1900 / 181 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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padbarten rovinzen und in das Ausland (Belgien, Holland, gland) ftatt.

Die Aufnahmen neu eintretender Studierender be-

ginnen am Montag, den 15. Oktober, und finden bis *einshließlich Samstag, den 3. November 1900, statt. Später eintreffende Studierende haben die Genehmigung zur naträglihen Jmmatrikulation bei der Universität, unter Angabe der Oründe der verspäteten Meldung, riftli bei dem Kurator der Universität nahzusuchen.

Die Vorlesungen für Landwirthe und Kulturtehniker beginnen am Montag, den 22. Oktober, für Geodäten am Montag, den 29, Oktober 1900.

An der Akademie werden sowohl Landwirthe wie Kultur- tehniker und Geodäten (Landmesser) ausgebildet. Die Land- wirt he können nah erem Studium eine Abgang sprüfung ablegen, welche sie zu Lehrer- bezw. Direktorstellen an landwirthschaft- lihen Wintershulen und Ackerbauschulen befähigt; die mit Maturitäts- zeugniß versehenen Landwirthe werden nah dreijährigem Studium ur Staatsprüfung für Lehrer der Landwirthschaft an

andwirthschafts\ch{ulen zugelassen. Außerdem kann die Be- fähigungs. Prüfung für das Amt eines Thieczucht-Inspektors abgelegt werden. Für Land messer besteht an der Akademie eine Königliche Landmesser - Prüfungs - Kommission. Die Prüfung für Landmesser ist für Alle, die sch diesem Berufe widmen wollen, obligatorisch und kann nah zweijährigem Studium abgelegt werden. Mit der Prüfung für Landmesser is diejenige für Kultur- techniker verbunden; leßtere kann aber auch getrennt von der ersteren stattfinden.

Dkie an der Akademie aufgenommenen Studierenden werden bei der Universität Bonn immatrikuliert und genießen alle Rechte von Universitäts-Studenten.

Neu eintretende Studierende haben bei der Meldung zur Auf- nahme außer den Nachweisen über Schul- und Berufs-Vorbildung ein Sittenzeugniß von der Polizeibehörde ihres leßten Aufenthalts- ortes beizubringen, Minderjährige außerdem eine Einwilligungserklä- rung des Vaters oder des Vormundes. Kommen die Studierenden unmittelbar von einer anderen Hochschule, so ist das Abgangszeugniß von dieser vorzulegen und ein besonderes Sittenzeugniß niht er- forderlich.

Ein Internat ist mit der Akademie niht verbunden. Die Aka- demiker wohnen in Privathäusern in Bonn oder Poppelsdorf. Wohnungen mit und ohne Beköstigung, den verschiedensten Wünschen und Anforderungen entsprechend, sind in ausreicender Zahl vorhanden.

Die Miethe für ein Zimmer beträgt monatli etwa 20 4, mit Beköstigung 60 4 und darüber. Mittagstisch im Restaurant kostet 60 A und mehr. Die Kosten für den gesammten Unterhalt eines Studierenden stellen sich bei mittleren Ansprüchen etwa auf 100 bis 120 M moaatlih, also im Jahr (für 8 Studien-Monate) auf rund 800 bis 1000 M (ohne Studien-Honorar).

Das Studien-Honorar beträgt 120 G für jedes Halbjahr und muß im Anfange des Semesters entrichtet werden. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit und Würdigkeit kann das Honorar innerhalb der zulässigen Zahl von Freiftelen ganz oder theilweise zurüderstattet werden. Auch werden an einzelne, dur Fleiß und Wohlverhalten id auszeihnende bedürftige Studierende seitens des Ministerilms (in der Negel mit Honorarfreibeit v-rbundene) Stipendien gewährt.

Auf Anfragen wegen Eintritts in die Akademie ist der Unter- zeichnete gern bereit, jedwede gewünschte nähere Auskunft zu ertheilen. ete und Stundenpläne versendet das Sekretariat der

fademie auf Ansuchen kostenfrei.

Bonn-Poppels3dorf, im Juli 1970.

Der Direktor der Königlichen Landwirthschaftlihen Akademie. Dr. Freiherr von der Golß, Geheimer NRegierungs:ath und o. v. Professor an der Universität Bonn.

Adogereist:

der Unter-Staatssekretär im Finanz-Ministerium, Wirk-

lihe Geheime Ober-Finanzrath Lehnert, mit Urlaub. Angekommen:

Seine Excellenz der Unter - Staatsfekretär im Neichs- Schazamt, Wirkliche Geheime Rath Dr. Aschenborn, vom Urlaub;

der Ministerial-Direktor im Finanz-Ministerium, Wirk: lihe Geheime Ober-Finanzrath Gra ndke, vom Urlaub.

Die Personal-Veränderungen in der Armee 2c. befinden sich in der Ersten Beilage.

Nichtamtliches. Deutsches Neich.

Preufzen, Berlin, 1. August.

Jhre Kaiserlichen und Königlihen Majestäten begaben Sich, wie dem „W. T. B.’ aus Bremerhaven ge- meldet wird, gestern Nachmittag gegen 3 Uhr vom Bord der Yacht „Hohenzollern“, welche die italienishe Flagge auf Halb- mast füyrte und gegenüber der Einfahrt zum Kaiserhafen vor Anker ging, mit Jhren Königlichen Hoheiten den Prinzen Eitel- Friedrich und Adalbert sowie dem Gefoige an Land und besichtigten die auf den Dampfern „Straßburg“ und „Aachen“ nach China abgehenden Truppen fowie die zu 1hrem Transport be- stimmten Schiffe. Sodann kehrten Jhre Majestäten mit den Prinzen und dem Gefolge auf die Yacht „Hohenzollern“ zurü, worauf die Dampfer unter Hurrahrufen der Mannschaften auf Jhre Majestäten, Allerhöchstwelhe durch Flaggensignal den Truppen glückliche Fahrt wünschen ließen, in See gingen.

Heute Vormittag 91/7 Uhr begaben Sich Jhre Majestäten mit den Prinzen Söhnen in einem Boot von der Yacht „Hohenzollern“ zur Lloydhalle und von dort zu F.ß nach der Versuchsstation des Norddeutschen Lloyd.

,_Zu der Meldung von dem plößlihen Ableben Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs Alfred von Sachsen- Coburg und Gotha bemeikt die „Norddeutsche Allgemeine SE diese neue Trauerkunde komme, nachdem erst vor urzem durh den Heimgang weiland Seiner Königlichen Beit des Großherzogs Peter von Oldenburg das deutsche

olk einen allgemein verehrten Bundesfürsten verloren habe.

„Als englisher Prinz erzogen, hat der im 55. Lebens- ahre so ploplich Dahingeschiedene nach Besteigung des oburg-Gothaischen Thrones sih mit Eifer den Aufgaben eines deutschen Fürsten gewidmet. Durch seinen Tod werden neben dem großbritannishen Königshaus die Kaiserlihe Familie und verwandte deutshe Fürstenhäuser in Trauer versezt. Der Verlust, den Regierung und Bevölkerung der ihres Fürsten

beraubten Lande von Sachsen-Coburg-Gotha erleiden, begegnet

auch in den anderen deutshen Bundesstaaten aufrihtiger Theilnahme.“

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Vineta“, Kommandant: Kapitän zur Sce da Fonseca-Wollheim, heute von La Guaira nah Santa Lucia in See gegangen.

S. M. SS. „Weißenburg“, Kommandant: Kapitän zur E e N und „Wörth“, Kommandant: Kapitän zur See Borkenhagen, sind heute bei der Jnsel Perim ein- getroffen und beabsichtigen, am 2. August nach Colombo in See zu gehen. /

Der Dampfer „Stuttgart“ mit den Verwundeten und Kranken der Schiffe des Kreuzer-Geshwaders und des Gouvernements Kiautschou, Transportführer: Stabs-Jngenieur Gehrmann, ist gestern in Singapore an- gckommen und beabsichtigt, am 3. August die Reise nah Colombo fortzuseßen. j

Der Dampfer „Prinz-Regent Luitpold“ mit der Ablösung für S. M. S. „Cormoran“ an Bord, Trans: portführer: Oberleutnant zur See Leonhardt, ist gestern in Fremantle eingetroffen und hat alsbald die Weiterreise nah Adelaide fortgeseßt.

Der hiesige Königlich großbritannishe Botschafter Sir Frank Cavendish Lascelles ist vom Urlaub nah Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Botschaft wieder über- nommen.

Der hiesige Königlich serbische Gesandte B oghitchevit ch hat einen längeren Urlaub angetreten. Während seiner Ab- wesenheit werden die Geschäfte der Gesandtschaft von dem Attaché Papacostopoulos wahrgenommen.

Der Vize-Präsident des Rechnungshofes des Deutschen Reichs Ehrhardt ist von seiner Urlaubsreise nach Potsdam zurückgekehrt.

Der Wirkliche Geheime Ober-Regierungsrath im Reichs- Schaygamt Plath hat Berlin mit Urlaub verlassen.

Der Ober-Staatsanwalt beim Kammergericht, Geheime Ober:Zustizrath Wachler hat sih mit längerem Urlaub nah der Nordsee begeben.

Potsdam, 1. Auguï#t. Seine Königliche Hoheit der Herzog Karl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha is, wie „W. T. B.“ meldet, heute Vormittag hier eingetroffen und hat sich nach der Villa Jugenheim begeben. Heute Mittag wird Höchstderselbe mit Jhrer Königlichen Hoheit

der Herzogin von Albany die Weiterreise nah Coburg

antreten.

Kiel, 31. Juli. Aus Anlaß des Ablebens Seiner lichen Hoheit des Herzogs Alfred von Sachsen-® und Gotha, Höchstwelher à la suite der Mari

haben, wie „W. T. B.“ berichtet, alle im Hafen Kriegsschiffe halbmast geflaggt. Sachsen-Coburg-Gotha.

Gestern Vormittag 11 Uhr wurde, wie die / -0b. Ztg.“ berichtet, im Schlosse Rosenau im engsten Famil + kreise eine Trauerandacht für Seine Königlihe Hoheit den ver- storbenen Herzog Alfred abgehalten. Die Ueberführung der Leiche nah Coburg findet heute Nachmittag statt. Die Trauer- feier daselbst ist auf Sonnabend Mittag 12 Uhr angeseßt worden.

Der Herzogliche Hof hat gestern auf 12 Wochen Trauer angelegt. z :

Für den unmündigen Herzog Karl Eduard wird dessen Vormund, Seine Durchlaucht der Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, Gemahl der Prinz3cssin Alexandra von Sachsen-Coburg und Gotha, dem Thronfolgegeseß vom Jahre 1899 gemäß die Regierungs- verwesung Übernehmen.

Der gemeinsame Landtag der L gthümer Coburg und Gotha ist zur Entgegennahme der Eidesleistung des Regtierungsver1wesers, des Erbprinzen zu Hohenlohe-Langen- burg auf Donnerstag, den 2. August, 12 Uyr Mittags, nach Gotha einberufen worden.

Oefterreich- Ungarn.

Der Minister des Auswärtigen Graf Goluchowski spra; dem „W. D. B. zufolge, von Vittiél aus dem italienishen Minister dcs Auswärtigen Visconti-Venosta sein Beileid aus und ersuchte ihn, dasselbe auch dem Köni« Victor Emanuel zu übermittein. Ferner kondolierte Gra Goluchowsfki dem italienischen Botschafter Grafen Nigra und wies aqußerdem den österreichish-ungarishen Geschäftsträger in Rom an, dem italienishen Kabinet die Theilnahme der g-mein- samen Regierung auszudrücken.

Großbritannien und Frland,

Für Seine Kön'gliche Boyen den Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha ist, wie „W. T. B.“ be- richtet, Hoftrauer bis zum 13. September, für Seine Mazestät den König von Jtalien eine solhe bis zum 283. August angeordnet worden. Die Offiziere wurden durch einen Armeebefehl angewiesen, vom 2. August bis zum 13. September für den Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha Trauer anzulegen. Bei den Beisezungsfeierlihkeiten in Coburg wird Seine Königliche Hoheit der Prinz von Wales Jhre Majestät die Königin vertreten.

Jn London hatten gestern alle öffentlihen G:bäude halb- mast geflaggt, die Zeitungen erschienen mit Trauerrand. Einer alten Sitte der Londoner City gemäß läuteten gestern Nach» B die Glocken aller Kirchen der City in mehreren Pulsen. Der Lordmayor hat an Jhre Majestät die Königin und an Jhre Kaiscrlihe und Königliche Hoheit die verwittwete Perzogin von Sachsen-Coburg und Gotha Beileids-

elegramme gerichtet. Jn Marlborough - House und in Clarence-House, dem Londoner Wohnsißze des verstorbenen

erzogs, ‘erschienen zahlreihe Besucher, um ihrem Beileid Ausdru zu geben.

Jn der gestrigen Sißung des Oberhauses befürwortete der Premier-Minister Lord Salisbury eine Adresse an

hre Majestät die Königin aus Anlaß; der Ermordung Seiner Majestät des Königs von Jtalien und er-

klärte: im leßten halben Jahrhundert seien drei Präsidenten von Republiken und zwei Monarchen ermordet worden; das sei furhtbar, nicht nur wegen der Sympathien Englands für die Völker, die betroffen worden seien, sondern auch wegen des schreckichhen Abgrundes menschlicher Verworfen- heit, der sih dem. Blick unter der Oberflähe der mensch- lichen Gesellschaft eröffne und der in naher Zukunft die besten Jnteressen der menschlihen Gesellschaft bedrohe. Diese \chrecklihe That sei durch kein Verschulden des Königs ver- ursaht worden, der durch und durch Jtaliener gewesen sei, der über Jtalien mit nimmer ruhender Sorge gewaht und überall das tiefste Mitgefühl für sein Volk gezeigt habe. Dieser Mann sei es gewesen, den die geheime Gesellschaft ausgewählt habe, den der erbarmungslose Vollstrecker getroffen, gehorsam den ihm ertheilten Befehlen. Man könne dies weder als eine politishe That, noch als einen Akt privater Rache ansehen; es sei nur die krankhafte Sucht nah Berühmtheit, welche der Fluch der modernen Gesellschaft sei, und die, wenn ihr nicht Einhalt gethan werden könne, die Existenz der Gesellschaft bedrohe. „Jh werde,“ \o fuhr Lord Salisbury fort, „bei dieser Gelegenheit nicht von Heilmitteln sprechen, wenn es deren giebt, um diesem N abzuhelfen, aber ih habe niemals gezögert, meine Ansicht dahin auszu- drücken, daß hinsichtlih dieser Verbrehen die menschliche Ge- sellshaft irrt, wenn sie auf der Seite dex Milde“ ist." Die Adresse wurde hierauf angenommen.

Im Unterhause brachte der Ecste Lord des Schagamts Balfour eine ähnlihe Adresse ein und rühmte den König Humbert, der nicht nur ein großer Patriot, sondern auch ein großer Freund Englands gewesen sei. Er und sein Volk seien treue Freunde Großbritanniens gewesen, deshalb empfinde man in England mit um so größerer Sorge und Trauer die Nach- riht von dem Tode des Königs. Die Adresse wurde still- \{hwecigend angenommen. Alle Mitglieder des Hauses blieben während der Verhandlung unbedeckt. Jm weiteren Verlauf der Sizung erklärte der Unter-Staatssekretär des Aeußern Brodrick, die Regierung habe kcine spätere Nachricht über die Gesandtschaft in Peking, als die bereits veröffentlichte Depesche des Gesandten Macdonald (f. die gestrige Nummer d. Bl.). Yerbourgh fragte, ob niht im Hinblick auf das Telegramm Macdonald’s der Vormarsch der verbündeten Truppen angetreten werden könne, ohne auf die Ernennung eines Oberbefehlshabers zu warten, oder ob, weun dies nicht an- gehe, Japan nicht Aeauftvagt werden könne, allein vorzugehen. Brodrick erwiderte, den leßten Nachrichten des Genecals Gaselee zufolge habe derselbe den sofortigen Vormarsch ins Auge gefaßt, wobei er auf d) Mitwirkung der verbündeten Truppen hoffe. Ashmead Wai *tt richtete die Frage an die Regierung, ob dieselbe mckchGe, reiche Gebiete des nördlihe1 Kleinasien-“ und des / Euphrat - Thals anderen Großmäa,. \ ols-* Einflußsphären zum Bau von Eisen- r n und zur fkommerzielim Aufschließung über-

¡en habe, oder ob die britishe Regierung anerkannt habe, die britishe Jndustrie und der kritische Handel aus einer dieser Einflußsphären ausgeschlossen sien. Der Unter-Staats-

{ sekretär des Aeußern Brodr1ck vernänte beide Fragen. Das

Haus genehmigte sodann die dritten Lesungen der Frei- willigenbill, der Anleihebill ünd der Bill, betreffend die Marine-Neserve, sowie die zweite Lesung der Bill, betreffend das Verbot der Ausfuÿr von Waffen.

Frankreich.

Wie „W. T. B.“ aus Paris b:richtet, hat, gutem Ver- nehmen nach; der General Négrier dei Besuchen, die er dem Präsidenten Loubet und verschiedenen Ministern abstaitete, erklärt, er habe niemals die Absicht gehabt, n-i der Ansprache, die den Anlaß zu seiner Amtsentseßung gebot:a, Politik zu treiben. Er habe niemals daran gedacht, die Reg erung anzugreifen, und er habe Achtung vor der Verfassung; seine Worte seien falsch ausgelegt worden. Er habe geglautt, bis jezt schweigen zu müssen, um nicht in den Verdacht za gerathen, daß er aus personlichem Jnteresse sprehe. Nun abet, da ihm sein Posten wieder übertragen worden sei, glaube er, diese Erklärungen abgeben zu dürfen

Rußland.

Aus St. Petersburg wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß die Ermordung Seiner Majestät des Königs von Ftalien ina der gesammten dortigen Presse einen Sturm dcr Entrüstung und des Abscheues hervorgerufen habe. Alle Blättec widmeten dem auf so entseglihe Weise um das Leben gekommenen König Worte wärmster Anerkennung und er- flärten, durch das furchtbare Verbrehen weroe niht nur Ztalien, sondern die ganze zivilisierte Welt betroffen. All- gemein werde die Ansicht ausgesprochen, daß es sich um ein neues anarchistisches Verbrechen handle.

JFtalien.

Aus Monza wird. dem „W. T. B.“ gemeldet: Jhre Majestät die Königin Margherita betete in der Nacht zum Dienstag lange in dem Gemach, in welchem die Leiche des. Königs ruht, und zog sih erst gegen Morgen zurück. Der Kardinal-Erzbishof von Mailand traf gestern in der König- lihen Villa ein und verweilte doct einige Zeit bei Jhrer Majestät, Allerhöchstwelhe ihn dann in das Sterbezimmer gé- leitete, wo dec Kardinal mit der Königin und den Prinzen betete und dann den ‘Segen ertheilte.

Jhre Majestät die Königin Maria Pia von Por- tugal und Seine Königlihe Hoheit der Herzog von Oporto sind gestern früh 5 Uhr in Monza eingetroffen.

Der Minister-Präsident Saracco wurde gestern alsbald nah der Ankunft in der Königlichen Villa in Monza zu der Königin Margherita geführt. Das Zusammentreffen war sehr bewegt; die Unterredung der Königin mit Saracco währte eine halbe Stunde.

Gestern Nachmittag 1 Uhr wurde die Urkunde über ten Tod Seiner Mazestät des Königs Humbert aufgenommen; die Aufnahme geshah im Schlaszimmer des Königs. Als Zeugen wohnten dem Akte di Nudini und der frühere Minijiter des Königlichen gus Rattazzi bei. Als Standes- beamter funktionierte der Vize-Präsident des Senats Finali, als Notar der Krone der Minister des Jnnern Saracco. Das Antliß des Königs hat sich nicht verändert, der Köni( cheint zu schlafen. Seine Königliche Hoheit der Graf von Turin und ein Ordonnanz: Offizier halten bei der Leiche die Ehrenwache. Die O über die Leichen= feierlihkeiten und über die Einberufung des Parlaments werden getroffen werden, sobald der König Victor Emanuel [I]. in Monza inder sein wird.

Der Minister-Präsident Saracco kehrte gejtern Abend nach Rom zurü.

Jhre Majestäten der König Victor Emanuel TlI. und die Königin Elena sind gestern Vormittag 111/32 Uhr in Neggio-Calabria unter lebhaften Zurufen der Bevölkerung an Land gegangen "und haben um 12 Uhr 55 Minuten die Reise nah Monza fortgeseßt. Da die Majestäten die Fahrt inkognito zurüclegen, fo wird eine Begrüßung durch die Be- hörden auf den Bahnhöfen der Reisestrecke nicht stattfinden. Die Ankunft in Neapel erfolgte heute früh um 1 Uhr 45 Minuten. Die Majestäten wurden dort von dem Prä- fekten, der Generalität und von Crispi begrüßt. Leßterer war tief bewegt. Um 2 Uhr schten die Majestäten mit Seiner Königlichen a dem Herzog von Genua die Weiterreise nach Nom fort, wo die Ankunft um 61 Uhr Morgens er- folgie. Um 68/4 Uhr seßte sih der Zug mit dem Königspaar und den Ministern zur Weiterfahrt nah Monza in Be- wegung, wo diejelben gegen 7 Uhr Abends eintreffen.

Der „Agenzia Stefani“ zufolge verlautet, der König Victor Emanuel Habe dem Minister-Präsidenten Saracco seine Zustimmung zu den vom Ministerium ergriffenen Maß- nahmen telegraphisch mitgetheilt und dem Ministerium sein Vertrauen beftätigt.

Es verlautet ferner, daß die Kammern in den ersten Tagen der nächsten Woche würden einberufen werden.

Der König Victor Emanuel [Il und die ver- wittwete König1n Margherita dankten, wie „W. T. B.“ erfährt, durch perfönlihe Telegramme dem deutschen Staats- sekretär, Staats-Minister Grafen von Bülow für dessen an sie gerichtete BeileidsSkundgebungen. |

Gestern früh leisteten die Truppen in Rom und allen italienishen Garnisonen dem König Victor Emanúüel den Eid der Treue, wobei überall Kundgebungen für das Haus Savoyen und die Armee stattfanden. Jn ganz Jtalien herrsht voll- fommene Ruhe ; die Trauerkundgebungen nehmen einen immer größeren Umfang an. Aus allen Weltgegenden laufen fortwährend Beileids-Telegramme in Rom ein, darunter befindet sich auch ein folches von Li-Hung-Tschang.

Die Blätter melden, Bressi habe in Mailand einen Gefährten gehabt, der eine Nacht bei ihm zugebracht und dann erklärt habe, daß er abreise; derselbe habe nur gebrochen italienish gesprochen. Bressi spreche englisch, Franzfish und spanisch. Ein Bruder Bressi’s sei Artillerie-Leutnant und stehe in Caserta in Garnison. Es heißt ferner, Bressi habe am leyten

reitag in Begleitung eines jungen Mannes bei einer Wittwe tossi in Monza vorgesprochen und bei ihr eine Wohnung ge- suht. Der Begleiter Bressi's werde jezt gesucht. Weiter heißt es, daß die Mailänder Polizei bei einer Haus- suhung in Dem Hause eines gewissen Ramella wichtige Schriftstüke an fich genommen habe, aus denen hervor- achen solle, Daß Brei. mit. Individuen {n Amerilà in Verbindung gestanden habe, und zwar mit Bezug

G

auf das von ihm begangene Verbrehen. Bei ?zezoben-

in Peking wohlbehalten gewesen seien. Ferner hat der Kom- mandant der „Elba“, wie die „Agenzia Stefani“ aus Taku meldet, folgende Nachricht erhalten: Der japanische Militär- Attaché schrieb aus Peking unter dem 22. d. M, : Vom 13, Juni ab wurden die auswärtigen Gesandtschaften belagert, am 24. Juni begannen die Angriffe auf die Gesandtschaften, die bis zum 17. Juli daucrten. Die Belagerten haben wenig Lebensmittel und Munition. Entsay wird sehnlichs erwartet, da die Ge- sandtschaften nicht mehr lange Widerstand leisten können. Bis zum 22. Juli waren 60 Europäer in Peking getödtet worden.

Eine über Tschifu nach London gelangte Depesche .aus Tientsin vom 27. Juli besagt dem „W. T. B.“ zufolge: Heute kam hier ein Kurier mit Depeschen aus Peking an, die vom 21. Juli datiert sind und vom amerikanischen Gesandten Conger und von britishen, japanishen und deutschen Vertretern sowie von verschiedenen Privatpersonen her- rühren; fie bestätigen alle die früheren Berichte. Der Kurier seinerseits bestätigte die Nachrichten über den schlechten Zustand der Wege und über die Menge Chinesen, die sh längs des Weges nach Peking befänden. Jn der Note Conger’s an den amerikanischen Konsul heißt es: „Gemäß einer Vereinbarung wurde seit dem 16. Juli niht mehr ge- schossen. Wir haben Lebensmittel für verschiedene Wochen, jedoch nur wenig Munition. Wenn die Chinesen fortfahren, Uns ju beschießen, wie sie es gethan haben, so können wir nicht lange aushalten; einé Niedermeßelung Aller wird folgen. Jch hoffe, daß der Entfsaß bald kommt.“ Eine Privat- nachrichi ohne Datum besagt: gestern brachte ein Bote mit der Parlamentärsflagge dem Gesandten Macdonald eine Note von Yunglu, in welcher dieser fragt, ob man gewillt sei, einen Waffen/stillstand abzuschließen. Macdonald erwiderte, er sei dazu geneigt, vorausgeseßt, daß die Chinesen aufhörten zu schießen und nicht näher an die Gesandtschaften kämen. Das Schießen hat jeßt aufgehört, und überall herrs{ht voll- ständige Ruhe. Die Lebensmittel bestehen aus Reis und Pferdefleisch. Eine große Gefahr besteht darin, daß die in Tientsin geschlagenen Chinesen nah Pekina kommen. Die Amerikaner machten in der Nacht des 3. Juli einen muthigen Ausfall und fügten den Chinesen {were Verluste zu.

Die „Morningpost“ meldet aus Washington vom aestrigen Tage, der amerikanishe Bolschafter Choate habe sih mit Lord Salisbury wegen des sofortigen Vormarsches auf Pcking in Verbindung geseßt und ihm mitgetheilt, daß die Vereinigten Staaten entschlossen seien, sofort den Vormarsch anzutreten. Lord Salisbury habe geantwortet, Großbritannien habe sih in gleicher Weise shlüssig gemacht.

Nach einem Telegramm der „Times“ aus Tientsin ist der General Gaselee mit scinem Stabe dort am 28. Juli eingetroffen. Auch große Verstärkungen sind angelangt. Der Vormarsch soll fsogleich von statten achen. Russen und Japaner schieben ihre Vorposten auf Pei-tsang vor. Der

erwähnten Namella habe Bressi mit einem Toskaner, NamexinzäGeneral Jamakuchi hoffe, Yang-tsun biunen drei Tagen zu Giusti, zusammen gewohnt. Der Kellner eines Wirthshausès,;:nd | zen

in welchem die beiden Genofsen verkehrt hätten, erkläre, daß'Ÿ

sie sich von cinem großartigen Plan unterhalten hätten, der die Welt in Staunen seßen solle. Giusti sei verhaftet worden. Als Bressi bei Namella wohnte, habe er si für einen Fran- zosen ausgegeben und immer nur französisch gesprochen. Alles deute darauf Hin, daß Bressi sein Verbrechen lange vor- bereitet habe. Der „JFtalie“ zufolge scheine es sih zu be- stätigen, daß die Ermordung des Königs Humbert auf ein Komplott zurücckzufüßHren sei.

Die in Mailand erscheinende „Perseveranza“ hat eine Subskription zur Errichtung eines Denkmals für den König Humbert eröffnet.

3.amänien. Das unerwartete Dahinscheiden Seiner Königlichen Hobel des Herzogs von Sachsen-Coburg und otha, des ‘Vaters JIhrer KöonigliWen Hoheit * dex Prinzessin FerDinaäand von- Rumänien, hat, wie „W. T. B.“ meldet, im ganzen Lande große Theilnahme hervorgerufen. Zahlreihe Beileidskundgebungen sind der Königlichen Familie zuzegangen. Seine Majestät der König sandte ein überaus herzlihes Beileids-Telegramm an Jhre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Herzogin-Wittwe, in welchem Allerhöchstderfelbeseinemund Jhrer MajestätderKönigin Schmerz über den großen Verlust Ausdruck giebt. Auch an Jhre Majestät die Königin Victoria und die Mitglieder des britishen KönigsShauses wurden Beileids-Telegramme ab- gesandt. Der Minister-Präsident Carp übersandte der Berdo gin-Wittwe ein Bcileids-Telegramm der Regierung. ie Vertretcr der ausnâärtigen Mächte schrieben sich in die im Palais ausliegenden Listen cin. Jhre Königlichen Hoheiten derPrinz und diePrinzessin Ferdinand vonNumänien werden heute nah Coburg abceisen. Serbien.

IVPie das Wiener „Telegr.-Korresp.-Bureau“ aus Belgrad meldet, hat Seine Majestät der Kaiser von Nußland ein- ewilligt, bei der Vermählung des Königs Alexander

rauzeuge zu sein, und den- russishen Geschäftsträger Manssurow mit Allerhöchstseiner Vertretung beauftragt. Msien.

Der Admiral & ourréjolles hat, dem „W. T. B.“ zu- folge, an den Marine-Minister Lanessan das nachstehende, in Ts\chifu am 26. Juli aufgegebene Telegramm ge- sandt : Es find deutlihe Anzeihen einer Beruhi- gung vorhanden. So is uns insbesondere ein Kaiser- lihes Edikt Über Tschhifu zugegangen, in welchem die chinesische Regierung sagt, sie sei für den gegenwärtigen gus niht verantworllih; alle ihre Handlungen seien auf

chaltung des Friedens gerichtet gewesen, und sie sei noch bestrebt, die Verträge den Vrenben und den Missionen gegen- über zu beobachten.

us Washington meldet das „RNeuter’sche Bureau“, der Oberst Coolidge, der Befehlshaber der amerikanischen Truppen in Tientsin, telegraphiere: Ein vom 22. Juli datierter Brief des japanishen Militär-Attachés in Pcking sei am 25. Juli in Tientfin eingetroffen, worin sich derselbe in größter Besorgniß erkundige, wann d{e Entsaßtruppen eintreffen würden. Seit dem 13. Zuni, Heiße es in dem Briefe weiter, sind wir Tag und Nacht foctwährend angegriffen worden, mit äußerster Anstrengung vertheidigen wir uns noch. Wenn ihr nicht innerhalb einer Woche ankommt, werden wir wahrscheinlich niht länger aushalten können. Jn dem. Biief ist von einer Einstellung der Feindseligkeiten keine Rede.

Der „Agenzia Stefani“ wird über Tschifu aus Taku ge- meldet : Der Kommandant der „Elba“ hat aus Tientsin die Nachriht erhalten, daß bis zum 21. d. M. alle Ztaliener

Be Telegramm des Generals Chaffe aus Tschifu 9 Fuli besagt: Wie verlaute, bestehe in Taku die Absicht, d. n Tage nah Peking vorzumarschieren. ci. changhai berichtet die „Times“ vom 31. Juli,

der Go. Der vr von Schantung habe an den dortigen britischen General- Ho hi telegraphiert, seine “Bütschaft an den groß- britannishe: P Hesandten Macdonald. sci richtig abgeliefert worden, die“ *ttwort Macdonald's werde dem Tsung-li-Yamen zur Uebermitiiung an den General-Konsul übergeben werden.

Der belgische Minister des Atußsrn. hat von dem belgischen Geschäfisträger de Cartier qus Schanghai folgende Depesche vom gestrigen Tage erhalten: Am 22. Juli hatte der amerikanisch-: General-Konsul dem amerikanishen Gesandten in Peking durch Vermittelung der Lokalbehörden telegraphirt ; der Taotai Scheng theilte dem General-Konsul mit, daß das Tsung-li-Yamen sih weigere, jedes Chiffre-Telegramm weiter zu befördern, und verlange, daß die Telegramme in gewöhn- licher Sprache abgefaßt seien.

Wie die „NRussishe Telegraphen-Agentur“ meldet, sind in St. Petersburg folgende Nachrichten eingegangen: Der General Grodefkfow meldet vom 28. Juli aus Chabarowsk: Blagowjeschtschensk wurde am 26. Juli von den Chinesen beschosscn, ebenso der Dampfer „Selenga“, als er den Amur auf- wärts fuhr. Das Feuer der russischen Geschüße brachte die Chinesen jedoch zum Schweigen. Die Verluste waren unbedeutend. Aus Charbin brachte am 28. Juli ein Dampfer in drei Booten gegen 1500 Personen, darunter 79 Kranke und 40 Verwundete, nach Lachasu. Am 26. Juli überschritt der General Orlow mit seinem Detachement die Grenze bei Abagajtui, und die Fisenbahnarbeiten wurden wieder aufgenommen. Am 28. Juli wurde Blagowjeschtshensk mit Artillerie- feuer beschossen, auf w-.lches die russishen Truppen antworteten. Verstärkungen sind im Anmarsh. Am 24. Zuli rückte das Detachement dcs Generals Lacharow vor die Festung Bajantyun und unternahm eine Rckognoszierung, welche ergab, daß die aus 2000 Mann bestehende chinesische Besaßung unterhandeln wolle. Als der Genecal sich aber der Festung näherte und die Kosaken vorrückten, eröffneten die Chinesen ein Gewehr- und Geschüßfeuer, welches gegen Abend heftiger wurde. Die Chinesen flohen dann. Jn der Festung wurden 5 Kanonen, eine große Anzahl Patronen, vier Schiffegeshüße und Artillerie-Munition erbeutet. Am 26. Zuli unternahm die Truppenabtheilung des Generals Sacharow eine Rekognoszierung in der Richtung auf Sansin. Der Konsul in Kulds\cha telegraphierte am 24. Juli, daß der Gou- verneur von Zjanzjun von der Kaiserin den, Befehl erhalten habe, alle Russen niederzumachen. Nach Ankunft von zwei Eskadrons Russen zum Schuße des Konsulats trat wieder Nuhe ein. Der Admiral Alexejew e daß in den Arscnalen von Tientsin und in den Befestigungen eine Menge Material erbeutet worden sei, darunter gegen i Kanonen, Munition, Patronen, Pulver und in dem ehemaligen Palast Li-Hung-Tschang's verschiedenes werthvolle Eigenthum. Der Konsul in Kaschgar berichtet unter dem 20. Juli, die Lage daselbsi sei sehr beunruhigend wegen der verbreiteten falschen Gerüchte über Bewegungen russischer Truppen. Die mohamedanishe Bevölkerung sei gegen die Chinesen sehr gereizt. Unverständliche Maßregeln der chinesischen Verwaltung be- wirkten-noch größere Aufregung. Auch unter den chinesischen Truppen mache sih eine Erregung bemerkbar. :

Aus Bern wird berichtct, daß die telegraphische Verbin- dung zwischen T\ch ifu und Schanghai wieder hergestellt sei.

Afrika.

Ein gestern in London eingetroffenes Telegramm des Feld- marschalls Lord Roberts meldet, dem „Reuter'schen Bureau“ zufolge,Einzelheiten über dieKapitulation des Generals Prinsldo

und stellt fest, daß 986 Buren gefangen genommen worde seien und daß ein Neunpfünder in die Hände der Engländer gefallen sei. Lord Noberis füge hinzu, cinige der Führer in entlegenen Theilen der Berge zögerten noch, herbeizukommen, und erklärten, däß sie mehr oder weniger unabhängig von Prinsloo seien. Lord Roberts habe dem General Hunter den Befehl ertheilt, die Feindseligkeiten sofort wieder aufzu- nehmen und Prinsloo anzukündigen, er werde persönlich dafür: verantwortlih gemacht werden, daß jedes bei seiner Truppe befindliche Geschüß ausgeliefert werden müsse.

Aus Fouriesberg vom 80. Juli wiro dem „Reuter’schen Bureau“ gemeldet: Die Buzen, die sich dem General S ergaben, bestanden unter Anderen aus dem 550 Mann jtarken Kommando von Ficksburg und dem 450 Mann starken. Kommando von Ladybrand; mit diesen fielen 1500 Pferde, ¿wei Kanonen und 50 Wagen in die Hände der Engländer. Viele Buren sind über Nauwpoorts Nek gegangen, um sih Macdonald zu ergeben, andere kommen noch fortwährend an. Die Kommandos von Harrysmith und Vrede bewegen sih noch ungehindert.

Demselben Bureau wird aus Zeerust vom 29. Juli ge- meldet: Es gehe das Gerücht, daß die Buren gegen Zeerust vorrückten. Alle Regierungsvorräthe würden nah dem Lager geschafft, welches sorgfältig hergerihtet worden sei. Die Convois nach dem Elands-Fluß seien eingestellt worden. Späher des Feindes seien in Distrikt bemerkt worden. Ein eingeborener Späher berichte, daß 400 Buren in Steenbokfontein lagerten.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Die in Berlin beim Fliesenlegen beschäftigten Hilfs- arbeiter sivd, der „Dt. W.“ zufolge, gleichwie die Fliesenleger (vergl. Nr. 174 d. Bl.) in eine Lohnbewegung eingetreten und fordern u. a. cinen Stundenlohn von 60 4. Falls die Arbeitgeber ihre For- derungen bis heute nicht bewilligt haben, gedenken fie ebenfalls die Arbeit einzustellen.

Veber die im Jahre 1899 in Hamburg vorgekommenen Ausstände entnehmen die „Hamburger Beiträge“ ter amtlichen Neichsftatistik die folgenden Zablenangaben : Es wurden gezählt

begonn. beend. ergriffene|beshäftigte \trikende LaURS

im T E OCILIEDE | ai i A Strikes 4rbeiter

1. Vierteljahr 1899 7 5 6 169 55 21 ck Z ¿40 19 2341 7302. 1986 227 3 0D 24 45 3 044 T1 38

u L ID 15 40 1 184 713 7

zusammen 64 63 325 [11699 3471 288. Fm ersten Quartal des vergangenen Jahres legten Kaffeeverleser, Bâderetarbeiter und Kutscher die Arbeit nieder, im zweiten Nieten- - wärmer (139 fkontraktbrühig), Sackträger, Näher, Kaffeever- leferinnen, Flashenspüler und Kellerarbeiter, Kürschner, Erd- arbeiter, Bootsleute, Kellzxer. Jn diesem Vierteljahr war die Zahl der Auëständigen am größten, stärker als in den anderen Quartalen zusammen. Klempner, Möbeltishler, Leder- zurihter, Küpez, Korbmaher, Maurer, Erdarbeiter, Steinmeße, Mourerarbeitsleute, Platzarbeiter, Buchdrucker, Glaser, Zimmerer und Kesselreiniger hatten vorwiegend im dritten Vierteljahr diz Arbeit niedergelegt; îm vierten waren besonders betheiligt: Stellmacher, Schlosser, Korbmacher, Bäcker, Schneider, Zigarrenfabrikarbeiter, Zimmerer, Maurer, Ledertehniker, Buchbinder uno Portejeuillearbeiter, Theaterhilfsarbeiter, Glaser und Bauarbeiter.

Kunst und Wissenschaft.

Aus No m wird uns unter dem 28. Juli geschrieben: Auch unter dem - Nachfolger Baccelli’'s gehen die Ausgrabungen auf dem Forum ihren Gang weiter. Bei s\engender Sommerfonne wird gegenwärtig zwischen dem vielumstrittenen lapis niger und der Curie, sodann in den Tiefen der Basilica Aemilia und vor allem zwischen Castortempel und Palatin gearbeitet. Hier, unter der ab- gebrochenen Kirche S. Maria Liberatrice, wo eine ältere, tiefer gelegene Firche noch lange nit bis auf den Grund auégegraben ist, an ihren Wänden aber schon dreifach, eins das andere deckend, gemalte Fresken fich unterscheiden laffen, hier hat der unermüdlihe Comm. Boni der langen Reihe seiner Entdeckungen in diesen Tagen einen hübschen Fund binzu- gefügt, indem er ein Monument freilegt, das mit einer der ältesten Stiftungen, dem Castortempel, in engster Beziehung fteht.

Der Tempel war nah der Legende gestiftet worden zum Dank für den Beistand, welchen die göttlihen Zwillinge den Römern in der Shlaht am Regillue-See gegen Sétxtus Tarquinius und die Latiner geleiste: hatten. Sollten sie doch auch selbigen Tages noch die Nachridt vom Siege nah Rom gebraht haben. Am Wasser der Juturna, in dessen Nähe man ihnen dann auch den Tempel er- baute, wollte man fie damals ibre Rofse tränkend gesehen haben. Dieser Teich, so tagt H. Jordan in seiner „Topographie der Stadt Rom“ (1. 2 S. 370), „war zur Zeit des Augustus . . . ein Brunnen, d. h. ein steinernes Bassin, in welhem das Wasser an der Nord- spite des Palatin gefaßt war. Sie wird au beim Vestatempel an- gegeben. . .. Es ist mösglih, daß auh die Reste, oder doch die Stelle des lacus (Bassin) unter dem Schutt erhalten sind, auf welchem zur Zeit die Kihe S. Maria Liberatrice steht.“ Was Fordan im Jahre 1885 schrieb, das hat fich jeßt bestätigt: Zwiichen dem Castcrtempel und d-em Vestalinnenhaus, rückwärts gegen den Palatin ift eine Brunneneinfassung von weißem Marmor an ihrem alten Plate stehend gefunden, deren Fuß noh niht ganz freigeleat ift und deren Inneres man soeben auszuräumen beginnt.

Auf quadratischer Basis |cheint der Marmorzylinder zu stehen, unten mit einem reihen Fußprofil, oben mit einfaherem Kopfs profil versehen. Letzteres aber is aus einem besonderen Stück ge- arbcitet und könnte cine spätere Zuthat sein. An dem inneren Rande * dieses Obertheils sieht man vorn, an der Seite, wo der Brunnen, der hinten diht am Gemäuer steht, zugänglich war, die wohl» bekannten Einschnitte der Seile, an welden man die Schöpfeimer hinabließ und wieder heraufzog. Sie sind nicht zahlrei, aber ein weiterer Beweis, daß es ih nicht um tin Bassin, sondern um einen Brunnen handelt. Das sagt auch dic zweimal vorhandene Jn- \chrift: einmal in einer Zeile au} der horizontalen Wiündungéflache cingsum laufend, aber vorn, wiederum vorn, stark vershlissen ; einmal vorn an der senkrehten Wand des Zylinders:

M : BARBATLIVS - POLLIO AED - CVR - JVTVRNAI SACRVIM - PVTEAL - rid

Dieser Barba‘ius Pollio war bisher, wie es \{heint, nicht be» fanni; aber in der 13. Philipyico, wo Cic:ro als Trümmer (nau- fragia) von Câsar's Freuncen Bacbas C2ssios, Barbatios Polltones nennt, da wird man jeßt Barbatius Pollio niht mehr wie für zwei, sondern für eine einzige Person zu halten haben, wie man es mit Cassius Barba schon iuimer gethan hat.

Das Puteal scheint cin wenig hoh für die Schöpfenden gewesen. zu sein; darum hat man den untersten Theil desselben später in riner, jeßt erst theilweise wieder beseitigten, Betonunafse vershwinden Tlafji.y. In seiner ganzen Gestai gleicht es aber gar sehr dem Bassin, wert auf Münzbildern von Denaren eines Postumius die Dioskureu. neben ibren Rofsen \steheud, diese tränkerd dargestellt find, nur daß d Becken des Müazbi" oes oben viel weit.x auslad:t, der Zylinder has

gegen dünuer ‘ist. Diese Münzen fet man um 8 v. Chr. anz