1900 / 90 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Präsident Waldeck - Rousseau erinnerte daran, daß die Kammer fünfmal seiner Politik zugestimmt habe, und wies auf die Nüglichkeit der von der Re- ierung eingebrahten, gegen die unleidlißen Be-

trebungen der religiö)en Vereinigungen gerihteten Vor- lagen hin. Die Regierung habe die alten republikanischen Traditionen wieder aufgenommen, und ihre Bemühungen seit 10 Monaten seien nicht vergebens gewesen, das Land sei ruhig, die Ausstellung werde beweisen, daß der innere Friede wieder hergestellt fei. Der Minister - Präsident wies schließlich auf die Befezung von Tuat hin, sprach sich für den Geseßentwurf, betreffend die Kolonialarmee, aus und brachte eine Vorlage ein, welche den Ausbau der Vertheidigungsmittel an den Küsten und in den Kolonien be- zweckt. Der Deputirte Berteaux beantragte, daß die Rede des Minister-Präsidenten öffentlih angeschlagen werde. Der Deputirte Méline warf dem Minister-Präsidenten vor, daß er von seinen alten Grundsäßen abgewichen sei, daß er Millerand einen überwiegenden Einfluß im Kabinet gewähre und sih dem Sozialismus gefällig zeige. Das Land weise eine derartige Politik zurück. Die Kammer beschloß hierauf mit 286 gegen 9211 Stimmen, daß die Rede des Minister-Präsidenten öffentlich angeschlagen werde, und trat sodann in die Spezialdebatte über das Budget ein.

Belgien.

Jn der gestrigen Sißung der Nepräsentantenkammer verlas, wie „W. T. B.“ meldet, der Minister-Präsident de Smet de Naeyer eine Mittheilung, zufolge welhec der König alle seine unbeweglihen Güter dem Lande zum Geschenk macht. Die Rechte hörte die Verlesung, welche vom Hause mit anhaltendem Beifall begrüßt wurde, stehend an. Der Kammer wurde dann ein besonderer Geseß- entwurf, betreffend die Annahme der Schenkung des Könias, vorgelegt. Der Vorlage ist das nachstehende Schreiben des Königs an den Minister des Jnnern beigefügt:

Aus Anlaß meines 65. Geburtstags liegt es mir am Herzzn, dem Staate diejenigen meiner Besizungen zu überweisen, die zur Annehm- lihkeit und Schönheit der Oertlichkeiten, wo sie gelegen find, bei- trazen. Von dem Wunsche beseelt, diefen Gütern ihre Bestimmung, die Umgebung zu vershönern, zu erhalten, habe id ständig darüber cewadht, daß si: dur keinerlei Bauten, die ihre Eigenart veräudern könnten, verunstaltet würden. Es wäre bedauerlich, wenn nah mir diese ihre Bestimmung zum Schaden des L1ndschaftsbildes und der Gesundheit verschiedener bevölkerter Bezirke zu nihte würde. In der Ueberzeugung, daß es fh empfehle, daß diese Güter dem Lande gz- bôren, babe ih beshloffen, fi: Belgien darzubieten, und bitte Sie, die beiliegende Schenkungs-Urkunde den Kammern zu unterbreiten.

Rumänien.

Im Senat interpellierte, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern der Senator Majoresco (Junimist) über die An- gelegenheit Hallier und beantragte eine parlamentarische Untersuhung. Nach Erwiderungen der Minister Lahovary und Jonesco ging das Haus zur Tagesordnung über.

Afrika.

Eine Depesche des Feldmarshalls Lord Roberts aus Bloemfontein vom 10. d. M. besagt: Der Feind war in den leßten Tagen sehr thätig; ein Kommando steht nördlih vom Oranjefluß nicht weit von Aliwal North, ein anderes greift die Garnison von Weppener an, die si sehr tapfer hält und den Buren gestern s{hwere Verluste zugefügt hat. Der „Times“ zufolge besteht die britische Truppenabtheilung bei Weppener aus 400 Mann.

Jn einem weiteren Telegramm des Feldmarschalls Lord Noberts vom gestrigen Tage heißt es: Der General Sir Redvers Buller melde, daß der Feind am 10. d. M. seinen rehten Flügel angegriffen habe, als derselbe seine Stellung änderte. Die britische Artillerie habe jedoch die Geschüße der Buren zum Schweigen gebraht. Die Buren hätten den An- griff nit erneuert. Die britishen Verluste beliefen sih auf 4 Todte und 8 Verwundete.

Ueber den Verlauf dieses Gefehts meldet das „Reuter'she Bureau“ aus Ladysmith: Die Buren eröffneten am 10. d. M. in früher Morgenstunde das Feuer und warfen von drei weit von einander getrennten Stellungen Granaten in das britishe Lager bei Elandslaagte, richteten jedoch feinen Schaden an. Die Geschosse fielen in das Freiwilligen-Lager. Kavallerie, berittene Jnfanterie und Jnfanterie rückten zur Rekognoszierung aus und fanden den Feind in großer Stärke gut verschanzt. Die Schiffsgeschüße erwiderten das Feuer der Buren. Unterdessen véersuhten die Buren eine Flanken- bewegung zur Rechten und Linken der britishen Truppen, die aber durch das Feuer der leßteren verhindert wurde. Zwei bei der Bedienung der Geschüße thätige Matrosen sind efallen; auch haben die Engländer noch cinige weitere Ver- uïte erlitten. Gerüchtweise heißt es, daß eine Buren- Abtheilung südwestlich von Elandslaagte aufgetaucht sei.

Aus Colesberg vom 11. d. M. berichtet das „Reuter'sche Bureau“’, der Feldmarschall Lord Roberts habe angesihts der Unruhen an der Grenze eine Proklamation erlassen, in welcher er die Bewohner der nördlichen Distrikte der Kapkolonie darauf hinweise, daß er gegen weitere Akte von Feindselig- keit keine Milde, sondern die äußerste Strenge des Kriegsrechts in Anwendung bringen werde. t

Nicht der General Chermside, wie gestern gemeldet worden war, sondern der General Pole Carew is zum Nachfolger des Generals Gatacre ernannt worden.

Dem „Standard“ wird aus Durban vom 11. d. M. gemeldet: Eine ganze Brigade ist von Natal abgegangen, um zu den Truppen des Feldmarschalls Lord Roberts zu stoßen. gu weitere Regimenter schiffen sih heute ein. Der General

urnter wird das Kommando über die Brigade übernehmen.

Nach einer Meldung aus Simonstown beabsichtigen die britishen Behörden, die gefangenen Buren sobald als möglih nah St. Helena zu schaffen, da die für die Ver- sorgung derselben ungünstigen Verhältnisse täglich von neuem zu Tage träten. Den „Daily News“ zufolge sind bereits am

0s 400 Buren in Kapstadt nah St. Helena eingeschifft worden.

Dem britischen Kolonialamt sind, wie „W. T. B.“ erfährt, sehr beruhigende Nachrichten aus Kumassi zu- genangen. Die telegraphische Verbindung ist wieder hergestellt worden.

Nr. 15 der „VerdöffentliSungen des Kaiserlihen Ge- sundheitsamts“ vom 11. April hat folgenden Inhalt: Personal- Nachrichten. Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten, Zeitweilige Maßregeln gegen . Desgl. gegen Gelbfieber. Gesetzgebung u. s. w. (Preußen. Berlin.) Kinderarbeit. (Reg.- Bez. Potsdam.) Bauarbeiter. Vieh- und Fleishbeshauer. (Reg.- Bez. BGleswig,) Hackfleish. (Mecklenburg-Schwerin.) Schweine- rothlauf. (Anhalt.) Tuberkulose Schlahtthiere. (Hamburg.) Medizinal. Ordnung. Hebammen-Ordnung. (Oesterreih.) Rigo- rofen-Ordnung. Kindershuz. (Böhmen.) Hebammenwesen. (Steiermark.) Beweaung der Bevölkerung. (Kärnten.) Trink- waffer. (Krain.) Diphtherie, (Belgien.) Schiffe. (Nieder- lande.) Sanitäts-Reglement. Gang der Lhierseuhen im Deutschen Reiche, 31. März. Desgl. in Dänemark, 4. Vierteljahr. SZeitweilize Maßregeln gege® Thierseuhen. (Preußen, Reg.-

- Bairke Breslau, Hildesheim, Düsseldorf, Sigmaringen, Sachsen,

Elsaß-Lothringen, Schweiz, Rußland, Argentinien.) Verhandlungen von geseßgebenden Körperschaften. (Deutsch?es Reich.) Gemeingefähr- lie Krankheiten. Vermischt:8s. (Pceußen. Breslau.) Kanali- sation, 1898/99. (Frankreih. Seine-Departement.) Gesundheits- rath, 1898. (British-Ostindien. Kalkutta.) Pest, 1898. (Ver- einigte Staaten von Amerika.) Todesursahen. (Indiana.) Sterb- lichkeit, 1897/98. Geschenkliste. Wottentabelle über die Sterbe- fälle in deutschez Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Kranken- bäusern deutsher Großstädte. Desgl. in deutschen Stadt- und Landbezirken. Witterung. Beilage: Gerichtlih: Entscheidungen, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln (Butter, Kunstbutter, Fett).

Statistik und Volk8wirthschaft.

Zur Statistik rückfälliger Verbrecher in Preußen.

Die Statistik d-r Rückfälligkeit gebört zu den wichtigsten Theilen der Kciminalstatistik. Ein besonderes Jateresse unter den Rückfälligen wiederum beanspruhen die „Berufsvzrbrecher", diejenigen Elemente, von welchen man sch nicht nur vereinzelter, wenn auch wiederholter Verstöße gegen die Rehtsordnung, f\ondern eines andauernden Ver- haltens von der Art zu versehen hat, daß ihre ganze Existenz als eine „antisoziale“, gemeinschädlih?2 betcahtet werden muß. Schon die annähernde Feststellung der Anzahl dieser Personen if von WiHtigkeit. Weiterhin können Untersuhungen über thren Lebens- gang und ihre gesammten persönlihen Verhältaisse nicht nur für die Moralstatiftik, sondern auch für die Strafgeseßgebung und den Strafvollzug sehr wecthvolle Aufschlüsse und Fingerzeige liefern. Mit solhea Untersuchungen if in Preußen in den zum Reffort des Ministeriums des Innern gehörenden Strafanstalten begonnen worden, und zwar ift mittels Zählkarten ein: Aufnahme des Best1ndes für solhe an einem bestimmten Tage in den Strafanstalten befindlichen rückfälligen Zuchthausgefangenen erfolgt, wel? wenigstens drei Frei- heitsftrafen (Zuchthaus, Gefänaniß oder Korrektion8haus), darunter eine oder mebrere von sechs Mokaten und datüber, verbüßt hatten. Einige vorläufige, bis zum 31. März 1897 reihende Ergebnisse dieser Erbebungen veröffentliht der Regierungsrath Georg Evert im neuesten Bierteljahrsheft der „Zeit!chrift des Königlih preußischen Statistishen Bureaus“ und in der „Statistik der zum Refsort des Königlich preußishen Minist:riums des Innern gehörenden Strafs- anstalten und Gefängnifse für den 1. Avril 1898/99“.

Es sind im Ganzen für 18 049 „Berufsverbreher"“ in dem er- wähnten Sinne, welhe am 1. Oktober 1894 in den dem Miniftecium des Innern unterstellten Strafanstalten saßen oder bis zum 31. März 1897 in sie eingeliefert wurden, und zwar für 15539 männlihe und 2510 weiblichz, Zählkarten au!geftellt worden. Diese Ziffer deckt sich freilich nicht völlig mit der Anzabl der „Berufs-

verbreher“, welche in diesem Zeitraume durd die erwähnten Anstalten gingen. Für 923 Männer und 249 Weiber sind nämlich schon in dieser kurzen Feist wiederholt Zählfarten

ausgestellt worden, weil sie nah inzwi!chen erfolgter Entlaffung aus der Anstalt abermals zur Einlieferung gelangten. In den Angaben der amtlihen Statistik ersheinen diese Personen danach wiederholt, als zwèti verschiedene Individualitäten, wie dies den inzwischen ecin- S Aenderunges ihrer persönlihen Verbältnifse (Alter, Vor- rafen, eventu-ll auch Familierstand, Beruf u. #. w.) entspricht. Die Anzahl der eingelicferten „Beruféverbreher“ überhaupt ift sozit etwas geringer als diejenige der Zählkarten.

_Von der Gesammtzahl dieser rückfälligen Zuchthausgefangenen (Zählkarten) waren 4756 in Schlesien geboren, 1736 in der Rhein- provinz, 1677 in der Provinz Posen, 1436 in der Provinz Branden- burg ohne Berlin, 1423 in 18 e B 1181 in der Provinz Sawÿsfen, 1069 in Westpreußen, 749 in Pommern, 736 in Berlin, 643 in Westfalen, 584 in der Provinz Hannover, 503 in Hefsen- Naffau, 322 in Schleswig-Holstein, 1 in Hohenzollern, mithin im preußishen Staate - zusammen 16816, in anderen Staaten des Deutschen Reichs 1011 und im Auslande 222. Die Sträfs linge haben si demnach auf die einzelnen Provinzen nah ihrem Geburtsorte nicht in demselben Verhältnisse vertheilt wie die Gesammtbevölkerung. Verhältnißmäßig häufig waren unter den männlichen Sträflingen die geborenen Schlesier, Berliner, Poscner, West- und Ostpreußen, sowie die geborenen Nichtpreußen und Reihzausländer. Alle übrigen Landestheile stellten weniger Sträf- linge, als nach ihrem Antheil an der Gebürtizkeit der Bevölkerung auf sie gefallen wären. Von den preußishen Gebtetstheilen lieferte mithin außer den stark mit Volkstheilen nihtdeutsher Zunge dur- seßten Provinzen nur die Stadt Berlin ein überdurchs{hnittliches Kontingent an Sträflingen, und zwar cin um über 7009/9 zu großes. Die Vertheilung der weiblihen Sträflinge is eine ganz ähnliche wie die der männlihen; nur bält sih die Stadt Berlin, die bei den lebtecen ein besonders ungünftiges Ergebniß zeigte, fast genau auf dem Durchschnitte.

Sehr bemerkenswerth, aber auch sehr unerfrzalich sind die An- gaben über das Alter der Sträflinge bei ihrer Einlieferung. Bekanntlich is die Verurtheilung zu Zuchthaus für Personen unter 18 Jahren ausgesch!ofsen, und man sollte danah erwarten, folhe unter 21 Jahren überhaupt nur ganz ausnahmzweise in unserer Statistik zu finden, da diese nur von Personen handelt, die bereits drei odec mehr Freiheitsftrafen, darunter wenigstens eine von längerer Dauer erlitten haben. ThatsäSlih ist aber die Metau von 13 bis 21 Jahren hon mit 366 männlihen und 42 weiblichen Sträflingen vertreten, die nächste, auch noch verhältnißmäßig sehr jugendlihe Gruppe von 21 bis 25 Jahren fogar mit 1663 bezw. 196, die ven 2 bis 30 Jahren mit 2694 bezw. 359. Die Hauptmasse kommt allerdgs auf die Gruppen von 30 bis 50 Jahren; immerhin wird man den Antheil der jüngeren Altersklasszn als einen sehr großen anseven müssen.

Weitere Tabellen der amtlihen Statistik geben über eheliche oder unehelihe Geburt, Familienstand, Kinderzahl, religiöses Bekenntniß und andere persönliche Verhältnifse der Sträflinge Auskunft. EGhelih geboren waren von der Geéfammt- zahl 15919, unehelich geboren 2128, ledig 10306, verheirathet 5361, darunter 67 getrennt letende Personen, 2074 vor dem 25. Lebensjahre Verheirathete und 836 Personen, bei denen der Zeitpunkt der Eheschließung unbekannt i, Von den Verheiratheten waren ferner 1679 kfinderlos, 4831 hatten mehr als 5 Kinder; 565 weiblihe Sträflinge waren unehelihe Mütter. Be- merkenswerth ist namentlih das große Uebergewicht der Ledigen unter den Sträflingen; verwittwet waren 1365, geschieden 1017. 10 407 der rückfälligen Zuhthausgefangenen bekannten fich zum evangelischen Glauben; die fatholishe Bevölkerung stellte 7513, demnach ein frieree Kontingent, als man nah ihrem Antheil an der Gesammt-

evölkerung erwarten müßte; 120 waren Juden, 9 Andersgläubige.

Von Äterefse find ferner die Angaben über die Berufs- thät igkeit der Sträflinge felt und über diejenige ihrer Väter. Nah der Berufszäblung vom 14. Juni 1895 enlfielen pekanntlih in Preußen von der Gesammtzahl aller Erwerbsthätigea

Pa t 2a P ** R t C, P) 1: g 32 J Lie CBE e E R E A I O 2 T E A

auf die Berufsabtheilung A (Landwirthschaft, Gärtnerei, orstwirtbshaft, Fishere) . erd auf die Abtheiluog B (Bergbau und Hüttenwesen, Industrie “*

i ia at R 35,91 auf die Abtheilung C (Handel und Verkehr)... , , 1924" auf die übrigen Abtheilungen. . “174 Während also bei den gesammten Erwerbsthätizgen die Gruppe 4

(Landwirthschaft u. |. w.) die zahlreihste war, überwiegt unter den Sträflingen weitaus die Gcuppe B LONTEaR Hüttenwe!en, Industrie Bauwesen), auf welche allein 8478 Männer und 597 Weiber, zy, sammen 9075 Pecsonen, also reichlich die Hälfte der Gefammtzat] entfallen. Der Berufsabtheilung A (Landwirthschaft u. #. w.) gehörten 6048, den Handels- und Verkehrszewerben nur 1023, den sonftigen Berufsabtheilungen 1903 Sträflinge an. Noch bemerkenswerther sind die Angaben über die Berufsthätigkeit ihrer Väter. Zur Zeit der Väter der geaenwärtigen Sträflinge blieb die Ausdehnung der Abtheilung B (Industrie u. |. w.) noch vtel weiter als heute binter derjenigen der Abtheilung A (Landwirthschaft u. . w.) zurück. Gleihwohl ist aug unter , den Vätern der Sträflinge die Gruppe B mit insgesammt 8346 ungleih zablreiher vertreten als die Gruppe A mit 5746 Vätern von Sträflingen; den * Handels- und Verkehrsgewerben gehörten von den- Vätern nur 1167, den sonstigen Berufsgh: tveilungen 1211 an, und- bei 1579 (meist unehelih geborenen) Sträflingen war die Berufsstelung des Vaters unbekannt „Man vermöchte hierin“, wird zu diefen Zahlen in der amilien Veröffentlihung bemerkt, „den Nachweis zu suchen, daß das gewerblih, industrielle „Milieu“, namentlich wenn s{chon die Eltern ibm angehört haben, einen ungleich günstigeren Nährboden für die Er.twickelung des „Berufsverbreherth ums“ biete als das landwirtbschaftliwe, Indefjen können jene Eischeinungen des unmittelbaren 2y: sammenhanges mit den Berufsverhältnissen auch entbehren und ledigli oder großentheils nur darauf beruhen, daß im Gegen- satze zu der landwirthschaftlichen Thätigkeit die gewerblih-industrielle in der Regel größere Menschenansammlungen vorausfegt, in welchen Herde des „Berufsverbre erthums" sich leiter bilden können als in der zerstreut lebenden landwirthshaftlihen Bevölkerung.“

Den weiteren Nahweisen, wie viele Sträflinge vor und na§ vollendetem 14. Lebensjahre Vater, Mutter oder beide Eltern verloren oder Stiefeltern erhalten baben, wie viele von ibnen feine oder mehrere (bis zu 11 und darüber) Geshwister besaßen, und wie viele bei den Eltern, in Zwangserziehung oder ander2wo erzogen waren, entnehmen wir, daß 3230 der rücffälligen Zuchthausgefangenen bereits vor dem vollendeten 14. Lebensjahre den Vater, 2116 die Mutter und 1027 beide Eltern verloren, daß 1307 vor vollendetem 14. Lebens jahre einen Stiefvater, 991 eine Stiefmutter und 39 sowohl Stief« vater als auch Stiefmutter erhalten bátten. 1545s Sträslinge waren bei den Eltecn, 348 in Zwa ngserziehung und 2242 anderswo erzogen,

Eine vechältnißmäßig schr große Anzahl von Sträflingen, nämlich mehr als die Hälfte (10 080), war nur im Seltge mangel« hafter oder ganz ungenügender Schulbildung. 7782 besaßen Volksshulbildung und nur 180 Männer und 7 Weiber eine böbere Bildung, Die Muttersprache war bei 2344 Männern und 621 Weibern, im Ganzen bei fast einem Fünftel der Sträflinge die polnishe, bei weiteren 169 Männern und 24 Weibern eine andere nichtdeutshe Sprache. Weitaus die meisten rückfälligen Zuchthaus- gefangenen fwaren nach der Gntlafsung aus der Schule zunächst im Handwerk, im Gesindedien| oder in der Industrie beshäftigt gewesen, Die Sghule des H:eres hatten nur 4205 von den 15539 Männern durchg:-macht.

Au über die Vorstrafen und die leßten Strafen der Gefangeaen finden sich in den tabellarischen Uebersichten der amtlichen Statistik bemerkenswerthe Za hlenangaben. Die Mehrheit der Sträf- ‘Tinge hatte eine noch viel größere Anzahl als drei Freibcitsftrafen an Baorstrafen erlitten, 6498 Männer und 1047 Weiber nämli 6 bis 10, 4169 Männer und 759 Weiber 11 bis 30, 202 Männer und 113 Weiber sogar 31 und mehr Strafen. Dabei hatten die Vor- ftrafen bei der großen.Mehrheit der Sträflinge sich bereits auf mebr als 1 Jahr, bei 6574 Männern und 1008 Weibern sogar auf mehr als 5 Jahre erstreckt. Sehr unecfreulih sind wieder die folgenden Ziffern über das Alter bei Begehung der erften Strafthat. Mehr als 1000 Sträflinge waren [hon vor vollendetem 14. Lebenéjahre in die „Verbrecherlaufbahn“ eingetreten, faft 5000 vor vollendetem 18. Lebensjahre; nur bei einer fle inen Minderheit wurde die erste Strafihat ers nach dem 29. Lebentjahre begangen, nämli bei 3487 Männern und 880 Weibern. Die Ursache der ersten Bestrafung war in der Mehrheit der Fälle, und zwar bei 9961 Männern und. 1793 Weibern Diebstahl; doh trat dieses Vergehen nech häufiger, nämli bei 11 813 Männern und 2110 Weibern, als Ursache der leßten Bestrafung auf. Im allgemeinen mußten überbaupt unter den Ur]achen der leßten Bestrafung die Ver» brehen und Vergehen etwas häufiger vorkommen als unter denen der ersten Bestrafung, weil bei diesen au einfache Uebertretunzen mit- ¿ählen (im Ganzen 1356 Fälle, darunter 887 von Bettelei und 229 von Landstreicherei). Diese Regel trifft aber im einzelnen nit zu; vielmehr treten, an dem leßten Punkte der „Verbrelerlaufbahn“ ge wisse Verbrehen und Vergehen verhältnißmäßig viel stärker oder \{wäqher als an ihrem Beginne hervor. Auf der einen Seite nämli finden sih unter den

ersten leßten

Ursachen Verbrehen und Vergehen gegen die Sittlichkeit. . 297 958 Brandstiftungen E 94 218,

Die Neigung zu diesen Strafthaten ist also bei den alten Ver- brehern ganz unverhältnißmäßig größer als bei den jungen. Dagegen traten, obglei, wie erwähnt, in den Zahlenreibhen der leßten De- strafung bei allen Verbrehen oder Bergehen etwas größere Ziffern auftreten könnten als bei denen der ersten, die alten Verbrecher sehr zurück bei den Verbrehen und Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion (526 leßte gegen 916 erste Bestrafungen), Körperverlezung (270 gegen 860) und Unterschlagung (192 gegen 833). Die Dauer der legten Bestrafung, in deren Verbüßang der Gefangene begriffen war, betrug bei dem weitaus größten Theil der Sträflinge niht über 5 Jahre, über 10 Jahre nur bei einer gan geringen Minderheit. Nebenstrafen (Polizeiaufsiht oder Verlust der bürgerlihen Ehrenrehte) waren fast über alle Stcäflinge beider Geschlechter verhängt worden. G

Eine b:\ondere Darstellung is dem Orte der leßten Stras- that gewidmet, je nahdem diese in einer größeren, mittleren oder kleineren Gemeinde begangen war. Nach der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 lebten von der Gesammtbevölkerung des preußischen

Staates (31 855 123 Personen) a. in Gemeinden unter 2 000 Einw. 15 470 800 = 48,57 9%

B L über 2—5000 , 83657908 =11,48°/o G i . 5—20000 , 4615569 = 14,49 °/o d. , » 20—100000 „, 83477485 = 10,92% e, v . 100 000 e 2 956 057 = 9,28 9% L Beiln a A s ; 1677 304 = %5,27 °/o

Von den letzten Strafthaten dagegen wurden begangen

in den Gemeinden zu a. 4837 = 26,81 0% der Gesammtzabl, b. 1968 = 10,91

A Í c, 3170 = 1757 , , ° n Ä d, 3206 =+ 18,10 . ‘» - E Ï 6. 3038 = 16,84 , » - e 1704 —= O78 ck ,

Hier tritt die Bedeutung der “größeren Bevölkerung3ansammlung b die \chwere Kriminalität besonders deutli hervor. Die Gemein v von weniger als 2000 Einwohnern waren wenig mehr als halb, ct Mittel- und Großstädte von 20 000 Einwohnern aufwärts fast dopP ie so oft der Schauplay der Thätigkeit von „Béerufsverbrehern ‘den nach ihrer Bevölkerung zu erwarten gewesen wäre. Die Geme von 2000 bis 5900 Einwohnern stehen den kleineren, die von

bis 20 090 den größeren etwas näher.

Ein Zasammenbang De enT S Dum t mit dem Berufsverbreherthum besteht insofern, a der Und Drittel der Sträflinge Gewobnheitstrinker, etwa Fünftel hatte die in der Tranfk-enbeit begangen. Der gewerbs-

und anher Landstreiher war; fast ein

ein hat leyte ge war von d¿n Weibern über ein Viertel ergeben.

epte mäßigen scs waren von den rüdfälligen Zuchtbausgefangenen 935 T Deines Pohnsi 2035. Nur eine kleine Minderheit bildeten obn Personen mit verminderter oder feblender Arbeitsfähigkeit: 2825 die 2995 Auch die Zabl der Almosenempfäzger war nur gering, R rug 92, während 16355 der Verbreer ein Einkommen bis zu e 4%, 1490 ein folhes von mehr als 900 bis 2000 Æ und*48 ein fommen von über 2000 bis 5000 4 hatten; bei 64 Gefangenen ift daéselbe unbekannt geblieben. Z : E Non den bisher angeführten Zahlen dürften die statistisch be- deutsamsten, leider sehr wenig erfreulihen wobl diejznigen sein, welche auf das Alter der „Berufsverbreher“ bei ibrer Einlieferung und hei threr ersten Strafthat sowie auf die Anzabl der Bestrafungen, L sie bereits vom Standpunkt der „Besserungstheorie“ erfolglos m erlitten haben, beziehen. No betrübender sind aber wohl die olgenden Ziffern. Nah dem Gutahten der Beamten- Fonferenten der Strafanstalten war bei 14726 Männern d 2319 Weibern, also bei einer erdrückenden Mebrheit der Sträflinge, der Rückfall nah der Entlafsung u erwarten und zwar fast immer wegen Unverbefferlihkeit, nur pi 163 Männern und 38 Weibern wegen körperlicher oder geistiger Gez- brechen, bei 122 bezw, 64 aus anderen Gründen. Zweifelhaft war der Rúdfall nur bei 440 bezw. 123, unwahrfheinlich bei 373 bezw. 68 Pecsonen. Hiernah wären die Insafsen der Strafanstalten, wel? bereits drei Freiheitsftrafen, darunter wenigstens eine von sechs Monaten oder längerer Dauer erlitten haben, fast sämmtli als endaúltig verloren anzusehen; mindestens wäre nit zu hoffen, daß der Aufenthalt in der Strafanstalt sie wieder zu nüßlihen Mitgliedern

ter Gesellschaft machte.

Zur Arbeiterbewegung.

Der Ausftand der Berliner Fliesenleger ist, nah der „Voss. tg.", für beendet erklärt worden. Ein Theil der Ausständigen hat inter den alten Arbeitébedingungen die Arbeit wieder aufgenommen, nahdem ein anderer {hon vorher na einigen Zugeständnissen in die Merkstätten zurückgekehrt war (vergl. Nr. 165/1899 d. Bl.) Wie die „Volks-Ztg." vom gestcigen Tage berichtet, ist in einer öffentlichen Bersammlung hiesiger Schneider auch decen Ausstand für beendet «cklárt worden (vergl. Nr. 87 d. Bl.). In den Ausstand ein- getreten sind die Bleiglaser; sie verlangen eine Verkürzung der Arbeitszeit und höheren Stundenlohn.

Aus Köln wird der „Dt. W.* mitgetheilt, daß dort am 10. d, M. etwa 160 Fassadenpußer-Gehilfen die Arbeit nieder- gelegt haben, weil die Meister die eingereihten Focderungen nit ewilligten. j L j y Nach einer Meldung der „Rhein.-Westf. Ztg." sind die Arbeiter der Treibriemenfabrik „Herold“ in Melle bei Osnabrück in- folge von Lohndifferenzen in den Ausftand getreten.

Kunft und Wissenschaft.

Der große Radleuchter im Dome zu Hildesheim, der aus dem 11. Jahrhundert, angeblich von dem Bischof Hzzilo, berrührt, soll, wie „Die Denkmalspflege“ berichtet, nah Anweisung des Ministers der geistlichen 2c. Angelegenheiten einer gründlihen Wiederherstellung unterzogen werden. Der Nadleuhter besteht aus einem rund 6b;m im Durémesser haltenden, mit stark vergoldetem Kupferblech bekleideten Reifen als Lichtträger, an welhem 12 als Thore und ebensoviel als Thürme ausgebildete Gehäuse, die vermuthlich mit Lampen beseßt waren, angebraht find. Aebnlihe Radleuhter find noch im Münster zu Aachen und in Komburg (SŸhwaben) erhalten. Der Hildesheimer Leuchter befindet ih gegenwärtig in einer sebr berunter- atommenen Verfassung; besoaders infolge einer im Jahre 1818 er- littznen Wiederherstellung durch einen einfachen Klempnermeister ist er derartig mitgenommen, daß von setner ursprünglihen Gestalt vieles verschwunden ist und dadur cine sorgfältige Neubearbeitung sehr erschwert wird. Beider genannten Umarbeitung im Jahre 1818 wurden z. B. die den Reif verzierenden, laufenden Blattfriese der Länge nah durchshnitten und in diesem Zustand abwethselnd mit roh aus Weißbleh ge- sYnittenen Stücken wieder am Reif befestigt. Wieviel hei einer nd früheren, im Jahre 1601 durch cinen Hildesheimer Goldshmied ausgeführten Ausbesserung zerstört wurde, ist nicht mchr festzustellen. Vers{wunden find au die Engelgestalten, mit welhen der Leuhter an hohen Fefitagen geschmückt wurde. Im Jahre 1868 hat der Bildhauer Professor Küsthardt in Hildes- beim eine Nachbildung des Radleuchters für das South Kensingtoa- Museum in London angefertigt und dabei die muthmaßliche Form wiederhergestellt. Von demselben wird zunächst ein Probestück des Radleuhters von 2/12 des Ganzen angefertigt, an welhem die dem- nâhstice Anbringung der Beleuhtungékörper (ob Kerzen oder eleftri- des Licht, ist noch zweifelhaft) versuht werden soll.

Bauwesen,

Die Hobkönigsburg bei Sthlettstadt, seit kurzem Eigen- tbum Seiner Majestät des Kaisers, wird auf Allerhöchsten Vefebl wiederbergestellt werden. Dem umfafenden Bauentwurf gemäß soll, wie „Die Denkmalpflege“ meldet, nah Sicherung der Fundamente die Burg durchweg wieder mit Bedahung versehen werden und auch der im 16, Jahrhundert durh die Sickinger akbgetragene Bergfried wieder aufgeführt werden. Die vorbereitenden Arbeiten werden bereits in diejem Fcühjahr dur den Architekten Bodo Ebhardt in Angriff genommen. Die Bura foll niht zu Wohn- iwecken, sonnern als eine Art Museum füc die Geschichte des Mittel- alters in Elsaß-Lothringen bergerihtet werdea und auf besonderen Vunsh Seiner Majestät des Kaisers in weitestem Umfange der Be- vôlkerung ofen ftehen.

¿Das zweite Vierteljahrsheft 50. Jahrgangs der Zeitschrift a Bauwesen (herausgegeben im Ministerium dec öffentlichen rbeiten, Schriftleiter: Oito Sarrazin und Friedrih Shultz-; Verlag zw Wilhelm Ernft u. Sohn in Berlin) hat folgenden Jnhalt: Vas Kaiserhaus in Goslar, vom Baurath von Behr, Kreis-Bauinspektor D Goslar; Die Kunsthalle in Karlsruhe, vom Ober-Baudirektor r. J. Durm in Karlsruhe; Das Chorgestühl in der Kirhe Santa aria delle Carceri zu Prato, im Dom und Baptisterium zu Pisa, via Regierungs-Baumeiîter Faerber in Berlin; Die Wafserver- Qua und die Entwässerung der Stadt Neustadt in Oberschlesien, ap Baurath Ritel, Kreis-Bauinspekior in Neustadt O.-S.; Pumpen- jheoer für die Wolga (Bates'she Bauart); Die neue Straßenbrüdtke des den Main bei Miltenberg, Dreigelenkbögen aus Bruthstein- i ette von Bauamtmann Eduard Fleishmann und Staats-Bau- Sgt I. B. Bosh in Aschaffeaburg; Fahrwassertiefen und Î barkeit der Oder, vom Wasser-Bauiaspenor Ehlers in Krossen R R. Die Regulierung der Ièhone, vom Regierungs- und Baurath Durgaamund in Koblenz; Zeichnerishe Darstellung der elastischen

rchbiegung der Bogenträger, vom Baurath Adolf Francke in Hzrz-

erg am Harz: 7 : Beribtigunarh) Der Kaiserfteg über die Spree bei Oberschöneweide,

Literatur.

Das Verfahren in Auseinander}ezun g8sangelegen- A Im Auftrage des Königlichen Ministeriums für Landwirtb- " St omänen und Forsten herausgegeben durch A. Glaytzel und erg erneberg. Zweite Auflaze, neu bearbeitet dur F. Sterne- Denk, Unter-Staatssekretär im Ministerium für Landwirthschaft, rath B. und Forsten, und I. Pelger, Oberlandeskulturgericht3- + Verlin, Verlag von Paul Parey. In diesem vornehmlich

für die Beamten der General- und der Spezial-Kommissionen be- stimmten Werke sind sämmtlihe Vorschriften für das Verfahren in Auseinandersezungssachen, die im Geltungsgebicte und nah Maßgabe des Gesetzes vom 18, Fehruar 1880 anzuwenden sind, \systematisch und unter Beibehaltung des Textes der Gefez2svorschrifsten zusammen- gestellt und eingehend erläutert. Die Bearbeiter der zweiten Auflage, welhe durch die seit dem Erscheinen der erften eingetretenen großen Veränderungen in der inneren Ginrihtung der Auseinandersegung8- behörden, namentli aber dur das Reich3geseß vom 17. Mai 1898,

betreffend Aenderungen der Zioilprozeßordnung, und das dazu er-

gângene preußishe Ausführungsgyeseß vom 22, September 1899 noth- wendig geworden ift, durch die eine erheblihe Aenderung der gefeß- lien Verfahrensvocschriften herbeigeführt wurde, haben an den Grund- säßen der ersten Auflag? festgehalten. Zu den aus der Zivilprozeß- ordnung herrührenden Bestimmungen siand Erläuterungen nur insoweit gegeben, als fe zu ihrem allgemcinen Verftändniß erforderlich waren. Eingehender sind dagezen die durch die besonderen agrargeseßlihen Vor- schriften bedingten Abweihuagen von den Bestimmungen der Z vikl- proießordnung behandelt. Auch die Iudikatur des Reich3gerichts ist berüsihtigt, soweit sie sh auf das Verfahren in Auseinandersezungs- angelegenheciten bezieht. Besonderes Gewicht hab2n die Bearbeiter der zweiten Auflage auf die Ergänzung der Vezrwaltungsvorschriften gelegt. In dieser Beziehung ist eine Fülle von Material vochanden ; die in Betraht fommenden Aaocdnungen rühren zumeist von dem Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forften her und waren nur zum kleinsten Theil veröfentliht. Nicht selten find auch Vorschriften des materiellen Rechts erörtert und wird auf die Stellung der böhsten Instanzen, insbesondere des Reichsgerihts und d?s Ober- verwaltung8gerihts, zu wihtigen und häufiger vorkormamenden Fragen hingewiesen. Von den Anlagen der ersten Auflage habea mehrere niht wieder Aufnahme gefunden, weil ein Bedürfniß, sie |tets zur Hand zu haben, nicht besteht; andere, bei denen ein folhes Bedürfniß vorliegt, siad an ibre Stelle geseßt. Den Swluß bildet ein fehr aus- führlihes alphabetisches Sachregister, das die Benußung des umfang- reihen Handbuhs wesentlich erleichtert.

Einführung in die Militärstrafgerihtsordnung vom 1. Dezember 1898. Systematishe Darstellung der Militär- gericht8verfassung und des Militärstrafverfahrens unter Berücksichtigung der Ausführungsbestimmungen von Dr. Julius Weiffenbach, Wirklichem Geheimen Kriegsrath und Chef der Justiz-Abtbeilunz im preußischen Kriegs-Ministerium, ord. Hon.-Profefsor an der Universität Berlin. Verlag dec Königlihen Hofbuchhandlung von E. S. Mittler u. Sobn hierselbst. Preis 4 A Dieses Buch, dessen Verfasser als Mitzlied des General-Auditoriats an der Ausarbeitung des G-seges hervorragenden Antheil gehabt hat und mit den Vorlesunx2en über das neue Militärstrafverfahren an der biesigen Universität betraut worden ift, giebt eine einfahe, klare und übersichtlihe Darstellung der neuen Militärgerihtiéverf2fsung und des neuen militäcgeritlihen Verfahrens. Es bezweckt, Alle, die zur Mits wirkung an der Militärstrafrehtspflege, sei es als Gerichtsherren, UntersuBungsführer, Richter oder Vertheidiger, berufen sein werden, zuverlässig zu orientieren. Ein folches Handbuch wird den Offizieren und Beamten des Heeres und der Marine umsomehr willfommen sein, als die Mündlichkeit und Oeffentlichkeit d-s Verfahrens und die damit zusammenhängenden zablreihen Formvorschriften erhödte An- forderungen an alle an der Militärstrafrehtepflege Betheiligten stellen. Auch die Unterrichtskurse werden das Werk als beste Grundlage be- nugzen können.

Das Aufgebotsverfahren nachNeihs- und preußis- schem Landesrecht in Mustern und Beijvielen. Von Otto Richter, Amt3geriŸhtsrath in Graudenz. J. U. Kern's Verlag, Breslau. Preis kart. 2,50 4 Da1s Werkh2n beschäftigt sich mit dem Aufgebot im S1nne der Zivilprozeßordnung, d. h. mit der öffent- lihzn Aufforderung an unbestimmte und unbekannte Betheiligte bezüglich irgend einzs bestimmten Rechtsvortheils, Rechte und Ansprüche auf den- selben bei Gericht anzumelden, widrigenfalls sie der Nehtsnachtheil der Ausschließung von jenem Rechtsvortkeil treffen werde. Es giebt an der Hand von Betspielen dem Aufgebotsrihter ein-n Fiagerzeig, wie er nah geltendem Reichs- und preußtisch-m Landesre(t in Auf zebots- sahen zweckmäßig zu verfahren habe. Die cins{lagenden Reichs- und preußischen Landesgeseße, soweit die letzteren für die Bearbeitung der Aufgebot:\sah:n jeßt Geltung haben, sind eingehend berückfhtigt worden.

Das Invalidenversiherungs3geseß vom 13. Juli 1899, unter Berücksichtigung der Eatscheidungen des Reichs-Versicherungs8- amtes herausgegzben von Dr. jur. Alfred Sala, RegierungSe Assessor. Berlin, Verlag von H. W. Müller. Pceis kart. 2,40 M Das vorliegende Büthlein ist, wie {on sein handlih-8 Format erkennen läßt, vorwiegend für die Praris bestimmt und, wie wznige andere, zur Ginführung und zum weiteren Eindringen in diz vielfach komplizierten Bestimmungen des Geseg:s geeignet. Da die Recht- \sprehung des Reichs-Versiherungsamtes eingehend und dabei dob in prägnanter Kürze wiedergegeben ist, wird das Werkchen bei Allen, die das Gese anzuwenden oder auszulegen haben, bald beliebt werden.

Die Arbeiter-Versiherung im Auslande, bearbeitet von Dr. Zacher, Geheimem Regierungsrath im Neit2-Versicheru:1g8- amt. Heft 9 bis 12: Die Arbeiter-Versiherung in Rußland, Finland, der Schweiz und Belgien. Beclin, Verlag der 4 Arbeiter-Versorgung“ (A. Trosh:l). Die vorliegenden Hefte des werthvollen Sammelwerks, das die Grundsäße und Ergevnifse der ausländishen Arbeiterversiherung für den deutshen Leser über- sihtlih zusamm?nstellt, ihm den Gesezestert an die Hand giebt und sih durch die Zuverlässigkeit und Gründlihkeit der Bearbei- tung auszeihnet, behandeln die Arbeiterversiherung in Rußland, Finland, der Schweiz und Belgien in gleich mustecgültiger Weise, wie die bisher ershicnenen Hefte die Arbeiterversiherung in Dänemark, Schweden und Norwegen, Frankreich, England, Jtalien und Oesterreih- Ungarn. Das von N. von Seeler, vereiziztem Rechtsanwalt ia Riga, bearbeitete H-ft über die Arbeiterversiherung in Rußland zeigt, daß sh in diesem Reich: nur primitive Anjäge finden. Ganz anders dagegen in Finland: hier besteht hon, wie in Deutschland, die Unfall-, Kranken- sowie die Invaliditäts- und Altersver- siherung. Der Beitrag über Finland if von Dr. Aug. Hjelt, dem Chef der statistischen Arbeiten der Justizsektion des Sznats für Fin- land, verfaßt. Ja dem der Arbeiterversicherung in der, Schweiz g?- widmeten elîten Heft ist auch die sonft nirgends als auge Ver- sicherung versuchte Arbeitslosenversißerung dargestellt. Es sind die hierauf bezüglihen, noch geltenden Geseß2 der Kantone Bern und Basel-Stadt und das bereits erloshzne des Kazto:s St. Gailen zum Abdruck gekommen. Das zwölfte Heft bebandelt die Arbeiterversiherung ia Belgien, das von allen modernen JIadustriestaaten am längsten an den Grundsäßen des Manchesterthums festhielt und jede staatlihe Ein- mishung zu Gunsten der wirtbshaftlich {chwäheren Volksschichten be- barrlich ablehnte. Mit diesem Heft ift die Sammlung vorläufig zum Abschluß gelangt, da in den übrigen Staaten Europas die Arbeiter- versicherung theils erst vorbereitet wird, theils überhaupt noch nicht in Frage gzzogen ift. Das Werk, zu dem in zwanglo}er Folge Er- gänzungsbefte erschzinen follen, wird für jeden Sozialpolitiker ein un- entbehrlihes und zuverlässiges Handbuch sein.

Land- und Forftwirthschaft.

Aus Wiesbaden wird berichtet: D:r 1899 er Wein hat sih gut entwidelt und verspricht, woblschmedckend und haltbar zu werden ; infolge dessen ist er im Preise gestiegen. Leider ist die Quantität

gering. Die im vorigen Jahre aufgetretenen Rebenkrankh-iten haben das Holz der Weinstöcke nachtheilig beeinflußt; das- selbe is zurückzeblieben und namentlih in den älteren

Weinbergen zum theil taub geworden. Zum Sehen muß daher viel- fa das Holz von auswärts von der Mosel, der Nahe und aus Hessen eingeführt werden, In den Weinbergen sind die Arbeiten, welche durch die Witterung stellenweise zurückzehalten worden waren, jeßt in vollem Gange. Im Kreise St.-Goars hausen ist zur Hebung des Obft- und Weinbaues von dem Landrath ein Kreiss Obst- und Weinbauverein ins Leben gerufen worden, welcher

die Verbreitung gemeinnüßiger Kenntnisse auf diesem Gebiet bezweckt. Die Bildung des Vereins is in den Kreisen der Interessenten mit Freuden begrüßt worden.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den „Veröffentlihungen des Kaiseclihen GBesundheitsamtt*, Nr. 15 vom 11. April 1909.)

: Pest.

__ British-Oftindien. In Rangun wurde am 8. März auf einem von Kalkutia gekommenen Dampfer eine Pesterkrankung bei einem EGinaeborenen des Peshawarbezirks festgestellt. Das Shiffff wurde der Quarantänestation überwiesen.

__ In Kucrrahee beginnt ¡ufolge einer Mittheilung vom 15. März die Pest wieder stark z zunehmen; während der zweiten Wothe des März sind dort tägli zehn bis zwölf neue Fälle vorgekommen. Seit der legten Epidemie is die Stadt nie ganz pestfrei gewesen; es wurden tägli ein bis zwei Fälle festgestellt, nur an einzelnen Tagen hatten fi feine Neuerkrankungen gezeigt.

Kapland., Hinsichtlich der am 7. Mär; auf einem Dampfer im Hafen von Kavstadt feftgestellten drei Pestfälle wird naHhträglih berihiet, daß das am Morgen des 5. Mörz aus Rofario in der Tafelbat angekommzne Schiff mit der gesammten Mannfchaft eins \{ließlich der Erkrankten nah der etwa 60 engl. Meilen nördli von der Tafelbvai gelegenen Saldanha-Bai geshickt worden ist, um dort so lange in Quarantän-e zu bleiben, bis eine Gefahr der Verbreitung der Seuche ausgeschlofsen ersceint. Die drei Kranken wurden in ein Lazareth gebracht und dort isoliert, das Schiff wurde desinfiziert. Der Kapitän des Schiffs war einen Tag vor Ankunft desfelben an einer unbekannten Krankheit verstorben.

Argentinien. Vom 23. Februar bis 1. März find in Nosario 13 Todesfälle vecz-ihnet worden. Die meisten Fälle etwa 4 von je 5 verlaufen tödtlich. Die Krank?:n werden nah SFiolierbarackzn verbraht, die Impfung threr Umgebung mit Peft- jerum, die Desinfektion, die Vertilgung der Ratten und mannigfache andere hygienishe Maßregeln werden mit verstärktem Eifer betrieben,

Neu-Süd-Wales. Zufolge einer Mitiheilung vom 27. Fe- bruar waren in Sydney seit dem 23. Februar zwei neue Fälle von Beulenpest, deren einer ras tödtlich verlief, festgestellt worden. Alle Personen, welche mit den beiden Peftkranken in der legten Zeit verkebrt hatten, im Ganzen 30 bis 40, waren auf die Quarantänestation ge- braht. Die von ärztlicher Seite vorgeschlagenen Versuche, möglichst viele Ratten zu vertilgen, unterblieben angeblich, weil nach der Ansicht der betheiligten Kreise es ganz unmöglih sein würde, diese Thiere in den Docks und auf den Stiffen au nur eiaig?zrmaßza auszuroiten.

NeusKaledonien. Bom 13, bis 21, März siad in Numea 4 Erkrankungen und 1 Todesfall an der Pest zur Anzeige gelangt.

Cholera.

British-Ostindien. In Kalkutta find in der Zeit vom

4, bis 10, März 74 Personen an Cholera gestorben.

Gelbfieber.

Es gelangten zur Anzeige in der Zeit vom 12. Januar bis 2. Februar in Rio de Janeiro 32 Todesfälle, vom 4. bis 10. Fe- bruar in Bahia 3 Eckrankungen (und 1 Todesfall), vom 25. Januar bis 9. Februar in Santos 29 (25), vom 1. bis 6. März in Panama 2 (l), ferner in Havanna vom 11. bis 17. Februar 9 (4) und vom 2. Februar bis 3. März 2 (1); vom 11. bis 17. Februar ist in Matanzas 1 Todesfall, und vom 18. Februar bis 3. März find in Vera Cruz 3 Todesfälle zur Anzeige gekommen. Aus Santjago wird naÿträglih vom Januar 1 Fall gemeldet, ferner kamen in Key Weft in der mit dem 3. März abgeschlossenen Woche auf einem von Cienfuegcs abgegangenen Stiffe 4 leihte Fälle von Gelbfieber vor und in Santjago Mitte Februar unter einem Truppentrantport 74 Todesfälle, welhe vorwiegend durh Gelbfieber bedingt waren.

Verschiedene Krankheiten.

Pocken: Moskau 5, Odessa 2, St. Petersburg 3, Kalkutta 19 Todesfälle; Antwerpen (Krankenhäuser) 4, Paris 10, St. Pzters- burg 37, Stockholm 8, Warschau (Krankenhäuser) 4 Erkrankungen ; Flecktyphus: St. Petecsburg 9, Warschau (Krankenhäuser) 10 Er- frankungen; Rückfallfieber: St.Petersburg 4 Erkrankungen; Gen i ck- starre: New _York 7 Todesfälle; Milzbrand: New York 1 Todes- fall; Var tzellen: Budapest 43, Wien 88 Erkrankungen; Rothlauf: Wien 32 Erkrankungen; epidemishe Ohrspeicheldrüsens- Entzündung: Wien 49 Erkrankungen ; Influenza: Berlin 12, Frankfurt a. M., Posen je 8, Breslau, Dortmund je 6, Braurschweig, Hannover je 5, Bromberg, Lübeck, Magdeburg je 4, Efsen, Fretburg, Halberstadt, Hamburg je 3, Barmen, Bremen, Charlottenburg, Darmstadt, Flensburg, Hildetheim, Kottbus, Leipzig, Solingen je 2, Kopenhagen 16, London 26, Moskau 2, New York 52, Paris 20, St. Petersburg 7, Prag, Rom je 4, Wien 3 Todesfälle; Vteg.-Bez. Düsseldorf 41, Nürnberg 571, Hamburg 19, Kopenhagen 473, St. Peters5urg 50, Prag 61, Wien 38 Erkrankungen; Keuch- husten: London 45 Todesfälle; Hamburg 22, Budapest 31, Wien 41 Erkrankungen; Lungenentzündung: Reg. - Bez. Schleswig 106, München 22, Nürnberg 35 Erkrankungen. Mehr als ein Zehntel aller Gestorbenen starb an Scharlach (Duc&schhnitt aller deutshen Berichtsorte 1886/95: 0,91 09/0): in Dortmund, Efsen. Erkcankungen kamen zur Meldung in Hamburg 30, Budapest 51, Kopenhagen 40, London (Kranken- bäujer) 172, New York 1€0, Paris 75, St. Petersburg 61, Wien 50; ferner wurden Erkrankungen an Masern an- gezeigt in Breslau 29, im Reg. -Bez. Osnabrück 137, in München 170, Hamburg 70, Budapest 89, Edinburg 83, New York 818, St. Petersburg 77, Wien 253 desgl. an Diphtherie und Croup in Berlin 57, Kopenhagen 48, London (Kranken- käufer) 111, New York 283, Paris 64, St. Petersburg 88, Stock- holm 59, Wien 37 desgl. an Unterleibstyphus in London (Krankenhäufer) 28, Paris 143, St. Peteréburg 57, Wien 70.

England.

Zufolge Verordnung des Board of Agriculture in London vom 2, d. M. ist die Einfuhr von Vieh aus Argentinien und Uruguay vom 30. d. M. ab verboten.

Theater und Musik.

Berliner Theater.

Fräulein Adele Sandrock feyte gestern ihr erfolgreies Gast- spiel in der Titelrolle von Grillparzer’s düsterem Trauerspiel „Medea“ fort und bot darin eine tragische Leistung großen Stils, die mit Recbt die Bewunderung der zahlreich anwesenden Zuschauer er- regte. Das velltöônende Organ der Künstlerin brate die s{höônen Verse der Dichtung zu tiefer Wirêung, namentli da, wo sie ruhig oder mit gedämpfter Stimme sprah. Der dramatish: Kulminations- punki der Trazôvie, die Scene, in welher Medea von Kreon aus- gewiesen wird und ihrem Nachegefübl glühenden Ausdruck giebt, be- deutete, obwobl sie ihr naturgemäß den stärksten Beifall eintrug, doh nit den Höhcpunkt der schauspielerischen Leistung. Hier mutbete die Künstlerin sh zu viel zu, indem sie den Ton zu einem Fortissimo steigern wollte, das ihr nicht gegeben ist; weniger wäre hier mehr gewesen. Ergreifend spielte sie dagegen die Scene, in welcher sie Jason wiederzugewinnen sucht, ferner diejenige, in welher die eigenen Kinder sich \chaudernd von ihr wenden, und mit monumentaker tragisher Größe den Schluß des Trauerspiels. Unter den übrigen Mitwirkenden ragten H2cr Monnard als Jason und Fräulcin Hofer als Kreufa bervor. Ein Mißgriff war dagegen die Befezung der Rolle des Königs mit dem sonst in anders gearteten Aufgaben ret tüchtigen Herrn Shhefranek. Hier wäre die imponierende Persönlichkeit des Herrn Pittshau am Plage gewesen, Regie und Inscenierung

waren lobenswerth.