1876 / 139 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

F. 2, (Rechte des Dienstpersonals.)

Folge zu leisten verbunden.

5: 3. (Entscheidung von Streitigkeiten.) Streitigkeiten zwischen dem Publikum und dem Dienstpersoual entscheidet aut den Stationen der Stationsvorsteher, während der Fahrt der Zugführer. , 4. (Beshwerdeführung.) Beschwerden können bei den Dienstvorgeseßzten mündlich oder \chriftlich angebraht, auch in das

8. 4 auf jeder Station befindliche Beschwerdebuch eingetragen werden.

S. 9. (Billet-Verkauf). Das zu entrihtende Fahrgeld ist abgezählt bereit zu halten, damit Aufenthalt durch Gelde, uen

Billet- und Gepäck-Expeditionen. l __Das vem Reisenden gelöste Billet ist auf Verlangen bei dem Eintritt in den Wartesaal, sowie beim Einsteigen Wagen vorzuzeigen. Während der Fahrt muß der Reisende

mieden werde. _§. 14. (Wartesäle. Billet-Kontrole.)

in den das Billet bis zur Abnahme desselben bei sich behalten.

Der Reisende, hat für die ganze von ihm zurückgelegte Strecke,

Fahrpréises, mindestens Derjenige Reisende jedoch,

führer meldet, daß

worauf er keinen Anspruch hat, einen um 1 4 erhöhten Zu anen, er die soforti [ung verwei g

& 16. M rtige Zahlung verweigert, kann ausgeseßt werden.

Niemand mehr zur Mitreise zugelassen werden. Eivsteigeu und sede Hülfeleistung dazu, wegung geseßt sind, is verboten und strafbar

§.17. (Verhalten auf denZwischenstationen. Oeffaen Bei Ankunft auf ciner ; elben, die Dauer des für sie bestimmten Aufenthalts, sowie der etwa stattfindende Wagenwechsel ausgerufen. Sobald der Wagenzug \tillsteht, werden nach derx zum Aussteigen be- stimmten Seite die Thüren derjenigen Wagen geöffnet, welche für die Die Thüren der

und Schließen der Wagenthüre n.) Station wird der Name derl

bis zu dieser Station Reisenden bestimmt sind. übrigen Wagen werden nur auf Verlangen geöffnet.

Wer auf den Zwischenstationen seinen Play verläßt, ohne den- selben zu belegen, muß fi, wenn derselbe inzwischen anderweitig be- Jet ist, mit einem andern Plate begnügen.

8. 19, (Verhalten während der Fahrt und beim Ein- und Aussteigen.) Während der Fahrt darf sich Nicmand seit- a dem Wagen biegen, gegen die Thür anlehnen oder auf die

ze treten.

Auf Verlangen auch nur Eines Reisenden müssen die Fen ter au

der Windseite geschlossen werden. N d i Die Reisenden dürfen zum Ein- und Aussteigen die Wagenthüren nicht selbst öffnen ; ste müssen vielmehr das Oeffnen dem Dienst- pasonal überlassen und dürfen nit ein- und ausfteigen, «evor der Zug völlig stillsteht. S. 22 (Mitnahme von Hunden 2c., Tabakrauchen.) Hunde und andere Thiere dürfen in den Personenwagen nicht mit- geführt werden. Ausgeunommen hiervon sind jedoch fkieine Hunde, welche auf dem Sæ&oße getragen werden, sofern gegen deren Mitnahme von den Mitreisenden desselben Coupées Einspruch nicht erhoben wird. Das Tabakrauchen is in «llen Wagenklassen gestattet; in der

I. Wagenklasse jedoh nur unter Zustimmung aller in demselben Coupée Mitreisenden, insofern nicht besondere NRauch-Coupées dieser Klasse im Zuge vorhanden sind, In jedem Personenzuge müssen Coupées zweiter und wo thunlih auch dritter Klasse für Nichtraucher vorhanden sein. Die Tabakspfeifen müssen mit Deckeln versehen sein.

j Nah Mittheilungen aus Brüssel wird die dortige internationale Ausstellung für Gesundheitspflege Und Rettungswesen am Montag, den 26. Juni feierlih eröffnet werden.

__— Die Beschimpfung der den evangelischen Geist- lihen gestatteten Ehe ist nah einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 27. April d. I. als die Beschimpfung einer Einrichtung der evangelischen Kirche zu bestrafen.

Der Kaiserlich rusfische Unterrihts-Minister Graf Tol sto y traf gestern Abend aus St. Petersburg hier ein und stieg im Hôtel Royal ab.

S. M. Knbt. „Comet“ hat am 3. Iuni c. Nachmittags Lissabon verlassen, ankerte am 5. Juni auf der Rhede von Gibraltar und beabsihtigte am 6. Juni die Reise fortzuseßen.

S. M. S. „Elisabeth“ isst am 12. Juni cr. in Kiel außer Dienst gestellt,

Briefsendungen für S. M. S. „Medusa“ und S. M. Knbt. „Comet“ sind bis auf Weiteres nah Konstantinopel, per Adresse des deutshen Konsulats, zu dirigiren.

Posen, 15. Juni. (W. T. B.) Das Kreisgericht hat in dem nunmehr beendeten Prozeß gegen den Grafen Sta- nislaus BPlater denselben wegen Untershlagung und Un- atio zu 2 Jahren Gefängniß und 3000 / Geldstrafe ver- urtheilt.

Bayern. München, 13. Juni. In einer auf heute Abend anberaumten Sizung der V1], Abtheilung der Kammer ‘der Abgeordneten wird ein, die beanstandete Wahl von Regensburg betreffender Antrag zur Berathung gelangen. Eine definitive Entscheidung über die bezüglihe Wahlreklamation wird aber noch niht möglih sein, da die als nothwendig er- achteten Erhebungen in Regensburg noch nicht vollständig vor- Tiegen. Bis die Kammer die sämmtlihen noch vorliegenden Waklhlbeanstandungen erledigen kann, wird, wie der „Corr. v. u. f. D,“ bemerkt, voraus\ihtlich der Shluß des Landtags heran- rückden, auch wenn dieser ers gegen Mitte Iuli möglich sein wird.

Sachseu. Dresden, 14.-Juni. (Dresd. J.) Der feier- liche Schluß des Landtags wird am 24. Iuni dur den König im hiesigen Königlichen Schlosse vollzogen werden. Am 26. Iun: werden der König und die Königin sich sodann zu einem mehr- wöchigen Aufenthalte nah der Schweiz, und zwar zunächst nah Na, begeben, woselbst Se. Majestät die Kur zu gebrauchen gedenkt.

In der heutigen Sizung der Ersten Kammer kam

zunächst das Königliche Dekret zur Verlesung, durch welches der Schluß und die feierlihe Verabschiedung des Landtages auf den 24. d. M. festgeseßt wird. Auf der Tagesordnung befand sich der Bericht der Finanzdeputation über die die direkten Steuern betreffenden Positionen des ordentlihen Einnahme- budgets. Die Minorität der Deputation \{chlug vor, für beide Jahre, 1876 und 1877, es bei der Erhebung der Grund- steuer und der Gewerbe- und Personalsteuer bewenden zu lassen, die Einkommensteuer aber Be Die Majorität empfahl, im laufenden Jahre zwar die seitherigen Steuern in der bisherigen Höhe zu erheben, im Jahre 1877 aber die Grund- steuer, sowie die Gewerbe- und Personalsteuer, dem Vorschlage der Regierung gemäß, nur in Höhe von °/; eines Iahresbetrags gu erheben und den Restbedarf, der durch die Verzinsung der

: ) ( Den dienftlichen Anordnungen des in Uniform befindlichen, mit Dienftabzeichen de mit einer Legitimation versehenen Dienstpersonals if das Publikum

welher ohne gültiges Fabrbillet betroffen wird, } 1 und wenn die Zu- gangsstation nit sofort unzweifelhaft nacbgewiesen E für N ganze vom Zuge zurückgelegte Strecke das Doppelte des gewöhnlicen aber den Betrag von 6 zu entrichten. [ ¡hende Jedoch, welcher in einen Personenwagen einsteigt und gleich beim Einsteigen unaufgefordert dem Schaffner oder Zuges i er wegen Verspätung kein Billet mehr habe lójen können, hat, wenn er überhaupt noch zur Mitfahrt zugelassen wird, ahrpreis

g ; ersäumung der Abfahrtszeit.) Nachdem das Abfahrtêzeihen durch die Dampfpfeife der Lokomotive gegeben, kann Jeder Versuch zum nachdem die Wagen in Bes

enthaltenen Voranschlag um beiläufig

Majorität mit 23 gegen 15 Stimmen angenommen.

Württemberg. Stuttgart, 12. Juni. Die Kam- mer der Abgeordneten hat heute den Gesetzentwurf, be- treffend die Aufsiht über die Gelehrten- und Real- \chulen mit 72 gegen 2 Stimmen angenommen.|

Waden. Karlsruhe, 12, Juni. (Frkf. J.) Der Bericht der Kommisfion der Zweiten Kammer über De Me Erw E Steuergesey will die Fassion an Stelle der Einschäßung durchführen und erörtert eingehend die von der Mannheimer Handelskammer an Stelle der alten Steuern vorgeschlagene Ein- kommensteuer. Mit Hinweis auf die jahrelangen fruhtlosen be- güglichen Versuche in Sachsen betont der Bericht, daß die Re- gierung und die Kammermehrheit {hon im vorigen Landtag dem Versu abgeneigt waren, eine fihere Einnahme von 10 Millionen Mark aus hergebrahten Steuern aufzugeben, alle Kataster, auch die eben neu hergestellten Grund- und Hâuserfteuer-Kataster, fallen zu lassen, um mit einem Sprung das Wagniß zu machen, diese zehn Millionen durch Einkommen- steuer auf Grund von Fassionen oder Einshäßung anderweitig herbeizushaffen. Ein so gewagter Vorschlag von so gewiegten Geschäftsmännern habe etwas Befremdendes. Nach dem Er- gebniß der mit geringer Ausnahme vollzogenen Wahlen zur evangelischen Generalsyno de stehen fich die geistlichen Ábgeord- neten in den zwei Parteien gleich, aht gegen aht, mit der gleichen Zahl Centrumsmitglieder, während die Mehrzahl der weltlichen Ab- geordneten weitaus der liberalen Richtung angehört, so daß ein Ent- gegenklommen für die Reformvorlagen der obersten Kirchen- behörde gefichert ist. Die Synode s\elbst| wird kaum vor dem Spätjahr zusammentreten, da die liberalen Führer der Kammer- mehrheit, welche zugleich Synodalmitglieder find, vor Mitte Juli nicht von ihren Kammerarbeiten entlastet werden können und zwischen beiden Versammlungen eine Pause als angemessen er- achtet wird.

Sessen. Darmstadt, 13. Juni. Die Tagesordnung der 9. Sizung der Ersten Kammer der Stände für den 17. d. M. enthält als einzigen Gegenstand der Berathung die Vorlage des Ministeriums der Finanzen , die Erhebung der Staatsauflagen in den leßten sechs Monaten des Jahres 1876 betreffend. Es findet vorausfichtlih nur diese eine Sigzung statt. Mairz, 12. Juni. Bei der heutigen ¡Einführung der gemeinsamen Schulen durch Vertheilung der Schulkinder nach Bezirken verweigerten die „Englishen Fräulein“ (nachdem dem Geseze entsprehend ihre fernere Verwendung im Schuldienste von der Regierung niht genehmigt worden war), die Einräu- mung der nöthigen Lokale in dem seither von ihnen benügten Gebäude. Die Oberin, eine Schwester des Dr. Moufang, fstüßte \ich auf das Altenauersche Vermächtniß (von welhem zwei Mädchenshulen zu halten sind) und glaubte, nahdem die Stadt mit namhaften Zushüssen bei dem neuen Hause der „Englishen Fräulein“ be- theiligt ist, und über die Verwendung der Stiftung ein geset licher Anstand, gar nicht besteht, die Lokale für die dorthin zu verl?gen- den aht Schulen verweigern zu können. Darauf ließ der Bürger- meister die Räumlichkeiten mit Gewalt öffnen. Die „Englischen Gräulein“ haben, dem „Frkf. I.“ zufolge, den gerichtlichen ¿Beg beschritten.

-— 13. Juni. Nach dem „Mzr. Journ. wird bei dex be- vorstehenden Frohnleichnams- Prozession die bisher übliche militärische Begleitung niht mehr stattfinden.

Sachsen-Coburg-Gotha. Coburg, 13. Iuni. Der Speziallandtag des Herzogthums Gotha hat die Weiterführung der Dietendorf-Arnstädter Eisenbahn über P!aue und Bad Elgersburg nah Ilmenau genehmigt. Von Ilmenau soll ein Ar\hluß an die Saalbahn in Schwarza ftattfinder.

Elsaß-Lothringen. Straßburg, 12. Iuni. (Köln. Ztg.) Die gestern beendeten Ersahwahlen für Bezirks- und Kreistage haben im Ganzen das erwartete Resultat er- geben: Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieter oder Neuwahl von Gesinnungsgenossen derselben, ergebniß- lose Wahl in Meg und Mülhausen, wo bedeutend we- niger als das nothwendige Viertel der eingeschriebenen Wähler an der Urne ershienen. In Straßburg wurde Goguel mit 1153 Simmen gegen 95 von 3627 eingeschriebenen Wählern wiedergewählt, Die Betheiligung an der Wahl ift hier gesunken, da ein Wahlkampf überhaupt nicht staitfand. Die vorige Wahl zeigte 1359 Stimmen für Goguel gegen 583 gegnerishe. Im Ganzen sind 32 Ersaßwahlen in den Bezirkstagen erforderli, - erft von sechs ist der Ausfall sicher bekannt.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 14. Juni. (W.T. B.) Wie die „Politishe Korrespondenz“ erfähct, find die neuen Kred i- tive zur Beglaubigung des öôsterreihischen Bots chaf- ters, Grafen Zichy, bei der türkishen Regierung bereits nah Konstantinopel abgegangen. Die „Wien. Ztg.“ meldet: Mit Kaiserlicher Entschließung vom 11. Juni wurde Graf Dgziedus3zycki auf seine Bitte von der Stelle des Landmarschalls von Galizien mit dem Ausdruck der Kaiserlichen Anerkennung seines patriotischen Wirkens enthoben. / \ Ueber das neue türkishe Verfassungswerk be- merkt die gestrige „Wiener Abendpost“: j „Sn mehreren Blättern begegnen wir Andeutungen über die organishen Geseze, welhe die neue Pfortenregierung vor- bereitet und denen Sultan Murad V. prinzipiell bereits seine Zustimmung ertheilt haben sol. Wie es \{heint, hat Mithad Pascha seine etwas weitgehenden Reformprojekte im Minister- rathe nicht vollständig durchzusezen vermoht. Der Groß- vezier Mehmed Ruschdi behauptet seinen etwas konser- vativen nuancirten Standpunkt niht ohne Erfolg und auch Dahin Avni Pascha \oll wenigstens Up Punkten der beab- tigten Reform, welche die politishe Macht der Krone allzu- sehr einzuschränken bestimmt waren, keine Sympathien entgegen- bringen. An eine einfahe Adoption abendländisher Ver- fassungsmuster ist unter solchen Verhältnissen \{werlich zu denken. Dagegen is die Regierung allem Ermessen nah einig in dem Bemühen, auf dem Gebiete der Staats- haushaltsfragen eine strenge und eingreifende Kontrole zu ermöglicen, und er einzuseßende Nationalrath dürfte gerade in dieser Richtung mit ausreichenden Rehts- befugnissen ausgestattet werden. Daß man von dem Gedanken einer umfassenden Oktroyirung nach dem Chartenrezepte vor-

emittirten Zprözéütigen Rentenanleihe fh gégen den im Budget l 4,575,000 M erhöht, durch Erhebung einer entsprechenden, für jeßt ziffffermäßig noch nicht festzusezenden Anzahl von Simplen der Einkommensteuer zu decken. Bei der Abstimmung wurde sodann der Antrag der

prattish flaatsmännishen Auffassungen Hussein Avni's und Mehmed Ruschdi's niht ohne Wirkung auf die Entschließungen des Ministeriums geblieben find. Andererseits dürfte der frei- heitlihe Idealismus Mithads dafür sorgen, daß die Reform- bewegung niht einfah im Sande verlaufe. Französische Blätter \prehen daher von der Einführung eines „gemish:en Systems“, nicht ohne der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß dieses System gleichmäßig die Bevölkerung der Türkei wie die fremden Mächte zufriedenstellen werde.“

Pest, 14. Juni. (W. T. B.) Jn der heutigen Sigzung des Abgeordnetenhauses beantwortete der Minister-Pr - sident Tisza die am 3. d. eingebrachte Interpellation über die Haltung der ungarischen Regierun g gegenüber der ori en- talishen Frage, und hob hierbei hervor, daß die Regierung sih stets in Verbindung gehalten habe mit dem Ministerium der auswartigen Angelegenheiten, welches nah wie vor bemüht sei, in friedlihem Sinne einzuwirken. Das Haus nahm von dieser Antwort Kenntniß.

Ueber den Verlauf der Zoll- und Handelskon- ferenz \{chreibt man dem „Hon“ aus Wien, daß bisher vier Sizungen abgehalten und die sieben ersten Klassen des allgemei- nen S8olltarifs erledigt wurden. Im Großen und Ganzen schreitet die Arbeit ziemlih rasch vor, obwohl die Verhandlun- gen niht ganz frei von gegensäglihen Auffassungen find, die sowohl von der einen, wie von der anderen Seite aufgestellt wurden. Bisher konnten sich übrigens Gégensägße nit în her- vorragender Weise äußern, da der die industriellen Artikel um- fassende Theil des Tarifs erst jezt zur Diskussion gelangen wird. Die Konferenz dürfte wahrscheinlih einige Monate bei- sammen bleiben.

Der ungarische Reichstag wird, wie gestern be-

werden. Unter den bedeutenderen Gesezentwürfen, welche im Herbst zur Vorlage gelangen, wird sih auch ein Entwurf über die Reform des Oberhauses befinden. Von Allem, was uber dessen Inhalt verlautet, bezeichnet „Hon* nur die Angabe, daß die Obergespäne nicht mehr Mitglieder des Hauses sein werden, als rihtig. Dagegen ift die Mittheilung, daß ein Theil der Mitglieder durch den Monarchen ernannt und ein anderer dur das Abgeordnetenhaus gewählt werden soll, derselben Quelle zufolge entschieden fals.

Niederlande. Haag, 9. Iuni. Der Gefeßentwurf zur Reorganisation des Münzwesens in den Kolonien wurde so eben bei der Zweiten Kammer der Generalstaaten ein- gereiht. Derfelbe hat namentlich zum Zweck, die Prägung grober Silbermünzen auch dort vollständig einzustellen und dagegen Goldftüle von 10 und 5 Gulden, nach den für das Mutterland, in dem der Kammer seit einiger Zeit vorgelegten Gesehentwurf festgestellten Normen, ebenfalls in die überseeishen Besißungen einzuführen. Zu gleicher Zeit werden die Bestimmungen des gedachten Entwurfs rück- fihtlih des goldenen Dukaten und doppelten Dukaten auch auf die Kolonien ausgedehnt. In Verbindung mit diesem Gegen- ftand überhaupt hat der Finanz-Minister eine Erklärung an die geseßgebende Versammlung gelangen lassen. Von gewissen Seiten war nämlich die Hoffnung zum Ausdruck gekommen, die Nachtheile, welche die Silberentwerthung nit bloß für die Nieder- lande fondern* au für andere Staaten nah sich zieht, dürfte irgend einen Verfuh veranlassen, damit mittelst einer allgemeinen An- nahme der Doppelwährung diefen Nachtheilen vorgebeugt werde. Die Regierung erwidert nun: daß, felbst wenn eine ähnliche Maßnahme wirklich zweckentsprehend und ausführbar sei könnte, der gedahte Versuch ihrer Ansicht nah vollständig unnüß sein würde. Die amtlich eingeholten Erkundi= gungen hätten doch gezeigt, daß England ebensowenig als Deutshland oder Frankreih in diesem Augenblick geneigt fein möchten, die Initiative zur Herbeiführung einer ähn- lihen allgemeinen Maßregel zu ergreifen. Ebenfowenig sei ein dahin gehender Antrag von irgend einer Regierung in Vorschlag gebraht worden. Ein gestern Abend beim Kolonialarmt ein- gelaufener telegraphischer Bericht aus Atschin meldet unter anderm: Der Feind verhält \sich ruhig. Am 24. Mai über- rumpelte eine diesseitige Compagnie feindlihe Truppen, nachdem dieselben eine Kanone auf einer Anhöhe aufge: pflanzt hatten. Das Geshüß wurde von den Unsrigen ge- nommen. Die Gesundheitsverhältnisse werden von neuem als ungünstig bezeichnet. Die Nachrichten aus den ostindishen Kolonien über den Stand der dortigen Kaffee-Ernte lauten äußerft günstig. Allein der Ertrag der Residenzen Samaranç und Kadu wird auf 120,000—150,000 Pikuls ges{chäßt.

__ Velgien. Brüssel, 14. Juni. (W. T. B.) Nach den lärmenden Kundgebungen von gestern Abend ift es in der Naht zu keinen weiteren Ruhestörungen gekommen. Der „Indépen- dance fel zufolge hat der Minister Malou den Bürgermeister von Brüssel für seine Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ord- nung seinen Dank ausgesprochen.

__ Dagegen meldet ein weiteres Telegramm vom 14. Juni, Nachts: Die Aufregung in der hiesigen Stadt dauert zwar noch fort, doh ist dieselbe weniger groß, als gestern. Alle katholischen Institute wer- den von der Gensd'armerie bewacht. Banden ziehea unter lärmen- den Kundgebungen dur die Straßen; in dem Institut Saint Louis haben dieselben die Fensterscheiben zershlagen; es si: d einige neue Verhaftungen vorgenommen worden. Gensd'armerie- Abtheilungen patrouilliren zur Aufrechterhaltung der Ordnung dur die Stadt. Auch in Antwerpen dauern nah hier eingegangenen Meldungen die Unruhen fort. Dort werdefl eben- falls die katholischen Etablissements und Klöster von der Polizei und der Bürgergarde bewacht. Volkshaufen durchziehen unter dem Rufe: „Nieder mit Malou!“ die Straßen. In dem Gebäude des katholischen Journals „Handelsblad“ find sämmtliche Scheiben zerschlagen; ebenso in dem Institut Saint Norbert. Die Gensd'armerie mußte Feuer geben, wodur mehrere Verwundungen vorgekommen sind. Mehrere Personen sind verhaftet. Aehnliche Vorgänge werden aus Gent gemeldet, wo die aufgeregte Be- völkerung verschiedene katholishe Institute angegriffen hat. Die gesammte Polizei ist aufgeboten worden, um die Ruhe wieder- herzustellen und die katholishen Institute zu bewahen. In Lüttich herrsht vollkommene Ruhe.

Großbritannien und Jrland. London, 13. Juni. Der Frühjahrsaufenthalt der Königin in Schöttland ist um einige Tage verlängert und die Rückkehr nah Windsor auf den 22. d, M. vershoben worden. Prinz Hassan, der Sohn des Khedive, ist am Sonntag Abend in London angekommen.

Der „Daily Telegraph“ freut sich zu bemerken, daß auf dem Festlande und namentlih in Deutschland eit den lehz- ten Schritten der englishen Regierung \ih eine entschiedene An -

geschrittener Völker zurückgekommen isst , beweist, daß die

näherung zwischen Deutschland und England erz

ennen laf}e. Die „Time gu {ließt ihren neuesten Artikel über “die Situation mit folgenden die Stellung Englands in der :Orientfrage kennzeihnenden Bemerkungen: „Die Anstrengun- «wähnung gethan wird, find im gegenwärtigen Augenblicks

auf die und

eine seiner Provinzen erlangen soll.

rihtet, in den ersten Tagen der kommenden Woche ges{chlo}en *

: der ägyptishen Finanzen betraut werden sollte, ift aus Aegypten

gen dieses Landes, wie derselben in Herrn Disraeli's Rede Er-

europäischen Friedens gerichtet, Anerkennung der Integri- in dem Sinne wenigstens, Autorität über irgend Wenn dies erst zu- gestanden und darnach gehandelt worden ist, und die wirkliche Pazifikation der Slavendistrikte in Uebereinstimmung damit be- wirkt worden i}, werden alle Parteien fähiger sein, sich unpar- teiish mit dén Details der Lösung zu befassen. Wir find der Zuversicht, daß die Unmöglichkeit, cine permanente Pazifikation vorzunehmen ohne dem Volke eine \olhe Administration, wie angedeutet worden if, zu gewähren, anerkannt werden wird. Wenn die Besprehungen an diesem Punkt anlangen, dürfen wir hoffen und erwarten, daß der Antagonismus zwischen Eng- land und Rußland als cine Illusion, welche die Welt ohne Ur- sache beunruhigte, behandelt werden wird. Der engliscze Pre- mier hat konstatirt, daß die Weigerung dieses Landes (den Be- \chlü}ssen der Nordmächte beizutreten) in keinem unfreundlichen Gei?e aufgenommen wurde, und ohne Zweifel wird die russische Regierung erwägen, daß der Absendung einex britischen Flotte nah der Nachbarschaft der Dardanellen nur der natürlihe Wunsch, britishe Unterthanen und britische Interessen in einem Lande, dessen Ruhe gestört ift, zu \hüßen, zu Grunde lag. Bis jegt ist nichts vorhanden gewesen, um einen Antagoniomus zu betonen, diplomatisch hat es nihts Stärkeres gegeben, als eine Mei- nungsverschiedenheit über Detailfragen, und es Heißt, daß die besonderen Forderungen, gegen welche die britishe Regierung am meisten Einwendungen erhob, aus dem Berliner Memoran- dum son gestrihen waren, als dessen Ueberreihung durch die Absezung des Sultans verhindert wurde. Auf keiner Seite ist eine zornige oder provokative Sprache geführt worden und jede Macht mag sich der andern in einem gemeinschaftlilzen Unter- nehmen anschließen, ohne sich in Gegenwart eines erfolgreichen Rivalen gedemüthigt zu fühlen.“

Hr. Rivers Wilson, der bekanntlih mit der Leitung

Erhaltung des zwar durhch eine neue tät des ottomanischen- Reiches i daß fkein fremder Herrsher eine

zurückgifkehrt. -- In Liverpool traf gestern Jefferf on Davis, der frühere Präsident des amerifanishen Südbundes, mit seiner Familie von New-Orleans ein. ; E

Die Panzershiffe „Raleigh“, „Warrio.r“ und „Achilles“ sind jeyt seebereit und sollen unverzüglih nach Lc Mittelmeer abgehen. Bei Eddystone soll das Thurmschiff „Hot- \pur* und wahrscheinlih auch der „Rupert* zu ihnen stoßen.

—— Von Barbadoes melden bis zum 81. v. M. reichende Zeitungsnachrichten, day die Aufregung auf der Insel zwar etwas nachgelassen habe, daß aber unter den Arbeitern auf dem Lande noch viel Agitation herrsche. Die Gefängnisse find mit Gefangenen überfüllt; im Durchschnitt bergen dieselben 450 bis 500 Personen, von denen son einige nah beendeter Boranter- \uhung vor die Assisen verwiesen worden. Verhaftungen von Personen, die der Betheiligung an den Krawallen verdächtig find, dauern noch immer fort. |

Aus Singapore wird dem „Reutershen Bureau“ in London unterm 6. ds. telegraphirt: „Junkuantan, der leitende feindselige Häuptling unweit Malacca, ist nach Singapore ge- ommen und hat \sich dem Gouverneur unterworfen.

15. Juni. (W. T. B.) Die „Times“ veröffentlicht ein Schreiben der hiesigen spanishen Finanzkommission, in wel- chem die Mittheilung des „Diario Español“ über den zu?Tün f- tigen Zinsfuß der 3prozentigen konsolidirten spa- nishen Staatsanleihe, welhe am 12. c. telegraphish nah London gemeldet war, für inkorrekt erklärt wird.

ankreich. Paris, 14. Juni. (W. T. B.) Dem Zus zufolge sind die Minister heute bei dem Minister Dufanre zu einer Siyung zusammengetreten. Wie dasselbe Blatt erfährt, würden die Minister ihre Demission einreichen, wenn eine Meinungsverschiedenheit mit dem Marschall-Präsi- denten bezüglih der Kandidatur Buffets, welher das Ka- binet abgeneigt is, einträte.

Der „Köln. Ztg.“ wird geschrieben: „Wie man aus guter Quelle erfährt, herrsht in der Militärschule von Scint-Cyr schon seit längerer Zeit große Zwietracht zwischen den Zöglingen, welche aus den Jef uitenschulen hervergegan- gen sind, und denen, welche ihre Studien in den Staatsgymna- fien und den anti-klerikalen Privatanftalten gemacht haben. Die Ge- wohnheiten und die Charaktere dieser beiden Parteien von Zöglingen widersprechen sih zu he: als daß sie sih niht gegenseitig hassen sollten und es fortwährend zu Streitigkeiten kommen müßte, Die aus den nit klerikalen Anstalten hervorgegangenen Zög- linge werfen ihren ultramontanen Kameraden vor, ihren Eintritt in die Schule der Begünstigung zu verdanken, und in die Armee einen Geist der Unduldsamkeit und des Klerikalismus einzufüh- ren, der dem Offiziercorps niht allein die Sympathien der Soldaten, sondern sogar die des größern Theils der Nation ent- fremde. Die Mißstimmung der anti-kleriëalen Zöglinge wird noch dadurch vermehrt, daß die Zöglinge, die aus den klerifalen Schulen hervorgegangen sind, von dem Kommandan- ten der Schule, dem Genecal Henrion, offen unterstüßt werden. Besonders empörte sie aber, daß der General Henrion in seinen Kundgebungen zu Gunsten der Ultramontanen \o weit gegan- gen ist, bei Gelegenheit der Anwesenheit des Paters „Stumpf {des aus Elsaß - Lothringen ausgewiesenen Jesuiten) in Paris mit ungefähr 100 Zöglingen den Festen anzuwohnen, welche zu dessen Ehren gegeben wurden.“

Versailles, 14. Juni. (W. T. B.) Der Senat nahm in der heutiaen Sigzung den Gesezeniwurf an, wonach die Re- gierung ermächtigt wird, die Ausprägung von Silber- münzen auf dem Wege der Verfügung einzuschränken oder zu suspendiren. Der Senat vertagte sih bis Freitag.

Italien. Rom, 12. Juni, Die „Libertà“ meldet: „Man wiederholt mit aller Beharrlichkeit, das Ministerium habe beshlo}sen, die Deputirtenkammer aufzulösen. Nach Informationen, die wir alle Ursache haben für begründet zu halten, wünscht allerdings eine bedeutende Fraktion der Linken die Auflösung der Deputirtenkammer. Das Ministerium hat si aber noch niht dazu entschließen können und wird \sih au vor der Hand nicht sobald dazu entschließen.“ j

Gestern wurden in Rom 13 Mitglieder für den Ge- meinderath und 4 für den Provinzialrath gewählt. Die Klerikalen enthielten fich der Abstimmung; desto heftiger bekämpften fih die Liberalen und Radikalen und das Ergebniß

Nah Neapolitanishen Zeitungen treiben zahlreiche Räuberbanden in Basilicata ihr Unwesen, und nach sizilia- nischen Blättern is die öffentliche Sicherheit \elb| in den Straßen der Stadt Palermo gefährdet.

14. Juni. (W. T. B.) Correnti ist von Paris hier eingetroffen. Die von ihm mit dem Hause Rothschild abge- \{lofsene Konvention soll nunmehr am Freitag der Kammer vorgelegt werden, die Diskussion über dieselbe sol am Montag beginnen.

Türkei. Konstantinopel, 13. Juni. (W. T. B,

Außer der an die Kommissäre der Pforte in Bosnien und der

Herzegowina in Betreff der den Insurgenten zu gewährenden

Amnestie ist den genannten Kommissären noch eine weitere

Instruktion zugefertigt, in welcher es heißt: „Wenn in dem

ersten Telegramm (betreffend die Amnestie) die von der Kaiser-

lichen. Regierung gewährten Reformen nicht besondere Gcwäh-

nung fanden, so geschah das, weil die Bevölkerungen von Bosnien

und der'Herzegowina bereits im Besiy dieser Reformen \ih befinden und die bezüglihen Kommisfionen mit der vollen Ausführung

derselben auf Erund der den Vorsißenden der Kommissionen eriheilten Instruktionen beauftragt sind. Sie wollen daher der bereits (in Betreff der Amnestie) erlassenen Proklamation noch hinzufügen, daß jene Reformen in ihrem vollen Umfang auf- recht erhalten bleiben werden. Es ist selbstverständlich, daß während der sechswöchentlichen Frist, die den Insurgenten Be- hufs Unterwerfung und Heimkehr gewährt ist, nihts verab- säumt werden dürfe, um denselben die Vortheile zu Theil werden zu lassen, welhe ihnen dur die Kaiserliche Re- gierung bewilligî worden sind. Die Kommission soll fich dem- gemäß unverzüglil, und mit voller Thätigkeit gemäß den ihr ertheilten Jnstruktionen und Vollmachten mit dec Ausführung der Reformen beschäftigen, Die Lokalbehörden werden deshalb mit Gerechtigkeit und Wohlwollen die Vorstellungen berechtigter Beschwerden der Delegirten anhören, die Seilens derjenigen wer- den bezeihnet werden, welche sich unterwerfen wollen, um als- dann der Kaiserlihen Regierung zur weiteren Würdigung davon Kenntniß zu geben,"

14. Juni. (W. T. B.) Die Antwort des Groß- veziers auf das Schreiben des Fürsten Milan von Serbien zur Aufklärung der serbishen Rüstungen ift von vorgestern datirt und konstatirt in verbindlihsier Form die guten Gesinnungen, welche die Pforte Serbien gegenüber bescelt haben und noch beseelen. „Die traditionelle Politik der Hohen Pforte ift es gewesen, immer und bei jeder Gelegenheit in Ge- mäßheit der Bestimmungen des Hattischerif und der bestehen- den Verträge die Selbständigkeit und die Privilegien Serbiens zu reéspektiren.“ Was die Maßregeln der Pforte anlange, so werde der Fürst wohl selbst dieselben als Sicherheitsmaßregeln ansehen, welche hervorgerufen seien durch den Aufstand in der Herzegowina und durch umherziehende Banden, sowie dur eine Aufregung, welche fich in Serbien selbs manifestirte. Es lägen Fälle vor, wo Wachthäuser an der Grenze angezündet, wo ein- zelne Patrouillen ermordet, wo Ortschaften geplündert und ver- branat wurden. „Angesichts dieser Lage und in Er- wägung der Wahrscheinlichkeit, daß ähnliche Beschwerden von Seiten der serbischen Behörden würden erhoben werden, haben wir selbst die Initiative ergriffen, um die Klagen der Lokalbehörden durch eine aus einem türkishen und einem ser- bischen: Delegirten bestehende Kommission untersuchen zu lassen,

Nach Anzeige des serbischen Agenten in Konstantinopel sci der serbishe Delegirte durh Krankzeit verhindert gewesen abzureisen, deshalb sei auch der türkische Delegirte noch niht an den Be- stimmungsort abgegangen. l; i ¿[08 bald die Anzeige eintrifft, daß sein serbisher Kollege abgereist iti.

Wie {on gemeldet, wurde Midhat Pascha wit der Ausarbeitung des Projekte3, betreffend die Einberufung eines „Nationalrathes“ betraut, welcher sich aus\hließlich mit den Finanzen beschäftigen und das Budget berathen soll. Nähere Andeutungen über das ins Leben zu rufende türkische Parla- ment bringt das halboffizielle in Konstantinopel erscheinende Blatt „Le Bafsiret“ in einem Artikel, welhem wir Folgendes entnehmen :

«Werden wir eiue Nationalyersammlung haben?" fragt das ge- nannte Blatt. „Wird diese Institution den Interessen des Islams nachtheilig oder günstig sein? Man muß bemerken, daß die musel- männische Bevölkerung in dieser Hinsicht getheilter Meinung ift, wäh- rend die Nichtmuselmänner einmüthig in dem Verlangen nach dieser Jryftitution sind. Die Einen meinen, daß Mete Garautie der Volkêrechte, in diesem Jahrhundert der Civilisation, in einec Nationalversammlung bernht, welche allcin den bürgerlichen Zwistigkeiten und fremden Einmischungen ein Ziel seßen würde, wäh- renb ohne sie kein Fortschritt möglih wäre und der Ruin des Köuig- thvms in Aussicht stände. Die Aadern behaupten im Gegentheil, daz die Einführung ciner solchen Nationalversammlung die Vernich- tung der politishen muselmännischen Gesellichaft in wenig ferner Zakunft zur Folge haben würde. Denn wenn man die Christen auf gleihem Fuß mit den Muselmännern stellen würde, so hieße das, ihnen die Mittel in die Häude geben, um allmählich durh neue Gesetze und neue Verordnungen das Grundgeseßz des Islam, den Cheriat, die heilige Erbschaft des Propheten, zu zer- bröôckeln, wenn nicht zu vernichten.“ Zur Unterstützung der leßteren Ansicht führt „Le Bassirct* an, daß vor einigen Jahren, als es sich um die Trennung der bulgarishen von der griechischen orthodoxen „Kirche handelte, man der Regierung, um sie für diese Trennung günstig zu ‘stimmen, erkiärt habe, die Bulgaren würden die treuesten und ergebensten Unterthanen des Sultans sein, wenn man ihnen die religiöse Autonomie mit der Verwaltung der Küichengüter und der Schulen gestatten würde. Man sehe heute, in welcher Weise die Bulgaren ihre Versprechungen gehalten haben. Nachdem „Le Bassiret“ sodann die Gründe jeder der zwei Parteien erwähnt, gelangt es zu dem Schlusse, daß eine Sicherheit für die geireue Ausführung der Geseß-, eine ftrenge Kontrole der Handlungen und Gebahrung der Administration uur mit Hülfe einer Nationalvertretung wirksam erzielt werden können, daß aber der Kern-

estzustellen. ali n Bassiret* \{chlägt nun eine Versammlung vor, Namens „Choura-Meilles* (Nationalrath), welche zusammengeseßt sein foll aus je drei Delegirten der einzelnen Provinzen und aus sechs Dele- girten für Konstantinopel, gewählt auf drei Jahre mit einer Ent- {hädigung von 3000 Piaster monatlich und erfi nah Ablauf von 3 Jahren nah E:löschung ihres ersten Mandats wieder wählbar. Ueber fol- gende drci Punkte soll dieser Nationalrath niemals zu berathen haben: 1) Ueber die Gesctze, betreffend die Militär Rekrutirung von Türken oder Christen, welche Beseße nur dur Kaiserlichen Befehl erlassen werden könnten, sowie dicsenigen, betreffend die Bewaffnung, deu Ankauf von Schiffen und Kriegsmunition. 2) Ueber das dem Souverain zustehende Kriegs- und Friedensrecht, mag es sich nun um eine fremde Macht oder um aufständishe Provinzen handeln. 3) Ueber die Ziele und Verfügun- gen des Cheriat (nagel Der „Nationalrath" folle aus- {hließlih ermächtigt sein, eine strenge Kontrnle über die Aemter und alle Funktionen, vom Großvezier bis zum einfachen Polizeiagenten herab auszuüben, welche ihm für alle ihre Handlungen verautwortlich scin würden.

„Es wird dies geschehen, fso-

punkt der Frage darin liegt, die Machtbefugnisse diefer Versammlung f

die Art der Couponszahlung und die Tilgung der konsolidirten und \chwebenden Schuld betreffen. Abgesehen vom Cheriat, würde der Nationalrath weiter zu wachen haben über die Ausführung der be- stehenden Geseße und Verordnungen, würde sie abändern und das System des öffentlihen Unterrichts reformiren fönnen und es körnte fein Geseß, das nicht die Genehmigung des „Nationals 1aths“ [N lien hätte, in Wüksamkeit treten Der „Na- tionalrath*“ würde das Recht haben, die Besoldungen der Staatsdiener - zu erhöhen; er würde .die Zusammenstel- lung des Budgets zu überwachen und auch seine ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten haben, daß Niemand ohne Urtheil ins Gefängniß gebracht werde und die Administrations8beamten nicht ohne stihhalti- gea Grund abgeseßt werdcn; die Presse soll dagegen ermächtigt sein, die Handlungen der Willkür und Ungeseßlichkeit folcher Beamten zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. j i

Der „Turquie“ entnehmen wir folgende Nachrichten: Die Prinzessin-Mutter des verstorbenen Sultans, welche {wer krank, ist am 6. auf Anordnung der Aerzte nah dem Serail Top-Capu übergeführt worden, in der Hoffnung, daß diese Ortsveränderung der Wiederherstellung der Prinzessin för- derlich sein wird. Der Divisions-General Omer Pascha, Leibarzt des verstorbenen Sultans, if degradirt und aus den Listen des Seraskerats gestrihen worden, weil er das Andenken des Sultans in Gegenwart der anderen Aerzte an der Leiche desselben beschimpft hat. Eine Verodnung des Mi- nisteriums der Auswärtigen Angelegenheiten verbie- tet den Journalen die Veröffentlihzung von Bittschriften ohne vorhergegangene Autorisation Seitens der Preßleitung. Die Mehrzahl der NPanzerfregatten sollte, einer Meldung vom 7. Iuni zufolge, in zrvei Geshwadern zu Manövern in das Mittelmeer abgehen. Das erste, unter dem Kommando des Admirals Arif Pascha sollte zusammengeseßt sein aus den Panzerfregatten „Messudié“/, „Mahmudié“, „Afsari= Tewsik“ ur.d der Koroette „Mukademei-Khair“. Das zweite, unter dem Befehl Hobart Pascha's sollte aus den Fregatten „Selimie“, „Azizié“, „Orhanié“ und der Korvette „Fethi- Bulend“ bestehen. i ;

Von der türkishen Botschaft in Paris werden laut Meldung des „W. T. B.“ vom 14. Iuni die in verschiedenen Journalen verbreiteten Gerüchte von dem Tode der Mutter und des Sohnes Abdul Aziz' für vollkommen unbegründet erklärt.

Numäáänien. Einer Meldung der „Pol. Corr.“ vom 14. d. M. aus Bukarest zufolge, hat der Ministerrath be- lossen, die Strafbestimmungen in Erinnerung zu brin- gen, welchen alle in Rumänien befindlihen Fremden unterliegen, sobald dieselben einer Konspiration gegen auswärtige Staaten, der Organisirung bewaffneter Banden oder der Lieferung von Waffen überwiesen werden.

Schweden und Norwegen. Christiania, 10. Juni. In feiner heutigen Sizung bewilligte das Storthing ein- ftimmig und in Uebereinstimmung mit der Regierungsvorlage zur Fortsezung der Staatseisenbahnbauten im Finanz- jahre 1876/77 1,550,000 Species und zu Eisenbahnuntersuhungen 32,500 Species. :

183. Juni. Das Storthing wurde heute Mittag vom Staats-Minister Stang ohne Thronrede ge\chl ossen.

Dänemark. Kopenhagen, 13. Juni. Das Folkething nahm in seiner gestrigen Sizung den Gesegentwurf, betreffend die Anschaffung der neuen Feldkanonen in dritter Le- sung einstimmig an; derselbe geht nun zum Landsthinge.

14. Juni. Das Landsthing hat gestern in einer Extrasizung die erste Lesung des Geseßentwurfs, betreffend die Bewilligung zu den neuen Hint erladungskanonen vorge- nommen und nah kurzer Empfehlung Seitens des Kiriegs- Ministers den Uebergang des Gesehentwourfes zur zweiten Lesung einstimmig angenommen.

Amerika. Washington, 14. Juni. (W. T. B.) Der Präsidentschafts-Kandidat der republikanishen Partei, Blaine, befindet sich, wie die denselben behandelnden Aerzte anzeigen, auf dem Wege vollständiger Genesung, Blaine hat der in Cin- cinnati zujammentretenden Konvention das Nämliche perfönlih angezeigt. Auf der legteren wird daher die Kandidatur Blaine's in erster Linie in Frage kommen, nach ihr erst diejenige, Bri- stows, Mortons und Conklings in der vorstehenden Rei- henfolge. i

Im Repräsentantenhause is, nah Meldung der „E. C.“ eine Resolution durchgegangen, laut welcher der Präsi- dent aufgefordert wird, Unterhandlungen mit China wegen eines neuen Vertrages zur Beschränkung chinesischer Ein-=- wanderung anzuknüpfen. | |

Nach hier eingegangenen Nahrihten aus Mexiko sind die Insurgenten bei Queretaro vollständig ge\chla- gen worden.

Usien. (A. A. C) Jn San Francisco eingetroffene Nazrichten aus China vom 3. Mai melden, daß in der Provinz Hupeh fünfzehn Städte ih in offener Rebellion befinden und daß die westlihe Armee unter General Tso wiederholte Niederlagen exlitien habe und der Verstärkung bedürfe.

Die Nr. 45 des „Amtsblatts der Deutscheu N: iche- Post- und Telegraphenverwaltung“ hat folgenden Jahalt : Vexfügungen: vom 10. Juni: Aufzeichnung der -Vorshußbeträge auf Briefen 2x. mit Postvorschußz. Vom s. Juni: Postverbindungen nach Norderncy. Vom 11. Juni: Verabfolgung ‘von Telegramm- Aufgabeformularen an das Pablikum. Nr. 46. Verfügungen vom 13. Juni 1876. Verbot der in Philadelvhia exscheinenden Zeitung „Nordamerika. *" Eröffaung der Eisenbahn Giesmannsdorf, Reg.-

Bez. Oppeln-Neisse.

Neichstags - Angelegenheiten,

erlin, 15, Juni. Die Justiz-Kommission des Deut- et Reichstages seßte in ihrer gestrigen Sißung ihre Berathung über den Abschnitt der Strafprozeßordnung über das Hauptver- ahren fort. Zu §. 209 hatie die Kommission in erster Lesung bes { blofsen, daß der Angeklagte aus\cließlich wegen ordnungswidrigen Benehmens zeitweilig aus dem Sißungszimmer entfernt werden kann. Auf einen mit der Bundesvorlage im Einklange stehenden Autrag des Abg. y, Schwarze wurde jedo von der Kommission genehmigt, daß eine Entfernung des Angeklagten zulässig sei auch in dem Falle, wenn zu befürchten ist, daß ein Mitangeklag- ter oder ein Zeuge bei seiner Befragung in Gegen- wart des Angeklagten nicht die volle Wahrheit sagen werde. Die Berathung über §8. 213 und 213a., betreffend die Verlesung der Aussage eines vor der Hauptverhandlung vernommenen Zeugen wähs rend der Hauptverhandlung wurde von der Kommission ausgeleßt. Dagegen wurde §. 214, dzr in der Bundesvorlage über die Verlesung des ProtokoUs, über dié frühere Vernehmung eines Zeugen zur Unter- stüßung seines Gedächtnisses 2c. handelt und von der ommission in erster Lesung gestrichen worden war, in einer von dem Abg. Lasker

der Abstimmung war: 7 liberale und 6 radikale Gemeinderäthe, 3 liberale und 1 radikaler Provinzialrath.

Ferver würden in die Kompetenz des „Nationalrathes" die Finanz: angelegenheiten, namentlich aber solche gehören, welche die Anleihen,

und Genossen beantragten Fassung von Neuem eingefügt. §. 241

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