1876 / 209 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Maß- und Gewichhtsabstufungen von hohem Präzifionscharakter, welche, sei es von Regierungen, sei es von wissenschaftlichen Gesellschaften, sei es au<h von einzelnen Gelehrten und Mecha- nikern, dem internationalen Bureau zur Beglaubigung über- \andt werden.

Na Verlauf von zwölf Jahren kann der Verirag von dem einen oder anderen der veriragsließenden Theile gekündigt werdrn. Diejenige Regierung, wel<he von diesem Kündigungs- rehte für sich Gebrau zu machen gedenkt, ist gehalten, ihre Bbsicht ein Iahr vorher zu erklären.

Beéhufs einheitliher Regelung der Grundsägze, nah welchen bisher die Zulässigkeit der vershiedenen Kategorien zins- tragend.x Paptere bei der Kautionsbeftellung der Liefe- rungs- 2c. Unternehmer beurtheilt worden ift, und zur Herbei- führung einer zugleih den wirthschaftlichen Interessen förderlichen Geschäftserleihterung hat der Kriegs-Minister bestimmt, daß zur Bestellung von Unternehmerkautionen für Lieferungen und Leistungen im Berei<h der Militärverwaltung künftig als geeignet anzusehen sind: 1) die Schuldver- schreibungen, welhe vom Deutshen Reihe oder einem deutshen Bundesstaate mit gesegliher Ermächtigung ausgestellt find; 2) die Schhuldvershreibungen, déren Ver- zinsung vom Deutschen Reiche oder einem deutshen Bundes- ftaate geseßli< garantirt ist; 3) die Rentenbriefe der zur Ver- | mittlung der Auflösung der Renten in Preußen bestehenden Rentenbanken; 4) die Schuldverschreibungen, welhe von deut- ichen kommunalen Korporationen (Provinzen, Kreisen, Gemein- den 2c.) oder von deren Kreditanstalten ausgestellt und entweder Seitens der Inhaber kündbar find oder einer regelmäßigen Amortisation unterliegen; 5) die Sparkassenbühher von öffent- lichen, obrigfeitlih bestätigten Sparkassen und 6) fihere Hypo- theken und Pfandbriefe. (Eine Hypothek oder Grundschuld ift für ficher zu erachten, wenn fie bei ¡ändlihen Grundftü>en inner- halb der erften zwei Drittheile des dur< rittershäflli<e, land- schaftliche, gerihtlihe oder Steuertaxe, bei ftädtishen innerhalb der erften Hälfte des dur< Taxe ciner öffentlihen Feuerver- sicherungsgesellshaft oder dur< gerihtlihe Taxe zu ermittelnden Werthes, oder wenn sie innerhalb des fünfzehnfachen Betrages des Grundsteuer-Reinertrages der Liegenschaft zu stehen kommt. Sicheren Hypotheken stehen im Sinne dieser Vorschriften die mit staatliher Genehmigung ausgegebenen Pfandbriefe und gleich- artigen Schuldverschreibungen s\olher Kreditinstitute gleich, welche dur< Vereinigung von Grundbesigzern gebildet, mit Kor- porationsre<hten versehen find und nah ihren Statuten die Be- leihung von Grundftü>en auf die izn vorangehenden Absaÿ an- gegebenen Theile des Werthes derselben zu beshränken haben.) Außerdem soll es unter eigener Verantwortung der betreffenden Behörden deren Ermessen überlassen sein, an Stelle geringerer Kautionsbeträge bis zur Höhe von 150 f die Bürgschaft von Personen, die am Orte als fiher und zahlungsfähig bekannt find, als genügend anzunehmen.

Nach $. 61 des Strafgesezbuches beginnt die drei- monatlihe Frift für die Stellung eines Strafantrages bei sogenannten Antragsdelikten mit dem Tage, seit welchem der zum Antrag bere<tigte von der Handlung und von der Person des Thâters Kenntniß gehabt hat. In Beziehung auf diese Bestimmung hat das Ober-Tribunal in einem Erkennt- niß vom 5, Mai d. I. die Entscheidung gefällt, daß bei In- jurienprozessen der verklagte Beleidiger, welcher den Ein- wand erhebt, daß die Kenntniß der Beleidigung Seitens des Klägers länger als drei Monate vor Anstellung der Klage zu- rücdatirt, diesen Einwand zu beweisen hat.

Die Vorschriften der Gerichtsordnung über Zuzie- bung der Ehemänner bei Prozessen der Ehefrauen finden, nah einem Erkenntniß des Ober-Tribunals, Senats für Strafsachen, vom 21. April d. I., auf das Sühneverfahren vor dem Schiedsmanne keine Anwendung.

Der General-Postmeifter hat fh in Dienstangele- genheiten nah Hessen und Lothringen begeben.

Der hiesige hanseatishe Minister-Refident, Dr. Krüger, ift von seinem Urlaube zurü>gekehrt und hat die Geschäfte wieder übernommen.

Als Aerzte haben si< niedergelassen die DDr. Brunner, Horn, Thiede, Rinne, Brettshneider, Klopsteh, Schulze und Déeutsh in Berlin, Sanitäts-Rath Dr. Marting in Orb, Dr. Sant in Marburg, Dr. Schmittmann und Pr. Wiskemann in Marburg, Dr. Daub in Büngerbrü>.

S. M. Stwhiffe „Kaiser“ und „Deutschland“ sind am 1. d. Mts. von Malta nah Gibraltar in See gegangen.

Vayeru. München, 3. September. (AUg. Ztg.) Se. Kaiserliche und KönigliGeHoheit der Kronprinz ift heute Vormittäg mit dem Hofer Shnellzuge in Begleitung des Obersten Mischke hier eingetroffen und im Palais der preu- ischen Gesandtschaft abgestiegen. Zum Empfange hatten sih am Bahnhofe wegen Beurlaubung des preußischen Gesandten Frhrn. v. Werthern der preußische Geschäftsträger Gr. v. Dön- Hoff, sowie der Major v. Stülpnagel eingefunden. Der Kron- prinz besichtigte nah eingenommenem Frühstü> mehrere Stun- den hindur< die Kunstausstellung. Nah einem Diner im preu- Gishen Gesandschafishotel reiste Höchstderselbe mit dem um 3 Uhr 20 Minuten von hier na<h Regensburg abgehenden Courierzug in Begleitung seines Adjutanten, sowie des Majors v. Stülp- nagel, weiter.

Die Mehrheit der Kammer der Abgeordneten hat bekanntli die Mittel für die dur< die neue Schulord- nung von 1874 ins Leben getretene fünfte Klasse der Lateinshulen an den Gymnasien verweigert und hier- auf beharrt, au< na<hdem die Kammer der Reichsräthe diese Mittel bewilligt hatte; wie die „Allg. Ztg.“ nun vernimmt, wird in Folge dessen eine Aenderung der Schulordnung keineswegs eintreten, vielmehr die fünfflasfige Lateinshule erhalten blciben. Allerdings aber können, da im Budget keine Miitel hierzu gegeben sind, an den betreffenden Late:nklassen Studien- lehrer nit angestellt werden, vielmehr muß bis auf weiteres der Unterricht an denselben dur< Assistenten ertheilt werden.

Se, Majestät der König hat dem Sekretär und Ueberseßer im Kaiserlih japanishen Finanz-Ministerium, Alexander von S iebold, in Ieddo das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdien st- ordens vom heiligen Michael verliehen.

Bayreuth, 2. September. (Bayr. Tgbl.) Heute if fol-

gendes Schreiben aus dem Königlichen Kabinete an den Bürgermeister Mun>&er gelangt:

„Docbverehrtester Herr Bürgermeister! Se. Majestät der König hakten mi zu beauftragen geruht, Ihnen, hochverehrtester Bürger- meister, alé dem Vertreter der Stadt mitzutheilen, daß Allerhöchft-

seiner Umgebung während des eben Heendeten Allerhöchsten Aufenthaltes dortselbst in so hervorragender Weise zum Ausdru> gebraht haben. Euer Hohwoblgcboren dürfen Jhren Mitbücgern versichern, daß Se. Majestät dur< die überall aufgetretenen Kund- ebungen treuer Ergebenheit mit wahrer Freude jene huldvolle Ge- Eule gere<tfertigt fanden, welche Allerhöcbstdieselben so gerne für Bayreuth wie für alle Bayern im Herzen hegen. Besonderen Dark lassen Se. Majtstät der König für die glänzende Ovation aus- \sprehen, wel<e Allerhöhstdemselben bei der Abreise dargebracht wurde. Ich gebe mir die Ehre, diesen Mittheiluygen die Versiche- rung auégezei>ncter Hohabtung beizufügen, mit wel<her ih bin Cuer Hochwol:lgeboren ergebensier v. Ziegle. S>loß Berg, den 31. August 1876.

Schwarzburg - Sondershausen. Sondershausen, 31. August. In der heutigen Sißung des Landtags wurde in Erläuterung des Landtagsbeshlusses vom 14. Dezember v. I., auf Antrag der Finanzdeputation, der Fürstlihen Regierung die Ermächtigung ertheilt, die Klassensteuer der Genossenschaften, Kommandit- und Aftiengescllschaften ganz zu erlassen, wenn das Einkommen nur 4 Proz. oder weniger als 4 Proz. des Aktien- oder Einlagekapitales beirägt, dagegen in dem Falle, daß das Einkommen mehr als 4 Proz. beträgt, nur das über diesen Be- trag hinausgehende Einkommen zur Steuer heranzuziehen. So- dann wurde auf Antrag des Abgeordneten Reinhardt die Staats- regierung ersuh<t, die Konzessionirung zu Schankstätten und zu Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus au< von dem vor- handenen Bedüfniß abhängig zu mahen.

Neuß á. L. Greiz. 2, September. (Leipz. Ztg.) Ge- neral-Feldmarshall Graf Woltke ift so weit wieder hergestellt, daß er die dem Vernehmen na<h für morgen in Aussiht ge- nommene Weiterreise nah Leipzig antreten kann. Geftern Mit- tag hat er die Vertretec der Stadt empfangen und dann nah einer Fahrt dur die im Fahnen- und Flaggens<hmu> prangen- den Straßen der Stadt, begleitet von seinen beiden Adjutanten, im Fürstlihen Park einen Spazier.ang gemoht.

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 1. September. (Straßb. Ztg.) Am 18., 19. und 20. September finden zwischen Barr und Molsheim, resp. Schlettstadt und Barr die Detachements- übungen der Brigaden ftatt, zu welchen je eine Escadron Kavallerie, je 2 Batterien Feldartillerie und je 1 Compagnie des Pionier-Bataillons Nr. 15 (leÿztere aus Meg) herangezogen werden. Hieran \{ließen fich vom 22, bis 28. d. M. die Divi- sions8-Manöverz dieselben finden zuerst mit zwei Abtheilungen gegen einander zwishen Molsheim-Urmatt und Wafselnheim ftatt mit 3 Bivouacs dér Vorposten und einem der gesammten Division, an den beiden lezten Tagen zwischen Wasselnheim und Straßburg gegen einen markirten Feind. Die Rü>kehr der aus- wärtigen Truppentheile erfolgt per Eisenbahn.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 2. September. Die „Wiener Abendpost" schreibt: „Eine telezraphishe Mit- theilung aus Petersburg konstatirt deW.lebhaften Antheil, welhen das russis<he Kabinet an der in Konstantinopel angebahnten Friedensvermittlung genommen. Es wird betont, daß die rusfishe Regierung sowohl in Belgrad als in Cettinje nahdrüd>li< , im Sinne des Friedens gewirkt und fi< dabei insbesondere die Mai-Abmachungen mit Deutschland und Oesterreih-Ungarn vor Augen gehalten habe. Es sei kein Grun®, anzunehmen, daß in Berlin und Wien nit gleihartige Anschauungen vorwalten. Gleichzeitig wird von anderer Seite die Angabe widerlegt, als ob die englische Regierung in Sachen des Mediationsversuhes si<h von den übrigen Mäch“en getrennt und eine besondere Stellung einge- nommen hab-.. An den russishen Hinweis auf den Werth und die unges<hwächte Fortdauer des Drei-Kaiser-Bündnisses \{hließt fih daher andererseits die Versicherung, daß in der Frage der Friedensvermittelung die vollständigste Einigung zwischen allen europäischen Regierungen herrshe und daß fi<h daher die diplo- matische Situation im Wesentlichen eiwa so darstelie, wie sie zur Zeit der Uedberreihung des Reformprojekts an die Pforte ge- wesen, nur daß England der jeßt {hwebenden konkreten Frage gegenüber weder in prinzipieller, no< in praktisher Richtung einen Anlaß habe, feine damaligen Reserven aufre<t zu er-

alten.“

3. September. Aus Feldsberg wird gemeldet, i der Kaiser gestern Nachmittags daselbst zu den Manövern ein- getroffen sei.

4. Scptember. In Folge einer Reklamation der österreichishen Regierung hat die rumänische Regierung, wie von gut unterrichteter Seite verlautet, die Verordnung, betreffend die Einhebung einer Personalsteuer von den in Rumänien lebenden Angehörigen fremder Staaten, zurü>gezogen.

Prag, 1. September. Die „Bohemia“ theilt Folgendes mit: „Graf Hohenwart nnd Weiß v. Starkenfels seien eifrigst thätig, die Altcze<hen von der Nothwendigkeit des Eintrittes in den Reichsrath zu überzeugen, um gegen die A us- glei<hsvorlagen zu ftimmen, damit, wenn nah der Ver- werfung der Vorlagen die Auflösung des Reichsraths erfolgt und Neuwahlen stattfinden, die Rehtspartei fiege. Darumwerde vorläufig die Mitwirkung der altczehishen Partei nur bei der Abstimmung verlangt. Die Altczehen seien geneigt, darauf einzugehen, aer die Frage habe für fie formale Schwierigkeiten. Seitens der Rechtspartei rathe man ibnen, der czehishen Bevölkerung zu er- klären, daß, unbeshadit des Festhaltens an den bisherigen Prin- zipien, der Eintrit in den Reichsrath geschehe, weil dur<h den neuen staatsr<>@tli<hen Zuftand eine Erhöhung der Lasten geshaf- fen werden solle. Dieébezüglihe Entshlüfse der Altcze<hen find noch ungewiß.“

Pest, 2. September. Dié hiefigen Blätter widmen der morgen beginnenden Centennial-Feier des Palatins Erz- herzocs Josef je na< ihrem Standpunkte verschieden geartete Betrachtungen. Dem „Pest. Lld.“ bietet dasselbe erneuerte Ge- legenheit zur Feststellung der Thatsache, daß in Ungarn die „Kluft zwischen Krone und Volk geshlo}sen“" ist. „Eins so führt das citirte Blatt diesen Gedanken weiter aus „ist der Herrscher mit der Nation im Wollen und im Wirken. Der gekrönte ungarische König ift in eigener Person der Hüter der Verfaffung und des Gesetes und kein Schatten trübt den Einklang zwischen Volks- thum und Dynastie. Dem is so, aber dem war. nicht so zu allen Zeiten, und daß diese Wandlung eingetreten, dazu hat indirekt au< das Walten des Palatins Josef beigetragen.“ Mit der Palatin-Feier wird gleichzeitig die Eröffnung des mit

einer Ausstellung verbundenen anthropologishen und prähistori- \hen Kongresses stattfinden; zu beiden find die Mitglieder des ftatiftishen Kongresses geladen. Graf Lonyay hat einer aus Zenta bei ihm erschienenen Deputation, welche gekommen war, ihn

dicselben stets mit freudigem Gefühle der aufrihtigen Anhänglichkeit eingetea? jen

welhe die Bewohner BVayxeuths und

werden,

Bewilligung dieses Ersuhens endgültig zugesagt. Er motivirte seine Sinnesänderung damit, daß er dem konstitutionellen Usus, dem er stets gehuldigt, gehor<hen und eine Wahl für eine öffent- liche Stellung annehmen müfse, und daß er hoffe, es werde bald die Zeit kommen, da an der materiellen Regeneration Ungarns ohne jede Parteirü>fi<ht gearbeitet werden und er seine Crfah rungen anwenden können werde.

Agram, 1. September. In der heutigen Landtags- sizung hat Gyurgyevics, entgegen dem neulihen Klubbeschluß, die Jnterpellation an den Ban in Angelegenheit der Verhaftun von Affientievics gestellt. Gyurgyevics fragte, ob den Ban _——_ jene Haussuhungen und Verhaftungen bekannt seien, welche in Agram, Karlftadt und Efsegg vorgenommen wurden, ob ihm insbesondere bckannt sei, daß die Staatsanwaltschaft in Essegg bei Afkfientievics gegen die Vorschrift des Gesezes ohne Auftrag und Intervention des Gerichtes Hausdur<hsuhung vor- genommen und Akfientievics ohne vorhergegangene Einverneh- mung eingezogen hat; auf welher Bafis und aus welcher Ver- anlassung dies geschehen sei; ob der Ban dieses Vorgehen, und, wenn ja, aus welhen Gründen billige; wenn nit, was er ge- than habe, um die Aufregung und Erbitterung, die wegen dieser Vorgänge insbesondere unter den Serben plagzgegriffen, zu be-

\<wi<htigen ?

Schweiz, Bern, 2. September. (Köln. Ztg.) Wie der Handelsvertrag zwishen Frankreih und der Schweiz, \o ist au<h der von Oefterreih gekündigte Handelsvertrag auf naträglizen Wunsh auf unbestimmte Zeit provisorish ver- längert worden. Was endli<h den \<weizeri\s<-italieni- \hen Handelsvertrag betrifft, wel<her mit Mai 1877 abläuft, so wird vor dem Jahre 1877 ebenfalls nihts Entscheidendes geschehen.

Niederlande. Haag, 4. September. (W. T. B.) Von gut unterrihteter Seite verlautet, daß die Minister der Ko- lonien und des Krieges bei ihren Entlassungsgesuchen beharren. Dieselben würden dur<h das Mitglied des Staats- raths, Dr. Swart, und dur< den General-Major Beyen er- seßt werden.

Großbritaunien und Jrland. London, 5, Sep- tember. (W. T B.) Die heutige „Times“ s\priht fich abermals dringend für ein Zusammenwirken Eng- lands und Rußlands zur Herstellung der Ruhe im Orient aus und erklärt insbesondere, fie glaube, daß es von der englishen Regierung abhänge, den Friedens\{luß mög- lih zu machen. Die englische Regierung würde denselben viel- leiht au< allcin zu Stande zu bringen vermögen, um viel ge- wisser aber siher im Einverftändniß mit Rußland.

—: (V. T. B) Die Zahl der Meetings die wegen der von den Türken begangenen Grausamkeiten abgehalten werden, nimmt mehr und mehr zu. Von Gladstone ist eine Zuschrift veröffentliht worden, worin derselbe anzeigt, daß er in einem am Sonnabend in Greenwich stattfindenden Meeting eine Rede halten werde und worin er zuglei<h den Wunsch ausspricht, die Bewegung fih der ganzen Nation mittheilen möge. Auf einem Meeting in Rohdale wurde ein Schreiben Brigths verlesen, worin derselbe die Nothwendigkeit betont, fih von aller politis<hen Solidarität mit der Türkei los- zusagen und erklärt, daß jede Stadt gegen die Mißwirthschaft der Türken protestiren müsse. E

Wie „Daily News“ hört, befindet \si<h eine Flug- \<rift Gladstones über die bulgaris<hen Grausam- keiten und die orientalishe Frage unter der Presse und wird in wenigen Tagen veröffentliht werden.

(E.C.)DieAdmiralitäthat bei Privatfirmen drei kleine Torpedo-Dampfer bestellt, die ohne Verzug in Angriff ge- nommen werden sollen. Im Arsenal von Woolwich wurden Versuche zur Bedienung \{hwerer Geshüßze vermittelt einer Dampfmaschine angestellt, welhe sehr befriedigend aus- fielen. Eine Maschine von 8 Pferdekraft richtete ein Geschüß von 38 Tonnen, lud und reinigte es mit Hülfe von blos 5 Ar- beitern und binnen 13 Minuten.

Fr«nkreich. Paris, 3. September. (Köln. Ztg.) Nach den ersten Berichten, welche beim Kriegs-Minifterium über die Einstel- lung der Reservisten eingelaufen sind, ift Alles in der größten Ordnung und Ruhe von Statten gegangen. Die vorläufigen Maßregeln find äußerst sorgfältig getroffen worden und die Refkfrutirungs - Kommandanten \so wie die Ober - Befehis- haber der Armee - Corps haben über deren Ausführung ftreng gewaht. In Folge dessen haben 128,000 Mann, die Tags zuvor no< zu Hause waren, 24 Stunden später in den Depots der verschiedenen Regimenter versawmelt wer- den fönnen, Der Marine - Minister hat Urlaub genommen und Paris verlassen; au<h der Direktor des gesammten Personals im MWMarine-Minijterium begiebt ih

aus Gesundheitsrü>sichten aufs Land. Vor seiner Abreise hat der Minifter no<h einen Vertrag mit der „Gesellschaft der Eisenwerke des Mittelmeeres“ abgeshlossen über

den Bau von zwei eisernen Transportschisfen, die den Namen „Shamro>“ und „Tonquin*“ erhalten und binnen 26 Monaten auf den Werften von Toulon und Havre fertiggestellt werden sfollen. Die Kosten find auf etwa 3 Mill. Fr. an- geschlagen. Die Schiffe haben eine Länge von 105 und eine Breite von 16 Meter, und man wird an ihnen alle die Vervoll- fommnungen zur Anwendung bringen, wel<he man seit dem Bau des „Mytho* als ausführoar erkannt hat; sie find zur Herstellung eines regelmäßigen Verkehrs zwishen dem Hafen von Toulon und der französishen Kolonie von Cochinchina beftimmt. Jedes Schiff kann 1200 Passagicre aufnehmen und bietet außerdem no< génügenden Raum für die Unterbrincung kranker Soldaten, die das asfiatishe Klima niht vertragen können und deshalb in die Heimath zurü>gebraht werden müssen.

Die „Köln. Ztg.“ theilt aus dem Reglement für die Weltausstellung von 1878 Folgendes mit:

Die bkeidea crsten Artikel geben das Datum der Eröffnung 2c. an. Art 3 beauftragt den A>erbau- und Handels-Minifter und den Minister des Unterrichts und der s{önen Künste in Gemeinschaft mit der Ober-Auéstellungskommission mit der allgemcinen Organi- sation der Auéftellung. Art. 7 ladet die fremden auf Ersuchen der französishen Regierung konstituirten Kommissionen ein, so bald als mögli< mit dem General - Kommissar in Verbindung zu treten. Art. 9 giebt die neun Gruppen an, in welchen die Ausstellungs; egen- stände vertheilt werden. Diese sind: 1) Kunslwerke, 2) Erziehung, Un- terriht, Material für die Künste, 3) Möbel und was dazu g: hört, 4) Ges webe, Kleidung, rche und verarbeitete Produkte, 5) Bergwerkswefen, 6) Handwerkszeug u. \. w. für mehanis@e Indufirie, 7) Nahrunga3- produkte, 8) A>erbau, 9) Gartenbau. Ein besonderer Saal ist für die retrospektiven und ethnologishen Ausstellungen zurü>behalten. Art. 10 besogt: Es wird von dem General-Kommissar cin methodi-

um Annahme des Mandats der genannten Stadt zu bitten, die

scher und allgemeiner Katalog der Produkte aller Nationen angefertigt

| strengung sei und der Suitan ses wünschte, der {weren Bürde

4 Murads V, selhst an den Großvezier Mehmed Ruschdi Pascha einen Ï Brief gerichtet, in dem fie erklärte, daß ihr Sohn U lûdli des Weise

religiôsen Gesang der Proklamation an.

werden, welher den Plaß andeutet, den sie in den Palais, den Park und den Gärten inne haben. Jede Nation wird As S Ra haben, auf ihre Urkosten und in ihrer Sprache einen besonderen Katalog anfertigen zu lafsen. Art. 13 bestimmt: Die franzöfischen und fremden Aussteller haben feine Miethe für ihre Plätze in der Ausftellung zu bezahlen Art. 16. Es werden zur Ausstellung nur solche Werke franzöäs{er und fremder Künstler ugelassen, wel<he seit dem 1. Mai 1867 angefertigt wor-

en. Att, 17. Diese Werke gehören folgenden sieben verschiedenen Gattungen an: 1) Malerei, 2) Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle, Por- zellan, Glaëmalerei 2c.; 3) Bildhauerei; 4) Kurstfteherei (Medaillen und Edelsteine); 5) Architektur; 6) Kupferstiche; 7) Lithographieen. Art. 18. Au-ges<lofsen siod: 1) Die Kopien; 2) die nicht ein- gerohmten Gemälde; 3) die Skulpturen aus niht gebrazrnter Erde, De der Industrie. Art. 23. Alle explo’iblen und gefährlichen

rodukte dürfea nicht auszest-ellt werden. Spiritus, Oel, Essenzen 2. werden rur in soliden Gefäßen vor gerizger Größe zugelassen. Art. 27. Die Erbauer von Apparaten, wzl<e die Anwendung von Wasser, Gas oder Dampf erbeiichen, müssen erklären, wie vie: Wasser, ‘Gaz oder Dampf sie bedürfen Ait. 24 Das W.sser, das Gas oder der Dampf, der für die Maschinen nothwendig ift, wird unentgeltlich ge- [ief-rt. Die Hersteliung der Verbindung bleibt den Ausßellers über- [afsen. Art. 31. Die Aussteller werden ausdrü>li<h aufgefordert, den Kaufpreis der auégestellten Gegenstände anzugeben. Art 32. Die verkauften Gegenstände fônnea vor Ende der Ausstellung nit zurü>- gezogen werden. Art. 35. Eine allgemeine Ueberwachung ‘gegen Diebstahl und Entwendungen wird hergestellt. Art. 36. Die Ver- waltung weist jede Verantwoztlihkeit für vorkommende Diebstähle und Entwendungen zurü.

E Wie die „Köln. Ztg.” hört, will Leon Renaud, der frühere Polizei-Präfekt, unter dem Titel: „Centre droit Libéral“ nah Wiederbeginn der Session eine neue Partei bilden. Diese steht in Verbindung mit den Bemühungen der Konstitu- tionellen, deren Bestreben darauf gerichtet ist, die Mehrheit der Kammer und des Senats mehr nah re<ts zu verschieben.

__ 9°. September. (W. T. B.) Durch ein heute ver- offentlihtes amtlihes Dekret wird der ganze für die Welt- ausftellung von 1878 bestimmte örtlihe Raum zum wirk- Tihen Entrepoiplagze erklärt und bestimmt, daß alle Erzeug- nisse des Auslandes unter den Bedingungen des inter- nationalen Tranfits ohne jede Dur<hsuhung, oder nah Wahl der Interessenten unter den Bedingungen des nationalen Tran- fits mit einer nur summarischen Dur<hsuchung, direkt nah dem Ausstellungspalafte befördert werden sollen. Diejenigen zur Ausftellung zugelassenen Waaren, welhe der Konsumtion (con- s0ommation) überlassen werden, sollen nur denjenigen Zollsägen unterliegen, welhe für ähnliche Erzeugnisse der meist begünstigten Nation zulässig sind. :

Türkei. Ueber die Absezung Sultan Murads Y. und die Thronbefteigung Abdul Hamids Il, berichtet die „Correspondence orientale* vom 31. August:

Seit einiger Zeit war der Gesundheitszustand des Sultan Murad V. ein fol<er geworden, deß es unmöglih war, ihn länger auf dem Thron zu lassen. Der Ministerrath hatte si< {on öfter mit dieser Frage beschäftigt und so ge:n man au einen Regierungs- we<sel vermieden hätte, zumal bei der jeßigen fritishen Zeit, war doch die Nothwendigkeit, Murad V. das Scepter aus der Hand zu nehmen, unabweisli< geworden.

Ihn länger auf dem Thron zu lassen, war na< den L-hren A LUaN eine fl .grante Verleßung der Geseße des ottemaniicen eides. /

Die Abseßung war also im Prinzip seit einigen Tagen entschieden In der That seßte am leßten Dienstag dec Greßvezier offiziell dem Scheik - ul - Jslam ten beklagenswerthen Zustand des Nervensystems Sultan Murads auseinander uxd zeigte, daß dies System so er- \<üttat sei, daß Se. Majestät unfähig jeder intellektuellen An-

der Souveränetät enthoben zu sein. Darauf hin entwarf der Scbeik- ul-Jélam den nothwendigen „Fetva“, und Murad V. hatte aufgehört zu regieren.

Man behauptet au, daß die Sultanin Valide” die Mutter

unfähig zu regieren sei. Außerdem hatte sich am Mittwoch im Publi- kum das Gerücht verbreitet, daß der folgende Morgen A Weibfel des Regenten bestimmt sei, In der That ließen in der Nacht selbst SEUEV euge begreifen, daß ein großes Ereigniß sih vor- ereite.

Am Mittwo< Abend ließ der Großvezier den Miniflern und allen hohen Staatsbeamten die Aufforderuvg zugehen, sh am Don- arn Morgen um 3 Uhr (türkis<) im Palast Top-Capu zu ver- amineln.

_ Am Morgen um halb acht verließ der Erbprinz Abdul Hamid Effendi den Palast Dolma-Bagische, begleitet des dem e Minister Mahmud Pascha, scinem Schwager. Der Prinz befand si in einem geschlossenen und durch ein Peleton Kaxzallerie eskorti1ten Wagen. Er begab si<h na< dem Serail von Top:Caps-, indem er die Straße nah Taxim, vou den Kleinen Lagern, vom Perschemle-Bazar und der Brü>e von Hazakeny eins{lug. N

_ Bei seiner Ankunft im Serail wurde der Prinz Abdul Hamid Effendi von Mehmed Ruschdi Pasha, dem Großveziec, Holcullah Effendi, dem Scheitk-ul-Jélam, Midhat Pascho, dem Versitzenden des Staatêraths und einigen anderen hohen Beamten empfangen. Bald darauf kamen die Minister, die Großwürdenträger, die Ulemas, die Generale und die Mehrzahl der oberen Angeftellten.

Das Gebet wurde im Heiliathum yehalten, wo der Hirkaï- Scherif (der Mantel des Propheten) aufbewahrt wird. Am Eude der religiösen Ceremonie wurde die Afte der Ane:kennuyg des Souveräns vom Scheik. ul-Jslam verlesen. Nach einigen Augentli>en Ruhe er- shi:n Sultan Hamid auf der Eéplanade von Orta-Capu, wo man deu Thron von massivem Golde, der zur Einseßung der Sultane dient, aufgestellt batte. Sofort stimmten die U!emas, im Halbfkreise vor dem Thron aufgestellt, den die Minister umgabven, dreimal den g Die üUmstehenden antwor- teten dur< „Amins“ (Amen). Unverzüglich ließ das Musikcorps des Sultan die Kaiserliche Hymne ertönen, die Soldaten präsentirten das Gew-:hr und enthustastishe Jubelrufe erscallten unter den alten Haüen von Top-Capu.

„… In diesem Augenbli>e wurde die Fahne des Sultans auf den offentlichen Gebäuden aufgezogen und von 101 Kanonenschüfsen von den Landbatterien und den Panzerschiffez salutirt.

Nach der Ceremonie des Biàt, die diesmal am herkömmlichen Orte ausgeführt wurde, nahm der Sultan die Huldigungen der Masse von Anwesenden entgegen und begab si< dann ins Seraëékierat, wo er von den Truppen der hauptstädtishen Garnison mit Akklamation be- grüßt wurde und kehrte zur See in einem Parade-Ca!ïk unter dem Donner der Artillerie-Salyven von den Schiffen der Flotte und deu A von Tophane und Scutari nah dem Palast Tscheragan

rüd>.

_— Derselben Korrespondenz entnehmen wir no< folgende Mittheilung: „Wie es \<heint, findet zwischen Sultan Abdul Hamid und Midhat Pascha augenbli>lih eine Annäherung ftatt. Der Fürst soll demselben erklärt haben, daß sein Kon- stitutionsprojefkt ernfilihe Beahtung verdiene und daß es reiflii geprüft werden solle.“

Der „Turquie* vom 26.—29. August entnehmen wir folgende Mittheilungen :

sogar mit einem kleinen Agio bezahlt worden.

Herald“ \{<reibt : f pay “e M oge Kurzem an das Wiener Kabinet gewendet hat, um die Auto- risation zu erlangen, ungefähr tausend verwundete Sol-

zu Lande auf dem Wege über Mitroviza und Salonich zu lang und zu ermüdend gewesen wäre, über österreihishes Gebiet be- fördern zu dürfen. Obschon der Hafen von Klek noch immer gesperrt ift, hat die österreichishe Re*ierung denno aus Gründen

erlaubt, daß \i< ein Transportschif an die Mündung der Na- renta begebe, um die Verwundeten an Bord zu nehmen. Der „Asiyc*!, wel<er mit Truppen und Munition von Konftantinopel nah Antivari abdampfte, ift beauftragt worden, auf der Rüt-

Borsig Akif Paschas eingesczte Spezialkommission zur Untersuchung der bulgarischen Angelegenheiten wird die vershiedenen Berichte und die Urtheile der außerordentlichen

fremden Kommissare, die Bulgarien durchreisi haben, zu ver- gleichen und dann einen authentischen Generalberiht zu erstatten haben. Ein Brief aus Canéaauf Candia \priht von vielen Einrichtungen, wel{e in Folge eines Veziratbefeh!s getroffen wurden. So verpflichtet ein Telegramm die Gouverneure der Provinzen, sofort in den Hauptstädten Kommissionen einzusegzen, um die Schulden der Pähter an den Schaß zu prüfen. Die als zahlungsunfähig Aferkannten sollen aus den Listen gestrichen, die Z„hlungsfähigen zur Bezahlung aufgefordert und ihnen eventuell ein genügender Aufshub bewilligt werden. Ferner soll, da der Aufschlag zum Z-hnten der Kasse des allgemeinen Nugzens zufließt, die den Zwe> hat, die türkischen und hristlihen Stulen zu heben, \o sollen die Lokalbehörden für fähige Lehrer sorgen, um neue Schulen zu ertihten und die alten zu heben. Gemischte Komissionen sollen eingeseßt werden, um cine Ver- ftändigung zwischen det Gläubigern und den Schuldnern auf der Basis eines velonders zu diesem Zwe>e verfaßten Reglements herbeizuführen. Den Sesuchen der Einwohner um Errichtung von Dru>ereien und Herausgabe von Zeitungen soll nach den geseßzlihen Vorschriften Gewährung zu Theil werden. Die Ge- richtsfizungen follen, mit der befannten Uusnahme, öffentlich sein und die Gerichts!age dem Publik1m bekannt gemacht wer- den. Dem „Vafkit“ wird aus Skutari in Albanien ge- \hrieben : „Dus kleine Fort Medun ist sehr solide und gut be- festigt ; außerdem reihli< verproviantirt und kann den Angriffen der Montenegriner lange widerstehen, ohne irgend einer Hülfe des Armee-Corps von Podgorizza zu bedürfen.“ S

Konstantinopel, 4. September. (W. T. B.) Redif Pascha ist zum Kriegs-Minister ernannt worden. Abdul Kerim Pascha bleibt Generalissimus der türkischen Truppen.

Vom Kriegsshauplaßze Tele-

gramme vor: __ Konstantinopel, 4. September. (W. T. B.) Die tür- fische Armee hat nah hier eingegangenen Nachrichten bei

Alexinagz no< weitere Vortheile errungen.

Ragusa, 4. September. (W. T. B.) Nach hier vorlie- genden Nachrichten hat Koukhtar Pascha die Grenze von Montenegro bereits überschritten und die Höhen bei Grahovo besezt. Es heißt, Djelladin Pascha sei in Tre- binje in Folge eines Befehls Moukhtar Paschas wegen Unbot- mäßigkeit verhaftet worden.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 2. Septem- ber. Das „Journal de St. Pétersbourg“ widmet heute bei Sultan Murad V, einen Nachruf, in dem es u. A.

eti:

„Wie kurz au< seine Regierung gewesen, so werden dot die skeptishsten Leute eingestehen müssen, doß fie in der Geschichte des türfishen Reichs sih markirt habe, und das nicht nur dur die Art und Weise ihrer Jnauguration und durG die Bedin- dungen, unter denen sie wied-r ves{<hwunden ist. Einer der Vorwürfe, welche der türkishen Administration gemacht wurde, war die Jnftabilität der Miniftericn. Jn dieser Beziehung wird man eine gewisse Aenderung, wenn cu< nuc relativ, nicht bestreiten können. Es giebt einen Großvezier und Minister, die, abge'echen von den Lü>-n, welche der Revo!ver Hassans in ihren Reihen gerissen, {on dem dritten Souveräa dienen, und im Gegensaß zu der Infonv-nienz, welche man früher beklagte, sind fi: es, welhe gegenwärtig Sultane freiren und abseßen.

Darin liegt aber nicht die einzige Veränderung in der Situation des türfishen R-iches währerd der furze: Inhaberschaft des Thrones seiner Vorfahren S-itens Murads V, Seine Erhebung wurde von einem Theile der M-inurg Europas als das Signal zu großen Re- formen begrüßt, welche ecfolg-n müßten und deren bevorstehende Pro- mulgation nicht nuc die am Ruder |itehenden Staatsmänner in ihrem Unternehmen g-gen Abdul-Aziz rechtfertigte, sondern au< die Aktion Europas zum Zwe>e, der uner!räglichen Situation ein Eade zu machen, verzögert-. Diese Pause in der Aktion der Mächte hatte zuc Folge einer'eits die Entf-fs-lung des Krieges, welcber noch andauert, andrer- seits eine Explosion von wilden Leidenschaften, welche das öffintliche Bewußtsein einen Schrei des Schre>ens und Entsctzens ausstoßen üieß. Was die p:ojektirten Reformen, die verspcochenen Verbesse- rungen betrifft, so weiß man, was aus ihnea während der leßten drei Monate geworden ift. Vir wollen übrige 8 auf Grundlage der seit einiger Zeit von den Zeitungen gebrachten Dat-n über die Neigungen des neuen Souveräns noch keinen Schluß auf die beginnente Regie rung zichen; die Intentionen des jungen Prinzen find uns unb-kannt. Die verschiedenen ftch widersprehenden Nachcè <tea sind aber darin einig, daß er den Enthusiasmus uicht theilt, welchen sein Bc-uder für die Reformen, deren Vaterschaft man dem Präsidenten des Staats- raths zuscrieb, hegte oder wie er demselben wenigstens beigelegt wurde. Ohne Zweifel wird man si< in der Vorausseßung nicht täuschen, daß, wein man in leßter Zeit von diesen großen Projekten gelaffen hat, man fih den Gesichtspunkten desjenigen anshloß, wel- <er bald herrschen sellte.

Uebrigens machte fi<h Europa, abgeschen von den Leuten, für welche der Glaube an diese R.formideen eine pelitishe Nothwendig- keit bildete, keine Illusfionen darüber, Für Diejenizen aber, welche deren noch besißer, hat die Regierung Murads V. das Verdienft ge- habt, ihnen die Augen zu öffnen und fie davon zu überzeugen, daß die Besserung des S@icksals der <ristli<hen Unterthanen der Türkei nicht den Jnspirationen einer Regierang überlassen werden darf, welche ihre politis<he und soziale Anschauung*weise aus den Ver- sammlungen der Softas {öpft uad tscherkefsishe Horden herbei- ruft um die kon!ributive Stärke ihrec ristlihen Unterthanen zu vermehren. 8

Die Minister welche fih dur< die Emeute vom 1, Mai an die Spitze berufen lichen, sind no< an derselben, Dieselben haben eine Straßen- und eine Palastrevolutioa uazternommen ; sie haben verfuht, fih auf den religiôfea Fanatismus der Massen zu ftüßen und gleicher- weise die curopäiscde Meinung dur weite und umfassende Versprechungen zu gewinnen. Jetzt bleibt abzuwarte-, dur< welche Mittel fie si weiter zu halten suchen werden. Inzwischen ift es ihnen gelungen, den Respekt, welher dem Throne zukommt, dur<h dic Veränderungea zu erschüttern, welche ihre Politik nothwendig machte; sie haben dem

liegen fol zende

Das Papiergeld ist bei seinem Erscheinen am Sonn- abend vom Publikum mit dem größten Eifer aufgenommen und

eWir erfahren, daß \i<h die Pforte vor |

daten und Offiziere in der Herzegowina, deren Transport |

der Humanität dieses Ansuchen der Hohen Pforte bewilligt und !

fahrt die Verwundeten einzuschiffen.“ Die, wie gemeldet, unter |

Gerichtshöfe zu prüfen, diese Dokumente mit den Berichten der

\ gen mußten und der Krieg, wel<en sie ange“aht, seßt H unter wenig günftigen Bedingungen für die türkis<e Arn. 2e fort.

Auf diese Wet;? sieht may, daß in der That die kurz" Regierung Dinads V. in der Geschichte des türki1<hen Reiches markirt s-in | Am 27. Auguft empfing Se. Majestät der K.'iser in | 3 r f S @ ° M2 | Zarsfkoje-Sselo folgende zum internationalen Yrien- | talistenkongreß in St. Petersburg eingetroffenen Ver.‘reter | der fibirishen Fremdvölker: Vom Stamme der Burjaten :- den j Ober-Taischa des bargufinshen Stammes, Gouoernements- | sekretär Konstantin Zyren-Shab Ssahharow, den Ober-Taischæ ! des kfharinshen Stammes Zydyp-Badmajew, das Geshlehts= | daupt des kharinshen Stammes Zydyp Ljuschijew und den | Geschle<tsälteften des bargusinshen Stammes Rintschin Ssotiew ;

vom Stamme der Jakuten Peter Bobpossow und Iegor Sislepzow und den denselben attahirten Beamten des Eeneral-Gouverneurs von Vitsibirien, Doktor der Naturwissenshaften Neumann.

_ Dänemark. Kopenhagen, 4. September. Wie aus Viborg telegraphish gemeldet wird, werden der König und | die Königin, König Georg und Königin Olga von Griechenland, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Dänemark, Prinzesfin Thyra und Prinz Iohann am Sonnabend Nachmittag daselbst erwartet, um an der am Sonntag ftatt- tve Einweihung des neu restzurirten Domes Tyeil Zu nehmen.

__ Nr. 15 des Archivs für Post und Te Beis- heft zum „Aints-Biatt der G Rue SE E De Verwaltung“ hat folgenden Juhalt: Aftenstü>le und Auflätze: Statistik der \{<weizerishen Postverwaltung für das Jahr 1875. Zur Entwi>kelung des inländischen Telegraphentarifs Das Posts wesen in den britis<hen Besißungen in China. Bosnien und die Türkei. Berlin und die Mark Brand -nburg vor 250 Jahren. Kleine Mittheilungen: Ursprurg des Ausdru>s „Telegramm“. Eine neue Verwendung von Brieftzuben.— Verkchcs- un> Ges<zftsg- verhâitn'fse der Postbezirke von Berlin und Wien. Marianani's Rbé Elektrometer. Verwendung der Elektricität zu gewerblichen Zwe>en. -— Literatur d:3 Verkehrswesens. Z-itschriftenüberschau.

Statistische Nachrichten.

Bit der Präsidentschaft Madras sind in dem erf Vierteljahre 1876 durch Tiger und Reptilien Mie in worden : 452 Pferde, 529 Küße, 204 Kälber, 124 Ochsen, 125 Schafe 189 Ziegen, 7 Ponies, 8 Esel, 89 Hunde und 12 Schweine. Im Bhaugulpore-Distrikt des unteren Bengalens sind in je<s Jahren 1434 Personen tur< wilde Thiere getödtet wor- den. Jn cetjelben Zeit aber wurden im cig?ntlichen Bengalen 13,401 getödtet, nämlih 4218 dur< Tiger, 1407 dur Leoparden, 4287 durch Wölfe, 174 dur Hyänen, 105 dur< Bären, die übrigen dur< Schafkals, Elephanten u. A. Die Kosten des Gouvernements an Bes lohnungen für Tödtung wilder Thiere (an Zahl 18,196) betragen 6500 Pfd. Sterl. in jenen se<s Jahren. Im letzten Jabre belief sich der Verluït an Menschenleben in den Ccntralprovinzen auf 506 unter den:n viele Kinder; die Zahl der erlegten Thiere war: 518 Ger 895 E p L, 934 Bären, 467 Wölfe, 475

)änen. Dur Wölfe allein kamen im 1etten Fahre um: 5 Männe 2 Weiber, 72 Knaben und 80 Mädchen. S L S

Kunst, Tifsenschaft und Literatuz.

Der „Allg. Zig.“ wird aus Nürnberg unter dem 2. Sep- tember geschrieben: „Im Neubau des Germanisben M useums schreiten die Arbeiten derart fort, daß bereits ein Theil der neuen Räumlichkeiten benüßt werden kann. So wird jeßt ia dem mit den Wappen der evemaligen freien deuts<hen Reichsstädte ges<müd>tea Saale die Kostüm-Sammlung, zu deren Unterbringung es bis jeßt an Plaß fehlte, aufgestellt, und in dem Saale, desseu reibe Nus- \bmü>ung der Vecein der deutshen Standesherren bestritt, findet die Waffensammlung Unterkunft. Da die Waffensammlung troß ibrer Reichhaltigkeit manche Lü>ken aufweist, zeigt si< im Kreise der Standesherren große Geneigth*it dur< G-ldbeiträge zur Vervoll- ständigung derselben beizutragen, und es hat zu diesem Zwe> bereits Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode den Betrag von 2000 A, Fürst Karl Löwenstein Wertheim-Rosenberg von 300 M gespendet.“

_—- Der hiesige Bildhauer Prof.fsor Keil, dessen in Ems mo- dellirte und mehrfach wiederholte vorzügliche Büste Sr. Mzj-ftät des Kaisers fih einer hohen Werthschäßung erfreut, ift, der „Post“ zUs- folge, mit dem Auftrage betraut worden, in Var;ia eine Büste des Fürsten Bismar> nah dem Leben zu modelliren.

_— Der 39, Jahresberi<t des Vereins für Geogras- phie und Statistik in Frankfurt a. M. enthält u. A. eine Beschreibung der deutschen Kolouien in Süd:zußland ron dem Lehrer P. Diehl, welcher diefelben felbst bereist hat, sowie eine Darlegung der Resultate der neuesten Tiefseefors<hungen von Dr G v. Bogus- lavéfi, „nebst einer graphisben Darstellung dr Entwi>elung unserer Kenntnisse von der arkti\<en Region, gezeihnct vom Oberlehrer Dr. s. A. Finger. :

Ueber die Vorbereitangen für die am 18. September in Hamburg zusammentretende 49, Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wird gemeldet: Vas Redaktions- Comité hat unter Hinzuziehung zahlreiher wissen\chafiliher Kräfte ein? umfangreihe Festihrift ausgeirbeitet, welde Hamburg in naturhistorisher und medizinis{<er Bezichung \<i!dern soll. Auch der naturwifsenschäftiiche Verein 1äßt eine Abhand'urg erscheinen und den Naturfo:schern als Festgabe entgegenbringen. Der Verein für na- tu:wifsenschaftliche Unterhaltung hat eine Koll:ftivausstellung hamburger ethnographis<zer und naturwissenschaftlider Privatsammlungen im neuen Schulgebäude verarlaßt. Die Schätze des Mujeums Godeffroy find in ueue Räume gebraht, um den erwarteten Gä'ten in ihrec ganzen Bedeutung und Kusdehnung zur Schau gestellt zu fein. Die Zoolo- gishe Gescllshaft hat ihren tes während der aht Versammlungs=- tage allen Theilaehmern und Theilnehmerinnen unentgeltlich g-öffnet. Am Montag, den 18. September, fiadet die erste allgemeine Sißuyg statt, und zwar im großen Sagebiels<hen Saale, uachdem da elbft Abends vorher die Begrüßung der Gäste stattgefunden haben wird. Am Mittwoch, èen 20., und Sonnabeud, den 23, sollen zwet weitere allgemeine Sißungen folgin, für die bisher folgende Vor- träge definitiv angemeldet find : Professor Prey:r (Jenz2) über natüzlihen und künstlihen Shlaf, Professor Dr. Winkel (Dresden) über die Mittel zur w-iteren Ausbildung des Arztes in seinem Be- rufe, Prof. Waldeyer (Straßburg) über die Entwi>elungtgeschichte thierisher Organismen, Dr. G. Nachtigal (Berlin) über Baghirmi: und seine Heidenlänuder, Prof. Mödvius (Kiel) über die äußeren Lebens=« verhältnisse der Secthiere, Geh. Sanitäts-Rath Dr. Ravot$F (Berlin) über Auffzffung und Behandlung der Mathematik als vaturwissen= \chaftlihe Disziplin. Für Dieniices. den 19, September, Donnerstag. den 21, und Freitag, den 22, von Morgens 9 Uhr an, sind Sék« tiontfißungen ange]-ßt, deaen Exkursionen und Besichtigungen von wissenschaftlichen Jnjtituten und Fabriken auzureihen find. Zugleich haben die s{leswig-holsteinishen ”.erzie ibre Jak,resversammlung nach Hamburg verlegt, und werden die Gyzäkolog,en und Meteorolegen ihren jäßrli<hen Kongreß dosesbst abhalt:n. Damit das Ziel der ältesten und bedeutendsten der deutshen Way'derversammlungen erreicht, hat das Centralcomité voa dem Airange”,eat großer Feste absehen zu müssea geglaubt, abe“: dafür Sorge getragen, daß den Gästen Ge-

Staate jede Sympathie Europas cutfremdet; sie haven im Innern des Neichs fanatische Leidenschaften extfesselt, vor denen sie sich beu- !

cegenheit gegeben werde, die landschafii<h {ne Umgebung Hamburgs kennen zu lernen, und daß der erwimnshte Verkehr der Gäste unter