1904 / 262 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Fähnriche c. Ernennungen, Beförderungen und E E aktiven Heere. Neues Palais 27. Oktober. ‘v. Puttkamer, Rittm. a. D., zuleßt Eskadr. Chef im Hus. Regt. Fürst Blücher von Wahlstatt (omas Nr. 5, eine etatmäß. Hauptmannsstelle im Invalidenhause in Carlshafen verliehen. Redlich, L. im 5. Westpreuß. Inf. Regt. Nr. 148, in das Inf. Regt. Markgraf Karl (7. Brandenburg.) Nr. 60 versegt.

Neues Palais, 1. November. Seeger, Hauptm. und Komp. Chef im Bad. „Fuhace, Regt. Nr. 14, bis auf weiteres behufs Ver- tretung eines erkrankten Lehrers zur Kriegsschule in Hersfeld, Kühl s, Lt. im kombinierten Jägerdetahement zu Pferde, vom 1. Dezember d. J. ab auf ein Jahr zur Botschaft in Konstantinopel, kommandiert.

Aus dem Heere scheiden am 1. November d. J. aus und werden mit dem 2. Novembex d. J. im 4. Bat. 2. O. der Shuy- truppe für Südwestafrika g Sani v. Kamp, Major und Bats. Kommandeur im Inf. Regt. Bremen (1. Hanseat.) Nr. 75, Sallw ürk v. Wenzelstein, Oberlt. im Magdeburg. Jägerbat. Nr. 4.

Aus dem Heere scheiden am 3. November d. J. aus und werden mit dem 4. November d. J. im 4. Bat. 2. Feldregts. der Schußtruppe für Südwestafrika angestellt: die ptleute und Komp. Chefs: v. Zwehl im 3. Thüring. Inf. Regt. Nr. 71, v. Er>kert im Braunschweig. Inf. Regt. Nr. 92, Anders im Gren. Regt. Kron-

ns (1. Oftpreuß.) Nr. 1; die Öberlts.: v. Bülow im 2. Groß-

erzogl. Me>lenburg. Drag. Regts. Nr. 18, Ostermeyer im 2. Hannob. Inf. Regt. Nr. 77, Hunger im 9. Westpreuß. Inf. Regt. Nr. 176; die Lts.: Eyel im Westfäl. Drag. Regt. Nr. 7, v. Hanneken im 1. Großherzoglich }. Inf. (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, ürbringer im Lauenburg. Jägerbataillon Nr. 9, v. Knobelsdorff ( aul) im Inf. Regt. von der Gol S Pomm.) Nr. 54, Pavel im Gren. Regt. König Friedri

ilhelm 1V. (1. Pomm.) Nr. 2, von Os (Hans) im Füs. Regt. von Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80, a E einri) im Inf. Negt. Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westf A AUL 1D; v. Detten (Günther) im 10. Rhein. Inf. Regt. Nr. 161, von Eberstein im Leibgren. Regt. König Friedriß Wilhelm 11. T Brandenburg.) Nr. 8, Dr. Krebs, Stabs- und Bats. Arzt des

. Bats. Inf. Regts. Freiherr Hiller von Gaertringen (4. Posen.) Nr. 59, als Bats. Arzt, Dr. Clemm, Assist. Arzt beim 1. West- preuß. Feldart. Regt. Nr. 35. :

Ferner werden im 4. Bat. 2. Feldregts. der Schubtruppe für Tae angestellt: die E bayer. Lts.: Peter im 8. Inf. Regt. Großherzog Fre von Baden, Fishah im 9. Inf. Regt.

rede, na erfolgtem Ausscheiden aus dem Königl. bayer. Heere als Lts., ersterer mit Patent vom 10. März 1899, letzterer mit

vom 19. September 1900, Frhr. v. Gaisberg-Hel fen - Königl. württemberg. Oberlt. im Drag. Regt. König rttemberg.) Nr. 26, nah erfolgtem Ausscheiden aus dem X1UI. (Königl. Württemberg.) Armeekorps, als Oberlt. mit Patent vom 6. Juni 1901.

Abschiedsbewilligungen. Jm aktiven Heere. Neues Ptait, 1. November. Frhr. Grote, Oberstlt. und Flügeladjutant

ner Tien Hoheit. des Srolderzogs von Med>lenburg-Strelißtz, nah E tem Ausscheiden aus diesem Verhältnis in Genehmigung feines fhieds esuches mit der gesezlihen Pension und der Erlaubnis ay Tragen seiner bisherigen Uniform zur p. gestellt. Voi gt,

im Gardetrainbat., unter Wiederverleihung feines früheren Offizier- Patents vom 20. Juli 1898 K2Kk, auf sein Gesu zu den Landw.

ieren und zwar zu denen des Gardelandw. Trains 1. Aufgebots

übergeführt. Beamte der Militärverwaltung.

Durch Allerh ô<hstes Patent. 21. Oktober. Eismann, Geheimer erpediorender Sekretär und Kalkulator im Kriegsministerium, der Charakter als Re<hnungsrat verliehen.

Durch Allerhöchsten Abschied. 21. Oktober. Opper- mann, Oberzahlmstr. vom Drag. Negt. König Albert von Sachsen Belt reuß.) Nr. 10, ‘bei feinem Ausscheiden aus dem Dienst mit

fon ‘der Charakter als Rechnungsrat verliehen.

Durch Verfügung des Kriegsministeriums. 3. Ok- tober. S<hult, Proviantamtsafpir., als Proviantamtsafsist. in

Glogau angestellt. Grüdelba<, Proviantamtsassist. in Saarlouis,

tent per

95. Oktober. nah Hannover versetzt. 6. Oktober. Wicht, Hiller, Szemkus, Wagner, Kienow, Proviantamtsaspiranten, als Proviantamtsassistenten in San bezw. Jüterbog, Neisse, Frankfurt a. M. und Trier angestellt. 8. Oktober. Daehn, Proviantamtsaspir., als Proviantamts- assist. in Brandenburg a. H. angestellt. 10. Oktober. + Dräger, Garn. Bauschreiber auf Probe in Paderborn, endgültig angestellt.

12. Oktober. Dettmann, Proviantamtsaspir., als Proviant-

amtsasfist. in Saarlouis angestellt.

15. Oktober. Reinhold, Proviantamtsassist., zulegt beim roviantamt der Ostasiat. Besatzungsbrig., beim Proviantamt Branden- A, GRgrritt, Woyth, Kolbow, Proviantamtskontrolleure ‘auf

Probe in Parhim bezw. Saargemünd, zu Proviantamtskontrolleuren ernannt. Theel, Proviantamtsaspir., als Proviantamtsassist. in Mörchingen angestellt. Naumann, Bekleidungsamtsassist. des früheren Belkleidungsdepots. der Ostasiat. Besatzungsbrig., dem ekleidungsamt LX. Armeekorps überwiesen.

17. Oktober. Siegel, Intend. Registrator von der Intend. des Gardekorps, zum Geheimen Registrator im Kriegsministerium

Hoffmann,

ernannt. Provi oviantamtsaspir., als viant- G in Spandau angestellt. pi Ee

18. Okt ober. . Oktober. Knoth, Geheimer Kanzleisekretär im Kriegs- ministerium, der Charakter als Geheimer Kanzleiinsp. verlieben. enning, Botenmeister im Krie s8ministerium, zum Geheimen anzleisekretär, Gläfer, Bureaudiätar bei der Intend. der 34. Div., um Militärintend. Sekretär, . ernannt. Weiser, Dah ms, roviantamt8aspiranten, als Proviantamtsassistenten in Darmstadt A Ote eeeterk, Héeiveleit Î ober. ergfeld, eterinär vom 2. Lothring. Feldart. Regt. Nr. 34, unter Uebernahme in die Rb verwalt., zum Remontedepot debek verseßt. Marks, Proviant- GORLIRS als Proviantamtsassist. in Berlin angestellt.

L, tober. Fischer, Oberlt. der Res., bisher Oberlt. im D i Jus Regt. Nr. 71, unter Biene s der Korps. intend. de ¿

Armeekorps, zum etatmäß. Sni Tyegor ernannt. Schmidt, Proviantmeister in Schleswig, nah rier, Klauer, Ke>er, Goehy, Proviantamtdrendanten in Konstanz bezw. Kosel und Verden, als Proviantmeister auf Probe na4 Wesel bezw. Schleswig und Graudenz, verseht. Damms, Proviantamtsrendant in Meh, nah Verden, Klingbeil, Mohr, Proviantamtskontrolleure in Breslau bezw. Oldenburg, als Proviantamtsrendanten nah Konstanz bezw. Kofel, MeHer, La\< Proviantamtskontrolleure in Mörchingen bezw. Wandsbek, na

Breslau bezw. Meß, Höpfner, Shlarbaum, July, Proviant- amtsasfistenten in Met bezw. Mey und Münster, als Proviantamts-

tontrolleure auf Probe nah Wandsbek bezw. Mörchingen und Olden-“

R _, Moebes, Proviantamtskontrolleur in Meß, zum P dtedoni® Schönermark, Reinhardt, E meister auf Probe in Jüterbog bezw. e R tamts rendant und Vorstand der Armeekonservenfadrt if, Ë

_— t. De>art, Proviantamtsa of E “persegt. Kuehn, Zahlmstr. Aspir.,, zum str. beim VI. 3

% rméekorps ernannt. E 25. Oktober. S iloéfer, Intend. Rat, Vorstand der der 33. Div., zu der Korpsintend. des XVI. Armeekorps, «Intend Ass or von der Korpsintend. des X VIIL. Armee- zu der Intend. der 33. Div., zum 1. Dezember

qut e, oven ae r TUIETD e Auiral, Sekretär von der end. de . Armeekorps, zum Geheimen dierend und Kalkulätor im Kriegsministerium ernannt. E

Ostafiatische Besatßzungsbrigade. Allerhöchste Kabinettsordre vom 21. Oktober 1904. Peters, bisher Intend. Rat bei der Intend. des VII1. Armeekorps, mit der Vorstandsstelle bei der Intend. beliehen.

X17. (Königlich Württembergisches) Armeekorps.

Offiziere, Fähnriche x. Ernennungen, Beförderungen und Versegungen. Im aktiven Heere. N tober. b. Marchtaler, Gen. Major, Gen. à la suits Seiner Majestät des Königs und Kommandant von Stuttgart,“ unter Belassung in diefer Stellung und in dem Verhältnis als Gen. à la suits Seiner Majestät des Königs zum Gen. Lt. befördert.

24. Oktober. Febr, v. Gaisberg-Helfenberg, Oberlt. im Drag. Regt. König Nr. 26, scheidet mit dem 3. November d. J. be- hufs Uebertritts zu der Shußtruppe für Südwestafrika aus.

Im Sanitätskorps. 28. Oktober. Befördert: zu Assist. Aerzten die Unterärzte: Dr. Haeseler im 8. Juf. Regt. Nr. 126 Großherzog Friedri< von Baden, Brekle im Inf. 45 Kaifer aR König von Preußen Nr. 125, Dr. Dreifuß der Ref. vom andw. Bezirk Stuttgart, Dr. Rapp der Res. vom Landw. Bezirk

Biberach. Beamte der Militärverwaltung. 25. Oktober. Graser, Zeuglt. a. D., zum Sekretär beim Kriegszahlamt ernannt.

s

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten. 97. Sißung vom 4. November 1904, Vormittags 11 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Ueber den ersten Teil der Verhandlungen if in der gestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden. B be:

Zur Beratung steht der Antrag des Abg.

„Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen, die bestimmte Er- wartung auszusprechen, daß die Staatsregierung, behufs Ver - meidung jedweder Anregung zum Lotteriespiel unter den Sparern, jede Veranstaltung einer mit Sparkassen oder der Einfammlung von Spargeldern verbundenen Prämien - verlosung verhindern wird.“

Auf Antrag des Abg. Freiherrn von Zedliß und Neu- kir < Gireitonj) wird hiermit die Diskussion über den Antrag des Abg. Frits< verbunden :

„die Staatsregierung zu ersuchen, unter Aus\<hluß jedes den Charakter des Lotteriespiels tragenden Prämien- ystems die Spartätigkeit der Bevölkerung dur<h Be- timmungen behufs Erleichterung der ruablung der Sparbeträge, nöbesondere in der Richtung der Einführung des Abholungs- betriebes, möglichst weiter zu fördern, dabei auh 2 eine Ss mit der Reichspostverwaltung Bedacht zu nehmen, um den Sparkassen die Einsammlung der Sparbeträge an den Orten ohne Sih einer Sparannahmestelle Aus die Organe der Post

mittels eines vereinfahten Verfahrens zu ermöglichen.“

Nach der Begründung der beiden Anträge durch die

grogg. Fishbe> (fr. Volksp.) und Fritsh (nl.) nimmt das ort der Minister des Jnnern Freiherr von Hammerstein: Meine Herren! Die Königliche Staatsregierung geht von dem

Standpunkt aus, daß diese Angelegenheit in der Tat der allerforg- fältigsten Erwägung nach allen Seiten hin bedarf, und sie hat sih au<

“in der bisherigen Behandlung der Angelegenheit hiervon leiten lassen.

Den historischen Entwi>kelungsgang des sogenannten Scherlschen Sparsystems hat der erste Herr Redner {hon kurz \kizziert. J< will niht wieder darauf zurü>kommen und nur zur Vervollständigung angeben, daß der erste Antrag, welher im Jahre 1891 an die König- liche Staatsregierung gelangte und das damals auf den Namen, auf die Perfon des Herrn Scherl gestühte System einzuführen bestrebte, dur eine besondere Gingabe des Vorstands des deutschen Sparkassenverhandes unterstüßt war. Dieser Antrag is damals von der Staatsregierung abgelehnt worden, weil sie glaubte, daß die Bedenken, die ihm ent- gegenständen, do< \{<werwiegender wären als die davon zu er- wartenden Vorteile.

Es hat dann einige Jahre darauf der Herr Scherl die Angelegen- heit wieder aufgencmtnen, zunächst in vertraulichen Besprehungen mit maßgebenden Persönlichkeiten weiter verfolgt und endlih im Anfange des Jahres 1902 wiederum den formellen Antrag an die Staats- regierung gestellt, das nah ihm benannte System des Sparens ein- zuführen. Es lag nun der Staatsregierung ob, zunächst und vor allem vorweg zu erwägen, ob überhaupt unsere Verhältnisse im preußischen Staate noch eine weitere Vervolllommnung unseres Sparkassenwesens erheishten oder wünschenswert machten.

Diese Erwägung hat zunächst stattgefunden, und nun ist es ja eine bekannte Tatsache, daß wir in Preußen mit dem Betrage unserer Sparkassengelder an der Spitze aller Nationen marschieren. Jh habe hier eine Zusammenstellung der legtveröffentlihten Abshlüsse über das Jahr 1901. Wenn wir die Gesamtbeträge der Sparkassengelder ver- gleichen, so fängt Preußen mit 6236 Millionen Mark an; es folgen dann England, Frankrei, Oesterreih, Rußland, Italien usw. Auch wenn wir die Höhe der Einlagen auf den Kopf der Bevölkerung be- renen, fo steht Preußen, wenn au niht mehr an erster, so do< an ¿weiter Stelle; Dänemark geht voran mit 319, dann kommt Preußen mit 177, Norwegen mit 161, Oesterreich mit 131, England mit 94 auf den Kopf der Bevölkerung. Meine Herren, das sind für Preußen sehr erfreuliche, statistis< vollständig nahgewiesene Ergebnisse; aber dech glaube ih, daß sie allcin nicht geeignet sind, ein richtiges Bild der Salhlage zu geben. Wenn wir die Anzahl der Sparkassenbücher betraten, so is Preußen \{<on von der ersten und zweiten Stelle auf die sc<sste Stelle zurü>gedrängt; es gehen fünf Staaten Preußen voran, welhe auf je 100 Einwohner mehr Sparkafsenbücher haben als Preußen. Jch will bemerken, daß Preußen auf 100 Einwohner 25 Sparkassenbücher besißt, während ¿- B. Däremark 48, Schweden 35, Frankrei 28, Belgien 27 be- fißen usw. Aber auch dies, meine Herren, gibt no< nit vollständig den richtigen Stand wieder, und ih glaube, daß unser Stolz auf die 6000 Millionen Mark Sparkassenguthaben doh etwas ges<hmälert wird, wenn wir die Verfafsungen der einzelnen Sparkassen in den verschtedenen Ländern betraten. Jn Frankrei ¿- B. scheidet aus der Sparkasse jeder Sparbetrag über 1000 Fr. aus; sowie cin Sparkassenguthaben 1000 Fr. er- reiht, wird für den betreffenden Sparer ein Rententitel gekauft und dieses Kapital geht also aus der Sparkasse heraus. Wenn t nun aus den statistishen Nahweisen, die mir zu Ge

r Verfügung stehen,

und die leider in dieser Richtung gerade nicht vollständig sind, red mehr ermitteln wollen, wie viele kleine Sparbeträge bei uns in Preu

in den Sparkassen angelegt sind, so ergibt sih aus dem, was L Blen>, der Präsident des Statistishen Amts, im Jahre 1902

öffentlicht hat, daß von rund 8 Millionen Konten, die damals en E preußishen Sparkassen eingetragen waren, nur 2 300 000 Kon “F den Beträgen bis zu 60 X, 1 300 000 A in den Beträgen von N

150 4, und 1100000 A in den Beträgen von 150 bis 300 ware

daß also von den über 8 Millionen betragenden Konten nur 4 Millionen, -

etwas mehr als die Hälfte, in Beträgen angelegt waren, welche gerade die Spartätigkeit des kleinen Mannes darstellen.

Ich glaube, wir sind uns wohl alle darüber eini, daß nihts mehr geeignet is, den kleinen Mann auf eine soziale Stufe zu heben, als daß er es in seiner d ermögliht, einen Spargroshen zur Seite zu legen; dan wird er glü>li< und zufrieden sein, dann wird er au<h in sers h Arbeit tüchtig [sein IJ< glaube, daß alle Bestrebungen, die dah

führen, das Sparguthaben der kleinen Leute wesentlih zu erhöhen f L af

ih will es anders ausdrüden, den Sparsinn in der Bevölkerung we>en und zu fördern —, von der Königlichen Staatsregierung das sorgfältigste und eifrigste unterstüßt werden müssen.

Es bot si nun die weitere Frage: ob dieser Antrag des Hertn Scerl, wie er damals vorlag, geeignet war, in diesem Sinne a den Sparsinn der Bevölkerung förderli< zu wirken. Da mußte nächst festgestellt werden, welches denn die Grundzüge dieses Systems überhaupt sind. Diese Grundzüge sche i< einmal in der w lihen Abholung der Sparbeträge, unter Quittierung dur Einkleben einer Sparmarke, und ih bemerke ausdrü>li< dem ersten Redner gegenüber, der gewiß genau über die Sache orientiert ift, aus defsen Worten man vielleicht etwas anderes hat hören können, er gesagt hat —: Sparmarken einer Sparkasse nicht besondett

parmarken von einer fernstehenden dritten Anstalt, sondern Spar“ marken einer bestehenden Sparkasse; dann darin, daß das Geld für diese Sparmarken in dem ersten Jahre für den Sparer nicht zinslih an“ gelegt wird, sondern daß die Zinsen in einen besonderen Fonds ge geben werden sollen, aus dem dann die sämtlihen Sparer im Wege einer Lotterie Prämien erhalten, daß endli<h am Schlusse des Jahres über den gesparten Betrag selbst ein vollständiges Sparkassenbuch del betreffenden Sparern ausgehändigt wird, und nunmehr dieses Sp Üssenbu<h ganz in die Kategorie der anderen Sparkassenbücher l tritt, daß also die Einlage behandelt wird, wie jede andere.

Es war dann eine Gebühr vorgesehen, die 25 Pfennige monatli, also 3 Mark jährlich, beträgt; diese Gebühr war dafür bestimmt, Kosten dafür zu deken, daß die einzelnen Sparbeträge abgeholt würden Endlich sollte dafür eine nichtpolitishe Zeitschrift geliefert wers aus deren Uebershüssen der sehr hohe Betriebsfonds verzinst U amortisiert werden sollte. Der Antrag ging darauf hinaus, dielt Konzession dem Herrn Scerl zu übertragen. ;

Meine Herren, die Königliche Staatsregierung mußte sehr cin gehend erwägen, ob dieser Antrag bedenkenfrei sei, oder ob, w ihm Bedenken entgegenständen , diese Bedenken durch besond - Vorteile aufgewogen würden. Nun unterliegt es kein Zweifel, daß ein sehr wesentli<hes Bedenken darin lag, dur eine s\taatlihe Konzession eine derartig weittragende Einrichtun die als gemeinnüßiges Unternehmen für die ganze Monarchie bestiy war, auf eine einzige Person zu stellen, einer Privatperson zu? tragen, die dann gewissermaßen eine Herrschaft auf einen Zweig det / Wohlfahrtêpflege bekommen würde. Weitere Bedenken gingen dahin daß eine mißbräu<lidze Verwendung der Abholungsbeamten zu andels Zwe>en stattfinden könnte, sei es zu Zwe>ken des mit der Konzel| Bedachten, fei es desjenigen, in dessen Verlage die Zeitung erschie f sei es im Interesse unberifener Dtitter, vielleicht sogar staatsfeindliG" Parteien. Dann mußte erwogen werden, ob in der Tat niht der SP trieb dur< diese Art Einrichtung in erheblihem Maße geförder werde. Der erste Herr Antragsteller hat die Sache etwas s{<wats À {warz gemalt, wenn er meinte, daß dann, wenn dies Prämiensy[l{! eingeführt würde, der Spielteufel in ganz Deutschland faht und aus unjerm deutshen Vaterlande eine Spielbank gemaht werde. Meine Herren, ih glaube wirkl ganz so s{limm steht die Sache nicht. (Sehr richtig! Alles, was der Herr Vorredner sagte, war sittli<h und wirts<a sehr {ön und wäre zutreffend, wenn wir Menschen, die wir hier Erden leben, nun alle wirkli< Engel wären, wenn wir alle Fehler immer nur nah ethishen Prinzipien handelten. Aber tats lich tun wir das nit, und wir alle, die wir hier sind, und Minister als Erster, bedürfen zu Vielem eines gewissen Impelle, © gewissen Anreizes, der uns Hoffnungen und Aussichten bietet. j) denselben Grundsäßen, die der erste Herr Vorredner hier vorgetr® hat, müßten wir au< jede Staatslotterie verwerfen ;- (Jawohl! den Freisinnigen); nach denselben Grundsäßen müßten wir & Wohltätigkeitslotterle untersagen, überhaupt jede fleinste * Auch dieses Wetten und Wagen, das an der Börse so sehr beliebt müßte dann ganz in dem privaten Leben vers<winden. .

Meine Herren, ih glaube, daß die Sa etwas anders T Damit komme ih auf die Vorteile, die Ae cia System bieteb gerade dieser Impuls, die Hoffnung auf einen kleinen Vert und selbst darauf, etwas mehr zu verdienen als der daß die Möglichkeit, daß einmal das Glacrad günstig fäl Fj Spartrieb ganz außerordentli fördern würde. Es ist ja richti |

dieser Spartrieb nit gefördert werden dürfte, wenn es gerader

caftlih s{ädli< wäre. Di | Bere esteht f nicht, und ih s tser wirtschaftliche S0 nderseit®

dal: an ung, die a W unsere öffentlichen Chart d eefärhtet werden a ; nicht eintritt, sondern daß das ganze System, da es nur api

gründet ist, diesen bestehenden Sparkassen weitere E inmal eben diefe Sparkassen fördert. Ih will dabei gar i h p wähnen, daß heute {on ein Teil der Sparkassen do G tet t n E an Dienstboten und ärmere fa cuthaben i

erenden Umstä 5 lassen, Meine ea D e fin

a rie elt Geldérn, die bei den Sparkassen cingdles on tten be e / zahlt, nit von dem, der die A, parin p

Finanzielle Vorteile der Sparkassen sind

ß der Prozentsaß, zu dem im ersten Jahre die Vertnlv soll, also der Betrag, den die einzelne Sparkasse ¿ fonds abliefern soll, etwas geringer is als die E

Zinsen der Sparkasse.

I,

Jahre das Sparka

Herren, auch diese Prämien werden find,

ib tas

gamille

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