1876 / 225 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Bei der Einfahrt in ten S@hlößhof präfecutirté die dort stehende Ehrencompagnie des Gkrenad ier-Negiments Kaiser Wilhelm, unter den Klängen der preußis{en Volkshymne, das Gewehr. Se. Ma*estät besichtigten dieselbe und traten dann in den im Erdg&hoß des von Allerhöchstderselben zu bewdh- nenden Pavillans ein, an dessen Eiagangsthür von Zhrer Majestät der Königin Olga und der Herzogin Eugen von Württemberg bewillkommnet. : S

Nach riner kurzen Begrüßung mit den Fürstlihen Damen

boten Se. Majestät der Kaiser Jhrer Majestät der Königin Olga den Arm und geleiteten Allerhöclhftdieselbe in die von Jhr bewohnten Gemächer, wohin Si demnächst auch die übrigen Höchsten Herrschaften begaben. “Abends 6 Uhr fand darauf in den Appartements Sr. Mecjestät des Kaisers ein Diner der Fürstlichkeiten statt. Für das Gefolge und den Ehrendienst war in den Freskozimmern des Parterre Marschallstafel.

Den Beschluß der Festlichkeiten machte ein von der Stadt Sr. Majestät dem Kaiser dargebrachter Fackelzug mit Gesangs-

tändchen. Der Zug, welcher durch die zahlreiche Betheiligung und ie in demselben entwickelten glänzenden Lichtesfsekte von imposan- ter Wirkung war, und theils aus berittenen Flambeaux-, theils aus zu Fuß marschirenden Fackelträgern mit farbigen Glasfkfugeln und bunten Laternen und Lampions, und mehreren hundert Sängern bestand, bewegte sih unter Vor- tritt von Musik-Corps durch die ihnen bezeihneten Straßen nach dem Schloßhofe, nahm dort Aufstellung, und es trugen nun die Gesangsyvereine einen Festgruß, gedichtet von Speitel, kom- ponirt von Rustigen, einen Psalm von Beethoven und die „Wacht am Rhein“ in s{wungvoller Auffassung und mit kräftiger und harmonischer Klangwirkung vor.

_Der Gesangsaufführung wohnten die Allerhöchsten Herr- schaften auf dem Mittelbalkon bei und geruhten, wiederholt Jhre Anerkennung darüber auszusprechen.

Die gestrige Parade des XII. (Königlih württem- bergischen) Armee-Corps bei Ludwigsburg nahm, nach tele- graphischer Meldung des „W. T. B.“, vom prahhtvollsten Wetter begünstigt, einen glänzenden Verlauf. Se. Ma- jestät der Kaiser führten Allerhöchstihr Jnfanteriec-Regiment Nr. 120 bei Sr. Majestät dem König Karl zwei Mal vorbei. «Fhre Majestät die Königin Olga und die Prinzessin von Sachsen-Weimar wohnten der Parade an. Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelche Sih über den vortrefflichen Zustand des Corps sehr anerkennend aussprachen, wurden von der nah vielen Tausenden zählenden Volksmenge enthusiastish begrüßt.

Um 5 Uhr fand im Weißen Saale des Königlichen Schlosses Militär-Galadiner statt. Bei demselben brachte Se. Majestät der König von Württemberg folgenden Toast aus:

„Den Gefinnungen Württembergs sowie den Meinigen den wärmsten Ausdru> gebend, trinke Ih auf das Wohl Sr. Majestät des Deutschen Kaisers, Königs von Preußen, des ruhmreichen Feld- herrn der deutschen Heere. Se. Majestät der Kaiser lebe hoch!“

Se. Majestät der Kaiser antworteten :

* „Gestatten Mir Ew. Majestät, Ihnen Meinen Dank für die soeben ausgesprochenen Gesinnungen zu sagen. Der heutige Tag hat Mir den Beweis geliefert, daß Ew. Majestät Befehl, Jhre Truppen nah den neuen Prinzipien auszubilden, vollkommen erfüllt worden ift, denn Ih habe die Truppen heute in einer vortrefflichen Ver- fassung gefunden. Da Ich weiß, was sie im Kriege geleistet haben wurde Mir doch die Freude, sie auf zwar blutgetränktem aber siegreihem Schlachtfelde zu sehen so weiß Ich au, was Ew. Majestät in aller Zukunft von ihnen zu erwarten haben. Jh trinke auf das Wohl Ew. Majestät, Ihres ganzen Königlichen Hauses, Ihrer Truppen und des ganzen Württemberger Landes !“

Die Galavorstellung im Hoftheater begann um 7 Uhr Und verlief glänzend. Die Majestäten wurden beim Eintritt stürmisch begrüßt. Nach 9 Uhr fand ein großer Zapferstreich durch 15 Militärkapellen statt.

Berlin, 23, September. Der Reichskanzler hat dem Bundesrath den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen vorgelegt, dur welches die Festseßung der Fischerei- schonstre>en im Sinne des Fischereigeseßes vom 31. Mai 1865 fortan durch den Ober-Präsidenten zu erfolgen hat.

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Die von der „Vossischen Zeitung“ gebrachte Notiz, daß dem NReichskanzler-Amte vom Gesun dheits A mte eine Geshäfts: orduung zur Genehmigung unterbreitet worden sei, ist unbe- gründet. Es wird vielmehr eine solche Vorlage erst dann erfolgen kEönnen, wenn das Kolleg des Gesundheits-Amts vollzählig ver- sammelt und im Stande sein wird, eine solche aus seinen Berathungen hervorgehen zu lassen ; denn bei der für dasselbe in Aussicht genommenen fkollegialen Verfassung steht einem einzelnen Mitgliede desselben niht das Recht zu, für si allein eine Angelegenheit zu vertreten. Ueberhaupt muß daran er- Unnert werden, daß das Gesundheits-Amt niht in der Lage ist, sih seine Stellung selbs zu geben, sich Verwaltungs- befugnisse oder das Recht des Erlasses von Regulativen z:1 diktiren u. \. w., sondern daß dasselbe seine Stellung, wie auch feinen Wirkungskreis von den obersten Reichsbehörden genann vorgezeichnet bekommen hat.

Die Kemmission zur Ausarbeitung des Ent- wur}s eines bürgerlihen Geseßbuchs ist unter dem Vorfiße des Katerlichen Wirklichen Geheimen Raths, - Präsi- denten des Neichs-Ober-Handelsgerichts Dr. Pape und unter Theilnahme der säenntlichee übrigen Mitglieder am 18. d. M. hierselbst wiederum zusammengetreten. Die Berathungen be- treffen eine Anzahl von Fragen, welche für die Herstellung des Entwurfê maßgebend sind, und stüßen sih auf Ausarbei- tungen der fünf NedæŒtoren, in welchen dieselben Borschläge über die anzunehmenden Grundsäße gemacht haben.

_— Jn den deutschen Münzstätten sind bis zum 16, September 1876 geprägt: an Goldmünzen 1,089,684 440 M6 Doppelk onen, 330,916,650 M. Kronen; hiervon auf Privat- re<hnung: 171,345,164 14; an Silbermünzen: 66,102,165 M 5-Marïstücke, 28,827 5662 2-Markstücke, 143/512,165 1-Mark- stücke, 36,648,092 6 50 S. 50-Pfennigstü>e, 32,059,471 M 80 -Z 20-Pfennigstü>ke; an“ Nielmüinzen: 21,424,061 M 10-Pfennigstüe, 11,060,505 M 70 S 5-Pfennigstü>e; an Katpfermünzen: 5,810,273 4 76 S 2-Pfennigstücke, 3,304,597 Á 67 S 1-Pfennigitüd>e. Gesamtmntausprägung an Golb- münzen: 1,420/601,090 M; an Silbermünzen: 307,149,456 M 30 S; an Ni>elmünzen : 32,484,566 M 70 5; an Kupfer- mfinjen; 9,114,871 M 43 S. e

=— Der Disziplinarhof für nichirihterlihe Bramte trat heute im Gebäude des Kammergerichts zu einer Sißzung zusammen.

Auf Grund des 8. 28 des Regulativs über Ausbil- dung, Prüfung und Anstellung für die unteren Stellen des Forstdienstes in Verbindung mit dem Militär- dienste im FJäger-Corps vom 8. Januar 1873 werden wegen Ueberfüllung der Anwärterlisten bei den Königlichen Regierungen zu Danzig, Potsdam, Frankfurt, Stettin, Stralsund, Breslau, Liegniß, Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Schleswig und Cöln und bei der Königlichen Finanz-Direktion zu Hannover bis auf Weiteres neue Atriaien forstversorgungsberechtigter Jäger der Klasse A. 1. insoweit ausgeschlossen, daß bei den ge- nannten Behörden nur die Meldungen solcher im laufenden Kalenderjahre den Forstversorgungsschein erhaltenden Jäger angenommen werden dürfen, welche in dem Bezirke derjenigen der vorgenannten Behörden, bei welchen sie si<h melden, zur Zeit des Empfanges des Forstversorgungsscheines im König- lichen Forstdienste bereits beschäftigt sind.

Dagegen ist gegenwärtig die Zahl der Anwärter sehr gering in den Regierungsbezirken Arnsberg, Cassel, Wiesbaden, Coblenz, Düsseldorf und Aachen.

Der- Erbprinz Bernhard zu Sachseu-Meiningen- Hildburghausen, Herzog zu Sachsen, à la suite des 6. Thürin- gischen Jnfanterie-Regiments Nr. 95 und Hauptmann und Compagnie-Chef im Garde-Füsilier-Regiment, hat si<h mit mehrwöchentlichem Urlaub nah Griechenland begeben.

Die Bevollmächtigten zum Bundesrath, Herzoglich sahsen-altenburgisher Regierungs-Rath Schlippe, und Se- nator der freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Schroeder, haben Berlin wieder verlassen.

Der Kaiserliche Gesandte Graf von Haßfeldt ist nah Madrid zurückgekehrt und hat die Leitung der Kaiser- lichen Gesandtschaft daselbsi wieder übernommei1.

: Der Großherzoglich badische Gesandte und Bevollmäch-

tigte zum Bundesrath Freiherr v. Tür>heim, sowie der Königlich dänische Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe Herr v. Quaade sind von ihrem Urlaube zurücgekehrt und haben die Geschäfte der resp. Gesandt-schasten wieder über- nommen.

Der Geheime Ober-Regierungs-Nath Dr. Hahn is von seiner Urlaubsreise zurücgekehrt.

__— Der nächste Kommunal-Landtag der Neumark wird am 20. November d. F. zu Cüstrin eröffnet werden.

Die Sigzungen des Stadtverordneten - Kon- gresses beginnen am Sonntag, 24., Vormittags 9 Uhr, im Festsaale des Yathhauses.

S M S: „MooUsa“ 1 ai 21. d: M. in Kiel eingetroffen.

S. M. S. „Elbe“ ist an demselben Tage in Wilhelms- haven außer Dienst gestellt.

Stralsund, 20. September. Jn der heutigen Sizung des Neu-Vorpommerschen Kommunal-Landtages machte der Vorsißende zunächst die Mittheilung, daß der Ab- geordnete für Stralsund dur< Unpäßlichkeit zur ferneren Theilnahme an den Verhandlungen behindert, daß daher für ihn der Stellvertreter einberufen und erschienen und daß dem Landtags-Kommissarius hiervon vorschristsmäßige Anzeige er- stattet sei. Nach Vorlesung undGenehmigung des Protokolls über die gestrige Diät wurde mit der abgebrochenen Berathung der Ausführungsbestimmungen zum neuen Reglement der diessei- tigen Provinzial-Feuersozietät für Gebäude fortgefahren und diese Berathung, nachdem das Referentenprotokoll über die gestern festgestellte „Verwaltungsordnung“ vorgetragen und genehmigt, auch die Vorfrage wegen der künftigen Bureau- beamten dahin entschieden worden wax, daß pro faturo ein Rendant für alle vereinigten Kassen, ein Buchhalter und Con- troleur, ein Registrator, ein Katasterführer und ein Kanzlist anzustellen seien, dur< Feststellung der „Kassenordnung“ und der „Znstruktion für die Bureaubeamten“ bis Nachmit- tags 3 Uhr zu Ende geführt. Hierauf wurde die Sibung bis Abends 73/4 Uhr vertagt und nah Wiederauf- nahme der Verhandlungen fanden von den zur Berathung stehenden Gegenständen no< „die Angelegenheit wegen Ver- einigung des diesseitigen Landarmen-Verbandes mit dem- jenigen von Alt-Vor- und Hinterpommern“, sowie „die ander- weite Regulirung der Gehälter: des Land-Syndikus (der dem- nächst auch die Funktionen des „General-Direktors“ der Neu- Vorpommerschen Feuerversicherungs-Sozietät für Gebäude zu übernehmen hat), und der übrigen ständischen Kassen- und Bureaubeamten“, ihre Erledigung.

__ Damit {loß die Sißung um 10 Uhr Abends und wurde die Schlußsißung auf morgen Vormittag 10 Uhr anberaumt.

Hannover, 22. September. Der hannoversche Provinzial-Landtag beendete in seiner vorgestrigen Sitzung die Berathung des Finanzetats für das Jahr 1877, dessen Ansäße sämmtlih genehmigt wurden. Gestern nahm der Landtag nah kurzer Besprehung den Geschäftsberiht des Verwaltungsausschusses zu den Akten, genehmigte mit geringer Mehrheit den Plan der Einrichtung einer Landwirthschaft bei der Aderbauschule in Ebstorf, bewilligte die Kosten für einen Bau in Moringen und den Ankauf von Ländereien, so wie eine Gehaltserhöhung für den Anstaltsarzt, nahm einen Antrag, den Vertrag wegen Detention der weiblichen Gefan- genen in Lingen betreffend, an und besprach dann in erster Verathung das Osnabrücker Brandkassengeset.

S Sachsen. Dresden, 22. September. (Dresd. Fourn.) Ver König wird si<h morgen (Sonnabend) Abend in Be- Cv des Flügeladjutanten Majors v. Min>wiß nah Wien egeben.

_Wöürttemberg. Stuttgart , 21. September. (St. A f. Württ.) Jhre Majestät die Kaiserin hat us Anlaß ôcs Ablebens des Staats-Ministers und Präsidenten der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins, Dr. v. Golther, von Baden aus den hiesigen Königlich preußishen Gesandten dur< das nachstehende Schreiben beauftragt, der Centralleitung des württembexrgishen Wohlthätigkei“svereins Allerhöchstihr tiefes Bedauern über diesen Verlust auszusprechen :

«Ih beauftrage Sie im Namen des vaterländisGen Frauen- vereins, sowie persönlich, der Centralleitung der württembertiscen Wohlthätigkeitsanstalten Mein tiefes Bedauern über den Verlust

Königin Olga allseitig unterstüßt und die vortreffliße Organi- sation der Wohlthätigkeit in Württemberg na< Kräften befördert. Der Verlust eines sol<hen Mannes ist auf dem Gebiete hingebender Fürsorge in unserer Zeit doppelt empfindlih; aber das Mitgefühl in weiten Kreisen ist zuglei< eine ehrende Anerkennung für den Vers storbenen und für seine thatkräftige Heimath.

Baden, den 19.. Sepember 1876.

Augusta. An den Königlichen Gesandten Freiherrn v. Magnus zu Stuttgart.

—- Die staatsrehtlihe Kommission der Kammer der Abgeordneten hat gestern ihre Berathungen über den Gefeß- entwurf, betr. den Verwaltungsgerichtshof, zu Ende ge- bracht. Wie der „Schwäb. Merk.“ erfährt, gehen die Anträge in allem Wesentlichen auf Annahme des Entwurfs, und zwar mit entschiedener Mehrheit.

Hessen. Darmstadt, 21. September. Ludwig ist heute Morgen hier angekommen.

Das neue hessishe Bergges et erstre>t sih niht auf die Besteuerung des Bergbaues, weshalb die Regierung einen besonderen Geseßesentwurf, die Besteuerung der Bergwerke be- treffend, den Ständen vorgelegt hat. Die Regalitätsabgaben, wie folche bisher no< bezüglih der Gewinnung von Braun- stein bestanden, fallen hiexna<h weg und soll neben der Gewerbe-

Der Prinz

zu entrichtende Grubenfeldabgabe von mäßigem Betrage (wie in Bayern, Sachsen, Elsaß-Lothringen u. \. w.) erhoben werden.

Zur Vergütung der den Kassenbeamten bei Um- we<hseln von Münzen und Papiergeld süddeutscher Währung gegen Reichsmünze entstandenen Ausgaben und Verluste fordert die Regierung 13,313 f aus den Ueberschüssen der Haupt-Staatskasse.

Da nach dem Entwurf des neuen Einkommen- Steuergeseßes alle persönlichen Einkommen wesentlih höher als seither besteuert werden sollen, dürfte sih, wie das „Frankf. cFourn.“ mittheilt, na<h der Schäßung der [Regierung der Ertrag der Einkommensteuer um etwa 21 pCt. oder 6 pCt. des bisherigen Gesammtertrages der direkten Steuern vermehren.

Elsaß-Lothringen. Straßburg, 21. September. Wie die „Straßb. Z.“ mittheilt, wird ih der „Kriegerverein Straßburg“ kommenden Sonntag nah Weißenburg begeben, um bei Ankunft Sr. Majestät des Kaisers Allerhöchst- demselben seine ehrfurhtsvolle Begrüßung zu widmen. Mon- tags sodann wird der „Männergesangverein Straßburg“ in Weißenburg eintreffen und die Ehre haben, vor dem Kaiser zu singen, wobei eine von dem musikalischen Dirigenten des. Vereins, Herrn Weißheimer eigens für diesen Anlaß verfaßte Komposition zur Aufführung kommen soll.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. September. Der Zan er hat heute den außerordentlichen und bevollmächtigten türtishen Botschafter Aleko Pascha empfangen und dessen neue Kreditive entgegengenommen.

—- Heute um 1-Uhx ans fand im Palais des Ministerraths-Präsfidiums eine Konferenz in Angelegenheit der Finalisirung der Verhandlungen über den österreihis\<- ungarischen Ausglei < statt. Bei dieser Berathung waren die Minister-Präsidenten beider Reichshälften, dann die Minister Freiherr v. Lasser, Freiherr v. Wen>kheim, v. Szell, Freiherr v. Pretis, Ritter v. Chlumecky und v. Trefort anwesend.

__— Vei den jeßt stattfindenden Konferenzen zwischen den beiderseitigen Finanz-Ministern handelt es sich, dem „Frem- denbl.“ zufolge, zunächst um die Feststellung der die Reform der Verzehrungssteuer betreffenden Geseßentwürfe. Die Minister v. Chlumecky und Trefort haben noch etliche Lücken des Holltarifes einverständlih auszufüllen. Sobald diese Vorarbeiten beendet sind, sollen gemeinsame Minister-Konfe- renzen zur Feststellung des Aftionsprogramms folgen. Wie dem „Pest. Lld.“ von hier telegraphirt wird, erwartet man diesmal allseitig eine rashe Einigung. Auch bezüglich der Bankfrage soll jeßt ein endgültiger Beschluß gefaßt werden.

__— Jm Sinne des neuen Militärbequartierungs- Geseßentwurfes werden die Offiziere niht mehr Natural- wohnungen, fondern entsprechende Quartiers-Aequivalente in Geld erhalten. Um diese genau feststellen zu können, ließ der ungarische Honved-Minister in ganz Ungarn die“ nothwendigen statistishen Erhebungen machen. Wie die „Bud. Korr.“ meldet, ist das gesammte außerordentlih umfangreiche Material dem gemeinsamen Kriegs-Ministerium vor einigen Tagen übersendet worden. Die Erhebungen haben im Großen und Ganzen zu- treffende Durchschnittsziffern ergeben, wenn auch einzelne in den zufälligen Ortsverhältnissen begründete Anomalien unaus- bleiblih waren. Jm Kriegs-Ministerium wird jeßt auf Grund dieser statistischen Daten die Klajssifikation ausgearbeitet und zusammengestellt werden. .

__ Salzburg, 21. September. Die Handelskammer beschloß eine Petition an den Reichsrath, jede Mehrbelastung Osterreihs dur< den Ausgleich abzulehnen. i Pest, 21. September. VBezüglih der Ausgleihs- verhandlungen erhält der „Pester Lloyd“ aus Wien die Mittheilung, daß die Verhandlungen auf Seite der Minister einen raschen Erfolg versprechen; die Schwierigkeiten liegen in der legislativen Behandlung. Ungarn hält au<h wegen der Bankschuld an den Mai-Stipulationen fes. Die ungarische Regierung hat beschlossen, die Pariser Aus- stellung moralis< und finanziell zu unterstüßen; eine dies- bezügliche Vorlage wird der Legislative unterbreitet werden. Der ungarische Reichstag, welcher, wie hon gemeldet, am 28. d. M. eröffnet werden soll, wird nah Erledigung der nothwendigen Einleitungen bis zum November vertagt.

Agram, 21. September. FZM. Baron Mollinary ijt in Angelegenheiten der Militärgrenze nah Wien gereist.

Schweiz. Genf. Am 18. ist hier die vom Bundesrath einge)eßte juristis<he Kommission für Berathung eines Geseßentwurfs, betreffend ein cidgenössisches Obligationenrecht unter dem Vorsiße des Bundesraths Anderwert, des Chefs des eidgenössishen Justiz- und Polizei-Departements, zu- sammengetreten.

Großbritannien und Jrland. London, 21. Szp- tember. Hier traten gestern die Sekretäre von zwölf leiten- den Protestantenvereinen zu einer Sißung zusammen, um die

L

des Ministers v. Golther auszuspre<(en. Er hat mit wahrer Hin

gebung die hohen lTandesmütterlichen

neuesten Verfolgungsmaßregeln gegen die Protestanten in

Bestrebungen der theuern | Spanien in Erwägung zu ziehen. Der Vertreter der Bibel-

steuer für die Bergwerke von 1877 an noch eine fixe, jährlih-

gesellshaft führte den Vorsis. Es wurde beschlossen, eine De- putation an Lord Derby zu organihiren, welcher versprochen, ine zu empfangen.

s Aue Victoria meldet eine Kabeldepesche vom 19. ds. : Die Pächter der Vancouversinsel haben dem General-Gouver- neur von Canada, Lord Dufferin, eine Adresse überreicht, welche ihre Beschwerden in Verbindung mit der Eisenbahn- und Tariffrage darlegt. Der General-Gouverneur räumte in seiner Antwort die Gerechtigkeit ihrer Vorstellungen ein und versprach, daß dieselben Berücksichtigung finden sollen.

Frankreich. Paris, 21. September. Der Gro 3- herzog von Sachsen-Weimar ist gestern dur< Pau ge- fommen, und begiebt si< na< Biarriß; der Großherzog von Me>lenburg-Streliß befindet si seit Montag be- reits dort. E s N

Heut früh kam der Marschall-Präsiden tin Dreux anz; die Behörden empfingen und der Maire begrüßte ihn ; der Marschall erwiderte auf die Ansprache des Leßteren, der auf die Wiederherstellung der französischen Militärmacht hin- gewiesen hatte: „Jch danke für das mir von Fhnen gezeigte Vertrauen. Sie haben Grund zu glauben, daß die Militär- Reorganisation meine größte Sorge ist. Jh hoffe, sie bald einem guten Ende zuzuführen und Frankreich dadurch einen würdigen und dauerhaften Frieden zu sichern.“ A

Am 29. September feiern die Klerikalen und Legiti- misten zu gleicher pelt das Fest des heil. Mich ae l, des Schub-

atrons von Frankreich und den Geburtstag des Grafen v. Cham- ord. Dieser Tag soll, wie der „K. Z.“ geschrieben wird , dieses Mal mit großem Pomp begangen werden. Jn Paris wird die kirhlihe Feierlichkeit in der Kirche Saint Germain des Près Statt finden. Die „Union“ veröffentlicht bereits heute die Adresse, welche bei dieser Gelegenheit an den „Roy gesandt werden soll. i

22. September. (W. T. B.) Das Journal „Temps“ erklärt die Nachricht, daß der rufsishe Botschafter, Für]t Vr- lo, dem Herzog Decazes einen Kongreß vorgeschlagen habe für unbegründet.

Ftalien. Rom, 20. September. (Köln. Ztg.) Zur

eier des sc<sten Jahrestages der Einnahme Roms O heute ein Festzug eines großen Theiles der überlebenden Krieger aus jener Zeit von der Piazza del Popolo nah dem Kapitol statt. Dort waren die Namen der in den Kämpfen von 1848, 1849, 1859, 1860, 1866, 1867 und 1870 gefallenen Krieger auf großen Tafeln ausgestellt, und der Stadtrath

Herr Venturi hielt am Fuße des Aurelius-Standbildes eine Rede. Die Minister Depretis, Nicotera und Melegari be-

s sih in dem dicht an den kapitolinishen Plaß anstoßen- en Museum in der Halle des sterbenden Fehters.

22. September. (W. T. B.) Die dermalige Session des Parlaments ist auf Grund Königlichen Dekrets ver- längert worden.

Türkei. Konstantinopel, 19. September. Der kre- tensishe Deputirte Advokat Mitotalis, dessen Verhaftung auf Kreta großen Unwillen unter den Christen hervorgerufen hat, ist nah Konstantinopel gebracht und internirt worden.

92. September. (W. T. B.) Mit Rücksicht auf die gegenwärtige am 25. c. ablaufende Waffenruhe ist abermals ein erweiterter Konseil einberufen, um wegen Abschluß eines Waffen stillstandes Beschluß zu fassen.

Der aus etwa 100 Mitgliedern bestehende große Rath tritt morgeit zur Berathung über die Waffenstillstands- frage zusammen.

Der englishe Botschasts-Sekretär Baring begiebt si< morgen nach -Philipvopel, um den Arbeiten der Kom- mission zu folgen, welche die D zur Untersuchung der Vorgänge in Bulgarien abermals dahin entsendet hat. _ 2

Wien, 22. September. (W. T. B.) Die „Pol. Corr. theilt auf Grund authentischer Jnformationen mit, daß _ in der Angelegenheit der Mediati on eine Einigung Der Großmächte auf der Grundlage der von dem britishen Kabinet ausgegan- genen Vorschläge soeben erzielt worden }ei. „Fn Oas lien werde die auf die Wiederherstellung des Friedens abzielende diplomatische Aktion der Großmächte in den nächsten Tagen in Konstantinopel eröffnet werden, andererseits sollen aber au< die Bemühungen der Großmächte, welche auf die Herbei- führung eines Waffenstillstandes gerichtet sind, in erhöhtem Maße fortgeseßt werden. Der österreichishe Botschafter in Konstantinopel, Graf Zichy, sei angewiesen worden, in dring- liher Weise bei der Pforte in der leßzterwähnten Richtung zu wirken.

Pera, 21. September. Die Proklamirung Milans zum König von Serbien Seitens der Morawa-Armee hat, wie der Wiener 40A gemeldet wird, in den hiesigen offiziellen Kreisen fast gar keine Aufregung hervorgerufen, und erklärte sogar der türkishe Minister des Aeußern einigen Vertretern der Großmächte gegenüber, er halte diefe ganze Angelegenheit für nit ernst genug, um dadurch in die Friedensunterhand- lungen eine Störung kommen zu lassen. Zudem erwarte er von Milans Klugheit, daß derselbe sih wohl hüten werde, dur die Annahme eines neuen Titels, ohne vorher die Ein- willigung seines Souveräns dazu eingeholt zu haben, Leßterem eine Ursache zur Klage zu geben. e

Bel grad, 21. September. Das „Wiener Fremdenbl.“ schreibt: Nachdem der Fürst Milan in Bezug auf das Pro- nunziamiento seiner Soldaten sehr präzise Erklärungen ab- gegeben hat, wird diesem Zwischenfall faum jene Bedeutung beizulegen sein, die ihm von einem Theile der Presse zuge- schrieben wird. Man hat vielmehr allen Grund, anzunehmen, daß er von keinerlei störenden Folgen auf den Gang der Friedensunterhandlungen begleitet sein werde. 2

Belgrad, 21. September. Der Wiener „Presse“ wird von hier gemeldet: Die Störungen der Waffenruhe am 17. und 18. sind ohne Belang; die hungernden Türken befanden si< auf Requisition und stießen bei dieser Gelegen- heit auf eine überlegene Abtheilung von Serben. Das Pronunciamiento Tschernajeffs hat hier allgemein verstimmt. Seit Dienstag ist die Friedensstimmung im Wachsen.

Man schreibt aus Larissa (Thessalien), 10. September:

„Mit der Ansiedelung der Tscherkessen in unserer Ge- gend hat das tirkkishe Gouvernement niht nur über das Land eine aroße Kalamität gebracht, sondern sih selbst einen fehr s{le{<ten Vieast erwiesen. Bis zum heutigen Tage find in unjerer Gegend mindestens 800 tscerkessische Familien angesiedelt; troß der in den türkiz hen Staatsfafsen heresWenden Ebbe erhielt doch jede tscher- fessishe Familie bei ihrer Uebersicdelung in diese Gegend 30 Livres in Gold, um zu Kolonifationszwe>ken fich mit Vieh, Hausfstands-

lide Landwirtbe ¿u werden. Sie sehen ihr altes Metier, welches fein anderes ift, als Raub und. Plünderung, au hier fort, wo si< nur immer eine Gelegenheit dazu bietet. In Folge defsen ist die öffentliche Sicherheit im Epirus und theilweise au< in Thessalien sehr arg kompromittirt.“

Vom Kriegsschauplat liegen heute folgende Nach- richten vor: Ueber die ersten gemeldeten Verleßungen der Waffenruhe wird der „Pol. Korr.“ aus Belgrad vom 19. September geschrieben: „Aus Deligrad wurde von einigen unbedeutenden Plänkeleien gemeldet, die, wie hinzugefügt wird, auf Rechnung türkischer Marodeurs und disziplinlo}er Tscherkessenhaufen zu segen sind. Tschernajeff wurde ange- | wiesen, si< mit dem türkischen Ober-Befehlshaber in Verbin- dung zu seßen, um denjelben auf die üblen Folgen folcher Verleßungen der- Waffenruhe aufmerksam zu machen und gleichzeitig zu ersuchen, der Serdar Ekrem möge Maßregeln treffen, welche die Wiederkehr solcher bedauerlicher Vorfälle verhindern.“ : . | Der Spezial-Korrespondent der „Times“ in Dani- lovgrad meldet vom 18. d.: „Nachdem die Mächte dem Fürsten von Montenegro den vertraulichen Befehl der Pforte, sih längs der montenegrinischen Grenze aller Offen}tv- operationen zu enthalten, mitgetheilt und denselben ersucht haben, seinen Commandeuren entsprechende Befehle zu er- theilen, haben sämmtliche Corps-Chefs die Ordre empfangen, die Defensive streng aufre<ht zu erhalten. Dem Vernehmen nach soll die blofirte Armee von Moukhtar Pascha ihre Position nit verändern und die belagerten Positionen Niksics, Duca und Medun sollen nicht entseßt werden. Jedem Versuch, diesen Anordnungen zuwiderzuhandeln, wird dur<h Wasfen- gewalt Widerstand geleistet und die Verantwortlichkeit den tür- fischen Behörden überlassen werden. Bei diesen Unterhandlungen ist Großbritannien durch den italienischen Agenten Signor Dus- rando repräsentirt gewesen. Es ist unrichtig, daß Montenegro Willens ist, seine Fnteressen von denen Serbiens "zu trennen. Jch kann aus bester Quelle mittheilen , daß Fürst Nikita stets in der vollkommensten Uebereinstimmung mit Fürst Milan ist, daß die Gemeinschaft der Jnteressen zwischen den Fürsten- thümern nicht gelöst worden is, und daß Montenegro stets bereit ist, sein besonderes Jnteresse diesem Gefühle der Znter- essengemeinschaft unterzuordnen.“ L

Aus Spuz telegraphirt man dem „Siandard“ unterm 19. ds.: „Die Situation bleibt unverändert. Derwish Pascha fampirt hier mit 12,000 Mann und 30 Kanonen. Seit den leßten 10 Tagen hat kein Gefecht stattgefunden. Wir be- schossen nur hin und wieder die feindlihen Positionen. Der Rest der Armee steht in Podgorizza, Mustapha Pascha und Verstärkungen erwartend.

Rumänien. Bukarest, 20. September. Das „Wien. Frmdbl.“ schreibt: Der Ministerpräsident Bratiano und der Justiz-Minister Statescu haben von ihrer Neise nah Her- mannstadt denallerbesten Eindru> nah Rumänien zurückgebracht, Sie sind hoch erfreut über den außerordentlich liebenswürdi- gen Empfang, welcher ihnen sowohl von Seiten des Kat}ers von Oesterreich, als von Seiten der Organe der ungart- schen Regierung zu Theil geworden ist. Der Kaiser und seine Minister sprachen si< mit großer Anerkennung über die Haltung der gégenwärtigen rumänischen Regierung gegenüber dem türkish-serbishen Krieg aus. Jn den verschiedenen Un- terredungen wurde von beiden Seiten mehrfa<h hervorgeho- ben, daß- die politishen Jnteressen Ungarns und Rumäniens in vieler Beziehung identish seien, und daß es daher im Interesse beider Länder liege, das beste Einverständniß zu unterhalten.

Rußland und Poleu. St. Petersburg, 22. Septem- ber. (W. T. B.) Der „Regierungs-Anzeiger“ veröffentlicht ein Telegramm aus Livadia von gestern, wonach der Kaiser sih bei bester Gesundheit befindet und wie gewöhnlih bis Ende November d. J. in der Krim Aufenthalt behält. Es werden damit alle Gerüchte von einer früheren, angebli {hon gegen den 27. d. M. zu erwartenden Rückkehr des Kaifers nah St. Petersburg und die an diese Gerüchte geknüpften Vermuthungen, die die Rückkehr des Kaisers mit zu erwarten- den politischen Verwickelungen in Verbindung brachten, hin- fällig.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 19. Sep- tember. Wie „Aftonbl.“ erfährt, sind die Befestigungs- arbeiten auf Kindö, deren Zwe> es ist, die Einfahrt zur Hauptstadt dur<h Ordjupet zu vertheidigen, vollendet worden, und man beginnt nun, die bisher benußten Einläufe durch Kodjupet und Finnbulet zuzushütten. „Aftonbl.“ sucht in einem längeren Leitartikel hervorzuheben, daß es im Fnteresse unserer Rheder liege, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Vollendung der Füllungsarbeiten zu hintertreiben.

Dänemark. Kopenhagen, 2. September. Wegen fortdauernden Unwohlscins der Kinder des griechischen Königsvaares ist die Abreise des Königs Georg auch noch heute niht bestimmt festgeseßt. Es heißt jedo, daß König Georg event. in den nächsten Tagen allein abzureisen gedentt, während die Königin Olga hier mit den Kindern zurückbleibt.

Amerika. New-York, 22. (D. B.)

September. (W. L. Der gestern gemeldete thätlihe Zusammenstop zwischen Schwarzen und Weißen hat nicht in Georgia, sondern in Südkarolina stattgefunden. Die zu Hülfe gerufenen Truppen haben die Ruhestörer zerstreut und die Ordnung wieder hergestellt. E S Lima, 1. August. Das bereits seit längerer Zeit shwe- bende Projekt eines Kongresses amerikanischer Staaten zur Regelung von Fragen des internationalen Privatrecht s ist seiner Ausführung nahe gerüdt. Nachdem die Negierungen der argentinishen Republik, von Bolivien, Chile, Ecuador, Costa .Rîica, San Domingo, San Salvador Mexico, Columbien, Nicaragua, Paraguay und Uruguay auf die bezügliche Anregung der peruanischen Regierung zufstim- mend geantwortet, hat das auswärtige Ministerium in Lima den 9. Dezember d. F. zur Eröffnung des Kongresses fest- geseßt und zur Beschi>ung desselben die genannten Regie- rungen formell eingeladen.

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau. Breslau, Sonnabend 23. September, Vormittags. Der

Kongreß der Altkatholiken hat den Professor Schulte in Bonn zum Präsidenten, Schmoelders in Breslau und den Advokat

geräthen und Werkzeugen zu versehen, Diesen wohlwollenden Inten- tionen entgegen, denken aber die Tscherkessen gar nicht daran, fricd-

Erklärung darüber herbei- zuführen, ob von Seiten des Staates Hindernijje gegen die Aufhebung des Zwangs-Cölibatgeseßes vorhanden sind, und ferner von jedem altkatholishen Geistlichen ein Votum über die Aufhebung des Cölibatzwanges einzufordern und endli<h au bei den einzelnen altfatholischen Gemeinden eine Beschlußfassung hierüber zu veranlassen. Der nächste Kongreß der Altkatholiken soll im Jahre 1877 stattfinden.

Stuttgart, Sonnabend, 23. September, Morgens. Se. Majestät der Kaiser hat si< heute früh 8 Uhr zum Corps3manöóver bei Ludwigsburg begeben. Das Wetter ist prachtvoll. Jm Laufe des gestrigen Tages hat Se. Ma- jestät no< sämmtlihe Minister und mehrere Deputationen empfangen.

katholishen Synode eine

Nr. 38 des Centralblatt für das Deutsche Reich, her- ausgegeben im Reichskanzler-Amt, hat folgenden Inhalt: Finanz- wesen: Goldankäufe Seitens der Reichsbank. Zoll- und Steuer- wesen: Errichtung einer Provinzial-Steuerdirektion für die Provinz Brandenburg eins<ließli<h der Stadt Berlin; Kompetenz einer Steuerstelle. Marine und Schiffahrt: Schiffs8vermesffungen auf der unteren Donau; Ertheilung eines Flaggenattestes. Münz- wesen: Uebersicht über die Ausprägung von Reihsmünzen. Hei- mathwesen : Erkenntniß des Bundesamts für das Heimathwesen. Eisenbahnwesen: Eröffnung der Station Ritschenhausen der Mei- ningen-Schweinfurter Eisenbahn und der Stre>e Scifhennersdorf- Warnsdorf. Konsulatwesen: Amtsbezirë eines Konsuls.

Nr. 17 des „Archiv für Post und Telegraphie“, Bei- heft zum „Amtsblatt der Deutschen Reichs-Post- und Telegraphen- verwaltung* hat folgenden Inhalt: Afktenstü>ke und Aufsäße: Die Ergebnisse der Reichs-Postverwaltung während der Jahre 1873—1879. (Zweiter Artikel.) Das Telegraphenwesen der Schweiz. Die Anle- gung eines Binnenmeeres in Algerien. Pferde-Eisenbahnen ohne Pferde. Kleine Mittheilungen: Zur Statistik der Unfälle auf den deutschen Eisenbahnen. Registrande des Großen Generalstabes. Zetzsche's Handbuch der elektrischen Telegraphie. Neuer Signal- apparat für Eisenbahnen. Einfuhr von frishem Fleish zur See. Zeitschriften-Ueberschau.

Nr. 17 des „Marine-Verordnungs-Blatt*" hat fol- genden Inhalt: Noth- und Lootsen-Signalordnung für Schiffe auf Sce und auf den Küstengewässern. Verordnung über das Verhaltea der Swbiffer nah einem Zusammenstoß von Schiffen. Ueberzieher. Die Außercours\setzung von Scheidemünzen der Thalerwährung. Behandlung der wieder aufgefundenen Cisenmunition in admini- strativer Beziehung. Aufbewahrung der Gewehre an Bord. .— Entbleiung von Geshüten. Einführung von Blecbbüchsen für 4 Fa>elfeuer n/‘a. zur Ausrüstung der Rettungsboote. Perfonal- veränderungen. Benachrichtigungen.

Neich2tags - Angelegenheiten. Im 3. Oppelner Wahlbezirk (Cosel—Gr.-Strehbliß) ist an Stelle des verstorbenen Pfarrers Graßza der Redakteur Dr. Franz zu Breslau mit 9443 gegen 6449 Stimmen, welche der Herzog ron Ujest erhalten hat, zum Reichstagsabgeordneten gewählt worden.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Bremen, 22. September. (Wes..Ztg.) Morgen Vormittag werden die nunmehr vollendeten Sôle des Neubaues am Kün stler- verein für diejenigen Mitbürger, welche zu den Kosten des Baues beigetragen, zur Besichtigung geöffnet sein. Die neuen Räume, fowie der große Saal werden bekanntlich für die Verfammlung des volfs- wirthschaftlichen Kongresses dienen. E

Bei dem Verein für die deutsche Nordpolarfahrt sind in diesen Tagen 14 Kisten, wel<he von der sibirishen Expedition ge- sammelte naturwissenschaftlihe Gegenstände enthalten, angekommen und weitere 12 Kisten sind avifirt. Dr. Finsh hat an den Vorstand des genannten Vereins über die bis Ende Juni gemachten Samm- lungen Bericht erstattet. Daraus ergiebt sich, daß in den Gebieten der Zoologie die Sammlungen sehr reih sind. Darunter sind be- sonders zu nennen: Exemplare des wilden Pferdes, des Steinbocks des wilden Schafs, Geweihe des asiatischen Hirschs, eine Sammlung altais<her Pelzthiere; 90 Arten Vögel in fast 200 Bâälgen ; zahl- reiche Reptilien und Fische (von leßteren nur wenige Arken) ; eine beträhtliche Sammlung von Pflanzen, namentli<h au< Proben der sibirisben Hölzer; eine große Anzahl ethnographisch interessanter Gegenstände.

Paris, 21. September. Der Astronom Leverrier veröffentlicht in den Blättern die Anzeige, daß seinen Berechnungen zufolge cin neucr Planet zwishen Merkur und Sonne, der Vulkan“, am nächsten 2. und 3. Oktober auf der Sonnenscheibe sichtbar werten müsse.

Land- und Forstwirthschaft.

Durch die Ueberschwemmungen und die Erdrutshungen im Kanton Aargau sind, wie dortige Blätter melden, 4374 Jucharten, die sih auf 126 Gemeinden vertheilen, theils gänzli verwüstet oder fogar weggerissen, theils erhebli<h beschädigt worden. Nach einer mäßigen Schätung beträgt der Gesammtschaden an Grund und Boden, sowie an Gebäulichkeiten 1,670,845 Fr. (Privateigen- thum 1,191,383 Fr., Eigenthum von Gemeinden 227,577 Fr., Staatseigenthum 251,855 Fr.). Die Schätungskommission hatte da Gelegenheit, allerlei Beobachtungen und Erfahrungen zu machen, wie z. B. zwe>mäßig gepflanzte Väume an viclen Orten ganze Grund- stüde gerettet und an andern Orten Verstopfungen von Bach- und Flußbetten dur< langjährige Vernachläßzigung oder Beengung durch die Anstößer reißende Aus- und Durehbrücbe veranlaßt haben.

In Italien ist dur< Königl. Dekret vom 8. d. Mts. das Nerbot der Einfuhr von Ablegern des Weinstoks 2. au< auf frische Weintrauben, ganz oder ausgekeltert, sowie auf die Blätter und alle anderen Theile des Weinstoks ausgedehnt worden.

Gewerbe und Sattdes,

Berlin. Der Verwaltungsrath der Berliner Handels- gesells aft hat in seiner leuten Sißzung eine Einzahlung von 30 % auf die Quittungsbogen beschlossen. Diese Gelder sollen hauvtsäc<li< dazu dienen, die Mittel zu neuen, vorliegenden und in Aussicht stehenden Geschäften zu liefern.

Nab dem Geschäftsbericht der Vereinigten Königs8- und Laurahütte für das Geschäftsjahr 1875/76 stellte fi< der Bruttogewinn im verflossenen Jahre auf 1,232,000 4, d. 1. 9 894,865 Æ weniger als im Vorjahre. Die Gesammteinnahme für verkaufte Produkte betrug 4,464,833 # weniger als im Vorjahre. Von dem Bruttogewinne, welchem der Saldovortrag aus dem Bor- jahre hinzutritt, find 600,000 M auf Amortisation der Werésanlagen zu fürzen, so daß ein Nettogewinn von 639,764 M. verbleibt. Von diefem gehen die Dotirung des Reservefonds mit 10% und die statutenmäßigen Tantiemen für die Gesellschaftsbeamten ab und es restirt sodann eine Summe von 544,089 4, aus welcher an die Aktionäre eine Dividende von 2% oder 12 & pro Aktie vertheilt und auf das näcbste Jahr 4989 X vorgetragen werden.

Die außerordentliche Generalversammlung der Nechte-Drter- Ufer-Eisfenbahn-Gesellschaft nahm von der Verlesung des Geschäftsberihts Abstand. Der crste Gegenstand der Tagesordnung » betraf die Aufnahme ciner Anleihe mittelst Ausgake von 10 M il-

Lüßler in Düsseldorf zu Vize-Präsidenten gewählt und beschlossen, dur<h cine amtlihe Anfrage der alt-

lionen Mark 42 prozentiger Prioritäts-Obligationen zum Zwe> ter