1900 / 98 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

D

a m M B D E R E T P ITRE x ae wis

E s DES T E

E E

E t S D T n zt E E s N x ar L eds Tan N z

Hd

4 gestern Abend 71/2 Uhr vom

30. März l. J. und des ftaatsaufsichtlichen Bescheides der Königlichen Regierung, K. d. J., der Oberpfalz und von Regensburg vom 23. November v. J. die Genehmigung zur Ausgabe 4prozentiger Schuldverschreibungen auf den Jnhaber im Gesammtnennwerthe von 350 000 Æ,

und zwar: / 50 Stüd zu je 2000 6,

120 u 1000 M,

200 - e 500 i,

150 va 200 M, ; auzgestellt vom 1. Juni 1900 und hatbjährig am 1. Juni und am 1. Dezember verzinslich, ertheilt.

München, den 21. April 1900. Königlich bayerisches Staats-Ministerium des SFnnern. Dr. Freiherr von Feilißs<.

Jn der Ersten Beilage zur hzutiaecn Nummer des „Neichs- und Staats-Anzeigers“ wird das Geseß über die Kon- sulargerihtsbarkeit, vom 7. April 1900, sowie ferner

eine Uebersicht übec den Spezialhandel des deutschen A mit den einzelnen Ländern 1m Jahre

899, zusammcngestellt im Kaiserlichen Statistischen Amt, und eine Uebersicht über die Ein- und Ausfuhr von Ge- treide und Mehl im deutschen Zollgebiet in der ersten R des Monats April und in der Zeit vom 1. Januar is. 15. April d. J. veröffentlicht.

Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht : den bisherigen ordentlihen Prof: \sor Dr. Julius von Michel zu Würzburg zum ordentlichen Professor in der medizinishen Fakultät der Friedrich Wilhelms-Univer sität zu Berlin unter Verleihung des Charakters als Geheimer Medizinalrath und j den bisherigen Seminar - Direktor, Schulrath Dr. phil, Peter Wimmers zu Siegburg zum Negierungs- und Schul: cath zu ernennen, sowie 4 i i dem Direktor des Wilhelms - Gymnajtums 1n Berlin, Professor Dr. Fri edri Ernst Otto Kübler den Charakter als Geheimer Regierungsrath zu verleihen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigft geruht :

dem Landrath von Loebell in Rathenow bei dessen

Ausscheiden aus dem Dienst den Charakter als Geheimer Re- gierungsrath zu verleihen.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.

Dem Lehrer der Forstwirthschaft an der Königlichen land- wirthschaftli<hen Akademie zu Poppelsdorf, Forstmeister riedri<h Ludwig Sprengel ist das Prädifat „Pro- essor“ und dem Obergärtner Dißmer zu gge der Charakter als Königlicher Garten-Jnspektor verliehen worden.

Ministerium für Handel und Gewerbe.

Bekanntmachung.

Bei den Schied3gerichten der Arbeitervers iches rung sind nachfolgende Beamte zu Vorsigenden bezw. stell- vertretenden Vorsitzenden ernatint worden:

der Spezial-Kommissar, Regierungs-Assessor Marchand in Lissa zum stellvertretenden Vorsißenden des dortigen Schieds- erihts;

e der Regierungsrath Kret h in Potsdam um Vorsißenden der dortigen Schiedsgerichte für die landwirthschaftlihe Ünfall- versicherung und für die Sektion I[[ der Fuhrwerks-Berufs- genossenschaft sowie zum stellvertretenden Vorsißenden des dortigen Schiedsgerichts für die Sektion Il der nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossenschaft.

Berlin, den 23. April 1900.

Der Minister für Handel und Gewerbe. Jn Vertretung: Lohmann.

Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Der Regierungs- und ' Schulrath Dr. phil. Peter MWimmers ist der Regierung zu Aachen überwiesen worden.

Dem Oberlehrer am Progymnasium zu Pr.-Friedland Dr. Alois Bludau und dem früheren Oberlehrer am Gymnasium zu Görliß Dr. Titus Wilde ist das Prädikat „Professor“ beigelegt worden.

Im Juseratentheil (Dritte Beilage) der heutigen Nummer des „Reichs- und Staats - Anzeigers“ wird eine Urkunde, betreffend die Genehmigung der Ausgabe von Schuld- verschreibungen der Stadt Koblenz auf den Jn- haber bis zum Betrage von 2500009 #, veröffentlicht.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 24. April.

Seine Majestät der Kaiser und König sind, nah herzlicher Verabschiedung von Jhren Majestäten dem König und der Königin von Sachsen gane der Königlichen Familie,

ahnhof Strehlen nah Schliß abgereist und heute Morgen 8 Uhr daselbst eingetroffen.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amis, Staats- Minister Graf von Bülow is nah Berlin zurü>gekehrt.

Der Regierungs-Affessor von Bor>e aus Potsdam, zur Gen in Wiesbaden, ist der Königlichen Regierung zu Merse- urg zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen worden.

Laut Meldung des „W. T. B.“ find S. M. S. „Hertha“, Kommandant: Kapitän zur See von Usedom, mit dem Chef des Kreuzer-Geschwaders, Vize-Admiral Bendemann an Bord, und S. M. S. „Jrene“, Kommandant : Fregatten- Kapitän Stein, gestern in Thingtau angekommen.

S. M. S. „Jltis“, Kommandant: Korvetten-Kapitän Lans, ist am 21. April in Taku eingetroffen.

S. M. S. „Loreley“’, Kommandant: Kapitänleutnant von Leveßow, geht am 25. Apcil von Genua na<h Neapel

in See.

Sachsen. Der gestrige Geburtstag Seiner Majestät des Königs wurde, wte das „Dresdner ournal“ bezrihtet, dur<h eine roße Reveille eingelcit-t. Um 9 Uhr Vormitiags brachten bas Hoboisten-Korps des L. (Leib-) Grenadier-Regiments Nr. 100 und die Trompeter:Korps des Gardereiter-Regiments und des 1. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 12 Seiner Majestät dem König vor dec Villa Strehlen eine Morgenmusik dar. Jn den Vor- mittagsstunden trafen Jhre Königlichen Hoheiten die Peinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses zur Be- glü>wünshung Seiner Majestät !n Strehlen ein. Um 101/4 Uur nahm Seine Majestät im N-sidenzshlosse die Glückwünsche der aktiven Generale der Garnison Dresden und der Kommandeure des 1. (Leib-) Grenadier-, des Garde-Reiter- und des 1. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 12 entgegen und empfing hierauf die Staats-Minister, die Präfidien Der beiden Ständekammern, eine Deputation des Rathes und der Stadtverordneten der N sowie die Mit- glieder der Fürstlichen und der Gräflih Schönburgischen äuser und des Solme-Wildenfels'shen Hauses. Den Shhluß dieser Gratulationscouren bildete der Empfang der fkatholi- schen Hofgeistlihkeit. Um 21/2 Uhr erfolgte die Ankunft Seiner Majestät des Kaisers, Allerhöchstwelher Nach- mittags an der Familientafel in Villa Strehlen theilnahm. Die Abreise Seiner Majestät des Kaisers erfolgte um 71/4 Uhr. Abends fand bei dem Staats-Minister von M et\< eine Soirée statt, an welher Jhre Mazeïtäten der König und die Königin, Jhre Königlichen Hoheiten die Prinzen und Prin- zessinnen, das diplomatishe Korps, die Staats-Minister, die Generalität 2c. theilnahmen. : Die Stadt Dresden war reih mit Fahnen ges<hmüd>t ; Abends wurden die öffentlihen Pläße und zahlreiche größere Etablissements festlih beleuchtet.

Hefsen.

Seine Majestät der Kaiser is, wie „O: D. 0. meldet, heute früh um 8 Uhr in Schliß eingetroffen. Graf von Görg war Seiner Majestät bis Salz)schlirf entgegen- gefahren. Von dem prachtvoll deforierten neuen Bahnhofe bis zum Hallenburger Park bildeten die Vereine und Schulcn sowie Schlizerländer Mädchen in ihrer Nationaltraht Spalier. Auf der Fahrt na< dem Shlosse wurden Seiner Majestät dem Kaiser stürmische Huldigungen dargebracht.

Sachsen-Coburg-Gotha.

Seine Königliche Hoheit der Herzog ist gestern Mittag, Jhre Kaiserlihe und Königliche Hoheit die Herzogin mit Shrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Beatrice gestern Abend von Gotha zu dauerndem Aufenthalt in Coburg ein- getroffen.

Oesterreich-Ungarn.

Der Kaiser empfing, wie „W. T. B.“ berichtet, gestern Vormittag bei den allgemeinen Audienzen nochmals den Bot- schafter am Berliner Hofe von Szögyény-Marich.

Der Vorstand des österceichishen Sängerbundes erhielt ein Schreiben von dem Statthalter von Nieder-Oesterrei<, in welchem dieser mittheilt, daß der Kaiser die Absicht des Sängerbundes, zur Vorfeier des 70. Geburtstages ihm ein Ständchen darzubringen, mit Freude und Dank zur Kenntniß genommen habe. Allerhöchstderselbz wünsche j:do<h, daß von allen festlihen Veranstaltungen, welche aus diesem Anlaß beabsichtigt seien, abgesehen werde, da er den 70. Geburtstag in aller Stille v:rleben wolle.

Im böhmischen Landtag begann gestern die erste Lesung des Antrags des Abg. Pacak, betreffend die Durch- führung des gleihen Rechts der cze<his<en Sprache bei den Gerichhts- und Staatsbehörden in Böhmen. Der Abg. Pacak hielt den bögmischen Landtag in erster Linie für kompetent in dieser Frage. Die Deutschen müßten endlich ihre Supcrioritätsgelüste aufgeben. Für die Forderung der Abgrenzung des Landes in ein deutshes und ein czehishes Sprachgebiet werde kein Czeche stimmen. Wenn die Gerichtsbeamten czehis{h verständen, sei die ganze Frage ler gelöst. Ein Ausweg würde ein fünfzehnjähriges Pro- visorium sein, wel<es möglich sei, aber die Dolmetsh:.r würden die Czechen nie annehmen. Der Abg. Jro verwahrte si gegen die Behandlung der Sprachenfrage in dem niht kompetenten böhmischen Landtage. Der Abg. Funke betrachtete den Antrag Pacak als inkonstitutionel. Nur der Reichsrath sei kompetent. Ein Provisorium, wie es der Abg. Pacak im Sinn habe, sei unan- nehmbar. Die Deutschen ließen sih dur nichts einshüchtern, sie würden gegen den Antrag aus formellen und sahlihen Gründen stimmen. Die Berathung wird heute fortgeseßt werden.

Großbritannien und Jrland.

Der Herzog von Argyll is, wie dem „W. T. B.“ aus London becichtet wird, gestern estorben.

Der Präsident des Landwirthschafts- und A>erbauamts Long hielt estern in Liverpool eine Rede, in welcher er ausführte, infolge des Krieges habe die Regierung beshlofen, die Erleichterungen für die Uebung der jungen Bürger im Gebrauche des Ee zu erhöhen, um die Zahl der für den Militärdienst tauglihen Männer in Zeiten der Noth zu ver-

rößern; die Regierung habe ferner beschlossen, den Hilfs- freitkräften in Zukunft eine größere Aufmerksamkeit zuzu-

wenden.

Auf eine Anfrage der auftralis<hen Regierung bz züglih der Gründung eines Bundes der australischen Kolonien hat der Staatssekcetär für die Kolonien Chamber- [ain erwidert, daß die Regierung die Frage der Bildung eines einzigen obersten Appellhofs für das ganze britische Reich prúfe, Die autonomen Kolonien sollten in demselben vertreten sein.

Frankreih.

Der deuische Reichskanzler Fürst zu euen ne ist, wie „W. T. B.“ meldet, von Cannes kommend, gestern in Paris eingetroffen. :

Die Session dcr Generalräthe ift gestern ohne Zwischenf-ll eröffnet worden. In mehreren Generalräthen wurden Beglückwünshuna3adressen an den Präsidenten Loubet und das Ministerium Walde>-Rousseau an-

enommen. Verschiedene Redner wiesen auf den Erfolg der Niöftellung hin und hießen die fremden Nationen, die an dem friedlihen W-ttkampfe der Zivilijation theilnähmen, willkommen.

Jn der gestrigen Schlußsißung des Kongresses der Ge- nossenschaften auf Gegenseitizfeit führte, wie aus Monat- pellier becrihtet wird, der Präsident der Deputirtenkammer Des chanel den Vorsiß. Derseibe hiet eine Rede, in welcher er den Wunsch nah einer weiteren Entw'>elung dieser Vereinigungen aussprah, von denen jede eine Bürgschaft der büzgerlichen Eintracht sei. Der Eintracht aber sei Frankreich voc allem be- dürftig, um die der jeßigen Generation vom Schicfsal ge- stellten Aufgaben zu erfüllen.

Rußland.

Jn der Nacht zum Osftersonntag begab-n sih, wie „W T. B.“ meldèt, d.r Kaiser und die Kaiserin um Mitternacht aus dem Kreml-Palais in feierlihem Zuge unter Entfaltung der größten Pracht in die Heilandskirch?. Die Kaiserin trug russische Nationaltracht mit der Kette des Andreas-Ordens. N12 dem Gottesdienst wehselte der Kaiser mit allen Großwürden- trägern einen dreifahen Osterkuß. Am Ostersonntag Vorm:ttag versammelten si<h alle Großwürdenträger in der Uspensfi- Kathedrale, von wo aus sie in feierlihem Zuge das Kreml: Palais betraten, um dem Kaiser und der RKaijerin zu huldigen, Nach der Begrüßangsansp-ache des M ‘tropoliten tauschten der Kaiser und die Kaiserin mit diesem und den anderen an der Gratulationscour theilnehmenden Großwürdenträgern einen drei- fachen Oiterkuß aus. Zugleich überreichte die Kaiserin jedem cin Osterei aus Ural-Edelgestein. Abends war die ganze Stadt prachtvoll illuminiert.

G.st:-rn, am zweiten Osterfeiertage, nahmen der Kaiser und die Kaiserin weitere Glücfwünshe von Militär- und Zivilpersonen entgegen. Unter denselben befanden si< die Direktoren der mil:tärishen Lehranstalten, Beamte der Schloßpolizci und Aelteste von Bauern: gemeinden des Gouvernements Moskau. Bei dem Empfang der GlüEwünsche tauschte der Kaiser den üblichen Ostergruß aus, während die Gratulanten der Kaiserin die Hand füßten, wobei jede Person aus den Händen Allerhöchstderselben ein großes Osterei aus Porzellan oder Krystall empfing.

Türkei.

Von maßgebender Seite sind, wie „W. T. B.“ aus Konstantinopel erfährt, der Pforte freundschaftlihe Vor- st-lungen gemacht worden, welche dahin gehen, daß, falls die Pforte durch einseitige Zollerhöhung die Verträge verleße, auch die die Pforte s<hüpyenden Verträge nicht als unverleßdar gelten könnten, und daß ferner, falls einige Mächte gegen eine eig-nmähtige Zollerhöhung einschreiten würden, hie darin seitens der an dem Einschreiten nicht betheiligten Mächte niht würden gehindert werden. Der österreichis<h- ungarische Botschafter Freiherr von Calice hat vorzestein in einer Audienz bei dem Sultan die dreiprozentige Zoklerhöhung ebenfalls zur Sprache gebracht. Man Ce daß die Pforte nunmehr die Absicht eigenmächtigen Vorgehens aufgeben werde.

Wie das „Reuter'she Bureau“ berichtet, hat der Ge- shäftsträger der Vereinigten Staaten in Konstantinopel Griscom telegraphish na< Washington gemeldet, der türkishe Minister des Auswärtigen habe die Vertreter der Mächte davon in Kenntniß geseßt, daß die türfischen Zoll- tarife ohne vorherige Zustimmung der Mächte ni <t würden erhöht werden.

Dänemark.

Die gestrige Sißung des gemeinsamen Ausschusses beider Häuser des Reichstags hat, dem ¿W: T. B.“ zu- folge, die Hoffnung auf eine vollständige und baldige Lösung der \hwebenden Fähren- und Eisenbahnfragen befestigt. Der Ausschuß wählte zwei Berichterstatter mit der Aufgabe, den Gesegentwurf bis heute zu formuliecen.

Amerika.

Wie der „Morning Post“ aus Washington gemeldet wird, hat die Regierung der Vereinigten Staaten be- chlossen, bei dem Aufstande in Columbia einzu? Ceetten, wenn die Aufständishen Colon angreifen sollten

¡ie Kriegsschiffe der Station im Stillen Ozean haben Befehl erhalten, sich bereit zu halten, nah Colon abzugehen. Nah Berichten aus Venezuela ist eine Revolution gegen den Präsidenten Castro bevorstehend. Die ausländische Bevölkerung verlasse Carácas.

Asien.

Amtliche Berichte aus Simla bestätigen die Meldungen von dem furchtbaren Charakter der Hungersnoth, besonders in der Prâsidentshaft Bombay und in den Radschputana Staaten. Jn einem Distrikt Tien von 1 300 000 Stü Vich 1 Million verloren aegangen. Mehrere Distrikte zeigten anormale Zahlen der Todesfälle. Der indische mildthätige Hilfsfonds und die Regierung thäten, was in ihren Kräften stehe, um die Noth zu lindern, aber der Hilfsfonds bedürfe dringend weiterer Unter stüßung. Tausende von Leuten würden noh Unterstüßungen verlangen, damit es ihnen ermögliht werde, ihre, regelmäßig Thätigkeit wieder aufzunehmen. Da die Sterblichkeit une dem Vi: h eine so gewaltige sei, so werde jeßt die Mög in Erwägung gezogen, die gebräuchlichen >ergeräth chaften für L eut einzurichten. ben

n Tientsin eingetroffenen Nachrichten zufolge ha e wie das „Reuter'she Bureau“ berichtet, die „Boxeérs" in i Nähe von Pastingfu eine große Anzahl atholisà Chinesen niedergemeßelt. Afrika. „48

Aus Pretoria meldet das „Reuter'she Bureau ders 21. d. M, daß in dieser Woche im Amtsblatt eine Bel, machung erscheinen werde, welche die Arbeit in den Minen

Sonntagen mit Ausnahme der Pumparbeit verbiete und die”

Leiter der Minenbetriebe mit Strafe bedrohe, welche an ein-

eborene Arbeiter mehr áls ein Pfund Sterling monatlichen Arbeitslohn zahlten.

Die „Times“ berichtet aus Lourenço Marques vom gestrigen Tage, daß es den ausländischen Artillerie-Fachleuten gelungen sei, in Pretoria eine Geschüßgießerei ein- zurichten, in der große Geschüße hergestellt würden. Das erste derselben sei jeßt nah dem Oranje-Freistaat abgegangen.

Das „Reuter’sche Bureau“ meldet aus dem Burenlager bei Thaban<hu vom 20. d. M.: Die Kommandanten de Wet und Villiers trafen in der vergangenen Woche in Dewetsdorp ein. Heute Mittag griff:rt sie die Streitmacht des Generals Gatacre an, wehe aus etwa

Mann und einer Batterie Artillerie bestand und einige Kopjes bei Richters Farm im Westen von Dewetsdorp bes-bt hielt. Um 4 Uhr Nachmittags mußte der linke englishe Flügel zurü>gchen. Das Gefecht, in der

auptsahe Schügengefeht, dauerte bis zum Einbruch der aht. Die Buren hatten einen Todten und fünf Verwundete. Die Verluste der Engländer sind unbekannt. Vom

99. d. M. liegt folgende Meldung desselben Burcaus aus-

Thabanchu vor: Der Kampf bei der Jammersberg- Drift wird Tag und Nacht fortgeseßt. Donnerstag Nacht hielt das Gewehrfeuer ohne Unterbrehung an. Die berittenen Schüßen aus der Kapkolonie verloren von 500 Mann 120, darunter fünf Offiziere. :

Der Feldmarschall Lord Roberts meldet aus Bloem-- ontein vom gestrigen Tage: „Der General Rundle berichtete, daß 25 Mann, die mit einem Konvoi nah Einbru< der Dunkelheit zu einem vorges<hobenen Posten ausgesandt worden seien, vermißt würden. Daher seien am Sonntag die 11. Division unter dem General Pole Carew und 2 Brigaden Kavallerie unter dem General Fren < den Truppen unter dem General Rundle zu Hilfe geschi>t worden und hätten Karriefontein, ohne viel Widerstand zu finden, erreiht. Die Verluste würden, wie fo!gt, angegeben: zwei Mann todt, 19 verwundet, darunter ein Offizier lebensgefährli<h, 11 vermißt. Die berittene Jnfanterie des Generals Pole Carew habe den Leeuwkop besezt, einen hohen Qüge wenige Meilen von der Stellung entfernt, die fie in der Nacht vorher inneg:habt habe; dec “zü habe den Leeuwkop in Eile geräumt und eine Anzahl

ewehre und einigen Schießvorrath zurückgelassen.“

Wie die Londoner Blätter aus Durban melden, is der General Sir Charles Warren zum Administrator von Betschuanaland ernannt worden.

Aus Kapstadt berichtet das „Reuter'she Bureau“, daß siebenunddreißig Aufständische, wel<he in Sunnyside gefangen genommen waren, vom Obersten Gerichtshof für schuldig befunden worden seien. Die drei Rädelsführer wurden u fünf Jahren Gefängniß, die meisten der übrigen zu drei ahren Gefängniß verurtheilt.

Parlamentarische Nachrichten.

In der heutigen (179.) Sigung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. Graf von Posadowsky beiwohnte, hieß der Präsident Graf von Ballestrem die anwesenden Abgeordneten bei der Miederaufnahme der Verhandlungen herzli<h willflommen.

Die zunächst auf der Tagesordnung stehende erte Be- rathung des Uebereinkommens zwischen dem Reiche und Oester- reih:Ungarn zum Schuß der Urheberrehte an Werken der Literatur, Kunst und Photographie wurde ein- geleitet dur< den

Direktor im Auswärtigen Amt Dr. von Körner, welcher aus8- führte, es handle i< um ein Reziprozitätéabkommen, das den Schutz des Inlandes au< dem Auslande zu theil werden lasse und die Fcuht langjäbriger Verhandlungen sei.

Bei Schluß des Blattes nahm Abg. Dr. Esche (nl.) das Wort.

Das Haus der Abgeordneten wählte in der heutigen (59.) Sißung, welcher der Minister für Land: wirthschaft 2c. Freiherr von Hammerstein und der Minister für Handel und Gewerbe Brefeld beiwohnten, pnton an Stelle des aus dem Hause ausgeschiedenen bg. Wetekamp den Abg. Kittler-Thorn (fr. Volksp.) zum Sghriftführer und ging dann zur Berathung des Antrags der Abgg. Dr. Hirsch (fr. Volksp.) und Genossen über :

„die Kön'glihz Staatsregierung zu ersuchen, zur Kenntniß- nahme der auf der dicsjährigen Weltausstellung in Paris dargest-Uten Fortschritte auf landwirtbscaftlihem und technishem Gebiete und zur Berichterstattung darüber unbemittelten, besonders tühtigen und fähigen Landwirthen, Handwerkern und ge- werblihen, sowie kunstgewerbliben Arbeitern durch Gewährung von Reisekosten den Besuh der Aueftekllung zu ermöglichen. A Nach längerer Debatte, an welher si< der Abg. Dr.

Hirs, der Minister für Handel und Gewerbe Brefeld, der Minister für Landwirthschaft 2c. Freiherr von ammerstein, die Abgg. Felis < (kons.), Frißgen Zentr.), Rickert (fr. Vgg.), Schmitz- Düsseldorf (Zentr.) und der Unter-Staatssekretär im Finanz-Ministerium Lehnert betheiligten, wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. (Schluß des Blattes.)

Statiftik und Volkswirthschaft.

Häufigkeit dec Hagelwetter im preußishenStaate1899.*)

(Stat. Korr.) Nah den Ermittelungen über die im Jahre 1899 in Preußen niedergegangenen Hagelwetter wurden in diesem Jahre 6751 Grbebungsbezirke dur< Hagel betroffen, davon 5892 einmal, 729 zweimal, 98 dreimal, 28 vierma!, 6 fünfmal, 1 se<êmal und 2 siebenmal. Dies ergiebt, wenn man für jeden betroffenen Er- bebung8bezirk einen oder, bei mehxrmaliger Dro ng so viele Fälle seyt, als ihn Hagelwetter heimgesuht haben, 7786 Hagelfälle. In

fünf Vorjahren

waren verhagelt Erhebung*bezirke Lameit

überhaupt einmal zweimal de un |Hagelfälle vor

1898 ._- 5365 4 69þ 567 108 6 190 1907 ¿L O 3 543 327 94 4577 18866, 6549 5 593 827 169 T7123 1096: D 790 5 235 425 69 6311 184 ., 6339 5477 695 164 7416, Von 100 überhaupt vorhandenen Erhebungsbezirken waren demna 1899 12,3, 1898 10,0 und in den weiter zurüd>liegenden vier Jahren

*) Val. Nr. 81 des „R.- u. St.-A.* vom 2. April d. I.

Mittwoh und

E P E Lab M rg S M

7,2, 11,9, 10,4 und 11,5 betroffen. Berehnet man diese Ziffern für die einzelnen Proviazen, so erhält man 7

für 1894 1895 1896 1897 1899 Oftpreußen . . 98 167 10,5 Westpreußen . . E I 14,6 Brandenburg . 16,7 De Posen Stlesien t L e S<le€wig-Holfstein . . Hannover Westfalen Hessen-Naffau . . Rheinland z » j Hohenzollern . .. 17, 60-13 18, 10, TB; Am unzünstigsten lauten 1899 die Zahlen für Bran »>enburg und H-fsen- Naffau ; au<h W-stfalen, Westyreußen, Sélesien, Sachser und Hannover befinden sh no® über dem Staatsdurhschnitt. Im Mittel der ses Fahre, welches für den Staat 10,6 beträgt, haben Westpreußen, Hohen- zollern, Pommern und Ostpreußen mit 12,6, 123, 12,0 und 11,9 die bôchsten Berhältnißzablen ; auh Schlefien und Hessen-Nafsau befinden ih mit je 112 no< über dem Staatsdurhschnitt, dem Pofen und Brandenburg mit 10,5 und 10,4 fast gleihkommen. Günftiger stehen Sachsen und Hannover (je 9.2) Westfalen (8,7) und die Rheinlande (8,1), am günstigen mit 6,2 Schleswig-Holstein.

Nerglihen mit dem Vorjahre, kamen 1893 auf 103 im Fahre 1898 verhagelte Erhebungébezirke 125,8 und auf 100 Hagelfälle desselbzn Jahres ebenfalls 125,8. Für die einzelnen Provinzen berechnet, ergeben in Hunderttheilen von 1898

für die 1899 beimgesuchten die Erhebunasbezirke 1899er Hagelfälle

84,4 84,0

Westpreußen 140,5 139,3

Brandenburg 223,5 233,8

93,4 98,2

89,8 99,0

98 0 101,5

260,9 265,3

S SAS 120,6 92,5

Hannover 186,4 177,0

Westfalen ¡ 155,3 171,8

Hefsen-Nafsau 352,5 348,9

Rheinland 71,5

Hohenzollern 53,8.

do bi Kadi I A]

O 00.90 Lw Uo D A t —J 00 o L Us MAD O I pd O D

moo MANOoO0ON bnd pack derk

_

A A O R 20 O E D O H m i 00 N DO

OMUNDRDOI=AE

-

00 M 00 O N U s bnd jur jen senk fre J M! N D I I

b O u O O 00

- -

Uo i s D L n C bd pad puri pr jrerk jrerk m U O o U O r R ONINNPMOINANIDN

Arbeiterversicherung.

An Anträgen auf Gewährung von Nenten find bei der Landes: Versicherungsanstalt der Hansestädte eingegangen: a. an Altersreatenanträgen: im Laufe des Jahres 1891 1105, 1892 404, 1893 381, 1894 353, 1895 354, 1896 351, 1897 314, 1898 268, 1899 238 und in dec Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1900 98, im Ganzen 3868; b. an Snvalidenrentenanträgen: im Laufe des abres 1892 181, 1893 301, 1894 550, 1895 895, 1896 948, 1897 1172, 1898 1440, 1899 1764 und in der Zeit vom 1. SFanuar bis 31. März 1900 487, im Ganzen 7738; mithin sind feit Beginn des Jahres 1891 bei der Landes-Versicherungsanstalt der Hansestädte an Renten- anträgen überhauyt 11 604 eingegangen. Von den Anträgen auf Be- willigung von Altersrenten entfallen auf das Gebiet der freien und Hanseftadt Lübe> 674, Bremen 836, Dare 2356 und von denen auf Gewährung von Invalideurenten auf das Gebiet von Lübe> 801, Bremen 2322, Hamburg 4615. Von den Altersrentenanträgen find bis Ende März 1900 erledigt 3857, und ¡war 3362 dur Renten- gewährung, 437 dur< Ablehnung und 58 auf sonstige Weise. Von den Altersrenten-Empfängern sind inzwischen 1227 ausgeschieden und von diesen 1161 verstorben. Von den íInvalidenrentenanträgen find bis Ende März 1900 erledigt 7578, und zwar 5939 dur Renten- gewährung infolge dauernder Erwerbsunfähigkeit (Invalidenrenten) und 26 tnfolge vorlibergehender Erwerbeunfähigkeit (Krankenrenten), 1411 dur< Ablehnung und 211 auf sonstige Weise. Von den Snvalidenrenten-Emvfängern sind inzwischen 1812 ausgeschieden und von diesen 1674 verstorben. Auf die Gebiete der drei Hansestädte ver- theilen si< die no< im Bezuge der- Rente befindlichen Perfonen folgendermaßen: Lübe>: 386 Alters-, 470 Invalidenrenten, 1 Kranken- rente ; Bremen: 458 Alters-, 1354 íúInvaliden-, 3 Krankenrenten ; R, 1291 Alters-, 2294 Invaliden-, 22 Krankenrenten. Die

abressumme der bis jeßt gewährten Renten macht insgesammt

367 761,00 A aus (Altersrenten 546 703,80 Æ, íInvalidenrenten

7 008,40 Æ, Krankenrenten 4048,80 4), von wel<hem Betrage 432 448,20 4A (Altersrenten 193 515,20 und Invyvalidenrenten 238 933,00 ) für die inzwischen ausgeschiedenen Rentenempfänger abzusezen sind. Nah den Berufszweigen vertheilen sich diese 3362 Alters«, 5930 Învaliden- und 26 Krankenrenten-Gmpfänger auf folgende Gruppen: Landwirthschaft und Gärtnerei 275 Alters- und 296 Invalidenrenten - Empfänger, Industrie und Bauwesen 1442 Alters-, 2491 Invaliden- und 10 Krankenrenten-Gmpfänger, Handel und Verkehr 593 Alters-, 1370 FInvaliden- und © Krankenrenten- Empfänger, sonstige Berufsarten 219 Alters- und 303 Invalidenrenten- Empfänger, Dienstboten «. 833 Alters-, 1470 íInvaliden- und 11 Krankenrenten-Gmpfänger.

Anträge auf Rüt>erstattung der Beiträge sind ein- gegangen : a. Anträge gemäß $ 42 des GSeseyes: im Laufe des Jahres 1895 425, 1896 2302, 1897 3226, 1898 3798, 1899 4191 und in der Ea vom 1. Januar bis 31. März 1900 888, im Ganzen 14 830; b. Änträge gemäß $ 43 des Gesezes: in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Viäri 1900 12; c. Anträge gemäß $ 44 des Gesetzes: im Laufe des Jahres 1895 83, 1896 377, 1897 609, 1898 754, 1899 778 und in der Zeit vcm 1. Januar bis 31. März 1900 243, im Ganzen 2844. Von diesen insgefammt 17 686 Anträgen auf Rüerstattung der Beiträge entfallen auf das Gebiet von Lübe> 1390, Bremen 4148, Hamburg 12148. Davon sind erledigt: dur Rückzahlung 16 311, dur< Ablehnung 1024, auf sonstige Weise 156, zusammen 17 491, mithin unerledigt 19%.

Am 1. März 1900 waren ferner 151 Versicherte auf Koften der Landes-Versicherungsanstalt der Hansestädte, zum theil mit Zuhuß pon Krankenkafsen, in Heilstätten für Lungenkranke, in fonstigen Kurorten und în Krankenhäusern untergebraht, und im Laufe des Monats März wurden weitere 112 Versicherte aufgenommen. Von diesen im Ganzen 263 Versicherten wurden im Monat März 47 wieder entlassen. Mithin befanden sh am Schluffe des Monats noh 216 Versicherte in Heilbehandlung, und zwar aus dem Gebiete von Lübe> 23, Bremen 39, Hamburg 154. 959 Anträge mußten im Laufe des Monats als ungeeignet abgelehnt werden.

Zur Arbeiterbewegung.

Gin Ausstand der Hafenarbeiter ist, nah einer Mittheilung der „Voss. Ztg.“, in Spandau ausgebrochen. Die beim Ausladen von Koblen und anderen Schiffsgütern beschäftigten Personen forderten eine Lohnerhöhung, und zwar verlangten sie für das Abtragen von den Laftkähnen und Karren nah den Speichern und Lagerpläpen f pro Zentner, während sie bisher nur 14 S erhielten, Da diese

Forderung nicht bewilligt wurde, legten sie die Arbeit nieder.

Kunft und Wissenschaft.

Se die National-Galerie wurden na< den „Amtlichen Berichten aus den Königlichen Kunstsammlungea“ im Lehen Viertel- jahr 1899 angekauft: die Oelgemälde „Männliches Bildniß“ und „Die Wildshüzen®“ von W. Leibl, „Heroi)che Landschaft“ (Motiv qus Oberitalien) von A. Feuerbah, „Die Schwestern“ von G. Max und „Der Dorfschmied® von Anton Burger, das Aquarell „Somnus und die Graziin* von B. Genelli und die Zeichnungen „Faun und

Nymphe*®, „Landschaft“ und „Baumstudie" von A. Bö>lin. Die auf der Großen Berliner Kunstauéestellung 1899 erworbene Bronze- gruppe „Nah dem Kampfe“ von H. Hosaeus wurde abgelitfert.

Für die Sammlungen des Kunftgewerbe-Museums wurden in demselben Zeitraum dur< Ankauf neu erworben: ein Altzrvorfay, in Leder gepunzt und gemalt (Spanien, Ende des 17. Jahrhunderts) und ein Seidenstoff, dessen Vèuster große Kreise mit Elefanten zeigt und dem Seidenstoff im Reliquienschrein Karl?s des Großen in Aachen verwandt ift (Ktesiphon oder Byzanz, 7.—s8. Jahrhundert). Im italienischen Saale wurde eine im April 1899 erworbene florentinische Kassettendele aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts an- gebra<t. Vom Miristerium der geistlichen 2c. Angelegenheiten wurden 84 moderne franz;ösis%e Medaillen und Plafkctten als Er- gänzung der vorhandenen Sammlung vou Werken von Roty und Genossen überwiesen, darunter 21 Arbeiten von Chavlain, 16 von Roty, 10 von Dupuis. An Geschenken erhielt das Museum Ar- beiten aus älterer Zeit: von Herrn Major z. D. Voitus: eine La>>ose und Porzellanflashe (Japan) fowie eine in Messing getriebene Taba>3- dose mit dem Biloe Friedrih'3 des Großen (JFierlohn um 1769); von Fräul-in von Gots<h in Neustreliß: eine Leinen- serviette mit Wappen derer von Gamm und von Vogeliang (um 1700); von Herrn Regierungsrath Bob in Dreéden-Blascs wig: -eine goldene Brosche mit Perlenshnüren (Ende des 18. Jahr- bunderts); von Herrn Rittmeister d. R. Leinhaas in Kronberg 23 japanische Neykis (âltere Arbeit). An Arbeiten neuerer Intuftrie wurden dem Muscum überwiesen: von den Herren Puhl u. Wagner in Rixdorf: das von dieser Firma für die Rü>kwand der Kaiser- lihen Loge in der Kaiser Wilhelm-Gedächtniß-Kirhe nah einem Karton von August Detfen ausgeführte Mosaikbild; von Herrn Her- mann Muß in Altona: Thonarbeiten mit vielfarbigen gemis<ten und übereinanderlaufenden Glafuvren. Der Zuwachs der Bibliothek und Ornamentftich-Sammlung betrug 100 Werke und 1076 Einzelblätter.

Im Königlichen Institut für Glasmalerei zu Ghar- lottenburg (Berlinerftraße 9, Station Thiergarten) ift seit einigen Tagen ein in der Anftalt tkeftauriertes Chorfenster aus dem Dom zu Erfurt ausgestellt. Daéselbe {ildert in figurenreihen Kompositionen die Pafsion. Das Ferster ift laut no< vorhandener Urkunde im Jahre 1493 dur< den Domvikar Johann Tiefengruber gestiftet. Die Ausstellung dauert bis Ende dieser Woche.

Der zweite internationale Kongreß für <ristlihe Archäologie in Rom (vgl. Nr. 93 d. BL) ist. wie „W. D meldet, gestern Nachmittag geshlofsen worden. Der nächste Kongreß foll in Karthago ftatifinden.

Theater und Mufik.

Im Königlihen Opernhause wird morgen Richard Wagners Oper „Lohengrin“ in folgender Besetzung gegeben: König Heinrich : Herr Wittekopf; Lobengrin: Herr Grüning; Elsa: Fcäulein Hiedler ; Tekramund: Herr Bulß; Ortrud: Frau Goeye ; Heerrufer: Herr Krasa. Kapellmeister Strauß dirigiert.

Im Königlichen Schauspieihause gelangt morgen Otto Ernft’3 deuts<he Komödie „Jugend von heute“ in der bekannten Be- sezung zur Aufführung. Am Sonntag, den 29. d. M., Mittags 12 Uhr, findet zum Besten der Unterstüßungskasse für arme Schauspieler eine Matinée, ausgeführt von den Mitgliedern des Königlichen Schauspiels, ftatt. Zur Dar- stellung gelangt das Lustspiel „Kean, oder Genie und Leidenschaft“ in der Bearbeitung von Ludwig Barnay. Herr Matkowsky spielt die Titelrolle, außerdem find die Damen von Hochen- burger, Hausner, Avich, von Arnauld, Szndow, Mabn, Tauma, - die Herren Christians, Kcßler, Vollmer, Hartmann, Oberlaender, Arndt, Winter, Heine, Hübener, Eichholz, Link, Krüger, von Hocken- burger und Will beschäftigt. Der Bille!verkanf beginnt am Donners- * tag am Tageskassenschalter des Königlichen Schauspielhauses.

Im Berliner Theater wird das Bjöcnson’she Schauspiek : „Ueber unfere Kraft“, das vor kurzem von den Berliner Künstlern mit großem Erfolg in Leipzig zur Darstellung gebra<ht wurde,

morgen, Mittwoch, und am Sonnabend gegeben werden.

Im Theater des Westens wird der Königlich württembergische Kammersänger Herr Nicolaus Rothmühl no< einmal am Freitag, S d. M., dem leiten Opernabend dieser Saison, als „Fra Diavolo“ gastieren.

Die Sezessionsbühne, die bekanntlih mit ihrer Aufführung von Gabriele d’Annunzio’'s Drama „Gioconda“ der italienischen vorauégegangen war, veranstaltet demnächst die erfte Wieder- holurg der deuts{hen Aufführung. Dieselbe findet am Sonn- abend, Nachmittags 3 Uhr, im Lessing-Theater ftatt. Die Hauptroilen befinden ih in den Händen der Damen Bertens, Eyfoldt, Pauly, Wilke und der Hecren Chriftians, Heine und Sto>. ES Vorverkauf beginnt morgen Vormittaz an der Kasse des Lessing- Theaters.

Wegen andauernder Heiserkeit der Frau Pauline Strauß- de Ahna wird ver auf den 25. d. M. im Saal Bechstein an- geseßte Lieder-Abend in dieser Saison nicht stattfinden.

In Weimar fand gestern (23. April), am Tauftage des unsterblihen britishen Dichters, die 36. Generalversamm- lung der Shakespeare-Gesellschaft statt, welde, der „Weim. Ztg.“ zufolge, dur die Anwesenheit Ihrer Königlichen Hobeiten des Großherzogs und des Erbgrofiherzogs eine besondere Ehrung er- hielt. Der Präsident der Gesellschaft, Geheime Kommerzienrath Dr. Wilhelm Oechelhä user, eröffnete die Sizung mit ciner Anspraze, in der er mittheilte, daß die Gesellshaft im verflossenen Jahre auf die bither ne< nicht erreidte Zahl von 267 Mitgliedern angewachsen sei. Auch die finanzielle Lage sei dur<haus erfreulih; das Berichts- jabr {ließe mit einem erbebliWen Ueberschuß ab. JInfolgedessen jei die Gesells<2fi in der Lage, den Kreis ihrer Wirkiamkeit dur< Autschreibung von Preisaufgaben zu erweiicrn. Der Vorstand babe beschloffen, cinen Preis von 800 & für eine Schrift über die „Bele-senheit Shakespeare's“ auszusetzen, die gewissermaßez die Ein- Leituna zur Neubearbeitung und Herausgabe eines großen Werks, betitelt „Die Quellen Shakespeare's“, bilden solle. Darauf gedachte der Redner no< der Verluste, welhe die Gesellshaft dur< den Tod der Herren Vatke und von Milde erlitten, und gab einen kurzen Üeberbli> über die sonstigen Ereignisse des Jahres. Alsdann folgte tie Festrede des Professors Bulthaupt- Bremen über das Themá „Raum und Zeit bei Shakespeare und Stiller“, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Nah Ertheilung der Decharge und Wiederwahl Weimars für die nächste Jahrcsversammlung wurde die Sißung geshlossen. Nachmittags fand ein Festmahl und Abends eine Festvorstellung im Großherzoglichen Hoftheater statt, in welcher M Bulthaupt's neue Bearbeitang des Trauerspiels. „Timon von

then“ zur Aufführung gelangte.

Der bekannte, von der Konzert-Direktion Hermann Wolff herausgegebene „Konzert-Kalender“ ist nunmebr für die Konzert- saison 1900/1901 bereits erschienen. Derselbe weist die gleihe Anordnung wie in früheren Jahren auf, jedoh vermehrt um cinen für Musik- lehrer und -Lehrerinnen bestimmten, unabhängig von dem Taschenbu zu benußgenden Wochenfstundenplan. Außerdem find dem üchlein unter der Bezeichnung „Die zeha Gebote für Tonzertierende Künstler“ eine Reihe praktisher Verhaltungömaßregeln hinzugefügt worden, sodaß es seinem Gesammtinhalt nach für jeden F,onkünftler und Referenten als ein durhaus zwe>dienlihes Notiz- und Nahshlagebuh erscheint,

——