1904 / 281 p. 7 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

ein Rang, in den sie früher nur als charakterisierte Räte eintraten, stelle hon eine Besörderung dar, und deshalb sei es wenigstens ge- rehtfertigt, nun diese Räte mit dem Stellenrang der Räte 1V. Klasse mit den Regierungsräten in jeder Beziehung gleihzustellen. Wenn diese Gleichstellung wirklih durhgeführt werden follte, dann würden wiederum, so wie gegenwärtig die Verhältnisse liegen, die Amts- und Landgerichtsräte in ihren Gehältern [eider zurü>geshraubt werden müssen; ‘denn sie erreichen jeßt tatsähli<h das Anfangsgehalt der Re- gierungsräte früher als die leßteren. Das. Gehalt von 4200 (A mit dem dazu gehörigen Wohnungsgeldzushuß wird au<h nah dén letzten Aufstellungen vom 1. November d. J. in der Justiz rascher erreicht als bei der Regierung oder Verwaltung. Allerdings gleihßt ih das naher zu Ungunsten der Justiz wieder aus, und die weiteren Stufen werden von der Verwaltung rascher erreicht, als das zu meinem Be- dauern innerhalb der Justiz der Fall ist. t

Ich sage Ihnen das alles, um Jhnen darüber Klarheit zu verschaffen, wie s{<wierig die Sache ist, wenn man an ihre praktishe Lösung herantritt, und wie erfreulih es gewesen sein würde, wenn der Herr Antragsteller und diejenigen, die für seinen Antrag eingetreten sind, uns einen praktis< gangbaren Weg angegeben hätten, wie wir über diese Schwierigkeiten hinauskommen sollten. Jh würde noch. jeßt dafür dankbar sein, wenn uns der Weg gezeigt würde. Es kommt die Rüksichtnahme auf die Stellung hinzu, die im Jahre 1897 über- einstimmend von der Königlichen Staatsregierung und von der großen Mehrheit dieses Hauses eingenommen worden ist. Der Einzelne mag ja darüber anderer Meinung gewesen sein, ob nun der damals nah vielen Mühen zu stande gebrahte Kompromiß dauernd Geltung erhalten solle, oder ob er au< ferner an dem Streben festzuhalten habe, einen weiteren Ausgleih zwischen den verschiedenartigen Bezügen in der Justiz und der höheren Verwaltung zu erstreben. Aber ih glaube, für die große Mehrheit au<h dieses hohen Hauses . hatte der Beschluß doch die Bedeutung eines Kompromisses, der solange aufre<t erhalten werden müsse, bis wir überhaupt zu einer abermaligen Revision unserer Gehaltsverhältnisse kommen. Der s@citpunkt wird ja au einmal eintreten. Wenn unsere finanzielle Lage eine glänzendere wird, als sie zur Zeit ist, fo wird, da ja au seit 1897 s{<on wiederum der standard of life vielfa ein höherer geworden ist und die ganze Lebenshaltung eine teuerere geworden ist, «es au<h niht ausgeshlossen sein, daß wir an eine

Revision der Gehaltsskala für alle Kategorien unseres Beamtenstandes

kommen werden. Auch. dann wird aber wieder wahrs{einlih unten angefangen werden und nicht oben, und ih glaube, das wird auch der Auffassung und der. Meinung der überwiegenden Mehrheit dieses hohen Hauses entsprechen. Diese mechanische Gleichstellung, wie sie gegen- wärtig nah dem Antrage des Herrn Abg. Keruth, wenn ih ritig verstanden habe, gewünscht .wird, {tellt in der Tat einen Einbruch in das künstlih errihtete Gebäude des Jahres 1897 dar, und ih kann dem Herrn Abg. Pallaske nur vollständig ret geben, wenn er gesagt hat, es ist bedenkli<, aus diesem Gebäude einen Stein herauszuziehen. Es ist die Besorgnis von selbst gegeben, daß dann noch eine Reihe von anderen Steinen abbrö>eln wird und daß \{licßli<h das ganze Gebäude ins Rollen kommt; und dazu die Hand zu bieten, das erfordert doch die allereingehendsten Erwägungen und Prüfungen. Meine Herren, ih habe, solange ih in meinem Amte bin, mich immer bestrebt, die Be- amten meines Ressorts nah Möglichkeit zu fördern und fie auf dieselbe Stufe zu bringen, wie die Beamten aller anderen Ressorts. Jch

. glaube, daß ih auch einiges darin erreicht habe. _Wenn ih nit alles erreiht habe,

est, alles erreiht man niht auf einen S<lag. Die Bestrebungen werde i< und werden diejenigen, die na< mir kommen, zweifellos fortseßen, und das Erreihbare werden sie hoffentlih erreichen. Aber, meine Herren, im Augenbli> glaube ih, heißt es: quieta non moveré; bleiben wir bei dem, was wir in [angen mühsamen Kämpfen erreiht haben. Meine Herren, damit wäre das große Thema ers{öpft, und i< darf nur noh auf zwei Punkte, die der Herr Abg. Keruth angeregt hat, zurü>fommen.

i et s Abg. Keruth hat darauf hingewiesen, daß überhaupt die Justizbeamten in Preußen ungenügend besoldet seien im Vergleich zu anderen Staaten. Er hat dabei selbstverständlich nur diejenigen Staaten herausgegriffen, für die das zutrifft, nämlich die réiche Stadt Hamburg, mit derwir auf diesem Gebiete überhaupt nicht konkurrieren können, und das Königreich Sachsen. Was er aber vom Königreich Sachsen mitteilt, ist auch geeignet, mißverständliche Auffassungen hervorzurufen. Im Königreich Sagen gibt es allerdings zwei verschiedene Gehaltskategorien für die Richter erster Instanz, Und zwar eine, in der. si die Gehälter und das ist die hohe Gehaltsftufe, auf die er hingewiesen hat von 6000 bis 8400 bewegen, daneben cine andere von 3600 bis 6000 Nun, meine Herren, könnten Sie geneigt sein zu glauben, daß diese ohe Gehaltsstufe auch jedem fähsishen Nichter zugänglih fei, ‘und daß er da mit dem Alter hineinwachse. Das würde aber eine durch- aus irrige Auffassung sein. Tatsählih liegt nämli<h die Sache so, daß diese hohe Gehaltsklasse nur 81 Stellen umfaßt, während die untere Gehaltsklasse 439 Stellen umfaßt, und diese 81 Stellen sind in der Hauptsache mit den Dienstaufsichtsrichtern bei den Amtsgerichten beseßt.

L den Dienstaufsihtsrichtern befinden sich in dieser Klasse die Landgerichtödirektoren. Das ift ein Standpunkt, der eine gewisse Berechtigung hat, und dem ja vielleicht, soweit die großen Amts- gerichte in Betracht kommen, au< hier nahgegangen werden könnte,

Aber so, meine Herren, liegt die Sache nicht, wie Sie nah dem Vortrage des Herrn Abg. Keruth glauben könnten, daß ein sä<{sisher Richter ohne weiteres in diese hohe Gehaltsklasse hineinrüden könnte. Sie werden nit etwa na< Dienstaltersstufen verliehen, sondern nur im Wege der Beförderung.

Dann, meine Herren, will. i< zum Schluß nur noch folgendes sagen. Der Herr Abg. Keruth hat es ganz ver]äumt, auf die andern großen deutschen Bundesstaaten hinzuweisen wie Bayern und Württemberg {< glaube au< Baden gehört dazu —, wo die Richter erheblich s{le<ter stehen als bei uns.

Wie gesagt, ih wünsche den Richtern alles Gute und mö<te es erleben, daß sie no< ein erheblich höheres Gehalt beziehen wie gegenwärtig, Aber für den Augenbli> “halte ih es nit für errei<hbar und bitte deshalb, niht zu glauben, daß ih einen Mißklang in die allgemeine Harmonie hätte bringen wollen, sondern daß ih Sie nur aus einem Gebiete, das do mehr oder weniger der Vhantasie angehört, auf den nüchternen Boden der Wirklichkeit habe Wrüdführen wollen, damit ni<t an die heutige Verhandlung

dann kann i< wohl sagen: in magnis voluisse sat

Hoffnungen geknüpft werden, die niht ohne weiteres in Erfüllung gehen können.

Darauf wird ein Schlußantrag angenommen.

Für den Zusaßantrag Keruth stimmen die gesamte Linke und das Zentrum, dagegen die beiden konservativen Parteien. Da die Rechte nur sehr lü>enhaft beseßt ist, wird der Antrag vom Präsidium für angenommen erklärt. Mit dieser Er- weiteru*g gelangt sodann die von der Kommission vorge- schlagene Resolution zur Annahme.

Es folgt die Beratung des Antrages der Abgg. Graf von Strachwiß - Bertelsdorf und Busch, die Regierung zu er- suchen, im Bundesrat dahin zu wirken, daß die durch den Reichstagsbeschluß vom 9. März 1904 beantragte Vergünsti-

ung der freien Fahrt für beurlaubte Mannschäften es stehenden Heeres und der Kaiserlihen Marine durch die Einstellung der dafür erforderlihen Mittel in den nächsten Reichshaushaltsetat verwirklicht werde.

Jm Reichstage wurde an demselben Tage noch ein zweiter Antrag angenommen, wonach den Mannschaften im Falle der Urlaubsexrteilung alljährlih oder doch mindestens einmal während ihrer Dienstzeit die freie Hin- und Nü>fahrt ermög- liht und dabei tunli<st die Benußung der Schnellzüge ge- stattet werden sollte. Ein Antrag des Abg. Fischbe> will au diesen Beschluß berücksichtigt wissen und shlägt eine ent- sprechende Formulierung des Antrags Strachwiß vor.

Beide Anträge waren der Budgetkommission zur Vor- beratung überwiesen worden. Die Kommission ist zu einem positiven Beschlusse nicht gelangt.

__ Referent Abg. Freiherr von Erffa (kons.): Ein Beshluß der Kom- mission über diese Anträge ist nit zu stande gekommen. Das Haus hat mit den Anträgen in der früheren Beratung nichts Rechtes anzufangen gewußt und sie dann der Kommission überwiesen, in der Meinun é daß diese vielleicht etwas daraus zu machen wissen werde. Das ist aber nicht der Fall gewesen. Die Sate ist ledigli< als Reichs- angelegenheit zu betrachten, die der Kompetenz des Landtages gar nicht unterliegt; eine Ausgabe, die das Reich zu leisten hat, geht den preußischen Landtag gar nihts an. Wenn Sie der Sache besondere Wichtigkeit beilegen, und da wir ja no< ni<t genug Kommissionen A so könnte das Haus ja noch eine weitere besondere Kommission einseßen. -

Von dem Abg. Ei>khoff ivird beantragt, im Antrage Strahwitz

die Worte „dur die Einstellung der dafür erforderlihen Mittel in *

den nächsten Neichshaushaltsetat“ zu streichen.

Abg. Graf von Str ah<hwiß (Zentr.): Jch hätte lieber gesehen, daß die Kommission zu einem Ja oder Nein gegenüber dem Antrage ekommen wäre. Militärdienst und E ENIOUNE find Zwang; diese eiden Tatsachen bilden die innere Rechtfertigung für das im Neichs- tage wiederholt geäußerte und {ließlich zum Beschluß erhobene Ver- langen, dem beurlaubten Soldaten die freie Fahrt zu gewähren. Hierzu kommt die indirekte Steuer, die das Soldatsein auferlegt; nicht die Bewilligungen des Reichstages sind es, welche die Armee so teuer machen, sondern die indirekte Steuer, welche dur die Not- wendigkeit der Zuschi>ungen seitens der Eltern und Angehörigen dem Volke auferlegt wird. Wir hatten keinen Zweifel, daß das Haus einem solhen Antrage zustimmen würde. Wir sind gewiß alle davon dur<drungen, daß die Militärlast eine sehr s{<were, wie daß die militärishe Erziehung ein Segen für unser Volk ist. Jn welcher Form der Antrag zur Annahme gelangt, ist _für mi<h von sekundärer Bedeutung; ih würde dem Artrage Fischbe> und auh dem Antrage Ei>khoff nicht widerstreben. Dem Einwand, daß auch die Söhne wohlhabender Eltern dieser Wobltat gegen den Willen der Eltern teilhaftig werden würden, steht der Umstand entgegen, daß doch diese Söhne Wohlhabender auch die Löhnungen beziehen, also auch in dieser Beziehung ganz glei behandelt wexden. Man könnte ja auch, um aus dem Dilemma. herauszukommen, dem Pracle ten die Bt un geben, nah freiem Ermessen die Freifahrt zu bewilligen.

Abg. Ei>khoff (fr. D O Die Verweisung an die Budget- kommisfion ist nur aus dem Grunde erfolgt, weil der Antrag ein Nane es Engagement bedeutet, und diese Verweisung en tiVrad nsoweit der Ge Vogenbeit des Hauses. Die Kommission aber hat sih an der Erklärung des Kommissars ees afen, daß es sih hier um elne Reichssa e bándle: und die Negierung si< nicht zu „etner Mehrausgabe im Reiche drängen lassen werde. Dies- ist aber eine falsche Handeln solle denn wenn es ih felbst um einen Einnahmes-

ausfall handeln follte, fo würde die Eisenbahnverwaltung, also au< die preußische, ihn mit zu tragen haben. Auch bleiben die Söhne armer Eltern so wie so zu Hause, d. h. in der E Ich kitte den preußischen Eisenbahnminister, hier niht sein fiskalishes, sondern sein patriotishes Herz entscheiden zu lassen, „Und sprehe den Wunsch aus, er möchte dem rühmlihen Beispiel 0 Kollegen im Neichs- postamt folgen. Der Kommissar hat au in der Kommission ties aller Verhandlung im Reichstage ein sahlihes Bedürfnis für diese

Vergünstigung - niht anerkennen wollen. Mit Recht hat ein Rera ae De Deutschkonservativen im Reichstage darauf hin- gewiesen, daß die Annahme dieses Antrags geradezu ‘dazu

dienen würde, das Lg ENt der Mannschaften, namentli der-

jenigen, die armen Eltern entstammen, zu krästigen. Heute können nur die Wohlhabenden den Urlaub antreten, die Aermeren müssen in der Garnison verbleiben; dieses soziale Moment darf aus nicht über- sehen werden. Der frühere Kriegsminister von Goßler hat 1901 im Reichstage ‘eine Erklärung abgegeben, welche in P wohltuendem Segensay zu der jeßigen des egterungsverlreters n der Kommission stand. Der Wuns, die Benußung der Schnellzüge zu

ein sehr berechtigter; es wird dadur au bewirkt, daß vor man@en sittlichen Gefahren bewahrt werden, geseßt wären, wenn sie auf den Kreuzungs- liegen und auf die nähsten „Bummelzü das Haus, den Antrag des Grafen Stra anträgen anzunehmen.

Negterungskommissar, Gehcimer Oberregierungsörat Krön ig: Es handelt si hier keineswegs um eine Angelegenheit der preußischen Staatseisenbahnverwaltung, über die der Cijenbahnminister zu ent- scheiden hätte, sondern um eine Frage, über die die Staatsregierüng als folche zu entscheiden und zu der sie au bereits Stellung genommen hat. Sie hält fi allerdings für zuständig, im Bundesrât ihre Stimme abzugeben, aber sahli<he Gründe verhindern ste, ihre Stimme ür den Antrag abzugeben. Wenn jedem Soldaten einmal im Jahre eie Fahrt nah feiner Heimat gewährt würde, so würde das Reich mit etwa 24 Millionen, wenn jedem Soldaten einmal während seiner Gauen Dienstzeit cine solhe Fahrt gewährt würde, immerhin mit Million belastet werden. Bei der \{wierigen finanziellen Lage, in der si das Reich befindet, glaubt die Regierung, niht einen Dru> dadurch ausüben zu sollen, daß Preußen im Bundesrat seine Stimme für den Antrag abgibt. Auch die Frage des Bedürfnisses glaubt die reffen N ni<t bejahen zu fönnen. Es ist nicht zu- treffend, daß alle Soldaten in einer unterstüßungsbedürftigen Lage: befinden. olange noh der aas von 17 J für das Kilo- meter gezahlt wurde, hatte die E he Eisenbahnverwaltung èine Einnahme voa etwa 42 Millionen rlih aus den Urlaubsreisen, es kamen also bei einem Kontingent von 455 000 Mann 10 l auf den Kopf. Daraus geht hervor, daß cin allgemeines Bedürfnis für eiñe solche Zuwendung nicht vorliegt. Man kann vielleicht darauf hinaus- kommen, einzelnen unterstüzungsbedürftigen Soldaten zu Hilfe di kommen. Das geschieht aber {on seitens der Heeresverwaltung. dem Artrag Eickhoff hat die egterung no< keine Stenas nommen; ih möchte aber darauf hinwelsen, daß der 2 Direktive enthält, in wel<her Weise die Regk 4 0

gestatten, ist die Soldaten denen sie sonst aus- oder Ansclußstationen e“ warten müssen. Ich bitte wiß mit den gestellten Unter-

Antragsteller verwirklichen soll, wenn keine A E haltsetat eingestellt werden. i :

bg. Strosser (kons.): Es foll do< nit jeder Soldat Urlaub ta, A L wer B gut geführt hat. In die bisherige Kompetenz der militärischen Es soll keinenfalls E werden. Wer mit Arrest bestraft ist oder si fonst \{le<t führt, erhält keinen Urlaub. Wir stimmen für den Antrag, weil _fachliche Gründe für ihn \prehen. Ob ein dringendes Bedürfnis vorliegt, da sämtlihe Soldaten, die sich gut geführt haben, alljährli einen Ürlau erhalten, lasse ih dahingestellt. Die in der Nähe der Garnison wohnenden Leute können die Reise wobl bezahlen. Die Hälfte der Mannschaften liegt aber in Garnisonen, die von der Heimat sehr weit entfernt sind. So war es z. B. in meinem Garnisonsort, wo fast die Hälfte nah Westpreußen und Posen gehörte. Die Sache wird jeßt no< T A wo wir genötigt sind, immer größere Truppenmassen an die französische und russische Denz zu werfen. Mit Recht ist darauf hingewiesen worden, daß die Cltern große Opfer für ihre Söhne bringen müssen, fart ad ay Ausführung des Antrages auh das Heimatsgefühl ge- ärkt wird. ; / Abg. Freiherr von Willisen (konf.): Meine Freunde stehen selbstverständlich dem Antrag sympathis< gegenüber. Der Urlaub des Soldaten hat jeßt eine größere Bedeutung als früher, als die Regimenter sehr nahe ihrem Ergänzungsbezirklagen, sodaß die Leute den Sonnabend und Sonntag zu Hause zubringen und am Montag wieder da sein konnten. Die einzige Ausnahme bildete nur das Gardekorps, denn die Armeeleitung hat nie verkannt, daß es ihre Aufgabe sei, ‘die Elite der Jugend aus allen Provinzen den kfritishen Augen der Berkinerinnen vorzuführen. Dem Uebelstand nun, der hier allerdings vorliegt, kann nah Meinung meiner Freunde \{hon abgeholfen werden, / wenn der Antrag des Grafen Strahwitz auf diejenigen beschränkt wird, die nicht selbst ihr Billett bezablen können, die also als bes dürftig anzusehen sind; denn ein entscheidend wichtiges Moment if für uns, daß die Finanzen des Staates nur so weit belastet werden, als unbedingt erforderli ist, um den angestrebten Zwe>k zu erreichen. eder Kompagnie- und Eskadronschef kennt die häuslihen An elegen- heiten seiner Leute fo genau, daß er sagen kann, wer unter ihnen es nôtig hat und wer ni<t. Damit würden au< die Bedenken der Re- gierung zu beseitigen sein, und ih bitte deshalb die Regierung, den guten Kern, der im Antrage ste>t, wohlwollend aufzunehmen. Abg. Bu#< (Zentr.): Gerade für die ländlihe Bevölkerung ist die freie Fahrt von großer Bedeutung, da bei dieser das Bargeld eine Seltenheit ist. Herr von Bodelschwingh verlangte, daß für die Sittlich- keit in der Armee etwas geschehe. Dazu wäre das beste Mittel, die Verbindung mit der Heimat, dem Ortsgeistlihen und dem Elternhause aufrecht zu erhalten. Oft wünscht auc der Soldat, bei Unglücksfällen in der Heimat, bei Todetfällen von Angehörigen u. dergl. nah Ee zu reisen, das Elternbaus kann aber nit das Geld shi>en. Fn einer mir betannten, mittleren bürgerlichen Familie steht der eîne Sohn in Königsberg; der andere in Kiel und der dritte in Met. Gerade hier sollte die Reichsregierung vor den 22 Millionen nit zurü>s{re>en. Nicht, wie die Regierun meint, nur ein kleiner Teil hat nicht die Mittel, sondern umgekehrt: nur ein kleiner Teil hat fie. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Abg. Junghenn (nl.)- spricht sich

leihfalls für den Antrag aus und hofft, daß diese Debatte ihren Eindru> auf den Bundesrat nit verfehlen werde.

Geheimer Oberregierungsrat Krönig: Ich lege Verwahrung ein gegen den- Vorwurf, daß die Regierung nicht den Willen hâtte; davon kann wirklih keine Rede sein. Die Regierung kann für #< in An- spru< nehmen, für die Soldaten dasfelbe warme Herz zu haben wie die Herren Abgeordneten. Aber es handelt sih ni<t um den Willen der Regierung oder des preußishen Staates, sondern um die Mittel des Deutschen Reiches. Da muß die Regierung \i< fragen, ob es wirklih richtig ist, einen Dru> auf die Finanzen des Reiches auszu- üben. Daß die Regierung die Bedürftigkeit der Soldaten selbst ans erkennt, hat sie dadur< bewiesen, daß sie seit 1891 den Kilometer- preis für Urlaubsreisen der Soldaten von auf 1 4 ermäßigt

hat, also nur den dritten Teil desjenigen erhebt, was andere Leute zu zahlen haben.

Darauf wird die Debatte geschlossen.

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Nach Zurückziehung des Antrages Eickhoff wird der An- trag des Grafen Strahwiß mit dem Amendement Fischbe> mit großer Mehrheit angenommen.

Sdhluß 414 Uhr. Nächste Sißung Diensta (1. Lesung der “Hibernia-Vorla bs taa von treffend den Kalibezug vom Kali yndikat.)

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Statiftik und Volkswirtschaft.

Wochenverdienst und Wohnverhältnisse der allein- stehenden Fabrikarbeiterinnen in Berlin.

Die soeben erschienene Nr. 22 der Zeitschrift der Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrihtungen „Concordia“ enthält einen ausführs lihen Bericht über eine Konferenz, die am 10. November auf Ver- anlassung des Ministers für Handel und Gewerbe in der Ständigen Auéstellung für Arbeiterwoblfahrt in Charlottenburg veranstaltet worden ist. Auf der Tagesordnung ftand die „Fürsorge für - die alleinstehende Fabrikarbeiterin in erlin“. Es sollten lediglih die in Groß - Berlin gema<ten Erfahrungen werden, wie sie ju weiteren

ausgetausht und darüber * beraten

praktishen Zielen geführt twerden könnten. Die Referate

wurden von Damen und Herren erstattet, die a diesem Gebiete in

Berlin praktis tätig find, sei es als Arbeiterinnen beschäftigende

Industrielle, sei es als Leiterin von Arbeiterinnenheimen oder Er-

holungsheimen usw. Das Thema war in zwei Hauptgebiete geteilt, Berufsleben und die Fürsorge in Aus dem Bericht ge

die Fürsorge in Beziehung auf das 1 ht hervor, ater Seite mancherlei

S O

Beibitg auf das häusliche Leben. daß in Berlin namentlih von priv, geschehen ist, daß aber den großen Notständen gegenüber no< weit mehr Kräfte für diese Arbeit gewonnen werden müßten. Es ergab sich, daß dort die besten Erfolge erzielt werden, wo direkte persönlihe Be- ziehungen zu den Arbeiterinnen angeknüpft werden können. Dies is} der Fall bei der Tätigkeit einer flegedame, die das Kabelwerk Oberspree angestellt hat, in dem rbeiterinnenheim des und in den Erholungsheimen in der

ereins „Arbeiterinnenwoh[“ Brü>en- und UVsedomstraße. Nur wo diese persönliche Beziehung be- ehen werden, die

eht, kann von einer strengen Hausordnung abges hält. OGIE Ce

viele Mädchen von dem Eintritt in die Heime ab wurde auch die große erzieherishe Bedeutun solher persönlichen ziehungen und der Sinfluß, den sie auf die Schund des Arbeiterinnen» standes ausübt, hervor; ehoben, und es wurde der lebhafte z ausgesprochen, daß mehr Töchter der bessergestellten Kreise als damen in die Fabriken gehen oder als Helferinnen in den rinnenheimen tätig sein möchten. Die gungen Damen dler eva Tätigkeit zee innere Befriedigung und unter U au ren Lebensunterhalt finden. L a In der Konferenz hat Gewerbeinsp L die Ergebnisse einer Enquete beri htet, E us c ats Hartma! / enslage der E 11 O worben Gewerbals pektionen veran! N ratworten zu c der Gewer T “ih aus der M entpeitug Beer ee jung und Nachprüfung bedürfen, \ f t nmerbin ein annähernd rihtiges Bild der Zu- ‘o vermögen Man muß si darüber klar sein, daß der E ände I n ausreichenden Maßstab für die foziale Stellun der E en abgibt. In Betracht kommen no< die Art der Arbeit Tee der Ton der in den betreffenden Fabriken herrsht. Man hat parum die Arbeiterinnen in dreizehn Gruppen eingeteilt, die in der folgenden Tabelle mit Hinzufügung des Wochenlohns aufgezählt find,