1876 / 211 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Allem Anscheine stehen dort sowohl im Nordweften, wie im Südosten des Landes, also etwa bei Grahovo und Spuz, blutige Kämpfe bevor. Moukhtar Pascha rückte am 3. September mit zwanzig- bis dreißigtausend Mann von Trebinje in Monte- negro ein und Derwish Pascha hat fich ebenfalls, von Podgorizza aus, mit seinem Corps in Bewegung geseßt. Bishe: haben nur kleine Scharmützel stattgefunden; die Türken haben Zaslap, Nudole und andere Dörfer zwischen Klobuk und Grahovo nieder- gebrannt ; die Montenegriner zogen fich langsam zurü. Wohin das ift ebensowenig bekannt wie die Situation der beiden montenegrinishen Corps überhaupt, welche Moukhtar und Derwisch Pascha entgegenzutreten haben.

Erwähnen 1oir, daß Cettinje, die Hauptstadt Montenegros, fünf Meilen von Grahovo und vier Meilen blos von Spuz entfernt ift, so möchten wir damit nicht behaupten, daß die Raschheit der türkishen Bewegungen diesen kurzen Entfernungen entsprehen werde. Alle theoretishen Kombinationen, wo und wie sich die Montenegriner in den nächsten Tagen ver- halten werden, find heute unnüß, zumal die Krieg- führung dieses Bergvolkes bisher alle Erwartungen bei Seite lie. Nicht nur die Schlachten bei Vucfidol am 29. Juli und bei Kucsi am 14. August d. I., auch die Kämpfe der Montenegriner in den Jahren 1852, 1858 und 1862 haben gezeigt, daß fie ihr Heil niemals in großen ftrategishen Ideen, sondern in der kleinen taktishen Schlauheit gesucht haben. Heute wie damals kümmern fie fich weit weniger darum, ob da und dort die Landesgrenze, ein Dorf oder ein anscheinend wichtiger Saumpfad dem Feinde preisgegeben sei. Sie ziehen fih vielmehr hinter die Felstrümmer ihres Karstlandes zurü, be- unruhigen den Feind während seiner Vorrückung und überfallen ihn von einer Seite und zu einer Zeit, da er es am wenigsten ver- muthet, Detaillirtee Gefechtsleitung, geschlossene Fechtart, Massenangriff, Artillerie-Manöver haben fie seither als beschwer- lihe und unbequeme Einrihtungen angesehen; immer stürzten fh ihre losen Reihen über wüstes Steingerölle von den naten Bergen johlend und \{hreiend auf den überrashten Feind und der Yatagan war immer die ultima ratio ihrer Strategie und Taktik. Im Angrif} wie in der Vertheidigung ent- scheiden die Montenegriner immer ihre Gefehte durch den blu- tigen Nahkampf Mann an Mann. Ihrer persönlihen Kraft, Tapferkeit und Wildheit haben sie alle ihre Siege zu verdanken, und wo sie mehr als ihre Schlauheit und Verschlagenheit auf- zuwenden hatten, zogen sie gewiß immer den Kürzeren.

Die türkishen Heerführer werden also ihre Operationen mit mögli{ster Vorsicht einzuleiten haben, umsomehr da ihre Truppen in den leßten Wochen die persönlihe Kriegstüchtigkeit der Montenegriner in unleugbarer Weise empfunden haben. Moukhtar Pasha hat die Montenegriner in diesem Jahre,

Berlin, den 7. September 1876.

Das gKriegerdenkmal des fünften Berliner Distrikts.

(enau zwei Jahre nach der Grundsteintegung iit am zweiten September, dem Sedantage, das eherne Kriegerdenkmai enthüllt worden, durch dessen Errichtung dcr füufte Berliner Distrikt seine in den drei letzten Kricgen gefallenen Angehörigen in würdigfter Weise geehrt hat.

Auf dem Plaß am ehemaligen Landsberger Thor, auf welchen die Landsberger und die Straußberger Straße münden, erhebt fich, der Stadt zugewandt, dicht am Rande des hier hügelig anfteigenden Friedrihshairs, im Rücken von einer halbkreisföcrmigen, mit gescchmack- vollen Gartenanlagen gezierten Böschung umhegt, als ein einfaser , aus rothem s{wedishen Granit gescliffener, 6 Fuß Hoher Sceckel, der, in seinem Grundriß aus dem Quadrat durch Abstumpfung der Ecken zu cinem Achteck umgesialtet, wieder auf einem Unterbau von drei mäßig vorspringenden grauen Granitstufen ruht und alé Postamenat einer 9‘ hohen, aus zwei s{we- benden Figuren gebildeten Bronzegruppe dient. In die Vorderseite dieses Sockels ist eine Reliefplatte mit einec fißenden, durch ihre Mauerfrone auf den Stadtbezirk bindeutenden allegorischen weibiichhen Gestalt eingelassen, die in der Rechten einen Palmenzweig, mit der Linken aber die auf ihren Schocß geftüßte Widmungstafel hält. Die Inschrift derselben lautet:

«Seinen in den Kriegen 1864, 18€6, 1870—71 gefallenen Söhnen der fünfte Distrikt.“

Drei andere, den untergeordneteren drei Seiten des Postamerts eingefügte Bronzetafeln enthalten die Namen von 214 Männern, die, dem Ostdiftrikt angehörig, den Tod fürs Waterland starben.

Die von Alexander Calandrelli modellirte, von Gladenbeck aus dem hierzu von Sr. Majestät dem Kaiser bewilligten Geschüßz- material gegossene Gruppe zeigt einen auf dem Schlachtfelde gefallenen, verklärten Krieger, der von einem beschwingten, weiblih gebildeten Genius zu lihten Höhen emporgeführt wird. Ja ein leichtes, unter- halb der Brust gegürtetes Gewand von reicher, \{chönbewegten Faltenwurf gehüllt, dos, vom Winde zurückgebausht, die edlen Formen des jugendlicen Körpers hervortreten läßt, strett die weibliwe Gestalt, mit der ausgefstreckten Rechten nah oben weisend, das furzgelockdte Haupt dem von ihr Geleiteten zuwendend und mit dem linken Arme ihn umfaßt baltend, in mühelosem Fluge aufwärts. Ein Mantcl, der in breiteren Massen bis zu decn am Boden aufge- shichteten französisch-n Trophäen, einem Helm, einem Panzer und einem zerbrochenen Adler, niederfällt und im Verein mit diesen der frei \{webenden Gruppe den nöthigen Halt gewährt, umschmiegt, nur die linke Schulter und die Arme freilassend, die langsamer fich von der Erde lösende, halb getragene, halb sich selber emporhebende, der irdisben Schwere entkleidete, kräftige Gestalt des jungen Helden, der sein mit beiden Händen umspanntes kurzes Schwert an die Bruft drüdckt, während in dem begeiftert blickenden Untliß fi ein seliges Sdctauen und Fühblen des den gefallenen Sieger erwartenden himm- lischen Friedens wiederzuspiegeln sein“.

Mit der originellen Erfindung, die diese Gruppe auszeichnet, verbindet fic in ihr eine in harmonishem Fluß der Linien meister- haft geschlofsene Komposition, einz gediegene Durchbildung der einfach groß und rein gehaltenen Formen und, was am meisten hervorzu- heben ift, cine wirfkflih echte, tiefe und wahre Empfindung. Den zahlreih errihteten Monumenten gleicher Art und Bestimmung reiht fih d'eses, das den \{önften und trostvollsten Gedanken, dec sich an den Tod fürs Wat-rland knüpft, in ergreifender, allseitig vollendeter Ge- ftaltung zum Anêdruck bringt, als eines der am besten gelungenen an, und so wird es nit blos durch das, woran es erinnert, sondern zuglei auch dur die kfünstlerishe Schönheit, die ihm eigenthümlich ist, fortan einen Ehrenplaß unter den Berliner Denkmälern einneh- men. Den Künstler sowohl, der seine Aufgabe so glücklich löste, wie dem Ostdistrift, dessen pictätvolle Gesinnung diese Schöpfung ent- stehen ließ, hat die Stadt Berlin eine neue monumentale Zierde von wahrhaft vleibendem Werth zu verdanken.

Die für die Jubiläumsfeier des Kunstgewerbe-Vereines München in Auésiht genommene Versammlung deutscher Künstler, Kunftindusftrieller und Freunde derselben findet am 25., 26. und 27. September d. J. jcden Vormittag von 9—1 Uhr im Saale des Königlichen Odeons statt. Anträge, welche zur Besprehung auf die Tageéordnung gelangen follen, müssen längstens bis 15. September dem Direktorium zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Namen der Referenten und Korrefecenten werden am 20. September bekaunt gegeben werden.

Folgende Anträge sind bereits vorgelegt und deren Besprehung auf die Tagesordnung geseßt worden:

1) Die Versammlung wolle beschließen, an alle deutschen Staats- rezierungen die ehrfurchtsvolle Bitte zu richten, die Errichtung vou

Derwisch Pasha \{chon im Jahre 1862 unter Omer Pascha kennen gelernt und die nähften Tage werden uns, nach den bisher eingelaufenen Telegrammen, darüber belehren, ab ihnen das numerishe Uebergewicht ihrer Streitkräfte zum Siege über die Montenegriner verhelfen wird.

Dänemark. Kopenhagen, 4. September. Der König, die Königin, der Kronprinz und die. Kronprinzesfin, sowie die Prinzesfin Thyra und vielleiht auch das griehishe Königspaar

edenken Freitag Abend mit dem Dampfschiffe „Slesvig*“ von hier abzureisen, um der am Sonntage, den 10. d. Mts., ftatt- findenden Einweihung der Domkirche in Wiborg beizuwohnen. Mittwoh Morgen erwartet man hier die Ankunft des Königs und der Königin von Griechenland, welhe gestern mit der Kaiserlihen Yacht „Dirjawa“ von Kronstadt abgegangen find.

Amerika. New-York, 6. September. (W. T. B.) In Vermont if der Kandidat der republikanishen Partei, Fair- banks, zum Gouverneur gewählt worden. Ebendaselbst find drei Kandidaten der republikanishen Partei zu Deputirten für den Kongreß mit einer Majorität von 30,000 Stimmen gewählt worden. Die Demokraten in Arkansas glauben über eine Majorität von 40,000 Stimmen verfügen zu können.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Beiträge zur Erläuterung des Deutschen Rechts in besonderer Beziehung auf das Preußische Recht, mit EiusQtuy des Handels- und Wechselrehts. Herausgege- ben von Dr. J. A. Gruch{ot, Neue Folge. 5. Jahrgang. 3. u. 4. Heft. Berlin 1876. Die soeben erschienenen Hefte 3 u. 4 der „Beiträge“ sind die Fortseßung einer in juriftishen Kreisen geshäßz- ten und seiner Zeit mehrfach besprochenen Zeitschrift. Da eine systematische Veränderung in Form und Inhalt nicht stattgefunden, bedarf dieselbe feiner wiederholten Empfehlung. Es genügt, zu bemerken, daß das vorliegende Material an Reichhaltigkeit und gediegener Bearbeitung dem Inhalt der früheren Jahrgänge in keiner Weise nachsteht und durch seine stete Berücksichtigung des prafktishen Be- dürfnisses fich einen Anspcuch auf einen weiteren Leser- kreis ecworben hat. Von ten 49 Aufsäßen, welche die beiden neuesten Hefte enthalten, fallen 18 in die Kategorie der „Abhand- lungen“, 19 in die der „Nechtsfälle“ und der Rest in die Abtheilung der „Literatur.“ Sachgemäß zeichnen sih die Abhandlungen durch größeren Umfang und wissenschaftliche Bedeutung aus, beispielsweise die von Dr. Zitelmann verfoßte „Monographie über die Natur des Pflichttheilsrets und der Pflichttheiléklage nah Preußi'chem Recht" und die Abhandlung über den Mäklervertrag von Rowoll. In dem Ah- schnitt „Litecatur“ werden mehrere größere Werke eingehend besprochen. Verhältnißmäßig überwiegend find die Aufsäße, welche die neuern Kodifikationen, insbesondere die Grundbuchs8ordnung und die Vormund- \haft‘ordnung zum Gegenstande haben.

Bibliothek naturwifsenschaftliher Schriften für Gebildete aller Stände. Erfter Band. Ursprung und Mcetamorphosen der Insekten. Von Sir John Lubbocck. Einzig autorisirte Ausgabe

Kunftgewerbe- und Fachschulen in den größeren deutschen Städten und Industriebezirken zu fördern und zu unterstüßen. 2) Die Versammlung wolle beschließen, an die deutschen Staats-

: regterungen die ehrfurchtsvolle Bitte zu richten, bei Gründung solcher

Schulen, bei Ausführung von Sc{ulplänen oder Schulordnungen fest- stellen zu wollen, daß in diesen Kunstgewerbe- oder Fachschulen kein Schüler aufgenommen we-de, der neben dem Nachweis empfangenen Elementarunterrichts, niht auch den geliefert, daß ec ein Handwerk praktisch erlernt und wenigstens zwei Jahre in ciner W.rkstätte prak- tisch gearbeitet habe.

3) Die Versammlung wolle beschlicßen, durch eine Resolution auszu\sprechen, daß Kunftgewerbe- und Fachs{ulen keine Vorbereitungs- schulen für die Akademien der bildenden Künste sein sollen.

4) Die Versammlung erklärt durch eine Resolution, die Abend- funstschulen für die Handwerker, fowie die Frauenkunstindustrie- Schulen haben si als wohlthätige Institute erwiesen und sind den deutschen Vereinen, Stadtyerwaltungen und Staätsregicrungen drin- gend zu empfehlen. L

5) Die Versammlung wolle durch eine Resolution erklären : Das gegenwärtige deutsche Zollsystem ist der angestrebten Entwickiung deutscher Kunstindustrie \{häolich und deren Gedeihen in Deutschland fast unmöglich, wenn ihr kein günstigerer Zollshuß oder wenigstens Reciprocität mit dem Auslande zu Theil wird. ü :

6) Die Versammlung möge daher an den deutschen R.ichstag die Bitte rihten: der Reichstag wolle beschließen, es sei dur gesetz- liche Abänderung der diesbezüglihen Zolltarise die deutshe Kunst- industrie zu fördern und gegen das überlegene Ausland zu s{ügen,

7) Die Versammlung beschließt: Mit allen ihr zu Gebote stehen- den Mitteln in allen größeren Städten Deutschlands und Oesterreichs Kunsftgewerbevereine zu errichten und durch sie eine lebendige ftete Verbindung der deutschen Künstler und Handwerker, sowie 1hrer Freunde zu erzielen.

Die Nachmittage werden benüßt zur Besichtigung der Aus- stellung, der Kunstsammlungen und Werkstätten, sowie der übrigen Schenswürdigkeiten Müncheus, wobei fich die Mitglieder des Direktoriums als Führer der Gäste zur Verfügung stellen.

Festlichkeiten: (Erfter Abend. Fest-Banquet im Königlichen Odeon-Saal mit feierlicher Verkündung der Prämiirungen. Zweiter Abend. Festzug und Ball im Königlichen Hoftheater. Dritter Abend. Beleuchtung des Königsplahzes. Zur Theilnahme find berechtigt die Garanten des Unternehmens, die Mit- glieder deutscher Künstlergenossenshaften und Ekunstgewerblicher Vereine, der Akademien und Kunstschulen ferner alle Auésteller der deutschen Ausstellung, sowie die Mitglieder der Comités und Central- Comités für diese Ausftelung Nichtmitglieder diefer Korporationen können von Mitgliederu derselben vorges{lagea werden.

Anmeldungen für die Jubiläumsfeier zur Theilnahme an der Festversammlung find an das Direktorium zu rihten; die persön- lihen Anmeldungen und die Abgabe rer L gitimationen erfolgen vom 20. bis 26. September im Glaspalaste selbs. Aufschluß über Quartier wird im Centralbahnhofe in München ertheilt.

Von allen Grenzen Bayerns find Retourbillets nach München mit achttägiger Gültigkeit zu ermäßigten Preisen zu erhalten.

Pest, 5. September. Die vereinigte zweite und fünfte Sektion des statistishen Kongresses stellte heute die Modalitäten be- treffs der Ausweise von Aktiengesellschaften fest. Die s-ck{|e Sektion regelte die Statistik des Waarentransportes auf den Eisenbahnen. Morgen findet eine Plenarsißung und Besichtigung öffentlicher Ge-

bäude ftatt.

Eisenach, 5. September. Nachdem gestern nah Schluß der Verhandlungen für die Theilnehmer an der Versammlupyg deut- scher Forstwirthe, deren Zahl sih auf 459 erhôsvt hat, ein Fest- mahl im Sale der „Erholung“ stattgefunden, begann heute Vormit- tag die Exkursion in die Lehrforste der Eisenacher Forstschule bis Wilhelmsthal, wo Se. Königliche Hoheit der Großherzog die Theil- nehmer bewirthen ließ.

Der Vorsißende des „Engeren Vorstandes des Allgemeinen Erziehungs-Vereins*, Stadtrath Heubner in Dresden, ladet alle Freunde des Erziehungëwesens, sowie die Vereinsmitglieder zu der am 22. und 30. September zu Wiesbaden stattfindenden General- verfammlung und 5, Jahresversammlung des Allgemeinen Erzießungs- vereines ein.

Der Seminarlehrertag der Provinz Brandenburg wird am 2., 3. und 4. Oktober in Pctsdam abgehalten werden. Auf der Tagesordnung stehen: Präparandenbildung, Bildung der Lehrerin- nen, der musikalische Unterricht in den Seminaren und der fremd- sprachlihe Unterricht in denselben.

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für Deuts{land. Nach der 2. Auflage aus dem Englischen von W. Schch1sss\er. Mit 6 Tafeln und 63 in den Text gedruckten Holzschnitten. Jena, Hermann Coftenoble, 1876. -

Der englishe Verfasser des vorliegenden Werkes hat seit vielen Jahren einen großen Theil seiner Mußeftunden dem Studium Ter Gliederthiere und besonders der Insekten gewidmet, auch darüber verschiedene Abhand!ungen veröffentliht. Einige Theile, namentli die auf die Metamorphosen und den Ursprung der Jnsekten bezüg- lihen, erschienen ihm von allgemeinem Interesse und diese find es daher, welche in einem kleineren Bande ausführlicher behandelt werden. Sie find hier in einer zugänglicheren Form und mit Jlluftrationen ve:-sehen nebst den wihtigeren Schlüssen, zu denen sie den Verfasser führten, für den Laien zusammengestellt.

Sitölzel, Dr. Adolf, „Wiederverheiraibung cines beständig von Tish und Bett getrennten Ehegatten.“ Berlin 1876. (Verlag von Franz Vahlen. 72 Seiten.) Die genannte Schrift soll nach Absicht des Verfassers das Unzutreffende der Antwort beweisen, welche drei jüngst veröffentlichte Schriften Bluntschli's und von Holbendorffs freilich in abweichender Begründung über die angeführte Frage nah Maßgabe des Reich8geseßes vom 6. Februar 1875 gegeben baben. Er hält sih für verpflichtet, den von jenen Rechtélehrern vertheidigten Anfichten entgegenzutreten, weil sie nach seiner Auffassung die Ab- \hließung nichtiger Ehen in bed-nkliher Weise zu fördern geeignet und darum zugleich mit sehr ernsten Gefahren für das Wohlergehen ganzer Familien verbunden sind.

Verkehrs-Anstalten.

New-York, 6. September. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer „Gellerxt* ist heute Morgen 8 Uhr hier ein- getroffen.

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

Wien, Donnerstag, 7. September, früh. Entsprechend der geftrigen Meldung aus Konstantinopel, wonach Safvet Pascha in einer Mittheilung an die Vertreter der Großmächte eine Waf- fenruhe als niht im Interesse der Pforte liegend erklärt hat, berichtet die heutige „Presse“, daß die Pforte, wie verläßlih ver- laute, den Abshluß eines Waffenstillftandes abgelehnt habe.

Paris, 7. September. (W. T. B.) Dem „Journal officiel“ c zufolge, ist das allgemeine Reglement für die Ausstellung des Jahres 1878, sowie die dazu gehörige Klassifikation noch nicht definitiv festgestellt. Die hierauf bezüglichen Meldungen der Zei- tungen find daher unrichtig. Sobald der Text dieser Erlasse von der Regierung definitiv genehmigt sein wird, sollen dieselben der Presse mitgetheilt werden. j

Cettinje, Miitwoch, 6. September, Abends. Regierungs- seitig wird veröffentliht: Die Türken haben gestern aus allen türkishen Werken zwishen Podgorizza und Spuz ein starkes Artilleriefeuer unterhalten zur Deckung des von ihnen auf zwei Seiten unternommenen Versuchs, über die Grenze von Mon- tenegro einzudringen; der Versuch ist von Bozo Petrovic zurü- gewiesen worden.

Hannover, 2. September. Es war der Gedanke angeregt wor den, in der Provinz Hannover an denjenigen Stätten, wo früher die alten Kaif-rpfalzen gestanden, insbesondere bei Grona (Grone) un- weit Göttingen und bei Werla Amts Wöltingerode, Gedenksteine mit entsprehenden Inschriften anzubringen. Zu diesem Zwecke wurde auf Veranlassung des hannoverschen Provinzialmuseums bei dem Lan- des-Direktorium anxefragt, ob dasselbe geneigt sei, eine Unterstüßung zu dem fraglichen Zwecke zu gewähren. Der Gegenstaud ift in der leßten Sommersißung des provinzialständishen Ausschusses zur Be- rathung gekommen. Vabei hat sich, wie der „Hann. Cour.“ mittheilt, das Landes-Direktorium dahin auêgesprocher, daß, bevor man zur Bezcichnung der Stätten der alien Kaiserpfalzen eine Beihülfe be- willigen könne, die Richtigkeit derselben auch historisch nachgewiesen sein müsse. Bezüglich der Kaiserpfaiz zu Grona sei, so viel ihm be- kaunt, dieser Nachweis geführt, während wegen derjenigen zu Werla nech Zweifel bestehen sollten, Der provinzialständishe Verwaltungs- aus\chuß hat sih darauf uuter der Vorausseßung, daß der betreffende historishe Nachweis erbraht werden würde, geneigt erklärt, cine Auf- wendung zu dem erwähnten Zwecke aus den für Kunst und Wissen- haft zur Verfügung stehenden Mitteln zu genehmigen, und ist das Landes-Direktorium ermächtigt, event. eine bestimmte Summe als Bei- hülfe in Aussicht zu ftellen.

Der Dr. Schliemann, der feine Ausgrabungsarbeiten in Troas verlassen, hat sich nach Griechenland begeben, um Nach- grabungen auf dem Gebiet von Tiryns (Argolis) anzustellen. Bekanntlich erhob fich die alte Stadt Proetus am Fuß des von der Akropolis eingenommenen Felsen. Die Umfassung8mauer, aus cyclo- pischen Werken, 12 Meter hoch und 15 Metcr dick, gebildet, ist ziemlich wohl erhalten. In seiner „historishen Reise“ geht der Geograph Pausanias soweit, dieses cyclopisch2 Werk für ebenso wun- dexbar als die ägyptishen Pyramiden zu erklären. Die Nachgrabun- gen des Dr. Schiiemann haben den Zweck, die Bauten aufzusuchen, welche auf dem Gipfel der Akrc polis, besonders um die berühmten Tycinthishen Galerien hecum, vershwunden find.

Am Sonntag Abcnd ward niht weit vom Mersey das im Schlepptau befindlice Schiff „Sonora* mit großer Gewalt von dem spanischen Dampfer „Vivar“ angerannt. Der Kapitän des leßteren ging mit der gesammten Mannschaft (mit Ausnahme eines Kaaben, der ertrank) auf die „Sonora“ hinüber. Als auch dieses zu sinken begann, begaben sich sämmtlihe 66 Junsassen beider Schiffe auf den Schleppdampfer. Die beiden anderen Schiffe sanken fast unmittelbar darauf. Das Schiff „Vivar“ ward gleichzeitig mit. dem „Murillo* gebaut, der seiner Zeit den „Northfleet“ niederrannte.

Theater.

Im Victoria-Theater wird. die erste Aufführuns des großen Ausstattungsstücks8: „DieJrrfahrten des Odysseus*“, soviel bis j:8t bestimmt, am 16. September stattfinden.

Die steigende Theilnahme, deren fich die allabendlich im R e- sidenztheater zur Darstellung gelangenden Stücke erfreuen, na- mentlich der nachhaltige Eindruck, den das Björnfonsche Schauspiel „die Neuvermählten“ hervorgerufen hat, SEan la die Direktion, diese Vorstellung vorläufig ununterbrochen auf dem Repertoir zu erhalten. Inzwischen wird das interessante neue ‘Drama „Caprice" von Rheinisch einstudirt und hat bereits die Leseprobe stattgefunden. Die Aufführung dürfte Mitte September erfolgen.

Zum Benesiz des Hrn. Ed. Weiß und zur Feier seines ersten Auftreteus nach ‘dem Urlaub, sowie des Frl. Mejo wurde in Kroll s Theater „der Verlobungs-Teufel“, humoristishes Lebensbild von A. Reich, gegeben, eine Novität, die nichts weniger als ein Lebens- bild ist, keinen Humor entwickelt, deren Titel vollkommen unerkiärli- und die auch, was die Charaktere und Personen betrifft, keine Novität ift, denn alte Schablonenfiguren werden Überdies unmög- liche, wenigstens in guter Gesellschaft unmögliche Situationen gebracht.

Es fand denn auch nur das eingelegte hübsche Ballet ungetheilten. |

Beifall. Die beliebten Künstler Hr. Weiß, ein Orchesterfaktotum,.

Hr. Heder, der Tischlermeister (eine vorzügliche Leistung), Frl. Mejo, | die Tischlerfrau und Fr. Stolle, die Dienstmagd, gaben ihr Bestes-

Verzin applaudirt, obwohl auch die Couplets nihts Neues ent- ielten.

B TPP Redacteur: F. Prehm.

Drei Beilagen

(einfchließlich Börsen-Beilage).

| Regts. behufs Uebertritts in den Königl. preuß. Militär-Jrtendantur-

hnen ein Dekret, welhes {on heute das Verhältniß der fremdlän- Pishen Produkte regelt, die sich an unserm zukünftigen Wettstreit be-

Kandwirthe, an die wir unfere Einladung erlassen, im Voraus wissen, direkten, Steuern und Me wirflihen Entrepots bestimmten Sendungen. Diese Sen-

n der Durchsuchung an der Grenze und von den Eingangszoll- Pormalitäten bei ihrex Ankurft in Paris befreit. Die A otibeamtel

Welcher dem Staate, aus dem fie 1 ae vorbehalten ist. Die Aussteller

Verlag der Expeditien (Kessel). Wruck: W, Elsner..*

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

A 211.

Personal-Veränderungen. Königlih Preußische Armee, Offiziere, Portepee - Fähnriche 2c.

Durch Verfügung des Kriegs-Minisferinms Den 20. Auaust.

Sckneyder, Häuptm. à 1a suite des Inf. Regts. Nr. 50, Sub- direktor der Gewehrfabrik zu Danzig und zur Vertretung des Sub- direktors der Gewehrfabrik in Spandau kommdrt., als Subdirektor

zur Gewehrfabrik zu Erfurt, v. Flotow, Hauptm. à la suite des Inf. Regts. Nr. 24, Subdirektor der Gewehrfabrik zu Erfurt und fommdrt, zur Wahrnehmnng der Vorstandsgeshäfte bei dem Waffen- Revisions-Kommando in Steyr, als Subdirektor zur Gewehrfabrik zu Danzig, verseßt S

Beamte der Militär-Verwaltung. Durch Verfügung des Kriegs-Ministerinms. Den 21. August. Tcblaf f, Remonte- Depot-Roßarzt in Ulrichstein, der Charakter als Ober-Roßarzt ver- liehen. Den 26 August. Hepke, Zahlm. vom 2. Bat. Inf. Regts. Nr. 18, der Abschied mit Penfion bewilligt.

Militär-Juftiz-Beamte. Durch Verfügung des General- Auditeurs der Armee. Den 29. August. Bothe, Justizrath, Gar- nison-Auditeur in Hannover, vom 1. Oftober d. J. ab als Divisions- Auditeur zur 19. Divifion versetzt.

Königlich Bayerishe Armee.

Offiziere, Portepee-Fähnriche 2c. Ernennungen, Be- fôrderungen und Verseßungen. Jm aktiven Heere. Den 25. August. Graf v. Rechberg und Rothlöwen, Gen. Lt, zum General der Kav. befördert. Den 26. August. De- finder, Hauptm. àla suite des 3, Feld-Art. Regts, Frhr. v. Barth zu Harmating, Pr. Lt, à la suite des 4. Feld-Art. Regts., Ja hn’, Pr. Lt. à la suite des 1. Fuß-Art, Regts., ersteren als Unterdirektor, leßteren als Direktions Assist., aus dem Stande der Feuerwerks. Comp. in jenen des Hauptlaboratoriums, Emmerich, Zahim. von der Feuerwerks- Comp. zum 3. Feld-Art. Reat., sämmtlich mit der Wirk- samkeit vom 1, September d. J. versetzt.

Abschiedsbewilligungen. Jm aktiven Heere. Den 17. August. Diez, Pr, Lt. à la suite in die Kategorie der Offize. a, D. mit der Unif. der aus dem 2. Inf. Regt Verabschiedeten ein- gereiht und der Anspruch auf Anstellung im Militär-Verwaltungs- dienste verlichen. Den 22. August. Veith, Ob. Lt. z. D. und Landw. Bez. Commdr. von Speyer, mit Pension und der Er- laubniß zum Tragen der Unif. auf Nahsuchen verabschiedet. Kop p, Hauptm. z. D. und * Landw. Bez. Adjut. von Aschaffenburg, zum Landw. Bez. Commdr. von Speyer, unter gleichzeitiger Verleihung des Charafters als Maj, ernannt. Merkel, Hauptm. a. D, unter die zur Disp. stehenden Offize. cingereißt. Steudel, Ob, Lt. ¿. D, von der Funktion als Commdr. des Landw. Bezirks Ingolstadt enthoben. M ehn, Maj. a, D., unter Stellung zur Disp, zum Commwdr. des Landw. Bezirks Ingolstadt ernannt. Kettner, Sec. Lt. z. D., auf Nachsuchen verabschiedet. Den 26. August. v. Walter, Sec. Lt. a. D., der Anspruch auf Anstellung im Mi- litär-Verwaltungsdienst verlichen. v. Kleber, Landw. Sec. Lt. ¿. D., mit Pens. auf Nachsuchen verabschiedet.

Im Beurlaubtenstande. Den 22. August. Moser, Landw. Sec. Lt. des 11. Juf. Regts. mit Pension, Neumeier, Landw. Sec. Lt. des 2, Inf. Regts, auf Nachsuchen verabschiedet. Den 26. August. Freibott, Landw. Sec Lt. des 9, Inf,

n die nahgesuchte Entlassung aus dem bayer. Militärdienste be- illigt.

Im Sanitäts-Corps, Den 27. August. Dr. Potschweid Assist. Arzt 2, Kl. im 6. Inf. Regt. auf Nahsuchen aus der Aktivi- tät entlaffen und zur Res. (Landw. Bez. Würzburg) E

Beamte der Militär-Verwaltung. Den 22. August. Schüle, Sekretär von der Intend. des I. Armee-Corps, zum Ver- s der Rendantenftelle beim Montirungs-Depot Ingolstadt er- nannt,

Nichtamlliches.

j Frankreich. Paris, 5. September. Der Bericht des Ministers für Ackerbau und Handel, auf Grund dessen das gestern gemeldete Dekret des Präsidenten der Republik über die Verkehrsbestimmungen während der Weltausstellung von 1878 erfolgte, lautet nah dem „J. d, Déb.*:

„Herr Präsident! Bei den früheren in Paris abgehaltenen inter- nationalen Auéftellungen wurden die fremdländischen Erzeugnisse einem wirklichen Zoll Entrepot unterstellt; fie konnten in Folge dessen über dle Grenz? kommen und nah dem Industrie-Palast geschafft werden, ohne der regelmäßigen Untersuchung unterworfen zu werden und ohne den Einzangszoll, zu dem fie unter anderen Verhältnissen verpflichtet waren, zu bezahlen. Sie hatten den Zoll erst an dem Tage zu be- zahlen, an welchem sie nach ihrem Verkauf aus der Ausstellung ent- fernt wurden, um in Frankrei zu bleiben. Jn Uebereinstimmung mit dem Herrn Finanz-Minister f@Glage ich Jhnen vor, eine ähnliche Maßregel für die Ausstellung von 1878 zu ergreifen, und urterbreite

heiligen. Es ift in der That wichtig, daß die Industriellen und

velhe Behandlung ihre Sendungen L: iyrer Ankünft in Frankrci Pen und unter welchen Bediugungen sie empfargen O DE Vlcichstellung des ganzen örtlichen Bereiches dec Ausstellung mit pem wirklichen Zoll-Entrepot ist also der Hauptzweck dieses e rets. Dem Wortlaut einer ministeriellen Verordnung vom °. Juli 1847 zufolge gelten die Bestimmungen über die den Eingangszoll nicht bei den für

igen haben unter der alleinigen Ueberwachung der Zollbeamten un

| n ul

ast dex von ihnen auégeftellten Acquits - à A a Gin, le zur Ausstellung von 1878 zugelassenen Waaren sind also zugleich

érden, wie es auch 1867 geschah, die Kolli bis zu dem Plaß begleiten,

iden das Auspacken ungestört vorne men, und herng i ntrolcure des Zollamts mit Hülfe der von den i aaa leferten Dokumente das Inventar der Waaren aufnehmen und fie troliren, Ílst es auhch gut, im Voraus den Zolltarif festzuseßen hem die fremden Produkte unterworfen werden, wenn fie die Aus- “ung verlaffen, um in dem französischen Verbrauch zu bleiben ? | den früheren Ausstellungen war dies geschehen. 1857 hatte man | aan der ziemlich zahlreichen Produfte, welche entweder fs ih verboten, oder mit Schußzöllen belegt waren, gegen eine Ab- ! von 20 /o ihres Werthes gestattet. 1867 war festgeseßt, daß die “maler Zolle eben so wohl auf die Produkte der den hohen in des allgeméinen Tarifs unterworfenen Länder, als auch der

M Srankfreih durch besondere Handelsverträge verbundenen U ihre Anwendung finden sollten. 1878 wird der allgemeine jedenfalls umgearbeitet und neue Verträge werden die jeßt zu Recht

E

ih, um den liberalen Traditionen der früheren Ausstellungen getreu zu bleiben, die Ehre, Jhnen vorzuschlagen, auf alle autgestcliten Pro- N Ne mungen E Es bei der am meisten be- T E eh ; S J " j} günstigten Nation angewendet werden. ies ist der Gegenstand des Bef g Verseßungen. Im aktiven Heere Artikels 3. Falls Sie, Herr Marschall, diese Anträge annehmen wollen, ersuche ih Sie, das beigefügte Dekret mit Jhrer Unterschrift zu_ versehen. Genehmigen Sie 2. Der Ackerbau- und Handels-Mi-

Ernennungen,

Berlin, Donnerstag, den 7. September

nister, Teisserenc de Bort.“

seitigen Staatsangehörigen.

kammer auf den 1. Oktober anberaumt.

sind Demonstrationen vorgekommen.

Versailles befindet, den Aufenthalt in Frankrei gestatten soll.

növern beizuwohnen.

Gaudens (Dep. der Haute

worden.

Das „J. de Déb.,“ veröffentlicht die zwischen Frankrei und Belgien “abgeschlossene und am 25. August d. I. S Brüssel unterzeichnete, vom 1. Oktober d. I. ab in Kraft tretende Deklaration, betreffs der Civilstandsakten der beider-

Der Minister des Innern hat entschieden, daß in den Departements-, Bezirks- und Kantonshauptorten die Er gänzung der Gemeinderäthe nur in dem Falle vorgenommen werden solle, wo ein Viertel der Mitglieder in diesen Räthen mangelt. 16 Generalräthe sprachen \fich für obligatorischen und 15 für unentgeltlihen Schulunterriht aus. Durch ein Dekret find die Neuwahlen für die fünf erledigten Sitze in der Deputirten-

Der 4. September ist überall ruhig verlaufen ; nirgend

_ Nah einem der „Köln. Ztg.“ zugegangenen Telegramm ift die Frage aufgeworfen ob man Don Carlos, der sh in

s. September. Der Präsident der Republik hat heute in Begleitung seiner Adjutanten, des General Marquis d'Abzac und des Obersten Broye, sowie des General Gresley vom Kriegs-Ministerium, Paris verlassen, um den großen Ma-

Durch Dekret des Präfidenten der Republik vom heuti- gen Tage sind die Wähler es die Bezirke von Saint- aronne), Toul, Merothe-et- Moselle , Cambray, Nord, Semlis, Oise und Auch, Sa welche augenblicklich in der Deputirtenkammer, theils durch den Tod der bisherigen Vertreter, theils durch. die Ungültigkeits- erklärung der früheren Wahlen, nicht vertreten find, auf den 1, Oftober behufs Vornahme von Neuwahlen einberufen

Zur Geschichte der \chlesischen Industrie*®).

Silber, doch hörte an beiden Orten

Saganschen gab es zu

Harlem das Schleierwehev erlernt stadt Hirschberg ein.

datirt, nach Breslau gebracht.

vom Kciser Ferdinand Ik. ein besonderes Privilegium für den Allein- handel mit Schleiern. Um den Leinwandhandel M Greiffenberg hatte sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der VBürger- meister Rothe verdient gemacht; er hatte dem Fabrikat Absatz- wege nach den Niederlanden eröffnet, jedoch ging viel rohes Garn und viele rohe Leinewand aus dem Lande, wogegen man die davon gefertigten Fabrikate theuer bezahlen mußte. Für die Ge- gend um Reichenbach wurde die Kanevasweberei ‘wichtig, welche dort von s{wedishen Soldaten eingeführt wurde. Der Takakbau datirt aus dem 17. Jahrhundert. Der Bergbau haite fich bis zum dreißig- jährigen Kriege wieder sehr e Tarnowiß und Goitesberg lie- ferten Silber, Giechren Zinn, Reichenstein Gold, Kupferborg Kupfer ; Smiedeberg war dur seine Eisenwaaren berlthmt, in Tarnowiß, Kupferberg, Neisse und Streibershau waren Bitriolsiedereien, Allein der drelßigjährige Krica zerstörte den Bergbau wieder. Im Anfang des 18, Jahrhunderts trat besonders der Flachsbau hervor. Vornämlich im Gebirge, an der böhmischen Grenze, wie auch um Neisse, Zuckmantel und Ziegenhals wurde viel Garn gespon- nen, von welchem das feinere in den Niederlanden zur Zwirnfabri- kation verwendet wurde. Das s{chwerere Garn ward in Schlesien zu Leinewand verarbeitet, welche in den Niederlauden einer besseren Appre- tur unterworfen „wurde und dann als holländische Leinewaud wieder zurüdckam. Uebrigens ging die schlesishe Leinewand meist über Ham- burg nach Spanien, Portugal und England, aber die vielen Öder- und Elbzölle, bis Hamburg 28, vertheuerten die Waare und begün- stigten die Konkurrenz Frankreihs, Auch Danzig bezog Leinewand, besonders Schleier, aus Schlesien. Tuche fabrizirten Tschirnau und Guhrau für Ungarn, Steinau und Wohlau für Leipzig, Neurode für Rußland. In Harpersdèocf bei Schweidniß wurden gewöhnliche, in der Hirschberger Gegend türkische Teppiche fabrizirt. Halbleinene und halbwollene sogenannte Mesolaustoffe lieferten besonders Reihenbah und Strehlen, Kanevas und Parchent die Dörfer Peterswaldau und Langenbielau. Die zum Parent verwendete Baumwolle wurde durch Lemberger Juden aus Cypern und der Türkei bezogen, Die Scur der schlesischen Tücher war wegen ihrer Vexläßlichkeit berühmt. König Friedrich I1, widmete der Erhaltung und Hebung der AesisGen Tuch- und Leinwandfabrikation seine besondere Fürsorge. eber, Bleicher und alle anderen mit der Anfertigung von Leinewand beschäftigten Personen waren frei vom Zunftzwange und nicht genöthigt, in Städten zu leben; nur der Schau waren ihre Fa- brifate unterworfen, um die Anfertigung shiechter Waaren zu verhüteu. Jeder sich niederlassende Weber erhielt einen Webestuhl und auf

*) Die wirthscaftlithe Lage der Fabrikarbeiter in Schlefien und die zum Besten eda: Veehenden Einrichtungen, mit Genehmigung

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tehenden crseßt haben. Da wir noch in Üngewißhei Ü 4 . Va ewißheit darüber sind : die Staatêgewalten in dieser Hinsicht bes liel werde, babe

Sr. Excellenz des Hrn, Ministers für Handel 2c., bearbeitet vom Berg-Ass-ssor Frief. Bre Maruschke & Behrendt. 1876.

Schlesien ist ftets ein industriereihes Land gewesen und hat {on vor Erschließung seiner Kohlenlager mit einzelnen seiner S tee am Welthandel Theil genommen. Der Bergbau {eint in Schlesien \chon im 12. Jahrhundert betrieben zu sein, und in der Mongolen- s\hlaht 1241 kämpften 900 bis 600 Bergleute von Goldberg, die jedoch_nur den fünften Theil aller Bergleute Schlesiens bildeten. Nikolstadt im Liegnißschen lieferte gegen die Mitte des 14. Jahr- hunderts wöchentlich bis 150 # Gold, Beuthen in Oberschlesien der- Bergbau im 14. Jahrhundert aus unbékannten Gründen wieder auf. Im hen gab derselben Zeit {on Eisenhämmer, welhe Sensen, Sicheln und andere Waaren für den Handel fertigten. Auch der Leinwand-, Tuch-, Leder- und Wollhandel, besonders Bres- laus, wird s{on im 14. Jahrhundert erwähnt. Jm 15. Jahrhundert scheint die Wollweberei, in welcher sich Breslau, Löwenberg und Striegau auszeichneten, der Haupt-Industriezweig Schlesiens gewesen zu sein; Leinwand wurde ebenfalls gearbeitet, aber wa)rs{heinlich noch nicht zur Ausfuhr. Auch Hirschberg trieb Leinwandhandel, und 1468 oder 1469 führte der R Joachim Girnth, welcher in

atte, diese Kunst in seiner Vatex«

1907 wurde die Färberröthe, deren Aubau in Stlesien seit jener Zeit Die blühende eft abutentBne

cie E

Abgaben; die Gebirgskreise, in welchen die en Weber wohnten, waren- au vom Soldatendienst frei.

Indefsen konnten die Bemäfawzen des L aîgs einen Rückfschritt der Tuch- und Leinenfabrikation nicht hindern. Die Veranlassung hierzu gaben der zunehmende Getreide-, Tabak- uud Rübendvbau, welcher den Flahêbau verdrängte, die \{chlechtere Appretur der Garne und Leinewand, vor Allem aber der überhand nehmende Zwischen- handel, welch{er dem Spinner das Garn und dem Weber die Leine- e zu e ava, Die Lage der Spinner war das

ur) eine lo ungünstige geworden, daß die ganze Familie die W

hindurch böchstens 7 Silbergroschen Anf, p s

Im Jahre 1790, als E Steinkohle noch keine Rolle spielte, betrug „der Werth der Fabrikation Schlesiens ohne die Lausitz 12,212,366 Thlr., wovon 3,907,611 Thlr. im Inlande und 8,304,755 Thlr. vom Auslande konsumirt wurden. Die zu den Fabrikaten ve:- wendeten Zuthaten „und das Material hatten 10,705,072 Thlr. be- anspruht, sodaß die Fabrikation 1,507,294 Thlr. Ueberschuß ergab. Die Leinenfabrifkation lieferte damals noch auf 28,704 Stüßlen mit 90,053 Arbeitern 7,990,140 Thlr. Fabrikate oder 679/g des gesammten Werths der s{lefishen Fabrikation und ließ dabei einen Ueberschuß von 789,013 Thlr. oder 55 °/o des gesammten Ueberschusses. Nächst- dem erscheint die Wollfabrikation mit 4700 Stühlen, 15,438 Ar- beitern und 1,858,430 Thlr. Werth der Fabrikation als der bedeu- E es.

m Zahre 1809 war der Werih der \{chlesishen Fabrikation au 18,857,440 Thir. geftiegen und der Ueberschuß R Abzug F 10,300,332 Thlr. für Zuthaten) auf 8,557,108 Thlr. Die Leinwand- &abrifation war hierbei mit 28,629 Stühlen, 45,902 Arbeitern, 8,997,498 Thlr. Werth, 5,151,898 Thlr. Uebershuß oder 58 °%/9 des Letzteren betheiligt. Außer für Leinenwaaren waren noch Stühle im Gange: für Baumwollenwa iren 3357 (6207 Arbeiter), 692 (706 Ar- beiter) für Rasch- und Mesolane, 243 (275 Arb.) für seidene und halbseidene, 5250 (14,730 Arb.) für wollene Waaren. Die Eisen- und Stahlfabrikation beshäftigte damals uur 1606 Arbeiter und pro- duzirte „für 1,042,489 Thlr. Werthe. Im Ganzen wurden in der Industrie 75,413 Arbeiter verwendet oder 4 9% der Bevölkerung.

Die Konkurrenz der Maschinen- mit der Haud-Spinnerei und «Weberei führte im 19. Jahrhundert die bekannte traurige Lage der Spinner- und Weberfamilien herbei, deren manche bei angestrengtester Arbeit täglich „nur 2 Sgr. verdienten, dessenungeahtet nimmt die Tertilindustrie in Schlefien jeßt noch eine der ersten Stellen ein, weil sie fich im Ganzen allmählich dem Fortschritt der Zeit ange- {lossen hat.

Was vie Lage der \{lesischen Fabrikindustrie in der Gegen- wart *) anbetrifft, so beschäftigt dieselbe in Anstalten mit 30 Ar- beitern und darüber zur Zeit 99,668 Arbeiter, davon die meisten, 39,036 (36,357 maännl., 2649 weibl), in 160 Hütten-, Hammer-, Walzwerken, Gießereien und Anlagen für sonstige Metallwaaren- Industrie einschließlich der Maschinen- und Lokomotivbauanstalten.

Für den Hüttenbetrieb, welcher im Jahre 1874 7869 Arbeiter verwendete und 50,110,914 A Werth produzirte, kommen besonders Cisen- (24,433,104 6), Zink- (17,438,610 Á6) und Blei- (4,069,542 M) Grze in Betracht. Der Du aller Hüttenwerke ist Oberschlesien, wo Kohle, Eisen-, Blei- und Zinkerze fast auf gemeinschaftlicher Lager=- ftätte vorkommen. Der auf Raseneisenerzen beruhende Hochofenbe- trieb Niederschlesiens wird immer mehr eingestellt; anu die Stelle jeiner Produkte tritt englisches Roheisen. Die weitere Verarbeitung des Roheisens erfolgt auf 77 Eisengießereien, von denen 27 Hoths ofenhütten befißen und 34 mit Maschinen-Bauanst-"ten verbunden sind. Die Produktion an Gußwaaren zweiter Smelzung mit 5029 Arbeitern beträgt 1,265,369 Ctr. im Werthe vou 14 426 199 4. Zur Verarbeitung von RoLeisen sind 35 Fris®%,, und Streckwerke zur Ver- arbeitung von Rob\uppen, Alteisen u. st. w. 17 Streckwerke mit ;u- sammen 395 Puddelöfen und 26 Frishfeuer mit 10,544 Arbeikért U IO L Ses Verarooitet werden auf pen Puddel- und Streckwerken 22g N, WIT, Roh- und d«4,v36 Ctr. Alteisen u. a., produzirt 97%,4 Ctr. Der Gesammtwerth der Eisenproduktion tellt sich

c Jahre Freiheit von meist

| 94f 46,887,699 « An Stahl werden 70,503 Ctr., an Zinkblechen

E eer Fn ZHabriken der Tertil- und Leder-Fndustri 25,275 Arbeiter (9935 m., 15,340 w.) bei bätte Obern e

zog fich im 16, Jahrhundert von den Städten am Fuße des irge immer mehr in leßteres hinein, besonders nah L! SA u berg ünd Hirshberg. Der dreißig]ährige Krieg beeinträctigte diesen Erwerb in hohem Grade, und die Leinweber siedelten \pâter aus den Städten in die Thäler des Hochgebirges über, wo sie ihrem evan» gelischen Glauben ungestörter leben konnten. Hirschberg erhielt 1630

hierbei nur s{wach vertreten. Im Regierungsbezirk Breélau [i der Hauptsiß dieser Industrie in den Gebirgsfkreisen. Die Teppite fabrikation ist in Schmiedeberg von Bedeutung, die Tuchfabrikation n reh E anan und gan, E Kreis Freistadt besigt die e Flad inneret. Vie erheblichste Lederfabrik ve i R Ava und Ee H ed E : abriken der Landwirhshaft, Brauereien, L - reien, Zucker- und Stärkefabriken beschäftigen 10,118 Arbeiter (7273 m., 2846 w.). Unter diesen Fabriken nehmen diejenigen für Rüben- zucker die erste Stelle ein. Von den in der Campagne 1873/74 im Deutschen Reich verarbeiteten 70,509,191 Ctr. Rüben fallen 7,022,264 Ctr. oder 10 pCt. auf Shlesien, Auch die Spiritus- fabrikation ift für diese Provinz von Wichtigkeit; im Königlichen S L Meldu A im g Seite 6904 Fäfsec Spiritus von 2,127, itern geei ie im Weseatli i baben dürften, : , seatlichen zum Export gedient In Anlagen für Glas-, Thon-, Kalk-, C:ment- Gips fabrikation werden 9678 Arbeiter (7351 wan, 2527

weibl,“ yerwendet, Die Glasfabrikalion hat in den leßten Ja ren besonders in R.-B. Lonis erheblich zugenomnen. 38 A péoduziren mit 3274 Arbeitern 5,975,457 4 Werth, meist Flaschen und Veleutungsmaterial. Die Porzellanfabrikation hat ihren Haupt- fiß in den Kreisen Waldenburg und Schweidniß; sie beschäftigt da- jelbst 4000 Arbeiter und exportirt für 6,000,000 4 Waare nah Deutschland, den Niederlanden und Amerika.

Größere Eisenerz-Bergwerke, Steinbrüche und Gräbecreien sind in Schlesien 42 mit 3408 Arbeitern (2471 m., 937 w.) vorhan- den. Eisenerz findet sich in den verschiedensten Formationen. Die Pro- duktion belief sich im J. 1874 auf 9,143,259 Ctr. im Waethe von 2,084,310 6 Von Steinbrüchen und Gräbereien haben die Granit- brüche bei Striegau und Strehlen, die Marmorbrüche bei Kunzen- dorf und an einigen anderen Orten des Kreises Neisse, sowie die Kalkbrüche bei Gegolin und Krappiß die größte Bedeutung.

Die Fabrikation von Papier ist in Schlesien in allen Arten dvrch etwa 30 größere Fabriken mit 2542 Arbeitern (1234 m,, 1308 w.) vertreten. Ju neuerer Zeit nimmt die Verwendung von Holzstoff mehr und mehr zu.

Außer zahlreichen kleineren chemischen Fabriken find 12 größere mit 1040 Arbeitern (849 m., 191 w ) vorhanden. Die bes deutendste derselben ist die „Silesia“ zu Saarau, Breslau und Rohnau, welche im J. 1874 mit 653 Arbeitern 4,183,878 #6 Werth fabrizirte. Eine besondere Gruppe der chemischen Fabriken bilden die zahlreichen Zündwaarenfabriken in den Gebirgs- und Grenzkreisen mit Böhmen. Sie beschäftigen etwa 1000 Arbeiter für eine Produktion von 25,000 Millionen Phosphor- und 5009 Millio- nen sog. s{chwedischer Streichhölzer, welhe zum großen Theil nah Japan ausgeführt werden.

15 größere Mühlen für Getreide, Oel, Holz u. \. w. geben 338 Arbeitern (726 m., 112 w.) ihren Lebensunterhalt.

, Endlich find noch 84 Fabriken von größerem Umfang für ver- \chiedene Industriezweige (7733 Arb., 5176 m., 2557 w.) erwäh«

*) Die folgenden Zahlen beziehen sich, wo nit ein Anderes bes merkt ist, sämmtlich auf das Jade 1874. iht ein Andere