1876 / 96 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

werden nah den obigen Ergebnissen {ließli nur Diejenigen übrig bleiben, welhe auf Kosten der Gesammtheit gern billig telegraphiren möhten, oder die den doktrinären Ansichten von künfiliher Vermehrung der Telegrammen - Produktion dur< Staatsprämie huldigen.

Zur Beseitigung der wilden Fischerei ift in den S8. 6 und 7 des Fischereigesezes vom 30. Mai 1874 nähere Vorsorge getroffen worden. Der $. 6 cit., welcher ih auf Küsten- und Binnenfischerei bezieht, verordnet, daß Fischerei- bere<tigungen, welhe, ohne mit einem bestimmten Grundbesigze verbunden zu seiä, bisher von allen Einwohnern oder Mitglie- dern einer Gemeinde ausgeübt werden konnten, künftig in dem bisherigen Umfange der politishen Gemeinde zuftehen sollen. Sodann isst dur $. 7 cit. der freie Fischfang in den Binnen- gewäfsern aufgehoben und dagegen ein Fischereire<t glei<hfalls für die politischen Gemeinden begründet worden. Ueber die Ausübung dieser den politis<hen Gemeinden übertragenen Fischerei- rechte trifft S. L des Gesezes die näheren Bestimmungen. Nach einem Cirkular-Reskript des Ministers für die landwirthschaftlihen Angelegenheiten vom 22. Februar d. Is. find diese Vorschriften bis jezt in vielen Fällen nur unvollständig dur- geführt. Der Minister hat deshalb die Kgl. Regierungen und Landdrofteien no< besonders darauf aufmerksam gemacht, daß aerade in der Beseitigung der wilden Fischerei eins der wirksamfren Mittel gefunden werden muß, um den dur< unge- regelte und \{honungslose Ausübung der Fischerei geshädigien Fischbeftand wieder zu verbessern, und daß die theils im Fifche- reigeseße schon erlassenen, theils dur< die Ausführungsverord- nung nat $. 22 daselbst no<h zu erlassenden fischereipolizeilihen Vorschriften nur geringen Erfolg versprehen können, wenn nicht zuglei der wilden Fischerei gesteuert wird. Hierbei bemerfît der Minister, daß es den politishen Gemeinden zwar frei steht, die Fischerei ruhen zu lafsen, dagegen aver nah $. 8 des Geseßes das Freigeben des Fischfanges unbedingt verboten ist. Um die wilde Fischerei und überhaupt den unberetigten Fishfang mög- lih| zu ver‘indern, hat das Gesez vom 30. Mai 1874 in den S8. 11 und ff. dur< das vorgeschriebene Erforderniß der Er- laubnißscheine und Bescheinigungen eine der wichtigsten Kontrol- maßregeln eingeführt. Darna<h bedarf derjenige, welcher die Fischerei in den Revieren anderer Berechtigter oder über die Grenzen der eigenen Berechtigung, beziehungsweise des freien Fishfangs hinaus betreiben will, eines na< näherer Vorschrift des Geseßzes ausgestellten und beglaubigten Erlaubniß- scheins, welchen er bei Ausübung der Fischerei zu seiner Legiti- mation stets mit fich zu führen und auf Verlangen des Aufsichts- personals und der Lofkal-Polizeibeamten vorzuzeigen hat. Au< derjenige, welcher die Fischerei aus eigenem Rechte oder als Pächter betreiben will, bedarf einer Legitimation, die jedo< nit den Charakter eines Erlaubnißscheins, sondern nur den einer Bescheinigung über die erfolgte, in $. 16 des Gesches vorge» \riebene Anzeige hat. Indessen find von dieser Verpflichtung diejenigen befreit, wel<he in ges<lossenen Gewässern sei es aus eigenem Rechte oder als Pähter die Fischerei betreiben wollen.

Die $8. 12 ff. enthalten nähere Vorschriften darüber, von wem die Bescheinigung oder der Erlaubnißshein auszustellen und zu beglaubigen ift und der $. 49 bedroht denjenigen, welcher bei Ausübung der Fischerei ohne die-vorgeshriebene Legitimation betroffen wird, mit Geldstrafe bis zu 30 # oder mit Haft bis zu einer Woche.

Die von einer Bezirksregierung* entwi>elte Anficht, daß die Bestimmungen des Geseßes vom 10. April 1872 bezüglich der Bekanntmachung der Königlichen Verordnungen, dur<h welhe das Recht zur Entziehungoderdauernden Beschränkung des Grundeigenthums verliehen wird, dur die Vorschrift des $. 2 Al. 2 des Gesezes vom 11. Juni 1874 abgeändert seien, ift von dem Handels-Minister in einem Reskript vom 5. v. Mts. für berehtigt ni<ht erahtet worden. Es find diese Verordnunger demna<h nicht allein durch die Amtsblätter bekannt zu machen, sondern es is au< in Gemäß- heit des S. 5 des Gesegzes vom 10. April 1872 eine Anzeige davon in die Gesez-Sammlung aufzunehmen.

Nath einem Cirkularreskript des Ministers der gei|t- lichen 2c. Angelegenheiten vom 22. v. Mts. ist die Frage, ob ein katholisher Pfarrer bere<tigt is, in den Kirchenvor- stand einer zu der Pfarrgemeinde gehörigen Filial-, Kapellen- 2c. Gemeinde, welche einen eigenen Geistlihen niht hat, als Mit- glied einzutreten, na< $. 5 Nr. 1 des Gesezes vom 20. Juni v. I. verneinend zu beantworten.

Nach 8$. 86 und 87 der rheinis<hen Gemeindeordnung vom 23. Juli 1845 stellt nah einem Erkenntniß des Gericht s- hofes zur Entsheidung der Kompetenz-Konflifte, vom 8. Januar d. I. die von dem Gemeinderath angeordnete Repartition der Einquartierungslaft nah dem Steuer- fuße fih als eine Vertheilung von Gemeindeauflagen dar. Die Frage, ob zu derselten ein Gemeindemitglied als Forense heran- gezogen werden fann, ift mit Aus\s{<luß des Rehtsweges lediglih dur< die Auffichtsbehörde zu entscheiden.

Zur eigenen Ausübung des Iagdre<hts auf seinem Grund und Boden if der Besiger nah dem Jagdpolizeigeseß vom 7. März 1850 nur auf fol<hen Befizungen befugt, welche in einem oder mehreren an einander grenzenden Gemeinde- bezirken einen land- oder forstwirth\shaftli<h benugten Flächen- raum von wenigstens dreihundert Morgen einnehmen und in ihrem Zusammenhange dur<h kein fremdes Grundftü> unter- brohen sind. Diese Vorschrift hat nah einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 24. März d. I. au< auf ein solches Grundftü> Anwendung, welches einen eigenen Gutsbezirk bildet.

E Die Verfälschung oder fäls<hlihe Anfertigung einer öffentlihen Urkunde, um Behörden oder Privat- personen zum Zwe>e des besseren Fortkommens zu täuschen, ift, wenn keine sonstige re<tswidrige Absicht bei der Verfälshung vorliegt, ni<t als Urkundenfälshung im Sinne des $. 267 des Strafgesezbuches, sondern aus\{ließli< als eine Uebertretung gemäß $. 363 des Strafgesesbuhes zu besirafen. Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 24. März d. I. In demselben führt das Ober-Tribunal aus: „Durch $. 363 if die in der Abficht, Behörden oder Privatpersonen zum Zwe>e des besseren Fort- kommens des Thâäters zu täuschen, verübte Fälshung von Sriftstü>ken der darin bezeihneten Art von der im $8. 267 unter Strafe gestellten Urkundenfäls<hung als eine leihtere, nur als Uebertretung anzusehende Kategorie von strafbaren Hand- lungen ausgeschieden.“

_ Der General-Poftmeister Dr. Stephan begiebt \si< in nôhster Woche in Telegraphen-Dienftangelegenheiten nah Eng- [land und Frankrei.

Lauenburg. Ratzeburg, 22. April.

i g. ; ril. Die „Lauenb. Z.“ \<rei>t: Am Gründonnerftage hat in Büchen cine Versamm-

lung ahtbarer Männer aus dem Herzogthum Lauenburg statt- R an der au<h Mitglieder des Landtages tzeilgenoumnen. we> war: Abfasung einer Erklärung an das preußische Haus der Abgeordneten in Betreff der Beschlüsse und Auslafsunzen, die, unter Leitung eines Herrn von der Sandt in der Stadt Lauenburg von einem \. g. Bürgerverein gefaßt sind. Ob- wohl dieselben bei ihrer Verlesung in jenem hohen Hause allge- meine Heiterkeit erregt hatten, hat man es doh für räthlih ge- halten, eine Gegenerklärung dur eine öffentliŸe Volksversamm- lung zu veranlassen, weil von Seiten der Fortschrittspartei der lauenburgis<he Landtag nicht als- ein genügeudes Organ der öffentlihen Meinung hier zu Lande betrahtet worden ist.

Bayern. München, 20. April. Die zweite Ab» theilung der Kammer der Abgerdneten hat, wie die „Allg. Ztg.“ mittheilt, bezüglih der beanstandeten Münchener Landtagswahlen gestern Abend nur den Hauptantrag des Referenten, Abg. Hau> die sämmilichen hiefigen Wahlen zu kasfiren —, dem genannten Blatte zufolge, erledigt; die weiteren Anträge desselben, wel<e verlangen, daß gegen den Magistrat München und gegen das hiesige Rentamt 1. Disziplinarunter- suchung eingeleitet werden solle, werden ers morgen zur Bes- rathung gelangen. Für die Kafsation der Wahlen hatten fich 14 ultramontane und gegen dieselbe 7 liberale Abgeordnete er- f(ärt. Von dem anwesenden Regierungskommifsär Ministerial - Rath v. Riedel, wurde der Hauptantrag des Referenten vom Rechtsftandpunkt aus in sehr eingehender und gründlicher Weise bekämpft, und es soll, der „Alg. Ztg.“ zufolge, fein Mitglied der Mehrheit der Abtheilung, obwohl einige hervorragende Juristen zu derselben gehören, den Anfichten des Regierungskommisjärs entgegengetreten sein. Die Angelegenheit wird in den erften Tagen der kommenden Woche in der Kammer zur Berathung gelangen.

Dem „Corr. v. u. f. D.“ wird aus München geschrieben : „Die nun bekannt gegebenen Resultate der Prüfungen der vor einem Jahre eingetretenen Einjährig-Freiwilligen behufs Erlangung des QualifikationsattesteszumReserve-Offizier find großentheils sehr ungünstig ausgefallen, so daß eine niht un- bedeutende Zahl der Prüflinge als Gefreite oder Gemeine zur Reserve verseßt wird. Man hört hier wie bei den Prüfungen für den Freiwilligendienst die gleihe Klage über den Mangel einer gründlihen Bildung und der dadur bedingten Unmögs- lichkeit einer gedeihlihen Fortbildung.“

Sachsen. Dresden, 21. April. Beide Kammern hielten heute Sizungen ab. Die Erste Kammer bewilligte Abth. 2 des Ausgabebudgets, den Bau-Etat, fast ohne Debatte durhweg nah den mit den Beschlüssen der Zweiten Kammer übereinftims menden Anträgen der Deputation.

Die Zweite Kammer verwies das Königliche Dekret, be- treffend die Einführung einer neuen Gebührentaxe für die Koften- bere<hnungen der Verwpaltungsbehörden erster Inftanz, an die Gesezgebungsdeputation, die fi<h darüber mit der Finanzdeputa- tion zu vernehmen hat, und bewilligte hierauf Pos. 8 und 9 des Einnahmebudgets mit geringen Erhöhungen bez. unver- ändert. In Bezug auf das K. Dekret Nr. 38, die Entschädigung der Geiftlihen und Kirchendiener für den Wegfall von Gebühren betreffend, blieb die Kammer bei den früher von ihr gefaßten Beschlüssen allenthalben stehen.

In der zweiten Kammer ift von nationalliberaler Seite der Antrag eingebra<ht, daß Verwaltungsbeamie im un- mittelbaren Staatsdieufte in Wahlkreisen, wel<he ganz oder theil- p zu ihrem Amtsbezirk gehören, nicht sollen gewählt werden önnen.

Baden. Karlsruhe, 20. April. Der Großherzog, die Großherzogin und dèr Erbgroßherzog, sowie die Prinzessin PVictoria und der Prinz Ludwig Wilhelm haben fih heute Nach- mittag zum Besuch des Kaisers nah Wiesbaden begeben. Die Großherzogin wird während des Aufenthalts Sr. Majestät in Wiesbaden dortselbst verbleiben, während der Großherzog beabsich- tigt, mit dem Erbgroßherzog und den jüngern Großherzoglichen Kindern nächsten Sonntag, den 23. April, na< Karlsruhe zu- rü>zukehren.

Hessen. Der „Allg. Ztg.“ wird aus Hessen unterm 19. ge- schrieben: Seit dem Inkrafttreten der neuen Gesege sind vier katholishe Pfarrstellen zur Erledigung gekommen, und ift wegen nit gesezmäßiger Wiederbeseßung derselben die Sperrung der Gefälle verfügt worden. Es sind dieses: Caftel, Budenheim (beide bei Mainz), Weißkirchen (bei Offenbach) und Untershönmatten- waag (im Odenwald). Da nah dem Gesetze die ordnungsmäßige Wiederbesczung fsolher Pfründen innerhalb eines Jahres zu ge- ehen hat und die erste Ende Juli v. J. in Erledigung kam, jo wird bis dahin die Entscheidung des maßgebenden Prinzips erfolgt sein.

Oldenburg. Oldenburg, 20. April. Die heute im Großherzogthum vorgenommenen Landtagswahlen sind, der „Wes. Ztg.* zufolge, faft dur<hweg oppofitionell ausgefallen.

Oefterreic&{-Ungarn. Wien, 20. April. Den Mel- dungen hiefiger Blätter zufolge dürften die ungarischen Minister nog einige Tage in Wien bleiben, da unter dem Vorfiße des Monarchen weitere Konferenzen über die \<webenden Au s- glei<hsfragen fiattfinden sollen. Jm Laufe des gestrigen Tages empfing der Kaiser zuerst den Grafen Andrafsy, dann den Minister-Präsidenten Fürften Auerspera, später den ungarischen Finanz-Minister Szell und den diefseitigen Finanz-Minister Baron Pretis. Im Laufe des Nachmittags traten die dies- seitigen Minister zu einer längeren Berathung zusammen. Außer diesen Aeußerlihkeiten ist über die bisherigen Verhand- lungen nihts Verläßliches bekannt.

In der gestrigen Sizung des Ausschusses der österrei < \chen Nationalbank kamen die Vorschläge der ungarischen Regierung, betreffend die Gründung einer selbständigen un- garishen Bank zur Diskussion. Die Direktjag empfahl die Ablehnung der ungarishen Vorschläge, welher An- trag na< kurzer Befürwortung von Seiten einiger Bank- aus\hußmitglieder einstimmig zum Beschlusse erhoben wurde. Vie nathträgli< gemeldet wird, bestanden die er- wähnten Vorschläge in Folgendem: Die österreichische Nationalbank errihtet in Pest eine selbständige Bank mit unabhängiger Leitung; die neue ungarishe Bank tritt zur Wiener Nationalbank in ein Kartellverhältniß; die Noten beider Banken sollen in der ganzen Monarchie den Zwangscours besizen; die beiderseitigen Gewinne wären zu gleihen Theilen zu repartiren; die Statuten beider Banken sollen nur dur< gemeinsames Einverständniß abgeändert werden können. Selbftverständlih hat fi<h der Bankausshuß niht mit einer - einfahen Ablehnung dieser Propositionen begnügt,

sondern seinen Beschluß in ausführliher Weise motivirt,

dabei aker der Hoffnung Austru> gegeben, daß es der Weisheit der ungarischen Regierung gelingen werde, einen \sol<hen Modus- zur Lösung der {<webenden Frage ausfindig zu machen, dur welchen die Einheit der Geldzeihen in der öfterreihis< - ungari=- {hen Monargie gewahrt bliebe. Die bezüglihe, in Form einer Denkschrift abgefaßte Antwort wurde bereits bem ungarischen Finanz-Minifter Szell überreicht. Wie es heifit, sollen bereits zwischen der ungarishen Regierung und den Leitern der National= bank neue Verhandlungen auf wesentlih veränderter Grundlage eingeleitet worden sein.

21. April. Gestern um 11 Uhr Vormittags hat im. Palais des Ministers des Auswärtigen in Wien abermals eine gemeinsame Minister-Konferenz stattgefunden, w?l<her Graf Andrafssy präfidirte. Ueber das Ergebniß derselben ift bis- her ni<t das Mindeste bekannt. Ie näher der Zeitpunkt der Entscheidung in der \<hwebenden Ausgleihsfrage heran- rüd>t, so wird dem „Prag. Abbltt.* von hier geschrieben, desto- drängender werden begreifliherweise die Journalgerühte, wel<e dieselbe unablässig begleiten. Das von den leitenden Kreisen. ftreng gewahrte Geheimniß erleihtert jenen Sensationspolitikern insofern ihre Aktion, als sie kein Korrektio finden fönnen, aus-

enommen in dem gesunden Sinne der Bevölkerung, die alle

erü<hte na<h ihrem wahren Werthe zu taxiren weiß. Ueber den gestern unter dem Vorfiße des Kaijers abgehaltenen Ministerrath wissen die Journale bereits o Manches zu er= zählen, während man es fi< do< an den Fingern abzählen fann, daß fie hierüber eben so wenig erfahren haben fönnen, wie über alle früheren Verhandlungen. Es fehlt darum allen Iournalmeldungen, wel<e der Situation einen besonders kriti- schen Charakter beilegen möchten, die reale Bafis, aus der sie die Berechtigung zu derartigen Shlüssen zu shöpfen im Stande wären, und fie können höchstens das einzige Moment für sich anführen, daß die Verhandlungen in das entscheidende Stadium gelangt find und ihren Abschluß finden werden. Während- über die zwishea- den beiden Regierungen stattfindenden Verhandlungen no<h immer der dichteste Schleier des Geheimnifses gebreitet ist, sind die Journale über die gleih!aufend Seitens der ungarishen Regierung mit der Na= tionalbank geführten Verhandlungen heute hon in der Lage, melden zu können, daß der Bankaus\huß die Vorschläge der ungarishen Regierung auf Errihtung einer Kartellbank ein- stimmig abgelehnt habe. Damit if in der Bankfrage eine neue und ni<ht unwesentlihe Komplikation geschaffen, vorausgeseßt, daß jene Meldungen in der Form, in der sie vorliegen, so un- bedingt lauten, als fie der Oeffentlichkeit übermittelt werden. Der niederöfterreihis<he Landtag verhandelte gestern über den Bericht des Gemeinde- und Verfafsungsaus\chufses, betreffend einige Aenderungen der Landesordnung und der Landtagswahlordnung. Nah längerer Debatte wurde folgender Antrag des Abg. Dr. Stöger angenommen: „Der Landtag wolle den Landesaus\<u$ß. beauftragen, in der nähsten Sesfion einen Geseßentwurf vorzu- legen, dur wel<en einerseits eine der Bevölkerungszahl und der Steuerleistung der Stadt Wien entsprehende Vermehrung der Anzahl der Abgeordneten derselben, anderseits , aber eine Vermehrung der Zahl der Abgeordneten der Landgemeinden vor- ges<hlagen wird.“

Pes, 20. April. In der heutigen Sißzung des Abgeord- netenhauses bat Minister Trefort das Haus Namens des Minister-Präsidenten Tisza, mit Rü>siht auf die Wiener Ver= handlungen und die Abwesenheit mehrerer Minister die Be= rathungen auf einige Tage zu vershieben. Der Präsident sprach diesen Beschluß aus.

Großbritannien und Jrland. London, 21. April. (W. T. B.) Die amtliche „London Gazette“ veröffentliht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Rom, Sir Paget, zu dem Range eines Botschafters. Demselben Blatte zu- folge ist der Hafen von Kiangtscheu auf der Insel Hainan seit dem 1. d. für den auswärtigen Handel geöffnet.

Glasgow, 22. April. (W. T. B.) Heute früh bra hier eine fur<tbare Feuers brunfi aus: die Hauptverkehrsader der Stadt, die Buchanan-Street, in welher fi<h die meisten Magazine befinden, fteht- in vollen Flammen. Bis jeßt ift es niht gelungen, des Feuers Herr zu werden.

Frankreich. Paris, 20. April. Es bestätigt sih, daß der Marshall Mac Mahon dem Feste in Orleans dem (447. Jahrestage der Befreiung der Stadt dur die Jungfrau) an- wohnen wird. Er reist, der „Köln. Ztg.“ zufolge, in Gefsell= schaft des Kriegs- und des Handels-Ministers am 6. Mai dorthin. Am 7. (Sonntag) is großer Gottesdienst in der Kathedrale, um 2 Uhr Preisvertheilung an die Aussteller, dann Besuch der Ausftellung. Des Abends wohnt der Präsident der Ueberreichung der Fahne der Jungfrau an den Bischof Du- panlop an.

In der heutigen Sißung des Budget - Aus- \{<usses wurden, laut Telegramm der „Köln. Ztg.“, diplo=- matische Aktenstü>ke über die orientalishen Ange- legenheiten von der Regierung vertrauli<h und unter dem ausdrü&lichen Vorbehalte, daß dieselben streng geheim gehalten werden müßten, mitgetheilt.

Die Ernennung des Msgr. Leguette zum Erzbischof von Lyon hätte demselben Blatte zufolge zu Schwierigkeiten mit dem Vatikan geführt; Frankreih wolle nämlich nicht in die Gründung eines abgetrennten Bisthums in Saint-Etienne ein- willigen.

Das Hauptinteresse nimmt no< immer der Kongreß der fatholishen Comités und dieRede des Kardinals Guil- bert in Anspruch, namentlich der Schluß derselben, welcher lautet : „Man muß es unsern Gegnern überlassen, fi<h zu entehren, und seien Sie überzeugt, fie werden niht ermangeln, es zu thun. Sie entehren si, indem sie uns außerhalb des gemeinen Rechts stellen. Sie werden uns die Freiheit zurü>nehmen, aber nit dabei stehen bleiben, weil es in dem Uebel wie in der Gerechtig- keit eine Logik giebt. Nah den Beschimpfungen werden wahr- \einlih die Gewaltthätigkeiten folgen; dann wird der Kampf kommen und uns der Sieg angehören. Meine Herren! Sagen Sie nur, wer find die Befiegten und die Sieger von 1871? Wer find die Besiegten ? Ist es der Erzbischof von Paris? Sind es die beiden auf dem Montmartre gestorbenen Generäle,. neben wel<hen wir unsere Kirche errihtet haben? Wer sind die Bes fiegten? Sind es die Geiseln? Sind sie niht die Sieger? Wir find die Sieger, weil, um zu fiegen, es hinreiht, zu sterben. Die Andern müßen tödten, um zu fiegen. Um zu leben, müssen fie nothwendig Lärm \{<lagen, Ehren, Reihthümer erwerben. Um zu fiegen, brauchen wir zu sterben.“

Der „Moniteur“ ertheilt dem Kardinal dur fol- gende KAuslafsung ¡eine gelinde Zurehtweisung: „Wir glau- ben, daß ‘der vom Kardinal - Erzbishof von Paris gegen das Geseg über de Verleihung der Grade vorgebrachte

Tadel übertrieben is. Weder die Regierung no< die Majorität haben bis jeßt die Idee gehabt, die Universitätsfreiheit zu unter- drü>en, die auf den breiteften Grundlagen besteht und bestehen wird. Man mill einfa<h dem Staat ein Monopol zurü>erftatten, das ihm von Rechts wegen angehört, und das man ihm nicht fireitig aemaht haben würde, wenn, als das Geseß angenommen wurde, Frankrei eine endgültige Regierung, Monarchie, Kaiserreich oder Republik gehabt hätte.“ Zu dem Schlußpassus bemerkt der „Moniteur“: „Die Ereignisse, wel<he der Kardinal erwähnt, find augensGzeinlihin dem Gedächtniß Aller, und fiedürfen nicht aus dem- selben vershwinden, weil fie an die absheulihsten Mifsethaten erinnern, wel<he die anti-\sozialen Leidenschaften hervorrufen fonnten. Aber wir glauben, daß es ungere<t ift, die republikanis<he Partei mit denen zu verwehseln, welhe sie unter der Kommune entehrt haben. In der \hre>lihen Katastrophe des Monats Mai 1871 darf man keinen politischen Gedanken suhen, und dies isst der Grund, weßhalb in diesem Augenbli>e die öffentlihe Meinung der Amnestie so wenig günftig ift, wel<he einen Theil der Verbrecher, die ihre Namen an die Brandstiftungen und Mordthaten der Kommune geknüpft haben, na< Paris zurü>führen würde. Dies ist aber ein Grund mehr, eine Majorität, die republikanis< sein kann, ohne deshalb aufzuhören, gemäßigt zu sein und alle Rehte des Gewissens und der Religion zu achten, mit den Anstiftern des unglü>lihsten aller Aufftände nicht zu verwe<hseln. Wir find überzeugt, daß die Geiftlichkeit unter dem jezigen Regime keine Gewaltthätigkeit zu fürchten hat.“

Die „Indép.* sagt, man finde in diesen erzbis<höflihen Auslafungen die ganze Phraseologie wieder, die man jeßt überall hôre: Die Klerikalen ftellen si< als Opfer und Märtyrer hin, nah ihren Auslafsungen wären fie die Unterdrü>ten, genöfsen keinerlei Freiheit, die Laienwelt aber habe eine „Vershwörung gegen die katholische Religion“ organifirt.

„Daß ader ungeachtet ihrer Klagen die Klerikalen es keines- wegs aufgegeben haben, ihren Feldzug gegen die moderne Ge- \scll\haft fortzusezen, ging, wie die „K. Z.“ berihtet, aus der gestrigen zweiten Sizung des Kongresses hervor. In derselben verlangte ein gewisser Lallemand, daß die „Enfants assistés“ (die neugebornen Kinder, deren Erziehung die Verwal- tung auf \fi< zu nehmen hat) unter die Obhut der katholishen Ausschüsse gestellt würden, um die nöthige körperliche und geistige Erziehung zu erhalten. Louis Milcent, Auditor im Staats- rath, welher über die katholishen Gefellenvereine Bericht er- ftattete, suchte darzuthun, daß die Kirche alle Arbeiter in ihre Hand bringen müsse, und erließ zugleich einen Aufruf an die Arbeitgeber, damit dieselben das „Werk“ dadur< begünstigen, daß fie den Arbeitern, die zu demselben gehören, den Vorzug gäben. Der Vortrag des betreffenden Berichts gab zu einem Hoch für den Grafen de Mun Anlaß. Nah demselben erhob sich der Senator de Belcasiel, um den Wunsch auszudrü>en, daß man den „Apostel der Gesellenvercine“ bald in der Deputirtenkammer mit seiner ganzen Kraft, seiner ganzen Beredsamkeit und \cinem ganzen Glauben sehen werde. Aus dieser Sigung ist noch her- vorzuheben, daß eine Depesche vorgetragen wurde, worin der Papst den katholishen Ausschüssen seinen apoftolishen Segen ertheilt, und daß Louis de Cissey, Bruder des Kriegs-Ministers, einen langen Bericht über die Heilighaltung der Sonn- und Festtage erstattete.“

Die „Rép. Fr.“ verlangt in Bezug auf die Amnesties frage, daß auf die erste Redaktion Philippoteaux zurü>ge- gangen werde, welche die Verjährung für alle insurrektionellen Akte bewillige, auf die keine Todesstrafe stehe. So bleibe die Verfolgung der Urheber und Mitshuldigen der Brandstiftungen und Mordthaten vorbehalten, die aber, deren Verbrechen geringer und bis jegt nit bestraft seien, fänden ihre Ruhe und Sicher- heit wieder. Auch solle das Begnadigungsreht des Präsidenten dabin erweiteri werden, daß er au< die Konsequenzen der ent- ehrenden Strafen für null und nichtig exklären könne.

Ein Telegramm aus Algier vom 19. d. M. meldet, daß der Aufftand im Süden der Provinz Conftantine nunmehr lofkalisirt is, Die Insurgenten find in ihrer Dase blokirt, und General Carteret hofft, daß, wenn die Verstärkung, die er erwartet, eingetroffen, denselben strenge Bedingungen auferlegt werden können.

21. April. (W. T. B.) Der Marschall-Präsi- dent hat héute früh die Königin von Großbritannien begrüßt, als dieselbe bei der Weiterreise nah Cherbourg Paris auf der Ringbahn berührte. Die Kommission für die Weltausftellung hat fih bei der Wahl des Aus stellungs- plazes nunmehr definitiv für das Marsfeld und den Trocadero entschieden.

Spanieu. Madrid, 17. April. Nächster Tage wird der Finanz-Minister den Cortes das Budget vorlegen. In dem Bericht, den er demselben voraus\hi>en wird, find, wie der Kor- respondent der „Köln. Ztg.* erfährt, zunächst die Ursachen der mißlichen Finanzlage erwähnt. Die gegenwärtige Regierung,die einem äußerst kofispieligen Kriege ein Ziel seßte, ohne eine neue Anleihe zu magen, wird, wie der Bericht erklärt, allerdings Zeit brauchen, um eine Ordnung der Finanzen zu erreihen. Sie wird aber das Kapital der Schuld nicht herabsezen, und aufs Genaueste die Zinsen bezahlen, wenn au na<h< ver- ringertem Zinsfuß. Mit der Zeit wird eine beständige Amortifirung fie in denStand seten, die3 Prozent wieder vollftändig zu bezahlen. Siewird dieCinkünfteSpaniens dur< eine bessereFinanz- verwaltung und durch eine Erhöhung der Steuern vermehren. Sie ist ents<lofen, Alles für die Wiederaufrihtung der Finanzen Spa- niens zu thun, indem fie ihren Gläubigern den höchsten Zinsfuß bezahlt, der ihr im Augenbli> mögli< ift, und indem fie sih größere Opfer auferlegt, als irgend eine andere Nation. Das Nationalvermögen wird 25 Prozent seiner Einkünfte dem Staat bezahlen, und die Ausgaben für die Armee, für welhe der Kriegs-Minister 700 Mill. Realen verlangte, werden um ein Drittel verringert werden. Der Finanz - Minister weist dann s\<ließli< darauf hin, daß er ungeachtet des Krieges \<on bedeutende Mehreinkünfte erzielt hat, unter Anderen 80 Millionen auf den Tabak, und daß Zölle fon erhebli<h mehr eintragen, da die Grenz- und Küstenftrecen, die während des Krieges niht überwaht werden konnten, von den Zollwächtern wieder beseht find.

Italien. Rom, 19. April. (Ital. Nachr.) Das eDiritto“ bringt ein Verzeichniß der Gef egentwürfe, welhe die Re- gierung dem Parlamente während der nächsten Monate zur Berathung vorzulegen gedenkt. In erster Reihe ftehen die Budgetmodifikationen, die fie für nöthig hält. Dann kommen die Vorlagen, welche die Hafenarbeiten in Genua, die Regulirung des Tiberstroms und die Reform des Wahlgeseßes betreffen. Ueber die bisher erwähnten Vorlagen werden, wle das „Diritto* hofft, die Meinungen nit weit auseinander gehen, über andere herrsht aber die größte Verschiedenheit der Ansichten,

Die Blätter der Rechten haben fich {hon ganz offen aus- gesprochen, indem fie verlangen, daß die Deputirtenkammer fih nah den Budgetverhandlungen sofort mit den Handelsverträgen und den Eisenbahnkonventionen befassen müsse, was nah dem „Diritto* weder zwe>mäßig no< mögli<h wäre; denn nach den Standpunkte zu urtheilen, auf welhem die Unterhandiungen über die Handelsverträge fianden, als fie vor ungefähr einem Monate abgebrochen wurden, hätte au<h das Ministeriu Minghetti dieses Kapitel von seinem Programm fireichen ui die Verlängerung der alten Verträge bis zum Ende des laufenden Jahres verlangen müssen, weil höchstens mit der Shweiz der Abshluß eines neuen Handelvertrages mögli ge- wesen wäre. Daher werde das Minifterium Depretis, gerade wie auch das abgetretene Kabinet häite thun müssen, dem Par- lamente erst im November die Entwürfe zu den neuen Handels- verträgen in Frankreih, Oefterreih:Ungarn und der Schweiz vorlegen.

Der Minifter der öffentlichen Arbeiten hat eine Kom- misfion ernannt, welche Vorschläge ausarbeiten soll: zu genügen- der Poftverbindung aller Theile Italiens und zu regel- mäßiger Dampfschiffahrt mit der Levante sowie den an- dern Ländern des Orients und mit dem Occidente. Italienischen Blättern zufolge ift der frühere italie- nishe Gesandte am rusfischen Hofe, Herzog Caracciolo di Bella zum Präfekten von Rom ernannt worden, der Práfekt von Udine, Com. Bardesono, zum Präfekten von Mailand, der Präfekt von Venedig, Com. Mayz, zum Präs- felten von Neapel, der Präfekt von Pavia, Com. Bargon, zum Präfekten von Turin, der Präfekt von Maserata, Com. Casalis, zum Präfekten von Genua, der Parlaments- Deputirte, Com. Gravina, zum Präfekten von Bo- logna, der Staatsrath Zini zum Präfekten von Palermo, der Präfekt von Avellino Com. Binda zum Prä- fekten von Pavia. Der Unter-Präfekt von Voghera ist wegen seines Cirkularschreibens an die Bürgermeister, worin der Minifter Nicotera eine Beeinflussung der Wähler zu Gunsten der Wiedererwählung des Minifter - Präfidenten erkennen zu müssen geglaubt hat, seines Amtes und seiner Besoldung ent- seßt worden.

Da der leidende Zuftand des Kardinal Antonel li fich niht bessern zu wollen scheint, so ift ihm der Kardinal Berardi als C oadjutor beigegeben worden. Den „Ital. Nachr.“ zufolge wäre im Vatikan beschlossen worden, daß Monsignor Mermillod von der Grenze des Kartons Genf aus vermittel|t eines Unterhändlers mit der Schweizer Regierung wegen seiner Rü>kehr in seine Diözese Verhandlungen pflegen solle, und gäbe man \i< der Hoffnung hin, daß, es ihm bald geftattet sein werde, na<h Genf zurü>zukehren.

Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Dänemark find unter dem Namen Graf und Gräfin Krom- borg in Neapel angekommen und im Hotel Gran Bretagna ab- gestiegen.

Griechenland. Athen, 21. April. (W. T. B.) Der Minister-Präsident Comunduros hat aus Anlaß der bevorstehenden Abreise der Königlihen Familie nah dem Aus- lande ein Cirkularshreiben an die Präfekten gerichtet, in welhem die im Innern und nah Außen herrschende Ruhe her- vorgehoben und die Hoffnung ausgesprohen wird, daß die friedlihe Politik Griehenlands bezüglich der Orient- frage anerkannt und von der Türkei dur< thatsächliche freund- \haftlihe Politik werde erwidert werden.

Türkei. Konstantinopel, 21. April. (W. T. B.) Dur einen Irade des Sultans ist die Bildung eines militäris<hen Lagers in Scutari (Albanien) vehufs Ueberwahung von Montenegro angeordnet worden.

Von militärisher Seite erhält die „Polit. Corr.“ fol- gendes Tableau über die effektiven Streitkräfte der Insur- genten und Türken in der Herzegowina: Die Streit- fräfte der Insurgenten bestehen nah dieser Darstellung aus: 1100 Mann der Stämme Piva, Iezerac und Drobnjaï, unter Lazar Socica, mit 250 Snider-, 400 Wänzelgewehren, 300 Miniékarabinern und einer Anzahl Vorderladern; 850 Mann der Stämme von Ga>o, größtentheils unter Führung des Popen Bogdan Zimonic, mit 150 türkishen Snider- gewehren, 100 Gewehren - System Wänzel und im Uebrigen Vorderladern; 1200 bis 1300 Mann der Stämme Banjani und Rudina, von denen circa 450 Mann unter Führung eines provisorish an Stelle des gefallenen Wojwoden Maksim Bacevic getretenen Kapitän fe<ten und mit 9280 türkishen Wänzelgewehren, im Uebrigen mit Vorderladern bewaffnet find; 350 Mann der Stämme von Nevesinje, unter Drago Obren, mit 50 Wänzelgewehren und 150 Vorderladern ; 300 Mann der Stämme von Zubci und Korjen, unter Trifko Vukalovic, bewaffnet mit Wänzelgewehren; 300 Mann der Stämme von Suma, unter dem Popen Melentije; circa 1000 Mann Katholiken aus dem Popovo Polje, unter Führung des fatholishen Geistlihen Jvan Music; 450 Mann, unter Pefo Pavlovic, ein Corps. das, ursprünglich 800 Mann zählend, bereits 150 Mann an Todten und 200 Mann an Ver- wundeten verloren hat ; endli<h aus kleineren Banden unter Füh- rung von einigen Ausländern, auf welche übrigens keine großen Stü>c gehalten werden. Im Ganzen beziffert si< die Streit- macht der Insurgenten auf 4500 Mann, bewaffnet mit 700 Snider-, 1500 Wänzelgewehren, einigen Hinterladern verschiedener Systeme, im Uebrigen mit Vorderladern.

Die Streitkräfte der Türken wurden Mitte März d. J. mit 23,000 bis 25,000 Mann berechnet, mit der Bemerkung, daß dies den Rest von 40,000 Mann, welche nah und nah auf den Kriegsschauplaß gebraht wurden, darstellt ; 17,000 Mann sollen in Folge von Gefehten, Krankheiten, Kälte und Hunger in Abgang gekommen sein. Dieselben bestehen aus Nizam-Truppen, Redifs und Baschi-Bozuks. Die ersteren sollen den Kern der Streit- macht bilden; aber auch diese sollen seit 1862 bedeutend an Werth eingebüßt haben: denn fie seien in einer ganzen Reihe von Gefehten nur ein einziges Mal (28. Januar) angriffsweise vorgegangen und hätten fich auf Distanzen gehalten, die den Insurgenten ermöglicht hätten, unbelästigt abzuziehen.“

Von der Una, 18. April, wird derselben Korrespondenz geschrieben: „Ueber die mehrtägigen Kämpfe, welhe fih bei Risovac zwischen Insurgenten und Türken entsponnen haben, find wir in der Lage, Genaueres melden zu können: Wiewohl bei Risovac fi< mindestens 6000 Türken befanden, welche mit Ausdauer und Tapferkeit kämpften, gelang es ihnen do ni<t, die Insurgenten aus ihren vortreffli<h geœwählten und gut befestigten Positionen zu vertreiben. Am 15. Vormittags neigte si<h \<hon der Vortheil den Aufständischen zu, welchen es in den Nahmittagsstunden \{<ließli< gelang, die Türken

zurüzuwerfen und eine kleine Strecke zu verfolgen.

Mann gelangten nah Novi. Diz Insurgenten erbeuteten einige bundert Gewehre, Munition, Pferde und Schlachtvieh. Uebrigens ist dieser Sieg den Auffständishen theuer zu stehen gekommen. Wenn die Verluste derselben auf 550 Mann veranshlagt wer- den, so ift dies eher zu niedrig gegriffen.’ Wie die „Pol. Corr.“ annimmt, dürften die Verhältnisse des Vilajets fi<h in der nächsten Zeit no< bedenkliher gestalten. Die Junsurreftion dürfte fi< wahrsheinlih na< dem Herzen der Provinz ausbreiten und Banjaluka würde bald bedroht sein. Die Pforte verfüge über keine Truppen mehr. Die moham- medanishe Bevölkerung \<aue fehr trübe in die Zukunft. Nach einer weiteren Mittheilung der „P. C.“ hätte die Kunde, daß die türkis<he Regierung die in Mesopotamien und Bagdad stehenden Truppen nah Konstantinopel berufen wolle, in der türkis<hen Hauptstadt einen panischen Schre>en hervorgerufen, weil man Seitens dieser Truppen die Ein- \{leppung der Pest nah Europa befürchtet.

Amerika. Aus Washington melden Kabeldepeshen der „A. A. C.“ vom 19., daß die Anklagekommisfion des Reprä- sertantenhauses den Einwand des Vertheidigers Belknaps gegen die Kompetenz des Gerichtshofes in Gemäßheit der An- flage-Artikel verworfen hát. Das Haus hat fi< bis zum 27. vertagt. Iefferson Davis wird fich am 1. Mai zu einem se<smonatli<hen Aufenthalt nah Europa begeven, um für die Herstellung eines direkten Handels zwishen den Städten des Misfissippithales mit Europa zu wirken. Das Haytische Konsulxt hat per Kabel Depeschen aus Kingston erhalten, welche mittheilen, daß die Revolution in Hayti die Oberhand gewinne, daß General Domingue, der Präfident, die Flucht ergriffen habe, (also niht, wie eine Depesche des „W. T. B.“ meldete, erschossen wäre) daß aber der Vize-Präfident sowie der kommandirende Genera: ershossen worden wären.

Wie der „Agence Havas“ aus St. Thomas vom 21. April gemeldet wird, ist der flühtige Präsident der Republik Haiti, General Domingue, dort eingetroffen. Die neue Re- gierung in Haiti hat fi<h no< ni<t organifirt. Die Fremden find von den Aufständischen bisher niht belästigt worden.

Die neuesten aus Mexiko mit dem englishen Poft- dampfer von Vera Cruz in Havana eingetroffenen, bis zum 30. März reihenden Nachrichten lauten sehr widersprehend. Während das „Diario“, das offizielle Regierungsorgan, €r- klärt, daß das Land, ausgenommen die Staaten Oaxara und Vera Cruz, ruhig sei, und daß der Frieden höchstens dur kleine planlos umherftreifende Banden geftört werde, wird von anderer Seite behauptet, daß zwar dieErklärung des Kriegszuftandes in vielen Provinzen die Ausbreitung der Revolution verhindert habe, daß aber Daxaca fich noch in den Händen der Infurgen- ten befinde, da die Bewegungen des Generals Alatorra bis jezt fru<htlos waren. Ferner heißt es: „General Escobedo befand \s< in Quereiaro. Er hat der Bundes- regierung 3000 Mann zur Verfügung geftellt, und weitcre 3000 Mann binnen 14 Tagen angeboten. Die Zahl der unter Waffen stehenden Gegner der Regierung . im ganzen Lande wird auf 10,000 geshägzt. Eine große Versammlung in der Nähe der Hauptstadt, welhe ihre Sympathie mit der revo- lutionären Bewegung tumuituaris<h zu erkennen gab, wurde von der Landpolizei angegriffen und augseinandergetrieben, wobei ca. 100 der Versammelten getödtet wurden. Es bestätigt sich, - daß Rocha si ergeben hat. Der Isthmus von Tehuantepec war mit Ausnahme von Juchitan in den Händen der Rebellen. Die Arbeiten an der Centralbahn in Nueva Leon find eingestellt. Der Bahnverkehr zwishen Vera Cruz und Meriko ist in Felge der Verheerungen, welche die Jnsurgenten angerichtet, beinahe vollständig unterbrochen. General Lonza hat Tehuacan wieder genommen und verfolgt die Jnsurgenten, welche die Bahn zer- störten.* Die „Review“ schreibt die Schuld an den Unrußen der Kirchenpartei zu.

Nr. 16 des „Central-Blatts für das Deutsche Reich“, herausgegeben im Reichskanzler-Amt, hat folgenden Inhalt : Alige- meine Verwaltungësachen: Verweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet. Münzwesen: Uebersicht über die Ausprägung von Reichsmünzen. Finanzwesen: Nachweisung über die bis zum 31. März 1876 präfkludirten, ferner über die an diesem Tage im Umlaufe bezw. im eigenen Bestande der deuis<en Notenbanken vor- banden gewesenen, sowie über die nach erfolgter Einlöfung vernichteten Banknoten; Geldankäufe Seitens der Reichsbank. Marine und Schiffah.t: Erscheinen des 4. Verzeichnisses der Ergänzungen 2c. zum Signalbuch für die Kauffahrteisiffe und des 1. Nachtrags zur amts- lichen Schiffsliste ; Abänderung des Verzeichnisses der Kommissionen für die Prüfung der Secschiffer. Zoll: und Steuerwesen : Koms- petenzen von Stzuerstellen. Konsulatwesen: Ernennung 2c.

Nr. 10 des „Armee-Verordnungsblatts*", heraus- gegeben vom Kriegs-Minifterium, hat folgenden Inhalt: Ration3- Angelegenheit. Abänderung der Jaftrufktion für die Rrigade-Kom- mandos der Fuß- Artillerie, der Vorschrift ¿zur Verwaltung der Ar- tillerie-Depots, der allgemeinen Geschäftéordnung für die Fortififa- tions- und Artillerie-Bauten und der Vorschrift über das Geschäfts- verfahren bei den te<nisden Revisionen. Abänderung der Anleitung für Roßärzte zu dem Verfabren bei Vornahme von Sektionen ges tödieter und geftorbener Pferde der Truppen. Bekanntmachung ver- vielfältigter Bestimmungen. Teplißer Bade-Angelegenheit. Bes richtigung eines Dru>feblers in der Veschäftsordnung für das Gar- nison-Bauwesen. Zweiter Nachtrag zum Schulverzeichniß vom 19. Januar 1876. Einrichtung eines neuen Remonte Depots in der Yrovinz Preußen. Ermächtigung des Dr. med. Gieseler zu Moékau zur Ausstellung von Zeugnissen für deutsche Militärpflichtige im In- nern Rußlands. Dritter Nachtrag zum Schulverzeibniß vom 19. Januar 1876. Todtenschein für einen gewissen Adolph Sodinger. Extraordinâre Verpflegungszuschüsse für Oranienburg und Lingen pro 2. Quartal 1876 Bekanntmachung der Lebens-Bezrsicherung8- Anstalt für die Armee und Marine.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Mie dem „Auslande“ aus Cairo geschrieben wird, hat Pro- fessor Dümichen aus Straßburg den ganzen Winter. üver {ünf Monate, in Theben gearbeitet und zwar faft aus\{licß;li<h in cinrm ungeheuren Felsengrabe auf dem Weitufer des Niis. Jenes b'shyer nur in seinen oberen Räumen näher betanzte und untersuchte Grab enthält in drei Sto>werken vertheilt se<8unddreißig Säle, die alle mit Inschriften bede>t find.

In der leßten Sißung de- Societät der W|isenichaf- ten in Upsala wurde u. A. Profcssor Emil Du Bois-Ney“ moud in Berlin zum Mitgliede derselben erwähit.

Der Florentiner Professor Gilbert Hovi, der bekanntlich zum permanenten Aufseher des Pariser Meter-Obfervatoriums einannt worden, hat fich dieser Tage von Floren2 na< Paris begeben, um den Sitzungen der internationalen Metermessuugs$- fommission beizuwohn:-n und fich in dem m übertragenen Amte be- stätigen zu lassen.

Die Türken zogen s< auf Banjaluka zurü> und nur 1800 -

Mr. Morier, der großbritannische Ge <â*ts:rôger in Münden, tat ein Buch geschrieben, welches unte: dem Tel y Selbst«-