1876 / 253 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Wie ein Pester Blatt erfährt, dürfte dem Abgeord- netenhause des Reichsrathes schon übermorgen, den 2W., eine ausführliche Darstellung des Resultates der Ausgleichs- verhandlungen zwischen der diesseitigen und der ungarischen Regierung zu Theil werden und zwar sollen diese Eröffnungen vom Minister Dr. Unger gemaht werden. e

95. Oktober. (W. T. B.) Die in den leßten Stun- den hier neuerlih auftauhenden Gerüchte über eine Demission des Grafen Andrassy, dem man nun au< Tisza beige- sellt, können mit gutem Grunde als eine Ausgeburt der in magyarischen und hiesigen Abgeordnetenkreisen herrschenden Erregung angesehen werden. Gut unterrichtete Personen be- rihten heute aus Pest Parder, daß nicht die leiseste thatsäch- lihe Grundlage bemerkbar ist, die jene Gerüchte re<tfertigen würde. Der Kaiser bleibt bisherigen Dispositionen zufolge bis zum 3. November in Gödölls, um am 4. zu den Hos- jagden in Pardubig (Böhmen) einzutreffen. Alle Versionen über die Beantwortung der im Abgeordnetenhause einge- brahten Jnterpellation bezüglih der Orientpolitik sind verfrüht. e

26. Oktober. (W. T. B.) Der frühere Fnternuniius bei der Pforte, Freiherr von Prokesch-Osten, is ge- storben. ; : j

Salzburg, 23. Oktober. Gestern hat die W eihe des neuen Erzbischofs von Salzburg, Dr. Eder, stattgefunden.

Fnnsbru>, 22. Oktober. Schon vor einigen Tagen wurde von einer Reihe von Verhaftungen berichtet, die in jüngster Zeit in Wälschtirol stattgefunden haben und die mit den Agitationen im Zusammenhange stehen, welche zur Auf- reizung der Bevölkerung des „Trentino“ eingeleitet wurden. Der in Roveredo erscheinende „Raccoglitore“ meldet nun, daß in den leßten Tagen neuerlihe Hausdur{suhungen und Ver- haftungen in Riva, Mori und Trient stattgefunden haben.

Prag, 24. Oftober Jn Pardubig konstituirte sih ein besonderes Comité für den Empfang des Kaiserpaares. Von einem Aufgeben des Kaiserlichen Besuches ist bisher nichts bekannt, im Gegentheile werden die Vorbereitungen im Kladruber Jagdschlosse ununterbrochen fortge}ebßt. :

Lemberg, 25. Oktober. (W. T. B.) Bei den statt- gehabten galizishen Landtagswahlen sind in 31 Bezirken die Bauern und Ruthenen verdrängt worden. Jn dem neuen Landtage wird die polnische Nationalpartei über 50, die ru- thenishe Partei über 17 Stimmen verfügen, die gewählten 8 Beamten werden eine Mittelpartei bilden.

Pola, 24. Oktober. Am 29. Oktober findet in Gegen- wart mehrerer Mitglieder des Kaiserlichen Hauses die feier- liche Enthüllung des Kaiser Max-Monumentes tatt.

Pest, 24. Oktober. Der „Pester Lloyd“ ist ermähtigt, zu erklären, daß jene na< Zeitungsnachrichten in der gestrigen Versammlung der Universitätsjugend zum Ausdru>e gelangte Auffassung, als würde die von der Jugend beabsichtigte Demon- stration von Seite des Minister-Präsidenten nicht ent- schieden mißbilligt, eine durhaus irrige ist. Der Minister- Präsident erachtet im Gegentheile jede der beabsichtigten ähn- lihe Demonstration für durhaus unstatthaft.

95, Oktober. (W. T. B.) Den hiesigen Studenten ist die Abhaltung eines dem türkischen Generalkonsul darzu- a adt Fa>elzugs von Seiten der Polizei verboten worden.

Schweiz. Bern, 25. Oktober. (W. T. B,) Der Bun- desrath hat in Anbetracht der im Kanton Tessin herr- schenden Aufregung in außerordentlicher Sißung beschlossen, ein Regiment Jnfanterie in Bereitschaft zu stellen, um eventuell nah dem genannten Kanton abzugehen.

(N. Zür. Ztg.) Am 22. d. Mts. wurde durch das Anschlagen von großen rothen Plakaten der hiesigen Einwoh- nershaft mittgetheilt, daß am 26., 27., 28. und 29. d. Mts. hier der achte Kongreß der „internationalen Arbei- ter-Association“ abgehalten werde. Die Delegirten, welche hier zusammentreten, gehören derjenigen Fraktion der „Znter- nationale“ an, welche si< selbst die „antiautoritäre“ n nnt und 1872 am Kongreß in Haag von der anderen „autoritä- ren“ Richtung trennte, um si< im Jahre darauf in Genf neue Statuten zu geben. Es sind die Anhänger Bakunins.

Basel, 25, Oltober. (W: D. B) Die at be Bd im Kanton Tessin ist, wie die „Baseler Nachrichten“ mel- den, no< immer im Zunehmen begriffen. Jn Bellin- zona, Locarno und Lugano werden deshalb Bürger- wehren gebildet.

Niederlande. Amsterdam, 21. Oktober. (Leip. Ztg.) Nach einem dem Kolonien-Ministerium Si Tele- gramm des Generalgouverneurs von Niederländisch-Jndien vom 11. d. hat General-Major Wiggers van Kerchem Fol- gendes aus Athin vom 7. d. gemeldet: „Am 27. und 28. September wurden die Arbeiten an den Befestigungen zu Kadju (in einem früheren Telegramme war dieser 1200 Meter im Südosten von Gighen gelegene Punkt Pradju genannt) fortgeseßt und das umliegende Terrain von Gestrüppe gesäubert. Der Feind zeigte sich in zahlreihen Schaaren und beschoß das Bi- vouat. Am 29. September wurde der Feind aus der Umgegend vertrieben, wobei von uns Aue Une erbeutet und die Kampongs niedergebrannt wurden. Auf unserer Seite wurde ein Ver- lust von 15 Soldaten erlitten. Am 30. September drang der Feind wieder an und wurde abermals in die Flucht ge- trieben. Auf unserer Seite fiel dabei ein Soldat und wurden ein Kapitän, 14 Soldaten und 2 Zwan sarbeiter verwundet. Der Feind erlitt starke Verluste; Tongku Payah (Häuptling von Tandjong Semantoh, an der Ostküste) wurde s{hwer verwundet. Am 3. Oktober wurde die Belegung Kadju vollendet und beseßt. Nun war unsere nordöstlihe Linie bis Kwala Gighen mit den erforderlichen Befestigungen verschen. Die agirenden Truppen kehrten sodann nah Kotta RNadja zurü>, da die sehr ungüstige Witterung wieder weitere Ope- rationen ganz unmögli<h machte. Das Cholera-Spital war leer, der Gesundheitszustand übrigens minder günqjtig. Am 4. Oktober traf der in Pedir aufgestellte Resident mit einem Häuptlinge von Q in Kotta Radja ein. Der Radja von Gighen war wieder in sein Land zurückgekehrt. Die Stimmung an der Nordküste war befriedigend.“

Großbritannien und Jrland. London, 24. Oktober. (Engl. Corr.) Jn dem bre von der Königin auf Bal- motal abgehaltenen Geheimen Rathe ward besttimnt, daß das bis zum Dienstag, den 31. Oktober, vertagte Parlament weiter bis zum Dienstag, den 12. Dezember, vertagt wer- den solle. Die Mittheilung der „Times“, daß der Pre- mier-Minister die Stadt verlassen habe, is nicht richtig. Lord Beaconsfield ist seit der lezten Minister-Sißung in London geblieben. Lord Derby is ebenfalls genöthigt, in

London zu bleiben und würde daher auch nicht bei dem Bankett, zu dem der Mayor von Liverpool W für den Donnerstag eingeladen hat, anwesend sein können ; das Fest ist daher ganz aufgegeben wor- den.— Die Königin ist mitder Prinzessin Beatrice und Gefolge am Sonnabend von einem dreitägigen Aufenthalte in den Hochlanden na< Balmoral zurü>gekehrt. Prinz Ludwig von Hessen und Gemahlin weilen no< in London und be- suchten gestern den Prinzen von Wales. Leßterer begab sich nah Newmarket, um dem Herzog von Graston einen Besuch zu machen. Der Herzog von Connaught hat dem Dubliner Stadtrathe angezeigt, daß er nur einen gänzlih inoffiziellen Besuh mache und daher mit bestem Danke den Empfang der angebotenen Adresse ablehnen müjje. Die Fregatte „Shah“ erhielt Befehl, si< für die Fahrt nah der Besika-Bucht bereit zu. halten. Bis jeßt sind in Portsmouth keine Befehle, andere Schiffe fertig zu stellen, eingegangen. Wiederum sind zwei K anonenboote, von Palmer u. Co. in Jarrow-on-Tyne geliefert, vom Stapel ge- lassen worden. Sie sind zur Verwendung auf den Flüssen Chinas bestimmt. Jedes wird drei 64 Pfünder und zwei Gatling-Geshübe tragen. Mit diesen zwei Booten ist ein halbes Duktend vollendet, ein zweites halbes Dußend und drei Torpedo- boote sind bestellt worden. Jm nächsten Monat wird die britische Flotte um ein von Elder in Glasgow gebautes P anzer\<if}f reicher sein, genannt „Nelson“, es hat 7323 Tons Größe, 6000 Pferdekraft, 9zöllige Panzerplatten, hinter denen eine 13zöllige Wand is und 12 Geschüße. Die „Army and Navy Gazette“ sagt: „Was die Flotte betrifft, so geht die Meinung aller erfahrenen See-Offiziere dahin, daß Großbri- tannien zu keiner Zeit in unserer Geschichte ein Offizier-Corps besaß, das geschi>ter war, im Amte vollendeter und der Aus- führung irgend einer Pflicht gewachsener und daß wir. uns nie auf Matrosen verlassen konnten, die heiterer, kühner und entschlossener gewesen wären.“ Der 71, Jahrestag der Schlacht von Trafalgar ward am Sonnabend von den Mitgliedern des „Royal Naval Club“ von 1765 durch ein Festessen feierlih begangen.

Frankreich. Paris, 24. Oktobew Das „Journal officiel“ veröffentliht einen Bericht des Ministers der öffentlihen Bauten an den Präsidenten der Republik über die Reorganisirung der Centralverwaltung bei genanntem Ministerium, nebst einem hierauf bezüglichen Dekret, worin verfügt wird, daß die Centralverwaltung der öffentlihen Bauten in E fünf Abtheilungen umfassen wird, nämlich: 1) das General-Sekretariat; 2) die Direktion der Landstraßen und der Schiffahrt; 3) die Direktion der Cn, 4) die Direktion der Streitsachen, der Civil- gebäude und der öffentlichen Paläste ; 5) die Direktion des Bergbaus. Der Budget-Aus\chuß hat Rouviers Antrag über die Einkommensteuer verworfen und wird si<h morgen über Gambetta's Entwurf aussprechen. Gestern hielt die „Gauche intransigeante“ unter dem Vorsiß von Louis Blanc eine Versammlung ab und beschloß, die Amnestiefrage in der nächsten Session wieder vor die Kammer zu bringen, jedo<h erst dann, wenn der Antra Gatineau's (Einstellung der Verfolgungen) gegen die Theil- nehmer an der Kommune erledigt is. Jn der ersten Sißung (30. Oktober) der Deputirtenkammer wird, der „Köln. Ztg.“ zufolge, bei Aufstellung der Tagesordnung die Regierung dur<h ihre Anhängçx den Antrag stellen lassen, den Ge- seßentwurs Gatineau's auf die nächste Session 1877 zu vertagen. Man erwartet, daß die Budgets der Mi- nisterien des Aeußern und der Kulten zu lebhaften Erörterungen Anlaß geben werden. Die Republikaner ver- langen, daß das Budget des Aeußeren sofort zur Berathung fomme, während die Klerikalen die ungesäumte Vornahme des Kultus-Ministeriuums wollen. Die Petition, welche die Ausweisung der Jesuiten aus Frankreich fordert, soll, wie die „Köln. Ztg.“ vernimmt, {hon 500,000 Unterschriften erhalten haben. Das Transportschiff „Rhin“, welches morgen in Toulon erwartet wird, bringt die Gesuche der Deportirten aus Neu-Caledonien mit, welche die Milde des Präsidenten der Republik anrufen.

Spanien. Madrid, 25. Oktober. Verhaftungen, welche im

(W, T. B) Dit anzen Lande aus Veranlassung der Verschwörung Ruiz Zorillas und Salmerons vorge- nommen worden sind, betragen bis jeßt 126. Unter den Ver- hasteten befinden sih 18 Generale.

Portugal. Ein Lissaboner Telegramm der „Daily News“ meldet, daß in Folge der Fortdauer der Krisis in Portugal ein weitêres Moratorium amtlich gewährt und die für die Zahlung von Wechseln gewährte Frist verlängert worden ist. Der für andere pekuniäre Verbindlichkeiten ge- währte Aufschub lief am 18. d. Mts. ab.

Griechenland. Athen, 24. Oktober. Die „Pol. Korr.“ \hreibt unter dem heutigen Datum aus Wien : Mit Beziehun auf die von mehreren Journalen gemachten Angaben, wonach die plögliche Abreise des Königs von Griechenland durch eingelangte beunruhigende Nachrichten aus Athen veranlaßt worden sei, sind wir in der Lage, zu versichern, daß das erwähnte Motiv keineswegs das richtige sei. Der Ent- {luß des Königs, abzureisen, wurde nah Eintreffen einer telegraphishen Nachricht aus Kopenhagen gefaßt, welche die Meldung ctrtbielt, daß die dortigen Aerzte sih gegen die Rückreise des in der Rekonvalescenz befindlihen Kronprinzen von Griechenland vor dem 1. November erklärt haben. Bis zu diesem Zeitpunkte und vielleiht au< noch darüber hinaus den hiesigen nur für wenige Tage berehneten Aufenthalt aus- zudehnen, lag nicht in der Absicht des Königs. Daß die Königin von Griechenland, wie hiesige Blätter behaupteten, den Rückweg nah Griechenland über Wien nehmen werde, ist nit bekannt und au< niht wahrscheinlich.

Türkei. Konstantinopel, 23. Oktober. Die „Turquie“ veröffentlicht die neueste Ordre de bataille des tür- kishen Heeres. Danach zählen die se<s Divisionen Suleiman, Fasly, Adil, Hafis und Selami mit Einschluß von 6000 Freiwilligen, 60,000 Mann Fußsoldaten, 2500 Reiter und 15 Batterien zu je 6 Geshüßen. Fn Nisch stehen außerdem 20,000 Mann und bei Babina Glava 8 Bataillone.

Dem „Daily-Telegraph“ wird von hier telegraphisch berichtet: Jh kann melden, daß der Bericht, als ob eine förmliche Zusammenkunft der Gesandten bei Fgnatieff stattgefunden habe, unbegründet is. Sir H. Elliot hat Ge- neral Jgnatieff einen Besuch abgestattet, und ihre Unterhal- tung war, wie ih höre, von allgemeinem Charakter. Der russishe Botschaster erwähnte den Vorschlag eines se<hs-

gierung durchzuseßen beabsichtigte; die Reformen seien die von England empfohlenen, aber die Garantien müßten von weit zwingenderer Art sein. Nichts in Gestalt eines Ultima- tums wird, wie man mir sagt, überreiht werden.

25. Oktober. (W. T. B.) Wie die „Agence Havas“ erfährt, wird der russische Botschafter, General Jgnatieff, nah der offiziellen Audienz bei dem Sultan noch eine Privat-Audienz bei demjelben nahsuhen. Drei hiesige armenishe Fournale sind suspendirt worden. Die Redacteure derselben find wegen Verbreitung falscher Nach- rihten verhaftet worden. : i i

(W. T. B.) Die feierliche Antrittsaudienz SgnatietE beim Sultan hat stattgefunden, eine Privat- audienz ist für Sonnabend in Aussicht genommen. Rü>- sihtlih des Mordes des türkischen Konsuls in Tiflis wird ge- meldet, daß das Motiv der Mörder eine Beraubung war. -— Bezüglich des se<hswöchentli<hen Waf enstillstandes dauern die Verhandlungen noh fort; Gerüchte pro et contra sind sehr zahlreich; thatsächlich steht die Entscheidung no< aus

Serajewo, 17. Oktober. Ueber die Gefahren einer mohammedantischen Erhebung in Bosnien wird der „Pol. Korr.“ von hier geschrieben :

Wie sehr die Aufregung der Mohammedaner in Bosnien in Folge der neuesten politischen Nachrichten und ihrer daran geknüpften Befürchtungen vor einer Verwirklihung der für Bosnien projek- tirten Autonomie der Verwaltung im Wachsen begriffen ist, beweist folgen Thatsache, welche i< Ihnen rechtzeitig zu signalisiren nit verfehle :

Ünter den Augen des Vali Nazif Pasha machte der hiesige Defterdar (Finanz-Direktor) Hadji Raschid Cffendi in der gestrigen Nachtsitzung des Landes-Verwaltungsrathes den Vorschlag, aus jedem Kreise des Vilajets zwei Mohammedaner in den hier bestehenden Rath für den Religionskrieg (Dzihadije Medzlis), dessen Präses der Ober - Gerichtspräsident Omer Effendi ift, als beständige Mitglieder zu berufen, damit sie für den Fall der all- gemeinen mohammedanischen Bewegung mitwirken sollen. Auf eine Einwendung des gleichfalls im Landesverwaltungsrathe anwesenden Metropoliten Antimos, daß wohl eine solche Erhebung nicht bevor- stehe und somit die Berufung der Mohammedaner die Beunruhigung der Gemüther auf das höchste steigern müßte, erwiderte der Antrag- steller Rashid Effendi, daß die mohammedanishe Erhebung in Bosnien für den Fall, als die sogenannte Autonomie der Provinz Genen werden sollte, vorauszusehen sei. In der am nächsten Abende stattgefundenen Sitzung des Landes-Verwaltungsrathes wurde der Antrag Raschid Effendi's beinahe einstimmig zum Beschlusse erhoben. Man kann daraus entnehmen, mit welchen Gefahren die Situation für die christliche Bevölkerung verbunden ist, wenn die Einführung, sei es der von der Pforte \pontan beabsichtigten, sei cs der von den Großmächten gewünschten Reformen, zur Wahrheit wer- den sollte. Die Dinge stehen in diesem Augenblicke so, daß selbst die Regierungsorgane, wie es der Vali Nazif Pasha und der Chef der politischen Korrespondenz des Vilajets Yorghaki Effendi sind, gar fein Hehl daraus zu machen, daß für den Fall der Einführung einer Autonomie in Bosnien eine Massenerhebung der Mohammedaner zur Vertheidigung des Islam erfolgen werde und die Mohammedaner eine Maffacre unter den Christen anrihten werden.

In Sofia sind, wie der „Pol. Korr.“ von dort aus ge- schrieben wird, die 18 Riesenges<Üütße angelangt, welche für das Bombardement von Alexinaz und Deligrad bestimmt find. Auch eine Abtheilung von 320 Artilleristen dec ersten Division des Garde- corps passirte die Stadt und follen unmittelbar zwei weitere Batte- rien Belagerungsgeshüte mit der Bestimmung für Nisch eintreffen. Der Vali Ahmed Mazhar Pascha versichert seine Umgebung, die Pforte habe Abdul Kerim Pascha befohlen, um jeden Preis Deligrad und Alexinaß zu nehmen, damit die Türken vor dem eventuellen Be- ginne eines großen Krieges diesen Schlüssel zu Belgrad und Serbien in ihre Hände bekommen. Aus diem Grunde hat auc der Seraskier Redif Pascha aus dem Vilajet von Brussa fast alle Truppen heran- gezogen und nach Nis geschi>&t. Seit dem 12. Oktober sind vierzehn Bataillone nah dem Kriegs\hauplaße dur<h Sofia passirt.

Aus Macedonien lauten die hier einlangenden Nachrich- ten ziemlih beunruhigend. Die Mohamedaner lassen si<h dort große Ausschreitungen zu Schulden fommen. Namentlich sind es die von der türkischen Operations-Armee na< Hause entlassenen Baschiîi- Bozuks, welche einige <ristlihe Ortschaften geplündert und große Gewaltthätigkeiten verübt haben. Diese Unthaten regen begreiflicher- weise die <ristli<he Bevölkerung stark auf und lassen die Beforgnisie vor einer Scilderhebung nicht unbegründet erscheinen.

Paris, 25. Oktober. (W. T. B.) Tie „Agence Havas“ meldet aus Tiflis von gestern, der dortige türkische Kon- su L und dessen Frau wären Tags vorher ermordet WO0VDEN.

Belgrad, 21. Oktober. Der „Polit. Korr.“ wird von hier gemeldet, daß Fürst Milan am 25. Oktober zur Armee abreisen soll und den ganzen Winter hindurch bei derselben verweilen will. Ders serbische General Zah, der Organt- sator der nationalserbishen Armee, ist aus Gesundheitsrücksich- ten pensionirt, der Oberst Leschjanin ¿ur Disposition ge- stellt worden.

Vom türkish-serbishen Kriegsschauplayt mel- det die „Polit. Korr.“ unter Belgrad, 21. Oktober: Am Timok ist es- wieder still geworden. Die Serben beseßten Plansica, Metownica und Vrazegrnzi. Die Positionen Osman Pascha's in und um Seitschar herum sind aber so stark, daß an rasche und durbschlagende Erfolge des serbischen Corps im Timok- Thale kaum zu denken ist. Die Belgrader und Schumadijer Brigaden, 4000 russische Freiwillige sowie 5 Batterien find Cert aus Deligrad und Tschuprija dem Horvatovics als Succurs geschi>t worden. Es geht aus dem Berichte dieses leßteren hervor, daß Abdul Kerim Pascha das Gros seiner Macht, weit über 65,000 Mann, am 19. und 20. d. M. ins Feuer schi>te, um den Durchbruch der starken serbischen Linie zu bewerkstelligen. Wie türkische Gefangene, die am 19. d. M. gema<ht wurden, aussagen, äußerten die türkischen Offt- ziere si<h den Truppen gegenüber A daß Krusewaß ge: nommen werden muß, damit der Befehl des Padischah er- Die Angabe, daß der Sultan selbst es befohlen

füllt werde. | befr um so muthiger die ihnen

habe, spornte die Soldaten an, gestellte Aufgabe zu erfüllen. E Am 19. d. M. gelang es Hafiz Pascha, drei wichtige serbische Positionen zu erstürmen ; am darauf folgenden Tagée nahm sie PlVemnael ihm ‘wieder ab. Es wurde an beiden Tagen von beiden Seiten mit einer in diesem Kriege noh niht dagewesenen Erbitterung gekämpft, serbischerseits ohne Glü und mit großen Verlusten. Die vorhandenen Spitäler enügen niht mehr zur Aufnahme der auf 1400 veran lagten Verwundeten, und werden in aller Eile neue Spitäler in Belgrad, Paratshin und Tschuprija errichtet. Der Verlust an Offizieren ist, wie in allen bisherigen Treffel- ein enormer. Und do< steht man nach allen Anzeichen erst vor der Hauptschlacht. L Nis, 25. Oktober. (W. T. B.) Nach zehnstündigem hartnä>tigem Kampfe ist heute Djunis von den siegreichen türkishen Truppen genommen worden; ebenso fielen die

wöchentlihen Waffenstillstandes als denjenigen , den seine Re-

meisten Verschanzungen längs des Djunisbaches in die Hände

der Türken. Jn der an der Morawa si erstre>enden Front fand nur Geschüßkampf statt. - Während des Kampfes trat zeitweilig Regen ein. /

Eine Depesche vom türkis<-u ontenegrinis<hen Kriegsschauplaßze meldet: 9 s id

Wien, 25. Oktober. (W. T. B.) Der „Politischen Korrespondenz“ wird aus Ragusa gerüchtweise gemeldet, daß Bojanobrdo von montenegrinishen Truppen beschossen würde. Die Verbindung Moukhtar Paschas mit Trebinje fei in Folge der Zerstörung der Brücke von Grancarevo wieder unterbrohen. Nach einer weiteren in Ragusa eingetroffenen Meldung soll der Jnsurgentenführer Despotovics die türkische Stadt Petrovac eingenommen haben.

Numänien. Bukarest, 6. Oktober. (W. T. B.) Ein Dekret des Fürsten vom gestrigen -Tage beruft beide Kammern zu einer außerordentlichen Session auf den 2. November.

Turn-Severin, 22. Oktober. der rumänishen Armee an der einem der „Pol. Korr.“ von hier zugekommenen Schreiben zufolge, morgen den 23. beginnen. Der Kriegs-Minister hat an die Offiziere ein Schreiben gerichtet, worin dieselben aufgefordert werden, sih mit ausreichender Winterequipirung zu versehen.

_ Nußland und Polen. St. Petersburg, 23. Oktober. St. Pet. Herold.) Der Finanz-Minister Staatssekretär Reutern ift gestern aus Livadia hier wieder eingetroffen. Der englische Botschafter am hiesigen Hofe, Lord Loftus, dessen Abreise nah der Krim die „Ag. gén. russ.“ bereits auf den 21. Oktober festgesegt hatte, reist erst heute Dortbin av. Das Panzer] „Petr Welikij” ist nach einem vom Commandeur des Kronstädter Hafens, Vize- Admiral P. W. Kosakewitsch, eingegangenen Telegramm in Begleitung des Dampfers „Rjurik“ am 8./20. Oktober Vor- mittags glüdli<h in Reval angelangt.

Schweden und Norwegen. Sto>kholm, 22. Oktober. (Hamb. Nachr.) Das Comité, welches mit der Ausarbeitung eines Gutachtens über Anwendung der Festung Karlsborg be- auftragt war, hat nun seine Arbeiten beendet, und zwar hul- digt dassebbe der gleichen Ansicht, wie das frühere Comité, daß nämlich die A Karlsborg lediglih als Proviantdepot, keinesfalls aber als Operationsfestung oder Stüßpunkt zu be- trachten sei. Das Comité giebt allerdings zu, daß Rarl8borg Anfangs sowohl zum Proviantdepot als zur Operations- und Replifestung bestimmt war, weshalb man auch die Anlegung eines geshüßten Lagers in Aussicht genommen hatte, jeßt dürfte die Festung jedo<h kaum diesen Aufgaben Ge- nüge leisten, da si< inzwischen das Bedürfniß heraus- gestellt hat, mehrere Operationsfestungen zur Schüßung wich- tiger Eisenbahn-Knotenpunkte anzulegen. So wird eine Festung zwischen Vettern und Hjelmaren zur Shüßung der Knotenpunkte Lana und Halsberg, sowie permanente Befesti- gungslinien zwischen Hjelmar- und Mälar-See in Schoften und <ließli<h au<h in Norrland als nothwendig bezeichnet. Be- jonders wichtig ist nah Ansicht des Comités die Anlegung einer Festung zwischen dem Vettern und dem Mälar und soll dieselbe in erster Linie, selbst vor Schanzenanlegung bei Karlsborg in Angriff genommen werden. Schweden hat in den leßten 58 Jahren 18 Mill:onen Kronen oder jähr- li<h 300,000 Kronen zu Festungsbauten ausgegeben, wovon etwa 7,000,000 Kronen auf die leßten 8 Jahre kommen.

Die russische Gesandtschaft Hierselbst hat dieser Tage folgendes Telegramm erhalten: „Theilen Sie der Regie- rung mit, daß Dr. Theel, welcher die Mündung des Jenisei besucht hat, um die von Nordenskjöld eingeführten Waaren zu holen, Mitte Oktober (alte Zeitrehnung) in Kramojarsk er- wartet wird.“ Professor Nordenskjöld hat alsbald nah Ein- treffen dieser Nachricht vom Ministerium des Auswärtigen Abschrift des Telegramms zugesandt bekommen. Die Eisenbahnstre>e Nybro-Säfsjöström ist am 20. d. M. feierlih eingeweiht worden.

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Amerika. New-Yorker Blätter bringen ein Telegramm von der Salzsee-S tadt, welches meldet, daß am 10. Of- tober der Richter über den der Theilnahme an dem Morde von Mountain Meadow (vor 19 Jahren) überführten Mor- monen-Bischof John D. Lee das Todesurtheil aus- spra. Da der Angeklagte zwischen den Hinrichtungen durch Erhängen, Erschießen und Enthaupten wählen konnte, und er sich die zweite Art wählte, so findet die Erschießung statt und zwar am 26. Januar 1877.

Philadelphia, 23. Oktober. (Times.) St. George's House, das britishe Hauptquartier bei der Ausstellung, wird am Schlusse derselben der Stadt Philadelphia zum Ge- \<henk gemacht werden. Der Herzog von Richmond hat in diesem Sinne an den Mayor von Philadelphia geschrieben.

Uruguay. Montevideo, 21. September. 7Fm Distrikt Tacuarembo, nahe an der brasilianischen Grenze, ist kürz- lih der deutsche Uhrmacher Wilhelm Richter von drei uniformirten Polizeisoldaten ermordet worden. Die Mörder sind durch die eifrigen Bemühungen des Präfekten von Tacua- rembo ergriffen worden; seinem Antrage auf die Ermähti- gung, die drei Thäter sofort erschießen zu lassen, konnte der Gouverneur von Montevideo indeß nicht Folge geben ; sie sind nah Montevideo transportirt und sehen im dortigen Ge- fängniß dem richterlihen Urtheil entgegen.

_ Asien. Japan. Yedo, 29. August. Die neue Eisenbahnlinie zwishen Osaka und Kioto ist un- längst eröffnet und dem Verkehr übergeben worden. Jm offenbaren Zusammenhange hiermit steht eine Anordnung der hiesigen Regierung, wona<h es vom 1. September d. J. ab den Fremden gestattet sein soll, die Stadt Kioto sowie Nara und den Bicoa-See mit besonderen, dur<h die Präfekten von Osaka oder Hiogo aus- zustellenden Reisepässen zu besuchen. Es stellt dies eine Ver- einfahung des bisherigen sehr umständlichen und zeitrauben- den Verfahrens dar, insofern fortan, ohne Dazwischenkunst der betreffenden Vertreter in Yedo, die Konsuln in Hiogo- Osfaka jene Pässe bei den dortigen Präfekten direkt extrahiren und den Reisenden aushändigen können.

Wie die „Times of Jndia“ meldet soll der Emir von Bokhara dem Emir von Kabul einen „Murasla“ gesandt haben des Jnhalts, daß Leßterer wohl daran thun würde, ras<h vorzudringen und si<h Kirshes an den Ufern des Oxus zu bemächtigen, worauf er (Bokhara), da dies eine entschlossene Absicht bekunden würde der russischen Eroberungssucht Schranken zu seven, in den Stand gefeßt sein würde einen religiösen Krieg zu proklamiren und die Erhe-

Der Aufmars< Donaugrenze sollte

bung sämmtlicher Turkman- und Kipebak-Stämme von Turkestan und insbesondere der der Wüste vorzu- bereiten. Der Emir hat den Rath angenommen und Shahgase Sheredil Khan, den Gouverneur von Tur- kestan, angewiesen, vorzudringen und Kirshe zu nehmen.

Afrika. (Leipz. Ztg.) Die in Amsterdam eingegangenen neuesten direkten Berichte aus Transvaalien bis zum 16. September widerlegen in bestimmtester Weise die von der annexionistishen Partei in der Capkolonie ausgesprengte Version, daß die südafrikanishe Republik si<h in ganz zerrüt- tetem Zustand befinde, die Bevölkerung sih gegen den Präsi- denten Burgers erklärt habe und auf dem Punkte stehe, um eine Jntervention Englands zum Schuße gegen die Kaffern anzusuchen. Es konstatiren jene Berichte vielmehr, das in Transvaalien die Dinge einen ordnungsmäßigen Gang zu nehmen fortfahren, daß Präsident Burgers von dem in der Hauptstadt Pretoria versammelten Volksrathe ein glänzendes Dankes- und Vertrauensvotum erhalten hat, und daß Kapitän Schli>man, der Befehlshaber des Frei- willigencorps im Felde kräftig auftritt und alle Zuversicht an den Tag legt, daß er den Kaffernhäuptling Secocuni binnen dreier Monate werde unterworfen haben. Secocuni schien bereits des Krieges müde zu sein; wenigstens hat er hon zu wiederholten Malen Schli>man und dessen Frei- willigen Friedensanerbietungen gemacht, die aber mit dem Bemerken zurückgewiesen wurden, daß Secocuni seine Friedens- vorschläge an die transvaalische Regierung zu richten habe.

(A. A. C.) Aus Cape Coast Castle wird dem „Reuterschen Bureau“ in London unterm 5. ds. telegraphisch gemeldet: „Die Dahomeaner haben zwei Dörfer unweit Grand-Popo angegriffen und 80 Frauen und Kinder in die Gefangenschaft geshleppt. Sie tödteten sämmtlihe Männer. Man fürchtet, sie werden nä<hstens Grand-Popo selber angreifen.“

Neichstags - Angelegenheiten.

Die Konkursordnungs-Kommission des Deutschen Reichstags ift, wie die „Köln. Ztg.“ mittheilt, auf den 29. d. M. E worden; ihren Bericht an den Reichstag wird sie mündlich erstatten.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

München, 21. Oktober. Se. Majestät der König hat auf

Antrag der Königlichen Intendanz genehmigt, daß im Oktober 1878 das 100jährige. Jubiläum des Königlichen Hof- und Nationaltheaters gefeiert werden darf. Die Anhaltspunkte, welche die Berechtigung dieses Festes begründen, sind nah Mitthei- lungen der „Allg. Ztg.“ in Kurzem folgende: Vor Allem ist der da- malige Titel „Kurfürstlihe National-Schaubühne“, im Gegensate zu der <on von dem Kurfürsten Ferdinand Maria gegründeten italienischen Oper*ins Auge zu fassen; diese fand nur im Karneval oder bei be- sonderen Hoffesten und stets vor einem geladenen Publikum ftatt, die Kurfürstliche National-Schaubühne hingegen aus ihr wuchs das Königliche Hof- und Nationaltheater hervor spielte das ganze Jahr hindurch und führte gegen Eintrittsgeld lediglih Schauspiel und Opern in deutscher Sprache auf. Allerdings wurden schon seit dem 1, März 1773, an welchem Tag ein von der Kurfürstin von Bayern, Maria Anna, geb. Königliche Hoheit von Polen und Sachsen, aus dem e überseßtes Schauspiel „Der Nothleidende“ zur Auf- ührung kam, im alten seit 1802 abgebrochenen Opernhause (hinter der Salvatorkirche) von der Niesserschen Gesellschaft deutsche Schau- und Singspiele gegeben, und vom 23. März 1776 an hatte der Kur- bayerishe Geheime Rath, Kämmerer, Hoftheater- und Musik- Intendant Graf Joseph Anion v. Seeau die Ober-Direktion der Niessershen Gesellschaft auf eigene Re<hnung übernommen; allein es blieb immerhin die von Niesser engagirte Gesellschaft, welche gleich- zeitig auf dem Faberbräu-Theater in der Sendlinger-Gasse für eigene Rechnung weiter spielte. Dem Publikum wurde der Ort, wo die Vorstellungen der Niessershen Gesellschaft stattfanden, auf den Theaterzetteln dur< Beiseßung der Buchstaben „D“ (Operntheater) Und (Sab erbrd Tbeater) bekannt gegeben. Nachdem aber Kurfürst Karl Theodor den Thron bestiegen hatte, ward die Niesser- sche Gesells<haft gegen Bezug eines halben Jahresgehalts entlassen, und die vom Kurfürsten Karl Theodor unter der Direktion des be- rühmten Theobald Marchand engagirte deutsche Schauspielergesell- haft sammt dem Balletpersonal von Mannheim na< München ver- seßt. Die Theaterverhältnisse in München waren dur ein Kurfürst- liches Dekret (Mannheim den 24. August 1778) in folgender Weise ans worden: 1) Graf Seeau wird als Hoftheater- und Hofmusik- Intendant neuerdings bestätigt. 2) Gedachter Intendant erhält die Besorgung der großen italienischen Opern mit jährlih 24,000 Fl., der Ballets mit jährlih 15,000 Fl., des deutschen Theaters mit jährlich 9000 Fl. Zuschuß des Boe als „Entreprise“ übertragen ; dabei ist ihm die mit jährlich 32,581 Fl. besoldete Hofkapelle das Solo- und Chorpcrsonal, dann das Kurfürstlihe Ballet und die Marchandsche Gesellschaft, endlih die Benußung der beiden Hoftheater, sammt allen Vor- räthen an Dekorationen, Maschinen und Garderobe vollständig über- lassen. So wurde denn, nachdem die Niessersche Gesellschaft am 15. September 1788 mit dem Trauerspiele „Romeo und Julia“ sich veracschiedet hatte, das alte Opernhaus am 6. Oktober von den Kur- fürstlichen Schauspielern mit Dierike's Drama „Eduard Mentrose“ eröffnet. Bis zum Schluß dieses Jahres wurden noch dreißig aus Schauspielen, Opern und Ballets bestehende Vorstellunge gegeben. Der Regisseur Dr. Grandaur erhielt den Auftrag, eine C\ronik des Doe zu verfassen. Dieselbe wird an dem eben genannten Jubiläumstage veröffentlicht werden.

Die Verhandlungen der Kommission zur Förde- rung der Pferdezucht in Preußen, welche im Monat Juni d. I. in Berlin stattfanden, sind, zufolge Auftrags des Ministers für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten vom Regierungs-Rath F. Al- pert zusammengestellt, zu Berlin in Carl Heymanns Verlag soeben erschienen.

London, 24. Oktober. (Engl. Corr.) Bei dem Beginne des Studientermins in Cambridge ist der Zudrang junger Damen so groß gewesen, daß Girton College und Newham Hall sie nicht aufnehmen können. Zu Herham in Northumberland ist eine wichtige Entde>kung von Alterthümern gemacht worden. In einer Woche hat man 21 Altäre bloßgelegt und einige Tausend Kupfermünzen sind gefunden. Die Münzen gehören hauptsächlich den Zeiten der Kaiser Diocletian und Constantin d. Gr., demnach dem Zeitrauwe von 284 bis 310 n. Chr. an.

Land- und Forstwirthschaft. In eitem die , Times * gerichteten beahtenswerthen Briefe wird von Englands Weizenernte gesagt, daß, obwohl dieselbe hinsichtlih der Qualität eine vorzügliche ist und einen größeren Ertrag giebt als im vorigen Jahre, dieselbe do< bestimmt hinter einer Mittelernte zurü>bleibt. Troß der guten Weizenernte Californiens lassen die jeßigen Preise in England eine Einfuhr von dorther faum lohnend erscheinen. Die Weizenernte in Kanada ist \{le<t ; und wenn Amerika auch bedeutende Quantitäten entbehren kann, so werden die Preise do< ohne Zweifel höher gehen müssen, damit die Einfuhr die vorjährige Höhe erreiche. In keinem europäischen Lande, welches Weizen exrportirt, ist eine Mittelernte er- zielt worden. Frankreich hat nah den vorliegenden Berichten ganz

gewiß eine gute Mittelernte; eine Mittelernte reicht hier aber auch

nur zur Befriedigung des eigenen Bedarfs hin, und es ist zweifel- haft, ob die diesjährige Ausbeute wirklich hinreiht, um Frankrei auf dem ausländischen Weizenmarkt von einer Konfkurrentschaft mit England fern zu halten. Von den 100 Millionen Centnern Weizen und Weizenmehl, die in Großbritannien jährli< verbraucht werden, wurden im leßten Jahr circa 60 Millionen vom Auslande einge- führt, und es ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß ein eben so großes Quantum erforderlih ist, bis die Ernte von 1877 an den Markt kommt.

Gewerbe und Handel.

Breslau, 25. Oktober. (W. T. B) Die Breslauer Mak ler-Vereinsbank hat beschlossen, zu liquidiren.

In der Generalversammlung der Görlißer Maschinen- bau-Anstalt und Eisengießerei vom 23. d. M. war ungefähr die Hâlfte des Aktienkapitals vertreten. Der vorliegende Geschäfts- bericht theilt u. A. mit, daß die Arbeiterzahl im Verlaufe des ver- flofsenen Jahres von 352 auf 262 reduzirt werden mußte. Das Ge- sammtgewiht der abgelieferten Dampfmaschinen, Transmissionen, Dampfkessel 2c. betrug 1,031,994 Kilogramm (gegen 1,442,735 Kilogr. im Jahre 1874/75), das des Rohgufses für auswärts 57,998 Kilogr. (im Vorjahre 56,610), der Werth dieser beiden Positionen 785,962 M (im Vorjahre 1,032,100 4). Das Acceptenkonto ist von 244,247,06 46 im Vorjahre zurü>kgegangen auf 50,000 4; desgleichen das Kredi- toren-Konto von 304,835,27 46 auf 168,119,47 Æ, während das Debi- toren-Konto vot 463,281,15 Æ im Vorjahre sich ermäßigt hat auf 324,765,907 M Die Gesellschaft erhielt bei der diesjährigen inter- nationalen Maschin-n-Ausftelung in Norköping in S<{weden als ersten Preis das Chrendiplom, desgleichen bei den Ausstellungen in Schweidniß und Nürnberg die silberne Medaille. Die General- versammlung genehmigte den Antrag des Aufsichts: aths, den dies- jährigen Reingewinn von 17,035,388 A durch 20,009 aus dem Spezial-Reservefond zu verstärken, um dur< die ganze Summe die Abschreibungen in gleicher Höhe, wie im Vorjahre, bewirken zu können.

In der Generalversammlung der Hagener Gußstahl- werke vom 21. d. M. wurden Bilanz, Geschäfts- und Revisions- bericht genehmigt und Decharge ertheilt. Aus dem Geschäftsbericht ist Folgendes mitzutheilen: Der Umschlag des Werkes is im ver- gangenen Jahre ‘von 707,364 Æ pro 1874/5 auf 485,155 M pro 1875/6 zurücgegangen, obglei<h die zum Versandt gelangten Stahl- waaren im letzten Jahre 1,543,465 Kilo oder 8192 Kilo mehr als im Vorjahr betrugen. Der dur{sc<hnittli<he Verkaufspreis stellt sich um 13 4 22 «5 per 100 Kilo oder um ca. 30%/9 niedriger. Dennoch würde gemäß dem Gewinn- und Verlust-Konto ein Brutto- Ueberschuß erzielt worden sein, wenn die Gesellschaft nicht dur< den Konkurs des Dr. Strousberg einen Ausfall von 130,128 4 zu er- leiden gehabt hätte. Der Brutto-Uebershuß von 44,185 A diente demnach zunächst zur Abschreibung auf Gebäude, Maschinen 2c. 2c., im Betrage von 3432 M nebst dem Reservefonds ad 13,543 4 zur Deckung des Verlustes bei Strousberg verwandt, so daß sich eine Unterbilanz von 113,153 A ergiebt. Die bisherigen Abschreibungen betragen im Ganzen 318,283 M.

FLantsuUrt a. M, 20. Dliober. (Wi Q. B) Die Frank- furter Bank erhöht von morgen ab den Diskont auf 4%.

München, 23. Oktober. Die heutige außerordentliche Generalversammlung des Kunstgewerbevereins wurde von Herrn v. Miller eröffnet. Derselbe gab einen kurzen Bericht über den Verlauf der leßten Ausstellung und betonte, er sei erst in 6 Monaten in der Lage, ement vollftäandigen Finanzbericht er- statten zu können. Indem er auf die Gedanken zur Abhaltung einer Ausstellung zurückkam, entwickelte er das weitere Gedeihen des Planes, hob die opferwillige Garantie der hiesigen Bürger hervor, denn nur mit 1050 Fl. habe der Verein das Werk, mit welchem derselbe einen europäischen Ruf sich errungen, begonnen. Die Stadt sei mit 10,000 Fl., der Staat mit 50,000 Æ# garantieweise eingetreten. Es M ‘die Hülfe von Niemandem in Anspru<h zu nehmen. Die Verloosung sei in ungeahnter Weise zur Durhführung gelangt. In einer halben Stunde bei Beginn der Oeffnung der Ausftellungs8- räume im großen Rathhausfaale seien die leßten übriggebliebenen 400 Loofe verkauft gewe!en. Den finanziellen Theil der Ausstellung betreffend, hätten die Einnahmen heute Mittags mit 482,586 M. 97 S abges{lossen; es treffen hievon auf Eintrittsgelder 324,515 M, besondere Einnahmen von hohen Herrschaften 150 4, Militär 14599 A (5 A, Saison - Karten 20,020 Æ# Restauration 259,090 6. 90 5, Garderobe 19094 M (0 A, von fremden Ausftellern 5749 4, Einnahme aus den Festen 14,795 A 75 S, Ab- orte 4917 M 50 -, 60,000 M aus der Verloosung. Die Au8g aben vertheilen si< auf Einrichtung des Glaspalastes 140,959 Æ 83 s. (Hypothek- und Wechselbank gewährte einen Kredit von 200,000 um die laufenden Ausgaben decken zu können), Personal-Erigenz 8621 M 19 S, Löhne 45,664 Æ 2 S, Ueberwachung 2c. 21,832 4, Absc{lagszahlung für Spedition 15,000 A Bisherige Summe der Ausgaben 299,731 4, sohin Aktiva 182,855 X 79 S, welche Eigen- thum des Vereins sind Sämmtliche Beshwerdepunkte wurden fallen gelassen und dem Direktorium ein Anerkennungsvotum ausgesprochen, welchem auch die Opponenten beitraten. ;

Die neue 4Fprozentige Prioritäts-Anleihe der Pfälzischen Eisenbahnen ist, wie die „A. A. Z.“ meldet, im Betrage von 3,100,000 4 von dem Bankhause M. A. von Roth- {ild und Söhne in Verbindung mit den übrigen Bankiers der Ge- fellshaft übernommen worden ; dieselbe wird durch freihändigen Ver- kauf an die Börsen gebracht werden. N 4

London, 24. Oktober. (E. C.) Der Streit in den Baum- wollenspinnereien von Lancashire wird beigelegt werden. Der Vorschlag der Fabrikherren, daß die Spinner ihre Kündigung zum 1. November zurückziehen und dann die Sache einer halb aus Arbeitern, halb aus Arbeitgebern bestehenden Vereinigung unter- breiten sollten, ward angenommen. :

Mo8tau,: 20. Vitober (W. T. B) Ptozey StroUuss Eerg. In der heutigen Verhandlung wurde die Tare der Zbirower Werke verlesen, welche Strousberg \<on bei seiner Verhaftung ein- gereicht hatte.

Verkehrs: Anstalten.

Ver: Elbeverein 1 AUta veröffentliht seinen Rechen- \<aftsberi<ht für das Jahr 1875, dem die „Magd. Z.“ über den Glbeverkéhr des Vorjahres die nachstehenden Daten entnimmt: Im Fahre 1875 passirten die sächsis<-böhmische Grenze: 1050 Pasfsagier- boote mit 82,347 Personen und 114 Remorqueurs, 440 Touneurs und 6156 Segelfahrzeuge mit 15,465,467 Ctr. Frachten. Davon gingen 9,957,615 Ctr. Braunkohlen und 3,732,105 Ctr. Holz über die Grenze. Stromaufwärts wurden befördert 163,772 Ctr. Salz, 63,237 Ctr. Schwefelkies, 34,112 Ctr. Soda, 31,473 Ctr. Baum- wolle, 26,171 Ctr. Chilisalpeter, 31,021 Ctr. Sämereien, 21,607 Ctr. Cichorien 2c.

Southampton, 25. Oktober. Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd „Main “, Kapt. G. Reichmann, welches am 14. Ok- tober von New-York abgegangen war, ift gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekommen und hat nah Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Nach- mittags die Reise na< Bremen fortgeseßt. Der „Main“ über- bringt 236 Passagiere und volle Ladung.

_ New-York, 24 Dllober. (Per transatlantis<en Telegraph.) Das Postdampf\c<hiff des Nordd. Lloyd „Mosel“, Kapt. H. A. F. Neynaber, welches am 7. Oktober von Bremen und am 10. Ofk- tober von Southampton abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen.

25. Oktober. (W. T. B.) Der Hamburger Post- dampfer „Gellert“ ist heute Nachmittag 4 Uhr hier eingetroffen. New-Orleans, 21. Oktober. (Per -trans8atlantis<hen Tele- graph.) Das Postdampf\sc<hiff des Nordd. Lloyd „Frank- furt“, Kapt. F. Klugkist, welches am 27. September von Bremen und am 30. September von Havre abzegangen war, ift beute wohl-

behalten hier angekommen.