1876 / 85 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

4 E 2 I T M E a Lt Mag ta A P

Berlín, den 7. April 1876. Weltausftellung in Philadelphia 1876.

Von Der Recihskommission für die Weltausstellung in Philadelphia wird ein amtliher Katalog der deutschen Aus steller herausgegeben. Das Werk, welhes gegenwärtig unter der Presse fich befindet, ersheint in deutsher und englischer Sprache. Es enthält von jedem Aussteller: Firma oder Namen, Wohnort, kurze Angabe über die zur Schau gestellten Gegen- stände, Name des Agenten, kurze Angaben über Alter, Gegenstandes u. \. w. des Gewerbebetriebs. Die auf früheren Ausftellungen erhaltenen Preise. Den Angaben über die Aus- steller derjenigen Produktionszweige, welhe zu einer gemein- famen planmäßigen Schauftellung vereinigt sind, if eine kurze ftatistis@e Darstellung des betreffenden Industriezweiges voran- geshi>t. Ein aus\cließli< für Aussteller bestimmter Inseraten- anhang bietet lezteren die Gelegenheit zu ausführlihen Anzeigen ge ftlihen Inhalts.

Außer den {on früher erwähnten magnetishen Apparaten und Kompassen hat die Kaiserliche Admiralität auch die so eben in Kupferstich fertig gestellte Karte der holsteinishen und me>lenburgishen Küsten, als Mufterblatt des projektirten See- kartenmwerkes, des Deutschen Oftsee-Atlas, dessen dritte Sektion das genannte Blatt repräsentirt, zur Ausstellung der wissen- shaftlihen Instrumente im Kensington-Museum zu London ent- fandt. Die Karte ist auf Grund der deutshen Vermessungen im Jahre 1874 angefertigt und wird die Anordnung derselben von fahmännis<hen Kreisen als durchaus praktis<h und muster- gültig anerkannt, wie auch die Ausführung im Stich eine -voll- ständig tadellose ift.

Der Maßstab der Karte, welhe demnähst durch die Globen- und Karten-Verlagshandlung von Reimer zu dem geringen Preise von 3 H zu beziehen sein wird, ift wie 1 : 100,000.

Die Ausgrabungen in Olympia. V, Bericht. (Vergl. Nr. 62 d. Bl.)

Briefe des Herrn Dr. Weil vom 1., 15. und 22. März melden den ungestörten und ergiebigen Fortgang der Arbeiten, die den Zwe> haben, den Tempel des Zeus von allen Seiten immer vollständiger frei zu legen. Dies ist an der Ostseite in der Hauptsache bereits geshehen. Man hat hier das alte Pflafter ge- funden, das über einer Schicht von Ziegeln u. a. Material aus 0,23 diden Steinblö>ken bestand. Der Zugang zum Tempel war nit, wie beim Parthenon, dur<h Zwischenstufen vor dem mitileren Interkolumnium gebildet, sondern eine Freitreppe führte bis zu der zweiten Tempclftufe hinan; diese Tceppe bildete vor der Mitte der Tewpelfronte eine Terrasse, auf welcher die Grund- lage eines Altars sichtbar geworden ist.

Die Freilegung der Südseite ist von Ofien und Westen her kräftig in Angriff genommen, Zu den vielen für die Geschichte der Architektur wihtigen Fundstü>ken gehören auch die wasser- speienden Löwenköpfe von der Traufrinne. Sie finden ih in drei Stylarten gearbeitet, in alterthümliher Strenge (besonders an der SW.-Ete), ganz naturalistish, und endlih in einem Uebergangsstyl; eine Mannigfaltigkeit, welche deutlich zeigt, daß der Tempel nicht auf einmal gebaut und fertig geworden ift, wie der Parthenon, fondern cin Werk schr verschiedener Epochen ift

Was die Umzebung des Tempels betrifft, \o fand fich an der Nordseite ein Postament von Porosfteine, 4 Meter lang mit Reliefstü>en von Gewandfiguren; an der Südseite die Basis mit ciner Ehreninschrift, die, wie es scheint, der Kaiserin Faustina gilt.

_ Besonders erfreuli<h war die glü>liche Ergänzung ver- schiedener merkwürdiger Schriftdenkmäler; so farvd fi<h am 2. März das zweite Stück zu der früber besprochenen (in der Arch. Zeitung Herausgegebenen) Ageladasin\chrift, welches zeigt, daß Ageladas hier der Namen des Vaters ist und daß sein Sohn Argeiadas der Urheber des Kunsiwerks war. Auch die früher erwähnte Inschrift des Prariteles ist jeßt in zwei Distihen vollständig da und zeigt uns den ganzen Lebens- lauf eines Arkadiers, wel<er fi< am Abend eines abenteuer- lichen Wanderlebens ia sein heimathlihes Bergland zurü>ge- gogen Hatte,

_ Am meisten Einzelfunde sind vor der Westfeite gemacht. Hier kam eine Mauer zum Vorschein, die fih von der SW.-E>e nah Süden zieht, aus Postatnenten, Säulentrom- meln, Triglyphen, jonishen und dorisdjen Kapitellen, Marmorblö>en und Ziegeln bunt zusammengeschichtet. Hier fand sich eine Basis mit der Künstlerinshrift eines So- phoïles (aus dem 4. oder 3. Jahrh. v. Chr.), die Ehren- inschrift auf den Olympionikee Lykonedes und eine Reihe vor- güglih erhaltener Löwenköpfe aus Tercakotta mit reihem Farbens{<mu> in voller Frische, endlih eine Inschrift, wahr- scheinlich des L. Mummius au dem von Pausanias erwähnten Zeusbild.

Bon der SO.-E>e des Tempels sind 10 Sritt gegen SO. die Grundmauern eines Rundbaues aus Marmor zum Vorschein gekommen. In derselben Gegend (8 Sqritt gegen SSO,.) zeigte sich am 15. März eine runde Marmorbasis, in- wendig ausgehöhlt wie eine Brunnenmündung, mit einer oben am Rande angebrachten sehr alterihümlihen Inschrift. Es ift dieselbe, wels Paufanias (Kap. 24, 3) am Fuße der Zeusstatue las, dem Weihgeschenke der Lacedämonier, das dieselben nah der zweiten Bejiegung Messeniens errichtet haben \ollen.

Auf die Statue und das Poftament der Siegesgöttin, « mit wel<her die olympishen Funde anfingen, haben die weiteren Ausgrabungen immer wieder zurü>geführt. Man hat die gewaltigen Blöcke der Basis, die sh 4 biz 5 Meter ho<h aufbaute, immer vollständiger gefundenz von der Statue selb einen WMarmorflügel und eine Reihe von Bruh- ftü>en, wel<he dem Abgufse sehr zu Statten kommen.

Die ganze Umgebung der Nike wird jezt klar. Man erkennt die alten, von Weihgeschenken eingehegten Wege, welhe dur<h den Hain des Zeus führten; man erhält zum erften Male eine Anshauung von der ursprünglihen An- ordnung und Reihenfolge der Denkmäler, welhe \sämnmtlih an alter Stelle stehen.

Von zerfireuten Alterthümern sind zu erwähnen verschiedene Ueberreste gerundeter Marmorplatten mit Spuren buntfarbiger Malerei, das Vordertheil eines Pferdeleibes, Ziegel vom Tempel- dae mit Inschriften in elisher Mundart u. A. '

An mannigfaltigen und höchst lehrreichen Ergebnissen für Architektur, Topographie und Denkmälerkunde i also der leßte Monat sehr ergiebig gewesen. Die Arbeiten haben ohne Störung

wo dann festge

Den Stad

einverstanden er

Pianes der 3,580,000 M

wiesen. Zu den

Comité zu Kieni

Gartenbaues eZaitersall“ stat selbe ist nicht fo

zehn Uhr, dem

Gartenkunft zu g

aus Gewächsen

den Eintretenden

Alpenveilchen von

tige Entwi>elung

Kontrast bildet. ration der höhten Podium %Wand am

auszeihnen; dicht Sammlungen von

blendend weißen u

Halb aufgeblühte \hließen die wand wird fast von den H gutsbefißer jämmtlich

Grün einen

ben der gegenü

kräftige, heller ge

Der Vordergrund

velWen in malerische

während glei<wohl fammenstimmt.

vené (Obergäriner tellung. Die drei nifteritmns wurden sohn (Obergärtner

für eine Gruppe Ministerium

Rittergutebesißzer Gruppe blühender

vertheilt, darunter

fuche bechrt. Der foars für die Uebe

fortzesezt werden können unter der Leitung von Dr. Weil,

welhe das ganze Werk mit au in Gang gebraht haben, dur< vollständig hergestellt. auf seinen Posten zurü>gekehrt. Dr. zusammen mit Herrn Baurat

der Antrag des Magistrats vor,

Nach längerer Debaite wurde der Antrag einer Deputation über-

die Versammlung auf Antrag

_Wie wir {on kurz mitgetheilt, Srühjahr8ausstellung des Vereins zur Beförderung des

Die Ausstellung, wel<e in früheren Jahren in der Reitbahn des Saale des de e R in der Friedrichstraße vertausht. Der-

Vorzug einer dur<h fein2 reihe Renaissance-Architektonik und seinen Sgrafittens<mu> künstlerishen Ausstattung. Dazu kommt weiter noch der Vortheil, daß er für den Tag volles, günstigere Lichteffekte gewährendes Oberlicht spendet und es dur< seine beiden ftattlichen Gaëéfronen ermögliht, die Ausstellung auß Abends, und zwar bis

rangement zeigt wieder von dem bewährten Vermögen des Ver- eins, einen gegebenen Raum zu

Augen springeuden Beweis davon. Gleich der lange Gang, welcher von dem Straßenthor aus zum Ausftellungssaale führt, zeigt eine reiche Sammlung ‘von s{önen ornamentalen Pflanzen. Lorbeer-, amerikanishe Lebensbäume und breite Sácherpalmen bede>en die Wände mit ihrem frishen saftigen Gcün. unmittelbar vor dem eigentlihen Ausstellungssaale ist mit Blait- pflanzen ges{mütd>t, Kommerzien-Rath

volle Komposition wie Pflanzenexemplare hervorragt. Von angenehmfter Ueberras{ung für

selbft mit seiner glänzenden Farben- und Formenpracht einer ausge- suchten Flora. Der Raum ist in der Art ausgenußt, daß das Par- terre in drei Abtheilungen gegliedert ist. Die dem Eingange zunächst liegende zeigt im Fonds ein reihes Sortiment von Rosen aus dem Garten des Hrn. Wendt sr.,, w-l<es von Hyacinthen und Nhodo- dendron flankirt wird; den äußeren Rand bilden Maiglö>cen und

im zoelogis<en Garten, ausgestellt hxt. Die Milte des Parterres um die Fontäne ist mit Tuffstein ausgefüllt und bildet eine Felsen-De- koration von Farren- und Blattpflanzen, den Warmhäusern des Hrn. He>mann heroorgegzangen find. Die nächst der Hinterwand befindliche Parterre- Abtheilung wird duc< reiche Kollcktionen von Azalien und Cinnerarien aus dem Garten des Geheimen Kommerzien-Rath Ravené gebildet, welche fich dur< kcäf-

räume find bier dur< anthurium Scherzerianum ausgefüllt, das dur< seine Vlüthenscheiden von enerzishem Roth ein:n eigenthümlichen

Saalwände, wel<he2 si<h auf einem bedeutend er-

L Eingange sind mit pflanzen bede>t, unter welchen si< namentli< \{höôn eutwi>elte Palmen

grund bilden zu dem sie überragenden dunkeln Blättershmu>. Die re<te SGcitenwand nimmt ein in breiten Flächen auftretender Azalien- Flor ein. Die Mitte haben Azalien von sattem Roth inne, die, von

bilden; darüber ranken si im Hintergrunde grüne Blattpflanzea und lassen so die bellen Blumenfarben um so lebhafter hervorireten.

Gruppe na< unten hin ab. Die

. Perring, v. Ded>er, Mendelssoha und Fr. Ritter- Neichenheim Prachtexemplare, die mit eigenartigen Gegensatz zu

Haupos der ganzen Auëéstellung bildet die breite Hinterwand des Saales; hoh empor bis zu den Fenstern der oberen C: age ragen die dunkelgrünen Palmen und S N ihnen breiten sich

grunde heben fi< die hellen Farben der Blüthenpflanzen ab, der bodstämmigen rothen und weißen Kamelien, Rhododendron, Azalien in allen Schattirungen und Rosen zu ganzen Gebüschen gruppirt.

Majestäten des Kaisers und der Kaiserin ges{<mü>t. Allgemeines Interesse erregt die von dem Universitätsgärtner T C Kolleftion der „JInsektenfressenden Pflanzen,“ - von we Eindru> der Ausstellung wird bur<h die abendliche Gasbeleu<htung no< gehoben, die Farben sättigter, Blatt und Blume in ihrem Kontrast no< wixrkungsvoller,

Bei der Preisvertheilung erhielt den erstea Preis die von Sr. Majestät dem Kaiser, dem S goidene Medaille und daneben 100 A Geh. Kommerzien-Rath Ra-

hauspflanzen; dem Universitätsgärtner Barleben für eine Kollektion insektenfressender Pflanzen; den Kunftgärinern Harder & Schüßler

ausgcseßte

der Verein selbst neben verschiedenen Geidpreisen no< 9 Medaillen

Hrn. Killish v. Hern, „für Förderung der Zwe>e des Vereins dur allgemeine Förderung des Gartenbaues“. Diese Medaille war bis jeßt nur Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Carl und dem Jn- spektor der Borfigshen Gärten, Gärdt, zuerkannt worden. 4

Die Aufstellung war gestern, besonders Abends, zahlrei besucht. Auch Ihre Majestät die Kaiserin und Se. Kaiserlihe nnd König- liche e der Krozprinz hatten die Ausstellung mit Ihrem Be-

welŸer fi<h der Stellvertretung mit großer Treue angenommen hat. Jnzwischen haben fi<h au<h unsere beiden Landsleute, fopfernder Thâtigkeit so glüklih einen Aufenthalt in Corfu wieder Herr Böttiher ist {hon Ende März Hirschfeld geht am 4. April h Adler von Corfu na<h Olympia, oll, was no<h in diesem Frühjahr erreiht werden fann, ehe die Sommerhize im Alpheiosthale eine nothwendige Pause von mehreren Monaten herbeiführt.

stellt werden \

tverordneten lag in ihrer gestrigen Versammlung r die Versammlung möge fi< damit daß der Bau der städtischen Irren - anstalt, ni<t wie bes<lossen worden, bei Rummelsburg, sondern auf dem dazu ursprüngli< ausersehenen Terrain bei Dalldorf unter Zuzrundelegung des vom Stadt-Baurath Blan>enfiein umgearb-iteten rcitekten Gropius und Schmieden und des mit

flären ,

abschließenden Kofteuanschlages ausgeführt werde. Vorarbeiten des Oder-Spree-Kanals bewilligte

l des Magistrats dem betreffenden ß eine Beihülfe von 5000

ist gestern die diesjährige in den Königlich preußishen Staaten eröffnet worden. tfand, hat in diefem Jahre jenen Raum mit dem

groß wie der frühere Ausstellungsraum, hat aber den

Publikam ofen zu halten. Das ganze Ar-

einem Meisterstü>e de?orativer

estalten. Schon die Vorräume liefern einen in die

Orangens-, Auch die Vorhalle

unter denen re<1s vom Eingange ein vom

He>maun ausgestellter großer Blumentisch des Warmhauses sowoh! dur< ges<ma>- dur< die Schaheit der einzelnen

ist der Anbli> des etgentlichen Ausstellungs saales

seltener Schönheit, welhe Hr. Hintze, Obergärtner

welhe auß aus

in Farbe und Form auszeichnen; die Zwischen-

Glei<h ges{<ma>ooll erscheint die QDeko-

wirfjam abhebt. Die beiden Seiten der

bo<ftäinmigen Dekorations-

an dec Eingangêsthür stehen re<ts und links zwei Hyazinthen, die cinen anmuthig li{ten Vorder-

mgeben, mit diesen einen wirkungsvollen Kontrast

oder no< ganz vers<lossene Azalienkollektionen e na< A ie linke Längt- auêsließlih von Biattpflanzen eingenommen, die

auêgestelltt sind. Diese Pflanzen sind ihrem ernsten dunkeln den blendenden Far-

berliegenden Wand bilden. Das glänzende

färbte Farren aus. on diesem dunkeln Hinter-

dieser Abtheilung ist mit den Büsten Jhrer

jüngster Zeit so viel die Nede gewesen. Der ersheinen no<h ge-

das Ganze zu wohlthuender Harmonie zu-

ohen Protektor des Vereins, gespendete

König) für die Gesammtleistung auf der Aus- silbernen Medaillen des landwirths&afili<hen Mi- Wet: dem Geh. Kommerzien-Rath Mendels-

éllentin) für eine Gruppe buntblättriger Warm-

ornamentaler Pflanzen, Der vom Kultus- Preis von 150 # fiel Fran HReichenßbeim (Obergärtner Haa>) für eine und nit blüthender Pflanzen zu. Außerdem hat

als seinen höchsten Preis die Verein8medaille an

Ertrag der Anéstellung fließt dem Unterstüßungs- rihwemmten zu.

Das auf die Weltauzftellung, welhe in Paris stait- finden soll, bezüzlihe Dekret lautet: Art. 1. Eine allgemeine Aus- tellung der landwirthshaftlihen und industriellzn Produkte wird in fe am 1. Mai 1878 eröffnet und am folgenden 31. Oktober ge- <lofsen. Die Produkte aller Nationen werden zu dieser Ausstellung: zugelaffen. Art. 2. Ein späteres Dekret wird die Bedingungen fest- seßen, unter welhen die allgemeine Ausstellung stattfindet, das Re- gime, unter wel<es die Waaren gestellt werden, und die verschiedenen: Arten vou Produkten, welche ugelassen werden können. Die Aus- stellungs-Kommission hielt am 5. unter Vorsiß des A<erbau-- Ministers eine Sigung, in der zunächst die Fragen über den zu wäh- lenden Ausftellunzgsplaß und andere Einzelheiten diskutirt wurden. Sodann erwählte die Kommission eine Subkommission, bestehend aus folgendea Mitgliedern: Duclerc, Senator, Kranß, Senator, Cakbéry, Deputirter, Duval, Seinepräfekt, Felix Voifin, Polizeipräfekt, Mar- quis de Chénevièces, Direktor der s{öaen Künste, die Architekten Viollet-le-Duc, Gustave Roy und Letuel, ferner Baron Alphonse de Rothschild und zwei General-Kommissaren.

, Aus und über Amerika. Thatsahen und Eclebnisse von

riedri<h Kapp. Berlin 1876. Verlag von Julius Springer.

Bände, 51 Bogen gr. Oktav. Preis 15

_In einem Zeitpunkte, in wel<hem die Vereinigten Staaten sich: anshi>en, das hundertjährige Jubelfest ihrer Unabhängigkeit zu feiern, und in wezl<hem die große Weltausstellung zu Philadelphia Tausende von deutsheu Besuchern anzieht, dücfte die oben angezeigte Schrift be- fotders willfommen sein, weil sie dem Leser als zuverlässig:r Führer auf allen denjenigen Gebieten des amerikanischen Lebens dient, welche für den Deutschen von naheliegendem Interefse sind. Der Versasser kenne Land und Leute aus einem zwanzigjährigen Aufenthalt und hat si< namentli<h dur< seine Geschichte der Sklaverei, die Lebensbeschreibungen der “amecrikanishen Generale Steuben und Kalb, die Geschichte der deutschen Einwanderung in Amerika und den Soldatenhandel deutsher Fürsten nah Amcrika als ein gründlicher Kenner amerikanisher G-\<ichte erwiesen.

In den vorliegenden beiden, höchst elegant ansgestatteten Bänden giebt Kapp eine Reihe von theils neuen, theils früher beceits in deut]@en und amerifanishen Zeitschriften veröffentlichten Aufsätzen, wel<he, wenn auch verschiedenen Gebieten angehörend, doch alle in ihrer Auffassung und Durchführung denselben Grundton anschlagen.

__ Das Werk zerfällt in se<s Abschuitte, deren erster egeschicht- lihe Nü>bli>e* duch zwei ansprehend geschriebene Charakterbilder von Washington und Franklin eingeleitet wird, dann zur Schilderung der Ursahen und Folgen der Unabhängigkeits- erflärung übergeht und mit der „Monroe-Doctrin“ in das nacrevolutionäre Zeitalter cintritt. Kapp hätte unsers Erachtens besser gethan, wenn er als dem Geist und der Zeit nah bes dingt, den vierien und fünften Abschnitt hier angeschloffen häite. Denn die geschi<tli<2 Eatwi>elung, in wel<2 das „Zeitalter der Baumwolle ohne Ideen“ auf das „Ziitalter der Ideen ohne Baumwolle“ folgt, beginnt gerade mit der Herrschaft des „König Cotton" und findet seinen Abschluß in dem Bürgerkriege und in der Abschaffung der Sklaverei, deren Ver- lauf Kapp in Form von Tagebuchblättern in ihren Hauptzügen und <arafteriitishen Momenten anschaulich schildert. Statt diefer fahli<

allein richtigen Anordnung läßt er auf den ersten Abschnitt in dem zweiten eine Reihe von 9 Aufsäßen folgen, welche si< mit der A u s-

wanderungsfrage vom prinzipiellen und vom speziell deutschen

Gesichtspunkte aus beschäftigen, und auf eine reiche Fülle persönlicher

Erfahrungen auf diesem Gebiete {ließen lassen.

Als besonders interessant für die Hauptfragen unsrer Tages-

politik fiad der dritte und vierte Abschnitt hervorzuheben, deren erster

aus der korrupten Verwaltung der großen Städte überzzugend na-

weist, daß die Freiheit dur< ihre Verfälschung im radikalen Sinne

gestört wird, und daß, was man dort reine Demokratie nennt, in

der That die ruchloseste Tyrannei des Mobs ist. Jn dem

leßtern Abschnitt lernen wir die Stellung der . Kirche

zum Staate, und vor Allem des Katholiziémus in den Vereinigten Staaten kennen, welche von unsern Ultramontanen als Jdeal gepriesen

werden; wir erfahren aus Kapps Schilderungen, daß die amerikani-

schen Ultramontanen da, wo ihnen der Staat nicht nachgiebt, fi<

gerade wie bei uns, offen gegen denselben auflehnen.

Im sechsten Abschnitte endlih führt uns der Verfasser einige

spanish-amerikanishe Bilder vor, aus welchen uns das anglo:ameris

kanische Leben erst recht in seiner zivilisatorischen Bedeutung und

Kraft entgegentritt, So bewegen wir uns überall aur dem Boden

der Wirkiichkeit und gelangen ledigli<h von ihm aus zur denkeaden

Betrachtung der amerikanischen Entwi>kelung Und Geschichte.

Wir bedauern, daß Mangel an Naum uns verhindert, auf den reichen

Inhalt des bedeutsamen Werkes näher einzugehen. Die vo: stehende

kurze Inhaltsangabe wird aber, wie wir niht zweifeln, genügen,

um dem Buche zahlreiche Leser zuzuführen.

Aus London, 6. April, meldet „W. T. B.*: Bei der vor dem Central-Kriminal-Gerichtshof heute fortgeseßten Verhand- lung gegen den Kapitän der „Franconia* plaidirte der Vertheidiger Parry für die Inkompetenz des Gerichts und wies darauf hin, daß die „Franconia“, obs<on fie si< in britis<hen Gewässern befunden, doc feineswezs britischen Schuß aufgesuht habe, au nicht für einen britischen Hafen bestimmt oder für den britishen Handel engagirt ge- wesen se. Die „Franconia“ habe nichts gethan, woraus auf ihre Absicht, die Natioaalität zu ändern, ges{lossen werden könnte. Die Entscheidung der Kompetenzfrage wurde dem Kriminal-Appellgericht vorbehalten. D

Die neueste Depesche s. u, telegraphishen Nach- richten,

Die Nachrichten aus Hillah und Bagdad über das Auftreten der Pest lauten, der „Wes.-Ztg.* zufolge, no< immer beunruhigend. Ju den leßten Tagen erlagen in jeder der beiden Städte durhschnitt- li<h 40—50 Menschen der Seuche.

Theater.

Königlihes Schauspielhaus. Am Donnerstag ging, neu einstudirt, Hebbels „, Judith“ in Scene, ein Werk, das lange geruht, seit Fr. Grelinger die Titelrolle gegeben, und das nun um des berühmten Gastes, Frl. Ziegler willen, wieder aufgenommen wurde. Dieselbe fand denn au< wieder volle Gelegenheit, dur< die Schönheit ihrer Stellungen und Bewegungen, bei denen freili<h oft die innere Wahrheit und Berechtigung dem äußeren Schein geopfert werden und durch die Macht ißces Organes Criumphe 4 feiern. Freilih aber au nur dadur<, denn in den Geist der Rolle war sie nicht eingedrungen; fals<he Betouungen und falshe Aussprachen waren, um des pathetishen Klanges will:n, sehr häufig, und nur die eine Stelle, in der fie dem Holofernes zurief: „Du nüßtest mi verachtcn, wenn i< di<h nicht haßte“ wirkli< großartig, wahr und er- \<ütternd. Hr. Berndal (Holofernes) mäßigte si< nit genug in seiner Redeweise, wurde aber dadur< und dur sein stattliches Aus- sehn dem Frl. Ziegler näher gerü>t und empfing mg ema, evenfala reichlihen Beifallslohn; wahrhaft bedeutend und eht Tünstleri sh wurde die kleine Episode des ftummen und blinden Daniel dur< Hrn. Kahle gegeben, und das Publikum erkannte dies mit Recht durch- großes Applaus und Hervorruf an. Die Inscenirung dur< den

Redacteur: F. Prehm.

Berlin:

Verlag der Expedition (Kessel). Dru>: W. Elsner. Drei Beilagen

(eiaf<ließli< Börsen-Beilage).

Direktor Hrn. Hein war eine angemessene und würdige.

Erste Beilage

zum Deutscheu Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

2 S5.

Jahresberiht der Central-Direktion der Monumenta Germaniae historica.

Die zweite Plenarversammlung der neuen Centraldirektior | der Monumenta Germaniae ift in den Tagen vom T D 2E. j März abgehalten worden. An derselben betheiligten fih von den auswärtigen Mitgliedern Geh. Rath Prof. v. Giesebre<t aus München, Prof. Hegel aus Erlangen, Prof. Si>el aus Wien und Prof. Stumpf-Brentano aus Innsbrut, außerdem die hier ansässigen Prof. Mommsen, Prof. Nißs{<, Geh. Regierungs- Rath Pert, Geh. Regierungs-Rath Waißz und Prof. Watten- bah. Verhindert waren Prof. Dümmler in Halle dur eine für die Zwe>e der Monumenta unternommene wissenschaftliche Reise nah Jtalien und Justiz-Rath Euler in Frankfurt durch Unwohlsein. / E

Die Versammlung nahm die Berichte über die im ver- flossenen Jahre gemachten Arbeiten entgegen, faßte Beschluß über manche für die nächste Zeit in Betracht kommende Unter- nehmungen und Fragen, prüfte statutenmäßig die Rehnungen und vertheilte die im laufenden Jahr zur Verfügung stehenden Gelder an die einzelnen Abtheilungen.

Es zeigte fih, daß alle Arbeiten im beften Gange waren, wenn auch der Natur der Sahe na< im Dru> nur einzelnes vollendet sein konnte. Fertig lagen vor, außer dem {on vor - einigen Jahren gedru>ten, in diesem erst zur Ausgabe gelangten Heft 1 von Vol. Y. der Leges, wel<her die Leges Saxonum in der Bearbeitung K. und K. Fr. v. Richthofens, Vaters und Sohnes, die Lex Thuringorium in der des leßteren, das Edictum Theodorici mit einigen Anhängen von Bluhme, die Capitula Remedii Curiensis episcopi von Sâänel enthält:

1) ein Halbband der neuen Sammlung deutsher Chroniken und anderer Geschihtsbücher des Mittelalters, in dem für die neueren Abtheilungen gewählten kleineren Format (384 Seiten) : er enthält die Sächsishe Welthrouik mit ihren verschiedenen Fortsezungen, bearbeitet von Dr. Weiland; :

2) eine neue Oftavausgabe des Adam von Bremen, mit vollständigem kritishen Apparate, die erklärenden Noten revidirt, besonders von Dr. Weiland; S

3) Neues Archiv der Gesellshaft für ältere Deutsche Ge- \chihtskunde, Heft 1 und 2 des ersten Bandes, herausgegeben von Prof. Wattenbach. i ; i ,

Im Dru>k befindlich is die zweite“ Hälfte des Bandes Deutscher Chroniken, welche die Reimchronik des Eberhard von Gandersheim, die Braunschweigische Reimhronif, eine kleinere Chronik von Goslar und die erhaltenen Fragmente einer Hol-

teinishen Reimchronik umfassen wird, alle ebenfalls T E Weiland bearbeitet. Für dieselbe Sammlung bereitet Dr. MRödiger eine neue Ausgabe der Kaiser-

ronik vor und hat dur Liberalität der Bibliotheken zu Hei- iee, München und Wien das dort befindliche handschriftliche Material zur Benußung auf der hiesigen Königlichen Biblio- thek erhalten, während es bisher niht gelungen ift für die wih- tige Handschrift im Stifte Vorau eine gleihe Vergünstigung zu erlangen. Die Ausgabe von Enenkels Weltchronik und Fürsten- bu hat Dr. Strauch übernomuen, die von Dttokars steierisher Reimchronik Prof. Busson in Verbindung mit Prof. Zingerle in Iunsbru>. Für die Fortsezung der Skriptores der staufi- hen Zeit hat Dr. Heller, der im Mai vorigen Jahres als Mitarbeiter eingetreten, zunähst die Ausgabe der Lütticher Bischofshronik von Aegidius in Angriff genommen: die lange für verloren gehaltene Original-Handschrift ist vor Kurzenut im Seminar zu Luxemburg zu Tage gekommen und ward von da im vorigen Sommer bereitwilligsi zur freien Benußung nah Göttingen gesandt. Die Cölner Bischofskataloge haben, die äiteren Dr. Arndt, die späteren Dr. Cardauns bearbeitet; andere Autoren dieser Zeit Archiv-Sekretär Dr. Reimer in Mar-

burg und Dr. Shum in Halle übernommen. Für die Bände X11],—XV. der Scriptores aber, welhe Supple- mente zu den Geschihts\{hreibern der fkarolingischen,

ächsishen und fränkishen Zeit und namentli*G auch e O ocgrifien zwischen Kaiser und Papft aus dem 11, und Anfang des 12. Jahrhunderts bringen follen, haben Dr. Bern- heim in Göttingen, Dr. Pannenborg in Aurih und Dr. Shwen- kenbacher in Oels ihre Mitwirkung zugesagt. Einzelne Hand- schriften aus Wien, Wiünchen und Kloster Rein fonnten in Berlin benugt werden. Zunächst für die Vorbereitung dieser Bände unternahm Dr. Heller eine Reise na<h Lothringen, Franfreih und Belgien, auf welcher er aber au<h manche für andere Abtheilungen der Monumenta wichtige Arbeiten aus- führen fonnte: er hat fi< dabei in Belgien und mit wenigen Ausnahmen au<h in Frankreich der fréund- lihsten Unterstüßung zu erfreuen gehabt. Eine sehr wünschenswerthe neue Ausgabe der allein erhaltenen französischen Uebersezung von des Amatus (Aimé) Geschichte der Normannen in Süditalien ist von Dr. Baist vorbereitet, der au< in Cler- mont und Montpellier mehrere Kollationen ausgeführt. Die Bearbeitung dessen, was in den englis<hen Geschihtsbüchern des 12. und 13. Jahrhunderts für Reichsgeschihte enthalten ist und bekanntlich is das dem Umfang und dem Inhalt nah von sehr großer Bedeutung haben Prof. Pauli in Göttingen und Prof. Stubbs in Oxford, der ausgezeichnete Herausgeber einer Reihe der wichtigsten englischen Geschihtsquellen, in Gemeinschaft übernommen. Zu einer ähnliwen Arbeit für Frankreich hat fih A. Molinier in Paris bereit erklärt und auch bercits Hand an die Arbeit gelegt. Die no<h ausftehenden italienishen Chroniken der Staufischen Zeit wird Prof. Scheffer-Boichorst in Straßburg wenigstens größtentheils übernehmen. Der Leiter der Ab- theilung, Geheime Regierungs-Rath Waiß glaubte, da er nah seiner Ucbersiedelung nah Berlin seine Zeit ungetheilter dieser Aufgabe widmen konnte, zunächst die von dem verstorbenen Dr. L. Bethmann begonnenen und mehr als 40 Jahre lang, wenn auh mit größeren Unterbrehungen, fortgeführten Arbeiten über Paulus Diakonus und andere Quellen der langobardishen Ge- \{hi<te zum Abschluß bringen zu sollen. Er hat zu dem Ende

andshriften der Bibliotheken zu Gießen, Heidelberg, Kopen- R Leipzig, München, Sangallen hier benugzen können und gedenkt einiges andere auf einer dem- nächst nah Italien anzutretenden Reise zu erledigen, um dann im Laufe des Jahres den Dru> eines Bandes Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum s. VI.—X, beginnen zu

Berlin, Freitag, den 7. April

in Angriff genommen, der ebenfalls als Mitarbeiter für diese Abtheilung eingetreten is. Die Geschichtshreiber der Mero- vingishen Zeit befinden sich seit längerer Zeit in der Hand des Dr. Arndt, jegt in Leipzig, und derselbe hat die Vellendung wenigstens des Gregor von Tours, wenn nicht für dieses Jahr, do in der nächstfolgenden Zeit in Aussicht gestelt. Was meiter zurü>liegt, steht als besondere Abtheilung der Autores antiquissimi unter der Leitung von Prof. Mommsen. In dieselbe werden Aufnahme finden die Konsularfasten und die kleineren Chroniken des 4.—7. Jahrhunderts, die Werke des Symmachus, Salvianus, Victor Vitensis, Ennodius, Eugippius, Casffiodori Variae, Jordanis, Venantius Fortunatus, Eutropius mit der griehis<hen Uebersezung des Paeanius und den Zusäßen des Paulus Diaconus, Ausonius, Alcimus Avitus, Merobaudes, Corippus : einzelne andere Autoren, die in Frage kommen konn- ten, blieben zur Seite, weil anderweitig befriedigende neue Aus- gaben in Aussicht stehen. Außer Prof. Mommsen, der selbst die Bearbeitung der Fasten und kleineren Chroniken, sowie der beiden Bücher des Jordanis übernommen hat, werden si< an der Bearbeitung betheiligen die Professoren Bücheler in Bonn, Halm in München, Sauppe in Göttingen, die DDr. Droysea, Leo, Lütjohann, Mayer, Part, Peiper, See>, welche theils auf Reisen in Italien, das handschriftliche Material benugen, theils dur<h Zusendung von Kodizes aus den Bibliotheken zu Bern, Breslau, Kopenhagen, Paris, San- gallen und andern die nothwendige Grundlage für ihre Arbei- en erhalten haben. Wegen einzelner Autoren {weben no< die Unterhandlungen. : j : Die Abtheilung der Leges ftellt fo verschiedenartige große Aufgaben, daß es niht wohl möglich erschienen is, die Leitung Einem Gelehrten zu übertragen, sondern daß für die einzelnen Theile ganz selbständige Bearbeiter gesu<ht werden mußten. Und das ift wenigstens für die wichtigsten gelungen. Von den no< niht zur Bearbeitung gelangten Volksre<hten hat Prof. Sohm in Straßburg die Dèx Salica und Ribuaria übernommen. Nach Vollendung dieser dürfte es an der Zeit Fein, auch eine neue Ausgabe wenigstens einiger der früher ershienenen Leges in dem kleineren Format in Angriff zu nehmen. Wegen der Lex Wisigothorum find Unterhandlungen angeknüpft. Eineneue Bearbei- tung des Capitularia wird Professor Boretius in Halle liefern ; Professor. Loersh in Bonn die in Vol. 11. der Leges begonnene Sammlung von Reichsgesezen und Reichstagsakten ergänzen und bis zur Zeit Karl 1V. herabführen, wo fi<h dann dié von der hiftorishen Kommission in München herausgegebenen Reichstags- akten anschließen. In beiden Publikationen werden au die wichtigeren Akten der Konzilien berü>sichtigt werden. Den Plan einer Sammlung der älteren deutschen Stadtre<hte bis um das Jahr 1300 hat Professor Frensdorf in Göttingen entworfen, und wird, da demselben die Versammlung in allem Wesentlichen beistimmte, die Sache sofort in Angriff nehmen: die Ausgabe ist auf zwei Bände angeschlagen. i : In der Abtheilung der Viplomata hat Prof. Si>el seine Thätigkeit zunächst dem 10. Jahrhundert zugewandt, und die Plenarversammlung sih damit einverstanden erklärt, daß mit der Veröffentlihung der Urkunden deutsher Könige und Káäiser dieses Jahrhunderts, wie es eins \<hon I. Fr. Böhmer beab- sihtigte, der Anfang gemacht werde. Da den dur die weitere Ausbildung der Diplowatik gesteigerten Anforderungen an eine Edition von Urkunden die früher gemachten Abschriften nur in sehr beschränktem Maße entsprehen und es namentli<h noth- wendig erscheint, die vorhandenen Originale der sorgfältigsten Prüfung zu unterwerfen, so sind umfassende Arbeiten unver- meidlih, für die zwei jüngere Gelehrte, Foly und Laschizer herangezogen sind, von denen jener bereits in mehreren deut- \hen Archiven, dieser in Italien thätig gewesen ist. Eine größere Anzahl Chartularien und selbst manche Originale konnten in Wien, wohin fie von den betreffenden Archivverwaltungen oder andern Besißern gesandt worden, von Professor Siel selbst benutzt werden. Dieser hofft in zwei Jahren das Material für einen ersten Band vollständig vereinigen und dann an die definitive Redaktion Hand legen zu können. Ueber die bei der Arbeit zu befolgenden Grundsäge hat derselbe ausführlih Rechenschaft abgelegt in einem Aufsatz, welcher im 3. Heft des Neuen Archivs erscheinen wird. / . : Für die Sammlung der Epistolae, deren Leitung Professor Wattenbah erst um Michaelis v. J. übernehmen fonnte, hat, da die Varien des Cassiodor und andere der ältesten Zeit in die Abtheilung der Auctores antiquissimi fallen, mit denen des wefst- gothishen und älteren fränkishen Reihs zu begin- nen; für jene werden Kollationen zweier spanischer Handshriften von Dr. Baist, die Bearbeitung dieser, deren Codices meift {hon früher benugt find, von Dr. Arndt in Leipzig erwartet. Eine besondere Wichtigkeit haben dann die Briese der Päpste, die freilih niht vollständig aufge- nommen werden können, von denen aber do< eine so wichtige Sammlung wie das Registrum Gregorii Magni fih ni<ht wohl zerreißen läßt. Eine neue fkritishe Ausgabe desselben erscheint als dringendes Bedürfniß, und es sind dafür zunächst einige alte Handschriften der Cölner Dombibliothek herangezogen, an- dere aus Trier und Paris erbeten. An diesen Arbeiten bethei- ligt fich Dr. Ewald. E ; Jn der Abtheilung Antiquitates hat der Leiter derselben, Prof. Dümmler in Halle, zunächst eine Sammlung der Gedichte der Karolingischen Zeit in Angriff genommen, die er auf zwei Bände anschlägt, und dafür selbst Handschriften der Leipziger, Sangaller, Züricher und Einsiedler Bibliothek benugt. Anderes boten die früheren Sammlungen der Monumenta, namentli<h von Bethmanns Hand. Abschriften oder Kollationen besorgten in Wien Dr. Kaltenbrunner, in London Þr. Knust, in Puy Dr. Baist, in nordfranzösischen und belgischen Bibliotheken Dr. Heller. Schmerzlih vermißt werden eine früher von Duchesne benußte Handschrift von St. Omer für Alcuin, eine Mabillon bekannte von St. Vannes zu Verdun für Theodulf. Mit Dank zu erwähnen is, daß dieser Abtheilung, wie mehreren anderen, namenili< auch der der Scriptores, aus dem Nachlaß Jafsés dur Geschenk des Besitzers Hrn. Buchhändler Joh. Reimer eine Anzahl werthvoller Abschriften und Kollationen u Théil geworden ift. G Wür Vas Neue Nrchiv unter Redaktion des Prof. Watten-

1876.

fahes und interessantes Material zu Veröffentlihungen. Die rege Thätigkeit auf dem Gebiet der Quellenkritik findet hier einen geeigneten Plaß zur Bekanntmahung von Untersuhungen, wie sie eben dur< die neuen Ausgaben der Monumenta oft erst möôg- lih geworden sind. Die den beiden ersten Heften am Schluß hinzugefügten kurzen Nachrichten zeigen außerdem, wie fortwäh- rend au<h mancher glü>lihe Fund unsere Kenntniß der Quellen erweitert oder wenigstens ihren Ausgaben eine fihere Grund- lage giebt. / L j

So darf nah allen Seiten hin dem großen Unternehmen der Monumenta Germaniae eine weitere gedeißlihe Entwidelung in Ausficht gestellt werden.

Berlin, im März 1876.

Statistische Nachrichten.

Das Kaiserliche statistishe Amt veröffentlicht in dem jeßt her- ausgegebenen Heft I. Abth. 2 der Vierteljahrsheste zur Statistik des Deutschen Reichs für das Jahr 1876 u. a. verschiedene Ueber- sihten über die Produktion der Bergwerke, Salinen und Hütten im Deutschen Reibe während des Jahres 1874. Was zunächst die Ergebnisse des Bergbaues betrifft, fo haben si< dieselben hinfichtlich des Werthes der geförderten Produfte im Jahre 1874 zwar weniger günstig, als im Vorjahre 1873 ge- staltet, dagegen diejenigen der Jahre 18665—1872 ganz bedeutend überstiegen. Im Einzelnen betrug der Gesammtwerth akler geförderten Montanprodufte in Millionen Mark: 1865: 186,2, 1866: 194,6, 1867: 210,3, 1868: 220,6, 1869: 224,8, 1€70: 241,9, 1871: 307,0, 1872: 405,3, 1873: 525,9, 1874: 496,8, wobei indeß zu bemerken, daß die Produktion Me>lenburgs erst vom Jahre 1869, diejenige Elsaß- Lothringens erst vom Jahre 1872 ab in vorstehenden Zahlen einbegriffen ist. Sieht man hiervon ab und stellt die Produktionêwerthe für 1865 und 1874 einander gegenüber, so ergiebt sih für leßteres Jahr eine Zunahme von 167%/6, an welcher hauptsächlich der Bergbau auf Kohlen betbeiligt gewesen ift. Der Werth der im Jahre 1874 geförderten Stein- und Braunkohlen war 426,4 Mill. Mark (85,8 °//9 vom Werthe aller Bergbauprodufkte), 1865 dagegen 140,3 Mill. Mark (75,4 °/9); die Zu- nahme von 1865—1874 hat hier also 204% betragen. Beim Grz- bergbau wurden dagegen gefördert: Eisenerze 1865 für 16,3 Mill. Mark, 1874 für 24,7 Mill. Mark, mithin Zunahme 51,5%; Zink- erze 1865 für 7,1 Mill. Mark, 1874 für 11,1 Mill, Mark, mithin Zunahme 56,3%; Bleierze 1865 für 13,5 Mill. Mark, 1874 für 18,3 Mill. Mark, mithin Zunahme 35,6"/9; Kupfererze 1865 für 3,7 Mill. Mark, 1874 für 6,5 Mu. Mark, mithin Zu- nahme 75,7 °%/9; Silber- und Golderze ‘1865 für 34 Mill, Mark, 1874 für 4,7 Mill, Mark, mithin Zunahme 38,2 °/o; sonstige Erze 1865 für 1,9 Mill. Mark, 1874 für 5,1 Mill. Mark, mithin Zunahme 168 °/9. Die Förderung von Mineralsalzen, welche in den vorstehenden Zahlen nicht einbegriffen, ist von 1,7 Mill, Mark in 1865 auf 4,9 Mill. Mark in 1874, sona< um 188 °% ge- stiegen; es befanden sich darunter Steinsalz (1865 für 0,7 Mill. Mark, 1874 für 1,4 Mill, Mark), Kalisalze (1565 für 0,9 Mill. Mark, 1874 für 3,5 Mill. Mark). Den bedeutendsten Antheil an dem Werthe der Bergwerksproduktion hatte das Königreich Preußen (1865 mit 157,2 Mill. Mark, 1874 mit 429,6 Mill. Mark) ; außerdem kommen hauptsäch- li in Betraht: Bayern (1865 mit 2,1 Mill. Mark, 1874 mit 6,6 Mill. Mark), das Königreich Sachsen (1865 mit 22,7 Mill. Mark, 1874 mit 46,2 Mill. Mark), Hessen (1865 mit 0,6 Mill. Mark, 1874 mit 1,2 Mill. Mark), Thüringen (1865 mit 1,0 Mill. Mark, 1874 mit 2,0 Mill. Mark), Braunschzzeig (1865 mit 0,8 Mill, Mark, 1874 mit 1,9 Mill. Mark), Anhalt (1865 mit 2,1 Mill. Mark, 1874 mit 5,2 Mill. Mark), Elsaß-Lothringen (1874 mit 6,4 Mill. Mark).

Der Gesammtwerth der von den Hüttenwerken im Deutschen Reiche erzeugten Produkte war in den Jahren 1865—1874 folgender: 1865 141,2 Mill. Mark, 1865 146,1 Mill. Mark, 1867 148,6 Mill. Mark, 1868 159,3 Mill. Mark, 1869 172,1 Mill. Mark, 1870 169,3 Mill. Mark, 1871 198 s Mill. Mark, 1872304,2 Mill. Mark, 1873 335,9 Mill. Mark, 1874 252,7 Mill. Mark. Auch hier zeigt fi, abgeschen von den Jahren 1870 und 1874, eine fortwährende Steigerung der produzirten Werthe, die sih bei Gegenüberstellung der betr. Ziffern von 1865 und 1874 auf 78 9/9 bere<hnet. Im Einzelnen find von den Hütien- werken hergestellt worden: Roheisen 1865 für 82,6 Mill. Mark, 1874 für 144,9 Mill. Mark, Zunahme 75,4 °/9; Zink in Blöd>en 1865 für 20,8 Mill. Mark, 1874 für 28,6 Mill. Mark, Zunahme 37,5 %; Blei in Blö>en und Kaufglätte 1865 für 14,9 Mill. Mark, 1874 für 29,0 Mill. Mark, Zunahme 94,6 ©°/9; Kupfer 1865 für 6,2 Mill. Mark , 1874 für 10,9 Mill. Mark , Zu- nahme 75,8 %; Silber 1865 für 13,1 Mill. Mark, 1874 für 26,8 Mill. Mark, Zunahme 104 °/9; sonstige Hüttenerzeug- nisse 1865 für 3,6 Mill. Mark, 1874 für 12,6 Mill. Mark. Von den einzelnen deutshen Staaten waren an dem Werthe der Hütten- produktion hauptsächlich folgeade betheiligt: Preußen (1865 mit 121,0 Mill. Mark, 1874 mit 206,9 Mill. Mark), Bayern (1865 mit 4,2 Mill, Mark, 1874 mit 5,6 Mill. Mark), Königreich Sachsen (1865 mit 10,9 Mill. Mark, 1574 mit 16,6 Mill. Mark), Württemberg (1865 mit 15 Mill. Mark, 1874 mit 1,7 Mill. Mark), Hessen (1869 mit 1,1 Mill. Mark, 1874 mit 1,6 Mill. Mark), Braunschweig (1865 mit 1,7 Mill. Mark, 1874 mit 2,8 Mill. Mark), Elsaß-Lothringen (1874 mit 15,5 Mill. Mark).

Gewerbe und Handel.

Dem Jahresberi<t des Magdeburger Vankvereins ent- nehmen wir folgende Daten: Das Institut hat im Jahre 1875 im Ganzen 251,292 A gegen 244,093 A im Vorjahre vereinnahmt, von wel<her Summe 183,462 4 gegen 165,768 f auf Zinsen und 55,196 gegen 27,256 G auf Provisionen entfallen. Nach Bestrei- tung der Handlungsunkosten mit 47,170 Æ, der Porti und Stempel mit 8686 M, der Inventarkonts - Abschreibung mit 1197 Æ hat sich, nachdem 40,127 4. als Verluste auf dem Effektenkonto abgeschrieben find, ein Reingewinn von 154,110 Æ gegen 147,199 A in 1874 ev- geben. Derselbe soll nebst 222 A Vortrag wie folgt verre<uet werden: 5% zur Reserve mit 7705 (, 10% Tantièmen mit 15,411 , 11,000 Æ uuf Extrarescrve und 120,000 F zur Vertheilung einer Dividende von 4%. Der Rest von 216 4 wird auf neue Re<hnung vorgetragen. G :

Die im Jahre 1873 gegründete LuremburgisheNational- bank hat im Jahre 1875 mit einem Kapital von 74 Millionen Francs (50 9% Einzahlung auf 15 Millionen Nominal-Kapital) gear- beitet und einen Bruttogewinn von 595,893 Fres. erzielt. Der Netto- gewinn heträgt 434,927 Frcs., wovon die Aktionäre eine 5% Divi- dende mit 375,(00 Frev., auf welche bereits eine Abschlagszahlung von 225,020 Fres. à 39/9 geleistet worden, erhalten. Das Portefeuille, dessen Jahresumsaß si< auf rund 397 Millionen beziffert, hatte am 31. Dezember einen Beitand von 9,883,745 Frcs. Die Notenzirku- lation belief fih auf über 3 Millionen, und hat in 1875 eine hötere Durchschnittsziffec erreiht, als im Vorjahre.

In Liverpool haben, wie die „A. A. C." meldet, 2500 Dof>arbeiter „Strike“ gemacht, weil die alten Arbeitsstunden von 7 Ubr Morgens bis 6 Uhr Nachmittags wieder eingeführt werden sollen. Falls der Streit nicht baldigst beigelegt wird, sind große Ver-

bah liegt reihliher Stoff vor. Sowohl die neucn Acbeiten

lassen, Die Ausgabe des Agnellus hat hierfür Dr. Holder-Egger

und Reisen wie au<h die alten Sammlungen bieten mannig-

fehrsfstörungen im Hafen zu befürchten.