1876 / 281 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

herzogthums Luxemburg“ zu Luxemburg, Banknoten g 4 eben, welche in deutsher Reichswährung, und zwar in Ab- Gnitten zu 5, 10 und 20_4, ausgestellt sind. Da auf die erwendung dieser Banknoten zu hlungen innerhalb Deutschlands die oben erwähnten Strafbestimmungen Anwen- dung finden, so kann das Publikum vor einer Annahme solcher Noten nur dringend gewarnt werden.

Nah einem von dem Minister des Jnnern im Ein- verständniß mit dem Finanz-Minister erlassenen Reskript vom 13. v. M. sind Führungs-Atteste, welhe zu dem Zwecke nachgesucht und ertheilt werden, die Erlau bniß zum Be- triebe eines der im $. 33 der Gewerbeordnung vom 21. e 1869 bezeichneten Gewerbe zu erlangen, stempelpflichtig.

iese Atteste gehören zu denjenigen „Verhandlungen über die Ertheilung der Erlaubniß“, zu welchen die Verwen- dung der tarifmtßigen Stempel durch die Cirkular - Ver- ügung vom 2. Oktober 1870 angeordnet worden ist. arifmäßig unterliegen aber amtliche“ Atteste in Privat-

fachen einem Stempel von 1,, /( Das Cirkularreskript vom 5. Mai 1824 hatte die Stempelfreiheit der behufs des Ge- werbebetriebs zu bestimmt, polizeilichen Atteste unter anderen

Vorausseßungen bestimmt, als solche jeßt nah der neueren Geseßgebung in Anjehung der Erlaubniß zu dem Betriebe der im $. 33 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 Nen Gewerbe vorliegen. ¡enes Reskript ist nah Erlaß der Cirkular- L vom 26. Oktober 1870 in dergleichen Fällen nicht mehr anwendbar. E

Aus der Stempelpflichtigkeit der Konzession aber läßt sich die SUMPE M der Führungsatteste niht folgern. Die Konzession is kein Attest, und nur die als Grundlage eines ee es dienenden Zeugnisse bleiben tarifmäßig vom Stempel efreit.

Rendsburg, 24. November. (Kiel. Z.) Die heutige Sißung des Provinzial-Landtages begann mit der Schlußvorberathung über den Ausschußberiht, betreffend den Entwurf einer Baupolizei-Ordnung für das platte Land Swhleswig-Holsteins. Der Entwurf hat etwa 60 Amendements und ca. 20 Subamendements erfahren. Fast sämmtliche Anträge des Ausschusses erhielten die Billi- gung des Ausschusses. Dann folgte die Vorberathung üver den Ausschußbericht, betreffend den Entwurf eines Gesetzes über die Kirchenverfassung der evangelisch-lutheri- schen Kirche der Provinz Schleswig-Holstein.

Mecklenburg. Malchin, 22. November. D: N.) Landtag. Von Schwerin wie von Streliß waren Reskripte eingegangen nebst Verordnungsentwürfen, betreffend die Be- L ung der Feldfrevel. Die Sache war schon auf

em vorigjährigen Landtage Gegenstand der Verhandlung ge- wesen, aber niht zu Ende gens rt worden. Stände, nament- lih die Ritterschaft, legen hohen Werth auf dieses Geseß, und es wird deshalb ein besonderes Comité von sechs Personen zur O der Entwürfe gewählt, auch sollen diese Ent- würfe sammt Motiven in 200 Exemplaren durch den Dru vervielfältigt werden. Weitere Eingänge von der \{hwerinshen Regierung gehen sofort an das Polizeicomité. Unter diesen S eeiniibeen Reskripten h auch eins vom 14. d. M., welches die ständischen- Beschwerden über die ungleihe Vertheilung der Lasten beim Manöver des IX. Armee-Corps im vergangenen Jahre zum Gegenstande hat. Bürgermeister Danneel-Bruel und A Mau-Neukalen beschweren sih darüber, daß in den von ihnen vertretenen Städten keine Amtsgerichte bei der neuen Gerichtsorgani- ation sollen errihtet werden, und suchen den Einfluß des andtages dafür zu gewinnen, daß solches nachträglih ge- schehen möge.

23. November. (H. N.) Schon auf dem vorjährigen Lage suchten die Stände die Regierungen zu veranlassen, Lein ih der Grundsäße, welche bei Vertheilung und Aus-

ebung der Mobilmachungspferde zur Anwendung kommen , bei dem Bundesrathe eine für Mecklenburg ge- wünschte Aenderung zu bewirken. Jn der heutigen Sißung des Landtages kam jedoch ein shwerinshes Reskript mit an- liegendem Protokoll der Bundesrathssigung vom 31. Januar 1875 zur Vorlage, woraus E daß nah Beschluß des Bundesraths für die Repartition der Mobilmachungspferde auf die einzelnen Bundesstaaten der inihnen festgestellte Gesammtbestand an Pferden maßgebend ist und daß dem entsprechend der einzelne Staat auch für verpflichtet erahtet wird, über den Bedarf des eigenen Kontingentes hinaus nah Verhältniß des vorhandenen Pferdebestandes für das Bedürfniß anderer Truppenkörper des Bundesheeres mit beizutragen. Das Reskript führt weiter aus, daß die medcklenburgishen Regierungen längst bemüht nee wären, hierin den Wünschen® der Stände gemäß

andel zu Lit damit beide Mellenburg niht mehr Pferde zu liefern hätten, als ihr Kontingent erfordere. Alle Ansirengungen seien jedoch ohne Erfolg gewesen und die Regierungen seien niht in der Lage, etwas Weiteres in der Sache zu thun. ;

Lippe. Detmold, 20. November. (Schl. Pr.) Die Wahlen der 21 Landtagsdeputirten, die ersten nach dem neuen Wahlgeseße, sind zu Ende. Die Fortschrittspartei hat nur fünf bis sechs Mitglieder durchgebraht. Die übrigen Mitglieder gehören sämmtlich der deinbiaten Partei an. Man erwartet die Vorlage einer neuen Verfassung, einer Städte- ordnung und einer Landgemeindeordnung. Der Hauptgegen-

stand ist aber die Dominialfrage.

Bremen, 25. November. (Wes. Ztg.) Jn Betreff der e errihtenden Landwirths E Versuchs- tation für Moor, Haide und Sumpfboden schlägt der Senat der Bürgerschaft vor, ein Haus am Neustadtsdeich vorläufig kostenfrei zu dem Zwecke zu bestimmen. Die Bürger- schaft hat in vertraulicher Sizung dem Antrage zugestimmt.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 27. November. (W. T. B.) Die Gerüchte von einer bevorstehenden Mini sster- krisis werden von gut unterrichteter Seite als unbe- ründet bezeichnet, ebenso auch die Version von einem irekten Eingreifen der Krone in die n iniltccinm lungen. Das österreichishe wie das ungarische Ministerium an entschlossen, die Verhandlungen mit der Nationalbank

ortzuseßzen. (W. T. B.) Der heutigen Versammlung der drei verfassungstreuen Klubs wohnten sämmtliche

Minister bei. Nach Verlesung der von den Obmännern der drei Klubs vereinbarten Fragen: Ob das veröffentlichte !

Bankstatut authentisch sei, ob die Regierung dasselbe ver- trete, ob zwischen - einzelnen Ausgleichspunktationen ein derartiger Konnex bestehe, daß mit der Ablehnung eines Punktes der ganze Ausgleich \cheitere und ob die Regierun bei den weiteren Verhandlungen wegen der Bankfrage au ähnlicher Basis, wie bisher, verhandeln wolle erklärte der Finanz-Minister Pretis im Namen der Regierung, daß der veröffentlichte Text authentish sei. Was die übrigen den Ausgleich vere pon Vorlagen angehe, so untersHieden si dieselben dadurh von dem Bankstatut, daß sie in vollkom- mener Textirung dem Hause vorgelegt würden, während das Bankstatut. der Bankdirektion zur Vornahme eventueller Mo- difikationen habe vorgelegt werden müssen. Nah dem Be- fanntwerden der Wünsche der Bankdirektion würden die bei- derseitigen Regierungen sih ins Einvernehmen segen behufs weiterer Verhandlung mit der Nationalbank, um die Angelegenheit in einer allen Interessen entsprehenden Weise abzuschließen. Details könne die Regierung in der Versammlung nicht geben, doch sei sie jederzeit zu vertraulichen Aufsclüssen bereit ; ebenso sei sie jedenfalls entshlossen, die Nr der Vorlagen zu tragen. Bezüglich der übrigen Vorlagen sei die Regierun definitiv gebunden, nur bezüglich des Bankstatuts würden no Verhandlungen mit der Nationalbank vorangehen. An- läßlich der Gerüchte von der beabsichtigten Auflösung des Reichsrathes erklärte der Minister - Präsident, daß die Re- ierung nicht im Entferntesten an eine Auflösung des Reichsrat es denke und sich in der gegenwärtigen ernsten Lage niht dazu entschließen könnte, der Krone eine solche Maßregel anzuempfehlen. Nachdem im weiteren Ver- laufe der Verhandlungen der Minister des Jnnern, Lasser, die Gründe dargelegt hatte, weshalb sich die Regierung auf ihre heutigen Mittheilungen beschränken müsse und ferner erklärt hatte, die Regierung glaube schon jeßt zu wissen, was durchführbar sei und was nicht, und nachdem mehrere Redner die Errichtung einer dualistishen Bank entschieden perhorrescirt hatten, ergriff {ließlich der Finanz-Minister Pretis nohmals das Wort. Derselbe wiederholte fine bereits im Abgeord- netenhause abgegebene Erklärung, daß den Bankverhandlungen mit Ungarn das Prinzip der Noteneinheit zu Grunde liege und betonte, wer dieses Prinzip E , wissenschaftlih und praftish durchführen wolle, müsse die aus demselben folgen- den nothwendigen Konsequenzen ziehen.

GroßFbritanuien und Jrland. London. 26. No- vember. (Köln. Ztg.) Die Königin hat der Herzogin von Saldanha ihr persönlihes Beileid über den Tod ihres Gemahls ausgesprochen. Eine portugiesishe Korvette holt die Leiche nah Lissabon ab. Herr Göschen ist heute aus Aegypten heimgekehrt. Jn einem Schreiben an die Arbeitervertretungsliga \pricht Gladstone aus, die Sendung Salisbury's, eines gleih ehrenwerthen und tüchtigen Mannes, gewähre Grund zur Hoffnung auf Wahrung des Frieden s.

Frankreih. Paris, 26. November. Die „Corr. Havas“ berichtet: „Der Ministerrath hat sih gestern aber- mals versammelt. Wie verlautet, ist wieder von den Ehren- bezeigungen bei Beerdigungen die Rede gewesen. Das Kabinet will an der Darstellung der Motive festhalten, ist aber uneinig Betreffs der Mittel, um die Frage zu lösen. Mehrere Minister wären der Ansicht, man könnte den hierauf bezüglihen Geseßvorshlag ohne weiteren E zurücknehmen und den Kriegs-Minister beœuftragen, die Sache durch rein administrative Verordnungen zu erledigen. Der Minister des Auswärtigen hat gestern mit General Cialdini, dem italienishen Botschafter, eine Unterredung gehabt. Aus Marseille wird telegraphirt, daß Tissot, der französishe Bevollmächtigte in Athen, seine Reise nach Griechenland gestern, angetreten hat.“

_— Die Rede des Conseils-Präsidenten Dufaure in der Sitzung der Deputirtenkammer vom 25. d. M. wird von der „Köln. Ztg.“ folgendermaßen skizzirt:

Der Mlnisler-Präsident erklärte, die Trennung von Kirche und Staat würde die Austreibung der Priefter, der Presbyterien und den Verfall der Kirchen zur Folge haben ; denn nimmermehr könnten die Gemeinden die Kosten der Unterhaltung der Kirche und der Priester bestreiten. Ein einziges Mal sei die Trennung von Staat und Kirche in Frankreich versucht worden: die Commune von 1871 habe diese Trennung ausgesprochen ! Man finde es tyrannish, wenn der Bürger gezwungen werde, zu den Unkosten des Kultus beitragen zu müssen, den er nicht ausübe; aber dann gebe fast jeder Budgetartikel Grund zu demselben Einwurfe: der arme Acker8mann benußte den höheren und den mittleren Unterriht auch nicht und mit diesem System gelange man zur selbstsüchtigen Beseitigung jedes großen nationalen Gedankens. In jeder der 40,000 Gemeinden Franfkreich8 gebe es cinen Mann, der den Kranken Beistand eiste und die Kinder durch Unterriht zu einer oe Gesittung erhebe; kein anderer Dienst habe fo viele Anrechte auf den Schuß des Staates; dieser Schuß sei übrigens eine der Klauseln des Vertrages mit der Geistlichkeit, die sich ihrerseits ver- pflichte, die allgemeinen Geseße zu achten. Man behauptet, der Ver- trag werde niht mehr gehalten, die Bischöfe leisteten keinen Eid mehr; aber die Negterung der Nationalvertheidigung habe den Cid abgeschafft, man beklage si, daß die Erklärung von 1682 nicht mehr gelehrt were; allerdings seien einzelne Artikel diefer Erklärung auf- gehoben, aber noch immer werden ihre großen Ne gelehrt, nämlich die Aer [Gedan zwishen dem Geistlichen und dem Welt- lichen. Um die Aufhebung des Vertrages zu verlangeu, beschwöre man die Gespenster des Klerikalismus herauf: die Regierung bean- trage die Vermehrung dêr Besoldung der Sukkursalpfarrer auf dem Lande von 900 auf 1000 Frs.; das sei es nun, worin sich der Ein- fluß der Geistlichkeit kund gebe. Auch habe man gestern von der Expedition nah Rom und von den Vorspielen des Krieges von 1870 gesprochen; aber mit diesen Thatsachen habe die jeßige Regierung nichts zu hafen. Woran erkenne man denn jeßt noch den fo gefürchteten Ein- fluß der Geistlichkeit? Die den Bis chöfen ertheilten Weisungen Eo die Einmischung von Politik im priesterlihen Wirkungskreise ; das könne man in dem Hirtenbriefe des Erzbishofs von Paris von 1841 er- sehen, und seitdem sei die Regel nicht geändert worden. Es werde behauptet, bei der Wahl in der Bretagne hätten Priester auf der Kanzel einen Kandidaten empfohlen. (Mehrere Deputirte : Ueberall !) Redner habe eine Untersuchung angeordnet, aber die Zeugen hätten sich dieser Thatsachen, die sie Zuerst era: nicht mehr erinnert. P e E Wenn ein Pier einen Pflichten niht naGkomme, o laufe er Gefahr, wegen Mißbrauches ermahnt zu werden, aber inecft gelte es, die Thatsachen zu erhärten. Woher rühre diese Schilderhebung gegen eine freisinnige, weise und aufgeklärte Geist- lichkeit? Weil man auf ihre Erklärungen nicht mehr genug Bezug nehme. Die Religion hat - allerdings Vertheidiger, von denen sie mitunter bloßgestellt wird, aber die politishen Parteien stellen die Religion auch bloß, wenn fie sch mit ihren Dis- fussionen hineinmishen. Daher kommi das jeßige Uebel !

das komme daher, weil Frankrei eine weil Frankreich katholisch fei.

Man behauptet, Frankreich stehe in Europa allein ; die Einen meinen, | daß die

Republik sei, die Anderen, | l y Aber Frankreih muß sich selber an- | gehören und niht Andere fragen, was es in Bezug auf den religiösen

Glauben wie in seinem politishen Systeme sein soll. Möge Frank- reih seine Unfälle gut machen, und es wird seine Stärke wieder er- langen; dann werden auch die Allianzen kommen. Aber die Regie- rung will Frieden mit der ganzen Welt halten; sie verlangt, daß Niemand \ich in Frankreihs innere Angelegenheiten mische; ste wir feins der Elemente der ihm anvertrauten Staatsmaht opfern. (Beifall. Wenn die guten Beziehungen, welche zwischen der geistlihen un weltlichen Macht bestehen, jemals gestört werden sollten, so werden sie nell wieder hergestellt werden durch das Zusammenwirkn des heiligen Stuhles und des französischen Episkopats, wie auch dur die Festigkeit, mit der die Regierung beide ihr theure Sachen, die Religion und die Republik, aufreht erhalten wird.

Versailles, 27. November. (W. T. B.) Die Depu- tirtenkammer seßte in ihrer heutigen Sißung die Dis- kussion über das Budget für das Kultus-Ministerium fort und berieth zunächst einen von dem Konseil-Präsidenten Dufaure eingebrahten Antrag, dahingehend, den [es die Besoldung von Pfarrverwesern bewilligten Kredit um 600,000 Frs. zu erhöhen. Die Budgetkommission hatte sih für die Erböbung um 200,000 Frs. ausgesprochen. Victor Lefranc (gemäßigter Republikaner) beantragte 400,000 Fres. Dieser Antrag wurde jedoch mit 263 gegen 239 Stimmen ab- gelehnt. Dufaure hielt die Forderung von 600,000 Frs. auf- recht. Die Berathung wird morgen fortgeseßt werden.

Spanien. Madrid, 25. November. (Ag. Hav.) Der Minister-Präsident Canovas del Castillo erklärte im Kongreß bei Beantwortung einer Jnterpellation von Alvared in Betreff der religiösen Toleranz, daß er der Jmpopulari- tät getroßt habe, um die religiöse Toleranz in der Konstitu- tion, ungeachtet des Widerstandes der großen Mehrheit der Spanier, aufrecht zu erhalten.

Türkei. Konstantinopel, 28. November. (W. T. B.) Der hiesige englische Botschafter, Elliot, hatte gestern eine Privataudienz bei dem Sultan. Die Spezial- bevollmächtigten Frankreichs zur Konferenz, Graf Chaudordy und Graf Bourgoing, werden am Mittwoch - hier erwartet. Heute ist hier ein Bataillon freiwilliger Sostas eingerückt.

Wien, 27. November. (W. T. B.) Ueber den gegen- wärtigen Stand der orientalischen Frage verlautet, wie das „Telegraphen-Korrespondenz-Bureau“ meldet, Fol- gendes : Bezüglich besoncerer Reformen für die drei insurgirten türkischen Provinzen seien die Kabinete einig. Die augen- blicklich noch zwischen Petersburg und London bestehenden Differenzen beträfen mehr die äußerliche Brn, als die Sache selbst. Während man in London den Schein gewahrt wissen wolle, als bliebe der Pariser Vertrag intakt, wenn man auch mit einer faktischen Verleßung des Art. 9 des Vertrages ebenso einverstanden wäre, wie seiner Zeit bei der Libanon- frage, wolle Rußland in dem event. Schlußprotokolle der

onferenz gerade schärfer in der Boa als sahlich eine Auf- YCOURA des Vertrages konstatirt sehen, indem man in Ruß- and dies als eine Art Satisfaktion und Rehabilitation für die E des Krimkrieges betrachtet. Ebenso bestehe au ezüglih der Auffassung der Garantiefrage zwischen der cliiben und russischen Regierung keine wesent- liche Differenz. Nur die Frage wegen der Modalitäten der von der Pforte zu gebenden Garantien könnte einen casus belli bilden. Rußland wolle eine sofortige Offku- pation, von welcher England nichts wissen wolle, und noch weniger die Pforte. Die aufgetauhten und bereits erörterten Vermittelungsvorschläge beträfen theils eine Vertagung der Ofkfkupation für den Fall, daß die Türkei felbst die Macht und Autorität besäße, die vereinbarten Reformen ins Leben zu rufen, theils die Frage, welche der Großmächte die Okkupation bewerkstelligen solle. - Jnnerhalb dieser Vermittelungspunkte dürfte sich ein Punkt finden, bis zu welchem sich auch England mit einer eventuellen Okkupation einverstanden - erklären könnte.

Brüssel, 27. November. (W. T. B) Wie das Journal

„Le Nord“ erfährt, hätte die Pforte die neue Verfassung den Mächten bereits mitgetheilt. Dasselbe Organ bemerkt bei der Le LER des Vorschlages , der Türkei für die Ausführung der verheißenen Reformen eine Frist zu gewähren, daß der- selbe O sei, da Europa gegenwärtig wisse, was von türkischen Reformen zu erwarten sei. Ragusa, 27. November. (W. T. B.) Die Kommissare zur Feststellung der Demarkationslinien sind mit dem Kanonenboot „Moeve“ heute in Antivari eingetroffen. Dieselben werden mit dem türkishen Kriegsdampfer „Assyr“ ihre Reise nah der Bojana-Mündung fortseßen und sich von dort mittelst eines Flußdampfers nah Scutari begeben.

98. November. (W. T. B) Der Jnsur- genten-Chef Mussic, welcher, wie bereits gemeldet, auf österreichischem Gebiete verhastet wurde, ist gestern unter Es- korte hier eingetroffen ; derselbe soll in Klagenfurt internirt werden. Zwei türtische lebe a haben von der österreichischen Ms die Erlaubniß erhalten, in die Häfen von Klek und Ragusa einzulaufen. Zur Kontrole der t das Einlaufen festgeseßten Bedingungen sind Seitens der Militärbehörden Kommissare ernannt worden.

Serajewo, 17. November. Das Amtsblatt für Bosnien vom 13. enthält eine Verordnung des Groß- veziers, durch welche von “Neuem die Ausführung von Lebensmitteln aus Bosnien verboten, die Einführung folcher e Oesterreich und Serbien aber von Zollabgaben befreit wird.

Demselben Blaite uo e hat der Großvezier bestimmt, daß die Gebühren, welche für die Quarantäne, die Leucht- thürme, das Ankern der Schiffe u. \. w. zu entrichten sind, aus\{ließlich in Metallgeld zu zahlen seien. Schon früher wax die Annahme des türkischen Papiergeldes bei der Douane und den Post- und Télegraphenämtern untersagt worden.

_ Konstantinopel, 26. November. Der W. „N. Fr. Pr.“ wird telegraphirt : Die Publikation der türki chen Kon - stitution steht wahrscheinlih schon in den nächsten Tagen zu erwarten, jedenfalls vor Zusammentritt der Konferenz.

Die W. „Presse“ erhält folgende Telegramme:

Konstantinopel, 25. November. Lord Salisbury, für den {hon im hiesigen „Hotel Logotheti“ die nöthigen Appartements hergerictet sind, wird gleich nah seiner An- kunft hier vom Sultan in einer Privataudienz empfangen werden und dabei dem Sultan auch einen genauen

Bericht über die Stimmung sowohl am englischen Hofe, als

auch an den Höfen, die er auf die Hierherreise besuchte, erstatten. E hiesigen diplomatischen Kreisen glaubt man, e Audienz entscheidend für die Stellung der Pforte

zu den Forderungen der Konferenz sein werde. 2. November. Eine NRegierüngsdepeshe an die Gouverneure der Provinzen fordert dieselben auf, die

Ausrüstung der neuen Bataillone für die Armee shleunigst betreiben zu lassen. : - i

Belgrad, 2. November. Die Demarkationslinie am Timok geht von Wraschogrnaz über Kopita, Metowniza, wischen Planiniza und Lubniza durch, nach Grljan. Die

emeinden von Wraschogrnaz, Lubniza und Grljan bilden die neutrale Zone.

„Srpske Novine*“ vom 23. d. M. veröffentliht einen Erlaß des Kriegs-Ministers, betreffend die neue Organisation der serbischen Armee.

Danach besteht die Armee aus der aktiven Armee und der Ne- erve, die aktive Armee aus der Infanterie 1. Klasse und den ührigen I S UIEIEE die Reserve aus der Infanterie 2. und 3. Klasse.

Die aktive Armee wird in vier Corps eingetheilt: das Shu- madija-Corps, bestehend aus der Belgrader, Kragujewaßer, Rudniker und Poscharewater Brigade. Das Drina-Corps aus der Schabater, Podrinjer, Valjevoer und Uschißaer Brigade. Das Morawa-Corps aus der Tshatschaker, Krujewaßer, Jagodinaer und Tschuprijaer Brigade. Das Timok-Corps aus der Alexinater, Knjajewater, Tschrnorejkaer und Branitschevoer Brigade.

Die Corpsstäbe liegen: der des Schumadija-Corps in Belgrad, der des Drina-Corps in Valjevo, der des Morawa-Corps in Kruje- waß, der des Timok-Corps temporär in Jowanowaß. Die Artillerie formirt Brigaden, die Kavallerie Regimenter, die Ingenieurtruppen Bataillone. Die Freiwilligen-Corps werden ebenso eingetheilt.

Aus Türkisch - Armenien erfährt die „P. K.“ Erzerum, 12. November:

Die türkishe Truppenaufstellung. bei Vana hat begonnen. Dort befinden \sich 12,000 Nizams. Bei Bajazet sind zwei Divisionen zusammengezogen. Bis jeßt übersteigt die Zahl sämmtlicher im dies- seitigen Vilajet konzentrirten Truppen kaum 45,000 Mann, wobei die Garnisonen in den verschiedenen festen Pläßen nicht mitgerechnet jon, Die Pforte mat große Anstrengungen, um hier eine größere

rmee aufzubringen. Offenbar hat sie aber dabei mit roßen Schwie- rigkeiten zu kämpfen. Schon zu Anfang dieses Monats hâtte die Armee 60,000 Mann stark sein sollén. Es fehlt aber an Geld und Leuten. Um in lekterer Richtung nachzuhelfen, werden jeßt die Kurden massenhaft ausgehoben. Dieser Stamm liefert ganz tüchtige Soldaten, die aber einer eisernen Disziplin bedürfen, wenn sie im Felde etwas leisten sollen. In einem eventuellen Kriege gegen Ruz;land werden sie namentli gegenüber den Terek-Kosaken, welche in der russischen Kaukasusarmee zahlreih vertreten find, gute Dienste leisten. Die Terek-Kosaken sind ein ebenso wildes und ungestlmes Element wie die Kurden. Die bereits ausgehobenen Kurden begehen leider furht- bare Excesse. Ein reiches Kloster, Utsch-Kilisse, 2 Stunden von Bajazet, wurde von den in Bajazet garnisonirenden Kurden überfallen, ausgeraubt und dessen Prior, welcher Miene zur Vertheidigung mate, erschlagen. Noch ein traurigeres Ereigniß spielte sich unweit von hier ab. Eine Schaar Kurden griff die Dörfer Pstick und Perkri an und wüthete dort unter Weibern, Kindern und Greisen. Die Dorfbewohner hat- ten keine Waffen und konnten \sih niht wehren. Cin angesehener Armenier, der hier hochgeahtete Herr Martar, hat sich in Folge dessen aufgemacht und ist nah Konstantinopel abgereist, um dort Klage zu führen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß er auch den Vertretern der Großmächte über diese Zu- stände Vorstellungen machen werde. Fast alle Pferde der Provinz sind für Kriegs8zwecke requirirt worden. Die Eigenthümer sind mit Teskerès entschädigt worden. In Bajazet wird ein verschanztes Lager für 20,000 Mann errichtet. 5000 Irreguläre sind bereits dort unter- ebracht. Auch der Landsturm wird organisirt. Alle Hauptorte der Faimakamate sind zu Sammelpunkten des Landsturmes bestimmt. Die Steuern werden hier zumeist in Getreidesorten und Hammeln erhoben. Davon werden die geringsten Quantitäten verkauft, wähse rend das Meiste nah den F- stungen, theilweise sogar nach Konstanti- nopel gebracht wird.

Numänien. Bukarest, W. November. ' (W. T. B.) Die Deputirtenkammer hat ihren bisherigen Präsiden- ten Nosetti wieder gewählt. Jm Senat wurden der Me- tropolit Miclesco zum. Präsidenten, Kogalniceanu und Foan Ghika zu Vizepräsidenten gewählt. -

Rußland und Polen. St. Petersburg, 25. Noven- ber. Gegenüber den alarmirenden Gerüchten ausländischer Blätter erklärt die „Ag. gén. russe“, daß die militärischen Vorbereitungen Rußlands nicht den Krieg um jeden Preis im Auge hätten, sondern nur die verbür te Verbesserung des Looses der christlichen Bevölkerungen des Orients, ein Resultat, das dur friedlihes Einvernehmen der Mächte zuw erreichen, Rußland stets zufrieden stellen würde. Der russische General-Konsul in Belgrad, Karzow, und der serbishe Gesandte, Marinowit\h, sollen nah der „Ag. gén. russe“ heute hier eintreffen. Am 11./23. No- vember verschied hierselbst der General Besnojssikow, bekannt durch seine Untersuhungen bezüglih der mittel- asiatischen Eisenbahn.

Dänemark. Kopenhagen, 23. November. Die Blätter enthalten verschiedene Mittheilungen über den Be- such des Königs auf der Jnsel Fühnen. Die großen Jagden auf .Ravnholt finden heute statt. Das Folke- thing beendigte gestern nah kurzer Diskussion die 3. Be- rathung des Geseßes, betreffend Maßregeln gegen die Ver- breitung der Hundswuth. Die Gesammt-Einnahme der allgemeinen Zoll-, Branntweins- und Saar Me M., {90e der Kriegs steuer betrug im Halbjahre April-Okto-

er dieses Finanzjahres 15,987,625 Kr., welches im Vergleich mit dem entsprehenden Zeitraume des vorigen Finanzjahres eine Mehreinnahme von 23,928 Kr. darstellt.

Statistische Nachrichten. (Stat. Korr.) Der belgische auswärtige Handel, der im Jahre 1874 einen ziemlich beträchtlihen Rückgang im Vergleich zum Vorjahre erfahren hatte, hat im leßtvergangenen Jahre wieder an Ausdehnung gewonnen, weun auch der Tas noch nicht den Umfang wieder erlangt hat, den er 1873 besaß. Es betrug

nämlich:

Y 1873 1874 1875 2424,69 2258, 2318, 2164,0. 2070,22 2107,6

im Generalhandel: die Einfuhr Mill. Fr. A e im Spezialhandel: die Einfuhr Mill. Fr. - 1422,17 1292, 1307,1 Ausfuhr , N 11586 11146 1101,8 , Na diesen Angaben wurden von allen über die Gtenze herein- gebrahten Waaren 1873 58,70, 1874 57,20, 1875 56,36 %/o dem inlän- dischen Verbrauche zugeführt, und beanspruchten. von der gesammten Waarenausfuhr die Erzeugnisse des belgischen Akerbaues und Gewerb- fleißes 1873 53,54, 1874 53,85 und 1875 52,27°%/0. Vor Allem ist es demnach einer Zunahme des Transithandels zu danken, wenn im Jahre 1875 die Waaren, welche die belgische Grenze überschritten, einen O Werth aufweisen als im Vor ahre. Der Werth der durchgehenden Waaren wird für 1874 auf 955,6 Mill. Frcs. ange- geben, für 1875 avf 1005,95 Mill. Fres., fo daß er im leßtvergan- gegenen Jahre von 100 auf 105,26 stieg und damit die Bde Be- ines wiener erlangte, die er im Jahre 1873 (mit 1006,3 Mill. xcs.) hatte. s : ie obigen Zahlen haben den belgischen auswärtigen Handel als einen passiv-n gekennzeichnet; nur nah Deutschland und dem südlichen Europa entsandte das Land mehr einheimische Waaren, als es von

dort Güter zum inländischen Verbrauhe bezogen hat. Es übersticg 1875 im Spe-ialhandel die Ausfuhr nach dem zollvereinten Deutsch- land um 66,6, die nah Hamburg und Bremen gerichtete um 6,1 Mill. Fres. den Werth der vo. dort bezogenen Waaren, und im Handel mit dem südlihen Europa war der Werth der Ausfuhr 73,9 Mill. fred. während nur für 41,2 Mill. Frcs. Güter von da auf belgisches

ebiet gebracht wurden. ' h

__Den lebhaftesten Waarenaustaus{ch unterhält Belgien mit Frank- reich, darnach mit England, Deutschland, den Niederlanden und Amerika. Von diesen Gebieten haben im belgishen Spezialhandel :

eingeführt ausgeführt 5 1873 1875

Ô 1873 1875 Deutsbland (mit Hamburg

und Bremen . . . . Mill. Fr. 171,5 E s Z 335,6 die Niederlande . . . c 179,0 E a a S _ 263,22 249,3 241,9 208,6 Amerika . L S J 2997 1941 47,4 47,0 _ Unter den zum inländischen Verbrauche eingeführten Gegen- ständen nahmen Getreide und Mehl und darnach Wolle die erste Stelle ein; von belgishen Erzeugnissen gingen vor Allem Pflanzen- Faserstofe und Steinkohlen nach dem Auslande. Die Bedeutung dieser Waaren für den auswärtigen Handel Belgiens wird die fol- ende Uebersicht erkennen lassen, welche die hauptsächlichsten Gegens ee; des Spezialhandels aufführt. Es wurden 1875 nach und von elgien

171,6 356,3

266,1 380,1 169,5 131,9 150,2

244,3 344,0

eingeführt ausgeführt Ts\d. Fr. Ts\d. Fr. Getreide und Ml 182,666 45,164 E E E Os E e LLKOOS 9,974 In einer Schrift über die kirchlihe Statistik von Berlin, welche soeben (Berlin, Verlag des Cvangelischen Vereins) erschienen, hat es sich ihr Verfasser, Prediger E. Hülle, zur Auf- gabe gestellt, niht nur auf die Mängel der gegenwärtigen kirchlichen Statistik von Berlin hinzuweisen, sondern auch die Wege der Ab- hülfe zur Sprache zu bringen. Die vorliegenden Aufzeihnungen sollen dazu dienen, eine weitere Erörterung über die Methode der Verwerthung kirlich-statistishen Materials herbeizuführen. Die Be- handlung der Frage nimmt besonders auf drei Punkte Rücksicht, welche die drei Abschnitte der vorliegenden Schrift bilden: 1) Die Unterlagen der fkirhlihen Statistik von Berlin; 2) die Benußung der kirlich-statistishen Daten; 3) die Resultate der kirchlihen Sta- tistik von Berlin.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Dresden, 21. November. (Dr. J.) Der ordentliche Professor Dr. Carl von Noorden in Bonn is zum ordentlichen Professor der Geschichte in der philosophishen Fakultät der Universität Leipzig ernannt worden. Der Preußische Termin- und Notiz-Kalender ift (in Friedr. Schulze's Verlag hier) auf das Jahr 1877 im 8. Jahr- gang erschienen. Dieser zum- Gebrauch der Beamten der allgemeinen Verwaltung und der Verwaltung des Innern, einschließlich der Bürgermeister sämmtlicher Städte Preußens bestimmte Kalender ent- die außer dem Kalendarium und der Genealogie des Königlich preu- ischen Hauses: I. Die gebräuchlichen Eide. 1, Portotare. Il]. Tarif der Gebühren für telegraphische Depeschen. IV. Zinstabelle nah der Markrechnung. V. Gesetz, betr. einige Abänderungen der Vorschriften für die Veranlagung der Klassensteuer, vom 16. Juni 1875. VI. Ge- seß, bet. eine Abänderung des Gesetßes, vom 24. März 1873 über die Tagegelder und Reisekosten der Staatsbeamten, vom 28. Juni 1875, nebst Verordnung, betr. die Tagegelder und die Reisekosten der Staatsbeamten, vom 15. April 1876. VII. Gesetz, betr. die Ver- fassung der Verwaltungsgerihte und das Verwaltungsstreitverfahren vom 3. Juli 1875. VII!. Verzeichniß der Behörden und Beamten der allgemeinen Verwaltung und der Verwaltung des Innern, inkl. der Bürgermeister sämmtlicher Städte Preußens, erweitert dur die Namen der Beamten des Ober-Verwaltungsgerihts und der Verwal- tungsgerichte, e der Provinzial- und Bezirksräthe. 1X. Namens- register zu VITT. Das Verzeichniß der ehörden und Beamten if} dur die Namen der Beamten des Ober-Verwaltungsgerichts und der Verwaltungsgerichte, sowie der Provinzial- und Bezirksräthe ver- vollständigt worden.

Land- und Forstwirthschaft.

Bremen, 24. November. (H. N.) Der Geschäftsführer des Vereins gegen das Moorbrennen, A. Lammers, hat im Auftrage des Präsidenten, E Dr. Pfeiffer, den Vor- standsmitgliedern im Wege des Rundfchreibens empfohlen, die Ver- einsversammlung für dieses Jahr ausfallen zu lassen und nicht früher als Ende April oder Anfang Mai 1877, und zwar alsdann hier ab- zubaltcen. Nicht etwa Mangel an Verhandlungsstoff "ist der Grund dieses Vorschlags, sondern umgekchrt, daß die Bestrebungen des Vereins für rationelle Moorkultur neuerdings einen höchst erfreulichen Fortgang nehmeu au ohne häufig wiederkehrende neue Anregung, und daß im nähsten Frühjahre verschiedene derselben einen gewissen Abschluß erreichen werden. Die Versuchsstation für Moor, Sumpf und Haide wird dann ins Leben treten; für Statistik und Kartographie der norddeutschen Moore sind die Grundlagen theils bereits gewonnen, theils der Gewinnung nahe, und auch die meteorologische Beobachtung des Moorrauchs, welhe auf der Bielefelder Vereins- versammlung Ende Oktober 1875 neben Moorstatistik und Versuchs- station beschlossen wurde, kann im nächsten Frühjahre hoffentlich zur Ausführung gelangen. Inzwischen werden die Vorstandsmitglieder ersuht, sih die Gewinnung von Mitgliedern und Beiträgen für die steigenden Kosten der Vereinsthätigkeit angelegen sein zu lasen.

Gewerbe und Handel.

Die Preußische Central - Bodenkredit - Aktienge- sell \chaft emittirt zehn Millionen Mark nom. 5 °/@ unkündbarer im Wege der Verloosung 31 pari rückzahlbarer Central-Pfandbriefe, wovon zunächst ein Theilbetrag freihändig begeben werden soll. Die

edachten pan werden mit #°/9 pro anno, zuzüglich der er- sparten Zinsen, getilgt; vor dem Jahre 1885 darf dieser Tilgungs- etrag nicht verstärkt werden. Die erste Verloosung erfolgt im Dezember 1877. Die Appoints lauten auf 100, 300, 500, 1000, 3000 #4 Die neue Emission steht mit denen aus den Jahren 1872/74 auf gleicher Linie mit der Maßgabe, daß bei letzteren die Verlcosung bereits begonnen hat. i

In der Generalversammlung der Aktien -Brauerei- Gesellschaft Friedrihshöhe vorm. Payenhofer wurde der Ab- {luß pro September 1876 genehmigt und der Geschäftsführung Decharge ertheilt. Der Reingewinn des mit dem 30. September cr. abgelaufenen Geschäftsjahres beziffert sich auf 106,249 #4, wovon an den Reservefonds 5012 4, an den ufsihtsrath und die Direktion für Tantièmen 9523 Æ und an die Aktionäre T4 % des 1,050,000 M betragenden Aktienkapitals mit 78,750 46. kommen. Der Rest von 7742 Æ wird auf neue Rechnung vorgetragen. Der Reservefonds enthält 27,351 #& Die Gesellschaft e 480,000 A Hypotheken und hatte am 30. Sep- tember eine \{webende Schuld von 125,695 4 Die Kasse enthielt 11,727 Æ, die Ausstände betrugen 17,499 #4 und das Bierconto 128,294 A Die Immobilien stehen mit 1,298,499 A zu Buche, Mobilien 34,274 Æ, Maschinen 77,986 4, Fastagen 138,970 M, Pferde 12,607 4, Wagen 23,060

Die Liquidation der Aktiengesellschaft Hüttenwerk Eisenspalterei bei Neustadt-Eberswalde ist PURA E kauf des Hüttenwerks fast ganz beendet und dürfte, wie die „B. B. Zig. mittheilt, einen kleinen Prozentsaß für die Aktionäre er- geben.

Die Bilanz der Hannoverschen Maschinenbau- Aktien-Gesellschaft Sears Egestorf) für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr s{ließt mit einem Verlust von circa 6 “/o des Aktienkapitals ab, indem dem leßteren im Betrage von 10,500,000 Æ in der Bilanz ein Defizit von 652,095 Æ gegenüber- steht. Von diesem Verlust entfallen auf den Betrieb selbst 405,095 und auf Beitrag zu Abschreibungen 247,000 A Unter den Passiven figuriren neben 1,732,837 Æ Hypotheken, Accepte in Höhe von 642,141 \ und Kreditoren im Gesammtbetrage von 2,121,268 AMÆ Dagegen befinden sih unter den Aktiven Debitoren mit 1,726,754 46, Wechsel mit 75,043 Æ, Caffa mit 42,448 M, Magazinvorräthe mit 491,999 und balbfertige Arbeiten mit 1,245,494

Das Gewinn- und Verlustkonto der Aktiengesellshaft „Phoenir“, für Bergbau und Hüttenbetrieb zu Laar befi Ruhrort stellt sich für das leßte Geschäftsjahr folgendermaßen : Der Bruttogewinn des Geschäftsjahres 1875—76 beträgt: 124,901 Æ, Uebertrag des Delkrederekontos 449,375 #, zusammen 574,276 Dagegen fallen demselben zur Last: Generalunkosten inkl. Zinsen 469,876 MÆ, Amortisation der Vorrichtungsarbeiten auf den Gruben 23,405 Æ, Abschreibung auf zweifelhafte Schuldner 953,786 ä, zusammen 1,447,068 A, bleibt Verlust 872,791 e Die Generalversammlung beschloß, diesen Verlust aus dem Re- servefonds zu decken. Der Reservefonds wird dadurch bis auf 27,208 M. abforbirt, während das Garantienkonto für Schienen und Räder in Höhe von 450,000 erhalten bleibt. Die Kohlenförderung auf der Kohlengrube Carolus Magnus beträgt nur 2,870,518 Ctr. gegen 3,625,352 Ctr. im Jahre 1874/75. Der Betrieb der Eisensteingruben litt unter lngünligen Witterungsver= hältnissen. Die Förderung aus eigenen Gruben elief sich troßdem im Ganzen auf 76,518,089 Kilo gegen 57,316,806 Kilo im Vor- jahre. Die Gesammt-Produktion an Roheisen belief sih auf (4,784,680 Kilo gegen 75,325,559 Kilo im Jahre vorher. Die Hütte zu Laar lieferte an fertigen Fabrikaten ‘e iserne Schienen und Schienen - Befestigungstheile 8,751,181 Kilo (gegen 14,767,560 Kilo) Stahlschienen und Schienen - Befefstigungst eile 11,414,212 Kilo (9,771,058), Handelseisen 7,526,441 Kilo (6,%09,426), Bandagen und Achsen 1,912,273 Kilo (2,907,128), Gußstüdcke 1,813,761 Kilo (1,847,177 Kilo), total 31,417,868 Kilo gegen 36,102,349 Kilo im Jahre vorher. Im Bessemerwerk, welches wäh- rend 5*Monaten nur eine Schicht pro 24 Stunden arbeitete, wurden 13,556,586 Kilo Blöcke gegen 14,065,777 Kilo, und im Martinwerke 2,594,836 Kilo gegen 1,868,526 Kilo im Jahre vorher hergestellt. In der Hütte zu „Eschweiler-Aue“ wurden angefertigt: Handels- und profilirtes Eisen 8,507,571 Kilo (7,724,837 Kilo), Bleche 3,259,330 Kilo (2,771,743 Kilo), Räder und Rädermaterial 4,603,467 Kilo (8,312,589 Kilo), Schmiedestücke 355,348 Kilo (529,750 Kilo), Stahlbleche 2c. 102,045 Kilo, Gußstücke 809,105 Kilo (842,882 Kilo). Total 17,636,866 Kilo gegen 20,181,801 Kilo im Jahre vorher. Im Ganzen wurden also an fertigen Fabrikaten hergestellt 49,054,734 Kilo gegen 56,284,150 Kilo im Jahre vorher. Die Dent feuerfester Materialien zu Eschweiler-Aue lieferte 2,430,115 ‘ilo Fabrikate gegen 3,276,270 Kilo im Jahre vorher. Am 30. Juni c. betrug die \{chwebende Schuld 4,858,648 4 Dagegen Cassa und Wechsel 281,152 4, Debitoren 3,784,672 4, Magazin- vorräthe 976,467 A.

_Weingartsgreuth, 17. November. (Südd. Pr.) Die im biesigen Flur, Abtheilung Buchfeld, aufgefundenen Steinkohlen wurden vom Bergamte Bayreuth untersucht und den rheinischen und besseren sächsischen Kohlen gleich erahtet. Auf Requisition der erstgenann=- ten Behörde hat der Bezirk8amtmann von Höchstadt ein größeres Quantum Kohlen an Ort und Stelle ausgraben lassen und wieder- holt nach Bayreuth gesandt. Bohrversuhe werden, wenn in diesem Herbste niht mehr möglich, kommenden Frühling angestellt werden.

London, 24. November. (Köln. Ztg.) Wie es scheint, darf man sich in bevorstehender Session auf ein neues Fabrikzeichen- geseß gefaßt machen. Das erst kürzlich angenommene Ley hat viel Gutes gewirkt, doch stellen sich bei der Handhabung desselben immer noch Mängel und Lücken heraus, deren Beseitigung nunmehr angestrebt wird. Aehnliche Erfahrungen sind ‘ja auch in Deutschland gemacht worden. :

Nah einer Bekanntmachung der Direktion der Warschau Teréspoler Eisenbahn vom 23. d. M. ist auf der Moskau-Brest er Bahn die Expedition von gewöhnlichen Frachtgütern bereits wieder hergestellt, jedoh mit dem Vorbehalte, daß die Bahn die Ver- antwortlikeit für rechtzeitige Beförderung der Güter nicht über- nimmt. In Folge dessen übernimmt zwar die Warschau - Terespoler Eisenbahn die Erpedition von Gütern nah der Strecke Brest-Moskau, aber nur unter dem gleichen Vorbehalte. Dagegen nimmt die Kiew=- Brester Cisenbahn nur Eilgut zur Beförderung an. Hiervon sind indeß die Strecken nah Odessa und Kursk, auf welchen gegenwärtig die Expedition von Eilgut nicht stattfindet, ausgenommen.

Der russishe „Regiexungs - Anzeiger" wver- öffentliht Folgendes: Dur ein am 10./22. November d. F vom Kaiser ‘estätigtes Journal des auf Anordnung des Finanz - Ministers niedergeseßten Finanz - Comités ist be- timmt worden: 1) Vom 1. Januar 1877 an wer- den die Zollabgaben in Gold erhoben. Anmer- fung: Beim Verkauf von Waaren Seitens der Zollämter auf dem Wege der Auktion werden die für diese Waaren zu erhebenden Abgaben in Gold berechnet. 2) Dem Finanz-Minifter wird es freigestellt, den Zollanstalten, wo er es für nöthig findet, außer russishen Goldmünzen auch noch die Entgegennahme zu ge- statten von: a. Coupons der laufenden und vorhergehenden Termine: von Billeten der russishen in Metall verzinslihen Staatsanleihen, der 4prozentigen Metalliques der Staatsbank, der Obligationen der Nikolai-Eisenbahn und der konsolidirten Obligationen der ru] ischen Eisenbahnen; þ. dieselben Billete und Obligationen, wenn fie ereits tiragirt sind; c. ausländische Goldmünzen; d. ausländische Bank= notez, welhe in Gold umgetauscht werden können. Die von dem Finanz-Minister bezüglich der - Annahme dieser Valuten bestätigten. Bestimmungen, mit natnentlicher Bezeichnung der ausländishen Münzen, ausländischen Banknoten, nebst Angabe der Course, zu welchen sie angenommen werden können, sowie alle Ver- änderungen dieser Bestimmungen sind zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. 3) Die Staatsbank nimmt von rivatpersonen alle in 8. 5 enannten Valuten, entgegen, und ebenso: a. Goldbarren, b. Goldanweisungen der Bergverwaltungen, und e. ausländische Tratten, die in Gold bezahlt werden, und giebt gegen diese Valuta Depositalquittungen über auf Halbimperiale lautende Beträge. Die Quittungen werden Seitens der Zollanstalten zur Zahlung im Nominal- werthe von Privatpersonen na gegenseiti er Uebereinkunft entgegen- genommen. Die Staatsbank zahlt zu jeder Zeit gegen Votweisung dieser

uittungen die Nominalsumme in Halbimperialen aus. Der C L bestätigt die Form und den Werth der genannten

uittungen und ertheilt der Staatsbank alle zur rihtigen Ausfüh- rung biesèr Operation erforderlichen Unterweisungen. 4) Zahlungen für Zollabgaben, welhe in Metallvaluta zu entrichten sind und 5 Rubel 15 Kop. nicht übersteigen, erfolgen in Silberrubeln und zuw deren Nominalwerthe. Kreditrubel jedoch können bei derartigen Leistungen nur in doppeltem Betrage angenommen werden. An- merkung: Bis zum 1. Januar 1878 können Zollabgaben , die der: Bezahlung in Metallvaluta unterliegen und 100 Rubel nichk übersteigen, als temporäre Ausnahme, in Kreditbilleten gezahlt werden, jedo unter der Bedingung, daß in diesem Falle die lungen in doppeltem Betrage entrichtet werden. n Bei Nachzahlun=- gen von Summen unter 1 Rubel wird jede russishe' Silbermünze zum Nominalwerth angenommen, die Scheidemünze nicht ausgenom- men, und bei Nachzahlungen von Summen unter 20 opeken- wird: auch die russische Kupfermünze zum Nominalwerthe zugelassen. 6) Alle Waaren, für welche nicht bis zum 1. Januar 1877 der Zoll entrichtet ist, unterliegen der Goldvaluta. 7) Kautionen, welche den Ü- anstalten bis zur Publikation dieser Bestimmungen vorge