1904 / 275 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Der „Birschewija Wjedomosti“ wird aus Mukden vom 20. d. M. gemeldet:

Aa ber G ift alles ruhig. Der Artilleriekampf dauert seit vorgestern, wird aber Nachts eingestellt. Das Wetter hat sich vershle<tert. Die Truppen erwarten einen neuen ernsteren Angriff. Ein Offizier, der von der äußersten- linken Flanke der Russen hier eingetroffen ist, berihtet, daß die Japaner kleine Abteilungen an die Jaluquellen bis nah Tunghuansian entsendeten, um si< zu ver- proviantieren. Das Land sei dort bisher no< verschont geblieben und rei< an Vorräten, die billig verkauft würden, während in Mukden unerhörte Preise gefordert würden.

Das „Reutershe Bureau“ meldet vom 21. d. M. aus

Mukden: i ü ird unter be- Die russishe Besaßung des Putilowhügels w | tändigem Artillerie- und Jnfanteriefeuer gehalten. Das Wetter ist Ae V seit Beginn des Krieges. És wurden 25 Grad Kälte festgestellt. Auh Staubstürme fanden statt. Das Marineamt in Tokio macht, demselben Bureau zu- folge, bekannt: : á j . d M., um 3 Uhr früh, sichtete ein auf der Höhe von Series N eEG ‘Geschwader das deutsche Dampfschiff „, Batelan“, das in der Richtung nah Port Arthur fuhr. Das Kanonenboot „Tatsuta“" verfolgte und überholte um 5 Uhr früh den „Batelan“, der eine große Menge Winterkleider, Deen, Medizin und konser- viertes Rindfleis<h an Bord hatte. Der Kapitän A er gehe nah N iutshwang, doh wurde die von ihm verfolgte Route und die Art der Schiffsladung für verdachterregend aaen und das Schiff deshalb beshlagnahmt und nah Saseho gebracht. Das „Neutershe Bureau“ meldet aus T\chifu, Miß

Corolle, die als Schwester vom russischen Noten Kreuz in“

Mukden tätig gewesen sei, sei von Chunchusen geraubt und in Niutshwang an die Japaner ausgeliefert worden. Miß Corolle sei gestern in T\hifu eingetroffen.

_Der Korrespondent des „Reuterschen Bureaus“ in Ts\chifu berichtet unter dem gestrigen Datum:

n an mi< persönli< gerihteter Brief des Generals Bala\<w, des Chefs des Roten Kreuz-Korps in Port Arthur, ist dur den Torpedobootszerstôrer „Rost oro pny“ hierher überbracht; aber infolge eines Irrtums mir erst jeßt ausgehändigt worden. In dem Briefe bittet der General, an die Oeffentlichkeit gewisse Vorwürfe zu bringen, die er gegen die Japaner erhebe. Er sagte, die Japaner mißachteten absichtlich die in der Genfer Konvention und in der Haager Konferenz aufgestellten Grundsäße. Sie hätten die Nussen dazu ge- awungen, drei deutli als Hospitalshiffe maïk\erte Schiffe, auf denen Ver- wundete gewesen, im Stich zu lassen. Diese Schiffe hätten an Stellen geankert, wo sie das gegen die russishen Kriegsschiffe gerichtete Feuer nit berührt habe; ¿fer die Japaner, die Luftballons verwendeten, um das Artilleriefeuer zu dirigieren, hätten Granaten mit großer Genauigkeit gerade auf dièse Stellen in den Hafen gelGosen; fle hätten die Hospitalschiffe unmögli für Schiffe der Kriegsflotte halten können, hätten aber absihtli<h die Verwundeten von den Schiffen etrieben, dem Anschein na< zu dem Zwe>e, die Schiffe zum

inken zu bringen. Dies sei jüngst geshehen. Die frühere Periode der Belagerung sei durh mehrere B gekennzeichnet, in denen das japanische Feuer auf Teile der Stadt konz¡entriert worden a wo fast ausshließli< Hospitäler gestanden hätten. Der General Balaschow sagt am Schlusse seines Briefes, er könne zahlreihe andere Fälle arfibrén; wo die Japaner gegen die Regeln zivilisierter Krieg- führung verstoßen hätten; er habe aber keine Zeit zum Schreiben und kaum Zeit zum Essen und Schlafen, er bitte jedoh, daß sein Brief als ein Protest an die Welt veröffentlicht werde.

Afrika.

Aus Bathurst vom 21. d. M. wird dem „Reuterschen Bureau“ berichtet, der Gouverneur von Gambia sei von einer Strafexpedition gegen einen Häuptlin zurügekehrt, der sich geweigert habe, einen Mörder aus iferA Die Ein-

geborenen, seien geflohen. Fünf mit álisaden befestigte Dörfer seien Ede A aa | | s

Parlamentarische Nachrichten. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Schlußbericht über die gestrige Sißung des Hauses der E beten befindet sich in der Ersten Beilage.

Jn der heutigen (101.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Justizminister Dr. Schönstedt und der Finanzminister Freiherr von Rheinbaben bei- wohnten, gelangte zunächst der Geseßentwurf, betreffend die Errichtung eines Oberlandesgerichts in Düsseldorf,

iten Beratung. : D S 1 der Boblage bestimmt: Jn der Stadt Düsseldorf wird ‘ein Oberlandesgericht errichtet.

8&2 lautet nah der Regierungsvorlage: Dem Oberlandes- geriht in Düsseldorf werden zugewiesen: 1) unter Abtrennung von dem Bezirk des Oberlandesgerihts in Cöln die Bezirke der Landgerichte in Kleve, Düsseldorf und Elberfeld, 2) unter Abtrennung von dem Bezirk des Q in Hamm die Bezirke der Landgerichte in Duisbur “un En

“Die Kommission hat den $ 2 dahin geändert, daß der Landgerichtsbezirk i bei Hamm belassen wird. Jm übrigen hat die Kommission das Geseß unverändert angenommen.

3 bestimmt: Der Tag, an welchem dieses Geseh in Kraft tritt, wird durch Königliche Verordnung bestimmt.

Die Abgg. Dr. Bachem (Zentr.) und Genossen be- antragen, 8 3 zu fassen, wie olgt: „Dieses Geseh tritt in Grefeld ung B Ait er Errichtung von Landgerihten in : UDoaM. i i önig- liche Ver ordnun bestimmt“. Der Zeitpunkt wird durch g

el 9. &rimborn (Zentr) beantragt, den 8 3 ie Toy M n ¿2Dos Geseh hilt ou L Dftober ivor oder an eine n, durh Köniali A a d stimmenden Termine in Kraft gliche Verordnung z

Äbg boltshke kons.), daß

. 0 e on].), da eine 1 fe der Kommission als A mttis ansehen e EUNEe L 2 s Noeren(Zentr.): Für den Geseßentwuel ist ein so reihhaltiges statistishes Material beigebraht worden, daß es sehr {wer wird, \ih darin durhzufinden. Man wird dadur verführt i an die gedru>ten Zahlen anzuklammern und sie auf {i{ einwirken zu lassen, dagegen die eigentlich maßgebenden Gesichtspunkte aus den Augen zu lassen. Die Statistik hak nur dann Beweiskraft, wenn au die zu Grunde liegenden Verhältnisse berü>sihtigt werden, weil man sonst mit der Statistik heute dies und morgen das Gegenteil beweisen kann. Dies

ilt besonders von den vom Justizminister in der n A führten Zahlen. Diese Zahlen machen ja im ersten Augenbli> einen gewissen Eindru>k, wenn man liest, daß z. B. von 852 Sißungen, welche die 8 Senate des Oberlandesgerihts Cöln im Jahre 1903 abgehalten haben, 103 nur 2 Stunden, 250 nit über 3 Stunden, 478 ni i über 4 Stunden und nur 374 Age als 4 Stunden ge- dauert hätten. Das macht ja gewiß Eindru>k. Aber geht man der Sache auf den Grund, dann ergibt sich, daß hier gar nihts Besonderes vorliegt, sondern daß dies bei vielen Oberlandesgerichten, viel leiht bei den meisten in no< viel höherem Maße der Fall ist.

Es ist dabei au<h zu berü>sihtigen, daß tatsählih die Sigzungen länger dauern, daß mit den angegebenen Zahlen nur die Dauer der laidoyers gemeint ist. Die Pausen, die für Cöln bei den Sißungen estgestellt sind, treten au bei anderen Oberlandesgerihten ein. Will man in dieser Sache eine Entscheidung treffen, so muß man von dem en Material alles Ueberflüssige aushalten und die Fest- tellungen, die erfolgt und von allen Seiten anerkannt sind, ins Auge fassen. Dahin gehört die Feststellung, daß in Cöln die Zahl der eingehenden Sachen \i< von Jahr zu Jahr rapid vermehrt. Ob diese Steigerung nun eine sprung- weise und vorübergehende sei, entspre<hend der Le der wirt- schaftlichen Verhältnisse seit der Einführung des B. G.-B,, mag dahingestellt E Aber selbst die Nichtigkeit der Tatsache zu- gegeben, steht do< anderseits fest, daß die Vermehrung der rihterlihen Geschäfte in - keinem Verhältnis dazu {teht. ält der Justizminister es für möglich, daß 3800 eingehende Berufüungs- E von 43 Richtern erledigt werden? Ist das nicht der Fall, so liegt allein darin der Grund für die Zunahme der im Jahre nicht er- ledigten Sachen in Cöln. Was das sogenannte Anwaltsmonopol in Cöln betrifft so möchte ih der Legende entgegentreten, daß damit in Cöln etwas Besonderes bestände. Die Konzentration der Prozesse in den Händen einer geringen Anzahl von Anwälten besteht an anderen Gerichten ebenfalls, und dies wird beim i, in Düssel- dorf genau ebenso der Fall sein. Wenn d!eses Verhältnis gerade jeßt in Cöln besonders hervortritt, so kommt das daher, daß wir in Cöln jeßt eine kleine Anzahl E bevorzugter, tüchtiger An- wälte Ia en, die unter thren Kollegen hervorragen. Aber das sind do< Dinge, die nur vorübergehend sind und mit der Person weseln ; darauf kann man also eine dauernde Einrichtung nicht gründen. Die Afffoziation der Anwälte ist in Cöln gerade dur< das Auftauchen dieser Frage der Errichtung eines Oberlandes- erihts in Düsseldorf verhindert worden. Es läßt fich auch eine größere Buhl von Anwälten nicht nieder, weil eben bei der geringen Anzahl der Richter gar ni<ht mehr geleistet werden kann. &s kommen hier ni<t allein die Interessen der Industrie des Düssel- dorfer Bezirks in Frage, sondern wir müssen au<h an die Interessen von Landwirtschaft und Handwerk denken; wir müssen die Vorlage rein sahli< au< na< den Interessen der leßteren beurteilen. Von diesem Standpunkt aus halte ih die Vorlage für einen verhängnis- vollen Schritt. Id 4 y Hierauf nimmt der Justizminister Dr. S önstedt das Wort. An der weiteren Debatte beteiligen sih bis zum Schluß des Blattes die Abgg. Schiffer I Peltasohn (fr. Vgg.) und Krause-Waldenburg (freikons.).

Dem Herrenhause ist der Entwurf eines Gesehes über die Verlegung der A ear euss gegen die freie und Hansestadt Lübe> am Elbe-Trave-Kanal nebst Begründung und zugehörigem Staatsvertrage vom 11. April 1904 zugegangen. Jn der Begründung wird aus- eführt: gef N Ziffer 1 Abs. 3 des S(hlußprotokolls zum Staatsvertrage zwischen Preußen und Lübe>, betreffend die Herstellung eines Elbe- Trave-Kanals, vom 4. Juli 1893 (Geseßsamml. 1894, S. 119 flg.) soll, infoweit dur< die Kanallinie kleine Teile der beider- seitigen Staatsgebiete abgeschnitten werden, über die sih als zwe>mäßig ergebende anderweite Feststellung der Landes- renzen eine besondere Vereinbarung stattfinden. Der Kanal- Bi hat tatsähli< die Abschneidung zahlreicher kleiner Gebiets- teile zur Folge gehabt. Die Schwierigkeit bei Ausübung der Hoheits- re<te auf diesen jeßt vereinzelt liegenden Trennstü>ken und die Rücksicht auf eine praktische Handhabung der Verwaltung läßt eine Grenzbegradigung angezeigt ersheinen. Die zu dem Zwe>ke mit Lübe> seplogenen Verhandlungen haben zu dem dem Geseßentwurfe beigefügten Staatsvertrage vom 11. April 1904 geführt. Danach oll die neue Grenzlinie an den betreffenden Stellen in tunlichster

e une an ‘die Grenze des Grundeigentums der Kanal-

verwaltung der Richtung des Kanals folgen. Die demgemäß gegen- einander Gta enden Staatsg:biete haben mit je 22 ha 14 a 87 qm len uhalt gleihe Größe. Diese hei n entspriht den Inter- essen beider Staaten. Die von Preußen in Tausch zu gebenden Flächen find unbebaut und stehen durchweg im Eigentum der analverwaltung.

Statiftik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung. Zum Ausstand der Holzarbeiter in Berlin (val. Nr. 272 d. Bl.) hat der Zentralverband der Bautischlermeister Berlins und der Umgegend, der „Voss. Ztg." zufolge, mit großer Mehrheit folgenden Beschluß gefaßt: „In An etraht, daß der Holzarbeiterverband in einer großen Anzahl von Be- trieben weitere Arbeitsniederlegungen veranlaßt hat, beschließt die am 18. November tagende außerordentliche Generalversammlung des Zentralverbandes der Bautischlermeister Berlins und Umgegend: Sämtliche organisierten Arbeiter sind nah Fertigstellung ihrer Arbeiten zu entlassen. Diejenigen Mitglieder, die nur unorganisierte Arbeiter be- schäftigen, sind verpflichtet, mit der Hälfte ihrer Leute für diejenigen Betriebe zu arbeiten, die vom Ausstand betroffen sind. Die vom Ausstand _be- troffenen Betriebe erhalten die vom Verbande festgeseßte Gntschädi- ung. Die entlassenen Arbeiter sind sofort dem Bureau zu melden. iele Beschluß ist für sämtliche Mitglieder bindend. / Aus Königsberg i. Pr. wird dem „W. T. B. unter dem estrigen Tage gemeldet: Die Mitglieder beider hiesigen U ESF Tan Ai ationen, des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands, Ortêgruppe En und des Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Königsbergs und Angegend, wurden heute, den Abendblättern zufolge, dur< den Arbeitgeberbund für das Baugewerbe von allen Arbeits\tellen ausgesperrt, da sie si< weigerten, den in der Zeit des leßten Streiks vom Ortsverband der Arbeitswilligen mit dem Arbeitgeberbund A Vertrag an- zuerkennen, bezw. Delegierte zu einer gemeinsamen Kommission zu ernennen.

Kunst und Wissenschaft.

m Kunstgewerbemuseum sind zur Zeit Proben von fün Mien S Cs ausgestellt, die na< einem patentiertem Verfahren des Architekten Erich Schwanenberg in annover angefertigt sind. Die in allen Farben herstellbaren, dur esondere Härte fi auszeihnenden Produkte eignen fi< bei mäßigen Herstellungskosten sowobl für Fußboden- und Wandbekleidung, wie au für te<hnis<he Zwe>e verschiedener Art.

A. F, In der Novembersißung der Berliner Ge ellschaft ür Anthropologie führte den Vorsiy wiederum e A L die ot taaten heimgekehrte Geheime Medizinalrat, Professor Or. aldeyer. Vor Eintritt in die Tagesordnung - legte Dr. Lehmann-Nit\<e vom La Plata-Muscum in Buenos Aires einige aus „patagonishen Gräbern von sicher vorcolumbishem Alter herrü rende Beinknohen von erwahsenen Menschen vor, deren eigentümliche Entartung auf Syphilis zu deuten scheint. Bei Bejahung der Frage würde ein SIndizium mehr für die Richtigkeit der be anntli<h no< strittigen Anft vorliegen, daß die vor ntde>ung Amerikas in der Alten Welt gnt unbekannte Lues in vorcolumbischer Vi in Amerika bereits vorhanden

war, nicht erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts entstand.

ansemann war mah sorgfältiger auf e s jedo der Meinu 4

daß die vorgelegten Knochen nicht auf Lues, sondern Ss es oder auf eine (peuifische Kuocheakrant eit {ließen e d'in der :

fehlen daran die harakteriftis<en Anze hen bon /

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u e018 hang zwischen Ozeanien und Afrika bestand, während die

ftets cintretenden Abrundung der scharfen Kanten der Knochen. Dr. Leh- mann-Nitsche fand hierdurch seine eigene Anschauung bestätigt. Er glaubt, daß, um die Frage endlih zur Entscheidung zu führen, na< den Spuren von Lues aus vorco!umbischer Zeit auf den Antillen und in Mexiko zu suchen sei und daß sie dort ficher gefunden werden würden, Von Professor Dr. Hans Vir<ow wurden eine Anzahl Photo- raphien neuesten Datums aus Grönland vorgelegt, Volkstypen dar- Aa die zu beweisen scheinen, daß sih in den leßten zwei Menschen- altern dur< Rassenkreuzung in Grönland ein neuer Menschenslag bon edlerer Art der äußeren Erscheinung herauszubilden begonnen hat. Die Vorträge des Abends hielten die Herren Dr. Graebner und Dr. Ankermann über das gleiche Thema „Kulturkreise und Kulturschihten", mit dem Unterschiede, daß ersterer seine Mit- teilungen und Schlußfolgerungen auf Forschungen in Ozeanien, leßterer auf Forschungen in Afrika ründete. Die von beiden Herren überetn- stimmend befolgte Methode bezeichnete der erste Redner als „Feststellung und Vergleichung ähnlicher Erscheinungen des Kulturlebens in ver- s n Ländern, inder Absicht, aus der Ee der Erfahrungen ähnliches. und verwandtes herauszufinden un _ hieraus Folgerungen auf möglihe Zusammenhänge zwischen räumlih getrennten Kultur- kreisen zu ziehen.“ Die Methode erfordert naturgemäß die Herbei- shaffung einer großen Menge von Tatsachen, eine äußerst kritische Sichtung derselben und absonderlihe Vorsicht bei der Ziehung von Schlüssen. Denn es ist die Ansicht bere<tigt, e manche Kultur- entwidelung ihr Gegenstü> in einem andern ulturkreise ‘finden kann, ohne da Berührungen und -Zusammenhänge je bestanden haben, weil sih die betreffende Entwi>elung aus der menschlihen Natur hier wie dort gewissermaßen von selbst ergibt. Dazu gehört ¿. B. auf sozialem Gebiet die bei vielen Naturvölkern übereinstimmend vorhandene Einteilung in zwei Klassen : die eine enthaltend die von Vater oder Mutter Seite Verwandten, die andere die Nichtver- wandten, und die mehr oder weniger strenge Enthaltung vom Heiraten zwishen Angehörigen derselben Male Die verderblichen Folgen der Inzucht mögen bei allen Völkern so bald hervorgetreten sein, daß nit eins vom andern zu lernen brauchte, welche Ar adica Maßnahmen zu deren Verhütung zu treffen seien. Aehnlich liegt die Sache beim Bau der Hütten und Häuser, wo bei Ueberein#timmung in den Grund- zügen niht ohne weiteres auf Zusammenhänge, gegen eitiges Ablernen und Nachahmung ges lossen werden dars. Etwas anders zu beurteilen ist etwaige Uebereinstimmung in der Lösung von Kulturaufgaben, z. B. auf dem Gebiet der Kleidung, der Anwendun von Geräten aller Art, der Waffen, des Shmu>es, der Musikinstrumente 2c, wo sehr wohl ganz verschiedene Lösungen erfolgen können, und es min- destens unwahrscheinli< ist, daß räumli< weitgeshietene Völker, ohne voneinander gewußt zu haben, zu ganz derselben Lösung ge- langten. Die Vortragenden haben nun mit einem wahren Bienenfleiß eine Menge von Tatsahen auf den verschiedensten Gebieten der Kulturentwi>elung gesammelt. Sie legten Karten vor, die für zeanien z. B. darstellen: die Grenze der Stämme mit agnatisher Descendenz (siehe oben!), die Verbreitung der S Oran aon (Weiberhäuser, Weiberboote u. \. f.), der Plattformbestattung der Toten, der Speershleuder, von Pfeil und Bogen, des Steinteils mit eingelassener Klinge, der Zahlenbil- dung dur< Subtraktion, der Rundhütte mit Kegeldach, der Geheimbunde mit Maskentragen, des Schildes, der Kolbenkeule, der Steinpfeile, der Felltrommel, während die Darstellung für Afrika außer mehreren der vorgenannten Dinge, namentli der Waffen und des Schmu>es, au< no< die Bekleidung, die Lagerstätten (das Kopf- kissen), die Wasserpfeife, die Musikinstrumente u. a. ins Auge faßt. Das Ergebnis der f< hieran knüpfenden Vergleihung zwischen Ozeanien und Afrika ist ret beahtenswert, weil fi unabweisbare Aehnlichkeiten finden, die kaum auf zufälliger oder aus der menshlihen Natur ih \spontan und gewissermaßen selbstverständli<h ergebender Vebereinstimmung beruhen können, wogegen anderes vollständig verschieden is oder in der Kultur- entwi>elung der anderen Seite ganz fehlt. So kennt Afrika offenbar eit alter Zeit die Gewinnung und Bearbeitung des Eisens, wovon < in Ozeanien keine Spur findet, während gerade gewisse Ver- einerungen der Waffen in Ozeanien, z. B. der Bumerang, in Afrika unbekannt geblieben ist. Weil die Uebereinstimmung si< bei Dingen von ursprüngliherem Gepräge zeigt, bei pier einer höheren Ent- wi>elungsstufe angehörenden, dagegen beiderseiti fehlt, wird der Schluß niht gewagt sein, daß erstere Gemeingut hüben und drüben geworden sind zu einer Zeit no< ein Fle ortschritte,

deren Erzeugnisse die leßteren waren, erst gema<ht worden sind, als die Verbindung unterbro<en und die Trennung eine vollständige war. Da auch die Beotoges eine, in sehr alter Zeit zwar, vorhandene Ver- bindung zwishen Ozeanien und Afrika über Madagascar annehmen, so würde die obige Schlußfolgerung, wenn sie sich dur< weitere Ver- gleiche und Suricbun en als tinansabtbár herausstellte, das ridtige Ergebnis bringen, dah der Mensch in Ozeanien und Afrika {on vor- handen war, als die Brü>e zwischen beiden Erdteilen no< bestand.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

Tuberkulosemuseum.

In Karlsruhe wird am 25. November d. I. ein Tuberkulose- museum eröffnet werden. Es steht unter dem Protektorat Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin, es ist dem Charlottenburger na<h- gebildet, aber wesentli reihhaltiger. Es haben demselben Ausstellungs- Legen beigesteuert verschiedene Reichsämter, Landesversicherungs- und Heilstättenverwaltungen, Universitätsinstitute, zahlreiche Univer- sitätsprofefsoren und andere Gelehrte. Au \ind hygienische Objekte von einer Anzahl Fabriken geliefert worden, und das Statistische Landesamt sowie andere wissenschaftlihe Anstalten haben Beiträge ga Das Museum if vor allem zur Belehrung der Arbeiter

estimmt. Es sollen Mittel dazu bereit gestellt werden, die Arbeiter- vereinigungen in den Stand seten, jeweils cine Anzahl ihrer Mit- glieder, aber au andere Arbeiter nah dem Museum zu entsenden.

Verkehrsanstalten.

Von jeßt ab werden nach der Mands\hurei (russishe Post- anstalten) nur Pakete ohne Wertangabe bis zu 15 Pun T = 6,142 kg zugelassen.

Theater und Musik.

Lustspielhaus.

Das Lustspielhaus unterbrah am Sonntag (Toentes dem ernsten Charakter des Tages entsprechend, die Reihe der Vorste ungen der Komödie „Biederleute“ burt eine einmalige Aufslyrme - fannten Dramas , Drei * von Max Dreyer und des Einakters „Abschied vom Regiment“ von Otto Erich Von den beiden Werken hatte Hartlebens Einakter den gr:

Erf: } Das breit ausgesponnene Dráma „Drei* hat seit den vor Pes er 4 önnen

folgten Aufführungen im Lessingtheater an Interesse ve 1 t fa uf ra Ball M E

‘seitdem fortentwi>elt un

ndessen vortrefflih. Den cie etge Laa t lh natures, und als ill etne Art Nora-HioUue, Hb, u er vers wirkte Toni Iumpekoven ret Et ul B llert g o e Walter, der den barmlofen "ar, wle Einakter beschieden, cindringlichere W n Hartlebenshen Ein BN ar gespletbes Schicksal enthält. Auch hier wa orm ein tagi auptrolle. Er wußte dem Offizier, ber Träger der Dee Ehe im Duell getötet wird, der von dem Vristis<e Züge zu verleihen. Weniger befriedigend c erin, Fräulein Morella, deren \prödes, rauhes Organ konnte E als ungeeignete Vertreterin der Rolle der Olga er-

arten i

un + wurde d tut S je figen, bemann : Hie junge ral, /