1876 / 189 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

es daher keinen Zweifel, daß auch er die Offensive ergreifen und dur das Ibar-Thal nah der oberen Morawa in Serbien ein- dringen wird.

Vom Ufer des Marmora-Meeres wird dem „Nowor., Tel. über das Erscheinen und Treiben von Piraten gemeldet. So sei dieser Tage ein Küstenfahrer von ihnen überfallen und geplündert und die ganze Mannschaft von 6 Personen nieder- gemegzelt worden. Nur der Bootsjunge, ein kleiner Bursche, wurde noch lebend géfunden. Nach \sciner Aussage wären die Piraten Türken gewesen. Das pasfirte vor den Küsten des Dorfes Panderma. Ein anderes Fahrzeug, welhes {hon vor acht Tagen von dem leßtgenannten Orte abgegangen war, if \purlos verschwundea. Das Marien-Kloster in Kalolimopos ift ausgeplündert worden. Auch von anderen Raubanfällen und Mordthaten, namentlich in der Nähe der Halbinsel Kisikos, wird erzählt. i

Aus Albanien wird dem „Wiener Fremdenblatt“ ge- schrieben: „In Skutari treffen wohl einige Verftärkungen, bestehend aus Redif-Bataillonen, von Kreta und Anatolien ein. Immerhin ift dieser Truppenzuwahs ein viel zu geringer, um dem General-Gouv-rneur Ahmed Hamdi Pascha zu gestat- ten, die beabsichtigte Offensive gegen Montenegro zu er- greifen. Hamdi Pascha weilt jezt fortwährend in Podgorigta, von wo aus er seine Unterhandlungen mit den verschiedenen Bergstämmen wegen Sukkur. leistungen fortsezt. Namentlich ziehen fich die Verhandlungen mit den M iriditen sehr in die Länge, Letztere wären im Stande, den Türken 12,000 \treitbare Männer beizuftellen, fie wollen aber nur von 1000 Mann wissen, und dies auch nur dann, wenn das Versprehen Hamdi Paschas bezüglich der Rückehr ihres legitimen Häuptlings, des Prenk-Bib- Doda, erfüllt sein wird. Erst vor einigen Tagen \prahch der Miriditen-Pfarrer von Karivaria, Don Primus Doci, bei Hamdi Pascha vor, um ihn wegen des Eintreffens des Prenk zu inter- pelliren. Hamdi versprah ihm, daß Letzterer in der Zeit zwi- {hen dem 25. und 30. Juli mit einem türkishen Kriegsdampfer eintreffen werde. Selbst jedoh, wenn letzteres zur Thatsache werden sollte, bleibt es noch immer fraglih, ob die Miriditen ihr Kontingent den Türken gegen Montenegro zur Verfügung stellen werden. Andererseits legt Hamdi Paschi das größte Gewicht auf die miriditishe Kooperation, weil sich nach ihr au das Verhalten der anderen friegerischen Bergstämme von Dukadiin, Matia, Dibria, Buka, Ibalia, Ksela und Zupa di Alessio rihten wird. Ziehen die Miriditen nicht gegen Montenegro, so bleiben auch die genannten Stämme zu Hause. Wenn ihr Fürst eintrifft, so wird Alles von ihm avbängen. Befiehlt er, / daß die Miriditen mit den Türken gehen sollen, so werden tausend Mann Hamdi Pascha zur Ver- fügung gestellt werden. Sicher ift jedoch das Eine, daß sie nur sehr ungern gegen Montenegro kämpfen würden. Sie trauen den Türken nicht und beschuldigen fie, gegen die Bergstämme, welche bisher ihnen zur Seite gestanden sind, undankbar zu han- deln, indem sie fie hungern ließen und ihnen höhftens verdor- benes Brod gäben. In Durazzo, Cavaja, Craja und Tirana find gegen 1300 Mann Freiwillige, zumeist Moha- medaner, angewoiben worden, welhe in Skutari eingerüdt sind und in einigen Tagen nah Podgoriza zur Armee abgehen.“

Tunis, 31. Juli, Der leitende Minister des Bey, Chai- reddin Pascha, hat gestern alle hier anwesenden Beamten und Würdenträger zusammenberufen, um ihnen eine warme Bethei- ligung an den Sammlungen zu empfehlen, welche die Re- gierung hier zum Besten des türkischen Staats\chaßtzes veranftaltet hat. Es fei die Pflicht jedes rechtgläubigen Musel-

manns, hob Chaireddin Pascha hervor, dem bedrängten Nach- folger des Khalifen beizustehen. Dieser Aufruf hat in Tunis eine günstige Aufnahme gefunden ; der Bey selbst hat die Sub- \rikption mit einem Beitrag von 25,000 Fr. eröffnet.

Numänien. Bukareß, 6. August. (Allg. Ztg.) Der Empfang des n euen Kabinets in der Deputirtenkammer war ein sehr warmer, und insbesondere wurde der Minifter des Aeußern, Nicolas Jonescu, der zum erstenmal einen Plaßz auf der Ministerbank einnimmt, mit lebhaftem Beifall begrüßt. Nach- dem der Minister-Präfident das fürsilihe Ernennungsdekret ver- lesen, hob er hervor, daß das jeßige Kabinet ebenso wie das frühere aus der nationalliberalen Partei hervorgegangen, deshalb auch im Allgemeinen dasselbe Programm verfolgen werde. Nichtsdestoweniger werde er in der nähsten Sißung das Spe- zialprogrammn der neuen Regierung entwickeln. Dem gewesenen Minister-Präfidenten Coftaki Jepureano wurde von der Kammer, die ihn durch fortgesezte Angriffe zum Rücktritt veranlaßt, noh ein warmer Abschied und eine gewisse Anerkennung zu Theil. Hr. Fleva sprach Hrn. Jepureano die Erkenntlichkeit und Dank- barkeit der Kammer aus, weil er dem Lande seinen mächtigen Beistand geleistet, um freie Wahlen zu haben und seine theuersten Rechte zurück zu gewinnen. Hr. Iepureano nahm die sehr leb- hafte Manifestation der Kammer gut auf, indem er mit Bedeu- tung hinzufügte: er habe nur den einen Wunsch, daß die kon- stitutionellen Garantien aufrecht erhalten werden mögen, ohne welche ein freier konftitutioneller Stzat niht denkbar sei. Hierauf verlangte der Minister-Präfident Bratiano das Wort und sagte: „Die ehrenwerthe Kammer und der ehrenwerthe Hr. Monolaki Coftaki können sicher sein, daß wir die konstitutionellen Rechte und Garantien aufrecht erhalten werden, und daß wir nur des- halb auf der Viinifterbank Play genommen haben, um dem Lande diese Freiheiten zu geben und zu sichern.“ WMonola«ki Cosftaki antwortete: „Ihr übernehmt es, die Berbindlichkeiten zu lösen, zu welchen die liberale Partei fich damals verpflichtet hat, als wir den Kampf mit der früheren Regierung aufnahmen.“

11. August. (W. T. B.) Der Senat, der erst jeßt beschlußfähig geworden ist, hat Bosianu zum Bize-Präsi- denten gewählt. Derselbe hat die Regierung zu allen noth- wendigen Reduzirungen in der Verwaltung ermähtigt. In der Deputirtenkammer wurde cine Vorlage einge- bracht, betreffend einen Gehalts8abzug von 15 Prozent bei allen noch fungirenden, fsowie pensionirten Beamten; eine spätere Zurücknahme dieser Maßregel wird vorbehalten. Die Kammer genehmigte einen Gesegentwurf über die Erhöhung der Post- und Telegraphentaxen.

Nufßland und Polen. St. Petersburg, 10. August, Am 12. August werden die dänischen und griechischen Majestäten nah Moskau fahren, um daselbst den 13. und 14. zu verweilen. Am 15. August treffen Ihre Majestäten wieder hier ein und beabsihtigen an diesem Tage das Sergej-Klofter zu besuhen. Am 16. A Morgens früh begeben fich die Hohen Herrschaften nah Zarskoje-S\elo, woselbst sie bis zum 18, August inkl. verbleiben, eventuell werden sie den Manövern in Kraf\noje- Ss\elo beiwohnen. Am 19. August erfolgt die Abreise nach Bornholm. Morgen soll ein Vall in Peterhof stattfinden.

Ueber den angeblichen Aufstand im Kaukasus war dem „Tisfliskij Westnik“ folgendes Telegramm von der „Agence Havas“ zugegangen: „Paris, 20. Juli (1. August). Alle Blätter bestätigen den Ausbruch eines Aufstandes im Kaukasus. Wenn diese Nachricht fals, widerlegen Sie telegraphisch“.

Die Antwort des „„Tisliskij Westnik* laute‘e: „Weder im

Kaukasus noch in Transkaukasien hat ein Aufstand stattgefunden. In Mingrelien weigerten sih die Bauern von 8 Dörfern, unzufrieden mit den zwishen ihnen und ihren früheren Grundherren bestehenden Verhältnissen, den vierten Theil ihrer Ernte abzugeben, wozu sie nah dem Gesetze ver- pflichtet sind. Die Obrigkeit ordnete die Verhaftung einiger Bauern an, was die übrigen jedoch nit zuließen. Da wurden drei oder vier Salven abgegeben. Die Bauern liefen, sobald sie cinige der Jhrigen fallen sahen, sofort auseinander. Diese Be. wegung hatte also nicht die geringste politische Bedeutung und war auch nur eine rein lokale.“

Amerika. Venezuela. (A. A. C.) Das amtliche Organ in Caracas vom 6. Juli enthält cin Dekret der Re- gierung, welches der Firma Jeroehl & Co. das Privilegium ertheilt, in der Pariser Münze 240,000 Doll. Silbermünzen ausprägen zu lassen und \solche vermittelst der BA von Laguayra und Puerto Cabello einzuführen; au \oll die Aus: münzung in Venezuela selbst fortgesezt werden, dagegen aber die Einfuhr fremder Silbermünzen bei Strafe der Konfiskation ver- boten sein. Diese Verordnung tritt in Kraft: für Europa nah 60 Tagen, für die Vereinigten Staaten nah 40 Tagen und für die westindishen Inseln nah 15 Tagen.

Chile. Nah aus Valparaiso vom 6. v. Mkts. cin: gegangenen Nachrihten is Pinto am 25. Juni zum Präsi- denten von Chile gewäht worden.

Nationaldankfk.

Der Hotelbesizer Adolf Mühling in Berlin hat im Jahre 1861 aus Veranlassung der damaligen glücklichén Errettung Sr. Majestät des Kaisers und Königs bei dem Attentat auf Allerhöchstderen Person am 14. Juli des genannten Jahres im Anschlusse an den Nationaldank für Veteranen eine Spezial Stiftung zum Besten \{hulpflihtiger Kinder hülfsbedürftiger Unteroffiziere des Heeres mit der Bestimmung errichtet, daß die Revenüen alljährlih am 14. Juli zur Berwendung gelangen, Nachdem in den Jahren 1862 bis 1875 die Revenüen dieser Stiftung der Reihe nah in den Bezirken der preußischen Armee- Corps vertheilt worden find, ist im Jahre 1876 die Summe von 250 M an fleißige hulpflihtige Kinder von Unteroffizieren is R Bereiche des 111, Armee - Corps zur Vertheilung gelangt.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Darmstadt, s. Angust. Ein am Sonnabend kurz nah 2 Uhr verspürter heftiger Erdstoß wurde auch im ganzen Reichen- bacher Thale beobachtet und scheint wiederum den Felsbe:g als Aus- gangépunkt gehabt zu haben,

Wie die indisden Blätter berichten, wurde am 17. Juli, an welchem Tage in Wien das Erdbeben beobachtet wurde, ein solches auch in Indien und zwar zu Simlah, am Fußz des Hima- laya, und zu Muffsurieh wahrgenommen.

Verkehrs-Anstalten.

Rom, 8. August. Die feierlihe Einweihung der Eisen- bahn von Ciriè nach Lanzo hat am 6. d. M. stattgefunden. Derselben wohnte der Minister der öffentlihen Arbeiten Zanardelli als Vertreter Sr. Majetät des Königs, der Minister-Präsident De- pretis un5 der Minister des Janern Nicotera, Vertreter des Senats und der Deputirtenkammer , die Pcäfekten und Bürgermeister von Turin und Alessandria, der Direktor der Oberitaliengischen Eijenbahn und ein fehr zahßlreihes Publikum bei.

Berlin, den 12. August 1876.

Stettin, 8. August. (Stett. Ztg.) Am 31. v. Mts. wurden in der Stuhniß, nahe de: Oberförsterei Werder, } Meile von dem Secbad Saßnitz, drei Hünengräber auf Veranlassung des Königlichen Obecförsters unter Leitung des Amtsraths Struckmann aus Hannover und unter Assistenz des Stadtrathes Friedel, Dirigenten des märki- \chcn Museums der Stadt Berlin, geöffnet. Der mitt!ere dec drei flachen (nit glockenfö:migen) Hügel, obwohl mit cinem wohlerhalte- nen dreifaen Ste:nkranz umgeben, zeigte sich, wahrscheinli von oben her bereits auegenommen, wenn er anders nicht ein bloßer Malhügel zum Andenken eines in der Ferne gestorbenen Krie- gers war. Aus dem Hügel nahe der Sandgrube der Oberförfterei wurde ein granitenex Mahltrog gewonnen, wie dieselben vor der Ein- fübrung der Mühlfeine gebrauht wurden. Der dritte Hügel lieferte das interessanteste Resultat. Er wurde kunstgcrecht quer in der Mitte durchgescacuWtet und zeigte ungefähr im Mittelpunkt eine aus rohen, etwa 25 bis 60 Pfund {weren Steinen ohne Verband aufgefübrte Pyramide, unter welcher nichts gefunden wurde. Dagegen zeigte si nordweftlich von diesemSteinhaufen cin kieiner bohler, mit fleineceuSteinen auégeseßter Raum, unten muldenförmig, oben überwölbt. In der Mulde fanden sich die in fich zufammengefallenen Reste eincs grazilen Skeletts und darüber ein hohes Stirnblech (Diadem), eine bronzcne Haarnadel mit sehr schwerem Knopf, sowie ein Armband für ein {chmächtiges Gelenk, alle Gezenftände aus Brenze und schr stark mit Rost überzogen. Das Stirnband if haltmondförmig und mit dieser Form parallel gehenden Streifen vezziert. Es lag mit der geschlossenen Seite nah Südosten. Es handelt sich nah dem ganzen Befunde um die Leiche eines höchst wahrscheinlich vornebmen jungen Mädchens, das in kauernder Stellung mit dem Gesicht nah Osten bestattet worden. Der Leichnam war uuverbrannt, wie die s{chwarze fettige Verwesungs- N E der Mulde und der Befund dec nicht kalzinirten Knochen nachwies.

Sondershauscn, 8. August. Das hier errihtete Denkmal für die im Feldzuge 1870—71 Gefallenen aus der Fürstlichen Unterherrshaft wird am 13. d. Mts. feierli enthüllt werden.

Lor, 7. Juli. Gestern wurde unter allseitiger Betheiligung der ganzen hiesigen Bürgerschaft, des katholischen Gesellenvereins, der freiwilligen F uerwehr, sowie der benachbarten Kriegervereine das Kriegerdenkmal enthüllt.

Am 3. August wurde auf dem Medina-Pla in Neapel das dort errichtete Mercadante-Denkmal enthüllt s

Das eGeological Magazine“ enthält eine Karte der Insel Berg auv, die, wie es heißt, von einer alten Karte im Besitz des Gouverneurs von Helgoland kopirt worden is. Dieselbe giebt durch drei verschiedene Schattirungen die Größe der Insel zu drei

erioden an. In A, D, 800 hatte sie 120 Meilen im Umfange; in

- D. 1300 noch 45 Meilen und in 1649 nur 4 Meilen. Seitdem hat sie sich im Flächenraum auf weniger als eine Drittelmeile verrin- gert. Die Verminderung der Insel if fast ausscließlich in einer Richtung hin vor si gegangeu, indem die See 30 Meilen an der Nord- ostseite und nur eine Meile an der Südwestseite eingedrungen ist.

Der „Daily Telegraph* veröffentlicht - naG dem ersten langea Berichte Stanley's in der heute eingetrcffffenen Aae vom 10. August den zweiten, der sechs Spalten füllt. Er enthält als Hauptabschuitte die Bestrafung der Eingeborenen von Bambireh, den Marsch nah dem Albert Niyanza und den Berg Gambaragara und seine weiße Bevölkerung. Die leßte der Depeschen wird in dem dritten Theile der Stanley'shen Berichte nächsten Montag erscheinen. Sie ift datirt vom 24. April 1876 und ward von sinem arabischen

Handelsmanne, der nah Unyamyemi ging, überbracht. Vermuthlich ist Staulcy Mitte des leßten Juni-Monates in Usjiji angekommen, wo er Briefe und Zeitungen aus Europa, darunter auch den B:richt von Camerons Reise, findet.

Die am Kattegat belegene shwedishe Stadt Strömstad hat dasselbe Schicksal wie vor Kurzem die Stadt Söderhamn ereilt. Die „Göteborgs Handel- och Sjöfarts-Tidn.* vom 8. August berichtet hier- über Folgendes: „Einem heute eingegangenen Telegramm zufolge hat in der Nacht eine verheerende Feuersbrunst Strömst-d heimge- sucht , jedo ist kein Menschenleben verloren gegangen, Der Bürgermeister der Stadt sandte heute 6 Uhr Morgens der biefigen Landeshauptmannschaft folgendes Telegramm: „Feuer um Mitternacht, welches zwei Drittheile der Stadt einäscherte. Lebens- mittel find mit dem Dampfschiffe „Albert Ehrensvärd“, welches heute Abend nach hier abgeht, erforderlich. Die Bank und das Archiv ge- rettet." Heute Vormittag erhielt die Redaktion folgendes Telegramm : „Sirömsftad ist zu Zweidrittel niedergebrannt; das Feuer, welchcs um 7 Nhr foridauerte, begann gestern Abend um 11 Uhr. Kein Men- \cenleben verloren.“ Schließlich hat die Redaktion über Lysekil fol- gendes Telegramm erhalten: „Die Stadt is westlich vom Markte bis zum Hafen niedergebrannt, mit Ausnahme des Rathhauses.“

Aus Bayreuth meldet die „B. autogr. Korr." unter dem 10. August, daß die dritte Aufführung des Festspiels bcstimmt stottfinden werde und zu terselben {hon eine sehr große Anzahl von Patrona!sscheinen (weit über die Hälfte) vergeben sei.

Theater.

Frl. Sophie König seßt ihr Gastspiel am Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater am Sonntag mit 5 ES: in dem Straußshen „Cagliostro“ fort. Es ist dieses die 49. Aufführung der melodiereichen Operette, welhe am 18, September vorigen Jahres zum ersten Male «auf dieser Bühne in Scene ging und nunmehr am nächsten Montag bereits die 50. Vorstellung da- selbst erlebt. In der Sonntags-Aufführung wird Hr. Swoboda, am Montag Hr. Küstner die Partie des „Fodor" spielen.

Das 3 Gartenfeft, das am Freitag im Krollscchen Etablissement stattfand, hatte die in vollem Glanze strahlenden Räumlichkeiten defselben mit einer großen Zahl Gäste gefüllt, die theils im festlich erleuhteten Garten unter den Klängen dreier Ka- pellen promenirten, theils fich im Saale den theatralischen Genüssen hingaben. Erst mit Schluß des Konzerts, nah 11 Uhr, leerten fich allmählich der Garten und die Kolonnaden,

Belle-Alliance-Theater. Die Tyroler National-Sänger- Gesellshaft Hans Lechner übt dort noch immer eine solche Anziehungs kraft, daß der prachtvolle Garten abendlich fast überfüllt ift. Im Laufe dieser Woche soll A. Lindners Schauspiel : „Der Hund des Aubry* in Scene gehen,

Vereins-Kalender. 1876.

12.—16. August. Generalversammlung deutscher Müller un Mühlen-Juteressenten in Nürnberg. id s 19.— 30. August. Kongreß der Sozial-Demokraten in Gotha.

20. 24. August. Delegirten-Versammlung des Norddeutschen FARgtwer Le Vereins in Kiel. .—21, August. Journaliftentag in Wiesbaden. 28.—30. August. XVI1. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure in Berlin. . 28.—30. August. Der XIII,. deutsche Juriftentag in Salzburg. 1.—7. September. Juternationaler statistisher Kongreß in Pest. * 3,—7. September. Wanderversammlung des Verbandes deut- scher Architekten- und Jugenieuzvereine in Müncheu.

5.—7. September. 18. Kongreß für innere Mission in Dan ig. P S September, Gewerbetag der Provinz Broubwtte, in otsdam. 11. September. Kongreß zur Berathung über die Civili Afrikas in Brüssel. ans Esens 12.—14. September. Hauptversammlung des Gustav Adolf- MEUE n Su, h 17,—24 September. 49, Versammlung deuls{her Naturfors und S in Ls, | G Y “aiser 29, September, Kongreß für Reform und Kodi fikation d Völkerrechts in Bremen, s ERES O 25.--28. September, 17. Kongreß deutscher Volkêwirthe in E A tember bis 4. Oktob . September bis 4. Oktober. Internationaler Kongreß für Gesundheitspflege und Rettungswesen in Brüssel. Be 1 G t lag September Generalversammlung des Pestalozzi-Vereirs in erlin. Im September Lehr- und Lernmittel-Aus stellung in Yiagdeburg.

Bäder-Statistik. Baden bis T-Alt E P O Bonum io S C O8 Gharlottenbritiin bio 7 Aug 866 GolPerg VIS Li A e Az 8078 Qua ViS O U E C C A R 2400 QUIAWA Dis e Ut e R B07 GUFDAen D D G T Al

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reienwalde a. O. bis 26. Juli (ein\{l. d i 6/2 097 Kissingen bis 4. Auguffft Î U der MUO L 700 Me P O U a con E e 25/020 Landeck bis 7. Auguft (ecins{l. der Durchreisenden) . . , . 3620

Langenau bis 7. August. ; S 00 Cindenfels bis 21, M l h E R H et E ippspringe (Arminiutquelle) bis 28. Juli L 1750 B M E a a O N E S S E E OBB VANAIE De O U E NLGUNORR DiS Dle E i G R er aw 45% 000 Menlauler: 015 0 At o C L L 80 VLEUltbren- 019. G: M e i E e E 00D SGeRDONT E S G S 200 MLONDEtNeY Vi 31 U G V Qa E S CeOgOT O A A Dans D U C L Dao Polzin is L, Ul o F ib an L Eda a E40 M D n A000 PIOIDEN Ee S DL S C 2 1808 Rügenwalde 10:9 ult E 7486

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ÆTOVEIMIIUDE UIS De U L R über 700 Wene ditdE O A Wiesbaden bis 5. August (einschl. der durchgereisten Fremden) .… 40885

Redacteur ! F. Prehm. Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W, Elsner. Vier Beilagen (einshließlich Börsen-Beilaze).

Berlin:

Erste Beilage

zum Deulschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

4 189.

Berlin, Sonnabend, den 12. August

176. -

Personal-Veränderungen.

Königlich Preußische Armee,

Offiziere, Portepee-Fähnriche 2c. Ernennungen, Be- fôrderungen und Verseßungern. Im aktiven Heere. Wildbad Gastein, 28. Juli. Amelung, Maj. vom Gren. Regt. Nr. 1, als Bat. Commdr. in das Gren. Regt. Nr. 3 verseßt. v. d. Heyde, Hauptm. und Comp. Chef von demselben Reat., zum Major, v. Scharfenort I., Pr. Lt. von dems. Regt., zum Hauptm. und Comp. Chef, v. d. Trenck, Sec. Lt. von dems. Regt., zum Pr. Lt, Schmidt, Sec. Lt, von dems. Regt. unter vorläufiger Be- lassung in dem Kommdo. als Adjut. der 1. Inf Brig., u. Sakowski, NVrx. Lr. vom Füs. Regt. Nr. 86, unter vorläufi-er Belassung in dem Kommdo. als Adjt. der 8. Inf. Brig., zu überzähl. Hauptleuten

befördert. Wild bad Gastein, 3. August v. Loos, Oberst

und Commdr. des Inf. Regts. Nr. 93, unter Stellung à la suite diescs Regts., mit dec Füh1ung der 37, Juf. Brig. beaufiragt. von Ditfurth, Oberst und Commdr. des Kadcttenhauses zu Berlin, zum Commdr. des Inf. Regts. Nr. 93, Lust, Ob. Lt. und Kommdr. des Kadettenhauses zu Oranienstein, zum Commdr. des Kadetten- hauses zu Berlin, v. Schüß, Ob. Lt. vom Füs. Regt. Nr. 35, zum Commdr. des Kadettenhauses in Oranicnstein ernannt. v. Saß- JFaworski, Hauptm. und Cocmp. Chef im Füs. Regt. Nr. 35, zum Majoc, v. Kameke I, Premier-Lieutenant von demselben Re- giinent, zum Hauptmann und Compagnie - Chef befördert. v. Mauderode, Pr. Lt. vom Füs. Regt. Nr. 34, unter Belassung in d m Kommando bei der Militär-Schießscbule, ia das Füs. Regt. Nr. 35, Krüger, Sec. Lt. vom Füs. Regt. Nr. 85, unter Beförde- rung zum Pr Lt,, in das Füs. Regt. Nr. 34 verseßt. y

Durch Verfügung des Kciegs-Ministeriums. Den 31. Juli. Bischof, Pr. Lt. à la suite des Fuß-Art. Rests. Nr. 3, Simon, Sec. Lt, à la suite des Fuß-Art, Regts. Nr. 15, Direktions-Vssistenten bei den technischen Instituten der Art., dem Feuerwerfs-Laboratorium bez. der Art. Werkstatt in Straßburg überwiesen, ;

Abschiedsbewiiligungen. Im aktiven Heere. Wil d- bad Gaitein, 28. Juli. v. Klißiug, aj. vom Gren. Regt. Nr. 3, mit Pens. der Abschied - bewilligt. Kipping, Oberst-Lt, a. D., zuleßt Maj. im Feld-Art. Regt. Nr. 20, mit seiner Pen). und der Erlaubniß zum ferneren Tragen der Unif. des gedachten Regts. mit den bestimmungsm. Abzeichen zur Disp. gestellt. Rickmann, Sec. Lt. a. D., zuleßt im Garde-Fuß- Art. Regt., und Schendel v. Pel- kowsky, Secc. Lt. a. D., zuleßt von der Res. des Kür. Regts. Nr. 2, die Autsiht auf Anst.llung im Civildienst verliehen. Wildbad Gastein, 3. August. v. Hagen, Gen Maj. und Commdr. der u Zu ee fo el Genehmigung seines Abschieds- ¿esuches mit Pens. zur Diép. gestellt. : L M Im R E Wildbad Gastein, 1. Auguft. Müiler, Pr. Lt, von der Landw. Inf. des 2. Bats. Lantw. Regts. Nr. 37, als Hauptm. mit seiner bièhexigen Unif. der Abschied be- willigt. ( Beamte der Militär - Verwaltung. Durch Verfügung des Kriegs-Ministeriums. Den 25. Juni. Walter, Ortlieb, Intend. Sekret. Asfist. vem V. resp. IV. Armee-Corps, zum VI. A1mee- Corps versezt. Den 2, Juli. Liadenau, Proviant- Amts-Assist. in Straßburg, na Berlin vecseßt. Jhmann, Milit, Anw., als Proviant-Amts-Ussist. in Straßburg angestelt. Den 3. Juli. Karwin, Depot - Magazin - Verwalter in Nauen, nah Ratibor versezt. Den 19. Juli. Goldbach, Intend. Sekr. vem 1. Armee-Corps, unter Belassung in dem Kommando - Verhältniß bei dem Kriegs-Ministerium, zum Garde-Corps verseßt. Moch ow, Sec. Lt. a. D., als Proviant- Amts-Assist. in Berlin angestellt. Den 21. Juli. Uchten- hagen, Suykers, Sefkcetariats-Assiftenten vom 1V. resp. XV. Armee Corps, zu Intendant. Sekretären, Wegener, Bureau-Diätar vom VIl. Armee-Curps, Oebike, Sefkretariats-Applikant vom XI. Armee Corps, zu Intendantur-S: kretariats-Asfistenten ernannt Den 22. Juli. Schmidt, Milit. Anwärt., als Proviant-Amts- Visistent is Erfurt angestellt Den 26. Juli. Loß, Proviant- amts-Assistent in Posen, auf seinen Antrag aus dem Milit. Magazin- dienst eutlassen. Den 27. Juli. Große IL., Jutendant. Sekret. vom XI. Armee-Corps, zum VI1I. Armee-Corps verseßt. Den 30. Juli. Köhler, Milit Anwärt., als Pccviantamts-Assistent in Posen angestellt.

Monatsübersicht für Juli. IT, (Vergl. Nr. 188 d. Bl.)

Jtalien. Der König Victor Emanuel begab fich An- fangs des Monats nah Turin. Der Kronprinz Humbert und die Kronprinzessin Margaretha reiften am 12. von Mailand ab, um fich über Dresden und Berlin zum Besuche der russishen Kaiserfamilie nah St. Petersburg zu bege- ben. Die orientalishen Angelegenheiten wur- den im Senate von Seiten des Senators Mamiani zum Gegenstand einer Interpellation gemacht. ® In der Sitzung des Senates vom 11. beantwortete der Minifter des Aeußern, Melegari, diese Interpellation. Der Minister drückte zunächst sein Bedauern darüber aus, daß die diplomatische Aktion der Mächte es nicht vermoht habe, den Krieg zwischen der Türkei und Serbien zu verhindern, und konstatirte sodann die Wirksamkeit des auf der Basis der Nichtintervention zwischen den verschiedenen Mächten hergestellten Cinverfständnifses. Die Bestätigung, welche diese: Prinzip bei der Zusammenkunft der Kaiser von Oesterreich und Rußland in R.ichstadt gcfunden habe, befestige bei der gegenwärtigen Lage der Dinge im Orient die Garantien des Friedens. Die italienishe Regierung habe den Pariser Vertrag zur Grundlage ihres Verhaltens gemaht. Der seit mehreren Monaten hierüber mit den übrigen Mächten gepflogene Ideen- austausch habe die guten Beziehungen Italiens zu dem Auslande immer mehr befestigt. Die Besorgnisse darüber, daß die italienische Regierung \sih unter den gegenwärtigen Umständen auf einen, die Zulunft Italiens gefährdenden Weg begeben könnte, seien durh- aus unbegründet. Zu eigenthümlihen Schwierigkeiten gaben die Verhandlungen im Senat über den politisch ganz unverfäng- lihen Geseßentwurf wegen Errihtung von Freihäfen in den Seestädten Veranlassung. Der Minister-Präsident Depretis vertheidigte in der Sizung am 14. den, Geseßentwurf, 1ndem er erklärte, das Ministerium müsse, im Falle der Entwurf abgelehnt werden sollte, die im Interesse des Landes nothwendigen Ver- fügungen treffen; der Entwurf bilde einen Theil des ministeriellen Programms. Bei der geheimen Abstimmung wurden 67 Stimmen für und 67 gegen den E abgegeben. Bei der zweiten Abstimmung stimmten 66 Senatoren dafür und 66 dagegen, wodurch das Geseg abgelehnt wurde. Mehrere Senatoren proteftirten und erklärten die Abstimmung für ungültig. In der Sizung am folgenden Tage wurde auf den Antrag mehrerer Sena:‘oren das Protokoll über die Berathung vom vorigen Tage

abgeändert und sodann genehmigt. Der Minister-Präsident er- Flärte darauf, der gestrige Zwischenfall berühre die Institu- tionen des Ministeriums, er halte die gestrige Abstimmung für null und nichtig. Er überlasse es dem Senate, für seine eigene Würde und für das Preftige der ministeriellen Institutionen Sorge zu tragen. Das Ministerium werde fih an der Debatte nicht betheiligen. Nah lebhafter Diskussion wurde hierauf die Abstimmung vom 14. mit 63 gegen 62 Stimmen für ungültig erklärt. Schließlih wurde auf den Antrag des Ministers des Innern, Nicotera, beschlossen, in der nächsten Sitzung des Senates, am 26., von Neuem über den Gesezentwurf abzustimmen, weil noch im leßten Moment der Abstimmung vom 15. ein der Mi- norität angehöriger Senator ershienen war. In der Sitzung des Senats am 26. wurde dann die mißlihe Angelegenheit gütlih be- glihen. Der Minister-Präsident und Finanz-Minifter Depretis gab den Wunsch des Ministeriums zu erkennen, das Vertrauen und die Unterstühung des Senats zu besien und wies zuglei die Ansicht, daß das Ministerium auf den Senat irgend welchen Druck ausüben wolle, zurück. Im weiteren Verlaufe der Sizung wurde der Geseßentwurf mit 114 gegen 102 Stimmen angenommen. Die Gültigkeit des bestehenden öfterreichisch-italienischen Handelsvertrages ist, wie die „Gazetta uffiziale“ unterm 4. meldete, bis zum 1. Juli 1877 verlängert worden, jedo mit dem Vorbehalte, daß falls inzwishen der neue Handels- und Schiffahrtsvertrag zum Abschluß gedeihen sollte, derselbe wo- möglich noch vor dem 1. Juli 1877 in Kraft tritt. Ebenso wurde der bisherige Handels- und Schiffahrtsvertrag zwish-n Jt a- lien und Frankrei bis zum 30. April 1877 verlängert. Sei- tens der päpstlihen Kurie gingenden spanischen Bischöfen in Bezug auf den von ihnen auf die neue \panishe Verfassung zu leistenden Eid Instruktionen zu, dur welche etwaige Anstände, die zu Differenzen mit der \panishen Regierung führen könnten, beseitigt werden. Die mit der Antwort auf die Frage der spanischen Bischöfe, ob fie den Eid \{wören follten, betraute Kardinalskongregation hatte bejahend geantwortet. Der russische Gesandte in Rom, Baron Uexküll-Gyllenbandt, wurde von seiner Regierung zum Botschafter ernannt.

Zur-\fozialen Frage. Die Erwerbs- und Verbraucsverhältnisse der Kabrik- arbeiter in Schlesien. I. (Vgl. die Nrn. 175, 176 u. 181 d. Bl.)

Der Königliche Eichungs- und Fabrik-Jnspektor für Stlesien, Berg-Assessor Frief, hat aus Ve: anlaffung der in Brüssel ftattfinden- den internationalen Ausstellung für Gesundheitspflege und Rettungs- wesen ein Werk*) herausgegeben, welches einen möglichst vollständigen Ueberblick über die zum Besten der Fabrikarbeiter in der Provinz Stlefien bestehenden Einrichtungen gewährt.

Um diese Einrichtungen in einen festeren Rahmen zu- fassen, ist der Besprechung derselben ein Ueberblick über die \{lesis{che Fndustrie und eine forgfältige Erörterung der E1werbê- und Verbrauchëverhält- nisse der Fabrikarbeiter in Schlesien vorausgeschickt.

Indem wir ein näheres Eingehen in die Mittheilungen des Ver- fassers über die schlesishe Jnduftrie einem besonderen Artikel vor- behalt:n, bemerken wir in dieser Beziehung hier nur, daß, wenn man zu den Fabriken diejenigen gewerblichen Anstalten zählt, in denen 30 Arbeiter und darüber verwendet werden, Schlesien 622 Fabriken aufzuweisen hat, in denen 99,668 Arbeiter (71,401 männliche und 28,267 weibliche) Beschäftigung finden. Die Hütten-, Hammer: und Walzwerke und dergleichen bilden den wichtigsten Theil der Fabrikthätigkeit ; in 160 derartigen Etablissements werden 39,036 Arbeiter (36,387 männl., 2649 weibl.) beschäftigt. Auch die T ext il- industrie ist erheblih; in 130 Fabriken der Textil- (und Leder-) Industrie finden 25,275 (9935 m., 15,3240 w.) Arbeiter ihren Lebensunter- halt. 87 Fabriken der Landwirthschaft (Brauerei, Brennerei, Zuer- und Stärkefabriken) beschäftigen 10,118 (7272 m.,, 2846 w.) Arbeiter, die Glas-, Thon- u. dgl, Industrie in 63 Eta- blifsements 9678 (7351 m,, 2327 w.) Arbeiter, 29 Papierfabriken 2542 (1234 m., 1308 w.) Arbeiter, 12 chemische Fabriken 1040 (849 m., 191 w.) Arbeiter, 15 Mühlen 838 (726 w., 112 w.) Ar- ge und 84 verschiedene Etablifsements 7733 (5176 m., 2557 w.)

rbeiter.

Ueber die Erwerbs- und Verbrauchsverhältnisse der \{lesishen Arbeiter hat der Verfasser im Dezemrter 1875 durch 350 versendete Fragebogen eine besondere Enquête veranstaltet, deren Hauptergebnifse sich nach 235 beantworteten Fragebogen wie folgt zusammenfafsen: i Âi

Im Ganzen zählen die 235 Arkeiterfamilien 1199 Mitglieder und zwar 235 Mänrer, 230 Frauen, 130 Kinder unter und 577 über 14 Jahr, 27 andere Angehörige. Die Einnahmen belaufen si auf 189,156 M, davon als Verdienst dez Mannes 152,904 4, der Frau 14,620 M; der Kinder 21,225 #4, der Angehörigen 407 A Die ge- sammten Ausgaben betragen 188,712 M, davon 115091 (61,03 9/9) für Nahrurg, 25,636 M (13,57%) für Kleidung, 14,447 A (7,59 9/0) für Wohnung, 13,260 Æ (7,19 9/6) für Beleuchtung und Hei- zung, 3783 M (1,99%) für Geräth, 1738 4 (0,87%) für Kirche und Schule, 3517 Æ (1,87%) für Steuern und Assekuranz, 3449 M. (1 87 9/5) für Kranfen- und Sparkassen, 7791 F (4,11 9/5) für persön- liche Bedürfnisse. Ein Theil der Haubfstände ergiebt Ueberschüsse, die im Ganzen jährlich 3683 # betragen, ein anderer Theil erfordert Zuschüsse von 3239 A im Ganzen. Alles in Allem gerechnet ver- bleibt mithin noch ein Ueberschuß von 444 M. jährlich.

Auf den Hausfstand berechnen sich im Durchschnitt die E in- nahmen: Mann 651 4, Frau 62 , Kinder 90 Æ, Angehörige 2 4, im Ganzen 805 , die Ausgaben: 490 Nahrung, 109 M Kleidung, 61 (A Wohnung, 57 6 Beleuchtung und Heizung, 16 A Geräth, 7 A für Kirche und Schule, 15 # Steuern, 15 H für Kranken- und Sparkassen, 33 (A für persönlihe Bedürfnisse, im Ganzen 803 Æ oder Ueberschuß 2K

Auf den Kopf ergaben sich: Einnahmen: Mann 651 , Frau 63 4, Kinder 30 K, Angehörige 15 #, im Durchschnitt 156 4; Ausgaben: für Nahrung 95,61 #4, Kleidung 2127 4, Wohnung 12,04 M, Beleuchtung und Heizung 11,05 K, Geräth 3,15 K, Kirche und Schule 1,45 #, Steuern 2,933 4, Kranken- und Sparkassen 2,87 Æ,- persônlihe Bedürfnisse 6,49 4, im Ganzen 157,23 H.

Als Durchschnitt ergiebt sih ein Familienstand von 5 Per- fonen, und zwar meist Mann, Frau, 1 Kind oder sonstiges Familien- glied über und 2 Kinder unter 14 Jahren, die rücksihtlich der Er- werbsverhältnifse einem vollerwerbenden Kinde gleich gerechnet werden können, da Kinder von 10 bis 12 Jahren in Fabriken stundenweise

*) Die wirthsaftliche Lage der Fabrikarbeiter in Schlesien und die zum Besten derselben getroffenen Einrichtungen, mit Genehmigung Sr. Excellenz des Ministers für Handel 2c. bearbeitet vom Berg- Assessor Frief, Königlichen Eichungs- und Fabrik-Juspektor für Séhlesien 2c, Mit 20 lithographirten Tafeln, Breslau, Maruschke & Berendt. 1876,

beschäftigt werden. In einem folchen Durchschnittshaushalt ver- dienen nach den vorangeführten Zahlen

der Mann 651 M 80,86 %o die Frau B S E die Kinder 90 , =11,19 , Angehörige 20 = 00s

_ zusammen 805 100 9%, der Gesammteinnahmen des Hausstandes. i

Dieser Durchschnittäverdienft bleibt gegen die Bedürfnisse des Arbeiters im Regierungsbezirke Oppeln zurück, dagegen übersteigt er diejenigen des Arbeiters im Regierungsbezirke Liegniß.

Die Betheiligung an der gesammten Fabrikarbe it beträgk bei den Männern 695,77°/), bei den Frauen 8,20%, bei den Kin- dern einfsließlich aller unverheiratheten weiblichen Personen 26,03%. Demnach entspricht der Arbeit 65,77?/9 Männer ein Zuschuß von 80,86% zu den Haushaltskosten, der 8,20%/, Frauen = 7,74% Zuïchuß, der 26,03% Kinder = 11,94°%/% Zuschuß, und es verhält fi der Werth der Arbeit

des Mannes zu dem der Pran und des Kindes

wie 1,23 : 94 : 0,4

oder wie 1 & : 0,76 : 0,36

E 1,31 : 1 : 0,47 2 80 : 2,14 1

je nachdem der Werth der verschiedenen Arbeit als Einheit genommen wird.

Die Einnahmen füc einen Arbeiterhausstand steigen von 330 4 auf 2564 Æ, die Ausgaben von 330 4 auf 2368 A. Theilt man L p Familien nach der Hohe der Ausgaben in 6 Gruppen, so

at die

I. Gcupye (35 Familien mit 330 bis 500 #4 Ausgaben) 16064 Æ Einnahmen und 15,909 A Auëgaben, also 155 Ueberschuß.

Auf die 11. Gruppe (503 bis 650 A Ausgaben, 46 Fam.) fal- len 27,271 Æ/Einn., 27,348 X Ausg., 77 A. Zuschuß.

IIT. Gr. (654 bis 776 Æ Ausg., 42 Fam.) 30,661 M Einn., 30,947 F. Ausg, 286. 4 Zuschuß.

Iv. Gr. (780 kis 900 & Aueg., 41 Fam.) 34,940 A Einn., 35,199 F. Ausg., 259 M. Zuschuß.

V. Gr. (905 bis 1097 e Ausg., 37 Fam.), 37,745 4 Einn., 37,972 Æ Au3g., 173 Æ Ueberschuß.

VI. Gr. (1100 bis 2368 A Auëê8g., 30 Fam.), 42,475 A. Einn., 41,737 Ausg., 238 M. Ueberschuß.

Die Zusammenseßung dieser Gruppen if für die Il. und IV. fehr ungünjtig, für die I1I. sehr günstig, da in jenen beiden sehr viel Kinder unter 14 Jahren sind (126 bzw. 121), während die Zahl d r- selben in der III, Gruppe relativ gering ift (82). Am günstigsten stehen die Gr. V, urd VI., weil in beiden die größere Zahl der Per- sonen erwerbsfähig ist. E

Die Einnahmen zeigen, daß der Wohlstand der Familien bis zu einem gewifsen Grade durch die Betheiligung der Frauen und Kinder an der Ärbeit bedingt ist. Jn Gruppe 1., der ärmsten, fällt fast die volle Einnahme (16,064 #4) auf den Mann (15,288 M. oder 94,86%). Diese tritt von Gruppe zu Gruppe zurück: II. 87,74%, ITI. 83,22%, IV, 81,46%, V. 72,61%/,. In der VI. Gruppe steigt sie wieder auf 76,06%/9, offenbar, weil bei größeren Einnahmen die Noth- wendigkeit der Frauen- und Kinderarbeit geringer wird.

Die A I en der Frauen und Kinder steigen von Gruppe I. bis IV, bzw. VI. entsprechend dem Fallen der Einnahme des Mannes, fie betragen in Prozenteu der Gesammteinnabmen: bei den Frauen [. 3,55, IT. 7,24, ITI, 8,35, 1V. 13,30, Ÿ. 10,82, VI. 1,97%, bei-den Kinder X, 155 11 5 Ul, 74%, V. 524 V. 1648, VL 21,97 9%. In Gruppe VI. beträgt der Antheil der Frauen am ge- meinsamen Erwerb nur 1,97 %, weil hier die Men in Folge des ausfömmlichen Verdienstes des Mannes und der Kinder fich meijt auf die Besorgung der Häuslichkeit beschränken können. Daß in Gruppe IV, der Prozentsaß des Kinderverdienstes sich vermindert, liegt an der ungünstigen Zusammenseßung der Familien dieser Gruppe; entspräche sie derjenigen der Gruppe II[. und V., so würde fich der Antheil der Kinderarbeit auf 9,24 (statt 5,24) °%/ stellen.

Vom türkischen Kriegs\schauplagz. IV. (Vergl, Nr. 188 d. Bl.)

Eine um so s{chlimmere Wendung nahm die Sachlage für die serbishe Süd- und Ostarmee seit Ausang des Monats August und hat mit diesem Zeitpunkt eine Periode des Kampfes begonnen, welche, PEN niht alle Anzeichen trügen, als der Aufang des Endes gelten ann.

Achmed Ejub Pascha, der unter dem Oberbefehl des Seraskiers Abdul-Kerim-Pascha die serbtishe Grenze bei Gramada mit bedeu4 tenden Streitkräften überschritten hatte, und über Dervent vorge- drungen war, fand fsüdlich von feinem Zielpunkt Knjaze- waß auf dem Plateau von Tresibaba serbishe Streitkräste in der Zahl von 10,000 Mann unter Oberst Hornvatovic in eirer verschanzten Stellung vor. Den in bedeutender Uebermacht befind- lichen Türken gelang es, nah fünftägigen heftigen Kämpfen die Po- fition von Tresibaba zu nehmen und die Serben auch zur Räumung der Stadt Knjazewaß zu veranlassen, die sodann ebenso wie die bereits früher von den Türken okkapirten Ortschaften dem Eroboden gleich gemaht wurde. Der Rückzug der serbishen Truppen, der überall eine große Bestürzung hervorrief, wendete fich zum Zweck der Ver- einig»-ng mit der Hauptarmee westwärts über Bajna, gelegen an der Straße nah Alexinaß und Paratschin, und ist es nah diesem sehr schwer zu veranshlagenden Mißerfolg mehr als wahrscheinlich, doß auch die im Lager bei Deligrad-Alexinaÿ stehenden serbischen Streit- kräfte, um nicht abgeschnitten zu werden, sich rückwärts nah Para- thin und darüber hinaus konzentriren müssen. Die Türken, welche in gewissem Sinne die umgehende Operation Tschernajeffs nah Ak- BOONA durch ihren Zug nach Knjazewaß nachgeahmt haben, hatten zur

eseßung von Nish und seiner Vorwerke nur die nothwendigsten Truppen zurückgeiassen und ihre Haupistärke weiter ostwärts vereinigt. Auf diese Weise wurde es den Truppen des Lagers von Alexinaß möglich, faft gleichzeitig mit dem Vorgehen ihrer Gegner gegen Krlazewaß eine Offenfivbewegung gigen Nisch mit: einigem Écfolge durzuführen und mehrere Vorwerke, wie Mramor, am linken Morawaufer, aber niht Nisch selbst, einzunehmen. Jhr Nerbleib in diesen Stellungen ist jedoch nach dem Verlust von Knjas zewaß um fo gefährdeter, als auch Saitshar am Timok in Folge der fombinirten Operationen Hassan und Osman Paschas von den Truppen Leschjanins geräumt werden mußte und den Türken nunmehr - eine weitere Stre nach dem Inneren Serbiens offen steht. Hassan Pascha hatte von Belgradschik aus die serbisde Grenze überschritten, am 4. August die Serben aus Prlita vertrieben und am 5. den Timokübergang bei Grljan (südlih von Saitschar) forcirt, während eine zweite türkishe Abtbeilung noch weiter südwärts bei Wratarnißa ebenfalls auf das linke Timokufer gelangt war. Gleichzeitig ging Osman Pascha, der bereits seit einiger Zeit in den Besiß von Weliki Jewor gelangt, Saitschar in der Front bedrohte, von Neuem gegen diesen viel umkämpften Punkt vor, und blieb Leschjanin, defsen Aufgabe durch einen Offensivstoß gegen Belgradschik und die Behauptung des von demselben beherrschten Plateaus, die türkishe Nordarmee zu isoliren, längst gescheitert war,