1876 / 232 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Aus den unter I. e. und V. im Anhange enthaltenen beiden Listen läßt \si< die Schiffsregister-Behörde jedes in dem Verzeichnisse aufgeführten Heimathshafens und bezw. Schiffes leicht ermitteln. I i

Alljährlih erscheinen berihtigte neue Ausgaben dieses Verzeichnisses.

Ueber die Dauer der Lieferfristen im Güter- transport auf den deutshen Eisenbahnen wird im Publikum, insbesondere im Handelsstande fortdauernd Beschwerde geführt und dabei vornehmlih auf das Beispiel der englischen Eisenbahnen verwiesen, auf welhen in der That zuverläs- sigen Nachrichten zufolge die Beförderung der Güter mit ganz erheblih größerer Geschwindigkeit erfolgt. Das Betriebs- reglement für die Eisenbahnen Deutschlands bestimmt im $. 57 eine Expeditionsfrist von 48 bezw. für Eilgut 24 Stunden und eine ebenso große Transportfrist für je (au< nur ange- fangene) 225 Kilometer als Maximallieferzeit. Sämmt- liche deutsche Bahnen haben dieses Maximum voll für sich in Anspruh genommen. Fn England sind überhaupt Vor- schriften über die Dauer des Gütertransports fo wenig geseßliche als reglementarishe erlassen. Darüber, ob die Lieferung im einzelnen Falle zu lange gedauert hat, entscheidet ledigli< der Richter unter Berücksichtigung der thatsä<hlih bestehenden Verhältnisse. Regelmäßig erfolgt die Lieferung von Frachtgut durhs<hnittli<h für eine Entfernung von 200 englishen Meilen = 322 Kilometer in 24 Stunden gegen 6 Tage in Deutschland. Eine no<h erheblih raschere Beförderung genießen die zwi- schen den Hauptorten verkehrenden Güter. Findet z. B. Die Aufgabe in London nah den Hauptstädten von Lancashire und Schottland im Laufe des Nachmittags statt, fo erfolgt die Absendung no< an demselben Abend, die An- kunft und die sofortige Bestellung in Manchester (188 englische Meilen) und Liverpool (202 englische Meilen) am nächsten Morgen, in Edinburgh und Glasgow (ca. 400 englische Mei- len) am Morgen des zweiten Tages. Beim Uebergang auf Konkurrenzbahnen und auf Nebenlinien, sowie für Kohlenzüge, übersteigt die thatsächlihe Beförderungszeit allerdings diesen Durchschnittssaß. Aber auch für letztere berechnet si<h immer noch eine Geschwindigkeit von 130 bis 150 englishe Meilen vder ca. 210—240 Kilometer per Tag gegen kaum 50 Kilo- meter in Deutschland. Ï

Diese überraschenden Thatsachen haben nun offenbar zu einem guten Theil ihren Grund in manchen Eigenthümlich- keiten des Betriebes und der sonstigen Verhältnisse der eng- lishen Bahnen. Eine verhältnißmäßig kleine Anzahl meist großer Bahngebiete, eine dur<h die Massenhaftigkeit der Transporte ermöglichte und benöthigte Theilung nah Güter- sorten, Stationen 2c. in Verbindung mit häufiger Einlegung

von Extragüterzügen gänzlihe Beseitigung des Lagerns der Stückgüter sowohl beim Versandt als beim Empfang, größere Fahrgeshwindigkeit der Güterzüge: alles dies sind Umstände, welhe den englishen Bahnen tine rasche Beförderung der Güter sehr erleichtern. Wir sollten meinen, daß deßungeachtet den deutschen Bahnen es mög- lich sein würde, „Eilgut“ wenigstens jo ras<h zu befördern, als auf den englischen Bahnen die ausnahmsweise langsam au Des Kohlenjendungen befördert werden. Wie das deutsche Publikum ein Necht darauf hat, daß die Bahnen ihre Einrichtungen so treffen, daß ihm auch hinsichtlich der Lieferzeit, gemäß der Vorschrift im Art. 42 der Reichsverfassung die Vortheile zu Gute kommen, welche die Verwaltung des deut- \chen Bahnnetes, als eines einheitlichen, mit sih führt, und welche insbesondere au<h bei der Erringung des Deutschland naturgemäß gebührenden Transitverkehrs besonders ins Gewicht fallen, so liegt au eine Verkürzung der Lieferfristen {on vermöge der besseren Ausnußung der Wagen und der Ab- kürzung der Hasftfrist au<h im eigenen Jnteresse der Bahnen.

Wir sind überzeugt, daß die deutshen Bahnen in dieser Beziehung mehr, wenn au bei der gegenwärtigen Lage der Dinge noch lange nit das, was in England möglich, leisten Tónnen und deshalb auch leisten müssen.

Durch Allerhöchste Ordre vom 29. Juni d. J. ist die Abänderung des $. 25 Absatz 4 des Pferdeaushebungs- Reglements vom 12. Juni 1875 dahin genehmigt worden, daß den landräthlihen Bureaugehülfen, welche außerhalb des Kreisorts bei der Musterung des Pferdebestan- des und bei der Aushebung der Mobilmachungspferde mit- wirken, Tagegelder mit 54 für den Tag und Reisekosten mit 30 -Z für das Kilometer bei Reisen auf dem Landwege, L mit 10 F für das Kilometer, neben 2 4 für jeden Zu- und Abgang, bei Reisen auf Eisenbahnen und Dampfschiffen zu gewähren sind.

Nach einem Spezialerlaß des Finanz-Ministers und des Ministers des Jnnern vom 21. Juli d. J. sind die bei dem administrativen Verfahren in Enteignungssachen

Berlin, 2. Oktober 1876.

Die Civil - Abtheilung der Königlichen Central- Turnanstalt beging heute Morgen durch eine Feier das Fest ihres fünfundzwanzigjährigen Belldbens, Das Ministerium der geistlichen 2c. Angelegenheiten war bei der Feier dur<h die Geheimen ODber-Regierungs-Räthe Wätoldt und Dr. Schneider vertretenz der Chef der Anstalt, General-Major v. Klöden war am Erscheinen verhindert; im Uebrigen hatten sih der Dirigent der Militär-Abthei- lung der Anstalt, Hauptmann von Waldow, sämmliche Lehrer der Givilabtheilung, die jeßigen Gleven und folche aus früheren Jahren, fowie zahlreiche Freunde. [des Turnens eingefunden. Nach dem ge- meinschaftlihen Gesange des Liedes „Sind wir vereint zur guten Stunde“ spra< der Ober-Turnwart Dr. Angerstein der Versamm- lung seinen Dank und seine Freude über das zahlreiche Erscheinen aus und rief ihr ein herzliches Willkommen zu. Im Namen der früheren Ele- ven überbrachte der Schulvorsteher Schobert feine Glückwünsche der An- stalt, die ruhig und rüstig sih weiter entwi>eln möge zum Heile des Vaterlandes. Für die Hospitanten ergriff der Gymnasialdirektor Dr. Scthottmüller das Wort, um der freudigen Theilnahme derselben einen herzlichen Ausdru zu verleihen. Prof. Dr. Kloß aus Dresden, Direktor der sächsischen Central-Turnanstalt, gratulirte Namens der Schwester- anstalt und der sächsischen Turnvereine, während der Lehrer Krampe im. Auftrage des Berliner Turnrathes dessen Wünsche überbrachte. Den zweiten Theil der Feier leitete der Gesang des Liedes: „Jch hab mich ergeben“ ein, na< dessen Beendigung der erste Civil- lehrer an der Anstalt, Professor. Dr. Euler, die Tribüne betrat, um in cinem längeren Vortrage eine Geschichte der Anstalt, der verschiedenen Bestrebungen in der Methode des Zurnens und ausführliche Notizen über die 792 Eleven gab, die seit dem Bestehen der Anstalt die Civil-Abtheilung besucht haben. Die Turnlehrer - Prüfung bestanden 900 Männer an der Anstalt ; 9 Eleven fanden Anstellung im Auslande, 49 sind gestorben. An 435 höheren und 226 niederen Schulen unterrichten zur Zeit die Eleven der Anstalt. Das Mädchenturnen, das Schwimmen, echten und die freiwillige Feuerwehr sind Zweige, deren Entwi-

entstehenden Kopialien als Auslagen im Sinne des 8. 43 des Geseßes vom 11. Juni 1874 über die Enteignung von Grundeigenthum nit anzusehen und in Folge dessen von dem Unternehmer nicht zu tragen.

Die vom 1. Oktober cr. ab zum Besuche der Kriegs- Akademie, Central-Turnanstalt und der vereinigten Artillerie- und Jngenieurschule 2c. LEa I D) FIZLLETE sind ein- p en und hat. heute der Unterricht in den resp. Jnstituten

ereits begonnen.

Der Kaiserlich euie Gesandte von Schlözer ist na< Washington zurückgekehrt und hat die Leitung der Kai- serlichen Gesandtschaft wieder übernommen.

Der General-Lieutenant von Dannenberg, Com- mandeur der 2. Garde-Jnfanterie-Division, ist nah beendigtem Urlaub hierher zurügekehrt, ebenso der General - Lieutenant von Kameke, Jnspecteur der 1. Fuß-Artillerie-Jnspektion und der Major Kuhlmann vom Großen Generalstabe.

Der Oberst Krause, Abtheilungs-Chef im Großen Generalstabe, und der Hauptmann Villaume vom Großen Generalstabe haben sich gestern in Folge Allerhöchster telegra- phischer Ordre als Deputation des Großen Generalstabes na<h Parchim begeben, um der dort stattfindenden Enthül- lungsfeier des für den General-Feldmarschall und Chef des Großen Generalstabes Grafen von Moltke errichteten Den k- mals beizuwohnen.

Der General-Major des Barres von der Armee und Direktor der Ober-Militär-Examinations-Kommission ist von Dresden, wohin si derselbe kürzlich in dienstlihen An- gelegenheiten begeben hatte, hierher zurü>gekehrt.

—. S. M. Schiffe „Kaiser“ und. Deutschland“ sind am 28. v. M. in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt.

S M S. Aren Ul a 27, v. M. von Lot Said nah England in See gegangen.

Königsberg, 30. September. Jn der heutigen Sißung des Landtages wurde der Provinzialhaushalts- etat pro 1876, in Ausgabe 6,257,000 #4, in Einnahme 6,298,741 4 23 S, unverändert angenommen. Die Etats- überschreitungen der Landarmen-Anstalten Tapiau, Allenberg und Angerburg, fowie der westpreußishen Landarmen-Direktion pro 1876 wurden genehmigt. Fn Betreff der Petition wegen der Eisenzölle ward folgende etolutión den Kommissions- beschlüssen gemäß, angenommen: „Gegenüber den erneuten Agitationen auf Suspension / der Bestimmungen des Gesetzes vom 7. Juli 1873 erklärt der Provinzial-Landtag der Provinz Preußen: eine Aenderung dieses Geseßes, namentlih eine Hinausschiebung des Termins für den gänzlihen Wegfall der Eisenzölle, würde die wirthschaftlihen Fnteressen der Provinz Preußen auf das Schwerste hädigen. Der Provinzial-Landtag richtet unter Mittheilung dieser Erklärung an die Königliche Staatsregierung die Bitte: die Königliche Staatsregierung wolle beim Kanzleramte und Bundesrathe des Deutschen Reichs mit aller Entschiedenheit für . die volle und unbedingte Aus- führung des Geseßes vom 7. Juli 1873 eintreten.“

Wiesbaden, 27. September. Die Rede, mit welcher gestern der Königliche Kommissar, Ministerial-Direktor Pr. Förster aus Berlin, die außerordentliche evangelis<e Landessynode für geschlossen erklärte, lautete nach der „Köln. Ztg.“ wie folgt:

Hochwürdige, hochgeehrte Herren! Ihre Arbeit ist ans Ziel ge- langt, Sie haben den mnen vorgelegten anv einer Kirchen- gemeinde- und Synodälordnung für den hiesigen Konsistorialbezirk in zwei Lesungen und se<szehn Sißungen dur<berathen. Wenn es auh nit gelungen ist, in allen Punkten eine Vereinbarung mit der Kirchenregierung zu erreichen, wenn selbs einige wesentliche Punkte als Differenzen übrig geblieben sind, so hindert mich dies ni<t, Ihnen für Ihre aufopfernde, hingebende und mühevolle Thätig- keit den Dank der Kirchenregierung auszusprehen. Sie wissen, daß Ihre Beschlüsse nicht entscheidende sind, daß sie den Entwurf nur berathen follten, und daß dieselben nunmehr zur weiteren Prüfung und Entschließung dem Herrn Minister der geistlihen Angelegen- heiten von mir vorgelegt werden müssen. Wie au< diese Ent- \<ließung ausfallen mag, Sie können überzeugt sein, daß sie von dem lebhaften Wunsch gekragen sein wird, eine Kirchenverfassung für die evangelische Kirche des Bezirks zu Stande zu bringen, die dieser Kirche zum Segen gereiht und ihr die Organe schaft, dur<h die sie die Möglichkeit zu einer gedeihlichen Fortbildung erlangt.

Vayern. München, 30. September. Die „Allg. Ztg.“ meldet: „Se. Majestät der König hat den im Königlichen Kabinette verwendeten Staatsanwalt Dr. Friedrich v. Ziegler unter Fortdauer dieser Verwendung zum Legations-Rath im Staats-Ministerium des Königlichen Hauses und des Aeußern zu ernennen geruht. Zu der sehr großen Zahl hoher fürst- lichen Personen, welche die „Kunst- und Kunstgewerbe-Aus- stellung“ in unserem Glaspalaste bisher chon mit ihren Besuchen beehrten, gehört seit gestern au< Jhre Majestät die Königin - Wittwe Maria von Sachsen und Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl von Preußen. Die Königin-Wittwe

lung und Förderung mit besonderem Eifer betrieben wird. Im Namen des Ministeriums der geistlihen Angelegenheiten sprach hierauf no< der Geheime Ober-Regierungs-Rath Wätoldt einige Worte über die Bedeutung des Turnens und {loß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und A in das die Versammlung begeistert einstimmte. Der Gesang des Liedes „Frei und uners<ütter- lih" beendete die Feier.

__ München, 28. September. Gestern Abends {loß die Jub i- läumsfeier des Kunst- und Kunstgewerbevereins mit dem programmmäßigen Fackelzug, welcher sih um 7 Uhr unter Be- theiligung vieler Hunderten von Gewerbetreibenden, Künstlern und der Sängergenossenschaft dur die hellerleutete Brienner Straße Gee Palais waren imposant illuminirt) nah dem Königsplatz

ewegte, dessen drei altgriehis<he Kunstbauten (Prophläen, Kunst- ausstellungsgebäude und Pinakothek) in bengalisher Erleuchtung einen prächtigen Anbli>k boten. Nach Absingung des \{<wungvollen Walhalla-Chors brachte Direktor v. Miller ein Hoc auf die deutsche Kunst aus, und der Zug ging, überall erleuhtete Straßen findend, nach dem Marienplate, wo er si< auflöste. Aus den hohen Bögen- e des alten Rathhausfaales \trahlte festli<her Lichterglanz.

eider beeinträchtigte mehrmaligec Regenfchauer sowohl die Entwi>- lung des Zuges als die mit vieler Mühe hergestellte Jllumination. Zum Schlusse der Feier versammelte der \<öôn gezierte altehrwürdige Raum des alten Rathhausbaues die Festtheilhaber zu einer zwang- lofen geselligen Unterhaltung, welche unter den Klängen der Hünschen Kapelle, den frishen Weisen der Münchener Sängergeno}ßsenschaft und herzlichen Toasten ernsten und heitern Inhalts bis in die späte Nacht währte.

Morgens um

ist am . 28.9 September, für Heilighaltung des Seine Sizungen, welche größtentheils öffentlich find, sollten

In Gen der Kongre worden. S vter Tage dauern.

Ube, onntags eröffnet

wird heute Abend na< Dresden zurü>kehren. Schon seit einigen Wochen is man hier mit der Bildung eines ultra- montanen Wahlcomités für die Neihstagswahlen beschäftigt ; es ist aber, wie uns versichert wird, troß allem Bemühen bis heute nicht gelungen, das Comité zu Stande zu bringen.“

ee. x (MDUN, 318.) Die ultramontanen Blätter nehmen jeßt einen Anlauf bezüglih der Simultanshulen, nachdem die eigentlihe Entscheidung schon dur die Eltern selber gegeben worden. Man beabsichtigt, si<h mit einem Proteste an das Kultus-Ministerium zu wenden.

Sachsen. Dresden, 30. September. (Dresd. Journ.) Jhre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prin- zessin Georg werden morgen Nachmittags nah München reisen und daselbst einen mehrtägigen Aufenthalt nehmen. Die Eröffnung der evangelishen Landess\ynode wird über- morgen (Montag) Mittags 1 Uhr, Namens der in evangelicis beauftragten Staats-Minister dur<h den Kultus-Minister im Sibßungssaale der Ersten Kammer erfolgen. Der Eröffnung wird Morgens 9 Uhr ein Gottesdienst in der evangelischen Hofkirche vorausgehen, bei welchem Ober-Hofprediger Dr. Kohl- schütter die Predigt hält.

Württemberg. Stuttgart, 30. September. Der König und die Königin sind heute Vormittag wieder nah Friedrichshafen abgereist.

Baden. Karlsruhe, 29. September. Der Groß- herzog hat sih heute früh nah Baden begeben.

Hessen. Darmstadt, 29. September. Die hiesige Han- delskammer berieth heute wiederholt, über ihre Stellung zum Reichs-Eisenbahn-Projekt. Der Referent Landtags- Abgeordneter Wolfskehl trat entschieden dafür ein, während andere Mitglieder, worunter au<h Bankdirektor Wendelstadt, dasselbe hartnätig bekämpften, so daß man mit Spannung der am 4. Oktober stattfindenden Schlußabstimmung ent- gegensicht.

F E>Numäánien. Bukarest, 29. September. Der eng- lishe General-Konsul, Oberst Mansfield, wird heute seine Kreditive dem Fürsten Karl im Bukarester Palais über- reichen. Der rumänische Agent in Konstantinopel, General Ghika, ist hier angekommen. Jm heutigen Amtsblatte werden die Statuten der - Gesellschaft des Rothen Kreuzes von Numänien durch dên Fürsten sanktionirt.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 30. Septem- ber. (W. T. B.) Ueber das von Sr. Majestät dem Kaiser Alexander an Se. Majestät den Kaiser Franz Joseph gerichtete, von dem General-Adjutanten Sumarakoff direkt aus Livadia überbrachte Handschreiben ist, wie in unterrichteten Kreisen verlautet, eine besondere Kommunikation an das hiesige Ministerium nicht erfolgt. Man hält demnach die vielseitig in der ausländischen Presse verbreiteten Gerüchte über beson- dere Aufforderungen zu einem Kongreß, sowie zu einem mili- tärischen Einschreiten für Vermuthungen , die si<h in das Ge- wand des Wissens fleiden. Gewiß is jedo< für pro unter- richtete Personen, daß jede Sendung, die vom Kaiser Alexander direkt ausgeht, nur einen eminent die Herbeiführung des Friedens begünstigenden Charakter haben kann.

(Fortseßung der Politik in der Ersten Beilage.)

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

Wien, Montag, 2. Oktober, Vormittags. Nach hier vorliegenden Nachrichten aus Konstantinopel hätte si der Sultan geweigert, die vom Ministerrathe zu den Frie- densvorschlägen beschlossenen Abänderungen zu unter- zeihnen; die Botschafter Elliot und Graf Zichy wären lortwährend bemüht, eine unveränderte Annahme der Vorschläge der Mächte zu erlangen. Mehrere hiesige Blätter bestätigen übereinstimmend, daß die Niederlage der Serben an der Morawa am 28. v. Mts. eine sehr s{<were gewesen ist und daß die Verluste derselben \i< auf mehr als 2000 Mann belaufen.

. Paris, Montag, 2. Oktober, Vormittags. Bei den estern in se<s Arrondissements stattgehabten Ersazwahlen für die Deputirtenkammer wurden 2 Kandidaten der bona- pan und 4 Kandidaten der republikanischen Partei gewählt.

Belgrad, Sonntag, 1. Oktober, Abends. Nach ener der Regierung vom Kriegsshauplaße zugegangenen Meldung haben die Türken gestern einen Ausfall aus ihren befestigten Stellungen gemacht und die serbishe Armee bei Gredetim mit 20,000 Mann und 40 Kanonen angegriffen in der Absicht, derselben die Rückzugslinie abzuschneiden. Nach einem zwölf- stündigen hartnädigen Kampfe wurden die Türken indessen unter ‘großen Verlusten zurückgeschlagen, während die serbische Armee ihre auf den Höhen innegehabten Positionen behauptete.

Einen neuen Beweis dafür, wie häufig Briefe verloren gehen oder verspätet ankommen, ohne daß die Post irgend ein Verschulden trifft, liefert folgender Vorfall, Vor Kurzem ist in einem Londoner Dok ein Paket aufgefunden worden, welches daselbst als Fracht- stü> fast neun Jahre gelagert hatte und welches, wie si< bei der Eröffnung herausstellte, Briefe enthielt, die dem Führer eines Han- dels\cifs zur gelegentlihen Beförderung übergeben gewesen waren.

_ Ueber das Schicksal dieses Pakets ift nur soviel ermittelt, daß dasselbe im November 1867 mit dem Schiffe „City of Limerick“ von Rio de Janeiro in London angekommen und im Do> mit der übri- gen Schiffsladung als Frachtstü> abgegeben worden war. Weiteres hat nicht festgestellt werden können, da das Schiff inzwischen unter- gegangen, und der Führer desselben gestorben ist.

Theater.

Im Wallner“ Theater findet morgen, Dienstag , das bereits angekündigte Benefiz des Frl. Ernestine Wegner in der Posse „Drei Monat nah Dato“ statt. Bei der großen Beliebt- heit, deren si< das genannte Stü>k und die treflihe Verkörperung der Hauptrollen dur< Frl. Wegner, Hrn. Helmerding und Hrn. Engels zu erfreuen hat, dürfte das Publikum doppelt gern die Gelegenheit wahrnehmen, die Künstlerin an dem Benszaberde durch zahlreiches Erscheinen zu ehren.

Redacteur: F. Prehm. Verlag der Expedition (Kes\ el). Dru>: W. Elsner.

Fünf Beilagen (einshließli< Börsen-Beilage), 9251 außerdem cin Fahrplan der Oberschlesishen Eisenbahn.

Berlin:

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Köuiglih Preußischen Staats-Auzeiger.

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Berlin, Montag, den 2. Oktober

1876.

Nichtamtliches.

Oesterrei<h-Ungarn. Wien, 29. September. Der Kaiser kehrt heute Abends von Mürzsteg na<_ Schönbrunn zurü>. Der Prinz Peter und die Prinzessin Therese von Oldenburg sind heute Morgens aus Berlin hier angekom- men. Der regierende Herzog von Sachsen-Altenburg ist am 27. d. M. in Funsbru> angekommen und am 28. d. M. nach Seefeld weitergereist. Der Deraea von Braun- \<weig ist gestern nah Braunschweig abgereist.

Das „Fremdenblatt“ schreibt: : Ì

Die Mission des Kaiserlich russischen General-Adjutanten Gra- fen Soumarokoff steht nah wie vor im Bordergrunde der Gr- eignisse und die weitgehendsten Kombinationen werden an den Jn- halt des Schreibens geknüpft, als dessen Ueberbringer Graf Souma- rokoff hier weilt. Es braucht nicht erst ausdrüdklich gesagt zu wer- den, welcher Werth derartigen Kombinationen zukommt, die sich ein- zelne Zeitungsorgane, auf ihre vermeintli< guten Nachrichten ge- stükt, selbst aufbauen. Wenn aber versucht wird, die politische und ökonomische Welt dur Derartiges zu alarmiren, so wollen wir doch, auf gute Information gestüßt, versichern, daß in der augenbli>- lichen Situation E L O was uns irgendwie für den euro-

As rrieden bedenftlich erschiene. ' Pren O Stbeeiben des Czars Alexander drü>t den festen Willen des russishen Monarchen aus, sich nicht von der Politik des Kaisers ranz Josef zu trennen, es betont gleicherweise den Wunsch,

L in Hand mit sämmtlichen Mächten des Welttheils die Lösung der obs{webenden Fragen zu suchen. Wir können natürlih nit für den Wortlaut dieser Säße einstehen entzieht sih doch ein solher Verkehr de souverain à sonverain der Kenntniß- nahme selbs sehr hochstehender Kreise aber das glauben wir mit aller Bestimmtheit angeben zu können, daß der obenstehende Gedanke, der Gedanke der österreihif<-russis<hen Interessen-Gemein- schaft mit aller Präzision in dem Schreiben des Czars enthalten ift, und daß derselbe jede Politik des russishen Ggoismus perhorreszirt. Die diplomatischen Pourparlers befinden si< übrigens in einem Stadium, wo von irgend einer über die diplomatische Sphäre hinausreihenden Aktion no< nicht die Rede sein kann. Erst wenn die Verhandlungen in Konstantinopel nicht zum Ziele führen sollten, werden neue Ausgangspunkte möglich sein. :

Jedenfalls wird man sih mit dem Gedanken vertraut machen

us die nächsten Tage uns bereits im Kernpunkt der Krisis E e einen asen fas uns die Cntscheidung bringen werden. Jnsoweit die Demarche des Czaren uns auf die Absichten desselben einen Schluß ziehen läßt, sind dieselben eminent friedlih; daß die österreichische Politik von Friedensgedanken getragen ist, weiß man. 30. September. Der König von Sachsen ist heute Abends na< Wien zurückgekehrt. Der Kaiser erwartete den hohen Gast auf dem Perron des Südbahnhofes und fuhr mit dem Könige E nah dem Nordwestbahnhofe, wo die Ver- iedung erfolgte. : L S Der Beeetal - Adjutant des Kaisers von Rußland, General-Lieutenant Graf Soumarokoff-Elston reist, wie das „Fremdenbl.“ berichtet, entweder heute Abend oder Sonn- tag früh nah Belgrad. Jm Laufe des gestrigen Nachmittags ist der Minister des Aeußern, Graf Andra}sy, zweimal im Hotel Jmperial erschienen, um dem Grafen Soumarokoff einen Besuch abzustatten, fand thn jedoch beide Male nicht anwesend. Der Graf Soumarokoff konferirte Nachmittags mit dem russi- hen Botschaster v. Nowikoff und begab si<h dann in das Manis des italienischen Botschafters Grafen Robilant, der ihn zum Diner geladen E _Auch heute Mittags konferirte der russische Botschaster ange Zeit mit dem Grafen Souma- rokoff im Hotel Jmperial. Während der Konferenz erschien der diplomatische Agent Serbiens, Zukics, im Hotel, um den Grafen einen Besuch abzustatten, wurde aber nicht empfangen. Wie die „Presse“ vernimmt, reisen die diesseitigen Minister nä<hsten Mittwoh oder Donnerstag nah Pest, um an das Ausgleihswerk die legte Feile an- zulegen. Behufs rascherer Abwi>kelung dieser Arbeit hat die diesseitige Regierung die Redaktion des Gesetzentwurfes über das Zoll- und Handelsbündniß, die ungarische die Textirung der Vorlage über die Achtzigmillionenschuld über- nommen. Pester Blätter melden, das Ministerium des Aeußern werde im Einvernehmen mit den Regierungen beider Reichshälften demnächst Schritte thun, damit die für Ende dieses Jahres gekündigte englische „Nachtra gs-Kon- vention niht ohne anderseitige provisorishe Berfügungen ablaufe und bis zum Jnslebentreten des neuen Zolltarifs fein vertragloses Verhältniß eintrete. Das Ministerium des Aeußern wird si< mit der englischen Regierung îns Einvernehmen seßen und man hofft, dieselbe werde gern bereit jein, die nöthigen Vereinbarungen zu treffen. : =="(W-T: B) Der vbitêérreimi]e Reichsrath wird, der „Politishen Korrespondenz“ zufolge, zum 19. Of: tober einberufen werden. : s a ! Oktober. Die heutige „Wien. Ztg.“ veröffentlicht das Kaiserliche Handschreiben an den Minister des Jnnern, Freiherrn v. Lasser, durh welches der Rei <s- rath zu Wiederaufnahme seiner Thätigkeit auf den 19. Okto. ez einberufen wird. : / (W. T. B.) Das „Telegraphen-Korrespondenz-Bureau meldet auf Grund authentisher Jnformation, daß Alles, was bisher über die Reise des russischen General-Adjutanten Sumarakoff verlautet, auf reiner Kombination beruhe. Der ungarische Minister-Präsident Tisza hat, wie die „Presse“ meldet, aus Wien amtliche Aufklärungen erhalten, nah welchen zwischen den Traktaktmächten vollständiges Ein- verständniß hinsichtlich der orientalischen Frage besteht. Tisza werde morgen eine an ihn gerichtete bezügliche Fnterpellation

in diesem Sinne beantworten. : : i

Prag, 30. September. Am 10. Oktober wird hier die feierlihe Fnstallirung der Erzherzogin Marie ies ats als Aebtissin des Hradschiner adeligen Damen-

stistes stattfinden.

ara, 30. September. Der Statthalter Baron Rodi h und FOM. v. Shmerling, Stellvertreter des Landwehr- *

Ober-Kommandanten, sind heute von den Waffenübungen na<h Zara zuxückgekehrt.

fe st, 30. September. (W. T. B.) Jm Abgeord- netenhause sind zwei Fnterpellationen über die 80 Mil- Ms und über die orientalishe Frage angemeldet worden.

Die in der heutigen Sizung des Abgeordneten- hauses von dem Abg. Chorin an die Gesammtregierung ge-

richtete Jnterpellation betrefss der 80 Millionen- schuld lautet : e

„Als die Regierung am 11. Mai die Grundzüge des Ausgleiches darlegte und sih dabei auch betreffs der Bankfrage äußerte, wurde der 8W-Millionen-Bankschuld keine Erwähnung gethan, so daß das Haus si< der Ueberzeugung hingab, die Regierung nehme in dieser Frage denselben Standpunkt ein, wie die bisherigen konstitutionellen ungarischen Regierungen, daß nämlich die Frage der Staatsschulden dur G. A. XV. des Jahres 1867 definitiv geregelt ist. Nun ift dur die Zeitungen die Nachricht verbreitet worden, die ungarische Regierung habe diesen Standpunkt aufgegeben ; deshalb fühle er sih bemüßigt, an den Minister-Präsidenten folgende Interpellation zu richten : Welche neueren Vereinbarungen sind betreffs der Bankfrage zwischen der ungarischen und cisleithanischen Regierung bei den jüngst in Wien gepflogenen Verhandlungen zu Stande gekommen? Inwiefern berühren die Ver- einbarungen die 80-Millionen-Bankschuld, welche die im Reichsrathe vertretenen Länder belastet? Hat das ungarische Ministerium Ver- pflihtungen übernommen, welche die Lösung der Bankfrage mit der 80-Millionen-Bankshuld in Verbindung bringen und dadurch eine neuere Belastung Ungarns nah sich ziehen?“ i

Der Abg. Jranyi richtete folgende Fnterpellation an den Ministerpräsidenten: : - :

„1) Sind die von den Blättern mitgetheilten Nachrichten wahr, laut welchen in neuerer Zeit russische Freiwillige, darunter viele in Militäruniform, durh die Donau-Fürstenthümer nah Serbien ziehen, und ist es ferner wahr, daß auf demselben Wege auch Kriegsmaterial aus Rußland für die Serben befördert wird? Wenn diese Nachrichten wahr sind, hat es der gemeinsame Minister des Aeußern nicht für nothwendig erachtet, wegen dieser mit der Neutralität und dem inter- nationalen Rechte im Widerspruche stehenden Thatsachen zu re- flamiren ? ; i

2) Waren die Russen, die dur< Ungarn uach Serbien reisten, \ämmtlih Mitglieder des „Rothen Kreuzes“ und bestrebte sich die Regierung, Kenntniß zu erlangen, ob sie, an Ort und Stelle ange- langt, sih thatsächli<h der Pflege der Kranken und Verwundeten widmeten ? L e G

3) Ist es wahr, daß die St. Petersburger Regierung an den Grenzen des türkischen Reiches Truppenaufstellungen veranlaßt ?

4) Welche sind die von den Mächten festgestellten Friedens- bedingungen und haben si<h alle Pariser Vertragsmächte denselben vollständig angeschlossen? Erfolgte zwischen den Mächten eine Ver-

‘einbarung für den Fall, als eine oder die andere der friegführenden

Parteien die Friedensbedingungen ni<t annimmt? 0

5) Was beschloß das gemeinsame Ministerium des Aeußern, was beschlossen die übrigen Mächte hinsihtli<h des dem Fürsten Milan von der serbischen Armee angebotenen Königstitels?

6) Geht der gemeinsame Minister des Aeußern bezüglich der orientalischen Frage im Einvernehmen mit der ungarischen Regie- rung vor?“ | ;

“Der Abg. Csernatony richtete folgende Fnterpella- tion an den Minister-Präsidenten : s

„Aus welchem Grunde wurden die auf der Reise nah Serbien begriffenen russischen Unterthanen internirt und dann wieder frei- elassen ?“ i : \Der Abg. Simonyi richtete folgende Fnterpellation an den Minister-Präsidenten : : / i

„In Hinblick auf die in neuerer Zeit aufgetauchten Nachrichten frage ih: 1) Welche neueren Vereinbarüngèn kamen P der ungarischen und österreichischen Regiertmtg “hinsichtlich des Zoll- und Handelsbündnisses und der zu errihtenden ungarischen Nationalbank zu Stande? 2) Wann gedenkt die Regierung, der Legislative in dieser Beziehung eine Vorlage zu machen ?“ e j

Der Minister-Präsident zeigte an, daß er sämmtliche Jnterpellationen im Laufe nähster Woche beantworten werde.

Der Jmmunitätsaus\{<uß hat heute in An- gelegenheit Miletics! eine Sißbung abgehalten, welcher von Seite der Regierung die Minister Tisza und Perczel beiwohnten. Der Ausshuß wählte Horanszky zum Referenten. Emmer warf die Frage auf, ob Miletics jeßt hon aufzufordern wäre, sih zu erklären, ob er von seinem Rechte Gebrauch machen wolle, vom Ausschusse per- fönlih vernommen zu werden. Der Aus\{<uß wird über diese Frage dann entscheiden, bis der Referent die Akten durhgeprüft hat. Auf eine Fnterpellation Somonsffay s er- klärt der Minister-Präsident, daß zwar der einzige Akt der Regierung in dieser Angelegenheit ihre an den ODber-Staats- anwalt gerichtete und den Akten beigelegte Zuschrift sei, daß én bos allfällig nöthige weitere Aufklärungen mit Bereit- willigkeit geben werde. Der Ausshuß wird die nächste Sizung in dieser Angelegenheit am 2. k. M. abhalten.

Das Oberhaus hielt heute nah den Ferien seine erste Sißung ab. Nach Erledigung der _¿Formalien widmete der Präsident dem verstorbenen Grafen Emerih Mikó einen überaus warm gehaltenen Nachruf. Ein meritorischer Gegen- stand wurde nicht verhandelt.

Belgien. Brüssel, 30. September. (W. T. B.) Das „Journal de Bruyxelles“ erklärt die Meldung des Journals „Etoile Belge“, daß der Minister des Auswärti gen, Graf d’'Aspremont-Lynden, zurücktreten und durch den bisherigen Gouverneur von Hennegau, Prinzen von Caraman- Chimay, erseßt werden würde, für u nbegründet.

britannien und Jrland. London, 29. Septem- ber. (E.C) Eine große Deputation, bestehend aus mehr als 200 Vertretern verschiedener religiöser Genossenschaften, machte gestern Nachmittags Lord Derby im Auswärtigen Amte ihre Aufwartung, um Klage zu führen über Das Seitens der spanischen Regierung gegen die prote- stantishen Genossenschasten beobachtete Verfahren. Das Parlamentsmitglied Sw L- Chambers führte die Deputation ein. Nachdem außer ihm noch einige andere Herren ihre Beschwerden vorgebracht, ergriff Lord Derby das Wort und erwiderte im Wesentlichen Folgendes : „Jch halte es für unnöthig, das allgemeine Prinzip, welches bei diesen An; e legenheiten in Frage kommt, zu erörtern, da über dasselbe joir, und ih darf sagen, ganz England, einer Meinung sind, Es handelt si< nur um die Frage, wie wir unseren Wunsch zur Ausführung bringen können. Der 8. 11 der spanischen Verfassung giebt nicht volle religiöse Freiheit, wie wir e erleben. Seine raun erregte troßdem in der Kammer heftigen Widerspru<h. Es zeigt das, mit welhen Schwierigkeiten ein no< so woh Mee der spanisher Minister zu kämpfen hat. Nun sin die Worte des Artikels x unklar und dehnbar wie möglich. J glaube, es würde sehr zur Klärung der Sache dienen, wenn eine maßgebende Erläuterung desselben durch einen fom- petenten spanishen Gerichtshof gegeben würde. Besonders

würden die Worte „öffentlihe Ceremonien oder Kundgebungen“ zu erklären sein. Was die verschiedenen Beschwerdepunkte angeht, so zerfallen sie in zwei Klassen. Einige der Fälle lassen sih ni<t auf den $. 11 beziehen. Nichts steht in demselben, was, wie ih daraus verstehe, die Schließung protestan- tisher Schulen rechtfertigen könnte. Die spanische Regierung theilt scheinbar selbst nicht jene Ansicht. Bezüglih des Bor- ganges in Minorca erhielt ih ein Telegramm unseres Ver- treters in Madrid vom 13. des Jnhalts, daß die spanische Regie- rung eine Untersuchung angestellt hat und daß der Gouverneur leugne, eine Schließung protestantischer Kirchen und Schulen be- fohlen zu haben. Derselbe würde streng bestraft werden, wenn seine Schuld bewiesen sei, da ein solches Verfahren direkt gegen $. 11 der Verfassung verstoße. Dennoch würde die spanische Regierung an dem übertriebenen Fanatismus ihrer Ünterbehörden ni<ht huld sein. Jm Falle solcher Verleßung der Geseße durch die Behörden kann kein Zweifel über unser Recht der Einmischung entstehen. Jh glaube aber auch, daß wir ein Recht haben, zu verlangen, daß das Geseß nicht in einer Weise formulirt werde, welche die Rechte von Ausländern in Spanien beeinträchtigt, da sie unzweifelhaft ermuthigt werden, si<h in Spanien anzu- siedeln und ihr Kapital dort anzulegen.“ Der Minister forderte zum Schluß Diejenigen, welche si< beeinträchtigt glaubten, auf, ihre Angelegenheiten vorzulegen , damit die er- forderlichen Untersuchungen angestellt werden könnten.

30. September. Der mit der Einrichtung eines großen Meetings im Hydepark beauftragte Ausschuß hielt eine Sibung, in der Lord Derby's Antwort an die am Mittag von ihm empfangene Deputation verlesen ward. Danach faßt die Ver- sammlung den Beschluß, „daß dieses Meeting, aus der Rede Earl Derby's erkennend, daß die jeßige Regierung der Selbst- ständigkeit der türkishen Provinzen deutlich ‘entgegen sei, kein Vertrauen habe, die an Sir Henry Elliot ergangenen Anwei- sungen würden sich befriedigend erweisen.“ Ferner ward be- chlossen, daß das Meeting im Hydepark am Sonntag, den 8. Oktober, Nachmittags, gehalten werden soll ohne Bänder und Banner und mit Vermeidung alles dessen, wgs das re- ligiöse Gefühl stören könnte.

Heute findet die Neuwahl des Lord-Mayors von London statt. Dem Vernehmen nah wird dieselbe auf Sir Thomas White fallen.

Frankreich. Paris, 29. September. Das „Fournal officiel“ veröffentlicht folgenden bereits telegraphisch jeinem FFn- halte na<h bekannten Bericht des Kriegs - Ministers an den Präsidenten der Republik in Betreff der Ernennung der Corps- Kommandos: „Laut 8. 4 des Art. 14 des Geseßes vom 24. Juli 1873 über die allgemeine Heerescinrichtung kann der Befehlshaber eines Armee-Corps in Friedenszeiten jein Kom- mando nicht länger als drei Fahre behalten, es sei denn, daß er dur<h ein vom Ministerrath beschlossenes Dekret im Amte bestätigt wird. Da die gegenwärtigen Befehlshaber der Armee- Corps, mit Ausnahme derer vom 9., 10. und 18. Corps, am 28. September 1873 ernannt wurden, ist der Augenbli> ge- kommen, über ihre Erseßzung oder ihre Beibehaltung auf den bisherigen Posten eine Entscheidung zu treffen. Der Kriegs-Minister glaubt dem Präsidenten den Vorschlag machen zu sollen, diese hohen Offiziere auf ihren Posten zu lassen, weil ihre Erseßung in einem Augenbli>e, da so viele wichtige, unsere militärishe Reorganisirung betreffende Fragen in dzn Armee-Corps no< im Studium begriffen sind, nachtheilig wirken könnte.“ Demnach verbleiben als Oberbefehlshaber die Divisions-Generale Clinchant beim 1., Montaudon beim 2., Lebrun beim 3., Deligny beim 4., Bataille beim 5., Douay beim 6., Herzog Aumale beim 7., Ducrot beim 8., Espivent de la Villeaboisnet beim 11., de Lartigue beim 12., Picard beim 13., Bourbaki beim 14., Lallemand beim T5, Baron Aymard beim 16., von Salignac-Fenelon beim 17. Armee- S orps. : S C E. 30. September. Sämmtlicho Minister wohnten dem heutigen Ministerrath bei. Der Begnadig ungs-Aus- \<uß nimmt am Montag seine Thätigkeit wieder auf, um sih mit den Gnadengesuchen zu beschäftigen, die dem Prâäsi- denten Marschall Mac Mahon auf seiner Rundreise überreicht wurden. L E

Der General Sezanne is heute gestorben. Der A>erbau- und Handels-Minister Tei)}erenc de Bort hat an die Handelskammern folgendes Rundschreiben gerichtet: „Der Minister der aus- wärtigen Angelegenheiten hat erfahren, daß die deutsche Reichsbank nur solche Wechsel diskontirt, welche das Wort „Reichsmark“ mit der richtigen Orthographtie tragen. _Dieses Institut hat jüngsthin einen Wechsel, der von einem Floren- tiner Hause auf Berlin gezogen war, allein aus dem Grunde zurückgewiesen, weil die darin angegebene Summe als »Mare und nicht als „Mark“ bezeihnet worden war. Da diese Nach- richt das handeltreibende französische Publikum interessiren dürfte, so beeile ih mi, dieselbe hiermit zu Jhrer Kenntniß zu bringen.“ : , i O

(Köln. Ztg.) Das Rundschreiben des Conseils-

Präsidenten Dufaure, welches demnächst im „Journal officiel erscheinen soll, erregt bereits in klerikalen Kreisen Erbitterung. Der Siegelbewahrer verlangt in seiner Eigenschast als Kultus- Minister, daß die Geistlichen, wenn sie ihre Gehaltszahlungen pünktlih haben wollen, geregelte Papiere vorlegen sollen ; ins- besondere verlangt er von den Geistlichen, welche außerhalb ihrer eigentlichen Pfarre als 90, „desservants“ und „vicaires fictifs“ wirken, daß sie eine Erlaubniß des Ministers beibringen, weil ein Pfarrer sih na< dem Geseß nicht ohne eine folche Erlaubniß auf mehr als 4 Wochen aus seiner Pfarre ent- ernen soll. A se<s Departements werden am 1. Oktober Wah- len für die Deputirtenkammer stattfinden und im No- vember wird eine Ersaßwahl für Hrn. Dufaure erfolgen müssen, der lebenslängliher Senator geworden ist. Jm All- gemeinen kann man, wie der „Köln. Ztg.“ geschrieben wird, voraussagen, daß von den sieben Wahlen zwei für die Repu- blikaner gesichert sind, zwei wahrscheinlih für sie ausfallen werden und drei sehr unficher sind. (Vgl. die tel. Dep.)

Die klerikalen Blätter Le T sih viel mit dem Pilgerzug aus Montauban, von wo mehr als dreitausend