß, sie über die Eröff- nungen Wesselitsky's im Laufe der Naht eine Berathung ab- halten wollten.

Nußiand und Polen. St. Petersburg, 3. Avril. Die (von uns telegraphish bereits erwähnte) Mittheilung des „Regierungs-Anzeigers“ über die Reisedispositionen des Kaisers lautet wie folgt:

Se. Majestät der Kaisec wird gegen Ende des Monats April eine Reise nah Ems antreten und bei dieser Gelegen- heit eiwa drei Tage in Berlin verweilen. Aus Ems begiebt sich Se. Majestää nah Iugenheim. Gegen die zweite Hälfte des Juni von der ausländischen Reise zurü ekehrt, wird Se. Majestät dann bis zur Mitte des August, è h. bis zum Shluß der Lagerübungen der Truppen in Krafnoje-Ssfelo, in der Umgebung der Refidenz seinen Aufenthalt nehinen.

Desgleichen während des diesjährigen Sommers beabsichtigt Se. Majestät Helsingfors zu besuhen; au<h wird einem Besuch des Kaisers von Brasilien und des Königs von Dänemark, sowie des Prinzen und der Prinzesfin von Piemont in der Re- sidenz entgegengesehen.

In der zweiten Hälfte des August begiebt sich Se. Majestät na< Warschau und wird dann auf dem Wege in die Krim an einigen anderen, zu Truppenkonzentrationen bestimmten Orten Revuen abhalten. Gegen Ende des Herbstes ge.uhen Ire Majestäten der Kaiser und die Kaiserin aus Livadia zurü>zu- kehren und ihren Winteraufenthalt in St. Petersburg zu nehmen.

6. April. (W. T. B.) Der Kassations3hof des Senats verhandelte gestern über die Appellation des Kom- merzien - Raths Owsjannikoff gegen das Schwurgerichts- urtheil, wel<?s denselben wegen Brandstiftung zur Verbannung nah Sibirien verurtheilt. Die Verkündung des Urtheils wurde vertagt.

Das „Journal de St. Petersburg“ bespriht den Artikel der „Times“ über die Nichteinlösung der am 1. d. M. fällig gewesenen türkis<hen Coupons und konstatirt bei dieser Gelegenheit, daß der Mangel an Voraus\iht auf Seiten der türkishen Verwaltung das Haupthinderniß sei, das die An- strengungen der Mächte im Interesse der Pforte vereitele.

Die russishe „St. Petersburger Zeitung“ wendet \i gegen die Artikel englischer Blätter, in denen der rus sishen Presse eine gegen das Dreikaiserbündniß gerichtete Ten- denz beigemessen wird. Das Blatt drü>t sein Erstaunen über diese unfruhtbaren Agitationen aus und meint, daß \ih der- gleichen felbst aus der mangelnden Kenntniß der obwaltenden Verhältnisse nur shwer erklären ließe.

Nr. 14 des Justiz - Ministerial - Blatts für die Preußische Gesetzgebung und Rechtspflege, herausgegeven im Bureau des Justiz - Ministeriums, enthält einen Plenarbeschluß des Königlichen Ober-Tribunals vom 20. Dezember 1875 betréf- fend die Stempelsteuer für den Einshuß nicht in baarem Gelde be- steheade: Einlagen bei Aktiengesellschaften,

Nr. 16 des „Beiheft zum Marine-Verordnungs- Blatt" cnthält: Torpedeversuhe in Toulon 1875 (Eldorado). Das eng!ishe Admiralitäts-Cirkular Ne. 11 de 1875. Ueber Seetakiik. Von Ferdinand Attlmayr, Professor an der K. K. Marine- Akademie, ehemaligem K. K. Korvetten-Kapitän. Englishe Küsten- Nebelsignale. Ueber das Schießen von bewegtem Schiffe. Uzber die Bestimmung der Drehkreise eines Schiffs. Welche Gedanken müssen wir der Taktik für das Gefecht zuc See künftig zu Grunde legen? Zusammenstellung der Erfahruvgen im Verwundetentrans- port beim Uebungszgeshwader 1874 uud 1875.

Landtags- Angelegenheiten.

Berlin. Die XI. Kommission des Hauses der Abgeordneten hat den Bericht über den Entwurf eines Gesetzes, betref- fend die evangelische Kirchenverfassung în den act ältereu Provinzen der Monarchie erstattet.

Statistische Nachrichten.

Nach Mittheilung des statiftishen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 26. März bis incl. 1, April cr. zur Anmeldung gekommen: 329 Eheschließungen, 861 Lebendgeborene, 33 Todtgeborene, 459 Sterbefälle.

Dem fkärzli<h von dem KönigliG s{<w-dis<en Kommerz- follegium veröffentlichten Bericht über S<hwedens Bergwerks- und Hüttenbetrieb im Jahre 1874 entnehmen wir Folgendes : Obwohl S{wedens Bergbau von dem in den leßten Jahren einge- tretenen Konjunkturwedsel auf dew Metallmarkte niht ganz unbe- rührt geblieben ift, fo zeigen die für das genannte Jahr vorliegenden Ziffern do noch ieinen fo wesentlihen Rü>gang, wie die Bergbau- statistik mehrerer anderer Länder zu verzeichnen gehabt hat; in einzelnen Richtungea hat der s{<wedis<e Bergbau sogar beträhtlihe Fort- schritte gemacht. l L 21,693,0C0 Ctr. gewonnen, der größte bither ecreihte Ertrag. Kopvar- Fergs Län lieferte von diesem Quantum 6,088,193 Ctr. (ca. 28/5) uad Oerebro Län 5,744,996 Ctr. (ca. 264%/). Die Gußeisenproduktion betrug gegen 7,575,400 Ctr., und 137,390 Ctr. wurden bei den Schmelz- ófen direkt zu Gußwaaren verarbeitet. Gegen 1873 _hat die Pro- duktion um ca. 959% abgenommen. Die Stangeneisenfabrikation 3,943,872 Ctr., hat seit 1870 um 1379/9 abgenommen ; die Stahl- fabrikation dagegen 539,866 Ctr., hat si< gegen das Vorjahr um mehr als 35 °%/o und gegen 1870 um über 880%/ vermehit. An Bessemerstahl wurde allein ctwas über 4 Mill. Ctr. produzirt. Die Habrifation aa Essen und Stahimanufaktur ist mit 805,147 Ctr. angegeben, gegen 1873 eine Verminderung um <a. 11 9%. Es wurden ferner an anderen Erzen gefördert: aus 38 Gru- ben 287,027 Ctr. Silber- und Bleierze; aus 40 Gruben 678,3165 Ctr. Kupfererz; aus 23 Gruben 663,3647 Ctr. Zinkerz; aus 8 Gruben 106,580 Ctr. Ni>elerz und aus 3 Gruben 90,445 Ctr. Schwefelkies, Während leßtere Produftion

in sehr rascher Zunahme begriffen ift (1870 nur 6000 Ctr., 1873 ca. 60,000 Citr.), nimmt dagegen die Kupferfabrikation von Jahr zu

An Eisenerz wurden in 696 Gruben gege

Jahr ab; in den leßten {ünf Jahrea ist dieselbz von 43,853 Tt auf 22,574 Cir. Zhecuntergegangen. An Gold wurdza Ti Piund un an Silber 1740 Pfuad gewonnen. Die Steinkohlenzewinnung {ei tet langsam, aber siher vorwärts; es wurden 2,729,610 Kubikfuß oder z’emli< 1 Mill. Kubikfuß mehr, als in 1870 gewonnen. Bi dem Bergwei?s- und Hüttenbetriebe waren in 1874 28,557 Arbeiter beschäftigt; davon beinahe 7500 bei den Eisengruben und 16,859 bi den Eisenwerken.

Kunst, Wissenschaft und Literatur. Kunst und Alterthum in Elsaß-Lothringen. Be- schreibend2 Staitiftik im Auftrage des Kaiserlichen Ober-Präsidiums von Elsaß-Lothringen. Herau3g?-geven von Dr. Fcanz Xaver Kraus, 1, Band, 1. Abth. Straßburg, C. F. Schmidts Universitäts-Bucb- handlung. Friedrih Bull. 1876. Dr Plan des Werkes ist ein dein Bedürfniß oder der Bequemlichkeit entsprechend lerikographis<er. Die Otte werden in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt, ihre ältzrn ucfundli datirten Namen beizefüzt. Die aufgefundenen Jn- \{riften und sonstigen Alt-fthöm:r nebft ihrec Literatur werden er- wähnt; dann die Baudenkmäler, sehr viele in Grund- und in Deta:l- zeihnungen furz beshrieben, und ißr2 Geschichte und Literatu-z g2ges ben. Es wird dabei aufmerksam gema>t auf Eizenthüunlichkeiten

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des Baues, auf das Mobiliar, auf Gemäide, Altarzeräthe uud andere Gegeastände der Kleinkünste, Nicht minderc werden die bürgerlichen Wohn- und Rathhäuïer, denen

fih uoG viele ausgezeihaete aus dec gothichen und aus der Zeit der Renaissance in den großzn und kleinen Städten der Ebene erhalten haben, so wie die stattli<hen Burgen, welche die Ver- höhen der Vogesen in so reicher Zahl beseßt halten, aufgeführt und beschrieben. Das prachtvolle Sandsteinmatexial erlaubte, bei den Befestigungsbauten einen s{<w ren kräftigen Charakter mit feinen zeitbestimmenden Detailausführungen zu verbinden.

Wenn das Buch an si<h und dur< diz sorgfältigen literarifHea Nachweise Jedem, der si< zu Hause über die Bauageschihte jenes Landes unterri<ten wikl, alle Hülfe bietet, so ist es für den reiseuden Kunstfreund ein Hzndbuch, das ihn auf alles Sechenêwerthe auf: k- saia macht.

GSetöecrbe und Sandel.

In dec bevorstchenden ordentlih:n Generalversammlung der Aktionäre der Germania, Eisenbahnwagen-Leihanitalt, wird ein Antrag der Direktion und des AufsiHtsrathes auf Auflssurg und Liquidation der G.sellschaft zur Beschlußfassung kommen.

Die Generalversammlung der -.ypothekenbank genehmigte die Anträge des Verwaltungsrathz, und beshloß, für das Fahr 1875 eine Dividende von 71% per Aktie zu vertheilen,

Die Besißer der in der Eisassecstraße 8 befiadlihen Cigarrcn- fabrik, die Herren C. Keilpflug u. Co. haben, wie die „,Post* mit- theilt, sfi<h entshlossea, den Reirgewinn ihres Detailg:\häfts mik ihren Fabrikarbeitern dergestalt zu theilen, daß Leßteren die Hälfte desselben zustehen foll. Verluste haben dieselben niht zu tragea. An dem Gewinn foll jeder Arbeiter, wel<her mindestens ein Jahr in der Fabrik gearbeitet hat, Theil nehm-n, uur Abripp:r-Lehrlinge und Burschen find ausgeschlossen. Zur Vertretung der Arbeiter fungiren zwei Delegirte, denen hinfihtlih der Geschäftsführung eine berath:nde Stimme eingeräumt ist und welche Einsicht in den Geschäftsbetrieb haben und erforderlihen Falls zur Unterstüßung hecangezogen werden können. Dieses Arrangement hat am 1. April d. J. begoanen.

Meiningen, 6. April. (W. T. B.) Die Generalversammlung der Mitteldeutschen Kreditbank genehzuigte sämmtliche An- träg? des Verwaltungsraths, sowie au< den Antrag auf Neduktion des Aftienkapital3 der Gefellshaft dur< Rü>kkauf von 10,000 Stü> Aktien. Der Rest der Dividende kommt mit 3 Æ pro Aktie zur Auszahlurg.

Verkehrs-Anstalten.

New-York, 6. April. (W. T. B.) Der Dampfer „Ca- nada“ der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Mesfsingsche Linie) ift hier eingetroffen.

Aus dem Wolffshen Telegraphen-Bureau.

Bremen, 7. April, Dr. Sin Dr. Brehm und Graf Waldburg-Zeil, welhe im Auftrage des hiesigen Polarvereins eine Forshungsreise na<h Westsibirien unternehmen, sind, wie hierhcx gemeldet wird, nah Ucberwindung vicl:r dur plöglihes Thauwetter verursahter Schwierigkeiten geßern glüd- lih in Jekaterinburg jenseits des Ural angelangt. Heute sollte die Weiterreise in südliher Richtung nah Semipolatinsk fortgeseßt werden.

London, Donnerstag, 6. April. Im weiteren Ver- laufe der Verhandlung vor dem Central - Kriminalgerihts- hof gegen den Kapitän der „Franconia“ exklärte der Vertheidiger desselben, Parry, er werde sein Plaidoyer bis nah Beendigung der Vernehmung der Entlastungszcugen aussehen; er glaube, daß die Geschworenen den Kapitän von ftcafbarer Nachlässigkeit freisprechen würdea. Hierauf begann die Vernehmung der Entlastungszeugen. Der erste Steuermann der „Franconia“, Heinri<h Meyer, sagt aus, daß die Ge\<win- digkeit des Schiffes niht 9 Knoten erreiht habe; die Ordre, die Boote auszuseßen, sci gegeben und die Boote au<h wirklih über Bord gehängt worden. Der Kollisions\hott sei bedeutend gewesen, Im Uebrigen berichtigte Meyer seine früheren Aussagen. Der zweite Steuermann, William Caspar Lubbe, bestätigt die Größe des Schadens am Schott und crklärie, daß der Shlepper „Pal- merston“ in der Nähe gewesen sei, Der erste Maschinist, Krez- acher, giebt die Geschwindigkeit des Schiffes auf 82 Knoten an; dieselbe sei vor dem Zusammenstoß bedeutend vermindert worden. Der zweite Maschinist, Robert Stein, bestätigt, daß die Ordre „Stoppen® gegeben worden und daß die Beschädigung erheblich gewesen sei. Der Quartiermeister Bentien erklärte, die Ordre eBabord-Ruder* \ei erst gegeben worden, als die Maschine bereits zurü>ging. Der Zimmermann Kiebbers sagt aus, daß er mit anderweiter Hülfe über eine Stunde an der Verstärkung des Schottes gearbeitet habe. Der Trinity-Lootse James Porter wiederholte seine frühere Aussage und erklärte, der Bug des „Strathelyde“ fei zur Zeit der Kollision \üdwestlih gewendet gewesen, Er sei von der dringenden Gefahr der „Franconia“ überzeugt gewesen, sowie davon, daß, wenn der „Strathclyde“ den arigegebenen Cours gesteuert wäre, derselbe fich ni<ht auf dem Plage befinden fonnte, an welchem die Kollision stattfand. Die sonst no< vernommenen Zeugen wiederholten ihre früheren Aus- sagen. Alle Zeugen von den Mannschaften wurden vernommen, ebenso au der erste Steuermanu des „Strathelyde“, Bevan. Morgen follen die Zeugen über die Ausdehnung der Beschädi- gung vernommen werden.

London, Freitag, 7. April, Vormiitags. Die Journale veröffentlichen ein Schreiben des hiesigen türkischen Bot- shafters an das Bankhaus Dent, Palmer & Comp., in welchem derselbe erklärt, die Bank von England würde ihnen die Hâlste der Zinsen der Anleihen von 1854 und 1871 dann zahlen, wenn sie fich bereit fänden, eine bestimmte Summe zur Amortisation der Anleihe von 1858 zu opfern. Das Bankhaus

habe indessen dies Anerbieten abgelehnt,