1903 / 80 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Schwert auch nicht liefern, die alten Sprachen bilden den Webstein an dem die deutsche Sprade sich zu der kräftigen Geisteswas ent: wi>elt. Darum Trete ih heute, wie vor Jahren, s die Pflege der alten Sprachen ein, deren Grammatik ein unvergleihlibes Nüstzeug für die geistige Bedeutung der deutshen Sprache bildet. Außerdem aber vermitteln sie uns die für unsere Kenntnis der Kultur und ibrer Ent- wid>elung Ee Klassiker der Griechen und Römer, deren Leistungen heute nur die L erke der erlesensten Geister gleihkommen können. Ich begrüße nun mit Freuden die Einheit3\{ulen, weil sie die Vorzüge der humanistishen Gymnasien mit denen der anderen böheren Schulen verbinden sollen; die Reformschule ist mir die so dankenswerte Einheits- \{ule. Professor Hillebrandt wirft ihren S<höpfern mangelhafte Logik vor; das mag richtig sein, aber im praktis%en Leben Fürst Bismar> ist mit seiner Schöpfung und Organisation des Deutschen Réichs ein klassisches Beisviel dafür kann man nicht lediglich nah den Forderungen der formalen Logik, sondern muß au na den Forderungen des prafti- schen Lebens verfahren; die logische Entwi>kelung kommt na. Man \pôöttelte über das Vorwalten der Ea legliGen Studien, die für die meisten später unfruhtbar bleiben. Aber der Fehler lag nit an den Schulen, sondern daran, daß früher ihnen Zöglinge zugeführt wurden, die entweder mit Rü>ksiht auf die L des Broterwerbs oder auf die geistige Begabung die Dar ietungen des Gymnasiums niht voll ausnußen konnten. Da griff die Reformshule ein. Sie läßt mit: ‘ihren Gabelungen, bei Tertia und bei Untersekunda den Eltern die Möglichkeit, die Wahl für die geistige Ausbildung ibrer Kinder da zu treffen, wo deren eistige Entwickelung eine solche Trennung zuläßt. Herr Professor Hillebrandt tadelt an der Reform- \ule, daß sie dem Sertaner und Quintaner die diesen Schülern früher ermöôglibte Freude am Latein raubt; könnte ih dem Professor Hillebrandt den früheren Serxtaner Hillebrandt entgegenstellen, er würde jenem unre<t geben und fagen : ein Sextaner hat keine Freude am Latein. Ganz mit Recht legt die Reformscule großen Wert auf den frühen Anschauungsunterriht und knüpft daran das dem Latein formal und materiell fast äquivalente Französische an. Dies geht von Tertia an niht verloren, wie Professor Hillebrandt spöttis< meint, fondern tritt nur zu Gunsten des Lateinischen etwas zurü, und i<_ muß gestehen, daß die so vorgebildeten Schüler den Câfar so \<n?-ll überseken und wert <äâßen lernen, wie es fcüher nie mögli war. Ob das Griechische so wertvoll ist, wie das Lateinische, kann zweifelhaft sein. Wenn man aber klagt, daß die mit dem Cinjährigenzeugnis die Schule Verlassenden nur \o viel Griechisch lernten, daß es ihnen ein toter Ballast sei, fo ist darauf zu erwidern, da für Schüler, die mit diesem Zeugnis die Schule verlassen, die Schulen ni<ht errihtet find; wer aber das humanistis<e Reformgymnasium völlig dur<hmacht, wird von dem Lateinischen und Griechischen einen großen Nußen für fein späteres Leben haben, welchen Beruf er auch ergreift. Darum {ließe id mit der Bitte an „den Minister, mit der Prüfung der humanistischen NReformgymnasien nicht aufzuhören, sondern fie auszudehnen, bis man zu endgültigen Resultaten kommt, und diese werden davon bin ih Überzeugt dahin geben, daß das humanistishe Gymnasium für lange, für absehbare Zeit die vollkommenste Lösung der so s{<wierigen und wichtigen Schulfrage bildet.

Professor Dr. Shmoller: Jh bezweifle sehr, ob es unter den beutigen Verhältniffen angezeigt ist, scenieren, aber nah der Rede des Breslau-r Kollegen will ih do ein paar Bemerkungen machen. * I< bekenne mi< als Freund der bumanistishen Bildung, aber feine Stellung war mehr die eines laudator temporis acti und eines Philologen; auf diesem Boden stehe ih nit. Die gleichen Klagen, die er gestern geäußert hat, habe ih vor Jahrzehnten în Halle gehört; „ein Hallenser Professor hat in f

einer Festrede den Untergang der Welt und den Ruin der Universität propbezeit, weil

h der Kurator Hoyermann die lateinishe und griehishe Sprache

nit genügend pflege; alles lahte darüber, au der Kurator, weil er es nit verstand. Das | m war au< ein Vorzug der lateinishen Sprache, in der man sih allerlei Grobbeiten jagen konnte, obne verstanden zu werden. Wir haben mit der Tatsache zu tenen, daß seit Jahrzehnten die klassishen | 57 Spraten die Schüler niht mehr zu . fesseln vermochten. Jn den 70er und 80er Jahren trat eben die formalistishe Philologie an die Stelle der Philologie, die dea Geist des Altertums und der antifen Geichichte in den Vordergrund {stellte Lehrer |\ m und Schüler versagten. Dazu haten f< die äußeren Verhältniße völlig geändert. Die Umwälzung ist nicht von Heute auf morgen ge- s\cheben, sie ift das Grgebnis einer längeren Entwic@elungsperiode ; ob die Dreigestaltung unjerer höheren Schulen das Richtige ist, wird die Zukunft zeigen ; in der Frage des Resormgymnasiums stehe ich E dem e E Herrn Fuß, halte aber diz humaunistische Bildung na wie vor ho. Ministerialdirektor Dr. Althoff: Der Allerhöchste Erlaß vom 26. November 1900, der die Grundlage für unsere Shulreform bildet, geht davon aus, daß nun endli einmal für einige Zeit Ruhe für unser Schulwesen vorhanden sein soll, damit es Zeit hat, {ih weiter zu entwi>eln. --Ich. kann Sie nur dringend bitten, nachdem wir zwei Schulreformen und eine Anzahl von Schulkonferenzen in der leßten Zeit gehabt haben, „quieta non movere“ fann man nidt* sagen das quieta si< erst einmal wieder herstellen zu laffen. Auf te<nishe Detailfragen will ih deshalb jeßt nicht eingehen. Es find ja hier sehr dankenswerte Anregungen gegeben, aber Sie werden wohl auch bei allem, was Sie gehört haben, das Gefühl gehabt haben: repetitio est mater studiorum es ist alles hon einmal dagewesen. Es ist \<on alles in den Schulkonferenzen besprochen worden. Nur zwei Punkte möhte ih hier herausgreifen. Die Meinung, daß die Leistungen unserer humanistishen Gymnasien immer mehr ab- nähmen, stüßt si<auf Erfahrungen, welche in die Zeit zurügreifen, die vor der Reform des humanistishen Gymnasiums lag. Der Allerhöchste Eclaß hat, indem er die Gleihbere<tigung der- höheren Schulen an- erfannte, zuglei< gesagt, daß mit der Reform die Möglichkeit geboten werden folle, der Eigenart der drei Schulen, Gymnafium, Real- gymnasium und Oberrealshule, mehr gere<t zu werden als bisher. Dieser Gesichtspunkt ist in den neuen Lehrplänen zur Durchführung gelangt, und namentli<h/ ist für* das Gymnasium für den Unter- riht in den alten Sprachen, insbesondere Im Lateinischen, die Stundenzahl wieder vermehrt worden. - Auch ft die Bestimmung ge- troffen worden, daß bei den Prüfungen auf das Lateinische besonders Wert zu legen fei. Wir wollen also exst einmal abwarten, welche Ergebnisse die Reform zeitigt. Bisher find hierüber no< gar keine Daten in die Hände der Universitätslehrer gelangt. Der zweite Punkt betrifft die Reformgymnasien. Auch bezüglich dieser hat der Aller- höchste Erlaß Grundsäße aufgestellt. Es wird der Wunsch ausgesprohen, daß die Versuche in zwe>entsprehender Weise fortgeführt und - eventuell erweitert werden. Es wird an- erfannt, daß si< die Lehtpläne im ganzen bewährt haben. Es gibt aber erst zehn Gymnafien . nah dem Frank- furter System in Preußen, und wenn uns au< Mitieilungen geworden sind, daß fi< Schüler des Frankfurter Reformgymnasiums in den alten Sprathea vor anderen ausgezeihnet haben, so wäre es do<h verfehlt, hieraus {on bestimmte Schlüsse zu ziehen. Ih halte die Frage der Neformgvmnasien also“ no< nicht für ausgetragen, sie befindet si< no< in der Schwebe, und wir werden no< 10 bis 15 Jahre warten müssen, ehe wir ein sicheres Urteil fällen können. Jch resümiere mi<h dahin: Was über das humanistishe Gymnasium gesagt wurde, bezieht sih auf eine Zeit die vor 1900 zurü>liegt, und 1 daher verspätet, und was bezügli der Reformgymnasien gesagt wurde, ist mindestens um ebenso viel

tht. Stub des Blattes.)

: der Abgeordneten is der Entwurf eits Ge ee: betreffend ate und Benußung ehemaliger Wallgrundstü>e in Frankfurt a. M,

eine Gymnasialdebatte neu zu in- | nur die Mengen, fondern au die Qualität und Knollen betrifft.

ür die Durbführbarkeit der Polizeiverordnung, betreffend die Bes affenheit und Benuzun Cöln, eingeseßten Kommisfion.

22 000 Wohnungen Wohnungen entspr

zeichnet werden, 484 waren überfüllt. über 1000 Wohnungen Zustände auf, die das Leben der Bewohner in [eiblicher und itilicher

diesen } Zahlen nur auf einen Bruhteil der g zu wünschen, daß ‘alle Stadtverwaltungen eine solche WoßHhnungzs- inspektion einrichteten.

Statiftik und Volkswirtschaft.

Erntestatistik.

Eine ausführliche Bearbeitung der Erntestatistik des Neichs für das Jabr 1902 veröffentliht das Kaiserlihe Statistishe Amt im L Vierteljahrshe-ft zur Statistik des Deutschen Reichs 1903, nahdem a S I der Ernte bereits am 21. Januar 1903 mitgeteilt orden sind. ,_ Die Zahl der Berichterstatter über Saatenstand und Ernte betrug wie im Vorjahr 7481.

Es wurden im Reich geerntet Tonnen (1000 kg):

Roggen E m l inter-u. Ï S (Winter-u. | Sommer-) Gerste Hafer Kar ahre | Sommer-) und (Sommer-) toffeln Spelz 1902 | 9494150 | 4383 517 | 3100227 | 7467250 | 43 462 393 1901 - 8 162 660 | 2931041 | 3321-102 | 7050 153 | 48 687 261 1900 | 8 550 659 | 4307 512 | 3002 182 | 7 091 930 | 40 585 317 1899 | 8675792 | 4323 542 | 2983 876 | 6 882 687 | 38 486 202 1898 | 9032175 | 4121761 | 2829 112 | 6754120 | 36 720 609 1897 | 8170511 |3 725755 | 2564439 | 5718 644 | 33 776 060 «1896 | 8534037 | 3845 167"| 2727105 | 5 969 465 | 32 329 046 1895 | 7 724902 | 3642580 | 2793 974 | 6244 473 | 37 786 006 1894 | 8343033 | 3875 991 | 2849 118 | 6580 100 | 33 608 894 1893 | 8941914 | 3932528 | 2359 722 | 4180 457 | 40 724 386.

___Eine Berehnung* der im Reich an Getreide und Kartoffeln vere fügbaren Mengen unter Berü>ksichtigung der Ernte, der Aussaat, der Ein- und Ausfubr und unter Umrechnung der ein- und ausgeführten Mehlmengen auf Getreide ergibt für das Erntejahr 1. Juli 1901 bis 30. Juni 1902, daß für mens<hlihe und tierische Ernährung und gewerblihe Zwe>e zur Verfügung standen auf den Kopf der Be- völkerung an Roggen 137,7, an Weizen 78,5, an Spelz 6,5, an Gerste 72,1, an Hafer 112,8 und an Kartoffeln 732,4 kg.

Der Veröffentlihung ist eine graphbis<e Darstellung über die Ernte 1902 beigefügt. Die Darstellung gewährt einen {nellen Ueber- bli> über die Ernteverhältnisse der wichtigsten Getreidearten (Winter- roggen, Winterweizen, Sommergerste, Hafer) und der Kartoffeln in den verschiedenen Landesteilen und im Reich. Aus der Zeichnung ersieht man ferner sofort, inwieweit die Landesteile gegen ihren Ee Durchschnittsertrag 1899/1901 zurü>blieben oder ihn über- rafen.

__In dem Abschnitt, welcher „die A der Ernte* behandelt, wird für die Jahre 1893 bis 1902 die leßte Note vor der Ernte mit dem Ernteausfall verglichen. Fast zwei Drittel der Saatenstands- urteile dürfen ohne weiteres als ‘zutreffend gelten. Die eingebende Betrachtung derjenigen Saatenstandsnoten, wel<he mit dem Men gen- ertrage an Körnern oder Knollen nit im Einklang standen, zeigt, daß man diese sheinbar abweichenden Saatenstandsnoten do<h nicht als feblerhafte bezeihnen darf, weil das Saatenstandsurteil si eben nit nur auf die Körner und Knollen, sondern auf den Stand der ganzen Pflanze, also au< auf Halm und Kraut bezieht und nit der Ernten an Körnern

Cölner Wohnungsinspektion.

Der kürzlih erschienene Jahresberiht der Stadt Cöln für 1991 ibt ein Bild von der Tätigkeit der für die Wohnungs3aufsicht bezw.

von Wohnungen im Stadtbezick n Cöln ‘bat 26000 Wohnhäuser it ungefähr 85 000 Wohnungen. Jm LBerichtsjahr wurden rund also über 25% besi&tigt. _Von diefen rund 1500 = 6,8 9% d-u Vocschcisten nit. 2 Wohnungen mußten direkt als zum Wohnen ungeeignet be- Im ganzen wiesen also

Beziehung zu gefährden geeignet sind. Rechnet an auf jede Wohnung vier Bewohner, so sind mehr als 4000 Menschen Alien Einflüssen I Dabei beziehen F< diese ejamten Wohnungen. E3 roäre

in

Das erste Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs für 1903 erschien mit folgendem Inhalt: 1) Anordnungen für die Reichsstatistik aus dem Jahre 1902. 2) Statistik der Preise. A. Großhandelspreise wichtiger Waren an dertschen Plätzen im Jahre 1902 und in den 20 Jahren 1883 bis 1902. Nebst einer ergänzenden Uebersicht für die Jahre 1871 bis 1882 und einem Anhange,“ betreffend Preise für Getreide und Vieh in deutschen und fremden Pläßen. B. Roggen- und Weizenpreise an deutshen und fremden Börsenpläßen im vierten Vierteljahr 1902. C. Viehpreise in 10 deutschen: Städten im vierten Vierteljahr 1902. —- 3) Der Verkehr auf den deuts<hen Wasserstraßen in den Jahren 1872 bi8 190L. 4) Erntestatistifk sür das Jahr 1902 (mit einer Tafel graphis<her Darstellungen). 5) Beiträge zur Statistik der Fruchtmarktpreise (mit 2 Blättern graphisher Dar- stellungen). 6) Die überseeishe Au8wanderung im Jahre 1902. 7) Die Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle im Jahre 1901. 8) Die Selbstmorde in den Jahren 1899 bis 1901. 9) Bei den deuishen Börsen a tene Wertpapier eim Jahre 1902. 10) Die Branutwein rennerei und Be- steuerung im deutshen Branntweinsteuergebiet während ‘des Be- triebsjahrs 1901/1902. 11) Weinmosternte im Jahre 1902. 12) Konkursstatistik für das vierte Vierteljahr 1902 (vorläufige Mitteilung). 13) Zur Statistik der Streiks und Aus- sperrungen (summarische Uebersicht) im 4. Quartal 1902 (nebst Nachträgen).

Zur Arbeiterbewegung.

An dem Ausstand in der Berliner Holzindustrie (vgl. Nr. 79 d. Bl.) sind der „Voss. Ztg.“ zufolge jeßt rund 1000 Holz- und Maschinenarbeiter beteiligt. Die ngaben, nach denen 6- bis 12 000 Arbeiter ausgesperrt würden, sind übertrieben. Der Ausstand der Bauklempner (vgl. Nr. 79 d. Bl.) umfaßt rund 300 Gesellen. Bei dieser Arbeitseinstellung handelt es sih- in der Hauptsahe um die Abschaffung der Accordarbeit und Einführung eines Mindestlohns. Der Verband der gewerbetreibenden Landf haftsgärtner Berlins (vgl. Nr. 76 d. Bl.) nahm am Mittwochabend den vor dem Einigungs- amt festgelegten Tarif an. Die vereinbarten Bedingungen enthalten den Zehnstundentag und 50 4 Z Mindeststundenlohn. Die Arbeit wurde gestern überall wieder aufgenommen. ;

In Jserl ohn beträgt nah der „NRh.-Westf. Ztg.“ die Zahl der au8gesperrten Arbeiter (vgl. Nr. 79 d. Bl.) circa 4500. Na- dem die Arbeitnehmer die Vereinbarungen, wel<he von Deputationen von Arbeitgebern und: Arbeitnehmern getroffen worden waren, nit anerkannt“ haben, haben die Arbeitgeber dié weitgehenden Zugeständ- nisse an die Arbeiterorganisationen ueoobeu und auf weitere Ver- handlungen mit den Vertretern der Arbeiterorganisationen verzichtet.

In Cassel find demselben Blatt zufolge seit Dienstag die Steinträger und -Löohnarbeiter des Maurergewerbes in den Ausstand eingetreten. Sie verlangen einen Stundenlohn von 39 S, der ihnen von drei Baufirmen gewährt wurde, von den andcren Gesdäften aber nicht.

ur Lohnbewegung in Holland (vgl. Nr. 63 d. Bl) wird dem B.* gemeldet, daß die Sektion Haag des Allgemeinen

nebst Begründung zugegangen.

„W. T. Verbandes der Eisenbahn- und Straßenbahnan eine Bekanntmachung erlassen hat,

da die Verhandlungen mit den Eisenbahngesellshaften plötli duch die gegen den Ausstand gerichteten Gesetze N cages worden seien, würden die Anzestellten gezwungen, zu dem leßten Mittel ihre ufludit zu nehmen. Die Angestellten wollten den Aus- [ave nicht, sie würden aber dazu gezwungen. In einer gestern abend n Amsterdam vou Eisenbahnangestellten abzehaltenen Ver- Wiainlung wurde mit 597 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen ein utrag angenommen, in welchem Vertrauen zu den Führern der Ar- beiter und der Ents{luß ausgesprohen wird, auf die erste Aufforderung in den Ausstand zu treten, um die Anwendung der E egen die Ausstände zu hindern. Der Ausstand der Bootsführer in Amsterdam (vgl. Nr. 79 d. Bl.) dauert fort. Die Vereinigung der

den a srern befördert werden, abzulehnen.

In Marf eille bes{loß, wie „W. T. B.“ meldet, eine Ver- fammlung von ungefähr 2000 Hafenarbeitern (vgl. Nr. 78 d. Bl.), zwar nit in den Ausstand zu treten, aber nur einen halben Tag zu arbeiten. Die Arbeitgeber bes{<lossen, nur sol<e Arbeiter zu be- schäftigen, welche einwilligen, 10 Stunden täglih zu arbeiten. Die Arbeiter der Compagnie Gónérale Transatlantique haben die Arbeit niedergelegt.

Kunft und Wissenschaft.

_In der Gesamtsißung der Königlichen Wissenschaften zu Berlin vom 19. M Herr Vahlen) las Herr Schmidt über „die Mummenschanz tim zweiten Teile des aust“. Eatstehurg und Komposition wurden kurz behandelt, die Motive aus dem , ômishen Karneval“ und den florentinishen „Trionfi“ genauer, als es seit Bayers erster Ouellenfors<ung geschehen ift, erôrtert. Herr von Wilamowiß- Mösöllendorff überreichte des Timotheos Perser aus einem Papyrus von Abusir, im Auftrage der deutschen Oritentgesellshaft von ibm heraus- gegeben (Leipzig 1903), und erläuterte die Bedeutung des Funde3. De Waldeyer überreibte im Auftrage des Verfassers eine Ab- andlung des Herrn Professors Dr. O. Walkhoff (München) über „die diluvialen menslihen Kiefer Belgiens* (Wiesbaden 1903), sowié die von ihm selb| verfaßte Schrift „Die Geschle<tszellen" (Jena 1903). Der Vorsitzende legte den von dem korrespondierenden Mitgliede Herrn Königsberger eingesandten 2. Band- seiner Biographie von Hermann von Helmholtz vor, erschienen in Braunschweig 1903. In der Sißung der philosophish-historishen Klasse

der Akademie vom März (vorsißender Sekretar : Herr Vahlen) legte Herr Erman Beiträge ¿ur Erklärung des großen Papyrus Harris vor. Dieser Papyrus, der die Wohltaten König Ramses? Ill (um 1200 v. L gegen Götter und Menschen aufzählt, ist für das Grab dieses Herrschers geschrieben worden und sollte den toten König den Göttern empfehlen. Von den Listen, die den allgemeinen Abschnitten als Belege beigegeben find, enthält jedesmal die erste die Bestätigung des Vermözens des betreffenden Tempels. Wir lernen damit den Umfang diefer Tempel-

[ Akademie der ârz (vorsißender Sekretar:

trishen Gruvve. Einheiten einer Gruppe wurde ausführlich entwidelt, und es wurden besonders die Einheiten untèrsuht, die fi< aus den Einheiten von einer und von zwei metrishe Gruppe ergeben fi<h folhe Einheiten in faher Weise aus Erg en des Grades in Mi auf einem neuen Wege bere<hnzt und dann ihre Werte mit denen ver- Do die früher au!

estellten } Kassandane wit den in weldher erklärt wird: * Diese „fromme*, dem nsehen des

vermögen kennen. Sie erweisen s als sehr bedeutend; die Götter von Theben besaßen mindestens ein Zehntel aller Ae>er Aegyptens und die von Heliovolis und Mempbis zusammen mindestens ein Fünfzigstel. Herr Pischel legte eine Abhandlung des Herrn Professors Dr. Geldner in Berlin vor: Das achhtzehnte Kapitel des Vendidad. Der Verfasser nimmt eine philologische Aas der Bearbeitungen von Haug und Darmesteter vor, die eine große Anzahl neuer sprach- lier und sabliher Erklärungen ergibt. i

In der Sitzung der physikalis<h-mathematishen Klasse von demselben Lage (vorsißender Sekretar: Herr Waldeyer) las Herr Frobenius über die <arakteristishen Einheiten der symmes- Die allgemeine Theorie der charakteristischen

ür die \ym- esonders ein- zwei Untergruppen, die zwei asscciierten positive Summanden entsprechen. Charaktere dieser Gruppe

Untergruppen ableiten laffen.

ihrer Hilfe wurden die anderem Wege erbalten waren. van'’t off las über die Bildungsverhältnisse der ozeanischen alzablagerungen, E isomorphen Mischungen: Glajerit, Arkanit, Aphtalose und Natronkalisimonyit. Gemeinschaftlih mit Dr. H. Barschall wurde festgestellt, daß Glaserit, Arkanit und Aphtalose Glieder einer Ren Reihe Find, welhe si< zwishen Kalium- und Natriumsulfat aus- dehnt, ohne die Endglieder zu erreihen. Bei Sättigung an ‘Chlornatrium und 25 -Grad entspriht ($RKINa)S0, ter Zusammenseßung, welhe au< Kubiers<ky beobachtete. Eine zweite Jsomorphie bei Astrafkanit und Leonit \<liezt fh den Endgliedern an und erreicht, ausgehend von Astrakanit, nux einen geringen Kaliumgehalt, wie, auß Köchlin fand. Dagegen ist Leonit im stände, eine bedeutertde Menge Natrium aufzunehmen, welche im Grenzfall dur< die Formel (/2K$Na)Mg(S0,):4H,0 zum Ausdru>k kommi. Herr Schwendener legte eine Mitteilung des errn Dr. Friedri<h Tobler „über Polymorphismus von eeresalgen“ vor. Der Verfasser behandelt den Einfluß äußerer Faftoren auf das Wachstum von Fslorideen und eröffnet Ausbli>e auf das Zustandekommen habituell versiedener Typen infolge der ‘nah Standort und Jahreszeit weselnden Lebens- bedingungen. Herr Engler legte der physikalis<- mathematischen Klasse die Hefte 12 und 13 des Werkes „Pflanzenreih“ vor, von denen das erste die Bearbeitung der Orchidaceae Pleonandrae dur< Herrn E. Pfitzer, korresvondierendes Mitglied der Akademie, das zweite die Bearbeitung der Eriocaulaceas dur Herrn D Nuhland enthält. Herr Pfißer wird die Bearbeitung der Orchidaceae teils selbst, teils mit Hilfe anderer Mitarbeiter fortseßen. 2 Die Akademie hat das auswärtige Mitglied der philofophisch- historisGen Klasse Herrn Gaston Paris in Paris am 6. März durch den Tod verloren.

A. F. In der leßten Sitzung der „Vorderasiatishen Ges- [Ha spra< Dr. C. F. Andreas über die Nationalität des „Cyrus“. Bekanntlich ist der {hen im Altertum angefohtene Bericht Herodots über die Herkunft des Cyrus, wona er ein vom Vater sener Sohn des Mederkönigs Astyages hie sein soll, dur< eine Anzahl keilshriftlißer Dokumente ver hiedener Fund- orte, aber wesentli<h übereinstimmenden Inhalts längst widerlegt. Es blieben indessen no< gewisse Widersprüche dieser Quellen unter- einander aufzuklären, die darin besteben, daß eine der wichtigsten unter ihnen, die berühmte Grabinschrift Darius? 1, Cyrus in die Zatl der 9 Vorfabren des Darius aus dem Geschle<t der Aämeniden einreibt, andere Quellen jedo< Cyrus als aus dem Persien benahbacten Lande Anschan, dem Grenzgebiet ¿wischen Persien und Edom, stammend und als den dritten Herrscher dieses Landes bezeichnen. Daß nichtsdestoweniger Cyrus nebst seinen beiden Vorgängecn, seinem glei<falls Cyrus heißenden Vater und dessen Vorgänger Taïspes, dem persischen Fürstengeshle<t der Achämeniden angehört baben könne, scheint außer dur< die Stammesversä;i-denheit die Perser waren Arier," ihre Nachbarg die Susianer, Mardos und Edomiter aber waren es niht au< na< anderen ‘Quellen auszes<lofsen, welche erst deu Sohn des Cyrus Kambyses, als Sohn der Kafsantane aus dem Geschleht der Achämeniden, diesem Fürstengefhle<t zuzählen. Es entsteht daher die Vermutung, daß die mit allen andern feilschriftliden Quellen in diesein Punkte in Widerspruch stehende Darius-Grabschrift ohne volle Berechtigung Cyrus IT. und feine beiden Vorgänger als Zierden für den Stamm- un des Geschle<ts der Achämeniden, dem Darius zweifellos an-

ba , s ia Anspru nimmt, nachdem Cyrus 11, der hogepriesene Hp

inder des persischen Weltreihs, dur< seine Heirat m

eng verwandt geworden war rius nügl

âmeniden

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Fuhrléute bes<loß, die g von Waren, welche sonst von abz i: