1876 / 176 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Schritt zur Besserung ihrer Lage gethan. Nirgendwo sind sie jeßt die Angreifer, auêgenommen an der Grenze bei Zajcar weru es no< wahr ist. Ich gestehe, daß mir: die jserbiscen Aussichten sehr düster erscheinen. Wo der Sieg in Anspruch ge- nommen wird, wie von Uzun Mirkowiß und Alimpits, da besteht er blos in der Zurü>weisung eines Angriffs mit anderen Worten: in dem Vermeiden einer Niederlage. Sie nehmen übrigens nit einen Fußbreit türkischen Bodens und nichts al3 das Türre Ergebniß der Behauptung ihres eigenen Territoriums für fich in Anspruch. Alimpits vermochte den Tü1ken nicht bis Bjelina hinein zu folgen. Ducic konnte nicht die Höhen von Nova-Varos Hinter den Verschanzungen, aus welchen er die Türken verjagt haben will, gewinnen. G / Heute kehrten die montenegrinis<hen Abgeordneten hierher zurü>. Ueber das, was fie gesehen, erfuhr man nichts, Am Sonntag be- iebt sich Fürst Milan zu einer Jnspizirung der Stellungen, zuerst nach ajcar und dann wahrscheinli< na< Alelfinac. Das Wetter ist sehr regnerish. General Tschernajeff wird heute hier zu einer persönlichen Bespre<hung mit dem Fürsten erwartet.

Numänien. Bukare s, 21. Juli. (Allg. Ztg.) Gestern überreihte der Aus\huß des Senats, geführt von dem Vize-Präfidenten Ioan Ghika, dem Fürsten Karl im Thron- saale des Palais mit der hergebrachten Feierlichkeit die Thron - adresse, auf welhe Se. Hoheit antwortete: :

„Hr. Vize-Präsident! Meine Herren Senatoren ! Wir find sehr empfänglih für die Gefühle der Ergebenheit, welhe Sie mir au< heut ausdrü>en. Die Versicherupgen, welche Sie mir im Namen des Senats geben, sind um so werthvoller, als unter den gegenwärti- gen Umstäuden nur durch das genaueste Einverständniß zwischen den geseßgebenden Körpern und der Regierung, nur dur Vaterlandsliebe und den Geist der Mäßigung der Mandatare der Natiov, wir, im Angesicht derx Ereignisse, welche sih an unseren Grenzen abspielen, die als nothwendig erkannte Neutralität aufrecht erhalten können, um die auswä: tigen Gefahren zu umgehen, und um im Jnnern die mora- lishen und materiellen Interessen unseres theueren Vaterlandes zu entwi>eln. Wir danken Jhnen no<mals, meine Herren Senatoren, für Ihre Ergebenheit. Die Fürstin {ließt si< diesem Dank an.“

Vorstehende Antwort des Fürften wurde geftern bei Eröff- nung der Senatss\iÿung vorgelesen. Alsdann machte der Finanz-Minister eine Vorlage zur Prägung von Gold- münzen mit dem Bildniß des Landesfürsten. Bekannilich wurden \{<on im Jahre 1867 Zwanzig: Lei-Stücke aus Gold mit dem Portrait des Fürsten Karl geprägt und in Verkehr geseßt, mußten jedoh in Folge des Einspruches der Türkei wieder ein- gezogen werden. Der Senator Deschliu machte alsdann den Vorschlag: die Regierung möge, um \i< Geld zu verschaffen, die im Depot der Depositenkasse befindlihen Cffekten bei den Bankïiers verseßen; aber der Finanz - Minister bekämpfte diesen Vorschlag, der Senat lehnte ihn ab und zog fi zu einer geheimen Sizung zurü>, um die Rechtfertigung des früheren Kriegs-Ministers Floresco darüber anzuhören, daß er fünf Jahre lang seinen Ausgaben-Etat überschritten, um eine Friegsbereite Armee von 60,000 Mann zu schaffen. Sobald die Sizuyvg wieder zu einer öffentlichen geworden war, kewilligte der Senat dem gegenwärtigen Kriegs-Minister Slaniceano das Verlangen, die Reserven unter die Waffen berufen zu dürfen, sobald es nothwendig sein würde; jedo< beschränkte der Senat diese Bewilligung nur auf Reserven der 2. Territorial-Division.

927. Juli. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer hat die Handels: und Schiffahrtskonvention mit Ruß- land definitiv angenommen.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 26. Juli. Die Blätter begrüßen die Anwesenheit der italienischen Kronprinzlihen Herrshaften. So sagt der „Golos*:

„Der Besuch des Prinzen Humbert und der Prinzesfin Marga- retha an unserem Hofe dient als klarer Beweis für die freundschaft- lichen Beziehungen zwischen zwei Staaten, welche zwar geographis< von einander weit entfernt, aber verbunden sind sowohl durch das Gefühl der Solidarität vieler Intetessen, als dur< die Macht dés nationalen Bewußtseins, welches Jtalien erstehen ließ, und welches, so oft au< Rußland dazu gedient hat, Angriffe abzuwehren und die Ränke offener und geheimer Feinde zu zerstören. Die That der Re- generation Jtaliens hat bei dec russishen Gesellschaft stets Sympathie gefunden. .…... Unsere Sympathie sür Jtalien war vollkommen uneigen- nüßig, aber au, wiederholen wir cs, ratürlich. Wir Rujjen halten die Macht des Nationalgefühls so hech, shäßin die Selbstaufopfe-

Berlin, den 28. Juli 1876.

Zur preußishen Ges>ichte aus der Zeit Friedrichs des Großen und Friedrih Wilhelms II1. hat der frühere Direktor der preußischen Staatsarhive, Max Dunter, se<s Abhandlun- gen veröffentlicht, welche in Leipzig bei Dun>er und Humblot ershienen sind. Drei von den in dieser Sammlung vereinig- ten Abhandlungen beschäftigen si< mit der Zeit König Friedri<h des Großen; die drei andern behandeln Gegenstände aus der Zeit von 1807 bis 1813. Die erste Abhandlung befaßt si< mit einer Schrift des Kronprinzen Friedrich, den Considérations sur l'état présent du corps politique de l'Europe. Die zweite Abhandlung ist militärgeshichtlih. Sie führt den Nachweis, daß die konventionelle Darstellung der Umstände, welche den erlust der Schlacht bei Kollin veranlaßt haben, in wesentlichen Punkten unri<h- tig ist. Die dritte der auf die Zeit König Friedri des Großen bezügliden Abhandlungen giebt eine Darstellung der Wege, die zur erften Theilung Polens und zur Besißergreifung Westpreußens durch Friedri 11. geführt haben, Von den drei die zweite Gruppe bilden- den Abbandlunzen ist die erst e „Preußen während der Ofkfupation in den Jahren 1807—1813. Die folgende Abhandlung führt an der Hand der amtlichen Rehnungen den Beweis, daß Frankreich für den Krieg 1806—7 von Preußen 1,020,299,494 Francs 11 Cen- times an Kriegsents<ädigung empfangen hat. Den Sc<bluß der Sammlung bildet eine Untersuhung übec die Mission des Obersten Knesebe> nah St. Petersburg iv Jahre 1812.

Müncen, 25. Juli. Gestern ist München durch ein neues Monumentes bereichert worden. Es gilt dem Andenken an dem im Jahre 1874 zu Berlin, seiner Vaterstadt, x hohem Alter gestorbenen Königlichen Universitätsprofessor Dr. Hans Ferdinand Maßmann. Als solcher wirkie ex hierselbst literaris< und als Lehrer thätig, von 1826 —1842, Dem berühmten Germanisten und Historiker gebührt das Verdienst der Gründung der ersten Königlichen öffentlichen Kurnanstalt hier, der er bis zu seinem Weggang, 1842, als treuer Leiter vorfiand. Auf deren weitem \<at- tigen Wiesenplan in Oberwiesenfeld fand das Denkmal seinen Auf- \tellungsplaß. Das Monument ist ein etwa 12—14 Fuß boher, pyxa- mwidenförmig zugespißter Tuff- oder Tropfstein aus der Tegern}eer Gegend. Ganz oben trägt er eine schräg angebrachte Tafel von weißem Marmor mit Jnschriftswidmung.

Bra uns<weig, 25. Juli. Jn den Tagen vom 27.—30, Juli- wird die achte deut sche Turnlehrerversammlung hier statt nden, Am Empfangêtage findet eine vorberathende Sißung des usshusses statt, welhæ am folgenden Tage (28.) die erste ordentliche Versammlung folgen wird. Die für die Tages- ordnung angemeldeten Vorträge sind bis jeßt folgende: 1) Ein Antrag des Berliner Turnlehrervereins, die Aufstellung einex Geschäftsordnung für die deutschen Turnlehrertage be- treffend, Berichterstatter Dr, Hermann, Berlin; 2) ein Vortrag von Prof. Dr. Euler, Berlin, über ein Lebensbild von Jahn und dem Stande des Turnens zu seiner Zeit (1816) ín Berlin, nah ungedru>ten Quellen ;

rung des Patriotiéwmus, welcher in {weren Minuten des Lebens das Volk mit seiner Regierung in ein untheilbares Ganzes fi zu- sammenfügen läßt, so sehr, unsere eigene Geschichte ift so reich an derartigen auf diesem Wege gewonnenen Resultaten, daß wir nicht anders als mit der wärmsten Sympathie Greiguissen folgen konnten, weld;e rah und nah eine neue Großmacht in Europa geschaffen haben. Die Thatsachen haben es bewiesen, daß diese Gefühle nicht umsonst gewesen sind. In den_Ereignissen der leßten Zeit hat Stalien und seine Regierung eine Stellung eingenommen, welche deut- li den Beweis liefert, daß dem Kabiet im Quirinal die Vor- utheile einer vergangenen Zeit fremd find und daß dasselbe nicht von veraltetcn Theorien, sondern von dem lebendigen Verständniß eines neuen internationalen Rechts geleitet wird, auf welchem Boden auch unsere auswärtige Politik steht, eines Rechts, das auf Gerechtigkeit und Sittlichkeit, nicht aber auf engherzigen , egoistishen Berechs nungen gegründet ist. Jun den, durch die Ereignisse im Orient her- vorgerufenen Unterhandlungen hat Italien si< mit mannhafter Ent- \hlessenheit zu Gunsten der Unterdrü>ten gegen die Unterdrü>er aus» gespro<hen und kein Bedenken getragen, sich den Bemühnngen Ruß- lands zur Wiederherstellung der niedergetretenen Rechte der türkischen Christen ayzuschließen. Das ofene und aufrichtige Verhalten der italienis<en Negierung zur Orientfrage is für uns werthvoll gewesen und hat als Beweis gedient, daß wir uns nicht geirE hatten, als wir die große That der italieniscen Einheit uns so sehr zu Herzen nahmen.

Amerira. Wie Vereinigten Staaten haben gegen die aufständishen Indianer 3 Generale mit -6000 Mann ins Feld ge- sandt; die Schwierigkeiten des Truppentranéports sind aber #o groß, daß die Kosten jedes getödteten Indianers von ven amerle fanishen Blättern auf 30,000 Dollars berehnetZwerden,

Asien» Die „Times“ erhält folgendes Telegramm vom 95. d. M. aus Tashkend: „Zwischen Khojend und Khokand is eine Postverbindung eröffnct worden. Nach den neuesten Nach- rihten aus Manas in Turkestan ist jener Ort belagert von 2000 Chinesen unter dem Befehle von Ambau Kunikjans. Ein Heer rü>t vor von Kutshun auf Umritsi unter dem Befehl von Msun Dshu zum Zwe>e der Bestrafung der Dsungar-Horden, die im lezten Juni Einfälle in Bulonkhotai und Tshugutchak machten.“

Afrika. Aegypten. Bekanntlich hat vor einigen Tagen der Vize-König sih geweigert, ein zu seinen Ungunsten ausgefallenes civilrehilihes Urtheil des auf seinen be- sonderen Wunsch im vorigen Jahre in Alexandrien: eingeseßten internationalen Gerichtshofes vollstre>en zu lassen. Wie den „Times“ telegraphisch gemeldet wird, haben Deutschland und Oesterreih dem Khedive sofort mittheilen lassen, daß fie seine gegen die Kompetenz des Gerichtshofes erhobene Ein- wendung nicht gelten lassen können. Das Deutsche Reich ift be- kanntlich bei diesem Gerichtehofe dur<h drei Mitglieder vertreten und zwar dur<h den Grafen L. Marogna als Mitglied des Appellhofes zu Alexandrien, durh Herrn T. von Wilmowski, als Substitut des Generalprokurators desselben Appellhofes und dur<h Herrn F. Haplus als Mitglied des Tribu- nals erfter Instanz in Alndexarien. Der Sachverhalt

it nun folgender, Ein Besiger von Wechseln und |

Bons, Herr Carpi, die der Vize- König zu bezahlen verpflihtet war, welhe aber am Verfallstage nicht ein- gelöst worden waren, strengte die Klaoe hei dem genann-

ten Gerichtshofe an, welcher aw, 92 Suni 1875 zur“ Gntshe j

dung von Prozessen zwis ; ichen und Fremden eingesezt wurde. Artikel 17" A Lu l iekönig mit den curopäishen Mächten die an ahoos<l-}-eu Ber- trages sagt nun wörtli<h: „Die V ciécung, die Verwaltung, die Dairas (Prioatbefiß) Seiner Hoheit des Khedive und seiner Familierimitglieder sollen ‘der Juris- diftion dieses Gerichtshofes in legalen Sireitigkeiten mit Fremden unterworfen sein.“ Gleichwohl hat der Gerichtshof erster Instanz, bestehend aus folgenden Mitgliedern: Ahmed Ebeid Effendi, Aly Bey Ibrahim, Chimy Bey, Os- man Orsi Effendi, Said Haffnui Effendi, E. Anthoniad:s, (Griehenland), A. Bargehr (Defterreih-Ungarn) Baron v. Arm- felt (Schweden), I. A. Haakman (Niederlande), C. Iaussen, (Belgien), I. Moviendo (Italien), Fürst A. Murusi (Rußland) den Kläger abgewiesen, indem es fih für inkompetent erêlärte,

3) Thefen von Gymnasiallehrer A. Hermann, Braunschweig: a. unser deutics Turnen, so wie es sich bis jeßt gestaltet hat, genügt ziht, um die Leibesübungen zur Volkssitte zu erheben, b. es ist vielmehr zur Er- reichung dieses Zwe>es nothwendig, erstens die Volkswettübungen mehr zu betreiben, und zweitens das Spiel als eine nothwendige Ergänzung des Turnens mehr; auszubilden und mit der Jugend zu pflegen ; 4) ein Vortrag des Dr, Xedde, Breslau, über das griehish2 Peñ- tathlon; 5) Turnlehrer Kümmel, Wien, stellt Turngeräthe und Mo- delle Wiener Einrichtung aus. Scbauturnen der hiesigen ‘Turner- haften, Schulturnen einer Klasse der Wolfeavüttler böberen Mädchen- \cule sowie Spiele einec Abtheilung Schüler des Gymnasiums wer- den ebenfalls stattfinden.

Straßburg, 25, Juli. Die Feier der Erößfnung der Bahustre>e Straßburg-Lauterburg-Germersheim „ist gestern programmgemäß verlaufen. Von Straßburg und Ludwigs- hafen her waren die Festtheilnehmer aus der Pfalz und aus dem Elsaß (unter den leßteren der Ober-Yräsident, die Spißen der Be- hôrden und mehrere Notable aus der Bürgerschaft) zusammengetroffen und machten dann gemeinsam die Fahrt nah Straßburg. War schon auf den pfälzischen Stationen der Empfang ein herzlicher und fest- licher, so war er es auf den elsässishen ni<ht minder. Die deutschen

¿ahnen auf den Kirhthürmen, das Willkommen mit Musik, An- prache und Bewirthung auh auf den kleinen Stationen, die leb- hafte Betheiligung bekundeten die Stimmung der Bevölkerung. Fn Straßburg brachte bei dem offiziellen Diner der Ober-Präsident ein Hoh auf Se. Ma{estät ven Kaiser, der Gouverneur auf auf Se. Majestät denKönig von Bayern aus, Von den sonstigen Reden ist die des Péäsidenten der Straßburger Handelskammer hervor- zuhebin. Eine Beleuchtung des Münsterthurmes {loß das Fe1t. Auf die neue Stre>e werden die Rachts-Schnellzüge von Basel nach Mainz geleitet und damit eine bedeutende Erleichterung des Verkehrs, sowie dh al der bisherigen Fahrzeit auf diese Entfernung erzielt werden.

Weimar, 24. Juli. (Nat. Z.) In Brüssel findet im Laufe des September ein Kongreß ftatt, der sich mit der Frage, wie die Völker Afrikas am besten und leichtesten der Civilisation ge- wonnen werden können, beschäftigen wird. Seitens des Königs Leopold sind die hervorragenden Afrikareisenden Europaz geladen, um unter seinem peæsönlichen Vorsiß Über diese Frage zu berathen, Die Versammlung tritt am 11. September zusammen, Vou hier aus wird Dr. Rohlfs dem Kongresse beiwohnen.

Der „Daily Telegraph“ hat von seinem Korrespondenten und Afrikaforsher Stanley nah langem beängstigenden Schweigen vet Juni 1875) endlih wieder Nachricht erhalten, und zwar mehrere

riefe, davon erfter vem 29, Zuli 1875 vom Bictoria-Nyanzafee, der leßte vom 24. Apcil 1876 aus dem S datiit. Er beabsichtigte nach Ujiji zu gehen. Der erste Theil der Nachrich- ten wird am nächften Montag veröffentlicht werden.

da die Vertagung der Zahlung dem Vizekönig dur ein Staats- gesez erlaubt worden sei, der Gerichtshof aber verpflichtet sei, feinen Urtheilen die thatsählihen Staatsgeseze zu Grunde zu legen. Der Kläger appellirte hiergegen und der Fall „Carpi versus Daira sonia kbedivia“‘ fam vor den Appelhof in Alexandrien, der fich na< Anhörung beider Parteien in einer unter Vorsih des Hrn. Alois von Lapenna, des öôster- reihis<-ungarishen Mitgliedes dieses Gerichtshofes, abgehaltenen Sipung für kompetent erklärte und den Vizekönig zur Zah: lung verurtheilte, da ein Staatsgeseÿ. private Suldverpflich- tungen nit aufheben könne. Wie erwähnt, haben si< nun die ägyptishen Behörden der Vollstrekung dieses Urtheils widerseßt. In Folge dessen befahl der Präsident des Gerichtshofes, Hr. Haerkmann, die vorläufige Einstellung der richterlihen Thâä- tigkeit, scheint hiermit jedo seine Befugniß überschritten zu haben. Er hat sein Amt niedergelegt und i an seine Stelle das von Griehenland delegirte Mitglied Antoniadis gewählt worden. Wie die „Times“ andeuten, \<heint die ägyptische Re- gierung die ganze Angelegenheit der Beurtheilung der bei dem Gerichtshofe vertretenen Mächte anheim geben und fi deren Entscheidung unterwerfen zu wollen.

Statistische Nachrichten.

Nach Mittheilung des statistishen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 16. Juli bis incl. 22. Juli cr. zur Anmeldung gekommen : 205 Eheschließuugen, 857 Lebendgeborene, 40 Todtgeborene, 854 Sterbefälle.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Die „Straßv. Ztg.“ meldet unter dem 24. Juli: „Die hiesige Universitäts- und Landesbibliothe?, welche bekanntlich in der Zeit ihrex Gründung von allen Seiten her mit so großartigen Schenkungen bedacht worden ist, darf auch heute noch mt Fug auf die zahlreichen Sympathien hinweisen, die sih ihr in eifriger Be- thätigung zuwenden. Haben doch selbst die fernsten Länder, wie Chili, Indien und Australien, ihre warme Theilnahme an dem neuen elsässischen Institut bewährt. Jn Europa selbst hat fich namentli au das russishe Reih in dieser Beziehung ausgezeihnet. Den vielen von dorther erfolgten Sendungen reihte sih uun dieser Tage eine äußerst werthvolle aus Finnland an, welche wir zunächst der gütigen Verwendung des Herrn O. Donner, Professor des Sanskrit und der Sprachvergleihung an der Universität von Helsing*ors, ver- danken, Die soeben übermittelten 164 Bände, großentheils Geschenke der finnishen Gesellschaft der Wissenschaften und der _fianischen Literaturgesellshaft, bieten vor Allem ein O von der geistigen Regsamkeit jener in jüngster Zeit so herrlich aufstrebenden Handels- und Gelehrtenstadt. Hochschäßbar für uns sind namentli die zahlreihen Werke über finnische Sprache und Literatur, unter welchen wir hiec zunächst nur die verschiedenen Auflagen und Be- arbeitungen des prachtvollen finnishen Epos Kalevala hervorheben wollen. Einen wichtigen Beitrag bildet vornehmli<h auch das yer- gleihende Wörterbuch der finnish-ugrischen Sprachen von Professor Donner selbst, welcher gleich seinem Kollegen, dem aus- gezeichneten Physiologen und Pathologen O. E. Hijelt, die Freundlich- feit hatte, seine eigenen Schriften beizulegen. * N

In der gestrigen der „Köln. Ztg." entnommenen Mittheilung über die Vertheilung der großen Medaille seitens der Pariser geographischen Gesellschaft ist anstatt Lindau und Stumm zu lesen: „Lindau und Sluht“.

Gewerbe und Handel.

Wien, 27. Juli. (W. T. B.) Die Generalversammlung der austro-aegyptishen Bauk hat beschlossen, zur Beschlußfassung Über die Liquidation der Gesellschaft nah 3 Monaten eine außer- ordentliche Generalversammlung einzuberufen.

Verkehrs-Anstalten.

New-York, 2s. Jali. (W. T. B) „Greece“ : von der National -Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingelroffen.

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

London, Freitag, 28. Juli, Vormittacs. Wie den „Daily News“ aus Madina vom gestrigen Tage gemeldet wird, sind die Häfen von Dahomey am 1. d. M. in Blokadezustand erklärt worden. Den Schiffen, wel<he \si<h bereits vor dieser Zeit in den Häfen befanden, wurde eine Frist von 30 Tagen bewilligt, um ihre Ladung einzunehmen und abzufahren.

Einer längeren Korrespondenz des „Daily Telegraph" aus Therapia entnehmen wir folgende Schilderung türkischer Re- fruten: „Kreuz und Halbmond auf demselben fkarmoisinrothen Banner, Seite an Seite, die Sinnbilder zweier Religionen als Sc<mu> derselben Flagge diese sonderbare Erscheinung ist kein Sxrthum. Nach Pfeifern und Trommlern folgte ein Bannerträger; in seinen Händen war die Flagge mit dem Halbmond und dem Kreuze. Dann kommt ein sonderbares Gefolge. Da sind Softas, Armenier, Alt- und Jungtürken, Griehen und römische Katholiken, einige mit dem Fez und andere mit Turban, einige mit Stroh- hüten, andere mit bloßem Kopfe . . . Dem Aufrufe von Freiwilligen folgten etwa bis jeßt 4—5000. Etwa die Hälfte derselben waren Softas, junge fanatis<he Muhamedaner, deren Fernsein von Konstan- tinopel wohl ebenso gern gesehen wird, wie ihre Nähe, ausgezeichneet lunge Leute in mancher Beziehung, aber wohl fähig, jeder Zeit den

rieden zu stôren. 500 der Rekruten sind Griehen oder fonstige Christen. Die Angelegenheit wird vom Volke geleitet Dem ganzen Auftreten und Aussehen der türkischen und ägyptishen Soldaten er- theilt derselbe Korrespondent großes Lob.

KreTtA d

e erre

In Paris soll in der Woche vom 2. bis 10. September d. J. ein Arbeiterkongreß stattfinden, der zunächst in Form von Pri- vatversammlungen und, wenn es angeht, auch in öffeutlihen Ver- sammlungen abgehalten werden soll. Zugelassen werden zu dem Kongreß nur bevollmächtigte Delegirte der Arbeitergenossenschaften aller fran ösishen Städte. Auf das Programm sind folgende Fragen gestellt : 1) dit

rbeit der Frauen, 2) die Syndikatskammern, 3) die Gewexrkvorftändt (Conseils de Prud'hommes), 4) die Frage der Lehrzeit und des Ge- werbeunterrihts, 5) die direkte Vertretung des Proletariats im Par lament, 6) die Genossenschaften für Erzeugung, Konsum und Kredit, 7) die Versorgungs-, Versicherungs- und Invalidenktassen, 8) die land wirthshaftlihe Genossenschaft und die Nügßlichkeit eines näheren Ver kehrs zwischen gewerblichen und ländlichen Arbeitern.

Theater.

Die Direktion des Nationaltheaters, l ihrem Bestreben, dem Publikum Neues und Dankenswerthes zu bietel bringt am Frèéitag, den 28,, „Kabale und Liebe“ und desgleiche Sonnabend, den 29. d. Mts., den „Verschwender“ zu den kl bei Schulvorstellungen üblihen Preisen zur Aufführun , un Sonutag, den 30. d. M., geht Raimunds „Bauer als Millionär* 1 glänzender Ausstattung zum ersten Male in Szene.

Redacteur : F. Prehm. / Verlag der Expedition (Kessel). Hru>k: W, Els3n Drei Beilagen (einschließli Börsen-Beilage)

Berlin:

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Der Dampfer

S:

600,000 St.

Er ftc Beilage

zum Deutschen Reichs-Auzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

176,

Zur S tatistik Serbiens.

Jn Nr. 171 „R- u. St-A.“ habén wir einen Artikel über Serbien in militär-geographis{wer Hinsicht veröffentliht. Jn An- fnüpfung hieran theilen wir heut die neuesten Daten Über die statisti- { <en Verhbältäisse Serbiens mit.

Nach der Verfassung Serbiens ist vom Jahre 1869 die geseßz- gebende Gewalt dem Fürsten und der Volksvertretung, Skups<- tina, übergeben; dieselbe bildet nur eine Versammlung, die aber aus zwei verschiedenen Bestandtheilen zusammengefezt ist: Zwei Drittel werden vom Volke erwählt und ein Drittel von der Regie- rung deputirxt, Wäbler ist jeder Serte, welcher Steuern zahlt und 21 Jahre alt ist, wählbar jeder, welcher jährli<h 8 Thlr. Steuern zahlt und 30 Jahre alt und darüber ist. Die Beamten und Advo- katen sind von der Wählbarkeit ausgeschlossen, können aber vom Für- stea delegirt werden. Eine Eigenthümlichkeit Serbiens, besonders für die Bezirksverwaltung und die Steuerveraulagung von Wichtisg- Teit, ist, wie in der öôsterreichis<en Militärgrenze, das Institut der Sadruga oder Hausgeraeinshaft, Die zu gemeinsamem Erwerbe oder Genusse vereinigten Personen leben in Einem Hause in einer Art von Gütergemeinschaft und besiß:-n insgesammt die Rechte eines Einzelnen. Die Leitung der Angelegenheiten steht dem frei- gewählten Hausvater oder Stareschina zu, der das Haus in der Ge- meinde repräsentirt, Das Haus ist Besißer, zahlt Steuern und stellt Jährlich cinen Rekruten. Der Stareschina (der Aelteste, niht wört- Tich, fondern zur Bezeichnung des Ehrenamtes) regiert gewöhnlich geitlebens, fann aber auch abgeseßt werden. Das Grundeigenthum a A der Gesammtfamilie oder Kolonie denn sie ift mehr als unjere natürlihe Familie, aber fleiner als die rômische Gens oder der \<hottishe Clan, wird gemeinsam bewirtbschaftet und verwaltet; Son- dereigenthum der Einzelfamilie und des Individuums ist nur in sehr beschränktem Maße und nur an fahrender Habe gestattet, und nur da- für giebt es persönliches Erbreht. Testamente sind unbekannt.

Die Hauptbeschäftigung des ganzen Volkes ist die Landwirt h- s<aft. Die Dat:n und Zahlen aber, welhe wir hier und späterhin geben, sind nicht alle demselben Jahr entnommen, weil nicht alljähr- li< Zählungen dort \tatlfinden und die Berichte darüber aus vcr- \chiedenen Jahrgängen stammen.

Zur Hebung des Landbaues besteht in Serbien eine landwirth- \chaftlide Gesellschaft, der die Regierung éine jährlihe Unterstüßung von 12,000 Fr. «gewährt. Ferner besteht seit 1872 in Pozarevaß eine landwirthshaftlihe Schule, die vortreffli< eingerictet ift

Am meisten wird Mais gebaut, dann Weizen, Gerste, Hafer und Roggen. Das Ackerland wird na< Tagwerken (dan oranja), das Wiesevland na< Sensen (Kosa) und die Weingärten nach Haken (Motika) gemessen.

Im Jahre 1867 wurde eine offizielle Aufnahme der bebauten Oberfläche vorgenommen und ergab für: Mais 33,2%/, Weizen 18,54, Gerste 4,37, Hafer 3,77, Roggen 2,27, Spelz 1,77, Haidekorn 0,15, Hirse 0,05, Kartoffeln 0,95, Handelégewächse 1,74, Weingärten 4,86, Wiesenland 28,38.

_ Sehx bedeutend ist der serbishe Viehstand. 1866 wurde eine Zählung vorgenommen; diese ergab 122,986 Stü> Pferde, 609 Stü> Hornvieh, 2,677,310 Stü>k Schafe, 1,291,164 Stü> Schweine und 451,249 Stü> Ziegen,

„Dic Aut fuhr betrug im Jahre 1874: 33,794,902 Kilo Ge- treide, 34104 Stü> Rindvieh, 271,219 Stük Schweine und 1,142,571 Stü>k Schaf- und Ziegenfelle.

__ Eine schr wohlthätige Einrichtung sind die Gemeindemaga- zine (Obitiusfikos). Jedes Jahr wird, von jeder steuerpflichtigen Person für den Fäll einer Hungersnoth ein bestimmtes Quantum Getreide eingebraht; das alte Getreide, soweit es no< nicht an Atme verschenkt oder verliehen ist, wird verkauft, der Erlös in die Gemeindekasse gethan. Ende 1873 waren so in allen Gemeinde- magazinen zusamnien über 5 Millioren Kilo Getreide aufgespeichert, über 40 Millionen verliehen, über 614,000 Franks baar vorhanden.

,_ Serbien besißt große Pflaumenwaldungen, und ift die Ausfuhr dieses gedö:rten Obstes schr bedeutend (1873 über 5,650,000 Kilo) ; ebenso wird der daraus bereitete Branntwein (Sliwowiß) stark expor- lirt, bejonders nah Bosnien (1873 über 2,930,000 Kilo).

Stark war ferner die Ausfuhr von Faßdauben. Ferner wur- den ausgeführt: 312,703 Kilo Schafwolle, 123,434 Kilo Talg, 67,542 Kilo Honig, 10,847 Kilo Wachs,

Auch die Industrie hebt sich; für den Bergbau wird viel gethar.; die Gewinnung von Blei wird stark getrieben und ist ratio- nell geworden, seitdem die Regierung große Bleischmelzöfen errichtet ; das an eine englische Gesellshaft abgetretene große Fudtuewerk zu Masdaupek ergab in den Jahren 1871-73 365,730 Kilo Kupfer (im Wertbe von 744,259 Fr.), welhes na<h Wien- und London ging.

_Im Bergwerk zu Kucajna, das auch einer englischen Gesellschaft gehört und wo gold- und filberhaltige Blei- und Kupfererze gewonnen werden, arbeiteten 300 Arbeiter.

Ein drittes Eergwezk, gleihfalls Engländern gehörig, enthält in Wragocanißa Kupfererzlager und in Struganik vortreffliche Litho- graphiesteine.

gerner hat Serhien reiche Steinkohlenlager; das eive zu Lenje enthält na< wissenshaftlicher Abshäßung ein Lager von 27 Milliarden metrisher Centner. Nach Salz wird geforscht.

Für die Erleichterung des Verkehrs wird viel gethan; es sind S1 Post- und 37 Telegraphen-Stationen vorhanden.

_Nur Eines fehlt dem Lande no<: Eisenbahnen, welche die zwisch-n den ungarischen und türkischen Linien no< vorhandene Lücke ausfüllen würden. ;

Was die Finanzverhältnisse, die Einnahmen und Aus- aben Serbiens betrifft, so besteht dasclbst zuerst für die seßhafte evölkerung eine kommunale Mairikularumlage. Jede Ge-

meinde muß jährli< so vielmal 28 Fr. 50 Ct. aufbringen, als sie erwachsene männliche Mitglieder zählt; die Vertheilung der Steuer in der Gemeinde ist Sache der Gemeindevorsteher und Familien- häupter (Stareschina). Diese Steuer ergab im Jahre 1874/75 18,860,000 Steuer-Piaster (1(0 Steuer- Piaster = 31,60 6).

Die zweite Kategorie der Steuerzahlenzen ist die dienende Klasse,

welehe ohne Vermögen und verheirathet ist ; die Steuer wird jährlich entrichtet in 4 Klassen, von 9 Fr. 60 Cts. bis 2 Fr. 40 Cts. ___ Die dritte Kategorie bilden die nicht ansässigen Zigeuner, welche in der ersten Stufe 11,60, in der zweiten 5,80, in der dritten 4 Fr. zahlen. Diese Steuer nimmt ab, da die Zigeuner immer mehr seß- haft gemacht werden.

Unter den indirekten Steuern (7,275,000) nehmen die Zölle den ersten Play ein, da Serbien einen lebhaften Handel betreibt. Den größten Antheil an den Zolleinnahmen haben die Eixvfuhrzölle; diese dürfen 3% vom Werthe der eingeführten Waare nicht über- steigen. Sie betragen dur{schnittli)< 2 Millionen Fr. jährlich. (1874/75 5,300,000 St P.)

__ Im Jahre 1869 wurde in Serbien eine Art Verz ehrungssteuer eingeführt, und zwar von Kaffee, Zucker, feinen Getränken, Spiritus, Rum, Spielkarten, Cigarrettenpapieren und Parfumerieseifen. Diese Steuer erbrachte 1874/75 1,100,000 St, P. Ferner gehören in diese Kategorie die Regalsteuern auf die Einfuhr des Salzes und des_Tabaks. Serbien hat keine Salzlager und muß deshalb das garze Quantum des zu verbrauchenden Salzes vom Ausland beziehen, aus Oesterreich, Ungarn, der Walachei, Diese C6infuhr betrug von 1866-1870 durch- \hnittli< 20,171,650 Kilog. Salz; davon wird nur etwa der 8. Theil wieder ausgeführt, (Die Salzeinfuhrsteuer betrug 1874/75

Die Regalsteuer auf Tabak ergab in demselben Tahre 250,000 St, P., ausgeführt wurden jährlich, da sich der Tabakbau nah Ein-

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Berlin, Freitag, den 28. Juli

führung der Skeuer sehr gehoben, für ca. 146,600 Fr., die Einfuhr

ist indessen immer no< stärker als die Ausfuhr. Die Regolbesteuerung auf Bergbau brachte, weil derselbe schr gering if, 1874/75 nur 25,000 St. P.

Einen erheblichen Beitrag zu den Staatseinnahmen liefern die ge--

rihtlichen Taxen, 1874/75 2,150,000 St. P. Bei den Subhasta- tionen und exekutiven Verkäufen wird ein Prozentsaß der Verkaufs- summe. unter dem Namen „Trommelgebühr*“ erhoben und betrug 1874 2,100,000 St. P. Für das Recht der Wälderbenußung wurden 50,000 St. P. eingenommen.

Aus den Einnahmen* der Uprava Fondova, einer Art Boden- freditanstalt, flossin 1874 500,000 St. P. in die Staatskasse. Aus den Staatsgütecrn betrugen die Einkünfte in demselben Jahre 2,740,000 St. P., aus der Staatsdru>erei 400,000 St. P., aus einer Musterölonomie und den Staatsgestüten 50,000 St. P. Die Einnahmen aus den Posten und Telegraphen steigen alljährlih und betrugen aus den Posten 300,000 St. P.,, aus den Telegraphen 400,000 St. P. Ersparnisse verschiedener Behörden waren 650,000 St. P. Die Strafen betrugen 250,000 St. P.

Die nicht spezifizirten außerordentli<en (Finnahmen aus Erbschaften, Schulfoads und Unvorhergesehenem ergaben 3,110,000

St. P.

Was die Ausgaben betrifft, fo hat Serbien keine Staats\c{ulden zu verzinsen, es hat vielmehr ¿iuen Reservefonds, der sich 1873 auf 8,619,850 Fres. belief. Die Ausgaben vertheilen sich folgendermaßeu :

Dil a 0/204008 C V

Civilliste 0 4 1,200,000 ;

Tribut an die Pforte. . , , 1,176,255

Dem Patriarchen in Konst. . 9,0d0

Sétupschtina #1 =1I60/000

Stautsralh a Lr 7 42T.160

Pensionen «4,0864909

Kredit für außerordentl. Ausgaben 1,200,000

2) Kriegs-Ministerm .....,. , 10,346,836 St, P. 3) Ministerium des Innen... 6,724,708

4) Unterrichts-Ministerium 4,172,818

5) Justiz-Ministerium L... 3,994,010

6) Finanz-Ministerium 2,175,541

7) Ministerium für öffentlihe Bauten... 1,718,230

8) Ministerium des Aeußern ..., 1044892

| Zusammen . , 35,031,983 St. P. Da die Staatseinnahmen in demselben Jahre 35,035,000 St. P, ergeben hatten, so stellte sich demnach ein Uebershuß von 3017 Steuer-

Piastern heraus.

Die Fabrikindustrie des Regierungsbezirks Düsseldorf vom Standpunkte dee Gesundheitspflege.

(Vgl. Nr. 175 d. Bl.)

__ Eine besondere Fürsorge für invalide Fabrikarbeiter, d. h. solche, welche in Folge von Alter oder Krankheit arbeitsunfähig ge- worden, findet sich bis seßt nur auf einzelnen großen Etabiissements. Ein vollständiger Pensionsverein für Arbeiter-Invaliden besteht auf der Kruppshen Gußftahlfabrik zu Essen. In beschränkterem Um- fauge sind auch auf einigen anderen grozen Werken der metallurgischen Industrie die Grundlagen zu Pensionsvereinen dux< Stiftung von be- sonderen Fonds Seitens der Arbeitgeber gelegt worden. Ja einzelnen Jn- dustriestädten findet cine nicht unbedeutende Betheiligung der Arbeiter an Lebensversicherungen, theils mit, theils ohne Unterstüßung der Arbeit- geber statt, und in neuester Zeit beginnen die Invaliditäts- und Un- fallversiherungen Eingang zu gewinnen. Auf der Gußstahlfabrik zu Essen besteht seit dem Jahre 1867 ein Lebensyersicherungsverein im Anschluß an die Lebensversicherungsgesellshcft „Germania“, welcher gegenwärtig 891 Versicherungen mit einem Kapital von 719,700 abgeschlossen hat; 571 Bersicherungen beruhen auf Gegenseitigkeit beider Ehegatten, so daß die Zahl der Versicherten inklusive der Che- frauen 1322 beträgt. Während des ahtjährigen Bestehens sind dbe- reits an 125 Familien Kapitalien im Betrage von je 300—3000 ausgezahlt. Betreffs der Fürsorge resp. Schadloshaltung der Arbeiter bei Unfall, soweit die Arbeitgeber dur< das Haft. pflihtgeseß dazu verpflichtet sinv, findet das System der Versicherung bei den Unhnfallversicherungen mehr und mehr Eingang. Nach den amtlichen Ermittelungen betrug zwar die Zahl der im Bezirke befindlichen gewerblichen Anlagen, welhe ihre Arbeiter gegen die Haftpfliht varsihert hatten, nur 343 mit insgesammt 32,536 Arbeiter. Auf Grund authentisher Quellen, sagt Dr. Beyer, düfe aber wohl ergänend bemerkt werden, daß allein die Leipziger Unfall-Vecsicherung :u Anfang des Jahres 1875 bereits in 793 gewerblichen Anlagen 39,564 Arbeiter im hiesigen Bezirke ver- sichert hatte, währznd außerdem noch ses andere Unfall Versicherungen im Bezirke, wenngleich in geringerem Umfange thätig sind.

Mit der stark wachsenden Bevölkerung in den Jndustriebezirken bat die Vermehrung der Wohnungen im Allgemeinen gleichen Schritt gehalter, und während im Jahre 1865 im ganzen Bezirk auf ein Wohngebäude durhschnittlih 8,55 Bewohner gezählt wurden, ent- fielen im Jahre 1872 troß des ‘schnellen und starken Wachsthums der Bevölkerung in den Industriebezirken do<h nur 8,82 Bewohner auf ein Wohngebäude. Bei dem in dem größten Theil des Regie- rungsbezirkes üblichen Massivbau und dem guten Baumaterial können die Wohnungen auch der arbeitenden Klassen als gute und gesunde bezeichnet werden. Von wesentlihem Einfluß hierauf dürften D die von der Königlichen Regierung gegebenen Anordnungen, owie die für die fleineren Städte und das platie Land erlassenen baupolizeihen Vorschriften, in wel<hen der ge- sundheitlihen Rü>sichten besondere Fürsorge zu Theil geworden, er- weisen. Die große Masse der Arbeiter wohnt in gemietheten Woh- nungen; in den ländlichen Gegenden jedo< nur namentli<h da, wo die Hüttenindustrie vorherrst, findet man in bemerkenswerther Zahl auch Arbeiter, welche eigene Wohnungen besißen. Ein eigentlicher Woh- uungsömangel für die Arbeiter besteht im Allgemeinen nicht, und so findet man au Seitens der Arbeitgeber verhältnißmäßig wenig für die Errichtung von Arbeiterwohnungen gethan. Alle von den Eta- Elissements erri<hteten Wohnungen sind ftets nur Miethswohnungen, welche der Arbeiter nur, während er in Dienften des Etablissements steht, zu benußen vermag, und in welchen er somit eine dauernde Heimath für sich und die Seinigen zu gründen nicht im Stande ist. An und für sich hat deshalb die Errichtung von Arbeiterwohnungen Seitens der einzelnen Etablissements no<h keineswegs die Bedeutung von Wohlfahrtseinrihtungen. Den Charakter einer Wohl- fahrtseinrihtung verdient die Errichtung nur da, wo nicht blos dem Zwe> genügt wird, sondern wo darüber hinaus mit wirklicher Fürsorge der Wohnlikeit , G:sundheit u. dgl. Rechnung getragen is. Jun letzterer Beziehung hat der Bezirk manche e Beispiele aufzuweisen und die in erster Reihe Îte- hendeu Arbeiterkolonien der Gußstahlfabrik von Fr. Krupp zu Essen dürften sowohl hinsichtlih der Großartigkeit, wie hinsicht- lih der im Einzelnen bethätigten Fürsorge schwerli< ihres Gleichen haben. Die Gußstahlfabrik besißt in 1ünf Kolonien gegenwärtig 3277 Familienwohnungen mit einer Bevölkerung von 16,200 Seelen und hat außerdem für die Unterkunft von 2—3000 unverhei- ratheten Arbeitern Sorge getragen. 728 HFamilienwohnungen besißen ein größeres oder kleineres Gärten. Eine der neuesten Zeit an- gehörige, etwa 2—300 Wohnungen umfassende, mit besonderer Für-

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forge errichtete Arbeiterkolonie besißt die Lokomotivfabrik Hohenzollern am Grafenberg bei Düsseldorf, während außerdem noch mehrere andere größere Fab:ifen, namentli<h in den Kreisen Essen und Düsseldorf, Arbeiterko:outen bisißen, w-lce sih darch Zwe>- mäßigkeit und besonders fürsorglihe Einrichtungen auszeichnen. Alle besseren Kolonien haben das Prinzip dec getrennten Wohnungen streng durchgeführt und da, wo die lokalen Verhältnisse es gestatten, wird stets den Wohnungen etwas Garten oder Ader heigegeben. Uebrigens lehrt die Erfahrung, daß die Arbeit- nehmer keineswegs überall gern derartige geschlossene Kolonien be- wohnen und vielfach andere Miethwohnungen, äu< wenn dieselben die Vortheile der Kolonien nicht bieten, vorziehen. Eine bedeutsame Erscheinung für die Wohnungsfrage der arbeitenden Klafsen bilden die im Bezirke bestehenden gemeinnüßigen Baugefellschaften, deren fich bis jeyt zehn in aht Industriestädten gebildet und wel<e troß ver- hältnißmäßig kurzer Wirksamkeit bereits beachtenswerthe Resultate zu verzeichnen haben. '

Unter den im Bezirke vorhandenen Einrichtungen, welche die Beschaffung preiswürdiger, gesunder und unverfälsc- ter Lebensbedürfnisse für Arbäiter vermitteln, steht an Großartigkeit, wie an Trefflihkeit der Orgagisation die Kon-

sum- Anstalt der Kruppshen Gußstahlfabrik in Essen

obenan. Dieselbe bietet in einem großen Bazar und zahlreichen kleinen Verkaufsstellen den sämmtlichen Angehörigen des Etablissements in reichec Auswahl die vershiedenartigen Nahrungêmittel und Lebens- bedürfnisse zum Selbstkostenpreise gegen Baarzahlung, Mit dieser Konsumanstalt ist eine große, nah Wichhorstschem System einge- richtete Bä>kerei verbunden, welcher jeit etwa Jahresfrist eine Vereins- \<läc<terei anges<lossen ist, in welcher alles Vich vor und nah dem Schlachten auf jeinen Gesundheitszustand genau untersucht wird. Der jährliche Umschlag der Konsumanstalt bez fert sich über 3,000,000 4 Via der Gußstahlfabrik besißt no< eine niht erhebliche Zahl größerer Fabriken ähnlich organisirte Konsumanstalten.

Land- und Forstwirthschaft.

Aus Coblenz schreibt man vom 23, Juli: Jn unserer Nachbarschaft hat man allenthalben mit dem Schnitte des Roggens begonnen; nach dem Urtheile der Landleute ift eine ziemlich gute Ernte zu erwarten. Auch der Weizen, welcher seiner Reife entgegengeht, verspricht einen befriedigenden Ertrag. Gerste steht {öu und Hafer, welcher in Folge der Trockenheit zurü>kgeblieben war, hat fich dur< den befruchtenden Regen sichtlich erholt, so daß auch diese Frucht nichts zu wünschen übrig läßt. Futtergewähse stehen allenthalben gut. Frühkartoffeln liefern einen ziemli< guten Erträg, und berechtigen die späten zu den \{<önsten Hoffnungen. Der Segen de: Obstbäume aller Art wird ein reichliher werden. Ein glei<h günstiges Resultat können wir von unseren Weinbergen melden; die Beeren entwi>eln sich rash und haben bereits die Di>ke einer Erbse erreiht. Tritt kein stôrendes Ereigniß ein, so haben wir sowohl in quantitativer als qualitativer Hinsicht einen vollen Herbst zu erwarten.

Nach einem längeren Artikel der „K. Z.*, auf den zurü>zu- kommen wir uns vorbehalten, find die Ernteaussichten für die ganze Rheinprovinz als recht günstig zu bezeichnen. Für die meisten Kultur- pflanzen gestalten sich die Aussichten befriedigender als in den leßten drei Jahren.

Der „Rh. Cour.“ enthält folgenden Getreide- beri<t von auswärtigen Handelspläßen: In deu Berichten von auswärts steigern sich die Lobeserhebungen Über die Ernte-Ausfichten mit jeder Woche mehr, und namentlich re<huet man allgemein auf eine re<t gute Qualität. Obgleich dieje Nachrichten sehr erfreulich sind, so scheinen sie mitunt:r do etwas überschwärg- lich gehalten zu sein und sind deshalb vorerst no< mit Vo1stht auf- zunehmen. Im Getreidegeshäft hat sih im großen Ganzen wenig verändert; der Verkehr blieb meistens sehr beschränkt, und nur an einzelnen Plätzen stellte fih eine lebhaftere Bedarfsfrage ein, welche dann auch die Haltung vorübergehend etwas befestigte. Nachdem die eigenen Erzeugnisse der vorjährigen Ernte in den meisten Ländern Europas aufgezehrt sind, so wäre man eigentlich genöthiät, die neue Ernte sofort in Angriff zu nehmen, wodur ein erhebliher Rü>kganz der Preise nicht ftattfinden würde, da aber die fremden Zufuhren ¡elbst bei billigen Preisen anzuhalten seinen, wird wohl ein närfkerer Dru> auf dieselben nicht ausbleiben können. Jn Eugland waren die Ankäufe von fremdem Getreide in voriger Woche wieder sehr bedeu- tend, und dieselben konnten uur bei großer Nachziebigkeit von Seiten der Verkäufer angebracht werden. Auch an den französischen Märkten herrschte bei weihenden Coursen. eine matte Tendenz.

: Gewerbe und Sandel. ; Nürnberg, 26. Juli. Das Kultus-Ministerium hat dem „Bayerischen Gewerbe - Museum* eine Subvention - von 1780 A zu dem von dessen Kustos, Hrn. Dr. Sto>bauer, in Ge- meinschaft mit Hun, Profe] or Otto in München bcarbeititen Werke: „Die antiken Thongefäße in ihrer Bedeutung für die moderne Gefäßindustrie“ gewährt, Das Ministerium wird eine Auzahl Exemplare des Werks an die technishen Schulen Bayerns vertheilen.

Die „New-Yorker Handelszeitung“ eöfnet ihren vom 14. Juli datirten Wochenbericht mit der Bemerkung, daß das Geschäft noch immer darniederliegt und fügt, um diese Bemerkung als that- sächlich zu kennzeichnen, folgende Daten hinzu. Es betrug in New- York während des am 30, Juni beendeten Fiskaljahres der Import (exkl. Kontanten) 298,000,000 Doll. Gold gegen 356,000,000 Doll. in 1875 und 378,000,000 Doll. in 1874; der Export (gleich- falls exkl, Kontanten) betrug 258,000,000 Doll. Currency gegen 262,000,000 Doll. in 1875 und 304,600,000 Doll. in 1874, so daß die Handelsbew-gung New-Yorks in diesen beiden Bran- <en allein um ca. 62,000,000 Doll. gegen das Vorjahr abgenommea hat. Andere Branchen haben nicht minder gelitten; der Werth von Grundeigenthum ist no< immer im Fallen begriffen. Jm Gel d- stand ist während dieser Berichtswoche keine Veränderung einge» treten ; das Angebot fusiger Fonds blieb nah wie vor avundant. Durchschnittsraten für call loaus gegen Depot gemischter Sekuritäten stellten sih auf 2—3%/6, gegen Hinterlegung von Bundeéobligationen auf 14—2%/. Der Goldmarkt schlug in diejer Berichts- woche abermals eine weihende Richtung ein; der Eröffnungs cours am vergangenen Sonnabend, 12, war zugleih der hochste der Woche, intem das Agio graduell bis 118 wi, um heute zu 114 zu \<hließen. Für gekündigte Bonds zahlte das Schaßamt 198,000 Doll. aus, für fällige Zinsen 2,211,000 Doll. Im Loan-Markt stellten fich die Durhschnittsraten für den Verfa von Gold gegen das Aequivalent in Papiergeld von flat bis 1/. Während am Waaren- und Produktenmarkt das Expoutge- {äft im Allgemeinen einen lebhaften Charaker trug, war unter dem Einfluß der anhaltend intensiven Hiße in den meisten Jmportartikeln das Geschäft ein sehr stilles. Der Waaren- und Produktens Import während der am 8. Juli beendeten Woche repräsentict einen Gesammtwerth von 2,538,262 Doll. gegen 3,486,548 Doll. in der Vor- woche, eine Abnahme von 948,286 Doll. ergebend. Fremde Webstoffe yartizipiren am Gesammtwerth des leßtwöchentlichhen Jmports mit

( 595,934 Doll. resp. mit 206,180 Doll. weniger als in der Vorwoche,

während der Import diverser Produkte und Waaren um 742,106 Doll. geringer war. Am Waareu- und Produfkften-Expori wäh- rend der am 11. Juli beendeten Woche, dessen Gesammtwerth eine Zunahme von 3,186,871 Doll. gegen die Vorwoche aufweist, partizi-

pixrt Baumwolle mit 11,501 Ballen.

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