1876 / 167 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

_Gntwickelung des

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als unbegründet zurü, Für die Münchener Universität wurden 396,654 A6 ordenilihe und 116,867 #6 außerordentlihe Aus- gaben bewilligt. Eine eingehende Diskussion veranlaßte das Postulat für das physikalishe Kabinet und das pathologis{h- anatomische Institut an der Universität Würzburg. Der Aus- \{chuß beantragte den Abstrih, weil der Bau nit dringlihh sei, Abg. Freytag dagegen - die volle Bewilligung des Postulats, nachdem der Minister versichert hatte, daß der Bau während dieser Finanzperiode vollständig hergestellt werden foll, Der Antrag Freytags wurde angenommen, das Poftulat für das physikalishe Kabinet jedoh auf das nähste Budget verschoben. Die für die Universität Würzburg bewilligte Gesammtsumme beträgt 313,648 6 im Ordinarium und 180,195 /4 im Extra- ordinarium (leßteres gegenüber 87,970 4 des Auss\{hußantrages). Für die Universität Erlangen wurden 340,311 ordentliche und 177,909 6 außerordentliße Ausgaben bewilligt. Der Bau eines chemishen Laboratoriums wurde mt 73 gegen 67 Stimmen abgelehnt.

In der heutigen Sigzung wurde sür die polytehnishe Schule München ein Ordinarium von 387,720 4 und 20,143 6 Extraordinarium genehmigt, ebenso das vom Aus\huß zum Abflrich beantragte Postulat von 8100 /¿für Stipendien, nah- dem Völk dasselbe befürwortet, und Minister v. Luß auf eine Anfrage Rußwurms zugesichert hatte, daß die Unterstühung nur armen Studirenden gegeben werden soll. Das Postulat für die Lyceen wurde ohne Diskussion angenommen, Die Position „Gymna- fien und damit verbundene Laleinschulen“ veranlaßte eine längere Debatte. Der Aus\{huß beantragte das Postulat für die fünfte Klasse an den Lateinshulen zu \treihen. Minister v. Luß er- Tärte: die Kammer habe das Recht der Geldbewilligung; die Orgänisation bleibe aber ein Ret der Krone. Bei der Abstim- mung wurde das Regierungspostulat abgelehnt. Die vom Aus- \hu}se neu eingestellte Summe von 127,749 H für die A uf- besserung der Lage der Schullehrer ward mit Rüsicht auf die längere Dienstzeit derselben genehmigt, der auf eine höhere Ziffer abzielende, allen Lehrern gleichheitlih zugute kom- mende Antrag Crämer und Genossen dagegen abgelehnt.

Sachsen. Dresden, 17. Juli. Das „Dresd. Journ.“ publizirt das Finanzgesey auf die Jahre 1878 und 1877. Darnach istt die laufende Einnahme und Ausgabe des ordent- ‘Tichen Staatshaushalts für jedes Jahr auf 53,856,977 A, zu

außerordentlihen Staatszwecken aber für diese beiden Jahre noch „ein Gesammtbetrag von 165,047,815 6 ausgeseßt.

Baden. Karlsruhe, 15. Iuli, Die Thronrede, mit welcher heute der Minister Jolly die Session des Landtages Bloß, iélaud fe, hot /

ur{lauchtigste, hohgeehrteste Herren! Se. Königliche Hoheit «der Großherzog haben mihch zu beauftragen O E durhlauchtigste, hohgeehrteste Herren, bei dem Schluß Ihrer Tagung seinen Dank für Ihre treue und ausdauernde Mit- arbeit an den zahlreihen und \{chwierigen Aufgaben dieses Land- tags auszusprechen. Ueber fast alle Gebiete des Staatslebens ersirecken sich die Gesege, welhe Ihrer Berathung und Beschlußfassung unterbreitet waren und nach eingehender Prüfung angenommen worden sind. Se. Königlihe Hoheit der Großherzog geben {ch gern mit Ihnen der nun hin, daß dieselben den gewünschten guten Einfluß auf die weitere innere Landes ausüben werden. Mit auf- rihtigem Danke erkennen Se. Königliche Hoheit der Großherzog die Bereitwilligkeit, mit welher Sie den Bedürfnissen des öffentlihen Diensles in allen seinen Zweigen und. den Anfor- derungen entgegengekommen find, welhe zur Förderung der ver- \chiedensten Interessen der Volkswohlfahrt an Sie gestellt wurden. Der Staatshaushalt erfreut \sich, Dank der Sorgfalt, welche Sie wiederum dessen Berathung gewidmet haben, der lang hergebrahten “Ordnung, welche, wie zu hoffen, au die dermalige Ungunst der Zeiten zu überwinden im Stande sein wird. Zur besonderen Befriedigung gereiht es Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog, daß es noch vor Schluß des Landtags möglich war, der #\o schwer heimgesuchten Bevölkerung des Rheinthals aus Staats- mitteln eine Beihülfe zuzuwenden und dadurch die Segnungen zu bethätigen, welhe mit der Angehörigkeit zu einem wohlgeord- neten, auf sittliher Grundlage beruhenden Staatswesen verknüpft find. Se, Königlihe Hoheit der Großherzog entlassen Sie mit „Dem Wunsche, es möge der opferbereite Bürgersinn, welcher dem Vaterlande und den Mitbürgern gern dient, alle Zeit im Groß- herzogthum lebendig bleiben.

Desterreich-Ungarn. Wien, 15. Iuli. Wie die „Pol. “Corr.” mittheilt, is der deutsche Botschafter Graf zu Stolberg-Wernigerode am 11. d. Mts. hier angekommen, wird geger. 6 Wochen hier bleiben, dann nah Wernigerode gehen und hier in Wien erft im November seinen Haushalt in dem neu gemietheten Botshhafts-Hotel (Wallnerstraße, Pälffy-Palais, : Les die franko-österreichishe Bank muthmaßlich verläßt) auf- agen. 9 Best, 15. Juli, Wie der „Ellenör*“ erfährt, wurde General Siratimirovich gestern auf Anordnung der ungarischen Re- iexung in Pancsova verhaftet. Der „Pester Lloyd“ meint, wenn überhaupt wahr, so habe die Sache Angesichts des bekannten Erlasses des Ministers des Innern nihts Ueberraschendes, da Stratimirovih als ungarischer Staatsbürger offen am Kampfe theilgenommen habe.

Großbritannien und Jrland. London, 15. Juli. Die Königin verließ gestern, begleitet vom Prinzen Leopold und der Prinzessin Beatrice, Schloß Windsor und begab \ich nach Osborne auf der Insel Wight, wo der Hof bis Mitte August verweilen und dann nah Balmoral, in den \chottischen

ohchlanden, übersiedeln wird. Der Kaiser und die Kai-

rin von Brasilien treffen am nähsten Sonnabend, den 22, d. M.,, hier ein und werden während ihres Aufenthalis in London in Claridges Hotel logiren.

(A. A. C.) Der Earl von Derby empfing gestern in dem großen Konferenzsaale des Auswärtigen Amts zwei Deputationen, die erschienen waren, um ihm ihre Ansichten über die orientalishe Frage und die Stellung Groß- britanniens zu derselben zu unterbreiten.

Die Deputation, die dem Minister, an dessen Seite sich Lord Tendecden, der permanente Unter - Staatssekretär für Auswärtige ngelegenheiten,, befand, zuerst ihre Aufwartung machte, bestand aus sehr zahlreichen und einflußreichen Persönlichkeiten, darunter viele Parlamentsmitglieder, und wurde von Herrn John Bright eingeführi. Leßtgenannter bemerkte u. A.: „Jh denke nicht, daß die Deputation mit der geringsten Neigung hierherkommt, um Argwohn über das Verhalten der Regie- rung auzzudrücken oder sie für das was geschehen, zu tadeln, sondern ihre eigenen Gefühle und die Gefühle. derjenigen, die sie repräsentirt, zu Gunsten einer strikten und ehrenvollen Neutralität auszudrückza

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zu beurtheilen im Stande bin, im - ganzen Lande uni verfal sind, nämlich, daß das Land weder dur ein? bewaffnete Macht noch in irgend einer Weise tiîe fortdauernde Herrschaft der Türken in eincm Theile Europas, welcher der Schauplaß der Insur- rektion ist, unterstüßen sollte. Die Kalamitäten vor 20 Jahren sind noh frisch in der Erinuerung des Landes, und es würde sehr schade jein, wenn das Land nicht eine Lehre aus den unglücklihen Jrr- thümera dieser Periode ziehen sollte. *

Mr. A. O'Neill verlas hierauf ein von dem Par- lamentsmitglied Richard verfaßtes Memorandum, worin die ernste Hoffnuuz „auêgedrückt wird, die Regierung würde gegen- über den Ereignissen im Orient die vollkommenste Neutralität beobachten, ausgenommen, wenn fie im Stande sein sollte, ihre freundlihen Dienste zur Linderung der Kriegsgräuel und zur Beschleunigung des Endes des jeßt wüthenden Kampfes anzubieten. Diefes Memorandum ist, wie ein Mitglied der Deputation bemerkte, von etwa 40 Parlamentsmitgliedera und 570 anderen Personen aus allen Theilen Großbritanniens unterzeichnet.

Or. Forsyth, der konservative Abgeordnete für den haupt- städtischen Bezirk Marylebone, hob hervor, daß, obwohl die große Mehr- zahl der Unterzeichner des Memorandums der liberalen Partei an- angehôre, die darin au?gedrückten Meinungen keineswegs auf diese Partei beschränkt seien, Es sei gesagt worden, daß die Regierung,

indem sie sih weigerte, dem Berliner Memorandum beizutreten und die Flotte nach Besika Bay saudte, sich auf die türkische Seite gestellt habe. Er glaube nicht, daß diese Ansicht richtig sei. England fühle ju tief das Unrecht, welches die Bevölkerung der Donaufürstenthümer

eit Jahren erlitten habe, um Willens zu sein, die der Regierung zu- geschriebene Politik zu adoptiren.

_Mr. Richard, Mitglied für Merthyr-Tydiwill und Autor des erwähnten Memorandums, bemerkte, die Deputation repräsentire nicht einzig und allein die Friedenspartei, und alle Mitglieder der Depata- tion [{chlössen sih niht jecckem Worte des Memorandums an. (Einige E sollen nämli nicht der erwähnten Stelle der Denkschrift beigepflihtet haben.) Die Deputation hege keineswegs irgend ein Mißtrauen in die Diskretion oder den Patriotismus Sr. Herrlichkeit. Aber sie sei durh die Geschichte der Vergangen- heit gewarnt und entseßt über die von Tag zu Tag eingehenden Be- richte über die verübten Barbareien. Sie fürchte, es phie angenom- men werden, daß die moralische Unterstüßung des Landes denjenigen gewährt werde, die solhe Missethaten verüben. Während sie bestrebt sei, sich jeder Einmischung in die Unterhandlungen zu enthalten, halte sie das Schweigen der Regierung für inopportun und erachte es für wünschens- werth, daß der Ausdru ihrer Ansichten sobald als möglich erfolge. Und sie glaube, daß Lord Derbys Anschauungen von den ihrigen nicht weit abwihen. Nachdem noch mehrere andere Mitglieder der Deputation in mehr oder weniger demselben Sinne gesprochen, erwiderte Lord Derby Folzendes:

„Meine Herren! Jh zolle Jhnen kein müßiges Kompliment, wenn ih sage, daß ih in meiner ganzen offiziellen und par- lamentarishen Erfahrung, ob als Deputationen empfangen- der Minister oder als ein Deputationen begleitendes Parla- mentsmitglied, niemals das Vergnügen batte, irgend einer Deputation zu begegnen, die wichtiger war als diese, sei es mit Be- jua auf die Personen, aus welchen sie zusammengesetzt ist, den reprä- entativen Charakter, in dem sie hierher gekommen, die Tiefe und Macht der öffentlichen Meinung, die Sie unzweifelhaft repräsentiren, oker die Schwere und Wichtigkeit der Frage, wegen welcher Sie hier erschienen sind. Jh habe Jhre Denkschrift mit großer und sorgfältiger Aufmer!samkeit gelesen, und ih stehe nicht an, Ihnen in Erwiderung darauf zu sagen, daß, obwohl sch in diesem Memorandum einige Aeußerungen befinden, denen ih nicht beipflihten könnte, und obwohl darin einige Dinge gesagt worden, über welché ih es vorziehen dürfte, meine Meinung zu reserviren; doch was-den wesentlichen Theil der Frage betrifft den Schluß, zu dem Sie gelangt sind nämlich Ihren Wunsch, daß die Regierung cine Politik strenger Neutralität beobachte, ausgenom- men wo sie im Stande sein mag, ihre freundlichen Dienste anzu- bieten, um den Schluß der Verwickelung zu beschleunigen was diesen Meinunys8ausdruck betrifft, so sage ih, daß Jhr Gefühl unbedingt und gänzli das meinige ist. Jch hörte, was Jhr distinguirter Führer (Bright) sagte, daß keine Neigung vorhanden sei, einen Argwohn gegen die Regterung auszudrücken oder dieselbe zu tadeln, und weit davon ent- fernt zu_ denken, daß Sie etwas Unweises oder Verfrühtes thun, indem Sie hierher kamen und Ihre Meinung mit Bezug auf Ereig- nisse ausdrücken, die in der That niht drohen, die Sie nit für drohend halten, aber von denen Sie es unter gewissen Eventualitäten für mögli betrachten weit davon entfernt, einen solchen Meinungs- ausdruck Jhrerseits für verfrüht zu halten, bin ih meinerseits fehr froh, und ih glaube, jeder Minister in meiner Position würde froh sein, bei Zeiten zu wissen, welches E Meinung und die des Landes ist. Jch habe oft gedacht, daß es einer der s{hwierig\ten unkte der Pflichten eines Ministers in einem parlamentari- chen Lande ist, daß, da er thatsächlich der Diener des Parlaments und des Publikums sowie der Königin “ist, er niht immer seine Jn- struktionen von seinen Prinzipalen vorher empfängt, sondern errathen muß, was sie wünschen würden, daß er thue, und er ihre wirklichen Gefühle erst ermittele, wenn er finde, daß er gegen dieselben gehan- delt habe. Jch hoffe, daß kein derartiges Risiko in unserm gegen- wärtigen Falle oorhanden ist, Einer der Herren, die hier gesprochen, hat, während er einräumte, daß bei s{chwebenden Unterhandlungen Schweigen nothwendig sei, gesagt, daß die Wirkung des Schweigens der Regierung unglücklich gewesen \ei. Nun, ich muß ie bitten, sfich in erster Reihe zu erinnern, daß wir uns nicht geweigert haben, die an- urs gerihteten Fragen zu beantworten, und- dies i} vielleiht ein wichtiges Faktum, daß das Schweigen, welches wir während eines gewissen Zeit- raums beobachtet haben, sowie die Zurückhaltung des offiziellen Schriftwechsels rur so lange behauptet würden, als jene Unterhand- lungen s{chwebten, von denen so viele Personen erwarteten, daß dieselben in die erng des Krieges endigen würden, obwohl ih nicht sagen kann, daß ich sehr sanguinisch über den Gegenstand war. Während Hoffnungen vorhanden waren, daß der Streit dur fried- liche Miitel ges{lichtet werden würde, wäre es offenbar unbecjuem gewesen, Thatsachen und Meinungs«ausdrücke zu veröffentlichen, welche nicht fehlen kounten, den Leidenschaften beider Seiten als Stimulus zu dienen. Ader von dem Tage ah, da es augenscheinlich wurde, daß unsere Hoffnungen vergeblih waren, daß die Krisis gekommen sei und daß der Krieg, troß der Anstrengungen in ganz Europa, eintreten würde, erklärten wir, daß jede Aa zu End: sei und daß wir vor- bereitet seien, den Schriftwech sel dem Parlament-vorzulegen. Wenn er dem Parlament noch nicht vorgelegt worden, wird er im Laufe der nächsten drei oder vier Tage überreicht werden, und jeder Verzug, der jeßt eingetriten sein mag, wird lediglich seinem volumindsen Cha-

rakter zuzuschreiben sein. Nuv, meine Heren, ih denke ich verstehe Sie reu

wenn ¿h sage, daß Sie hierher kommen, um die Besorgni auszudrücken, die, wie Sie glauben, allgemein oder zum mindesten in weiten Kreisen gefühlt wird, daß in Folge der Wendung, welche . die Sregutfte genommen, und möglicherweise in Folge von etwas, was unsere Regierung gethan haben mag oder zu thun sich enthielt, wir uns verbindlih machen würden, eine Partei in diesem Streite zu unterflügen, und ein Herr, dem ih stets mit Achtung zuhdre, ein Herr, der auf meiner eigenen Seite im Parlament sißt, erwähnte wei Umstände, die nah seinem Ermessen dazu dienten, - diesen Ein- ruck auf das öôffentliche Gemüth zu erzeugen, Einer derselben war unsere Weigerung, uns dem anzuschließen, was das „Berliner M e- morandum“* genannt wurde. J nenne es nicht die Berlinêr Note, weil die darauf hegründete Note niemals überreiht wurde, Der an- dere Umstand war die Absendung von Kriegsfchiffen na der Besika-Bay und es wurde gesagt, es werde die Besorgni rit iden, daß wir vorbereitet seien, daran Theil zu nehmen, die

Nun, meine erren, iyvás das Berliner Memorandum betrifft, E werden die Gründe, warum wix s ablehnten uns an der L dieses Schrittes zu betheiligen, in den Schriftstüten, die dem Parlament in sehr kurzer Zeit vorliegen werden, mitgetheilt gefunden werden. Jch brauche mich niht des Näheren darüber aus- zulassen, sondern es genügt völlig, zu sagen, daß wir dies ledigli au dem Grunde thaten, den ih neulih im Oberhause mittheilte, näm- lich, daß wir den in diesem Memorazdum vorgeschlagenen Plan für einen hielten, der nit wirksam sein würde. Wir glaubten nit, daß die Pforte bereit sein würde, denselben zn acceptiren. Wir hielten es für ganz gewiß, daß auf alle Fälle ein beträchtliWer Theil der Insurgenten ihn nicht acceptiren würde, und mehr als dies, wissend, daß er das Resultat eines Kompromisses warz zu welchem Regierungen gelangt, die, obwohl bestrebt, z¿u- sammen zu handeln, niht ganz einig über das eingeshlagene Verfahren waren, hegten wir die E daß, wenn er zur prak- tischen Ausführung gelangte, verschiedene Parteien denselben Worten verschiedene Auslegungen beilegen würden, und er, wie solhe Kompromisse zuweilen enden, in ein allgemeines Mißverständniß endigen dürfte. Das war der Grund für das Verfahren mit Bezug auf diese Angelegenheit, und obwohl ich offizielles Vertrauen nicht verleß»n darf, denke ih doch, ich darf fagen, daß ih glaube, unser Vorgehen in dieser Hinsicht ist selbst in Kreisen, wo es zuerst nit gen und nit verstauden wurde, nicht mit Ungunst betrachtet orden.

Mit Bezug auf die Sendung der englischen Flotte na der Besika-Bay werden Sie ebenfalls im Parlament vollständigere und detaillirtere Erklärungen erhalten, als es mir möglich ist hier abzu- geben, aber beiläufig will ih sagen, daß es ein Akt ift, dem eine Auslegung beigelegt wurde, die schr abweicht von derjenigen, welche ihm beigelegt worden wäre, wenn Diejenigen, die ihn kritisiren, Schritt für Schritt dem Gange der Ereignisse gefolgt wären, die dazu führten. Zu der Zeit, wo man glaubte, daß die Ueberreichung dieser Berliner Note bevorstand und als der Sturz des leßten Sultans drohte, war der Stand der Dinge in Konstantinopel und in der Gegend unweit Konstantinopel dazu angethan, ernstliße Besorgnisse mit Bezug auf das, was daraus entstehen dürfte, einzuflößen. Es war wohl bikannt, A der leßte Sultan fich in einem von. Jrrsinn nicht weit entferuten Zustande befand; es war notorisch, daß Unzufriedenheit und Mißvergnügen allgemein vorherrschten. Die wildestzn Gerüchte cirkulirten über die Absichten der Mächte, sowie über die Schritte, die sie gegen die Mohamedaner im Allgemeinen thun dürften kurz die Aufregung war so allgemein, daß es Jedermann unmögli war sicher zu sein, daß sie nicht zu dem Ausbruch eines blutigen Bürger- kcieges, welcher das Massacre britischer Unterthanen und unbeschüßter Aus- länder im Allgemeinen im Gefolge haben konnte, n haben dürfte. Ich erinnere mi so eben, und die Sache wird auch in Jhrer Er- innerung scin, daß, ehe dieser Schritt gethan wurde und unmittelbar vor- her, zwei fremde Konsuln unter Umständen ermordet worden waren, welche die starke and allgemeine Aufregung gegen Fremde zeigte. Jn diesem Umstande traten die Botschafter der Mächte zusammen. Sie berath- shlagten für die allgemeine Sicherheit und fie verständigtéa sich ein- stimmig über die Zweckmäßigkeit, für harmlose Personen und a!s eine Sicherheit gegen die Unordnung ‘ine solche beroaffnete Macht zu erlangen, als zu erlangen L waz. Die Junitiative in der Ange- legenheit ging demnah von Konstantinopel und nicht von hier aus, obwohl i den Schritt gänzlich und vollständig billige und die volle Verantwortlichkeit dafür übernehme. Und vielleiht is es gut, Sie erinnern sich und es ifl in diesem Lande nicht allgemein verfstan- den -— daß es nicht ein Schritt war, den die englische Regierung und der englische Botschafter allein thaten. Es war ein Schritt, der von uns lediglich als einer der Großmächte und in Gemeinshaft mit den anderen gethan wurde. Es trifft sich, daß, wenn man von Floiten spricht, die unsrige bei Weitem die größte ist und demnach rief ihre Absendung mehr Auf- merksamkeit hervor, als in dem Falle der anderen, aber die Faktæ find im Allgemeinen, wie ih dieselben dargelegt habe, und so dar- gelegt, werden Sie, wie ih glaube, zugeben, daß sie nicht zu der Folgerung verleiten, die populär gezogen worden ift. Jch stimme gänzlih mit dem überein, was ein Herr hier über die nothwendigen Grenzen menschlicher Weisheit in politischWen Dingen fagte. Wir können sehen, was unmittelbar vor uns liegt ich weiß nit, ob alle von uns selbft dics thun aber es ist sehr \chwierig, irgend etwas über die unmittelbare Zukunft hingus zu beurtheilen, Aber fo weit es für irgend Jemanden möglich ift, künftige Ereignisse voraus- zusagen, halte ih es für das Unwahrscheinlichste in der Welt, daß in Folge vou irgend etwas, was jeßt innerhalb der Grenzen des türkischen Reiches vorgeht, ein allgemeiner europäischer Krieg ent- stehen follte. Das scheint mir cine jener O zu sein, die ‘o entferut sind, daß es fich kaum der Mühe lohnt, darüber Verrauthungen anzustellen. Jch fehe niht, woher der Krieg kommen soll, Man muß mit einigem Vorbehalt die Position und Tendenzen auswärtiger Regierungen diskutiren. Frankreich und Jta- li en find augenscheinlich aus finanziellen und anderen Gründen gänz- lic ungeneigt, irgend einen Schritt zu thun, der eine allgemeine Störung erzeugen würde, und es ist wohl bekannt, daß die deutfche Regierung, und ih glaube auch das deut \che Volk, indem fie keine Jnterefsen haben, welche fie mit dem Orient in Verbindung britigen, diese Frage mit weit weniger Interesse betrachten, als an - derselben in anderen Theilen Europas bekundet wird, Ich gehe wohl nicht über die Wahrheit hinaus, wenn ich sage, ag fie (die Deutschen) dieselbe von ihrem Gesichtspunkte nur insofern als wichtig an- sehen, da fie zu Verwickelungen in anderen Theilen ¿Europa's führen dürfte. Es bleiben also rur, wir selber, Oesterreich und Rußland übrig. / /

Nun, ich kann Ihren Verftand nicht fo beleidigen, um an- zunehmen, daß es unter Jhnen Jemand geben könnte, der glaubt, daß England einen Krieg herbeizuführen wünshe. Das Aller- uherite, was, wie ich glaube, irgend welche Besorgnisse erreicht habe, ist eine Furcht, daß wir gegen unfere Gefühle und gegen unsere Interessen in einen Krieg verwickelt werden dürften. Es giebt keine Partei und keine Clique von Leuten in diesem Lande, die einen europäischen Krieg niht als das größte der Mißgeschicke betrachten würde. Oesterreich hat eine Position, die eigenthümlich ist und seine eigenen Diffikultäten. Es hat jenes duale D das in seinen Umständen zweifelsohne eine Nothwendigkeit ist, aber welche die Schwierigkeit einex unternehmenden und aggressiven Politik größer macht, als fie sonst sein würde. Es hat in seinem Reiche, wie wir Alle wissen, sehr mannigfahe Racen und Sie mögen ganz siher sein, daß, sei es nun im Interesse seiner eigenen Sicherheit, die irgend eine große Umwälzung in diesem Theile Europas eben so sehr stôren oder fast ebenso gere würde, wie die der Türkei selber, also aus Gründen des Selbstinteresses, wenn nicht aus anderen, die österreihishe Regierung nicht wünschen wird, den Frieden zu brechen. (Lauter Beifall )

Was nun, werden Sie sagen, was über die Regierung und das Volk Rußlands? Wohlan, Jedermann weiß, und ih gestehe, daß unter einem großen Theile der russischen Bevölkerung eine sehr starke Sympathie für die jeßt in der Türkei im Gange befindliche Zuse gen lebe egung exiftirt. Es giebt daselbst eine mächtige Partei, welche nit, wie oft gesagt. wird, blos Befreiung einer Provinz hier oder einer Provinz da vom Drucke wünscht das ist nicht die wirkliche Streitfrage sondern eine Partei, welche die Bildung eines mächtigen und wichtigen Slavenreiches unter russischer P nruna und Leitung wünscht. Aber es ist eins, zu sagen, daß die Partei Ge und selbst, daß sie mächtig is, und etwas anderes zu agen, daß die Macht der Aktion in ihren Händen liegt, enn irgend etwas in dieser Welt gewiß is, so ist es gewiß, daß der Kaiser von Rußland, von dessen persönlichem Willen und Neigung mehr abhängt, als von dem irgend eines anderen Mannes, ein aufrichtiger is des Friedens ist. Es sind auch andere Gründe vorhanden, wie z. B. die Lage der Be Finanzen, die Schwierigkeiten der russischen Verwaltung, die vielleicht größer sind, als wir hier wissen, die enormen Kosten der leßten asiatischen Er-

Und auch : Gesinnungen Ausdruck zu geben, die, soweit ih

Türken nicht allein gegen {eden Angri von Außen (external aggression), sondern gu gegen innere Zerstückelung zu {hüßen,

oberungen und verschiedene andexe Ursachen, über die ih mich nicht

- feine Doktrin bis zum Aecußersten treiben, und eine absolute Erklä-

#n verbreiten brauche, welche eine aggresfive Politik zu einer solchen machen, bie in der gegenwärtigen Zeit für die Politif des russishen Reiches gänzlich ungeeignet ift. Und wenn ih irgend welche weiteren Be- weise für das, was ih sage, bedürfte, würde ih sie in dem Umstande ener Verftändigung finden, auf welche ih hinweisen mag, weil sie in 1 Zeitungen - veröffenttiht wurde, ih mein? jene neulich zwischen dem Kaijer von Oesterreich und dem Kaiser - von Rußland bei ihrer jüngsten Zusammenkunft vereinbarte Verständigung, welche gänzlih von den Basen, welche sie festseßte, ausgeht, und denen ich beipflihte, nämlich einer strengeu und absoluten Nichtintervention während der Dauer dieses Kampfes. Eine folhe Nichtintervention {ließt natürlih nicht irgend welche Vermittelungsanstrengungen aus, die dazu angethan sein mögen, zu guten Resultaten zu führen, aber, wie ich verstehe, ist dem erzielten Abkommen ausdrücklich diese Bedingung hinzugefügt, daß, wenn etwas derartiges versucht wird, es, wenn möglich, in Uebereinstimmung sämmtlicher europäisher Mächte gethan werden soll.

Nun, meine Herren, ich sage wieder, ih sehe nicht, was unter diesen Umständen vorhanden is}, zu der Kriegsbesorgniß zu verleiten. Sie erwarten hoffentlih nit oder wünschen, daß ih der ganzen-Welt sage, daß wix mit dem Orieat nichts zu thun haben, daß wir beabsichtigen, keinen Rath zu ertheilen, feinen Einfluß auszüben, alle Verträge zu annulliren und gänzliche Gleichgültigkeit gegen Alles, was vorgeht, an den Tag zu legen. Diese Doftrin der absoluten Gleichgültigkeit is nicht eine, welche dieses Land je bekundet hat, und ih glaube nicht, daß es eine ist, die bei der Nation im Ganzen beliebt sein würde. ir haben eine große Position in Europa, und bei Nationen wie bei Jndividuen bringt cine große Position {were Verantwortlichkeiten mit sich, und wir können uns nit absolut weigern, diese Verantwortlichkeiten zu übernehmen. Wenn jede Nation, die ein gewisses Stadium der Civilisation erreicht hat, das Prinzip der Nichtintervention in seiner absoluten und extre- men Form acceptirte und sagte: „Wir wollen niemals in irgend cine internationale Frage interveniren, ausgenommen wo unsere cigenen Interessen berührt sind,“ so würde, wie Sie alle augenschein- lih sehen können, die Wirkung davon sein, die Regelung aller inter- nationalen Angelegenheiten Nationen zu überlassen, die aicht dieses Stadium der Civilisation erreiht haben, Wenn Englands Stimme in Frage wie solche, die “wir jeyt tiskuticen, ganz und gar Towiege; würde eine Stimme weniger auf Seiten des Frieders gehört werden. Niemand ist eifriger für Nichtinteryention innerhalb aller vernünftiger und po- litisher Grenzen als ich gewesen bin und noch bin, aber wir müssen

ung der Nichtintervention ‘unter allen Umständen ist eine Erklärung der internationalen Anarchie und ih brauche Ihnen nicht zu sagen, daß internationale Anarchie weder internationalen Frieden noch Fort- schritt bedeutet. S

Ich glaube, Sie wünschten, daß ich freimüthig zu Jhnen \sprehe. Wir hoben gethan, was in unserer Macht stand, um diesen Krieg am Ausbrechen zu verhindern. Dies ist uns mißglückt. Wir werden icht thun, was in unserer Macht steht, denselben inner- halb gewisser Grenzen zu halten, Was eine Jutervention zwischen der Türkei und den Unterthanen der Pforte oder zwischen der Türkei und den halbunabhängigen Staaten, welche einen Theil des türkischen Reiches bilden, betrifft, so ist dies eine Frage, die niemals nur in Erwägung gezogen werde. Wir werden uns bestreben, diese Ansicht Anderen ein- | zuprägen, und ih habe jeden Grund zu hoffen, daß wir darin reuissiren werden. Wenn, wie gesagt worden, das türkische Reich sich in einem Zustande des Verfalles aus internen Ursachen befindet, so ist dies eine Frage, über welche ih keine Meinung ausdrücke, aber wenn dem so ist, so ist es klar, daß bloßer äußerer Beistand keine Remedur sein würde. Das Aeußerste, das von uns verlangt werden fann, ist, darauf zu sehen, daß ehrlich gespielt wird. Unzweifelhaft unternahmen wir es vor 20 Jahren, den kranken Mann gegen Mord u sichern, aber wir unternahmen es niemals, ihn gegen Selbstmord oder plöblichen Tod zu sichern. Das, meine Hercen, ist in wenigen Worten unsere Politik bezüglich dieses Krieges, der jet im Gange ist. Wir werden nit interveniren, wir werden im Nothfall- unser Acußerstes thun, um Andere vom Jnterveniren zu entmuthigen. Aber ih glaube nicht, daß es unter den gegenwäctigen Umständen nothwendig sein wird. Wenn si eine Gelegenheit für Vermittelung darbieten sollte und dies scheint kein unwahr|cheinliches Ereigniß zu sein werden wir uns derselben mit Vergnügen bedienen. Während wir uns, wie wir verpflichtet sind, Freiheit und Unabhängigkeit der Aktion und Beur- theilung vorbehalten, legen wir eben so viel Werth wie jene anderen Mächte, mit denen wir agirt haben, auf jenes allgemeine Ein- vernehmen zwischen den großen europäischen Staaten, welches die beste und sicherste Friedensbürg\chaft ift.“ j

Herr Bright dankte dem Minister im Namen der Deputation mit dem Bemerken, bal die Rede die Wirkung haben würde, die düsteren Wolken am polilischen Horizont zu zerstreuen und dem Lande große Befriedigung gewähren werde. Dämit. {loß die Audienz, die eine volle Stunde in Anspruch genommen hatte.

Der Berliner Korrespondent der ,Morning-Po t“ tele- graphirt: „Die Meldungen von einer Annäherung Englands an die Anshauungen der Nordmächte den Ereignissen im Orient gegenüber haben ihre Bestätigung gefunden und es sind jegt keine Differenzen mehr vorhanden, seitdem eine Nichtinterven- tionspolitik adoptirt worden. : i

17. Juli. (W. T. B.) In der heutigen Sißung des Unterhcusés antwortete der Premier-Minister Disraeli auf eine bezüglihe Anfrage des Deputirten Baxter, daß aus den Depeschen des englishen Botschafters in Konstantinopel hervor- gehe, daß die Nachrihten über die Grausamkeiten in Bul- garien stark übertrieben seien, Eine Depesche Elliots vom Freitag Abend melde den Eintritt chriftilicher Freiwilliger in die türkishe Armee.

In der Sihung des Oberhauses erwiderte Graf Derby auf die Anfrage des Grafen Denbingh, betreffend die seerechtliche Deklaration des Pariser Kongresses, diese Deklaration sei für England bindend. Außerdem würde es den Argwohn, daß England sih für einen Krieg vorbereite, erwecken, wenn die- englishe Regierung gegenwärtig die Aufhebung der in Rede stehenden Deklaration vorschlagen würde.

Frankreich. Paris, 18. Juli. Das „Journal officiel“ bringt die Ansprache des neuen öôsterreihishen Bot- \chafters, Grafen Wimpffen, an den Marschall-Prä sidenten bei Gelegenheit seiner Empfangs-Audienz, und die Antwort e Präsidenten. Die Ansprahe des Grafen Wimpffen autete : err Präsident! Jch habe die Ehre, Ew. Excellenz die Sréiben zu überreihen, durh welche Se. Kaiserlihe und Königliche Majestät geruhten, mich als seinen außer- ordentlihen und bevolmähtigten Botschafter bei dem Präfi- denten der französishen Republik zu beglaubigen. —_ Indem Se. Majestät der Kaiser und König mir diese hohe Sendung anvertraute, empfahl er mir, alle meine Fürsorge anzubieten, dem die zwischen den beiden Regierungen bestehenden Beziehungen der Freundschaft, sowie die guten, auf den zahlreihen gemein- \haftlihen Interessen, welche Oesterreih-Ungarn und Frankreich auf so glücklihe Weise vereinigen, begründeten Verbindungen aufrecht zu erhalten und zu entwickeln, Seien Sie sicher, Herr Marschall, daß meine ganze Fürsorge und meine beständigen Bemühungen auf diesen Zroeck gerichtet sein werden.

* eben haben vernehmen lassen.

Ihnen den Posten an, welchen kürzlich unter uns ein edler \ympathischer Freund unseres Landes einnahm. Die Aufnahme, die hier zu finden Sie sicher sind, wird den Gefinnungen gemein- \chaftliher Herzlichkeit entsprehen, deren Ausdruck Sie auch \o Ich theile diese selbs vollständig. Die Bemühungen meiner Regierung werden sich den Ihrigen an- ließen, um diese Gemeinschaft der Interessen noch zu ent- wickeln, welche durch so viele Bande unsere beiden Nationen vereinigt und die fie, die eine wie die andere, an die A ufrecht- erhaltung des Friedens in Europa binden.

Das „Journal des Débats“ vom 14. d. M. weist darauf hin, daß der Herzog Decazes in der franzöfischen Abgeordnetenkammer über die orientalishe Frage die gléihe Erklärung abgegeben habe wie Hr. Melegari im italienishen Senat, und fährt dann also fort: „Brauchen wir darauf aufmerksam zu machen, daß die Worte der Herren Melegari und Decazes durchaus die drei- Punkte bestätigen, welhe unser wiener Korrespondent als die sicheren Ergebnisse der Reichstadter Begegnung gemeldet hat: 1) Enthaltung in der gegenwärtigen Krisis, 2) Lokalisirung des Kampfes und 3) ge- meinschaftlihe Verständigung aller chriftlihen Mächte in dem Falle, wo es ersprießlih würde neue Entschließungen zuy fassen. Wir freuen uns, den franzöfishen Minister des Aeußern die Nothwendigkeit erkennen zu sehen, Frankreih vor allen Verwick- lungen, mit denen die Zukunft uns bedroht, dadurch zu be- wahren, daß er sich enthält, dassclbe in irgend welche aus\{hließ- lihe Allianz hineinzuführen. Unser Land darf für Niemanden in dem Konflikt, der im Orient sich erhoben hat, Partei nehmen. Getreuer Beobachter der Geseze und der Verträge, kommt es ihm nit zu, persönlihem Ehrgeiz oder individueller Rahsucht Vorschub zu leisten. Jedes Sonderunternehmen kann nur zur Erschütterung des Friedens auss\hlagen; der Friede aber is für uns das ersie und einzige Interesse! 4

Vie der „Moniteur“ meldet, würde die Regierung die Waddingtonsche Vorlage (Verleihung der Universitätsgrade) vor dem Senate vollständig aufrechterhalten, aber bei dieser Ges legenheit die Kabinetsfraze nicht ftellen. Der „Moniteur“ be- hauptet, daß das Geseß auf 10—12 Stimmen Mehrheit zählen könne, da ein Theil der Bonapartisten für dasselbe stimmen werde. Wie die „Köln. Ltg.“ erfährt, wil Dupanloup, Bischof von Orleans, ein Amendement zu dem Waddingtonschen Antrag stellen und verlangen, daß in Zukunft die Professoren überhaupt die Prüfungen nicht mehr vornehmen, sondern daß eine sogenannte „unabhängige Jury“ gebildet werde. Für Juristen \soll die Prüfungs-Kommisfion aus hervorragenden Mitgliedern des Advokatenfiandes, für Aerzte aus medizinischen Notabilitäten, die niht Professoren sind, 2c. bestehen. Das Kabinet befteht auf der einfahen Annahme des Waddingtonshen Antrags.

Türkei, Konstantinopel, 17. Juli. (W. T. B.) An dem am Sonnabend hier ftattgehabten großen Rathe haben 76 höhere Würdenträger Theil genommen. Derselbe wird si, wie verlautet, demnächst wieder versammeln, um das Reform - projekt der Regierung * endgiltig festzustellen, welches sodann dem Sultan unterbreitet werden und veröffentliht werden foll,

Die heute vom Kriegsschauplaßte eingegangenen tele- graphishen Nachrichten lauten:

Konstantinopel, 17. Juli, (W. T, B.) Der Regi e- rung ist folgendes Tclegramm vom Kriegs\hauplaßze zugegan- gen: Die Truppen des Generals Hafiz Pascha, CLomman- deurs der bei Akpalanka operirenden Division, haben gestern die Serben angegriffen. Nach einem sechsstündigen Kampfe haben die türkischen Truppen die von den Serben besehten Ver- \hanzungen mit dem Bajonnet genommen. Die Serben wurden volllommen geschlagen und wurde ihnen eine beträchtlihe An- zahl Waffen und anderes Kriegsmaterial genommen. Jn Folge des Vormarsches des Corps Suleyman Paschas haben die Serben auch ihre Verschanzungen bei Babina Glava, ohne Widerstand zu leisten, verlassen und \sih zurückgezogen.

Konstantinopel, 17. JIuli. (W. T. B) Wie die „Agence Havas-Reuter“ meldet, is die türkishe Armee von Nisch, Chehirkeny und Belgradjik aufgebrohen und auf dem Marsche nach Alexinaÿ. Die türk\shen Journale be- stätigen, daß General Tschernajeff von Babina-Glava de- logirt worden ift und sih auf dem Rückzuge befindet, während die türkishen Truppen in Serbien vorrücken.

Wien, 17, Iuli. (W. T. B.) Der „Politishen Korrespon- denz“ wird aus Ragusa gemeldet: Am 14. d. fand bei Neve- sinje (in der Heczegowina) ein den ganzen Tag und bis tief in die Nacht hinein dauernder Kampf zwishen den Monte- negrinern und den türkishen Truppen statt. Der Ausgang de} lben läßt sich nach der Thatsache beurtheilen, daß (wie bereits gemeldet) die montenegrinishen Truppen am 16. in Bla gai (östlih von Mostar) cinrückten. In Mo star herrscht deshalb große Besorg- niß, welche durch das Eintreffen von 80 bei Nevesinje verwundeter Freiwilligec aus Mostar noch erhöht wird. Die Kaufläden der Stadt find geschlossen. Auch die christlihe Bevölkerung fürhtet Racheakte Seitens der Türken, welhe der Gouverneur der Herzegowina, Ali PasHa, vergeblih zu beshwichtigen versucht. Ein monte- negrinishes Corps ift in Glavsco (?), oberhalb des Golfes von Breno, eingetroffen, wodurch die Verbindung zwischen Ragusa und Trebinje unterbrochen ist.

Belgrad, 17. Juli. (W. T. B.) Der Regierung find folgende Meldungen vom Kriegs\hauplaze zugegangen : Die offiziellen türkishen Depeshen vom 9. d. beruhen auf falshen Berichten. Die \erbishen Truppen haben bisher keine Kanone vexloren und ebensowenig in der Umgegend von Akpalanka Munition. Sie haben vielmehr den türkischen Truppen 200,000 Patronen und 1000 Haubißzgranaten abge- nommen. Die türkishen Siége über General T\chernajeff find vollklommen erfunden. Es hat kein Gefecht statt- gefunden. Die serbishen Vorposten stehen noch immer vor No- vibazar. Alimpits hat folgendes Telegramm der Regie- rung zugehen lassen. Die türkishen Truppen, namentlich der Basczt-Bozuks und Redifs begehen in Bosnien entseglihe Grau- samkeiten; sie massakriren die Einwohner und zünden Alles an. Viele Weiber und Kinder sind in das serbishe Lager geflüchtet, wo gestern mehrere Hundert eintrafen. Der Kommandant einer serbischen Truppenabtheilung, Benißky, hat fih des ganzen Topligya- (Nebenfluß der Morawa auf der linken Seite) Thales am Fuße des Kopavnikberges (Gebirgszug, an dessen en der Ibar ian \strômt) bemächtigt. Zehn Ort- haften haben sich den serbishen Truppen angeschlossen und stellen Freiwillige. Menge bosnischer Insurgenten haben die Verbindung der Türken zwischen Belina Brtschka und Belina Tusia abgeschnitten. Die Nachricht, daß die serbishe Regierung ihren Siy nah Kragujewaÿ verlegt

Wien, 18. Juli. (W. T. B.) Wie der „Presse“ gemeldet wird, hat an den Gefechten der Insurgenten unter Peko Pavlovits am 13. d. mit den Türken bei Renjevoselo und Neum in der Enklave von Klek auch ein im Hafen liegendes tür- kishes Kriegs\chiff durh Geshüßfeuer theilgenommen. Dasselbe habe sein Feuer troy der nahdrücklichen Einsprache des österreichishen Stations\chiffes fortgeseßt.

Wie dem „Pester Lloyd“ aus Trebinje unter dem 8. Juli berichtet wird, herrshte unter den Christen daselbst eine sehr gedrückte Stimmung. Um die Gemüther zu beruhigen, habe daher der Kaimakam einige der angesehensten Christen zu \sih bescheiden lassen, sie ermahnt, den Ereignissen mit Be- ruhigung und Vertrauen entgegenzusehen und ihnen die Zusage gegeben, daß die türkische Behörde sie gegen jede Unbill kräftigst \hüßen werde, so lange sie treu bleiben; gleih- zeitig haben sie aus dem Munde des Kadi im Namen von eben- falls anwesenden sech3undzwanzig vornehmen Mahamedanern das feierlihe Versprehen empfangen, daß fie an Leben und Eigenthum ungekränkt bleiben sollen; man werde nicht dulden, daß ein Türke Ausschreitungen verübe. Jeder, der einen Christen antasten würde, solle auf offenem Markte von den Türken selbst füsilirt werden.

Der „Agence Havas“ wird aus Bukareft über eine diplomatische Mittheilung, welche die rumänische Re- gierung (dem „N. W. T.“ zufolge unter dem 12. Juli) an die Pforte hat gelangen lassen, Folgendes gemeldet: Dieselbe sei cine Denkschrift (memoire), kein Memorandum; in der- selben würden die einzelnen Punkte namhaft gemacht, deren Regelung die rumäuishe Regierung zur Aufrechterhaltung des guten Einvernehmens mit der Pforte durhzuseßzen wünscht. Diese Punkte wären: Anerkennung des historischen Ramens Rumäniens, der {hon von den andern Großmächten zugelassen werde, Aufnahme eines rumänishen Agenten unter das diplomatishe Corps in Konstantinopel, Anerkennung der Jurisdiktion des rumänishen Agenten über die rumänischen Staatsangehörigen in der Türkei, Vornahme einer genauen Grenzscheidung zwischen den Donau-Jnseln, um auf diese Weise den fortdauernden Gebietsverleßzungen vorzubeugen, welche gegen- wärtig \o viele Konflikte zwischen der türkishen und.rumänischen Regierung herbeiführten, Abshluß von Handels-, Post- Und Telegraphen-, sowie Auslieferungsverträgen zwischen der Pforte und: Rumänien, Anerkennung der rumänishen Pässe durch die türkishen Behörden; Regelung der Grenze am- Donau-Delta, wodur den dort wohnenden rumänishen Unterthanen der freie Gebrauh der an ihr Territorium stoßenden Gewässer gefichert werden soll.

Der erste offizielle serbishe Schlachtberichht von der Drina-Armee, datirt vom 9. Juli, welhen die Presse aus Belgrad erhielt, ftellt die Operationen dieser Armee folgen-

dermaßen dar: ;

„Die Armee Ranko Alimpics überschritt die Drina am 3. Juli bei Vadovince auf der Bujuklicsinsel. Bor der Insel ist das Terrain rein; auf zweitausend Schritte liegen die Dörfer Medasy und Popovo, zwish.n diesen ein großer Waid. Von hier bis Bjelina is das Crdreih mit Wald und Gebüsch bedeckt und von Zäunen durchscchnitten. Die Armee mußte scrittweise die Terrainshwierigkeiten bewältigen ; die Artillerie und Kavallerie konnte nur die Vicinalstraße benußen. Hierdurch ging die Führung zeitweise verloren und war die Uebersicht ersGwert. Der Feind war gedeckt, seine Position war deshalb besser, weil er jede Terrainfalte kannte. Der Flußübvergang wurde zwischen 4 und 5 Uhr ausgeführt. Die halbe Armee hatte bereits die Drina passirt, als die Vorposten der nächsten türkischen Karxaula den Anmarsch bemerkten und Feuer gaben. Rasch waren sie überwältigt, die Karaula zerstört und zwet Soldaten ge- fangen. Um 9 Uhr Vormittags stieß der rechte Flügel der Mittel- folonne im Walde von Medjas auf eine feindliche Truppe mit Artillerie. Nach zweistündigem Kampfe war der Feind bis Bjelina zurückgewo:fen. Um 10 Uhr Vormittags erreichten die Unserigen eine starke feindlihe Position, welche mit zahlreiher Infanterie und Artillerie bemannt war; nah heftigem vierstündigen Treffen, in welchem die Türken sih tapfer wehrten, waren sie auch hier in dem für sie günstigen Terrain ges{chlagen und fkorzentrirten sih gegen Bjelina, wobei sie jeden Fuß Terrain auf dem Rückzuge geschickt vertheidigten. Unsere rechte Kolonne, kommandirt von Paja Putnifk, hatte um halb 10 Uhr Vormittags die Straße nah Bjelina erreicht und begann den Angriff. Um 3 Uhr Nachmittags waren die Truppen mitten in die Stadt gedrungen und es entwickelte ich daselbst ein Straßen- und Häuserkampf. Die linke Kolonne, kommandirt vom Major Djoka Vlajkowics, rücke über Janja gegen Bjelina vor. Um 3 Uhr gelangte dieselbe gleichfalls in die Stadt. Der heiße Kamyf dauerte hier bis 5 Uhr. Nachdem die Türken in die Festung getrieben waren, kam der Rücfzugsbefehl; die Truppen traten den Rückmarsh in aller Ordnung an, nur die reiwilligen hatten fich zu weit Oen und kämpften ohne Rück- cht auf den Marschbefehl die ganze Nacht. Die Truppen lagerten auf bosni\hem Gebiet, gegen Bielina hin vershanzt. Der Verlust betrug serbischerseits 120 Todte, 40 Vermißte, 362 Verwundete; die Verluste der Türken sind unbekannt. Die Serben haben eine tür- kishe Fahne mit der Inschrift: „Gehet im Namen Gottes, ihr reht- g!äubigen Türken, ihr kommet ins Paradies“, ferner Vieh und Waffen erbeutet.

Nachts zwischen dem 4. 1nd 5. Juli überfiel ein kleiner Trupp Freiwilliger Türkish-Racsa, um den Türken die Verbindung mit der Save abzuschneiden, von welcher Seite sie Proviant bezogen. Nach heftiger Gegenwehr wurden die Türken verdrängt und viel Proviant erbeutet. Die Freiwilligen haben fich ausgezeichnet gehal- ten. Nach der Niederlage bei Racsa beeilten sich die Türken mit pem Angriff gegen uns. Am 6. sendeten fie ein Bataillon Nizams unter dem Bimbaschi StocsLevics gegen Racsa. Major Vlajko- vics und Hauptmann Putnik eilten mit Freiwilligen und einer Bergbatterie entgegen, um den Türken den Weg zu verlegen. Die Türken sendeten zwei Bataillone und eine Hinterlader- Beigbatterie zur Verstärkung aus Bjelina. Vlajskovics wurde in der Flanke angefallen, und es entspann sich ein furhtbarer Kampf in arôßeren Dimensionen. Serbischerseits wurden zur Verstärkung zwei Bataillone der Podrinaer Brigade unter Major C surcsics nach- gesendet und später noch ein Bataillon der Schabaßer Brigade ¿weiter Klasse. Die Türken kämpften verzweifelt, die Unjeren. fohten wie Helden. Ausgezeichnet haben sih besonders die Frei- willigen und das Azbukobaßer Bataillon unter Cfurcstcs. it Bajonnet und Messer wurde gefohten, Brust an rig so daß die Batterie gar niht verwendet werden konnte. Wir hätten weniger Opfer gehabt, wenn die Artillerie hätte eingreifen können. Die Iürken mußten sich zurückziehen. Gegenüber Bjelina trafen sie äuf Putniks Bataillon. Dieser griff fie im Rücken an und drängte sie zur Rückzugslinie. Die Türken verloren alle Ordnung vollständig und liefen gegen den Savefluß; die Naht brahch herein und unter dem Schutz der Finsterniß entgingen die türkishen Bataillone dem Verderben. Auf dem Kampfplaße wurden 70 todte Türken— ge- funden. Später einlangende Nachrichten gaben 2000 Todte an, darunter Bimbasha Stocsebics und viele Are : Die Serben habcn die gefallenen Türken in humaner Weise heerdigt: Die tür- fischen Verwundeten wurden vom Kampfplaß in serbische Lazarethe gebraht, wo fie gut behandelt werden. Wir erbeuteten viele Aus-

habe, wird von Seiten der Regierung selbst für an egründot

Der Marschall-Präsident antwortete darauf: Herr Botschafter! ® Nr erhabener Souverain vertraute

erklärt.

istungsobjekte, 100 ausgezeichnete Hinterlader, eine Lafette,. Fahnen, Lane Mh Trommeln Pferde, agen. Die Verluste der Serben betrugen 100 Todte und 250 Verwundete, *