1876 / 133 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

na< Ausgabe des Blattes, dur<h welches die Verzeichnisse ver- öffentliht worden find, bei dem Kreisaus\{<hu}e anzubringen. (S. 110 K. O.) Gegen die Beschlüsse (Entscheidungen) des Kreisaus\Gu}es findet innerhalb zehn Tagen die Klage bei . dem Königlichen Bezirks-Verwaltungsgerichte statt. (Z. 90 Nr. 2 des Gesezes vom 3. Iuli 1875.) Mit der Aufstellung der Verzeichnisse der Wahlberehtigten is sofort zu beginnen und Alles so weit vorzubereiten, daß es na<h dem Eintreffen der Mittheilungen des ftatistishen Bureaus nur der Revifion des Verzeichnisses [lll, bedarf und die öffentlihe Be- kfanntmahung na< Nr. 3 unmittelbar darauf erfolgen kann.

Rüesitlih der Zuständigkeit der Behörden bei Ent- ziehung von Dienftmanns-Konzessionen hat der Mi- nifier des Innern der Landdrostei zu Hannover dur<h Erlaß vom 8. v. M. Folgendes eröffnet:

Der 8. 40 der Gewerbeotdnung vom 21. Juni 1869 schreibt vor, daß bei Untersagungen des Betriebes der in 8. 37 erwähn- ten Gewerbe das Verfahren nah Maßgabe der $8. 20 und 21 beobahtet werden soll. Diese Bestimmung greist au< dann Plat, wenn der Betrieb der fraglihen Gewerbe nah Maßgabe der dieserhalb getroffenen ortspolizeilißen Regelung von einer Kon- zesfion abhängig if, und demnach die Untersagung des Gewerbe- betriebes in der Form einer Konzessionsentziehung erfolgt.

Aus der Anwendbarkeit der $8. 20 und 21 folgt aber niht die Zuständigkeit der höheren Verwaltungsbehörde für das Verfahren in erster Instanz. Nah den für die Zu- ständigkeit der Acmter und Magistrate in der Provinz Hannover maßgebenden Bestimmungen find vielmehr die Enscheidungen in erster Inftanz von dem Amte resp. von dem Magistrate zu erlassen.

"Zivlien den Unternehmern von Dienftmanns-Instituten und den felbfiändigen Dienstmännern einerseits, und denjenigen Per- fonen, wel<he nur als Dienstmänner in einem fkonzessionirten Institute angenommen sind, andererseits, besteht übrigens hin- fichtlih der re<tlihen Behandlung ein Unterschied. Da die leßgte- ren nämlih niht als selbständige Gewerbetreibende gelten können, #o findet auf sie au< die Bestimmung des 8. 40 der Gewerbe- ordnung hinsichtlih des Verfahrens keine Anwendung und es kann ihnen daher soweit die ortspolizeilihe Regelung nicht etwas Anderes vorgesehen hat das Qualifikationsattest dur einfahe, nur im gewöhnlihen Beshwerdewege anzufehtende polizeilihe Verfügung entzogen werden.

Dieser Auffassung entspriht die in Berlin in Droshhken sachen bestehende Praxis, nah welcher den Droschkenkut\schern, welche niht selbständige Gewerbetreibende find, der Fahrschein mittelst einfacher polizeiliher Verfügung entzogen wird, in Sachen der Fuhrherren dagegen auf dem im $. 20 ff. der Ge- werbeordnung vorgeshriebenen Wege wobei die untere Be- hörde die erste Inftanz bildet und der Rekurs an die nâhst- vorgesezte Behörde geht entschieden wird.

Ems, 7. Iuni. (W. T. B.) Der zum italienishen Bot- . schafter in Petersburg ernannte Ritter Nigra isst von Paris hier eingetroffen. Der \{<wedis<he Gesandte in Berlin, Baron Bildt, ist ebenfalls hier angekommen.

Bayern. München, 6. Iuni. Der König hat die feierlihe Eröffnung der Kunst- und Kunstgewerbe-Ausftellung im hiesigen Glaspalast am 14. d. M. genehmigt und mit seiner Stellvertretung bei diesem festlichen Akte den Prinzen Luitpold betraut. Unter dem Vorsiße des Prinzen Luitpold wurde heute Mittags eine Sizung des Staatsraths abgehalten. Das „Gesez- und Verordnungsblatt“ publizirt heute das neue Geseg in Betreff der Erhebung einer Gebühr für das Halten

. von Hunden; dasselbe tritt mit dem 1. k. Mts. in Wirksamkeit. Vom Seniorat der Familie der Grafen v. Fugger if an die Kammer der Reichsräthe eine die Kuratel über die Stiftun- gen der gräflihen Familie betreffende Beschwerde wegen Ver- lezung verfassungsmäßiger Rechte eingereiht worden. Herr Reichsrath Frhr, v. Shren> wird, wie die „Alg. Ztg.“ ver- nimmt, als Referent in einem umfassenden Bericht beantragen, diese Beschwerde als unbegründet zu erklären.

Sachsen. Dresden, 7. Iuni. Die Erste Kammer, welche heute ihre Sizungen wieder aufnahm, bewilligte na< „dem Vorgange der Zweiten Kammer 600,000 / zu planmäßiger Fortsetzung der Elbftromkorrektionsbauten.

Me>lenburg-Schwerin. Schwerin, 5. Juni. Vor- gestern, Nachmittags 4 Uhr, fand die Taufe des neugebornen Prinzen in der Stloßkirhe dur<h den Ober-Hofprediger Jahn statt. Der Täufling wurde abwe<hselnd von dem Großfürsten Wladimir, der Großfürstin Maria Paulowna und der Groß- herzogin-Mutter während der heiligen Handlung gehalten und empfing die Namen: Heinri <, Wladimir, Ernst, Albrecht. Als nach einem Gesange und der Rede des Ober-Hofprdigers der eigentliche Taufakt und die Namengebung stattfand, gab die Artillerie 101 Schüsse ab. Am ersten Pfingsttage hielt die Großherzogin ihren Kirhgang. Während des vom Schloß- <or nah der Predigt gesungenen Te Deum wurden abermals 101 Shüfse von der Artillerie abgegeben. Am Sonnabend wurde na< der Taufe eine Gratulations-Cour bei der Groß- herzogin abgehalten und worauf ein Diner folgte.

Besterreicß-Ungarn. Wien, 6, Juni, Der Kaiser ift gestern na<h Is\<l abgereist. Graf Andrassy ift vor- gestern nah Wien zurü>gekehrt.

Die „Wien. Abdpost“ \{hreibt: „Der Tod des gewesenen Sultans Abdul-Aziz steht im Vordergrunde der politishen Ereignisse. Es if zu hoffen, daß diese Katastrophe die Reihe der düsteren und aufregenden Vorgänge absc{ließen wird, deren Schauplatz Konstantinopel in den jüngften Tagen gewesen. Nach den Verficherungen mehrerer Blätter hätte Sultan Murad V, den curopäishen Mächten seine Thronbesteigung offiziell noti- fizirt und es würde daher alsbald zur formellen Anerkennung von Seite der leßteren geschritten werden. Von den übrigen unzähligen Gerüchten, von denen niht wenige an ein geflügeltes Wort des Fürsten Bismar> über die moderne Art der Verbrei- tung von Sensationsnachhrihten erinnern, glauben wir billig Um- gang nehmen zu dürfen.“

Die öôfterreihis<-ungaris<he Zoll- und Han- dels-.Konferenz ‘ist unter dem Vorfiße des Hof- und Mini- fterial-Raths Freiherrn v. Schwegel heute im Handels-Ministerium wieder zusammengetreten. Die Konferenz wird fih, zunächst mit der Beendigung der Revifion des allgemeinen Zolltarifs auf der dur die Resultate der gemeinsamen Minister-Konferenzen über die Erneuerung des österreihish-ungarishen Zoll- und Handelsbündnisses gewonnenen Basis befassen, dabei aber au<

die bevorstehenden Verhandlungen mit den Vertrags- staaten im Auge behalten.

Die „Pol. Corr.“ meldet: Das Ministerium des Innern ordnete an, daß alle bestehenden Studentenverbindungen fi< binnen 3 Monaten im Sinne des Vereinsgeseßes umzubilden oder aufzulösen haben und daß künftig entstehende derlei Ver- bindungen \fi<h nur nah dem Vereinsgeseze konstituiren dürfen.

Krakau, 6. Iuni. Wie der „Czas“ berichtet, haben die Delegirten Smolka und Chrzanowski die Petition der galizischen

Buchhändler wegen Aufhebung des russishen Bücher-.

zolles dem ungarishen Finanz-Minister überreiht. Dieser er klärte, die ungarishe Regierung werde niht gegen die Zollauf- hebung sein.

Schweiz. Basel, 7. Juni. (W. T. B.) Bei der heute in der altkatholis<hen Nationalsynode vorgenommenen Wahl eines Bischofs erhielt der Professor Herzog in Bern 117 von 158 Stimmen und der Pfarrer Schruter in Rheinfelden 34 S Professor Herzog lehnte die Wahl ab.

8. Juni. aus Olten melden, hat Professor Herzog die Wahl zum \hweizerishen Bischof nahträglih angenommen.

Großbritannien und Jrland. London, 6. Juni. Vor einigen Tagen wurde hier zwischen den Kommissären Frankreichs und Großbritanniens eine Uebereinkunft für die Regelung der dur< das Kanaltunnel-Projekt angeregten internationalen Fragen vereinbart,

Das Kanalges<hwader, 6 Schiffe mit 89 Geschüten, bleibt einstweilen abwartend dienstbereit in Gibraltar. Gestern gingen dortjin 7000 Centner Munition. Aus Chatham fommt heute der „Köln. Ztg.“ die Meldung, daß das große Thurm- und Widdershif „Rupert““ zum Dienft völlig fertiggestellt ift und jede Stunde nah dem Mittelmeer abgehen kann. An dem 2, Temeraire“ wird fleißig gearbeitet. Die Arbeiter sind jegt mii Anbringung der zwölf großen Dampfkessel beschäftigt. Sechs find bereits an Bord geschaft, die übrigen liegen völlig bereit neben dem Schiff. i

7. Juni. (W. T. B.) Bei der hiesigen Admiralität eingegangenen Nachrichten zufolge sind die Panzerschiffe „Herkules“, „Devastation“, „Pallas®* und „Invincible“ vom englishen Mittelmeergeshwader am 26. v. M. in der Besika- Bai angekommen. Die Panzerschiffe „Triumph“ und „Researh“ wurden am 27. v. Mts., leßteres von Salonichi, dort erwartet. Das Panzer\hiff} „Swiftsure“ bleibt bei Salonichi.

8. Juni, (W. T. B.) Nach einer Meldung der „Times“ hätten alle Pensionäre der Marine unter 55 Jahren den Befehl erhalten, fh bereit zu halten, wieder aktiven Dienst zu thun. Denjenigen Marine-Pensionären, welche das 45. Lebensjahr no< nicht erreiht haben, soll zugleich die Erlaubniß ertheilt worden fein, in der Reserve zu dienen.

Frankrei. Paris, 6. Juni. Die Diskussion über den Waddingtonschen Gesezentwurf wurde heut fortgeseßt; Naquet ftellte einen Antrag auf Wiederherstellung der Ehescheidung; die Liberalen sind dafür, do<h glaubt man nit, daß der Antrag durchgehen werde, da er no<h zu viel Wider- stand, und nit nur bei den Ultramontanen findet.

Das „Journal >es Debats“ bespricht heut in seinem Leitartikel die orient ‘is<he Frage und zwar in dur<haus friedlihem Sinne und ?miießt mit der Aufforderung zu absoluter Offenheit und zum Haf œln ohne Rückhalt, „Europa macht eine Krifis dur<, aus wel. 7 es nur dur<h Mäßigung, weise Ver- einigung der Intere} “ur die Einigkeit aller Mächte und dur< Wahrheit heraus@g«.angen kann.“ j

Ueber die Verheißu#gen, mit denen der neue Sultan seine Regierung angetreten, äußert sh das Blatt noch reservirt ; die Auflösung des Harems sei das einzige Faktum von wirklicher Tragweite. Darin \pre<e fi<h das Prinzip der Ersparungen aus und liege das Unterpfand einer geregelten Verwaltung, die den Palastlaunen entzogen wäre. Wenigftens 40 Mill. Francs Ersparungen jährclih würden dadurh gema<ht. Die Civilliste des lezten Sultans betrug nur 30 Mill. Fr., stieg aber meist auf das Doppelte. Man erinnere \sih jener Depesche des Lord Redcliffe, nah welcher die Ausgaben des ersten Viertel- jahres 75 Mill, Fr. betrugen. Dem gegenüber find 40 Mill. Ersparnisse viel, und viel Nüßliches lasse si<h damit ausführen. Und eben eine geregelte Verwaltung werde ers dadur<h möglich. Die Gouverneure der Provinz blieben nie länger als 6 oder 7 Monate in ihrem Amt, grade Zeit genug, um zu kommen, si< einzurihten, große Geschenke zu nehmen und dem Sultan und Großvezir zu machen, und dann weiter zu gehen, um an einem anderen Ort dieselbe Thätigkeit zu entwi>eln. Nie hätten fie Zeit gehabt, ihre Verwaltungsbezirke kennen zu lernen, felbst wenn fie die Fähigkeit dazu besaßen, was bei der dortigen Favoriten-Herrschaft nur selten der Fall war. Die Gläubiger der Türkei hätten denn auch diese Veränderung mit Freuden aufgenommen.

7. Jun, (W: D. V) Der Graf von Paris hat sh na< England begeben, um die Ueberreste Louis Philipps und der Prinzen aus dem Hause Orleans na< Frankrei über- zuführen. Dieselben sollen am Freitag in Dreux beigeseßt werden. Die Nachricht von einem Rundschreiben des Herzogs Decazes an die Vertreter Frankreihs im Auslande in Betreff der orientalishen Frage wird von der „Agence Havas“ für unbegründet erklärt.

Versailles, 7. Juni. (W. T. B.) Die Deputirten- fammer hat heute den Geseßentwurf, betreffend die Abänderung des Gesegzes über die Freiheit des höheren Unterrichts mit 388 gegen 128 Stimmen angenommen.

Der Senat hat die Wahl eines ständigen Mitgliedes des Senats an Stelle des verstorbenen Ministers Ricard auf den 16. d. anberaumt und sodann den Antrag, na< welchem die Bureaux und Kommissionen des Senats stets in Versailles tagen follen, mit 138 gegen 132 Stimmen an- genommen. Dieser Antrag war gegen diz Budget-Kommission gerichtet, welhe unter dem Vorsize Gambetta's in Paris zu- sammengetreten war.

Ftalien. Rom, 3. Juni. (Jtal. Nachr.) Morgen, am ersten Sonntag des Monats Juni, wird das Konstitu- tionsfest in übliher Weise gefeiert werden und der König die Truppen der hiefigen Garnison Revue passiren lassen. Ueber- morgen reist Se. Majeftät nah Turin ab, um, wenn ihn Regentenpflihten ni<ht früher nah der Hauptstadt zurü>rufen, bis zum Herbst im Aostathale zu verweilen. Der Reiseplan der Kronprinzlichen Herrschaften ist vorläufig dahin .entworfen worden, daß dieselben am 18. Juli von Mailand aufbrehen werden, um über München na< Dres- den zu fahren, wo si< Ihre Königlichen Hoheiten bei Ihren Hohen Verwandten einige Tage aufzuhalten gedenken, um dem-

(W. T. B.) Wie die „Baseler Nachrichten“.

nene die Reise über Posen und Königsberg nah Rußland fort: zusetzen.

Der Vatikan gedenkt zur Hebung der Schwierigkeiten, welche wegen den armenis<hen Christen zwishen dem päpft. lihen Stuhle und der Hohen Pforte bestehen, dur<h den Kar- dinal Franhi Unterhandlungen mit dem neuen Sultan ein- [eiten zu lassen.

Türkei. Konfkantinopel, 7. Iuni. (W. T. B, Gestern begaben fi<h die ersten Dragomans der Botschaf- ten und Gesandtschaften von Frankreih, England, Ita- lien, Oesterreih, Rußland, Deutschland und Belgien in das Kaiserlihe Palais, um anläßli<h der Thronbesteigung Sultan Murads V. Aufwartung zu machen (complimenter). Die Kaiserlihen Handschreiben, betreffend die Anzeige der Thronbesteigung, find, dem Vernehmen nah, nunmehr abge- gangen.

8. Juni, Waffenruhe und Untersuchung der Beschwerden der Insurgenten ist folgende Cirkularmittheilung an die Re- präsentanien der hohen Pforte im Auslande ergangen: „Auf Befehl Sr. Majeftät des Sultans hat der Großvezier den Kom- missaren der Regierung in Bosnien und in der Herzegowina \<hrift- li<h mitgetheilt, daß Se. Majestät den Insurgenten eine ganze und vollständige Amnestie für die Zeit von 6 Wochen , vom Zeitpunkte der demnächst in diesen beiden Provinzen zu veröffentlihenden Profklamationen ab gere<hnet, gewährt, daß ferner der Ober-Befehlshäber der türkishen Truppen während dieser Zeit alle militärishen Bewegungen einstellen und daß hiervon nur bezüali<h der Verproviantirung von Nikfic eine Aus- nahme gemacht werden sol. Während dieser Zeit follen die Insurgenten ruhig an ihre häuslihen Heerde zurü>fkehren und den Ortsbehörden fih unterwerfen können, welche leßtere dies- bezüglihe Instruktion dahin erhalten haben, die Zurükkehrenden gut aufzunehmen und ihre Wünsche anzuhören.“

Das Regierungsorgan, die „Turquie“, veröffentlicht die Anzeige von der Thronbesteigung Murads an die europäishen Vertreter der Pforte, Dieselbe lautete:

„Nach dem einstimmigen Wunsche der gesammten Bevöl: kerung ift heute Abdul Aziz Khan entthront und Se. Maiestät Sultan Murad V, der bisherige muthmaßlihe Erbe des Kaiser: lihen Thrones, zum Kaiser der Türkei ausgerufen worden.

Gez.: Rushdi.“

Das Fetwa des Sche ich-ül Islam, dur<h welches die Absezung des vorigen Sultans sanktionirt wurde, lautet na<h der Uebersezung des Korrespondenten der „Allg. Ztg.“ wie folgt:

„Wenn Zeid, der Beherrscher der Gläubigen dur< mangel- hafte Kenntnisse von Regierungssa<hen nihts versteht, das Staatsvermögen auf eine Weise, daß das Reih und die Nation es ni<t ertragen können, zu selbfisühtigen Zwe>en verausgabt, die Angelegenheiten des Glaubens und des Staates in Verwirrung bringt, das Reih und die Nation dem Ver- derben entgegenführt und \cin Verbleiben dem Reiche und dem Volke Nachtheil bringt: ift seine Absezung nothwendig ?“

„Antwort: Ja.“

„Es \<riebs der arme Hassan Cheirullah, dem Gott ver- zeihen möge.“

(In der mohammedanishen Jurisprudenz find Zeid und Amr fingirte Namen, wie in den römischen Rechtsgutachten Tiberius und Sempron us.)

Der Thronbefteigungshat lautet:

„Mein erlau<hter Vezier Mehemed Ruschdi Pasha. Durch die Gnade des Allerhöc{sten und dur< die einstimmigen Wünsche aller Meiner Unterthanen habe Ih den Thron Meiner erhabenen Vor- fahren bestiegen. In Betracht Deiner Fähigkeit und Deines erprob- ten Eifers bestätige i< Dich in Deinem Amt als Großpezier, indem i< zugleih die übrigen Minister und Beamten in ihren Aemtern bestätige. h j

„Es is allbekannt, daß die s><wierige Lage, in welcher sich seit einiger Zeit die inneren und auëwärtigen Angelegenheiten der Regie- rung befinden, im Publikum ein gewisses Mißtrauen erzeugt, dem be- weglichen und unbewegli<hen Vermögen Nachtheil gebra<ht und alle möaliche Besorgniß erwe>t hat.

„Um vor allen Dingen diesem Zustande ein Ende zu maden, ist es unerläßlih einen Weg zu betreten, der die Ruhe, die Sicherheit, das moralis<e und materielle Woblsein und das Glü> des Landes und aller Meiner Unterthanen sicere.

„Dieser Zwe> kann erreiht werden, wenn die Verwaltung des Reiches auf einer ernsthaften und festen Grundlage beruht, auf welchen Zwe> alle Meine Ideen und Absichten beständig gerichtet sind.

„Demnach soll unter Ausführung aller Vorschriften des heiligen Gesetzes die allgemeine Verwaltung des Reiches auf soliden Geseßen beruhen, welche der Natur der Verhältnisse und den Eigenthümlic- keiten der Bevölkerung angemessen find.

„Alle Meine Unterthanen ohne Unterschied sollen fi<h einer völ- ligen Freiheit erfreuen.

„Meine Minister werden si< mit einander über den Modus und die festen Grundlagen eines sicheren und festen Prinzips berathen, wel<es den Fortschritt jeder Art herbeizuführen und eine völlige U?bereinstimmuyg der Bef{rebungen im Sinne der Vaterlandsliebe und der Vertheidigung des Vaterlandes, der Regierung und der Na- tion zu erzielen geeignet ist.

„Die Minifter werden Mir das Ergebniß ihrer Berathungen unterbreiten.

„In Erwäsung dieser Grundidee is es erforderlich, die Organi- sation des Staatsraths, des Justiz - Ministeriums, des öffentlichen Unterrichts, der Finanzen und der übrigen Verwaltungszweige nach- einander vorzunehmen.

„Eine der vornehmsten Ursachen, wel<he die Angelegenheiten des Staates verwirrt haben, ist die Finanzfrage. Es ist also unerläßlih die Finanzverwaltung zu garantiren, das heißt, sie einer streugen Kontrole zu unterwerfen und sie in cin System zu bringen, welches allgemeines Vertrauen einflößt, indem jede Ausgabe über die Ansäße des Budgets hinaus vermieden wird. j

„Zur Unterstüßung dieser Maßregel habe Jch beschlossen, Meine Civilliste um 60,000 Beutel zu vermindern, und dem Staatsschaße die Verwaltung und die Einkünfte der Koblenbergwerke von Eregli, sowie der Mes Minen und einiger zu Meiner Civilliste gehörigen Fabriken, zu überlassen.

„Man wird ferner dafür GEEe tragen, das Gleichgewicht der Finanzen zu erleihtern, indem auch în den andern Verwaltungszweigen Verbesserungen und Ersparungen jeder Art erzielt werden.

„Es ist endlih Meine feste Absicht, die Beobachtung aller unserer mit den befreundeten Mächten abgeschlossenen Verträge aufrecht zu erhalten und die zwischen Meiner Kaiserlihen Regierung und den anderen Staaten, bestehenden Bande der Freundschaft und des guten Einvernehmens immer mehr zu befestigen.

„Möge der Allmächtige Meine Bemühungen mit Erfolg krönen!

„Am 9, Dschemazi ül ewel 1293 (1. Juni 1876),* i

Der „Pol. Eorr.* entnehmen wir noh folgende Details über den Thronwechsel:

Ueber den Ursprung des Komplottes, welches den Thronwechsel herbeigeführt, kann jeßt mit Bestimmtheit nur so viel agegee werden, daß dasselbe aus derselben Zeit datirt, in welher die Kund gebungen und Demonstrationen der Softas organisirt wurden. Der Leiter der Vershwörung war Mibhat Pascha. Er weihte zunächst

(W. T. B.) In Bezug auf Amnestie und

Hussein Avni in seine Pläne ein und nun erst, nachdem er diefen dafür gewonnen, maten sih beide daran, den Großvezier Mehemed Ruschdi Pascha als Dritten für ihren Bund zu gewinnen, Leßteres foftete feine geringe Mühe; es gelang aber \{ließlid do<h. Die

Hauptsache bei dieser Verschwörung war, daß sie der Zustimmung -

des Volkes im vorhinein ficher sein durfte. Darauf und auf die Schwierigkeiten der politis<hen Situation basirten die Vershworenen ihr Projekt. Dazu kam, daß Abdul-Aziz von irgend welchen Zuge- ständnissen absolut nihts wissen wollte. In den Plan der drei Hauptvershworenen waren die anderen Minister theils gar nicht, theils nur unvollständig eingeweiht. Der Anschlag hätte eigentlich erst am 30. Mai ausgeführt werden sollen. Ein unvorhergesehener

Zwischenfall bes<hleunigte den Entschluß der Vershwörer. Am

59. Mai nahmen der Großvezier und Hussein Avni Audienz beim Sultan. Sie verlangten von ihm, daß er einen Theil seines wäh- rend seiner fünfzehnjährigen Herrschaft gesammelten Vermögens dem Staatsscatße abtxete. Er verweigerte dies rundweg. Am Abende desselben Tages sci>te er wiederholt nah Hufsein Avni, um ihn zu frazen, welche Bestimmung die Truppen hätten, die auf zwei Schiffen den Bosporus unter seinen Fenstern passirten, Hussein Avni ließ si< mit sehr dringenden Geschäften entschuldigen, die ihn verhinder- ten, im Palais zu erscheinen. Er glaubte verrathen zu sein und be- gab si< in Eile zum Großvezier, wo beschlossen wurde, daß ohne Verzug gehandelt werden müfse. In der That wurde das Palais des Sultans sofort cernirt, und zwar auf der Landseite von Truppeu unter den Befehlen Redif- Paschas, eincs alten Soldaten, auf wel<hen man zählen durfte, während auf der Bosporusseite Matrosen verwendet wurden. Hussein Avni Pascha begab \i{ persönlich ins Palais und ließ dort zunächst Murad Effendi zu si< bringen únd ihn na< dem Seraskierat führen, wo sie vom Großvezier und Midhat Pascha er- wartet wurde, Hier wurde Murad zum Sultan proklamirt und sein erster Souveränetätsakft war die Unterzeichnung des Jradé, weles Abdul - Aziz vorschrieb, Dolma - Bagdsche zu verlassen fi in das Palais von Top - Capu, welches er ihm als Mesidenz anwies, zu begeben, Dieses Jradé wurde Abdul-Aziz in seinem Schlafgemache von Redif Pascha überreiht, wel<her mit Militär- Mannschaft eintrat. Abdul-Aziz wollte Widerftand leisten und erst als Redif ibm erklärte, daß er, wenn er sih nicht füge, das Palais nicht lebend verlassen werde, ergab er sich in sein Schi>ksail, Gestern wurde Abdul-Aziz auf seine Bitte na< einem Flügel des Palais Tscheragan gebradt, welches Murad Effendi vor seiner Thronbestei- gung bewohnen sollte. Murad empfing inzwischen im Seraskierat die Huldigungen und nahm hierauf von Dolma-Bagdsche Befiß. f

Der „Vakit*, ein türkishes Blatt, erfährt, daß der neue Sultan dem Malich den Befehl gegeben hat, vor Allem die Rückftände der Beamten-Geh älter aus dem persönlihen Vermögen des früheren Sultans zu bezahlen, welches an den Staat zurü>gefallen ift.

- Aus dem Insurgentenlager im Risovaßtgebirge érhält die „D. A. C.“ unter dem 30. Mai u. A. folgc: do Nachricht :

Am 20. Mai mars<irte ein starkes Corps Bosniaken unter Trifun Bandalom nah dem Lager von Gerweetsch ab, um die Türken, welche die dort weilenden mebr als 6000 Köpfe zählenden wehrlosen Flüchtlinge (Greise, Weiber, Kinder) überfallen hatten, zu vertreiben. Pop Ninko Gak, welbem die Bewachung des Lagers mit einer aller- dings kleinen Schaar Insurgenten anvertraut, haite fich vor den an- rü>enden türkishen Streitkräften (5000 Redifs) unter Ali Pascha geflüchtet und so konnten die Osmanen mit verhältnißmäßig wenig Verlust die Schanzen besetzen. Es folgte dann ein entseßlihes Masfsacre. Nur eine kleine Tscheta (Abtheilung) Insurgenten behauptete die letzten Schanzen, und “dorthin flüchtete Alles, sehnsüchtig Hülfe herbeiwünschend. In Eilmärschen war Bundatom gekommen, und einen ganzen Tag kämpfte er mit den Türken, dieselben zur regel- losen Flucht drängend. Es gab nur Todte, feine Verwundete.

Die Noth der Flüchtlinge ijt jeßt groß; dieselben müssen. in den n fampiren, die Lebensmittel find knapp, Zufuhr nur {wer mögli,

In Risovaß und Gerraetsch befinden fi< gegen 6000 Bewaff- nete unter den Auführern Bundalom, Dufkitsch,“ Davidovitsh und Pop Koran bei Ston-Majdau, 600 unter Pero Ziokovitsh, in dem Pastirewogebirge gegen 1500 bis 2000 unter Milosch Roditsh, Morko Sjenadja und Janko Bajalitza, im Kozaragebirge 1500 unter Pane Nikolits< und Despot, «bei Priedor 800, bei Unnaß bis Petrovaß, und Kljuts< 4/60 unter Golub Babitsch, Azo Radosaoljewit\>&, Jlija Bilbija und Pero Uzelaß; die Abtheilung von Hadjitsh und Peter Karageorgewits< 1200 Mann von Ljubina bis Buzim. Im Motaicagebirge stehen 400 Mann, welche die Aufgabe haben, die Gegend bis Bonjaluka zu insurairen. Im Travniker Kreise steht die Schaar des Franziskaners Fra Fraunjo, außerdem eine Menge k. einer Abtheilungen in ganz Bosnien, von denen wenig. Nachrichten ein- laufen. Am 4. Juni (22. Mai serbischen Datums) soll auch eine Schaar von 6000 Freiwilligen, welche bei Schabaß in Serbien ein- exerciert wurde, über die Drina gehen und versuchen gegen Serajevo vorzudringen. E

Gefechte finden jeden Tag statt, welhe meist günstig für die Insurgenten enden. Nur ift es s{wer, Nacrichten aus dem Lande zu bringen, weil weder Posten noch Telegraphen existiren und die Türken auf den Kovf ihnen feindliher Berichterstatter Prämien aus- seßen. Auf einen Waffenstillstand wollen die Jusurgenten nit eingehen, weil sie den Türken nicht trauen, auch die gute Jahreszeit nit unbenußzt vorübergehen lassen wollen.

Wie derselben Correspondenz aus Serajevo unter dem 31. Mai gemeldet wird, wäre das türkische Militär dur< die fortwährenden Niederlagen, welche es von den Insurgenten erleidet, niedergestimmt, die Unzufriedenheit im Wachsen und Re- volten zu befürhten. „Die Verpflegung der Truppen ist elend, Sold if seit 19 Monaten nicht gezahlt, und behaupten die Soldaten, daß die Iuz- und Bimbachas den Sold in die eigene Tasche steten, während diese ihrerseits die Paschas anklagen. Bei der Menge Verwundeter ma<ht fi< der Mangel an europäischen

Berlin, den 8. Iuni 1876.

Bei dem Verein für die deutsche Nordpolarfahrt find in vergangener Wocbe von Dr. Fins<h ausführlihe Berichte über die von diejem Verein ausgesandte Fors<hungserpedition na< Weftsibirien eingelaufen. Die Expedition verließ Tjumen am 183. April. Die Reise ging über Jaluterowsk, Jshim und Djukalinsk nah Omék, wo der Gouverneur der Expedition den herzlichsten Empfang bereitete. Es wurde eine Jagd auf Argali (Bergschafe) in den nahegelegenen Gebirgen veranstaltet. Die leßte Nachricht der Reisenden ftammt aus einer Kirgisenjurte. Zunächst sollte von Semipalatinsf aus über Sergiopol ein Zug in die Gebirge nabe der chinesischen Grenze unternommen werden. In der zweiten Hälfte des Juni hofften die Reisenden in Barnaul einzutreffen und von da ihre Reife den Ob abwärts anzutreten. Von Seiten der russishen Behörden wurde ibnen die bereitwilligste Unterstüßung und Hülfe zu Theil. Der Gouverneur in Semipalatinsk begab si< persönli< mit den Herren auf die Jagd und veranstaltete ihnen zu Ehren eine Kosakenparade. Die zur Erforsbung der Mündung des Ob bestimmte Expedition bra< am 11. Mai von Moskau auf. Es ift die Absicht, daß beide Expeditionen im Herbst zusammen von der Obmündung zurü>kehren.

Das hiesige Paul-Gerhardt-Stift beging am Freitag mit seinem ersten Jahreêtage gleichzeitig den 200 jährigen Todes- tag Yaul Gerhardt’'s in der Jakobikirde. Das bis auf den leßten Plaß gefüllte Gotteshaus hatte zu Ehrcn des Tages beson- deren Schmu> angelegt. Nah dem Chor- und Gemeindegesang des Gerhardt’ {hen Soll i< meinem Gott nit singen?" hielt Prediger Disselhoff die Liturgie, dann folgte der Gemeindegesang „Befiehl Du

ge\hulten Aerzten sehr fühlbar; die im medizinischen College von Stambul gebildeten jungen Aerzte erweisen fi< als un- brauchbar.“ ;

Aus Zara wird unterm 6. Juni telegraphirt: Für Nikita berief die im Auslande weilenden Montenegriner zurü> und verbot den Korrespondenten, über die Truppen- bewegungen zu telegraphiren. Die Jusurgenten - Chefs der Herzegowina beschlossen, fh in keine Verhandlungen mit der Regierung Murads V. einzulafsen.

Aus Belgrad wird unter dem 3. d. gemeldet, daß der leßte Einfall regulären türkishen Militärs in \erbishes Gebiet (bei Uziza), den Minister des Aeußeren zur Absendung einer Proteftnote an die Pforte veranlaßt hat. Dieser Tage be- giebt fich der Für | nach Zuprija in Begleitung des Generals T\chernajeff.

Rumänien. Bukarest, 7. Juni. (W. T. B.) Das Amtsblatt publizirt den öfterreihis<h-rumänis<hen Han- delsvertrag.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 6. Juni. Der „Golos* spricht fich über die orientalische Frage fol- gendermaßen aus: „Die Mäßigung, welche die Redaktion des Memorandums an die Pforte geleitet, if ein fiherer Bürge da- für, daß diese fich zweimal befinnen wird, ehe sie dié Annahme offen verweigert. Und um fo mehr, als das Berliner Memo- randum wohl nur einen Kommentar zur Andrassyshen Note bildet, einer Note, welhe ni<ht anzunehmen die Pforte damals feinen triftigen Grund hatte. Diese Voraussezung wäre nur dann unwahrscheinlih, wenn England ofen die Partei der Türkei nähme und diese zum Widerstand antriebe. Aber es ift {wer anzunehmen, daß das Kabinet von St. James so weit gehen follte.

Wir sehen außerdem, daß die französishe Regierung Eng- lands Mitwirkung zum gemeinsamen Handeln im Drient zu erlangen su<ht und no< nicht alle Hoffnung auf Erfolg verloren hat. In der That find die Einwände, wel<he England dem Memorandum entgeaenstellt, niht unmöglih zu beseitigen. Eng- land weist z. B. auf die Shwierigkeit hin, einen Waffenstillstand unter Bedingungen zu bewilligen, welche es für die Türken für ungünstig hält; aber es verliert aus dem Auge, daß ein ähn- licher Waffenstillstand für billig erahtet wurde zur Zeit der Ueber- gabe der Andrafsy'\chen Note.

Außerdem findet England die Opfer übertrieben, welche ih die Türkei auferlegen müßte, um die Insurgenten für ihre Ver- luste zu entshädigen. Aber sollte es selbft da so \{<wer sein, fest- zustellen, daß Recht und Gerechtigkeit aus diesen Opfern eine Pflicht für die Türkei mahen? Denn hat nicht die Mißverwal- tung der legtern all dies Unglü> verschuldet?

England muß jedenfalls zugestehen, daß, was bis jeßt ge- fehlt hat, die Mittel sind, welhe die Ausführung der seit langer Zeit von der Pforte gemachten Versprehungen sichern, und sobald es einmal feststeht, daß ihre Jntegrität respektirt werden soll und daß man nur eine Reorganisation verlangt, welhe für eine bessere Lage der Christen Garantie biete, sollte England durchaus in seiner isolirten Haltung den anderen Mächten gegenüber verharren wollen ?

Die englische Presse und die öffentlihe Meinung find cin- stimmig darin, anzuerkennen, daß die Pforte nur unter der Be- dingung fortbestehen kann, daß fie ihre Verwaltungsmaximen von Grund aus ändert. Indem England so den jeßigen Zustand im Orient verurtheilt, muß es, wie uns scheint, damit zugleich ftilshweigend die Leerheit der Versprehungen anerkennen, wel<e die türkishe Regierung machen kann und von diesem Geständniß zur Forderung von Garantien für die Erfüllung dieser Versprehungen is eben nur ein Schritt. Deshalb glauben wir \<ließli<, daß England, um mit si< selbft niht in Widerspru zu gerathen, willig oder niht, von cinem Prinzip der Nichtintervention gegenüber einem Staate abgehen müsse, der nur zu geneigt is, es zu mißvrau<hen. Das englische Volk, das #o viel Millionen Pfund für die Sache der Neger-Emanzipation in Afrika geopfert, ist ebenso empfang- lih für Sympathieen mit den Christen, die ein ni<t weniger unglü>lihes Loos zu ertragen haben, als die von England be- freiten Sklaven.

Wir hoffen also gern, daß England seine Haltung ändern werde. Wir möchten gern das Zeichen davon in der Thatsache einer Absendung der enalishen Flotte ins Mittelmeer erbli>en, eine Absendung, die sicherlich nit die Unterftüßung einer so shle<ten Sache zum Zwe> haben kann, als die der Türkei ift, indem es sich dem Werke der Pazifizirung und Civilisirung entgegenstellt, das ganz Europa unternommen. Und von dem Augenbli> an, wo die Integrität des türkishen Reiches niht mehr in Frage fommt, kann diese Flotie nur dazu berufen sein, die Interessen der englishen Angehörigen und ihr Leben in dem Fall zu fichern, wo es dur< den türkishen Fanatismus in Gefahr fommen sollte. Die Zukunft wird die Hoffnungen zu befiätigen oder zu widerlegen haben, wel<he wir heut aussprechen.“

Amerika. Washington, 6. Funi. Kabeldepeschen melden: Mr. Blaine, der frühere Sprecher, gegen welhen vershiedene Anklagen in Verbindung mit gewissen Bonds- Tranéaktionen erhoben worden, verlas heute im Repräsentanten- hause seine eigenen Briefe, die, wie behauptet worden, ihn

Deine Wege“ und die Festpredigt des Hofpredigers Dr. Kögel, die anknüpfend an den Text des 57. Psalms: „Mein Herz ift bereit, Gott mein Herz ist bereit, daß i< singe und lobe“ in begeisterten Zügen ein lebensvolles Bild des großen Kir>ensängers gab, das die evange- lis<e Welt dur< das ganze Kirchenjahr geleitet, ein Tröster und Be- rather der Armen und Elenden, ein treuer, zuverlässiger Freund seines Volkes gewesen ist und für alle Zeiten bleiben wird. Der Jahres- bericht gab in allgemeinen Umrissen eine Darstellung der Entstehung des Stiftes, das sich no< in den Anfängen seiner Entwickelung be- findet, Leider hat das nene Stift, troßdem von allen Seiten Wohl- thäter für dasselbe erstehen, no< stark mit materiellen Sorgen zu fämpfen, deren höchste die Verzinsung des übernommenen Stiftshauses in der Jakobi-Kirchstraße bildet. Unterstüßende Gaben werden daher

gern angenommen

Schon vor mehreren Jahren is das Projekt einer Ver- längerung der Zimmerstraße von der Wilhelm- na< der Königgrätzerstraße in Anregung gekommen, von Seiten des Magistrats demselben aber nicht näher getreten worden, Neuerdings ist die An- elegenheit wieder aufgenommen, theils weil für die Grundftü>e Wilhelmstraße Nr. 95/96, welche von der eventuellen Weiterführung der Zimmerstraße betroffen würden, Baugesuche vorliegen, theils weil auf dem fiskalishen Terrain an der Königgräßerstraße mit dem Bau des Gewerbe-Museums und der Gewerbe-Akademte unter Berü>sichtigung einer Zufahrtsftraße in Verlängerung der Zimmerftraße begonnen war. Der letztere Bau i} zwar wegen, der inzwischen eingetretenen Ver- bandlungen über die Errichtung einer technisden Hochschule wieder eingestellt, die vorliegenden Umstände, welehe tur das Interesse des öffentlichen Verkehrs no< vermehrt werden, haben es jedoch geboten

kompromittirten, und er deshalb der Oeffentlihkeit vorzuent- halten wünsche. |

Aus Philadelphia wird der „Times“ gemeldet, daß der Senat die vom Repräsentantenhaus vorgenommene Herab- seßung des Präsidentengehaltes von 50,000 Dollars auf 95,000 Dollars wieder geftrihen hat. Die Vorlage, welche die Herstellung einer Münz- und Rechnungseinheit zwi- \hen den Vereinigten Staaten und England vors<lägt, wurde im Senat diskutirt und es gelangten verschiedene Zusätze zur Annahme.

Telegraphishe Nachrichten der „A. A, C“ aus Da- vanna über New-York melden, daß, Maximo Gomez an der Spize von 1600 cubanis<hen Insurgenten in der Nacht des 96. Mai Ciepo de Avila angriff. Er wurde indeß von der 400 Mann starken Garnison na< einem verzweifelten Kampfe

{1 zurü>ges<lagen, und büßte 30 Mann an Todten und 70 an

Verwundeten ein. Die Spanier sollen, wie es heißt, zwei Offi- ziere verloren haben.

Neichstags- Angelegenheiten.

Berlin, 8. Juni. Die JIustiz-Kommission des Reichs- tages seßte gestern ihre Beraihungen der Strafprozeßordnung fort und gelangte vom $. 58 derselben bis zum $. 84, Ein Antrag des Abg. Reichensperger, die Verweigerung eines Zeugnisses mit einer ge- linderen Strafe zu belegen, als dies von der Kommission in erster Lesung geschehen, wurde abgelehnt. Der Kommissionsbes{luß in erster Lesung ist demnach aufre<t erhalten, wona<h die Zeugnißver weigerung mit Geldstrafe biz zu 300 4, event. mit Haftstrafe zu 6 Wochen bedroht: ist. Jn Beziehung auf die Vorbereitung eines Sachverständigenurtbe;ls über den GBeisteszusta= des Angeschuldigten wurde ein Antrag des Abg. Zinn auf Ersetzung des $.71b. dur eine den böberen Schuß des Angeschuldigten bezwe>enden Vestimmung ange- nommen. Nach dem Antrag des genannten Abgeordneten foll das Gericht zur Vorbereitung eines Gutachtens über den Geifsteszuftand des Angeschuldigten auf Antrag eines Sachverständigen und nah Anhörung des erforderlichen Falles amtli<h zu bestellenden Vertheidi- gers anordnen, daß der Angeschuldigte in eine Jrrenanstalt gebracht und dort beobachtet werde. „Es findet sofortige Beschwerde ftatt, dieselbe hat aufschiebende Wirkung.“ Zu $. 78, in welchem die Zu- ziehung eines Arztes zur gerichtlichen Todtenshau angeordnet ift, wurde auf Autrag des Abg. (uttkamer die in der Bundesvorlage enthaltene Bestimmung wieder aufgenommen, na<h welcher die Zus ziehung eines Arztes unterbleiben kann, wenn sie nah dem Ermessen des Richters entbehrlich ist.

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Gewerbe und Handel.

Dem Geschäftsbericht der Altenburg-Zeibßer Eisenbahn pro 1875 entnehmen wir über die Betricbsergebnisse, daß im Jahre 1875 befördert wurden 189,936 Personen, gegen 188,133 im Jahre 1874, mithin 1875 mehr 10,803 Personen. Von dea ausgegebenen Billets kommen 177,433 auf den Lokalverkehr, 19,510 auf den ver- einigten Verkehr und 1993 auf den direkten Verkehr. Die Gefammt- Einnahme aus dem Personenverkehr betrug 86,170 4 Ferner wurden befördert 432,881,235 Kilo glei<h 8,657,624 Ctr. Güter gegen 9,116,393 Ctr. im Jahre 1874, mithin 1875 weniger 458,768 Centner, Von den beförderten Gütern fièlen 64,517,180 Kilo auf den ‘Lokalverkehr, 161,959,610 Kilo auf den Uebergangéverkehr und 206,404,445 Kilo auf den direkten Verkehr, Die Gesammt- einnahme aus dem Güterverkehr sammt Nebeneinnaßmen betrug 642,277 A Während gegen das Vorjahr der Lokalverkehr um 22,7 9%, der direkte Verkebr um 19,2 % stieg, fiel der Uebergangs- verfehr um 29,8 9%. Die Gesammteinnahme betrug 807,038 Æ, die Gesammtausgabe 428,930 4, so daß 378,107 M4 oder nah Re- fervirung von 9000 # no<h nit gede>ter Ausgaben für Mitbenußung des Thiningishen Personenbahnhofes in Zeiß, pro 1875 369,107 reine Einnahme verbleiben. Hiervon sollen 112,952 M. dem Reserve- und Ecneuerungsfonds überwiesen werden, während für die verbleibenden 256,155 M und einschließli<h 826 (A Vortrag vom Vorjahre, 256,981 #, folgende Vertheilungsweise vorgeslagen wird: 10,246 M Tantième dem Vorstande, 2561 A desgleichen den Revi- soren, 119,062 A 64 °/0 (18 Æ 75 S) Dividende den Prioritäts- Stammaktien, 161 # Vortrag auf nächstes Jahr, s

. Aus dem Rechnungsabschluß der Gößniß-Geraer CEisen- bahn pro 1875 theilt die „B. B. Z.“ folgende Daten mit. Es be- trugen die erzielten reinen Verkehrêeinnahme n786,757 M oder 52,997 M mehr als im Jahre 1874; es kamen 192,610 Æ auf den Personen- und 594,147 M auf den Güterverkehr. An außerordentlichen Einnahmen gingen ein 37,645 A. Die ge})ammten Betriebseinnahmen stellten fich auf 824 403 1, die Gesammt-Betriebsausgaben einschließli des Bei- trags zum Erneuerungsfonds und der Eisenbahnsteuer auf 522,970 M, so daß 301,432 M Ueberschuß verblieb, wovon 300,813 F zur Ber- theilung einer 5!/10?%/o Dividende an die Aftionäre verwendet unde 619 M auf neue Rechnung vorgetragen werden sollen. Jm Jahr 1874 betrug die Dividende 4F °/o.

Verkehrs: Anstalten.

Southampton, 7. Juni. Das Postdampfshif des Nor d- deuts<he> Lloyd „Oder“, welbes am 27, Mai von New-York ab- gegangen war, ist gestern wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Poft und Ladung, 11 Uhr Abends die Reise na< Bremen fortgeseßt. Die „Oder* überbringt 276 Passagiere und volle Ladurg.

Liverpool, 7. Juni. (W. T. B.) Der Dampfer „Ca- meroon * ist von der afrikanishen Westküste hier eingetroffen,

Plymouth, 7. Juni. (W. T. B.) Der fällige Dampfer e Amerikan“ ist aus der Capfstadr hier angekommen.

erscheinen laffen, eine solhe Straßenverlängerung in Ausficht zu nebmen und mit Rü>sicht auf die Bestimmungen des Gesczes vom 2, Juli 1875, betreffend die Anlegung und Veränderung von Straßen und Pläßen in Städten und ländlichen Ortschaften, die Festseßung einer Baufluchtlinie vorzubereiten. Der Magistrat hat der Stadt - verordnetenversammlung einen von der Baudeputation gench- migten Plan mit dem Ersuchen vorgelegt, si< damit einverstanden zu erklären.

Zur Erläuterung der heute (unter „Türkei“) mitgetheilten Ant- wort des Scheich-ul-Jslam und des Thronbesteigungshat mag daran erinnert werden, daß die türkishe Geseßgebung in zwei Haupttheile zerfällt: das religiöse Geseß (Sceriat) und das yolitis<he Geseg (Kauun). Das Scheriat, welches indessen au< mit vielen bürgerlihen Rechtévorichriften dur<hwebt ift, hat - zu seinen Quellen den Koran, die Sunna oder religiöse Tradition, das Idshma i ümmet, d. î. die Erklärungen, Auslegungen und Entscheidungen der vier ersten Khalifen, und das Kazas oder die Sammlung gericht!'iher Entscheidungen der vier großen Imams Ebu, Hanifé, Maliki, Schafii und Hambeli. Im Anschlusse hieran ist die Rechtsdisziplin dur< eine Menge Rechtsgelehrter ausgebildet worden, Aus den Arbeiten derselben sind v-rschiedene Sammlungen hervorgegangen, welche ebenfalls als Rechtéquelle benußt werden. Die erste dieser Sammlungen führt den Namen Perlen (Düvar) und ent- hält Rechts\sprüche und Auslegungen bis zum Jahre 1470; die zweite führt den Namen Mülteka ül bubur (Verbindung der Meetec) und rührt von dem gelehrten Scheich - Ibrahim Halebi (gest. 1549) ber. Ursprünglich [n arabisher Sprache verfaßt, wurde die leßtere Samm- lung erst später in das Türkische überscht und im Jahre 1824 revi-