1838 / 15 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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gesebe, fár eine amtlihe Bekanntmachung der Abstimmungen imUn- t:rhause und fár eine beschränftere Dauer der Parlamente gestimmt und gehörte demnach eigentlich der radikalen Fraction der Refor- mer an, wenn gleich er einer Revision der Pensionéliste ent- gegen war. Jekt ist er zu den Konservativen übergetreten und hat zu seinem Motto den Ausspruch gewählt: „Reform, so weit sie s< mit der Sicherheit der Institutionen des Landes verträgt. Es war cin sehr naheliegender Gedanke, zu dem Feste, welches diesem ehemaligen Reformer gegeben werden solite, au< Sir Francis Burdett feierli einzuladen, dessen Uebertritt zu den Tories vor einiger Zeit so viel Aufsehen er- regte. Nach Angabe der Tory-Blätter waren 800 Theilneh- mer bei dem Feste zugegen, und 250 Damen befanden sich in den Gallerieen über der Versammlung. Die Veranstalter des Festes gehören weistens dem Handwerkêstande an. Nach dem die Üblihen Toasts ausgebracht waren und Major Marsland Einiges in konservativem Sinne geäußert hatte, nahm Six Francis Burdett das Wort, um seine Ansichten über die liberale Partei auszusprechen, deren Mitgliedern cer vorwarf, daß sie sich in ihrer Frechheit den Namen von Bg- trioten anmaßten, während sie doch nichts seyen, als lügnerische Betrüger, welche das Volk von England zu hintergehen zum Zweck hätten. Ganz besonders heftig aber äußerte er sich gegen Herrn O'Connell und die katholische Geistlichkeit in Zrland, welche durch Gewaltthätigkeiten und Einshüchterungen aller Art Jenem zu seiner jährlichen Einnahme (der O’Connells-Rente) verhelfe, die von den Aermsten im Lande durch Zwang erhobeau werde, ganz das Gegentheil einer anderen Subscription in England (der Spottiswoodeschen Sammlung), die das Resultat wahrhaft patriotischer Gesinnungen und freien Willens sey. Den Ministern warf Sir Francis Burdett alsdann nicht nur Unfähig- keit und die ardßte Schwäche vor; er behauptete, daß auch noch niczt eine der von ihnen zu Tage geförderten Maßregeln, obgleich) sich das Oberhaus stets die Mühe gegeben habe, ihre Fehler möglichst auszumerzen, praktisch von Nutzen gewesen sey. Als Beispiele für scine Behauptung nannte Sir Francis Burdett unter Anderem das Gese wegen Regulirung der Verhältnisse der Ostindischen Compagnie, die Sklaven-Emancipation, welche, durch eine Ausgabe von 29 Millionen Pfund bewerkstelligt, doch die Erneuerung des Geschreis wegen Tyrannisirung der Stlaven nicht habe verhindern können, und das Armen - Ge- seß, welches Mißvergnügen und Unzufriedenheit in allen Thei- len des Landes hervorgerufen habe. Genug sey durch dieses Alles bewiesen, so meinte Sir Francis, daß andere Männer an die Spike der Regierung treten müßten, Männer, wie der Herzeg von Wellington, dessen Genie das große Genie seines Gegners Napoleon weit überbiete, und welcher der größte Mann sey, den diescs oder irgend ein anderes Land in irgend cinem Zeitalter hervorgebracht habe.

Herr O'Connell ist so weit hergestellt, daß er wieder ófent- lichen Versammlungen beiwohnen kann. :

Während die Oppositions-Blätter behaupten, daß sich auch auf der Prinz Edwards - Insel Zeichen von Mißvergnügen kundgegeben, haben nach Berichten ministerieller Blätter die Einwohner von Neu - Braunschweig und Neu- Schottland be- s{lossen, fest an der Sache Englands zu halten. In einer df: fentlichen Versammlung zu Halifax hätten sich solche Gesinnun- aen kundgcgeben, daß die Regierung im Stande sey, noch zwei Regimenter von Neu-Schottland nach Kanada zu senden. Ïn Neu - Braunschweig bildete sich nah denselben Berichten ein Freiwilligen - Corps der Königin.

Nach Briefen aus Washington vom 14. Dezember hat der Kongreß seine Arbeiten noch nicht begonnen, außer daß ein Vorschlag, während der Winter-Monate bewaffnete Kreuzer zur Unterstüßung bedrängter Kauffahrer längs der Küste aus- zurüsten, bewilligt worden ist. Man erwartete einen erbitterten Angriff der Whigs gegen das jeßt von Herrn van Buren ver- tretene Jacksonsche System im Nepräsentantenhauje. Die Nord: Amerikanische Regierung läßt die Gränzen gegen Kanada und Neu- Braunschweig hin auf's sorgsamste bewachen, und der Staats-Se- cretair hat Cireulare an die Gränz-Behörden erlassen, in dencn der (Gon erwähnte) entschiedene Entschluß des Prásidenten aus- gesprochen wird, sich jeder Einmischung in die Streitigkeiten des Nachbarlandes zu enthalten, und wonach alle Uebertreter der Geseße, die gegen Rüstungen und Rekcutirungen in den Vereinigten Staaten für fremde Staaten erlassen worden, zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Er beruft sich auf eine Afre von 1818, wodurch mehrjährige Gefängnißstrafe, so wie Geldbußen von 1000 bis 3900 Dollars auf solche auswärtige ReLrutirung oder Betreibung von Rüstungen gegen fremde Staaten gesebßt sind. D

Die Expedition von Valparaiso gegen Peru ist am 1êten wirklich abgesegelt, nachdem die Regierung von Chili die Englische Vermittelung ausgeschlagen. Santa - Cruz soll indeß wohl vorbereitet seyn, sie zu empfangen. Sein Heer, das im Norden zusammengezogen ist, sol 13,000 Mann stark seyn; cine Division desselben steht unter Ballivian, einem älteren Offiziere von Verdienst, bei Huacho, dem Orte, wo man die Landung der Expedition erwartet.

Niederlande.

Amsterdam, 9. Jan. Dem Handelsblad zufolge, hat die Xoctsezung der Haarlemer Eisenbahn, und zwar bis Rot- terdam, die Königl. Konzession nicht erhalten.

Bei etzzer Kälte von 12 Grad is das Y vor unserer Stadt völlig zugefro7en, und unsere Nord-Holländischen Nachbarn fommcen bereits über das Eis zu uns.

Schweden und Norwegen.

Stocéholm, 5. Jan. Wic man vernimmt, wird der von hier abwesende Könfgl. Großbritanische Gesandte Herr Duncan Bligh nicht zurúcffommen, sondern zum Gesandten beim Könige von Hannover ernannt werden; hier soli statt seiner den Win- ter über einstweilen no< der Geschäftsträger Herr Bloomfield fungiren. . j E A

In Folge der Nachrichten, die unser Gesandter in Wien über die guten Aussichten für den Absal Schwedischen Eisens in den Oesterreichischen Staaten für die Eisenbahnen gegeben, haben dem Vernehmen nach drei der beträchtlichsten Bergtwerks- Besißer in Wermland, Graf Löwenhjelm, Herr Wärn und Herr Croneberg bei der Regierung um erweiterte Schmiede- Freéheit, Anlegung eines Walzenwerkes für 50,900 Schifspfund u. \. w. zur Anfertigung von Eisen zu Bahnschienen nachge- sucht; auch is das Eisen zu Gothenburg im Preise gestiegen.

Das Aftonblad erschien vorgestern noch als eilftes, ge- stern als funfzehntes, heut als sechzehntes.

Deutschland. Hannover, 11. Jan. Hier is folgende Königliche Pro- clamation , die Zusammenberufung der allgemeinen Stände be- treffend, erschienen : s

„Wir Ernst August 2c. 2c. fügen hiermit zu wissen: Nachdem Wir die dur das Staats-Grundgeses vom 26. September 1833 ber- voraerufene allaemcine Stände - Versammlung durch Unsere Procla- mation vom 39. Oktober 1837 aufgelost hatten, erflärten Wir !n Un- serem Patente vom 1. November 1837, daß die verbindliche Kraft des gedachten Staats - Grundgesctes erloschen sev, und Wir die in dem Königlichen Patente vom 7. Dezember 1819 angeordneien, bis zum Jabre 1833 in voller Wirfsamfkcit gewesenen, allgemeincn Stände unverzüglich zusammenberufen würden, um Unsere Ver- fafsungs- Autröge ibnen zur Beratbiung und Annahme vorzule-

! gen, Nach Beendigung der noihwendig erforderlicz gewesenen Vor- | arbeiten gewädrt es Unferm Herzen eiae ganz besondere Freude, je- ! nes Versprechen gegenwärtig erfüilen und Unsere getreucn Siände

| um Unsera Thron versammein zu fênnen.

Ju Hinsicht der zu deru- fenden Stände baben Wir Uns streng an das Königl. Patent veu1

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| 7. Dezember 1819 und an das demselben angeschlossene Verzeichniß

gicderu der ersen Kamuter der Stände aufgeführt worden. Da iudcß

der Mitglieder der allgenicinen Stäude- Versammlung gehalien, in scfern nit inzwischen Abänderungen stattgefunden haben. Ju die- scr Hinsicht eröffuen Wir Unseren getreuen Ständen Folgendes: 1) Mach deur Königliczen Patente vou 7. Dezember 1819 ist weacn der Grafschast Febcustein nur der Graf von Steiberg unter den Mit- der(Graf v. Stolberg-Wernigerode, auf gleiche Weise wie der Graf v. Stol- berag-Stolbera, sehr anschnlicheBesizungen mit vorzüglichenRechten inUn;- serer Grafsch. Hobenstein hat, so entsprach es nur den Grundsäßen der Ge- recztigfeit, wcun die in dem angesührten Patente geschehene Auslassung des Hauses Stolberg - Wernigerode von Unserm Höchstscligen Herrn Bruder, dem Könige Georg IV., im Fahre 1826 abgestellt und dem-

! selben, wie dem Hause Stolberg-Stolberg, Sig und Stimme in der

ersien Kammer der aligemcinen Stände-Versammlung verlichin wor-

| den ist. 2) Nach dem vorerwähnten Königlichen Patente ift der Kö-

níg berc<tigt, Denen, welche nach den darin festgeseuten BVestimmun-

" gen cin Majorat errichtet haben, cin perfönliches ecbliches Stimm-

re<t in der erfien Kammer der aslgemeincn Stände zu certhci!en. Wenn nun Unfere Vorfabren in der Regierung vter Nitter- guts- Besißern, nachdem diese die in dem Königlichen Patente zur Stistuug cines Majorates vorgeschriebenen Bedingungen vollsian- dig erfüllt hatten, ein persönliches erbliches Stimmrecht in der ersen ständischen Kammer verlichen baben, so können Wic kein Be- denken tragen, diese besonderen Begnadigungen so zu betrachten, als ob sie sämmtlich unter der Herrschaft des Patentes vom 7. Dezember 1819 stattgefunden bälten. Da indeß drei ven den, von Unseren Höchstseligen Herrn Berudcr, dem Könige Wiiheim [V., über Verlci- bung eincs crblichen Sip- und Stimmrechtes in der crsten sländi- \{en Kammer erthcilten Patenten zur Kenntniß der aügemeinen Stände von 1819 uoch nicht gekommen siad, so soilen diesca, sofort nach ihrer Zusammenkunft, die darüber ausgefertigten Urkunden in beglaubigter Abschrift mitgethcilt werden, damit sie davon Kenunt- nehmen und die mit einer Virilstimme Begnadigten zu dcu Verhandlungen in der ersten Kammer der allgemeinen Stände zu- lassen. 3) Durch die, nach vorgäugiger Berathung mit der ailgemci- nen Stände-Versammlung, unterm 13. Januar 1832 erlassene Kö- nigliche Proclamation wurde bestimmt: daß ciuige Deputirte des bisher noch nicht vertretenen, sowohl freien als vflichtigen Bauern - standes aus den Landdrofci-Bezirken Hannover, Hildesheim, Lünc- burg, Stade und Osnabrück erwählt und in der zweiten Kammer der allgemeinen Stände-Versammlung zugelassen werden sollten, in so- fern diese erwählten Deputirten, neben den librigen, nach den bishe- rigen allgemeinen Bestimmungen crforder.ichen Qualificalionen uit ländlichen Grundstücken im Köuigreiche augesesseu sind. Die Be- immung der Anzabl der von Neuem zuzulassenden Deputirten des Bauernstandes hatte sich der König vorbehalten und if dieselbe in der Verordnung vom 22. Februar 1832 dahin erfolgt: daß au den Wahlen, welche nah dem Königlichen Patente vom 7. Dezember 1819 den nicht zur Nitterschaft gehöreuden freien Gutsbesißern in den Fürstembhlimern Calenberg, Göttingen und Gru- benhagen, dem Fürstenthumc* Lüneburg, den Bremischen Geest: Distrik- ten und dem Herzogthume Verden, deu Grafschaften Hoya und Dicp- holz, dem Fürstenthbume Osnabrücf mit Meppen uad Lingen und dem Fürstenthume Hildesheim, so wie den Flecéen und Freien in der Grafschaft Bentbein zugestanden sind, auch die erblichen Bcsizer bisher pflichtiger Hbfein den erwähnten Distrikten Antheil nehmen sollen ; daß ader die Anzahl der von diesen Grundbesizern zu erwählenden Deputirtci auf folaende Weise festgeseßt werde: aus den Fürstenthümern Calen- berg, Göttingen und Greubenhagen drei: aus dem Fürstenthum Lünebürg drei ¿’gus den Bremischen Geest- Distrikten und dem Herzogthume Verden zwetz'aus den Grafschaften Hoya und Diepholz einer; aus dem Fürftcu- thume Osnabrück drei: aus dém Herzogthume Aremberg-Meppen und der Nieder - Grafschaft Lingen einer; aus dem Fürstcnthume Hildesheim zwei; aus der Grafschaft Bentheim einer. Bei diesen aucrfaunten Bestimmungen hat cs flir jet lediglich sein Bewenden. Auf gleiche Weise sollen die in vorded lr Verordnung vom 22. Februar 1832 über Vornahme der gemeinschaftlichen Wablen enthaltenen Vorschrif- ten bei den gegenwärtig anzußellenden Wahlen beobachtet werden, da die unterm 9, Dftober i833 über die Wahlen erlassene Verordnung mit dem von Uns aufgehobenen Staats- Grundgeseye vom 26. Sep- tember 1833 in unzertrennlicher Verbindung fleht, somit deren ver- bindlihe Kraft zugleich mit der des Staats-Grundgesegcs erloschen ijt. 4) Da das Schatz - Kellegium aufgehoben worden ist, so fön- nen dessen Mitglicder, welche nah dem Patente vom 7. Dezember 1819 sowohl in der ersten als in der zweiten Kammer der allgemeinen Stände-Versammiung Siy und Stimme hatten, als solche zur allge- meinen Stände-Versammlung nicht weiter zugeiassen werden. Aus den von Uns angegebenen Gründen sollen nicht uur die vorher be- zeichneten persönlich Berechtigten, scudern auch die Deputirten der nicht zur Ritterschaft gehörenden Grundbesißer mit Eiuschluß des Baucernstaudes zu der bevorstehenden aligemeinen Stände-Versamm- lung cinberufen werder. Was übrigens die Wahlen der Devutirten der Städte aubetrifft, so wollen Wir, daß sie nah den Bestimmun- gen der Verordnung vom 22, Februar 1832 vorgenommen wer- den. Unmittelbar nah der Eröffnung der allgemeinen Stände- Versammiung werden Wir ihr den Entwurf ciuer neuen Verfas sungs-Urfundefürdas Königreich zur Bcrathungund Annahme und versczicdene andere wichtige Gesetz-Entwürfe zur Berathung vorlegen lassen. Den Zeitpunkt der Eröffnung der allgemeinen Stände-Versamm- iung segen Wir auf den 20. Februar 1838 fest, und acwärtigen, daß die Berechtigten persönlich, in so wcit ibnen solches zusteht, oder durch genugsam bevollmächtigte Deputirte, au gedachtem Tage in Un- serer Residenzstadt Hannover si cinfinden, um der Erésfuung der allgemeinen Stände - Versammlung beizuwohnen und au den sodaun oortommenden Verathungen Antheil zu nehmen. Die geg-enwär- tige Proclamation soll durch die erste Abtheilung der Cescy-Saumm- lung zur algemeineu Kenntniß gebracht werden.

Ccgeben Hannover, den 7. Januar 1838.

Ernst August. G. von Schele

Ferner ist folgende Königliche Kabinets, Verordnung er- schienen :

„Wir Ernst August 2c. 2c. Haben, in Erwägung, daß dle bei den Yatrimonial-Gerichten angestellien Gerichtshalter, nach Vorschrift des $. 39 des über die verbesserte Verfassung der Patrimonial - Ge- richte unterm 13. März 1821 erlassenen Gesetzes, der Klasse der Staats- diener augchören; daß die Mitglieder der verwaitenden Magistrate und Gerichte der Städte und Flecken, insofern sie nicht als Verwal- ter des Gemeinde-Vermögens in Betrachtung kommen, die Eigenschaft wirklicher Staatsdiencr haben; daß aber die Auédrücke: „Staats- diener“ und „Königliche Dicuer“ als völlig gleichbedeutend be- trachtet werden müssen; auf den Bericht Unsers Staats - und Ka- bincts- Ministers beschlossen und verordnen, wie folgt: $. 1. Die vou Uns in Unserm Patente vom 1. November 1837 ausgesprochene Ent- bindung sämmilicher Königlicher Dicner vou ihrer auf das voi Uns aufgehobene Staats - Grundgescy ausgedchuten eidlichen Ver- pflichtung if! gleichfalls nicht nur ven deu bei den Patrimonial - Ge- richten angestellten Gerichtshaltern, sondern auc) von den Mitalie- dern der verwaltenden Magistrate und Gerichte der Städte uud Flcf-

fen zu versichen. s. 2. Unser Staats- und Kabinets - Minis L : j E : i für die Vollziehung der acgenwäctigen dcflaratorischen Verord {oß anzucegen Zut, die Arbeit wider Erwarten glücklich welche in die erste Abtbeilung der Gesc - Sammluna cinzurücen F vollendet. as Kunstwerk wird gereinigt, und bleibt daher vor Sorge zu tragen. Hannocver, den 7. Januar 1838. E der Hand dem Publifum verschlossen. Die Kommission hatte Erust August. , bereits dem Monumente die vierte Seite des Zwingers ange- e G. von Schelle, È wiesen, indeß der Plan, ein neues Theater zu bauen, hat den Kassel, 10. Jan. (Kass. Zeitg.) Der Jahrestag } Vorschlag ins Leben gerufen, das Monument hart an der Elbe Verköndigung der Kurhessischen Verfassungé-Urkunde ist, w,} auf dem Plaße, wo jeßt cinige Häuser, namentlich das des auch nicht im rauschenden Gepränge, doch in ernstem, feierlig,}l Professor Vogel von Vogelstein stehen, aufzustellen, jo daß daf: Andenken am Lten d. bei uns begangen werden. In manzf® selbe einen imposanten Anblick von der Brücke aus gewähren fachen Kreisen wurde der Tag gefeiert. Wir nennen daru,fk wärde. : : den schon Tags vorher stattgefundenen zahlreich besuchten vY Die Leipziger Zeitung widerspricht der von einem Wie- des hiesigen Abend-Vereins. Am Lten Mittags aber ve/F ner Korrespondenten mehrerer Deutswen Blätter mitgetheilte nigten sich die Mitglieder der Stände - Versammlung zu eiz F Nachricht, daß hier auf Requisition des Königs der Franzosen Festmahle im Gasthofe zum Römischen Kaiser, wozu auch F zwei Polen verhaftet und an eine benachbarte Macht ausgelie- Landtags: Kommissar eingeladen war, und die Herren Minz fert worden seyen. Y gebeten waren, welche leßteren jedoch gleichzeitig bei J. K, F Darmstadt, 6. Jan. (Braunschw. St. Z.) Se. Ho- der Kurfärstin zur großen Tafel eingeladen zu scyn die (F heit der Prinz Emil, Bruder des Großherzogs, bewohnte bis jest noch jein Landhaus im Bessunger Garten, vor dem Thore

hatten. Bei dem ständischen Festmaÿgle brachte der F jet i sident der Stände - Versammlung, Herr Ober - Bürgerme/ F dec Residenz. Am 2ten d. M., Nachmittags, begab fich der-

des Kurfürsten unter den herzlichsten Acclamationen der E und unter Vortritt eines Lakeien, der die Gartenthüre geöff-

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Schomburg, zuerst den Toast auf das Wohl Sr. Königl. [F selbe, in Begleitung des Generals Prinzen von Wittgenstein

sammlung und in folgenden Worten aus: „Unsere erste H gung gebührt dem Gründer der Kurhesüshen Verfassung, <em wir heute, selbst in der Ferne des Raumes, wie uy; spätesten Nachkommen in der Zeiten Ferne, das dankdarste| denken widmen mögen. Se. Königl. Hoheir der Kurf r hoch !‘/ Die Musik fiel hier mit der Weise: „Heil Kut Wilhelm Dir!‘ ein, welche bei den folgenden Gesundh

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* net und wieder geschlossen hatte, nach jenem Hause, als in dem T Augenbli>, wo jie demselben schon ziemlich nahe gekommen wa- Îren, pld6li ein Schuß fiel, dessen Ladung (Schrootkörner) durch die Báume prasselte, und ein Stuck Baumrinde in der T ENzhe des Punktes, wo sich diese hohen Personen befanden, Mwegciß. Man hatte durchaus nicht wahrnehmen können , aus Melcher Richtung der Schuß gefallen war; weder in dem Gar-

der Mitglieder des hohen Regentenhauses wiederholt wurd Fen, noh in dessen Umgebung war irgend ein Mensch Hierauf brachte der Präsident die Gesundheit Sr. Hoheit Wu erbli>ken. Indessen liegen unfern des vorerwähnten Kurprinzen-Mitregenten und die Jhrer Kdnigl. Hoheit der { FPunfktes die Hintergebäude mehrerer Wohnhäuser , zu

Vderen Durchsuchung der Prinz von Wittgenstein , den Waftaien mit sich nehmend, vorschritt. Jedoch vergebens; und die Verfassung, mit dem innigen Wunsche, daß sie fort | Mnoch bis heute ist keinerlei Entdeckung gemacht worden. Daß fort sh entwickeln mdge im Geiste und in der Wahrheit, Mmit diesem Schusse die Verübung irgend einer Frevelthat beab- daß alle Kräfce, welche dazu berufen sind, sich vereinigen m{z Wsichtigt worden, glaubt Niemand. Prinz Emil genießt, wegen deren Segnungen im Lande zu verbreiten.“ Hierauf br Weiner e<t humanen Gesinnung, gepaart mit hoher Klugheit der Landtags - Kommissar, Herr Obergerichtsrath Scheffer, Mund Umsicht, der allgemeinsten Liebe und Hochachtung, die sich Gesundheit des Präsidenten und der Mitglieder der Stiy Werst kärzlich in den Besorgnissen kund gaben, die sein leidender versamm/ung aus, Herr von £Laiß die des Herrn Landt Gesundheitszustand hervorrief. Auch der General, Prinz Witt- Kommissars, der Herr Erbmarschall von Riedesel die der L Fpenstein, ist, als ein gerechtigfkeitsliebender Chef, cin schr popu- ner des Festes. Das Fest ve-längerte sich in Heiterkeit 1 Wairer Mann. Die öffentliche Meinung theilt sh demnach in Eintracht bis in den Abend. der Vermuthung, daß entweder cin noch von der Neujahrsnacht Schwerin, 10. Jan. Jhre Königl. Hoheit die Giher geladenes Gewehr auf das Gerathewohl hin abgeschossen herzogin haben gestern, um der drückendsten Noth, we‘ce Fsporden, oder daß es auf cin Vogel\chießen- abgeschen gewesen plôzlich eingetretene strenge Kälte herbeigesährt hart, cinige "dabei aber die Vorschriften der Vorsicht aufer Acht gelassen ßen abzuhelfen, 200 Rihlr. für die hiegen Stadt- Armen worden sind. So viel is Thatsache, daß eben so großes Er- bestimmen und die Vertheilung dieser Summe an die Bed staunen, als die Bekanntwerdung des Vorganges hervorrief tigsten dem Stadt - Polizei: Amte zu übertragen geruht. C ben so lebhaft auch die Zufriedenheit sich äußerte, als man fast so haben Se. Königl. Hoheit der Großherzog heute 400 Ry gleiehzeitig erfuhr, daß die dabei in Gefahr geseßten Personen aus Höôchstihrer Chatoulle zu demsclben Zweck bewilligt, Feinen weiteren Schaden erlitten hätten. E Dresden, 12. Jan. Auf Befehl Sr. Königl. s ; jestät werden für Allerhöchsidessen Vater, d:n verewigten P; U B05 G zen Maximilian, künftigen Sonntag den 14. d. M. Nah F Wien, 7. Jan. (Leipz. Allg. Z.) Ungeachtet des nicht tags 4 Uhr die Vigilien und Montag den 15. d. Vormi| | nbedeutenden Schneegestdbers hatte gestern doch die dreimalige halb 10 Uhr die Exequien in der hiesigen katholischen Hof\) Mahrt auf unserer Eisenbahn bis Deutsch-Wagram statt. Diese "ÆSrrecke von 2'/, Deutschen Meilen mit ciner Last von mehr als

gehalten werden. : Der Kaiserl. Oesterr. Feldmarschall-Lieutenant, Prinz Gus (1,090 Centnern ward in 35 Minuten zurückgelegt. Es ijt kein v. Wasa, ist auf der Rückreise von Oldenburg gestern hier (weifel, daß die Nordbahn: Direction bei ihrem rastlosen Eifer gekommen und heute Mittag nach Wien weirergereist. nit welchem sie {hon bedeutende Hindernissc zu überwinden Seit ungefähr acht Tagen scheint der Winter sein R:(vubte, fortdauernd gute Geschäfte machen wird und daß sie auf auch hier geltend zu machen, indem immer cine Kälte von | ahlreiche Personenfrequenz rechnen könne, auch wenn die erste bis 14 Grad Reaumur herrscht. MMeugierde des Publikums sich gelegt haben wird. Beinahe Dresden, 10. Jan. Die Leipziger Zeitung ih nerklärbar aber ist das fortwährende Weichen der Nordbahn- folgende nähere Nachrichten über das Ableben des Prin ctien. Sie sind bercits auf 1v6?/; gesunken. Nachschrift. Maximilian: „Se. Königl. Hoheit, Maximilian Herzeg Die heute stattgefundene dritte Fahrt auf unserer Nordbahn Sachsen, hatten bereits seit Anfang Dezember vorigen Ja{ M în der Art miplungen, daß man nur bis Floridsdorf kam in der re<hten Hüfte, in den nahen Theilen nach der Niere F nd wegen der cingetretenen Dunkelheit Und der unbrauchbar und in der Lunge bedeutende Schmerzen gefühlt, die, dus wordenen größern Locomotive die Rückfahrt nah der Sradt mehrere Fälle, namentlih durch den lezten, welcher sich ¿n 1 orzog. Solche Unfälle sind nicht geeignet, den Kredit des Un- rigen Jahre in Florenz ereignete, veranlaßt zu scyn dium ternchmens zu steigern. Um so erfreulicher war Höchstdessen Umgebung die Bemein * daß gegen Anfang dieses Monats die Krankheit der Hoftut F

färstin aus, und sodann folgenden Trinkspruch für die Va sung: „. Auf aufrichtige und unverbrüchliche Anhänglichkeit

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n : Se E Wien, 8, Jan. Se. Kaiserl. Hoheit der Erzher-

Raum gab, das ehrwürdige Haupt der Königlichen Fanl/ og Karl ist am bten d. M. von hier über Gràß nah Venedig bgereist, um seinen dort befindlichen dritten Sohn, den Erz-

werde noch längere Zeit erhalten scyn. Diese Hoffnung wu L aber dur< einen Husten mit Crbrechen vereitelr , wel erzog Friedrich, welcher im vorigen Monate daselbst von einem Höchstdenselben den lsten d. M. früh 11 Uhr, ín F astrisch-rheumatischen Fieber befallen worden, zu besuchen und eines Lungenschlages, nah dem Genusse des Seltecwas m) von dem Krankheits-Zustande desselben perjönlich zu über- üúberfiel, und das bald nahende Ende befärchten |Fügen. Auch der in Gräs6 befindliche Erzherzog Albrecht, àl- Von diesem traurigen Vorfalle in Kenntniß geselzt, beg! ste Sohn des Erzherzogs Karl, wird sich von da mit nach A enediz zu seinem Bruder begeben. äm öten d. fand das Leichenbegängniß des Generals der

sich beide Königl. Majestäten und die Glieder der Königl. milie zu Hôchstdemselben, gerade als sämmtliche Minister, E / diplomatische Corps, die Generalität und die hohen Cipvill vallerie, Grafen. von Nimptsch, Oberst-Hofmeisters Sr. Kai- Ml. Hoheit des Erzherzogs Johann statt. Dem Leichenzuge qte dieser erhabene Prinz zu Fuß in die Kirche der Domi-

hörden zur Gratulations-Cour in den Zimmern des K Schlosses versammelt waren. Jt Folge dieses wurden die F '

Mfaner und von da bis zum Weichbilde der Stadt, in Beglei- g mehrerer Generale. Man weiß si< nicht zu erinnern,

sowie alle Festlichkeiten, die für die Königl. Familie zum e F Jahrestage bestimmt waren, abbestellt. Die Glieder deé F ß je einem Oberst-Hofmeist

; e einem OVberst-Hofmeister eine ähnliche Auszei i-

0A nlicl) szeichnung wi-

nigl. Hauses blieben um den hohen Kranken, Höchstdessen “F Nach Berichten aus Grág vom 23ten d. M. wird sich der

perkraft sichtlich abnahm, versammelt, und verließen von Ab! F

8 Uhr den 2. Januar an Höchstdenselben niht, bis R | ttige kommandirende General, Prinz Philipp August v. Hes- ¿Homburg, am Sten d. M. mit der verwittweten Baronin

darauf halb 6 Uhr die gefürchtete Trennungsstunde ge gen, nachdem Höchstderselbe um 4 Ußr zum lelztenmal: L e (

seiner Gemahlin und seinen Kindern gesprochen. Durch" F, Schimmelpfennig, morganatisch vermählen. Die verlobte

; B aut hat den Titel einer Gräfin von Homburg angenommen

Y Während des diesjährigen Karnevals werden bei Hoje

Section des Leichnams ergab sich, daß die Kugel im Bt durch das vorerwähnte öftere Fallen sieben Risse, unter d Wi 5 :

/ «V D stattsinden ; der Fürst Metternich wird ebenfalls vier

und der Fürst Colloredo auch einige Feste geben, desglei-

drei größere, erhalten hatte, und die Kugel in Citerung ib Gu gegangen war. Se. Königl. Majestät beschlossen, Allerh! Ds 4 edt dessen Vater mit aller Auszeichnung begraben zu lassen. F Gef beim Kaiserl. Russischen Botschafter, Vailli von Tg- A E A n aber nach dem Willen des H4 À e}, vier Feste angesagt. i erewigten in Höchstdessen Testamente, welches cin einfachet} A _, aräbniß,„ohne alles Gepränge““ bestimmte, abgekürzt. N ster S ldau und Wallachei. Hülle des Veretwigten wurde daher den 5. Januar Aben) MuHarelt, I. Dez. (Journal de Smyrne.) Der Uhr, nur in Begleitung von Beamten der Kniglichen Fan Ne Konsul hat alle Verbindungen mit den Ortsbehdr- unter Geläute der sämmtlichen Kirchenglocken, zwischen den V F gebrochen, leine Flagge eingezogen, sein Wappen abge- hen des Regimentes Prinz Max und von 4 Bataillonen K nsula, Ms die Französischen Unterthanen an das Britische munal-Garde aus dem Brühlschen Palais an das große P E ae wiesen. Die Ursache hiervon ist folgende: Vor tal der fatholischen Hoffirche bei glänzender Fackel-Beleuh sässi geit entstanden Streitigkeiten zwischen den beiden hier getragen, an dem Portal von der Geistlichkeit empfangen, L R U Een Aerzten Marsille und Tavernier, Und nach dem „Salve regina“ von dem Hôchstsel. König Fried" n Urku E den Ersteren der Bigamie und der Verfälschung August komponirt in der Familicngrufc mit den gewth® R: Gies an, so daß der General - Konsul, Marquis von hen Festlichkeiten beigeseßzt.“/ Mnmenzur N sch gendthigt sah, das Konsulats - Gericht zu- Die von dem Gießerei- Inspektor Schrödel gegossene Sta Lire aue E derrn Marsille vorzuladen , der sich jedoch des Königs Friedrich August is in diesen Tagen gänzlich "ände “ex ieser Vorladung Folge zu leisten, unter dem Vor- Mantel befreit worden, und steht gelungen da. Die Un\Munge L N Rajah geworden. Da wiederholte Vor- womit 1 Wet gen ebenfalls ohne Erfolg blieben, so sandte der General-

der Fleiß und die Ausdauer, womit der Meister z1 dnsul E 3

, M . , (i end L . S ging, hat die großen Schwierigkeiten, namentlich die, wel nsulats s E Ae und drei Arnauten des Britischen die Lokalität bietet, siegreich überwunden, und obgleich der bd / en Doktor in seinem Hause zu verhaften.

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| ! i ) Be és gelang indeß erst, nacl in Pi S Gusse erfolgte Knall mit dem Senken der Gußmasse nid! "Wzefeuer ep ers, nachdem er ein Pistol auf die Arnauten alúélichste Vorbedeutung zu seyn schien, so is, tros der fa/ty rkund sich, bei dem Versuche, einem derselben den Yatagan zu

( 4 E Mm l'eißen i . Tin Z Räumlichkcit und der Nähe der Clbe, die den Ofen in C in der Hand perwundet hatte. Scine Gattin, welche

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Y aus einer der ersten Bojaren-Familien stammt, eilte sofort zum

Fürsten, um Genugthuung zu fordern für den auf Befehl des Französischen Konsuls gegen ihr Haus gerichteten Angriff. Der Fürst sandte sogleih den Polizei - Direktor Floresco zu dem Marquis von Château-Giron, um die Freilassung des Doktors Maríille, der ein naturalisirter Wallache sey, zu fordern, widri- genfalls sofort ale Verbindungen mit dem Französischen Kon- sulat abgebrochen werden sollten. Der Konsul erwiderte, er könne Herrn Marsille nicht frei lassen, weil derselbe ein Fran- zose sey und sich ers vor den Gerichten seines Landes von den gegen ihn erhobenen Anklagen reinigen müsse. Als am folgenden Tage die Papiere des Herrn Marsille in Beschlag genommen werden sollten, verlangte derselbe dabei zu- gegen zu seyn und gab sein Ehrenwort, daß er sih wieder als Gefangener stellen werde. Dies wurde ihm bewilligt. Kaum waren aber die Beamten des Konsulats in der Woh- nung des Doktors angekommen, als sie von ctwa 50 Mann unter Anfühcung des Herrn Kirkolesko umringt und von die- sem gefragt wurden, mit welchem Rechte sie in die Wohnung ciner edlen Wallachischen Dame eindrängen, und was sie da- selbst wollcen? Herr Marsille hatte unterdeß die erste Ueber- raschung seiner Wächter benußt und sich in sein Zimmer bege- ben, wo er sih einschloß. Jn diesem Augenblick trat der Po- lizei-Direktor cin und erklärte im Namen des Fürsten, daß diese Verlesung des Hausrechts nicht gestattet werden fönne und daß die Franzosen ersucht würden, sich zurückzu iehen. Obgleich nun der Konsulats-Beamte im Namen des Königs der Franzosen die Auslieferung des Doktors Marsille ver-

langte, so erhielt er do<h nur eine förmliche Weigerung zur Antwort und mußte sich endlih mir seinen Leuten zurückziehen; doch protestirtee er im Namen des Kd-

nigs Der Franzosen gegen diese der Französishen Behörde bei Ausübung ihrer Functionen zugefügte Beleidigung. Von diesem Vorgange unterrichtet, erlicß der Narquis von Château-Giron eine föcmlihe Protestation gegen den Fürsten mit dem er öffentlich brach, und sandte sofort einen umständli- chen Bericht von dem ganzen Vorgange an den Französischen Botschafter nah Konstantinopel. Diese Angelegenheit macht na- türlich hier groÿes Aufsehen, und die allgemeine Meinung ijt gegen die Wallachische Regierung, die sich auch mit dem Eng- lischen Konsulat úüberworfen hat, indem sie einen Soldaten def- selben verhaften ließ und ihn 24 Stunden gefangen hielt, was cine lebhafte Reclamation des Britischen Konsuls und eine Beschwerde desselben bei dem Britischen Gesandten in Konstan- tinopel zur Folge hatte.

Türlel

Konstantinopel, 11, Dez. Jn der Politik und Diploma- tie der Pforte heri scht noch immer dieselbe Stille, und alfém Anschein nach wird dieser Zustand der Dinge bis nah dem Bairam-Feste dauern. Der Sultan pflegt, wie gewöhnlich wäh- rend des Ramasan, täglich, wenn es irgend das Wetter erlaubt in den lebhaftesten Theilen der Stadt spazieren zu reiten oder zu fahren. Am häufigsten begiebt er sich na<h dem Platze Se- rasfkier- Kapussa, einem der schönsten und größten Pläte Kon- stantinopel s, wo er ín einem auf der Seite der Moschee des Sultans Bajazet gelegenen Kiosk eine oder zwei Stunden zu- bringt. Der Sultan- soll die- Absicht zu erkennen gegeben ha- ben, an cinem Tage dieser Woche das Jftaxr - Mahl in dem von Tahir-Bei erbauten neuen Zollhause einzunehmen.

_Es bestätigt sich, daß der Gebrauch der Ehrenmäntel (Har- vani), mit denen die hohen Staatsbeamten bei der Einseßung in ihre Aemter bekleider wurden, und die sie bei feierlichen Ge- legenheiten zu tragen pflegten, völlig abgeschafft worden; nur der Sultan wird sih ihrer no< bedienen. /

Der früher zum Geschäftsträger in Wien bestimmte Rifaat- Bei f zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister daselbst und zum Nach im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ernannt worden. Er wird nach dein Ende des Ramasan auf seinen Posten abreisen.

i Die hier ansässigen Persischen Kaufleute erhalten zivar forr- während bedeutende Geldsendungen, denken aber nicht nur nicht daran, ihre Schulden zu bezahlen, sondern verlangen sogar noch einen neuen Aufschub von fünf Jahren. Sie scheinen sehr aufgebracht darüber zu seyn, daß mehrere hiesige Handlungs- R A A errichtet haben, und thun alles Mögliche, um diese neuen Ecablisscments zu stürzez: ; ‘fte ih- nen dies nicht gelingen. M G a N

Die Englischen Kommissarien, welche mit den Unterhand- lungen über den neuen Zoll-Tarif beauftragt sind, haben heute eine Konferenz mit dem Ober-Zoll-Dircktor, Tahir-Bei, gehabt. Es ist dies die erste, seitdem Neschid-Bei seine Functionen über- nommen hat, und man hofst, daß diese Angelegenheit; fr die der neue Minister sich sehr interessirt, in kurzer Zeit zur Zu- friedenheit aller Parteien beendigt werden wird.

__ Am 9ten brach in einem Gasthofe in der Nöhe der Grie- chischen Kanzlei in Pera Feuer aus, welches die ganze Vor- stadt bedrohte; es gelang jedoch, dasselbe bald wieder zu ldschen.

Smyrna, 15. Dez. Am vergangenen Dienst Be: burtstage des Sultans, hatten die Monfinte: A Me der hiesigen Rhede befindlichen Kriegsschiffe, ihre Flaggen auf- gezogen. Um Mittag feuerte das Französische Admiralschif ¡Jupiter cine Salve von 21 Kinonenschüssen ab, die von al- len übrigen Schissen des Französischen Geschwaders, so wie von der Englischen Korvette „Sapphire“/ wiederholt wurden.

Man erwartet jeden Augenbli das Franzdsische Schiff „„Diadéme““, welches mit Proviant für das Levantische Ge- jwader von Toulon abgegangen ist. Man weiß jedoch nicht ob cs hier bleiben wird. Was die übrigen Schiffe betrie, so scheint ihre Abfahrt für jeßt noh aufgeschoben zu seyn. Die E E bereitet sich zur Rücktehr nah Teculon vor Und soll auf ihrer Fahrt mehrere Häfen Gricc so wie Tunis berühren. t E

(N 514° 3 S (2 s e tse , 1 Der Gesundheits-Zustand des Admirals Gallois is befrie- |

digend. :

Drei Schwedische Schiffe, die Fregatte „„Josevhine““, fom- mandirt von dem Baron Gyllengranat, und zwei Korvetten „„Arnen“/ und „Nojaden““, kommandirt von den Herren Ry- berg und Ulner, find auf unserer Rhede von Athen angckom- men. Man glaubt, daß sie sich einige Wochen hier aufhalten werden, che sie die vorzüglichsten Häfen der Türkei und des Archipels besuchen. Die Erscheinung dieses kleinen Geschwa- ders hat hier einiges Aufsehen erregt, da man seit langer Zeit fein Schwedisches Krieges]chi} hier gesehen hat. E i In dieser Woche ist weder im Lazareth, noch unter den Verdächtigen ein neuer Pestfall angemelder worden, so daß man jet hoffen darf, daß die seit vierzehn Tagen vorgekomme- nen ifolirten Fälle keine weitcre Folge haben werden.

Aegypten.

Alexandrien, 7. Dez. (Journ. de Smyrne. med Ali befindet ih mit dem größten Theil Ler bEA

Staatsdiener und Günstlin i i ir i ge no<h immer in Kahira und

ohne Unterlaß auf die Mittel bedacht, sich Geld Lad Menschen zu verschaffen, um die Scharten, die seinen Waffen in Hedschas beigebracht worden, wieder auszuwetzen, Verstärkungen nach Abyssinien zu senden, wo man deren sehr zu bedürfen scheint, und die Syrische Armee zu vermehren, die zwar stark genug seyn dürfte, um das Land im Zaum zu halten, aber nicht um die weitreichenden Pläne auszuführen, die man dem Pascha wieder unterlegt. Man glaubt sogar, daß der Augenblick zur Verwirklichung derselben bereits gekommen sey, denn man „hat fürzlih ein Corps von 5000 Mann Infanterie und 2000 Mann Artillerie, so wie cine gewaltige Menge von Waffen und Munition jeglicher Art, von hier nach Syrien ab- gehen sehen, und aus Syrien wird geschrieben, daß doct in größter Eil ungeheure Rüstungen vor sich gingen. Nicht nur ist cine außerordentliche Aushebung von 15 Muselmännern auf 100 angeoronet worden, sondern es durchziehen au< Werber in allen Richtungen das Land, um unregelmäpige Corps zu bilden. Man weiß nicht , was diese ungewöhnliche Bewegung zu bedeuten hat, und erbli>t darin einen Vorboten wichtiger Ereignisse. An Gerüchten in dieser Hinsicht fehlt es nicht, sie haben aber

nicht die geringste Autorität für sich Den mei

l < tita L . S eisfen Glauben schenkt man denjenigen, wonach es auf Ie neue Unternehmung unter Jbrahim Pascha gegen das

Ottomanische Gebiet nah der Richtung von Ädana hin oder auf eine gegen den Pascha von Bagdad gerichtete furcht- bare Expedition abgesehen wäre. Jn beiden Fällen würde cs sih um einen Bruch des lebten mit der Pforte abgeschlossenen Traktats handeln. Es sind indeß, wie gesagt, nur no< Ge- rüchte, wiewohl in Syrien so dffentlih und mit solcher Zuver- sicht, selbst in Gegenwart der Chefs der Occupations- Armee, da- von gesprochen wird, daß man ihnen am Ende auch hier eini- gen Glauben beizumessen anfängt, besonders wenn man die gro- pen Kriegsrüstungen in Betracht zieht, die von allen Seiten im Gange sind. Jndeß meint man, daß Mehmed Ali auf Hin- dernisse stoßen dürfte, die er nicht leicht würde besiegen können ; denn ist schon das Geld in Aegypten knapp, so sind es die Menschen noch mehr, und ungeachtet aller Geschicklichkeit der Rekrutirenden hält man es in diesem Augenblick für rein unmöglich, hier ein voll- ständiges Regiment waffenfähiger Leute zusammenzubringen, da das Land ganz entvölkert ist. Die Conscription wird daher um so eifriger in Syrien betrieben, wo sie au<h {hon große Un- zufriedenheit unter den Einwohnern erregt hat; der ganze Li- banon soll sich jet in Folge der Härte und Grausamkeit, wo- mit man kürzlich zu Seida bei den Truppen - Aushebungen zu Werke gegangen, im aufgeregtesten Zustande befinden. Als nämlich die Behörden von Seida den Befehl erhielten, ihren Antheil zu der neuen Aushebung zu liefern, hielten ste es für ange- messen, diesen Auftrag bei Nacht zu vollziehen. Während die Bevdlke- rung im Schlafe lag, so wird erzählt, drangen die Soldaten in die Wohnungen ein, zertrümmerten Thüren und Fenster und be- gingen die empörendsten Ausschhweifungen. Die wohlhabenden Einwohner wurden von den Behörden gezwungen, sih oder ihre während des Tumults etwa entflohenen Verwandten mit- unter fünf bis sehsmal loszufaufen. Man sperrte sie ein und mißhandelte sie aufs grausamste, bis sie sih zu dem gefor- derten Lösegelde verstanden. Mehrere unterlagen den Wunden, die sie erhalten hatten, und der Vice- Konsul der Vereinigten Staaten, der seine Stimme zu Gunsten dieser Unglücklichen er- hob, wurde mit Flintenkolben zu Boden geschlagen und der- maßen verleßt, daß man an seinem Aufkommen zweifelk. Das Journal de Smyrne, freilih ein dem Pascha von Aegyp- ten sehr feindlich gesinntes Blatt, verbürgt sich für die Wahr- heit dieser Erzählung und behauptet, daß die Bewohner des Libanon einer Empörung nahe seyen. i

Die Vorstellungen ciniger Europäischer Konsuln und no< mehr die traurige Lage der Aegyptischen Bevdlkerung, die seit langer Zeit den größten Mangel leidet und von ciner völligen Hungersnoth bedroht wurde, scheinen der Grund gewesen zu seyn, daß die Regierung Mehmed Ali's sich endlich entschlossen

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hat, die Einfuhr fremden Getraides zu gestatten oder i stens die Versicherung zu ertheilen, ba diefe Einfuhr, die Gogu nicht buchstäblich, aber doch, vermöge der übertriebenen vom Fis- kus erhobenen Zölle und vermöge der vielcn von der Verwal: tung ihr in den Weg gelegten Hindernisse, der Sache nach so gut als verboten war, durch keine sol<he Belästigungen mehr verhindert werden solle. Jm Vertrauen auf diese Versicherung haben mehrere Spekulanten schon Bestellungen gemacht, und man erwartet unverzüglich Getraide von Malta und aus Sy- rien. Einige wollen indeß noch Bedenken hegen, ob die Re- gierung Wort halten werde. Auch fragt man sich, wie Syrien Getraide missen soll, da in mehreren Gegenden diefer Provinz besonders im Libanon, ebenfalls Mangel herrsht. Von Zufuh- ren aus Europa ist bis jeßt no< keine Rede.

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wi B O4 14. Jan. Nach einer Mittheilung aus Westphalen sind in der rmen-Verpflegungs- Anstalt zu Lippstadt im v J 98 und außer derselben 44 Arme und Kranke verpflegt auch von den Kranken wiederum mehrere geheilt worden : Fünf Kinder wurden konfirmirt und bei Handwerkern oder als Dienst- boten untergebracht, alle Arbeitsfähigen aber in den Somme: Monatea mit Garten- und Felo - Arbeiten und in den Winter- Monaten mit Stricken, Spinnen und Dütenmachen beschäfrigt. Täglich war in der Anstalt cine Stube geheizt, wo mehrere Arme, denen es an Brennmaterial fehlte, ihre Arbeiten verrichten fonnten. Leider überstiegen die Anforderungen oft die Kräfte dieser trefilihen Anstalt, denen jedo auch im vorigen Jahre wiederum durch freiwillige Beiträge und Geschenke, sowohl mit Naturalien als baarem Gelde zu Hülfe gekommen ward. Den Bemühungen der Armen- Verpflegungs-Kommission, die dieser Anstale mit dem rúhmlichsten Eifer vorsteht, gebührt volle An- erkennung, und es fann nur der Wunsch recht lebhaft werden

daß ähnliche Beschäfcigungs- Anstalten an ret vielen Orten er richtet werden mögen.

_ Am Lten d. M., Mittags l Uhr, sind neuerdings die Schiffbrücken bei Köln und bei Koblenz wegen des Eisgan- ges abgefahren worden. Das Thermometer zeiate den ganzen Tag über 10 Grad unter Null. Am 10ten betrug die Rhein hdhe am Pegel bei Kêöla 8 Fuß 4!', Zoll. Z

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