1904 / 274 p. 15 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

London, 19. November. (W. T. B.) 96 % Javazu>ker [oks stetig, 14 sh. 6 d. derl Rübenrohzu>ker loko flau, 13 \h, 11 d. Wert.

Liverpool, 19. November. (W. T. B.) Baumwollen- Wochenbericht. (Die Ziffern in Klammern beziehen js auf die Vor- woche.) Wochenumsatz 50 000 (49 000), do. von amerikanis. Baumw. 42 000 (40 000), do. für Spekulation 400 (400), do. für Grport 1800 (1200), o. für wirkl. Konsum 48 000 (48 000), do. unmittelb. ex Schiff

02 000 (67 000), wirklidjer Export 7000 (9000), Import der Wohe

194000 (73 000), davon amerikanische 172 000 (60000), Vorrat 452000 O davon amerikanishe 405 000 (323 000) und ägyptische 000 (14 A O O 417 000 (449 000), davon amerikanische 370 000 :

Paris, I November. (W. T. B.) (Schluß.) Rohzu>er rubig. 88 9%/% neue Kondition 37—374. Weißer Zu>er matt, Nr. 9 La 100 kg November 40?/s, Dezember 403, nuar-April 412,

ärz-Junt 42. Meran 19. November. (W. T. B.) Java - Kaffee good e 314. e A Une ntwerpen, 19. November. s L A Raffiniertes Type weiß loko 194 bez. Br., do. November 194 Br., N Dee t B Hn Januar - April 20 Br. Ruhig. vember 91,50. New Y o 19. November. (W. T. B.) (Schluß.) Baumwolle- reis in New York 10,00, do. für Lieferung Januar 9,65, do. für eferun März 9,78, Baumwollepreis in New Orleans 9X, etroleum Standard white in New York 7,95, do. do. in Philadelphia 90, do. Refined (in Cases) 10,65, do. Credit Balances at Oil City 160; S@malz Western s 7,45, do. Rohe u. Brothers 7,60, Ge- treidefraht nah Liverpool 1, Kaffee fair Rio Nr. 7 8/3, do. Rio Nr. 7 Dezember 6,60, do. do. Februar 6,80, Zu>ker 43/16, Zinn 29,00 bis 29,17, Kupfer 14,50—15,00.

M E E R E M

Ausweis über den Verkehr auf dem - Berliner Sc<hlachtviehmarkt vom19. November 1904. Zum Verkauf standen: 3754 Rinder, 1367 Kälber, 7771 Schafe, 12935 Schweine, Markt- Fette na< den Ermittelungen der Preisfestsezungskommission. ezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 kg Schlachtgewicht in Mark (bezw. für 1 Pfund in Pfg.):

Für Rinder: Ohsen: 1) vollfleishig, ausgemästet, höchsten C E höhstens 7 Jahre alt, 70 bis 74 ;_ 2) junge fleishige, niht ausgemästete und ältere ausgemästete 66 bis 69 M; 3) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 60 bis 65 M4; 4 perns enährte E en Alters 56 bis 59 G Bullen: 1) voll-

lahtwerts 66 bis 70 6; 2) mäßig genährie

B.) etroleum.

<malz.

) F ige, höchsten üngere und gut genährte ältere 63 bis 65 4; 3) gering genährte

93 bis 62 M Färsen und Kühe: 1) a. vollfleishige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts bis 46; þ. vollfleischige, aus- gemüstete Kühe höchsten Schlachtwerts, höchstens 7 Jahre alt, 60 bis

1 ; 2) ältere ausgemästete Kühe“ und E gut entwi>elte jüngere Kühe und Färsen 57 bis 58 4; 3) mäßig genährte Färsen S obe 52 bis 56 M; 4) gering genährte Färsen und Kühe M Kälber: 1) feinste Masträlber pla und beste Saug- fälber 85 bis 88 4; 2) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 76 S a 3) geringe e A bis 60 4; 4) ältere gering enährte er (Fresser : af j (Petit mmer und jüngere Masthammel 70 bis 72 4; 2) ältere Viathammel 63 bis 68 X; 3) mäßig genährte Hamme! und Schafe (Merzschafe) 52 bis 57 4; 4) Holsteiner Niederungs- \<afe bis H, au pro 100 Pfund Lebendgewiht 25 bis 35 Schweine: Man zahlte für 100 Pfund lebend (oder 50 kg) mit 2009/6 Taraabzug: 1) vollfleishige, kernige Schweine e Rassen und deren Kreuzungen, höchstens 1} Jahre alt: a, im Gewicht von 220 bis 280 Pfund 54 (A; b. über 280 Pfynd lebend (Käser) bis #4; 2) fleishige Schweine 51 bis 53 46; gering entwidelte 46 bis 49 (A; Sauen und Eber 48 bis 49

Nr. 22 (X. Jahrgang) der „Volkstümlichen Zeitschrift E I i Arbeiterversiherung“, Mctebure, E ft g genden Inhalt: Die Ansprühe dér Armenverbände aus dem rankenversiherungsgeseß und ihre eltendmahung. Von Hans

eelmann, tellvertretendem Magistratskommissar für die Invaliden- versiherung in Königsberg i. Pr. Die Nü>gabe der Verp ihtungse scheine an die Aerzte der Provinz Brandenburg. Von Dr. N. N,, Arzt.

Im Verlage von H. Keller in Luzern erschien eine Zusammen- stellung der Bestimmungen, welche im internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfrahtverkehr den Geseßen und Reglementen in den Vertragsstaaten über- lassen sind (Zweite Ausgabe vom Oktober 1904).

Verkehrsanstalten.

Dürre des leßten Sommers und ihre Wirkung R auf die Sthiffahrt.

ie monatelange Dürre des lezten Sommers hat bekanntlih dem ‘Schiffahrtsbetriebe auf den deutschen Strömen und Flüssen ganz erheblihe Störungen bereitet und für die Schiffahrt im all- emeinen empfindlihe Schäden im Ba gehabt, die aus den tatistishen Nahweisen bei einem Vergleich mit den Vorjahren deutlich Leine sind. Daß diese Ausfälle nah dem Eintritt günstigerer Wasserverhältnisse auf den Strömen wieder wett gemaht werden können, ist ni<t anzunehmen. Auf der Elbe und der Oder hat die Schiffahrt auf Wochen gänzlich eingestellt werden müssen. Auf der Weser waren die Verhältnisse nicht fan so m g. Wie der Direktor der Bremer Schlepp\schiffahrtsgesell<haft Müller in der leßten Versammlung der Freien Vereinigung der Wes ershiffahrts-Interessenten n Hannover in einem Vortrag über die Störungen der Weserschiffahrt im leßten Sommer Wuatngee hielt der niedrige Wassersland auf der Weser seit Mitte Juli bis gegen die Mitte des Monats Oktober in dem Maße an, daß für die Schiffe nur eine Ladetiefe von 60 bis 65 cm bei Münden, von 65 bis 75 cm bei Hutgs und von 75 bis 85 ecm bei Minden durhschnittlih in Frage am. Dies entsprah einer Ladefähigkeit der Kähne von etwa # bis 1/5 threr -Tragfähigkeit. Diese Wasserstände waren aber noch nicht die niedrigsten, sondern es ist vorgekommen, daß z. B. dur das Zusehen

der Mühle in Hameln der Wasserstand dort auf S als 100 cm zurüdgegangen is. Abgesehen von diesen Schwankungen, is|st der Schiffahrtsbetrieb auf der Oberweser

nur mit großer Mühe und ern aufre<t zu erhalten gewesen. Auf der Elbe und Oder war der Wasser faum niedriger, . Dort war aber die Schiffahrt fast ganz eingestellt. Auch die Schiffahrt auf der Aller hat monatelang ganz geruht. Wenn nun die Störung die Weserschisfahrt nicht gans ia m legte, so hat sie do< eine gewisse Ala e nah men ihtungen hin verursaht. Einmal mußten Ni 2E adungen beshränkt und die Transportfristen verlängert werden.

ele Güter blieben liegen oder suhten andere Wege. Der Wettbewerb der Güter, die auf den Wesertransport angewiesen waren, litt ungemein. Aber immerhin trat keine Erhöhung der Weserfrahten ein, wogegen bei Schwierigkéiten auf anderen Strömen font folhe Erhöhungen einsegten. Die Verkehrsziffern der Weser werden für 1904 eine ganz erheblihe Einbuße erleiden. Aber auch die Schiffahrt selbst hat | wer elitten. Sie mußte ihre stärksten, am vortei Paten arbeitenden

ampfer außer Betrieb stellen und den Betrieb mit den leichten Dampfern, so gut es ging, aufreht erhalten, Troßdem sind die rachtsäßze fast in feinem Falle erhöht worden. Auf der Elbe sind die Frachtsäße da- gegen infolge der dur< den nieen Wasserstand hervorgerufenen mißlichen Verhältnisse um. 400 0%/% gestiegen, z. B. Hamburg—Magde- burg von 12 - auf 52 H Z für 100 kg. Selbstverständlih wär ein [aler Betrieb ni<ht mehr rationell, man arbeitete mit Verlust.

enn troßdem die Weserschiffahrt den Betrieb nit einstellte, so ist dies dem Wunsche zuzuschreiben, die Schiffsmannschaften in vollem

Lohn zu erhalten und den Güterverkehr niht ganz ins Sto>en zu

ringen. ;

s Die Privat\schiffer haben -au< während dieser Zeit zumeist treu mitgeholfen, den Verkehr aufre<t zu erhalten, allerdings wurden

e in diesem Bestreben dur<h die Schiffahrtsgesellschaften unter- l t} die den Schlepplohn ermäßigten. „Wenn aber auch die Privatschiffer troßdem mit Verlust gearbeitet haben; fo besteht do nicht die Absicht bet ihnen, fi< wegen Unterstüßung an den Staat zu wenden Der Schiffer zieht die Selbsthilfe vor und ist der Ansicht, daß au< \{le<te Zeiten in den Kauf genommen werden müssen. Sollte allerdings auf den östlichen Strömen eine Hilfsaktion eingeleitét werden, so dürfen au<h die Weserschiffer niht übergangen werden.“

In diesen Tagen is nun, wie bereits mitgeteilt worden ist, ein Aufruf zur Sammlung von Een, ¿ur Linderung der Not unter den Kleinschiffern er- schienen, der an erster Stelle von dem Zweiten Vizepräfidenten des S und Vorsißenden des Zentralvereins fue Hebung der deutshen Flußk- und Kanalschifffahrt,

ustizrat Dr. Krause, sowie von zahlreihen Oberbürgermeistern, Magistraten, NReichstag8abgeordneten, Direktoren von Werften und S s 2c. unterzeihnet ist. Darin werden die weitesten Kreise auf den Notstand, der infolge der Naturereignifse bei vielen Hunderten von Schifferfamilien eingekehrt ist, hingewiesen und alle Freunde der auf Erhaltung eines gesunden Mittelstandes ge- rihteten Bestrebungen zu Ne Arbeit eingeladen, alle Ver- treter von Handel, Industrie und Landwirtschaft, da für diese der Fortbestand der Binnenschiffahrt als eines der wichtigsten Transport- ewerbe von so hoher Bedeutung ist, zu umfassender, lediger Hilfe- eistung aufgefordert. (Der Leuchtturm.)

Küstenbahn in Togo. : Einem Berichte über den Stand der Bauarbeiten Anfang Oktober entnimmt das „Deutsche Kolonialblatt“ : i Die Erdarbeiten sind in der Manta bis Kilometer 44,7 fertig- estellt, sodaß nur no< 1 km übrig ist. Da si< die Lieferung des leismaterials verzögert, hat die Firma die Zahl ihrer Arbeiter be- deutend verringert, und és arbeiten nur no< ungefähr 250 Mann auf der Stre>e. In 14 Tagen wird die Firma au diesen Rest ihrer Leute entlassen, da keine Beschäftigung mehr für dieselben vorhänden ist. Die Böschungen des Bahnkörpers in der Nähe des Bahnhofes Klein-Poyo sollen mit Soden belegt werden oder, wenn dieser auf dem tro>enen Sand nicht fortkommt, mit Kakteen bepflanzt werden, da sie sonst zertreten werden. Auf der freien Stre>e ist eine Sicherung der Böschungen voraussihtli< niht erforderli. Auf den Anfangs- stre>en find die Böschungen zum Teil {hon bewachsen. Das weiße Personal ist unverändert. Der Gesundheitszustand der Arbeiter war ut, der des weißen Perfonals befriedigend. Nah Fertigstellung der Ecbarbeiten kann die Firma einen Teil ihres weißen Personals beim Bahnbau vorerst ni<t mehr voll beshäftigen. Das Gouvernement wird diese Gelegenheit benußen, um die Dienste dieser Angestellten für andere dringlihe Bauarbeiten vorübergehend zu mieten.

Aus den Verhandlungen der Herbsttagung des Kolonialwirt- \chaftlihen Komitees, an der si< auch der Kaiserlihe General- konful von Lindequist aus Kapstadt beteiligte, ist die wirtschaft- lihe Erkundung einer ostafrikanis<hen Südbahn von all- emeinem Interesse. Als geeignetsten Ausgangspunkt der Süds ahn bezeichnet der Expeditionsleiter Paul Fuchs die Bucht von Kioni bei Kilwa. Das Hafenbe>en is etwa drei Quadrat- kilometer groß. Die Ozeandampfer können bis auf 100 m vom Land vor Anker gehen; selbst bei Niedrigwasser beträgt die Tiefe no< immer 11 m. Kioni ist verhältnismäßig gesund. Für eine Stadt- anlage ist seitens der Kommune Kilwa alles Land auf dem etwa 50 m hohen Plateau gesichert. j

Die Bahnstre>e beträgt von Kilwa bis Liwale 220, von dort bis Songea etwa 330 km. Die Wasserverhältnisse sind günstig bis auf eine zwischen Kilwa und Liwale gelegene Stre>e von 75 km. Auch die Geländeverhältnisse bieten für den Bau der Eisenbahn keine allzu großen Schwierigkeiten. Die Trace steigt bis Liwale auf 500 m, bis Songeaauf 1150 m. Die Bevölkerung ist nur im Küsten- und Nyassasee- Gebiet dicht. Fuchs N eine d eige Besiedelung mit Waniamwesis, um einen Arbeiterstamm für den Bahnbau zu schaffen und diesen nah Fertigstellung der Bahn der produktiven Landwirt- schaft zuzuführen. Weite Gebiete sind für Baumwollbau, Kautschuk- kultur und Anbau von Mais, Bataten, Hirse usw. geeignet. as Klima in Songea gilt als gesund und malariafrei. d

Auf das Preisaus\chreiben des Kolonialwirtschaftlihen Komitees wegen eines geeigneten Tro penautomobils haben fi< vier Firmen zur Beteiligung gemeldet. Die Gouverneure Graf von Gößen und Graf von Zeh Paben die Leitung der Prüfungskommission über- nommen. :

Theater und Musik.

Lessingtheatér.

Max Dreyers vieraktiges Schauspiel „Die Siebzehn- jährigen" errang bei seiner e am Sonnabend einen guten, wenn au<h nicht ganz unbestrittenen Erfolg. Der Hauptvorzug des Stückes ist die (eine psychologische Motivierung des einfachen Vor- gangs, die so stark ist, daß fie den Mangel an Spannung reichlih aufwiegt; seine Hauptshwächen sind übermäßige Breite, besonders in der Exposition, und ein in den Schlußworten liegender Toi gegen den guten Geshma>, der der {önen Endstimmung Abbru tut und das feinere Empfinden verleßt. Die Siebzehnjährigen {find der Kadett Frieder von Schlettow und Erika von Gellenbofen, die Cousine und Adoptivshwester seiner Mutter, die beide zu den Sommer- ferien auf dem Schlettowschen Gute eintreffen. Der von allen Idealen der Jugend erfüllte Frieder verliebt sich in die frische, hübshe Ver- wandte, die ihn aber -mit der teiferen Ueberlegenheit des gleih- altrigen Mädchens nur als Kind betrachtet, während Ee selbst sh zu seinem Vater, dem zwar etwas kränklichen, aber künjst- leritch begabten und eleganten Major a. D. von Schlettow hingezogen fühlt. C8 is als ein moralisdjer Defekt, als etwas Raubtierhaftes in der Natur der als Waise in freudloser Abgeshlofsenheit auf-

ewahsenen Erika aufzufassen, daß sie si< des Ein- a den fie auf den arakter|<waen, lTiebenswürdigen Mann macht, freut, daß" fie die Macht ihrer Jugend,

ihrer Schönheit auf seine Sinne erproben will, daß fie ihn Krenen- ut zu einer Liebelei verlo>t, deren Unre<ht sie niht bedenkt und deren Folgen sie weder ermessen kann noh mag. Sthneller aber, als sie es ahnt, brit das Unheil herein. Frieder ist unfreiwillig Zeuge einer Verabredung zwischen seinem bisher von ihm vergötterten Vater und der Geliebten ewesen; ein solhes Maß von Verderbtheit erscheint seinem jugend- ien Gemüt ganz unfaßbar. Wie im Traum wandelt er umher; ln verändertes R A fällt allen auf, aber kein Wort von dessen rsache kommt über seine ppen. Der Mutter möchte er sein Herz ausshütten, aber gerade ihr Con die dadurh am \{wersten ge- troffen würde, wagt er es niht. Unter dem Vorwand, auf die Jagd zu gehen, nimmt er eine Flinte und seßt an der Schwelle des Gartenpavillons, wo Erika und sein Vater am Abend zusammen- kommen wollen, seinem jungen Leben verzweifelnd ein Ziel. So stehèn die Dinge am Ende des dritten Akts. Im vierten Aufzug geschieht äußerlih S mehr, er s{ildert eigentli< nur den er- ütternden Eindru> der Todesnahriht auf die beteilig

ten Personen, bietet aber gerade, bis ähnt luß, das ne E Ves „Kunsi al e a s die er utter, die hier in den Vordergrund L die Verkörperung der mütterlichen Liebe und Fürforge 1 2

E A S

Vor allem if es die E | 2

e umgeben, die Seele des S{hlettowschen Gutes und Hauses. Ihren

ann, [der in Gefahr ist, bei der geringften Aufregung das Augen- licht zu verlieren, behandelt sie wie ein verwöhntes Kind. Ihm zu- liebe, dessen Sinn für Jugend und Schönheit sie kennt, hat sie Erika zu längerem Aufenthalt auf das Gut geladen, fie sieht darum au< das Gefallen, das die beiden an einander nden, ohne die geringste Gifersuht in ihrer reinen Seele zu ver- püren. Erft bei dem Tode des Sohnes, von dem sie zuerst erfährt, gehen ihr die Augen auf; au<h hier aber siegt bei ihr die Liebe über den Schmerz. Sie denkt nur daran, wie sie dem heimkehrenden Gatten die nieders<metternde Kunde, von der sie “fühlt, - daß e ihn doppelt s<wer treffen werde, s{honend beibringen ann. real Shlettow errät selbst aus ihren Mienen, was gesehen ist; ein Schatten legt fi< über seine Augen; man weiß, daß er nun ganz erblinden, daß er in Zukunft erst re<t der pie e dieser au P erung agen Frau bedürfen werde. Wenn diese aber fi< mit den Worten: „Komm, Erika, Du gehörst zu uns,” nun auch an die Stifterin alles Unheils wendet, so wirkt S unwahrscheinlihe Schluß niht mehr hochherzig, sondern in diesem S na<h allem Vorangegangenen peinlich und ver- leßend, selbs wenn man si< vergegenwärtigt, daß zwishen Erika und Shlettow alles aus sein müsse. Den Darstellern, die zwar dankbare, keineswegs aber leihte Aufgaben zu lösen hatten, läßt si< im es Gutes na<hsagen, in erster Linie Frau Lehmann in der Rolle der Mutter. Die wie geistesabwesend im legten Aufzug gesprohenen Worte: „Frieder is tot“, waren von so ers<ütterndem Schmerzensausdru> getragen, daß ihr Ton sih wohl jedem, der sie hörte, unvetgekd eingeprägt haben wird. Der Kadett des Herrn Stieler war von glaubhaftem jugendlihen Idealismus; weniger - gelang es Fräulein Schiff als Grika, den Eindru> einer Siebzehnjährigen hervorzurufen, ihre Koketterie ershien-do< etwas zu bewußt, aber au ihre Darstellung hatte -re<t fesselnde Momente. Den Major von Schlettow spielte Herr Basserman vornehm ‘in der Haltung und n im Wesen, nur etwas kühl im Augenbli> erwachender Leidenshast. Die anderen Rollen waren mit den Herren Patry, Fus, Pauli und Fräulein Pöhnisch angemessen besezt. Die Infzenierung war einwandfrei. Für den seinem Werke gespendeten Beifall konnte der anwesende Verfasser - mehrmals danken.

Theater des Westens.

Im Theater des Westens sang am Sonnabend Francesco D'’Andrade als dritte Rolle seines Gastspiels den Renato in Verdis Oper „Der Maskenball“. Der Künstler, dessen liebens- würdigem Temperament, das den Hauptreiz seiner Persönlichkeit bildet, diese Partie weniger gut liegt, wußte troßdem darstelleris< und ge- sangli<h wieder Bedeutendes zu leisten. Mehr als neuli< als Don Juan fiel es hier allerdings wieder auf, daß seine Stimme der Zeit ihren Tribut zollen daß sle {hon viel von ihrer Klangschönheit, i Schmelz ein- gebüßt hat ; doch vermag der Künstler dur seine hervorragende Ge- staltungskraft, seine edle Gesangskunst no< immer die vollste Be- wunderung seiner Zuhörer zu erringen. Bestens unterstüßt wurde der Gast diesmal von den ständigen Mitgliedern der Bühne. In Herrn Ms besißt das Theater des Westens einen Sänger, der seine \{hönen

ittel ges<ma>yoll zu verwenden weiß; im Verein mit Fräulein Stöller, die mit wohlklingender Stimme und dramatishem Empfinden die Amóélia sang, brachte er den dritten Akt zu so eindringlicher Wirkung, daß stürmisher Applaus bei offener Szene ers<holl. Von den übrigen Mitwirkenden wäre no< Jenny Fischer zu nennen, die den Pagen Oskar f\ris< \pielte und sang, und die Ulrike des Fräuleins Leux, die einen re<t angenehmen Alt besißt, im übrigen aber threr Rolle sehr viel s{uldig blieb. Die Gesamtaufführung L unter der Leitung des Kapellmeisters Büchel einen re<t guten Eindru>. Chor und Orchester hielten sid tapfer. Das Publikum \pendete reihlihen Beifall und rief den beliebten Gast immer wieder vor die Rampe.

Im Königlichen Opernhause kommen morgen (Dienstag) Nicolais „Lustige Weiber von Windsor“ zur Fase n den Hauptrollen sind die Damen Herzog, Rothauser und Dietrich sowie die Herren Knüpfer, Hoffmann, Mödlinger, Naval, Lieban und Krasa as Musikalisher Leiter der Oper ist der Kapellmeister von Strauß.

Mannigfaltiges. Berlin, den 21. November 1904.

Ueber die Witterung im Monat Oktober 1904 berichtet das Königliche Meteorolo ische Institut auf Grund der angestellten Singen folgendes: Im Oltober begannen die üblen Folgen der 1A e ben Tro>enheit des Sommers dur< Zunahme der Nieder- s{läge allmählih zu <hwinden. Die Temperatur blieb, wie s<on im September, zumeist Hinter dem Eda Dur(hschnitt zurü>; der Wärmemangel war jedo nicht erheblih; denn er überstieg nirgends L Grad, wurde von der Küste aus landeinwärts geringer und ging in den südlihsten Landesteilen sogar in einen mäßigen Uebers, über. Um die Monatsmitte wurde fast überall Frost beobachtet. Obs wohl es im Oktober allgemein viel häufiger regnete als in dex früheren Monaten, überstieg die Gesamtsumme der Niederschläge den Normalwert doch nur in denjenigen Gegenden, die einzelne sehr starke Tagesmengen aufzuweisen hatten, wie fie besonders um den 7. be- obahtet wurden. Es waren dies Teile der preußischen und pommerschen Küste, sowie das Gebiet der Oder, der unteren Elbe und des Mittel- rheins. Die Bewölkung war ziemlih groß, do<h ergab si< nur in einigen Teilen des Binnenlandes eine zu geringe Sonnnenscheindauer. Zu Beginn 'des Monats zog eine ausgedehnte Depression hoh im Norden vorüber, wodur< in Deutschland südliche Winde vorherrs{end wurden und das milde Wetter von Ende September no< in den Oktober hinein andauern fonnte. Auch eine zweite, sehr tiefe Depression, die vom 9. an von Schottland her ostwärts eilte, bewirkte zunächst keine Aenderung der Temperatur, brachte aber stürmische ozeanishe Winde und ergiebige Regenfälle. Als jedo< die Depression im Osten lag und im Verein mit einem Hochdru>gebiet im Westen nördliche Luftstrômung herbeiführte, sank die bisher etwas übernormale Temperatur ras< bis in die Nähe des Gefriecpunkts. Auf das Hochdrugebiet, welhes langsam na<h Nordosten wanderte, folgte zunächst um den 12. eine {male Furche niedrigen Luftdru>s, die vorübergehende Erwärmung und Niederschläge brachte; da indessen bald ein zweites Maximum nachrü>te, trat bei nordöstlichen Winden wieder {nelle Abkühlung ein meist bis unter den Gefrierpunkt ; dann aber hob sich unter dem Einflusse eines tiefen und ausgedehnten Minimums im Norden die Temperatur vom 16. an ras< um mehrere Grade über den Durchschnitt. Bis zum 26. blieb die milde Witte- rung bestehen, da bei fast ständig niedrigem Luftdru> südliche bis-w

liche Luftstrômung vorherr\hte. Erst als vom 27. an ein neues Hoh- dru>gebiet von Westen her langsam über Mitteleuropa zog, drehte der Wind nah Osten und leitete ein Sinken der Temperatur ein, sodaß sie am Monatss{hluß meist der normalen entspra<h. L

Dr. Otto Nordenskjöld, der Leiter der s<wedischen Slbd- polarexpedition, hes sih bereit erklärt, am Dienstah, den 22 ;

i vember 1904, Abends 6 Uhr 30 Minuten, im In st Meereskunde, Georgenstra. n bis 36, 7 Ô ern über feine l Übr im Geschà Vortrag sind in der Zeit fes i fáe D tituts zu haben. Die von dem Inslite habe:

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