1904 / 261 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Wahnsinn so hat es _do< Methode, was

Damit schließt die allgemeine Besprechung. Ohne weitere

Debatte wird die Vorlage im einzelnen und \{ ießlih im

ganzen mit großer Mehrheit angenommen.

Fis H i s dann die Beratung des Antrages des Abg. i ed:

„Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen, die bestimmte Er- wartung ‘auszusprehen, daß die Staatsregierung, behufs Ver - meidung jedweder Anregung zum Lotteriespiel unter den Sparern, ee Veranstaltung einer mit EParTan e oder der Einsammlung von Spargeldern verbundenen Prämien - verlosung verhindern wird.“

Auf Antrag des Abg. Freiherrn von Zedliß und Neu- L el wird ne bl Diskussion über den Antrag es Abg. Fritsch verbunden:

(I R Et zu ersuchen, unter Ausschluß jedes den Charakter des Lotteriespiels 1iragenden Prämien- \ystems die SPat att gten der Bevölkerung durch L ftimpanaen behufs rleihterung, der Einzahlung der Sparbeträge, insbesondere in der Richtung der Ein- führung des Abholungsbetriebes, möglichst weiter zu fördern, dabei auh auf eine Verständigung wit der L

ostverwaltung Bedacht zu nehmen, um den Sparkassen die Cin-

at der Sparbeträge an den Orten ohne Siß einer Spar-

annahme|telle dur die Organe der Post mittels eines vereinfachten Verfahrens zu ermöglichen." E bát ur Begründung seines Antrages erhält

un Fishbe> (fe olksp.) unter großer Unruhe des Hauses

das Wort: Unser Antrag, der ih \auf das Scherlshe Sparsystem

bezieht, ist der erste, der in der gegenwärtigen Tagung über-

haupt eingebra<t worden ist. Infolge einer merkwürdi en Geschäftslage Nat er erst jeyt zur Verhandlung. Diese Er- scheinung solite uns do< die Erwägung nahe legen, in der

Behandlung solcher Anträge anders zu verfahren als bisher. Geschieht das N54 so kommen solhe Anträge erst dann zur Beratung, wenn die betreffenden Gegenstände gar nit mehr akut sind. Am Anfang der 90er Jahre erschien die erste. Schrift des Herrn Scherl oder die erste mit dem Namen Scherl gezeichnete S<hrist über das Spa: system. Es wurde vorgeschlagen, die S in großem Umfange dadur zu beleben, daß man mit ihr eine Lotterie ver- band. Herr Scherl wandte si<h_ damals ae an die zuständigen Behörden, er kam aber bei dem Ministerium Culenburg {{<le<t an; Graf Eulenburg wies ihn kurz ab mit der Bemerkung, daß, solange die Sache mit dem Lotteriesystem in Verbindung gebrat würde, davon keine Rede sein könne. err Scherl war sehr wütend darüber und gab eine neue Schrift heraus: „Das Ministerium und das Scherlshe Sparsystem.* Danach hätte man erwarten sollen, daß Herr Scherl von seinem System wieder ab- gekommen wäre und si< mehr seinen eigenen Unternehmungen zu- wenden würde. Aber weit gefehlt, er ging. im geheimen weiter. Wie er “in einer Schrift ausführt, leitete ihn dabei das Bestreben, die wirtschaftli< * wächeren zu sördern, ohne si< dem Verdacht des B E zu wollen. Er scheint bei der Regierung Glauben gefunden zu aben, raf er bei feinem Projekt die Betätigung edler Ziele und Zwe>ke mit Hilfe seines Sparsystems erreichen werde. Er hat nun von dem |{le<t beratenen Grafen Eulenburg an den jeßigen Minister des Innern und den der Finanzen appelliert. Es hieß, daß er Konzessionen für sein Unter- nehmen erhalten und au< die Zustimmung des Vorstands der deutshen Sparkassenverbände tit habe. Worin besteht denn eigentli das Scherlshe Prämiensparsystem? Herr Scherl sagt, daß heute nit genug gespart werde, liege daran, daß es den Leuten unbe- quem gema<ht werde; fie würden nicht eno, angereizt. Da- für soll Abhilfe ge[<afen werden mit Hilfe einer sogenannten Sparvermittelungsanstalt. Diese übernimmt es, von den Sparern die Einlagen einzusammeln und über diese dur<h Sparmärken zu Pa tifren: Die Sparbeiträge sollen abgeholt werden, und jeder Sparer muß dafür, ganz glei, ob er 0 F oder 4 A spart, eine jährlihe Gebühr von 3,20 & zahlen. Was lag nun näher, als a err Scherl sagte: Dafür müssen die Leute eine Zeitung haben. Die Zeitun sollte zunächst die Sparinteressen vertreten und eine unpolttische Tet: Die Vermittelungsanstalt sollte das angesammelte Geld an die Sparkassen _ abführen, die si< ihr anschließen würden, und ein Prämtenfoads gebildet werden. Herr Scherl

wollte no< ein Uebriges tun, und das ist das punctum galiens: Gr wollte eine Verlosung mit der Sade verbinden und #0 die Leute durh die Ausficht auf einen mühelosen

Gewinn zur Spartätigkeit anregen. Es waren im ganzen 300 000 Lose in 10 Serien jährlich in Aussicht genommen ; jedes 24. Los sollte ewinnen. Der Hauptgewinn sollte 100 000 4 betragen, dann sollten ewinne von 50000, 30 000, 20 000 usw. folgen. (Der Redner, dessen Ausführungen bei der Unruhe des Hauses nit durhweg ver- ständlih werden, führt dies im einzelnen aus.) Welche wirtschaftlichen Wirkungen würde das Sgerlshe System haben? Der Saper- ständige Direktor Brink hat in einem Vortrage auf dem Verbandstag der Crwerbs« und Wirtschaftsgenossenschaften eine Rehnung auf- arer besteht dana in nihts anderem als în' den Gebühren der Abholung und dem Verluft der Zinsen. Der Ciusaß beträgt bei einer Verlosung von 4 Serien 17 Millionen, und diésem steht gegenüber ein Gewinn von 2 Millionen. Das ist der wirtsaftlihe Effert. Eines ist besonders merkwürdig, daß is je ärmer der Sparer ist und je weniger er daher jährli sparen kann, um so größer der Einsaß ist, den er zu zahlen hat. Herr Sherl fagt ganz richtig, ob der Betreffende 50 einzahlt oder 4 M, die Kosten dafür sind glei, und infolge dessen . ub npeienlge, der 50 6 spart, ebenso 3,20 # pro Jahr für Unkosten zahlen, wie derjenige, der 208 6 spart. Man kann au anders re<nen: Wenn auf jedes 24. Los ein Gewinn kommt, fo_ muß jemand 24 ahre lang sparen, um einmal zu ge- winnen. b diesen 24 Jahren zahlt er 24 mal 3,20 4 gleich 76,80 4 Abholungsgebühren. Dem steht ein Gewinn von 9 gegenüber. e Grfolg it nicht etwa, daß der Mann zum Sparen O f gern d wird sein Spieltrieb E Veo : r_ imm ¿ agen, sondern e

wird < ließlich Mie 4 höhere Einsäße wagen,

st lieb u einer Lotterie, die größere Chancen bietet, ant E 4 __f<licßli< Un Spieler. Jn einer Beziehun muß ih Herrn Scherl in Schuß L E D il ja die Broschüre von Cornelius Loewe,

sprikt, und i oloube, mit ssertum an bem Plan Heren Ses ehr ; U x a Sherl vorgelegte Taue t ist cin Gan nber als das ursprüngliche. Nach dem jepge e Sal des Herrn Sterl werden immer nur die Sparbeträge je b As zur Lotterie verwandt, nah dem Ab- laufe des Jahre Sei S 4 die Sparkasse gelegt und verzinst. * Nach dem ewe f ien dagegen werden die Beträge in den olgenden Jahren A ile pager zur Lotterie verwandt und mit jedem Es re mehr Serxienanteile' dafür gegeben. Der Sparer bekommt also die Zinsen nie, sondern Ma fo mehr Serienanteile, je mehr er ae, Nah dem Scherlschen System werden zwar au< keine Zinsen ¡ezahlt, aber die Sparbeiträge werden wenigstens den Sparern erhalten. Ih muß ofen len: e E ale er e

bin Anhänger der Sozialpolitik, gber E oberste Grundsaß

ialpolitik ist die eigene Tätigkeit: Hilf Dir selbst! Dafür E s in ‘besseres Mittel, als. daß der Mensch spart, daß er nicht es is ‘aufs [leßte ausgibt, sondern etwas für kommende Tage erlbtigE D ia boo G E De bert, ars

ist, ‘aber “D C j a man t n sittlichen Standpunkt áus unter Sparen versteht. Die

““ Sptelleidenshaft wird ‘angereizt, fodaß die Sparer den Sinn für ihre

f ie verlieren und immer “nur den großen Gewinn 00000 den sie bekommen könnten, bor Augen B Die Lotieriekollelteure arbeiten ja gerade mit den großen Gewinnzahlen

auf den Plakaten. Weni Perr Scherl diese Anfahung "des Spielteufels

1896 in den Comptes Rendus einen

visdo (heute vite) besteht, in wel leßterêm er die genaue Wiedergabe

„und Lehrgedichte.

Sozialpolitik nennt, so bewahre mi< Gott vor solher Sozialpolitik.

rofessor Mayet hat ih der Aufgabe unterzogen, zu Gunsten der Scherl- <en Sparsamkeit eine Broschüre zu schreiben. Es ist interessant, wie er darin bere<net, daß im s für die Krankenversicherung 180 Millionen, für die Invalidenversiherung 160 Millionen, für die

Unfallversicherung 120 Millionen, für Lotterie aber 250 Millionen jährli< ausgegeben werden. Deshalb, sagt man, wüsse man den Spieltrieb regulieren und in re<hte Bahnen lenken.

Aber hier handelt ‘es sih darum, erst den Spteltrieb in weiteren Kreisen zu we>en. Die Sache ist dur die frühere Erklärung des Ministers no< keineswegs tot; es können no< andere Vorschläge kommen. Auf die Person des Herrn Scherl kommt es uns gar nit an, mag er den Löwenanteil davon haben, oder mag ihn Loewe haben. Die Sache selbst veranlaßt uns, im Parlament Stellung zu nehmen und ein Votum herbeizuführen, das es unmöglih macht, daß fich in Negierungékreisen eine Geneigtheit für solche Projekte wieder zcigt. Die Regierung ist zwar von ihrem Vorhaben ab- gekommen, aber der Minister von Hammerstein hat im Januar niht etwa erklärt, daß die Regierung zurü>getreten sei, weil sie

< dabon überzeugt habe, daß dieses System nih<t auf ettichen und wirtschafilihen Grundlagen beruhe, sondern er sagte nur: „Jedenfalls ist zur Zeit dur<h den frei-

willigen Rü>tritt von Scherl die ganze Sache aufgehoben.“ Jh kann nur bedauern, daß die preußishe Regierung nicht denselben Weg gegangen ist, wie die süddeutschen, insbesondere die badische. Drrèn Vertreter hat auf dem Genossenschaftstag gesagt: „Das Gefährlidc ¿m Sgerlschen System ist der Anreiz zum Glüksspiel. Das ist so gefährlich, daß es von den Staatöregierungen selbst bekämpft werden muß. In Kreisen unserer Ministerien wird niemals die Hand geboten werden zu einem solchen Anreiz der Spielwut.“ Andererseits stimme ih keines- wegs mit denen überein, die sagen: 6_Milliarden in Preußen und 9 Milliarden im Reich liegen in den Sparkassen, wie soll da no< weiter angereizt werden können? Ih meine, man kann nie darin

enug tun, aber nux mit Pes und wirtschaftlichen ründen. Sittliße und vernünftige Vorschläge zur Es des Syparens müssen wir annehmen. I< freue mih<, da

der Antrag Fritsch in seinem Eingang auch die Scherllotterie verwirft. Sgerl hat in {lauer Weise versucht, es so darzustellen, als ob man in städtischen Kreisen fh nur deshalb gegen sein System-wende, weil es den ländlihen Bedürfnissen in hohem Maße entgegenkomme. Die ländlichen Genossenschaften haben si genau fo darüber ausgesprochen wie id). Auf dem Sparkassentage in Posen hat Herr von Bokelberg si in klarer und entschiedener Weise darüber ausgesprochen. elfen Sie uns nun, daß nicht aus dem preußischen Staat eine große Spiel- bank wird, daß es nicht bis in die Hütten der Aermsten hinein lautet : faites votre jeu, messieurs._

Abg. Frit E Das E System sehe ih als erledigt an. Allerdings will es die Spartätigkeit fördern, und das war wohl der Grund, weshalb die Regierung fih zunächst dem System wohlwollend gegenüberstellle. Der Gedanke, die Sparbeiträge abzuholen und dadurch -die Spargelegenheit mögli<hst zu erleichtern, wird au< meinerseits als ri<tig und zutreffend anerkannt, und ih würde mi freuen, wenn dadur eine Vervollkommnung unserer Spareinrihtungen einträte. Von Herrn Sherl is erklärt worden, daß mit dem Fall seines Ene eine Säule des gaazen Pro- ekts fiele. Von der Regierung ist. der Einwand zu erwarten, daß sie < bemüht hat, aus dem Sterl schen System das Gute herauszunehmen. N 1894 hat die Regierung auf die Sparkassen eingewirkt, ein Abbolung®sy{iem einzurichten. Aber es war fehlerhaft, da die ab- gebolten Beträge sofort verzinst werden sollten. Scherl hat nachgewiesen, daß diese Verzinsung unmöglih if. Bei aller Anerkennung unserer S ist es ein Fehler, daß die: Sparstellen niht genügend verbreitet sind. Es gibt in Preußen 1508 Sparkassen mit 176 Filialen, und diese unterhalten 2347 An- nahmestellen, das sind zusammen 4031 Sparstellen. “In den 80 er Jahren is das Postsparkassengeseßy im Reiche nit zustande ge- kommen. bin ein entschiedener Gegner ‘der Postsparkassen, weil die vorhandenen Sparkassen eine \{were Beeinträchtigung erleiden würden. Aber i< babe mi<h stets dafür aus-

esprochen, daß man mit Hilfe det Postanstalten die Sparannahme- tellen vermehrt. Ein verständiges Abholungssystem is von ver- schiedenen Seiten als eimpfeblenswert anerkannt worden, z. B. vom Hessen. nassauishen Sparkassenverband> In e a. M. werden die abgebolten Beträge erst vom nächsten Jahre ab verzinst, und die dadur< ersparten Zinsen de>den die Kosten der Abholung. Das ist eine vorteilbafte Œnrihtung für die Sparkassèn, allerdings bestehen in Frankfurt a. M. besondéère Verhältnisse.

Hierauf nimmt der Minister des Jnnern Freiherr von Hammerstein das Wort.

(Schluß des Blattes.)

Statiftik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Die Ausgesperrten und ausständigen Berliner Gelbmetall- arbeiter (vgl. Nr. 259 d. Bl.) bes<lossen, der „Voss. Ztg.* zufolge, in ciner gestern abgehaltenen Versammlung no<mals, troß des Ent- egenkommens einzelner Arbeitgeber, die alle Forderungen zugestanden baben: an der bisherigen Taftik festzuhalten und nur geschlossen die Arbeit wieder aufzunehmen, nachdem alle Firmen die Forderungen be- willigt haben.

In Solingen sind, wie die „Rh.-Westf. Ztg.* mitteilt, die Messerreider (das sind diejentgen Arbeiter, die die Méfsserteile zusammenstellen, und zwar in der Hausindustrie) in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen “eine generelle Regelung dér Preiéfrage. Der Fabrikantenverein" verhält si< ablehnend.

Kunst und Wissenschaft.

Die physikalis<h-mathematis<he Klasse der König- lihen Akademie der Wissenschaften hielt am 27. Oktober unter dem Vorsiß ihres Sekretars Herrn Auwers eine Sitzung ab, in der Herr Schottky über den Picardshen Saß und die Borelshen Ungleihungen las. E orel hat im Jahre

eweis des Picardschen Satzes gener der sih aber nur auf die transcendenten ganzen Funktionen ezieht. Es wurde nun die Borelshe Methode weiter verfolgt und der Picardsche Saß in seiner allgemeinen Fassung bewiesen.

In der an demselben Tage unter dem Vorsitz thres Sekretars Bp Diels abgehaltenen Sipung der philosophis<-histori\<en Klasse las Herr Tobler über „Etymologi|<es". Er zeigte die Herkunft des altfranzösishen Verbums respaller von dem Lehnwort, das heute espace geshrieben wird. Der Vortragende tat den Zu- sammenhang dar, der zwischen dem altfranzösishen voisdie und dem alten

bon laf. vegetus ertannte, und erflärte nebenbei das Auftreten

d in den altfranzösishen Wörtern boisdie und oildie. ur E

Gegensate zu unlängst im Hinbli> auf span. As coro geäußerten Be-

denken die Ansicht in Schuß, rah der coeur auch in der Redendart ar coeur bas dem lat. cor, nicht das dem lat. chorus ‘entsprehende

Wort ift, Es wurden vorgelegt: 1) Deutsche Texte des Mittelalters, kademie der Wissen-

herausgegeben von der Königlich preußischen

s<aften. Bd. 1V. Kleinere mittelhohdeuts<he Erzählungen, Fabêln | _1) Die Melker Handschrift, herausgegeben von A.

Enn 5 erlin 1904. 2) N. Koser, König Friedri der Große.

3. Aufl. Bd. 1. Stuttgart und Berlin 1904. 3) Diwän des

Die Archäologishe Gesellschaft hiclt am 1. November nah den Sommerferien ihre erste, zahlrei< besu<hte Sihung, der der Direktor Trendelenburg präsidierte. Der Geheime Regierungsrat Diels legte seine in den Abhandlungen der Preuß Akademie ver- öffentlihten „Laterculi Alexandrini“ vor, einen Papyrus, der ein beträchtlihes Bruchstü> eires zu Schulzwe>en verfaßten Zelebritäten- verzeihnisses enthält; es ist daraus u. a. zum ersten Male der Name des Ingenieurs zu ersehen, der für Xerxes die Brü>e über den Sen gebaut hat, Harpalos. Der Proje or Freiherr Hiller von: ärtringenlegte den dritten, abs<ließendenBand seinesWerkes: Thera, Untersuchungen, Vermessungen und Ausgrabungen in den Jahren 1895—1902 vor, der die Siadtgeschichte von Thera, dar- gestellt von ibm selbs und Landmesser Dr. Wilski, enthält Ferner erläuterte er ein inshriftlidcs Kuriosum aus dem Gymnasium von Priöne eine angebliche Epborenliste, in Wirkliékeit eine etwa von einem Sghüler bercühreude Liste bekannter Könige und Helden Spartas, fue Kir<ner teilte den revidierten Text einer athenishen In- Hrist mit, die fi< als ein Verzeichnis der sämtlichen 500 Natsherren des Jahres 335 v. Chr. Herausftellt und dur< die Aufführun aller in der Kanzlei des Rats Beschäftigten einen Cinbli in die verwi>elte Geschäftsführung erlaubt. Zum Schluß legte der Professor Winnefeld die neuesten Veröffentlihungen drr Königlichen Museen vor: Schulz? und Strygowskis Arbeiten über den Palaît von Meschatta in dem Jabrbuh der Königlich A Kunstsammlungen; Wiegand und Schrader, Priëne, Ergebnisse der Ausgrabungen uud Untersuhungen in den Fahren 1895—98, und Kohte und Waßinger, Die Bauwerke und Skulpturen von Magnesia am Mäander. Für die beiden leßteren Werke- konnte der Vor- tragende der Verlagsbuhhandlung Georg Reimer einen von der Versammlung lebhaft aufgenommenen Dank für ihre Bemühung aussprechen, durh einen verhältuismäßig niedrigen Preis die wünschenswerte Verbreitung- und Benußung der Werke zu be- fördern. Cine Reihe von Lichtbildern gab eine Anschauung von der durh die Ausgrabungen- mögli ewordenen NRekonstruktion von Märkten, Tempeln und Priyat änfecn der beiden Städte und be- are cid die gewonnenen Ergebnisse auf dem Gebiete der antifen aufunft.

Verkehrsanstalten.

Seit dem 3. d. M. verkehren in dem von Berlin, Friedrichstraße, nah Oberschlesien um 11 Uhr 30 Minuten Abends abfahrenden und in dem von Oberschlesien um- 5 Uhr 28 Minuten früh in Berlin eintreffenden Schnellzuge direkte S<hlafwagen zwischen Berlin und Kattowiß.

Das Automobil und die Wohnungsfrage.

_ Wegen der großen. Entfernung haben die Arbeiter oft cine Ab- neigung gegen das Wobnen auf dem Lande und bevorzugen, um von ihrer freten Zeit niht zuviel zu verlieren, vielfa<h das Wobneu in der Großftadt in engen Mietshäusern, obwohl ihnen diese Wohnungen keinen Komfort bieten und au< ihre Kinder keinen freten Plah, Garten oder Hof zum Spielen haben, wie er in der Arbeiterkolonie auf dem Lande gewöhnli<h vorhanden ist. Die bekannte S<{ok o- ladenfabrik von Gebrüder Stollwer> in Cöln sucht nun, wie die „Sozialkorr berichtet, ihren Arbeitern die Schaffung eines angenehmen Heims vor den Toren der Stadt mit Hilfe von Auto- mobilen zu erleihtern. Sie hat vor einiger Zeit 2 elektris betriebene Lastwagen, System Krieger, einen für 30 und einen für 80 Zentner Nuylast, angeschafft, die beide mit einem Sommerda<h und Vorhängen versehen sind und nad Abnehmen der Bra>en und dur< Aufsehen von Sitzbänken in 2—5 Minuten in Omunibusse verwandelt werden können. Der kleine Lastwagen, der, abgesehen vom Führersiy, mit 4 Bänken versehen ist, kann 18 Personen eins{ließli< des Führers befördern, während der große Lastwagen, der u dem Führersiß 8 Sihbänke trägt, 34 Personen fassen kann. Da die Führer für die Lastwagen ebenfalls in der Arbeiterkolonie wohnen, bleiben während der Mittagszett die Wagen dort stehen. Ueber Nacht befinden L die Wagen im Fabrik- raum; Morgens um 6{ Uhr fahren die Wagen ia dec Wohnungs- kolonie vor, um die Arbeiter abzuholen. Nachdem ‘die Wagen mit den Arbeitern in der Fabrik eingetroffen sind, werden dite Sitbänke fofort abgenommen, und der Wagen hat nun seinen eigentlihen Be- stimmungen, dem Transport von Sütern von und zur Babn, zu dienen, ebenso des Nachmittags. Dieser Omnibusverklehr zwischen Wohnungs- Folonie und Fabrik, der für die Arbeiter unentgeltli<h stattfinvet, hat noch den großen Vorteil, daß die Arbeiter sehr pl ktlih zur Arbeit kommen, da derjenige, der die Abfahrt versäumt, nah der Fabrik gehen muß. Der erste dieser von der Allgemeinen Betriebsaktiengesell saft für Motorfahrzeuge gelieferten Wagen ist seit 5 Monaten im Betrieb und hat dem Verkehr zwischen Fabrik und Wohnungskolonie wie au< dem Warentransport mit fahrplanmäßiger Pünktlichkeit und Sicher- heit gedient. Die Wohnungen in der Arbeiterkolonie, die früher zum Teil leer standen, find, na<hdem diese bequeme Fahrgelegenheit ge- schaffen ist, sehr gesu<ht und alle besegt.

4 Theater und Musik.

Nationaltheater.

Als zweite Gastrolle hatte Frau Eleonora Du fe geste Magda in Sudermanns Drama „Heimat“, oder a as De wie es italienish heißt, gewählt. Wie sie diefe Aufgabe [öft, if von früher her {on bekannt ; sie stattet die Rolle mit sol< tiefem, [ebenswahrem Empfinden aus, daß sie wie ein Erlebnis, ni<t wie ein ee E anmutet. - Alles wirkt e<t und frei von E gesuchten eußerlihkeit. Den gewaltigen Seelenshmerz des in seinen innersten Gefühlen verleßten und ünterdrü>ten Weibes \<eint die Künstlerin mitzuempfinden, die Tränen an der Leiche des Vaters scheinen ihrer tiefsten innerlichen Erschütterung zu entspringen. Eine Handbewegung, ein Bli, ‘eine Färbung des Tones genügen oft, um einen verborgenen seelishen Vorgang zu offenbaren: das macht ihr Spiel selbst für die der italienischen Sprache nicht Mächtigen völlig verständli<. Weniger läßt #< das von ibren Partnern behaupten. Der Wiedergabe des Barons Keller dur Herrn Salvani fehlte das Elegante, Bestehende, Weltmäunische. Herr Mazzanti (Vater) gestaltete den von ihm dargestellten alten Offizier bisweilen allzu herkömmlih theatralis<, und er Pastor wurde dur< Herrn Rosaspina au nicht besonders glü>lih vertreten; indessen lag das wohl zum Teil an den dem italienishem Nationalcharakter ziemli fernliegeaden Aufgaben. Eine Ausnahme mate Fräulein Francont, die si< mit e E, E dis E E Abend {loß mit dem

i _Duse- elen üblihen Beifallsjubel, Künstlerin immer wieder auf die Bühne A e ETOE

Im niglihen Opernhause geht morgen, Sonnabend, „Tristan und Isolde* von R. Wagner A Tetfutd in Dr. Mu> Es Besetzung in Szene: Tristan: Heir Kraus; Isolde: Frau Plaichinger; - Kurwenal : Herr Bachmann; Brangäne: Frau Goeße; König : Herr Mödlinger. (Anfang 7 Ubr) S Li B A m euen öntalihen erniheater wird mor Shakespeares , Kaufmann I E mit Dr. Pohl als Shylo> aufgeführt. Im übrigen lautet die Beseßung: Antonio : Herr Ludwig; Bassanio: Herr Staegemann; Graziano: Herr Boettcher; Lorenzo : Herr Werra>; Lanzelot: Fräulein r: E alte Gobbo: Herr Vollmer; Porzia: Fräulein Lindner; Nerissa: Fräulein von Mavbur ; Sessika: Frau von Hochenburger; der Doge : Herr Oberländer; Prinz von Marokko: Herr Molenar; Prinz von

Negezdichters Rüba ben El’aggag. Aus d i überseßt von W. Ahlwardt. Ke in 1904. Le

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burtstag eine Aufführun | Teil, umfassend „,

f rnd. 5 On Let iertbéates bereitet zur Feier von ‘Schillers Ge- der Wallevstein-Trilogie vor. Der erfte allensteins Lager“ und „Die Piccolomini, wird am Dane den 10. November, im Sgillertheater O (Wallner- theater) in vollständig neuer Ausstattung in Szene gehen.