1876 / 216 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Deutscgzes Rei eh:

Am 16. Séptember d. J. werden Telegraphen-Betcieb£ftellen erdffnet: bei den Postämtern in Senftenberg, Friedeberg N -M. Bahnhof und Uckro nt beshräuktem Tagesdienft, bei den Zweig-Postanstalten auf den Bahnhöfen in Cottbus und Guben mit vollem, auf Bahnhof Calau mit beshrärktem Tagesdienst.

Franfkfurt a. O., den 9. September 1876.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.

Am 1. Oktober d. I. wird zu Bau?erwiß im Regierungs- bezirk Oppeln ein mit der Orts-Posftanstalt vereinigtes Telegraphen- amt mit beshrävïîtem Tagesdienft und auf dem Bahnhofe zu Mys- lowiß, Regierungsbezirk Oppeln, eire mit der Zweigpostanstalt ver- einigte Telegrammannahmestelle ebenfalls mit beschränktem Tages: dienst exôöfsnet werden.

Oppeln, den 11. September- 1876. :

Der Kaiserlihe Ober-Postdirektor.

Zu Beisenheim und Lorch, im Regierungsbezirke Wiesbaden, werden am 1. Oktober d. I. Telegraphen-Anstalten mit beshränktem Tag:skienst eröffnet. L

Frankfurt a./M., den 10. September 1876.

Der Kaiserlihe Ober-Post direktor.

Elsaß-Lothringen.

Der Königlich preußishe Advokat Franz Georg Ganser zu Prüm, Regierungsbezirk Trier, ist zum Advokaten im Bezirk des Kaiserlihen Appellationsgerihts zu Colmar und zum An- walt bei dem Kaiserlihen Landgerichte daselbst ernannt.

Königreich Preußen. Se. Majestät der König haben Allergnädigst gerubt: dem Gerihts- und Depofital-Kassen-Rendanten Busse in Poln. Lissa bei seiner Versezung in den Ruhestand den Cha- rakter als Rechnungs-Rath, und i : dem Kreisgerichts-Sekretär Noche zu Hirschberg i. /Schl. bei seinec Verseßung in den Ruhestand den Charakter als Kanzlei- Rath zu verleihen.

Finanz-Ministerium.

Die Herren Forstkan didaten, welche an dem nächsten forft- lihen Staatsexamen Theil zu nehwen wünschen, wollen ihre Meldung bis spätestens 25. September cr. einreichen.

Berlin, den 12. September 1876.

Königlihe Forst-Ober-Examinations-Kommission. Hagen.

Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten. Der bisherige Seminarlehrer und kommissarishe Kre?s- Sculinspektor Sermon d in Fulda ist zum Kreis-Schulinspek- tor im Regierungsbezirk Cassel ernannt worden.

Angekommen: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath und Ober-Berghauptmann Krug von Nidda von Clausthal; der Unter-Staatssekretär im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal: Angelegenheiten Sydow aus Tirol.

Die heutige Nummer des Deutschen Reihs- und Königlih Preußishen Staats-Anzeigers enthält in der Central-Handels-Register-Beilage:

1) Nr. 175 der Tarif- 2c. Veränderungen der deut- \hen Eisenbahnen;

2) Uebersiht der mit Hauptverkehrsorten in transatlantishen Ländern bestehenden Postdampf- {chiff-Verbindungen.

Nichtamtliches. Deutsches Neich

Preuxpen. Berlin, 13. September. Ueber die Anwesen- heit Sr. Majestät des Kaisers und Königs bei den Manövern des I1YŸ. und XII (Königlih sächsishen) Armee-Corps gehen uns folgende weitere Mittheilungen zu :

Merseburg, 12. September. Mit dem heutigen Tage nahmen die Feldmanöver des IY. gegen das XII. (Königlich Sächsische) Armee-Corps ihren Anfang, und war denselben nach- fiehende General-Jdee zu Grunde gelegt worden: Ein West- Corps (V. Armee-Corps) befindet fich auf dem Rückzug von Sachsen nah Thüringen. Verstärkungen für dasselbe find von Querfurt im Anmarsch. Die Arrièregarde hält Altranstädt be- sezt. Ein Ost:Corps (Xl1. Armee-Corps) is bis an die Elsfier gefolgt. Auf Grund dieser allgemeinen strategishen Lage sollte das Weft-Corps \sich am 12. einem allgemeinen Engagement gegen den überlegenen Feind entziehen, aber unter Benußung von geeigneten Terrainabshhnitten Widerstand leisten, um nicht Über die Querfurterstraße zurükgedrängt zu werden.

Das Ost-Corps sollte den Gegner dagegen angreifen und \chlagen, bevor er Unterstüßungen erhielt.

Die beiderseitigen Aufstellungen waren um 10 Uhr einge- nommen, und zwar ftand vom West-Corps der Arrièregarde und die Kavalerie-Division bei Altranstädt, das Gros mit der 7. Di- vifion in der Position Kößschau-Rampihß mit der 8. Divifion und der Corps-Artillerie weiter rückwärts bei Schladebah, um zu- nächst den Abschnitt des Floßgrabens zu halten.

Vom Osft-Corps hatte die Kavallerie-Divifion Aufftellung bei Markranstädt genommen; die 23. Infanterie - Division {tand hinter derselben, beide bereit, bei Beginn der Bewegungen zum Angriff auf Altranfstädt vorzugehen, die 24. Infanterie- Dipision südli Markranstädt, um auf den Uebergang von Dürrenberg an der Saale zu marschiren.

Nachdem Se. Majestät der Kaiser mit Sr. Majestät dem König von Sachsen, von Merseburg kommend, um 10 Uhx bei Kößschau zu Pferde gefiegen waren, begann der Vor- marsch der 23. Infanterie-Division, welche bei Markranstädt die preußische Landesgrenze passirt hatte, auf Altranfstädt, das nur furze Zeit von der Arrièregarde des (West-) 1V. Corps gehalten wurcDe.

Unter dem Schutze der vördlih Altranftädt entwickelten Kavallerie-Dévision, welche mit der hier gleichfalls vorgegangenen feindlihen Kavallerie aufeinander traf, ging demnächst die Be- saßung dieses Dorfes auf Kögschau zurü.

Das Oft-Corps drängte mit der 23. Infanterie-Division na und enízoickelte sich nun zum Angriff gegen die inzwischen von der 7. In fanterie-Division beseßte Stellung Kößshau-Rämpig, während glei; eitig die beiden einander gegenüberftehenden Ka- vallerie-Divisionen auf dem nordöfiliG tiefer Stellung befind- Tien Raume ein Fld für ihre Aktion fanden.

Da einé längere Vertheidigung der Dörfer Schladebach, | Kößshau und Rampiz nicht in der Absicht des kommandirenden Generals des West-Corps lag, so’ wurde der genannte, in taktisher Beziehung unbedeutende Abschnitt geräumt, nahdem die 8. Jn- fanterie-Division eine Aufnahmestellung auf den westlih desselben mäßig ansteigenden Gelände genommen, und in derselben ihre Divisions-Artillerie (16 Geshüßze) in erster Reihe poftirt hatte. Zur Verstärkung des Feuers wurde dann rechts neben derselben auch die Corps-Artillerie mit 30 Geshüßen in das Feuer ge- bracht, um dem Feind das Debouchiren aus den vorliegenden Dörfern zu erschweren.

Es entspann si in dieser Situation ein stehendes Feuers gefeßt, welches bei der kfonzentrischen Wirkung, die die Auffstel- lung des West-Corps gestattete, dem Vordringen des Ost-Corps ein Ziel sezte, zumal die 24. Infanterie-Division von demselben bisher nur mit vereinzelten Abtheilungen in das Gefecht einge» griffen hatte, und eine wesentlihe flankfirende Wirkung von ihr für diesen Tag niht mehr zu erwarten ftand. Dagegen er- rang die Kavallerie-Division des West-Corps durh eine mit überrashender Schnelligkeit und Vehemenz ausge- führte Attacke, welher die Kavallerie des Oft-Corps in dem Augenblick niht gewachsen war, einen Erfolg auf dem äußersten rechten Flügel ihrer Schlachtlinie. Bei Abwägung der Gesammit-Gefehtslage hatte mithin das West-Corps den Bor- theil, noch so viel Terrain auf dem rechten Saale-Ufer in seiner Gewalt zu haben, daß selbst einem überlegenen Feinde gegenüber ein ordhnungsmäßiger Uebergang über den Fluß gesih?rt erschien, und daß ebenso die anrückenden Verstärkungen noch an der Saale-Linie und niht weiter zurück erwartet werden durften.

Um den Uebergang zu erleichtern, war von den Pionieren während des Manövers eine Pontonbrücke bei Creipau geshlagen worden, so daß dem Corps zwei Brücken zur Benußung offen tanden.

l Se. Majestät der Kaiser befahlen unter diesen Verhältnissen den Schluß des Manövers ‘und kehrten, nachdem ein kurzes Re- sumé über den Gang desselben gegeben worden war, mit Sr. Majestät dem König von Sachsen zu Wagen nah Merseburg urück.

f Die Vorposten des West-Corps, welhes über den Fluß zurückgezogen wurde, etablirten fich “arauf längs des linken Flußufers auf der Linie Merseburg-Dürrenberg, die des Oft-Corps nahmen eine entsprehende Stellung auf dem reten Ufer ein.

Am Abend beabsichtigten Se. Majestät die Bivouaks beider Corps mit einem Besuch zu beehren. ; An

13. September. Se. Majestät der Kaiser und Köniz stiegen, nah telegraphischer Meldung, heute früh bereits um 74 Uhr zu Pferde, um Sih zum Manöver zu begeben. Das X11. Armee-Corps is über die Saale gegangen , die demselben gegenüberstehenden Truppen des IV. Armee-Corps erhalten Ver- stärkungen, so daß es vorausfihtlich au heute zu lebhaften

bei Sr. Majestät ein déjeuner dinatoire ftatt; die Abreise von Merseburg is auf Nahmittag 4 Uhr festgeseßt.

Ihre Majestät die Kaiserin-Königin empfing gestern in Frankfurt aus Rumpenheim den Besuch Ihrer König- lichen Hoheit der regierenden Großherzogin von Mecklenburg- Streliß und Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin-Mutter. Nach Besichtigung des Palmengartens und des Clementiner Kinder: Hospitals reiste Ihre, Majestät nah Baden-Baden weiter, woselb#st| Alerhöchstdieselbe zum Kurgebrauch Abends eintraf.

JZhre Majestät die Kaiserin-Königin haben an E Ober-Bürgermeister von Erfurt folgendes Handschreiben ge- richtet :

„Merseburg, den 10. September 1876.

Es liegt Mir am Herzen, den Empfang, den Ih in Thüringen, Meiner Heimath, und insbesondere in Erfurt, gefunden habe, in dankbaren Worten als cine s{chöône Lebenserinnerung zu bezeichnen, und Ihnen, dem es vergönnt ist, für das Wohl der Stadt zu sorgen, die I gestern zu besuchen die Freude hatte, mit Meinem Dank die innigsten Wünsche für das Gedeihen derselben darzubringen. Jch biite Sie zugleich, beifolgende Gabe unter die wohlthätigen Anstalten und die Armen Eirfurts zu vertheilen.

Angusta.“ Diesem Schreiben war die Summe von 1000 # beigefügt.

Veber die Ergebnisse der Patent-Enquete in der Sizung vom 2. September 1876 theilen wir Folgendes mit:

1) Nah Axsiht Aller soll das Ausshließungsrecht des Patentinhabers sih nicht auf Einrichtungen an fremden Fahr- zeugen erstrecken, welhe die Reichsgrenze nur vorübergehend überschreiten.

Eine Mehrheit von 17 Stimmen is ferner für völlige Frei- heit des Transits, so daß der Patentinhaber den Durchgang nachgemahter Gegenstände durch deutshes Gebiet niht ver- hindern soll.

Für Zreiheit der in zollfreien Niederlagen deponirten Waa- ren und deren Siherung gegenüber etwaigen Angriffen des Patentinhabers erhebt fich nur 1 Mitglied.

2) Für einen provisorischen Schuß der zu öffentlihen Aus- fiellungen geschickten Gegenstände erklären fich 7 Mitglieder.

Eine Mehrheit von 18 will die zu staatlih organifirten Ausftellungen gesandten Gegenstände in gleiher Weise wie die tranfitirenden behandeln, sie mithin der Aus\hließungsbereh- tigung des Patentinhabers entziehen, so lange fie auf der Ausstellung bleiben und niht in den inneren Verkehr übergehen.

3) Ein gültiges Patent soll aufgehoben werden, wenn die im Patent beanspruhte Erfindung in der Beschreibung unge- nügend dargeftellt ift.

Der weitere Vorschlag, auch dann aufzuheben, wenn das, was als Erfindung patentirt is, insofern der späteren Aus- führung durch den Erfinder niht entspricht, als leßterer mehr erfunden hat und thatsählich anwendet, wie sein Patent besagt, wird nur von 6 Mitgliedern unterftüßt.

Die Aufhebung foll ferner zulässig sein, wenn der aus- ländishe Patentinhaber keinen Vertreter im Jnlande hat. .Ent- \chuldigungsgründe werden hierbei berücsichtigt.

Die Aufhebung foll endlih cintreten nach Ansicht aller Mitglieder, außer cinem, wenn die Patentabgaben nicht bezahlt werden. 12 Mitglieder wollen diese Wirkung ohne Weiteres bei Nichtinnehaltung dec vorgeschriebenen Fristen cintreten lafsen, 9 erst nach einer Erinnerung oder Mahnung vor oder nah Ablauf der Fristen.

Die Klage auf Aufhebu.ng eines von Anfang an ungül- tigen Patentes kann während Öer ganzen Patentdauer angestellt werder. Der Vorschlag, wegen mangelnder Neußeit nur dem

Gefehten kommen wird. Nah der Rückkehr vom Manöver findet -

wird blos von 3 Mitgliedern unterstüßt. Die übrigen 19 Mit- glieder wollen die absolute Aufhebung des Patents stets ein- treten lassen, wenn Jemand mit der Aufhebungsklage durh=- dringt. % Eine räumlihe und zeitlihe Ausdehnung der bestehenden Patente soll in der Weise zulässig sein, daß dem Patentinhaber die Ausführung seiner Erfindung durch ihn und seine Rechts- nachfolger und die Bekanntmaczung nit schadet und im Uebri- gen bei solhen Anträgen das Verfahren des neuen Geseges zur Erlangung von Paienten eintritt. /

Für diese Bestimmung ist eine Mehrheit von 19 Mit- gliedern. i

Für Patentirung bereits abgelaufener Patente i Niemand.

5) Die Dauer des Patents soll vom Zeitpunkte der An- meldung datiren. /

6) Für eine obligatorishe Bezeihnung der patentirten Gegenstände mit den Worten „Deutsches Patent* und mit dem Datum der Patentirung unter der Rehtswirkung des amerika- nishen Gesezes sind alle Stimmen außer 3. :

Ein Strafverbot für die Bezeihnung niht patentirter Gegenstände als patentirter nah Vorbild des amerikanischen Gesetzes wird einftimmig als erforderlih und wünschenswerth bezeichnet. :

7) Die Einführung von besonderen Strafbestimmungen nah Analogie des französishen Gesetzes für Patentverlezungen dur Arbeiter und Angestellte, welhe in den Fabriken oder Werkstätten des Patentinhabers gearbeitet haben, wird nur von 5 Stimmen beantragt.

Reisen der angeschuldigten Militärpersonen behufs des persönlihen Erscheinens vor dem Spruchgerichte (S. 111 der Strafgerichts-Ordnung, 11. Theil des Strafgeseßz- buches für das preußishe Heer vom 3. April 1845) sind als Dienstreisen anzusehen, und demgemäß für dieselben die cargen- mäßigen Reisekosten und Tagegelder zu gewähren.

Behufs möglihster Vermeidung von Insertionskosten für die Bekanntmahungen von Verkaufsterminen hat das Kriegs-Ministerium bestimmt, daß in denjenigen Fällen, in welchen die von den Truppen zu Gunsten der Militär-Verwal- ‘tung zu verkaufenden Gegenstände nur eine geringe Einnahme vorauss\ehen lafsen, von den Truppen besondere Termine nicht abgehalten, auch zu diesem Behufe besondere Bekanntmachungen in dem betreffenden öffentlichen Blatte nicht erlassen, sondern die in Rede stehenden Gegenstände zur Ersparung von Koften einer am Orte vorhandenen Militär-Lokalverwaltung oder dem Train- Depot überwiesen werden, um dieselben bei nächster Gelegenheit mit zur Auktion zu stellen.

Schon wiederholt ift darauf hingewiesen worden, wie nothwendig es ist, die Auf\chriften von Briefen 2c. nach \solhen Ländern, in denen die deutshe SpraGhe wenig oder gar nit gebräuclih ist, in lateinischen Schriftzügen abzufassen.

Wie häufig gleihwohl diese einfahe Vorsichtsmaßregel, zum

figt wird, ergiebt die aus zuverlässiger Quelle mitgetheilte That- \ache, daß bei einer neuerdings vorgenommenen Durchficht der auf dem Postamt zu Porto Alegre (Brasilien) lagernden Briefe \ih 53 in Deutshland, Oefterreih und in der Schweiz aufgegebene Briefe darunter 17 eingeshriebene vorfanden, welche, weil die bezüglihen Adressen mit deutschen Buchstaben geschrie- ben waren, a!s unbestellbar zurückgelegt worden waren.

Bei dem Verkauf eines Grundstücks wurde dem Ver- fäufer an Zahlungsstatt cine Il. Gutshypothek angeboten, im Betrage von 3000 Thlr. hintec 3900 Thlr., mit der Versiche- rung, das Grundstück enthalte 50 Morgen. Der Verkäufer er- klärte fich mit dieser Zahlung einverstanden, und in dem dem- nächst aufgenommenen Kaufvertrag wurde die Gutshypothek als be- dingungsloses Zahlungsmittel erwähnt. Nah Abschluß dieses Vertrages erfuhr der Verkäufer, daß das Gut, worauf die Hy- pothek ruhte, niht 50 Morgen, sondern 47 Morgen enthalte, und er erklärte demzufolge dem Käufer, daß er vom Kaufge- \chäâft zurücktrete, weil ihm die Sicherheit der Hypothek dadurh erheblih verringert " ersheine. Das Appella- tionsgeriht zu Breslau erkannte auch die Ungültigkeit des Kaufvertrages an, indem es annahm, daß der Verkäufer in einem Irrthum über solche Eigenschaften der einen Theil der Gegenleistung sür den Verkauf des Grundftütes bil- denden Sache sich befunden habe, welhe für seine Willens- erklärung beftimmend gewesen seien, woraus nah S

In der vom Käufer dagegen eingelegten Nichtigkeitsbeschwerde

irgend einer Eigenschaft der zu übereignenden Hypothek oder des dafür verhafteten Grundstückes nicht die Rede sei. Tribunal, 111. Senat, wies jedoch in seiner Sißung vom 14. Juli d. I. die Nichtigkcitsbeshwerde als unbegründet zurü, indem es in seinem Erkenntnisse ausführte:

Urkunde ankommen. gerade darauf, daß das Niedergeschriebene dem wahren Willen der Betheiligten zur Zeit des geshlossenen Vertrages nicht ent- spricht, daß eine für die Einwilligung des Anfehtenden in den

Wirklichkeit niht vorhanden war. Dies is vom Ober-Tribunal

den. Da nun hier feststeht, daß dem Verkäufer ein bestimmter \chuld verhafteten Grundstücks baarer Vertrags\chlü}e ausdrüdck-

durch sich zum Abschluß des Vertrages hat bestimmen lassen, er aber bei dec Annahme der Richtigkeit dieser Zusicherung ih geirrt hat, so hat der Richter mit Reht den §. 77 a. a. D

Eigenschaften der Sache die Willenserklärung vereitelt.“

Corps, voa Weißensee her, hier ein, und haben dieselben theil- weise in den hiesigen Kasernen resp. in der Nähe derselben Quartier genommen, anderntheils marsczicten dieselben aber nur dur die Stadt, um nach den südlih gelegenen Ortschaften zu gelangen und dort Quartiere zu beziehen.

Das Hannoversche Husaren-Regiment Nr. 15 ist Allerhöhs ermächtigt worden, von dcm Chef desselben Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzoge von Mecklenburg-Schwerin, eine Earnitur Pelze als Geschenk anzunehmen und dieselben neben dem etatêmäßigen Attila im Dienst zu tragen.

Der General der Kavallerie, Baron von Rheinbaben, General - Inspccteur des Mislitär- Erziehungs- und Bildungs-

Patentamte resp. Patentanwalt die Aufhebungskloge zu geben,

wesens if von Urlaub hierher zurückgekehrt.

eigenen Nachtheil des korrespondirenden Publikums, vernachläs- a

77 Tit. 4 M Th. 1. des A. L. K. die Ungültigkeit des Kaufvertrages folge. [F

machte dieser geltend, daß im. schriftlichen Kaufvertrage von M Das Ober- A

„Bei der An- fechtung eines Vertrages wegen Irrthums kann es keineswegs F

blos auf den Jnhalt der darüber aufgenommenen \criftlihen e Eine folche Auffassung beruht vielmehr F

Vertrags\{luß von ihm als entscheidend betrachtete Thatsache in D in dem Plenarbeschlusse vom 31. Januar 1845 anerkannt wor- i Flächeninhalt des für die an Zahlungsstatt anzunehmende Grund- e

lich, wenngleich nur mündli, zugesichert worden, daß er hier-

angewendet, wonach Irrthum in ausdrücklih *vorausgeseßten F

Heute Mittag trafen die Truppentheile des 111. Armee- F

Der Kaiserlich rusfishe General-Lieutenant, Baron von Gerschau, Commandeur der 3. Kavallerie-Divifion if hier ein- getroffen und im Hotel de Rusfie abgestiegen,

Der Kaiserlih österreihishe Botschafier am Kaiserli russischen Hofe, Baron von Längenau, ift gesiern Abend von St. Petersburg hier eingetroffen und hat im Hotel Royal Woh- nung genommen.

Der Direktor des Königlichen statistishen Bureaus, Ge- heimer Ober-Regieruncs-Rath Dr. Engel, ist von seiner Reise nach Budapest hierher zurückgekehrt.

Briefsendungen für S. M. S. „Medusa* find von heute ab nah Kiel zu dirigiren.

Bayern. München, 11. September. Der König hat fich vorgestern Abend vox Schloß Berg auf mehrere Tage nach dem Linderhof begeben.

Der Prinz Leopold und die Prinzessin Gisela find gestern wieder hierher zurückgekehrt.

Von den auf Urlaub befindlihen Staats-Miniftern wird zunächst v. Pfrezschner vor Ende dieser Woche zurück- kehren und die Leitung des Staats-Ministeriums des Aeußern wieder übernehmen. Der Staatsrath Dr. v. Darendberger, welcher zur Zeit dea Minifter des Aeußern vertritt, hat gestern den für München :-euernannten Geschäftsträger Englands, Ge- neral Stanton, empfangen und dessen Beglaubigungsschreiben entgegengenommen.

(Südd. Pr.) Der deutshe Botschafter in St. Peters- burg, General-Lieutenant von Shweinigt, hat heute, und der österreichishe Botschafter in London, Graf Beust, München gestern nach kurzem Aufenthalte verlafsen.

(Allg. 31g.) Zu der heute hier eröffneten 24. katho- lishen Generalversammlung Deutshlands waren um 11 Uhr Vormittags etwas über 600 Theilnehmer angem:ldet. Heute Vormittags 8 Uhr wurde dieselbe mit einem feierlichen Hochamt, vom Erzbischof v. Scerr abgehalten, in der Domkirche zu Unserer Lieben Frau eingeleitet, Hierauf fand die 1. ge- {chlofsene Generaivecsammlung im großen Saale des katholischen Kasinos ftatt. Abends wird daselbst die 1. öffentlihe General- versammlung abgehalten.

Württemberg. Friedrihshafen, 10. September. Die kirhlihe Feier des morgigen Geburtsfestes der Königin wurde heute Vormittag in den hiefigen Kirhen mit Festpredigten unter zahlreicher Theilnahme und unter Anwesenheit Ihrer Majestäten begangen. Heute Nachmittag 2 Uhr war im Königlichen Schloß zu Ehren des Geburtsfestes Jhrer Majestät Fest- und Hoftafel, wozu die Prinzessin Friedrih von Württemberg und Prinz Wilhelm von Württemberg, die Frau Landgräfin von Hessen-Philippsthal mit Begleitung fih einfanden.

11. September. Der König hat aus Anlaß des Geburtsfestes der Königin eine Amnestie für eine größere Anzahl von Strafgefangenen erlassen.

Baden. Schloß Mainau, 11. September. Der Großherzog hat am 9., seinem Geburtstage, die Behörden von Konstanz, die dortige Geistlichkeit, die in Konstanz zurück- gebliebenen Offiziere des wegen der bevorstehenden Manövers abwesenden 6. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 114, sowie die Deputationen der Städte Mannheim, Heidelberg, Bruchsal, Karlsruhe, Pforzheim, Baden, Freiburg und Konstanz, die Pro- rektoren der Univerfitäten Heidelberg und Freiburg, den Direktor des Polytechnikums zu Karlsruhe und einen Abgeordneten der Studirenden dieser Anftalt empfangen und deren Glückwünsche entgegengenommen. Sonntag, den 10. d., traf der Sänger- verein „Harmonie“ aus Zürich hier ein und trug zu Ehren der Höchsten Herrschaften mehrere Musikftüke vor.

Am nämlichen Tage verließ der Erbgroßherzog Schloß Mainau, um sich zunächßs|t nach Karlsruhe und von da zu seinem Regiment, dem 1. Badishen Leib-Grenadier-Regiment, zu begeben, in welhem der Prinz an den bevorstehenden Manövern der 28. Division Theil nehmen wird.

Sessen. Darmstadt, 9. September. (Frkf. I.) Die Frage der Erweiterung der Kompetenz der Landgerichte zum Zweck der Entlastung der Bezirks-Strafgerichte, welche be- reits auf dem vorigen Landtag in de: Zweiten Kammer lebhaft ventilirt wurde, ift, nahdem jene Vorlage zurückgezogen worden, auh auf diesem Landtage in Folge eines Antrags des Abg. Iöckel auf Aenderung des Art. 426 der Strafprozeßordnung wiederholt zur Sprache gekommen. Die Zweite Kammer be- \{loß, die Regierung um die Vorlage eines Geseßentwurfes zu ersuchen, dur welhen 1) die Anwendung des Art. 426 der Strafprozeßordnung auf das Vergehen der Beleidigung in den- jenigen Fällen, in welhen eine Verweisung vor die Bezirks- Strafgerichte nicht erfolgt ist, wieder hergestellt, und 2) be- flimmt wird, daß bei Antragsdelikten, wenn die Klage durch Verzicht des Anklägers aufgehoben wird, der Ankläger in die dem Staate verursachten Kosten von dem Untersuhungsrichter oder von dem ertennenden Gerichte zu. verurtheilen sei. Weiter beschloß die Zweite Kammer mit 19 gegen 18 Stimmen, die Regierung um die Vorlage eines Geschentwurfs des Inhalts zu exsuchen, daß Beleidigungen (14. Abschnitt des Reichs-Straf- gesehbucics), abgesehen von einzelnen näher zu bezeihnenden Jâllen, in erster Jastanz von den Landgerihten abzuurtheilen seien. Der Geseßgebungsaus\chuß der Ersten Kammer hat fich in dieser Materie ebenfalls \{chlüssig gemacht und beantragt nach dem socben erschienenen, von Dr. Buff erstatteten Berichte Bei- tritt zu den jenseitigen Beschlüssen. s _ 10. September. Die Hessishe Ludwigsbahn hat in einer besonderen Eingabe an die Stände nahzuweisen ver- sucht, daß die von der Regierung proponirte Heranziehung zur Einkommensteuer dem Wortlaut ihrer Konzession widerstreite. Der berihtende Finanz-Aus\chuß der zweiten Kammer ist jedo anderer Anficht und führt aus, daß die Gesellschaft den allge- meinen gesezlihen Aenderungen in den Steuerverhältnissen unter- worfen sei.

Sachsen - Coburg - Gotha. Coburg, 11. September. Der Herzog i| gestern von Merseburg nah Reinhardsbrunn gekommen und wird heute auf Jagd\schloß Oberhof eintreffen und daselbst mehrere Tage verweilen.

__ Elsaf-Lothringen. Metz, 10. September. Die Kö- nigin von Schweden ift vorgestern hier eingetroffen und im Hotel de l’Europe abgestiegen. Die Weiterreise erfoigte gestern früh.

_ Italien. Rom, 12. September. (W. T. B.) Der Kron- prinzHumbert und der Kriegs-Minister werden die militärishen Uebungslager besichtigen. Die Regierung hat ein Verbot

gegen die Einfuhr von Weintrauben und Bestandtheilen L

| des Weinstockes erlassen. Wie von unterrihteter Seite ver- | fihert wird, sollen die allgemeinen Wahlen am 27. und 29. Of- tober stattfinden.

Türkei. Konstantinopel, 10. September. Der „Wien. N. Fr. Pr.“ wird von hier gemeldet: Wie in eingeweihtea Kreisen ver- sigzert wird, soll die Frage der Aufhebung des Großvezierats und die Errichtung eines Ministerrathes mit einem Konseils- Präsidenten und der Verantworilihkeit der Kabinetsmitglieder ernfilih ventilirt werden. Die Abzahlung der Staatsschulden wurde auf drei Jahre vertagt und die Zinsen von 12 auf 8 Prozent reduzirt. Der Großvezier is noch immer krank.

Die beiden in den lezten Gefehten bei Alexinaz den Serben abgenommenen Kanonen find nach Konftantinopel gebracht worden und werden auf der Esplanade von Tophane aufgestellt. Ferner hat ein Spezialtrain am 5. September 108 verwundete serbische Gefangene aus den Gefehten um Nish nach Konstantinopel gebracht, welhe im Spital von Haidar Pascha untergebracht wurden.

Die türkischen Journale bringen die wenig wahr\cheinlih klingende Nachricht, daß fich Persien bereit erklärt habe, der Türkei im Bedarfsfalle eine Armee von 50,0900 Mann zur Dis- position zu stellen.

Wien , 12. September. (W. T. B.) Wie in diploma- tischen Kreisen verlautet, sind die Bemühungen der Vertreter der Großmächte in Konftantinopel, die Pforte zu billigeren For- derungen für den Frieden zu bewegen, bisher ohne wesentlihen Erfolg geblieben.

Vom türkish-serbishen Kriegs\chauplaßtze liegen heute folgende Mittheilungen vor:

Belgrad, 9. September. Die „Pol. Korr.“ berichtet: Der Wunsch des Kriegs-Ministers, ein Kommando bei der aktiven Armee zu bekommen, soll endlich in Erfüllung gehen. Wie von informirtez Seite verlautet, dürfte Oberst Nikolits nächstens das Kommando des Armee-Corps am Ibar übernehmen, während Oberst Ts\cholak Antics den General Alimpics erseßen wird, welcher dem Großen Generalstabe zugetheilt werden soll. Das Kriegs-Ministerium soll dann dem Oversten Milankovits anver- traut werden, welcher seit Jahren Chef der administrativen Ab- theilung im Kriegs-Ministerium ift. Seit einigen Tagen werden von den aus Rußland kommenden Offizieren die meisten zur Drina-Armee geschickt, welho täglih bedeutende Verstärkungen erhâlt. Deligrad wird noch fortwährend befestigt. Aus Belgrad werden Geschüße und Munition dahin geshickt. Man behauptet, Deligrad könne eine \sechsmonatlihe Belagerung aushalten. Oberst Rajewski, ein Sohn des gleichnamigen rusfsischen Gene- rals, is bei Alexinaÿ gefallen. Fürst Milan soll fih zur Armee nach Paratschin begeben. Auch in Deligrad dürfte er einige Tage verweilen.

11. September. Wegen des Namensfesies des Kaisers von Rußland sind der Fürst und die Minifter hier angekommen und haben der vom Metropoliten celebrirten Messe angewohnt. Die ganze Stadt if beflaggt.

192. September. (W. T. B.) Die Regierung ver- öffentlicht Folgendes: Die türkishen Truppen auf dem rech- ten Ufer der Morawa haben gestern versuht zwischen Alexinaz und Deligrad den Uebergang über die Morawa zu erzwingen, wurden aber, nach dem bis 71/7 Uhr Abends auf der ganzen Linie gekämpft worden war, auf allen Punkten zurückgedrängt.

Vom Kriegs\hauplaze \chreibt das „Wien, Fremdenbl,“ vom 11: Es ist seit mehreren Tagen, als herrschte in Europa der tiefste Friede. Auh nicht die kleinste Meldung läuft ein, um die Erinnerung zu wecken, daß die Balkan-Halbinsel fich an zahlreihen Punkten im Kriegszustande befindet. Man hört wohl aus dem Hauptquartier Abdul Kerim Paschas Allerlei dar- über, daß die Türken die Größe ihres lehten Sieges bei Alexinaßz anfangs nicht rihtig verwerthet hätten, und daß fich derselbe immer wichtiger herausstelle, aber man erfährt nichts, daß die Türken diesen täglih wachsenden Sieg ausnüßzen und energisch verfolgen. Die Serben müssen doch {chon ihre Habseligkeiten lange in Sicherheit gebraht haben, was hält also den türkischen Kommandirenden noch auf? Inzwischen arbeitet Tschernajeff in Deligrad unausgeseßt an der Reorganisfirung und Aufstellung seiner Truppen.

Aus Serajevo wird dem „Pest. Lloyd“ berichtet, der nordbosnische Aufstand sci völlig erloschen. Die Anftrengungen des serbishen Oberften Despotovics, das Land zu insurgiren, waren vergeblich. Er brachte nur 580 Mann zusammen. Die Kreise von Serajevo, Travnik und Banjaluka sind ruhig, nur in leßterem irrt ein gewisser Hajduk Stefanovics mit 250 Mann umher. Selbst in den Groß-Zworniker und Vissegrader Kaima- kamaten herrscht tiefste Ruhe. Hafiz Pascha hält mit drakonischer Strenge diz Ruhe und Ordnung aufrecht und erlaubt den Mu- hamedanern keinerlei Uebergriffe.

Aus Deligrad berichtet der Korrespondent der „Daily Ziews“ vom 6. d, M.: z,Die Rechnung der türkischen Grausfam- keiten ist Überreif. Sobald die Türken in den okfupirten Orten

In Djunis erzählte mir heute ein alter Mann eine \{chreckliche Geschichte. In einem der Dörfer an dem Abhang von Jastrebog ergriffen die Türken eine flüchtige Familie. Sie packten das kleinste Kind, spießten es, rösteten es lebendig und zwangen die Eltern, das Fleisch ihres eigenen Kindes zu essen. Dann wurden auch die Eltern abgesc;lahtet. Der alte Mann bestätigt, daß er ein Zeuge davon war. Er is ein Priester. Die Truppen waren Aegypter und General Tschernajeff erzählte mir, daß die- selben \chlimmer find als die Baschibozuks und die Tscherkessen.“

An der Morawa hat sih die Situation nicht verändert, \chreibt die „Presse“ vom 12, Die Preßbureaus von Belgrad und Konstantinopel \{hweigen mit Beharrlichkeit über die seit dem 1. September vorgefallenen Scharmüßel ein Beweis, daß dieselben nicht einmal hinreihen, zu Siegesbulletins ver- wendet zu werden. ercignißlose Zeit zur Erfindung allerlei ftrategisher Koibina- tionen und Gefechte. So ist au der vielgerühmte Marsch des Obersten Horvatovics bis „gegen Nish“ im Sand verlaufen, und nachträglich stellt es sch heraus, daß er von Topolniza und Katun zurückberufen wurde, um den Raum zwishen De- ligrad und Alexinaßtz zu besezen. Hätte er irgend welhen Er- folg erzielt, derselbe wäre gewiß von Belgrad gemeldet worden.

Ebenfowenig haben die Türken mit ihren Operationen einen erheblichen Schritt nah vorwärts gethan. Um gegen Alexinaß und Deligrad. etwäs Ernstlihhes vorzunehmen, dazu reichen vor- läufig weder ihre Truppen, noch ihr Belagerungspark aus, und ihre Versuche, gegen Krusewaß vorzurücken, sind bisher ebenfalls resultatlos geblieben. j

Aus Alt-Serbien meldet das „W. Fremdenbl.“ vom 12.: /

Bekanntlich gehört jeßt Alt-Serbien theils zum bosnischen, theils

einige Flüchtlinge ergreifen, martern und tödten sie dieselben.

Nur einzelne Berichterstatter benüßzen die |

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| gegangen ist.

zum Vilajet von Skutari. Nunmehr fell aus Unter-Albanien oder Alt Serbien abermals ein selb'!äudiges Vilajet gebildet w-rden. Zu Prisrend soll dec Siß de: Vali sein. Man glaubt, Avdurrahman Pascha, der bereits einmal dort die Stelle eines General-Souvern-urs befleizete und in ziemli guten Andenken steht, würde abermals diesen Posten erhalten. *

Das Corps Mehmed Aali Paschas, welHes noch Anfangs August den ihm gegenüberstehenden Streitfräften T'{cholak Antics überlegz-n war, wurde bald darauf in zweifaber Hinsicht ges chwächt. Einestheils m2ßte Mehmed Aali Pascha zwölf Bataillone an DerwisG Pascha abgeben, anderntheils desertirten sämmtliche Baschibozuks von Djakovar und Ipek theils {on vor den Gefehten am 7. bis 9. August, theils unmittelbar nach denselben. Shlehte Verpflegung, Unzufriedenheit mit ihren Führern und ftarke Veiluste veranlaßten diese beispiellose Desertion. Nur die bo?- nisccen Baschibozuks blieben bei dem Corps. Allerdings ver.autet, daß die desertirten Bashhibozuks sich wieder bei ibrem Corps einfinden follen; aber im besten Fall? dürfte fich kanm die Hâlfte derselben zu einem neuen Au3marsche ent‘chließen. U-ber- dies verlautet, sie ihre weiteren Diensie Überhaupt nur für fünf- undzwanzig Tage in Auésicht geftellt haben, nach welcher Frist sie definitiv entl-fsen zu werden fordern. Ucber das G?ebahren der Baschibo :uks erfährt maa selbst von den böchstgestellten türkischen O'fizieren, welche gewiß nicht Ursache haben, sich parteiisch gegen die- selben zu äußern, daß dasselbe andauernd cin unverantwortliches fei. Besonders thun \sich die Mannschaften aus Dibre und Prisrend durch Zuchtlofigkeit und Vuéschreitungen aller Art hervor. Zwischeu Be- rana, Sienißa, Jenibazar und Mitcovißa giebt es in den christlichen Dörfern nichts mehr zu verwüsten, weil die Vecheerung dort eine vollständige ift. Am screcklichsten scheinen die Dörfer an den Ab- bhângen des Kopavni?-Gebirges gelitien zu haben; dieselben, einige se%zia an der Zahl, find bis auf den Grund vernichtet.

In Prisrend zirkuliren {hon seit Längerem beunruhigende Ge- rüchte über die Absichten der muselmännischen Bevölkerung. Die Regierung ist schr wahsam uud läßt es an scharfen Befehlen nicht ermangeln; so lange aber die muselmännischen Städter nicht ent- waffnet sind, vermögen Befehle allein uur wenig zu fruchten. Fchim Pascha gab vor seinec jüngst erfolgten Abreise nach Ipek vor der Hand den Auftrag, der Jugend das Tragen von Waffen zu untersagen, und behielt es sih für seine Rückehr vor, diese Maßregel auch anderweitig auszudehnen.

Die Nachrihten vom türkisch-montenegrinischen Kriegs\chauplaztze lauten:

Ragusa, 12. September. (W. T. B.) Gutem Verneh- men nah ist Danilovgrad, das angeblich nach einem türki- \chen Telegramme von den Türken erobert \ein sollte, noch beute ganz unbebelligt das Hauptquartier des Fürsten von Monte- negro. Bei Klobuk finden seit 3 Tagen fortgeseßt Scharmügel zwishen Türken und Montenegrinern statt.

Vom montenegrinishen Kriegs\{chauplaß finden sich im „Pest. Lld.“ etlihe neuere Einzelheiten. Am 8. d. haben die Türken ein vershanztes Lager bei Podgorizza bezogen, rückten dann in Gefehtsformation bis Dukla (Dioklea), nur demonstri- rend, vor und kehrten nah einer bis 10 Uhr währenden Kano- nade wieder zurück. Aus Skutari vom 9. d. wird gemeldet, daß große Transporte verwundeter Türken aus dem Gefechte vom 7. d. bei Spuz dort eingetroffen sind. Ueber den Aus- gang dieses Gefehtes b2obachten die Türken Stillschweigen. Aus Trebinje wird gemeldet, daß die Türken die beiden Klöster Kocierevo und Dobricevo, die Hauptquartiere des herzegowinaischen Aufstandes, zerfiört haben. A f Bm K I: C M ETT A F! E D T E g mr ie

Mostar, 11. September, Abends. (Aus türkisher Quelle.) Freitag, den 8. September, «hat ein montenegrinishes Corps in der beiläufigen Stärke von 2500 Mann eine von zwei Batail - lonen vertheidigte Position am rechten Flügel Moukhtar Paschas angegriffen. Die Montenegriner wurden bis in ihre eigenen Ver- \chanzungen zurückgeschlagen, von welhen drei in der Gewalt der Kaiser!ihen Truppen verblieben.

Die Verluste der Türken in der ShlaŸt bei Podgorizza am 6. September giebt ein Korrespondent der „Daily News“ im türkischen Hauptquartier auf 700 an. Am 7. September hatte kein Gefeht stattgefunden. Zwei Mörser zum Bom- bardement von feindlihen Vershanzungen wären in Podgorizza eingetroffen.

Nom 8. September meldet ferner derselbe Korrespondent aus Podgorizza: „Achtzehn Bataillone, zum Entsaÿß von Medun und zur Bildung des ganzen rechten Flügels der Türken be- stimmt, wurden heute aus ihren befestigten Positionen zurükge- zogen, welche sofort ohne Gefeht von den Montenegrinern be- scht wurden.“

Amerika. New-York, 12. September. (W. T. B.) Bei den Staatswahlen für den Staat Maine haben die Re- publikaner mit einer Mehrheit von 15,0009 Stimmen den Sieg davongetragen.

Statistische Nachrichten.

Das Kaiserlich statistis6e Amt veröffentlicht in dem jeßt heraus- gegebenen Heft kl, Abtheilung 1. der Vierteljahrthefte zur Statisti® des Deutschen Reichs für 1876 u. A. Uebersichten über den Bierbrauereibetriev, den Verbrauch und die Befsteue- rung des Biers im Deutschen Reihe während des Jah- res 1875. Es ergiebt sih daraus zunächst die bemerkensw?erthe That- fache, daß im Gebiete der deutschin Brausteuergemeinschaft die Zahl der Bierbrauereien, welhe 1872 noch 15,456 beirug, in 1879 auf 13,520, sonach um 1936 ozec über 12% zurückzegangenu ist. Diese erhebliche V: rminderung trifft der Hauptsache nah auf solche Braue- reien, welche obergährige Biere, herstellen und mit den besser einge- richteten und fabrikmäßig betriebenen Lagerbierbrauereien nicht inehr konkurriren fönnen. Das gesammte Biererzeuaniß der Staaten des Reichssteuergebiets belief sich 15875 auf 21,358,228 Hektol. Rechnet man hierzu die Produftion der Staaten mit partikuiazer Steuergesctzgebung, nämlih: Bayern incl. Pfalz (12,679,809 Hektol.), Württemberg (3,596,144 Hektol.), Baden (1,065,661 Hektol.) und Elsaß-Lothringen (763,313 Hektol.), fo läßt sich für das ganze deutsche Zollgebiet eine Bierprodufktion von 39,464,009 Hektol. annehmen, welche diejenige des Vorjahres nur um 260,000 Hektol. überstiegen hat. Diese nyerhältnißmäßig geringe Zunahme erklärt sih hauptsäch» lich dadur, daß in Folge der reichen Weinernten von 1874 und 1875 in den Weinbau treibenden Gegenden der Konsum des Biers zurück- Im G-°biete der Steuergemeinschaft if dies in gecin- gerem Grade der Fall gewesen und hat hier die Biererzeugung von 1874 auf 1875 um mehr als 860,000 Hektol. zugeuommen. Von unterx- gährigem Bier wurden hier gewonnen 12,893,425 Hektol. (gegen 1874 mehr 612,489 Hefktol.), von obergährigem Bier 8,464,803 Hektol. (gegen 1874 mehr 250,825 Hektol.); die Herstellung des leßteren ist in den öst- lichen Theilen des Steucrgebiets im Allgemeinen verbreiteter, als in den westlichen Theilen desselben. Für den Kopf der Bevöiterung des Reichssteuergebiets berechnet si das Quantum der Biererzeugung auf 69,3 Liter; in den einzelrea Verwaltungs beziuken finden hiervei aller- dings große Unterschiede ftatt. Eine besonders hohe Produktion pro Kopf weisen nah: Berlin mit 223,7 Lit, die thüringiswea Staat n mit 138,2 Lit., das Königreich Sachsen mit 126,6 Lit, Hohenzollcrn mit 120,1 Lit., die Provinz Sachsen mit 94,4 Lit, wozegen dieselbe am geringsten war in: Posen mit 21,9 Lit, Westpreuß?za mit 31,4 Lit.,