1903 / 110 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Zur Arbeiterbewegung. S a um Lohnkampf in erlohn (vgl. Nr. 108 d. Bl.) melde die n Tone af N die Fabrikantenvereinigung am Freitag beschloß, fich au ferner auf Verhandlungen mit den Arbeiter- verbänden nit einzulassen, die Betriebe offen zu halten und die zahl- reichen N unter den früheren Bedingungen ohne Lohn- kürzung einzustellen. N L “Eine von dem Fabrikantenverein in Glauchau in Sachsen be- \{chlossene Aussperrung Puder Textilarbeiter, die am Sonn- end in Kraft treten sollte, ist, wie der „Voss. Ztg.“ telegraphiert wird, dadurch abgewendet worden, daß die aus\tändigen Arbeiter der fie Peßold u. Co. ünesichts des Aussperrungsbeshlusses des abrikantenvereins die Arbeit wieder aufgenommen haben.

Zum Ausstand der Eisenbahnangestellten in Australien.

(val. Nr. 109 d. Bl.) wird dem „W. T. B.“ aus Melbourne berichtet, daß der Eisenbahnverkehr nah dem Junern jeßt vollständig eingestellt ist. In Ballarat, Bendigo und anderen V ist die Einstellung von Lokomotibführern unmöglich. Der Eisenbahnver- kehr nach den Vororten hat so gut wie ganz aufgehört, da nux 9 Lokomotiv- führer eingestellt werden konnten. Der Vorortverkehr wird mittels Straßenbahnwagen und anderer Fahrzeuge aufrechterhalten. Mau trifft Vorkehrungen, um die Küstenpost durh Dampfer und die In- landpost dur Stellwagen zu befördern, da die Lokomotivshuppen bon den Ausständigen umlagert werden, um Arbeitswillige fernzuhalten. Sogar die wenigen in Betrieb befindlichen Züge werden von Leuten eführt, die nicht erfahren genug sind, um die Maschinen vor- criftsmäßig zu bedienen. Von verschiedenen Seiten sind Be- richte von Eisenbahnlinien eingegangen, ‘auf denen“ infolge falscher Weichenstellung Zugéntgleisungen vorgekommen sind. Die Expreß- züge nah Sydney und Adelaide erlitten Verspätungen um mehrere Stunden. Die englische Post ist zur See nah Adelaide gesandt

worden. Kunst und Wissenschaft.

„A. Die Ausstellungen in den Kunstsalons bieten jeßt aud E ta S EaanohdfA die sonst zu ihrer stillen Zeit ge- hörten, Neichhaltiges und Gutes. So fesseln a tien bei Schulte ¿wei Landschaftler in_ besonderem Maße die Aufmerksamteit: Ludwig Dill und Toni Stadler. / Der Karlsruher Ludwig Dill ist mit einer ganzen Reihe von Arbeiten vertreten. Seine eigentümliche, in den gedämpsften Farben an \ottische andschaften erinnernde Kunst ist bekannt, doch bekommt man hier, wo seine Bilder cine ganze Wand bededen N f sih er-

änzen oder bestätigen, einen besonders deutlichen Ein t von E Die Arbeiten, die eine fla Bott u ee E nit den T O uns eine Land|[cha E G ‘Lr aebanp fteiaFatthn mit seinem Wirklichkeitsgehalt zu vermiltein ; Á Abe S De

i ie einen großen Reiz für das Ange en, IpreMt eiten hne Tore find erren und liegen wie S o

rauen Sleier, das gibt ihnen etwa die Wirkung alter Gobe e Bäume, Wasser, Himmel, Blumengründe, all dies werden wir niemals mit den Augen des Künstlers in der Natur sehen, E al tastishe Uebertragung mit ibrem märcenhaften Zauber ist voller S und die Farbengebung verrät eine Vornehmheit und Höhe des Ge- Ee die bet uns nit i häufig e Ee n rater

i , doch ist ihm der weit gr ; tssi

L Ee o M1 bea Ne die auf Schritt und Tritt im Leben Fülle und Schönheit sehen. In seinen Arbeiten glaubt man einen Einfluß von Thoma zu spüren. Er wählt ähnliche Landschaftsbilder zu setnen Vorwürfen wie jener; {lichte Motive sind es meist, gewellte Flähen mit zahlreihen Büschen und Sträuchern, mit einer Fülle von grünen und bräunlihen Lönen, die sh in cine kraftvolle Harmonie zusammenschließen. Darüber hoher Himmel mit wunderbar behandelten Wolken, etwa zarten, luftigen, von der Sonne emporgezogenen Nebelflocken - oder \{chwereren Massen von lichtbräunlihem Grau, denen man den kommenden Regen anspürt. Die Bilder sind unendlih liebevoll ausgeführt, alles ift nah und innig gesehen, und doch faßt das Auge be ci die Gesamtstimmung und wird von den ausgeführten Einzel-

eigen. Er gehört zu den

eiten nit beängstigt. Diese herzliche, fast demütige Art der Natur-

etrahtung, in der der Künstler, indem er nur die Natur zu geben sucht, zuglei so völlig sich selbst ausspricht, hat die größte An- ziehungskraft.

on Porträtisten ist der mit zwei lebendigen Bildnissen ver- tretene r Burger zu erwähnen. Eine kräftige, erquickliche Ar- beit voll Leben, Temperament und flotter Tegnit st auch die „Walachische Post“ von dem verstorbenen Künstler Adolf Schreyer. In dem ersten Saal interessieren die Dekorationsentwürfe zu „Pelleas und Melisande“, die von Louis Corinth und Leo Jngekoven herrühren. Es sind nelle und ziemli rohe Pastellzeihnungen, in denen der Hauptwert auf den prächtigen Zusammenklang der arben gelegt ist. .

Lanud- und Forstwirtschaft.

Aus Koblenz wird geschrieben: Der Wein st ock hat gut über- wintert, das Holz ist stark und kräftig, die Witterung war günstig, es sind somit die ersten Bedingungen für ein gutes Weinjahr gegeben. Der nächste Wunsh der Winzer richtet sih darauf, daß nicht allzu- starke Spätfrcöste eintreten möchten. Was den Wein handel betrifft, so hat sich die unerwartete Erscheinung gezeigt, daß der leßte Jahrgang bei den Käufern steigendes Interesse gefunden hat und in seinen Notierungen über die garde 2s Kreszenz von 1901, deren teilweise niht ganz reintönige Weine star vernachlässigt find, erheblich hinausgegangen ist. Das hat seinen

rund darin, daß der Wein von 1902, der anfangs infolge un- genügender Reife der Trauben einen hohen Säuregehalt aufwies, diesen nah vollendeter Gärung zu einem großen Teil abgestoßen und fi zu einem recht brauchbaren Sousümmein entwidckelt hat.

, Ueber die Witterung und den Stand der Kulturen wird der „Schweizerischen Landwirtschaftlichen Zeitschrift" aus der Zentra lschweiz unter dem 3. Mai geschrieben: Mit dem Gras- wuchs ist es in den legten 14 Tagen wenig vorwärts gegangen; es war zu frostig und windig zum Wachstum, das erst durh rechte Bodenwärme gefördert wird. Gegenwärtig ist man Q allwärts vom Weidgang zur Grasung übergegangen, aber die Bestockung ist dünn und das Futter unergiebig. Die Saaten stechen fo übel noch nicht und zeigen S des Frostwetters noh wenig Nöte. Mit Pflanzung der Kartoffeln ging es nit gut vorwärts, und die früh ge- pslanzten wahsen im kalten Boden E aus. Die Garten- arbeiten sind stark im Rückstande. Nun ollten die Weidepläße mit Mist, Gülle oder leicht löslihem Kunstdünger möglichst in frischen Trieb gesegt werden. Der Blühet der Kirsch- und Birnbäume wird nun allgemein, und {chöne Maientage sind dringend nötig, wenn das Blust* sich entwideln und Früchte erzeugen soll. Der, Knospenansaß wäre, etwa die Aepfelbäume ausgenommen, im allgemeinen genügend

bis reihlich.

Saatenstand in Rumänien.

i i 1d M.) Der Kaiserliche Konsul in Bukarest berichtet unterm s i Nachrichten haben die Wintersaaten den dies- A vorlied inter f Aliineinan gut überstanden. Aus-

jährigen harten Win Sten Feil die Rapsfaaten, die zum größten Teile ausfroren, genom dieser Fruddtart nur ein geringer Grtrag zu erwarten steht.

Die mit Raps angebaut gewesenen Aecker sind vielfah umgeackert und

mit anderén Fruchtarten bestellt worden. Die ¡S eitung

igen Bedingungen vor fih gehen. Zur S R Setzen des Mais beschäftigt. 2 tand der

Saaten ist befriedigend, lo daß die Hoffnungen auf eine gute Grnte zur Zeit berechtigt erscheinen.

erkehrszentren*

Getreidebandel in S A

iserlihe Generalkonsulat in Antwerpen berichtet unterm

4. N ale: t d. J. verliefen die Getreidegeshäfte am hiesigen Platze ziemli lebhaft, und die Preise guter Weizensorten erfuhren eine geringe Steigerung. Am Ende des Monats stellten sich die Preise für Getreide und Mehl hier ungefähr, wie folgt:

Weizen: nordamerikanischer. Fr. 162 : Kansas L108 californischer - Walla 5 C ALX Kurrachee, weißer . A Z As E E E N 165/g Plata, je nach Güte . .. L An D E t e 1DS/S/1T ruder S S s " 152/174 inländischer Ms « 152/164 Roggen: Donau und nordamerikanisher . « 137/14 inländischer . E E Ls - 182/14 Gerste: zu Futterzwecken . 124/13 für Bens E ie: E SS S T russisher und nordamerikanisher. . , Mais; E und Plata . 124/132 Odessa und Donau x v 132/144 Weizenmehl: inländishes. . . 202/22.

Die Vorräte am hiesigen Plaße wurden Ende April d. I., wie folgt, geshäßt: Weizen: 150 000 dz

Gerste: 35000, Mais 125000: ¿=%

einfurt, 11. Mai. (W. T. B.) Bei einem Festmahl zu Ehren A hier stattfindenden 39. Wanderversammlung bayerischer Landwirte hielt gestern abend Seine Königliche Hoheit der Prinz Ludwig von Bayern eine längere Ansprache, in der er über die Bedeutung der Landwirtschaft \sprach. Er betonte dabei den hohen Wert des Großgrundbesißes, der jedoch niemals das ganze Land umfassen dürfe. Stets müsse neben dem Großgrund- besiß ein kräftiger S E Besitz, sowie eine hinreichende al von Iöhnern vorhanden |etn. : 2 D D Mai. (W. T. B.) Das Handelsamt hat die Einfuhr von Tieren aus Argentinien und Uruguay nah Großbritannien vom 12. Mai ab verboten.

Verkehrsanftalten.

Personen- und Frachtverkehr des Norddeutschen Lloyd.

Im Jahre 1902 wurden auf den transozeanishen Reisen der Dampfer des Norddeutshen Lloyd" 334 972 Personen befördert. Im ganzen wurden vom Norddeutshen Lloyd im transozeanischen Verkehr bis zum 31. Dezember 1902 befördert 4 799 933 Personen.

ln Ladung wurden im Jahre 1902 auf den verschiedenen Linien im transozeanisGen Verkebr 3 172 098 cbm befördert.

Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd durchliefen im vorigen Jahre auf ihren Fahrten ca. 5 781 000 Seemeilen , gleih etwa 268 mal den Umfang der Erde.

Der Reichspostdampfer „Preußen“, auf der Ausreise nach Ostasien begriffen, ist in der Naht vom 4. auf den 5. d. M. bei Southampton mit einem englishen Dampfer zusammen-

estoßen. Telegraphishen Meldungen zufolge sollten die Instand- teblungabAtes erst am 9. Abends oder am 10. Morgens beendet sein. Unter diesen Umständen wird der Dampfer voraussihtlich erst am 16. anstatt am 14. d. M. yon Neapel wetterfahren können. Der Postshluß für den Dampfer tritt daher zwei Tage später, als festgeseßt war, ein.

Borkum, 10. Mai. (W. T. B.) Heute begann bei gutem Wetter die Legung des zweiten deutsh-atlantischen Kabels von Borkum nah Nordamerika. Der Direktor Moll von der Deutsch-Atlantischen Kabelgesellshaft taufte das Kabel mit einem dreifahen Hoh auf Seine ajestät den ‘Kaiser. Das Kabel wurde dann vom Strande aus eingebettet und in ein Kabelhaus eingeführt. Darnach begann der neue Kabel- dampfer „Podbielski“ sofort die Weiterlegung des Kabels durch die Nordsee und den Kanal. In ciner Ansprache an die Teilnehmer betonte Direktor Moll, daß dies das erste, dur eine deutshe Kabel- fabrik, die „Norddeutshen Seekabelwerke“ in Nordenham, bergestellte größere Unterscekabel sei, Man hoffe, die Legung des Kabels im Lcbstea Jahre zu vollenden und spätestens am 1. Januar 1905 den Betrieb auf dem ganzen Kabel zu eröffnen.

Theater und Musik.

Königliches Opernhaus.

Die Königliche Opernbühne dürfte vielen Musikfreunden durch die am Sb E Wiederaufnahme von Smetanas komischer Oper „Die verkaufte Braut“ eine um so größere Freude bereitet haben, als die Aufführung des reizvollen Werkes unter des Kapell- meisters Richard. Strauß? temperamentvoller Leitung sehr anregend verlief. Die weibliche L ibolE der Marie sang Fräulein Destinn mit blühender Stimme und warmem Ausdruck und entwickelte auch im Spiel die erforderliche Lebhaftigkeit. Einen trefflichen Partner hatte fie in Herrn Jörn, dem zum ersten Male die Rolle des Hans anvertraut worden war, die ihm offenbar besonders gut zusagte. In den anderen Aufgaben bewährten si die Damen Kopra, Dietrich und Pohl, die Herren Mödlinger, Wittekopf, Lieban und andere. Auf die Oper folgte ‘ein neues Ballett, „Der Zauberknabe “, Tanzfpiel in einem Akt von H. Regel, Musik von R. Goldberger, das freilih mehr für das Auge als für das Dhr bot, aber doh schr freundlih auf- enommen wurde. Es bandelt sich darin um den „alten Turnei, den fit ewigen Erdentagen der Winterkämpft mit dem Mai“. Den jungen Lenz wollen die Mächte der Finsternis, verkörpert durch den Uhu und anderes Nachtgetier, im Schlafe ermorden, aber die Liebe und ihre Dienerinnen, Schwalben, Nachtigallen, Finken 2 führen in ge- \{losseñer Phalanx und in aufgelöster Shlachtordnung, die Gelegen- heit genug zu hübschen und bunten Bühnenbildern bieten, den Kampf zu_ feinen Gunsten siegreih durch; den Schluß carakterisieren am besten die Worte aus Siegmunds Liebeslied: „Vereint sind nun Liebe und Lenz.“ Die Musik zu diesen Vorgängen ist gefällig, ohne Prâtentionen, Ai aber au ohne besonders ausgeprägten Charakter. Was dem

allett den Hauptreiz verlieh, war die Aufführung, in der alle Vor- züge unseres tadellos gel ulten Balletts in die Erscheinung traten. Sowohl die horeographishe Einrichtung des Ganzen durch Herrn Graeb, wte die Solotänze der Damen Dell’Era (Pfauenau e), Kierschner S Urbanska (Liebe) und die Leistungen des Ballettkorps im all- gemeinen waren bewunderungswürdig. Auch die Ausftattung bietet des Sehenswerten genug.

Berliner Theater. Die Herren Halm und Graul, die Dr. Paul Lindau in

der A des Berliner Theaters abgelöst haben, - begannen ihre |.

Direktionsführung am Sonnabend * unter den günstigsten Umständen. Gegeben wurde eine der ältesten Berliner Possen des Begründers des L D. Kalisch, und zwar „Hunderttausend Taler“, das Werk, mit dem der später \o erfolgreiche Bühnendichter die Gunst der Berliner im Jahre 1847 zuerst gewann. Die Frische und Ursprünglichkeit, die diese Arbeit noch heute in reichem Maße aubzciden sind so recht dazu angetan, uns den Niedergang der Berliner Posse, wie sie heute besteht, vor Augen zu führen. Freilih wurde das Stück nicht ganz in seiner für heute vielleiht zu

naiven Ürforim gegeben ! Herr Louis Hermann, der dies Gebiet der Bühnenliteratur gründlich beherrscht und auch felbst als Possen- und Coupletdihter des eran erfolgreich hervor- getreten ist, hatte mit feinem Verständnis für seine Auf- gabe die Retouchierarbeit vorgenommen, die Gesangseinlagen mit neuen, dem Geijte des Ganzen wohlangepaßten Versen versehen und au sonst als geshickter Dramaturg die befsernde Hand angelegt. So fand denn das alte Werk in der neuen Gestalt so starken Beifall, daß ihm vermutlih wieder ein längeres Bühnenleben beschieden sein wird. Nicht wenig trug .dazu aber die sorfältigst vorbereitete, in allen thren Teilen völlig einwandfreie Aufführung bei. An erster Stelle if Herr Walden zu nennen, der in der Hauptrolle des Stullmüller, der im ersten Bild Maler, im zweiten Börsenspekulant und im dritten Bierwirt in Stralau ist, eine neue Probe von seiner außerordentlichen Vielseitigkeit ablegte. Wer hätte gedacht, daß der begabte Darsteller jugendlicher Helden, der treffliche Interpret des komplizierten Charakters des Prinzen Friedrich von Homburg, der poetische Karl Heinz in „Alt-Heidelberg“ in so liebens- würdiger und fein pointierter Weise Couplets vortragen, sih mit dem Berliner Dialekt so gut abfinden und obendrein eine fo ausgesprochen komische Figur abgeben könnte, wie es im S Akt geshah! Seine Leistung gemahnte an die der allerbesten Vorbilder im Possenfach. Neben ihm behauptete sich mit großem Erfolg auch Frau Schneider- Nissen, die glückliherweise. dem Üeberbrettl entsagt hat, um zur Bühne zurüdckzukehren. Eine Charge von überwältigender Komik bot ferner Hexr Schindler als Jude Zwickauer. Unter den anderen Mitwirkenden zeichneten sih Fräulein Carigioli fowie die Herren Rohland, Wehrlin, Miethke u. a. aus und vereinigten sich mit den Vorgenannten zu tadellosem Zusammenspiel.

Schillertheater N.

_ Henrik Ibsens Schauspiel „Hedda Gabler“ erfreute fich bei seiner Aufführung am Sonnabend einer sichtbaren Anteilnahme; aber von der tiefen Erregung und dem gespannten Interesse, das E die Dramen des nordischen Dichters wecken, war weniger zu püren. Diese s{chwächere Wirkung „Hedda Gablers“ beruht zum Teil auf der einseitigen psyhologishen Ausgestaltung der Charaktere. Die Gew in ihrer beshränkten Sphäre tüchtigen Menschen, wie Jörgen

esman, Tante Julie und Frau Elvsted, tragen alle den Stempel minderwertiger Intelligenz an sich, \so daß die Teilnahme der

ushauer sich ihnen nur mit Vorbehalt zuzuwenden vermag.

ie geistvollen Genußmenschen ihrerseits, wie Hedda Gabler und Gerichtsrat Brat, verleßten dur jeglihen Mangel an Gemüt, und der ebenso geniale wie haltlose Ejlert Lövborg, der jedem Einfluß zu- R ist und naturgemäß dem stärkeren der Bösen unterliegt, er- eint auch nicht geeignet, Sympathien wachzurufen. So konnte sich der Zuschauer an feiner Gestalt des Dichters rückhaltlos erwärmen oder an ihr ein aufrihtiges Interesse gewinnen. Die Stimmung des Publikums bot daher eine Mischung von Neugier und Gleichgültigkeit, die zufrieden war, ungeachtet der feinen psychologischen Ausgestaltung der vom Dichter gewollten Charaktere, sich an die Aeußerlichkeiten des Dialogs zu halten. Seine bizarren Wendungen, die einem überreizten Gefühls- leben Ausdru An boten dann wiederholt Anlaß zu lauter Heiterkeit, anstatt die beabsichtigte ernste Ergriffenheit hervorzurufen. Vor allem liegt für die Gestalt Heddas durch ihre Maßlosigkeit, die aus ver- wöhntem Eigensinn und ertöôtender Herzlosigkeit resultiert, die Gefahr nahe, unnatürlih zu wirken, und so wurde gerade sie oft genug nicht ernst genommen. In etwas vershuldete diese Wirkung auc die Dar- stellerin der Rolle, Alwine Wieke; sie kann schncidend |harf, überlegen und vershlagen in der Dialektik sein, aber es mangelte ihrer Charakteristik die Großzügigkeit, die von den Fehlern Heddas geheimnisvolle Schauer ausstrahlen lassen muß. Pie s als Heddas Gatte, übertrieb. die Nüchternheit und Ünbeholfenheit des gutmütigen Jörgen Tesman; dieser ist doch immerhin ein ernster Gelehrter, der nicht ohne weiteres in die Kategorie der Dümmlinge verseßt werden darf. Am besten waren die Nebenrollen beseßt; die gute Tante Julie fand in Meta Bünger eine trefflihe Darstellerin, und Else Waja lieh der Gestalt der Frau Elvsted mit \{chlichten Mitteln eine warme und natürliche Herzlichkeit. Der Gerichtsrat Brak des Herrn Steinrück war überhaupt die beste Leistung des Abends; mit vornehmer und kühler Sicherheit, durch die doch ein leiser Ton von Mitgefühl für die Leiden und Freuden seiner Nebenmenschen hindurh- klang, verfolgte dieser genußfreudige Egoist seine Ziele. Die shwierige Rolle des Eijlert Lövborg stattete Herr Ziegel {hon in der Erscheinung mit allen äußerlihen Anzeichen des verkommenen Genies aus, deren Eindruck durch die unsicheren Gesten und die nervöse Sprehweise noch

verstärkt wurde. Thaliatheater.

Die Nückehr zur altbewährten Berliner Posse, die auch andere S Bühnen erfolgreih angebahnt haben, wurde gestern im Theater der Dresdener Straße gleichfalls mit bestem Gelingen durchgeführt. Emil Pohls und H ilkens lustige Gésangsposse „Auf eigenen Füßen" gelangte dort am Sonnabend zur erstmaligen Aufführung. Die Herren J. Kren und A. Schönfeld, bezw. E inödshofer hatten das beliebte Zugstück früherer Jahre bearbeitet und mit neuen, zeitgemäßen Gesangseinlagen ausgestattet, ohne s seinen Gesamtcharakter f beeinträhtigen. Es war ihnen aber dadur gelungen, sowohl die Gestalten vergangener Zeiten, als auch die ein- zelnen aus dem Berliner Leben herausgegriffenen Scenen unserer F Auffassung näher zu bringen. Von den neuen musikalischen Beigaben erzielte das von Herrn Formes mit kräftigem, warmen Ton vorgetragene stimmungsvolle Lied „Lebe wohl, mein Heidelberg“ besonders lebhaften Beifall des , ausverkauften Hauses. Aber auch Fräulein Manci (Agnes) fand mit dem launigen Gesangsvorträge „Die Liebe kommt wie der Bliß“ allgemeine Anerkennung. Ebenso beifällig wurde das von Fräulein Wannovius (Lieshen) und Herrn Thielsher (Beseler) esungene „Hutduett“, sowie cin von diesen beiden und Herrn Helmerding (Röthelmann) vorgetragenes Terzett „Raus“ aus Berlin“ aufgenommen. In gleicher Weise vortrefflich war das Zusammenspiel dieser Hauptdarsteller mit den ras Neiff (Pinkert)), Grimm (Glattbein) und Winkler (Pfannen- \hmidt), wenn freilih der leßtere den studentishen Üebermut in seiner Rolle etwas mehr hätte betonen können. Selbst die kleineren artien waren mit ersten Kräften durch die Damen Dora und Bojsó owie Herrn Ee beseßt, so daß eine außerortentlih gut ab- gerundete Aufführung zu stande kam. Gewonnen hätte diese aller- dings noch, wenn die Gesangseinlagen mehr -auf alle Akte verteilt worden wären, statt sie in den beiden ersten zusammenzudrängen, in denen von den alten Liedern das Conradishe „Feinsliebhen mein unterm Rebendah“ das Hauptthema bildete.

Im Königlihen Opernhause wird morgen „Feuersnot“ von Richard Strauß, unter der persönlichen Leitung des Komponisten und in den Hauptrollen mit den Damen Destinn, a oe hauser, Pohl, den Herren Berger, Knüpfer und Philipp eseb y gegeben. Den Beschluß des Abends bildet das Ballet „Der Zauber- knabe“ von Goldberger, in dem Fräulein Dell’Era und die ersten Kräfte des Königlichen Ballets beschäftigt find. i:

Im Königlichen Schauspielhause beginnt der Cyklus der Shakespeareschen Königsdramen am Sonntag, den 24. Mi.

Unter dem Namen „Barthshe Madrigalvereinigung haben sich unter Leitung von Herrn A. Ba rth die Damen E. A Linsingen, Betsy Schot (Sopran), E. Felser und Bakke (Al ut die Herren A. Michel, Stromsfeld (Tenor), A. N. Harz-.n-Müller un

abian (Baß) zu einem Vokaldoppelquartett vere igt, das 10 insbesondere der Pflege Ua e aen Sd dèr Madriga . 7. Jahrhundcrts widmen wird. )

S Fn A Rotter das, wie bereits ange” ündigt, morgen abend

um 7 Uhr in der Ap%ostel Paulus-Kirche. ‘stattfindet, wird Hei

Adalbert Gülzow für den verhinderten He',xrn Witek eintreten. Dle

anderen Solisten ind gros Emilie Hèr2-,g und die Herren, Rypolf Krasselt und Arfhur Egidi. / E